Gregor I., der Große.
101
(B. 22, 79—85, davon fünf Bände als Sangall. 206—210 erhalten), Cysoing (B. 27, 4), Lorsch(B. 37,222—228, abweichend in sieben Bänden), s. X in Regensburg (B. 42,164—170. davonsechs erhalten als Monac. 14047—51 und 14480, s. Zbl. f. Biblw. 20, 9), s.Xl in Bobbio (B.32,108—114) u. a. Alte Hss., außer den schon genannten, z. B. Berol. 311 und 312 s. IX undVIII (aus Werden), Monac. 6249 s. X, 6278 s. VIII (in Majuskeln), 6279 s. IX; Bern. 132s IX—X (lib. I—VIII. Monac. 3793 und 3793 a s. XI) u. a. — Ebert 1, 549 ff. Lau S. 311 ff.Wolfsgruber S. 386ff. Dudden 1, 192ff.
Homilien. Gregor hatte in den ersten Jahren seines Pontifikats eineAnzahl Homilien über schwierige Stellen aus Ezechiel gehalten, die so,wie sie gehalten auch aufgeschrieben wurden. 1 ) Doch gerieten sie in Ver-gessenheit und erst nach acht Jahren erinnerten ihn die Brüder seinesKlosters daran, so daß er die Konzepte der Schreiber suchen ließ und dienötigen Verbesserungen darin anbrachte. Später übersandte er sie demBischof Marinian vonRavenna, der ihn darum gebeten hatte; vgl.Ep. 12, 16a(Ep. 2, 363) vom Jahre 601—602 Homilias quae in b. Ezechielem prophetamita ut coram populo loquebar exceptae sunt, multis curis irruentibus in abolitionereliqueram. Sed piost annos octo petentibus fratribus notariorum schedas requi-rere stuäui easque . . . emendavi. Tua itaque dilectio has sibi ad legendumpoposcerat, sed, vcdde incöngruum credidi, td aquam despir.abilem hauriret,quem constat de b. patrum Ambrosii atque Augustini torrentibus profunda acperspicua fluenta adsidue bibere. Sed . . . transmisi minima legenti potiora.Es sind im ganzen zweiundzwanzig Stücke in zwei Büchern, deren erstesdem Marinian mit dem obigen Briefe gewidmet ist, während Gregor daszweite seinen Klosterbrüdern zueignete. Auch diese Homilien tragen zureigentlichen Erklärung der schwierigen Ezechielstellen nur ganz wenig bei,sondern haben ein durchaus moralisches Gepräge, s. Lau S. 315 und Wolfs-gruber S. 389 ff. — Hs. Berol. 315 s. VIII (aus Werden, geschrieben fürLiudgers Bruder Hildigrimus diaconus). Über Pariser Fragmente in Halb-unciale (zweiundzwanzig Blätter) s. E. Chatelain, Melanges Paul FahreS. 35—49. — Schon etwas früher, höchst wahrscheinlich im KirchenjahrWinter 590 bis Winter 591, 2 ) hat Gregor vierzig Homilien über die Evan-gelien gehalten, von denen er zwanzig selbst vortrug, die von Schnell-schreibern nachgeschrieben wurden, während die andere Hälfte in Gegen-wart des Papstes durch Notare 3 ) vorgelesen wurde (Pfeilschifter S. 11).Bevor Gregor aber zur authentischen Ausgabe dieser Predigten und zuihrer Übersendung an Secundinus von Tauromenion (592/593)" 1 ) kam, er-fuhr er, daß schon eine Privatausgabe erschienen war (592), was er demSecundin im Widmungsbriefe unter mißbilligender Äußerung mitteilte.Damit die Exemplare dieser Ausgabe korrigiert werden könnten, hatteGregor ein Exemplar der von ihm revidierten und emendierten Ausgabein der Bibliothek der römischen Kirche niederlegen lassen, und es ist sehrwahrscheinlich, daß von diesem Normalexemplar zu Rom noch zu Lebzeiten
! ) Beendigt wurden sie erst 593, als Agi-lulf Rom belagerte, s. die Praefatio zu Buch IIund besonders Gr. Pfeilschifter, Die authen-tische Ausgabe d. Evangelienhomilien Gregorsd. Gr. S. 60—66. Um die zweite Hälfte desWerkes bat um 600 Columban den Papst inep. 1 (Ep. 3, 158, 25 ff.).
2 ) Siehe Pfeilschifter a. a. O. S.75ff.
und besonders 79.
3 ) Vgl. hierzu Joh. Diac. 2, 11, wo einPetrus und Aemilianus genannt werden. Wahr-scheinlich gehört auch der oben genannte Ha-dericus dazu.
4 ) Zur Chronologie s. PfeilschifterS. 93 ff.