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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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946
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94S Vierter Abschnitt. Die Dichtung

Not. et extr. de quelq. mscr. 6, 320—326; Brug. 547, danach Ausgabe von Bolte, Ztschrf. deutsches Altert. 35, 257—261; außerdem im Mus. Brit. Bgerton 274 s. XIII/XIV f 119'Paris. 10359 s. XIII f. 20; Turon. 1020 s.XIII und in jüngeren, vgl. Walther, Das Streit'gedieht S. 124 n. 2.

4. ALTERCATIO YEMIS ET ESTATIS

Das umfängliche Gedicht, eine Auseinandersetzung von Winter undSommer, enthält 110 Strophen von je vier Dreizehn- oder Fünfzehnsilbern.Es ist formal sehr gut gegliedert. Eröffnet wird es von neun Strophengereimter Fünfzehnsilber. Dann kommt abwechselnd die Rede des Sommersvon je vier Strophen Dreizehnsilber und des Winters von je vier StrophenFünfzehnsilber. Jede Partei kommt elfmal zu Worte, so daß der Dialog von88 Strophen mit Str. 97 schließt. Damit hat sich aber der Dichter nichtbegnügt, sondern er hat auch eine Variierung des Reims eintreten lassen,nämlich die ersten zehn und die dreizehn letzten Strophen haben viermaldenselben Binnenreim, während die Dialogpartie paarweise verschiedenenReim in jeder Strophe hat.

Unter dem Schatten einer Palme sitzen eines Tages bei einem Maul-beerbaum ein Jüngling und ein Greis, die miteinander disputieren, alsder Wind zwei Könige heranbringt. Der eine, ein ernster Alter von starren-dem Eis umgeben, sitzt auf einem maurischen Drachen, der andre, einjunger Mann, heiter und von flammender Glut, bändigt einen Elefanten.Sie halten ihre Reittiere 1 an und ihnen zur Seite erscheinen je sechs Vor-nehme, mehr als fünfzig Ritter und dreihundertsechzig Knappen. Es sindSommer und Winter mit den Monaten, Wochen und Tagen des Jahres. 2Die Parteien rüsten sich zum Kampfe, und der Sommer spricht überden Wechsel des Jahres unter ihrer beiderseitigen Herrschaft, worauf derWinter die Frage stellt, wer von beiden der Mächtigere sei. Dadurch wirdder Sommer unangenehm berührt und erklärt den Winter für seinenFeind, und dieser wendet sich gegen das Lob, das sich der Sommer selbstspendet. 3 Dann stellen beide ihre Trabanten, jeder sechs Monate vor undverkünden deren besonderes Wirken. Der Sommer tadelt am Winter, daßer die Schönheiten der Natur verschwinden lasse, während sie unter ihmwiederkämen. 4 Nach anderen gegenseitigen Anklagen wirft der Winterdem Sommer vor, daß er allerhand lästiges Getier erzeuge, während erselbst die Menschen zu Kunst und Wissenschaft führe. 5 Doch der Sommerweist den Angriff als leeres Geschwätz zurück und klagt den Winter an,daß sich seine Studien auf Epikur und Venus bezögen und daß er sichihm als dem Größeren unterordnen müsse. Winter: „Ich schenke dir denWein: du läßt alles verfaulen und bringst die furchtbaren Gewitter."Sommer: „Deine Geschenke an die Welt sind Dornen und Schnee und Eis,ich selbst aber verfüge über alle Reize der Natur, unter meiner Herrschafterblühen Tanz und Theater im Freien und die Erde schmückt sich mit

1 6,1 Sistunt equos mobiles wie im Garm. de 4 34, 3 his armis exeomeris, das Wort fehltPhyllide et Flora 68,1. — 6, 4 «ries = tricies. bei Ducange; 38,4 seminifer findet sich

2 7, 4 ingemmari wohl aus Isid. 16,14, 7. bei Plinius.

3 25, 2 philocalia bei August, contra Acad. 6 48, 4 ist wohl excidio zu schreiben.2,7.