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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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947
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E. Streitgedichte 947

Blumen." Doch der Winter verweist ihm seine hochtönenden Worte 1und macht ihn auf seine gefährliche Hitze aufmerksam, die sich auch durchden Tod eines Mannes in der Geschichte kundgegeben habe; 2 erst der zehn-tausendste Mensch verlange nach seiner Hitze, dagegen habe er mit seinerKälte viele wieder gesund gemacht. Als dann der Sommer die Kälte desWinters und ihren Einfluß auf die Menschen geschildert hat, setzt dieserauseinander, welche Zonen auf der Erde ihm und welche dem Sommer ge-hören, 3 , dessen Zone von geflügelten Schlangen aufgesucht werde und inder kaum die Feuersalamander leben könnten; er solle sich hierzu nur dieseGeschichten und das Schicksal der Gassandra vorlesen lassen. Da nenntder Sommer sein Reich bernsteinern und kristallen, das des Winters gläsernund schmutzig. Darauf wird dieser aber ausfällig und identifiziert das Reichdes Sommers mit Hochmut, Üppigkeit, Ehebruch, allerhand schändlichemSchauspiel 4 und teuflischem Rlendwerk. Das wird dem Sommer zu viel,er erklärt, ohne Richter nicht mehr streiten zu wollen. Der Winter aberbringt ein Beispiel aus der Literatur, wo ein Töpfer und ein AltarbauerStreit miteinander haben: der eine formt eine Urne, wachst und bemalt sie,während der andre einen kleinen Altar baut, aber mit dem Wasser der Urnedas Feuer des Altars auslöscht; so wurde die Hitze von der Kälte besiegtund diese triumphiert über die Feindin. Das weist der Sommer als Altweiber-gewäsch zurück und bemerkt, daß ja doch das Eis vom Feuer geschmolzenwerde. Da meint der Winter, daß der Sommer ihm in den Himmel folgenkönne, dort werde er sein eisiges Reich anstaunen. Und er fordert nun dieRichter auf, sein Eis mit des Sommers Feuer zu verbinden und zu ver-künden, wer von beiden der Mächtigere sei. Hiermit schließt der eigentlicheDialog und Str. 98 beginnt das Urteil. Beide Streitenden sehen in der Fernedie Theologie und gehen auf sie zu. Sie äußert sich mit ihrer göttlichen Weis-heit dahin, daß nur durch Versöhnung der Streit heilen könne und daß beidenur so des himmlischen Reiches teilhaftig würden. Auf diese Weise kam eszum Frieden, aber ohne daß ein eigentliches Urteil über den Streit stattfand.Das Gedicht weist nur entfernte Ähnlichkeiten mit N. 8 auf.

Ueberlieferung. Walther, Das Streitgedicht in der lat. Lit. des MA. S. 37, setzt dasGedicht in den Anfang des 12. Jahrhunderts. Hs. Gotting. Theol. 105 s. XIII f. 39b—46a.Ausgabe bei Walther S. 191—203, zu Form und Inhalt vgl. S. 37—41.

5. GANYMED UND HELENA

Auf ein bedenkliches, aber im romanischen Süden stets bekanntes Ge-biet führt der Streit zwischen Ganymed und Helena, der um die Frage ge-führt wird, ob die Mädchenliebe oder die Knabenliebe vorzuziehen sei. DerDichter, ohne Zweifel ein Südfranzose, ist unter einem Ölbaum einge-schlafen. Ihm träumt, daß ein schönes junges Paar Frix und Lacena(an andrer Stelle Dardanus und Tindaris genannt) unter einer Pinie lag unddaß der Jüngling, als ihm Lacena ihre Liebe aufs offenste entgegenbrachte,

1 62, 2 salitores tui pridem confinxerunt 3 70, 1 Quinque zonas orbis esse prodit cos-talia. mimetria, das Wort fehlt beiDucange.

2 63, 3 lua vi cesoria Morti datum vivum 4 81, 2 puctaüm ist nach Ducange Galli-mirum factum in memoria. zismus.