782 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil.
für seine Güte nicht mit weltlichen Kostbarkeiten, wie man sie Fürstenschenke oder wie sie von Fürsten verschenkt würden, danken könne, dader Erzbischof auf solches keinen Wert lege (hier wird an einer vonWinterberg verzweifelt schlecht abgedruckten Stelle auf den Kölner undden kaiserlichen Fiskus angespielt), und er wolle ihm daher eine Gabeseines Geistes weihen. Das Werk beschäftige sich mit der Quadratur desKreises, das er ihm, der stets durch Wohltaten zur wissenschaftlichen Be-schäftigung ermuntert habe, widmen müsse, und er werde für die Beurtei-lung Sorge tragen, da ihm mehr als ein Tucca 1 ) und Varus (!) zur Ver-fügung stehe, die nicht gewohnt seien, die Studien anderer mit Neid zuverfolgen. In der Vorrede zum 2. Buch wendet er sich gegen die, diesagten, daß die Sorge für die geometrische Wissenschaft eines Bischofsunwürdig sei, und bringt für seine Behauptung als Beispiele aus dem altenBunde Moses, Salomo und Ezechiel. Im nächsten Prolog heißt es, der Erz-bischof sei nicht einer von denen, die durch Ruhm und Preis ihrer Person,ihrer Vorfahren, ihres Adels, ihrer Würden und Taten berührt werdenkönnten. Und wenn nun Vergil zum Ruhme des Augustus die Aeneis ver-faßte, um wieviel mehr müsse man jetzt die Taten der drei Ottonen ver-herrlichen, denen es Deutschland verdanke, daß ihm Italien und der ganzeErdkreis Tribut darbringe. Und er frage den Vergil, was dessen AeneasÄhnliches für Latium getan habe, und Augustus möge erkennen, daß seinHaus weit unter dem der Ottonen stehe. Er wolle aber nicht weltlichesLob besingen, sondern biete das, was den Geist bilden, schärfen und er-heben könne. Die vierte Vorrede beginnt mit einem Gedanken aus CicerosTopica, wonach der Erzbischof als die bewirkende Ursache gegenwärtigenWerkes gelten könne, während er nur das Mittel und Werkzeug darstelle.Und er geht in seiner Bescheidenheit so weit, daß er unter dem Vergleicheder Tagelöhner, die zum Andenken des Romulus Rom bauten, und derArbeiter im Weinberge bei Matthäus den Erzbischof für den Urheber desWerkes erklärt. Kein Schriftsteller aber, meint er, könne den Schutz derFürsten entbehren, was am Verhältnis des Horaz zu Mäcenas und desPollio zu Vergil und beider zu Augustus kurz erläutert wird, worauf Francovon Terenz berichtet, daß dieser durch die Verteidigung des Calliopius denlistigen Anschlägen seiner Feinde entgangen sei. Endlich erzählt er, daßauch Boethius seinen Schwiegervater Symmachus um Unterstützung ge-beten habe. Und wenn solche Berühmtheiten ihren Werken ohne Fürsten-gunst mißtraut hätten, um wieviel mehr brauche er seines Gönners Schutz.Habe er ihn erlangt, so sei er sicherer als Horaz und Vergil und fürchteniemandes übles Urteil. Im fünften Prologe entschuldigt er sich, daß nichtalles so vonstatten gehe, wie er es mit seiner Arbeit wünsche, denn seinGeist sei ungebildet und er habe sich nur selten an ein Werk herangemachtund es komme vieles andre hinzu, wie die Besorgung seines Amtes, dieVerwaltung des Vermögens und die häufige Ungleichmäßigkeit in seinemkörperlichen Befinden wie in seinem Seelenzustande. Er vertraue aber aufdie Güte seines Gönners, der in seine Bitternisse wie in Absinth Honig
') Dem Mittelalter bekannt durch Hieron. zu Euseb. chron. a. 2000 (sowie durch DonatVita Verg. 39).