202 Brilinger.
Inschrift von 1528, die sich auf das Domherrenhaus auf demMünsterplatz bezieht').
Drei Teile, Aus dieser Uebersicht des Inhalts ersehen wir zunächst,
dass die jetzige Reihenfolge der einzelnen Hefte keinesfallsdurchweg ihrer Eutstehungszeit entspricht. Denn während bBl. 109—142 und 151 —169 zusammen unverkennbar eine spä-testens 1510 begonnene und bis 1525 fortgeführte Aufzeichnungder Zeitereignisse enthalten, weist das dazwischenliegende Heft(Bl. 143—150) eine Sammlung von Inschriften, Versen undWeissagungen auf, in welcher uns schon auf dem zweiten Blatt iodie Jahrzahl 1530 entgegentritt. Ueberhaupt zerfällt die Hand-schrift hinsichtlich ihres Inhalts in drei leicht zu unterscheidendeTeile von allerdings sehr ungleichem Umfang. Der grösste der-selben, nämlich die Sammlung von Inschriften, Reimsprüchen usw.,umfasst neben Bl. 1—30 noch Bl. 113—150 und Bl. 174 — 181, 15also die halbe Handschrift, und wurde jedenfalls erst nach 1509angefangen, aber bis 1531 weitergeführt. Zum weit geringernzweiten Teil hingegen gehören die Abschriften aus alternQuellen, nämlich auf Bl. 81—108 aus Blauenstein und denGrössern Basler Annalen, und auf Bl. 170 — 173 das Concils-20decret von 1 435. Den dritten Teil sodann bilden auf Bl. 1 09—142und I51—169 Brilingers eigene chronikale Aufzeichnungen, diezwar bis 1474 zurückgreifen, jedoch vermutlich erst von 1506oder 1510 an bis 1525 Jahr für Jahr fortgeführt wurden.Brilinger» So verschieden diese drei Teile nach ihrem Inhalte sind, 25
esmnong so ^.^ s j cn Brühiger doch in jedem als Humanist zu erkennen.Vor allem weist hierauf im ersten Teil seine Sammlung römi-scher Inschriften, sowie auch späterer Distichen und Epitaphien,denen er zudem noch seine eigenen Entwürfe beifügt. Dochauch im zweiten Teil spricht hierfür die humanistische Ueber- 30arbeitung der Chronik Blauensteins 2 ), und selbst unter denChronikalien des dritten Teils bemerken wir neben dem latei-nischen Gedicht über den gefrornen Rhein von 1514 die aus-führliche Beschreibung eines römischen Münzfundes von 1516.Zugleich aber erweist er sich noch als ein fleissiger Sammler 35deutscher Reimsprüche. Auch sein Humanismus hinderte ihn
1) Ueber dieses Haus, wo jetzt die Lesegesellschnft, s. B. Chron. VI309, und Wurstisens Münsterbeschreibung in Beiträgen XII 474 und 479.Diese Inschrift lautet: Extructam me diffieillimo tempore ex templi do-nariis canonici pro suis consultationibus et musis sacrum esse perpetuovoluerunt anno 1528.
2) S. oben S. 104.