Druckschrift 
2: 1887
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Steinthal wandern sieht. An den Sonn- und Festtagen Nachmittags biszur spätesten Abendstunde bemerkt man Leute aus der Stadt und der Um-gegend auf dem Wege zur Kapelle, um sich für die begonnene Woche wiederneue Kraft und Stärke zu holen. Ueberhaupt wird im ganzen Saalgrundkaum ein Einziger zu finden sein, der nicht bei den verschiedensten Anliegendes Lebens nach der Kapelle Maria Steinthal bei Hammelburg gewallfahrtetwäre, um an dieser Gnadenstätte sich sein Herz erleichtern zu lassen. Beiden Festen der Muttergottes, die auf der Bergkopelle Maria Steinthal ge-feiert werden (es sind dies vorzüglich Mariä Geburt und Mariä Heim-suchung, auch das Kirchweihfest wird alljährlich dort feierlich begangen), istder Zudrang der Gläubigen so groß, daß die Kapelle die Menge nicht fassenkann, weshalb die Predigt immer im Freien unter einem herrlichen Linden-baume vor der Kirche abgehalten wird. Auch der Gebranch, daß am FesteMariä Geburt Nachmittags die Mütter aus der Umgegend ihre Kinder,sogar Säuglinge nach der Kapelle Maria Steinthal bringen, um sie dort derlieben Mutter zu opfern, zeugt von dem großen Vertrauen und der kindlichenLiebe, womit der ganze Saalgrund dieser Gnadenstätte zugethan ist.

WerzehnHerLigen in Attstcröt bei KammeLburg.

m AbHange des mit dem Schlosse Saaleck gekrönten Berges amlinken Saalufcr bei Hammelburg in Unterfranken lag einstdas alte Hammelburg. Dasselbe ging ein, als sich dessen Bewohner nachErbauung einer Brücke über die Saale 1121 am rechten Ufer derselben einneues Heim erbaut hatten. Die Stätte, wo es einst gestanden, behielt denNamen Altstadt. Daselbst hatte der h. Bonifazius ein Kirchlein zu Ehrender Mutter Gottes eingeweiht und dieses blieb auch nach dem Abzüge derBewohner der Altstadt stehen. Als nun von 1350 bis 1364 im FnldacrLande, wohin Hammelburg gehörte, die Pest regierte, errichtete man in demAltstädtcr Kirchlein den vierzehn Nothhelfern einen Altar, und das hatte zurFolge, daß auch das Kirchlein „die vierzehn Nothhelfcrkapelle" genanntwurde. Das Wallen dahin und die Verehrung der 14 Heiligen darin dauertebis 1524, in welchem Jahre sich die Hammelburger der Lehre Luthers zu-wendeten. Nun ward wohl die Kapelle nicht zerstört, aber in eine Scheuneverwandelt und die steinernen Statuen der 14 Heiligen um die Kapelleherum in die Erde vergraben. Im Jahre 1603 kehrte Hammelburg wiederzur katholischen Religion zurück und nun erinnerte sich Mancher auch derHeiligenstatuen wieder. Man grub nach und fand einige derselben, die dannim Saalflusse gereinigt, neu gefaßt und in der Kapelle wieder aufgestellt