104 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
und auch eine andere (Migne 77, 147 f.) erhalten hat; vgl. Anon. Mellicensis 32 (ed. Ett-linger S. 67). Ins Angelsächsische wurde das Werk übersetzt von König Alfred d. Großen,s. Oudin, Comment. de ss. et scr. eccles. 3,405. Französisch übersetzt fanden sich die Dialoges. XV in der Bibliothek des Herzogs Jean de Berry (Delisle, Le cab. 3, 181 N. 120—122),und über italienische und arabische Uebertragungen s.Pabricius bibl.2,82. Hss. z.B. Berol.318s. X, theol. fol. 432 s. IX—X, theol. fol. 466 s. XL Bamberg. B.V. 5 s. X; (althochd. Glossenim Monac. 6028. 14689. 18140. 19440. Cheltenham. 18908. Vindob. 2723 und 2732). Sangall.213. 214 s.IX. Monac.3748 s.XI. Neue Ausgaben nur von Buch2 in J. Cozza-Luzi, HistoiiaS. Benedicti, Grottaferr. 1880 und bei Mittermüller, Gregorii dialogorum lib.II. Lau S.316ff.Wolfsgruber S. 373ff. Ebert 1, 546ff.
Am wenigsten berührt uns hier der Liber regulae pastoralis, ob-wohl dieses Buch in der Geschichte der Kirche eine höchst bedeutendeRolle gespielt hat. Gregor sandte es an den Erzbischof Johann von Ravenna,der ihm Vorwürfe darüber gemacht hatte, daß er sich nach seiner Wahlzum Papste diesem Amt durch die Flucht habe entziehen wollen (Ep. 1,24a tom. 1, 37 vom Jahre 591) Pastoralis curae me pondera ftigere delites-cendo voluisse, benigna, frater carissime, atque humili intentione repraehendis;quae ne quibusdam levia esse videantur, praesentis libri stilo exprimo de eorumgravidine omne quod penso. Die vier Teile 1 ) der Schrift geben an, auf welcheWeise der Priester zur Oberleitung gelange, wie er, wenn er dazu gelangt ist,leben solle, wie er bei rechtem Leben gut lehren könne und wie er täglichseine Schwachheit erkennen möge, wenn er gut lehre. Diese Sätze werden miteinem so tiefen, sittlichen Ernste erläutert und dargelegt, 2 ) daß die folgendeZeit das Werk tatsächlich als Richtschnur für das geistliche Amt genommenhat. Daß es schon in den ersten Monaten von Gregors Pontitikat entstand,ergibt Brief 5, 53 (Ep. 1, 352, 22) feci ut librum regidae pastoralis quem inepiscopatus mei exordio scripsi . . . transmitterem und die starke Benutzungin einem größeren Schreiben Gregors an die Patriarchen der östlichenKirche vom Jahre 591, nämlich Brief 1, 21 (Ep. 1, 28—37), wo die Notenzu vergleichen sind, sowie der oben erwähnte Widmungsbrief (591). DreiJahre später schickte Gregor die Schrift durch Bischof Venantius von Lunian den Presbyter Columbus (Brief 5, 17. Ep. 1, 299, 8) Codicem vero regidaepastoralis domno Columbo presbtjtero transmittendum per harum portitoresdireximus; quem vos nolite detinere, nam alium sab celeritate usai vestrotransmittimus; hier verspricht er also dem Venantius bald ebenfalls einExemplar senden zu wollen. Und innerhalb der Jahre 591 und 595 verrätBischof Licinian von Cartagena Kenntnis der von ihm sehr gerühmtenSchrift im Briefe 1, 41a (Ep. 1, 58, 20) Librum regularum a sanctitate tuaeditum et ad nos . . . perlatum tanto libentius legimus, quanto in eo spiritalesregnlas inesse cognovimns. Um 600 schreibt Columban an Gregor, daß erdas Werk kenne und schätze, s. ep. 1 (Epist. 3, 159, 24 f.). Schon im Jahre602 lag die Übersetzung der Regula durch den Patriarchen Anastasiusvon Antiochia ins Griechische vor, worüber sich Gregor indigniert genugausspricht im Briefe 12, 6 (Ep. 2, 352, 33) Nam quia . . . Anatolius diaconus(als Apokrisiar) quaerenti ac iubenti domno imperatori librum regulae pastoralis
') Ep. 1,24 a (I 37, 13) Nam cum verumnecessitas exposcit, pensandum valde est, adculmen quisque regiminis qualiter veniat. At-que ad hoc rite perveniens qualiter vivat. Etbene vivens qualiter doceat. Et rede docens
infirmitatem suam cotidie quanta considera-tione cognoscat.
6 ) Inhaltsangabe bei WolfsgruberS. 347—371. Ebert 551 f., besonders aberbei Dudden 1,229—238.