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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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697
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A. Historische Dichtung 697

21. SERLO FONTANENSIS

Der Engländer Serlo ist wahrscheinlich 1109 geboren. Er wurde geistlichund war Kanoniker in York, als er mit 29 Jahren 1138 ins Kloster Foun-tains eintrat, von wo er 1147 zur Begründung eines Klosters in Kirkstallausgeschickt wurde. Und dort scheint er bis zu seinem Tode geblieben zusein, der 1207 erfolgte.

Zum Leben vgl.Bale,Script.illustr.Brit. 1,198,darausChrysost. Henriquez, Phoe-nix reviviscens (Brux. 1626) p. 80—82 und Pits, De illustr. Angl. Script, p. 224. Wal-bran, Memorials of Fountains 1, 8, 57. Leland, De Script. Brit. 1,159. Besonders Dic-tionary of National Biography 51, 254 f.

Es wird von Serlo berichtet, daß er Unterricht gab und daß seine Werkeaus den täglichen Lektionen hervorgegangen seien. Sie gehören meist insGebiet der Grammatik, und hier sind zu nennen De differentiis verborum, 1das im Katalog von Canterbury erwähnt wird, De dictionibus disyllabisbeginnend Dactyle conveniens digitis, also ein didaktisches Epos, De dic-tionibus aequivocis, beginnend Est vates arator custos telluris, ferner derLibellus magistri Serlonis de differenciis figure super Virgilium und derTractatus super orationem dominicam (Protector noster dominus Jesus). 2Hierzu kommt eine geschichtliche Darstellung De morte Sumerledi regisManniae, nach dem Anfang David rege mortis lege clauso wohl eher rhyth-misches Gedicht als Prosa. Denn daß Serlo das historische Gedicht gepflegthat, ergibt sich aus seinem Werke De hello inter regem Scotiae et baronesAngliae, das die Kämpfe König Davids von Schottland mit den Eng-ländern behandelt und das einzige gedruckte Werk Serlos zu sein scheint.Das Gedicht — Descriptio Serlonis monachi fratris Radulfi abbatis deParcho de bello i. r. S. et b. A. — besteht aus siebzig zu zweit gereimtenFünfzehnsilbern und zwei Hexametern (Caudati). Es stellt dar, wie KönigDavid mit starker Mannschaft gegen England gezogen sei und den befestigtenOrt Standard angegriffen habe (1135). Doch seien die Schotten schon beimersten Angriff zurückgeflohen, nur der König habe wie ein parthischer Löweausgeharrt bis er zum Weichen gezwungen wurde, wie Vergib 3 von Dares undEntellus erzählt. Die Engländer aber verfolgten den Feind, der alles auf derFlucht fortwarf, so daß die Äcker mit Broten und Käsen besät wurden. Inder Landschaft Baggamor war es, wo Gottes Macht es bewirkte, daß Hun-derttausend (!) vor wenigen flohen, ähnlich wie einst Gott dem Moses ver-heißen hat. 4 Daß solches auch heute möglich ist, bezeugt der englischeTriumph bei Standard, wo die Feinde, die sich vermessen hatten, Englandzu unterjochen, schmählich geschlagen wurden. Wer von den Schotten in dieHeimat zurückkehren konnte, brachte nur diese traurige Mär mit, und dieFrauen verhinderten ihre Männer an der Fortsetzung des Kampfes (70) ,MalohtPaetric imprecantes Anglis et Standardio' '. Das Gedicht ist wenig anschaulich,vergleicht mehrmals die Gegenwart mit antiken und alttestamentlichen Ver-hältnissen und leidet bei schwerfälliger Sprache öfters an Wiederholungen.

Beginn des Gedichts David ille manu jortis sceptrum tenens Scoticum. Ausgabe in(R. Twysden) Historiae Anglicanae scriptores X (London 1652) 1, 331—332.

1 James S. 73 Nr. 644. 3 Aen. 5, 437 ff.

Befand sich in Peterborough s. XIV (Se- 4 Levit. 26, 8.rap.12, Intelligenzblatt 163).