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Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Erster Teil.
Orgel). Zu den Wortspielereien vgl. N. 14 ff., zu den etymologischen Versuchen N. 26 f. Stückedialektischen, grammatischen und exegetischen Inhalts sind N. 21 f. 24. 29 f. 34 f. Zur KenntnisSenecas s. Peiper, Rhein. Mus. 32, 536 und De Sen. trag, lectione vulgata p. 14ff., sowie dieNoten v. Winterfelds, besonders zu N. 6 p. 416 ff.
Zur Geschichte von Senecas Tragödien im Mittelalter. Isidor scheint dieTragödien nicht zu kennen, wohl aber Aldhelm, der p. 319, 24 ff. zwei Anführungen aus demAgamemnon macht mit der Angabe in sexto volumine; diese Zählweise kommt der Ueber-lieferung E näher als A, doch läßt sich aus der Lesart kein Schluß auf die benutzte Klassevon Hss. ziehen. Lag ihm ein vollständiges Exemplar vor, so ist dies bei den häufigenReisen der Angelsachsen sicher aus Italien geholt worden. Bei Smaragd findet sich in derGrammatik ein Scholion zu Lib. 4, 2 im Paris. 13029 f. 12 b, das mit dem Beginn von f. lades Laurent. 37,13 (bei Peiper p. XXVIII) fast genau wörtlich stimmt (ein Stück ist ausIsid. Et. 8, 7, 5 genommen) und wegen dieses Standorts nicht von Remigius sein kann. AmEnde des 9. Jahrh. werden die Tragödien dem Vulgarius bekannt, 1 ) im nächsten dem Liut-prand von Cremona. Erst im 11. Jahrh. setzt die bekannte hs. Ueberlieferung mit Laurent.37,13 ein, der nicht von langobardischer Hand geschrieben ist, und dessen Archetypus wohlauf Montecassino zurückgeht. Dasselbe dürfte mit der Hs. in Pomposa der Fall sein (B.70,27). Im 12. Jahrh. zeigt sich Kenntnis bei Guido von Bazoches (Berl. SB. 1893 N. 25 S.13),und im 13. Jahrh. zählt Richard von Fournival in der Biblionomia die zehn Stücke nachder Reihenfolge in A auf (11, 129). Vielleicht weist auch die Aufschrift Tragediam'-) in Salz-burg (B. 115, 59) auf Seneca. Fast alle weiteren Aufschriften in alten Katalogen zeigen nachItalien, nämlich 1317 in der päpstlichen Bibliothek (M.Faucon, La libr. des papes etc. 1 p.25)mit Kommentar (älteste Erwähnung der Erklärung des Nicolaus Treveth?), 1337 bei Pe-trarca (Rev. des biblioth. 16, 342), 1338 in Arezzo zweimal, eine Hs. mit Nie. Treveths Kom-mentar (Archiv. Stör. Ital. Ser. 5. Bd. 4, 254); ebenfalls 1338 in der Sorbonne (Delisle, Le cab.des mscr. 3, 87 X. 1 mit Vs. lf. des Herc. furens); ferner 1369, 1375 und 1383 in der päpst-lichen Bibliothek (Ehrle 1, 313 N. 358, p. 387 N. 1357; p. 510 N. 848 und M. Faucon, La libr.des papes 2, 41) und s. XlV in Peterborough (Serap. 12, Intelligbl. S. 165). Häufig werden dieAufschriften s. XV in Italien, während sie sonst ganz vereinzelt bleiben (Montecassino zwei,Pavia fünf, Cosimo de' Medici zwei, Bibl. Este, Eugen IV., Nikolaus V. drei, Sixtus IV. vier,Borso d'Este, Florenz S. Spirito, Fiesole, Urbino — Prag, Amplonius von Ratinck — KardinalBalue, Gabrielle de la Tour — Oxford und Canterbury 3 )). Also in den ersten Jahrhundertenist die Verbreitung ganz gering, sie wächst erst im Zeitalter des Humanismus.
Ueber die literarischen Kenntnisse des Vulgarius s. Dümmler S. 44 f. und besondersv. Winterfeld, PL. 4, 407 f. und im Hermes 33, 506 ff. Das höhere Lebensalter des Vulgariusergibt sich aus dem Brief an Vitalis p. 418,14. Als Auxilius die Schrift De ordinationibusa Form, papa factis schrieb, war Vulgarius tot, vgl. Dümmler S. 115 Vocamen itaque huhispraeeeptoris propterea non exprimo, quia et ille pepercit exprimere meum und S. 116 Nullunicertamen iam aethere cassis.
Ueberlieferung. Genannt werden die Schriften s. XII in Bamberg (B. 80, 136) DeFormosiana calamitate lib. I (= Bamberg. P. III. 20) und in Rouen (B. 82, 8) Liber de Forniosopapa, was vielleicht allerdings auch auf Auxilius gehen kann. Einzige Hs. Bamberg. P.III. 20, vielleicht 999 bei Anwesenheit Ottos III. in Unteritalien geschrieben und aus seinemErbe von Heinrich IL der Bamberger Kirche geschenkt, s. v. Winterfeld p. 412, wo auchp. 408 f. über die später erfolgte Umordnung der Hs. Nur N. 17 (an Kaiser Leo) findet sichauch im Casin. 439 s. X f. 143; v. Winterfeld p. 407 n. 4 erkennt hierin eine Folge davon,daß sich Vulgarius wohl zu Montecassino in der Verbannung befand. Möglicherweise istauch der Bamberg. P. III. 20 zu Montecassino geschrieben. — Ausgabe der ersten Streit-schrift bei Dümmler, Auxilius und Vulgarius S. 117—139, der zweiten bei Mabillon,Vetera analecta 2 (1723) p. 28—31, der Briefe und Gedichte bei Dümmler S. 139—156 undvon v. Winterfeld, PL. 4, 412—440; cf. Amelli im Spicil. Casin. 1, 407.
Im Anschluß hieran sind einige in jener Zeit entstandene Gedichte zuerwähnen, die aus Neapel oder Benevent stammen und zuweilen in ihrerMetrik und Prosodie an die rhythmischen Hexameter des 8. Jahrhundertserinnern. Einige sind von einem Grammatiker Petrus geschrieben; daswichtigste unter diesen richtet sich an einen Präfekt Eusebius, dem Petrusmit diesem Gedicht eine von ihm selbst verfaßte — er nennt sich Nathinneus,
') Und zwar in der Fassung E.
2 ) So nach Wattenbachs Abschrift.
3 ) Hier aber (James, The anc. libr. of
Canterb. and Dover p. 305 N. 1020) in einerhauptsächlich nur Auszüge aus Seneca ent-haltenden Hs. Flores tragediarum Senece.