Druckschrift 
2: 1887
Seite
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Mutter ihre Anliegen vorzutragen. Durch ein besonderes Ereigniß wardder Ruf dieses Bildes in der ganzen Umgegend weithin verbreitet.

Nikolaus Lemmer, ein armer Taglöhner aus einem benachbarten Dorfe,wurde im Jahre 1504 bei Gelegenheit der Kirchweihe in einer Rauferei durchSchläge derart zugerichtet, daß er ein ganzes Jahr schwer krank zu Bette lag.Er konnte kein Wort reden, war zeitweise besinnungslos, konnte die Handnicht bis zum Munde führen und Jedermann hielt seinen baldigen Tod fürunzweifelhaft. Noch trauriger war die Lage des Kranken dadurch, daß ersehr arm war und wegen seines seitherigen unsittlichen Lebenswandels dasMitleid seiner Mitmenschen weniger rege wurde. Da nun ging er, wieder verlorene Sohn, in sich, er erkannte seine Sündhaftigkeit und in bittererReue flehte er zu Gott und der allerseligsten Jungfrau um Hülfe und Bei-stand. Da träumte ihm, er solle mit einer brennenden Wachskerze zu demBilde der schmerzhaften Mutter bei Dettelbach wallfahrten, dann werde erseine Gesundheit wieder erlangen. Aus dem Schlafe erwacht, machte er diesesGelübde und siehe, alsbald fingen die Wunden an sich zu schließen und mitjedem Tage besserte sich sein Zustand. Bald fühlte er sich so weit hergestellt,daß er sein Gelübde erfüllen konnte. Als er aber vor der Säule Gott undseiner gebenedeiten Mutter seinen Dank abgestattet, wußte er nicht, was ermit der brennenden Wachskerze anfangen sollte; sie vor dem Bilde liegen zulassen, schien ihm ungeeignet, sie wieder mit nach Hause zu nehmen, nichtweniger. In diesen Gedanken und müde von den Anstrengungen der Reiselegte er sich auf den Rasen und schlief ein. Da hatte er einen zweiten Traum,in dem er aufgefordert wurde, sich in die Stadt auf das Nathhaus zu be-geben und den dort versammelten Rathsherren Alles zu berichten, was sichmit ihm zugetragen hatte. Solches that er alsbald. Aber einige der Raths-herren glaubten, man solle sich auf solche Träumereien nicht einlassen, andereaber erinnerten an die von den Vorfahren überlieferte Sage, daß man vondem Orte her, wo die Säule stehe, oft Glockengeläute vernommen habe, wasdahin gedeutet werde, man solle daselbst eine Kirche bauen. So gingen dieRathsherren, ohne einen Entschluß gefaßt zu haben, nach Hause. Nikolausaber, welcher seine Wachskerze auf dem Rathhaus zurückgelassen hatte, erzählteallenthalben, was mit ihm vorgegangen und was er auf dem Rathhause inBetreff des Glockengeläutes gehört habe. Der Besuch des Gnadenbildes wurdemm immer häusiger, man steuerte zusammen und errichtete vor der Handeine hölzerne Kapelle, in welcher das Bild und die Weihgeschenke Aufstellungfanden. Bereits im Jahre 1519 wurde mit Genehmigung des Fürstbischofsvon Würzburg, Laureutius von Libra, an der Stelle der hölzernen eine ge-mauerte Kapelle mit drei Altären errichtet und an derselben ein besondererPriester angestellt. Der Nachfolger Libra's, Konrad IV. (von Thüngen),ließ sie erweitern.