Nksht ausleiht** ULB DüsseIdorf +0423 171 01 LANDES- l 'UND STADT-} MiBLlÖTHEK | U*±. _____ J HANDBUCH DER ALTERTUMSWISSENSCHAFT BEGRÜNDET VON IWAN v.MÜLLER FORTGESETZT VON ROBERT v. PÖHLMANN IN NEUER BEARBEITUNG HERAUSGEGEBEN VON WALTER OTTO ORD. PROFESSOR DER ALTEN GESCHICHTE AN DER UNIVERSITÄT MÜNCHEN NEUNTER BAND, ZWEITE ABTEILUNG, 2. TEIL GESCHICHTE DER LATEINISCHEN LITERATUR DES MITTELALTERS II MÜNCHEN 1923 C. H. BECKSCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG OSKAR BECK GESCHICHTE DER LATEINISCHEN LITERATUR DES MITTELALTERS VON MAX MANITIUS ZWEITER TEIL VON DER MITTE DES ZEHNTEN JAHRHUNDERTS BIS ZUM AUSBRUCH DES KAMPFES ZWISCHEN KIRCHE UND STAAT MIT INDEX [ ,*\D CC LX1IIJ * MÜNCHEN 1923 C. H. BECKSCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG OSKAR BECK A | LANDES* \ HjHÖ ■ STADT-1 i ölBUOTHEK 1 DÜSSELDORF 3JI/&ZZ3 1 s. ADV- Katalog Copr. München 1923 C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck &Q.0jUZ%/^ Vorwort. Der Zeitpunkt, an dem ich den zweiten Band herausgeben zu können gedachte, hat sich um eine ganze Reihe von Jahren verschoben, besonders wegen der die Arbeit innerlich wie äußerlich lähmenden Einflüsse * des Krieges. Diesen ist es auch zuzuschreiben, daß ich viel seltener, als ich wollte, Einsicht in die Handschriften auswärtiger Bibliotheken nehmen konnte, da sich hier sogar das verbündete Österreich verschloß. Um so dankbarer möchte ich hier gleich der Bibliotheken von München und Berlin gedenken, die mir mit großer Freigebigkeit ihre Schätze zukommen ließen. Zu besonderem Danke aber bin ich wieder der Dresdner Landesbibliothek für ihre weitgehende Liberalität verpflichtet. Zuerst aber möchte ich hier Rechenschaft über den Plan geben, den ich verfolgt habe. Ursprünglich war die ganze Darstellung auf zwei Bände berechnet, aber auch wenn ich die im ersten Bande geltenden Grundsätze weiter hätte gelten lassen, so wäre ich mit diesem Räume nicht ausgekommen. Erstens wächst ja die Literatur seit dem 11. Jahrhundert gewaltig an, und zweitens hat man mir in einigen Besprechungen des ersten Bandes zum Vorwurf gemacht, daß ich die Gebiete der Heiligenleben und der kirchlichen Lyrik zu kurz behandelt hätte. Ich habe diesen Vorwurf in Hinsicht auf das Verhältnis zu andern Gebieten als nicht unberechtigt gelten lassen und daher jenen zwei Gebieten mehr Aufmerksamkeit gewidmet, aber ohne auch hier Vollständigkeit erreichen zu wollen; viele unbedeutende und, in der Lyrik, namenlose Stücke sind übergangen. Hinsichtlich der Theologie aber war der Plan insofern zu ändern, als es sich hierbei meist nicht mehr um Werke handelt, die fast lediglich auf Stellen aus den Vätern beruhen, sondern viele selbständiger gedachte, zuweilen höchst persönlich gefärbte Schriften in Betracht kommen, die den Übergang zu der teils streitbaren, teils philosophisch unterlegten Theologie des folgenden Zeitraums bilden. So war auf diesem Gebiete etwas weiter auszuholen als früher. Und dasselbe gilt für die Geschichtschreibung. Sie löst sich zwar seit der Teilung des Frankenreiches mehr und mehr von ihren auf das Ganze gerichteten Zielen und beschränkt sich auf engere Gebiete, aber gerade ihre provinzielle oder lokale Beschränkung wird seit der Spätzeit des 10. Jahrhunderts der Ausgangspunkt für neue Zweige historischer Darstellung. Dazu kommt das bedeutende Anwachsen der biographischen Literatur, das mit dem großen Aufschwung kirchenfürstlicher Macht seit den Ottonen zusammenhängt: auch dieser Zweig bedurfte eingehenderer Darstellung, da sich gerade in ihm das erhöhte literarische Leben stark äußert. Mit möglichster Voll- YJ Vorwort. ständigkeit, abgesehen von der erwähnten Ausnahme, ist die Dichtkunst behandelt worden, die ja vielfach ihren früheren subjektiven Reiz eingebüßt hat, aber neue Gebiete gewann, indem Lehrgedicht und Satire zu den älteren Dichtarten hinzutraten. In den eigentlich philologischen Fächern endlich wurde besonders Rücksicht auf die Übersetzungen in die Volkssprachen genommen. Da ich nun eine'Einschränkung der „Zeugnisse" zur Einführung in Leben und Werke der Schriftsteller als dem Buche wenig förderlich nicht für geraten hielt, so mußte ich, um den Band nicht ungehörig anschwellen zu lassen, ihn etwa mit dem Beginn des großen Kampfes zwischen Kirche und Staat beenden und bin nur, um den Zusammenhang nicht zu stören, für die Darstellung der Leben der Cluniacenseräbte und für den Abendmahlsstreit Berengars etwas über diesen Zeitpunkt hinausgegangen. Auf der andern Seite habe ich einige im ersten Bande übersehene Schriftsteller an die Spitze der betreffenden Abschnitte gestellt, um Versäumtes nachzuholen. Über die Anlage des Buches und die Disposition des Stoffes habe ich mich schon im ersten Bande ausgesprochen. Im allgemeinen bin ich bei meinen früheren Grundsätzen geblieben, habe aber den einzelnen Abschnitten Einführungen und Stoffgliederungen vorausgeschickt. Dabei war freilich die Schwierigkeit nicht zu umgehen, daß einzelnes, wie früher, in anderen Abschnitten behandelt wurde, da bei einem jeden Schriftsteller dessen sämtliche Werke vorgeführt werden; darüber wird man sich aber im Inhaltsverzeichnis leicht beraten können. Eine weitere Änderung betrifft die Reihenfolge des Stoffes. Der Abschnitt „Universale Schriftsteller" ist aufgegeben und solche Autoren sind nach der Hauptrichtung ihrer literarischen Erzeugnisse den anderen Abschnitten zugewiesen. Ferner habe ich als Übergang von der Geschichtschreibung zur Dichtung die Hagiographie eingesetzt, und zwar wegen ihrer Bedeutung für die Zeit als selbständigen Abschnitt. Und die früheren Abschnitte IV und III sind jetzt als V und VI als Fächer des Triviums und Quadriviums behandelt worden. Diese Einteilung schien mir der Zeit mehr zu entsprechen als eine Wiederholung der früheren Disposition. Großen Dank schulde ich Herrn Prof. P. Lehmann in München, der die Güte gehabt hat, mich durch Beihilfe bei der Korrektur und besonders durch viele Nachträge aus der neuesten Literatur wirksam zu unterstützen. Ebenfalls ließ mir E. K. Rand eine große Zahl Nachträge brieflich (19. Juli 1911) gütigst zugehen. Außerordentlich aber fühle ich mich dem Herrn Verleger verpflichtet, da er in schwierigster Zeitlage es gewagt hat, nicht nur den Druck durchzuführen, sondern auch dem Bande ein so vortreffliches äußeres Gewand zu geben. Niederlößnitz bei Dresden, Juni 1923. M. Manitius. Inhaltsverzeichnis zum zweiten Bande. III. Buch. Von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat. Seite Einleitung ........................ 3—17 I. Theologie ..................». . . . 18-124 1. Odo von Cluni................... 20 2. Atto von Vercelli .................. 27 3. Ratherius von Lüttich................. 34 4. Adaiger...................... 52 5. Gezo von Toitona.................. 53 6. Buichard von Worms................. 56 7. Bern von Reichenau................. 61 8. Bruno von Würzburg................. 71 9. Gerard von Czanäd.................. 74 10. Otloh von St. Emmeram................ 83 11. Berengar von Tours und seine Widersacher......... 103 IL Geschichtschreibung................. 125—413 12. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte (Odo bis Hugo) . . 130 13. Fiodoard von Reims................. 155 14. Liudprand von Cremona................ 166 15. Ruotgers Leben Bruns von Köln............. 175 16. Benedikt von St. Andrea................ 179 17. Gumpolds Passio Vencezlavi ducis............ 182 18. Die beiden Vitae Mathildis............... 184 19. Johannes von St. Arnulf................ 189 Anhang: Zeitgenössische Heiligenleben aus der Metzer Gegend . . 195 20. Das Chronicon Salernitanum .............. 197 21. Gerhards von Augsburg Vita Udalrici........... 203 22. Folcvin von Laubach (Lobbes).............. 210 23. Richer von St. Remi................. 214 24. Notker von Lüttich und Heriger von Laubach........ 219 25. Jobannes Canaparius und Brun von Querfurt......... 229 26. Die Vita Kaddroae abbatis ......' .......... 236 27. Aimoin von Fleury.................. 239 28. Venetianische Geschichtsquellen des 10. u. 11. Jahrhunderts (Johannes Diaconus, Chronicon Altinate, Chronica de singulis patriarchis Nove Aquileie) ..................... 246 29. Konstantins Leben Adalberos IL von Metz ......... 253 30. Dudo von St. Quentin................. 257 31. Thietmar von Merseburg................ 265 32. Thangmar von Hildesheim............... 268 33. Die Annales Quedlinburgenses.............. 276 34. Alpert von Metz.................... 278 35. Die Annales Hildesheimenses.............. 283 36. Ademar von Chabannes................ 284 yjjj Inhaltsverzeichnis zum zweiten Bande. Seite 37. Das Chronicon Novaliciense............... 294 38. Das Leben Burchards von Worms ............ 299 39. Laurentius von Montecassino.............. 304 40. Arnold von St. Emmeram................ 306 41. Wolfhere von Hildesheim............... 313 42. Wipo....................... 318 43. Libellus de rebus Treverensibus............. 328 44. Gesta Cnutonis regis................. 329 45. Andreas von Fleury................. 331 46. Gesta episeoporum Oameracensium............ 337 47. Rodulfus Glaber................... 347 48. Gesta episeoporum Virdunensium............. 353 49. Onulfs Leben Poppos von Stablo............. 361 50. Lantberts von Deutz Vita Heriberti............ 364 51. Helgauds Vita Roberti regis............... 367 52. Das Leben des hl. Gerhard von Brogne .......... 370 53. Anselm von Lüttich................. 372 54. Die Biographien Bardos von Mainz (Vulculd und Monachus Fuldensis) 375 55. Das Leben Balderichs von Lüttich............ 379 56. Wiberts Vita Leonis IX ................. 382 57. Actus fundatorum Brunwilarensis monasterii......... 386 58. Marianus Scottus................... 388 59. Die Annales Altahenses................ 394 60. Adam von Bremen.................. 398 III. Hagiographie (Prosa).................. 414—490 61. Liber de virtutibus s. Eugenii.............. 416 62. Berners Vita et translatio flunegundis........... 417 63. Sigehard von St. Maximin............... 420 64. Johannes aus Amalfi................. 422 65. Ruoperts Vita Adalberti Egmondani............ 424 66. Letald von Micy................... 426 67. Adso von Montier-en-Der...........-...... 432 68. Wulstan von Winchester................ 442 69. Das Leben des hl. Pirminius .............. 446 70. Theoderich von Fleury................ 449 71. Theoderich von Trier................. 456 72. Olbert von Gembloux................. 457 73. Die Passio s. Bonifatii.................. 459 74. Bernhard von Angers................. 461 75. Rainers Vita s. Gisleni................. 462 76. Gonzos Miracula s. Gengulphi................ 463 77. Die Vita und die Miracula Adalhardi ........... 465 78. Berthas Leben der Adelheid von Vilich........... 469 79. Gozwin von Mainz (Gozechin) .......... : . . . 470 80. Thiofrids Vitae Liutwini und Basini von Trier........ 478 81. Theoderich von Tholey................ 482 82. Waifarius von Salerno................. 484 IV. Die Dichtung....................491-637 83. Gerhard von Soissons................. 495 84. (Aeddi und) Fridegodus................ 497 85. Walther von Speier ................. 501 86. Gedicht auf Konstantin von Fleury............ 506 87. Purchards Gesta Witigowonis.............. 509 88. Leo von Vercelli................... 511 89. Froumund von Tegernsee ............... 517 90. Adalbero von Laon.................. 525 Inhaltsverzeichnis zum zweiten Bande. XI Seite 91. Gerhard von Seeon................. 531 92. Cosmas Japygus.................. 531 93. Angelram von St. Riquier............... 533 94. Egbert von Lüttich................. 535 95. Odo von Meung (Macer) ............... 539 96. Ruodlieb ..................... 547 97. Heribert von Eichstätt................ 555 98. Adelmann von Lüttich................ 558 99. Ekkehart IV. von St. Gallen.............. 561 100. Amarcius..................... 569 101. Manfred von Magdeburg ............... 574 102. Warnerius vonBasel................. 576 103. Embrichos von Mainz Vita Mahumeti.......... . 582 104. Gedicht auf den hl. Vincentius............. 587 105. Arnulfs Delicie cleri................. 588 106. Williram von Ebersberg ............... 592 107. Eupolemius.................... 599 108. Gualdos Vita Anskarii................ 606 109. Gislebert von St. Amand............... 608 110. Angebliches Gedicht des Winrich. Gedicht auf Paulus und Seneca . 610 111. Heinrich von Augsburg................ 615 112. Gibuin von Langres................. 618 113. Alphanus I. von Salerno................ 618 V. Die Fächer des Triviums............... 638—725 114. Ebarcius von St. Amand ............... 641 115. Asser Bischof von Sherborne und König Alfred der Große . . . 646 116. Das Mythenbuch des Mythographus Vaticanus II ....... 656 117. Aynard von St. E vre................. 660 118. Abbo von Fleury.................. 664 119. Der Grammatiker Gautbert (Gozbert?)........... 673 120. Aethelwold. Aelfric................. 675 121. Fulbert von Chaitres................. 682 122. Notker der Deutsche................. 694 123. Byrhtferth .................... 699 124. Bebo von Bamberg................. 706 125. Anselm von Besäte................. 708 126. Onulf von Speier.................. 715 127. Papias...................... 717 128. Walo von St. Arnulfs Briefe.............. 724 VI. Die Fächer des Quadriviums.............. 726—787 129. Wichram von St. Gallen ............... 727 130. Gerbert von Reims................. 729 131. Adalbold von Utrecht................ 743 132. Guido von Arezzo ................. 748 133. Hermann von Reichenau................ 756 134. Ragimbold von Köln und Radolf von Lüttich........ 778 135. Franco von Lüttich................. 781 136. Meinzo von Konstanz ................ 785 Zeittafel.................... 788 Nachträge zum ersten und zweiten Bande....... 792 Alphabetische Register.............. 816 Verzeichnis der häufigeren Abkürzungen. Acta SS. = Acta sanctorum, Antwerp. 1643 ff. Anal. Bolland. = Analecta Bollandiana, Bruxellis 1882 ff. Anon. Mellic. = Der sogenannte Anonymus Mellicensis de scriptoribus ecclesiasticis. Ausgabe von Emil Ettlingen, Karlsruhe 1896. Anth. lat. = Anthologia latina rec. Riese 2 . Archiv = Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 1820 ff. 1824—1874. Auct. ant. = Monumenta Germaniae historica. Auctores antiquissimi. Berl. SB. = Sitzungsberichte der Kgl. Preulii. Akademie der Wissenschaften. Philos.histor. Klasse. Becker = Catalogi bibliothecarum antiqui rec. G.Becker. Bibl. Casin. = Bibliotheca Casinensis. Bibl. Clun. = Bibliotheca Cluniacensis ed. Marrier. Bibl. de Fee. des chartes = Bibliotheque de lMcole des chartes. Cantor = M. Cantor, Vorlesungen über die Geschichte der Mathematik P. Corp. gloss. lat. = Corpus glossariorum latinorum rec. G. Goetz. Corp. SS. eccl. = Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum, Vindobonae 1866 ff. Delisle, Le cab. des mscr. = Histoire generale de Paris. Le cabinet desmanuscrits parL.Delisle. Edwards — Memoirs of libraries . . . by Edw. Edwards, London 1859. Fabricius = Io. Alb. Fabricii Bibliotheca latina mediae et infimae aetatis, Florentiae 1858. Gottlieb = Th. Gottlieb, Über mittelalterliche Bibliotheken, Leipzig 1890. Hauck = Alb. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands Bd. III. Hist. litt. — Histoire litteraire de la Erance, Paris 1733 ff. James = M. R. James, The ancient libraries of Canterbury and Dover. Keil GL. = H. Keil, Grammatici latini. Leipz. SB. = Berichte über die Verhandlungen der Kgl. Sachs. Gesellschaft d. Wissenschaften, Phil.hist. Klasse. Leyser = P. Leyser, Historia poetarum et poematum medii aevi, Halae Magd. 1721. Mabillon Acta SS. = Mabillon, Acta sanctorum ordinis saneti Benedicti. • MG. SS. — Monumenta Germaniae historica. Scriptores. Hannover 1826 ff. Migne = Patrologiae cursus completus. Series IT latina curante J. P. Migne, Paris 1844 ff. Münchn. SB. = Sitzungsberichte d. Kgl. Bayerischen Akademie d. Wissenschaften. Neues Archiv = Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, Hannover 1876 ff. Notices et Extr. = Notices et extraits des manuscrits de la bibliotheque nationale (imperiale). PL., Poet. lat. = Monumenta Germaniae historica. Poetae latini aevi Karolini edd. Dümmler, Traube, v. Winterfeld, Strecker. Phil.. Philol. = Philologus, Zeitschrift für das klassische Altertum. Prot. Realencycl. = Protestantische Realencyclopädie, hrsg. von Herzog, Hauck. Rev. Benöd. = Revue Benedictine, hrsg. von G. Morin. Rev. de phil. = Revue de philologie, hrsg. von Reinach. Rhein. Mus. = Rheinisches Museum für Philologie. Sigebert = Sigebertus Gemblacensis de scriptoribus ecclesiasticis ed. Aubertus Miraeusi Bibliotheca ecclesiastica p. 131—158. Teuffei ■= W.S.Teuffels Geschichte der römischen Litteratur 6 von W. Kr oll und P. Skutsch. Wattenbach = W.Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. I 7 (von Dümmler). II 6 . Wiener SB. = Sitzungsberichte der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Phil.hist. Klasse. Zentralbl. f. Biblw. = Zentralblatt für Bibliothekswesen (auch Beihefte). Zeitschr. f. d. Alt. = Zeitschrift für deutsches Altertum (auch Anzeiger). Zweiter Teil: Geschichte der lateinischen Literatur von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. Drittes Buch. Von der Mitte des zehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat. Einleitung. Wir verließen im vorhergehenden Bande unsere Darstellung etwa mit der Mitte des 10. Jahrhunderts. Schon hatte sich damals das Abendland teilweise nach Nationen geschieden, man spricht in Westfranken von Francia und in Deutschland vom regnum Teutonicum. Freilich war es im nördlichen Frankreich zur Ansiedlung eines neuen Germanenstammes gekommen, indem man die Normannen in den Reichsverband hatte aufnehmen müssen, und im deutschen Ostfranken hatten die Magyaren um die Mitte des Jahrhunderts den Bestand des Reiches eben noch in Frage gestellt. Bei den andern großen Völkern aber hatte sich der Begriff der Nation noch nicht entwickeln können. Denn in Spanien tobten die Kämpfe zwischen Christen und Arabern weiter und hier war ohnehin infolge des Gegensatzes der germanischen Eroberer zu der keltisch-römischen Bevölkerung an einheitliche Kulturverhältnisse nicht zu denken. Im Reiche der Angelsachsen hatten zwar die germanischen Eindringlinge das keltisch-römische Mischvolk immer weiter nach Westen und sogar über die See nach Frankreich gedrängt und ein Alfred der Große hatte sich der Dänen erwehren können, aber im 11. Jahrhundert erschienen die Dänen von neuem und nahmen Besitz von der Insel und wenig später machten sich französische Normannen zu Herrschern von England. In den nordischen Reichen aber hatte das Christentum erst ganz schwach Wurzel gefaßt und wurde immer von neuem durch nationale Aufstände bedroht; der Norden scheidet daher aus dem hier beabsichtigten Teile unsrer Darstellung überhaupt aus. Der slawische Osten beginnt sich, wie auch das Nationalreich der Magyaren, erst gegen das Jahr 1000 politisch zu festigen und damit das Christentum zu erhalten. Aber immer noch bleibt im Vordergrund Italien, wenn auch nicht mehr politisch. Der ganze Norden der Halbinsel bis fast in die römischen Gegenden hatte sich dem Deutschen Reich angeschlossen, da Otto I. die italienische Krone erworben hatte. In der Mitte herrschte das Papsttum, das aber seit Otto I. vom deutschen Königtum abhängig blieb. Im Süden standen die alten langobardischen Gewalten in stetem Kampf mit den Griechen, und der Islam suchte beiden das Land streitig zu machen, bis im 11. Jahrhundert 1* 4 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. auch hier Normannen erschienen und ihre Macht bald weithin ausbreiteten. Man sieht, in der ganzen lateinischen Welt sind die politischen Gewalten im Fluß, es fehlt noch an fester Stetigkeit. Über alle diese Mächte behauptet aber das Kaisertum den Vorrang und konnte es auch geraume Zeit, da es seit Otto I. mit der deutschen Königswürde vereint war und das Deutsche Reich politisch den Schwerpunkt des Abendlandes darstellte. Daher gewann die enge Verbindung Italiens mit Deutschland an Bedeutung und den Hauptvorteil aus ihr zog der Papst, der infolgedessen nicht mehr der Spielball römischer Parteien war, sondern den Schutz des deutschen Königs genoß. Und auch sonst war der Gedanke an die alte karolingische Reichseinheit noch nicht ganz erloschen, denn die Bezeichnungen West- und Ostfranken wurden doch noch im 11. Jahrhundert gebraucht; die salische Königsmacht warf freilich alle andern Reiche in den Schatten und damit beginnen die Nationalreiche eine Rolle zu spielen, die Idee der Sonderung wird tatsächlich durchgeführt. Ist nun diese Zersplitterung für ein neues Aufblühen der Literatur günstig gewesen? Gegen Ende der karolingischen Zeit, da die Begünstigung der Wissenschaften durch die königlichen Höfe aufgehört hatte, war das Zwischenreich entschieden der Hauptträger der wissenschaftlichen und literarischen Bestrebungen gewesen. Es bestand nicht mehr, seine Gebiete waren ungefähr nach dem Verhältnis der Nationalitäten an West- und Ostfranken gefallen und namentlich in den westfränkisch gewordenen waren einheimische Gewalten emporgekommen, die die Zersplitterung der Lande förderten. Und es fehlte doch jetzt in beiden Frankenreichen an dem früher beinahe patriarchalischen Verhältnisse des Gesamtherrschers zum Papste. Stets kamen die Ottonen mit Heeren nach Italien und nach Rom und sie wie die Salier mußten mit starker Hand die deutsche Herrschaft gegen die Romanen aufrechterhalten. Nur einmal schien es, als ob Deutschtum und Romanentum gemeinsame Wege gehen würden, aber der Traum Ottos III., das goldne Rom zum Herrschersitz zu machen, war bald ausgeträumt, der junge Kaiser verlor Vaterland und Leben im Süden. Allerdings strahlte gerade damals das höhere geistige Leben seit langen Zeiten wieder einmal von Rom wie von einem Brennpunkt aus, war ja der größte Gelehrte der Zeit, Gerbert von Reims, Papst geworden und Rom war der geistige Mittelpunkt der Welt, aber nur für kurze Zeit. Und doch ist diese Verbindung Deutschlands mit Italien durchaus nicht zu unterschätzen, denn mit unsern Königen und Bischöfen wanderten viele kostbare Zeugnisse alter Wissenschaft und Dichtung über die Alpen nach dem Norden und eine rege Fortsetzung dieser Beziehungen knüpfte sich unter Heinrich IL an, der, selbst hochgebildet, für sein neues Bistum Bamberg die in Italien noch vorhandenen geistigen Schätze vielfach nach Deutschland überführte. Denn immer noch war Italien ein großer Büchermarkt, man kann allerdings nicht sagen, daß hier die wissenschaftlichen Studien im allgemeinen vorbildlich betrieben wurden. Jedenfalls herrschte in dieser Beziehung die größte Verschiedenheit. Liest man z. B. das barbarische Latein in dem Chronicon Benedicti de S. Andrea oder im Chronicon Salernitanum, so wundert man sich nicht über das Verdammungsurteil eines Rather von Lüttich über die Einleitung. 5 italienische Geistlichkeit in seinen Praeloquia.') Hiermit steht in einem gewissen Widerspruch, daß Wipo von den vornehmen Leuten in Italien rühmt, daß jeder seinen Sohn zur Schule schicke, während in Deutschland nur die für das geistliche Amt bestimmten jungen Leute dazu angehalten wurden. 2 ) Auf der andern Seite erhält man einen merkwürdigen Gegensatz, wenn man die stammelnden rhythmischen Hexameter, die ja besonders in Italien geschrieben wurden, mit den metrisch fast richtig gebauten Gedichten in Odenmaßen eines Alphanus von Salerno vergleicht und bedenkt, daß das Kloster Monte Cassino zur Zeit des Abtes Desider Werke von Varro und Apuleius aufbewahrte und später die Sachsengeschichte Widu- kinds in zwei Exemplaren besaß. Und wenn man die Schrift des Petrus Casinensis De viris illustribus Casinensibus liest, so muß man sagen, daß nur wenig Klöster überhaupt existierten, die eine so große Zahl von Schriftstellern und Gelehrten aufweisen konnten. Jedenfalls ist hier in Italien die Laienbildung nie ganz erloschen, wie im Norden, und außerdem muß man einen Unterschied machen zwischen Weltgeistlichkeit und Mönchtum: Während beim weltlichen Klerus Dialektik und Rhetorik im Vordergründe standen und die hierauf aufgebauten Rechtskenntnisse überwogen, sind manche Klöster, wie Bobbio und Monte Cassino die Hauptpflegestätten geistlicher und profaner Wissenschaften geblieben. Außerdem konnte sich zu Salerno mit arabischer Hilfe ein Mittelpunkt für die medizinischen Wissenschaften heranbilden, die hier besonders ihre Befruchtung durch das Übertragen der griechischen Medizin ins Lateinische erhielten. Dagegen tritt Rom immer noch weit zurück trotz seiner großen Mittel, hier überwog, wie in früheren Zeiten, die Bildung und Handhabung des Rechts, und man möchte sagen, daß sich die Kurie bezüglich der andern Wissenschaften wie früher auf die gelehrte Bildung des Klerus in den Reichen jenseits der Alpen verließ. So nimmt Italien trotz der Möglichkeit, die wissenschaftlichen Studien aus erster Quelle und nachhaltig zu betreiben, in unserm Zeitraum nur in beschränktem Maße an deren Weiterentwicklung teil. Infolge der Entwicklung der fränkischen Teilreiche zu Nationalreichen war das von Otto I. wieder errichtete Kaisertum nicht mehr so der politische und geistige Mittelpunkt der abendländischen Welt wie früher, obwohl der alte Vorrang von ihm beansprucht wurde. Dazu kam, daß weder in Westfranken die großen Vasallen, noch im deutschen Reiche die herzoglichen Gewalten von der Krone beseitigt werden konnten, die Zersplitterung ist dadurch gefördert worden. Und da alle Germanenstaaten durch das Lehnswesen getragen wurden, so entstanden an den Höfen der großen Lehnsträger nicht wenige Kulturzentren, die alle in gewisser Beziehung miteinander und mit den Höfen der Könige in Wettstreit traten. Dazu kam die Errichtung neuer Bistümer und Klöster infolge der Vermehrung der Bevölkerung in o ') Vgl. besonders Kap. 6—12 bei Migne gundia auf in Teutonica mit in Francia lite- 136, 290C—296 B. rarum studiis deditum invenires, so stimmt 2 ) Wenn Landulf in der Hist. Mediol. 2, 35 | das wohl mit der Klerikerbildung, indem die (MG. SS. 8, 71,2) von Mailänder Klerikern sagt | Schulen jenseits der Alpen größeren Ruf ut si aliquem chori Ambrosiani totius in Bur- \ hatten. ß Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. den Städten und wegen der Ausbreitung des Christentums. Aus diesem Grunde erweiterte sich die geschichtschreibende Tätigkeit, und die Zunahme der Mönche begünstigte außerdem die hagiographische Literatur sowie die Dichtung und die Musik zum Gebrauche in der Kirche. Wenn aber Rom sich selbst nicht unmittelbar an die Spitze des geistigen Lebens stellen konnte, so brachte es das doch bald mittelbar auf einem andern Wege ein. Denn das geschah durch die große Reform, die im 10. Jahrhundert in den Rhonegegenden einsetzte, ursprünglich nur für das Mönchsleben berechnet war, aber allmählich trotz des Widerstandes der hohen Weltgeistlichkeit doch alle geistlichen Kreise ergriff und sich unter vielfacher Begünstigung durch die weltlichen Gewalten fast über das ganze Abendland ausdehnte. Die höhere, ernstere Auffassung des geistlichen Lebens, die von Cluni wie von einem Brennpunkte ausstrahlte, hat mittelbar entschieden der päpstlichen Macht in die Hände gearbeitet, und wenn auch die Reform zunächst durchaus nicht etwa den wissenschaftlichen Studien hold war, so regte sie doch nach und nach zu einem stärkeren Einsetzen sowohl der geschichtschreibenden wie auch der hagiographischen Tätigkeit an. Aber auch davon abgesehen, jene ernstere Auffassung hat an sich die wissenschaftlichen Studien in den Klöstern gehoben. Besonders wuchs das Interesse an der Vergangenheit und die neuen Ideen forderten von selbst zu einem Vergleich der Gegenwart mit den früheren Zeiten-und zu deren Kritik heraus. Das bezog sich aber nicht nur auf kirchenrechtliche und auf das innere Leben im Kloster bezügliche Dinge, denn auf der Reform bauten sich sehr bald auch politische Fragen auf, die für das Leben der Staaten und auf die Regierung der Fürsten von größtem Einflüsse wurden. Es war in Deutschland nämlich Gewohnheitsrecht geworden, daß der König bei der Erhebung von Bischöfen ein nicht geringes Geschenk annahm, da zur bischöflichen Stellung stattliche Reichslehen gehörten. Konrad IL hatte das noch ohne weiteres gefordert, aber die Idee war aufgekommen, daß diese königliche Einnahme unter den Begriff der Simonie falle, und schon Heinrich III. hatte daher darauf verzichtet. Außerdem fand man seit dem ersten Viertel des 11. Jahrhunderts das eheliche Leben der Priester anstößig, und in Italien war die Priesterehe zur Gewohnheit geworden. So drangen auch in dieser Beziehung die strenger denkenden Kleriker auf die Abschaffung des Mißbrauchs. Ihre Krönung aber erhielten die Reformideen durch eine Angelegenheit von sehr grundsätzlicher und einschneidender Bedeutung. Bisher war es nämlich üblich gewesen, daß der König die zu Bischöfen oder Reichsäbten zu erhebenden Kleriker persönlich investierte, d. h. sie mit den Symbolen ihrer neuen Gewalt begabte, da ihm dies als dem obersten Lehnsherren zustand. Es kam nun gegen Ende der von uns zu behandelnden Periode die Meinung auf, daß diese Laieninvestitur von der Kirche nicht länger zu dulden sei, und die Kirche erhob fortan den Anspruch, daß sie ihr allein zustehe. Diese drei Forderungen, besonders aber die letzte, waren der Schlußstein für die große Kirchenreform und sie warfen die Brandfackel in das noch in den alten Formen und im alten Frieden lebende Abendland. An ihnen entzündete sich ein Kampf, der schon in vielen Schriften unsres Zeitraums deutlich zu sehen ist, der aber Einleitung. 7 erst in der folgenden Periode ganz zum Austrag kommt und von der auf der ganzen Front siegreichen Kirche gewonnen wird. Daneben hatte sich noch vor der Mitte des 11. Jahrhunderts in der Kirche selbst ein Zündstoff entladen, der zu einem gelehrten Kampfe Veranlassung gab und eine ganze Reihe der besten Geister ins Feld rief, nämlich die von der herrschenden Ansicht abweichende Meinung über das Abendmahl, die, wie es scheint, sogar anfänglich von dem Kardinal Hildebrand geteilt wurde. Mit der alten Ruhe war es nun vorbei, es galt in den Streitigkeiten Partei zu nehmen und das aus den Schriften der Väter und ihrer späteren Bearbeiter geholte Rüstzeug mittelst neuer logischer und rhetorischer Kunstgriffe zu Angriffs- und Verteidigungswaffen umzubilden. Während nun in Frankreich das karolingische Haus elend verkam und die ersten Kapetinger nur durch fortgesetzte Kämpfe mit den großen Vasallen zu Macht gelangten, trat das salische Königshaus in Deutschland ein großes Erbe an, das es durch eine nach Osten und nach Süden gerichtete machtvolle Politik bedeutend zu erweitern bestrebt war. Und die neue Königsfamilie trachtete doch auch danach sich eine höhere Bildung anzueignen, von der Konrad II. noch nichts besaß, während seine Gemahlin Gisela sich dafür lebhaft interessierte, wie sie sich Notkers Übersetzung der Psalmen und des Hiob abschreiben ließ. 1 ) Und Heinrich III. erhielt in seiner Jugend eine gelehrte Bildung, die der Oberaufsicht tüchtiger Bischöfe anvertraut wurde; in den freien Künsten erhielt er Unterricht durch einen Pavieser Abt Almerich, dem er später aus Dankbarkeit das Kloster Farfa übergab. 2 ) So konnte Heinrich III., nachdem er zum Throne gelangt war, an der Entwicklung der Wissenschaft regen Anteil nehmen, zumal er durch den Kapellan Wipo, einen klugen und unterrichteten Mann, für den königlichen Beruf vorgebildet war. Wipo preist im Tetralogus 153—163 die Eltern Heinrichs und erwähnt hier besonders, daß Gisela ihren Sohn in den Rechtsbüchern habe lesen lassen, um die verschiedenen Rechtsbestimmungen kennen zu lernen. 3 ) Da nun die Bildung jener Zeit nur geistlich war und der König sich für die Regierung daher fast nur der hohen Geistlichkeit bedienen konnte, so ist es nicht zu verwundern, wenn wir in den Annalen von Augsburg zu 1041 (MG. SS. 3, 125, 52) lesen, daß durch Heinrichs Bemühungen und stete Sorge sich damals eine große Zahl von Männern in allen Künsten und Wissenschaften auszeichneten und daß der Lerneifer die besten Früchte trug. Auch Widmungen von Schriften erhielt Heinrich III., wie ihm und der Kaiserin Agnes ein Mönch Arnulf eine Versifikation der im Mittelalter unter Salomos Namen gehenden biblischen Bücher dedizierte. 4 ) Und Williram von Ebersberg spricht in der Widmung seines Hohenliedes an Heinrich IV. davon, daß ihn dessen Vater stets unter- ') Nach der Interlinearnote Ekkehards IV. im Sangall. 393 in MG. SS. 2, 58, 11 Kisila imperatrix operum eins avidissimapsalterium ipsum et lob sibi exemplari sollicite fecit. 2 ) GregoriiCatin. bist. Farf. 5 (MG.SS. 11, 559,36 Älmericum litteris optime eruditum et aecclesiasticis doctrinis magniftce imbutum, studuerat edocere. 3 ) Wiponis Proverbia etc. ed. Pertz p. 14 Vs. 161 Haec operam dederat, quod rex in lege studebat; lila sibi libros persuaserat esse legendos; Ut varios ritus diiudicet arte peri- tus. Vgl. hiermit p. 3 Proverbia Vs. 1 ff. 4 ) Vgl. Huemers Ausgabe in Roman. qui etiam eundem imperatorem liberales apices \ Forschungen 2,216 f. Vs. 1—12 und 13—24- 8 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. stützt habe, 1 ) so daß mit dessen Tode seine ganze Hoffnung begraben gewesen sei. Aber auch Heinrich IV., dessen Erziehung ja in die Hände Annos von Köln und Adalberts von Bremen gelangte, erhielt eine für jene Zeit außerordentliche Bildung, denn Ebo erzählt im Leben Ottos von Bamberg, 2 ) daß der Kaiser imstande gewesen sei, alle an ihn gerichteten Briefe selbst zu lesen und zu verstehen; und er setzt hinzu, daß sein Psalmenbuch vom vielen Gebrauche faltig und schmutzig geworden war. Ekkehard von Aura aber erzählt von ihm, daß er sich wie sein Vater besonders mit wissenschaftlich gebildeten Geistlichen umgeben habe und mit ihnen die Psalmen gelesen und Fragen aus der Bibel und aus dem Gebiet der freien Künste besprochen habe. 3 ) Solche Dinge waren bei Laien selten genug und man sieht daraus deutlich, daß die Tradition aus der karolingischen und ottonischen Zeit beim salischen Hofe doch weiter wirkte. Aber nur ganz vereinzelt hört man ähnliches aus den Kreisen der Großen, wie vom Pfalzgraf Friedrich von Sachsen berichtet wird, er habe die an ihn gerichteten Briefe lesen und verstehen und die Kapellane, die sich während des Gottesdienstes beim Lesen versahen, zurechtweisen können; solche Kenntnisse habe er sich im Kloster Fulda angeeignet. 4 ) Solange nun die Macht der deutschen Könige, der Träger der Kaiserkrone, im Wachsen begriffen war und sich über Rom bis nach Unteritalien ausdehnte, hielt das geschichtliche Interesse beim deutschen Klerus an; die geschichtliche Darstellung in allen ihren Abarten stand hier durchaus im Vordergrund, sie wurde durch das Eintreten des Kampfes zwischen Staat und Kirche besonders von der rechtsgeschichtlichen Darstellung abgelöst. Die Weltstellung des deutschen Reiches aber brachte es mit sich, daß man den Blick auch auf die fernste Vergangenheit lenkte und mit der weltgeschichtlichen Darstellung in größerem Maßstabe begann, wovon unser Zeitraum zwei bedeutendere Arbeiten, die Hermanns von Reichenau und die des Marianus Scotus aufzuweisen hat. Und mit dem großen Reichtum an geschichtlichen Arbeiten Deutschlands kann sich weder Italien noch Frankreich messen. In Frankreich waren die politischen Verhältnisse nicht dazu angetan. Hier waren aber die Reformideen entstanden, die einen sehr großen Einfluß auf das Land ausübten und sich bald nach Lothringen verbreiteten. Zudem war in Frankreich die alte römische Kultur doch nie ganz untergegangen und damit hängt es zusammen, daß sich hier im 11. Jahrhundert eine viel bedeutendere formale Bildung entwickeln konnte als in Deutschland. Sie prägt sich zunächst in dem strafferen Denken aus, das auf gesteigerter Beschäftigung mit Dialektik und Rhetorik beruhte und 3 ) Chron. 1106 (MG. SS. 6, 239,1) More patris sui clericos et maxime literatos ad- herere sibi voluit hosque honorifice tractans nunc psalmis nunc lectione vel collatione sive scripturarum ac liberalium artium inquisi- stione secum familiarius occupavit. 4 ) Chron. Gozec. 1,19 (MG. SS. 10,148,10) Ferunt etiam quia litterarum scientia adeo in curiaVuldensi instructus fuerit,ut ep>istolas transmissas per se legeret et intelligeret ac capellanos in officio divino errantes corrigeret. ') Vgl. Schilter, Thesaur. ant. Teuton. 1, 3, 2 Vs. 5 Iussa tui patris subii iuvenilibus annis . . . Nam vacuis manibus numquam re- diit mihi missus . . . Mortem quando luit, spes mea tota ruit. 2 ) l,6(Jaffe, Bibl.rer. Germ. 5,594) Erat enim imperator litteris usque adeo imbutus, ut cartas a quibuslibet sibi directus per se- met ipsum legere et intellegere prevaleret. Codex autem in quo psalmos decantabat, ma- nuali frequentia rugosus et admodum obfus- catus erat. Einleitung. 9 zuerst in Berengar von Tours einen bedeutenden Vertreter fand. Aber auch die andern Zweige der freien Künste wurden hier nachhaltig gepflegt, darunter besonders die Poesie, die sich hier aus den früheren Schulreimereien zu einer fruchtbaren und gewandten Gelegenheitsdichtung entwickelt. Während in Deutschland die altberühmten Schulen von St. Gallen, ßeichenau und Fulda viel von ihrem alten Einfluß einbüßten, blieb Fleury seiner alten Richtung treu und das benachbarte Orleans erhob sich immer mehr zu einer der wichtigsten Bildungsstätten überhaupt, wogegen Paris in unserem Zeitraum noch nicht bedingend hervortritt. Daher kommt es, daß die jüngeren deutschen Kleriker vielfach auf französischen Schulen zu studieren anfingen, wo man von formaler Bildung mehr als irgendwo anders lernen konnte. 1 ) Diese Rückkehr zur Antike regte aber unbedingt zum Nachdenken an und in vielen Geistern festigte sich das Bewußtsein von den Widersprüchen der theologischen Überlieferung. Jedenfalls finden sich hier die Anfänge zur späteren scholastischen Philosophie, die die christliche und die heidnische Überlieferung auf dialektischem Wege zu verbinden suchte. Aber durch das Zurückgehen auf das Altertum war auch hier der Weg zur unmittelbaren Kritik der Mißstände im geistlichen Leben gegeben. Diesen Weg beschritt die kirchliche und kirchenpolitische Satire, die ebenso in Frankreich entstand wie in England, wo der den Angelsachsen innewohnende freiere Blick für die Verhältnisse des Lebens sowie ihre scharfe Rücksichtslosigkeit in der Beurteilung dazu führte. Aus alledem ergibt sich aber, daß die großen Nationen des Abendlandes auch innerhalb der einenden Kirche fortan in der literarischen Darstellung ihre eignen Wege gingen und daß mit dem 11. Jahrhundert die Nationalliteraturen einsetzten. Das ist aber nur durch die Zersplitterung des großen Frankenreichs möglich gewesen, und man kann somit behaupten, daß diese ihre wohltätigen Folgen gehabt hat. Ohne Zweifel aber hat die ganze Bildung bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts einen solchen Weg genommen, daß sie imstande war, für den großen Kampf zwischen Kirche und Staat mit geschärften Waffen sich zu rüsten und im Widerstreit der Geister die Menschen zu einem breiteren und tieferen Denken zu führen. Nur auf diesem Wege war es möglich, daß bald eine neue Zeit einbrach, in der die scholastische Philosophie alle tiefer angelegten Naturen in ihren Bannkreis hineinzog. Hierzu waren freilich auch gewisse reale Unterlagen durchaus nötig, nämlich philosophische Werke, auf deren Grund eine regere Beschäftigung mit der Philosophie in den Schulen vorgenommen werden konnte. Denn hieran fehlte es vor allen Dingen. Überblickt man freilich die alten Kataloge der Klosterbibliotheken und liest in den Schriftstellern des 10. und 11. Jahrhunderts, so möchte es scheinen, als ob daran kein Mangel gewesen sei. Aber es fehlte doch überall an den Grundlagen, und wenn zehnmal die Rede von Plato oder Aristoteles ist, man besaß eben doch nur den ') Wie man damals im Reiche über den 1 Lehrer Gunderam nicht achtete: qui qnoniam Aufenthalt auf fremden Schulen dachte, geht domi, non iuxta Renum seil in Gallia doctus recht deutlich aus einer Notiz im Anon. Ha- 1 erat, tarn nullius ab episcopo habltus est, ut serensis 28 (MG. SS. 7, 261, 22) hervor, wo [ ipsum eicere et alium substituere cogitaret. Bischof Heribert von Eichstädt den dortigen | XO Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Chalcidius oder die Kategorien und Periermenias von Boethius und dazu die Isagogen des Porphyrius. Soweit Boethius den Aristoteles übersetzt und kommentiert hatte, wußte man etwas von ihm, alles übrige war verschlossen. Denn die Kenntnisse im Griechischen hatten sich nicht erweitert, sondern gegen die karolingische Zeit verringert. Allerdings mit Ausnahme von Süditalien, wo das Griechisch lebendig geblieben war und der Einfluß der Araber hinzutrat. Während man sich in Frankreich und Deutschland für den Unterricht mit Martianus Capeila begnügte und höchstens auf Boethius zurückgriff und mehr verstohlen etwas von Plato und Chalcidius naschte, entstand um die Mitte des 11. Jahrhunderts, als St. Gallen, Reichenau und Fulda von ihrer alten Höhe gesunken waren, ein bedeutender Mittelpunkt für das wissenschaftliche Leben. Das ist das Kloster Monte Cassino, das sich nicht nur rühmte, in letztem Grunde auf Varro zurückzugehen, sondern das auch selbst Schriften von Varro und Apuleius unter seinen Bücherschätzen barg. Die Nähe von Salerno begünstigte hier nicht nur Studien über die Geschichte der Normannen, sondern regte auch zu Übersetzungen griechischer medizinischer und philosophischer Werke an, und es ist kaum zu bezweifeln, daß die unter Abt Desider gepflegte Cassineser Wissenschaft grundlegend für die bald einsetzenden Aristotelesübertragungen gewesen ist. Damit aber konnte erst das wirkliche Studium der Philosophie beginnen und die Zeit der Scholastik einsetzen. Diese aber wird erst im folgenden Zeitraum behandelt werden. Mit diesen allgemeinen Verhältnissen hängt nun die Weiterentwicklung der Wissenschaften und die Pflege der Literatur eng zusammen. Am wenigsten Vorteil hat die eigentliche Theologie daraus gezogen. Und das kann nach deren starkem Aufblühen in karolingischer Zeit nicht wundernehmen. Damals war ein Kompendium nach dem andern aus den Werken der Väter besonders in der Exegese entstanden und die Dogmatik war sogar unter dem persönlichen Eingreifen der Herrscher in vielen Beziehungen stark gefördert worden; auch waren große Predigtsammlungen angelegt. Von diesen Schätzen zehrte nun die folgende Zeit, in der man verhältnismäßig wenig Neues entstehen sieht, da man jetzt mit den Autoritäten der Vergangenheit auskam und die Zeit andere Forderungen stellte, die wegen der vielen äußeren und inneren Kriege öfters ins kirchenrechtliche Gebiet fielen. Dagegen ist an ein Nachlassen in der hagiographischen Tätigkeit nicht zu denken. Das hängt mit der Neugründung vieler Klöster und mit der Herbeischaffung vieler Reliquien zusammen. Die Wundersucht wuchs außerdem und je mehr in dieser Beziehung vorgetragen werden konnte, um so' eher konnte man das Ansehen fremder Heiligen herunterdrücken. Auch genügte der Stil der älteren Arbeiten vielfach nicht mehr. Durch das eifrige Studium des Sallust in den Schulen hatte man eine große Vorliebe für das Sentenzenhafte gewonnen, die Neigung zu kurzer und prägnanter Darstellung, die mit allgemeinen, spruchhaft vorgetragenen Gedanken gemischt ist, tritt sehr stark hervor. Und daher fand man an den alten hagiographischen Arbeiten keinen Gefallen, sie wurden unter möglichster Vermehrung der Wunder in den neuen Stil umgegossen. So kommt es, daß man jetzt gar nicht selten dergleichen lesbare Arbeiten antrifft, die lebendig und eindrucksvoll geschrieben sind. Einleitung. \ \ In den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betätigung treten jetzt mehr und mehr die freien Künste, die sowohl auf den höheren wie niederen Schulen auch den Hauptlehrstoff abgaben. Daher war ein Buch wie Martianus Capella in hohem Ansehen, freilich dessen wissenschaftliche Erklärung, die einst Johannes Scottus gegeben, hatte sich nicht behaupten können. Man begnügte sich mit den Exzerpten, die Remigius daraus gemacht hatte, und auch dessen Werk wurde später weiteren Verdünnungen ausgesetzt, und es erhielt sich immerhin auch darin eine nicht unbedeutende alte Gelehrsamkeit. Freilich konnte man die umfängliche Schrift De nuptiis philologiae et Mercurii erst vorgeschrittenen Schülern, die schon den Donat, Catos Distichen und Avian, 1 ) dazu Theoduls Ekloge gelesen und erklärt erhalten hatten, in die Hände geben, denn der grammatische Unterricht erstreckte sich auf die eigentliche Grammatik, wobei Donat und seine zahlreichen Erklärer behandelt wurden und das Hauptbuch Priscian sich anschloß, und auf die Lektüre von Dichtern. Das Lesen der altrömischen Epiker und Satiriker wurde aber auch als Vorstufe für die Rhetorik angesehen 2 ) und bildete für den höheren Unterricht eine Hauptgrundlage. Allerdings wurde nach der Grammatik zunächst die Dialektik getrieben, wobei man des Porphyrius Isagogen in den Bearbeitungen von Victorinus und Boethius, des Aristoteles Kategorien und Periermenias nach Boethius und Ciceros Topik mit dem Kommentar des Boethius benutzte. Das wird sich freilich nur auf den höheren Unterricht beziehen, der keineswegs an allen Schulen bestand, sondern nur für die jungen Kleriker eingerichtet wurde, welche weiter strebten und die es nach einem tieferen Verständnis der Bibel und der Kirchenväter verlangte. Denn bei dem höheren Flug, den die griechischen Kirchenväter — sie waren der lateinischen Welt aber nur durch Übersetzungen bekannt — genommen hatten und bei den Problemen, die ein Augustin im Gottesstaat vorführte, genügte die mehr elementare Ausbildung keineswegs, die für den Kleriker unbedingt notwendig war. Als Vorstufe zur Rhetorik wurden die Schriften des Boethius De topicis differentiis, De syllogismis categoricis und hypotheticis, De diffinitione und De divisione behandelt und dann die Dichter Vergil, Statius, Terenz, Juvenal, Persius und Horaz sowie Lucan gelesen, den man ührigens mehr zu den Historikern als zu den eigentlichen Dichtern rechnete. Für die eigentliche Rhetorik aber wurden Cicero De inventione und der Auetor ad Herennium — nach dem mittelalterlichen Sprachgebrauch Ciceronis rhetorica seeunda oder posterior genannt ■— eifrig benutzt. Dazu traten als Übungsbuch für eigne Versuche Senecas Controversien. Daneben bildeten die weitere Lektüre in der Grammatik die Werke Sallusts, die sich einer sehr großen und ganz allgemeinen Beliebtheit erfreuten, sowie die späteren mageren Auszüge aus der römischen Geschichte wie von Jordanis und Paulus Diakonus und die Historien des Orosius. Der Unterricht in diesen drei Fächern führte nun die mehr selbständigen Geister zu eignen Arbeiten. Und zwar steht auch hier, wie in der früheren Zeit die Grammatik voran; freilich können sich die einschlägigen Werke weder an Zahl noch an Bedeutung mit den Pro- l ) Vgl. den Prolog zu Otlohs Pioverbia, I 2 ) Vgl. Richer, Hist. 3, 47 (ed. Waitz Migne 146, 300C. | p. 101). 12 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. dukten der karolingischen Periode messen. Diese waren so zahlreich gewesen, daß man nur wenig Veranlassung fand, neue größere Erklärungen (Kommentare) zu den eigentlichen Grammatikern wie zu den gelesenen Autoren zu schreiben; hatte doch eine so anerkannte Autorität wie Remi- gius Kommentare zu den meisten Schulschriftstellern geliefert. Nur die Literatur der Glossenwerke und der Lexika wächst, indem die älteren Werke kontaminiert und bereichert werden und man auch die Volkssprachen mehr in das lexikographische Gebiet hineinzieht. Am meisten aber von den grammatischen Fächern wird die Dichtung geübt. Auf dem poetischen Gebiet entfaltete sich eine ungemein große Tätigkeit, mag man die kirchliche Lyrik und Epik, oder die Poesie auf geschichtlicher wie weltlicher Grundlage überblicken. Denn das Versemachen wurde mit Hilfe prosodischer Diktate und reicher Auszüge aus den alten Dichtern in der Schule gelehrt und wurde dort stark betrieben; sonst wäre die verhältnismäßig große Sicherheit in der Prosodie bei den meisten metrischen Dichtern nicht zu erklären. Und noch wagt man sich zuweilen an die schwierig zu handhabenden Odonmaße des Altertums heran. Freilich hatte sich längst neben die Metrik die volkstümliche Rhythmik gestellt, in ihr bewegt sich zumeist die ungemein ausgebreitete kirchliche Lyrik, die freilich, häufig unfrei, an bestimmte Gedanken- und Wortschemen gebunden, oft kaum mehr den Eindruck wirklicher Poesie macht. Gehörte die Ausbildung in den Fächern des Triviums zum unbedingt nötigen Rüstzeug für den Kleriker, so trat beim Quadrivium eine große Beschränkung in dieser Hinsicht ein. Seine Fächer hängen alle mit der Mathematik zusammen und hier war es allerdings für den Geistlichen unerläßlich, die Berechnung des Osterfestes anstellen zu können. Hierfür mußte er in die kirchliche Chronologie eingeweiht werden, um den Kom- putus zu verstehen. Und ebenso waren ihm für die Ausübung der Kirchenmusik Vorkenntnisse notwendig. Aber für ein tieferes Eindringen in die mathematischen Fächer ergaben sich wohl bei den meisten unübersteigliche Hindernisse. Und doch war das Material für den Betrieb dieser Wissenschaften vorhanden. Abgesehen von den betreffenden Büchern bei Marianus Capella wurden besonders die Schriften des Boethius über Arithmetik und Geometrie beim höheren Unterricht' verwendet, aber seitdem Gerbert eine nicht geringe Anzahl in beide Fächer einschlagender Schriften aus dem Altertum 1 ) gefunden und für seine eignen Werke verwendet hatte, besaß man reichen Stoff in dieser Beziehung. Und es regte sich jetzt auch das Interesse hieran, wie man die Frage nach der Quadratur des Kreises zu beantworten suchte. Zum Mittelpunkt mathematischer Bestrebungen wurde die Schule von Chartres, die in ihrem „Sokrates" Fulbert ein Haupt erhielt, in dem sich die mannigfachsten wissenschaftlichen Studien vereinigten. Aber auch die Musik wurde durch Gerbert gefördert und für astronomische Beobachtungen stellte dieser unvergleichliche Gelehrte Apparate her, die für ihre Zeit einzig gewesen sind. Seitdem beginnt wieder eine regere komputistische Tätigkeit, die sich auch in wissenschaftlichen ') Nämlich im Cod. Arcerianus oder einer ähnlichen Sammlung. Einleitung. \ 3 Erklärungen zu Bedas mathematisch-astronomischen Werken äußert. Dagegen liegen die eigentlichen Naturwissenschaften noch ziemlich brach, man begnügte sich im allgemeinen mit dem, was Isidor und Beda dafür geleistet hatten. Dazu kamen Schriften des ausgehenden Altertums, über Botanik, die aber bei dem den Römern innewohnenden praktischen Sinne in Verfolg der Bestrebungen des Plinius stark mit medizinischem Volksaberglauben versetzt waren. Plinius selbst wurde zwar öfters abgeschrieben und fand sich daher in den meisten größeren Bibliotheken, 1 ) aber es wird sich dabei oft nur um Teile des großen Werkes handeln, wie wir das von den Zeiten der Angelsachsen her kennen; auch begnügte man sich vielfach mit Exzerpten, die mit Solin oder Isidor vermischt wurden. Erwies sich doch auch der Auszug, den Hraban einst aus Isidors Etymologien zu dem Werke De naturis rerum gemacht hatte, als zu umfänglich, auch er wurde in Exzerpte gebracht. Von den Schriften der alten griechischen Ärzte war nur wenig ins Lateinische übersetzt worden, die abendländische Welt hing in dieser Beziehung fast ganz von der römischen Volksmedizin ab, wie sich das auch in dem Versuche des sogenannten Macer zeigt, der eine nicht geringe Anzahl älterer Schriften für sein botanisch-medizinisches Gedicht benutzte, das für diesen Zweig der Literatur tonangebend wurde. Erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts beginnt sich die medizinische Schule zu Salerno zu regen, indem von hier wohl mit Unterstützung der Wissenschaft von Monte Cassino eine reiche Übersetzungstätigkeit in der griechischen Arzneiliteratur ausging. Und auch die Musik wurde wie stets in Italien besonders gepflegt, unser einfaches Notensystem hat seinen Vorläufer durch Guido von Arezzo erhalten, zu einer Zeit, als die Musiktheorie besonders in Reichenau ausgebildet wurde und dort die Mathematik und die Astronomie wenig später in Hermann dem Lahmen einen vorzüglichen Vertreter fand. Die Über*- lieferung der antiken Astronomie durch Plinius, Hygin, die sich an Aratus anschließende Literatur und durch Martianus Capella wurde zwar eifrig studiert und die einschlagenden Werke Bedas mit Kommentaren versehen, aber zu selbständiger Beobachtung fehlte es nicht nur am unmittelbaren Zurückgehen auf die griechische Wissenschaft, sondern auch an den nötigen Instrumenten. Den letzteren Mangel ersetzten in gewisser Beziehung Gerbert und Hermann der Lahme, dessen astronomische Schriften einen, wenn auch sehr losen Zusammenhang mit der arabischen Wissenschaft verraten. Erst als diese in etwas späterer Zeit durch Übersetzungen im Abendlande bekannter wurde, läßt sich von einer Hebung der astronomischen Studien sprechen. — Man muß sich übrigens den höheren Betrieb der Fächer des Quadriviums in unserm Zeitraum noch recht subjektiv vorstellen. Von dem Denken der tiefer angelegten Geister drang wenig in die Öffentlichkeit und wenige nur vermochten dem geistigen Fluge zu folgen. Bei dem starken Autoritätsglauben, den die Kirche nun einmal mit allen Mitteln aufrecht erhielt, wurde ein neuer Gedanke, der von der überlieferten Weltanschauung und vom hergebrachten Wissen abwich, leicht als ketzerisch aufgefaßt, und die Kirche hatte großes Interesse daran, der lernbegierigen Jugend nicht *) In alten Katalogen wird die Naturalis historia an 53 Stellen erwähnt. 14 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zuviel neues Wissen zuzuführen. Auch wurden die neuen Errungenschaften der Forschung doch nur in sehr beschränktem Maße abgeschrieben und meist nur in engsten Kreisen bekannt. Und wenn auch Schulen wie die Fulberts zu Chartres nicht wenig strebende Geister vereinigten, der Lehrer wird doch immer nur wenig Auserwählten seine auf neuer eigner Forschung beruhenden Gedankengänge mitgeteilt haben. So gibt es viele Gründe dafür, daß das höhere Wissen auf wenige Köpfe beschränkt blieb und erst der im folgenden Zeitraum einsetzende Betrieb der Universitäten hat hierin eine dauernde Änderung geschaffen. Aber es gab auch viele warnende Stimmen, die von der Beschäftigung mit den Schriftstellern des Altertums abrieten, welche die Schule benutzte. Es fand sich besonders in den Werken der Dichter manches, was als Gift auf junge Gemüter wirken konnte. Während ja die Kirchenväter und Dichter wie Prudentius in stetem Kampfe gegen die alten Götter und deren Glauben gelegen hatten, las man in den Dichtern frei und offen lauter solche Dinge, die dem christlichen Glauben widersprachen. Solche warnenden Stimmen kleidet der mittelalterliche Autor nicht selten in Visionen. So erschien dem Odo von Cluni, als er Vergil lesen wollte, im Traume ein äußerlich prächtiges Gefäß, das aber mit Schlangen gefüllt war, die ihn alsbald umringten, aber nicht bissen. Als er erwachte, erkannte er, daß die Schlangen die Lehren der alten Dichter bedeuteten, das Gefäß aber das Buch Vergils sei. 1 ) Und dem Abt Hugo von Cluni träumte einst, daß sich unter seinem Haupte eine Menge Schlangen befänden. Beim Erwachen fand er den Vergil unter seinem Kopfkissen, und er konnte erst ruhig schlafen, als er das Buch weggeschleudert hatte. 2 ) Oder ein junger Schüler namens Gozo rief eines Tages erschreckt aus, eine Schar von Teufeln in der Gestalt des Äneas und Turnus und andrer vergilischer Helden verfolge ihn in heftiger Weise. 3 ) Oder ein Lehrer las mit seinen jungen Leuten in Lüttich den Terenz, als er krank wurde und man ihn schon aufgab. Da erschien ihm der h. Laurentius und verbot ihm das Lesen von so schlüpfrigen Büchern. 4 ) Abt Majolus von Cluni 5 ) las in seiner Jugend die Bücher der alten Schriftsteller und die Lügen Vergils, später aber wollte er nichts mehr davon wissen und auch andre sollten nicht darin lesen; er meinte, die christlichen Dichter genügten der Jugend völlig und sie brauche sich nicht mit den gleißenden Worten eines Vergil zu beflecken. — Obgleich nun in der schriftstellerischen Produktion des Abendlandes schon in unserm Zeitabschnitt langsam und allmählich das nationale Leben Scheidungen hervorbringt, die zum Einsetzen der Nationalliteraturen führen, so bleibt doch eine gewisse Einheitlichkeit nach mehreren Richtungen gewahrt. Sie ergibt sich zunächst aus der Einheit der Kirche. Die von Rom immer fester geleitete Kirche stand über dem Abendland wie ein schützendes Dach und sie war so organisiert, daß jede abweichende Lehrmeinung schnell zutage treten mußte. Und die meisten ') Vgl. IohannisVita Odonis 1,12 (Ma- billon, Acta SS. ord. s. Bened.5,154). 2 ) Rieh. Lehmann, Ueber die Vitae Hu- gonis S.48 ausBibl. Cluniac. ed.Marrier p.422. 3 ) Vita Popponis Stabul. 32 (MG. SS. 11, 814, 33 ff.). 4 ) Reinen Palmarium virginale prol. (Pez, Thesaurus, aneedot. 4, 3, 85. 5 ) Vita Majoli 1,14 (Mabillon, Acta SS. 5,791. Einleitung. 15 von der Kirche getragenen Veränderungen im Leben wie die Einrichtung des Gottesfriedens oder die von Cluni ausgehende Reform verbreiteten sich in verhältnismäßig kurzer Zeit trotz der Verschiedenheit des nationalen Lebens auf die weitesten Kreise. Das kam besonders daher, daß der Klerus des Abendlandes unter annähernd gleichen Bedingungen und Gesetzen lebte und daß das Mönchsleben eine sehr bedeutende Ausbreitung erhalten hatte. Immer noch zog es die Kreise, die der Welt wegen äußerer Dinge entsagen oder die sich der Beschäftigung mit den Wissenschaften hingeben wollten, in der alten Weise ins Kloster. Und dieselbe Regel waltete über dem Leben der Mönche, soviel es Niederlassungen des Benediktinerordens gab. Und in jedem Kloster hatte man, wie auch an den Bischofssitzen, sowohl eine Kirchen- wie eine Schulbibliothek, wie auch die einzelnen Kirchen meist allerdings kleine Büchervorräte besaßen, die unmittelbar zum Gottesdienst gehörten. Wichtig waren besonders die Dom- und Klosterbibliotheken, da sie die wirklichen Schätze des Mittelalters an antiker und späterer Literatur enthalten, während die Schulbibliotheken nur die Sammlungen darstellen, die für den persönlichen Gebrauch des Lehrers zum Vorlesen und zum Diktieren entstanden sind. Wenn nun schon aus dem 9. Jahrhundert eine ganze Menge solcher Dom- und Klosterbibliothekskataloge erhalten sind, von denen einige geradezu vorbildlich genannt werden können, so hat uns doch auch das 10. und 11. Jahrhundert nicht wenig reichhaltige Verzeichnisse von Büchern hinterlassen, die heute noch das höchste Interesse für sich beanspruchen. Denn jedes dieser Verzeichnisse ist ein Stück Wissenschaftsgeschichte an sich, da es über die Verbreitung der Literatur einen gewissen Aufschluß gibt, der um so wichtiger wird, wenn sich, wie das häufig der Fall ist, die verzeichneten Handschriften mit heute noch erhaltenen identifizieren lassen. Zu ihnen gehören aus Deutschland — und zwar in seinem großen mittelalterlichen Begriffe — in unseren Zeitraum die Kataloge aus St. Emmeram in Regensburg, aus Egmond, Blaubeuern, Laubach (Lobbes), Lüttich und Toul, aus Frankreich die von Fleury, St. Gildas, Beauvais und Puy, ganz abgesehen von solchen Verzeichnissen, die sich nicht örtlich unterbringen lassen; und Italien nimmt mit den Katalogen von Bobbio-und Monte Cassino teil. Aber es sind nicht nur Kataloge, durch welche die Geschichte einzelner Bibliotheken aufgehellt wird, sondern auch Briefe von Gelehrten geben öfters die wertvollsten hierauf bezüglichen Aufschlüsse. So ist z. B. das medizinische Werk des Celsus im früheren Mittelalter nur aus einer Stelle in einem Briefe Gerberts bekannt und wird dann nur noch im 15. Jahrhundert im Katalog von Monte Cassino erwähnt, was ja durchaus der Seltenheit seiner wirklich alten Handschriften entspricht. Oder das älteste datierte Auftauchen von Varro De lingua latina gehört (in einem Oxforder Verzeichnisse) ins Jahr 1443, nirgends wird das Buch vorher als zu einer Bibliothek gehörig genannt. Oder wir wissen aus dem reichen Katalog von Cluni aus dem 12. Jahrhundert und aus dem von Glastonbury (1247), daß dort je ein Exemplar des Pompeius Festus gelegen hat, was für die Überlieferungsgeschichte des Werkes wichtig genug ist, denn auf solche Weise werden die Zwischenstufen der Überlieferung seltener Werke zuweilen blitzartig aufgehellt und Fingerzeige für deren 16 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. bisher unbekanntes Weiterleben gewährt. Es ist daher in hohem Grade zu begrüßen, daß die alten Kataloge Deutschlands, Österreichs und der Schweiz jetzt in mustergültiger Weise herausgegeben werden. Das zweite, die Gesamtproduktion einigende Band ist die Sprache, denn das Latein blieb das sprachliche Ausdrucksmittel der Kirche gegenüber dem Volke und seiner Vulgärsprache. Freilich hatte sich dasLatein gegenüber derfrüheren Zeit stark verändert. Vor allem war der Wortschatz sehr vermehrt worden, denn die beiden Hauptfaktoren mittelalterlichen Lebens, Kirche und Staat, bedingten in ihrer Weiterentwicklung auch neue Ausdrücke, die einerseits dem Volkslatein, andrerseits den Vulgärsprachen entnommen wurden und zuweilen auch eine Mischung aus beiden darstellen, ganz abgesehen davon, daß viele Schriftsteller mit Worten und Gedanken zu glänzen suchen, die sie der älteren Latinität und den römischen Autoren zu entnehmen suchen. Auch die Glossare und Wörterbücher sind für viele Schriftsteller, die nach seltnen und ungewöhnlichen Ausdrücken haschten, eine wahre Fundgrube gewesen. Aber auch der Stil ist ein andrer geworden, schon im 10. Jahrhundert bildete sich vielfach eine neue Schreibweise aus. Sie wird natürlich noch immer stark durch die Bibel beeinflußt, aber vor allem gewinnt jetzt die Poesie und zwar die alte wie die zeitgenössische hier die Macht. Man bestrebt sich jetzt nicht mehr wie einst Einhart oder wie Lupus, möglichst im Stile der alten Autoren zu schreiben, 1 ) eine Mischung der biblischen Schreibweise mit der der Kirchenväter und der Dichter ist eingetreten und auch die Vulgärsprachen sind nicht ohne Einfluß geblieben. Und der Sinn für den poetischen Ausdruck zeigt sich nicht etwa nur in der Anwendung zahlreicher Tropen und Metaphern, sondern auch das ganze Satzgefüge nimmt daran teil, indem es bei vielen Autoren in kleine aufeinander reimende Teile zerlegt wird. Wahrscheinlich ist es auf den Reim der Kirchenlieder zurückzuführen, daß diese merkwürdige Reimprosa entstanden war, denn man suchte außerdem einen rhythmischen Klang in die Prosa zu bringen im Verfolg der volkstümlichen kirchlichen Dichtung. Gewiß haben wir in unserm Zeitraum nicht wenig Schriftsteller, denen der Gebrauch der lateinischen Sprache sehr schwer fällt, was sich aus der Verworrenheit ihrer Satzgefüge, aus der Unbehilflichkeit des Stiles sowie aus vielfachen Verstößen gegen die einfachsten grammatischen Regeln ergibt. Aber es hat sich doch eine sichere, feste Schreibweise herausgebildet, die um die nötigen Ausdrücke nicht verlegen ist und einen verhältnismäßig klaren, freilich mit vielen fremdartigen Bestandteilen durchsetzten Stil besitzt. Und dabei fehlt es durchaus nicht an solchen Autoren, die entgegen dem ruhigen, in der Schule erlernten Ton einen von ihrem persönlichen Wesen beeinflußten, stark subjektiven Stil schreiben, namentlich dann, wenn es gilt, leidenschaftliche Kämpfe mit der Feder durchzuführen. Dabei soll allerdings nicht vergessen werden, daß ein Dichter wie Amarcius sich so nachhaltig in den Ton der Satiren des Horaz eingearbeitet hatte, daß nicht geringe Teile seiner heftigen Angriffe auf das Leben der Gegenwart sich fast wie Stücke aus der römischen Satire lesen. Im allgemeinen spielt J ) Nur das Vorbild Sallusts ist namentlich in der historischen Prosa ungemein oft zu ■erkennen. Einleitung. \ 7 die Schule die Hauptrolle, aber Leute von eigenartiger, hoher Begabung konnten doch zu einem eignen, freien und selbständigen Stile gelangen. Und das drückt sich in der Prosa öfter aus als in der Dichtung, die wegen der metrischen und prosodischen Regeln und wegen des Verszwanges stets eine gewisse Gebundenheit bezüglich früherer Vorbilder bedingte. — Stark zurück gegen die frühere Zeit tritt das Griechisch. Das mag zusammenhängen mit dem Sinken des Einflusses der Iren auf dem Kontinent. Ihre Niederlassungen büßten mehr und mehr ihre frühere Bedeutung ein, ihre Reisen auf das Festland werden seltener und damit fallen die Leute weg, die Griechisch verstehen. Und einen Hof von so universaler Stellung, wie ihn Karl der Große einst gehabt, gab es nicht mehr. Wohl ruhen die Beziehungen des Abendlands zum Orient nicht ganz, aber erst in den späteren Jahren Ottos I. kommt eine Zeit, da sie wegen der Verheiratung seines Sohnes mit Theophano lebendiger werden. Das Bindeglied zwischen der lateinischen und griechischen Welt blieb Italien und wenn Theophanos griechischer Einfluß auf Sachsen und auf ihren phantastisch veranlagten Sohn Otto III. dort als etwas Fremdes, ja Feindseliges empfunden wurde, so war die italienische Politik Ottos II. und Heinrichs II. gegen das Griechentum gerichtet. So wurde das griechische Wesen vom nationalen Standpunkt in Deutschland abgelehnt. Tiefere Wurzeln hatte aber die Kenntnis der griechischen Sprache in Frankreich und Deutschland nirgends geschlagen, und nur sehr oberflächliche Beziehungen zu ihr erhielten sich; um die Fremdausdrücke in der Kirchensprache und in der Wissenschaft zu verstehen, genügten griechisch-lateinische Glossare und wohl auch die Werke der Kirchenväter samt Erklärungen. Daher kommt es, daß man in den Handschriften unsers Zeitraumes oder in alten Katalogen nur ganz selten auf griechische Dinge stößt; am meisten noch sind es griechisch-lateinische Wörterbücher oder kurze Notizen über das Alphabet und über die Aussprache der Buchstaben, oder ganz vereinzelt kleine griechische Texte und zwar meist in lateinischer Schrift. Anders war es natürlich in Süditalien, wo diese Sprache lebendig blieb. Hier beginnt ganz am Ende unsrer Periode eine rasch zunehmende Übersetzertätigkeit, die sich auf Werke der alten Ärzte, Mathematiker und Philosophen erstreckt und durch die das Wiederaufleben dieser Wissenschaften in den folgenden Jahrzehnten erst ermöglicht worden ist. So wurde durch die Beschränkung des Abendlandes auf die lateinische Sprache auch eine gewisse Beschränkung in wissenschaftlicher Beziehung bedingt. Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. Erster Abschnitt. Theologie. Im 9. Jahrhundert hatte die rege Teilnahme des karolingischen Fürstenhauses an allen öffentlichen Fragen zu einem nicht geringen Aufschwünge der theologischen wissenschaftlichen Literatur geführt. Und die Zeit hatte bedeutende Männer hervorgebracht, denen die Weiterführung des ererbten Wissens wie die Verfolgung neuer Ideen innerhalb der Kirche am Herzen lag. Aber die am Ende des Jahrhunderts einsetzenden Kämpfe gegen die vielfachen Reichsfeinde, die Zwistigkeiten innerhalb der Herrscherfamilien sowie die Auflösung des Ostreiches in die fünf großen Herzogtümer ließen diese rege Tätigkeit bald verfallen; der beherrschende geistige Mittelpunkt fehlte, der die Anregungen bisher gegeben hatte. Man kann daher von einer Weiterführung der wissenschaftlichen Theologie in unserm Zeiträume zunächst nicht gut reden, erst im 11. Jahrhundert traten neue Ideen auf, die zu ihrer Durchführung den wissenschaftlichen Apparat der Vergangenheit beanspruchten, während man im 10. Jahrhundert meist noch von dem Überfluß an Schätzen lebte, die das karolingische Zeitalter angehäuft hatte. Sehen wir uns zuerst in der Dogmatik um. Gezo von Tortona "verfaßte in engem Anschluß an Radbert eine Schrift De corpore et sanguine domini, in der der Verfasser über Radbert und die Väter nicht hinauskommt, nur daß er einige Wunder hinzufügte. Eine Abhandlung über den Antichrist verfaßte Adso, ohne ebenfalls Neues zu bieten, aber seine Schrift hat die späteren mittelalterlichen Vorstellungen beherrscht. Otloh von St. Emmeram untersuchte in der Schrift De tribus quaestionibus die Erkenntnis der göttlichen Liebe, die verschiedenen Arten der göttlichen Gerichte und die Fähigkeit des Menschen, das Gute zu tun. Über die Quatemberfasten und die vier Adventssonntage ließ sich Bern von Reichenau aus, der außerdem über die Messe schrieb, wobei er geschichtlichen Sinn für Gewohnheiten und Neuerungen offenbart. Wichtiger werden die dogmatischen Arbeiten erst, als die neue Abendmahlslehre des Berengar von Tours einsetzte, die selber mehr durch mündliche Auseinandersetzung als durch die Schrift ins Leben trat, bis Berengar eine hitzige Schrift verfaßte (De sacra coena), die aber mehr als Streitschrift zu gelten hat Diese Neuerung erzeugte eine ganze Flut von Entgegnungen, aus deren Verfassern Lantfranc, Hugo von Langres, Durand von Troarn und Guitmund von Aversa genannt seien. Indes hat dieser lang andauernde Streit, so nahe er auch das theologische Gebiet berührte, doch mehr noch innerhalb der zeitgenössischen Dialektik gewirkt. Auch die Exegetik hat nicht viel Wichtiges aufzuweisen. Atto Erster Abschnitt. Theologie. 19 von Vercelli verfaßte eine Erklärung zu den Paulusbriefen, Bruno von Würzburg zu den Psalmen, Theoderich von Fleury zu den katholischen Briefen und Gerhard von Czanad schrieb einen ungeheuer weitschweifigen Kommentar zu Daniel 3, 57—65, verfiel freilich dabei fast in den Stil einer Predigt. Bei dieser exegetischen Tätigkeit kam es aber mehr auf die Umgruppierung des alten Stoffes und dessen Exzerpierung als auf neue, eigenartige Erklärung an, die ohnehin, als gegen den rechten Glauben verstoßend, von vornherein abgelehnt wird. Mit der einfachen Exzerpierung der Werke der Väter begnügten sich aber Odo von Cluni, der Gregors Moralia und in seinen Collationes eine größere Auswahl von Väterwerken in dieser Weise behandelte, und Burchard von Worms, der in seinem Decretum eine große Sammlung von rechtsgeschichtlichem Material der alten Zeit zusammenbrachte. Homiletische Sammlungen sind in unserem Zeitraum nicht viele entstanden, dafür hatte die Vorzeit genügend gesorgt. So sind von Rather, Atto, Albvin und Otloh Predigten zu besonderen Gelegenheiten erhalten und Fulberts Sermones sind zu einer kleinen Sammlung geordnet worden; meist liegen sonst nur einzelne und zerstreute Stücke vor, bis dann im 12. Jahrhundert in einer geistig mehr erregten Zeit die hervorragenden Prediger einsetzen, deren Werke sorgfältig gesammelt wurden. Aus der Pastoraltheologie sind die Schrift Rathers De nuptu illicito und sein Auszug aus dem Beichtdialoge zu erwähnen, ferner Adalgers Ermahnung an Nonsvinda, und besonders einige Schriften Otlohs wie der Liber manualis und der Cursus spiritualis, wie überhaupt Otlohs Werke mehr oder minder alle der geistlichen Belehrung und Unterweisung dienen, wobei allerdings das pädagogische Element eine große Rolle spielt. Aus vielem Persönlichen und Unpersönlichen gemischt sind endlich die Streitschriften, die sich bei Rather, einer äußerst sensibeln und unruhigen Natur, an die zahlreichen Kämpfe anschließen, in denen er sein Leben zubrachte, z. B. die Conclusio deliberativa, das Itinerarium, die Discordia und der Liber apologeticus. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei dem streitbaren und heftigen Atto von Vercelli, der richtige Kampfschriften in De pressuris ecclesiasticis und im Polipticum hinterlassen hat. Eine Streitschriftenliteratur im engern theologischen Sinne beginnt aber erst seit der Mitte des 11. Jahrhunderts, indem Berengars Auffassung der Abendmahlslehre vielfach auf heftigen Widerstand stieß und die Gegner zu heftigen Äußerungen veranlaßte, wobei der ursprünglich dogmatische Inhalt ihrer Schrift sich mit persönlichen Angriffen und Schmähungen vermischte. Hieran nahm auch Berengar selbst Anteil und zu seinen schon oben genannten Gegnern sind noch Bernold und Wolf heim zu zähleE. Allerdings hinterließ dieser Abendmahlsstreit keine tieferen Spuren, da er auf wissenschaftlichem Gebiet geführt wurde, er teilte nur einzelne gelehrte Theologen voneinander. Von ungleich bedeutenderen Folgen war aber der Streit des deutschen Königtums mit dem Papsttum begleitet, da in ihm die Geistlichkeit im allgemeinen Stellung nehmen mußte und er, wenigstens in der Folgezeit, zu einem nationalen Kampfe sich gestaltete. Davon aber wird erst im folgenden Buche die Rede sein. 20 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 1. Odo von Cluni. Odo war von fränkischer Abkunft und stammte wohl aus Le Mans, wo er etwa 879 geboren ist. Er rühmte später von seinem Vater Abbo, daß dieser die Geschichte des Altertums und die Novellen Justinians im Gedächtnis hatte und daß man ibn zur Schlichtung jeder Streitigkeit herbeirief. Obwohl Odo eigentlich zum geistlichen Stand bestimmt war, kam der junge Mann doch wegen seiner Kraft und Schönheit an den Hof Herzog Wilhelms v. Aquitanien. Freilich war Odo so sehr dem vom Vater überkommenen Schutzheiligen St. Martin ergeben, daß er mit neunzehn Jahren in Tours Kanoniker wurde. Hier empfing er den gewohnten grammatischen Unterricht aus Priscian und er las den Vergil, doch wurde er durch einen Traum von der Lektüre dieses wie der andern heidnischen Dichter abgeschreckt. Als er sich aber nun dem Studium der Väter zuwandte, wollten ihn die Chorherren von St. Martin davon abhalten, da es zu schwierig sei, und sie wiesen ihn auf die Psalmen hin. 1 ) Vielleicht ist er wegen seiner gelehrten Neigungen Lehrer in St. Martin geworden, jedenfalls aber hat er in Paris sein Wissen zu erweitern gesucht, indem er hier die Vorträge des Remigius über Pseudo-Augustins Dialektik und über Martianus Capella hörte. Ohne Zweifel war sein Beispiel und seine Lehre 2 ) von wohltätigem Einfluß auf die Chorherren von St. Martin, denn sie baten ihn, als er aus Paris zurückgekehrt war, Gregors Moralia, die sechs Bände füllten, für sie zu einem Bande auszuziehen, da das Originalwerk für sie zu gewaltig sei. Odo weigerte sich anfangs, als ihm aber in einem Traume Gregor selbst die Feder reichte und. ihn zur Abfassung des Auszugs aufforderte, übernahm er die Arbeit. Er erwähnt in der Vorrede, die übrigens nicht an die Brüder von St. Martin gerichtet ist, daß er schon vor zwei Jahren ein Buch, das er Liber Regnorum 3 ) betitelt, aus den Aussprüchen der Väter zusammengestellt habe. Er stellte seinem Werke ein Gedicht in sechzig Hexametern voran, in dem er in das höchste Lob über Gregor ausbricht und sein eignes Zagen bei der übernommenen Arbeit schildert; das Gedicht zeigt übrigens im Ausdruck wie besonders in der Prosodie einen bedeutenden Rückschritt gegen die Poesie des 9. Jahrhunderts. Das Werk selbst verzichtet zunächst auf alle im Liber Regnorum vereinigten Sentenzen und zieht den Text Gregors ungemein stark zusammen, ohne daß Odo, wie er selbst sagt, 4 ) eigne Zutaten gemacht hätte. Längere Zeit hatte er schon nach Benedikts Regel gelebt und da ihm das lockere Leben der Welt ungemein zu Herzen ging, beschloß er, Mönch zu werden. Mit einem gleichgesinnten Freunde namens Adhegrin durchzog er nun Westfranken und blieb dann in dem burgundischen Kloster Baume, dessen Abt Berno ein strenges Regiment im Sinne Benedikts v. Aniane führte und in Odo bald die gleiche Gesinnung erkannte. So wurde Odo hier Lehrer im Kloster, als er etwa dreißig Jahre alt war; er scheint von seinem Besitz einen ziemlichen Teil bis zu dieser ') Man sieht hieraus, wie schnell der war, vgl. Vita Odonis 1,15 (Migne 133, 50C). Niedergang der Studien in der berühmten Abtei I 3 ) Das Werk scheint verloren zu sein, erfolgt war. 4 ) Migne 133,1080 nulluni meo ut reor 2 ) Er lebte übrigens in Tours drei Jahre I sensu fuscatum sermonem permiscui. nach der Regel Benedikts, obwohl er Chorherr Odo von Cluni. 21 Zeit behalten zu haben, 1 ) denn er brachte dem Kloster hundert Bücher zu. Bald darauf, d. h. am 11. September 910 wurde in der Nähe von Macon die Gründung des Klosters Cluni 2 ) vollzogen, das gleichfalls unter Berno gestellt wurde. Von diesen beiden Stiftungen geht die Reform der Klöster aus, die für die Zukunft so wichtig werden sollte und deren äußerste Konsequenzen dereinst das Verhältnis von Staat und Kirche erschüttern sollten. Nachdem Odo durch Bischof Turpio von Limoges zum Priester geweiht worden war, ließ ihn Berno, der seine Würde niederlegte, etwa 924 zum Abt wählen und durch Erzbischof Berengar v. Besancon konsekrieren. Vorher schrieb Odo als Mönch sein wichtigstes Werk, die Collationes. Collationes. Bei dem häufigen Verkehr mit dem Bischof Turpio wurde nämlich Odo von diesem mehrfach aufgefordert, ihm zur geistigen Erholung bei den vielen Kriegszügen, an denen er wegen der unsicheren Verhältnisse im Staate teilnehmen mußte, ein Werk aus den Sentenzen der Väter zusammenzustellen, das für die unruhigen Zeiten passe. Trotz dieses wiederholten Wunsches zögerte Odo, und erst als ihm Abt Berno ernstlich befahl, an das Werk zu gehen und es nach fünfzehn Tagen dem Turpio persönlich zu überbringen, griff Odo zur Schreibtafel. Zur Disposition und Richtschnur für den Stoff dienten ihm die Fingerzeige, die ihm der Bischof einst im Gespräch gegeben hatte. So verfaßte er eine Schrift über die Stellung des Übels in der göttlichen Weltordnung und richtete sich in ihr gegen die Bösen, die durch ihre Schlechtigkeit an Macht zunehmen und mit Nichtachtung des kirchlichen Gesetzes die Schwachen bedrängen, und gegen die Hoffärtigen, die nur zum Scheine Bekenner des Göttlichen sind. Den Titel 3 ) des Werkes entnahm er wohl dem gleichnamigen Werke Cassians und den Stoff gaben ihm seine früher angefertigten Auszüge der Vätersentenzen. Trotzdem nennt er'seine Quellen in diesem ersten Buche verhältnismäßig selten, und es ist nicht zu verwundern, daß er, der früher Auszüge aus Gregors Moralia gemacht, sich besonders auf dessen Schriften stützt. 4 ) Aber die von Abt Berno befohlene Überreichung konnte jetzt nicht ausgeführt werden, da der Winter sehr früh und sehr scharf eintrat. Daher fügte Odo ein zweites Buch hinzu, das sich besonders gegen die richtet, die sich durch böses Beispiel anstecken lassen. Er spricht hier zuerst über den schlechten Einfluß des Reichtums und dann über die Fallstricke der Sinnlichkeit, wobei er das rühmenswerte Beispiel der Lucretia erwähnt, 5 ) und zum Abschrecken zwei Geschichten anführt, der eine sich vor kurzem ') Trotz der Versicherung des Biographen Johannes 1,22 (Migne 133,530) universa . . in sinibus pauperam erogavit, ut pridem de suis fecerat. 2 ) Odo hat vielleicht die Gründungsurkunde geschrieben, s. Sackur, Die Cluniacenser 1,48 n. 5 Odo levita ad vicem cancellarü scripsi. Daselbst 1,50 —62 über die wichtigsten Punkte der cluniacensischen Reform, von denen die Besitzlosigkeit der Mönche als die bedeutendste Neuerung erscheint. 3 ) Der alte Katalog von Cluni hat allerdings an drei Stellen Occupationes, während andere Kataloge Collationes und Limoges Odo ad Turpionem haben. 4 ) Auch die Briefe werden angeführt (1,19, Migne 133, 532C). Sonst erscheint neben den Vätern Bedas Kirchengeschichte (1, 24 col. 535 C) und die Hist. tripertita (1, 23 col. 535 A); ferner die Vita Gregorii qua Romani utuntur (1,27 col. 538B) und je einmal Vergil (1,26 col. 537 A) und Isidor (1,33 col. 542 B). 5 ) Nämlich c. 11 col. 557 D. Die Erzählung scheint weder aus Ovid, noch aus Livius, Valerius oder Orosius genommen zu sein (pa- triio suo ac vivo facinus ad hoc patefecit ut stu- pratorem persequerentur). Vgl. Occup. 4,164. 22 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zu Charlieu mit einem Vasall Richer und seiner Frau angeblich zugetragen hatte, während die andere einen Presbyter aus der Gegend von Avranches betraf. Hierbei fußt er in Kap. 30 und 31 auf der Schrift Radberts De corpore et sanguine domini und bringt einige abschreckende Beispiele für den Hang zur Üppigkeit aus der Gegenwart bei (Kap. 34). Auch tritt der Cluniacensermönch an einer Stelle deutlich hervor, wo er Kap. 36') von denen spricht, die die strenge Regel mißachten. In diesem zweiten Buche, das allerdings den Stoff ohne straffe Disposition gibt, hat Odo ein weit ausgiebigeres Quellenmaterial benutzt als im ersten, denn es erscheinen hier neben den Vätern (auch Cyprian, Orosius, Gregor v. Nazianz, Ambrosius, Josephus, Hegesippus) Anführungen aus Terenz (Kap. 7 col. 554 B), aus Paulus' Langobardengeschichte (11 col. 559 A), aus den Libri miraculorum Gregors v. Tours (32 col. 577 B) und je eine Stelle wohl aus physiologischer Literatur (9 col. 556 B) 2 ) sowie aus einem Liber Geronticon (7 col. 554 C). Doch auch jetzt genügte das Werk dem Abte nicht und er forderte Odo auf, noch ein drittes Buch anzuschließen, in dem er, dem Wunsche des Bischofs gemäß, besonders über den Trost der Betrübten handeln-und d'en Bischof geistlich beraten solle. In diesem dritten Buche gründet sich die Darstellung besonders auf Hiob und dessen Auslegung durch Gregor, wobei aber auch viele andre Väter benutzt werden und Odo in Kap. 19—22 und 34 eine ganze Reihe Erzählungen aus der Gegenwart einflicht. Nebenbei werden auch Boethius (30 col. 613 D) und die Vita Martini 3 ) (41 col. 626 A) benutzt, und es fehlt nicht ganz an der Anführung von Versen (5 col. 593 C und 23 col. 607 B). Das ganze Werk ist schnell entstanden und bezeugt das enge Verhältnis Odos zu Turpio v. Limoges, dessen Bruder Aimo ja auch zu Odo in Beziehung getreten ist. Occupatio. Nachdem Odo die Stellung als Abt erhalten, hat er unter teilweisem Zurückgreifen auf die in den Collationes niedergelegten Gedanken ein größeres Gedicht in sieben Büchern geschrieben, dem er den Titel Occupatio gab. Der Grundgedanke hierzu ist ein ähnlicher wie zu den Collationes gewesen, nämlich die Aufzeigung des Schlechten in der Welt, und deshalb konnte der alte Bibliothekar von Cluni 4 ) das Gedicht einst buchen „Dieselben Occupationes in Versen". Aber trotz aller sachlichen Übereinstimmungen 6 ) haben wir es doch mit einem ganz anderen Werke zu tun. Es läßt sich zwar bei der sprunghaften und episodischen Behandlung des Stoffes durch Odo nicht leicht mit wenigen Worten der Inhalt der einzelnen Bücher angeben, doch soviel läßt sich bestimmen, daß in den zwei ersten Büchern hauptsächlich von der Erschaffung der Engel und der Menschen und von ihrem Fall gehandelt wird; das dritte Buch gibt Darlegungen über den Menschen nach der Vertreibung aus dem Paradiese und über seine J ) col. 583 A. 2 ) sicut lynces in Boetia cernere inieriora feruntw, was Dicht auf Plinius, Solin und Isidor zurückgeht. Vgl. auch Occup. 3, 325 f. p. 40 ed. Swoboda. 3 ) Auf Bitten des Abtes Balduin hat Odo später in Rom die Vita Martini im Verein mit dem Mönch Othegarius rezensiert und mit Glossen versehen, s. fohannis vita Odonis 2,22 '(Migne 133,72 f.). Vgl. auch Collat.2,8 col. 555 A. 4 ) Delisle, Le cab. des mscr. 2,469 N. 302 siipradicte occupationes metrice. 5 ) Sie sind zusammengestellt von A. Swoboda, Odonis abbatisCluniac. occupatio p. XIII —XV. Odo von Cluni. 23 immer zunehmende Verstrickung in die Sünde. Vom vierten Buche an aber wird durch den Hinweis auf die Erzväter und auf das Gesetz sowie auf das Versprechen der Erlösung das Heil der Menschen angebahnt, dessen Ausgestaltung durch die Prophetie des Johannes und durch die Inkarnation Christi dann im nächsten Buche erfolgt, während der eigentliche Gang der Erlösung vom Abendmahl bis zur Begründung der christlichen Kirche das sechste Buch füllt. So ergibt sich dieser Hauptteil des Werkes als Gedanken über die Sünde der Welt und über die Erlösung, und insofern steht die Occupatio doch ziemlich fern von den Collationes. Man sieht aber auch, daß bis hierhin das Werk von einem durchgehenden Gedanken gehalten wird; freilich hat es Odo vermieden, etwa eine heilige Geschichte in Versen zu geben, sondern gemäß seiner früheren Schriftstellerei überwiegt bei ihm das moralische und allegorische Element durchaus das historische. Auch das letzte Buch steht mit den früheren in Zusammenhang, denn es zeigt das Weiterleben des Bösen seit der Begründung der Kirche und es geht auf die Schilderung der-Sitten der Gegenwart ein, indem Odo die Laster der Welt aufs schärfste geißelt und denen, die die Tugend üben, künftige Belohnung verheißt. Das Gedicht ist zum Teil sehr lang ausgesponnen, da der Stoff, den die Kirchenväter gaben, unendlich reich war. Wenn nun Odo den Sitten der Gegenwart die der Vergangenheit lobend gegenüberstellt, so gewinnt er zwar dadurch ein gewisses Zeitkolorit, aber er verfährt ganz im geistlichen Sinne. Insofern ist er der Vorläufer des Amarcius, dessen dichterische Begabung er allerdings nicht besitzt; übrigens kennt Amarcius das Gedicht Odos und benutzt es in seinen Satiren reichlich. Freilich finden sich bei Odo merkwürdig wenig Anspielungen auf die eigne Zeit, denn der Verfasser selbst tritt ganz zurück und geht bei weitem nicht so ins einzelne wie Amarcius, dessen Gedicht daher ein viel höheres kulturhistorisches Interesse besitzt. Wenn es nun bei diesem der Stoff mit sich brachte, daß eine Menge von seiteneu, dem gewöhnlichen Leben entlehnten Worten auftritt, so hat die gleiche Erscheinung bei Odo einen andern Grund. Hier nämlich zeigt sich ein geflissentliches Prunken mit allerhand ungewöhnlichen Worten griechischen und lateinischen Ursprungs; 1 ) sie jsind höchst wahrscheinlich Glossaren entlehnt und deuten also mehr auf die Schule, als daß sie, wie bei Amarcius, einer bedeutenden Sprachkenntnis entstammten. Die Anlehnung Odos an poetische Vorbilder ist nicht sehr ausgedehnt, besonders werden Vergil, Horaz, Sedulius und Prudentius benutzt, doch auch Juvenal erscheint. 2 ) Wahrscheinlich hat Odo selbst zu seinem Gedicht reichliche Glossen und Scholien hinzugefügt, denn solche ') Die griechischen stellte A. Swoboda I auf, l,4(Migne 133,6450) agiliscere. 1, in seiner Ausgabe p. XVIII, die lateinischen p. XIX — XXI zusammen (Nachträge von Ma- nitius.Ztschr. f.d.österr.Gymn.1901 S.228); p. XXI f. werden Vulgärformen gesammelt und p. XVIII auf den Gebrauch von gibra (= homo) aufmerksam gemacht, das sonst nur in der hisperischen Latinität begegnet, s. F. J. H. Jenkinson. TheHispericafaminap.77. Auch die Vita G eraldi weist eine Reihe seltener Worte col. 648A virgunculus. 1, 10 col. 649 B in prunulis eins. 1,11 c»J. 649 C medioximus. 1, 12 col. 650 C Manupretium. euphormis (für eumorphis); 1, 22 col. 656 B mandüare. 1, 25 col. 657 B betulinus. -) Vgl. den Nachweis von M a n i t i u s, Ztschr. f.d.österr.Gymn. 1901S.227 und C.Weyman, Lit. Zentralbl. 1901 Sp. 1063. 24 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. finden sich in großer Zahl in der einzigen Handschrift, die der Lebenszeit des Abtes noch nahe steht und in der diese Beigaben nicht erst erfolgten, sondern aus der Vorlage abgeschrieben wurden. 1 ) Und hier hat sich der Autor zuweilen über die Quellen für sein Gedicht ausgesprochen, wie Swo- boda (p. VIII adn. 1) angibt; er nennt Ambrosius, Augustin, Gregorius und den Physiologus, also einen sehr bescheidenen Umkreis von früheren Autoren. Vita Geraldi. Ebenfalls in geistlichem Sinne, wenn auch für die Zeit etwas freier als gewöhnlich gehalten ist Odos letztes größeres Werk, Das Leben des h. Gerald, Grafen von Aurillac. Er übernahm diese Arbeit auf Bitten des Abtes Aimo in Limoges, des Bruders von Turpio, der es wohl auch an Aufforderung hierzu nicht hatte fehlen lassen. Gerald, ein hochstehender Mann von großem Vermögen, hatte das Kloster Aurillac gestiftet, dessen Abtswürde jetzt auch Odo besaß; und so war es nicht zu verwundern, daß dieser die Arbeit übernahm, besonders da Gerald heilig gesprochen worden war. Bei einer Anwesenheit in Tülle besuchte er auch Aurillac und befragte hier besonders vier Personen, die in ihrer Jugend Gerald nahe gestanden hatten, über dessen Lebensschicksale und Sitten. Es scheint daher, daß Odo verhältnismäßig gewissenhaft zu Werke ging, und es mochte ihm für die Heiligkeit seines Helden genügen, daß dieser ein Kloster gestiftet und selbst die Absicht hatte, Mönch zu werden; ferner war Gerald ehelos geblieben und hatte doch anders gelebt als seine Standesgenossen. Nun ist allerdings Odos umfängliche Schrift über Gerald eher alles andre als eine Biographie, obwohl der Eingang den Ansprüchen an eine Lebensbeschreibung genügt. Odo geht nämlich sehr schnell zu allerhand kleinen Erzählungen über, durch die er die moralische Qualität seines Helden charakterisieren will; diese Erzählungen sind erst anspruchslos, sie münden aber dann in einen breiten Strom der gewöhnlichen Wunderberichte. — Außerdem haben sich von Odo fünf Predigten erhalten, in deren einer, die sich auf den Brand'der Martinsbasilika zu Tours (903) bezieht, zwei Verse aus der Vita Martini Fortunats angeführt werden (Migne 133, 746 C). Ob er aber auch eine Schrift über Musik verfaßt hat, die ihm mehrfach beigelegt zu werden scheint, ist durchaus unsicher, da auch sein Biograph hiervon nichts weiß. Im Jahre 942 ist Odo gestorben. Zeugnisse. Das Geburtsjahr ergibt sich aus Vita Odonis 1,4 (Migne 133,450) Anno itaque dominicae incarnationis nongentesimo tricesimo nono et eins aetatis sexagesimo in monastica religione tricesimo anno Bomam veniens. Zur Abkunft aus Le Maus 2 ) s. Sackur, Die Cluniacenser S. 44 und n. 3. Ueber den Vater erzählt er selbst Vita 1, 5 col. 46 B Veterum namque historias, Iustiniani novellam memoriter retinebat. In suo nempe convivio evangelicus semper resonabat sermo. Verum siquando lis quoquo modo inter partes fuisset orta, tanta in eum censurae excreverat severitas, ut undique omnes ad eum ob diffiniendi proficiscerentur gratiam. Zur ersten Bildung Vita 1, 7 col. 46 C Post haec ablactatum cuidam suo presbytero remotiori manenti loco me tradidit educandum et litterarum studiis imbuendum: weitere Entwicklung ib. 1, 3 col. 45 B sed intra domum Guilelmi robustissimi ducis Aquitaniae est alitus und nach eigner Erzählung 1, 8 col. 47 A coepitque pater meus per incrementa temporum nie ab ecclesiastico syibtrahere ordine et militaribus exercitiis applicare . . . Relictis tandem litterarum studiis venatorum aucupumque coepi deservire officiis. Uebertritt in den geistlichen Stand Vita 1,11 col. 48D Igiturvir b. Odo nono decimo aetatis suae anno confugiens apud beatum ') Vgl. die Ausgabe von Swoboda p. IX. 2 ) Er stammte aus fränkischem adligem Geschlecht, s. Nalgodi Vita Odonis 2 (Migne 133, 85 0) Odo ex militari Francorum pro- sapia camis originem traxit. Odo von Cluni. 25 Martinum 1 ) clericatus officium suscepit. Zur Bildung Vita 1,12 nauta noster peritissimus immensum Prisciani transiit transnatando pelagus. 2 ) Nam Virgilii cum voluisset legere car- mina ostensum fuit ei per visum vas quoddam deforis quidem pulcherrimum intus vero plenum serpentibus . . . et evigilans serpentes doctrinam poetarum, vas in quo latitabant librum Virgilii . . . intellexit. 13 Deinde relictis carminibus poetarum . . . äd evangelioruni prophetarumque expositores se totum convertit. Coeperunt interea . . . omnes pene canonici furere contra cum . . . Cur invadere quaeris opus alienum? Farce tibi et relictis his in- extricabiliter connexis lüteris ad psalmos abi. Zum Studium in Paris s. Vita 1, 3 Deinde apud Parisium dialectica musicaque a Remigio doctissimo viro est instructus und 1, 19 His diebus abiit Parisius ibique dialecticam s. Augustini Deodato filio suo missam perlegit et Martianum in liberalibus artibus frequenter lectitavit; praeceptorem quippe in his omnibus habuit Remiginm. 3 ) Quo peracto Turonicam remeavit. Die Bitte der Kanoniker Vita 1, 20 Per illud namque tempus rogatus est a fratribus se diligentibus ut moralia b. Gregorii papae sub uno eis coarctaret volumine. . . . Econtra Uli opponebant antea succumbi quam tanto labore sustineri. Zum Liber Regnorum s. die Vorrede zur Epitome moralium (Migne 133, 107 D) Ex quibus et ipse ante biennium in Regnorum libro aggregatis omnibus patrum sententiis maxime autem s. patris Gregorii unum quem non puto temnendum coniunxi libellum. Zur Epitome s. die Vorrede col. 108 C eas duntaxat diversorum librorum prolixo sermone expositas quas supra taxavi (nämlich im Liber Regnorum) linquens sententias, non abiciens ut pravas, quas segregatim habeo ut utiles. Das Gedicht s. bei Migne 133,109; dort stammt Vs. 13 ff. aus Sedul. Pasch, Carm.l,99ff, nicht aus Vergil. Das Werk hatte man s. XII in Cluni und in Limoges, wohin es wohl Odo selbst zu Turpio sandte. 4 ) Die wichtigste Hs. geht fast auf Odos Zeit zurück, nämlich Sangall. 205 s. X. Ausgabe von Marrier, Bibl. patr. max. Lugd. 17,315. Migne 133, 107—312. — Sackur, Die Cluniacenser 1.46 f. und 2,331. Zur Befolgung der Regel Benedikts s. Vita 1, 15 col. 50 C, zum Verkehr mit Adhegrin und zum Uebertritt ins Klosterleben in Baume, wo die Reform Benedikts v. Aniane — er heißt hier Vita 1,22 und 23 Euticius — eingeführt war, s. Vita 1,22 col. 53B—D. Zum Aufenthalt in Baume als Lehrer und zu der Schenkung s. Vita 1,23 col. 54B At ille sumptis seciim centuin voluminibus librorum mox ad idem demigravit coenobium . . . Nam patri Odoni quia erat vir scholasticus 5 ) laboriosum scholae imposuerunt magisterium. Erat autem aetate tricenarius (also etwa 909). Zur Gründung Clunis s. Sackur 1,40 f. Odos Priesterweihe s.Vita 1,37 col. 60 A Praevidens itaque Bernus honestissimum virum fore futurum, promovit eum et accersito episcopo sine suo velle consecrare eum fecit sacerdotem. Die Abtswahl und ihre Zeit ergibt sich aus Vita 1,38 und Chronol. abbat. Cluniac. in der Bibl. Clun. ed. Marrier 1618, vgl. Sackur 1,65 und n. 2. 3. Zur Entstehung der Collationes s. Vita 1,37 col. 60C deinde praecepto illius tres libellos composuit ex Ieremiae vaticinio 6 ) quorum videlicet textus per diversas iam ecclesias est translatus und die Widmung an Turpio Migne 133, 517A Recolitis, domine mi, quid dudum iusseratis mihi ut scilicet quia turbato rerum statu semper in procinctu estis . . . quaedam ex patrum sententiis defiorarem quae . . . vel exilem refectionem in occursu itineris posito subministrarent . . . Nam licet dominus abbas vestro suggerente nuntio tandem hoc et ipse praeceperit . . . Solemnitate vero s. Martini nuper delapsa denuntiavit mihi dominus abbas quod statim ad vos me esset transmissurus. Sed cum de pruedicta vestra immo ipsius iussione nihil me adhuc egisse didicisset, quindecim, inquit, dies ad hoc iussus es 1 ) faciendum relaxo . . . Arctatus, fateor, tabellam arripui. Zum zweiten Buche s. den Eingang col. 547 D Dies praestituti iam defiuxerant . ■ ■ cum repente solito brumosior hiems ingruit . . . Tum vero partim praedictae hiemis indementia partim sanctorum qui instabant dierum reverentia- domnus abba Interim iter nostrum remorari concessit . . . placuit aliqua adhuc subrogari. Die Geschichte vom Vasall Richer steht c. 11 col. 558CD, die vom Presbyter aus Avranches c. 26 col. 570 D; Pascasius wird genannt c. 30 col. 575 A ut enim Paschasius in libro de ') Ihm wurde Odo schon als kleines Kind geweiht, vgl. Vita 1,6 col. 46 C Suscipe, ait, gemma sacerdotum, Martine, hunc puerum. Vgl. den Brief Guitberts von Gembloux in Analecta Bollandiana 7, 288, wo über Odos Verhältnis zum hl. Martin die Rede ist. 2 ) Vgl. Sedul. ad. Macedonium bei Hue- mer, Sedulii opera omnia p. 1,5. 3 ) Diese Angaben werden in Nalgods Vita Odonis 11 (Migne 133,89D) gemäß der späteren Zeit erweitert, ohne daß Neues vorgebracht würde. 4 ) Delisle, Le cab. des mscr. 2,469, 303 und 594, 76; 597; 599,59, s. Gesch. d. lat. Lit. des MA. 1,100. 6 ) Damit könnte stimmen, was in der Chronica de gestis consulum Andegavensium (s. Sackur, Die Cluniacenser 1,46 n. 1) gesagt wird qui vero postmodum magister scolae et precentor eiusdem ecclesiae . . . constitutus est (nämlich zu Tours). 6 ) Vgl. hiermit die Widmung Migne 133, 519 A Cum subito recordatus sunt — quos- libet invalidos crudeliter infligunt. 7 ) So ist statt et zu lesen. 26 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. corpore dornini dicit und c. 32 col. 577 B. Die Veranlassung zum 3. Buche s. in dessen Widmung col. 589 A domnus abba . . . sicut praecedentem libellum ita quoque hunc sequentem ag- gredi coegit. Die c. 19—22 und 34 aus dei' Gegenwart erzählten Ereignisse (das erste gründet sich auf den Bericht des Abts Gorlantius v. Sens) sind kulturgeschichtlich nicht unwichtig. Die Kollationen waren im Mittelalter ziemlich verbreitet, s. Neues Archiv 32,688, sie wurden übrigens in Cluni und auch anderwärts mehrfach Occupationes genannt, wie auch beide Titel einmal (in Blois 1518) ') gleichgesetzt werden. Wichtige Hs. ist Petropol. Q. 1. 51 s. XI mit dem Titel Occupationes und am Ende mit zwei Schreiberversen, s. Gillert, Neues Archiv 5, 262; außerdem Monac. 3603 f. 233 s. XV. Ausgabe vonMarrier, Bibl. Cluniac. 159; Migne 133,517—638. Vgl. Sackur, Die Cluniacenser 2, 332 f. — Ueber die Tätigkeit Odos als Abt von Baume und von Cluni s. Sackur 1, 68—120. Occupationes. Das große Gedicht wird nur in Cluni erwähnt als supradicte occupationes metricae (Neues Archiv 32, 688) und bei der engen Verbindung Odos mit Tours ist es möglich, daß die einzige Hs. des Gedichts, die früher in St. Julien zu Tours sich befand, 2 ) mit der zu Cluni identisch ist; zum wenigsten aber war sie deren Abschrift. Odo hat dem Werke eine Vorrede vorangestellt, die wie die Vorreden zu den einzelnen Büchern in Versen geschrieben ist. Er wendet sich hier an einen „geliebten Bruder", der ihn um ein Gedicht gebeten habe, mit dessen Hilfe er seinen schwachen Geist stärken könne. Und obwohl er Ungewohntes von ihm verlangt habe, so wolle er doch das Werk angreifen, so gut er es könne. Der Adressat ist höchst wahrscheinlich der Bischof Turpio, da Odo Vs. 8 sagt, daß das Alte — d. h. doch die Collationes — für ihn, wie er glaube, genügt hätte. 3 ) Dagegen findet sich in den Vorreden zu den einzelnen Büchern fast nichts Persönliches mit Ausnahme von 1, 17, wo ein Gedanke der Gesamtvorrede wiederholt wird. 4 ) Diese Einführungen sind sämtlich in verschiedenen Versmaßen von zum Teil recht künstlicher Art gedichtet, wobei sich Odo gewiß an das Vorbild des Prudentius und Boethius, vielleicht auch an Wandalbert und Heiric angelehnt hat. Einfach gestaltet ist nur N. 3, wo zwei Adonier zusammentreten, und N. 4, die aus alkmanischen Versen besteht. Die übrigen aber verraten doch eingehende metrische Studien, die sich auch in dem 4. Hymnus 5 ) (auf den hl. Martin) zeigen, während z. B. die Prosodie in den Occupationes keineswegs auf der Höhe steht. In jenen Stücken begnügte sich Odo nämlich nicht mit einfachen Formen, sondern die Verse sind aus mehreren metrischen Gebilden zusammengesetzt. Und zwar sind sie keineswegs als Rhythmen gedacht, obwohl der Reim mit Ausnahme von N. 5 und 7 6 ) in ihnen eine große Rolle spielt. So bilden diese Vorreden formal eine ungewöhnliche Erscheinung und sie sind in ihrer metrischen Künstlichkeit einer der letzten Ausläufer der karolingischen Renaissance. Das große Gedicht selbst leidet übrigens an ermüdenden Breiten und es hat dem mittelalterlichen Leser infolge der ungemein vielen ungewöhnlichen Wörter Schwierigkeiten genug bereitet. Noch viel weniger a ) Omont, Anc. invent. et catal. 1, 78. Bei Johann v. Bersen 1353 wird das Werk mit der Bezeichnung Philosophia moralis magistri Odonis erwähnt. Ob die Aufschrift aus Heiligenkreuz 1374 Andlitica Odonis hierher gehört? 2 ) Vgl. Odonis abbatis Cluniacensis Occupatio ed. Swoboda p.IV lue est Über sancti Iuliani Itironensis cenobii 3 ) Und in den Worten 7 Tu nova . . . 9 Me petis liegt wohl die frühere Bitte Turpios um die Collationes ausgesprochen. 4 ) Strictius utque liger . . . Quod petis, et nova nitar. 5 ) Migne 133, 516; die beiden vorhergehenden Stücke sind rhythmisch, während N. 1 keinen Hymnus darstellt. 6 ) Freilich ist auch 5, 9 f. und 13 f. und 7,1 ff. gereimt. Atto von Vercelli. 27 gelangt der heutige Leser in ihm aus den angegebenen Gründen zu einem ästhetischen Genüsse. Die alte Hs. von St. Julien in Tours ist, wie A. Swoboda (Ausgabe p. III ff.) auffand, in zwei Teile zerspalten, nämlich Paris. Arsen. 903 s. X—XI f. 1—52 und Paris. S. Genovefae 2410 f. 174 —229. Einzige Ausgabe von Ant. Swoboda, Odonis abbatis Cluniacensis occupatio, Lips. 1900, vgl. hierzu C. Weyman, Lit. Zbl. 1901, 1063 und Manitius, Ztschr. f d. österr. Gymn. 1901, 226—229. Kenntnis des Gedichts bei Mabillon, Acta PS. 5,146 n. 47 und Annal. ord. S. Ben. 3 lib. XLIV n. 40 (Hist. litt. 6, 245 f.). Die Abfassung der Vita Geraldi wurde von Abt Aimo v. Limoges und von dessen Bruder Turpio angeregt, wie Odo im Widmungsbriefe an Aimo und in der Vorrede zum Buche angibt, s. Migne 133, 639A und 642AB; vgl. hiermit die Chrouol. abbat. Lemovic. bei Marrier, Bibl. Clun. 65,') die allerdings nur aus dem Widmungsbriefe schöpft. Der Aufenthalt in Tülle und die Reise nach Aurillac in der Vorrede col. 640 B Sed cum causa in- sisteret ut Tetelensts coenobü fraternitatem inviseremus, ad sepulcrum ipsius intendere Kbuit. Tunc vero accitis quatuor ex his quos ipse nutrierat (zwei Kleriker und zwei Laien) de moribus et qualitate vitae eius hactenus disquisivimus. Die Wunderberichte und Erzählungen enthalten übrigens manche historisch brauchbare Notiz, vgl. 1, 35—39 (col. 663-666). Leicht hatte es übrigens Odo nicht, die Heiligkeit seines Helden zu erweisen, da er ja Laie gewesen war, und er begegnet daher in seiner Darstellung einer Menge von fingierten Widersprüchen. Hss. Dijon 399 s. XI, Montepess. 142, Paris 5301 s. X und 3783 s. XI. Ausgaben: ed. Marrier, Bibl. Cluniacensis 63-114, Migne 133, 639—704. Ueber eine etwas verkürzte Fassung, die aber auch von Odo zu sein scheint, s. Sackur, Die Cluniacenser 2,334 und n. 2, wo sechs Pariser Hss. angeführt werden. Die Predigten bei Migne 133, 709—752, daselbst 133, 751 ff. die aus Gerbert, SS. eccl. de mus. sacra 1,247 ff. abgedruckten Schriften über Musik. 2. Atto von Vercelli. Atto ist etwa 885 geboren und stammte aus vornehmer langobardischer Familie, sein Stammbaum geht auf Asprand, den Oheim des Königs Desi- derius zurück. Von seiner wissenschaftlichen Ausbildung in seiner Jugend ist nichts bekannt, sie kann aber nicht gering gewesen sein, da er in seinen Werken Kenntnis des Griechischen verrät und er im Polipticum eine Art lateinischer Geheimsprache anwendet, die sich auf ungewöhnlicher Bekanntschaft mit dem Glossenlatein aufzubauen scheint. Als die Ungarn 924 einen Einfall nach Italien machten, wurde am 12. März Pavia von ihnen zerstört und hierbei kam der Bischof von Vercelli, wahrscheinlich Ragembert, 2 ) ums Leben; an seiner Stelle wurde Atto zum Bischof von Vercelli erhoben. Als solcher stand er eine Zeitlang in Gunst bei König Hugo von Italien, so daß er dessen Erzkanzler wurde, doch ging er dieser Stellung wieder verlustig, und als der Markgraf Berengar in Oberitalien mächtig wurde und Hugo zu dessen Untergebenem herabsank, war Atto einer der ersten Großen, die 945 auf Berengars Seite traten; im Jahr 950 erscheint er als Consiliar Hugos neben Manasses, dem früheren Erzbischof von Arles, der um den Preis des Erzbistums Mailand ebenfalls zu Berengar übergetreten war. Atto scheint dem Berengar auch nach der deutschen Invasion treugeblieben zu sein, aber schon am 31. Dezember 961 ist er gestorben. Jedenfalls hat er im politischen Leben der Zeit keine kleine Rolle gespielt, aber ebenso bedeutsam trat er auf literarischem Gebiet hervor. ') Von Adern ar von Chabannes, vgl. Migne 141, 81D Hie amiclüam habuit cum s. Odone Cluniacensi abbate, cui iussit edere vitam s. Geraldi. 2 ) Von ihm hat sich ein Brief an Erzbischof Andreas von Mailand erhalten, s. Migne, Patrol. 134,12. Ein Schreiben Ana- stasius' III. an Ragembert bei Migne 134,15. 28 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Das älteste seiner größeren Werke ist vielleicht die Schrift De pres- suris ecclesiasticis, die entweder 940 oder bald darauf verfaßt ist. In dieser Schrift geht Atto von den Anklagen gegen Geistliche aus, die er im allgemeinen als unrechtmäßig verurteilt, wenn sie von Laien vorgebracht werden. Dann spricht er von unrechtmäßigen Besetzungen der geistlichen Stellen, besonders der Bistümer und verlangt zugunsten der Kirche scharfe Prüfung der zu Wählenden. Endlich handelt er von dem ungerechten Eingriffe der Laien in die Kirchengüter nach dem Tode des Bischofs. Das sind alles deutliche Merkmale der Zeit und J. Schultz hat wahrscheinlich richtig die vielfachen Klagen gegen die Mächtigen, die sich aus dem Buche ergeben, als gegen Hugo gerichtet aufgefaßt. 1 ) Die Darstellung ist zum großen Teile auf päpstlichen Dekreten und Briefen sowie auf Stellen aus den Werken der Väter aufgebaut, aus denen ich hier das Registrum Gregors, 2 ) sowie Isidors Sententiae 3 ) und Julianus Pomerius 4 ) anführe. Der Ton der Schrift ist zuweilen ungemein lebensvoll, und es fehlt nicht an Stellen von dramatischer Anschaulichkeit, wie z. B. die gewiß aus dem Leben gegriffene Darstellung von der Wahl eines Kindes zum Bischof. Schon hier kann man die Wahrnehmung machen, daß Atto seltene und der Glossenliteratur entlehnte Wörter 5 ) gern gebraucht. Hingegen sind, wie überall in seinen Werken, Zitate aus klassischen Schriftstellern selten. 6 ) Wenig später nur kann der ungemein weitschichtige Kommentar zu Pauli Briefen geschrieben sein, ja das Werk ist vielleicht noch früher als das eben erwähnte verfaßt. Denn diese umfängliche Kompilation deutet doch mit aller Entschiedenheit auf verhältnismäßig ruhige Zeiten in Attos Leben und diese fallen wohl mit der Lebensperiode zusammen, da der Bischof sich noch der Gunst Hugos erfreute. Das Werk besitzt keine Widmung, sondern beginnt sofort mit der Frage, warum der Römerbrief vor den andern Episte-ln stehe. Dieser Eingang wie auch die Erklärung zu Römer 1,1 ist nicht eben unwissenschaftlich gehalten und der Leser wird daher zunächst in eine verhältnismäßig angenehme Stimmung versetzt. Sie hält aber nicht lange an, denn neben die einfache Worterklärung tritt sehr bald die allegorische und moralische, wie man es aus der früheren Zeit gewöhnt ist. 7 ) Und die nähere Untersuchung der Quellen hat ergeben, daß sich Atto ungemein eng an Hieronymus' Erklärung zu den Briefen an Galater, Epheser und an Titus hält, daß er Augustin zum Römerbrief ausschreibt und Hrabans Kommentar zu Pauli Briefen auf das ausgiebigste benutzt, ferner daß er Claudius' von Turin Erklärung zum Galater- und Philemonbrief plündert und als zweite Hauptquelle neben Hraban den zwischen Haimo und Remigius streitigen Kommentar zu Pauli Briefen verwertet. 8 ) Es muß dem gegenüber allerdings betont werden, daß Atto es ') Julius Schultz, Atto von Vercelli (Göttingen 1885) S. 42. ■') Migne 134, 65D. 66B. 67ß. 71BC. 72 A—73 C. 74A. 75 A. 3 ) Migne 134.82D. 93B. 4 ) Migne 134, 85 A. 5 ) Migne 134, 75C praestigium, pitta- 6 ) Aus Vergil stammt 76 C vomev . . . pro- scindere non audeat terram; ich erwähne noch 66 C AU enim Terentianus ille philosophiis ad villicüm suum: 0 te infelicem, quem af- flictarem nisi iratus essem. 7 ) Migne 134, 189A ad historiam . . . allegorice. dum. corculum. 8 ) Vgl. J. Schultz a. a. 0. S.69—72. Atto von Vercelli. 29 geschickt vermeidet, die Exzerpte aus den Vätern einfach aneinanderzureihen, wie das Hraban getan hat; er weiß die fremden Stücke meist geschickt zu verbinden, ja infolge reichlicher Benutzung Isidors seinem Werke zuweilen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. 1 ) Auch fehlt es bei ihm nicht ganz an Kritik, doch hat J. Schultz nachgewiesen, 2 ) daß sie mehr eine scheinbare als eine wirkliche ist; und zu eigentlicher Kritik an den Kirchenvätern war ja in jener Zeit überhaupt kein Raum, da doch eine Persönlichkeit wie Johannes Scottus eben singulär geblieben war. Hin und wieder scheint es, als ob Atto Kenntnisse im Griechischen besessen hätte, 3 ) was nach seinem Polipticum nicht so unmöglich wäre; es ist freilich eher anzunehmen, daß er alle jene Stellen seinen Quellen verdankt, von denen ich hier unter den selteneren noch Origenes*) nenne. Es fehlt diesem Werke ganz an persönlichen und Zeitanspielungen und auch aus ihm gewinnt man kein Bild von den Kenntnissen in der alten Literatur bei Atto; er nennt zwar an einer Stelle (col. 140 A) vier griechische Philosophen sowie Vergil, Cato und Ovid, führt aber in dem ganzen Werke nur einen Vergilvers an, der zudem noch vielleicht auf Augustin zurückgeht. 5 ) Deutlicher tritt uns die Persönlichkeit Attos aus seinen Briefen und Predigten entgegen. Nämlich aus seinem jedenfalls reichen Briefwechsel haben sich neun Stücke in Verbindung mit zwei Briefen an ihn und außerdem haben sich achtzehn meist sehr kurze Predigten erhalten, die oft nur Ansprachen gleichen. Schultz hat sich mit der Chronologie dieser Briefe und Sermones eingehend beschäftigt 6 ) und hat nachgewiesen, daß Brief 2 ein Geleitschreiben zu der Neujahrspredigt von 925 (Serm. 3) darstellt. Diese Predigt ist insofern interessant, als sie sich gegen heidnische Gebräuche richtet, die noch im Schwange waren, und die antike Benennung der Sternbilder bekämpft. 7 ) Auch in anderen Predigten wendet sich Atto gegen abergläubische Gebräuche (7. 13) und in einer (9) rügt er den Besuch von öffentlichen Schaustellungen, wie sie von scenici, mimi und histriones ausgingen, worunter Schultz (S. 52 ff.) Bänkelsänger und Gaukler verstanden wissen will; insofern sind diese Predigten kulturhistorisch von Wert. Unter den Briefen befinden sich Hirtenbriefe an die Diöcesanen sowie an die Kleriker der Diöcese; von Interesse ist hier besonders die lange Ermahnung (9) an die Kleriker zur Keuschheit, wo Atto eine auf Juvenal 10, 22 zurückgehende Boethiusstelle anführt. 8 ) Literarisch wichtiger ist eine Reihe von Briefen, die sich an die Auflösung einer im geistlichen Sinne gedachten Verwandtenehe durch Atto anknüpft. Der Mann namens Theoderich 9 ) hatte sich an Bischof Azo von Como gewendet, und Azo hatte deshalb an Atto *) Vgl. hierfür z. B. den Abschnitt über Gallier und Galater, wo er (col. 493 C) erst nach Isidor die Etymologie gibt, dann über die Grenzen Galliens sich äußert, dann über die Gallograeker schreibt und eine Stelle aus Varro (nach Isidor 15, 1,63) anführt. ■) Atto von Vercelli S. 64. 5 ) Vgl. Migne 134, 125B. 129D. 140C. 853 B. Ferner Serm. 14 col. 853 B. 4 ) Migne 134.125A. 149B.204A. 205C. 5 ) Sprachlich Wichtiges erscheint col. 512 B (mori uberibus und mortua navis). Die Erzählung von Titus col. 544 C geht vielleicht auf Suet. Tit. 8 zurück. s ) Atto von Vercelli S. 46—54. 7 ) Den balteus Orionis nannten die Zeitgenossen Attos nach col. 836 D falx sectoria, das capnt Tauri nannten sie gallina. 8 ) Migne 134, 118C Boetio illustri vivo testante; die Stelle stammt aus Consol. phil. 2, 5, ist aber ungenau wiedergegeben. 9 ) Ep. 5 col. 111A. 30 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. geschrieben und bei ihm angefragt, nach welchem Gesetz die Trennung erfolgt sei. Hierin war aber Atto durchaus erfahren, denn wir besitzen ein von ihm zusammengestelltes Kapitular kanonistischer Vorschriften, das in seinen benutzten Quellen von den ältesten päpstlichen Entscheidungen bis zu Theodulf und Pseudoisidor und vielleicht bis zu Reginos Schrift De synodalibus causis reicht. 1 ) Atto ist wenig davon erbaut (Ep. 5), daß ihm Azo mitgeteilt habe, im Königreich Italien seien viele solche Ehen geschlossen, und vorher begegnet er ihm mit dem ganzen Rüstzeug juristischer Erfahrenheit, indem er Stellen aus der Lex Langobardorum, aus den Institutionen und Novellen, aus der Lex Romana Visigothorum und angeblich aus der Lex Salica und dann aus den christlichen Canones anführt, wobei auch Isidors Etymologien und Gregors Registrum helfen müssen. Atto wandte sich aber in dieser Sache noch an andere gelehrte Leute um Unterricht. Er schrieb an den Diakon Gunzo von Novara, der ihm in einem äußerst unterwürfigen Briefe ein auf die Sache bezügliches Schreiben des Papstes Zacharias an Bischof Theodor von Pavia in Abschrift mitteilte. 2 ) Und außerdem ersuchte er den Presbyter Ambrosius von Mailand um Belehrung, der ihn auf ein Dekret desselben Papstes aufmerksam machte, worin er aber die Ausdrücke presbytera und diacona nicht verstand und nun seinerseits den Atto hierüber um Unterricht bittet, 3 ) den ihm dieser auch in einem längeren Schreiben (8) zuteil werden läßt. Zwei weitere Briefe 4 ) beschäftigen sich mit den seit längerer Zeit völlig veränderten politischen Verhältnissen, da die Intervention Ottos I. die italienischen Großen zu neuer Parteibildung veranlaßte. Ganz dem politischen Gebiet gehört dann das letzte Werk Attos an, das Polipticum, das nach Schultz 6 ) erst in den letzten Monaten des Jahres 961, also kurz vor dem Tode Attos verfaßt ist und sehr bald nach seiner Vollendung an einen Freund des Verfassers gesandt wurde. Dieser hörte dann von dem am 31. Dezember 961 erfolgten Tode Attos und schrieb einen kurzen Geleitbrief für das Werk, in dem er auf sonderbare Weise auf den Todestag anspielte. Vielleicht hat er aber auch die kleine Schrift in eine etwas lesbarere Verfassung gebracht und eine Abschrift des Ganzen veranstaltet. In dieser Form 6 ) ist dann das Werk in einer einzigen Handschrift auf uns gelangt, die der Zeit Attos noch ziemlich nahesteht, wenn sie auch erst ins 11. Jahrhundert gehört. Beide Fassungen unterscheiden sich aber noch besonders dadurch, daß die erste und ursprüngliche eine für das Verständnis außerordentlich schwierige Wortstellung besitzt, die nicht nur der Reimprosa zu Liebe gesetzt wurde, sondern auch von dem Bestreben abhängt, die Satzschlüsse entweder in rhythmischer Form oder in Hexameterausgängen zu gestalten. Endlich besitzt die zweite Fassung zahlreiche Glossen und Scholien. Und es ist nur mit Hilfe dieser Erklärungen, a ) Vgl. Schultz a. a. 0. S.44f., 67 f. 76), daß die zweite Fassung aus der gegen- 2 ) Ep. 6 col. 111. Vgl. hierzu Bd. 1,532. wältigen Form der ersten Fassung abzuleiten 3 ) Ep. 7 col. 112. sei. — Eberts (3, 369 n. 3) Ansicht, daß der 4 ) Ep. 11 col. 120 und 1 col. 95. kurze Geleitbrief der Widmungsbriei Attos 5 ) Atto von Vercelli S. 32 ff. sei und daß Atto wegen des Fulanus ein Spanier 6 ) Allerdings bestreitet G. Goetz (Verh. d. I sein müsse, ist nach obigem irrig. K. Sachs. Ges. d. Wiss. Phil.-Hist. Cl. Bd. 48, [ Atto von Veroelli. 31 die wahrscheinlich der Umarbeiter hinzugesetzt hat, möglich gewesen, das Polipticum zu verstehen. Nämlich seine Latinität ist von einer aberwitzigen Künstlichkeit und Verschrobenheit, in die nur ein ganz genauer Kenner der Glossenliteratur verfallen konnte. Aber trotz jener Erklärungen bleibt in der kleinen Schrift noch vieles dunkel und unverständlich und der philologische Scharfsinn dürfte hier noch ein ziemlich weites, unbebautes Gebiet für seine Arbeit finden. Schultz 1 ) hat sich der großen Mühe unterzogen, eine wörtliche Übersetzung des ganzen Schriftchens zu geben, nachdem er vorher über den Inhalt im allgemeinen orientierte. Hiernach ist das Polipticum, das im Scholion mit muHonim descriptio 2 ) erklärt wird, ein Blick über die Zeitgeschichte. Der Standpunkt, den Atto hierbei einnimmt, ist der des Italieners gegenüber den Einflüssen der Fremdherrschaft. Mehr in sich zerspalten und zerrissen und daher mehr einer fremden Überwältigung ausgesetzt war damals kein Land Europas als Italien, und der italienische Patriot, der die Verhältnisse seiner Heimat darstellen wollte, konnte nicht genug grau in grau malen. Nun fehlt freilich der Darstellung insofern ein guter Teil der Wirklichkeit, als alle Namen überhaupt fehlen und somit eigentlich nur ein Schema vorliegt, das aber doch der Wirklichkeit in seinen Hauptphasen entspricht. Die Erzählung geht vom Aufruhr eines Großen im Königreich aus, der dieses in die größte Verwirrung setzt, so daß der König mit dem Empörer einen Vertrag schließen muß; das ist der Vertrag, den Hugo mit dem König Rudolf von Hochburgund im Jahre 933 schloß. Atto setzt dann seine Darstellung von der unglücklichen Lage des Staates fort, der, ein Spielball in der Hand der Parteien, nach weiteren Umwälzungen sich an das Ausland anlehnt und fremde Fürsten zu Hilfe ruft. Schließlich erfolgt die deutsche Invasion 951 unter Otto I., der aber zehn Jahre später wieder Herr im Lande wird, so daß jede Hoffnung auf Freiheit nichtig ist. Mit diesem letzten Faktum wird auf Ottos zweiten Einfall im Jahre 961 angespielt, den Atto eben noch erlebt hatte. Die Darstellung im einzelnen ist ungemein satirisch gehalten, so daß man denken könnte, der Verfasser habe sich an dem Ton der Gedichte eines Persius oder Juvenal gebildet. Absichtlich scheint Atto fast nie die Dinge bei ihrem rechten Namen zu nennen, er gebraucht nur selten die wirklichen Bezeichnungen und setzt an ihre Stelle meist Worte von abstruser Form oder Bedeutung. Diese hat er sich aus Glossaren geholt, deren er wohl mehrere gebrauchte. 3 ) Sicher aber ist, daß er daneben Fulgentius' Expos, serm. ant. benutzte, die auch der Scholiast zu den betreffenden Stellen ausschrieb; 4 ) ebenso sind die Etymologien Isidors benutzt. 5 ) Während nun in dem Texte ') AttovonVercelliS.73—101; vgl. S.34ff. i n. 1664 mit Fulgentius ed. Helm p. 112,11. ) Non enim specialiter de uno loquitur sed plurimorum corripit Vitium, bei Mai, Scriptorum vet. nova collectio 6, 43 n. 1 (pars latina); doch ist eher vitia zu lesen nach der Abschrift von Tschiedel bei G. Götz, Ber. üb. d. Verh. d. Kgl. Sachs. Ges. d. Wiss. 48, 75. 3 ) G. L o e w e, Prodr. gloss. lat. S. 166 stellt fest, daß er Glossare benutzte; er vermutet dabei den Liber glossarum. 4 ) Vgl. Migne 134, 874B {Manalibus) und 15 f. 864 A (Aumatia) und n. 1622 mit Pulg. p. 126,9 ff. 873 A (tutulos) unä n. 137 mitFulg. p. 116, 3 f. 874B (sübgrundaria) und n. 155 mit Fulg. 113,19 f. 5 ) Vgl. 864 A (plagiatores) und n. 1623 mit Et. 10,221; n. 1626 mit Et. 19,23,5; n. 1627 mit Et. 12,1,20; (martisiis) und n. 1628 mit Et. 20,2. 29. — Die Erzählung von der auto- lops in c.8 col. 868B und n. 1645 scheint aus dem Physiologus zu stammen. 32 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. «ine ganze Menge sonst unbekannter Worte auftreten — ich erwähne hier nur cantabries, oche, hemistes, pascema, stephadium, fulanus, bomhinare —, hat der Scholiast, der mit diesen Worten eingehende Bekanntschaft zeigt, in der zweiten Fassung ausführliche Erklärungen hinzugeschrieben. Das deutet doch darauf hin, daß der Scholiast die gleichen glossographischen Unterlagen wie Atto besaß, ja von diesem vielleicht sogar die Aufforderung erhielt, Erklärungen zu der Schrift zu geben, die Atto selbst nicht hatte geben wollen, obwohl es nicht ausgeschlossen ist, daß Atto nicht selbst schon manches an den Rand gesetzt hatte. Soviel steht aber fest, daß dem Atto und dem Scholiasten gloss'ographische Quellen vorlagen, die heute wohl verloren sind. Zeugnisse. Zum Geburtsjahr Attos s. J. Schultz S. 23. Die Herkunft Attos ergibt sich aus dem von Mai, Script, vet. nova collectio 6,3 —10 veröffentlichten Testamente des Bischofs, das nach dem Schlußsätze des Notars Petrus Rabbus (Zeit Heinrichs VI.) ein Trans- sumpt des Originals darstellt und dessen Echtheit J. Schultz, Atto von Vercelli S. 18 — 24 nachgewiesen hat. Es gehört nach Schultz S. 17 ins Jahr 945. Zur Abstammung Attos s.Mai p. 6, vgl. Schultz S. 24 f., der aus dem Testament folgert, daß Atto Archidiakon in Mailand war, bevor er Bischof von Vercelli wurde; hierzu stimmt, daß Atto in Ep. 7 den Presbyter Ambrosius von Mailand um Belehrung bittet. Zur Kenntnis des Griechischen s. den Kommentar bei Migne 134. 125B. 129D. 140C. 853B, sowie eine Menge Stellen im Polipticum, dessen Glossen, die wohl teilweise auf Atto selbst zurückgehen, doch auch griechische Spuren verraten, vgl. z. B. die erste Glosse Migne 134, 859 n. 1602. Zur Zerstörung Pavias und zum Tode des Bischofs vgl. Flodoardi annales (MG. SS 3, 373, 39) Papiam . . . succendunt . . . urbis ipsius episcopus cum episcopo Vercellensi, qui secum erat, igne fumoque necatitr und Liutprandi Antapod. 3,3 (MG. SS. 3,304,17) Vsta est infelix olim formonsa Papia anno clominicae incarnationis 924 4 Id. Martias; zu Ragembert vgl. Schultz S. 8. Zur Erzkanzlerstellung bei Hugo vgl. dessen Urkunde vom 23. Juli 938 (Historiae patriae monumenta ed. iussu regis Caroli Alberti. Chartarum tom. 1, 144 G-isprandus can- cellarius ad vicem Ottonis episcopi et archicancellarli recognovi) und vom 20. März 940 (ib. 1,150) Cyselprandus cancellarius ad vicem Attonis episcopi et archicanzellarii ; schon am 26. März 941 bekleidet Bischof Boso diese Stellung, vgl. Muratori, Antiquit. Italic. -5, 233 A ad vicem Bosonis episcopi et archicancellarii. Daß Atto sofort auf Berengars Seite trat, ergibt sich aus der Schenkung der Könige Hugo und Lothar an das Bistum Vercelli "vom 13. August 945 auf Intervention Berengars, s. Hist. patr. mon. Chart. 1,157; seine Stellung zu König Lothar geht hervor aus der Urkunde vom 14. Juni 948 (Muratori, Antiq. Ital. 5, 559 A) nostram per Attonem Vercellensis ecclesiae episcopum nostrumque fidelem de- precatus est clementiam (nämlich Adeodatus Bischof von Parma). Als Consiliar Lothars erscheint Atto in der Urkunde vom 13. Mai 950 (Hist. patr. monum. Chart. 3,1014); zu Manasses von Arles vgl. Schultz S. lOf. Zur Treue gegen Berengar s. Schultz S. 14. 38. 58 f. Das Todesjahr hat Schultz S. 15 und 31 aus dem Polipticum und dem ihm vorangestellten Briefe erschlossen, der Todestag ergibt sich in Uebereinstimmung mit einer dunklen Anspielung in dem Briefe aus dem Nekrologium von Monza (Giulini, Memorie di Milano 9,28) iT. Kai. [Jan.] obiit Atto Vercellensis episcopus; s. Schultz S. 15. Schriften. 1. De pressuris ecclesiasticis. Außer den obengenannten Vätern sind Hieronymus, Augustin und besonders stark Ambrosius de offieiis benutzt. Der Text, den Achery bot, weist viel Lücken auf. er beruht auf Vatic. 4322 s. XL Andere Hs. ist Vercell. arch. cathedr. 53, von Burontius benutzt, wohl noch saec. X. Zum Inhalt s. J. Schultz, Atto von Vercelli S. 39 und S. 69 ff., wo die einzelnen benutzten Väterwerke angegeben sind. 2. Kommentar zu den Paulusbriefen. Wichtig ist die Benutzung des Kommentars zum Galater- und zum Philemonbrief des Claudius von Turin, da dessen Weiterleben in Italien im 10. Jahrhundert hierdurch bezeugt wird. Außerdem hat S. Hellmann, Sedulius Scottus S. 182 n. 7 erwiesen, daß Atto den Pseudo-Primasius für die Erklärung zum Römerbrief benutzt hat. Hs.: Vercell. arch. cathedr. 40 saec. X (nach Schultz S. 29 noch vor 945 geschrieben, da er vom Diakon Vercellinus geschrieben ist, der 945 die Schenkungsurkunde Attos schrieb, Hist. patr. mon Chart. 1, 155). 3. Briefe und Predigten. Die Beziehung von Ep. 2 auf Serm. 3 geben die Worte Ep. 2 (Migne 134, 104A) quia sunt multi in vestris partibus, qui . . . auguria vel caeli signa seu vanas praecantationes intendunt. Atto beginnt seine Auseinandersetzung gegen die heidnischen Gebräuche mit den Woiten Serm. 3 col. 836 B Mars namque et Ianus homines per- ttersi et infelices fuerunt und fährt dann fort Post quorum interitum paganorum Ulis more Atto von Vercelli. 33 fabricatae sunt statuae, in quibus ob eorum scelerum immanitatem daemonibus placuit ha- bitare. Zum Namen der Sterne 836 C Quorum nomina . . . falsa esse noscuntur quia ani- malium species numquam in sideribus videntur . . . 837 A Nam deus omnipotens ideo sidera constituit in caelis ut hominibus deservirent in terrls. Die Zeit der Predigt ergibt sich aus der Bezugnahme auf den Brand Pavias 837 B ex praesenti saltem Papiensi incendio. Andrer Aberglauben Serm. 7 col. 842 B Quamvis sint quidam qui aliquos huius hebdomadis dies scilicet quintam feriam et Sabbatum absolutiores prae ceteris quadragesimalibus esse dilu- dicent und Serm. 13 col. 850D ut quaedam meretriculae . . . passim per plateas et compita, fontes etiam et rura pernoctantes choros statuant, canticula componant, sortes deducant . . . Quaritm superstitio adeo gignit insaniam, ut herbas vel frondes baptizare praesumant et exinde compatres vel commatres audeant vocitare. Die Stelle über Schauspiele heißt Serm. 9 col. 844 C Non laetantur in theatris ut sceniei, non in epithalamiis et cantilenis ut mimi, non in saltationibus et circo ut histriones vel idolorum cultores. Kulturhistorisch wichtige Stellen in dem Briefe über Ermahnung zur Keuschheit s. Ep. 9 col. 116D. 117 AD. 118D. Der Brief an Azo ist Ep. 5 (hier die Stellen aus älteren Gesetzen col. 106B—D. 107CD). Das Capi- tulare (aus Vatic. 4322; auch Vercell. 40) bei Mai, Script, vet. nova coli. 6, 60—100 und Migne 134, 27—52; vgl. Schultz S. 44 f. Daß der Brief Gunzos und der des Ambrosius im Vatic. 4322 und Vercell. 40 unter denen Attos stehen, beweist, daß von Atto selbst oder nach seinem Tode eine Sammlung der Briefe begonnen worden ist. Azos Aeußerung über viele Ehen im Königreich Italien s. Ep. 5 col. HOB Quod autem vestra nöbis innotuit magni- ficentia, quia multi maiores et inferiores in hoc regno sint, qui tales uxores habent, quos etiam nobis intimare polliciti estis, deo teste hoc incognitum manet apud nos et valde novum videtur. Die Bitte des Diakon Ambrosius Ep. 7 col. 113B vestris rescriptis pandite nobis, quas debemus intelligere eas, quas praedlctum capitulum (nämlich des Papstes Zacharias) presbyteram aut diaconam appellat, quia nos omnimodo latet. Atto beantwortet die Frage aus Konzilsbeschlüssen 1 ) Ep. 8 col. 114B Quod non oportet eas quae dicuntnr presbyterae vel praesidentes in ecclesiis ordinari. Diaconas vero talium credimus fuisse ministras .. . Denique legimics . . . diaconam non ordinandam ante annum quadragesimum et hoc cum summo llbramine. Von den zwei wesentlich politischen Briefen stammt N. 11 (an die Mit- bischöfe) wohl aus 951 oder 956. während das umfängliche Schreiben an Bischof Waldo von Como etwa 960 verfaßt ist, s. Schultz, Atto von Vercelli S. 50. Zu erwähnen ist noch, daß mehrere Predigten großenteils in Reimprosa abgefaßt sind, 2 ) wodurch die Wortstellung mehr oder weniger unnatürlich oder gesucht wird und wodurch sich diese Prosa in etwas der ersten Fassung des Polipticum nähert. Die Predigten stehen im Vatic. 4322, zwei auch m Vercell. 53, die Briefe im Vatic. 4322 und Vercell. 40. Polipticum. So lautet nämlich der Titel nach der Abschrift von Tschiedel in der den Titel erklärenden Glosse bei Goetz, Berichte üb. d.Verh. d. Sachs. Ges. d. Wiss. Phil.-Hist. Kl. 48, 75 polipticum est multorum descriptio. polis grece multorum dicitur; Mai, Script, vet. nova coli. 6, 43 hat im Titel und in der Glosse polypticum geändert (danach Schultz S.30ff.). Der Freund, an den das Polipticum gesandt wurde, muß Atto auch bezüglich der wissenschaftlichen Studien sehr nahe gestanden haben, denn er schreibt in seinem Vorwort dasselbe rätselhafte Latein, wie Atto selbst. Dies Vorwort heißt (nach Mai a.a.O. 6, 43) Reverendo in me Fulano valde praesidi. Fulanus s ) cupiens me sie beatum instar felieissimi opilionis Silvestri summi exitum. Mor- tuits aliquibus, sed mihi nee emortuus, vivus imino mihi vividus es; mortuus sed vivus immo. Huius labyrinthi iter currentes aut qua insistendo vitare voraginem edoce, aut quo salubres sublati adtingere possint delitias. Quae sentio in hoc cernes. Sed sie ego quae et tu conparantur cantabries ut pollini. En quae ego, tu quae feliciter redde. Amen. Der Zusatz von Mai zu dem Titel ') Nämlich von Laodicea und Chalcedon. — iustis, sunt — consistunt, meruit — dixe- 2 ) Vgl. Serm. 10 col. 845 C constitutione — cognitione, edoceret — ascenderet, signi- ficare — explicare, coneipitur — expletur, credebant — videbant usw. 16 col. 853 B ap- tius — artlus; colimus — cognovimus; ablui — suseipi — adlpisci usw. 17 col. 856 B apostolis Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II rit, descendit — ascendit usw. 18 col. 856 D orbis — matris, abstinentia — macula, blbit — mandueavit, praedicabat — vacabat usw. 3 ) Vgl. hierzu die von Mai unter den Text gestellten Scholien der 2. Fassung. 34 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, quod appellatur perpendiculum ist wohl aus dem Argument des Werkes entnommen p. 43 f. fessus iam hinc perpendiculum ponam; er findet sich schon als Inskription für die zweite Fassung, s. Migne 134, 881 B. 1 ) Der Überarbeiter dieser Fassung muß in die Sprache und Absichten Attos gänzlich eingeweiht gewesen sein und danach war es vielleicht ein Mailänder Kleriker. Goetz (Leipz. SB. 48, 76—78) hat das 17. Kapitel nach Mai in der ersten Fassung und dann in der zweiten Fassung nach neuer Abschrift und nebst Glossen und Scholien mitgeteilt. Hiernach ist die Ausgabe zweiter Fassung von J. D. Mansi (Baluzii Miscellanea sacra p. 560) ungenau und entstellt. Daß der Liber glossarum mindestens in den Scholien benutzt ist, ergibt die Glosse in c. 2 (Migne 134, 862 B) zu exippitare, die mit Corp. gl. lat. 5, 196, 27 gleichlautet. Die Scholien sind zuweilen ausführlich und scheinen altes Sprachgut zu verwerten, vgl. col. 863 C elogium~\ Elogia dicuntur ignominiae sive notae criminum. 2 ) Alogia vero dicuntur convivia, 3 ) bene quia antiqui silentes et quieti prandebant. Moderni vino in conviviis utentes, cum quo non est fas custodire silentium, quaerunt inter pocula quod dia poemata narrent (Pers. 1, 30f.). Ante inventionem etenim vini neminem legimus in prandiis fuisse locutum. Übrigens ist auch die zweite Fassung schwer genug zu verstehen und daher ist die Übersetzung von Schultz (S. 73—100; von Kap. 15 — 17 ist der Inhalt S. 98 f. summarisch angegeben) sehr nützlich. Einzige Hs.: Vatic. 4322 s. XI (f. 35 a—48t ers te Fassung, f. 49"—69» zweite Passung). Außer dieser Hs. scheinen für Atto nur noch in Betracht zu kommen Vercell. arch. cathedr. 40 s. X (?) und 53 s. X (?), vgl. Schultz S. 28 f. Ausgaben: Attonis opera cur. Burontio del Signore, 1768 (ohne Polipticum). Mai, Script, vet. nova collectio 6,11 — 100 (mit Polip- ticum erster Fassung und den Scholien zweiter Fassung). Gesamtausgabe Migne, Patrol. 134,27—894. Hauptschrift Jul. Schultz, Atto von Vercelli, Göttingen 1885. Wattenbach 1,481 n. 3. Ebert 3, 368 ff. 3. Ratherius von Lüttich. Rather — er selbst nennt sich Ratherius — ist in der Nähe von Lüttich 887 oder bald nach diesem Jahre geboren. Es scheint, daß er einer adligen Familie entstammte, 4 ) und als kleiner Knabe wurde er von einem vornehmen Manne, vielleicht von seinem Vater, auf dem Peter-Paulsaltare zu Lobbes dem Kloster dargebracht. Als er herangewachsen war, versprach er an der -gleichen Stelle schriftlich sein Verbleiben im Kloster, und die Studien, denen er sich hier hingab, wurden vielleicht vom Bischof Stephan von Lüttich beeinflußt, wie A.Vogel aus der Ähnlichkeit des Stiles beider Männer schließen will. 6 ) Ohne Zweifel eignete sich Rather im Kloster eine reiche Belesenheit an, wie sich deutlich aus seinen Schriften ergibt, und das mußte einem lernbegierigen und schnell auffassenden Geiste hier nicht schwer fallen, denn der Bibliothekskatalog des Klosters, der 1049 aufgezeichnet wurde, zählt eine große Anzahl von Büchern auf, die zum Gebiet der Artes liberales gehörten. Diese Belesenheit tritt in seinen Schriften ') Ebert 3, 369 hat jedenfalls mit Unrecht das Polipticum dem Atto überhaupt abgesprochen und erst ins 11. Jahrhundert gesetzt. 2 ) Vgl. Corp. gl. lat. 4,16,21 und 5.192,34. 3 )Vgl. Corp. gl. lat. 4,15,4. 4 ) Vgl. dasProoem.4 zur Phrenesis(Migne 136, 370 A), wo er selbst von seiner ingenuitas spricht. 5 ) Ratherius von Verona und das 10. Jahrhundert 1, 24. Zur Oblation des Knaben vgl. Dialog, confess. 11 (Migne 136, 399BC.) Ratherius von Lüttich. 35 stellenweise recht deutlich zur Schau, denn Rather glänzt gern mit Anführungen besonders aus der klassischen Literatur und erwähnt auch gelegentlich in selbstgefälliger Weise seine Beschäftigung mit seltenen Büchern. 1 ) Nämlich vergleichsweise sind seine Kenntnisse in der christlichen Literatur nicht ungewöhnlich groß, freilich wird es auch hier erst der genaueren Nachweise bedürfen; sehr bedeutend aber ist der Umkreis von klassischer Literatur, die ihm bekannt war, und auch die Zusammenstellung von A. Hauck, die die Nachweise von Vogel erweiterte, bedürfen der Vervollständigung. Zu Hause ist Rather in den Werken von Augustin und Gregor, die er sehr häufig benutzt und denen er sich in vielen Partien seiner Schriften als Führern anvertraut. Doch mit mehr Neigung scheint er sich den Klassikern zuzuwenden, und je entlegener und seltener diese sind, mit um so größerem Behagen .führt er Stellen aus ihnen an. Freilich mag er nicht alle diese Kenntnisse in Lobbes selbst erworben haben, denn sein bewegtes Leben hat in an manche wissenschaftlich bedeutende Orte geführt, wo er sein Wissen erweitern konnte, vor allem nach Lüttich, Verona und Köln. Nämlich im Jahre 926 ging Rather nach Italien. Er schloß sich hierbei an Hilduin an, der nach dem Verluste des Bistums Lüttich die Abtei Lobbes innehatte und damals sein Glück in Italien versuchen wollte. Hilduin wandte sich an König Hugo von Italien, und es glückte ihm auch, von diesem das Bistum Verona zu erhalten, und zwar versprach Hugo die Abtretung dieses Bistums an Rather, falls er Hilduin zu einem Erzbistum verhelfen könne. Rather aber muß mit dem italienischen Klerus sehr bald in literarische Beziehung getreten sein, denn in einem 940 von ihm an Rotbert von Trier gesandten Briefe 2 ) erwähnt er, daß gleich zu Anfang seines Aufenthalts in Italien einige Mailänder Kleriker wissenschaftliche Fragen an ihn gestellt hätten, zu deren Beantwortung er manches von dem Material genommen habe, mit denen er seine (Rotberts) Fragen beantworte. Vielleicht ist mit dieser Schrift an die Mailänder das Werk gemeint, das er in seinen Prae- loquia 6, 7 3 ) anführt, wo er von dem treffenden Ausspruche eines Philosophen handelt und auf eine frühere Schrift verweist. Der Eindruck, den Rather von der italienischen Geistlichkeit gewann, war übrigens kein günstiger, denn man hatte sich hier an ein völlig weltliches Leben gewöhnt, und der Bericht, den der deutsche Mönch über die hiesige allgemeine Zucht- losigkeit im 6.—12. Kapitel des fünften Buches seiner Praeloquia 4 ) gibt, wirft die grellsten Streiflichter auf die bodenlose Verkommenheit der geistlichen Kreise. Aus dieser Schilderung geht aber hervor, welch offenes Auge Rather für die Beobachtung des Lebens hatte und daß er überhaupt zum Schriftsteller geboren war. Man hat es nämlich nicht mit einer gewöhnlichen Schilderung zu tun, sondern die einzelnen Vorgänge lösen schnell einer den andern ab und setzen sich zu einem bunten, beweglichen Bilde ') Vgl. Serm. 11.4 (Migne 136, 752B). wo er über Catull und Plautus spricht. Die Kenntnis des Plautus verdankt er der Heimat, vgl. Bd. 1,448 und Traube, Neues Archiv 26,296 f. Catull lernte er in Verona kennen, vgl. Haupt, Opuscula 1,3. 2 ) Ep. 3, Migne 136, 649B. 650A. 3 ) Migne 136,323A. Die Note der Ballerini vergleicht richtig mit dem Ausspruche den Terentianus philosophus in Attos von Vercelli De pressuris ecclesiasticis bei Migne 134,66 0. 4 ) Migne 136, 290C—296B. 36 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zusammen. Und wenn auch zuweilen die Farben dieses Bildes aus den Satiren des Persius erborgt sind, so wirkt es doch in seiner Gesamtheit als aus der Wirklichkeit entnommen. Zugleich erkennt man aber gerade an diesem Abschnitt Rathers eigene Begabung für geistreiche pointierte Darstellung, seinen Hang zur Antithese und seine Vorliebe für ein gewisses Haschen nach Effekt. Es liegt ein eigentümlicher, prickelnder Reiz in seinen Worten. Diese Art zu schreiben hatte er nicht im Kloster erlernen können, sondern aus sich selbst nehmen müssen; allerdings mag seine genaue Kenntnis der römischen Satire 1 ) manches dazu beigetragen haben. Im Jahre 931 starb nun der Erzbischof Lantbert von Mailand, und Hilduin überkam dessen Erzbistum. Um das Pallium zu erhalten, sandte er Rather nach Rom zu Johann XL, und der Papst gab diesem nicht nur dies Abzeichen, sondern sandte auch einen Brief durch ihn an König .Hugo, in dem er ihn im Namen der ganzen römischen Kirche darum bat, Rather zum Bischof von Verona zu erheben. Doch Rather erfuhr bei seiner Zurück- kunft, daß der König nicht mehr an ihn dachte, sondern drei andre Kandidaten für das Bistum in Aussicht hatte. Als nun Rather damals schwer krank wurde, beredete man den König, ihm das Bistum zu geben, da er es ja doch nicht lange behalten werde; und der König willigte ein und erhob ihn im August 931 auf den Stuhl von Verona. Doch Rather genas und wurde ordiniert und Hugo erzürnte darüber aufs heftigste, so daß er beteuerte, der neue Bischof werde sein Leben lang sich seiner Ordination nicht freuen. Als diesem dann aber Hugo ein Verzeichnis der wesentlich verkleinerten Einkünfte des Bistums übersenden ließ, da weigerte er sich standhaft, in die Verkürzung seiner Macht einzuwilligen. 2 ) Das harte Geschick aber, das ihn bald treffen sollte, ist wohl nicht nur auf das Übelwollen Hugos, sondern auch auf seine Amtsführung zurückzuführen. Denn der Mönch paßte nicht zum Bischof, und es ist sehr glaublich, daß Rather in seinen Praeloquia 3, 14 bis 32 und im vierten Buche häufig von sich selbst spricht 3 ) und seine eignen Fehler bis ins kleinste zergliedert. Da Hugo sich des Bischofs auf alle Weise zu erledigen suchte, so hatte er Rather bald in die Arme seiner Feinde getrieben, und als Herzog Arnold von Baiern 934 4 ) einen Einfall nach Italien machte, wurde er hierbei von Rather unterstützt. Aber die Sache lief unglücklich aus 5 ) und Rather wurde gefangen nach Pavia geführt, wo ihn der König in einen festen Turm werfen ließ. 6 ) Im Gefängnisse blieb er zwei und ein halbes Jahr und während dieser Zeit verfaßte er sein wichtigstes Werk, die Praeloquia, die er auch Gedanken des Herzens sowie Agonisticum genannt wissen wollte, wohl weil *) Denn nicht nur Persius wird in den I geschrieben ist, hat Vogel, Ratherius von Praeloq-uia öfters benutzt (vgl. Manitius im \ Verona 2,161 ff. nachgewiesen. Philol. 47, 719), auch Juvenal wird nicht selten von Rather angeführt, wie ebenfalls von mir nachgewiesen ist im Phil. 50,366 f., was H au c k 3, 286 n. 6 entgangen ist. Zur Kenntnis von Horaz vgl. meine Analekten z. Gesch. d. Horaz im Mittelalters. 41. 2 ) Dieser Abschnitt ist nach Ratheis Brief an den Papst (Ep. 5, 3 ff. Migne 136,657 f.) gegeben. Daß der Brief 951 an Agapetus II. 3 ) Vgl. Vogel a.a.O. Bd. 1,54f. 4 ) Für dieses Jahr entscheidet sich Vogel 1,59—64. 6 ) Von diesem Zuge berichtet Liutprand Antapodosis 3, 49 ff. (ed. Dümmler S. 76 f.). 6 ) Sein Unglück schildert er, allerdings mit ziemlich dunklen Worten selbst in den Praeloquia 5,11 col. 296. Ratherius von Lüttich. 37 er hierin alle Vertreter der einzelnen Stände zum Wettkampf mit den im Menschen wohnenden Gebrechen und Lastern 1 ) aufruft. Das Werk ist aus der Einsamkeit geboren, die ein so regsamer und lebendiger Geist wie Rather nur ungemein schwer ertrug. Er wendet sich hier an alle Stände, überhaupt an alle Menschen als Berater und Helfer in jedem Gewissenskampf und Pflichtenstreit, als der allgemeine Prediger für alle Verhältnisse und Lebenslagen. Das Buch besitzt daher ein großes kulturgeschichtliches Interesse und man kann es wohl eine Art Weltspiegel nennen. 2 ) Aber auch ein nicht geringes psychologisches Interesse haftet ihm an, da Rather hier vielleicht sich freier äußerte als selbst in deu Predigten, die er hielt, und weil er vieles von dem reichen Inhalt sich selbst auf den Leib schrieb; denn so persönlich und so unmittelbar wirkend, so ganz aus dem Innersten herausgehend ist kein Schriftsteller des Mittelalters vor ihm aufgetreten, er hat nicht wenig von dem modernen Subjektivismus. Der Kern des Werkes entspricht allerdings der Zeit, es handelt sich um geistliche Belehrung. Aber was wird unter Umständen in Rathers Händen aus einem Bibelspruch! Gewiß, die Bibel hat an Heiligkeit bei ihm nichts eingebüßt, aber mit der durchdringenden Schärfe des Philosophen 3 ) verfolgt er ihre Gedanken bis in die allerletzten Konsequenzen, so daß es den Anschein hat, als wolle er sich über vieles hinwegsetzen, was in der hl. Schrift steht. 4 ) Sicher hat er hier sich und vielleicht auch andern die Augen öffnen wollen, nämlich zunächst sieht das Werk aus, als habe er es nur für sich geschrieben. Daher die viele Selbstironie, die häufige Zerfaserung seines eigenen Ich, die merkwürdige Zersetzung der eignen Gedanken und Taten. Bei ihm mischt sich alles aus Ernst und Ironie, aus Gewißheit und Zweifel. So offenbart er sich, wie Hauck 5 ) richtig sagt, als ein Genie der Reflexion, in ihm ist die Sensibilität des Seelenlebens in höchstem Maße ausgebildet. Die Reichhaltigkeit des Inhalts der Praeloquia mag durch das Nennen der Personen angedeutet werden, an die Rather im ersten Buche seinen Weckruf gerichtet hat. Da ist es zuerst der Christ im allgemeinen, der Soldat, der Künstler, der Arzt, 6 ) der Kaufmann, der Anwalt, der Richter, der Zeuge, der Beamte, der Adlige, der Vasall, der Ratgeber, der Herr, der Sklave, der Lehrer, der Schüler, der Reiche, der wenig Bemittelte, der Bettler. Das zweite Buch wendet sich an die Menschen nach ihren Geschlechts-, Verwandtschaftsund Altersverhältnissen und besitzt eine in hohem Stile geschriebene, zuweilen den Psalmen ähnliche Vorrede, die sich an Gott richtet. Hier geht Rather mehr als früher auf persönliche und individuelle Verhältnisse ein und belauscht den Menschen mehr in seinem privaten als im öffentlichen Leben. Die beiden nächsten Bücher sind ein Königsspiegel und handeln von den Pflichten des Herrschers gegen seine Untertanen, besonders gegen die ') Vgl. 6,26, Migne 136, 343 A. 2 ) Vgl. das günstige Urteil bei Liutprand' von Cremona Antapod. 3,52 (ed. Dümmlei 1 p. 77), wo erzählt wird, daß Rather das Werk in Pavia geschrieben habe. 3 ) Vgl.z.B.hierzu 1,33, Migne 136,179AB. 4 ) Auch anfigürlicher Auffassung der Bibel fehlt es nicht, vgl. 2,9, Migne 136,197 A. | holfen hatte. 6 ) Bd. 3,288. 6 ) Hier bringt er 1,7 (Migne 136,1520) ein Heilmittel gegen die Blattern und weist einen superstitiösen Gebrauch zurück. Hingegen führt er 1, 24 col. 168 f. ein völlig abergläubisches Mittel gegen Epilepsie an, das der Tochter eines Vornehmen angeblich gut ge- 38 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Bischöfe. Rafcher nennt den Herrscher, unter dem er Hugo verstanden wissen will, nicht, vielmehr bezeichnet er ihn in der Vorrede zum dritten Buche 1 ) mit dem Wort citharoedus und läßt dadurch gleich anfangs seine Stellung ihm gegenüber erkennen. Der Ton Rathers ist hier nicht nur der des Geistlichen, sondern er zeugt von denkwürdiger Freiheit, die allerdings auch in Gehässigkeit und Gereiztheit ausartet. Und der Verfasser weiß das auch recht gut, denn er hielt sich ja stets unter stärkster Selbstkontrolle und Kritik; so spricht er im Kapitel 24 des vierten Buches 2 ) mit einem gewissen Hohne: „Nun wohlan, mein bester Fürst, wer würde dir heute solches ins Gesicht zu sagen wagen? Wenn ich es aber gewagt hätte, du würdest mich für verrückt erklären und die Schimpfreden deiner Trinkkumpane gegen mich würden alles Maß übersteigen." Das fünfte Buch ist insofern wieder stark persönlich, als sich Rather hier gegen das ungeistliche Leben der Bischöfe wendet und ihnen kräftig den Text liest. Unterbrochen wird dieser heftige Angriff in Kapitel 12 durch die Aufschrift eines Briefes an die Erzbischöfe Wido und Sobbo, wie auch 3,25 ff. ein längerer Brief an den Diakon Urso von Verona eingeschaltet ist; diesen aber hat Rather erst von seinem späteren Verbannungsort 3 ) Como geschrieben und er ist daher wie auch jene Briefaufschrift erst später von Rather in das Werk gestellt worden. Mit jener Aufschrift aber werden wir uns den weiteren Schicksalen des Mannes nähern. Im sechsten Buche wendet sich Rather wieder an die Gesamtheit und kehrt also zum anfänglichen Ziele seines Werkes zurück. Er spendet einem jeden geistlichen Trost und sucht ihn innerlich zu erwecken, je nachdem er ein Gerechter oder Sünder, ein Reuiger in der Gegenwart oder in der Zukunft, ein Gesunder oder Kranker, ein Weiser oder ein Tor, ein Kluger oder ein Einfältiger ist. Am Schlüsse kommt der Verfasser auf das Werk selbst zu sprechen, indem er dessen Zusammensetzung aufweist und von dem Einflüsse seiner Person auf die ganze Arbeit spricht. Persönlich gefärbt aber ist in dem Werke alles und das Gefühl der eignen Schwäche, der eignen Verderbtheit zittert ebenso durch dasselbe hindurch, wie es auf der andern Seite aggressiv in hohem Maße ist. An Originalität lassen die Praeloquia nichts zu wünschen übrig, und man kann ihnen in diesen Zeiten des Mittelalters darin nichts an die Seite stellen, am ehesten vielleicht noch den scharf gewürzten Stil eines Atto von Vercelli. Die Form freilich ist ganz kunstlos, nicht einmal eine Hauptgliederung des Stoffes ist innegehalten. Wie dem Verfasser die Gedanken zuströmten, so hat er sie aufgezeichnet, nur daß die rhetorische Frage durchgehend zur Verwendung kommt, so daß beinahe der Eindruck eines fortgesetzten Dialogs hervorgerufen wird. An Ebenmäßigkeit in der Darstellung und an Klarheit im Stil fehlt es fast ganz, hiergegen ist der Reichtum der Sprache 4 ) hervorzuheben, der allerdings auf sorgfältigem Studium der Bibel und der Väter beruht. ') Migne 136,220A utcitharoeditaceamus theta und 1,36 col. 181C myrmicoleo. Das personam . . . ut ordinati omittamus nomen. erste gehört der langobardischen Staatssprache 2 ) Migne 136,2750. an, wie auch 1,19 col. 163C gastaldus (Franci- 3 ) Vgl. 3, 24 col. 239 B Quorum uni ab loquo vero maior dicitur eloquio sive tlielo- exilio scripsit huiusmodi. nearius), 1, 23 col. 167 B scoldascio, 167 0 sag- *) Seltene Worte sind 1,16 col. 161D loco- mio, i, 12 col. 259 C mundeburdis, 260 A wtffa. Ratherius von Lüttich. 39 Im Jahre 936 wurde Rather zwar von der Gefangenschaft befreit, aber seine harte Lage milderte sich damals nur in Verbannung nach Como, von wo er jenen Brief an Urso nach Verona schrieb, auf dessen Anklage besonders er seine bischöfliche Stellung verloren hatte. 1 ) Außerdem schrieb er damals an einige Bischöfe Burgunds, die eben eine Versammlung abhielten; er legt ihnen dar, daß er trotz ihres Wunsches nicht dabei habe erscheinen können, da ihm die Freiheit fehle, und sendet ihnen zur Begutachtung die Praeloquien, die er sie um Gottes willen mit Liebe zu lesen bittet. 2 ) Im Jahre 939 wurde er endlich frei und er wandte sich an Erzbischof Rotbert von Trier, der ihn damals aufgefordert hatte, ihm einige Fragen zu beantworten, die wohl wissenschaftlicher Natur waren und Dinge aus dem Altertum betrafen. Denn in seinem Briefe an Rotbert (Ep. 3 col. 649 ff.) schreibt er, daß er seit seiner Abreise aus Deutschland keine Bücher mehr gelesen habe; wohl aber besinne er sich, daß er einst an den Mailänder Klerus einige ähnliche Fragen beantwortet habe. Jetzt aber verachte er, was das lügnerische Griechenland sage, und er kümmere sich nicht mehr um den Caballinischen Quell und um den doppelgipfeligen Parnaß, 3 ) sondern um die reine Lehre der Apostel und um Christus. Und er übersende ihm sein einziges Buch, das er habe, nämlich die Praeloquia, 4 ) und bitte um dessen baldige Rücksendung. Aber auch an den jungen Bruno, den Bruder Ottos I., den späteren Erzbischof von Köln, sandte er dieses Werk mit einem äußerst unterwürfigen Briefe 5 ) und bat ihn um Erleichterung aus seiner üblen Lage und um persönliche Verwendung. Aus Como hatte er sich aber eine kleine Schrift mitgenommen, das Leben des hl. Ursmar, des alten Abtes und Bischofs von Lobbes, das im 8. Jahrhundert von Anso im Kloster aufgezeichnet worden war; dies schien ihm dringend der stilistischen Verbesserung bedürftig, und dieser hat er sich später, als er wieder Bischof von Verona geworden war, unterzogen; denn die Worte in der Widmung „Rather, einst Mönch, jetzt aber Bischof von Verona" lassen die zeitliche Ansetzung der Schrift durch Vogel 6 ) nicht zu. Während er nun auf der Heimreise begriffen war und in der Provence verweilte, bat ihn ein reicher Mann, seinen Sohn Rocstagnus zu unterrichten. Zu diesem Zwecke verfaßte Rather eine (verlorne) Grammatik, der er den scherzhaften Namen Sparadorsum (schone den Rücken) beilegte. Es ist nicht unmöglich, daß dieser Knabe mit dem späteren Abt Rostagnus identisch ist, dessen Bücherverzeichnis sich noch in einer aus Nevers stammenden Handschrift eingetragen findet. Aus Dank für die geleistete Arbeit soll Rather in der Provence ein Bistum erhalten haben, das er aber wieder verließ, um dann nach Lobbes zurückzukehren. Vielleicht handelt es sich bei dieser Erzählung Folcuins nur um eine ansehnliche Pfründe, wie Vogel meint, 7 ) und nicht um ein Bistum; man hat allerdings keinen Grund, den Worten eines so ') Vgl. Praeloquia 3, 28 col. 244 B dum nie ut penitus deficerem, tarn graviter accnsasti. 2 ) Dieser Brief ist N. 2 bei Migne 136, 648 f. 3 ) Nach Persius, Prolog 1 f. 4 ) Daß es diese waren, ergibt sich aus Folcuin Gesta abb. Lobiensium 20 (MG. SS. 4, 64,4). 5 ) Daß der Brief in die Jahre 939 oder 940 gehört, hat Vogel, Ratherius von Verona 2, 148—154 fast zur Evidenz erwiesen; anders 1, 132 f. 6 ) Ebenda Bd. 2,158. 193. ') Ebenda 1,101. 40 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wahrheitsliebenden Historikers wie Folcuin zu mißtrauen. Auf seiner Heimreise kam Rather 944 nach Laon und hier bat man ihn, die Abtswürde in St. Amand zu übernehmen; doch er schlug diese vornehme Stellung aus 1 ) und wurde in Lobbes von Abt Richar freundlich wieder aufgenommen. Inzwischen aber hatte sich die Stellung König Hugos in Italien völlig geändert und die Verhältnisse erregten in ihm den Wunsch, Rather nach Verona zurückzuberufen, um den ihm feindlich gesinnten Bischof Manasses zu verdrängen. Rather kam auch wirklich 946 in Italien an, aber er war während der zweijährigen Dauer seiner neuen bischöflichen Stellung nur ein Spielball in der Hand der Mächtigen, wie sein an den Papst geschriebener Brief in stark ironischer und satirischer Weise berichtet. Schließlich forderte ihn König Lothar auf, sein Bistum zugunsten des Manasses wieder zu verlassen, und Rather gehorchte, da er um seine persönliche Sicherheit besorgt sein mußte. 2 ) Jetzt folgte in seinem Leben jedenfalls eine sehr unruhige Zeit und er scheint weit umhergewandert zu sein, 3 ) bis er seine Dienste dem Herzog Liudolf von Schwaben anbot, der im Jahre 951 nach König Lothars Tode ohne Vorwissen seines Vaters Otto einen Gewaltstreich gegen Italien zu führen gedachte. Das schlug allerdings fehl und Liudolf war genötigt, sich dem Vater in der Nähe der deutschen Grenze zu stellen. In seinem Gefolge befand sich Rather, der sich von neuem Hoffnung auf sein altes Bistum gemacht hatte. Hier war aber die Lage seit kurzer Zeit völlig geändert worden, da der mächtige Graf Milo von Verona den Erzbischof Manasses bewogen hatte, auf das Bistum Verona zugunsten des gleichnamigen Neffen Milos zu verzichten. So mußte Rather unverrichteter Sache zurückkehren. Und zwar wünschte er wieder ins Kloster Lobbes einzutreten, doch auch diese Absicht wurde durchkreuzt. Denn als er durch Deutschland zog, hörte er von allerhand Verdächtigungen, die man gegen ihn ausgestreut hatte, und da beschloß er, sich in einem ausführlichen Briefe an den Papst Agapetus II. zu wenden. Hier berichtet er nun sein Unglück von Anfang an und bittet schließlich den Papst, ein Machtwort zu sprechen, denn er möchte wissen, ob er wirklich noch Bischof sei oder nicht. Der Brief ist ein Meisterstück, eindringlich und beredt und mit ernstem Hinweis auf die Unbill der Zeiten wie auf die gebietende Stellung des Papstes. Zugleich aber schrieb er einen zweiten Brief 4 ) an alle Gläubigen, denen er kurz von seinem Unheil berichtet und auseinandersetzt, daß er jetzt auf ihre Unterstützung angewiesen sei. Damit ihm aber von jeder Seite die nötige Hilfe zuteil werde, richtete er ein drittes Schreiben (Ep. 7) an sämtliche Bischöfe Italiens, Galliens und Germaniens und beruft sich hierin, nachdem er die Verhältnisse in kurzem klargelegt, auf ein Konzil, auf dem seine Sache zum Austrag kommen müsse. Freilich lagen die Dinge nicht so, daß Rather sich wirklich Hoffnung auf tatkräftige Unterstützung machen konnte, und es ist wahrscheinlich, daß er von der Veröffentlichung dieser Briefe über- a ) Praeloquia 5, 33 col. 315 B—316 B. Die Stelle ist später eiDgefügt worden und unsre Ueberlieferung geht also nicht auf die ursprüngliche Gestalt des Werkes zurück. 2 ) Vgl. hierzu den Brief an Agapet II. Epist.5,5—7 (Migne 136,659 ff.). 3 ) Vgl. Vogel 1,130 f. 4 ) Es ist Ep. 6, Migne 136, 665 - 668. Eatherius von Lüttich. 41 haupt absah. 1 ) Wahrscheinlich ging er nun nach Lobbes. wo er seit dem Ende des Jahres 951 bis vor Mitte 952 wieder als Mönch weilte. 2 ) Hier hat er den Praeloquia die letzte Gestalt gegeben und sie wohl damals an Flodoard nach Reims gesandt. Bndlich wurde man am deutschen Hofe auf ihn aufmerksam und er wurde 952 an die Hofschule berufen, wobei es Otto besonders auf die Vollendung des Unterrichts seines Jüngern Bruders Brun abgesehen zu haben scheint. Hier nahm er unter den Gelehrten bald eine bevorzugte Stellung ein, und der Dank des Königs blieb nicht lange aus: nachdem Brun am 25. September zum Erzbischof von Köln geweiht worden war, wurde Rather noch an demselben Tage zum Bischof von Lüttich erhoben. 3 ) Das war besonders durch das Zutun Bruns geschehen, der an dem gelehrten Kenner des Kirchenrechts und des Altertums jedenfalls eine starke Stütze erhoffte. Aber Rather war nicht der Mann, der sich mit den ihm bald erwachsenden Feinden hätte gut stellen können. Seine scharfe Rücksichtslosigkeit machte ihn den Großen des Landes bald verhaßt und Graf Raginar von Hennegau setzte es durch, daß sein Neffe Balderich zu Ostern 955 als Bischof von Lüttich geweicht wurde, und zwar mit Bewilligung Brunos, der an Raginars Familie seine stärkste Stütze als Herzog und Erzbischof suchen mußte. Rather protestierte hiergegen in einer kurzen Schrift Conclusip delibera- tiva oder dem wohlerwogenen Schluß, in der er in vierzig Sätzen und Kapiteln seine Erwägungen niederlegt, die ihn zum Widerstand gegen das Verfahren seiner Gegner bewogen. In dieser Not fand er an dem jungen Erzbischof Wilhelm von Mainz, dem Sohne Ottos des Großen, einen uneigennützigen Helfer. Wilhelm, der wohl auch seinen Unterricht einst genossen hatte, gewährte ihm in Mainz reichlichen Unterhalt. Hier griff nun Rather auf seine frühere Schriftstellern zurück und legte eine neue Sammlung kleinerer, inzwischen von ihm verfaßter Schriften an, wie er es einst in seinen Praeloquia getan. Er stellte nämlich zwanzig seiner kleineren Schriften zusammen und verteilte sie auf zwölf Bücher, 4 ) die er mit einer gemeinsamen größeren Vorrede versah, wo er sich über die Ziele, den Zweck und die Einteilung der Sammlung ausspricht. Zum Titel des ersten Buches und des gesamten Werkes wählte er das Wort Phrenesis oder Wahnwitz. Seine Feinde hatten nämlich gehört, daß er sich in Mainz wieder seiner alten Lieblingsbeschäftigung, dem Schreiben, hingab und hatten ihn aus diesem Grunde wahnwitzig genannt, 5 ) da er in dieser eisernen Zeit lieber zur Feder als zum Schwerte griff. 6 ) In der Vorrede gibt er erst eine eingehende Darstellung von seiner Erhebung zum Bischof von Lüttich und von seiner Anfeindung durch Bischof ') So hat er in dem Briefe an den Papst dessen Namen überhaupt verschwiegen, vgl. Vogel 2,161. 1,148 ff. 2 ) Vgl. hierzu Vogel 1, 150 ff. 3 ) Vgl. das Prooemium 1 zur Phrenesis (Migne 136, 366 f.), wo Rather über seine Erhebung ausführlich spricht. Vgl. außerdem Folcuini gesta abb. Lobiens. 23 (MG. SS. 4, 64, 36 ff. 4 ) Phrenesis prooem. 7 (Migne 136,374 A) Potuerant caeterum dici fore . . . viginti, sed ... curtati in duodecim et coarctati. 5 ) Phrenesis prooem. 1 (Migne 136, 368) data otii occasione cwavit, quae circa cum acta fuerant, in libros digerere . . . Utique hoc audientes duo Uli eins specialius inimici . . . dixerunt eum phreneticum esse. 6 ) Phren. prooem. 2 col. 368 A. 42 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Balderich von Utrecht, Rotbert von Trier und die Grafen Raginar und Ruodvolt, berührt seine Aufnahme bei Wilhelm von Mainz und kommt dann auf sein eignes Verhältnis zu seinem neuen Werke zu sprechen, in dem er durch Parenthesen das Verständnis erschwert habe. Auch sei er genötigt worden, vielfach Beispiele aus Cicero, Vergil, Horaz und andern Dichtern anzuführen. Dann spricht er von der Zusammensetzung des Werkes, in dem er einzelne Teile mit Versen gemischt habe, wie Martianus, Fulgentius und Boetius es getan hätten; andere beständen wieder aus Briefen, wofür ja Augustin, Hieronymus und Gregor, sowie Cicero, Seneca und Plinius 1 ) mit ihren Briefsammlungen als Vorbilder gelten könnten, desgleichen bei den Dichtern Horaz und Ovid. Schiedlich vergleicht er sein Schicksal mit Neros Unglück, der vor seinem Tode weder einen Freund noch einen Feind fand. 2 ) Das erste Buch oder die eigentliche Phrenesis wendet sich gegen Rotbert von Trier und hier erzählt Rather von seiner Erhebung in Lüttich und von seiner Verjagung durch die Feinde, von denen er Balderich von Utrecht besonders nennt. 3 ) In den folgenden schwer verständlichen Auslassungen führt er mehrfach Terenz und Horaz sowie Persius 4 ) an und gedenkt dabei in Kapitel 16 seiner scharfen Einsprache gegen die Weihe des jungen Balderich am Gründonnerstage 955; und zwar beruft er sich hierbei auf das fünfzehnte Stück seines Buches. Das Ende der Phrenesis bilden dann zwei Gedichte, die er auf den angeblichen Tod Rotberts schreibt, und eine kurze Auseinandersetzung mit Balderich, sowie ein längeres Glaubensbekenntnis, das schon die letzten beiden Kapitel des dritten Buches der Praeloquia bildet. Da aber bei der Aufzählung der zwölf Bücher dies Bekenntnis dem zweiten Buche zugeteilt wird, so ergibt sich, daß also auch ein Teil des zweiten Buches erhalten ist. Hierzu gesellt sich als elftes Buch die Conclusio delibera- tiva, die wir schon oben besprachen, und vielleicht gehörten auch noch die Briefe an alle Gläubigen, an Rotbert und Bruno zu dem Werke. Alles übrige, 6 ) das zur Phrenesis rechnete, ist nicht mehr vorhanden und vielleicht von Rather selbst vernichtet worden. Dieser zog sich darauf wahrscheinlich in das Kloster Alna bei Lobbes zurück, wo er die Stellung eines Abtes einnahm 6 ) und von wo er wahrscheinlich einen demütigen Brief an Erzbischof Brun von Köln richtete, von dem sich allerdings nur ein Auszug in der wenig glaubwürdigen zweiten Lebensbeschreibung Bruns erhalten hat. 7 ) Hier in der Stille eines kleinen Klosters kam er wieder zu sich und er begann nun seine Beichte zu schreiben, die ein längeres Werk in sechs Abschnitten 8 ) darstellt, dem er den Titel „Auszug aus dem Beichtdialoge" voranstellte. Er hat nämlich hier, wie schon früher in den Praeloquia, öfters zur dialogischen Form gegriffen, ') Er kennt die Briefe von Plinius dem Jüngern, vgl. Kap. 22 col. 391 B facete satis enim Plinius ait Seamans, gratiam malorum tarn infidam esse quam ipsos, Plin. epist. 1, 5, 15 (ed. Keil p.4). 2 ) Nach Sueton Nero 47. 3 ) Kap. 10 col. 376 C. 4 ) 10col.377BAndr.prol.20f.; 13 col.381C Heaut. 2,1,10. 14 col. 382 C Hör. ep. 1, 16,45. 19 col. 388 APers. 1,3. Hör. ep. 2,2, 58. 5 ) Darüber vgl. Vogel 2, 125—131. e ) Vgl. Dialogus confess. 21 (Migne 136, 409 C) etfalsum nomen episcopi vel dbbatis ■ ■. ferre; vgl. 22 col. 411B mihi qui estis commissi, 24 col. 416 AB, 34 col.426D. Zu Alna vgl. Vogel 1,210 f. ') MG. SS. 4,278. s ) Die Einteilung vgl. bei Vogel l,227n.— Vortrefflich ist die kurze Würdigung der Schrift bei Hauck 3,290f. Ratherius von Lüttich. 43 um die Darstellung eindringlicher und lebhafter zu machen; freilich finden wir mehr ein Selbstgespräch als einen wirklichen Dialog. Die Beichte ist von einer außerordentlichen Art, denn Rather zwingt sich, in seinem gesamten inneren und äußeren Leben Umschau zu halten und fördert seine geheimsten Regungen und Neigungen ans Tageslicht, die einen strafbaren Charakter tragen. Die einmal angeregte Gedankenreihe verfolgt er bis in ihre äußersten Konsequenzen und indem er von der vorgeschriebenen Schablone der Beichtbüeher abwich und sein ganzes Innere schonungslos aufdeckte, erscheint er in diesem Werke fast mehr denn in anderen als eine durchaus individuelle Natur. Ohne Zweifel ist Rather hier mehr vom Augenblick abhängig als anderswo, er vermeidet jedes Schema und verteilt seine Schrift auf verschiedene Stimmungen, die sich aus den sechs Absätzen ergeben. Am Ende des sechsten Abschnitts läßt er sich Radberts Werk De corpore et sanguine domini empfehlen und erwähnt einen von ihm kapitelweise angefertigten Auszug dieser Schrift. Dieser Auszug aber erstreckt sich auf das ganze Werk, das Rather also für sich abgeschrieben hat und außerdem noch mit einem auf die Beichte bezüglichen Anhang versah. So wird die Beichte Rathers in Verbindung mit Radberts berühmtem Werke in dem alten Katalog von Lobbes erwähnt. 1 ) Dies ist aber der Grund, weshalb Radberts Schrift später mehrfach dem Rather beigelegt wurde, und das war um so eher möglich, als dieser einen Brief über den Leib und das Blut des Herrn an den Mönch Patricus 2 ) schrieb und seine eigne Abschrift des Radbertschen Werkes in 99 Kapitel einteilte. Als nun Otto der Große 961 wieder in Italien erschien, wurde Rather besonders auf Bruns Betreiben zum drittenmal als Bischof in Verona eingesetzt. 3 ) Freilich Ruhe fand er hier nicht, denn nachdem am 27. Januar 962 aus der Kirche des hl. Vitalis der Leib des hl. Metro gestohlen worden war, gab man die Schuld an diesem Vorgange Rather und dieser rechtfertigte sich in einer eigenen Schrift über den hl. Metro, in deren Titel er von sich selbst die Worte gebraucht, die Orosius spottend von Attalus gesagt hatte. 4 ) Die Schrift ist eine sehr verhüllte Verteidigung, sie enthält mehr eine Anklage gegen die Veronesen, daß sie diesen Schatz nicht längst besungen hätten, und dann eine höchst emphatisch gehaltene Lebensbeschreibung des Heiligen, die sich aber nicht auf schriftliche Quellen, sondern auf die volkstümliche Überlieferung stützt. 5 ) Die ganze Darstellung ist gewunden und unfrei und man erkennt, daß ßather gar nicht imstande war, den Vorwurf zu entkräften; vielleicht hat sich in der Schrift ein Fragment aus einer verlornen Verifikation des alten Testaments erhalten. 6 ) Doch wußte sich Rather zunächst mit seiner Gemeinde zu stellen, indem er eine Anzahl Predigten, die er jetzt 963 als Bischof hielt, aufzuzeichnen ■) Revue des bibliotheques 1.12N. 127. 2 ) Ep. 1 col. 643—648. Ueber Patricus und den im Briefe erwähnten Konrad — Vogel glaubt, daß Gerhardus zu lesen ist—sowie über das Kloster Hornud vgl. Vogel 2,135—146. *) Vgl. Ruotgeri Vita Brunonis 38 (MG. SS. 4, 270). 4 ) Orosii hist. 7,42,7; vgl. Migne 136, 451 infelicissimi Attali ritu facti infecti re- fecti defecti. ") Vgl. c. 5 (Migne 136, 458A). 6 ) Nämlich am Schluß von Kap. 2 col. 454 B. Die drei Verse beziehen sich auf Jos. 15,15 f. und stehen nicht bei Cyprianus Gallus, wo sie Jesu Nave 443—447 (ed. Peiper p. 173) entsprechen.' 44 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. für wert befand. Lange freilich kann das gute Verhältnis nicht gedauert haben, denn noch vor der römischen Synode am Ende des Jahres 963 verfaßte Rather eine Schrift, die er dem Bischof Hubert von Parma widmete, da man diesen für den künftigen Papst hielt. Diese Schrift, De contemptu canonum betitelt, beginnt der Verfasser mit einer ausführlichen Klage gegen seine Untergebenen und mit der Zusammenstellung der Kirchengesetze über die Rechte des Bischofs seinem Klerus gegenüber. Dann geht er auf die Gründe der Unbotmäßigkeit des Klerus gegen diese Gesetze über und führt eine Menge Beispiele aus dem Leben hierfür an, wobei er öfters seiner gerechten Entrüstung Ausdruck gibt 1 ) und es nicht unterläßt, die betreffende kanonische Bestimmung hiergegen anzuführen. In der bittersten Weise äußert er sich über den Papst Johann XII., 2 ) dem er die Verletzung aller möglichen Kanones zuschiebt; hier flicht er in stark ironischem Tone die aus Augustin Civ. dei 4, 4 bekannte schlagfertige Antwort ein, mit der einst ein Pirat Alexander den Großen abfertigte (bei Rather aber viel ausführlicher). Später (Kap. 22) beklagt er sich mit beredten Worten über den großen Leichtsinn, mit dem die Söhne der weltlichen Großen zur Schule geschickt würden, nämlich nicht um Gott zu dienen, sondern um ein Bistum zu erlangen, und zwar ohne erst eine Prüfung zum Presbyterat abzulegen. Die notwendige Folge solcher Verhältnisse sei die gerechte Verachtung der Kleriker von seiten der Laien. In einem zweiten weit kürzeren Teile wendet sich Rather mit scharfen Worten gegen das ungeistliche und unkeusche 3 ) Leben des Klerus in Italien, der nur äußerlich einige kanonische Vorschriften befolge, innerlich aber dem Gesetz abhold sei. Um sich aber auch seiner Gemeinde gegenüber deutlich auszusprechen, hielt Rather in der Fastenzeit 964 eine große Predigt oder wahrscheinlich mehrere, die er dann zu einem Stück zusammengestellt hat. Hier rückte er den Gebrechen des Klerus und der Laien gehörig auf den Leib und bekämpft am Schluß den Irrglauben der Anthropomorphiten, daß Gott körperlich zu denken sei. Er hat sich freilich von dem Erfolge der großen Strafpredigt nicht viel versprochen, denn er bezeichnet sie in ihrem Titel selbst als unnützes Geschwätz; so wird sie auch von Sigebert in seinem Abschnitt über Rather angeführt. 4 ) Von ähnlichen Gedanken wie diese Predigt ist auch eine weitere zum Gründonnerstag 964 gehalten; aber Rather muß zu jener Zeit die Fehler, die er an andern rügte, an sich selbst schwer empfunden haben, denn er schrieb für sich zwei predigtähnliche kleine Schriften De proprio lapsu und De otioso sermone, in denen er mit sich selbst ins Gericht geht und durch harte Selbstanklagen sein Gewissen beschwerte. 5 ) Die Folgen dieser Anklagen sollten nicht lange auf sich warten lassen, denn trotz der Vorsicht des Grafen Bucco von Verona, der ihm das sichere Palatium als Wohnung anbot, wurde er am 21. Januar 965 Kap. 6 col. 494 B Ista dum alter ut j taetu pruritui subscalpentem . . . voluptatem Chremes tumido iratissimus ore delitigo aus Horatius A. P. 94. 2 ) Kap. 12.13 col. 500 C.501; daß die Schrift vor die römische Synode fällt, geht aus col. 501 C hervor. 3 ) Kap. 3 col. 518 A stammt rllecebroso . . . ausMartianus Capeila 1.7 (p.4, 26 f. Eyss.j. 4 ) De Script, eccl. 127(ed. Miraeus p. 149). 5 J Vgl. De otioso sei m. 1 (Mignel36 575A) Conor enim meliorari et vincor, laboro et de- ficio, surgo et reidbor, nunquam in boni ali- cuius statu permaneo. Ratherius von Lüttich. 45 vom Klerus der Stadt überfallen und gefangen und dabei sein Haus zerstört! 1 ) Als er nun auf Befehl des Kaisers durch Bucco zurückgeführt und in sein Amt restituiert worden war, wagte er es am 12. Februar 965 durch ein bekanntgegebenes Dekret alle von seinem Vorgänger Milo ordinierten Geistlichen bis zu ihrer künftigen gesetzmäßigen Weihe zu suspendieren. Doch als das Dekret am nächsten Tage von neuem verkündet wurde, erhob sich eine solche Mißstimmung gegen ihn, daß er die erste Verordnung durch eine zweite aufhob. 2 ) Infolge dieses schwächlichen Nachgebens wurde der Bischof nun völlig ein Spielball in der Hand der Parteien und auch mehrere eindringliche Predigten, die er gegen die Aufrührer hielt, fruchteten nichts; in einer dieser Predigten bezieht er sich darauf, daß er jetzt den Catull lese, der ihm früher unbekannt gewesen sei, und daß er den schon früher gelesenen 3 ) Plautus studiere, sowie auf häufiges Bitten die Musik auslege, trotzdem er in der Mathematik sehr unerfahren sei, endlich daß er auf den Befehl des Kaisers seine Vasallen bald in den Krieg, bald zur Jagd schicke. Dergleichen Argumente fruchteten natürlich bei der ganz gegen ihn eingenommenen Bevölkerung nichts und seine Lage wurde seit dem Tode des Erzbischofs Brun (11. Oktober 965) immer unhaltbarer, und sein Hauptfeind, der abgesetzte Bischof Milo, konnte hoffen, in kurzer Zeit über ihn zu triumphieren. Um nicht ganz unrühmlich unterzugehen, gab er nun die Conclusio deliberativa zum zweiten Male und zwar mit einem kleinen Anhang vermehrt 4 ) heraus und richtete an seinen Feind Milo zwei Briefe voll von Anklagen wider die Gegner und voll von Selbstverteidigung. Da wandten sich die Feinde an den Kaiser und Rather suchte nun ihre Anklagen in einer Schrift, der Qualitatis coniectura cuiusdam, eingehend zu entkräften. Die Art seiner Verteidigung ist sehr sonderbar, denn indem er sein äußeres und inneres 5 ) Leben zergliedert, klagt er sich selbst ununterbrochen an, aber auf solche starke Weise, daß der Leser von dem christlichen Bewußtsein des Bischofs und von seinem Hange zur Demut einen sehr hohen Begriff erhalten muß. Und da in dieser Schrift der Kaiser stets mit besonders hohem Lobe bedacht wird, so ist es nicht zweifelhaft, daß man von höchster Stelle aus zu seinen Gunsten einschritt und weitere Feindseligkeiten untersagte. Daher konnte sich Rather jetzt seinen bischöflichen Pflichten hingeben, zu denen die jährliche Abhaltung von zwei Synoden gehörte. Als er aber zur Fastenzeit 966 damit den Anfang machen wollte, wurde er von seinem Klerus auf das schmählichste verhöhnt 6 ) und er mußte die traurige Erfahrung machen, daß viele seiner Kleriker nicht einmal das apostolische Symbolum konnten. ') Vgl. Qualitatis coniectura 14 (Migne 136, 541—543). 2 ) Die beiden Dekrete bei Migne 136, 477 f. 3 ) So nach derVerbesserung von M. H aupt, Opuscula 1, 2, der S. 3 richtig bemerkt, daß Rather den Catull erst in Verona kennen lernte. Den Plautus hatte er hingegen in den lothringischen Gegenden kennen gelernt. 4 ) Migne 136, 363 f. 5 ) Vgl. besonders Kap. 5 col. 527 ff. und 9 col. 531 ff. In Kap. 8 col. 530C erwähnt er seinen Liber confessionis. In Kap. 3 col. 525 C wird Horaz (Ep. 1,12,5) und 526 A Sallust angeführt. 6 ) Vgl. Itinerarium 6 col. 587 A. 46 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. So erließ er denn an den gesamten Klerus von Verona seine Syno- dicä, ein Synodalschreiben, dessen Notwendigkeit er im Eingange begründet. Das Schreiben enthält eine durchaus elementare Belehrung der Geistlichen in bezug auf ihre Pflichten gegen die Kirche und gegen die Laien, und er bedient sich im späteren Teile seiner Schrift 1 ) der wohl im 8. Jahrhundert entstandenen Admonitio synodalis; am Schlüsse schärft er seinem Klerus eine ganze Reihe Verordnungen 2 ) ein, die seit langem vernachlässigt worden waren. Doch schon nach kurzer Zeit wandte er sich in einer neuen Schrift De nuptu illicito gegen die Verheiratung eines Priesters mit einer Priesterstochter und mußte hier auf die Verderblichkeit der neuen Übertretung der Kirchengesetze scharf aufmerksam machen. Mit dem Ende des Jahres 966 aber gewann es den Anschein, als ob sich Rathers Stellung stärken sollte. Wieder kam der Kaiser nach Italien und da für seinen Aufenthalt in Rom wichtige kirchliche Beschlußfassungen in Aussicht standen, so faßte Rather den Plan, nach Rom zu reisen, um an den Synoden teilzunehmen. Da man sich in Verona über den Zweck dieser Reise allerhand Vermutungen hingab, verfaßte Rather Ende November und Anfang Dezember sein Itinerarium. Er setzt im Eingange dieser Schrift auseinander, daß er nicht des Gebets und auch nicht des kaiserlichen Befehls halber, sondern wegen eines Konzils nach Rom gehe, um dort genaue Kunde wegen der Vorschriften über die Priesterehe einzuholen; er hoffte jedenfalls hierbei auf die tätige Mitwirkung des Kaisers bei dem Konzil, denn diesen bedenkt er in Kap. 2 mit außerordentlichen Lobsprüchen, und die Schwäche des Papsttums jener Zeiten konnte ihm unmöglich entgangen sein. 3 ) Denn er meint, daß die klügsten Männer Italiens und Deutschlands sich in Rom einfinden werden, und er hofft von diesen über die einzelnen Kapitel, die er zu dem Zweck aufgezeichnet habe, gründliche Belehrung zu empfangen; denn seine Fragen beträfen nur das, was allgemein befolgt werden könnte, wenn man nach dem Willen Gottes leben wolle. Dann gibt er eine gedrängte Übersicht über das Mißgeschick seines eignen Lebens und spricht von der unbedingten Notwendigkeit der Einführung synodalen Lebens in seiner Diözese, wofür er aber jetzt keinerlei Unterlage habe. 4 ) Und im Gegensatz hierzu schildert er mit beredten Worten, mit welchem Hohne man in Verona seinen früheren Versuch, Synoden einzuführen, abgewiesen habe. 6 ) In den nächsten Abschnitten erhebt sich Rather fast zu reformatorischer Höhe der Gesinnung, indem er von der Verkommenheit der Kirche spricht und Besserung im Leben der Kleriker erhofft. Dabei gedenkt er mit ziemlicher Breite eines Vorfalls, der sich einst mit zwei irischen Bischöfen ereignet hatte und den Rather in der einfachen Sprache der von ihm benutzten Quelle wiedererzählt. 6 ) Mit einem Hinblick auf den Wunsch des Veroneser Klerus, daß der Bischof nie wieder zurückkehren möge, schließt Rather ') Kap. 6 col. 558 C Admonemus etiam et obsecramus, sicut alibi scriptum invenimiis. 2 ) Wie c. 13 col. 564B, daß jeder Priester etwas gelernt haben müsse. 3 ) Die Sätze, die sich in Kap,. 2 col. 582 auf Rom beziehen, könnten fast wie Ironie lauten, aber sie scheinen in diesem Zusammenhange wohl ernsthaft genommen werden zu müssen. *) Kap. 5 col. 585 B quod dicerem me, unde synodare deberem, omnino nescire. 5 ) Kap. 6 col. 587 A B. 6 ) Kap. 14 col. 596. 597. Ratherius von Lüttich.. 47 seine Darstellung, die von einem besonders hohen Ernst getragen ist und weniger nervöse Erregtheit verrät als manche andere seiner Schriften. In der römischen Synode kam freilich von diesen Dingen nichts zur Sprache und erst kurz nach Ostern 967 wurde eine weitere Synode gehalten, auf der man über diese und ähnliche Dinge beriet. Hier erlangte Rather wohl die Anerkennung seiner Auffassung, als er aber aus Ravenna zurückkehrte und nun seinen gesamten Klerus zur Anerkennung der kaiserlichen Beschlüsse berief, erschienen einige Kleriker überhaupt nicht und einige der Anwesenden weigerten sich einfach, von ihren Frauen zu lassen, 1 ) und der Bischof glaubte nun zu wirklichen Strafen greifen zu müssen, wie er in einem an Ottos Kanzler Ambrosius gerichteten Briefe höchst lebendig und eindrucksvoll darstellt. Die allgemeine Ursache des Widerstrebens aber war, daß die Geistlichen glaubten, sie könnten ohne Frauen nicht leben, da sie von diesen erhalten würden. Infolgedessen wollte Rather eine gerechtere Verteilung der Kirchengüter bewirken, an denen der niedere Klerus nämlich fast gar keinen Anteil hatte. Die Zeit mochte hierzu günstig erscheinen, denn Ende Oktober 967 befand sich Kaiser Otto mit seinem gleichnamigen Sohne zu Ravenna und stellte hier dem Rather ein größeres Privileg aus, das dem Bischof fortan eine größere Macht verleihen sollte. 2 ) Und kurz darauf bestimmte Rather in seinem Judicatum, daß die Güter, die er kurz zuvor mehreren besonders widerspenstigen Kanonikern seiner Kirche entzogen hatte, 3 ) in Zukunft zum Unterhalt des niederen Klerus dienen sollten. 4 ) Das wäre, wenn Rather die Macht zur Durchführung gehabt hätte, eine sehr heilsame Maßregel gewesen, und man ersieht daraus deutlich, daß es dem Bischof um eine durchgreifende Abhilfe wirklich Ernst gewesen ist. Aber an Gehorsam der Kleriker war nicht zu denken, namentlich da der Graf Nanno von Verona auf ihrer Seite stand. Rather richtete zwar an seinen ungehorsamen Klerus noch einmal eine abmahnende Schrift De clericis sibi rebellibus 5 ) und hielt versöhnliche Predigten, doch es blieb ihm schließlich nichts übrig, als in einer weiteren Schrift Discordia die Genesis seines letzten Zerwürfnisses mit dem Klerus auseinanderzusetzen. Hier geht er von neuem auf das völlig unkanonische Leben der Geistlichkeit ein und rügt die eingerissenen Mißbräuche mit tiefer sittlicher Entrüstung. Er widmete diese eindringliche Klagschrift dem kaiserlichen Kanzler Ambrosius, jedenfalls damit sie dem Kaiser selbst vorgelegt werde. Freilich hatten sich die Veroneser Kanoniker schon vorher an Otto I. gewendet und waren außerdem kürzlich auch beim Papste gegen ihren Bischof klagbar geworden. 6 ) Einer unter ihnen, der sich durch besondere Feindseligkeit auszeichnete, verkehrte mit Rather öfters, wobei er sich gesuchter Rede im Stile von Martianus Capella bediente, was den Bischof veranlaßte, in seiner letzten Verteidigungsschrift, dem Liber apo- logeticus, dessen mit Spott zu gedenken. In dieser Schrift setzt er sich ') Vgl. den Brief Rathers an Ambrosius 5 ) Migne 136,613—618. (den Kanzler Ottos I.) c. 1. 2 col.679—681. 6 ) Liberapologeticus7 col.638BC.639 AB. 2 ) Migne 136, 599—602. Hier heifit es, daß man sich nach Rom ge- 3 ) Judicat. 2 col. 607 B und Discordia 7 wandt habe venalem illam, ut ait Salhistius, col. 626B und 627 A. urbem (Jug. 20,1) col. 639 A. 4 ) Judicat 2 col. 608.609. 48 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. in kräftigster Weise mit seinen Gegnern auseinander, indem er möglichst historisch zu Werke geht, die gegen ihn ausgestreuten Anschuldigungen ärgster Art scharf und ironisch zurückweist und in äußerst spöttischem Tone die päpstliche Verordnung angreift, die man gegen ihn ausgewirkt hatte. Seine Stellung war unhaltbar geworden, und die weltliche Gewalt in der Person Nannos und des Vicegrafen Giselbert 1 ) nahm jetzt mit aller Entschiedenheit gegen ihn Stand. Noch nahm er zwischen Ostern und Pfingsten 968 mehrfach Gelegenheit, in Predigten auf seine bedrängte Lage und auf die bedenklichen Mittel hinzuweisen, die seine Feinde im Kampfe gegen ihn gebrauchten, und außerdem schrieb er einen Brief 2 ) an die Kaiserin Adelheid und bat sie darin, ihn wenigstens noch so lange zu halten, bis er die Marienkirche in Verona völlig erneuert habe, denn dann wolle er sich in die Stille seines Klosters zurückziehen. Und als er erfahren hatte, daß Graf Nanno mit dem Gericht gegen ihn betraut worden sei, richtete er an diesen ein Schreiben, 3 ) in dem er von seiner Gesinnung gegen ihn kein Hehl machte: Tausendmal mehr fürchte er ihn als den Kaiser, den er immer noch liebe, während er ihn nur fürchten könne. 4 ) Am 30. Juni 968 wurde nun über den hochbetagten Bischof Gericht gehalten, wobei Graf Nanno den Vorsitz führte. Rather wurde der gegen ihn vorgebrachten Anklagen für schuldig befunden, sein Judicatum wurde kassiert und seine Gerichtsbarkeit für nichtig erklärt. Er selbst hat die ganze Verhandlung dargestellt und zwar in einem Briefe, 5 ) den er kurz nach jenem Tage an den Kanzler Ambrosius in der Hoffnung schrieb, der Kaiser werde sich seiner noch einmal annehmen. Der Brief strömt über von Klagen gegen seine Feinde, deren Vergehen dem Kanzler eindringlich vorgehalten werden; denn auf Ambrosius hatte Rather die letzte Hoffnung 6 ) gesetzt. Aber die Hilfe sollte ausbleiben und Rather erwog nun ernstlich den Rückzug aus der ihm so feindseligen Stadt. Wie er es bisher bei wichtigen Entscheidungen stets getan, so schrieb er auch jetzt seine Gedanken über den Kampf in seinem Innern nieder, den ihm der Entschluß, aus Verona zu scheiden, gekostet hatte; er sandte das Buch, dem er den Titel Con- flictus duorum gab, 7 ) an den Abt Folcuin von Lobbes mit einem Briefe, in dem er um Pferde und um Geleit nach der Heimat bat. Zugleich aber schrieb er an Bischof Ebrachar (Everaclus) von Lüttich, um ihm seine Rückkehr anzuzeigen und ihm ein Geschenk von Balsam zu übersenden. Noch bevor aber Ebrachar Brief und Geschenk erhielt, wußte er von Rathers Sendung und er beeilte sich, dem Zurückkehrenden einen Brief voll von außerordentlichen Lobeserhebungen zuzuschicken, in dem er dem einstigen Lehrer mit Anführungen aus Terenz, Persius und Cicero zu imponieren suchte. 8 ) Folcuin sandte Pferde und Geleit und so kehrte Rather im Herbst ') Sermo 6 col. 726 C corruptis quoquc pc- cunia duabus patriae dominantibus. 2 ) Ep. 13 col. 686. 3 ) Ep. 11 col. 676—679. 4 ) Ep. 11,2 col. 678 A Mitties enim vos magis formido quam ipsum . . . illum diligo, vos timeo. 5 ) Ep. 12 col. 679-686. 6 ) Ep. 12, 5 col. 658 B Si valeatis et non mihi succurritis, ipsi tne interficitis. ') Das Buch ist verloren, wir wissen davon nur aus Folcuins Gesta abb. Lob. 28 (MG. SS. 4, 69, 32 f. 3 ) Rathers Brief ist verloren. Ebrachars Schreiben ist Ep. 14 (Migne 136, 687 f.). Ratherius von Lüttich. 49 968 0 in die Heimat zurück. Obwohl er aber große Massen von Gold und Silber mitbrachte und dem Kloster reiche Geschenke zukommen ließ, verfeindete er sich doch bald mit dem Abte, der ihm dann mit Zustimmung der Brüder einige kleine Abteien und Ortschaften überwies. Sein Streben schien aber trotz seines Alters auf Größeres zu gehen, denn er kaufte alsbald von König Lothar von Westfranken die erledigte Abtei zu St. Amand, wo ihn allerdings die Mönche schon am zweiten Tage verjagten. Vom Kloster Aulne aus, das ihm der Bischof Ebrachar geschenkt hatte, erwarb er dann die Abtei Haumont um großen Kaufpreis; aber auch hier hielt es ihn nicht und er kaufte die Kirche des hl. Dionysius bei Mons, ohne jedoch seine Absichten auf Lobbes aufzugeben, wo er Folcuin zu vertreiben beabsichtigte. Das gelang ihm auch endlich im Jahre 970 und Rather bemächtigte sich des Klosters, das er für den Fall eines Angriffs nun stark befestigen ließ. Um die mächtige Verwandtschaft Folcuins in Schach zu halten, erkaufte er mit dem Rest seiner Schätze die bewaffnete Hilfe mehrerer benachbarter Fürsten. Als aber sein Gönner Ebrachar im Jahre 971 starb und Notker zum Nachfolger erhielt, war es dessen erste Sorge, dieser schmählichen Sache ein Ende zu machen: mit Unterstützung mehrerer Äbte untersuchte er die Ursachen des Zwiespalts und entschied dann, daß Rather zu weichen und Folcuin zurückzukehren habe. So zog sich Rather wieder nach Aulne zurück, wo er sich schließlich mit Folcuin aussöhnte. Als er sich aber während der in Lothringen nach dem Tode Ottos I. entstandenen Wirren in Namur aufhielt, ist er im Jahre 974 gestorben. 2 ) Mit ihm schied ein Mann von der Bühne des Lebens, der zu den seltensten Erscheinungen der Zeit gehörte: geistreich, klug und beredt, ungewöhnlich belesen und unterrichtet, aber fried- und ruhelos bis in sein höchstes Alter, stets bissig und ironisch gegen andere und gegen sich 'selbst konnte er es nicht über sich gewinnen, dauernd in irgendeinem Wirkungskreise zu leben. Alles in allem war er eine wenig sympathische Erscheinung als Mensch, dagegen als Schriftsteller ganz ungewöhnlich begabt, weil er von einzig subjektiver Veranlagung gewesen ist. Zeugnisse. Zum Geburtsland vgl. den Brief Ebiachars von Lüttich (Ep. 14. Migne 136, 688B) Nativa vobis supplex tendit manus patria et ut redeatis invitat. Zum Geburtsjahr vgl. Dial. confess. 21 (col. 410 C) Septuagenarius iam quid eram acturus und 31 (col. 424 A) scribentem me septuagenarium pene sentis tiiillari; da diese Schrift 957 (oder 958) verfaßt ist (vgl. Vogel 2,132 ff. 197 f. Hauck 3, 287 n. 3), so ergibt sich ungefähr das Jahr 887. Das Versprechen im Kloster zu bleiben Dial. confess. 11 col. 399 C. Der Katalog von Lobbes ist gedruckt Revue des bibliotheques 1,4—14. Zur Belesenheit Rathers. Vogel (1,26) gibt eine Zusammenstellung der von Rather benutzten Autoren, die von Hauck 3,285 f. erweitert wurde. Als Vervollständigung hierfür diene folgendes. Von Cicero kennt Rather sicher De inventione, pro Marcello und pro Milone. Die Definition der Haupttugenden Praeloquia 3,25 col. 222 A nämlich stammt aus De invent. 2, 53, 160 und 54, 164. 163. Die Rede pro Marcello muß in Lüttich oder Umgegend aufbewahrt worden sein, denn Rather gibt Prael.4,18 (col. 266 A) die Anführung aus Kap. 3 Animum vincere — simillimum deo iudico; und aus Kap. 2 gibt Ebrachar in seinem Briefe an Rather ein Zitat (Ep. 14,2 col. 688 A) Tulliana vox sonat, tuba Ciceroniana intonati nullius tantum fliimen est ingenü — virtutum laudes possit enarrare. Eine ältere Anführung aus dieser Rede ist mir nicht bekannt und es gibt auch keine ältere Ueberlieferung, wenn man J ) Vgl. Vogel 1,421-424. 2 ) Die Nachrichten über Rathers Rückkehr nach Lobbes bis zu seinem Tode stehen allein bei Folcuin Gesta abb. Lobiensium 28 (MG. SS. 4, 69, 30—70, 23). Manitius, Lateinische Literatur dea Mittelalters. II. 50 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. nicht annehmen will, daß die alte Hs. in Fulda (Zentralbl. f. Biblwes. Beiheft 26,111. Rep. 10. Ord. 4,38) Oratio Ciceronis pro Marcello noch karolingischer Herkunft ist, was allerdings wahrscheinlich ist. Aus dem Laelius 18,44 stammt die Anführung Prael. 1,27 col. 174A Lex vero amicitiae, Lelio teste, est ut ab amicis honesta petamus, amicorum causa honesta faciamus. Aus Cato maior 9,29 scheint zu stammen Prael. 2,29 col.210C ut quidam satis probe ante nos visus est dicere senes magis deceat docere quam discere. Aus der Rede pro Milone 4,10 ist genommen Beeret. 2 col. 477 A Leges inter bella silere Tullio didicerim licet non Augustino docente. Außerdem verwendet Rather die Invectiva Ciceronis in Sallustium in den Prael. 1,24, wo er col. 168 B anführt Invect. 2,4 Velim mihi respondeat — aeque de nobis aestimabitur und die Invectiva Sallustii in Tullium im Dial. confess. 36 col. 432 C, wo er sagt et quod Sallustius Ciceroni, neque huic neque Uli fidem habere aus Invect. 4, 7. Von Seneca benutzt Rather die Proverbia, vgl. Prael. 1,28 col. 174C) Qui servis crudelis est etc. = Prov. 131. Häufig werden die Sprüche des Publilius Syrus angeführt, so Prael. 1, 26 (col.l72B) unter SenecaN.48 (ed. A.Spengel.Berl. 1874); ib.col.173B N. 307. 4,18 (col. 266 A) N. 64 und 250 und253. Außerdem erscheinen die Sprüche, die von Wolf flin (Lips. 1869) hinter denen des Publilius abgedruckt sind (p. 90 ff.) und zwar Prael. 1,36 (col. 181C) N.87; Prael. 3,3 (col. 220C) N. 116; Prael. 4,22 (col.271B) N. 66. Solinus wird benutzt (27,41 f.) Prael. 1,7 (col. 152B) in der Stelle Mathematicorum genus — illos devorant serpentes. Zur Benutzung von Terentius vgl. meine Notizen Philol. 52.551, von Persius 1 ) Philol. 47,719 und von Horaz 2 ) meine Analektenz. Gesch. d. Horaz im MA. S. 41. Aus O vid stammt Ep. 11 (col. 678B) illud Nasonicum: Amat. 3, 49 f. Der Vers aus Statius Prael. 4,10 col. 257 B ist Theb. 1,417. Juvenal wird mehrfach angeführt, wie ich nachwies Philol.50,366 f., wo aber fehlen Prael. 1,31 (col. 176 D) Sat. 13,20 ff undEp. 13 (col. 686 B) aloe stomachus tumens mellis ruetat dulcedinem, und Apolog. 1 (col. 631A) plus aloes quam mellis, vgl. Sat. 6,181. Aus der Fabelliteratur kennt Rather den Avianus, den er Prael. 4.29 (col.280B) anführt 3 ) und zwar Fab. 5,1, und wohl den Romulus, auf den wahrscheinlich (und nicht auf Phaedrus) die Worte Serm. 6, 3 (col. 729 B) Fluvius enim — fabularis aecusor zurückgehen, vgl. G. Thiele, Der lat. Aesop des Romulus S. 12. Prosper wird angeführt De otioso serm. 4 (col.576C), wo Epigr. 5, 5 f. ausgehoben wird. Von Sedulius gibt Rather Prael. 5,15 (col. 301A) Ceto etiam lonas sorbente voratus den Vers P.C. 1,192; auf Prudentius Cath.6,'l41 geht zurück Prael. 2, 21 (col.205A) tor- tuosi serpentis. Aus Boethius (Cons. phil. 3 metr. 6, 14—18) sind die Worte genommen Prael. 1,22 (col. 166 B) Siprimordia — deserat ortum.*) Von christlichen Prosaikern erscheint Maximus Taurinensis (de ieiunio agens) Prael. 1.4 col. 150'C. Auf physiologische Literatur scheint zurückzugehen, was Rather Serm. 4,1 col. 719 B vom Adler erzählt, nämlich Dicunt quoque qui de physica quasi videntur traetare, quod aquila acumen, quo plurimum pollet, si perdiderit occasione qualibet, Visus, gustu illud recuperet herbae istius (nämlich lactuca agrestis); allerdings fehlt die Erzählung im Physiologus ed. G. Heider p. 37. Nicht unterbringen kann ich die Geschichte, die Rather De contemptu canonum 12 f. (col. 501B) von Alexander und dem Seeräuber erzählt, die Nonius aus Cicero de rep. 3 und Augustin civ. dei 4, 4 nur ganz kurz berichten. Auch blieb mir die Provenienz der langen Erzählung unbekannt, die Rather Serm. 6, 3 (col. 729 A—730 B) von dem Jüngling anführt, der seinen Vater getötet hatte. Uebrigens ist das Prooemium c. 7 zur Phrenesis col. 373C. 374A zu vergleichen, wo Rather über eine Anzahl alter Autoren kurz handelt. In der Vita Ursmari im Prolog (col. 346 A) bezeichnet Rather sein Können als Frucht des Unterrichts zu Lobbes (quantulumcumque benigne instruetionis vestrae fruetum . . . conferat), doch spricht er Phren. 3 (col. 369 A) freier und selbstbewußter von sich: Fateor magis eum intellectu viguisse quam arte, exercitio quodam scribendi quaeque, non vero copiose dicendi quam privilegio plura scier.di: quem priscorum magis exploratio curiosa, quam ipsa artis dietare docuerint prae- cepta. Pauca a magistris, plura per se magis didicit praesumptione temeraria temperando quae a doctoribus praeeipuis alii maxime vix pereepissent labore. Zeugnisse (Fortsetzung). Zu Rathers Weggang nach Italien mit Hilduin und zu König Hugos Versprechen vgl. Folcuin, Gesta abb. Lob. 19 (MG. SS. 4, 63, 35 ff.). Zur Korrespondenz mit dem Mailänder Klerus vgl. Ep. 3 col. 649 B qui licet in ipisis initiis quorumdam quaesti- unculis Mediolanensium haud leviter pulsatus, quaedam ex his, quae vos requirere non ambigo, visus sum praelibasse. Zu dem in den Praeloquia (6,7) angeführten Werke vgl. col. 323 A ut iam in alio volumine retulimus. Aus dem Bild über die italienische Geistlichkeit ist besonders zu vergleichen Prael. 5. 6 col. 291 AB (qui venatores quam doctores — adiacens videatur basilica), und 7 col. 292 A—293 B. Der Brief an Urso Prael. 3, 25 ff. hat die Einführung (3,24) col. 239B quorum uni ab exilio scripsit huiusmodi. Zu den Praeloquia vgl. Folcuin, ') Hierzu kommt Prael. 1,36 (col. 181 A) Pers. 1,1 und Ebrachari ep. (Ep. 14, col. 688 A) 5,112.111 (mit Aenderung). 2 ) Lucilius wird erwähnt Phren. 2 col. 369 A. 3 ) Hier ist der Text nach Avian quemque decet herzustellen. 4 ) Außerdem vgl. Prael. 1,24 col. 168B. Ratherius von Ltittich. 5J Gesta 20 p. 63,45 ff., wo p. 64, 2 ff. auch über die Adressaten zu lesen ist. an die das Werk geschickt wurde. Die Verbannung in Como bezeugt Folcuin c. 20 p. 64,6 Libellum etiam vitae s. Ursmari, cum Cumis exularet ibi repperit. Zur Grammatik Rathers vgl. Folcuin p. 64, 8 Postea cum in ea parte Burgundiae que Provincia dicitur mansitaret, filium cuiusdam viri ditissimi nomine Rocstagnum ad imbuendum litteris postulatus recepit, ad quem librum de arte grammaüca conscripsit, quem librum gentilicio loquendi more Sparadorsum vocavit pro eo qui illum in scholis assuesceretpuerulus, dorsum a flagris servare posset. Das Bücherverzeichnis des Rostagnus im Harlei. 2790 f. 262 1 ' beginnt Hi sunt libri domini abbatis Bostagni, 1 ) es enthält viele zu den artes liberales gehörigen Werke. Zum Bistum in der Provence vgl. Folcuin p. 64,12, daselbst zur Rückkehr nach Lobbes. Zur Verbindung mit Liudolf vgl. Ep. 5, 8 col. 662 B cum gloriosissimus . . . rex noster Italiam introisset, adfui cum eius clarissimo filio, tentans si daretur optio, ut meo restituerer loco. Zur Berufung Rathers an den Hof als Lehrer Bruns vgl. Folcuin c. 22 p. 64,24 ff. [et habetur inter palatinos philosophos primus, d. h. unter den Gelehrten des Hofes). Zu Rathers Absetzung als Bischof von Lüttich vgl. (Vogel 1,192 ff.) Folcuin c. 23 p. 64,36—65,12 und das Prooem. 1 zur Phrenesis col. 365 — 367. Daselbst col. 368 zum Aufenthalt bei Erzbischof Wilhelm von Mainz. Die christlichen und antiken Autoren im Prooem. 7 zur Phrenesis 2 ) col. 373C. 374A. Daß sich Bather nach Aulne zurückzog, ergibt sich aus Folcuin, der aus späterer Zeit c. 28 p. 69, 38 erzählt Alnam revertitur quam munificentia domini episcopi promeruerat. Das Werk Radberts wird mit den Worten eingeführt Phren. 42 (col. 444A) capitulatim quaedam excerpta ex opusculis super hoc cuiusdam Paschasii Badberti . . . tibi quaeso insinuari permitte; im Katalog von Lobbes (1049) heißt es (Rev. des bibl. 1, 12) N. 127 Eiusdem confessionum lib.I cum quo Paschasii Badberti de corpore et sanguine domini vol. I; im Bruxell. 5576—5604 s. XI steht f. 128 b —130 a ein Stück des Auszugs als ex libris confessionum Patherii de corpore et sanguine domini und auch Sigebert sagt Script, eccl. 127 (p. 149 Miraeus) Scripsit librum de corpore et sanguine domini et de praedestmatione dei, vgl. hierzu Vogel 2,180 — 189. Die Klage Rathers in De contemptu canonum 22 steht col. 51 IC. Der Titel der großen Fastenpredigt (Serm. 2 col. 692C—713) lautet Sermo valde prolixus de quadragesima Patherii Veronensis vel inefficax se vivente ut est sibi visu'm garritus, bei Sigebert c. 127 Scripsit librum quem praetitulavit inefficax ut sibi visum est garritus. Die Predigt zum Gründonnerstage (In coena domini) steht Migne 136,714—719, De proprio lapsu col. 481—486, De otioso sermone col. 573—578. Die Stelle zu Catull und Plautus heißt (nach Haupt, Opuscula 1,2) Serm. 11,4 (col. 752 B) die meditor ac nocte Catullum nunquam antea lectum, Plautum quando tarn olim lego lectum. Rhythmus auf Verona. Traube, Karol. Dichtungen S. 117 ff., bemerkt, daß Rather in Verona den Rhythmus auf diese Stadt abschreiben ließ oder selbst kopierte; dieser Rhythmus ist um 810 entstanden (S. 114 f.), da es sich hierbei als Quelle um einen aus Paulus diaconus Hist. Langob. 2,24 (italisches Provinzenverzeichnis) bereicherten Isidor (Et. 8, 84' handelt. Rathers Abschrift, der cod. Lobiensis ist verloren; auf ihr beruhen die Ausgaben von Ma- billon, Vetera anal. 1 1, 371 und von Dümmler P. L. 1,118. Die Briefe an Milo sind Ep. 8 und 9 col. 670—675. Die Qualitatis coniectura steht col. 521 — 548. Zur mangelnden Kenntnis des Symbolum vgl. Synodica 1 (col. 554A) ipsam fidem id est credulitatem dei trifarie parare memoriter festinetis . . . Quicunque mit ergo sacerdos in nostra parochia esse aut fieri aut permanere, Utas tres memoriter nobis recitet, cum proxime a nobis hoc vocatus fuerit; eine Reihe von Abschnitten beginnen mit Nullus und zeigen sich als Verordnungen schärfster Art (cap. 7—11). De nuptu illicito steht col. 567—574. Im Eingang zum Itinerarium heißt es (col. 579 A) Non enim orationis causa illuc vado . . ■ quod utique domi potest quisque peragere. Non imperiali, quia imperatum estminime, iussu: milites solum ut mitterem meos ab eo cum sit mihi imperatum; das eigene Mißgeschick in c. 4 col. 584 f. Bei der Erzählung über die beiden irischen (Scotigenis) Bischöfe sagt er zwar audi- vimus, doch wegen der einfachen und ungekünstelten Sprache, deren er sich hier bedient, scheint es geratener, eine schriftliche Quelle vorauszusetzen. Kap. 17 (col. 599A) der Wunsch derVeronesen Plurimos vero vestrum compererim dum inde laetari, quasi non debeam istuc unquam reverti. Zu den Verhältnissen in Rom 966 und 967 vgl. Vogel 1,357 ff. Zur Weigerung des Klerus gegenüber dem Cölibat vgl. Discordia 6 (col. 625 A) omnium pene ex- cusatio exstitit, non posse propter inopiam hoc ullo modo fieri, potuisse vero utcunque, si Stipendium debitum ex rebus habuissent ecclesiae. Das Judicatum ist gegeben successoribus ^Nachgütiger AbschriftvonF.G.Keny on. 1904) p. 145 ff. (nach Mitteilung von A. Hof- Der Katalog sowie der in der Hs. folgende ] meister). von St. Cyr in Nevers ist gedruckt bei B. | 2 ) Die Phrenesis kennt Sigebert Script. Aspinwall, Les ecolesepiscopalesetmonast. i eccl. 127 scripsit librum quem attitulavit de l'ancienne province eccl. de Sens (Paris , Phrenesim. 4* 52 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. omnibus (col. 605—614),') De cleris sibi rebellibus steht col. 613—618, die Discordia col. 617 —630, die Widmung an Ambrosius nach c. 7 (col. 628 A) quod tibi, Ambrosi carissime scriptum reliqueram nuperrime. Die Stelle im Liber apologeticus c. 1 über Martianus heißt (col. 630 B) l'anta me vestra illa urbanitas quam de Martiano ceterisque huiusmodi traliitis, vgl. 7 (col. 638 B) ad quam vesaniam vestri illius Martianistae processerit temeritas. Die päpstliche Verordnung vgl. c. 7 col. 639 A. Zum Gonflictus duorum vgl. Polcuin Gesta abb. Lob. 28 (MG. SS. 4. 69, 32) Mittit igitur ad abbatem librum quem praetitulavit Conflictum duorum pro eo quod in eodem disputans utrum reverteretur necne anxius fluctuaret, simul et rogans ut mitterentur ei equi et comites, quo expeditius Her ab eis accelerare posset. Die kleinen Abteien und Ortschaften nennt Folcuin p. 70,2 Dederat autem ei et abbas cum con- sensu fratrum villas Stratam et Gosinüicas et abbatiam S. Ursmari et aliam quam Waslare monasterium vocant. Die ganze spätere Lebensgeschichte Rathers bis zu dessen Tode erzählt Folcuin ebenfalls, der am Schlüsse berichtet Cuius corpus ad nos delatum pontificalibus exequiis solemniter celebratis honorifice est tumulatum in ecclesia s. Ursmari ad partem aquilonarem. Bezüglich der kurzen Behauptung von St. Amand stimmt mit Folcuin überein der Catalogus abbat, s. Amandi Elnonensis (MG. SS. 13, 387,11) Nam Raiherius bis episco- patu Veronensi depulsus Leodiensis per b. Bnmonem Coloniensem archiepiscopum ordinatus defuncto Genulpho . . . abbatia nostri Elnonis vix una nocte enim potitus in crastino a monachis est eiectus. Zu Rather vgl. besonders Albr. Vogel, Ratherius von Verona und das 10. Jahrhundert, 2 Bde, Jena 1854. Ebert 3, 373 ff. Zur Charakteristik besonders A. Hauck, Kirchengesch. Deutschlands 3, 285 ff. und Bezold, Ztschr. f. Kulturgesch. 1,158ff. Schriften Ueber die zahlreichen Schriften Rathers unterrichtet am ausführlichsten Folcuin in den Gesta abb Lob. 19—28 (MG. SS. 4, 63—70), weniger ausführlich Sigebert, De Script, eccl. 127 (ed. Miraeus, Bibl. eccl. p. 149). Die Schriften sind wegen ihres Charakters nicht weit verbreitet gewesen und wurden nicht viel abgeschrieben: in alten Katalogen fand ich solche nur zu Lobbes (Rev. d. bibl. 1, 12 N. 127) und in Egmond (Arch. v. Nederl. Kerk- geschiedenis 2,149), vgl. Neues Archiv 32, 685 f. Ueber die vorhandenen Handschriften vgl. Vogel 2,25—56. Danach sind auf uns gekommen: Monac. 6340 s. X. Laudun. 274 s. XII (Anfang). Bruxell. 5467 s. XL Bruxell. 5576—5604 s. XI—XII f. 128 b —130 a . Valentian. 834 s. X (ist die zweite im Katalog von Lobbes genannte Handschrift). Berol. Meerm. 50 (Phil- lipp. 1676) s. X enthält f. 1—23 a einige Predigten und kleinere Schriften und f. 23 ll ein (nach Rose eigenhändiges) Bruchstück 2 ) einer Klage Rathers, vgl.V.Rose, Die Meermanhss. d. Kgl. Bibl. zu Berlin S. 77 ff.; die Hs. war vielleicht als Geschenk Rathers an Deodericus von Metz gekommen, der sie aus Italien mitbrachte und dem Vincentiuskloster schenkte. Berol. lat. Q 336 s. X enthält das Fragment eines Briefes 3 ) an Balderich, s. Neues Archiv 4, 177 ff. Zum Inhalt zweier Veroneser Hss. (eines N. 17) vgl. die Vorrede der Ballerini p. VIII. XI und Vogel 2, 55. Eine Schenkung Rathers zugunsten von St. Peter in Verona bei J. Carini im Spicilegio Vaticano di documenti inediti e rari 1.9 f. — Ausgaben: edd. Petr. et Hieron. fratres Ballerini, Veronae 1765 = Migne 136,9—758; Nachträge zu dieser Ausgabe bei Vogel 2. 221 — 238. Ratherii episcopi "eronensis libriselecti. . . ed. Fr. Guil. Pistotheus Schoepf f, Dresdae 1860. Einige fragmentarische Briefe (an einen Grafen Ernst, an Odelrich von Bergamo, Gauslin von Padua und an Otto I.) veröffentlichte nach Rathers Konzept aus dem aus Verona stammenden Vatic. 4965 C. Cipolla in Studi e documenti di storia e diritto 24, 51—72; die Briefe gehören in die Jahre 962—968. Im allgemeinen vgl. G. Pavani, Un vescovo belga in Italia nel secolo decimo: studio storico critico su Raterio di Verona. Torino 1921. H. Bruders, Das literar. Interesse f. d. Laubacher Benediktiner Rather, Ztschr. f. kath. Theol. 42, 372—381. B. Schwark, B. Rather v. Verona als Theologe, 1916. 4. Adaiger. Ein Kleriker Adaiger, der vielleicht Bischof gewesen ist, 4 ) von dessen Lebensumständen man aber nichts weiß, richtete an eine geistliche Frau namens Nonsvinda ein Ermahnungsschreiben zur Tugend. Er hatte, wie ') Erwähnt wird es Discordia 8 (col. 628 B) scriptum quoddam quod nominal Iudicatum id est decretum. 5 ) Hrsg. von V. Rose. Die Meermanhss. der Kgl. Bibl. zu BerlinS. 80 f. 3 ) Hier wird angespielt auf Claudiani ep. 3 ad Olibrium und Terenz zitiert (Phorm. 5, 8, 87 sowie Andr. 5, 4,4) und die schon oben erwähnte Romulusfabel berührt (quasi ego ipse turbassem que a te ad me vetere illa fabula decurrebat aquam). 4 ) Hieran zweifelt die Hist. litt, de la France 5, 619, da Adaiger die Nonsvind mehrmals mater nenne. Mir scheint aber dieser Grund nicht stichhaltig zu sein. Adaiger. Gezo von Tortona. 53 er in der Vorrede sagt, schon mündlich sich mit ihr ins Einvernehmen gesetzt und ihr auf ihr "Verlangen christliche Belehrung zukommen lassen. Auf ihre Bitte verfaßte er dann eine Schrift in fünfzehn Kapiteln, die er Admonitio nannte. Er geht hierbei von der Liebe aus und kommt dann an der Hand alter Schriften auf die Demut und den Gehorsam zu sprechen, die er durch Geschichten aus den Vitae patrum seiner Schülerin erläutert. Über die Enthaltsamkeit im allgemeinen äußert er sich an der Hand einer Stelle der Historia tripartita, während er ihre einzelnen Arten 1 ) durch Beispiele aus den Vitae patrum und der Historia tripartita sowie aus Gregor dem Großen erweist. Die gleichen Quellen benutzt er für die Erläuterung der Mäßigkeit und der reuigen Gesinnung sowie der Beschaffenheit des Gebetes. Für den Kampf der Laster gegen die Tugenden wird Josephus verwendet, Isidor für die Ermahnung zum Bibellesen. Die zwei Schlußabschnitte über die Ermahnung zur Geduld und über die Hoffnung auf Verzeihung der Sünden beruhen fast ganz auf der Historia tripartita, die neben der Bibel und den Vitae patrum den Hauptstoff für das Werkchen geliefert haben, das Selbständigkeit ganz vermissen läßt und sich großenteils aus Exzerpten zusammensetzt. Zeugnisse. Der Titel des Werkes in Pez' Ausgabe heißt Adelheri episcopi admonitio ad Nonsvindam reclusam. 2 ) Zu Adaiger s. Hist. litt. 5, 649. Sein Verhältnis zu Nonsvind s. Migne, Patrol. 134,915B Memor igitur sunt . . . omnis studü tut . . . dum tecum de animae tuae sermocinarer profectu; zur Bitte ib. Tucte non immemor piae petitionis, 0 carissima maier, tibi ut rogasti scribere studui. Novi enim ardorem animi Uli erga scripturas divinas, novi tibi inesse Studium legendi. Zum Titel col. 916 B Quem sermonem ideo singulari numero admonitionem voco, quia quamvis multae sint virtutes . . . ad unam tarnen pertinent viam. Die Darstellungsweise ist äußerst schlicht, da Adaiger zu seinen Quellen keine Zutaten macht und deren einfachen Wortlaut meist sprechen läßt, wobei es sich häufig um Wunder handelt. Und diese Materie bringt es mit sich, daß der persönliche Ton fast ausgeschaltet wird, trotzdem sich Adaiger öfters unmittelbar an seine Schülerin wendet, und zwar besonders am Beginn der einzelnen Abschnitte. — Vgl. übrigens Fabricius 1,66. Ueberlieferung. Das Werkchen ist öfters abgeschrieben worden, wie die Zahl der heutigen Hss. erweist. Genannt wird es im Katalog einer unbekannten Bibliothek (Albeit von Schiriinge) s. XIII (Wiener Studien 6, 326) Adalgerus ad Nonsvindam und benutzt wird es im Anfang der ähnlichen Schrift des Albuin von Gorze, die an Heribert von Köln und an Arnald, den Kanonikus von Paris gewidmet ist, daraus ergibt sich, daß die Schrift aus dem 10. Jahrhundert stammt; vgl. hierzu Haureau, Journ. des Savants 1886 S. 685 (daselbst über den Irrtum von A. Molinier, der Albuins Werk im Trecensis 2247 mit der Admonitio verwechselte). Hss.: Paris. Mazarin 690, Paris. 2867 s. XIV, Virdun. 30, Mett. 234, Vindob 428 s. XIII. Monac. 18537 s. XV (aus Tegeinsee), vgl. Haureau, Journ. des Savants 1886 S. 684f. und V.Rose im Katalog der Berliner Meermanhss. zu N. 58. Ausgabe (nach Monac. 18537) von Pez, Thesaurus aneedot. 2,2, 19 ff. (= Migne 134,915—938). 5. Gezo von Tortona. Gezo war in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts Presbyter zu Tortona und trug sich mit dem Gedanken, die Heimat zu verlassen und in der Fremde als Einsiedler zu leben. Davon brachte ihn endlich sein Bischof Giseprand ab, der vielmehr in ihn drang, die Abtswürde über das von ihm zu errichtende Kanonikerstift zum hl. Martian zu übernehmen, falls er Mönch werden wolle. Gezo ging, obwohl ungern, darauf ein und wurde ') Nämlich die continentia oculorum, locu- tionis und vestitus. 2 ) Im Monac. 18537 a. 1469 f. 158 scheint (wenigstens nach dem Katalog) zu stehen Adelheri admonitio ad Nonsvindam de laude caritatis. 54 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Abt. Als solcher faßte er später nach dem Tode Giseprands — dieser scheint längere Zeit vor 998 gestorben zu sein — den Plan, für seine Mönche ein Werk über den Leib und das Blut des Herrn zu schreiben und es den Brüdern zu widmen. Dies Werk, das siebzig Kapitel umfaßt, hat sich erhalten. In der Widmung an die Brüder setzt Gezo seinen Plan auseinander, daß er nämlich das Beispiel des Paschasius Radbertus nachahmen wolle und passende Stellen aus den Werken der Väter zu einem Ganzen verbinden werde. Und zwar werde er dieselben Väter wie Paschasius benutzen, nämlich Cyprian, Hilarius, Ambrosius, Augustin, Gregor, Johannes (Diaconus), Isidor, Hesychius, Hieronymus und Beda. Die Schrift des Paschasius aber werde er fast ganz aufnehmen, wobei er allerdings an einigen Stellen mehr dem Sinn als dem Wortlaut folgen werde. Und um die in jenem Mysterium wirkende Gnade Gottes seinen Lesern reiner leuchten zu lassen, habe er noch eine Reihe Wunder zusammengestellt. Der Widmung schließt sich die Zusammenstellung der Kapitel an, wo die Überschriften mehrfach die benutzte Quelle angeben. Das Werk beginnt mit den Versus Odonis über das Abendmahl 1 ) und hieran schließen sich die Verse des Paschasius ad Placidium discipulum. 2 ) Die Arbeit scheint nun, wie die meisten dogmatischen Werke der Zeit, völlig unselbständig zu sein, indem wir es nur mit einer Aneinanderreihung von Zitaten aus den Werken der Väter zu tun haben. Gleich das erste Kapitel Quod humana infirmitas non facile debeat dicina discutere ist aus Hilarius de trinitate 10, 53f. genommen; es entspricht nämlich Vetat genealogiae bis et quod est non erat Hilarius bei Migne 10, 385 B bis 386 C, und die darin enthaltenen Abweichungen deuten oft eine bessere Überlieferung als der Druck des Hilarius an. Gleich hier im Anfange zeigt sich aber, daß Gezo an seiner Quelle weder Zutaten noch Abstriche macht, daß er ihr also genau im Wortlaut folgt. Weitere Abschnitte aus Hilarius sind Kap. 7 und 9. 3 ) Dasselbe Verhältnis zeigt sich bei den aus Cyprian entlehnten Stücken, die leider in Muratoris Ausgabe und danach bei Migne als aus bekannter Quelle nicht vollständig abgedruckt sind. Es handelt sich hier um Kap. 12, das aus der Schrift Quod idola dii non sint 8 (Hartel 1, 26, 6—15) stammt und nur unvollständig vorliegt. 4 ) Das Gleiche ist der Fall bei Kap. 37, das aus De lapsis 25 (Hartel 1, 255, 1—7) genommen ist und bei Kap. 46 aus Epist. 63 (Hartel 2, 701, 16—20); Kap. 54 ist aus De dominica oratione 4 (Hartel 1, 269, 1—7) genommen und Kap. 56 aus Epist. 11 (Hartel 2, 495). Kap. 13 ist aus Augustin in Joann. evang. tract. 80, 3 (Migne 35, 1840) mit verhältnismäßig wenig Abweichungen entlehnt. Die wichtigste Verwendung aber ist, daß Gezo, wie er selbst berichtet, das ganze Werk des Paschasius zur Eucharistie fast ungekürzt übernommen hat; da aber jene Kapitel 14—35 von 1 ) Migne 133,513. Die Lesarten bei Gezo j und 384B bis 385C (confiteri) ist Hilar. 3,2- (Migne 137,375) sind 2 Ut doceat. 4 prae- \ 3, 4 col. 76C bis 78 A. tulit. 6 sumptu. tarn perfacile. 10 huic. 4 ) Hier läßt sich aus dem Text erkennen, 2 ) Hierzu vgl. Traube PL. 3, 44 und über daß Gezo eine der Hs. B (Bamberg. 476 s. XI) die Lesarten den Apparat in Traubes Aus- ähnliche benutzt hat; in Kap. 37 scheint eine gäbe. Hs. vorgelegen zu haben die S (Paris. 10592 a ) Migne 381B bis 382D ist Hilar. de s.VI/VII) ähnlich war. hin. 2,24—28 bei Migne 10.66A bis 69A Gezo von Tortona. 55 Muratori nicht abgedruckt sind, so läßt sich .nur mit Hilfe einer Handschrift die Art der von Gezo benutzten Überlieferung des Paschasius erkennen. Die weiteren Quellen sind Ambrosius de spiritu sancto für Kap. 70, Briefe Augustins für Kap. 68 und 69, die Kirchengeschichte des Eusebius für Kap. 57, die Vitaepatrum für Kap. 43, Gregors I. Dialoge 1 ) für Kap. 49 —52, Bedas Kirchengeschichte für Kap. 64, Paulus' Langobardengeschichte für Kap. 67, die Wunder der hl. Walburgis des Wolfhart von Herrieden (58) und das Leben des hl. Syrus (39). Außerdem wird Kap. 44 ein Wunder aus dem Leben Gregors des Großen erzählt, aber viel ausführlicher und in vielen Punkten abweichend vom Bericht des Johannes Diakonus; 2 ) und da Gezo seine Quellen sonst wörtlich abschreibt, so scheint er hier einen erweiterten und abgeänderten Bericht des Johannes benutzt zu haben. Die Disposition des Werkes wird nun hauptsächlich durch seine Quellen bestimmt und ist keineswegs besonders folgerichtig getroffen. Das Werk wird durch eine Darlegung eingeleitet, daß die menschliche Schwachheit es nicht leicht habe, über göttliche Dinge zu reden. Die Ausführung über den mystischen Ursprung des Leibes Christi und über dessen Geburt aus dem Vater — dies wird übrigens in Kap. 6 nach andrer Quelle wiederholt — wird durch einen Abschnitt unterbrochen, in dem Gezo über die Fähigkeit des Menschen handelt, durch vergleichbare Dinge belehrt zu werden. Dann wendet er sich zur Substanz Gott Vaters und geht zur Geburt Christi aus Maria über. Aber auch hier unterbricht er die doxologische Christologie durch den mystischen Abschnitt, daß Christus durch seine Menschwerdung in uns weile und wir durch das Abendmahl in ihm wohnen. Die Christologie wird dann fortgesetzt und bevor Gezo nun zu mehreren Abschnitten über Gott und sein Wort übergeht, schaltet er wieder eine' Darlegung ein, daß auf menschliche Klugheit nicht zu bauen sei. Hierauf folgt nun das ganze Werk des Paschasius über die Eucharistie. 3 ) Die nächsten Abschnitte beschäftigen sich damit, was die zu gewärtigen haben, die den Leib Christi unwürdig empfangen, daß die Juden von jeder Versammlung von Christen fernzuhalten seien, und wie man sich zum Sakrament vorzubereiten habe. Dann handelt Gezo vorbereitend über die Enthüllungen Gottes an die Zweifler und leitet damit zu dem Judenwunder über (Kap. 42), von dem er eben erzählt hat, daß er es gelesen habe, während er die Erzählung mit den Worten beginnt, daß er sie von einem Juden gehört habe; 4 ) daraus ergibt sich, daß er die Erwähnung des mündlichen Berichtes einfach aus seiner Quelle mit abgeschrieben hat. Hierauf folgen hauptsächlich weitere Wunder und Revelationen, doch werden auch dogmatische Fragen aufgeworfen, z. B. welchen Toten der Opfertod Christi im Sakrament nütze. Dann werden Dinge erörtert, die sich auf den Kult beim Abendmahl beziehen, sowie kirchenhistorische Abschnitte bezüglich des Abendmahls. Nach einigen Stellen aus Augustinbriefen schließt Gezo mit der Darlegung über ') AuEierdeni Gregor für Kap. 47. 2 ) Vita Greg. 2, 41 (Migne 75,103B-D). 3 ) Zum Inhalt des Werkes vgl. Bd. 1,403 f. und 409 f. 4 J Eap.41 (Migne 137,893 B)quaedehuius- modi revelationibus nobis lectione comperta sunt und 42 col. 393 B Non incompetenter edere arbiträr illud, quod hactenue quodam Hebraeo dldici referente. 56 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. das Taufsakrament nach Ambrosius de spiritu sancto 1,3. So stellt sich das Werk als eine aus einer ganzen Reihe von Quellen angefertigte Erweiterung der Abhandlung des Paschasius dar, die zwar vielfach auf dogmatische Dinge eingeht, hauptsächlich aber Wunderberichte aufgenommen hat. Zeugnisse. Zeit und Umstände ergeben sich aus dem Vorwort (Migne 137, 371A) Dilectissimis fvatribus, quibus ex divina dispensatione . . . paternam impendo söllicitudinem Gezo dei . . . servus. Decreveram quidem olim . . . patriam parentesque velinquere et in ali- quod me conferre secretum . . . Quantum autem huic decreto . . . reverendae memoriae domnus Giseprandus illo tunc tempore noster episcopus et vi et auctoritate restiterit, non habetis incognitum, asserens non esse canonicum, ut relicta ecclesia, in qua nutritus et ordinatus fueram, meo arbitrio alio demigrarem, se vero numquam mihi ad ista praebiturum esse consensum, praesertim cum iam ipse decreverit, in proprio ecclesia, ubi b. martyris Martiani corpus humatum quiescit, monasterium construere, in quo si omnimodo statueram mutare propositum, et solitudo mihi non deesset . . . Quam ego pollicitationem . . . aegre suscepi . . . Praevaluit tarnen eins auctoritas . . . omni mihi instantia coepit imminere, ut totius loci curam susciperem . . . Suscepi itaque infirmis humeris grave pondus regiminis . . . occurrit animo de dominici corporis et sanguinis sacramento . . . vobis . . . poculum efficere . . . Sanctorum siquidem patrum scripta lectione percurrens . . . quicquid in eisdem . . . invenire valui, in unius libelli corpusculum compendiosa brevitate redegi . . . Imitatus in hoc opusculo Pas- chasium Batbertum, qui de hac eadem re Placidio cuidam suo discipulo libellum . . . com- posuit eosdetn ipse quos et ego secutus auctores, b. scilicet domini sacerdotes Cyprianum Hilarium Ambrosium Augustinum Qregorium loaunem Isidorum Isitium Hieronymum et Bedam. De quorum omnium scriptis quosdam sententiarum decerpsimus flores . . . Ipsius vero Paschasü libellum totum pene, sicut invenimus, ita in nostrum transtulimus, sensum eius potius in aliquibus locis quam verba sequentes et superflua quaeque vitantes. Ut autem tanti mysterii gratia liquid'ins et pur ins vestris mentibus . . . commendetur, miraculorum copiam congessi quae sanctis . . . olim dominus revelare dignatus est. Die engere Zeit ergibt Bischof Giseprand, nach Ughelli, Italia sacra (Venet. 1729) 4, 631 —33 Bischof von Toitona, vgl. Ughelli p. 631 Giselprandus sive Geriprandus seu Giseprandus . . . reperi enim Gisel- prandum Augustano concilio interfuisse anno 952 apud Baronium ex Canisio lectionum antiquarum; in einer Urkunde Ottos III. von 998 (MG. Dipl. 2, 729, 38) ist von ihm als längst Verstorbenem die Rede Audivimus etiam Giseprandum ') Terdonensem episcopum etc. Ueberlieferung. Mabillon (Museum Italicum 1,2,89) fand das Werk in einer Hs. des Monast. Padolironense und in der Minoritenbibliothek zu S. Croce in Florenz, 2 ) vgl. Mus. Ital. 1,1,207 und 1,1,164; Muratori (Anecdota 3, 240) entdeckte die Hs. Ambros, Q 98. Mabillon gab Mus. Ital. 1, 2, 89—95 Vorrede und Kapitelüberschriften heraus, das ganze Werk Muratori, Anecdota 3,242—303, danach Migne 137, 371; vgl. Muratori p. 239—241. 6. Burchard von Worms. Burchard stammte aus einer angesehenen Familie in Hessen und wird um 965 geboren sein. Nachdem er seine erste Bildung im Kloster zu Koblenz empfangen hatte, ging er nach Laubach, wo Olbert, der spätere Abt von Gembloux, sein Lehrer wurde. Von ihm wurde er in das höhere Wissen eingeführt und hier 3 ) mag er den Grund zu seinen logischen Studien gelegt haben, die später besonders in einer Abhandlung in Briefform über das Fasten des Moses und des Elias hervortraten. Dann begab er sich nach Mainz zu Willegis, der ihn zum Diakon und zum Propst von St. Viktor erhob und zum Kämmerer von Stadt und Bistum Mainz machte. Schon wußte man ihn am kaiserlichen Hofe zu schätzen und Otto III. zog ihn zeitweise in seine Umgebung. Seine Stellung als Kämmerer verschaffte J ) Ein Giseprandus iudex domni impera- I 3 ) Hier wird er auch, wie Sigebert de Script toris erscheint in zwei Urkunden Ottos L, eccl. 142 erzählt, kanonistische Studien genämlich 967 (MG. Dipl. 1, 468, 27 und 469, 24) und 970 (Dipl. 1, 544, 29 und 546,20). 2 ) Aber ohne Vorrede. trieben haben (eins magisterio ad hoc est provectus). Burchard von Worms. 57 ihm jedenfalls einen tiefen Einblick in die städtische Verwaltung, und daher erklärt sich wohl, daß er später für seine Stadt Worms ein Hofrecht erließ. Nämlich im Jahre 998 war Burchards Bruder Franco zum Bischof von Worms erhoben worden, und Kaiser Otto hatte dem 999 in Italien sterbenden Bischof versprochen, seinen Bruder zum Nachfolger zu ernennen; als Otto im Jahre 1000 nach Deutschland zurückkehrte, erlangte Burchard das Wormser Bistum, und sein rechtzeitiger übertritt zum neuen König Heinrich II. sicherte ihm dessen Versprechen, die herzogliche Burg in Worms zugunsten des Bistums preiszugeben. Und Heinrichs II. Nachfolger Konrad scheint einen ziemlichen Teil seiner Jugend bei Burchard in Worms zugebracht zu haben, da er von seinen eignen Verwandten übel behandelt worden war. Als dann Konrad 1024 in Kamba gewählt worden war, führte ihn sein Königsritt auch nach Worms, aber kaum einen Monat nach dem Besuche des Königs ist Bischof Burchard am 20. August 1025 gestorben. Diese engen Beziehungen des Mannes zu den Herrschern lassen seine Bedeutung erkennen, die sich auch durch die reichen Schenkungen kundgibt, deren sich das Wormser Bistum unter ihm zu erfreuen hatte. Seine feste und sichere Stellung der zeitgenössischen Welt gegenüber bekundet sich aber auch in zwei von ihm ausgehenden Arbeiten, die mehr juristischer Natur sind und unser Gebiet daher eigentlich nur wenig berühren. Doch ist die eine von ihnen von Mit- und Nachwelt zunächst mehr theologisch aufgefaßt worden, und da sie eine ungewöhnlich große Verbreitung erlangt hat, so sollen beide hier kurz erläutert werden. Und zwar handelt es sich um die große kanonistische Zusammenstellung und um das Hofrecht Burchards. Zeugnisse. Zur Abstammung Vita Burch. 1 p. 102,26') Erat igitur Burchardus in provincia Hassia genitus parentibus secundum seculi äignüatem non infimis {= Sulpic. Sev. Vita Martini 2, l). 2 ) Zur Berechnung des Geburtsjahres vgl. H. Grosch, Burchard I, Bischof zu Worms, Jena 1890, S. 5 f. Zur ersten Bildung Vita 1 p. 102, 27 Hie nempe puer com- mendatione parentnm apud Confluentiam canonice prinnim nutritus, deinde per loca diversa causa studii directus est. Olbert sein Lehrer vgl. Sigeberti Chron. 1008 (MG. SS. 6,354,48) collaborante sibi in hoc magistro sno Olberto; Folcuini contin. gest. abb. Lob. (D'Achery, Vet. scr. spicilegium 2 2, 744) quo tempore Olbertus nostrae congregationis monachus Burchardo Leodiensi canonico postea Wormatiensi episcopo a Balderico Leodiensi episcopo conceditur; diese Nachricht, in der das Lütticher Kauonikat Burchards unrichtig ist, 3 ) bezieht sich auf spätere Zeit, als Burchard mit seiner kanonischen Sammlung beschäftigt war; vgl. aber daselbst Burchardus magistri sui non oblitus; Sigebert de Script, eccl. 142 (p. 152 ed. Miraeus) Burchardus episc. Wormat. eins (seil. Olberti) magisterio ad hoc est provectus. Auf den prinzipiell gehaltenen, nach der Logik der Schule schmeckenden Teil des Briefes (Boos p. 119, 5—19 in der Vita c. 19) wurde schon oben aufmerksam gemacht. Zu Willegis vgl. Vita 1 p. 102, 30 postea vero Willigiso Moguntinensis sedis . . . archiepiscopo se adiunxit; 2 p 103,10 ad diaconatus ordinem ab . . . Willegiso sublimatus est et loco cuidam pauperrimo prae- positus est.. . saneti Victoris extra muros. 21 Willigisus . .'. sibi familiärissimum elegit et suae camerae magistrum et civitatis constituit primatem. Verhältnis zu Otto III. c. 2 p. 103, 28 ad aures imperatovis Ottonis tertii notitia eins pervenit, qui . . . valde cum dilexit et saepe ad se venientem clementer snseepit ac diversis donis onustum honorifice remisit, gratiam sibi prominens esse futuram. Zu Bischof Franco vgl. Vita 3, zum Versprechen Ottos 3 p. 105, 4—12. Uebertragung des Bistums an Burchardo p. 106, 10-20, die Weihe 6 p. 106, 22—25. Daß Worms bei seinem Antritt des Bistums völlig verwildert und höherer Kultur bar gewesen sei, sagt zwar sein Biograph c. 6 p. 107, 1—18. aber das ist wohl starke Ueber- treibung zugunsten Burchards, denn sehr tüchtige Kirchenfürsten hatten ihre Bildung in ') Ich zitiere nach der Ausgabe von H. Boos, Quellen zur Gesch. der Stadt Worms 2,99—126. 2 ) Da der Satz Entlehnung ist, darf nicht allzuviel Gewicht darauf gelegt werden, wie H. Grosch S. 7 tut. 3 ) Ebenfalls unrichtig ist, daß Burchard das Werk schon als Kanoniker begonnen habe. 58 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Worms erhalten wie Papst Gregor V. (vgl. dessen Epitaph bei L, Duchesne, Liber Pontificalis 2,263 Vs. 5 Lingua Teutonicus Wangia doctus in urbe, Sed iuvenis cathedram sedit aposto- licam) und wie Heribert von Köln (vgl. Vita Heriberti 3 MG. SS. 4,741,45) ac pro hoc Wor- maciae idoneispersonis contradunt eum . . . ubi cum exteriori disciplina utriusque testamenti imbueretur paginis. Uebertritt zu Heinrich IL und dessen Versprechen 9 p. 109, 16 — 23. Aufnahme des jungen Konrad 7 p. 108, 5—10, vgl. 21 p. 123, 9 f. Besuch Konrads II. in Worms 21 p. 123, 14—26. Tod Burchards 23 p. 125,10f., zur Datierung vgl. H. Boos 1,40,7 und 2, 125 n. 6. Zu den Schenkungen an Worms vgl. H. Grosch S. 26 ff., besonders S. 27, wo die Urkunden Ottos III. und Heinrichs II. angeführt sind. Eine kleine Schrift Burchards, die Beantwortung der Frage eines Mönches nach dem Fasten von Moses und Elias, hat Burchards Biograph anscheinend wörtlich in das Leben als Kapitel 19 (Boos p. 118—121) aufgenommen, wie er auch das Schreiben jenes Mönches mit der Bitte an Burchard als Kapitel 18 aufnahm. Geber das Leben im allgemeinen vgl. Herrn. Grosch, Burchard I., Bischof von Worms, Jena 1890. A. M. Koeniger, Burchard I. von Worms und die deutsche Kirche seiner Zeit, München 1905. Wattenbach 1, 398. Kanonische Sammlung. Die erste Veranlassung zu diesem bedeutenden Werke scheint der Wormser Propst Brunicho gegeben zu haben, dem das Werk auch gewidmet ist. Burchard wendet sich an ihn in einem ausführlichen Widmungsbriefe, wo er gleich anfangs der frühzeitigen und wiederholten Aufforderung Brunichos gedenkt. Die wirkliche Ursache habe darin gelegen, daß die kanonischen Vorschriften und die Formen der Buße im Wormser Sprengel in völlige Verwirrung geraten und äußerst verschieden, ja zum Teil sogar ganz vernachlässigt gewesen seien. Und diese Verschiedenheit wie auch die Unwissenheit der Priester habe zu schlimmen Verhältnissen geführt, und um die Bußvorschriften auf gleichen Fuß zu bringen und der Unwissenheit des Klerus aufzuhelfen, habe Brunicho ihn zur Abfassung des Werkes gebeten, das nun von den Jüngeren gelesen werden solle; denn diese müßten ja erst Schüler sein, bevor sie dem Volke zu Beratern würden. Er habe die Vollendung des Werkes freilich lange hinausschieben müssen, da ihn die täglichen Arbeiten für seine Kirche und die weltlichen Dinge im Dienste des Kaisers daran gehindert hätten. So habe er nun die Synodalvorschriften und die kirchlichen Satzungen aus den Sprüchen der Väter und aus den kanonischen Schriften gesammelt und in zwanzig Büchern niedergelegt zu Nutz und Frommen des Klerus und man möge sein Werk nicht als bloße Sammelarbeit verachten. Und es werde ihn nicht bekümmern, wenn es nur in seinem Sprengel in Gebrauch kommen werde. Übrigens solle man überzeugt sein, daß er selbst nichts in dem Werke hinzugefügt habe, das also nur aus Auszügen der kirchlichen Überlieferung bestehe und nach seiner Ansicht also Anspruch auf dauernde Geltung habe. An diesen Brief schließt dann Burchard ein Verzeichnis seiner Quellen, worin das kanonische Recht, die Beschlüsse der Konzilien, die Papstdekrete, die Bibel, die Kirchenväter und drei ältere Poenitentiale genannt werden. Die Quellen sind hier nur summarisch angeführt, eingehendere Untersuchungen, die von A. Hauck 1 ) und M. Conrat 2 ) angestellt wurden, haben ergeben, daß die (ungedruckte) Collectio Anselmo dedicata, Reginos 3 ) De synodalibus causis, Pseudo-Isidor, Benedictus Levita, das Registrum Gregorii, Kapitularien und päpstliche Urkunden von Burchard ausgezogen wurden, der außerdem eine Menge Konziliarakten (vgl. Hauck ') Berichte über die Verhandl. d. Sachs. Ges. der Wissenschaften 1894 S.67 — 69. 2 ) Gesch. der Quellen und Literatur des röm. Rechts im früheren Mittelalter 1,261. 3 ) Vgl. Bd. 1, 696-699. Burchard von "Worms. . 59 S. 67) benutzte und sich sogar vielleicht der griechischen Kenntnisse seines Mitarbeiters Olbert bediente, 1 ) um griechische Texte zu verstehen. 8 ) Nämlich Burchard hat bei dieser umfänglichen Arbeit anscheinend recht ausgedehnte Unterstützung gefunden: sein Biograph nennt als Berater den Brunicho, als Helfer den Bischof Walther von Speier, während wir von anderer Seite wissen, daß Balderich II. den Mönch Olbert, den Lehrer Burchards, an diesen nach Worms zu seiner Unterstützung sandte. Da nun Olbert 1012 Abt in Gembloux wurde, so haben Burchards Arbeiten an dem Werke vor diesem Jahre eingesetzt, während das Ganze wohl erst einige Jahre vor Burchards Tod vollendet wurde. Das Werk selbst — es hieß vielleicht Decretorum libri viginti, in späterer Zeit wurde es einfach Burchardus, auch Brocardus genannt — will dem in der Seelsorge beschäftigten Wormser Klerus und den Kandidaten des geistlichen Amtes eine ausführliche Anweisung in Sachen der kirchlichen Disziplin geben. Freilich stellt sich Burchard durchaus auf den Standpunkt des deutschen Bischofs, trotzdem er Pseudo-Isidor benutzt: an der Spitze der Reichskirche steht der König, dem Papste wird keineswegs die Herrschaft über dieselbe zugestanden. 3 ) Burchard will eben den gegenwärtigen Rechtszustand festlegen und darin spielte der Papst keine große Rolle. Die hiermit in Zusammenhang stehenden Fragen gründlich erörtert zu haben, ist kein geringes Verdienst von A. Hauck, 4 ) der ein für allemal die Ansicht widerlegt hat, als habe Burchard mit seinem Werke eine bestimmte kirchenpolitische Tendenz verfolgt. Nämlich der gelehrte Bischof ist in der Vorrede an Brunicho nicht ganz wahr, es sind ihm nicht nur Flüchtigkeitsfehler passiert, sondern er hat auch allerhand Streichungen vorgenommen. Er paßt außerdem ältere Sätze den jüngeren kirchlichen Anschauungen an, er gestaltet sie um nach den politischen und rechtlichen Zuständen Deutschlands und verändert sie entsprechend der kirchlichen Lage der Zeit. Also er sammelte nicht nur, sondern er bearbeitete auch und dabei hat er die Absicht verfolgt, das kirchliche Recht und den tatsächlichen Zustand ins Einvernehmen zu setzen, so daß das Recht ohne Verletzung feststehender Überzeugungen dem Zustand angepaßt wurde. Und wie er die Rechte des Königs ebensowenig beschränken wie die des Papstes ausdehnen wollte, so kam es ihm nicht in den Sinn, die Macht der Bischöfe stärken zu wollen. Er steht also auf einem andern Standpunkt als die pseudo-isidorischen Fälscher des 9. Jahrhunderts, da es ihm auf Neubildung des Rechts nicht ankommt. So ist das Werk ein höchst bedeutendes geschichtliches Zeugnis für die gewaltige Machtsphäre, die das deutsche Königtum durch die Ottonen errungen hatte. Aber es bietet auch kulturhistorisch nicht wenig Interessantes. Allerdings muß bei allen Vorschriften erst die Quelle 5 ) und deren Zeit erörtert werden. Hauptsächlich gibt das 19. Buch, dem Burchard den Namen „Kor- ') Vgl. Hauck a. a. 0. S. 68 f. von'A. Hauck, Kirchengeschichte Deutsch- 2 ) Römisches Recht scheint hingegen von Burchard nirgends unmittelbar aus den Quellen entlehnt zu sein, da die Stellen des Breviars alle aus Regino stammen, vgl. M. Conrat a. a. 0. S. 261. 496 C). 3 ) Vgl. die klaren Auseinandersetzungen lands 3, 438 f. 4 ) In den Leipz. Berichten S. 69—86. 5 ) Anfang zur Quellensichtung ist gemacht von D. Blondellus (bei Migne 140, 494D bis 60 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. rektor" beilegte, einen tiefen Einblick sowohl in das sittliche wie auch in das religiöse Leben der Vergangenheit; nur wird man sich in vielen Beziehungen hüten müssen, nach den darin enthaltenen Strafvorschriften auf das Leben der Deutschen im 11. Jahrhundert allgemeine Schlüsse zu ziehen. Zeugnisse. Widmung (Migne 140,537) Burchardus eccl. Wormat. episcopus Bru- nichoni fidelissimo suo et eiusdem ecclesiae praeposito. Zur Bitte Brunichos (col. 537 A) A multis seine diebus et saepe ') quidem familiaritas tna . . . hortando a nobis contendit ut utile aliquod opus . .. ad necessarium ecclessiae nostrae deservientium usum . . . colligerem. Ursache daselbst Et id quidem vel ea ratione maxime flagitare videbaris, quod canonum iura atque poenitentium formae in nostra quidem dioecesi adeo confusa sint atque inter se discre- pantia, ut mit ex toto neglecta aut omni pene auetoritate destituta . . . appareve possint. Qua de causa saepe aeeidit, ut ad poenitentiae remedium confugientibus cum ob canonum descriptionem confusam tum ob presbiterorum nostrorum ignorantiam non facile subveniatur. .. . Et quia hoc res ita habet, eo me dilectio tua rogavit, ut opellam hanc congestam iunioribus nostris legendam proponerem, quo ipsi in idonea nimirum aetate ea discant, quae . . . ante- cessorum negligentia non attigit, utpote decentissimum fore existimans, ut quis cum omni probitate se discipulum prius exhibeat, quam doctoris auetoritatem apud vulgum fernere prete- sumat. Zum Aufschub (col. 539 A) siquidem duae impediverunt me causae . . . quarum al- teram inevitabiles ecclesiae nostrae necessitates attulerunt . . . Altera ex gravibus saecularium rerum curis oboritur, ad quas inviti imperialium mandatorum onere pertrahimur. Zum Werk (539B) Nihilominus . . . synodalia praeeepta sanetaque instituta tarn ex sanetorum patrum sententiis quam ex canonicis scriptis . . . collegi. Eaque . . . viginti libris distinxi . . . (540 A) Quamobrem hunc meum läborem nemo ut collecticium aspernetur . . . Quare etiam si nostrae provinciae limites non exierit, nihil omnino aegre fevemus, modo nostrorum mini- strorum manibus teratur. Zur eignen Arbeit (col. 541B) Porro legentihus etiam id persuasum esse cupimus, nihil de meo in hoc opere additum, esse sed ex divinis testimoniis scripturarum singula esse decerpta ea seine fiele, ut perpetuam auetoritatem habitura non dubitem. Das Quellenverzeichnis col. 539B. Zur Beihilfe Vita Burchardi c. 10 (ed. Boos p. 111, 10) Domino Walthero Spirensi episcopo adiuvante et Brunichone praeposito exhortante et suggerente canones in unum corpus collegit, bezüglich Olberts vgl. oben die Stellen aus Sigebert und der Fortsetzung Folcvins; Sigebert De Script, eccl. 141 (ed. Miraeus p. 152) spricht von dem Werke Burchardus . . . magnum canonum volumen, quod a nomine ipsius Burcharelus de- nominatur, multo studio composuit, quod testimoniis omnium autenticorum conciliorutn et decretis Romanorum pontificum et sententiis omnium pene catholicorum patrum auetorieavit, ex quo adhuc omnium conciliorutn decreta auetorizantur und setzt bei Olbert (ib. 142 p. 152) hinzu et eo maxime, quod Burchardus episcopus Wormatiensis eius magisterio ad hoc est provectus, ut ita ecelesiasiieae utilitati intenderet et eius studio ore et manu illud magnum canonum volumen . . . ederet. Aus diesen Worten geht die starke persönliche Unterstützung durch Olbert klar hervor. Daß die Benennung des Werkes Burchardus (auch Brocardus, Bucardus) frühzeitig eintrat, erzählt Sigebert (vgl. oben) und die meisten der Aufschriften in alten Katalogen ergeben diese Tatsache; später scheint sogar der Name des Bischofs vergessen zu sein und nur noch als Buchbezeichnung gedient zu haben, vgl. den Katalog von Konstanz 1343 (P. Lehmann, Mittelalt. Bibl.-Kat. Deutschlands etc. 1, 196, 19f.) Liber qui intitulatur Burchardus per quendam episcopum Wormaciensem conpositus: zu den allen Aufschriften vgl. Manitius, Neues Archiv 32, 685, wo hinzukommt Fleury 1552 (Notices et Extr. 31,1,432 N. 129). Aus diesen und anderen Aufschriften ergibt sich übrigens die Tatsache, daß Burchards Werk auch in Frankreich verbreitet gewesen ist wie in Deutschland, obwohl es doch für deutsche Verhältnisse erlassen wurde. Handschriften sind häufig, vgl. H. J. Schmitz, Die Bußbücher und die Bußdisziplin der Kirche S. XII ff.; Koeniger S. 6 f.; die älteste Hs. ist vielleicht Vatic. 1355 s. XI, der nach Bethmann (Archiv 12, 226) vielleicht in die Zeit Burchards hinaufreicht, aber nach dem dort angegebenen Umfange (f. 1 — 34) kaum vollständig ist. Außerdem Colon. CXIX s. XI (Anfang und Ende unvollständig) 2 ) und ein Friburgensis aus dem Jahr 1034 — 1046. Ausgaben: Coloniae 1548; 3 ) Paiis 1549 ap. Io. Foucherium. Migne 140,537—1058. Vgl. Wattenbach 1,398 und E. Friedberg, Aus deutschen Bußbüchern, Halle 1868; zu Buch 19 vgl. Manitius in „Deutschland, Monatsschrift f. d. ges.Kultut" Bd. 5, 698—703. Grosch a. a. O. S. 61—78. P. Fournier, Etudes critiques sur le decret de Burchard de Worms, Paris 1910. ') Vgl. hierzu (col. 539 A) tuam exhortatio- nem mihi saepius inculcatam. 2 ) So enthalten auch nur Teile des großen Werkes das Poenitentiale im Dresd. A 118 s. XII f. 1—48 und Monac. 2593 s. XIII f. 157 bis 186. s ) Vgl. hierüber H. Grosch, Burchard I. S. 59 f. Bern, von Reichenau. 61 Wormser Hofrecht. Im Prolog zu diesem 32 Kapitel umfassenden Schriftstück sagt Burchard, daß er sich wegen der beständigen Klagen der Unterdrückten und wegen der häufigen Benachteiligungen, denen die Untergebenen des Bistums ausgesetzt seien, mit seinem Klerus, seinen Vasallen und seinen Grundholden 1 ) die folgenden gesetzlichen Bestimmungen auszuarbeiten bewogen gesehen habe, damit niemand seinen Untergebenen ein Unrecht zufügen könne, sondern auf daß dasselbe Gesetz für reich und arm gleiche Geltung habe. Dies Gesetz ist die erste schriftliehe Aufzeichnung hofrechtlicher Bestimmungen und gibt auch die frühesten Bestimmungen stadtrechtlicher Natur, es bildet ein Bindeglied zwischen den Anschauungen der alten Volksrechte und denen der späteren Rechtsbücher. 2 ) Es enthält namentlich Bestimmungen aus dem Besitzrecht, dem Eherecht und dem Strafrecht, Verordnungen über die Gerichtsbarkeit und über den Prozeß sowie Angaben über das gebotene und ungebotene Ding. Wenn nun auf der einen Seite das Streben Burchards deutlich durchdringt, der Herr seiner Untergebenen zu werden, so finden sich doch andrerseits viele Bestimmungen, die auf möglichst humane Behandlung der Untertanen hinausgehen. 3 ) Und wenn auch im allgemeinen das schon bestehende Recht normiert sein dürfte, so wird doch auch darüber hinausgegangen, indem neue Grundsätze aufgestellt werden. Hieran knüpft sich auch die Frage nach der Entstehungszeit des Gesetzes, denn man hat nachgewiesen, daß es erst 1024 oder 1025 verfaßt sein kann, da es in Kap. 30 mehrere Sätze aus einer rechtlichen Urkunde Heinrichs IL vom Jahre 1023 benutzt. 4 ) Jedenfalls wurde das Endziel, das sich Burchard bei dem Erlasse gesetzt, durch das Gesetz erreicht, nämlich Rechtsunsicherheit und Rechtsungleichheit beseitigt und der Schwache gegenüber dem Mächtigen geschützt. Um das Jahr 1116 wurde das Gesetz von dem Domscholaster Hermann zu Worms in das Wormser Chartular aufgenommen und mit kurzem Vorwort versehen, das auf Ruhm und Preis Burchards hinausläuft. Zeugnisse. Der Prolog zum Gesetz vgl. H. Boos, 5 j Quellen z. Gesch. d. Stadt Worms 2.40,10—17; hier 11 propter assiduas lamentatiönes miserorum et erebras insidias mul- tonim . . . cum consilio cleri et militum et totius familiae has iussi scribere leges, ne ali- quis . . . novi aliquid subinferre posset sed una eademque lex diviti et päuperi .. . omnibus esset communis. Zur Benutzung der Urkunde Heinrichs II. und zur Entstehungszeit vgl. K. Koehne, Der Ursprung d. Stadtverfassung in Worms, Speierund Mainz, Anh. 11 S. 387 —391 (daselbst sowie bei H. Grosch a.a. O. S. 32 und n. 10 über den Titel des Gesetzes) und L. Weiland, Constitutiones imperii 1,640. Ueberlieferung: Darmst. Archiv, Vidimationsbuch 8. XVII f. 46: Chartul. Wormat. im Hannov. XVIII. 1020 s. XII f. 25^; Darmst. Archiv im Chartul. Wormat. s.XV f. 10. Ausgaben: H. Gengier a. a. O. S. 5 ff.; H. Boos a. a. 0. 2. 39-45; L. Weiland, MG. Constitutiones imperii 1, 640—644. Vgl. H. Grosch, Burchard 1., Bischof von Worms S. 31—54. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands 3,436. 7. Bern von Reichenau. Berns — der Name lautet latinisiert Berno — Herkunft ist unbekannt. Jedenfalls wurde er als junger Mann von dem wissenschaftlichen Ruhme *) Die familia s. Petri; es sind die dem Bischof untergebenen Unfreien. 2 ) Vgl. H. Gengier, Das Hofrecht des Bischofs Burchard von Worms, Erlangen 1859, S. 2. 3 ) Eine ausführliche Würdigung geben H. Gengier a. a. 0. und H. Grosch a. a. 0. S. 35-54. 4 ) Nämlich Constitutiones imperii ed.Wei- land 1, 17,20-ff. s ) Ich zitiere nach dieser Ausgabe. 62 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Fleurys angelockt, denn er wurde dort Mönch und mag jener berühmten Stätte nicht wenig von seinen literarischen Kenntnissen verdanken; noch im Jahre 999 ist er in Fleury nachweisbar. In einer kleinen Schrift erwähnt er, daß er zu Fleury einem Streite zwischen den dortigen Brüdern und den Kanonikern von Orleans beigewohnt habe, wobei schließlich die- Mönche mit ihrer Anschauung über den Anfang der Adventszeit den Sieg davongetragen hätten, als man den Streit auf einer Provinzialsynode zu Orleans schlichten wollte. Von Fleury wandte sich Bern nach dem Kloster Prüm in Lothringen, das in der Wissenschaft ebenfalls einen hervorragenden Rang einnahm. Seines Bleibens scheint hier aber nicht lange gewesen zu sein, denn im Jahre 1008 erhob ihn Heinrich II. zum Abt von Reichenau. Wahrscheinlich stammte Bern aus einer hervorragenden Familie und da er sich des Rufes großer Gelehrsamkeit erfreute, so mochte ihm der König die Leitung dieses bedeutenden Klosters anvertrauen, dessen Abt Immo soeben von ihm wegen seiner grausamen Härte abgesetzt worden war. Bern wurde in Reichenau mit Vertrauen aufgenommen und er ging sofort daran, die Brüder, die sich aus dem Kloster entfernt hatten, zurückzurufen. Die Weihe empfing er durch Bischof Lantbert von Konstanz und vierzig Jahre stand er nun, durch Wissen und Frömmigkeit gleich ausgezeichnet, dem Kloster vor. 1 ) Er gehörte nun zum hohen Reichsklerus und stand fortan mit seinen Standesgenossen wie auch mit dem Hofe und dem Könige in Briefwechsel. Leider hat sich davon nicht viel erhalten, aus den Resten seiner Korrespondenz erkennt man aber den hochstehenden Herrn, der den Erzbischof Gero von Magdeburg in seinen Amtspflichten unterweist, der an Kaiser Heinrich IL, dessen Krönung er in Rom beiwohnte, voll tiefer Verehrung und Dankbarkeit schreibt und sich Kunde über dessen Gesundheitszustand sowie über den Erfolg des Krieges von ihm ausbittet, der den Reichenauer Mönchen Verhaltungsmaßregeln nach dem Tode des Bruders Heinrich zukommen läßt und den Tod dieses Mönches einem Freunde bekanntgibt, der mit vielfältigen Zitaten aus Ciceros Laelius einen Bischof über den Begriff der Freundschaft unterweist, vielleicht denselben Bischof um Reliquien und Wunder des hl. Ursus und einen Kuno um ein Stück des Leibes von diesem Heiligen bittet, der einem andern Bischof über den Thronwechsel und Wahltag im Jahre 1024 schreibt und in einer gelehrten Abhandlung an Pfalzgraf Friedrich an der Hand von Cassiodor und Prosper dem Cassian Unrichtigkeiten bezüglich seiner Auffassung des menschlichen freien Willens nachweist. Eine besondere literarische Ausbeute gewähren diese Briefe zwar nicht, sie lassen aber erkennen, daß der hohe Klerus im Reiche zu jener Zeit neben den großen Verwaltungsaufgaben, die er zu lösen hatte, doch auch noch in selbständiger Weise an den theologischen Fragen teilnimmt. Aber auch mit den ersten Kirchenfürsten Deutsehlands ') Daß er sehr darauf bedacht war, dem Veringen beklagt. Der Brief steht im Carol. Kloster abhanden gekommene Güter zurück- Augiens. 146 s.XII f. 112 b und ist von A.Hol- zugewinnen, zeigt der an Wernher I. von der a. a. 0. 13, 630 f. herausgegeben. Er ge- Straßburg (vgl. hierzu A. Schulte, Ztschr. hört in die Zeit von 1024—1027. Eine Ur- f. d. Gesch. d. Oberrheins N. F. 3, 351 gegen künde Berns findet sich verdeutscht bei Gallus A. Holder, Neues Archiv 13, 630) gerichtete i Oehem ed. Brandi, p. 80,33.ff. Brief, in dem er sich bitter über Wolfrat von | Bern von Reichenau. 63 unterhielt Bern Briefwechsel, der besonders deshalb wichtig ist, weil sich an ihn mehrere seiner größeren Schriften anknüpfen. So sandte er an Erzbischof Aribo von Mainz um 1021 eine Schrift, in der er im Gewände eines Dialogs die Quatembertage zeitlich bestimmt; seine Festsetzung dieser Termine wurde denn auch von Aribo 1022 auf einer Synode in Seligenstadt übernommen. Mindestens fünf Jahre später widmete er dem Aribo eine Schrift, die darauf Antwort geben soll, ob, wenn Weihnachten auf einen Montag fällt, der vorhergehende Sonntag als Vigilie des Festes oder als vierter Adventssonntag zu betrachten sei; in einer kurzen Antwort bestätigte der Erzbischof dankend die Richtigkeit der darüber vom Abte gegebenen Bestimmung. Wahrscheinlich etwas später wurde Bern vom Erzbischof Piligrim von Köln zu einem Werke über Musik aufgefordert, und Bern widmete ihm daranf seinen Tonarius, den er mit einer großen Einleitung versah, der er einen hübschen, allerdings etwas wortreichen und mit Zitaten geschmückten Brief voranstellte. Auch zu Heinrich III. gelangte Bern in ein näheres Verhältnis, denn aus einem an diesen König 1044 gerichteten Schreiben geht hervor, daß dieser im Besitze der Schriften Berns gewesen ist. 1 ) In diesem Schreiben überreichte Bern dem Könige zwei von ihm verfaßte Predigten, eine über das Epiphaniasfest und die andere über das Abendmahl. Wenn er in dieser letzten sich zu einer Auseinandersetzung über die wahre Buße wendete, so traf er hier mit der Gesinnung Heinrichs III. zusammen, der jedenfalls an der mystischen Gleichstellung der Zeitereignisse mit biblischen Erzählungen in dem Schreiben seine Freude hatte. Bern geht nämlich nach weitschweifigen biblischen Ergüssen vom Siege Heinrichs an der Raab (4. Juli 1044) und von der Usurpation Abas — er heißt hier Ovo — aus und begleitet diese Ereignisse mit einer großen Zahl von hauptsächlich alttestamentlichen Stellen, die zum Vergleiche herangezogen werden. Im weiteren Verlaufe des Schreibens erbittet Bern des Königs Verzeihung für die frühere Äbtissin Hirmingart von Zürich, die wegen Verletzung des Keuschheitsgelübdes abgesetzt worden war. Er stellt dem Könige den bedauernswerten Zustand der Gefallenen vor und wendet sich zugleich an die Königin Agnes, die ihren Gemahl bitten möge, die reuige Sünderin wieder in ihr Amt einzusetzen. Es ist unbekannt, ob Heinrich III. dieser Bitte nachgegeben hat, aber vier Jahre später war er bei der Weihe der neuen Stiftskirche in Reichenau anwesend. Kurz darauf starb Bern am 7. Juni 1048, nach fast vierzigjähriger Regierung. Er hatte in dieser langen Zeit nicht nur materiell für sein Stift vortrefflich gesorgt, sondern auch durch sein eignes Beispiel der hier neu erblühenden Wissenschaft den Pfad geebnet: lebte ja hauptsächlich unter seiner Amtsführung der größte Gelehrte der Zeit, Hermann der Lahme, als Mönch in Reichenau. Zeugnisse. Zum Namen vgl. Herimanni Chron. 1008 (MG. SS. 5, 119), 1032 p. 121 und 1048 p. 128, wo übereinstimmend Bern steht; dieselbe Form in der Widmung von Qualiter adventus domini etc. (Migne 142, 1079B) und in der Widmung des Dialogs über die Quatemberfasten (col. 1087C). Zum Aufenthalt in Fleury vgl. De initio adventus domini ') Archiv f. Kunde Österreich. Geschichtsquellen 20,200 ut si dignum ducüis, Mos nostria scriptis adnecti iubeatis. Der ausführliche Brief steht im Heidelberg. 9 XX s. XII, abgedruckt — ohne die beiden Predigten — von Strehlke, Archiv etc. 20,191—206 mit Einleitung. 64 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. {col. 1087 B) Contigit namque quodam anno mediante decennovenalis cycli curriculo ut Aure- Hanenses canonici . . . in VI Kai. Dec. adventum domini inchoarent . . . Et nos Floriacenses fratres, monachi videlicet b. patris Benedicti initium fecimus adventus domini (nämlich III. Non. Dec.) . . . coeperunt ipsi Aurelianenses valde inter se mussitare et nos incaute ar- guere . . . Et quia sine praesentia eiusdem urbis episcopi finiri non potuit, placuit sine mora omnibus Francigenis episcopis apud iam dictum urbem concilium super adventu domini agere; diese Synode fällt ins Jahr 999, vgl. Eist.'litt. 7, 376 (576). Außerdem De offlc. missae 3 (col. 1061D) Nam dum apud Gallos essem constitutus, non modicam super hac re quaestionem cognovi exortam in itlis regionibus, 1 ) und De initio adv. domini (col. 1087 A) Haec sunt, quae apud Gallos positus ■ . ■ non inutiliter mihi corrasi. Die spätere Zugehörigkeit zu Prüm bezeugt Hennann von Reichenau in seinem Chronicon 1008 (MG. SS. 5, 119) Bern virum doctum et pium Prumiensem monachum und der sog. Anon. Mellicensis 81 (ed. Ettlinger p. 81) Bern musicus vir pms ac doctus in monasterio Prumensi sub monastica professione deguit. Zur Uebertragung der Abtswürde vgl. Chron. SS. VI 19, 8 Ipso anno Heinricus rex cognita tandem post duos annos Ymmonis crudelitate remoto eo Bern virum doctum et pium Prumi- misem monachum Augiae constituit abbatem. Qui gratanter susceptus fratres dispersos recol- ligit et a Lantperto Constantiense episcopo abbas eins loci 29 mus consecratus magna insignis scientia et pietate praefuit annis 40. Bischof Warmann von Konstanz tadelte übrigens später an ihm, daß er durch päpstliches Privileg das Recht erlangt hatte, die Messe in bischöflicher Kleidung zu lesen, und ruhte nicht, bis es ihm mit Beihilfe Kaiser Konrads II. gelang, den Abt zur Rückgabe des Privilegs zu bewegen, das er dann in öffentlicher Synode zu Konstanz 1033 verbrennen ließ; vgl. hierzu Hermanns Chronik 1032 (MG. SS. 5, 121, 26 ff.). Man sieht daraus erstens wie eifersüchtig die Bischöfe über ihre Standesvorrechte wachten und wie wenig die päpstliche Gewalt damals galt, als die deutschen Könige das Recht hatten, die Päpste ein- und abzusetzen. Der Brief an Gero — Bern nennt ihn gegen das Ende Jero, um das recht unpassende Wortspiel Jero-salem anzubringen — ist Ep. 2 col. 1159; Bern kannte Gero wohl aus der königlichen Kapelle 2 ) und mag den Brief etwa 1013 geschrieben haben. 3 ) Denn daß das Schreiben aus dem Anfang von Geios Amtszeit stammt, ergibt sich daraus, daß ihm Bern Ratschläge darüber gibt, wie er sich in seinem Amte verhalten solle. Bern beklagt sich hier, daß ihm von Seiten hoher Geistlicher beim Könige J ) entgegengearbeitet werde und er allerhand Unbill erleiden müsse. Der Brief an Heinrich II. ist Ep. 3 col. 1161; die Anwesenheit bei der Krönung 1014 ergibt sich aus Deoffic. missae 2 (col. 1060 D) quod Romani usque ad haec tempora divae memoriae Henrici imperatoris nullo modo ceci- ■nerunt. Sed ab eodem interrogati, cur ita agerent, me coram assistente, audivi eos huius- modi responsum reddere . . . At dominus imperator non antea desiit quam omninm consensu id domino apostolico Benedicto persuasit ut ad publicum missam illud decantarent. Daß der Brief noch 1014 geschrieben wurde, ergibt sich aus der Anrede Heinrico imperatori augusto; Persönliches 1162C ego . . . non immemor beneficioi'um quibus me licet immeritum de paupertatis stercore voluistis erigere et cum principibus populi deo uuctore in quudam dignitatis sede collocure (= Psal. 112, 7. 8); Bitte an Heinrich 1162 C De pacifico imperii stutu, de vurio procinctus eventu et ... de corporis unhnueque vestra salute per pruesentium litterurum portitorem nos certificute. Der Brief an die Reichenauer Mönche ist Ep. 5 col. 1163; Anlaß quatido lamentabilem fratris nostri Heinrici obitum ad memoriam revocavit; Bern ordnet an (1164A) ut in prima die pascantur pauperes C, in tertia CC, in septima CCC, in tricesima CCCC. An Abt Burchard meldet Bern den Tod Heinrichs in Ep. 6 col. 1164; dieser Burchard ist kaum identisch mit dem Reichenauer Mönche gleichen Namens, dem Bern die kleine Schrift De consona tonorum diversitate widmete. Der Bischof, dem der Brief (Ep. 7) über Freundschaft gilt, ist nur mit H. bezeichuet, vielleicht ist es derselbe, an den Ep. 9 gerichtet ist; es könnte Heinrich von Parma 5 ) sein. In Brief 7 wird der Empfänger der Freund Ciceros genannt (col. 1165) ut tuus ait Tullius. Es erscheinen hier wörtlich mehrere Stellen aus dem Laelius zitiert und zwar 19, 67 Non enim — satietas (statt satietates), sodann (iuxta praedicti familiaris sententiam) 19, 67 Veterrima quaquae — expletum sit und (1165D quod tu ipse testatus es Tullium dixisse) 27,102 Caritate — iucnnditas; auch im Prolog zum Tonarius wird ein Satz angeführt (1099 C ut Tullius ait) Lael. 14, 50 ') Aus diesen Stellen glaubt die Hist. litt. 7, 376 (576) folgern zu dürfen, daß Bern Franzose gewesen ist. Die Ausdrucksweise der zweiten Stelle verbietet das natürlichunbedingt. 2 ) Vgl. 1160 C cuius . . . memoria suavitas ex primo cognitionis nostrae tempore a tabula cordis nostri nullo oblivionis stilo potuit aboleri. 3 ) Auf das Jahr 1018 beziehenihn Hirsch- Bresslau, Jahrb. d. deutsch. Reichs unter Heinrich II. Bd. 3, 86 n. 2 und Giesebrecht, Gesch. der deutschen Kaiserzeit. 4 ) 1160B religiosas regiae maiestatis au- res, daher ist der Brief wohl 1013 geschrieben. 5 ) Allerdings ist der hl. Ursus als Schutzpatron von Parma nicht bekannt; eher würden hier Aosta, Ravenna und Fano in Betracht kommen. Bern von Reichenau. 65 Nihil est enim — natura. So war also Bern im Laelius gut. belesen, wie auch aus alten Bibliothekskatalogen 1 ) die Verbreitung dieser Schrift im 11. Jahrhundert in Deutschland hervorgeht. In Ep. 9 ergeht die Bitte an Bischof H., Bern mit Reliquien des hl. Ursus, dessen Translation in Aussicht stand, zu beschenken und ihm den 'Tag seiner Passion und etwa vorhandene schriftliche Aufzeichnungen über den Märtyrer mitzuteilen (1167B diem etiam passionis vel si qua eiusdem gesta martyris penes vos hdbentur, nobis transmitti modis Omnibus adoptamus). Die erste Bitte scheint sich aber nicht erfüllt zu haben, denn in Ep. 10 wird sie an Kuno 2 ) wiederholt (1167C suppliciter deprecantes utl . . . aliquant portionem ex sacratissimo corpore b. Ursi martyris Christi ac patroni vestri nobis liceat contingere). Brief 8 scheint an einen italienischen Bischof gerichtet zu sein (1166 A regni vestri status .. . regni vestri expectare consortes . . . quos hactenus nulla Alpium potuit separare auctoritas), den Bern ermahnt, bei der künftigen Wahl zu Kamba klug und vorsichtig zu sein. Brief 11 an Pfalzgraf Friedrich ist eine Abhandlung, die scharfe Kritik an Cassians Institutionen übt. Bern war hierzu durch Friedrich bei einem Zusammensein in Köln aufgefordert worden und geht hierbei von zwei Stellen Cassiodors aus, 3 ) an deren einer der Tadel Prospers und des Victor Martyritanus 4 ) gegen Cassian deutlich ausgesprochen wird. Bern hebt dann die einzelnen Stellen der Kritik Prospers gegen Cassian heraus, so daß der ganze spätere Teil der Abhandlung aus Stücken von Prosper De libero arbitrio (contra collatorem) besteht und nur ein kleiner persönlicher Rest übrig bleibt. Die Briefe stehen im Sangall. 898 s. XI; Ausgabe bei Migne 142, 1157—1174. Zu den Schriften an Aribo und Piligrim und an Heinrich III. s. unten. Ueber Heinrich III. bei der Kirchweihe in Reichenau vgl. Herimanni Chron. 1048 (MG. SS. 5, 128, 2 ff.), daselbst 128, 7 zum Tode Berns Per idem tempus domnus Bern abba Augiae vir doctrina et moribus insignis anno promotionis suae 40° in senectute bona morbo confectus 7 Idus Junii diem ultimum clausit. Ueber sein Wirken als Abt vgl. Sigiberti Chron. 1027 (MG. SS. 6, 356, 22) Florebat hoc tempore aecclesiastica religio per ab- bates norninabiles . . .per Bernonem Augiensem. Zu den Werken Bernos vgl. Blanchard, Revue Benedictine 29, 98—106. 1. Qualiter quatuor temporum ieiunia per sua sabbata sint observanda. In einem kurzen Widmungsbrief an Erzbischof Aribo sagt Bern, daß er den zusammenhängenden Bericht, den er kürzlich in der Form von Frage und Antwort herausgegeben habe, seiner Beurteilung unterstellen wolle. Er habe nichts Eigenes hinzugefügt, sondern nur Stellen aus den Vätern ausgezogen, die Katechese erfolgt so, daß.Grerung 6 ) nach dem Grunde der Verschiedenheit der Quatemberfasten fragt. Bern antwortet zuuächst mit einer Stelle aus Augustin De ieiunio sabbati und bringt dann die eigentliche Antwort über die Termine der Quatember aus Amalarius De officiis ecclesiasticis 2,2 und 2,1. Er bestimmt den ersten Quatember auf den ersten Sonnabend im März, den nächsten vierzehn Wochen später, den dritten auf den dritten Septembersonnabend und den letzten vierzehn oder dreizehn Wochen später. Der eigentliche Inhalt dieser kirchenkalendarischen Schrift ist also fremdes Eigentum und nur die allerdings wortreiche Einkleidung stammt von Bern selbst. 6 ) Widmung (col. 1087C) Amantissimo domino Ariboni odorifico pontificum flori Bern dei matris servorum extremus; Erwähnung des Werkes ad id meum inducebant animum, quo te prae ceteris dignum ducerem, cuius examinationibus illius narrationis seriem, quam nuper sub interrogatione et responsione de ieiuniis quatuor temporum edidi commendarem. Handschriften: Monac. 4622 s. XI-XIII f. 168—177''; 14477 s. XII f. 74-83; 14708 s. XII f. 19. Ausgabe von Pez, Thesaur. anecd. novissimus4, 2, 53 = Migne 142,1087—1098. Vgl. K.Werner, Gerbert von Aurillac S. 191 und Hauck 3,553 n. 2. M Vgl. Manitius, Philol. a alt. Bibl- j 5 ) Ihm neben Burchard widmete Bern katalogen S. 19. ! die kleine Schrift De consona tonorum di- 2 I Er wird Virtutum viro ideoque Cuononis nomine digno genannt und ist daher vielleicht kein Kleriker. 3 ) Nämlich Expos, in psal. 69,1 undlnstit. div. litt. 29 (col. 1168 B). 4 ) Von ihm hat sich nichts überliefert. versitate; er war nach dieser Widmung Lehrer in Reichenau. 6 ) Kap. 7 (1096B) führt Bern ein Sprichwort an "Ut enim vulgäri proverbio utar: Aut cantant quod sciunt, aut tacere compelluntur quod nesciunt. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 66 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 2. Qualiter adventus domini celebretur, quando nativitas domini feria secunda evenerit. Diese Schrift, die nach 1026 fällt, besitzt eine höfisch fein gehaltene Vorrede an Aribo: Der Erzbischof sei von der Vorsehung mit einer solchen Fülle des Wissens beschenkt worden, daß sie ihn durch das Wasser der hl. Schrift nicht nur bis zu Knien und Knöcheln, sondern auch bis zu den Nieren geführt habe. 1 ) So möge denn Aribo den Strom göttlicher Weisheit berühren und aus ihm den danach Dürstenden spenden. Bern stellt also die Sache so dar, als ob das Werk, das er Aribo widmet, von diesem zusammengestellt worden sei. In der kleinen Schrift stellt er fest, daß die Adventszeit nur vier Sonntage besitzen dürfe und bringt dafür Gründe aus Gregor und aus dem Liber comitis des Hieronymus (in Wahrheit ist Smaragdus der Verfasser dieses Lectionarius) vor, wobei eine Stelle aus Amalarius angeführt wird. Als breite Unterlage aber für den Beweis der Richtigkeit hebt er ein größeres Stück aus Amalarius (De eccl. off. 3,40) und eine Stelle aus Beda über den Beginn der Adventszeit aus. „Diesen Gebrauch", setzt er hinzu, „kennt ganz Gallien und auch Rom, wie ich durch Bischof Adalbold 2 ) (von Utrecht) weiß, der durch meine Schriften bewogen wurde, nach Rom zu gehen und sich danach zu erkundigen. Auch Piacenza erkennt diesen Gebrauch an, wie ich dort selbst in Erfahrung gebracht habe. Und der Abt Heriger (von Laubach, f 1007) hat eine eigne Schrift darüber geschrieben (vgl. Sigebert de Script, eccl. 137 Scrlpsit sub sua et Adelboldi episcopi persona dialogum de dissonantia ecclesiae de adventu domini), wo er, wie deren Leser bezeugen, festsetzte, daß nicht mehr als vier Adventssonntage gefeiert werden dürfen." Nachdem Bern dann die Einwände entkräftet hat, die hiergegen vorgebracht werden können, bittet er am Schlüsse Aribo, für seine Auffassung einzutreten. Aribos Antwort ist erhalten und durchaus anerkennend. Widmung (col. 1079 B) Summae dignitatis apice sublimato Ariboni archiepiscopo . . . Bern etsi wie dei matris mancipium. Zum Werke (1079C) Huius rei'§ratia tepotissimum .. . de his, quae in dubium de dominici adventus celebratione venerunt, consulendum censuimus etc. Die Steile über Heriger lautet (1083 B) Sed et abbas Herigerus, vir non parvae auctoritatis nostris temporibus, proprium siqier hac re libellum composuit, in quo, ut asserunt qui illum legerunt, probabilibus argumentis eos convincit contra patrum instituta agere, qui plus quam quatuor dominicos dies adventus domini celebrare contendunt. Bitte um Zustimmung (col. 1085 A) Quapropter ex sanctae sedis tuae auctoritate sententia prodeat, quae sanctorum patrum instituta servare decernat etc. Handschriften: Monac. 14477 s. XII f. 63—72; 14708 s. XII f. 16—18; Cheltenham 392 s. XL Sangall. 898 s. XL Ausgaben: Pez a. a. O. 4, 2,39 = Migne 142, 1079 —1086, die Antwort Aribos 1086; Jaffe, Bibliotheca rer. German. 3, 365—371.. die Antwort Aribos p. 371 f. Vgi.K. Werner, Gerbert von Aurillac S. 191. Hauck 3, 554 n. 1. 3. Ratio generalis de initio adventus domini secundum auc- toritatem Hilarii episcopi. Diese kleine Schrift, die den Beginn der Adventszeit festsetzt, hat für uns nur dadurch Interesse, daß sie eine längere Anführung aus einem sonst völlig unbekannten Werke, nämlich aus den Officia des Hilarius von Poitiers gibt, wonach sich also dieser gallische ') Vgl. Ezech.47,3. 2 ) 2 (col. 1083 B) ac praecipue sanctae re- cordationis Adalboldum episcopum, qui scriptis nostris pulsatus Romae positus hoc requisivit. Adalbold starb 1026, also schrieb Bern nach diesem Jahre. Bern hatte also schon vorher über diesen Gegenstand geschrieben, wenn man ,scriptis' nicht mit ,epistolis' gleichstellen will. Bern von Reichenau. 67 Schriftsteller auch mit den kirchlichen Offizien beschäftigt hat. Bern fügt jenem Zitat hinzu, daß er sich dies Stück während seines Aufenthaltes in Gallien abgeschrieben habe. Außerdem berichtet er die schon oben erwähnten Streitigkeiten, die er als Mönch von Fleury mit den Kanonikern von Orleans erlebte, und erzählt, daß die Ansicht der Mönche unbestritten geblieben sei. Das Zitat aus Hilarius' Officia 1 ) wird eingeführt (col. 1086 D) Est autem et alia eiusdem negotii ratio haudquaquam vilipendenda, qua gloriosus ecclesiae auctor et doctor eximius Hilarius in libro utitur Ofßciorum: Sicut, inquiens, pater familias in evangelio etc.; am Schlüsse steht Haec sunt quae apud Gallos positus ex libro Officiorum sancti Hilarii twn inutiliter mihi corrasi. Die Geschichte aus Fleury folgt 1087 B und 1088 A. Handschrift Monac. 14708 s. XII f. 18. Ausgabe Pez 4,2,49 ■--= Migne 142,1085-1088. 4. De quibusdam rebus ad missae officium pertinentibus. Zu unbestimmter Zeit, aber nach dem Jahre 1024, 2 ) verfaßte Bern eine ziemlich umfängliche Schrift über die Messe. Er geht von der Beobachtung aus, daß die bei der Messe gebräuchliche Liturgie in den Anfängen der Kirche anders als in der Gegenwart gewesen sei, und da ihm die hierfür nötige Literatur zu Gebote stand, so untersucht er nun die Entstehungszeit der einzelnen Teile dieser Liturgie, wobei er auf die zeitlichen Verschiedenheiten aufmerksam macht. Im Mittelpunkte seiner Quellen steht natürlich Gregor L, dessen Regula pastoralis, Briefe und Dialoge, 3 ) wie auch sein von Johannes Diaconus verfaßtes Leben 4 ) zum Beweise herangezogen werden. Außerdem werden Hieronymus, Augustin, Leo I. 5 ) und die verlornen Officia des Hilarius, 6 ) sowie die Regel Benedikts 7 ) angeführt. Manches verdankt Bern auch dem Liber comitis Smaragds und den Officia ecclesiastica Amalars, s ) die ja bei ihm auch sonst eine große Rolle spielen. Endlich ist es nicht zu verwundern, daß er, der Zeitgenosse Burchards von Worms, sich auch auf die Dekretalen Pseudoisidors beruft. 9 ) Das Werk läßt erkennen, daß sein Verfasser geschichtlichen Sinn besaß, denn er sucht die einzelnen Gewohnheiten und die Neuerungen historisch zu begreifen und er läßt Neuerungen gelten, die sich im eigentlich römischen Kultus nicht fanden. Dabei traf er mit seinem Tadel kirchliche Gewohnheiten seiner Zeit, besonders wenn sie zugunsten der Bischöfe eingerissene Mißbräuche betrafen. So finden wir hier in Bern einen doch in gewisser Weise selbständig vorgehenden forschenden Geist, der sich zur kirchlichen Gewohnheit auch in Widerspruch zu setzen wagte. Dei' Standpunkt Berns seinem Stoffe gegenüber Kap. 1 (1057 A) Sed crescente statu religionis simul accrevit decus ecclesiastici honoris. Attamen ipswm canonem non unus solus totum composuit, sed per tempora aliud alius interposuit vel adiecit. Als sehr wichtige Frage bezeichnet er, warum es dem Presbyter nur am Osterfeste und nicht auch an jedem Sonntage und an den Festen der Heiligen erlaubt sei, den Hymnus Gloria in exeelsis deo anzustimmen, da das doch jeder Bischof dürfe, vgl. Kap. 2 (col. 1058 C); in der langen Auseinandersetzung hierüber zeigt sich deutlich die Mißstimmung gegenüber der Vormacht der Bischöfe, zumal Bern nachweisen kann, daß jenes Verbot keineswegs auf Gregor I. zurück- ') Dieselbe Anführung macht Bein de officio missae 4 (col. 1066 A) ohne den Zusatz am Schlüsse. 2 ) 2 (col. 1060 D) heißt es ad haec tempora divae memoriae Henrici imperatoris. Man kann daher die Zeit um 1030 annehmen. 3 ) Kap. 1 (1055D), 2 (1060B). 2 (1059B). *) 1 (1057 C). 6 ) 2(1061B). 3(1062A). 3 (1062D). 6 ) 4 (1066 A). 7 ) 2 (1060 A). 8 ) 4 (1064A und C). 7 (1076 B. 1077 C). 9 ) 2 (1059A). 68 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. geht. Von Interesse ist die Bemerkung (1060 B) In nostri quoque monasterii archivo habetur Missalis longe aliter ordinatus, quam Romanae ecclesiae se liabeat usus. Außer den erwähnten Quellen erscheint auch Kap. 2 Hildvins Brief an Kaiser Ludwig (1060 A) Testatur hoc abbas Hilduvinus ... in ea epistula, quam ad Ludovicum imperatorem direxit pro pas- sione sanctorum martyrum Dioni/sü et sociorum eius. Handschrift? Ausgabe Bibliotheca vet. patr. 18, 56 == Migne 142,1055-1080. Vgl. K.Werner, Gerbert von Aurillac S. 109 f. Hauck 3,959. 5. Vita sancti Udalrici. Fridebold, Abt von St. Afra in Augsburg, hatte den Bern aufgefordert, das ältere von Gerhard verfaßte Leben des hl. Ulrich zu überarbeiten. Jedenfalls wurde ihm dieses, wie auch die von Bischof Gebhard begonnene Bearbeitung übersendet. Denn Bern kennt beide Schriften und er erklärt in der Widmung an Fridebold, daß er sich zwischen der hochfliegenden Ausdrucksweise von Gebhards Werk und dem am Boden liegenden Stil des älteren Lebens in der Mitte halten wolle. Er selbst werde nichts hinzufügen als Beispiele aus den Schriften der Väter und Sentenzen aus der Bibel. Jene Erklärung hat insofern ihre Berechtigung, als Bern überhaupt einen einfachen und ungesuchten Stil schreibt, der für den Leser meist durchsichtig ist, da er sich von allzu großem Wortreichtum in angenehmer Weise freihält. Hier im Leben Ulrichs überwiegt natürlich der Legendenstil, der sich mehrfach an das Leben des hl. Martin von Sulpicius Severus anlehnt. 1 ) Außerdem hat Bern reichlich Bibelstellen eingefügt, wie es auch sonst seine Art war. Neues erfährt der Leser allerdings nicht in dieser Schrift, wenn man von einer großen Menge von Prophezeiungen, Visionen und Wundergeschichten 2 ) absehen will. So wird auch der Streit Ottos I. mit Liudolf (Kap. 11—13) mit Wundern durchsetzt und aus solchen bestehen fast lediglich Kap. 15—19, während sich in Kap. 5 f., die mit den Tugenden des Helden ausgefüllt werden, die Bibelsprüche mehren. Der in der Widmung angekündigte Zusatz von Stellen aus den Vätern beschränkt sich auf einige Zusätze in Kap. 21 f. aus den Dialogen Gregors I. Man kann daher nicht sagen, daß das Leben Ulrichs in der Hand Berns gewonnen hat, Visionen und Wunder spielen die Hauptrolle. Widmung (1183C) Reverendissimo patri Frideboldo ac vero sanctae matris Afrae alumno Bern dei matris mancipium cum omni contubernio Augiensium fratrum. Auftrag (1183 C) Mirae caritatis virtus ex dulcifluo pectoris tui emanans fönte id exiguitati meae iniunxit officü ut libellum de vita terque quaterque beati 3 ) paironi nostri Udalrici veraci quidem sed simpliciori quam oportuit sermone editum cultiori stilo reddam luculentum. Kenntnis von Gebhards Werk Accedit quod . . . Gebehardus . . . idem negotium corrigendi studio attentavit sed infectum morte praeventus dereliquit . . . Id ipsum tarnen quod composuit, licet eloquii venustatem redoleat, tarnen ita verborum ac sententiarum sublimitate se in altum extollit, ut vix ahquis exinde aliquid percipere possit. Alterius vero oratio, etsi verum veritate subnixa, sie tarnen pene videtur humi iacere ut quisquis . . . pigeat se ulterius ad hanc in- clinare. Quocirca . . . ut inter utrosqv.e medius incedens talem moderato sermone materiam componam . . . ut nihil de propriis addam, praeter exempla antiquorum patrum atque sen- tentias sanetarum scripturarum. Handschrift Einsidl. 248 s. XII p. 166—207. Monac. 22021 s. XII f. 188 (Fragment). Ausgaben: Marc.Velseri opera (Norimb. 1682) p. 596-617; J. A. Schmeller, St. Ulrichs Leben lat. beschrieben durch Berno von Reichenau, München 1844. 4 ) Migne 142, 1183-1204. Der Prolog ist gedruckt bei Mabillon, Acta SS. ord. s. Bened. 5,473 und vo n Waitz, MG. SS. 4,381 f. *) 1 (1185 A) parentes . . . seeundum sae- j mitWiborad, mit Papst Marinus, 7 mit Rambert, 8 mit Heinrich, 9 St. Afra, 14 Udalrichs Vision. 3 ) Der Ausdruck aus Verg. Aen. 1,94 kehrt auch an andrer Stelle wieder. 4 ) Mit deutscher Uebersetzung aus s. XII oder XIII (vom Prior Adilbertus?). culi huius dignitatem clari et nobiles =Vita Mart. 2,1. 5 (1188 A) Adepto vero tantae dig- nitatis honore qualis quantusve (so statt tan- tusve) extiterit, nullius sermo ad integrum explicare valebit =Yil& Mart. 10,1. 2 ) So die ablactatio, dann die Geschichte Bern von Eeichenau. 69 Am meisten hat aber Berno in der folgenden Zeit durch seine musikalischen Werke fortgelebt, die besonders durch Sigebert von Gembloux, aber auch durch den Anon. Mellicensis 1 ) erwähnt werden und vielfach abgeschrieben worden sind. Sigebert 2 ) widmet ihnen folgende Worte: Fraetereo ea quae de humana scientia scripsit, in quibus eminet hoc quod in arte musica praepollens de regulis symphoniarum et tonorum scripsit et quod in tnensu- rando monochordo ultra regulam Boetii sed assensu minoris Boetio Guidonis supposuit unum tonum tetrachordohypaton et contra usum maiorum in ipso tetrachordohijpaton in sentit utiliter synemmenon. Diese Arbeiten gliedern sich in drei oder vier Schriften, je nachdem der Prolog zum Tonarius als eignes Werk gilt. 6. Tonarius mit Prolog. Erzbischof Piligrim von Köln hatte an Bern die Aufforderung gestellt, ein Werk über Musik zu schreiben, ohne Zweifel hatte er von den einschlägigen Studien und der Begabung des Abtes für Musik gehört. Bern kam diesem Wunsche nach, obwohl er sich in der Widmung an Piligrim für viel zu tiefstehend hielt, und übersandte ihm den Tonarius, für den er aber eine ausführliche Einleitung, die er Pro- legomena nennt, als notwendig erachtete. Hier im Prologe behandelt Bern nach A. Schubiger 3 ) unter teilweiser Abweichung vonBoethius, aus dessen musikalischem Werke der Anfang genommen wird, 4 ) „die Tonleiter, die neun Gattungen der damals gebräuchlichen Intervalle, die Konsonanzen, die acht Tonarten beim Kirchengesang, deren Grenzen, gemeinschaftliche und unbestimmte Tonarten, die Differenzen der Psalmodie, die melodische Formel zur Erkenntnis der Tonweisen, den langen und kurzen Wert der Töne und die Lage des Semitoniums". Das Tonar selbst folgt auf diesen ausgedehnten Prolog und ist nach Schubiger eine ausführlichere Definitionstabelle, in der einerseits die melodischen Formeln zur Bestimmung der Tonweisen angegeben werden, andererseits die Tonarten der einzelnen liturgischen Gesänge verzeichnet sind, nämlich der ßesponsorien, Introitus, Gradualien, Alleluja, Offertorien, Communionen und Antiphonen. Am Ende dieser Tabelle bemerkt Bern, daß er aus Liebe zu Petrus dem Wunsche Piligrims nachgekommen sei. Verwendet hat Bern für seine Arbeit, die sich durch eine gewisse Selbständigkeit Boethius gegenüber auszeichnet, die unter dem Namen Cita et vera divisio monochordi bekannte Schrift, 5 ) und ein anderes musikalisches Werk 6 ) hat man später seinem Prologus einverleibt. Die Terminologie des theoretischen Teiles beruht natürlich auf Boethius. Widmung (col. 1099 A) Domino deoque düecto Piligrino vero mundi huius advenae et peregrinq Berno licet parvus meritis servus tarnen dei genitricis virginis. Aufforderung durch Piligrim und Lob von dessen musikalischer Befähigung haud facile indagare vdleo quid causae extiterit, quod tu quem non solum quatuor matheseos disciplinarum speculatio quadratum, verum etiam caelestis liarmoniae melos divinis Jaudibus iugiter reddit intentum, me ut ita dicam semivocalem . . . de canora mnsicae modulatione aliquid proferre. Praesertim cum in ecclesia plebis a deo exaltatus et in cathedra seniorum laudatus . . . percipias qualiter sapiens et te praesule felix Colonia . . . psallat domino deo . .. Et quoniam . . . hoc obedientiae opus ') Kap. 81 (ed. Ettlinger S. 81) Bern ... scripsit ...et de musica opuspraestantissimum. '') De Script, eccl. 156 ed. Miraeusp. 155. 3 ) Die Sangerschule von St. Gallen (Einsiedeln 1858] S. 83. 4 ) Vgl. Prol.l (col. 1100 A). Vgl. außerdem 3 (1101 D) und 5 (1105 B). 5 ) Gedruckt bei Gerbert, Scriptores de musica sacra ecclesiastici 1, 313. 6 ) Anonymus I bei Gerbert 1, 331—338. 70 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. iniunxisti. . . et libellum quem tonarium consuete vocant libens porrigo. Zum Prolog (1099 C) Verumtamen non absimile videtur, si prius quaedam ponantur prolegomena, quibus minus ad intelligendum capaces veluti prae foribus interitn exercitati ad ipsius demum scientiae penetralia queant intromitti. Schluß des Prologs (1116D) Ego vero iam desinam multa loqui, ut finis Sit prologi, Schluß des Tonars (11301)) suffragantibus principis apostolornm meritis, cuius amore tuis, beatissime pater, in hoc opere studuimus praeceptis obedire. Handschriften für den Prologus Monac. 14477 s. XII f. 57—63, 14663 s. XII—XIII f. 29 b -34 (unvollständig); Bamberg. M IV 5 s. XIII; Vindob. 51 s.XII f. 49—52, Exzerpte im Monac. 14 965" s. XI f. 27—29; für den Tonarius Vindob. 51 s.XII f. 52-55. Darmstad. 1988 s. XI—XIV f. 157; Vatic. Pal. 1344 s. XI; für beide (außer Vindob.) Monac. 18937 s. XI f. 261—295 (umfangreicher als der Druck bei Gerbert, also mit Interpolationen) und Caroliruh. 504 s. XI — XII f. 1 —14 und 22—26 b . In alten Katalogen wird das Werk erwähnt in Michelsberg vor 1103 (Geschenk Frotulfs: Neues Archiv 21,147) 111,11 Tonarius. musica Bernonis; s. XII (Geschenk Thiemos; Neues Archiv 12,147) IV, 12 musica Bernonis. Muri s. XII (Becker 122,137) Musica Bern. Weißenau s. XII (Serapeum 28,306) Epistolam Bernonis de musica. Rolduc s. XIII (van Gils, Catalog. Rodensis 2) Musica Bern. Altzelle 1514 (Neues Archiv f. Sachs. Gesch. 18, 258) R 22 Musica Bernonis. R 23 Liber musicalis . . . Bernonis abbatis. Ausgabe von Gerbert, Script, de musica sacra ecclesiastici 2, 62—79 und 79—91. Vgl. A. Schubiger, Die Sängerschule von St. Gallen S. 83. W. Brambach, Die Musiklitteratur des M.A. S. 15 f. und Die Reichenauer Sängerschule S. 15 f. 7. De varia psalmorum atque cantuum modulatione. Ein Mönch Meginfrid hatte an Bern das Ersuchen gerichtet, ihn über die verschiedenartige Tonsetzung der Psalmen und Gesänge aufzuklären. Bern entsprach diesem Wunsche, schrieb aber zunächst ein kleines Werk über die Verschiedenheit der biblischen Übersetzungen, um dann auf dieser Grundlage weiterzubauen; er widmete es dem Meginfrid und dem Eipenno, wahrscheinlich Mönchen in Reichenau. Bern äußert sich zunächst über die Sammlung und Einteilung des Alten Testaments in 22 Bücher durch Esdras, sodann über die Herstellung der Septuaginta und über die von Hieronymus im Genesisprolog darüber geübte Kritik. Darauf kommt er auf andre Übersetzungen des Alten Testaments zu sprechen, namentlich auf die des Hieronymus und erwähnt das Lob Isidors und Gregors hierzu. Sodann erwähnt er das gallikanische und das römische Psalterium und die Anordnung des Psalters durch Hieronymus, wobei er auf die Verschiedenheiten aufmerksam macht. Zuletzt behandelt er sehr ausführlich die Unterschiede im Text der kirchlichen Offizien nach dem römischen und gallikanischen Psalter. Daß er diese Schrift nicht als Mönch, wie Schubiger will, 1 ) sondern erst als Abt und zwar nicht lange vor seinem Tode verfaßte, ergibt sich daraus, daß er von sich in Kap. 5 sagt, er sei vom Greisenalter schwach geworden. Das Werk, das also hauptsächlich die verschiedenen Lesarten der Psalmen und andrer Kirchengesänge behandelt, bezieht sich nicht auf deren Melodien, sondern nur auf die Texte. Ob Bern aber dazu gekommen ist, den eigentlichen Wunsch Meginfrids zu erfüllen, ist sehr zu bezweifeln, da sich nichts davon erhalten hat. Widmung (col. 1131A) Bern qui quod vult deus Meginfrido Eipennoni dilectis in Christo fratribus. Auftrag Igitur fraternae dilectionis tuae rogatu compulsus, o Meginfride, aliquid tibi scribere de varia psalmorum atque cantuum modulatione, quae dissimiliter vel confuse solet in ecclesia fieri, prius cupio de interpretum translatione memoriam facere, quatenics velut hoc quodam iacto sermonis fundamento, nostrae narrationis aedificium solidius surgat in altum. Notiz über sein Alter 5 (1133D) Et quia sensu sunt parvulus . . . etsiaetate provectus, senio iam defectus. Die Schrift beruht auf genauer Kenntnis des dreifachen hiero- nymianischen Psalters. Aus einem cod. Salemitanus gedruckt bei Gerbert a. a. O. 2,91 - 114 = Migne 142, 1131—1154. ') Die Sängerschule von St. Gallen S. 83. Bruno von Würzburg. 7 1 8. De consona tonorum diversitate. Zwei Lehrer im Kloster Reichenau, Burchard und Gerung, 1 ) hatten sich an Bern mit der Bitte gewandt, ihnen etwas über die Verschiedenartigkeit der Kirchentöne darzustellen. So verfaßte er noch einen kurzen Tonarius, der Dach W. Bram- bach in seinem ersten Teile die acht Erkennungsformeln der Tonarten mit Beispielen aus dem Antiphonar aufführt, während der zweite Teil Introitus und Communionen enthält. Widmung (col. 1155 A) Berno gratia dei etsinon merito tarnen officio abba dilectissimis in Christo filiis Purchardo et Kerungo vna cum ceteris in dominicarum scholarum gymnasio Augiae vacantibus .. . Vestri precum instantia mtper admonitus ut quosdam versiculos*) super consona tonorum diversitate contpositos vestrae sagacitatis industriae ad discendum contra- derem, non statim hac de causa ad id faciendum animum appuli. z ) Die Schrift enthält Erläuterungen über die authentischen und plagalischen Tonarten. Aus einem cod. Sangallensis gedruckt bei Gerbert a.a. 0.2,114-117 = Migne 142, 1155—1158. Vgl. A. Schubiger. Die Sängerschule von St. Gallen S.83 und W.Brambach. Die Reichenauer Sängerschule S. 16. Außerdem war Bern auch eigentlich musikalisch tätig, indem er ein großes Offizium auf den hl. Udalrich, dessen Leben er ja überarbeitete, in Musik setzte, vgl. den Text bei Gerbert 2, 117—120. Irrtümlich hat man ihm das Leben des hl. Meinrad zugeschrieben, doch hat er ein Offizium auf ihn komponiert; ein Responsorium daraus in acht Hexametern ist gedruckt bei Schubiger a. a. 0. unter Exempla N. 45 p. 43. Außerdem komponierte er einen Tropus für den Introitus auf Epiphanias wie auch einen Hymnus auf dieses Fest (Texte bei Gerbert p. 120), ferner einen Hymnus auf Maria Lichtmeß und auf die Fastenzeit, sowie je eine Sequenz auf den hl. Willibrord und auf die hl. Verena (Texte bei Gerbert a. a. 0. 2,120—122 und Kehrein, Latein. Sequenzen des Mittelalters N. 749 und 863). Eine allerdings nicht ganz einwandfreie Zusammenstellung seiner Werke gab H. Hansjakob, Herimann der Lahme von der Reichenau (Mainz 1875) S. 31 ff. Zum Schluß diene die Notiz, die der Anon. Mellieensis c. 81 (ed. Ettlinger S. 81) über Bein bringt: Bern musicus vir pius ac doctus in monasterio Prumensi sub monastica pro- fessione deguit, quem postmodum Heinricus pius imperator abbatem Augie constituit. Qui gratanter acceptus a fratribus dispersos recollegit et a Lamperto Constantiensi episcopo con- secratus magna insignis pietate ac scientia prefuit annis quadraginta. Hie scripsit librum de institutione missarum at de musica opus prestantissimum, vitam quoque saneti TJodalriei Augustensis episcopi. Briefe Berns finden sich gesammelt im Sangall. 898; daraus ist z. B. ein wichtiges Stück, das über die künftige Königswahl zu Kamba (1024) handelt, abgedruckt bei Pez, Thes. aneed. noviss. (3, 1, 212 und bei Giese- brecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 2, 709 N. 4. 8. Bruno von Würzburg. ius dem höchsten Adel des Rc 1 Kärnthen und seine Mutter ' manns II. von Schwaben. Sein Oheim väterlicherseits war Papst Gregor V. Bruno stammte aus dem höchsten Adel des Reiches; sein Vater war Herzog Konrad I. von Kärnthen und seine Mutter war die Tochter Her- ') Bern nennt ihn hier Kerung; es ist wohl ' 3 ) TerenzAndr. prol.l. Gleich darauf steht derselbe Mönch, mit dem Bern den Dialog über | In silvam ne ligna feras et in mare pisces die Quatemberfasten fingiert hat. | mit mittelalterlicher Weiterbildung von Horat. -) Vielleicht hatten daher jene Lehrer um I Sat. 1.10.34. ein Gedicht gebeten. 72 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Von seiner Jugend ist nichts bekannt, außer daß er Kleriker wurde, denn er war später Propst zu Goslar. Im Jahre 1034 erhob ihn sein kaiserlicher Verwandter Konrad II. zum Bischof von Würzburg und seine Wirksamkeit in dieser Stellung wird in einem sächsischen Annalenwerk mit den einfachen Worten gefeiert a deo (latus. 1 ) Er starb am 27. Mai 1045, als er den Kaiser auf dem Zuge nach Ungarn begleitete, infolge eines Unglücksfalles. Bruno verfaßte nach dem Anonymus Mellicensis eine Schrift gegen die Simonisten. Ich möchte diese Nachricht auch nicht so unbedingt ablehnen, wie das Denzinger getan hat. Denn Brunos Bischofszeit fällt ja zum Teil unter die Regierung Heinrichs III., der frühzeitig antisimonistische Regungen begünstigte, und außerdem verfaßte der wohl in Prüfening schreibende Mönch seine Literaturgeschichte mit ungewöhnlicher Sachkenntnis und unter Benutzung von trefflichen Hilfsmitteln, die uns heute nicht mehr zu Gebote stehen; ob das Carmen episc. Brunonis invehentis erga papam (Wiener SB. 54 (1867) S. 313 f., gemeint ist?' Sicher aber hat Bruno einen großen Kommentar zu den Psalmen, zu den Liedern der Bibel und zu kleinen christlichen Stücken verfaßt. Und zwar war er schon Bischof, als er dies umfängliche Werk schrieb, denn er widmete es mit zwei Versen dem hl. Kilian und nennt sich darin Antistes. Gewisse Schwierigkeiten erheben sich allerdings dadurch, daß Bruno im' ersten Stück seiner Vorrede den Papias zitiert. Da es sich an der Stelle um das kritische Zeichen des Asteriscus handelt, so erscheint der griechische Schriftsteller des Namens doch ausgeschlossen, und man hat es hier wohl mit dem Glossographen und Grammatiker zu tun. Dessen Zeit wird nun freilich nach Albericus von Trois-Fontaines 1053 angesetzt 2 ) und danach könnte ihn Bruno also nicht benutzt haben. Denzinger hat dem gegenüber darauf aufmerksam gemacht, daß die Stelle, auf die sich Albericus stützt 3 ) (s. v. Aetas), Heinrich III. dreizehn Königsjahre gibt, daß aber als Anfang dieser Zeit nicht 1039, sondern schon 1028 zu gelten habe, so daß als Zeit der Abfassung 1041 festzuhalten sei. Dem widerspricht aber, daß, wie Papias in der Vorrede selbst bemerkt, zehn Jahre Zeit zur Abfassung des Werkes nötig waren, und da jene Stelle ganz am Anfang des gewaltigen Glossars steht, so würde man doch mindestens auf das Jahr 1050 kommen. Auf diese Weise würde die Benutzung des Papias durch Bruno als ausgeschlossen zu gelten haben, wenn man nicht die immerhin recht unwaln'scheinliche Annahme machen will, daß Papias Lehrer des Bruno war, oder daß dieser das Glossar schon lange vor seiner Vollendung kannte. Ich möchte mich daher fast zu der Ansicht entscheiden, daß hier auf eine andre Schrift des Papias Bezug genommen wird, die vor dem Glossenwerk erschienen ist. — Bruno hat sich nun seine Aufgabe sehr leicht gemacht, indem er sowohl die Einführung zu seiner Arbeit wie sein Werk selbst lediglich aus Stücken zusammensetzt, die er den Vätern entnahm. Der erste Abschnitt der Einführung besteht aus dem Briefe des Hieronymus an Paula und Eustochium über den Obelos und Asteriscos. Darauf folgt ') Ann. Hildesheim. 1034 (ed. Waitzp. 38) I 2 ) So auch G. Goetz, Münchner Sitzungs- post quem Bruno patruelis imperatons sub- | berichte 1903 S. 273 f. intravit a deo daüis. 3 ) Vgl. bei G. Goetz S. 274. Bruno von Wurzburg. 73 ein Stück des Briefes des Hieronymus an Sunnia und Fretela mit einem Zusatz aus Papias, dann der Hieronymusbrief an ßufinus über das Diapsalma, ein Brief des Origenes über denselben Gegenstand, ferner aus der Vorrede des Cassiodor zur Psalmenerklärung die Kapitel 11.4—8 und 13, dann die Vorrede des Basilius zum Psalmenkommentar in Rufins Übersetzung, ein Stück aus der Psalmenerklärung, die dem Beda fälschlich zugelegt wird (Migne 93,477 D) und endlich drei kurze Gebete an Gott und Christus, die folgende Arbeit über die Psalmen gnädig aufzunehmen. Bruno hat nun das Psalterium Galli- canum zugrunde gelegt, doch finden sich in dem den Erklärungen stets vorangestellten Psalmentexte auch Beziehungen zum Psalterium Romanum und darüber hinaus Stellen, die von beiden Vorlagen abweichen. Die Erklärung selbst ist großenteils aus Cassiodor und aus dem Breviarium in psalmos genommen, das dem Hieronymus mit Unrecht beigelegt wird; außerdem werden benutzt der Psalmenkommentar Augustins und der obengenannte Pseudo-Beda, sowie an sechs Stellen Stücke aus Gregor dem Großen. 1 ) Häufig werden für denselben Psalmenvers mehrere Väterstellen und zwar ohne Verbindung aneinandergesetzt und die Vorlagen werden nur in ganz seltenen Fällen verkürzt. So hat man es nur mit einer Auswahl aus schon Vorhandenem, nicht mit einer selbständigen Arbeit zu tun. Das Gleiche gilt für die Erklärung kleiner biblischer Stücke, nämlich für acht Cantica, während die Erklärung zur Oratio dominica, der sich das Symbolum apostolorum und die Fides Athanasii anschließt, auf anderer Grundlage beruht. Zur Erklärung der Cantica wird meist Hieronymus, seltener Origenes verwendet, und an einer Stelle des Canticum Annae 4 wird Hrabanus Maurus benutzt. 2 ) Das Vaterunser und das Symbolum aber erhalten keinen wirklichen Kommentar, sondern sie werden nur mit einer Katechese 3 ) zwischen Schüler und Lehrer bedacht, wobei der Schüler fragt und der Lehrer antwortet. Die Katechese beschränkt sich auf die aller elementarste Unterrichtung und bleibt vollständig an der Oberfläche haften; sie kann nur für Lehrer gedacht sein, die den ersten Unterricht zu erteilen hatten. Und auch die Erklärung des athanasianischen Glaubensbekenntnisses ist nur für die mäßigsten Ansprüche geschrieben, sie benutzt aber zuweilen neben der wörtlichen auch die allegorische Deutung und geht jedenfalls auch auf patristisches Vorbild zurück. Zeugnisse. Hohe Abstammung vgl. Hermanni Contr. chron. 1034 (MG. SS. 5,122, 2) Brun patruelis imperatoris wxA besondersBrunonisopera rec.H. Denzing er bei Migne 142,9 f. Daß er Propst zu Goslar war, sagt der Anon. Hamersleb. de basil. Goslar, eiusque propositis (Leibniz, Script, rer. Brunsvic. 2, 507) Nomina propositorum: Bruno VII. Herbipolensis epi- scopus. Erbebung zum Bischof vgl. Ann. Hildesb. 1034 (p. 38 ed. Waitz) Megirihardus Werzi- burgensis presul ad Christum migravit, post quem Bruno patruelis imperatoris subintravit a deo datus und Hermanni Chron. 1034 (MG. SS. 5, 122,1) Meginhardo quoque praesule Wirzeburgense defuncto Brun patruelis imperatoris, filius scilicet ex Mahthilde Conradi ducis, episcopatum die paschae accepit. Zu der Schrift gegen Simonisten Anon. Mellic. 84 (ed. Ettlinger S. 82) Bruno alius doctrina et scientia clarus scribit nihilominus contra symoniacos.*) Scribit super psalterium prestantissimum opus. Zum Tode vgl. Herim. chron. 1045 (MG. SS. 5,124,24) In quo videlicet itinere rex quoddam vetus Solarium ascendens cum tnultis ') Die Vorlagen sind durch die Anfangsbuchstaben des Verfassernamens stets kenntlich gemacht. 2 ) Migne 142, 535 C. 3 ) Vgl. J. Baier, Der hl. Bruno von Würz- burg als Katechet. Würzb. 1893. ') Vgl.hierzu Denzinger, Proleg. 3.12 bei Migne 142, 24D. 74 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. aliis aedificio cadente corruü ipsoque . . . inlaeso Brun Wirciburgensis episcopus loetaliter cum aliis collapsus post unam ebdomadam 7Kai. Iunii obiit: Chron.Wirziburg. (MG. SS. 6,30, 53) 6 Kai. Iun. Brun Wirciburc episcopm obiit anno domini 1045, sedit a. 11, m.l, d. 14; Frutolfi Chron. 1045 (MG. SS. 6, 196, 7) und Lamperti ann. 1045 (MG. SS. 5,153, 31), dazu das Epitaph bei Denzinger Prol. 1, 7 (Migne 142,19C). Die Widmung bei Denzinger col. 39 Sit collega tuae sortis, pater o Kiliane, Antistes dono qui te veneratur in ipso. Die Stelle zu Papias col. 41B sive ut Papias dicit asterisci. Die Stelle bei Albericus zu 1053 (MG. SS. 23,790) Anno 1053 13 imperatoris Henrici filii Conradi Papias librum suum scilicet elementarium doctrinae rudimentum edidit quod probatur per numerum annorum ubi agit de aetatibus saeculi in prima littera et enumerando pertingit usque ad hunc annum. Denzingers Einspruch gegen 1053 vgl. Prol. 3,15 col. 28B. Die Stelle bei Papias lantet nach G. Goetz (a. a. O. S. 274) Otto minor XXII. Otto puer sex. Henricus maior XXIII. Conradus XVI. Henricus minor XIII. Die Grammatik des Papias kann von Bruno nicht gemeint worden sein, da sie nach dem Glossar verfaßt ist, vgl. Goetz a.a.O. S. 275. Zu den Quellen vgl. Denzinger Prol. 3,13 col. 25D, zu dem von Bruno benutzten Psalmenexemplar Prol. 3,14 col. 26C—28A. Ueberlieferung. Das Autograph Brunos scheint verloren und die drei Anführungen des Werkes eines Bruno über die Psalmen (Limoges s. XII bei Delisle, Le cab. des mser. 2,499 N. 78, Toulouse 1337 in Bibl. de l'ec. des chartes 51,447, und Pavia 1426 in Indagine storiche 2, 62 N. 698) sind jedenfalls eher auf Bischof Bruno von Segni zu beziehen. Auch die von Cochlaeus benutzte Hs. aus Sagan ist verloren. Erhalten hat sich Brunos Werk im Oxon. Rawlinson G 163 s. XI (wahrscheinlich aus Tegernsee). Ausgaben von Reyser, Würzburg ca. 1480 und von Cochlaeus, Leipzig. 1533; beide wurden neben einer kürzenden US. aus Ebrach benutzt von H. Denzinger in seiner Ausgabe bei Migne 142, 39—568; derselbe druckt einige späte Wunder Brunos (saec. XIII) col. 35—40 ab, die aber ohne irgendwelchen Wert sind. 9. Gerard von Czanäd. Mit Gerard von Czanäd berühren wir einen der sonderbarsten Schriftsteller des 11. Jahrhunderts. Von seinem Leben ist nicht viel Sicheres bekannt, denn seine Lebensbeschreibung, wie sie heute vorliegt, ist erst im 13. Jahrhundert verfaßt, 1 ) wenn auch ältere Nachrichten darin benutzt sind, und die Legenda Gerardi maior ist nach den Ausführungen von Kaindl (Arch. f. österr. Gesch. 91, 3 ff.) aus dem 13., die Legenda minor aus dem 11. Jahrhundert. Danach stammte Gerard aus Venedig und zwar aus vornehmer Familie, und daß er Italiener war, dürfte nach dem in seinen Schriften häufig vorkommenden Umstände, ein mit Vokal beginnendes Wort mit h anzufangen, wohl richtig sein. Frühzeitig und zwar erst fünfjährig, soll er dem Georgskloster seiner Vaterstadt übergeben worden sein und nachdem er fünf Jahre zur Klosterschule gegangen war, sich wesentlich vor den Altersgenossen ausgezeichnet haben. Später wurde er von seinem Abt Wilhelm nach Bologna geschickt, um sich hier in Grammatik, Philosophie, Musik, Rechtswissenschaft und den freien Künsten weiter auszubilden. Mit diesem Aufenthalt in der Fremde hängt vielleicht eine Reise nach Frankreich zusammen, denn Gerard erzählt in seiner Deliberatio, 2 ) daß er einst bei seinen Platostudien in Frankreich auch Darlegungen über den Gott der Hebräer fleißig gelesen habe; vielleicht studierte er damals bei Fulbert in Chartres, dessen Ruhm ja so viele Schüler anzog und der auch zu Ungarn, der zweiten Heimat Gerards, in Beziehungen stand. Nachdem nämlich Gerard zurückgekehrt war, wurde er in seinem Kloster zum Abt erhoben und als solcher beschloß er, eine Pilgerreise nach Bethlehem zu machen. Er bestieg in Zara ein Schiff, wurde aber durch ') Vgl. Marczali, Ungarns Geschichts- I 2 ) S. Gerardi scripta et acta... op. et quellen im Zeitalter der Arpaden (1882) S. 30 f. j stud. Ignatii comitis de Batthyan p. 84. Gerard von Czanad. 75 widrige Winde bald an der Weiterfahrt verhindert, und sein enger Freund, der Abt Rasina, der sich in einem benachbarten Kloster befand, wo er die Fastenzeit verbrachte, ließ nichts unversucht, ihn von der Reise abzubringen, und riet ihm vielmehr, nach Ungarn zu gehen und sich der Mission zu widmen. Er ließ sich auch dazu bereden und gelangte zum Bischof Maurus von Fünfkirchen, der ihn zu König Stephan geleitete. Dieser ernannte ihn zum Bischof und übergab ihm die Erziehung seines Sohnes Emerich. Hiermit steht jedenfalls in Zusammenhang, daß man die Abfassung der kleinen Schrift, die Stephan für die sittliche Bildung seines Sohnes abfassen ließ, dem Gerard zugeschrieben hat, wie noch Wattenbach tat. 1 ) Aber nichts erinnert in jeifen zehn Kapiteln, die in einem ganz flüssigen und leicht verständlichen Latein geschrieben sind, an den großen Wortschwall der Rede und an das gesucht dunkle, höchst merkwürdig gefärbte Latein und an den krausen Stil Gerards; seine Verfasserschaft kann ich unmöglich annehmen. Gerard begab sich aber dann in das Eremitenkloster Bei, wo er schriftstellerisch tätig war, und er verließ diesen Ort auch dann nicht, als ihm Stephan um 1030 das Bistum Czanad am Maros gab. Hier begründete er dann das Christentum fester und legte eine Schule an, wo Deutsche, Böhmen, Polen und Franzosen — so steht es wenigstens in der Vita Gerardi — sich unterrichten ließen. In seiner Stellung ist Gerard natürlich mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten bekannt geworden, aber da uns anscheinend nur eines seiner Werke überliefert worden ist und er hier nur ganz selten auf ihm bekannte Persönlichkeiten anspielt, so wissen wir vom Umkreis seiner Bekannten nur sehr wenig. Zugleich aber erfahren wir an jenen Stellen etwas über verlorne Werke Gerards. Zunächst spricht er (3 p. 64) von einem Dodo, nachdem er vorher erzählt hat, daß er in dem Werke des Eucherius ad Salonium über die Zahlen gelesen habe. Isingrim — ihm ist die Deliberatio gewidmet — wisse wohl, daß der Presbyter Dodo von ihm einst (Belehrung?) darüber empfangen habe; es scheint sich hier um eine Schrift über die beliebte Zahlensymbolik zu handeln, die wohl Gerard selbst verfaßt hat. Daraus ergibt sich aber, daß Dodo mit dem uns unbekannten Adressaten Isingrim in Beziehungen stand. Etwas mehr Licht fällt auf das Verhältnis Gerards zum Abt Richard. Es handelt sich hierbei um eine Schrift Gerards De divino patrimonio, die dieser nach p. 258 vor kurzem einem Andreas ■— Gerard nennt ihn dort divinus frater — übersandt hatte. Etwas deutlicher spricht er sich gegen Ende seines Werkes p. 296 darüber aus, indem er sagt, daß er im vorigen Jahre die Schrift dem Presbyter Andreas divinae germanitatis viro gesendet habe; sie befinde sich jetzt beim Abt Richard. Andreas ist uns unbekannt, Richard aber ist der berühmte Reformabt von St. Vannes in Verdun, mit dem Gerard wohl bekannt geworden war, als jener 1025 bei einer Pilgerfahrt nach Jerusalem durch Ungarn kam. 2 ) So reichten die Beziehungen Gerards, der selbst früher in Frankreich gewesen war, nach Lothringen und zwar hier unmittelbar in ') D. G. 2,209. I Richard Abt von St. Vannes S. 97, daselbst 2 ) Richard trat sie im Oktober 1025 an , über Ungarn S. 44 f. und kehrte 1026 zurück, vgl. E. Sackur, | 76 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. das bedeutende Reformkloster. Und daß er selbst für die Reform eingenommen war, geht aus seinem erhaltenen Werke deutlich hervor. Denn hier äußert-'er fast auf jeder Seite einen großen Abscheu gegen alles Weltliche und stellt in seiner gewohnten Mystik die Geistlichkeit als die Sonne hin. Bei ihm, der p. 286 die Physik, Ethik und Logik christlich-mystisch umdeutet, zeigt sich mit voller Deutlichkeit, wie schwierig es doch für den aus der Schule des Altertums gebildeten Geistlichen war, seine ganze Schulung zu verleugnen und als Schriftsteller sich lediglich auf christliche Grundlagen zu stellen. Gerard versucht es zwar und hat es hierin weit genug gebracht. Nur eine einzige Anführung aus einem altrömischen Autor entschlüpft ihm, aber dies Terenzzitat kritisiert er mit den Worten unus ex vestris ait, d. h. einer von eurer Partei, die es mit den artes liberales hält. Und doch kann er die freien Künste nicht entbehren, denn er folgt auf Schritt und Tritt den Spuren Isidors; freilich galt dessen Gelehrsamkeit durchaus als christlich. Und den einst von ihm gelesenen Plato, d. h. doch wohl Chalcidius, bekämpft er, 1 ) so oft er kann, benutzt ihn aber augenscheinlich an einer Stelle. So gelten ihm die philosophi und mundani disputatores nichts gegen die divini und theosophi und p. 156 sagt er, daß Gott den Himmel als Grammatik, die Erde zur Rhetorik und Sonne, Mond und Sterne zur Dialektik gegeben habe. Und für die Menschen, die Fische, Widder, Steinbock, Stier usw. an den Himmel versetzten und den Sternen Götternamen gaben und die Sternbilder mit Namen aus der Mythologie benannten, hat er die Worte: Tales homines bestiis similes admittendi (p. 148f.) Und es macht jedenfalls einen seltsamen Eindruck, wenn er als christlicher Bischof alle Musikinstrumente insgesamt für Werkzeuge des Teufels erklärt (p. 7). So ist bei ihm die Weltverachtung auf einen sehr hohen Grad gestiegen und Endres hat vielleicht daher mit Recht die Vermutung ausgesprochen, daß er der Eremitenkongregation des hl. Romuald angehört habe, 2 ) die dann ihren schärfsten Vertreter in Petrus Damiani erhalten hat, der aber erst in dem folgenden Zeitraum zu behandeln ist. — Und daß Gerards Schriften sich wohl sämtlich auf theologische Stoffe erstreckten, geht aus einer andern Stelle der Deliberatio hervor, wo er p. 133 sagt, daß er einst beim Nachdenken über Psal. 101. 27 in seiner Erklärung des ersten Kapitels des Hebräerbriefes in breitester Weise Stoff aus dem Vorrat des hl. Geistes darüber zusammengetragen habe. Weiter ist Sicheres aus seinem Leben nicht bekannt, denn sein Biograph überliefert im späteren Teile seines Lebens fast nur anekdotenhafte Züge. Im elften Jahre aber nach Stephans Tode brachen Aufstände in Ungarn gegen die christlichen Priester aus und hierbei wurde auch Gerard 1047 auf grausame Art getötet. Er wurde zunächst in Pest beigesetzt, doch wurde seine Leiche sieben Jahre später nach Czanäd gebracht. Von seinen Werken hat sich nur die Deliberatio erhalten und auch diese ist erst seit kurzer Zeit näher bekannt geworden, 3 ) obwohl sie in einem älteren Druck vorliegt. l ) Vgl. namentlich Deliberatio (ed. Bat- ! lieh im Vergleich zu Matth. 15,19. thyan) p. 169 quibus dlctis Plato philosophus | 2 ) Philosophisches Jahrbuch 26,849. 351. comprobatur stultissime dicens humana cogi- \ 3 ) Und zwar durch G. Morin in der Revue tata non de corde sed cerebro manare, näm- Benedictine 27,516 flf. Gerard von Czanäd. 77 Deliberatio supra hymnum trium puerorum. Diese Schrift ist eine mehr als breite Erklärung zu Dan. 3, 57—65 und gewidmet einem Isingrimus überaus. Aus der kurzen, aber ungemein schwülstigen Vorrede scheint hervorzugehen, daß Isingrim den Gerard zu dieser Erklärung aufgefordert hatte. Er redet ihn p. 34 beatissime frater 1 ) an und bezeichnet ihn p. 54 als seinen Bruder im göttlichen d. h. heiligen Kollegium. An andrer Stelle (p. 65), wo er über die Philosophie spricht, sagt er „was zu lehren du nicht aufhörst" und nennt den Porphyrius „seinen Porphyrius" und weiter (p. 75) meint er, daß Isingrim die Erklärung besser gegeben haben würde. Ein Terenzwort bezeichnet er p. 266 Unus autem ex vestris . . . alt und endlich sagt er p. 250, daß er ihn zu vielem aufgefordert habe und er werde seinem süßesten Bruder Isingrim eine Stelle aus Cassiodor mitteilen. Nach alledem ist Isengrim Geistlicher gewesen und hat zugleich das Lehramt ausgeübt, sich also mit den freien Künsten beschäftigt; doch habe ich seine Persönlichkeit unter den Zeitgenossen nicht auffinden können. Von sich und den Zeitumständen spricht der Verfasser nur höchst selten und dann meist recht unbestimmt und nur wo er seine beiden andern Werke anführt, wird er deutlicher. Nur einmal klagt er, 2 ) daß Leute, die in der Schule kaum den Psalter gehört hätten, Bischofssitze sich anmaßten, wovon Deutschland und Ungarn zu erzählen wisse. Auch auf geschichtliche Dinge nimmt er sehr wenig Rücksicht und nur an einer Stelle (p. 96) spricht er über die Großen der Erde in der Vergangenheit und zählt die alten Perserkönige und die ägyptischen Herrscher aus ptolemäischem Hause auf. Das sind alle Anknüpfungspunkte des Werkes an Gegenwart und Vergangenheit. Um so reicher aber fließt der Strom theologischer Beredsamkeit. Die Deliberatio ist nun keine eigentliche Erklärung im gewöhnlichen Sinne, die das Schwierige erläutert und mit Hilfe patriotischer Gelehrsamkeit den Wortsinn historisch, allegorisch und moralisch wiedergibt, obwohl auch dazu der Ansatz nicht fehlt. 3 ) Sondern das Ganze gleicht eher einer ungeheuer langen Predigt 4 ) und zwar oft, wenn man von den zahllosen biblischen Anführungen absieht, einer extemporierten. Nämlich Gerard verläßt unausgesetzt den Faden seiner Erklärung, jedes beliebige Wort gibt ihm Veranlassung, es zu erläutern. Fortwährend unterbricht er sich mit Zwischenfragen (Quid dico? Quomodo? Vis audire? Nosti?), die er dem Isingrim in den Mund legt, um sie mit einem ,Disce 1 ' zu beantworten. So tritt bei dieser Belehrung oft der Ton einer angeregten oder auch behaglichen Unterhaltung ein und Gerard kommt dabei wirklich aus dem Hundertsten ins Tausendste. Immer wieder kommt ein neuer Gedanke, der aber stets wieder unterbrochen wird, um dann den früheren oft mit denselben Worten zu wiederholen. 5 ) Das Ganze geht auf ein außerordentliches Rühmen und Preisen Gottes und seiner Kirche aus und ist in acht Bücher von sehr ') Aehnlich p. 86 dicam . . . tuae fami- liaritati. 2 ) p. 122 Uli narrare possunt qui vix psal- mis auditis in schola cathedräs arripuerunt episcopales. De cetero Germania narret et Pannonia non sileat. 3 ) Vgl. p. 222 Hoc autem historialiter Ge- deon. Verum iste spiritualis Gedeon. 4 ) Vgl. hierzu besonders p. 91. 5 ) Und mehrmals sagt er, daß er den Faden weiterspinnen könne, aber Mangel an Zeit, Geschäfte andrer Art oder große Hitze halte ihn davon ab, vgl. z. B. p. 43. 78 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. verschiedenem Umfang eingeteilt, und da im ganzen neun Verse bei Daniel behandelt werden, so kommt auf jeden etwa ein Buch. Aber innerhalb dieser Bücher fehlt eigentlich jede Disposition, denn ein Gedanke löst den andern ab, ein Bibelwort das andere. Daher ist denn auch die Lektüre des Werkes alles andre eher als genußreich und sie wird nur einigermaßen erträglich durch die große Anzahl rhetorischer Fragen und die häufige Anwendung der Anaphora. Es mangelt also dem Verfasser nicht an rhetorischer Bildung, aber desto mehr fehlt bei aller Anwendung dialektischer Gewandtheit die Sicherheit der Schlüsse. Sein Werk ist ein Muster subjektiver Darstellung und vergleicht sich in dieser Beziehung mit den Schriften eines Rather "oder Atto. Aber auch die Sprache nimmt daran teil. Sie stellt ein ganz sonderbares Latein dar, dessen Wortstellung geradezu verschroben genannt werden muß und das durch seine seltsame Satzbildung und seine gesuchten und gekünstelten Worte sofort auffällt. Man bewegt sich ja damals in Ungarn auf einem für das Christentum ganz neuen Boden. Wer hier damals lateinisch schrieb, war ein Fremder oder hatte die Gelehrtensprache von Fremden erlernen müssen, es gab noch keine Schultradition. Da ist es nun von nicht geringem Interesse, daß der Herausgeber des Werkes p. XI f. auf eine ganze Anzahl Ungarismen in der Sprache aufmerksam macht, woraus hervorgeht, daß schon damals eine eigne Richtung des Lateins in Ungarn begann; und es wäre eine dankbare Aufgabe, diese Spuren in der frühesten lateinischen Literatur dieses Landes weiter zu verfolgen. Gerard war ein Italiener und hatte das Latein in seiner Heimat erlernt; er verstand aber Ungarisch 1 ) und ließ die Sprache seiner zweiten Heimat auf sein Latein wirken. Das setzt aber voraus, daß er sich schon lange in Ungarn befand, als er die Deliberatio verfaßte, und da hier als Endpunkt das Jahr 1046 zur Verfügung steht, in dem Richard von St. Vannes starb, so würden wir die Abfassungszeit ziemlich nahe an dies Jahr heranrücken rnüssen. 2 ) — Was nun die merkwürdige Erklärungsweise des Werkes betrifft, so ist sie natürlich nur zum Teil auf den Verfasser selbst zurückzuführen. Sie fußt hauptsächlich auf dem Hohenlied und der Apokalypse und auf deren Auslegern, auf den Briefen des Paulus und auf Augustin und verwendet auch spätere Quellen, wie den sehr häufig benutzten Isidor. Eine höchst wunderbare Spekulation trägt das Ende, da hier die Welt und ihr Wesen und ihre Bedingungen allegorisch aus dem Wesen der Gottheit erklärt werden. Bezüglich der von Gerard benutzten Quellen stehen, wie schon gesagt, die Bibel und ihre Ausleger obenan. Weiter wird Isidor sehr häufig von ihm verwendet, worauf schon Endres aufmerksam gemacht hat. Er nennt ihn sonderbarerweise nie mit Namen, obwohl er ihm soviel verdankt. Nur einmal scheint er ihn nennen zu wollen, unterdrückt aber den Namen und setzt nur ein ,aif ein, 3 ) das Wort, mit dem er fast alle seine unzähligen ') Vgl. hierzu die Erzählung in der Vita j viel zu großer Sicherheit vorgetragen. Gerardi 14 von dem Weibe, das Getreide , 3 ) p. 82 Denique, alt, de natura clisputare mahlte und sang (S. L. Endlicher, Rerum söhnt etc , wo er ein großes Stück von Et.2, Hungav. monum. Arpadiana p. 223 f.). 24,2 an aus Isidor fast wörtlich aushebt. 2 ) Was der Herausgeber Batthyany p. X Batthyany will die Stelle irrtümlich mit ,ais' über die Entstehungszeit schreibt, wird mit verbessern. Gerard von Czanad. 79 Bibelanführungen einführt. Außerdem benutzt er Chalcidius, wo er von der verschiedenen Gestalt des Mondes spricht (p. 122). Batthyany macht ferner an zwei Stellen geltend, daß der Wortlaut mitPapias übereinstimmt, und zeigt an vielen Orten den gleichen Gebrauch der Sprache und derselben Worte wie bei Papias auf. Das könnte zufällig sein, aber jene beiden größeren Stücke (p. 137 und 291) lassen keinen Zweifel aufkommen, daß ein engeres Verhältnis zwischen dem italienischen Grammatiker und dem aus Italien stammenden Bischof waltet. Dem widerspricht freilich die Abfassungszeit von Papias' Werk und man kann kaum annehmen, daß Gerard Schüler des Papias gewesen ist, er muß eher als ein älterer Zeitgenosse angesehen werden. So würde entweder daran zu denken sein, daß die Zeitangabe bei Papias s. v. Aetas im Druck unrichtig ist, oder daß Gerard ein vor dem großen Lexikon erschienenes Werk des Papias vorliegen hatte; und zwar ist mir der zweite Fall wahrscheinlicher, da die Sache bei Bruno von Würzburg ganz ähnlich liegt. 1 ) Die dreißig Arten von Häresien, die p. 17 ff. aufgezählt werden, stammen vielleicht aus einer lateinischen Übersetzung des Tlavagiov von Epiphanius. Mit Namen aber führt Gerard von seinen Quellen Cassiodor und Ambrosius an, während er seinem Terenzzitat die Worte unus ex vestris voranstellt. Außerdem werden erwähnt Cicero, und zwar einmal mit der Angabe, daß er die ganze Rhetorik aus dem Griechischen ins Lateinische übertragen habe, Macrobius, Zeno und Menander, Aristoteles, Plato, Hippo- krates und Galen, Plotius, Chrysippus, Porphyrius, Eucherius, Gregor der Große und Beda. Öfters spricht er ganz allgemein von Philosophen, unter denen er wissenschaftlich gebildete Leute versteht, und auch von Grammatikern. Der Umkreis seines Wissens ist also durchaus nicht so gering, aber er prahlt nirgends damit, und mit Verehrung und Begeisterung spricht er nur von christlichen Schriftstellern, während er fast stets gegen alles Antike ankämpft. Jedenfalls gehört Gerard zu den eigenartigsten Schriftstellern des 11. Jahrhunderts sowohl nach dem Inhalt wie nach der Form seines Werkes. Übrigens schreibt ihm Fr. Sansovino 2 ) noch weitere Werke zu, nämlich De laudibus b. Mariae virginis lib. I, Sermonum quadragesimalium lib. I und Homeliarum sollennitatum totius anni lib. I; er bringt aber dafür keine Unterlagen bei, und somit sind diese Angaben zunächst ohne Wert, wenn man auch nach der Deliberatio recht gut annehmen könnte, daß Gerard Predigten verfaßt habe. Zeugnisse. Zur Abstammung vgl. Vita Gerardi (bei Endlicher, Rerum Hungaricarum monumenta Arpadiana p. 205) 1 Gerardus nacione Venetus de civitate Veneciensi natus in palacio patricie familie und Vita maior Stephani regis 14 (MG. SS. 11,236,25) Ad nutum etiam ipsius servi dei (sc. Guntheri) rex . . . monasterium quod Bei nuncupatur incipiens omnibus bonis düavit; tibi monachus Gerardus de Venetia veniens vitam contemplativam agere coepit, qui constitutione superna pontifex electus post obitum sancti regis instante turbatione christianitatis ktpidatus est et . . . dignus eff'ectus est consortio martyrum. Zur Darbringung im Kloster Vita 1 p. 205 cum esset annorum quinque . . . parentes obtulerunt eum s. Georgio martyri cum oblacionibus ad eins monasterium deferentes puerum . . . vestitus est habitu re- gulari. Transacto autem in scholis monachorum quinquennio magister eius considerato sagacitatis eius ingenio mirabatur quod eos qui ipsum prevenerant sciencia preveniret, Auf- ') Vgl. unter Papias und unter Bruno von 2 ) Descriptio civitatis Venetae lib. XIII Wiirzburg (S. 72). | fol. 227. Vgl. hierzu Batthyany p. VII adn. c. 80 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. enthalt in Bologna 4 p. 207 abbas suus Gwillermus . . . dixit . . . ne ordo patris nostri s. Benedicti in scienciis liberalibus detrimentum paciatur . . . constituerunt Gerardum et Sir- dianum . . . Bononiam transmiserunt, tibi notabilüer egregieque in scienciis grammatice philozophie musice et decreti omniumque liberalium scienciarum artibus instructi quinto tandem anno revocuti sunt, ipsarum scienciarum libros secum apportantes. Erhebung zum Abt. 5 p. 208 Defuncto itaque patre monasterii magister Gerhardus eligitur in abbatem. Aufenthalt in Frankreich Deliberatio p. 84 In Piatone quippe disputationes quondam apud Galliam constitutus qitasdam de deo Hebreorum confidenter fateor nie legisse et coelestibus animis. Beziehung Fulberts zu dem Ungarnbischof Bonipertes vgl. Fulberti epist. 1 (Migne 141, 189B) Sancto ac venerabili archiepiscopo suo Boniberto Fulbertus . . . Significavit autem nobis filius noster tuusque fidelis Hildvinus tuae caritatis erga nos insignia, fideliter asserens unum de nostris Priscianis te velle, quem et per eundem libenter mittimus, quidquid etiam de nostro petieris hilarissime tibi si possibile fuerit transmissuri. Pilgerreise 5 p. 208 post aliquot autem annos . . . volens proficisci ad monasterium b. Ieronimi in Betlehem visitareque sancium locum quem Christus glorificavit . . . exorta est autem eis magna difficidtas remigandi in mari propter contrurium ventum. . .. unde applicuerunt cuidam monasterio in quo contigit dominum Rasinam abbatem monasterii s. Martini olim amicum suum peculiarem adesse; Ergebnis der Verhandlungen mit Rasina6 p. 210 diffinivit ergo apud se dominus Gerhardus acquiescere con- siliis abbatis Rasine. Zu Maurus 7 p. 210 tandem Quinqueecclesias ad dominum Maurum epi- scopum pervenerunt und 8 p. 212 Gerhardo secum assumpto ad ipsum dient festum ad regem Albam venerunt. . . . et dabo Uli civitatem Morisenam ut in ipsa episcopu-s ordinetur. (213) ecce dedi tibi hodie episcopatum urbis Morisene 1 ) . . . et deinceps vocatus est Gerhardus eleetus. Zur Erziehung Emerichs 9 p.213 fecitque eum filii sui Hemerici ducis magistrum diebus multis. Zum Eremitenkloster 9 p. 213 tumultum populi fugiens heremum peciit, que vulgo Beel vocatur (vgl. hierzu oben die Stelle aus der Vita Stephani), ubi continuis Septem annis .. . immobilis remansit, edificans sibi cellam, in qua dictabat libros, quos propria manu scribebat. Ueberweisung des Bistums 11 p. 218 et nunc episcopatum, quillt estimo te respicit assume. Zur Schule vgl. 12 p. 219 und 13 p. 221 et congregabat scolares . . . concurrebant ad eum Tewtonici Bohemi Poloni Galilei et ceteri quibus ordinatis parochias sue dyocesis conferebat. Zu Dodo vgl. Deliberatio p. 64 sive te enim ex parte haec non ambigo, quondam presbyterum Dodonem a nobis accepisse. Zu Andreas vgl. p. 258 Supra autem hoc in libello de divino patrimonio, quem nuperime in tabellis solius i ) ad Andream divinum fratrem exemplicavi, quidquid divina plenitudo de suis thesauris nobis largita est und deutlicher p. 296 In libello autem quem ad Andream presbyterum divinae germanitatis virum de divino patrimonio expressimus, qui nunc apud abbatem Richardum incontaminatum Christi famulum divinitus eruditum est, de istiusmodi tarn nudatione quam reseratione latissime anno praeterito disputavimus, ideo non immorandum praecipue cum nos iam Stylus fatiget?) Zu Plato vgl. oben die Stellen aus p. 84, 169 und auch 277 Si percurrere tempto mundi philosophorum nenias, dies me imprimis deficiant, maxime de Ulis, qui dixerunt virtutem dei in atomis et mundum non finiendum praesentem, deum vero de quattuor elementis factum et orbem divina potentia. Benutzung des Chalcidius p. 122 Lima ex magnitudine mensae quae nunc bicornis nunc sectilis nunc media nuncplena, vgl. Chalcid. in Tim. 37 (ed. Wrobel p. 103). Gleichsetzung des Triviums mit Himmelskörpern p. 156 coelum pro grammatica, terram pro rhetorica, solem et lunam et Stellas pro dialectica atque pro ceteris cetera . . . in doctrinam dedit. Zu den Musikinstrumenten p. 7 et ad vocem tubae fistulae et citharae sambucae et psalterii et symphoniae et universi generis musicorum nosmet prosternimus. Haec quidem omnia secundum hoc instrumenta diaboli sunt. Schrift über den Hebräerbrief p. 133 Quondam vero ibi, ubi dicitur in psalmo ,ipsi peribunt, tu aidem permanebis' disputans secundum mediocritatem meam, in primo capitulo epistolae Pauli ad Hebraeos, quidquid invenire ex apotheca s spiritus supra hoc potui, stylo latissimo commendavi. Das Ende Gerards in der Vita 19 p. 227 anno undecimo post mortem s. regis Stephani hoc ordine ad martirium accessit. cum ergo maxima dicordia orta fuisset inter Petrum regum et Ungaros und 20 p. 229 in pectore lancea percussus ac deinde super unum lapidem ipsum trahentes contriverunt cgrebrum eius. Sicque gloriosus martir . .. ad ... bea- titudinem migravit in anno domini millesimo quadragesimo septimo. Bestattung und spätere Uebertragung der Leiche 21 p. 230 ff. Zum Leben G. Morin. Rev. Böned. 27, 516 ff. und J. A. Endres, Philos. Jahrbuch 26, 349 ff. Titel der Schrift: Deliberatio Gerardi Moresanae ecclesiae episcopi supra hymnum trium puerorum ad lsingrimum liberalem. Aufforderung p. 2 Fateor vero me quemquam in hoc, quod examinandum postulasti, minime admisissse und Deus autem meus . . . adiuvet sie me a ) Dies ist aber nach 11p. 218 unrichtig. 2 ) Das VVort bedeutet hier etwa soviel als nempe; Gerard gebraucht diesen Genetiv meist gleichbedeutend mit dummodo, dum- taxat oder tantum; vgl. Endres S.363. 3 ) Dieser letzte Gedanke kehrt bei Gerard häufig wieder. Gerard von Czanäd. 81 tuae postulationi satisfacere, quo inimicorum laqueos possim evadere. Zu Isingrim vgl. p. 54 demonstrativ vero etiam nostro in fratre divini collegii Isingrimo; p. 65 ponentes primum qenus, deinde speciem et cetera quae tu docere non cessas; p. 75 quod tu mirabilins, solius 1 ) cordi esset, quiveras perlibare; p. 250 Quia vero de multis tua me provocavit dileetio atque in postero non me dubito provocandum . . . quid peritus ad therapeutas de ipsius incom- prehensibili Cassiodorus omni suavius expresserit nectare, breviter Isingrimi mei dulcissimae qermanitati expediam. Die gekennzeichnete Art des Werkes besonders p. 75 und 78, 154 f. und 157; p. 229 beginnt er mit dem Wort spiritus, doch erst p. 267 kommt er hier auf sein eigentliches Thema, nämlich die Erklärung des Wortes. Und so geschieht es mehr oder weniger bei allen Büchern des Werkes. Sprache. Gerards Sprache verfügt über eine Menge ungewöhnlicher Worte wie an- »iuZätior p. 204. compareus 203. contubernitas 203. corviliter 199. excorpor 247. extranietas 203. faborare 265. haurüus (= haustus) 246. hirciliter 265. incensanter 202. instantaria 200. manatissimus 203. misterialiter 52 u. a. pennutus 200. perfectores 75 u. a. porciliter 88. potentare 231. 235. 265. praeambire 50. 153. scientiatus 153 u. a. Besonders auffällig treten alle möglichen mit super zusammengesetzten Worte hervor, für die Gerard eine merkwürdige Vorliebe besitzt. So steht super vor admittere, benedicere, collocare, exaltare, excellenter, formalis, intelligibilis, laus — laudare — laudatio, mundanus, reponere, sapiens — sapienter, und solche Worte häufen sich p. 281 (principalitas, invisibilitas, incomprehensibilitas, in- effabilitas, tenuitas) in einer geradezu geschmacklosen Art. Seltne Worte auf Um sind pectoratim p. 1, formulatim p. 10. Zur Benutzung älterer Autoren. Die Verwendung Isidors erstreckt sich auf die Etymologien und auf De natura rerum. So ist die Erklärung über die Septem codi der Philosophen Isid. nat. rer. 13 (oder aus dessen Quelle Ambros. hexaSm. 2, 2, 5 f.) genommen. Dorther (15,2) stammt die Notiz p. 57 Philosophi saeculi solis ignem — a mortalibus. Die Etymologie von aqua p. 71 aus Et. 12, 12,1. Der Satz p. 79 über die Erfinder und Ueber- trager der Rhetorik aus 2, 2, 1. Daran schließt sich ein großes Stück p. 80—82 über die Philosophen [Tales Milisius — epithalamio) aus 2,24,4—8. Die Etymologie von homo p. 85 aus Et. 11, 1,4, die von sol p. 113 aus 3, 71, 1, die Bemerkung über die Sterne p. 144 Ex Ulis autem — stationariae fluni aus De nat. rer. 22, 3 und p. 145 Perhibentur etiam — Bootes aus Et. 3, 60,1 f. Die Etymologie von mundus p. 156 aus Et. 3, 28. Die Notiz über die Plejaden aus De nat. rer. 26, ebendaher die Mitteilungen über Orion, Arcturus, Sirius, Cometa. Sonst stammen die Etymologien von numerus p. 43 aus 3, 3, 2 und von ros aus 13, 10,10. Zu Cassiodor vgl. oben, das Stück ist aus lnstit. div. litt. 16 genommen (bei Gerard p. 250— 253). Aus Terenz stammt p. 266 veritas . . . odium parit, Andr. 1, 1, 41; zur Einführung vgl. oben. Von Ambrosius wird p. 287 eine Stelle der Vorrede zum Lukaskommentar benutzt. Zu Chalcidius vgl. oben. Cicero wird genannt p. 9 nisi brachiis Ciceronis adstringaris und p. 148 Ciceronem, qui totam argumentose rhetoricam e graeco in latinum transtulit. Macrobius p. 9 Forte Macrobius tales in superioribus dicit, quamquam horum unus idem. Zeno p. 9 Zeno suam (seil, philosophiam) evomuit und p. 84 in Zenone autem Stoicorum principe inferos et immortales animos legere potes, si placet, solius (= dummodo) volumen udesset. Aristoteles p. 27 Non dubites Cephan (= Petrum) Aristotele profundiorem und p. 66 Aristotelis praedicamenta. Plotius p. 27 Iacobum tuo Plotio expeditiorem, Chrysippus p. 30 ■nisi Crisippus obstaculum tibi flat. Porphyrius p. 65 quemadmodum tuus Porphyrius in suis isaaogis comprobatur fecisse und 66 et scientatas Porphyrit isagogas. Eucherius p. 36 De prineipalibus autem numeris ad Salonium Eucherii fateor me quondam legisse librum. 2 ) Gregor p. 290 Simüiter habes in Ezechiele de divinis animalibus . . . has virtutes animarum volunt nostrates, inter quos unus beatissimus papa G-regorius scripsit et dixit simüiter. Beda p. 67 quem divinus sacerdos therrapeuta optimus Beda celebrem in primo opusculorum, quae in contemplationibus . . . voluminis divini Ioannis apocalypseos sagaciter . . . perfecit, dicit. Hippokrates und Galen p. 119 divina antidota . . . non inventa ab Hypocrate et Galieno sed a spiritu saneto confeeta. Zur Polemik gegen Plato vgl. oben. Ueberlieferung im Monac. 6211 s. XI (aus Freising). 3 ) Einzige Ausgabe: S. Gerardi episcopi Chanadiensis scripta et acta hactenus inedita cum serie episcoporum Chanadiensium op. et. stud. Ignatii comitis de Batthyan, Albo-Carolinae 1790. Vgl. J. A. Endres, Studien z. Gesch. der Prühscholastik in .Philosophisches Jahrbuch" 26,349—359; Wattenbach 2, 209. *) Zur Bedeutung des Wortes vgl. oben. 2 ) Zur Zahlensymbolik bei Gerard vgl. p. 42 und 164. 3 ) Auf die Hs. machte Meichelbeck, Hist. Frisingensis 1, 141 aufmerksam. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 82 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Anhang. Das Erziehungsbuch für König Stephans Sohn Emerich. Ich lasse im Anhang zu Gerard die kleine Schrift folgen, die fälschlicherweise unter dem Namen des Königs Stephan geht und Gerard unrichtig beigelegt ist. Diese Schrift, die lateinisch geschrieben ist und durch ihren ganzen Inhalt klerikale Autorschaft verrät, hat ein Geistlicher im Namen des Königs verfaßt. Es ist kaum zu bezweifeln, daß es ein Bischof war, da diese Herren dem Könige zunächst standen, und da man in der Vita Gerardi 9 liest, daß Gerard von Czanäd längere Zeit Erzieher Emerichs war. so konnte sich die Meinung befestigen, daß er das Schriftchen verfaßt hat, in dem der König zu seinem Sohne spricht. Aber wie schon oben erwähnt wurde, die Sprache dieses Erziehungsbuches ist von der Gerards so verschieden, daß er als Verfasser auszuscheiden hat. Im Vorwort spricht der König über die Notwendigkeit der Belehrung des Sohnes: Da alle Gewalten dieser Erde nach göttlichem und menschlichem Rechte geleitet würden und danach ihren Untergebenen Unterweisung zukommen ließen, so halte er es für richtig, seinem Sohne Ratschläge zu erteilen, um dereinst, wenn er zum Throne gelangt sei, sein und seiner Untertanen Leben sittlich hoch zu bringen. Der Sohn aber solle sich nach seinen Ermahnungen richten, wie schon Saloiiio es angeraten habe; wenn er das nicht tue, werde es ihm gehen wie Adam und dem jüdischen Volke, und er möge an das Schicksal Absaloms denken, der dem Vater ungehorsam war. Der Sohn sei noch unerfahren in den Anstrengungen des Krieges, in denen er fast sein ganzes Leben zugebracht habe, und die Zeit sei da, wo er nicht mehr der bequemen Ruhe pflegen dürfe, sondern das rauhe Leben kennen lernen müsse. Das Schriftchen selbst ist, wohl entsprechend dem Dekalog, in zehn Kapitel eingeteilt. An erster Stelle wird dem Sohn die Bewahrung des rechten Glaubens ans Herz gelegt, damit er nicht in Ketzerei falle. Hieran schließt sich das Gebot, die Kirche zu ehren, die in Ungarn als jung und neu besonderen Schutzes bedürfe. Ferner solle der Sohn die Priester ehren, da sie die Zierde des königlichen Thrones seien und deren Wohlwollen ein Schutz vor allen Gegnern sei. Dann solle er die Fürsten und Vasallen des Reiches so halten, daß sie ihm wohl Untertan, aber nicht seine Knechte seien, denn dadurch bewahre er dem Reiche den Frieden. An fünfter Stelle wird dem Sohn geraten, Recht und Gesetz herrschen zu lassen und Langmut und Milde zu üben. Ferner legt ihm der König ans Herz, Gastfreunde und Fremde aufzunehmen und zu pflegen, denn dadurch sei das römische Imperium groß geworden, indem viele edle und weise Männer dahin gekommen seien; ein Reich, dessen Bewohner nur eine einzige Sprache redeten und bei dem nur eine und dieselbe Sitte gelte, sei schwach und unbeständig. Ferner solle der Sohn den Rat älterer und erfahrener Männer hochschätzen, denn nur durch klugen Rat werde in einem Reiche alles geordnet. Dann wird ihm geraten, das Beispiel der Vorfahren nachzuahmen und dem Beispiel der Eltern zu folgen. Zu alledem sei aber inständiges und demütiges Gebet notwendig, wie die Alten es schon getan Otloh von St. Emmeram. 83 hätten. 1 ) Endlich solle er fromm und mildherzig sein und alle anderen Tugenden üben, von denen einige noch besonders aufgeführt werden. Aus alledem bestehe die königliche Krone und ohne diese Tugenden könne niemand auf Erden herrschen oder ins Himmelreich gelangen. — Der Inhalt dieser zehn Kapitel zeigt den Ungarnkönig als einen sowohl dem Christentum wie der Kirche durchaus ergebenen Fürsten, der seinem Sohn die rechte Anleitung zur künftigen Herrschaft zu geben bestrebt ist. Die kleine Schrift ist mit biblischen Anführungen und Worteu ganz durchsetzt, woraus sich unmittelbar geistliche Urheberschaft ergibt. Die Sprache ist klar und meist gefällig und hält sich von jedem aufdringlichen Schwulst frei. Daß der König Latein wählte, läßt darauf schließen, daß sein Sohn schon den Unterricht Gerards genossen hatte, als er die Schrift für ihn ausarbeiten ließ, die wohl um 1030 entstand. Zeugnisse. Titel S. Stephani regis de morum institutione ad Emericum ducem. Vorrede (ed. Endlicher p. 299) Cum cuncta dei nutu condila . . . scilicet regna consulatus du- catus . . . partim divinis preceptis . . . partim legibus . . . regi . . . videam . . . tunc nee me piget, fili amdbilissime, hac vita comite tibi documenta . . . ponere, quibus tue vite mores tibique subiectorum exornes, quando qicidem . . . post me regnabis . . . (300) Puer es . . . fotus educatusque in delictis eunetis, totius expedicionum laboris . . . expers, in quibus ego iam fere meam totam contrivi etatem. Iam tempus adest, in quo tibi non semper pulvinum molUcie . . . adhibende sunt . . . sed interdum vimen et asperitas tribuenda est. Der Schrift ist ein Verzeichnis der Kapitel vorangestellt. Ueberlieferung: Vindob. s. XV. Ausgaben: Migne 151, 1233, Florianus, Hist. Hungaricae fontes domestici 1, 102—112, und besonders S. L. Endlicher, Rerum Hungar. monumenta Arpadiana p. 299—309. Wattenbach 2,209. 10. Otloh von St. Emmeram. Otloh ist um das Jahr 1010 im Freisinger Sprengel geboren und erhielt seinen ersten Unterricht im Kloster Tegernsee, wo er zuerst als kleiner Knabe das Schreiben autodidaktisch erlernte, so daß er zu allgemeiner Verwunderung schon schreiben konnte, als er die erste Wachstafel erhalten hatte. Und er wurde später trotz seiner anfänglichen falschen Federhaltung ein ungemein gesuchter und beliebter Schreiber. Um sich im Schreiben zu vervollkommnen, wurde er dann 1024 als Knabe in das Kloster Hersfeld geschickt, wo er sich dieser Tätigkeit so hingab, daß er beinahe das Augenlicht verloren hätte; er schenkte auch später dem Kloster zwei Bücher. Dem ersten Unterricht wurde, wie er selbst erzählt, der Psalter zugrunde gelegt, und es folgten dann die Disticha Catonis und die Fabeln Avians; da beide Dichtungen dem heidnischen Altertum angehörten, suchte er sie später durch seine christlich gehaltenen Proverbia zu ersetzen. Mit Leib und Seele muß der Knabe am wissenschaftlichen Leben des Klosters gehängt haben, denn gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters bestimmte er sich damals schon innerlich zum Mönche. Aber als er heimkehrte, hielt er sich an sein Gelübde nicht für gebunden und lebte als Weltgeistlicher. Als solchen berief ihn Bischof Meginhard von Würzburg wegen seines großen Schreibtalentes zu sich, und dann scheint er sich vor seiner Priester- ] ) Hierzu wird Sap. 9, 10 und Eccli. 23,1—6 (mit Kürzungen und Veränderungen) angeführt. 6* 84 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. weihe in einer Landpfarre aufgehalten zu haben, wo er in einer Vision zu hören glaubte, daß ihm Gott wegen seines schönen Gesanges das Himmelreich versprach, während er in einer andern Vision heftigen Tadel seiner Amtsbrüder durch Gott wegen ihres bäurischen Gesanges vernahm. Aber er verfeindete sich hier völlig mit dem Erzpriester Werinhar, dem Propste in Freising, den er in einem scharfen Gedichte heftig angriff und dann von neuem gegen sich aufbrachte. So erschien ihm der Weggang aus dem Freisinger Sprengel begehrenswert und er wandte sich nach Regensburg, wo er im Kloster des hl. Emmeram nicht nur gebildeteren Umgang, sondern auch eine reiche Bibliothek erhoffte. Abt Burchard nahm ihn auch als Gast auf und hier war es, wo er sein früheres Gelübde zur Tat werden ließ. Nach seinem eignen Geständnis war er bis dahin besonders der Lektüre der Klassiker ergeben und als er zu St. Emmeram einst vor der Tür des Hospizes den Lucan las, zu dem er sich ganz besonders hingezogen fühlte, wurde er infolge eines heißen Windes krank. Er setzte aber trotzdem die Lektüre Lucans fort und hatte eine Woche später in der Nacht eine furchtbare Vision, so daß er am nächsten Morgen glaubte, daß sein Gewand und sein Bett von Blut triefe, obwohl er mit einem Ausschlag am Rücken davonkam. Während er davon genas, riet man ihm, ins Kloster einzutreten, und er hatte auch den Willen dazu, aber er beschloß doch, in die Welt zurückzukehren, und er war nur noch nicht mit sich einig, wohin er sich von Regensburg aus wenden solle, als er einen neuen und wesentlich verstärkten Anfall der Krankheit bekam. Nun war er davon überzeugt, daß Gott seinen Eintritt ins Kloster wolle, und er bat daher die Brüder von St. Emmeram um Aufnahme. Sie ließen sich endlich nach vielen Gegenvorstellungen bereit finden, ihm im Falle der Gesundung die Aufnahme zu gewähren. Das geschah auch nach kurzer Zeit und er trat nun im Jahre 1032 als Mönch in St. Emmeram ein. Hier wußte man seine Gelehrsamkeit bald zu schätzen, und obwohl er das nötige Alter nicht besaß, wurde er zum Amt des Schulmeisters berufen. Freilich seine Beschäftigung mit der klassischen Literatur kam ihm jetzt unchristlich vor und er wandte sich immer mehr zur Lektüre der heiligen Schriften. Allerdings hatte er nun Versuchungen aller Art zu bestehen und sein aufgeregter Gemütszustand ließ ihn lange Gespräche mit Gott führen. Um auch andre an diesen inneren Erlebnissen teilnehmen zu lassen, verfaßte er später nicht nur ein Buch über seine Versuchungen, sondern er zeichnete auch seine Visionen genau auf und gab in beiden Werken über seine seelischen Zustände dieser früheren Jahre genaue Rechenschaft. Er zeigt hier sein besonders fein organisiertes Gemüt und offenbart sich als eine sehr sensitive Natur. Er fand unter den hochgebildeten Mönchen des Klosters mehrfach geistig Mitstrebende. So den Propst Arnold, der in den auf den Eintritt Otlohs folgenden Jahren seine berühmten Geschichten über den hl. Emmeram zusammenstellte, die von Otloh später für seine Biographie des hl. Wolfgang benutzt wurden. Enge Beziehungen unterhielt er mit dem Mönch Wilhelm, der später im Jahre 1069 zum Abt von Hirschau berufen wurde. Er begleitete ihn einst auf einer Reise und schenkte ihm vier Bücher, die er geschrieben, darunter ein sehr wertvolles Meßbuch; Wilhelm scheint Otloh von St. Emmeram. 85 ihm aber seine Astronomie und seine Musik gewidmet zu haben. 1 ) Auch der Mönch Heinrich von Reichenau, der mehrmals als Gast in St. Emmeram verkehrte, wurde mit ihm befreundet und die zwischen beiden gepflogenen wissenschaftlichen Unterhaltungen wurden dialogisch von Otloh aufgeschrieben und auf Heinrichs Wunsch der Dialog mit den Namen versehen, die der Verfasser zuerst geflissentlich weggelassen hatte. Zu Anfang 1054 unternahm Otloh eine Reise nach Fulda, die ihn in nähere Verbindung mit dem berühmten Kloster brachte, das ihm späber zum Zufluchtsort wurde. Dies hängt mit den unerquicklichen Verhältnissen in St. Emmeram zusammen, wo nämlich die alte Verbindung der Abtwürde mit dem Regensburger Bistum unhaltbar geworden war und daher Urkunden gefälscht wurden, um die Unabhängigkeit des Klosters vom Bistum in karolingischer Zeit darzutun. Man ging sogar so weit, zu behaupten, daß die Reliquien von Dionysius Areopagita 899 durch einen Diebstahl aus St. Denis nach Regensburg gelangt seien, und Otloh verfaßte zu Ehren des Heiligen nicht nur eine Sequenz, sondern schrieb auch wahrscheinlich die lügenhafte Geschichte seiner Übertragung nach Regensburg. Auch sonst beschäftigte sich Otloh mit Dionysius, indem er sowohl Hildvins Schrift über ihn an Ludwig den Frommen als auch das ihm fälschlich beigelegte Werk Caelestis hierarchia abschrieb. Da sich nun Otloh, der inzwischen Dekan geworden war, nicht mit dem Abt Reginward vertragen konnte, so erbat er sich schließlich von diesem die Erlaubnis, nach Fulda zu gehen. Das geschah im Jahre 1062, kurz bevor das Kloster zu St. Emmeram abbrannte. Hier lebte er vier Jahre in voller Muße und verfaßte auf inständiges Bitten der Brüder eine neue Biographie des Bonifatius, zu der er das von Willibald geschriebene Leben mit den Briefen von Bonifaz verband. Auch widmete er dem Abt Widrad von Fulda das schon vor 1062 verfaßte Leben des hl. Nikolaus und begann seine ausgedehnte Sammlung von Sprichwörtern, den Liber pro- verbiorum. Endlich kehrte er auf die Bitte seiner ehemaligen Brüder zurück, obwohl man ihn in Fulda nur sehr ungern fortließ. Aber er blieb noch ein Jahr im Kloster Amorbach, ehe er nach Regensburg zurückkehrte, um dort auf die Besserung der Verhältnisse in Regensburg zu warten. Zu Amorbach verfaßte er auf inständiges Bitten des Abtes eine Predigt Quomodo legendum sit in rebus visibilibus, zu deren Ausgangspunkt er Psal. 52,3 nahm. Dann erst begab er sich wieder nach St. Emmeram, wo er die letzten Jahre seines Lebens mit schriftstellerischen Arbeiten hinbrachte. Frühzeitig stellten sich bei ihm die Gebrechen des Alters ein und er scheint nicht lange nach 1070 gestorben zu sein. Zeugnisse. Grundlegend für die Biographie Otlohs ist die vortreffliche, aus den Quellen geschöpfte Arbeit von Diimmler, Ueber den Mönch Otloh von St. Emmeram, Berl.SB. 1895 N. 48 S. 1071—1086. Zum Namen vgl. Dümmler S. 1071 und n. 1—3. Zur ersten Schule vgl. Liber de temptationibus (Migne 146, 57 A) in loco illo quo talia didici id est in coenöbio Tegrinsee. Zum Schreiben vgl. daselbst (56 D) Cum igitur parvus scholari disciplinae traditus fuissem litterasque celeriter didicissem, coepi etiam longe ante solitum tempus discendi sine iussu magistri artem discere scribendi. Furtivo enim et insolito modo nee non sine docente nisus sum eandem artem scribendi apprehendere. Qua de re contigit, x ) Nach J. A. Endres. Forsch, z. Gesch. d. frühmittelalterl. Philosophie S. 72 f. hat er aber nicht mit Wilhelm den Dialog über Astronomie geführt. Daselbst S. 67 ff. über Otlohs Stellung zur weltlichen Wissenschaft und S. 74 ff. seine Stellung zur Dialektik. 86 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Ut pennam ad scribendum inrecto usu retinere consuescerem, nee postea ab ullo doeente super hoc corrigi valerem . . . Quod cum viderent plures, dixerunt omnes nunquam nie bene seripturum. Sed äliter evenit ex gratia dei, sicut plurimis iwtum est. Nam cum in pueritia ipsoque tempore, quo tabula mihi data est cum aliis 2>ueris ad discendam scrip- tnram, inderer aliquod scribere nosse, miraculum non parvum praebui; deinde vero non post longum tempus tarn bene scribere coepi ut . . . multos libros scripsissem. Er selbst zählt die Bücher auf, die er geschrieben hat, vgl. Lib. de temptat. (col. 57C—58C); davon sind erhalten die Münchner Handschriften 14137. 14673. 14756. 14463. 14464. 14490. 18611. 18937. Mus. Brit. Add. 22793. Berol. theol. qu. 365, vgl. P. Lehmann, Ztschr. d. deutsch. Vereins f. Buchwesen und Schrifttum 3,12. Aufenthalt in Hersfeld Visio 5 (Migne 146, 357C) Cumpuer adhuc ad monasterium Herveldense scribendi causa transmissus fuissem; hier lernte er die beiden Hildesheimer Kanoniker Boto und Wolfhere ') kennen, die zur ausgezeichneten Hersfelder Schule vom Bischof Godehard geschickt worden waren, vgl. daselbst Inde namque duo canonici a b. m, Gotehardo episcopo discendi gratia ad scholam, quae per idem tempus sub abbate Arnulfo ibi satis pollebat, missi sunt, quorum iunior Boto, alter vero Wolfharius dicebatur. Zum Schreiben in Hersfeld vgl. Lib. tempt. (col. 57 A) et in Franciam translatus adhuc puer, ibique infantum multa scribendo laborassem, ut inde rediens pene visu privatus fuissem und 58B Tradidi . .. Berveldensibus autem duos libros. Die Reihenfolge im ersten Unterricht gibt Otloh im Prolog zu dem Liber proverbiorum (Migne 146, 300C) Proverbiorum autem hie collectorum dictis parvuli quilibet scolastici-) .. .possunt apte instrui post lectionem psalterii. Sunt enim . . . planioris sententiae quam illa fabulosa Aviani dieta, sed et utüiora quam quaedam Catonis verba, quae utraque omnes pene magistri legere solent ad prima puerorum documenta. Zum Mönchsgelübde vgl.Doctr. spirit. 15, 7 (Migne 146, 280C) Nam praeter votum, quod iam nuperrime feci, Olim promisi, cumparvus adhuc puer essem Ac spe discendi pollerem more scholari, Me submissurum legi sanetae monachorum und Visio 2 (col. 347 A) ad religionis monasticae vitam, quam olim quoque, cum adhuc essem parvulus . . . pollicitus sunt; Stellung des Vaters dazu Visio 3 (col. 347 B) ut ad monasticae religionis vota remearem, a qua pene invitus patris mei pre- ciaus assiduis discessi. Zum Weltpriester vgl. Lib. tempt. (col. 45 D) prius in saeculo constitutus, (46D) in saeculari vita positus habuisti Studium ut eius inanem noxiumque evaderes luxum'f (col. 52 A) quo maxime in saeculari vita positus me exercebam. Kanoniker und Berufung nach Würzburg vgl. Visio 6 (col. 359 C) In habitu canonico adhuc constitutus iuvenilique aetate a b. m. Meginardo Wurzburgensi episcopo scribendi causa vocatus sum. Zur Land- pfarre {sicutmos est pene villanis omnibus clericis) und zum Gesänge vgl. Visio 2 (col. 344—347). Zum Erzpriester Werinher vgl. Visio 3 (col. 347 B) ut quidam archipresbyter nomine Werin- harius in episcopatu Frisingensi praestantissimus . . . in me commoveretur pro vitio quo- dam . . . contra cum ira stultitiae commovebar, adeo ut versus plures — qui versus ita in- cipiebant: 0 lator legis, renovans decreta Catonis, Multorum causae mihi soli sunt referen- dae — . . . in concilio quodam . . . ei legendos traderem (bis 348 B). Entschluß zum Weggang daselbst (col. 348A) mihi melius videbatur alio transmigrare . . . quo libentius inter studiosos quosque et doctiores clericos quam inter villanos versari saepe desiderabam. Belictis ergo ad tempus meis omnibus perrexi ad Batisponam civitatem, ibique Burchardum . . . abbatem coenobii s. Emmerammi pro mei suseeptione rogans. Zur Stellung als Gast daselbst und zur Lektüre Lucans 348 B Interea ergo cum ibi aliquamdiu hospitarer, contigit quadam die ut ante fores hospitii dati residens in lectione Lucani oecuparer und Doctr. spirit. 14,122 Lectio Lucani quam maxime tunc adamavi, Et cui iam nuper . . . Sic intentus cram, quod vix agerem reliquum quid. Eintritt ins Kloster St. Emmeram und zur Zeitdauer seines Mönchtums daselbst ergibt sich aus dem Lil). de tempt. (col. 53 A) Cum ergo monasterium nostrum in urbe Uatisbona constitutum . . . destrui viderem ibique per triginta annos meliora sperans snb- sisterem . . . quia in ipso discessionis meae anno, qui erat ab incarnatione domini 1062 und 57 B Postquam igitur in s. Emmerammi coenobium ad conversionem veni; die Ursache zur Konversion steht im Lib. vis. 3 (col. 348 B —352 B), wo col. 350 D (ad saeculum redire disposui) von seinem Willen, in die Welt zurückzukehren, zu lesen ist. Zum Amt als Lehrer vgl. Lib. vis. 3 (352 B) Post tempus igitur nonnullum, quo aufugi in coenobium, quia existimabar in- struetus aliquid in liberali scientia commissa est mihi licet immatura doctori invisa puerorum diseiplina und Lib. tempt. (col. 57 B) Nam pro eo quod saepius legere aut scribere aut dietare videbar, scholasticorum cura mihi commissa est. Zur Beschäftigung mit der christlichen Literatur vgl. Lib. tempt. (col. 29 A) ipse coepit illos 3 ) solummodo imitari, quos videbat divinae insistere lectioni. Zu Wilhelm vgl. Lib. tempt. (col. 58B) Postea vero cum fratre nostroWil- helmo profectus dedi ei quatuor libros, inter quos erat missalis liber satis pretiosus, außerdem Dümmler a. a. 0. S. 1079 f. Zu Heinrich von Reichenau daselbst (col. 54C) Quidam namque monachus de Augiensi cosnobio nobilissima Alemannorum stirpe ortus nomine Henricus cum ab Ierusalem reverteretur apud nos aliquamdiu hospitatus est . . . postremo illud deposcere s ) Er verfaßte später das Leben Godehards. I scolasticus ist der Lehrer. 2 ) pueri scolastici sind die Schüler, der | 3 ) So ist statt Jllum zu lesen. Otloh von St. Emmeram. 87 coepit, ut eandem collectionem litteris exciperem. Quod . . . aggressus etc. Daß die Tatsache ins Jahr 1053 oder 1054 gehört — die Pilgerfahrt geschah 1053 — lehrt Hermanni Contracti Chron. 1053 (MG. SS. 5,133). Die Wiederholung des Aufenthalts von Heinrich in Regens- burg Lib. tempt. (col. 54 D) Liter haec vero ille ad monasterium suum vocatus proficiscitur et post non multum tempus ad nos Herum revertitur. Zur ersten Reise nach Fulda vgl. Lib. vis. 10 (col. 363 C) quia tunc ad monasterium Fuldense profectus ibi praesens esse nequivi und zur Zeit der Reise Dümmler S. 1080 n. 5. Zu den Zuständen in St. Emmeram vgl. Lib. tempt. (col. 53 A) sowie Dümmler S. 1081 ff. und die in den Noten angeführten Stellen. Die gefälschten Urkunden des Klosters bei E. Mühlbacher. Regesta imperii Bd. 1 N. 343. 980. 1866. 1959, vgl. auch Monumenta Boica 31,149; daß Otloh sich vielfach mit Dionysius beschäftigte, ergeben Mus. Brit. Add. 22793 und Monac. 14137 (Hildvins Schrift über den Heiligen und die Caelestis hierarchia). Zur Dekanswürde Lib. vis. 4 (col. 353 D) Ante decennium agente me decaniam in monasterio nostro; zum Streit mit dem Abte vgl. Lib. vis. 4 (353D) Qua de re inter me et abbatem nostrum discordia magna exorta est und Tempt. (54AB) tunc petita ab abbate licentia ad monasterium Fuldense quasi cito reversurus perrexi . . . in ipso discessionis meae anno, qui erat ab incarnatione domin i 1062, hierzu col. 55 A fugiens ad Fuldense monasterium venirem ibique per annos quatuor . . . commoratus viderer . . . postu- labar a quibusdam eiusdem monasterii fratribus, ut s. Bonifacii vitam difficili stilo editam aliquid facüius ederem. Zu seinen Beschäftigungen in Fulda vgl. Tempt. col. 53BC und 55 A, wo neben der Vita Bonifacii der Libellus manualis und der Anfang des Libellus proverbiorum erwähnt wird. Aufenthalt in Amorbach col. 55 B Cum autem assiduis epistolis per monasterii •nostri fratres quosdam revocatus ad patriam nollem cito reverti . . . vix tandem ab Ulis re- meandi licentiam obtinui. Verumtamen ad monasterium nostrum prius pervenire nolui . . . Qua de re ad monasterium Amerbach dictum perrexi. . . . Cum autem in eodem loco unum pene annum manerem, venerunt nuntii ex monasterio nostro missi, cum quibus exinde ad patriam reversus mm. Zur Krankheit vgl. Doctr. spirit. 14,126 Languidus . . . 131 patiens tormenta doloris und Tempt. (col. 58A) Postea senectus et infirmitas varia me prohibutt, sowie den Anfang des Briefes (col. 137 A) Quoniam aetati meae advesperascit et inclinata est iam dies. Otloh hat nicht nur viel abgeschrieben, sondern auch eine ganze Reihe Werke verfaßt und darüber auch genaue Rechenschaft gegeben, indem er in dem zweiten Teil der Schrift De temptationibus suis nicht nur ihre chronologische Aufzählung gibt, sondern sich auch über die Gründe ihrer Entstehung ziemlich breit ausläßt, wie er überhaupt in diesem Werke eine Art Autobiographie gibt. Seltsam genug hat er übrigens seine eignen Schriften nicht selbst geschrieben, sondern diktiert und nur eigenhändige Zusätze dazu gemacht. In solcher Form haben sich seine Werke, die unter seinen Augen hergestellt wurden, erhalten. Außerdem ergeben seine meist wortreichen Vorreden und Widmungen mancherlei für sein Leben und seine Persönlichkeit. De doctrina spirituali ist Otlohs ältestes Werk, 1 ) ein längeres Gedicht mit Prolog und in 39 Abschnitten. Es soll den Leser, der in Kürze unterrichtet sein will, auf die Vorstufe christlicher Erkenntnis emporheben, damit er dann nach Höherem verlangen könne. Das metrische Gewand habe er aber nicht aus Gefallsucht, sondern aus alter schulmäßiger Gewohnheit angewendet; 2 ) am Schluß des Prologs aber entschuldigt er sich, daß er oft mehr nach dem Sinne als nach den Gesetzen der Metrik geschrieben habe. Vielleicht ist das Gedicht durch Prospers Epigramme angeregt worden, da der Stoff ein ähnlicher ist und der Eingang des Prologs an Prosper erinnert. Übrigens nennt Otloh am Ende dieses Vorworts seinen Namen, was er nur selten getan hat. 3 ) Das Werk beginnt mit einem ') Bresslau (Jahrb. d. Deutsch. Reichs unter Konrad IL Bd. 2,395 n. 1) meint, daß die Schrift noch unter Konrad IL verfaßt sein kann. 2 ) Vgl. auch Temptat. 2 (col. 52 A) metrico scilicet stilo, quo maxime in saeculari vita positus me exercebam. 3 ) Vgl. Dümmler a. a. O. S. 1071 f. 88 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. paulinischen Worte und fährt mit einer vielfach aus Sedulius entlehnten Doxologiefort, woran sich Abschnitte über Gott und über christliche Tugenden reihen. Dann äußert sich Otloh über die Verderblichkeit der Beschäftigung mit der heidnischen Literatur 1 ) und die folgenden Abschnitte sind mehr persönlich gehalten, wie in 14 eine Vision und von der Krankheit des Dichters, sowie in 15 ff. von seiner Konversion und damit in Zusammenhang stehenden Verhältnissen erzählt wird. Erst mit 20 setzen dann die Ermahnungen zur Tugend ein, die sich an Laien wie an Kleriker richten, wobei manches aus den Zeitumständen zur Sprache kommt. Auch in diesen letzten zwanzig Stücken ist die Behandlungsweise sehr verschieden, da die ersten zwölf Abschnitte kurze Gedichte nach Prospers Art darstellen, während die übrigen mehr kleinen Predigten über verschiedenartige Stoffe aus dem christlichen Leben gleichen. Die Hexameter sind meist leoninisch gereimt, wo das aber nicht der Fall ist, wird dieser Reim durch den Reim zweier aufeinanderfolgenden Verse ersetzt. 2 ) Im Prolog heißt es (col. 263 A) Vs. 4 Nam tali studio doctrinae verbula promo, Ut qnae per varios deberes quaerere libros . . . Haec sub suecincta nee non plana ratione Istic in- ventä citius capias documenta Atque per hos ritus . . . maiora capessere possis. Zur poetischen Form Vs. 29 Hoc quoque verborum plus ordine convenienti Insuper antiqua de consuetudine feci, Cum nie decrevi certare scholaribus orsis und 53 Saepe magis sensus quam metri iura secutus Legem sxßlabicam paulisper discutiebam. Lector, ad extremum precor hoc quam maxime solum, Quatenus Otlohi quandoque velis memorari. Zu 2, 3 f. vgl. Sedul. P. C. 1, 31; 12 Sedul. 2,38; 14 = Sedul. 2,67; auch sonst finden sich Anlehnungen, wie 10,8 Non ignota loquor (Verg. Aen. 2,91); 13,26 quod iam natura negavit (Iuvenal 1,79); 13.101 Ut mihi fert animus (Ovid. Met. 1, 1). Handschrift: Monac. 14756 f. 112b—156 s . XI. Ausgaben: Pez, Thesaurus aneedot. noviss. 2, 2, 431 =Migne 146,263. Ob das in der Handschrift folgende Gedicht von 99 Hexametern aus derselben Zeit stammt, dürfte fraglich sein, da es Vs. 2 heißt Cum prope sit tempus quo mundus erit ruiturus und der Weltuntergang im Jahre 1065 erwartet wurde. Außerdem zeigt das Gedicht ziemlich häufig den zweisilbigen leoninischen Reim, den Otloh in seinem ersten Werke nur ganz ausnahmsweise anwandte. Allerdings weist Otloh selbst (Tempt. col. 52 B) auf einen Sermo in diesem Werke hin, da er aber dort sagt narrans de miserabili improbitatis meae vindieta, so meint er wohl die Abschnitte 14—17. Das Gedicht nennt sich Sermo ad avaros vel superbos und ist im Tone einer Predigt an den Klerus gerichtet, 3 ) dem es in Hinsicht auf das nahe Weltende Habsucht und Hochmut, wie überhaupt alles Festhalten an der Welt und ihrer Lust widerrät. Hierauf folgt ein zweites Gedicht von 30 Hexametern Versus super sequentiam saneti spiritus, das die Kraft und die Macht des hl. Geistes besingt. Daran schließen sich zwei Hymnen in sapphischen Strophen. Der erste behandelt in 17 Strophen den evangelischen Bericht Matth. 2,1—12. Das Gedicht ist im ganzen mehr chronikartig und reizlos, dagegen ist die Form mit wenigen Ausnahmen metrisch richtig, nur der Hiatus ist oft zugelassen. Der zweite Hymnus besingt unter Anwendung der üblichen Terminologie und Phraseologie die Geburt J ) 11, 31 werden Horaz, Terenz und Ju- venal genannt; 37 spricht der Verfasser von sich cognoscens experimento. So auch 14,113 Quid mihi tunc Socrates vel Pluto Aristoteles- que, Tullius ipse rhetor? -) Zur Abfassung des Werkes vgl. die breite Auseinandersetzung im Lib.' tempt. 2 (col. 51 f.). ! ) 1 O fratres cari. 96 Unde, precor, fratres. Otloh von St. Emmeram. 89 Christi, ohne wesentlich eigene Gedanken zu bringen. Von der Form beider Gedichte ist zu erwähnen, daß die beiden Hälften aller sapphischen Verse aufeinander reimen, also gewissermaßen den leoninischen Reim des Hexameters auf sich nehmen. Ausgabe bei Peza.a. 0.2,2, 477-481 = Migne 146, 293; Mone, Latein. Hymnen 1,53. G. M. Dreves, Anal. hymn. 50, 323. 322. De tribus quaestionibus. Otloh bezeichnet diesen Dialog als sein zweites Werk und gibt selbst im Liber de suis temptationibus 2 an, daß er ihn vor fünfzehn Jahren geschrieben habe. Da nun letzteres Werk etwa 1070 verfaßt wurde, so kommt man als Abfassungszeit auf 1055. Das stimmt aber gut zur Zeit von Otlohs Verkehr mit dem Mönch Heinrich von Augsburg, dem Otloh diese Schrift widmete. Denn aus dem persönlichen Verkehr mit Heinrich ist das Werk hervorgegangen. Als sich nämlich Heinrich um 1054 in St. Emmeram aufhielt, befragte er Otloh vielfach über wichtige Stellen der hl. Schrift und dieser stellte auf des Freundes Bitte die Unterhaltungen schriftlich zusammen und zwar in dialogischer Form, aber ohne Angabe der Personen und des Verfassers, um nicht, wie er sagt, bei übelwollenden Naturen Anstoß zu erregen. Doch auf erneute Bitten Heinrichs 1 ) setzte er dann die Namen der Interlokutoren ein. In dem Widmungsbriefe zieht Otloh gegen die einfältigen Dialektiker los, die glaubten, daß alle Worte der Bibel nach der Dialektik zu begreifen seien und die mehr dem Boethius als den heiligen Vätern vertrauten. Und er beruft sich diesen gegenüber auf Augustin, der in seinen Retractationes einen früheren Irrtum eingestehe. Nach einer längeren grammatischen Ausführung über das Wort persona sagt er, daß er viel mehr den Aussprüchen der Väter als denen eines Plato, Aristoteles und Boethius folge, der sogar den Lucan seinen familiaris genannt habe, 2 ) da doch ein Christ einen ungläubigen Heiden nie so bezeichnen dürfe. Das Werk selbst gliedert sich nach der Dreieinigkeit in drei Teile. Der erste handelt von der Erkenntnis der göttlichen Liebe, die sich in der Natur wie im Menschendasein als Milde und Strenge offenbare; hierbei kommt Otloh, wie auch sonst häufig in seinen AVerken, auf den Kampf des Menschen gegen die Versuchungen des Tenfels (Kap. 13) und auf die Habsucht bei der Geistlichkeit (Kap. 15) zu sprechen. Im zweiten Teile spricht Otloh über die verschiedenen Arten der göttlichen Gerichte, deren er vier aufzählt und mit Beispielen aus der Bibel belegt; er unterscheidet nämlich die gerechten, die notwendigen, die gerechten und zugleich notwendigen und die verborgenen Gerichte; interessant hierbei, weil für die Beurteilung der Zeit wichtig, ist seine Kritik der weltlichen Philosophie (Kap. 22). Der dritte Teil behandelt die Fähigkeit des Menschen, das Gute zu tun, und beginnt mit der Frage, ob es dem Menschen möglich sei, die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich ihm dabei entgegenstellen, sie wird insofern beantwortet, als Otloh dem Menschen ') Und zwar bei dessen erneutem Aufenthalt in St. Emmeram, vgl. Tempt. col. 54D Pftst non multum tempus ad nos üerum re- vertitür. Tunc . . . unice petiit, ut et causam scribendi illustrarem prologo et utriusque personae mei videlicet et sui memoriam pate- facerem in dialogo. ') Consol. philos. 4,5 p. 112, 124 familiaris noster Lucamis. Zum Ausfall gegen die Dialektik glaubt Dummler S. 1089 dies als gegen die Schüler Lanfranks gesagt. 90 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. freien Willen zuspricht. Von Kap. 34 anwendet sich aber der Verfasser einem ganz anderen Stoffe zu, er spricht nämlich in der beliebten mystischen Weise über die Bedeutung der Zahlen eins und drei in bezug auf die Trinität und auf die Figur des Kreuzes, geht dann weiter auf die Bedeutung der Zahlen zwei bis fünf und sechs bis zehn und schließt mit der Darlegung der Wichtigkeit der Zahlen für die Musik. 1 ) In den nächsten Abschnitten wendet er sich zur Besprechung der wunderbaren Harmonie der irdischen Dinge sowie geistlicher Verhältnisse. Die Schlußabschnitte beziehen sich auf weitere mystische Auslegungen und im letzten Kapitel stellt Otloh eine Sammlung von moralischen Sentenzen zusammen, die aus vierzig Hexametern und siebzig Sprüchen in Prosa besteht. Diese Sammlung ist die Grundlage zu seinem späteren Werk Proverbia, in dem sie aufgenommen worden ist. Die poetischen wie die prosaischen Sprüche sind nach dem Anfangswort alphabetisch geordnet. Uebrigens ist die dialogische Form, in der Heinrich die Fragen stellt und Otloh die Antwort gibt, nur bis zum Kap. 32 geführt, sie kehrt dann nur noch in den letzten Abschnitten vereinzelt wieder und ist überhaupt an sich von gar keiner Bedeutung für das Ganze, da die Belehrung eben ganz auf Otlohs Seite gelegt ist. Literarische Kenntnisse verrät der Verfasser in diesem Werke nicht oft, denn er bringt nur je eine Anführung aus Augustins de civitate dei, aus Hieronymus und aus den Dialogen Gregors des Großen. Die chronologischen Angaben Otlohs sind seltsam, aber aus Tempt. 2 (col. 53 C) geht hervor, daß er vor seiner Flucht nach Fulda 2 ) schon zwei Werke verfaßt hatte, deren eines er fünfzehn Jahre vor den Temptationes schrieb; 3 ) er hat aber dann seine drei ersten Werke zusammen herausgegeben und das der Zeitfolge nach zweite an die dritte Stelle gesetzt, so daß die Reihenfolge De doctrina spirituali, Visiones und De tribus quaestionibus wurde. Zum Titel usw. vgl. col. 54 A Haec quippe tria per trium quaestionum solutiones in illo libro quem in tertio locavi ordine, stilo quo potui per cllalogum protull, numero scilicet et ordine tali desiderans sanctam trinitatem venerari. Zu Heinrich von Reichenau vgl. col. 54 C D und die Widmung an ihn col. 59 A. Zur Dialektik vgl. die Widmung (col. 61 A) Peritos airtem dico magis illos, qui in sacra scriptum quam gut in dialectica sunt instructi. Nam dialecticos quosdam ita simplices inveni, ut omnia sacrae scripturae dicta iuxta dialecticae auctoritatem constringenda esse decernerent magisque Boetio quam sanctis scriptoribus in plurimis dictis crederent. Die Disposition des Werkes nach Tempt. (col. 54 B) cui titulum imposui De tribus quaestionibus, id est de divinae pietatis agnitione iudiciorumque divinorum diversitate nee non de varia bene aqendi facultate. Zur Kritik über die weltliche Philosophie vgl. 22 (col. 89 B) Non solum enim pliilosophia spiritualis sed etiam carnalis vario modo necessaria consistit. Primo quidem ut ex eiusdem carnalis consideratione et oppositione spiritualis clarior potior- qiie esse probetur. Secundo ut prudentes quique habeant, quod Dei pro amore contemnant. Tertio ut stulti quique habeant, quo quid sint ostendant; man sieht daraus, wie lange die Zeiten eines Lupus von Ferneres vorbei waren. Handschriften: Lambach 77 s. XII f.53, Heiligenkreuz 148 s. XII. Ausgaben: Pez a. a. 0. 3,2. 143—250 = Migne 146,59—134. - Vgl. Müllenhoff und Scherer, Denkmäler altdeutscher Poesie und Prosa 3 2, 204 ff. Hauck 3, 960 f. Liber visionum. Als Otloh sich in Fulda vier Jahre aufhielt, wo er friedlicher Ruhe genoß, hatte er die Absicht, Gott für diese Ruhe durch ein Werk zu danken. Er verfiel endlich darauf, zu Ehren der Trinität seinen beiden früheren Schriften eine dritte über Visionen anzuschließen. Seit dem ') Eine kleine Schrift mystischer Zahlen- I maximam). Spielerei über die Zweiheit und Dreiheit gab I 2 ) Cum olim libellos duos ediderim. ausMonac. 14756 f.l09 b — 111 herausDümm- , •) col. 53D Tertium ve.ro libellum quem 1 er a. a. O.S. 1100 —1102 (in numero ... etiam I ante annos 15, ut reor, scripsi. iuxta spiritualem sapientiam utilitatem esse \ Otloh von St. Emmeram. 91 Erscheinen der Dialoge Gregors des Großen war die Darstellung von Visionen zu einer wirklichen Literaturgattung geworden, die teils dem Heiligenroman, teils der Selbstbiographie zuzurechnen ist. Man muß annehmen, daß Otloh eine leicht erregbare Einbildungskraft besaß, die es ihm glaubhaft machte, daß er viele Ereignisse seines eignen Lebens wie solche aus dem Leben andrer Personen durch ein Gesicht voraussah, und er mochte sich längst darüber Aufzeichnungen gemacht haben, als er ans Werk ging. Er berichtet, daß er, um den Stoff zu sammeln, mehrfach Reisen unternahm und dabei Visionen erkundete und daß noch viele Menschen lebten, die ihm die Kunde zutrugen. Aber er begnügte sich damit nicht, sondern benutzte auch frühere Werke, wie er Kap. 20—22 aus Bedas Kirchengeschichte 1 ) entnahm und Kap. 19 aus einem Briefe des Bonifatius 2 ) schöpfte. Er gibt im Prologe an, daß er sich bezüglich des Zweckes ganz nach Gregor gerichtet habe, sein Werk solle erbauen und bessern. Denn wie er selbst früher solchen Eingebungen nicht geglaubt, aber durch Gott auf den rechten Weg gelenkt worden sei, so möge sein Werk zur Erbauung andrer beitragen. Die Einleitung zu der Schrift ist nur teilweise erhalten, desgleichen die erste Vision, es scheint aber, daß dies erste Stück sein frühestes Gesicht darstellt. Auch die nächsten Stücke betreffen eigne Erlebnisse und sind daher für seine Biographie wichtig. Aber er scheint die chronologische Folge hier verlassen zu haben, da Kap. 4 frühestens 1052 fällt 8 ) und Kap. 5 aus seiner Jugendzeit in Hersfeld berichtet, Kap. 6 von seinem Aufenthalt in Würzburg erzählt. Die folgenden drei Stücke erzählen fremde Visionen und mit Kap. 10 setzen Berichte aus St. Emmeram ein. Alle weiteren Abschnitte stammen aus verschiedenen Orten und Zeiten. Am wertvollsten sind natürlich Otlohs eigne Erlebnisse, die meist sehr lebendig und eindrucksvoll geschildert werden, was übrigens auch von anderen Stücken gilt. Die Sprache ist einfach und ungesucht und ohne den üblichen Schwulst. Zur Entstehung des Werkes vgl. Tempt. 2 (col. 53 B C). Daß der Liber visionum die dritte Schrift Otlohs war, von ihm aber an die zweite Stelle gerückt wurde, ergeben die Worte Tempt. 2 (53 A) de secundi ordine Ubelli tarn vero siibiungere volo und (53 C) Incitabar ctiam ex hoc ad scribendum, quia cum olim libellos duos ediderem, tertium pro s. trinitatis honore . . . saepius optavi addere, sowie (col. 52 C) Librum vero visionum licet post duos scripserim, in ordine tarnen secundum ideo posui ... Zu den Reisen daselbst (53 (J) visiones videhcet, quas et ego quondam vidi et ab aliis per loca diversa profectus audivi. Viele seiner Berichterstatter sind noch am Leben, vgl. Prol. (col. 342B) nam multi adhuc in vita restant, ex qiiorum relatione ipsa comperi. Seine Richtschnur ist Gregor, vgl. Prol. (342 B) maxime tarnen in libro quarto dialogorum a b. Gregorio prolata. Cuius etiam intentionem in hoc opusculo imitatus. Sein früherer Unglaube (343 B) Confiteor namque peccatum meum, quia nemo plus me super huiusmodi monitis dubitavit. Die Disposition des Buches wird im Prolog schon angedeutet, vgl. (col. 342B) Ea vero quae de memetipso proferre studeo, quaeque etiam pro introductione sequentium in primis dicere volo. Die Visionen selbst sind alle moralischen Inhalts, einige richten sich gegen äußeren Prunk bei Laien wie bei Geistlichen, wie Kap. 17 noch die Kaiserin Theophanu erscheint, oder in Kap. 4 der Hildesheimer Klerus unter den Folgen dieser Ueppigkeit leidet. Aber auch andre hohe Persönlichkeiten werden leidend vorgeführt, um als abschreckende Beispiele zu dienen. Handschrift: Monac. 14 673 s. XI f. 1—47. Ausgaben: Pez 3, 2, 545 = Migne 146, 342. Zum Inhalt vgl. Dümmler a. a. 0. S. 1089 ff. ') Nämlich aus Buch 4.12-14. 2 ) Nämlich ausEp.10 (MG. Ep. 3,252 ff.). Die Bonifazbriefe standen ihm natürlich in Fulda leicht zu Gebote, wie er sie auch für die Biographie des Heiligen benutzte. 3 ) Migne 146,353D Antedecenniumagente me decaniam in monasterio nostro. 92 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Libellus manualis. Auch dieses Werk verfaßte Otloh in Fulda. Jedenfalls mochten die ärgerlichen Verhältnisse in St. Emmeram dazu beigetragen haben, daß er das kleine Buch schrieb, das zur Ermahnung der Kleriker und der Laien dienen sollte. Im ersten Abschnitt setzt er die Gründe, die ihn dazu bewogen, auseinander: die Verachtung der Religion, die Verfolgung der Kirche und die Beraubung der Klöster. Dann vergleicht er die Trinität mit dem Bilde der Sonne und stellt zur Besserung des Klerus eine Anzahl Vergleiche aus den Evangelien und den beiden Testamenten zusammen und legt ihm den rechten Hunger und Durst nach dem göttlichen Wort ans Herz. Die Laien aber sollen von den Priestern an der Hand des Lebens zur Gottesliebe geführt werden und durch sie vermöge der natürlichen Erscheinungen zur Tugend gelangen. Das Ganze ist eine eindringliche Vermahnung in Form einer Predigt und fast volkstümlich gehalten, da sich der Verfasser nur auf die Bibel und auf das natürliche Leben stützt. So ist auch der Stil klar und durchsichtig, wenn sich auch eine gewisse Mystik und Allegorie geltend macht. Am Schluß macht übrigens Otloh auf die abnorme Witterung der letzten Jahre 1 ) und auf die aus dem Ausland herübergenommene ungewohnte Barttracht und den Luxus in der Kleidung aufmerksam. Zeit der Abfassung (wohl 1063) vgl. Tempt. 2 (col. 55 A) Cum . . . ad Fuldense mona- sterium venirem . . . alium quoque libellum quem appellavi manualem pro admonitione cleri- corum et laicorum scriptum ibidem positus edidi. Zweck in der Vorrede (col. 243 C) Scribere mim gestio pro admonitione cunctorum fidelium . . . dividens eos in duas personas clericorum et laicorum assumensque ad hoc utrique personae congrua monita, per quae a carnalibus ad spiritualia, ab visibUibus ad invisibilia possint animum suspendere. Handschrift: Monac. 14490 s. XI f. 1—16. Ausgaben: Pez 3, 2, 403 (früher Bedae opera ed. Colon. 1612 t. 2,200) = Migne 146,243. Vita Bonifatii. Da man in Fulda die alte von Willibald geschriebene Vita Bonifatii an manchen Stellen nicht mehr verstand, wandte sich Abt Egbert von Fulda an Papst Leo IX. mit der Bitte, das Leben des berühmten Stifters zu überarbeiten. Er sandte dem Papst zu diesem Zwecke einige Bücher 2 ) und einen Schreiber, aber Leo IX. starb 1054, ohne das Werk irgendwie gefördert zu haben. Als nun Otloh in Fulda weilte, erfuhr er diesen Sachverhalt durch einen Mönch, und die Brüder baten ihn, an Stelle des Papstes die Biographie zu schreiben. Er ließ sich endlich dafür gewinnen und ging daran, den Stil des alten Werkes zu glätten, um das Verständnis zu fördern. Im allgemeinen hat er an dem Original nicht viel geändert, er hat es 3 ) ergänzt aus Eigils Vita Sturmi und aus der Mainzer Biographie von Bonifaz und besonders aus einer großen Zahl von Stücken aus Bonifaz' Briefsammlung, die er in Fulda vorfand; 4 ) aber seine stilistischen Änderungen sind gering genug, während er die Briefe — es sind im ganzen 29 Stücke — vielfach unverändert aufnahm. Er teilte sein Werk in zwei ') Es handelt sich um 1059 bis 1063, vgl. Dümmler S. 1091 n. 5. 2 ) Man hat darunter wohl besonders die Bonifazbriefe zu verstehen; erläutert werdeu sie von Otloh mit den Worten (Vitae Bonifatii ed.W. Levison p. 111,20) unde plenius ad hoc instruieretür. 3 ) Das ihm zu Gebote stehende Exemplar gehörte der bayerischen Klasse (4) der Hss. von Willibalds Werk an, vgl. W. Levison, Vitae s. Bonifatii p. LXIV n. 2. 4 ) Das Fuldaer Exemplar war der Karlsruher Hs. der Bonifazbriefe sehr ähnlich, vgl. Levison a. a. O. p. LXVIII. Brief 20 hat Otloh allein erhalten. Otloh von St. Emmeram. 93 Bücher, deren erstes bis zum 7. Kapitel der alten Biographie reicht, während das zweite sich zum größten Teile aus Bonifazbriefen zusammensetzt und dann Kap. 8 des Originals hinzufügt. Das Werk reicht bis zum Tode und Begräbnis des Heiligen und läßt Kap. 9 des Originals völlig unberücksichtigt. Natürlich hat durch die Einfügung der vielen Briefe der Charakter der Biographie gelitten, die im zweiten Buche sich fast völlig auflöst, da es Otloh gar nicht für nötig fand, zwischen die Briefe auch nur einige erläuternde Worte zu stellen. So ist die eigne Arbeit des Mannes recht unbedeutend und das Werk ist nichts anderes als eine Kompilation aus Quellen, die uns meist bekannt sind. Um so wortreicher aber ist die Vorrede, in der der Autor zuerst von der Geschichte seiner Arbeit handelt, dann sich gegen Neider des Werkes wehrt und über seine Quellen spricht, wobei er namentlich die Aufnahme der Briefe verteidigt; es ist sehr bezeichnend, daß er erklärt, aus den Briefen ergebe sich vor allem die Verehrung, mit der Bonifaz beim Papste aufgenommen wurde. Das Werk wurde später vielfach benutzt und die große Zahl von Handschriften bezeugt die Wertschätzung, in der es stand. Zur Geschichte der Vita Bonifatii vgl. den Prolog (cd. Lcvison p. 111,17) Bünde cum quidam ex vobis mihi referret, iam antea pro eodem opere laboratum fuisse apud s. Leonern papam, ita ut nonnullos libros, unde plenius ad hoc instrueretur, abbas EgbeHus scriptoremque simul ei Romam transmisisset, ipsosque libros, eo defuncto et opere petito minime expleto ibi remansisse, tunc misertus talium apposui aliquid animwm, volens scilicet implere petita, denn (p. 111,7) Petistis enim ut s. patris nostri Bonifacii vitam precipuo quidem elegantique utpote s. Willibaldi stilo antiquitus editam, sed in locis quibusdam ita inftrmo intellectui velatam, ut difficile pateat, quo oratio tendat, hanc ego sententia apertiori reserarem; außerdem Tempt. 2 (col.55A) postulabar a quibusdam eiusdem monasterii fra- tribus, ut s. Bonifacii vitam difficili stilo editam, aliquid facilius ederem. Quam petitionem licet diu denegarem, postremo tarnen compulsus importunis precibns, ut potui quod petitus eram implevi. Eigils Leben Sturms wird in Buch 2,17 p. 202 f. benutzt, UDd die Verwertung des Mainzer Lebens von Bonifaz erfolgt Buch 1,41 ff. p. 155ff. und 2,20-31 p. 205—215. Zur Wertschätzung der Bonifazbriefe vgl. den Prolog p. 113, 6 fortassis enim ille venerandus vir, qui vitam s. Bonifacii inprimis scripsit, virtutes eius multas epistolasque nesciens pretermisit. Sed mihi consideranti literas omnes, quas de eo habetis, in nullis maior tanti presulis auctoritas quam in epistolis ab ipso vel ad ipsum directis videtur esse und p. 116,28 Bixi namque prius quod et Herum dico, quia inter omnes literas, quas de s. Bonifacio habetis, epistolae illlus mihi viderentur precipuae. Unde, quascumque huic operi necessarias invenire potui, in unicm colligere studui. Wenn Otloh nun p. 113,11—26 auf die hervorragende Stellung des Heiligen aufmerksam gemacht wird — am Schluß p. 113,26 heißt es Postremo . . . quod etiam vobis modo peropus est, quomodo . . . cenöbium . . . vestrum possessionibus et de- cimis speclalibus sublimaverit — und p. 116,7 — 19 auf das Recht des Heiligen hingewiesen wird, an Mönche und Arme Decimen zu verschenken, 1 ) so ergibt sich doch daraus ein gewisser Zweck der Biographie, die also im Vergleich zu Willibald eine Tendenzschrift zugunsten der Klöster genannt werden kann. Otloh hat auch sonst in seinen Werken die Rechte der Klöster gegenüber ihren Vergewaltigern verfochten, es ist aber möglich, daß die Fulder Mönche ihn hier unmittelbar aufgefordert hatten, auf diese für sie so wichtige Frage zu kommen. Ueber die Disposition seines Werkes hat er sich im Prolog p. 117, 3 ff. selbst ausgelassen, wo die Zweiteilung 2 ) scharf hervortritt. — Die Ueberlieferung betreffend, findet sich das Werk s. XIII in Salzburg zu St. Peter 3 ) (Becker 115, 240 de s. Bonifacio libellus, quomodo Bairarlam diviserit in quatuor episcopatus), diese Hs. scheint aber verloren zu sein. Haupthss. sind Zwettlensis 77 s. XIII f. 124 und Trever. 93 s. XII, unvollständig Ad- mont. 654 s. XII f. 183; vgl. zur Ueberlieferung die Ausgabe von Levison p. LXIX—LXXIV. Ausgaben: 4 ) Mabillon, Acta SS. ord. s. Bened. 3,2. 28—87 = Migne 89, 633—664 und besonders W.Levison, Vitae s. Bonifatii archiepiscopi Moguntini p. 111—217 (Hannover und ') Es geschieht das im Hinblick auf das gefälschte Privileg des Papstes Zacharias (2,15 P- 201) und auf den unechten Brief Pippins (2,19 p. 204). 2 ) Vgl. p. 117,4 tarn de vita s. viri quam de epistolis supradlctis scribere gestis. 3 ) Anders Levison p. XXVII. 4 ) Vgl. darüber die Ausgabe von Le 1 p. LXXV1II—LXXX. 94 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Leipzig 1905) mit vollständigem Abdruck der in der Biographie enthaltenen Bonifazbriefe. Vgl. G. Leidinger, Quellen und Erörterungen z. bayer. und deutschen Geschichte N. F. 3 1915) S. 73. Proverbia. In Fulda begann Otloh außerdem seine große Sammlung von Sprüchen und Sentenzen zusammenzustellen. Er hatte, wie er sagt, eben die unter dem Namen Proverbia Seneeae bekannten Sprüche gelesen und habe sich über die darin niedergelegte Klugheit dieses Heiden gewundert. Er sei dadurch selbst angeregt worden, eine Sammlung solcher Sprüche aus den weltlichen wie aus den heiligen Schriften sowie aus seinen eignen Werken zur Erbauung der Gläubigen zu veranstalten. Diese Sprüche könnten die Knaben in der Schule nach dem Psalter lesen, denn sie seien kürzer und verständlicher als die Fabeln Avians und nützlicher als die Sprüche Catos (gemeint sind die Disticha Catonis), welche beiden Werke doch beinahe alle Lehrer als ersten Lernstoff den Knaben vorlegten, ohne zu bedenken, daß den jugendlichen wie den älteren Christen die Anfangsgründe eher aus den heiligen als aus den heidnischen Schriften beigebracht werden müßten; denn dann würden sie die zur Grammatik notwendigen weltlichen Literaturwerke sicherer lernen können, wenn sie diese christliche Grundlage innehätten. Wir finden hier also, wie schon mehrfach seit dem 10. Jahrhundert, das Bestreben, den für die Jugend gefährlichen antiken Lehrstoff durch christlichen zu ersetzen. Am nächsten käme Otlohs Arbeit den einige Jahrzehnte früher entstandenen Sprüchen Wipos, nur daß sie ungleich umfänglicher ist und gemäß den Proverbia Seneeae den Stoff alphabetisch anordnet. Man sieht aber nicht nur hieraus die Anlehnung an die klassische Literatur, sondern auch aus der Herübernahme einer Menge von antiken Sprüchen, denn neben vielen Senecasprüchen x ) erscheinen doch auch manche Verse aus Horaz und Juvenal und aus den Disticha Catonis. Nämlich bei jedem Buchstaben hat Otloh der großen Zahl von Prosasprüchen eine Anzahl Verse angehängt, in denen sich die Entlehnungen aus der alten Literatur finden. Bei weitem der größte Teil aller Sprüche stammt aber natürlich aus der Bibel oder aus den Werken der Väter, und zwar ist die Anordnung so, daß die Sprüche aus der Bibel voranstehen. 2 ) Zuerst sind solche aus den Psalmen ausgewählt, dann folgen Sprüche aus den Proverbien und aus anderen Büchern der Spruchweisheit, 3 ) darauf neu- testamentliche Worte, aber meist gemischt mit alttestamentlichen. Von den Versen am Ende jedes Abschnittes scheinen die von Otloh selbst zu stammen, die leoninisch gereimt sind, die andern setzte er aus den oben bezeichneten Quellen hinzu. Übrigens verwendet Otloh auch in seinen Prosasprüchen gern den Reim, wie schon Wipo getan hat. Sein Bibeltext stimmt im allgemeinen mit der Vulgata überein, doch zeigen sich kleine Abweichungen, die aber von Otloh selbst herrühren können. 4 ) Es entspricht wohl dem Wesen seiner Schriftstellerei, daß er für die große Sammlung Aufzeichnungen benutzte, die er sich als Lehrer gemacht hatte und dabei die alphabetische *) Sie sind in der Sammlung durch Sen. hervorgehoben, das an den Rand gesetzt wurde. 2 ) So sind von den sechzig Prosasprüchen A die ersten zwanzig aus der Bibel genommen. 3 ) Also ähnlich wie Egbert von Lüttich, der in der Fecunda ratis ja auch die biblische Weisheit auszog. 4 ) So steht A 18 cor statt Spiritus; B 10 vir statt dives. Otloh von St. Emmeram. 95 Anordnung einführte, die er in den Senecasprüchen vorfand. Denn das didaktische Element kommt, wie wir oben sahen, im Prologe deutlich zur Erscheinung, und wir wissen, daß die als Kap. 50 von De tribus quaestionibus zusammengestellten Sprüche sämtlich im Liber proverbiorum wiederkehren, daß also Otloh sich später selber wieder ausschrieb. Auch dies Werk wurde mehrfach abgeschrieben und ist auch in Auszügen vorhanden. Zur Entstehung und zum Zweck vgl. den Prolog (col.299B) Cum nuper illa quae di- cuntur Senecae proverbia per aiphabeti ordinem distincta legissem, primo mirabar, tantam cuiquam bifidelium prudentiam inesse potuisse . . . Deinde non partim incitabar ad hoc ut cum aliquo simili studio {mittlrer colligendo scilicet tarn ex saecularibus quam ex sacris litteris tum etiam ex nostris proverbia aliqua ad aedificationem fidelium congrua . . . (300C) Proverbiorum autem hie eollectorum dictis parvuli quilibet scolastici, si ita cuiquam placeat, possunt apte instrui post lectionem psalterü. Sunt enim multo brevioris et planioris sententiae quam illa fabulosa Aviani dieta, sed et utiliora quam quaedam Catonis verba, quae utraque omnes pene magistri legere solent ad prima parvorum documenta, non attendentes quia tarn parvulis quam senioribus Christi fidelibus Sacra potius quam gentilia rudimenta- primitus sint exhibenda, ut in his aliquatenus instrueti postea saeculares litteras arti gram- maticae congruas securius discant. Die Senecasprüche bei Otloh hat W. Meyer (Die Sammlungen der Spiuchverse des Publilius Syrus S. 11 f.) herausgehoben. Sonstige Verse aus der alten Literatur sind A 1') Lucan 8,282. C 5 Horat. Ep. 1, 11, 27. C 6 Juvenal 14.139. C 17' Dist. Cat. 2,19,2. D 3 vgl. Hör. Ep. 1,2, 40. D 8 Dist. Cat 1,10,1. Dil vgl. Hör. Ep. 1,12, 4. J 5 Hör. Ep. 1,10,47. J 6 Hör. Ep. 1,2,57. J 8 Dist. Cat. 2,4,2. Q 8 2 Anth. lat. 683,1. S pros. 85 Hör. Carm. 1,2.50. Spros.86 Hor.Carm.2,10, 9 ff. S1 Dist. Cat. 3 praef. 6. S 4 Dist. Cat. 1,10,2. S10 1 Hör. Ep. 1,2,56. T 3 Dist. Cat. 1, 30,2. V5 Hör. Ep. 1,1,52. C pros.47 Sallust. Jug. 10,6. ilpros. 61 Wiponis Prov. 89. O pros. 35 Wiponis vita Chuonr. Prol. p. 27 ed. Pertz. Die Ueber- lieferung besteht hauptsächlich aus Monac. 14490 s. XI f. 23 und Monac. 536 s. XII, sowie Monac. 18937 s. XI f.230—256. Auszüge im Monac. 19411 s.XIII f.101, außerdem Monac. 9510 s. XI f. 102 und Vindob. 2521 s. XII f. 4. 5. 48; vgl. zu den Hss. Neues Archiv 17, 35. 19,720 und Ztschr. f. deutsch. Altertum 22,422. Benutzt ist das Werk in der Vita HeinricilV., vgl. die- Ausgabe von Eberhard, Prol. p.7 und c. 6ff., und in späteren Sammlungen von Sprichwörtern, vgl. J. Werner, Lat. Sprichw. und Sinnsprüche des Mittelalters S. 7. 56. 67. 70 zu B8. N125. 086. P 57 (stehtauch schon bei Ruotger, Vita Brunonis c. 22 p.24 ed. Pertz) sowie- im Memento mori Vs. 115—122. vgl. Ztschr. f. deutsch. A. 25,188. Ausgaben: Bedae opera ed. Colon. 2,185; Pez a.a.O. 3,2,485 = Migne 146,229—338. Vgl. Wilmans in MG. SS. 11,387; Dümmler a. a. O. S. 1076 n. 1 und 1092. Vita Wolfkangi. Noch bevor Otloh sein Kloster St. Emmeram verlassen hatte, wurde er von einigen Brüdern des Klosters gebeten, eine neue Lebensbeschreibung des im Jahre 994 gestorbenen Bischofs Wolfgang von Regensburg zu verfassen, nämlich die in Franken entstandene Vita Wolfkangi mit den in Arnolds Schrift De s. Emmerammo über Wolfgang enthaltenen Nachrichten zu vereinen und stilistisch zu überarbeiten. Da das ältere Leben des Heiligen verloren ist, läßt sich Otlohs Arbeit nur nach Arnolds Bericht beurteilen. Er hat diesen als die heimische Quelle der Vorlage aus Franken vorgezogen und bei den Widersprüchen mit der letztern ihn und die in St. Emmeram erkundete Tradition gelten lassen. Also eine gewisse Kritik hat er geübt, wie er z. B. die Nachricht verwarf,, daß Wolfgang den Ungarnkönig bekehrt und getauft habe, worüber er im Prologe selbst spricht. Außerdem berichtet er, daß er manches aus mündlicher Überlieferung hinzugesetzt, manches gekürzt, viele Tatsachen zurechtgerückt und die Kapitelübersicht vorangestellt habe. Fehlt es ihm so auf der einen Seite nicht an der nötigen Kritik, so sind ihm doch andrerseits ') Die Ziffern bezeichnen stets die Zahlen der den Prosasprüchen angehängten Verse in. jedem Buchstaben. 96 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. mehrere arge Versehen untergelaufen, denn an zwei Stellen erzählt er, was Wolfgang zu ihm selbst gesprochen habe; beide Stellen sind also unverändert aus jener fränkischen Biographie von ihm herübergenommen, und aus der zweiten geht hervor, daß der Verfasser jener Schrift dem Bischof nahegestanden haben muß. Die Änderungen, die Otloh mit Arnolds Erzählung vornahm, sind ganz unbedeutende und fast nur stilistischer Art, und ein ähnliches Verhältnis findet wohl auch in bezug auf seine zweite Quelle statt. Die Erzählung selbst verrät den geschulten Schriftsteller, der ja auch sein Werk, wie er selbst sagt, zum literarischen Gebrauch bestimmte. Der Stil ist meist flüssig und die Darstellung lebendig, allerdings ist die Ausdrucksweise zuweilen gewunden und etwas dunkel; die Vorliebe Otlohs für die gebundene Rede kommt in eingestreuten Versen*) mehrfach zum Ausdruck und die ganze Schrift bedient sich in viel stärkerem Maße der Reimprosa, als sie sonst bei Otloh üblich ist. Zeit der Abfassung 2 ) Tempt. 2 (col.55D) Ex petitione namque fratrum nostrorum vitam ... s. Wolfgangi emendans . . . scripsi antequam proficiscerei- ad monasterium Fuldense. Nähere Umstände Prol. (col. 391C) Fratrum quornmdam nostrorum hortatu sedulo inflmus ego 0. coenobitarum s. Emmerammi compulsus sum, b, Wplfkangi vitam ab antecessoribus nostris in liberulis duobus dissimili interdum et impolita materie descriptam in unum col- ligere atque aliquantum sublimiori stilo corrigere . . . (395 A) In quo scilicet opusculo hoc studere me denuncio, ut ea quae simili quidem sensu prolata sed inemendato rusticoque stilo videbantur vagabunda, regulae aliquantulum grammaticae artis subiugarem et ad lit- teratorios usus exemplarem. Zu den beiden Quellen (393 B) TJbi vero dissimilis habebatur sententia, ut est illud, quod dicitur regem gentemque Ungariorum ad sacram fidem convertisse necnon baptizasse, nonnullaque alia, quoniam non solum alter libellus Arnolfi scilicet monachi dijalogus apud nos scriptus, sed etiam omnium, qui adhuc nobiscum conversanhir et se relatione patrum fideli comperisse s. Wolfkangi gesta testantur, verba discrepant, visum est mihi magis debere sequi dicta scriptaque nostratum . . . quam extraneorum. Nam alter libellus, in quo varietas habetur talis, delatus est ex Francis. Zur Behandlung des Stoffes (394 A) Midta etiam quae in libro neutro inveniebantur, fidelium quorumdam attestatione comperta addere studui, sicque quaedam addendo, quaedam vero fastidiose vel inepte dicta excerpendo pluraque etiam corrigendo sed et capitularia praeponendo . . . obedivi. Wolfgangs angebliche Reden an Otloh c. 30 (col. 415 C) Haec itaque et multa alia, quae ex ore eius audivhmts, sicut ijise praedixit, impleta cernimus und 34 (col. 417 B) Sanctus autem dei famulus suspirans ad nos, qui secum tunc fueramus, dixit. Die Vita Wolfgangi wird erwähnt s. XII in Prüfening (Becker 95, 105 = 1347, vgl. Centralbl. f. Biblwesen 20,105 N. 103). Hss. sind zahlreich in Bayern und Oesterreich, Haupthss. Berol. theol.qu.365, vgl. Jos. Theele, Beihefte z.Zentralbl. f. Biblwesen 48. 50f. 105 (an Fulda geschenkt) und Einsidl. 322 s. XI, die übrigen vgl. Waitz MG. SS. 4,525 und Acta SS. Nov. 2. 1, 565 f.; Ausgabe von Waitz, MG. SS. 4, 525—542 (= Migne 146, 389—422), Acta SS. Nov. 2, 1, 565—583. Vgl. Wattenbach 2, 66 f. und Dümmler a.a. O. S. 1095. Hier können noch einige kleinere Gedichte erwähnt werden, eine Oratio ad deum, zwei Gedichte In resurrectione doniini und Versus de die iudicii von 45, 17, 56 Hexametern und 28 Distichen, Ausgaben bei Migne 146, 297 ff. und von Dreves, Anal, hymnica 50. 320 - 328. Quomodo legendum sit in rebus visibilibus. Als sich Otloh in Amorbach aufhielt, hatte er mit dem Abte dieses Klosters häufige Gespräche über biblische Stellen und kurz vor dem Osterfeste — das Jahr 1067 wird gemeint sein — trat dieser mit der Bitte an ihn heran, eine Oster- predigt zu halten. Er ging endlich auf diese Bitte ein und wählte zum Text Psal. 52,3. Ob die Predigt gehalten worden ist, wissen wir nicht, jedenfalls gab sie Otloh mit einem Vorwort heraus, in dem die eigentliche ') 9(Migne 146,399C) Hisprecibusgestis j (396C) auf Iusserat aediculam mandrita Lup- persolvit debita mortis; (399D) Haec sanctus \ ambulus istam. renuit, quia semet in ardua fxit. Ein Juvenal- vers (Sat. 7, 157) steht Kap. 7 (col. 398D). Einen Vers Wolfgangs bewahrt Otloh Kap. 2 2 ) Nach Waitz MG. SS. 4.524 fällt die Abfassung zwischen 1037 und 1052. Otloh von St. Emmeram. 97 Veranlassung verschwiegen wird. Er sagt nämlich im Prologe, daß er viele Lehrer in den Schulen kenne, die ihre Zöglinge in den weltlichen Wissenschaften unterrichteten, so daß die Schüler ihren Sinn nur auf den Ruhm der Welt stellten und die Spitzfindigkeiten der Schlüsse und Beweise lernten, um einfache Gemüter mit ihrer kunstreichen Rede zu verlachen. Er habe sich daher das Studium christlicher Schriften erwählt, um damit für den rechten Glauben und für die christlichen Tugenden zu wirken; sein vorliegendes Werk wolle daher zur Erbauung der Seelen einiges beitragen. Und zwar hatte er die Absicht, diese Erbauung durch Anhäufung von Gleichnissen herbeizuführen, deren er nicht weniger als 110 beibringt. 1 ) Sie sind meist aus dem gewöhnlichen Leben genommen und zuweilen ist der Vergleich, der sich immer auf Gegenstände der Moral und christlicher Tugend bezieht, recht gesucht. Aber eine gewisse Volkstümlichkeit läßt sich in der Predigt doch nicht verkennen, und die Absicht des Verfassers, durch VergleichungeD aus der sichtbaren Welt einfachen Gemütern das Verständnis der unsichtbaren Welt in etwas zu erschließen, muß im ganzen als gelungen bezeichnet werden. Viele der Vergleichungen sind biblischen Ursprungs, andere scheint Otloh selbst angestellt zu haben; und zwar sind manche nicht ungeschickt, wie die Sonnenstäubchen den zahllosen Fehlern des Menschen verglichen werden. 2 ) Eine Stelle stammt übrigens aus dem Physiologus, 3 ) nämlich, daß die Viper von ihren eignen Jungen, die sie im Leibe trägt, getötet wird. Zur Abfassung Tempt. 2 (col. 55 B) ad monasterium Amerbach dictum perrexi. Cumque ab eiusdem monasterii abbate susceptus . . . et de s. scripturae quaestionibus multis inter nos sermo assiduus ageretur, placuissetque ei saepissime responsio mea, accidit ut iuxta paschalia festa dixisset ad nie . . . si vobis praecipere aliquid piossem . . . praeciperem ut in hac so- lemnitate proxima sermonem faceretis ad populum . . . Continuoque stilo accepto scribere coepi in modum sermonis, sumetis exordium de psalmistae dictis: Dominus de caelo prospicit super filios hominum. Quae nimirum dicta, quantum potui, similitudinum argumentis roboravi, credens per haec aliquos aedificari, cui videlicet operi titulum imposui: Quomodo legendum ■Sit in rebus visibilibus. Im Prolog heißt es (Migne 93, 110313) Cum plures clericos in scola ■constitutos agnoscerem ad hoc quam maxime vacare, ut litterarum saecularium notitiam caperent, quae auditores suos stndiosissime docent carnalia appetere, pro obtinenda mundi gloria contendere, syllogismorum et argumentorum subtilitates discere, ut quoslibet simplices cum verbositate huiusmodi circumventos possint irridere, tractavi et ego litteras Was legere, quibus aliquos ad sacrae fidei normam, ad timoris amorisque divini curam . . . incitarem . . . (1104C) Cuius etiam argumenü genus in hoc sermonis opusculo imitatus, studui ut sicut multi scolares in litteris saecularibus se exercent ad saecularis vitae amorem, ita et me exercerem in sacris litteris . . . eligens inde alque scribens, quae legentibus profectuosa et ad aedificationem animarum congrua videbantur. Unvollständig im Monac. 14490 4 ) s. XI f. 164 — 167li. Auszug im Monac. 14881 s. XV f. 45b—54. Ausgaben: Bedae opera ed. Colon. 8,902—925 = Migne 93, 1103-1128. Vgl. Dümmler a. a. O. S. 1093 und n. 1. De cursu spirituali. Als Otloh nach St. Emmeram zurückgekehrt war und schon in höheren Jahren stand, lastete die Verderbnis der Kirche wie der Welt schwer auf ihm. Er vermeinte den Niedergang der christlichen Religion zu sehen und es bedrückte ihn, daß die Fürsten und Großen ihr Verhältnis zu ihren Untergebenen wenig christlich auffaßten. Und da Der letzten Vergleichuhg (Migne 93, I suis in utero positis lacerata perimitur. 1124A—1125 B) sind eine ganze Anzahl Dinge ' 4 ) Mit einigen Zusätzen (gegenüber dem untergeordnet. 2 ) Migne 93,1122A. 3 ) Migne 93, 1123B Sicut vipera a filiis Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. Druck), die von Otloh nachgetragen sind, und mit Inhaltsangaben. 98 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. man seine persönlichen Mahnungen nicht hören wollte, so verfaßte er ein Buch „Vom geistlichen Wettlaufe", um auf diesem Wege zur Erbauung und Besserung beizutragen. Er wollte hierin einen Lauf durch die hl. Schrift, besonders durch den Psalter und die Evangelien antreten. Namentlich erschien es ihm unleidlich, daß die Menschen auf seine vielfachen Ermahnungen geantwortet hatten, die Fürsten gingen mit solchem Beispiel voran und ihnen müßte man folgen, und daß viele hervorragende Geistliche zwar ausgezeichnet predigten, aber nicht nach ihren Worten lebten, sowie daß Recht und Gerechtigkeit aus der Welt verschwunden seien. Und da schon seit vielen Jahren Mißwachs eingetreten sei, so müßten die Leiter des Volkes dafür sorgen, wie man am besten diese Plage abwenden könne; denn im Alten wie im Neuen Testament seien für solche Fälle Vorschriften enthalten. Otloh geht nun in seiner Darstellung von 1 Kor. 9, 24 aus und erläutert danach die Begriffe Stadium und cursus spiritualis. Er fährt dann mit der Darstellung des Wettlaufes um den Siegespreis bei den einzelnen Ständen fort, die sich alle verschieden daran beteiligen müßten und schließt hieran eine Menge Beispiele von alttestamentlichen Persönlichkeiten, besonders Davids an, wobei er den Psalter vielfach auszieht und auf die Vorherverkündigungen Christi, seines Lebens und seiner Lehre durch die Psalmen ausführlich eingeht; namentlich wird ihm Psal. 18,10 zum Ausgangspunkt für den Beweis der Gerechtigkeit von dem Gericht Gottes. Hier wird die Abhandlung oft zur Stellensammlung aus dem Psalter. Darauf zieht Otloh die Stellen aus den Büchern Salomos, aus Hiob und aus den Propheten aus, die für seine Beweisführung in Betracht kommen, um dies dann mit dem Berichte der Evangelien fortzusetzen, insoweit dieser zum Ansporn für die Tugend dienen kann. Hier wendet er sich im einzelnen gegen die unchristlich Lebenden und gegen die sittlichen Gebrechen seiner Zeit. Von Kap. 21 an kommt er auf sich selbst zu sprechen und beginnt mit den vielfältigen Versuchungen, denen er ausgesetzt gewesen sei, wobei seine Darstellung öfters zum Dialog, schließlich ganz zum Monolog, zum. Selbstgespräch wird. Er erwähnt dann die göttlichen Heilmittel, zu denen er sich wandte, und stellt dar, warum Gott solche Versuchungen zulasse, und bringt hierfür Beispiele aus dem Alten und dem Neuen Bunde; ferner dienen ihm hier Cassian, dieVitae patrum, Gregors Dialoge und das Leben der Maria Aegyptiaca zur Quelle für weitere Erzählungen. Den Schluß bildet eine Belehrung darüber, was allen Menschen insgesamt zum Wettlaufe nötig sei. Das ganze Werk läßt erkennen, daß Otloh nicht nur in der Bibel gut zu Hause war, sondern auch, daß ihm die Methode seiner Zeit, Bibel und Väter allegorisch auszulegen, wohl bekannt gewesen ist. Zum Teil mag es, wie andere, auf früher angefertigten Stellensammlungen beruhen, die dem Unterricht dienten. Zur Veranlassung Tempt. 2 (col. 56 A) Post haec autem cum vlderem simul et audirem undique Christianae religionis destruetionem, rectorum et prineipum negligentiam in sub- ditos tarn in spirituali quam saeculari vita positos doleremque iugiter pro talibus, cogitare coepi, ut qnia nullus dignaretur me audire communi sermone loquentem . . . vel scribendo aliqua sacrae scripturae cerba proferrem, unde aliquos aedificare possem.') Hac igitur causa ') Im Prolog (col. 141A) traetavi vel scri- I dieta, ut qui sermone communi dedignantur bere aliqua de scripturis sanetis exhortatoria \ corripi, lectione sattem sacra corrigantur. Otloh von St. Emmeram. 99 scripsi librum inei quoque operis novissimum, cui titulum imposui De cursu spirituali. In quo videlicet libro quantum per sacrae scripturae maximeque per psalterii et evangelii campum currere potui, scribendo protuli. Zur Antwort der Menschen Prol. (col. 139 D) sed pene nullt Valens prodesse consilio vel exemplo, unusquisque enim quem admonere praesumpsi, dicebat se necessario sequi allorum gesta, nee aliud posse facere, nisl quod prineipes rectoresque huius mundl videret facere. Zu den Geistlichen Prol. (140 D) cum peritissimos quosdam clericos audirem optima quaeque aliis praedicare, sed mox post praedicationis horam pessima iubere et perpetrare. Quid enim peius potest esse, quam iudicia quaeque subvertere, nullam iudicii veri spem subiectis relinquere, res alienas iugiter coneupiscere, . . . monasteria deo sanetisque eius maneipata destruerel Zum Mißwachs (142 A) Quia enim per multos iam annos peccatis exigentibus penuria frugum laborabant homines, opus est rectoribus hoc providere, quid agendum sit pro eiusdem penuriae plaga mitiganda. Multiplex namque doctrina tarn in veteri quam in novo testamento invenitur hoc instruens, ut quoti escumque plaga aliqua superveniat, mox homines . . . communüer invocent deum pro necessilatibus suis. Die Benutzung der obengenannten Quellen erstreckt sich von Kap. 24—25 (col. 231B—234B.) Handschriften: Monac. 14490 s. XI f. 56 b und 18611. Ausgaben von Pez 3, 2,259 = Migne 146,139. Vgl. K. Werner, Gerbert v. Aurillac S. 243; Dümmler a. a. 0. S. 1093 f. Liber de temptationibus. Die persönlichen Verhältnisse, über die Otloh im „geistlichen Wettlauf" sich geäußert hatte, mochten mit seinem zunehmenden Alter erhöhte Wichtigkeit für ihn gewinnen. Es drängte ihn daher, der Nachwelt ein weiter ausgeführtes Bild seines inneren Lebens zu überliefern und sie zugleich mit den wichtigsten Phasen seines äußeren Lebens in Verbindung mit der Reihenfolge und mit den verschiedenen Veranlassungen seiner Werke bekannt zu machen. So entschloß er sich zu einer Art von allerdings sehr lückenhafter Selbstbiographie, die er Liber de temptatione cuiusdam monachi x ) uannte. Nämlich im Anfang des ersten Teils der Schrift spricht er von sich in der dritten Person und erzählt, daß er nach seinem Eintritt ins Kloster, der viel zu früh erfolgt sei, vielfach vom Teufel versucht wurde. Er ergeht sich darin, diese Versuchungen recht ausführlich darzustellen und den Weg anzugeben, wie er sie siegreich bestand. So erhalten wir eine Darstellung seines inneren Lebens, die hauptsächlich aus seelischen Kämpfen besteht, und insofern gleicht dieser Ausschnitt aus seiner Selbstbiographie in etwas einem geistlichen Roman. Besonderen Raum nimmt die Aussprache mit seiner inneren Stimme ein, die sich sehr breit über sein Leben und seine Stellung in der Welt ausläßt; 2 ) diese innere Stimme aber ist Gott selbst. Aus diesen Abschnitten geht hervor, daß Otloh eine stark sensitive Natur war, leicht empfänglich für alle äußeren Eindrücke. Beim Beginn des zweiten Teiles bemerkt er, daß er seine Anfechtungen erzählt habe, um den jungen Mönchen zu zeigen, wie man mit Hilfe der hl. Schrift solche überwinden könne. Sodann gibt er ausführlich Rechenschaft über seine zahlreichen Werke und erzählt mit einer gewissen Selbstgefälligkeit, wie zeitig er schreiben gelernt und wie gut er geschrieben habe und welche von ihm geschriebenen Bücher er befreundeten Klöstern oder Personen zum Geschenk gemacht habe. Die Schrift ist von J. A. Endres eingehend gewürdigt worden, der erklärt, daß Otloh trotz seiner Abneigung gegen alle weltliche Wissenschaft doch ein gewisses Interesse für philosophische Betrachtungsweise und für philosophische Probleme besitzt. Beginn (col. 29 A) Fuit quidam clericus vitiis multis modis deditus qui cum saepius a domino commoneretur pro aedificatione sua, conversus tandem venu at monasticam pro- ] ) So ist der Titel nach Mabiilon, Anal. I 2 ) Nämlich von col. 340 bis 50D. vetera p. 107. 100 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. fessionem. Im ersten Teile benutzt er Gregors Dialoge (col. 47B), Cassian (= collationes patrum col. 47C), die Vitae patrum (48A) und die Vita Mariae Aegyptiacae (48D), also ganz dieselbe Literatur, die er im Cursus spiritualis verwendete. Aufzählung seiner Werke col. 51B—56B, Bericht über seine Tätigkeit im Schreiben col. 56D—58C. Handschrift Monac. 14756 s. XI f. 62T>—111 ^>. Ausgaben von Mabillon, Anal, vetera p. 116 = Migne 146,29; vonR. Wilmans, MG. SS. 11,387 393. Vgl. K. Werner, Gerbert v. Aurillac S. 241 und besonders J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. d. frühmittelalteil. Philosophie S. 79—84. Oratio teutonice. Unter den Werken Otlohs finden sich ferner zwei lateinische Gebete, deren eines von ihm auch ins Deutsche übertragen und dabei gekürzt wurde. Er bittet hierin Gott um Erlösung von der Sünde und um den gnädigen Beistand hierzu von seiten der Maria, St. Michaels, der Apostel und einer großen Zahl von Heiligen. Ferner bittet er um die Wiederherstellung des zerstörten Münsters von St. Emmeram und legt Fürbitte ein für alle Richter, Geistlichen und Laien, für alle im Kloster verstorbenen Brüder und für alle mit St. Emmeram in Gebetsbrüderschaft stehenden Mönche. Zuweilen ist der deutsche Test mit lateinischen Worten durchsetzt. Handschrift des als Quelle dienenden lateinischen Gebets Monac. 14490 s. XI f. 158» (das zweite lateinische steht f. 51 a ), das deutsche Gebet ebenda f. 1611>. Ausgabe Pez 1, 1,417; Müllenhoff und Scherer, Denkmäler deutscher Poesie und Prosa 3 1, 267 ff., dazu Anmerkungen 2,411 ff.; dort S. 413 Vergleichung des deutschen Textes mit dem lateinischen Original. Translatio s. Dionysii. Höchstwahrscheinlich hat sich Otloh auch dazu hergegeben, einen Bericht der erdichteten Übertragung des hl. Dionysius nach St. Emmeram zu verfassen. Dieser Bericht ist nach L. v. Heinemann 1 ) zwischen dem 25. Oktober und 4. November 1049 abgefaßt. Das Vorwort der Schrift verdeckt unter außerordentlichem Wortreichtum den völligen Mangel an eigentlichem Inhalt und sucht unter Vorspiegelung von Autopsie und von Erkundung von seiten französicher Berichterstatter den Schein der Wahrheit der Ereignisse vorzutäuschen. Im Eingange der Schrift berichtet der Verfasser von der Bedeutung des hl. Emmeram seit den Zeiten Kaiser Arnulfs und erzählt, daß Arnulf gegen Westfranken gezogen sei und vor Paris den Gedanken faßte, den Leib des hl. Dionys zu erwerben; hierzu habe sich unter Anwendung einer List ein Kleriker erboten, der den Raub mit Hilfe einer großen Geldsumme ausgeführt habe. Darauf sei der Abt von St. Denis zu Arnulf gegangen und habe um Rückgabe des Heiligen gebeten; wenn er ihn aber nicht herausgebe, dann möge er mindestens dafür sorgen, daß der Raub nirgends bekannt werde. Arnulf behielt nun den Leib des Heiligen stets bei sich und schenkte ihn kurz.vor seinem Tode dem Kloster St. Emmeram. Hierauf bringt der Verfasser den Bericht eines Reklusen mit den weiteren Schicksalen des Heiligen im Kloster und den obligaten Wundern. Als Jahr der Übertragung nach St. Emmeram wird Kap. 11 das falsche Todesjahr Arnulfs 900 angegeben und das gegenwärtige Jahr als 1049 bestimmt. Die weiteren Abschnitte der Schrift sind völlig unwesentlich, der Verfasser schreibt hier Hildvins Vita Dionysii und dessen Brief an Kaiser Ludwig aus, benutzt die Historia ecclesiastica des Eusebius, die Chronik und die Viri illustres des Hieronymus, Gregors I. Homilien sowie Bedas Erklärung zur Apostelgeschichte und ein mit Zusätzen versehenes *) Neues Archiv 15,336. Otloh von St. Emmeram, 101 Exemplar von Bedas Chronik. So ist das ganze Machwerk ein Betrug, obwohl die Realität des Ereignisses noch später in St. Emmeram verfochten wurde. Zu den Behauptungen des Verfassers vgl. (Neues Archiv 15. 340) Quod audivimus et vidimus, quod oculis nostris perspeximus und p. 341 ea . . . quae tarn ex nostrorum quam e.r itiorum, qui ex GaUiä ad nos ceniebant, relatione fideli comperimus. Zum Bericht des Reklusen c. 3 p. 343 Nam sicut a quodam venerabili viro scilicet incluso adhuc superstite et omnimodo huie saeado abrenuntiante, qui quondam in Gallia commoratus et profectus ad s. Diont'si cenobium ab einsdem monasterii abbate didicit, comperimus. 1 ) Sogar angeblich eigne Worte Arnulfs werden untergeschoben, vgl. p. 344 imperator... talia fertur verba pirotulisse; weiterer Bericht des Reklusen c. 5 p. 345 Haec vero quae de s. Dgonisii translatione ab eo facta diximus, partim a nostratum partim quoque inclusi, de quo superius mentionem fecimus, relatione fideli comperimus. Zeitangabe c. 11p. 351 Si quis autem curiose inquirit, sub quo anno incarnationis domini haec fnerit facta translatio, hoc modo conicere poterit: Computet ergo ab anno nongentesimo, in quo predictus imperator Arnolfus sexta Idus Decembris obiit, usque ad instantem patefactae translationis annum, qui est millesimus quadraijesimus nontcs. Handschrift: Guelferbyt. Nov. 534,3 s. XV f.49—57 b . Ausgabe von L. v. Heinemann, Neues Archiv 15, 340-358. Daselbst S. 336 zur Zeit der Abfassung und S. 336-340 über Otloh als Verfasser. 2 ) Vgl. Dum ml er a. a. 0. S. 1084 f. Ein Fragment eines Auszuges aus diesem Werke scheint das kleine Stück bei Pez 3, 2, 399 = Migne 146, 387D zu sein. Heiligenleben. 1. Vita sancti Altonis. Um ein auf Bonifaz zurückgeführtes Recht für das Kloster Altomünster zu schützen, schrieb Otloh das Leben Altos, des angeblichen Stifters dieses Klosters, bevor er nach Fulda ging. Wahrscheinlich wußte man von diesem Heiligen in seinem Stifte so gut wie nichts, denn Otlohs kleine Schrift besteht nur aus Worten fast ohne jeden Inhalt. Leider besitzt das Werkchen keinen Prolog mehr. Der Eingang, d. h. das Leben Altos bis zur Begründung des Klosters, ist aus den herkömmlichen Phrasen zusammengestoppelt und wohl einfach erfunden; als einzige positive Angabe findet sich, daß König Pippin dem Alto ein Stück Wald geschenkt habe. Und auf Lokaltradition beruht wohl Kap. 8 der Besuch von Bonifaz und dessen Verbot, daß keine Frau aus der neben der Kirche entspringenden Quelle Wasser schöpfen dürfe. 3 ) Erfunden scheint dann auch alles Weitere über Altos Leben zu sein. Von Kap. 10 an aber hört man nichts mehr vom Stifter, sondern nur noch von den durch bairische Große bestimmten Geschicken des Klosters und von der Übertretung des von Bonifaz gegebenen Verbots. So ist die Schrift an sich völlig wertlos und hat nur deshalb ein gewisses Interesse, weil sie von Otloh stammt. Und ebenso inhaltlos werden wohl die Gedichte gewesen sein, die Otloh auf diesen Heiligen schrieb. Zum Verfasser vgl. De tempt. 2 (col. 56 A) Sed et vitam sancti Altonis una cum quibus- dam carminibits ad eundem sanctum pertinentibus. Handschrift Monac. 21707 s. XV. Die älteren Ausgaben sind alle interpoliert, die einzige kritische von G. Waitz MG. SS. 15,843 ff. Vgl. Wattenbach 2, 66 n. 5 und Dümmler a. a. O. S. 1095. 2. Vita sancti Nicolai. Auf Wunsch der Brüder von St. Emmeram verfaßte Otloh ein Leben des hl. Nikolaus, das er dem Abte Wicrad — jedenfalls Widerad von Fulda — widmete. Im Prolog berichtet er, daß ihm zwei Biographien des Heiligen vorlagen, denen er alles bis auf das letzte Kapitel verdanke. Die eine sei an vielen Orten verbreitet, die andere habe Nämlich daß nach dem Raube des Hei- \ 3 ) Die Uebertretung dieses Verbotes war ligen zwei Tage völlige Finsternis im Kloster zu St. Denis herrschte. 2 ) Vgl. auch Dümmler S. 1085 n. 3. die Veranlassung dazu, das Leben Altos zu beschreiben. 102 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ein Unbekannter nach St. Emmeram gebracht; sie stamme aus den Grenzgebieten Griechenlands. Diese zweite besitze manche Angabe, die der ersten fehlten, nur sei sie in sehr schlechtem Latein geschrieben. Er habe daher beide ineinander gearbeitet, nichts hinzugefügt, sondern manches Überflüssige entfernt und den Stil verbessert; bei Diskrepanzen beider Quellen habe er die Auswahl nach Gutdünken getroffen. Da nur das letzte Kapitel — das einzige selbständige ■— neben dem Prolog herausgegeben ist, so muß die Beurteilung der Schrift einstweilen ausbleiben. Nur entsteht hier die Frage, ob Otloh wirklich zwei verschiedene Versionen der Biographie vorliegen hatte und welche das gewesen sind. Bemerkenswert ist auch der Umstand, daß Otloh in der Schrift De temptationibus ausdrücklich erwähnt, er sei zur Abfassung der Vitae Nicolai und Wolfgangi von den Brüdern in St. Emmeram aufgefordert worden, was er im Prologe beider Schriften erwähnt habe. Davon findet sich aber in dem von Wattenbach gedruckten Prolog der Vita Nicolai nichts, vielmehr sagt Otloh, daß ihn Abt Wicrad zur Abfassung aufgefordert habe. Angaben des Prologs (Neues Archiv 10, 408) . . . primo dehinc, o venerdnde simul et karissime abbas Wierade, vestre libellum presentem dignitati recertsendum offero . . . euius etiam peticione scripsi . . . Est et alia causa, pro qua stcperfluum duxi aliquant in hoc pro- logo nominis mei facere mentionem, quia alienum pene opus est . . . Älienum quippe ob hoc videtur, quia excepto uno capitulo, quod in fine continetur, omnia ex libellis duobus collegi, uiio quidem qui in plurimis locis habetur, alio autem ab ignoto quodam nostratibus alJato qui hec ex longinquis contiguisque Grecie regionibus se acquisisse dixit. In quo nimirnm quia multa licet rusticitate magna edita inveni, quae in altero non habeantur, studui unum ex his duobus libellum conficere, nichil de meo adiciens sed tantummodo ex utrisque superflua queque auferens et que in Mo novitio arti prorsus aramatice dissonabant, aliquatenus emendans. Tibi enim uterque consentiebat, unum horum scripsi, ubi autem discordabant, quod melius mihi videbatur, assumpsi. Handschrift Monac. 14419 s. XII f. 21—42. Prolog und letztes Kapitel herausgegeben von Wattenbach, Neues Archiv 10, 408 f. Vgl. Anal. Bollandiana 17,205. 3. Vita sancti Magni. Auf Bitten zweier Mönche von St. Emmeram, nämlich Wilhelms, des späteren berühmten Abtes von Hirschau, und Adal- halms aus St. Mang, der sich damals der Studien halber in St. Emmeram aufhielt und später Abt zu St. Afra in Augsburg wurde, verfaßte Otloh ein Leben des'hl. Magnus, d. h.- er überarbeitete das alte, angeblich von Ermen- rich verfaßte Leben des Magnus, indem er den fehlerhaften Stil dieser Schrift verbesserte. In dem erst vor kurzem bekannt gewordnen Prologe an Adalhalm vergleicht er seine Arbeit mit einer gefahrvollen Fahrt auf dem Meere 1 ) und erläutert die Schwierigkeiten, die er zu überwinden gehabt, an mehreren Beispielen, nämlich daß in dem alten Leben berichtet wird, Magnus habe eine Kirche allein ohne Hilfe gebaut und der Ort habe Eptaticus geheißen, d. h. zwischen zwei Klöstern gelegen. Am Schlüsse seiner Arbeit macht Otloh den Schriftstellern, die in kürzester Zeit Schriften mit Gedanken der alten Autoren, ja mit der Beredsamkeit eines Tullius anfüllen könnten, den Vorwurf, daß sie es für unter ihrer Würde gehalten hätten, die Wunder des hl. Magnus aufzuzeichnen. Und jetzt seien die Zeiten mit Krieg und Hinterlist und mit Vernichtung der heiligen Orte erfüllt und dabei gewinne niemand die Ruhe, über die Wunder von Heiligen ') Wie einst Sedulius im Prolog zum | Fortunatus in den Prologen zu den vier Büchern Paschale Carmen anMacedonius und Venanlius Berengar von Tours. 103 nach ihrem Tode zu schreiben. Daraus ergibt sich aber deutlich, daß die Vorwelt eben keine Wunder des hl. Magnus aufzuzeichnen gehabt hatte. Zum Anlaß vgl. Tempt. 2 (col. 56 A) Postquam nero redii, vitam s. Magni scripsi com- pulsus fratrum duorum precibus intimis et assiduis, Wilhelm i scilicet ex congregatione nostra et alterius qui ad nos discendi causa ex monasterio s. Magni venu, Adalham dictus, quique nunc in s. Afrae coenobio abbas est constüutus. Hiermit und zu allem übrigen vgl. den Anhang I bei Dümmler a. a. 0. S. 1098—1100. Die alte Hs. aus Augsburg ist verloren, doch das Werk ist in später Abschrift der Bollandisten erhalten. Ein Stück des Prologs Acta SS. Sept. 2,701. Aus dieser Abschrift gab den Prolog und den Schluß heraus Dümmler a. a. O. S. 1098 ff.; vgl. S. 1096. Gesamtausgabe von Otlohs Schriften bei Migne 146,29—422. Vgl. Wattenbach 2.65—68 und die treffende Charakteristik von Hauck 3, 959-962. dazu K. Werner, Gerbert von Aurillac S. 239—244.327. J. A. Endres, Forsch, z.Gesch. d. frühmittelalt. Philosophie <1915) S. 64—87. 11. Berengar von Tours und seine Widersacher. Seit den Tagen, da des Radbertus Paschasius Buch De corpore et sanguine domini erschien, war die Auffassung der Kirche über das Abendmahl im allgemeinen dieselbe geblieben und stützte sich auf diese Autorität. Allerdings hat es nicht an abweichenden Meinungen gefehlt, sie wurden aber durch den Episkopat schnell unterdrückt und die Lehre der Trans- substantiation blieb in Geltung. Aber noch vor dem Jahre 1050 lief ein geistig hochstehender und unabhängiger Mann Sturm gegen diese Auffassung und entfesselte dadurch eine nicht geringe Bewegung bei der zeitgenössischen Geistlichkeit. Dieser kam es hinsichtlich der konservativen Tendenzen der Kirche zu Hilfe, daß wenig später die römische Kirche von einem Manne gelenkt wurde, der zu den größten Geistern des 11. Jahrhunderts zu rechnen ist, an dessen Verteidigung alle gegen das Dogma gerichteten Angriffe abprallten. Wir haben es mit Berengar von Tours und dem Kardinal Hildebrand, dem späteren Papste Gregor VII., zu tun, der allerdings in dem Streite eine nicht ganz klare Stellung einnahm. Berengar stammte aus wohlhabender Familie und mag um 1010 in Tours geboren sein. Der höheren Studien wegen begab er sich nach Chartres, um dort Schüler des bedeutendsten zeitgenössischen Lehrers, des Bischofs Fulbert zu werden, dessen Schule Adelmann einer Akademie verglich, während ■er Fulbert einen zweiten Sokrates nannte. Hier erlernte Berengar die weltliche und die geistliche Wissenschaft und er mochte nach Adelmanns Worten zu den Auserkorenen gehören, die der verehrte Lehrer besonders an sich zog. Mit großem Genuß erinnerte er sich als alter Mann noch an einen Witz, den einst ein älterer Schüler mit ihm und andern Jüngern des Donat — die Tatsache fällt daher vielleicht noch vor seinen Aufenthalt in Chartres — gemacht hatte. Er hatte nämlich mit ihnen gewettet, daß tantum Interjektion sei, und seine Wette dadurch gewonnen, daß er ihnen im Buche die Worte zeigte: Interiectioni quid aeeidit? Significatio tantum. In Chartres erwarb sich Berengar die für seine Zeit hervorragende Ausbildung in Grammatik, Dialektik und Rhetorik, die es ihm später ermöglichte, eine so scharfe und treffende Verteidigungsschrift wie De sacra coena zu verfassen. Wahrscheinlich prägte sich schon damals bei ihm ein gewisser Hang aus, selbständig zu denken und das überlieferte Wissen kritisch zu erfassen, wenigstens wußten seine Mitschüler später von ihm zu erzählen, 104 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. daß er sich um die Meinung des Lehrers nicht eben viel gekümmert, die Mitschüler über die Achsel angesehen und die Bücher der freien Künste verachtet habe. Dies Urteil scheint allerdings etwas hart zu sein, denn es kam aus der Feder seines Gegners Guitmund und wird dadurch doch in etwas entkräftet, daß Berengar in De sacra coena als mit den Waffen der Künste des Triviums vortrefflicher denn seine Zeitgenossen ausgerüstet erscheint und wir von ihm selbst wissen, daß er erst in gereifteren Jahren sich in die Heiligen Schriften vertieft hat. Außerdem wissen wir aus einem Briefe seines Freundes Drogo, des späteren Archidiaconus zu Paris, daß Berengar einen außerordentlichen Eifer für das Verstehenlernen der wissenschaftlichen Werke und ein sehr großes Geschick für deren Erklärung besaß; ferner rühmt Drogo an ihm seine vortrefflichen Kenntnisse in der Heilkunst und er ist nach einem Aufenthalt bei dem Freunde so von ihm begeistert, daß er ausruft, er kenne niemand, den er ihm vergleichen könne. Einen gewissen Absonderungstrieb muß Berengar allerdings besessen haben, denn Drogo fügt mit Bedauern hinzu, daß er von der Welt nicht gekannt werde, und schließt den Brief: „Hierbei tröstet mich allein, daß ich nach meiner Trennung von dir bei allen Männern von Ansehen dein Lob verkündet habe." Dieser Brief fällt etwa in das Jahr 1040, scheint aber noch früher geschrieben zu sein, als Berengar zu Tours Kanonikus und Lehrer an der Schule wurde, denn Drogo bezeichnet ihn in der Aufschrift einfach als Priester. Jedenfalls trat er in seiner neuen Stellung aus der früheren Unbekanntheit heraus, denn seiner kritischen Veranlagung nach muß er ein tüchtiger Lehrer gewesen sein. Freilich ging er auch hier seine eignen Wege, denn es entstand viel Gerede um ihn, das aber in jener Zeit des unbedingten Autoritätsglaubens die Tatsachen wohl stark übertrieb; wie ihm sein älterer Mitschüler Adelmann vorwarf, daß man von ihm erzähle, er verachte die alten und erprobten Autoren, wie den Priscian, Donat und Boetius, und einige junge Leute, die aus seiner Schule gekommen seien, hätten bei den kirchlichen Lektionen durch das Betonen der von ihm neu aufgebrachten Akzente großen Anstoß erregt. Hierbei mag Wahres mit Falschem gemischt sein. Auf der andern Seite muß aber Berengar in geistlicher Beziehung in hohem Ansehen gestanden haben, wie seine beiden frühesten Briefe erweisen. Nämlich in einem derselben hält er einigen Eremiten, die sich an ihn gewendet hatten, eine sehr eindringliche Predigt über ihr Leben und warnt sie, indem er den Begriff der Sünde in scharf kritischer Weise aus dem menschlichen Dasein erfaßt, vor dem Hochmut und hält ihnen vor, aus welchem Grunde sie die Einsamkeit aufgesucht haben. Aus dem Briefe ergibt sich eine sehr strenge Auffassung von der inneren Einkehr des Menschen und der Buße. Das andre Schreiben wurde durch einen Streit hervorgerufen, der zwischen einem Bischof — vielleicht Isembert von Poitiers J ) — und seinem Klerus ausgebrochen und wohl durch Joscelin, den Schatzmeister von St. Hilaire zu Poitiers, dem Berengar mit der Bitte mitgeteilt worden war, zwischen beiden Parteien zu vermitteln. Sein Antwortschreiben ist sehr vorsichtig gehalten und wägt, da es für ') Vgl. hierzu H. Sudendorf, Berengarius Turonensis (Hamburg und Gotha 1850) S. 9L Berengar von Tours. 105 beide Parteien bestimmt ist, deren Schuld gegenseitig ab. Zum Schlüsse stellt sich Berengar indes mehr auf Seite der Kleriker, da der Bischof einen Diakon wegen dessen Verheiratung exkommuniziert hatte. Man sieht aber hieraus deutlich, daß sich Berengar keiner geringen Achtung bei dem Klerus erfreute. Aber auch bei den Fürsten mute er viel gegolten haben, denn der mächtige Graf Gaufrid von Anjou wurde sein Gönner und Bischof Frollant von Senlis meldet ihm in einem Briefe, date er ihn beim König Heinrich I. stark in Gunst gesetzt habe, und bittet ihn zugleich, sein Fürsprecher bei Heinrich sein zu wollen. Doch bald wußte man sich von dem Scholastikus in Tours zu erzählen, daß er in der Auffassung des Abendmahls von der herrschenden Meinung der Kirche abwich, die Radbert in seiner Schrift De corpore et sanguine domini niedergelegt hatte. Daher wandte sich sein alter Schulfreund Adelmann zunächst durch den Primicerius Paulinus von Metz brieflich an ihn, um ihn davon abzubringen. Das Schreiben scheint aber nicht bestellt worden zu sein, denn Adelmann erhielt keine Antwort, so daß er zwei Jahre später dem Freund einen herzlichen und ausführlichen Warnungsbrief schickte, in dem er ihn bei der Erinnerung an die alte Schulzeit beschwor, die Abweichungen vom Kirchenglauben aufzugeben und nicht in Ketzerei zu verfallen; zugleich macht er dem Freunde deutlich, wie die Worte bei der Einsetzung des Abendmahls nach der Lehre von der Transsubstantiation zu verstehen seien. Und der Bischof Hugo von Langres, der mit Berengar persönlich bekannt war, sandte ihm seinen Tractatus de corpore et sanguine Christi, um ihn davon abzubringen, das Abendmahl mit andern Augen zu betrachten, als es in der Christenheit üblich sei. Aber diese Schreiben hatten keinen Erfolg. Berengar beharrte bei seiner Ansicht, und der neue Papst Leo IX. war bald darüber unterrichtet. Das ergibt sich aus einem Briefe des Bischofs Eusebius von Angers an seinen Metropoliten Arnulf von Tours aus dem Juni 1049, an dessen Ende sich Eusebius auf das bitterste darüber beklagt, daß der Papst den Berengar, der ohne Irrtum und Schuld dastehe, auf höchst ungerechte und unwürdige Weise in Verruf gebracht habe. Der Anstoß zur Aufrollung der ganzen und für die Zeit wichtigen Frage sollte von einer Seite kommen, die mit Berengar früher befreundet gewesen war. Nämlich zu Anfang 1050 richtete Berengar an den Prior Lanfranc von Bec einen Brief, der den Verfasser noch ganz im Vollgefühl der Überlegenheit zeigt. Wir wissen aus dem von Milo Crispinus geschriebenen Leben Lanfrancs, daß beide Männer befreundet waren. Guitmund erzählt aber — und zwar wohl nicht ohne Übertreibung —, daß Berengar von Lanfranc einst in einer unbedeutenden dialektischen Frage beschämt worden sei und gesehen habe, daß sein Gegner die freien Künste wieder zum Leben erweckte, während er selbst von seinen Schülern verlassen wurde; darauf habe er sich zu einer widerwärtigen Deutung der kirchlichen Sakramente gewendet, die rechtmäßigen Ehen zerstört, 1 ) gegen die Kindertaufe gesprochen und endlich die kirchliche Auffassung des Abendmahls unter- ') Hieraus wie aus dem folgenden sieht man deutlich die Uebertreibung und den gegen. Berengar gerichteten Haß. 106 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. graben habe. Aus dieser Stellung beider Männer, wenn sie auch stark karikiert ist, begreift sich der Brief Berengars, worin dieser den Lanfranc heftig angreift, daß er in der Abendmahlslehre an Radbert festhalte und die Ansicht des Johannes Scotus 1 ) verwerfe. Er habe jedenfalls noch nicht genügend in der hl. Schrift geforscht, denn wenn man den Johannes für einen Ketzer erkläre, so müsse man dies auch mit Ambrosius, Augustin und Hieronymus tun. Es werde ihm lieb sein, wenn er einmal mit ihm vor Zeugen und Richtern darüber sich auslassen könne. Dieser Brief kam in Bec an, als Lanfranc nach Rom gereist war, und gelangte erst dort in seine Hände, nachdem ihn andere gelesen hatten. Da Lanfranc über den Ausfall einer päpstlichen Beurteilung sicher sein konnte, so brachte er die Sache vor Leo IX., der Berengar von einer römischen Synode exkommunizieren und auf eine spätere Synode nach Vercelli vorladen ließ. Diese Vorladung hielten Berengar und seine Freunde für eine Rechtsverletzung, da ein Gericht nur in der Diözese selbst zu erfolgen hatte. Doch wollte er gegen den Papst nicht ungehorsam sein und begab sich, um später in Paris vom Könige als dem Abt von Tours Einwilligung zur Reise zu erbitten, nach der Normandie. Hier besuchte er zuerst den ihm befreundeten. Abt Ansfrid in Preaux, bei dem er aber hinsichtlich der Abendmahlsauffassung keine Unterstützung erhalten zu haben scheint. Und dasselbe war am Hofe des Normannenherzogs Wilhelm der Fall, den er jedenfalls als Rückhalt gegen Rom gewinnen wollte: auf einem Theologengespräch zu Briöne mußte Berengar die gewohnte Auffassung der Kirche als zu Recht bestehend annehmen. Nicht besser erging es ihm, als er zu Chartres einen kurzen Aufenthalt nahm, aber als er nach Paris kam, wurde er auf Befehl des Königs verhaftet und gefangen gesetzt. Im Kerker beschäftigte er sich besonders mit dem Johannesevangelium und wurde dadurch von der Richtigkeit seiner Meinung immer mehr bestärkt, wovon er in einem an Ansfrid gerichteten Briefe Zeugnis ablegt, in dem er sich zugleich über den ihm in Chartres zuteil gewordenen Empfang in heftigen Klagen ausspricht. Ferner schrieb er in dieser Zeit einen Brief an den Kanonikus Ascelin zu Chartres, in dem er auf das dort gehaltene theologische Gespräch Bezug nimmt und behauptet, daß er bisher keineswegs alles von Johannes Scotus gelesen habe; was er aber gelesen habe, stimme mit der Ansicht der Väter überein, und er sei bereit zu verwerfen, wenn er bei ihm etwas Unrichtiges finden werde. In seiner Antwort bedauert Ascelin, daß Berengar bei seinem alten Irrtum geblieben sei, denn Johannes sei ein Häretiker, da er die Schriften der Väter falsch auslege. Und Berengar möge davon ablassen, ein Werk zu verteidigen, das auf dem Konzil zu Vercelli verdammt worden sei. Indes Berengar ruhte nicht und richtete an den Klerus von Chartres. wie Durand von Troarn erzählt, ein Schreiben, das sich sehr scharf gegen Papst Leo und die römische Kirche aussprach. Da der Brief verloren ist, so muß sein Inhalt auf das Zeugnis Durands angenommen werden, bei dessen Vor- ') Da Johannes keine Sonderschrift über das Abendmahl hinterlassen hat, so ist das auffällig. Aber Laufs hat (Theol. Studien eine Verwechselung mit Ratrams von Corbie De corpore et sanguine domini vorliegt, die sich auch sonst bei Berengar, besonders in und Kritiken 1. 755 ff.) nachgewiesen, daß hier De sacra coena findet. Berengar von Tours. 107 eingenommenheit gegen Berengar allerdings Vorsicht geboten ist. Einen Rückhalt fand Berengar damals nur an dem Grafen Gaufrid von Anjou. Der Graf sandte an ihn den Mönch Josbert von St. Martin in Tours, der ihn seines Wohlwollens versichern und ihm die Mitteilung machen sollte, daß man ihm kürzlich ein Wort aus den Propheten „Der Sünder wird zu der Stunde, da er sich bekehrt und Reue empfindet, gerettet werden" für die christliche Auffassung bedenklich gemacht habe. Dies Wort nimmt Berengar zum Ausgangspunkt für ein längeres Schreiben an Gaufrid. Er meint, daß die Stelle durchaus nicht dem christlichen Glauben widerspreche, wenn man sie auf richtige Weise prüfe; er würde das dem Grafen mündlich mitteilen, wenn er die Freiheit hätte, schriftlich könne er es kaum tun, da dem Grafen die nötigen Vorkenntnisse fehlten. Aber er wolle doch vorderhand an die Beantwortung gehen, da sich an des Grafen Hofe wohl ein literarisch gebildeter Mann finde, der die nötige Erklärung geben könne. Mit den Worten, es gebe ja in der Bibel nicht wenig Stellen, die dem einfachen Wortlaute nach dem Glauben zu widersprechen schienen, geht er dann auf eine ganze Reihe von biblischen Stellen ein, die ähnlichen Inhalt haben, wie die von Gaufrid namhaft gemachte. Und um seine hierüber vorgetragene Ansicht zu stützen, was mit Hilfe einfacher grammatischer und dialektischer Beweisführung geschieht, legt er einen Abschnitt aus Augustins Werk an den Diakon Petrus über die Buße vor und bringt dann als ganze zweite Hälfte des Briefes ein größeres Stück aus Augustins Quaestionum evangelicarum liber secundum Matthaeum an, um die Anschauungen dieses Kirchenvaters über die guten und die schlechten Katholiken, sowie über Häretiker und Schismatiker festzustellen. Es kam ihm hierbei wohl besonders auf seine eigne persönliche Stellung zur Kirche an, denn er bringt den Satz vor, daß nicht jeder Häretiker oder Schismatiker von der Kirche leiblich abzusondern sei. — Inzwischen'hatte sich das Konzil zu Vercelli am 1. September 1050 versammelt und hierbei wurde, nachdem das Buch des Johannes Scotus (d. h. Ratrams) über das Abendmahl zerrissen worden war, Berengars Lehre verurteilt. Da er gefangen saß, konnte er natürlich in Vercelli nicht erscheinen und die Entscheidung lag in den Händen seiner Feinde, vor allem Lanfrancs. Seine Befreiung verdankte Berengar wohl dem Eingreifen Gaufrids, aber am Hofe wurde die Stimmung gegen ihn nicht besser, obwohl er in Paris auch Freunde hatte. So schrieb Drogo damals an ihn. er habe ihn weder jemals Ketzer genannt, noch auch für einen solchen gehalten. Und Berengar wandte sich damals an den ihm befreundeten Abt Richard am Hofe, um durch seine Vermittlung den Schaden ersetzt zu erhalten, der ihm bei seiner Verhaftung erwachsen war. Wohl fast zu derselben Zeit aber schrieb der Primicerius Paulinus (oder Paulus) von Metz an ihn und bat ihn zugleich im Namen des Abtes von Gorze um eine Begründung und Verteidigung der Lehre des Johannes Scotus, denn was Berengar bisher über die Abendmahlslehre veröffentlicht habe, erscheine ihm gut und katholisch. Das von Berengar verlangte Buch Augustins De haeresibus enthalte zwar nichts gegen die Ketzereien, sondern stelle nur die Sekten zusammen; er werde es ihm aber alsbald nach erfolgter Abschrift übersenden. Man sieht hieraus, daß sich Berengar damals 108 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. eingehend über den Begriff der Ketzerei und über deren Arten unterrichten wollte. Nämlich Heinrich I. hatte für den 16. Oktober 1051 eine Synode nach Paris ausgeschrieben, wo der gallische Klerus zu Gericht über Berengar sitzen sollte. Diese Aufforderung, die wohl von den Feinden des Neuerers ausgegangen war, blieb allerdings nicht unwidersprochen, denn Bischof Dietwin von Lüttich riet in einem Schreiben dem französischen Könige davon ab, gegen Bruno (Eusebius) von Angers und Berengar von Tours auf einer Synode vorzugehen, da dieser Weg nicht gesetzmäßig sei und nicht zum Ziele führen könne. Doch die Synode fand statt und ihr Gang wurde durch Berengars Antwort auf das Schreiben des Paulus von Metz beeinflußt. Sein Brief war nämlich abgefangen worden und wurde in der Versammlung vorgelesen. Da Berengar selbst nicht erschienen war, wurden er, seine Anhänger und auch das Werk des Johannes Scotus verdammt und der Beschluß gefaßt, gegen die Ketzer mit Waffengewalt vorzugehen, falls sie nicht widerriefen. Daß die Drohung nicht ausgeführt wurde, lag wohl an dem mächtigen Schutze, den Graf Gaufrid dem Berengar gewährte, und es scheint sogar, daß sich dessen Lehre in den nächsten Jahren beim gallischen Klerus weiter ausbreitete. Sein Freund Drogo war allerdings wankend geworden. Wahrscheinlich hatte ihm Berengar, wie dem Paulin, eine Begründung seiner Auffassung mitgeteilt, und Drogo hatte ihm seine Ansicht darüber geschrieben und bemerkt, daß er sich mit dem Bischof von Chartres ins Einvernehmen gesetzt habe und die Meinung hege, daß Augustin eine besondere Ansicht über das Abendmahl äußere. Hierauf schrieb ihm Berengar zurück, er hätte ihm trotz seiner vielen unangenehmen Geschäfte ausführlicher geantwortet, wenn er nicht gehofft hätte, ihn bald persönlich zu sehen; er könne ihn aber heilig versichern, daß Augustin über das Abendmahl'dasselbe gesagt habe, was die andern Kirchenväter darüber geäußert hätten. Zur Beilegung des Streites, der jedenfalls die meisten wissenschaftlichen Theologen Frankreichs in sich zog, sandte Papst Leo IX. im Jahre 1054 den gewandtesten und geschäftskundigsten unter den Kardinälen, Hildebrand, nach Tours, mit dem Berengar alsbald in ein persönliches Verhältnis trat. Das Benehmen Hildebrands scheint nun so gewesen zu sein, daß Berengar Vertrauen zu dem kenntnisreichen Manne faßte und ihn über seine persönliche Stellung aufklärte. Dann wurde in Tours eine Synode abgehalten, auf der Berengar schließlich die schriftliche Erklärung abgab: „Brot und Wein sind nach ihrer Weihe auf dem Altar Leib und Blut Christi. Ich beschwöre es mit einem Eide, daß ich es so auch im Herzen glaube, wie ich es mit dem Munde bekenne." Er hatte aber vorher eingewilligt, mit Hildebrand nach Rom zu reisen, da dieser ihm zusagte, daß der Papst ihn bei einem solchen Bekenntnis gegen seine Feinde schützen werde. Doch bald traf die Nachricht in Tours ein, daß Leo IX. gestorben war, und Berengar gab daher zunächst die Reise nach Rom auf. Die Feinde Berengars konnten mit ihrem Erfolge in Tours zufrieden sein, aber auch er selbst, denn sein Eid hatte ihm vorläufig Ruhe verschafft und er ließ wohl jetzt kaum eine Gelegenheit vorübergehen, neue Anhänger zu werben. Berengar von Tours. 109 War er bis dahin wohl so vorsichtig gewesen, nichts Schriftliches über seine Lehre von sich zu geben, so ging er jetzt doch von dieser Gewohnheit ab, denn Bernold berichtet, daß 1059 seine Schriften zu Rom verbrannt •wurden und auch sein Gegner Guitmund spricht von Schriften Berengars. Aber auch die Feinde schwiegen nicht. Um das Jahr 1058 verfaßte Abt Durand von Troarn ein Werk gegen ihn, um seine Irrtümer aus den Schriften der Väter zu bekämpfen und die Schäden aufzudecken, die seine Lehre der Kirche gebracht habe. Und der Mainzer Lehrer Gozechin wandte sich später in seinem langen Schreiben an Walcher in äußerst scharfen und bitteren Ausdrücken gegen Berengar, den Apostel des Satans, und sein Treiben und berichtet, daß eine ganze Reihe gelehrter Männer, unter denen er auch Drogo von Paris aufführt, wegen dieses Treibens ihre Stellung aufgegeben und sich ganz dem beschaulichen Leben zugewandt hätten. So mochte auch Hildebrand schließlich den Wunsch hegen, daß Berengar nun endlich sein Versprechen einlöse, nach Rom zu kommen, damit die Kurie selbst eine Entscheidung in seiner Sache treffen könne. Doch erst unter Papst Nikolaus II. scheint Hildebrand die Gelegenheit und den richtigen Boden dafür gefunden zu haben. Berengar hatte jedenfalls zugesagt, sich in Rom einzustellen, doch ließ er sich von seinem alten Beschützer, dem Grafen Gaufrid, eine nicht geringe Unterstützung geben, indem er in dessen Namen einen Geleitbrief für sich an Hildebrand schrieb; es ist nämlich fast außer Zweifel, daß dies wichtige Schreiben, dessen Inhalt die Sachlage aufs klarste erhellt, von Berengar in Gaufrids Namen verfaßt ist. 1 ) Sein Inhalt ist in kurzem folgender: „Berengar ist auf deinen Wunsch nach Rom gekommen. Nun zeige deine christliche Großmut anders als wie damals, da du nach Tours kamst. Denn damals hatte er einen Engel erwartet und du bewiesest dich wie Joseph von Arimathia (Joh. 19. 38), ja wie Pilatus (Luc. 23,22 und 6—13). Erst hast du mit Berengar verkehrt und ihn dann vor seinen Feinden verleugnet nach Luc. 9,26. Und wenn du meinst, daß ich mir zu viel gegen dich erlaubt habe, was niemand anderem freistehe, so wisse, daß dies aus Freundschaft und Liebe getan ist, denn ich weiß, daß du damals aus Absicht und vernünftiger Erwägung so gehandelt hast. Und rechne mir dies nicht als Beleidigung an, wohl aber als Ermahnung dem Freunde gegenüber. Jetzt aber hast du Gelegenheit, deine wahre Gesinnung zu offenbaren, da Berengar beim Papste ist. Wenn du jetzt wieder gegenüber dem Irrtum jener Toren deine wirkliche Meinung verschweigst, so ergibt sich dadurch deutlich, daß du früher die Sache nicht vernunftgemäß auf die rechte Zeit verschoben hast, sondern aus Kleinmut und Furcht die Partei eines Unschuldigen nicht zu vertreten wagtest. Wenn das eintreten sollte, so wisse, daß du da,nn unsre Hoffnung auf dich zerstören und daß du gegen dich und gegen Gott ein großes Unrecht begehen würdest. Und alle unsre durch Bildung hervorragenden Männer haben nach Begutachtung der Sache gemäß den einschlägigen Schriften erklärt, soweit wir davon erfahren x ) Das hat J. Schnitzer, Berengar von Tours (München 1890) S. 66 n. 1 meines Er- achtens unwiderleglich dargetan. HO Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. haben, daß Berengar die hl. Schriften richtig auslegt." Mit einem Appell an Roms Ruhm und an die bedeutende Stellung Hildebrands,' die durch Begünstigung der Irrlehren von Berengars Gegnern nur leiden könne, schließt dieser merkwürdige Brief, der in jeder Weise das Ehrgefühl des Kardinals in bezug auf sein einstiges Verhalten in der Sache Berengars wachrufen sollte. In Rom trat nun Berengar mit dem Papste in Verhandlungen, dieser wies ihn aber an Hildebrand, doch sind beide zu keinem Einvernehmen gekommen, sondern Berengar wurde vor die Lateransynode im April 1059 vorgeladen. Das Haupt der Gegenpartei, der Kardinal Humbert, legte ihm hier eine Formel vor, welche in klaren Worten die herrschende Auffassung des Abendmahls in der Kirche verkündete. Berengar war über diesen Ausgang in hohem Grade bestürzt und da er für sein Leben fürchten mußte, entschloß er sich, auf den Befehl seiner Feinde die Rechtfertigungsschrift, die er mitgebracht hatte, dem Feuer zu überliefern und das von Humbert aufgesetzte Bekenntnis anzunehmen. Als er nach Frankreich zurückgekehrt war, starb sein Beschützer Gaufrid, dessen Neffe keineswegs die gleichen Anschauungen wie sein Oheim hegte. Und auch der Bischof Eusebius änderte seine Auffassung gegenüber Berengar und schrieb ihm einen sehr dringlichen, beinahe herzlichen Brief, worin er ihn aufforderte, des Friedens wegen das für wahr zu halten, was der Allmacht Gottes gemäß sei; zugleich verbot er ausdrücklich jedes weitere Theologengespräch über die Angelegenheit. Und es scheint, als habe Berengar dann äußerlich eine längere Zeit Ruhe gehalten, und Papst Alesander nahm sich sogar seiner gegen den äußerst gewalttätigen Grafen Gaufrid Barbatus nachdrücklich an. Aber innerlich blieb er von der Richtigkeit seiner Lehre überzeugt und trat schließlich um 1068 mit einer Schrift an die Öffentlichkeit, in der er seinem Unmut über Kardinal Humbert sowie über die Stellung des Papstes und der römischen Synode zu seiner Lehre auf das heftigste Luft machte. Sie ist nicht erhalten, sondern nur noch in Bruchstücken erkennbar, die sein Gegner Lanfranc in seine Gegenschrift De corpore etsanguine domini adversus Berengarium Turonensem aufnahm; diese ist im Jahre 1069 erschienen und bald darauf dem Papst Alexander II. übersandt worden, nachdem ihr Verfasser Erzbischof von Canterbury geworden war. Lanfranc spricht in diesem Buche viel weniger als Gelehrter, sondern von dem hohen geistlichen Standpunkte, den er bald darauf einnahm. Er nimmt sich doch nicht die Mühe, die angeblichen Irrtümer des Gegners in tiefgehender Untersuchung zu widerlegen, und kommt ihm in' dialektischer Gewandtheit keineswegs gleich. Er häuft Beschuldigung auf Beschuldigung und zeiht seinen Gegner sogar der offenbaren Fälschung der Väterschriften. Und in bezug auf seinen Standpunkt zum Papsttum und der Kurie bezeichnet er ihn als den ärgsten aller Häretiker. Die gegen Berengar gerichtete Widerlegung von dessen Häresien begründet er nur mit dem herrschenden Glauben der Kirche und kommt in dieser Beziehung nicht weiter als die Gedanken, die Radbert einst ausgesprochen hatte. Dieses mehr verdammende als wissenschaftliche Werk zu widerlegen war für Berengar nicht schwer, der ja seit Jahrzehnten Zeit gehabt hatte, seine Auffassung zu begründen und zu vertiefen und der hinsichtlich dia- o Berengar von Tours. 111 lektischer Begabung wohl alle Zeitgenossen übertraf. So verfaßte er eine höchst ausführliche Schrift De sacra coena, die wohl erst während des Pontifikats Gregors VII. entstand. Sie hat sich in einer Weißenburger Handschrift zu Wolfenbüttel erhalten, besitzt aber hier weder Anfang noch Ende. Doch ist jedenfalls im Anfang nicht viel verloren, da ihr jetziger Anfang sich auf das Ende des 2. Kapitels von Lanfrancs Werk bezieht. Berengars Buch, das von Lessing wieder aufgefunden wurde, 1 ) ist die einzige größere Schrift des Häretikers, die sich erhalten hat — alle andern sind jedenfalls von der Kirche vernichtet worden — und daher von hoher Wichtigkeit für die Beurteilung des Verfassers. Freilich gewährt ihr Lesen keinen besonderen Genuß, denn wenn auch manche Partien höchst lebendig gehalten und andere wieder wegen ihrer dialektischen Gewandtheit anregend sind, so ist doch im ganzen der Stil höchst. eintönig und mangelhaft, da dem Leser das Festhalten des Gedankens in den endlosen Satzperioden und bei den außerordentlich häufigen Wiederholungen sehr schwer gemacht wird. Die erste Hälfte des Werkes beschäftigt sich in der Hauptsache mit Widerlegung der Angriffe Lanfrancs und mit heftigen Angriffen gegen diesen wie gegen seinen Gewährsmann Radbert, wobei die Lehre des Johannes Scotus (in Wirklichkeit Ratrams) in helles Licht gestellt und verteidigt wird. Dieser ganze Teil ist mehr persönlich gehalten, während die zweite Hälfte hauptsächlich eine Rechtfertigung von Berengars Lehre mit stetem Hinweis auf die Schriften der Väter darstellt, woran es allerdings auch im früheren nicht fehlt. Neben Lanfranc wendet sich der erste Teil der Schrift aber auch namentlich gegen den „Burgunden" Humbert und gegen Papst Nikolaus II. wie überhaupt gegen die Kurie und hier ist der Verfasser mit dem Ausdruck persönlicher Verachtung und mit Schimpfworten allzu freigebig. Vor allem zeiht er seine Feinde der größten Fehler im logischen Denken und der Unfähigkeit, die Kirchenväter grammatisch richtig zu verstehen, und es gewährt ihm ein großes Vergnügen, mit allerhand dialektischen Sprüngen sie. auf die ihnen anhaftenden Mängel aufmerksam zu machen; die endlosen Wiederholungen sind freilich langweilig genug. So gibt er seinen Feinden, denen er oft genug vorwirft, ihn nicht verstanden zu haben, grammatischen Unterricht und läßt es an philosophischer Genauigkeit in der Interpretation von Worten nicht fehlen. Im zweiten Teile greift er Humbert und Lanfranc besonders deswegen an, weil sie den eigentlichen Sinn von Ambrosius' und Augustins Worten über die Abendmahlslehre nicht verstanden hätten, und hier geht er mit einem sehr umfänglichen patristischen Rüstzeug zu Werke. Gegen den Schluß hin (S. 256 ff.) bringt er eine Menge Väterstellen herbei, in denen in gleicher Weise wie bei der Eucharistie der Begriff caro oder sanguis figürlich aufzufassen ist, und er gibt dann (S. 262 ff.) eine kräftige Resolution gegen Lanfranc über die Notwendigkeit der richtigen Erklärung Augustins. Der Stil ist, wie schon gesagt, alles andre eher als gut und durchaus nicht irgendwie klassisch gefärbt, doch finden sich mehrfach Anführungen aus Horaz. 2 ) Sonst ist 1 ) Berenearius Turonensis, Braunschweig 1770. 2 ) S. 25 und 27 Ep. 1,19, 42. S. 29 Ep. 2, 1, 88. 43,17 A. P. 365. 48,13 Ep. 2,1,89. 63,13 Ep. 2,1,51 f. 260,7 Sat.l, 10, 14f. Aus den Briefen (beiH. Sudendorf, BerengariusTuro- 112 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zu erwähnen, daß in den von Berengar vorgebrachten Urteilen und Schlüssen der Name Sokrates eine gewisse Rolle spielt und daß S. 61, 22 Plato „mimdanae illiiis philosophiae gemma" genannt wird. Außer den sehr häufig angeführten Werken von Ambrosius und Augustin werden auch Cyprian und Hilarius gelegentlich genannt, von neueren Autoren neben Pascasius (Radbert) und Johannes Scotus (Ratram) auch einmal Fulbert, 1 ) von dem eine unbekannte Schrift De provectu fidelium angeführt wird (S. 98, 20). So tritt hier wie sonst bei Berengar die alte Literatur sehr in den Hintergrund, er bewegt sich als ein furchtloser Kämpfer für das als richtig Erkannte ganz auf dem geistlichen Gebiete und hat für gelehrten Aufputz seiner Gedanken nichts übrig. Übrigens ist sein Briefstil meist äußerst kurz und gedrungen. Jedenfalls war die Schrift De sacra coena in Rom noch nicht bekannt, als Gregor VII. dem Propst Rahard von Orleans und dem Bischof Quiriacus von Nantes bei ihrer Rückreise von Rom Grüße an ihn auftrug; dazu sollte ihm Rahard mitteilen, daß Gregor einen Verwandten ihm zur Erziehung anvertrauen wolle. Berengar wandte sich nun in einem Briefe an den Kardinal Stephan, worin er ihn um einen schriftlichen Befehl des Papstes an den Erzbischof von Tours und die Bischöfe von Angers und Le Mans bittet, den Wahnsinn seiner Feinde — darunter ist besonders Graf Fulco von Anjou zu verstehen — zu bändigen; den Verwandten des Papstes werde er gern aufnehmen und man möge mit dessen Herkunft nicht zögern. Und um das Jahr 1074 wurde Berengar vielleicht von König Philipp I. von Frankreich angegangen, ihm seinen Beistand zu leisten, da er wegen seines sündhaften Lebenswandels ein Eingreifen der Kirche befürchten mußte. Philipp hatte sich aber in ihm geirrt, denn Berengar schrieb ihm einen Brief voll heftiger Anklagen wegen seines unvorbildlichen Lebens. Und auch aus einem Antwortschreiben Berengars auf den Brief des Bischofs Hermann von Metz sieht man die hohe Geltung, in der der nun längst alt gewordene Lehrer von Tours stand. Dieser bedankt sich nämlich für das Wohlwollen Hermanns, das sich auch darin zeige, daß er einen seiner Kleriker ihm zur Ausbildung zugeschickt habe. Etwas später bezeugte Berengar dem Erzbischof Joscelin von Bordeaux seine Teilnahme an dessen Suspension vom Amte und zwar mit großer Wärme und Herzlichkeit, so daß an ein enges Verhältnis beider Männer zu denken ist. Und noch im Jahre 1077 muß Berengar die Gunst Gregors VII. besessen haben, denn Gregor beugte durch ein Schreiben seiner Amtsentsetzung vor, die damals durch die päpstlichen Legaten in Frankreich betrieben wurde. Und obwohl ihm der Papst befohlen hatte, vor einer Synode zu erscheinen, ging er nicht dorthin und sandte deshalb einen Entschuldigungsbrief nach Rom. Alle diese Zeugnisse lassen aber erkennen, daß Berengar trotz seiner nensis) kommt in Betracht N. 2 p. 201,23 Lucan 5,290. N. 10 p.214,2 Sali. Cat. 12, 2; dort N. 16 p.224,23 ein Sprichwort Amicus et medicus in necessitate pröbantur. Plato wird genannt p. 61, 22 invectio tua . . . in Platonem ■intenditnr, mundanae Ulms philosophiae gem- mam. ') p. 98,20 nee Fulbertus episcopus, qui seripsit de provectu fidelium: de servo miles fiet et de milite proles, et qui seeundum ido- latriam alt: per celebres actus deus est ex Hercule factus (Hexameter). — Ein anderes Zitat steht p. 105,18 unde ad quendam dictum legitur: nae tu aulae homo ineptus es, qui mavis excusare delictum quam eavere. Berengar von Tours. 113 Abendmahlslehre noch in hohem Ansehen stand und daß man in Rom trotz seiner gegen Lanfranc gerichteten Invektiven sich doch scheute, ihn ganz zu vernichten. Jedenfalls übte er sein Lehramt mit großem Erfolge weiter aus und wußte den Anschlägen seiner Feinde geschickt zu entgehen. Aber die Entscheidung in seiner Sache nahte, der Papst antwortete auf eine Anfrage des Abts Hugo von Cluni unter dem 7. Mai 1078, daß französische Bischöfe, die eben aus Rom zurückkehrten, seinen Willen kundtun würden: Berengar wurde nach Rom geladen. Und er ist ohne Zweifel gern nach Rom gegangen, da er im Papst einen alten Fürsprecher sah, der ihm nützlich sein konnte. Ueber seine Vernehmung zu Rom, die zu Allerheiligen 1078 erfolgte, hat er selbst ein Schriftstück hinterlassen, dessen Inhalt vielleicht ein wenig zu seinen Gunsten gefärbt ist, aber den Gang der Ereignisse im ganzen wohl richtig darstellt. Danach hatte er im Beisein der Bischöfe eine Glaubensformel zu beschwören und der Papst verfügte, daß es damit sein Bewenden haben solle, sowie daß Berengar kein Häretiker sei, was den versammelten Bischöfen aus den Schriften der Väter nachgewiesen wurde. Aber es wurden bald andre Stimmen laut und Berengars Feinde bestürmten den Papst, jenen bis zur Fastensynode in Rom zu halten, um dort mit ihrer Meinung durchzudringen. Jedenfalls blieb er in Rom und war schließlich bereit, sein Gelöbnis durch das glühende Eisen des Gottesurteils zu bekräftigen. Schon stärkte er sich hierzu durch ein an Christus gerichtetes Gebet in fast rhythmischer Form, das sich erhalten hat. Es beginnt mit der üblichen Doxologie und lautet folgendermaßen weiter: „Du bist Fleisch geworden und dein Leiden bewahre mich in jeder Gefahr. Deine Tugend stehe mir gegen meine Feinde bei und beschütze mich vor gewaltsamem Tode. Du hast mit deiner Rechten die Pforten der Hölle gebrochen, zerbrich auch meine Feinde. Höre mich, Christus, in meinem Elend, laß meine Feinde untergehen und sei mein Schild und mein Schutz. Sende den hl. Geist vom Himmel und erleuchte mein Herz, dein Kreuzeszeichen lasse mich den Sieg erringen und meine Feinde zuschanden werden, erbarme dich meiner in meinen Sünden." Das Gedicht besteht aus zwölf Strophen von je sechs Versen, die abwechselnd volle und katalektische trochäische Dimeter darstellen, von denen die letzteren gereimt sind. Die Verse sind nämlich ein Mittelding zwischen Rhythmen und metrischen Gebilden; im letzten Falle würden sie viel prosodische Fehler aufweisen. Zum Gottesgerichte selbst aber kam es nicht, da der Papst seine Abhaltung untersagte. Am 11. Februar 1079 wurde die Fastensynode eröffnet, und als man drei Tage disputiert hatte, wurde dem Berengar eine Glaubensformel vorgelegt, in der die Transsubstantiation nach der herrschenden Auffassung der Kirche vollkommen klar ausgesprochen war. Jetzt konnte er seinen Feinden kaum mehr entrinnen, aber er fügte seiner Erklärung, die Formel so annehmen zu wollen, die Auslegung hinzu, daß die Wesensverwandlung eintrete unbeschadet des eigentlichen Wesens des Brotes und Weines. Doch damit gaben sich die Bischöfe nicht zufrieden und der Papst zwang ihn zu dem Bekenntnis, daß er in seinem bisherigen Leugnen der Wesensverwandlung geirrt habe. Berengar sprach dies Bekenntnis, um sich dadurch von lebenslänglicher Haft zu lösen, die der Papst über ihn ver- Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II 8 114 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. hängen wollte, und Gregor nötigte ihn dazu, um selbst jedem Verdachte der Ketzerei zu entgehen. Fast ein Jahr hatte Berengar in Rom geweilt und Gregor sandte ihn dann mit einem Schutzbrief in die Heimat zurück. Dort angekommen widerrief er aber das ihm aberzwungene Bekenntnis und bedauerte, dies gegen sein besseres Wissen gegeben zu haben. Noch einmal wurde er zu Bordeaux vor eine Synode gefordert, dann war er des Kampfes müde und schwieg, d. h. er kam dem Befehl der römischen Synode nach, keine Vorträge und Disputationen über die Abendmahlslehre mehr zu halten. Bevor er sich aber auf die Einsamkeit der bei Tours gelegenen Insel St. Cos- mas zurückzog, schien es, als ob sich alle seine früheren Wünsche und Erwartungen mit einemmal erfüllen sollten. Nämlich 1080 war Gregor VII. von den königstreuen deutschen Bischöfen abgesetzt und Erzbischof Wibert von Ravenna als Clemens III. zum Papst erhoben worden. Doch auch Bischof Odo von Bayeux machte sich starke Hoffnung auf die päpstliche Würde, da er gewaltige Mittel besaß, mit denen er die Römer bestach. Aber der ehrgeizige Kirchenfürst verschmähte auch andre Mittel nicht, um zu allgemeiner Geltung zu gelangen. Er lebte mit Lanfranc in bittoror Feindschaft, und da dieser in ähnlichem Verhältnis zu Berengar stand, so wandte er sich brieflich, bevor er zur See nach Italien gehen wollte, an diesen und versprach ihm die Wiederherstellung seiner Angelegenheiten, worin wohl zunächst die Wiedereinsetzung in seine frühere Lehrfreiheit zu verstehen ist. Aber Berengar lehnte dies in seinem Antwortschreiben ab, da er sich ganz in die Schönheit der Natur zurückziehen wolle; auch unterließ er nicht, Odo zu ermahnen, von seinem unsitttlichen Lebenswandel abzulassen, was dieser jetzt um so eher tun müsse, da ihn Gott über seine Feinde habe triumphieren lassen. Odos hochfliegende Pläne stürzten freilich kurz darauf zusammen, denn als er sich nach Rom begeben wollte, wurde er durch seinen Bruder gefangen genommen. Seit dieser Zeit scheint sich Berengar in Schweigen gehüllt zu haben, der Streit hatte ein Ende genommen und die Ruhe des Alters kam über ihn. Das geht namentlich aus seinem letzten erhaltenen Schreiben hervor, das an Erzbischof Joscelin von Bordeaux gerichtet ist. Soeben war Gregor VII. gestorben und der Tod dieses großen Papstes, auf dessen Unterstützung er anfänglich gerechnet und der ihn schließlich zum Schweigen verurteilt hatte, beschäftigte Berengar in hohem Grade. Doch läßt er sich über ihn in aller Ruhe und ohne Bitterkeit in dem Briefe aus und er ist sicher, daß Gregor des ewigen Heiles teilhaftig ist. Allerdings kann er nicht umhin in Frage zu ziehen, ob der Papst seine Macht zu binden und zu lösen richtig gebraucht habe. Er macht ihm freilich keinen unmittelbaren Vorwurf, aber er scheint sich doch gegen die Gültigkeit von Gregors Machtspruch zu verwahren. Die letzten Jahre seines Lebens brachte Berengar unangefochten zu. Stets hatte er nach dem Sinne der Zeit untadelig gelebt und jetzt wurde sein Lebenswandel geradezu als heilig betrachtet; hochbetagt starb er am 6. Januar 1088, im Martinskloster zu Tours wurde er bestattet. In ihm starb ein Mann, der eine nicht geringe Bewegung in der wissenschaftlichen Welt seiner Zeit verursacht hatte. Wir erkennen in ihm einen Geistlichen, der sonst mehr zu einer gewissen Ruhe und Sanftheit und milder Berengar von Tours. 115 Auffassung neigte, aber hinsichtlich der von ihm verfochtenen Wahrheit seine Gegner scharf und rücksichtslos angriff. Er fußte mit seiner Ansicht auf den Werken der Kirchenväter und verfocht mit allen Hilfsmitteln der Dialektik die Meinung, daß die herrschende Auffassung der Abendmahlslehre mit der der Väter nicht vereinbar sei. 1 ) Ein Gegner nach dem andern trat ihm auf dem Kampfplatz gegenüber, eine Synode nach der andern suchte ihn mundtot zu machen. Schließlich scheint es doch nichts anderes als die Furcht vor dem sicheren Tode gewesen zu sein, was ihn zum Schweigen gebracht hat. Er selbst hat nicht eben viel Schriftliches hinterlassen, da wohl die meisten seiner Werke vernichtet worden sind. Und so liegt ein großer Teil seiner Bedeutung auf literarischem Gebiete darin, daß er anderen den Mund öffnete, indem sie die herrschende Auffassung mehr oder weniger glücklich verteidigten. Und darüber muß hier noch ein kurzer Überblick gegeben werden. Zuerst war es sein älterer Mitschüler Adel mann, der um 1047 einen herzlich gehaltenen Brief an ihn richtete, um seine Sinnesweise zu ändern. Er erinnert ihn an die alten Zeiten bei Fulbert in Chartres und an die dortigen Zusammenkünfte im Gärtchen bei der Kapelle, da der vortreffliche Lehrer sie beschworen habe, nicht dereinst in Versuchung und Ärgernis zu verfallen. Und als er gehört habe, daß der Freund aus der Studienzeit über das Abendmahl anders lehre als die Kirche, habe er vor zwei Jahren den Paulinus, Primicerius von Metz, an ihn mit einem Briefe geschickt, um von ihm selbst darüber Sicherheit zu erlangen. Paulinus habe aber die Botschaft vernachlässigt, doch sei von Seiten des Freundes Bruder G. erschienen, der ihm allerdings keine schriftliche Mitteilung, wie sie unter Freunden nach so langer Zeit doch üblich sei, wohl aber aufgetragene Grüße überbracht habe. Und so benutze er die Gelegenheit, diesen Boten mit den Briefen an ihn zurückzusenden und ihn beim Andenken Fulberts zu beschwören, der Kirche den Frieden zu erhalten. Die Ketzer seien vergangen, aber ihre Unterdrücker, die Kirchenväter Ambrosius, Augustin und Hieronymus, lebten heute noch. Und auch die heidnischen Philosophen hätten viel Torheiten ausgesagt, z. B. daß der Himmel und die Gestirne feststünden und daß sich in deren Mitte die Erde mit rasender Geschwindigkeit bewege. Dann kommt Adelmann auf das Abendmahl zu sprechen, dessen Bedeutung er aus Matth. 26 erklärt und mit Aufwand einer großen Menge von biblischen Autoritäten erhärtet. Endlich verweist er auf die Taufe und hält die Ähnlichkeit dieses Sakraments mit dem Abendmahl Berengar mit sehr nachdrücklichen Worten vor. ■ Weiter wandte sich Hugo, Bischof von Langres, in einer kurzen Schrift über den Leib und das Blut Christi im Jahre 1049 gegen Berengar. Hugo war früher Kanonikus in Chartres und war nach der Chronik des hl. Benignus zu Dijon achtzehn Jahre Bischof in Langres, wurde aber dann wegen seines anstößigen Lebenswandels und wegen seiner Grausamkeit abgesetzt. Im Eingange seiner Schrift, die kurz vor seiner Absetzung verfaßt ist, greift er Berengar an, weil dieser Leib und Blut Christi im Abendmahl zwar als körperlich vorhanden glaube, aber als unkörperlich verstanden wissen wolle. ] ) Vgl. M. Grabmann, Gesch. d.scholast. | z. Gesch. d. frühmittelalterl.Philosophie(1915) Methode 1,219 f. 222. J. A. Endres, Forsch, j S.42ff. H Q Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Darin sieht Hugo eine Beleidigung Gottes und er führt zur Widerlegung die Verwandlung von Wasser zu Wein wie überhaupt Christi Wunder an. Und wenn Berengar nicht verstehe, wie das Wort Fleisch geworden sei, so könne er auch nicht begreifen, wie sich das Brot in den Leib wandle, außer wenn ihm der Glaube an den Allmächtigen helfe; sonst kämpfe er ja geradezu gegen Gott. Hugo bringt dann eine Menge Zitate aus den Vätern, geht aber um den eigentlichen Gegenstand sachte herum und sucht vor allem die Verwandlung aus Gottes Allmacht zu erweisen. Autoritativ schließt er mit den Worten: „Ich spreche aus Erfahrung, sonst würde ich nicht glauben. Du aber wirst nach Störung des Friedens vom Stolz emporgehoben." Die Schrift ist unbedeutend und hat, da ihr Verfasser bald darauf des Bistums enthoben wurde, keine Geltung erlangt. Im Jahre 1051 wandte sich Dietwin, Bischof von Lüttich, an König Heinrich von Frankreich in einem Briefe, wo er erst allgemein von den Neuerungen des Bischofs Eusebius von Angers und Berengars spricht, die den Leib Christi nur als Schatten und Schein begreifen wollten und die rechtmäßigen Ehen wie die Kindert-aufe zu vernichten trachteten. Der König habe gegen diese Ketzerei eine Synode einberufen, aber diese werde nichts fruchten, da Eusebius Bischof sei, und Heinrich möge erst vom Papste die Macht dazu einholen, gegen die Ketzer einzuschreiten, denn ein Bischof könne nur vom Papste gerichtet werden. Im weiteren Verlaufe des Briefes bringt Dietwin zahlreiche Stellen aus den Patres zur Eucharistie und behandelt die Kindertaufe nach Augustin und die rechtmäßigen Ehen nach den Konzilsbeschlüssen. Zu einem größeren Schlage holte Durand, Abt von Troarn, gegen Berengar aus. Er war von Jugend auf Mönch in Fecamp gewesen und 1059 der erste Abt des von Graf Roger von Montgomery gegründeten Klosters Troarn in dem Sprengel von Bayeux geworden und schrieb um 1060 den Liber de corpore et sanguine Christi contra Berengarium et eius sectatores, den er dem Abt Ansfrid von Preaux widmete, wie sich aus dem Vorworte von 900 Hexametern ergibt. 1 ) Hier meint er, niemand solle ihm zürnen, daß er über einen solchen Stoff zu schreiben unternommen habe, denn er sei dazu durch eine ketzerische Bewegung gezwungen worden, die sich jetzt über Frankreich ausbreite. Die alte Schlange, so beginnt eisern Werk, hat die Menschen wieder versucht, so daß sie glauben, daß Brot und Wein nach der Weihe auf dem Altar dasselbe bleiben, was sie gewesen sind und daß sie Christi Leib und Blut nicht wirklich sind, sondern nur bildlich darstellen. Aber noch Schlimmeres haben diese Feinde der Kirche ausgedacht, was man gar nicht aussprechen kann. Dadurch kann nur das ärgste Unheil für die Kirche erwachsen und alle Tugenden werden vergehen. Durand weist dann an der Hand von Stellen aus Augustin, Hilarius, Ambrosius, Radbert, Gregor, Cyrillus, Eusebius Emissenus, Beda und Amalar die Richtigkeit der kirchlichen Auffassung nach und bringt 6, 20 2 ) auch drei größere Stücke aus einer Schrift des Fulbert von Chartres. 3 ) ') Die Herausgeber hatten nur deren 25 j a ) Migne 149, 1405B. ediert, Mabillon vermehrte diese Zahl um 13 I 3 ) Er nennt ihn hier episcopus nostri in den Annal. ord. s. Bened. 5, 103 f. und aus I temporis, hat ihn aber kaum mehr persönlich diesen geht die Widmung an Ansfrid hervor, j gekannt. Berengar von Tours. 117 Dann flicht er sechs Distichen aus Hincmars Ferculum Salomonis 1 ) und ein Stück aus dessen Epicolumnia ein und führt eine Stelle aus Cassiodor zu Psal. 109 an. Der vorletzte der neun Teile der Schrift ist fast ganz von Wundern ausgefüllt, die die Transsubstantiation betreffen und erst im letzten Teile kommt der Verfasser auf Berengar und seine Schicksale zu sprechen. Er erzählt, daß dieser viele Franken und Normannen zu seiner Ketzerei bekehrt und 1053 selbst nach der Normandie gekommen sei 2 ) und dem Abt des Klosters Preaux Ansfrid böse Ansinnen gestellt habe, wie er durch Ansfrid selbst wisse. Nach der Synode zu Briöne habe er dann bei einer Zusammenkunft mit dem Klerus zu Chartres diesem auf seine Fragen nicht geantwortet, aber einen Brief geschrieben, den er selbst gelesen habe, worin er neben anderem Törichten die römische Kirche der Ketzerei beschuldigte und den Papst Leo persönlich beleidigte. Damals sollte zu Ver- celli eine Synode gehalten werden, doch die Ketzerei kam zu den Ohren des Königs Heinrich und dieser hielt eine Synode in Paris, wohin aber Berengar nicht kam. Hier brachte der Erzbischof von Orleans einen Brief Berengars vor, um dessen Vorlesung er den König bat; dieser Brief sei allerdings nicht an ihn gerichtet, sondeim er habe ihn dem Boten rauben lassen, durch den Berengar ihn seinem Freunde Paulus (von Metz) senden wollte. Und hier wurden Berengar und seine Anhänger wie die Schrift des Johannes Scotus — es ist also "in Wirklichkeit ßatram, — aus der die ketzerischen Stellen zu stammen schienen, verdammt. — Außer dieser Schrift sind von Durand zwei Epitaphien von je sieben Distichen vorhanden, das eine auf Abt Ainard von St. Pierre sur Dive, das zweite auf Mabilia, die Gemahlin Rogers vonMontgomery; beide sind durch Ordericus Vitalis in seiner Kirchengeschichte aufbewahrt worden. Durand starb am 11. Februar 1088. Ausführlich aber ist Guitmund dem Berengar gegenübergetreten. Guitmund stammte aus der Normandie und war von Lanfranc in Bec unterrichtet worden; dann trat er ins Kloster La Croix-Saint-Leufroi als Mönch ein. Nach der Eroberung Englands wurde er 1066 von König Wilhelm nach England berufen, um ein Bistum zu erhalten. Er schlug diese Erhebung aus und ging 1077 nach Italien, nachdem er im Jahre vorher eine große Schrift gegen Berengar gerichtet hatte. In Rom trat er unter dem Namen Christianus in ein dortiges Kloster ein und diente fortan der gregorianischen Partei. Um 1088 erhielt er von Urban II. das Erzbistum Aversa, das er vielleicht bis 1095 besaß. Sein Todesjahr ist unbekannt. Mit diesen Angaben die Aufstellungen des Anori. Mellicensis zu vereinigen ist schwer, der c. 90 (S. 84) von dem apulischen Bischof Christianus berichtet, daß er auf siegreiche Art gegen Berengar geschrieben habe, und an andrer Stelle c. 103 (S. 90) erzählt, daß Guitmund, auch Christianus genannt, im Kloster Stablo Mönch gewesen und nach seiner Wahl zum Abte, um dieser Erhebung zu entgehen, in ein unbekanntes Land gegangen sei und dort seinen Namen zu Christian geändert habe; endlich habe man ihn zur Zeit Gregors VII. entdeckt und er sei Bischof von Aversa geworden. ') Hinein. Carra. IV, 1 bei Traube, PL. 3, 414 f. 2 ) Zu dieser falschen Chronologie vgl. H. Sudendorf, Berengarius TuronensisS. 29 -32. 118 Geschichte, der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Für die Mönche von Stablo aber habe er eine vortreffliche Erklärung zum Matthäusevangelium verfaßt, in deren Prolog er verspreche, auch eine solche zum Johannes schreiben zu wollen, doch sei es nicht sicher, ob er diesen Plan ausgeführt habe; jedenfalls aber habe er einen Lukaskommentar verfaßt. Diese Nachrichten des sonst gut unterrichteten Mönches von Prüfening beruhen wahrscheinlich auf Verwechselung mit einem andern Mönche von Stablo. Gegen Berengar aber verfaßte Guitmund eine ausführliche Streitschrift, deren Hauptinhalt hier in kurzem zu erörtern ist. Die Schrift De corporis et sanguinis Christi veritate in eucharistia ist ein Dialog Guitmunds mit dessen Freund Roger, von dem er gegen die Torheiten Berengars zu schreiben aufgefordert zu sein im Vorworte kundgibt. Roger bittet ihn, ihm auf seine Vorwürfe gegen Berengar das zu antworten, was er aus dessen Werken, aus den Fragen andrer Menschen und endlich aus seinem eignen Geiste heraus zu entgegnen für billig finde. Guitmund beginnt mit einem sehr scharfen Angriff gegen Berengars Leben in jungen Jahren, gewiß nicht ohne einseitige Übertreibungen, wie schon oben bemerkt wurde; er habe sogar die rechtmäßige Ehe und die Kindertaufe beseitigen wollen und Roger möge nur hierfür den Brief des Lüt- ticher Bischofs l ) an den König Heinrich von Frankreich einsehen. Endlich habe er die Wirklichkeit des Leibes Christi beim Abendmahl geleugnet und die Geschichte dieser Häresie solle Roger erfahren. Nun bringt Roger selbst Berengars Abweichungen von der Kirchenlehre vor und bittet Guitmund, sich darüber zu äußern. Dieser unterscheidet mehrere Auffassungen der Berengarianer 2 ) und wendet sich gegen des Meisters Wort natura nonpatitur (nämlich die Verwandlung) und begegnet dem Einwände von den tausend gleichzeitigen Messen und der unmöglichen Teilbarkeit vom Leibe Christi. Dann kommt er auf die Täuschungen der Sinne zu sprechen 3 ) und sagt, daß die Sinne kein ungetrübtes Urteil über die Dinge fassen könnten, über die sie sich täuschten, wie z. B. jedem gesunden Esser bei großem Hunger auch Bitteres süß erscheine oder wie jede Dirne dem sehr schön vorkomme, der heftige Liebe zu ihr empfinde, und wie ein ins Wasser gestoßenes Ruder zerbrochen aussehe und herausgezogen wieder ganz erscheine. Nun stellt Roger den zweifelnden Berengar dar und bringt dessen Einwände vor, die Guitmund alle entkräftet, worauf sich Roger allmählich überwunden gibt. Das zweite von den drei Büchern beginnt Roger mit Berengars Behauptung, der Leib Christi ist unzerstörbar, die für das Altarsakrament nötigen Dinge aber unterliegen der Zerstörung, wie die Hostie ja von Mäusen benagt werden kann. Bei seinen Einwänden hiergegen beruft sich Guitmund auf ein Wunder, das sein Lehrer Lanfranc als Knabe in Italien erlebt und ihm erzählt hatte. Er wendet sich gegen die Stercoranisten und beruft sich auf Naturkundige und Ärzte bezüglich der Verwertung von Speise und Trank im Körper. Nachdem er die von Berengar gegen die Kirche ausgesprochenen Irrlehren angeblich widerlegt hat, wendet er sich zu den Stellen aus den ') Nämlich Dietwins, vgl. oben. 2 ) Hier erwähnt er einen Ausspruch Piatos (Migne 149, 1431 D) Plato qui verum naturam dixit id esse quod Witt deus. 3 ) 1438 C Aeque enim, ut ait Boetius, sensus et in maximis et minimis confunduntur. Berengar von Tours. 119 Vätern, die Berengar zur Unterstützung seiner Meinung anführt, und beginnt mit Augustin, wobei auch Cyprian Epist. 1,6 angeführt und Donat genannt 1 ) und nach dem Vorbilde Berengars vielfache grammatische Belehrung erteilt wird. 2 ) Im dritten Buche werden die Stellen aus den Vätern weitergeführt, wobei namentlich Ambrosius herangezogen wird, dann Leo, Gregor und Hilarius. Den Schluß des Buches bilden allerhand Wunder, die sich auf die Hostie beziehen und aus dem Leben Gregors I., den auch sonst mehrfach benutzten Vitae patrum und aus dem Missale Hispanum (nach Isidor) genommen sind. Dieser letzte Teil schließt mit den peremptorischen Worten: Wenn also die Berengarianer nicht zum Reiche Gottes gehören, so ergibt sich, daß sie aus dem Reiche des Teufels sind. Angeschlossen hat Guitmund eine kurze Widerlegung derer, die behaupten, daß die Hostie beim Genüsse durch Unwürdige sich nicht verwandle. Geschrieben ist das Werk zur Zeit Gregors VII. und zwar wohl im Jahre 1076. 3 ) Kürzer hat sich Abt Wolfhelm von Brauweiler gefaßt, der zwischen 1076 und 1079 einen Brief an Abt Meginhard von Gladbach De sacramento eucharistiae contra errores Berengarii richtete, wie Konrad von Bräuweiler im 10. Kap. der Biographie Wolfhelms angibt, indem er zugleich den Brief in sein Werk aufnimmt. Wolfhelm beschuldigt am Ende des Briefes den Berengar des Versuches, ein drittes Testament neben den beiden biblischen einzuführen, was er nicht weniger mißbillige, als wenn ein dritter Cato vom Himmel falle: 4 ) denn so müsse man ja Berengars Worte auffassen: „Wenn auch die Mäuse den geweihten Leib Christi gefressen haben, so ist deshalb nicht Christus in ihnen oder sie sind in Christus, noch werden sie das ewige Leben haben." Und er wünsche, daß in der Hölle ein Peiniger des Horaz dem Berengar die Worte 5 ) entgegenhalte ,Parturient montes, nascetur ridiculus mus.' Schulweisheit macht sich auch hier bemerkbar. Endlich hat Bernold von Konstanz in einer kurzen Schrift De Beringerii haeresiarchae damnatione multiplici die vielfachen Verdammungsurteile, die gegen Berengar ergangen waren, im Jahre 1088 zusammengestellt. Im ersten Abschnitt seiner Arbeit kennzeiehnet er kurz die Ketzerei Berengars und handelt in den drei nächsten Kapiteln über das Verfahren Leos IX. und die Synode von Vercelli, über das Verfahren Viktors IL und Nikolaus IL mit der Synode von Rom. Der nächste Abschnitt spricht über die Abschwörung der Ketzerei durch Berengar, das folgende Kapitel behandelt die Fortsetzung der Ketzerei und zählt die Schimpfnamen auf, die Berengar gegen Papsttum und Kirche gebraucht hatte. Im siebenten Abschnitt spricht Bernold von der Milde Alexanders II. gegen den Ketzer, im achten behandelt er das Verfahren Gregors VII. gegen ihn und im neunten spricht er aus eigner Anschauung auf der letzten römischen Synode, wo die neue Abschwörung erfolgte. Die drei letzten Kapitel bringen einige weitere Bemerkungen über die Ketzerei. ') 1463 D Sed viderit ille pei-itissinms I qui nunc praeest domnum Gregorium papam; grammaticus Donatus, qui qualis et talis pro- \ vgl. Sudendorf, Berengarius Turonensis ■nomina esse voluit, quid dixerit. I S. 53 f. 2 ) Vgl. 1463BCD. 4 ) Nach Juvenal2, 40. 3 ) Zeitangabe (1487 A) per hunc ipsum j 5 ) Aus Horaz A.P. 139. 120 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Überblickt man aber die literarischen Leistungen Berengars und die gegen ihn gerichteten Schriften im allgemeinen, so kommt man zu dem Ergebnis, daß sich diese ganze Literatur ebenso nur auf wissenschaftlichem Gebiete bewegt, wie ihre Entstehung dort zu suchen ist. Volkstümliche Regungen treten hier nirgends hervor, der gelehrte Ton macht sich überall geltend und die Neigung zu dialektischen Spitzfindigkeiten und grammatischen Haarspaltereien herrscht durchgehend. Als Fortschritt gegen die frühere Zeit ist aber entschieden nur das gewandte Handhaben dialektischer Kunstgriffe hervorzuheben, eine wirkliche Abkehr von der Kirche hat weder Berengar noch sein gesamter Anhang beabsichtigt; trotz mancher Meinungsverschiedenheit blieb man der Kirche treu und ergeben. Zeugnissei Zur Auffassung der Eucharistie vom9. — 11. Jahrhundert vgl. J. Schnitzer, Berengar v. Tours (München 1890) S. 127—245; dort wird S. 1—126 Berengars Leben ausführlich besprochen und S. 246—404 seine Lehre und ihre Bekämpfung dargestellt. Vgl. M. Grabmann a. a 0. 1, 218—224. J. A. Endres a. a. 0. S. 38—49. Zum Geburtsjahr Berengars vgl L. Schwabe, Studien z. Gesch. d. zweiten Abendmahlsstreites (Leipzig 1889) S. 7 f. Unterricht bei Fulbert in Chartres vgl. Adelmanns Brief Migne 143, 1289 AB. Zum Witz in der.Schule vgl. De sacra coena edd. A. F. et F. Th. Vischer (Berlin 1834) p. 260, 7 ff. Guitmunds übertriebene Schilderung des jungen Berengar bei Migne 149, 1428 A—C. 1 ) Zum späteren Studium der hl. Schriften De sacra coena p. 44,17 ff. Der Brief Drogos (um 1040 geschrieben) bei Sudendorf a. a. O. S. 200, wo die Worte stehen Cui enim te similem dico, non invenio und Unutn est, quod pro te lugeam ac deplorem, te sciltcet a mundo ignorari. In quo ex parte nie consolatur, quod ut a te discessi, quibus potui et his non inflmis viris te admirabilem reddidi. Zur Stellung in Tours vgl. Chron. Turonense bei Bouquet, Recueil etc. 11, 349. Zu den Neuerungen Berengars bezüglich der Schulautoritäten vgl. Adelmanns Brief, bei Neander, Allg. Gesch. d. christl. Relig. und Kirche 4, 331. 2 ) Die Ep. ad. Eremitas 3 ) ist gedruckt Martene et Durand, Thes. nov. anecdotorum 1,191, der an Joscelin von Poitiers bei Sudendorf S. 200f. Zu Gaufrid von Anjou vgl. Sudendorf S. 69—87. Der Brief Frollants von Senlis bei Migne 143, 1369, vgl. hierzu Sudendorf S. 24 f., der den Brief ins Jahr 1054 setzt. Das erste Schreiben Adelmanns ergibt sich aus seinem zweiten Briefe (Migne 143,1289 ff, vgl. hierzu Sudendorf S. 7 ff.) col. 1290B Haec ante hoc biennium cum audissem fraternitatem tuam per epistolam convenire idque ex te ipso certius sciscitandum esse decrevi. Sciens porro tuum familiärem dominum Paulinum Metensem primicerium tibipropiorem tibique aliquanto viciniorem esse et mea petitione et sua pollicitatione delegavi sibi huius negotii cxecutionem. At ille — non enim in hacre laudare eum 2)Ossumus — negligens sive alterutrum sine utrumque nostrum usque adhuc me reliquit sus- pensum. Optabam autem invenire hominem peregrinandi usu exercitatum regionis et linguae Fräncorum non ignarum, et ecce stetit mihi ejatere frater iste G. ex tuo nomine me salutans. Obstupui prae gaudio et tarnen non potui tarn repentino eventin fidem integram habere, qiiia frater item nulluni dbs te Signum litteratorium, uti mos est inter amicos tarn longe remotos tamque diu non visos, afferebat, quod tarnen ipsum multis de causis facile persua- sibilibus excusabat ... (1291A) obsecrans . . . per suavissimam memoriam Fulberti ut pacem catholicam diligas. Die Schrift Hugos von Langres de corp. et sang. Christi contra Berengarium steht bei Migne 142,1325 und beginnt Hugo Lingonensis ■ . . Berengario in quibusdam reverentissimo sacerdoti; hier heist es 1326D non tarn exili quam pravo studio scrutareris, sacramentum corporis et sanguinis domini . . . non ita crederes celebratum ut corpus esse diceres et incorporeum praedicarss, Ende 1334A sicut mecum in tuo discubio contulisti. Expertus loquor, audisse contigit, nam non crederem. Der Brief des Eusebius von Angers bei Sudendorf N. III p. 202 ff., vgl. hierzu S. 92 ff.; hier heißt es am Ende p. 204 Caeterum ecclesiae nostrae clericum Beringer totius erroris totius immunissimum culpae per inmode- rantiam domini papae noveris iniustissime et sede apostolica indignissime diffamatum. Der Brief Berengars an Lanfranc bei Dacherius, Lanfranci Cantuar. archiep. opera omnia (Paris 1648) p. 22, vgl. Vita Lanfranci ib. p. 5 c.3 Iste clericus Lanfranco quasi familiari suo litteras ') Die hier gebrauchten Worte ut aiunt lentes usurparunt. qui eum tunc noverunt bezeugen die Kenntnis 3 ) Hier erscheinen p. 192 einige Verse ans vom Hörensagen. Ovid, nämlich Amat. 2, 732 und Pont. 2,11,21 f. s ) Hier heißt es Aiunt te novitatum cap- Außerdem Unde Seneca: Licet vastum trans- tatorem ... adeo ut Priscianum Donatum mearis pelagus, licet urbes terraeque recedant, Boetium prorsus contemnas . . . eo quod in sequentur te, quocumque ieris, vitia. lectionibus ecclesiasticis accentus tuos inso- Berengar von Tours. 121 miserat errore ipso respersas. Guitmunds Worte (Migne 149,1428 A) Sedpostquam a domno Lanfranco in dialectica de re satis parva turpiter est confusus cümque per ipsum Lan- francum virum aeque doctissimum liberales artes deus recalescere . . . fecisset, desertum se iste a discipulis dolens etc. Zu Berengars Brief und zur römischen Synode vgl. Lanfranci Lib. de corp. et sang, domini 4 (ed. Dachorius p. 234) und Bereng. de sacra coena p. 36. Zur Reise nach der Noimandie und nach Paris vgl. Durandus Troarn. 9, 33 (Migne 149,142111'.) und Sudendorf S. 103 ff., sowie den Brief Berengars an Ansfrid N. V daselbst S. 208ff. Brief Berengars an Ascelin bei Dacherius, Lanfr op. omnia in den Notae et observat p. 24, daselbst Ascelins Antwort, die mit den Worten schließt p. 25 Nunc te familiariter exoratum velim, vi ab hae perversa intentione desistas . . . ne praeclarum illud ingenium, quod tibi deus concessit, infatueiur. Zu Berengars Schreiben an den Klerus von Chartres vgl. Durand bei Migne 149, 1422; sein Brief an Gaufrid bei Sudendorf N. IV p.204 und S. 100ff., vgl. auch S. 69—87 und Schnitzer, Berengar S. 38 ff. Zum Konzil von Vercelli vgl. Lanfranc de corp et sang, domini 4 und Bernold de Beringerii . .. damnatione multiplici 2 (Migne 148,1453), sowie Schnitzer S. 40 ff. Drogos Brief (etwa 1051) bei Sudendorf S. 210 N.VI und dazu S. 115 ff., Berengars Schreiben an Richard daselbst S. 211 N. VII und dazu S. 117 f. Der Brief des Paulinus von Metz bei Martene et Durand, Thes. nov. anecdotorum 1, 19,6. Das Schreiben Dietwins von Metz bei Migne 146,1439;' dort heißt es (1439B) Quos (nämlich Eusebius-Bruno von Angers und Berengar) ad revincendum . . . ahmt vos concilium ad- vocasse . . . Sed desperamus id fieri posse, cum Bruno existat episcopus . . . Igitur omnes . . . in maximo dolore positi sutnus . . . (1440 B) . . . ut Interim illorum impiam . . . assertionem audire contemneretis, donec accepta Romanae sedis audientia damnandi potestatem Jiaberetis. Zur Pariser Synode vgl. Mansi, Conc. 19, 785f.; Durandus Troarn. 9, 33 (Migne 149, 1423A) Et praecipiat . . . vestra sanctitas has litteras a Berengario editas, si libet, recitari, quas ego quidem ab ipso nequaquatn accepi, sed cum eas cuidamsuo familiari nomine Paulo per veredarium dirigeret, violenter rapui . . . damnato proinde communi sententia tallum auctore, damhatis eius complicibus tum codice Ioannis Scott, ex quo ea quae damnabantur, sumpta videbantur. Zur Synode von Tours vgl. Schnitzer S. 52 ff. und den Brief Gaufrids an Hildebrand bei Sudendorf S. 215 ff. und Berengar de sacra coena p.50ff. Zusammenstellung von Berengars Aeußerungen gegen seine Feinde bei Schnitzer S. 59 ff. Die Schrift des Durandus bei Migne 149,1375. Der Brief Gozechins an Walcher hei Mabillon, Anal, vetera (nova editio) p. 437 (vgl. zu Gozechin). Gaufrids (Berengars) Schreiben an Hildebiand bei Sudendorf S. 215ff., vgl. daselbst S. 128 ff. Zum römischen Konzil 1059 vgl. Mansi 19,897 und Lanfrancs Schrift ed. Dacherius p. 232 ff. c. 1. 2. 5, sowie Berengar de sacra coena p. 72 f. und 25 ff., Schnitzer S. 68 ff. Brief des Eusebius-Bruno an Berengar bei Bulaeus, Hist. universitatis Parisiensis (Paris 1665) l,438f, vgl. hierzu Sudendorf S. 33 ff.; Antwort Berengars bei Sudenderf S. 219 N. XII und S. 140 ff. Die Schrift Lanfrancs bei Dacherius p 231-251; vgl.Sudendorf S 40-47, Schnitzer S. 86 ff. und 340—350. Berengarius de sacra coen a. Zur Hs. in Wolfenbüttel vgl. Stäudlin, Arch. f. alte und neue Kirchengesch. 2, 64; dessen Vermutung, sie sei Autograph, wird abgewiesen in der Ausgabe von A F. und F.Th. Vischer p. 22 f. Kampf gegen Radbert vgl. p. 35,22. 37, 18 ff. 53,18. 54,14. 65, 11. 84,4 etc. Zustimmung zu Johannes Scotus z. B. 35,21. 36, 7 ff. 37,18. 43.5. 47,19 etc. Lanfranc und Radbert werden öfters zusammen angegriffen, z. B. 220. 222. Sehr deutliches Argument gegen die Verwandlungslehre p. 199 und deutliche Resolution über die Notwendigkeit der richtigen Erklärung Augustins gegenüher Lanfranc p. 262,24 ff. Zur Anwendung der Dialektik vgl. 30, 6 ff. 30,27—31,20. 43,27. 60,17. 70.27. 79,2. 104 ff. 161,16. 213,2 ff. 214. Philologische Genauigkeit in der Wortinterpretation p. 68, 15 ff. 185 ff. Unterricht an seine Gegner in der Grammatik p. 77,8 ff. 78, 10 ff. 121,23. Vorwurf gegen Humbert, ihn nicht verstanden zu haben, p. 82, 12 ff., gegen Lanfranc, die Väter nicht verstanden zu haben, z. B. p. 140, 22 ff., Verteidigung der Ansicht des Johannes Scotus mit Väterstellen 38, 3 f. Anführung von Cyprian p. 86,22 ff. 178,29, von Hilarius contra Manicheos p. 238,29. Der Ton ist höchst aggressiv, die Sprache zwar meist lebendig und flüssig, aber wegen der langen Sätze oft schwer verständlich. Seltene Woite wie 203 intellector, 207 (219) obiector, 202 corrugatio; Vorliebe für Adverbia auf ter: inconvenienter, incorruptibiliter, indissimiliter, indissimulabiliter,' innegabiliter, inrevincibiliter, insolubiliter, transeunter u.a. Ausgabe: Berengarii Turon. de sacra coena adv. Lanfrancum liber posterior e cod. Guelf. nunc primum edd. A. F. ed. F.Th. Vischer, Berolini 1834. Zum Auftrag des Papstes an Rahard und Quiriacus vgl. Berengars Brief (1073) bei Sudendorf S. 224 f. N XVI und S. 163—172; es ist der Brief an Kardinal Stephan. Das Schreiben Berengars an König Philipp bei Sudendorf S. 225 N. XVII und S. 172 ff, an Hermann von Metz daselbst S. 229 N. XVIH und S. 176 ff., an Joscelin von Bordeaux daselbst S. 230 N. XIX und S. 180 ff., an Gregor VII. daselbst S. 230 N. XX und S. 182 ff. Der Brief- Gregors VII. an Hugo von Cluni ist Jaffe. Bibl. rer. Germ. 2,317 (Mansi XX, 253). Berengars Schrift über seinen Aufenthalt in Rom und über die Maßnahmen der Kurie bei Martene, Thesaur. nov. anecdotorum 4, 103; dort enthalten die Worte Profiteor panem altaris — sie 122 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. me adiuvet deus et haec sacra sein Bekenntnis. Er setzt hinzu Scriptum istud cum Boniae apud papam moram facerem in eonventn episcoporum, quem habuit in festivitate omnium sanctorum, vociferatione multa Omnibus pronuntiari fecit dicens sufficere debere fidei . . . Cum papa ille, cum quo moras pene per annum feceram etc. In der Fortsetzung findet sich eine Anführung aus Terenz secundum vulgare illud Terentii: interim piet aliquid und weiter p. 107 Quod autem effigiaverunt aliqui figuram illam quam dixerunt chymaeram dicentes prima draco postrema leo media ipsa chimaera Signum sibi ad demonstrandum impudicitiam confinxerunt; 1 ) der Vers stammt aus Lucret. de rer. nat. 5, 902, ist aber hier wohl aus Isid. Et. 1,40, 4 genommen. Zum Gottesurteil p. 108 Proximum etiam dient constituerat qua ipsius si ita vellent facti iuramenti per ignitum ferrum firmamentum ab aliquo meo acciperent, doch der Papst ließ melden quia omnino destitisset et a iuramento quod publico populo pro- posuerat et a confirmatione per ignitum ferrum iuramenti. Das Gedicht Berengars steht bei Martene 4,113; die erste Strophe lautet Iudex iuste Iesu Christe Rex regicm et domine, Qui cum patre semper regnas Et cum sancto flamine, Nunc digneris meas preces Clementer suscipere, die Schlußstrophe Dens pater, deus fili, Deus alme Spiritus, Tu qui semper vivis deus, Diceris et dominus, Tibi virtus sit perennis Et honor perpetuus. Die weiteren Daten über die Pastensynode von 1079 in Berengars Bericht p. 108 f. Der Schutzbrief Gregors ist Jaffe\ Bibl. rer. Germ. 2,550. Widerruf Berengars in seinen Acta bei Martene 4,108. Der Brief an Odo von Bayeux bei Sudendorf S. 231 N. XXI und S. 187—195. Das Schreiben an Joscelin von Bordeaux daselbst S. 232 N. XXII und S. 196 ff.; Schnitze r S. 115 schließt sich hier L. Schwabe, Studien z. Gesch. d. zweiten Abendmahlstreites (Leipzig 1887) S. 86 n. 1 an, der die Beziehung des Briefes auf Gregors VII. Tod abweist; doch die Worte Quod si obtendunt: quecunque ligaveris erunt ligata, non est ligare passim vaganter ligare und die aus Gregor. Liber XL liomil. de div. lect. evang. hom. XXVI genommenen Schlußworte des Briefes, sowie der äußerst vorsichtig gewählte Ausdruck in dem Schreiben lassen wohl eher auf Gregors als etwa auf Gaufrid Martells von Anjou Tod schließen. Daß Berengar schließlich als Heiliger betrachtet wurde, sagt Wilhelm von Malmesbury Gesta reg. Angl. 3,284 (ed. S t u b b s 2, 339) Berengarius . . . aevo austeriore ita resipuü ut sine retractatione a qui- busdam sanctus habeatur; er fügt das Lob seines Schülers Hildebert von Le Mans Ifinzu Unde eum laudat Cenomanensis pontifex Hildebertus . . . cuius verba propterea inserui, ut praedicabilis episcopi affectum in magistrum ostendam (es folgt das von Hildebert verfaßte Epitaph, wo es Vs. 39 heißt Vir sacer a puero); 285 p. 340 Videas in his versibus quod laudis excesserit modum episcopus. Adelmanni epistola. Der Brief (aus einer Wolfenbüttler Hs.) vollständig bei CA. Schmid, Adelmanni Brixiae episcopi de veritate corp. et sang, domini ad Bereng. epistola, Braunschweig 1770. unvollständig beiMigne 143,1289 ff., in Auszügen bei Mabillon. Annal. ord. s. Bened. 4, 514 und bei Ne an der, Allg. Gesch. d. christl. Relig. und Kirche 4,476.478. 482. Vgl. zu Adelmann. Berengar erhielt übrigens von Adelmann dessen Rhythmus über die Mitschüler bei Pulbert zugesandt, und die Notiz darüber steht in einem Schreiben Berengars an den alten Freund bei Martene, Thes. nov. anecdotorum 4, 109—113; hier verteidigt sich Berengar gegen den Vorwurf manichäischer Ketzerei: p. 110 Uli enimphantasticum ego verum et humanum corpus Christi fuisse et tenui et teneo. Als Schlußbemerkung zu Adelmanns Gedicht fügte er hinzu (p. 114) Respondit Beringerius: nascitur ridiculus »ins (Horat. A. P. 139). Hugonis Lingonensis de corpore et sanguine Christi contra Berengarium. Die Schrift ist gedruckt z. B. bei Migne 142,1325 — 1339. Hugo bedient sich zu seiner Beweisführung des Wunders von der Hochzeit zu Cana wie überhaupt der Wunder Christi und sagt (1328 C) Sicut enim non capis quomodo verbum caro factum sit, sie non potes capere quomodo panis iste mutetur in carnem . . . nisi te docuerit omnipotentis fides. Alioquin luctaris cum deo. Er bringt eine Menge Anführungen aus Ambrosius und Augustin, geht aber um den eigentlichen Gegenstand herum und sucht vor allem die Verwandlung aus der Allmacht Gottes zu erweisen. Hugo de Breteuil war Kanonikus in Chartres und dann Bischof in Langres, aber eine wenig würdige Persönlichkeit. Das Chron. s. Benigni Divionensis (Migne 162, 838B) sagt von ihm Rex . . . Herum dedit episcopatum cuidam clerico Carnotensis ecclesiae. Hugo hie erat dictus fuissetque utile vas in domo dei, si iuvenilia desideria evitare et superbiam calcare curasset. Sed is adieeta crudelitate eündo per fas et nefas ad ultimum postquam decem et octo per annos Lingonicum tribulavit clerum et populum, pulsus fuit a secle. Vgl. das Concil. Remense (1049) bei Labbeus, Sacrosancta concilia 9,1039 und die Anklage gegen ihn bei Sudendorf S. 234f. Hist. litt. 7,439. Berengar scheint Hugos Schrift uicht beachtet zu haben. Deoduini Leodiensis epistola ad Heinricum regem. Dietwins Schrift bei Migne 146, 1439 f. Qloriosissimo . . . regi Francorum Henrico Deoduinus Leodicensium an- Hstes . . . Fama supremos Galliae fines praetergressa tota Germaniam pervasit . . . qualiter *) Gleich darauf steht Et si dicas quod aiunt seundapsus. Berengar von Tours. 123 Bruno Andegavensis ■ episcopus item Berengarius Turonensis antiquas hereses modernis temporibus introducendo astruant corpus domini non tarn corpus esse quam umbram et figurata corporis domini, legitima connbia dcstrucmt et quantum in ipsis est baptismum parvulorum evertant. 1 ) Er rät dann dem Könige von einer Synode ab, vgl. oben. Durandi Troarnensis über de corpore et sanguine Christi contra Berengarium et eiu3 sectatores. Ausgaben bei Dacherius, Lanfr. opera, Append. 72—107 und Migne 149, 1375. Nach der Hist. litt. 8,240 war Durand Mönch in Fecamp und wurde 1059 Abt in Troarn. Vielleicht hat er seine Schrift gegen Berengar schon 1058 verfaßt, vgl. Suden- dorf S. 26 f. Sie ist insofern wichtig, als der Verfasser 9, 33 eine ausführliche Darstellung über Berengars Auftreten in der Normandie gibt; danach hat Sudendorf S. 31 f. die Chronologie der Ereignisse von 1050—1054 festgestellt. In dem einleitenden Gedicht heißt es Vs. 14 Verum ne nobis succensendum temere quis Idcirco retur, quod praesumpsisse videmur Talia, discat nos multa improbitate coactos: Iam per Francorum fines et castra oagantum Sehismaticorum haeresis per qtws coepit nova nostris Temporibus etc. und die bei Mahillon, Ann. ord. s. Ben. 5,103 abgedruckten Stücke beginnen mit Ansfrido patri . . . Durandus frater quaecumque salubria semper. Si mihi suppeterent quae vettern scribere possem . . . Haec, Ansfride pater, tibi divo mutiere prosper Scribere non metui nee mittere dissimulavi, am Schluß p. 104 Intra coenobium quod Pratellense vocatum Prisca aetas coluit. Einige Angaben über Durand bei Ordericus Vitalis Hist. eccl. 7 (ed. Duchesne, Hist. Norm. SS. p. 658) Hoc nimirum probari potest . . . in . . . Durando Troarnense und 8 p. 676 Durandus siquidem Troarnensis abbas grandaevus ab infantia monachus . . . ecclesiastici cantus et divini dog- matis doctor peritissimus . . .III Id. Febr. de saeculo migravit. Zu Fulbert vgl. Durand 6,20 (Migne 149,1405 B) adhuc quid Fulbertus Gärnotensis episcopus nostri temporis sagax et acer pliilosophus . . . ac de re senserit et scripserit, adnotatum ire non ingratum duximus. Zu Berengars Aufenthalt in Chartres (Migne 149,1422) ubi positus de eadem quaestione se consulcntibus . . . clericis eiusdem urbis nulla respondit .. . TJnde non multo post litteras quas et ipse legi dietavit, in quibus multa absurda ... declamavit, inter quae Romanam ec- clesiam . . . luteretico vocabulo denotavit, cum qua, rectorem eins, dominum scilicet papam Leonem ...parlier infamavit. — Die beiden Epitaphien stehen bei Ordericus Vit. (ed. Duchesne) 4 p. 545 und 5 p. 578. Guitmundi de corporis et sanguinis Christi veritate in eucharistia. Die Notizen des Anon. Mellicensis lauten (ed. Ettlinger) 90 p. 84 Christianusponüfex Apulorum vir clarus scientia et sanetitate contra eandem heresim disseruit invictissime und 103 p. 90 Girimundus qui et Christianus primo in monasterio Stabulaus monachus fuit, ubi dum abbas constitui atque ad alterum locum regendum debuisset, aufugit ignotamque provinciam ap- petens, ne posset agnosci, nomen mutavit in melius assumens scilicet christianitatis voca- bulum. .. Tandem vero requisitus et repertus sub Gregorio septimo Averse est factus episcopus scripsitque fratribus supradicti monasterii explanationem egregiam super ewangelium se- eundum Mattheum, in cuius explanationis prologo super lohannem quoque se scripturum poüicetur, sed utrum minime scripserit an certe scripserit quidetn, quod ad nos minime per- venerit, adhuc a nobis ignoratur. Scripsit tarnen explanationem super ewangelium seeundum Lucam. Zum Leben vgl. Herzogs Prot. Realencyclopädie 7, 234. Guitmunds Werk ist gedruckt bei Migne 149,1427 und beginnt Ad rem his temporibus necessariam ... frater Bogeri nie vocas, scilicet ut de veritate dominici corporis contra quaestiones huius temporis disseram ac Berengarii Turonensis nugas pro meo captu scribendo refellam. Roger bittet ihn (1427B) Tu vero hunc mihi. . . morem gere, ut meis obiectionibus auditis quaecumque insuper seu ex ipsius Berengarii libris seu ex multorum interrogationibus . . . seil ex te ipso iure tibi opponi posse perpenderis, non reticescas. Das von Lanfranc erzählte Wunder (1449 D) Satis mihi placeret ut quando alique negligentia vel certe miraculum novum de tantis mgsteriis aeeidit, id inde fieret, quod mihi magister mens dominus Lanfrancus se puero in Italia factum esse narravit. Aus Sallust stammt 1479 B Eisdem quippe artibus, ut ait quidam, quibus partum est imperium retinetur. Zu Isidor vgl. 1485 B In quodam missali Hispano quod dieunt sanetum dietasse Isidorum inveni. Zeitangabe 1487 A per hunc ipsum qui nunc praeest dominum Gregorium papam. Beweis: (1487 B) Quod si non pertinent (Berengariani) ad regnum dei codi, consequitur ut sint de regno diaboli. Wolfhelmi epistola de sacramento eucharistiae contra errores Berengarii. Sie ist aufgenommen in die Vita Wolfhelmi c. 10 (MG. SS. 12,185) und wird eingeführt (p. 185,8) Adversus quem (Berengarium) etiam extat huius beatissimi viri epistola ad quemdam Megin- hardum abbatem Gladebacensem edita. Im Briefe heißt es 186,2 Ecce novi et veteris testamenti nos haec auetoritate probamus, quibus Berengarius tertium addit, quod non minus quam tertium de caelo cecidisse Catonem reprobamus. Eia ergo post duo testamenta tertium hoc; ') Dieselbe Anklage bei Guitmund (Migne 149, 1428D), der sie wohl aus Dietwins Brie.f entnommen hat (vgl. 1429 A). 124 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. et ideo tertium, quitt ab eis alienatur verbis ipsius auctoris. Ita loquitur: Si mures consecratum corpus Christi comederint, non ideo Christus in eis et ipsi in Christo manebunt, nee vitam aeternam habebunt. 0 si nunc apud inferos tortor Horatii desideat, dum hostem ecclesiae verbis his derideat: Parturient montes, noscetur ridiculus mus. Bernoldi de Beringerii haeresiarchae damnatione raultiplici steht bei Migne 148, 1453—1460. Die Schrift bietet wenig mehr als einige Regesten zum Prozesse Berengars und gipfelt in dessen Abschwörung der Ketzerei auf der römischen Synode. Schließlich wären noch die Worte Sigeberts über Berengar zu erwähnen. Sie stehen De Script eccl. 154 (ed. Miraeus p. 154) zwischen den Abschnitten, die Adelmann und Lanfranc gewidmet sind, mit denen sie in enge Beziehung gebracht sind, und heißen Berengarius Turonensis liberalium artium et aniplius dialectica peritia insignis scripsit fastuoso stilo contra Almannum grammaticum et episcopum, non agnoscens amici corrigentis benevolentiam sed defendens suam de mysteriis Christi sententiam. Et quia multi ad eum vel contra eum super hac re scripserunt, scripsit et ipse ad vel contra eos et dum dialecticis sophismatibus contra simplicitatem apostolicae fidei abutitur, nee se excusare nee alios aedi- ficare videtur, quia magis interpolat clara quam dilucidat obscura. Zweiter Abschnitt. Geschichtschreibung. Der mächtige Aufschwung, den das Frankenreich unter Karl dem Großen erlebte, war besonders der Geschichtschreibung zugute gekommen: wir fanden im vorigen Zeitraum mehrere ausgezeichnete historiographische Werke und neben den Ännalen, die allmählich von der dürftigsten Form teilweise zu breiter Darstellung übergegangen waren, bei Frechulf auch schon den Beginn der weltgeschichtlichen Erzählung. Und wenn man auch sagen muß, daß jeder Zweig karolingischer Geschichtschreibung an schon vorhandene Formen anknüpfte, so setzte doch vielfach in diesen überlieferten Formen ein neuer Inhalt ein, in dem sich das neue Werden deutlich aussprach. Auf diesen Grundlagen baut nun unser Zeitraum weiter und je mannigfaltiger die einzelnen Formen des staatlichen und kirchlichen Seins werden, um so vielgestaltiger wird die geschichtliche Darstellung. Da es angebracht scheint, bei unsrer Übersicht von den einfachsten Bildungen auszugehen, so beginnen wir mit der Klostergeschichte. Es war jedenfalls eine lockende Aufgabe, eine Darstellung von den Ereignissen des Klosters zu schreiben, von dem Gründer und der Gründung zu melden, das Wachstum darzustellen, die Besuche fürstlicher Personen hervorzuheben und die Besitztümer aufzuführen. So verfuhr Folcwin von Laubach (Lobbes), der es sich angelegen sein ließ, die Geschichte der ihm unterstellten Klöster Laubach und Sithiu in möglichst urkundlicher Gestalt vorzuführen. Die Geschicke des Klosters Fleury stellte Aimoin dar, es hat sich aber davon nur das Leben Abbos erhalten. Ademar von Chabannes gab die Geschichte des Klosters St. Martial zu Limoges und Arnold von St. Emmeram schrieb ein weitschichtiges Werk über die Ereignisse in seinem Kloster. Ein Trierer Kleriker behandelte im Liber de rebus Trevirensibus die Verhältnisse der Klöster Pfalzel und Oeren und ein Brauweiler Mönch beschrieb die Gründungsgeschichte seines Klosters. Von nicht geringem Werte sind dann einzelne Bistumsgeschichten. Bei der hohen Bedeutung der Bistümer in jenen Zeiten und dem weitreichenden Einfluß vieler Erzstifter ist die Kenntnis ihres geschichtlichen Wachstums und ihrer inneren Verhältnisse von hohem Interesse. Freilich nicht jede dieser Darstellungen gibt so ungemein reichen Stoff wie Flodoard in seiner Bearbeitung der Geschichte des Erzbistums Reims, die auf einer sehr umfänglichen literarischen und urkundlichen Grundlage aufgebaut ist. Fast nur aus Stellen älterer Schriftsteller dagegen besteht die nur bis 667 reichende Geschichte des Bistums Lüttich von Heriger, während dessen Fortsetzung durch Anselm auf ein ausgeführtes Bild von der Tätigkeit des 126 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Bischofs Wazo hinausläuft. Den Versuch einer urkundlichen Geschichte des Patriarchats Grado gab ein Kleriker der Kirche zu Grado, er ist aber über den Versuch nicht hinausgekommen. Eine ausführliche Darstellung des Streites des Bistums Hildesheim mit dem Kloster Gandersheim verfaßte ganz im bischöflichen Sinne Thangmar von Hildesheim und hat sie später seinem Leben Bernwards einverleibt. Der Mönch Alpert gab eine Geschichte des Bistums Metz, von der sich aber leider nur ein kleiner Teil erhielt. In der Geschichte des Bistums Cambrai aber erhalten wir eine sehr ausführliche und meist sorgfältige Darstellung, die wie Flodoards Werk weit.über die eigentlichen Grenzen des Bistums hinausreicht und auf die Reichsgeschichte übergreift. Eine wenig geschickt angelegte Darstellung über die älteren Verhältnisse im Bistum Verdun gab Bertarius, dessen Werk später ein Mönch von St. Vannes und im Jahre 1144 Laurentius von Lüttich fortsetzte. Höchst bedeutend wieder ist die Geschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen vom Domherrn Adam, der in einer geradezu vorbildlichen und für diese Zeit einzigen Weise nicht nur die innere, sondern auch die äußere Lage des großen Erzstiftes ausführlich schilderte und von den Hauptpersonen, besonders von Erzbischof Adalbert, ausgezeichnete Charakteristiken gab. Ein weiteres Ziel steckte sich die Landes- und Reichsgeschichte, die die Ereignisse darstellte, die sich innerhalb der Grenzen einzelner Stämme, Länder oder Reiche zutrugen. Mehr eine stilistische Leistung als eine eigentliche Geschichtsdarstellung gab Aimoin in seiner Historia Francorum, die nur bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts reicht und aus einer nicht immer geschickten Gruppierung geographischer und historischer Quellenstücke besteht. Wenig später schrieb der Mönch Dudo von St. Quentin eine Geschichte der Normannen, die freilich nur auf sehr naive und kritiklose Leser berechnet ist, aber bei dem Fehlen anderer Quellen immerhin Wert besitzt. Dagegen haben wir in der Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar eine ungemein reichhaltige Landesgeschichte von Sachsen, seinen Markgebieten und den östlichen Ländern. Ademar von Chabannes schrieb in Anlehnung an ältere Quellen und an die großen Lorscher Annalen eine ganz unselbständige fränkische Reichsgeschichte, die im dritten Buche in eine Geschichte Aquitaniens übergeht. Eine ganz seltsame Darstellung aber lieferte ein Mönch von Novalese in seiner Chronik, die sich über Norditalien und Burgund verbreitet und der Sage weitläufigen Spielraum gibt. Hieran reihen sich die chronikalischen Werke, die von einem örtlichen Mittelpunkt ausgehen und ihre Blicke weithin wenden, so daß sie Lokal- und Landes- wie Volksgeschichte miteinander verbinden. Ein solches Werk lieferte Benedikt aus St. Andreas auf dem Sorakte, das allerdings in einer geradezu auffällig schlechten Sprache verfaßt ist, gegen welche die der Novaleser Chronik noch gut erscheint. Auch ein Mönch von St. Benedikt in Salerno, der sich hauptsächlich über die langobardischen Fürstentümer verbreitet, steht mit der Grammatik auf sehr gespanntem Fuße. Ein Johannes Diakonus verfaßte eine Chronik Venedigs mit stetem Ausblick von der weitschauenden Politik dieser Stadt auf das kaiserliche Haus der Ottonen. Mehr eine Materialsammlung für die Geschichte der Stadt und des Staates Venedig als eine eigentliche Geschichte stellt das Zweiter Abschnitt. Geschichtschreibung. 127 Chronicon Altinate dar. So wenig diese italienischen Geschichtsquellen in der Form genügen, so wichtig sind sie doch ihrem Inhalt nach. — Hieran schließen sich die Werke über Zeitgeschichte, zu denen wir auch die An- nalen rechnen. Diese Werke beginnen zwar meist mit einem Überblick über die Vorzeit oder gehen, wie die Annalen, meist auf die Frühzeit zurück, aber im Vordergrunde des Interesses steht die Gegenwart, die vielfach eine sehr eingehende Darstellung empfängt. Hierher gehören zunächst die Werke Liudprands von Cremona, der in seiner Antapodosis die Geschichte Italiens bis zu Ottos I. Kaisertum schildert, in den Gesta Ottonis die Politik des Kaisers rechtfertigt und in der Relatio eine karikierte Schilderung vom byzantinischen Hofe gibt. Flodoard von Reims bot in seinen Annalen eine nicht ganz vollständig erhaltene Fortsetzung der Annales Bertiniani bis 966 und gab darin eine reichhaltige Übersicht über die Geschichte Frankreichs und Deutschlands. Richer von St. Remi bietet in seinen Historiae eine ausführliche, vvenn auch oft legendenhafte Geschichte Frankreichs bis 995, die einen hohen Wert besitzt. Die Geschichte des ottonischen Hauses, besonders die Klosterpolitik Heinrichs IL, erzählen in ziemlich breiter Weise die Annalen von Quedlinburg, die außerdem polnische und böhmische Verhältnisse öfters berühren. Die Verhältnisse in den Niederlanden schildert eingehend Alperts Werk über den Wechsel der Zeiten, das sich mit den Menschen der Gegenwart beschäftigen will. Dagegen kommt in den Annalen von Hildesheim die Zeit Konrads IL zu ausführlicherer Darstellung. Eine ganz eigenartige Zeitgeschichte bieten die Historien des Rodulfus Glaber, der sein Werk aus einer Unzahl von Anekdoten und Einzelzügen, aus Wundern und Visionen, theologischen Abhandlungen und moralischen Ergüssen zusammensetzt und daraus eine Geschichte Frankreichs und Deutschlands herleitet. Von großem Werte hingegen ist die Geschichte der Gegenwart, die sich in den Annalen von Oberaltaich findet, denn es zeigt sich hier eine sachliche und ruhige Darstellung der Ereignisse aus der Zeit, da der große Kampf zwischen Kirche und Staat soeben einsetzte. — Sehr bedeutende Werke hat endlich die biographische Tätigkeit aufzuweisen. Daß das Leben hervorragender Männer, der Fürsten, der Bischöfe und Äbte, dargestellt wurde, war ja nichts Neues, aber neu ist in unserm Zeitraum die besondere Vorliebe, mit der man die Biographie pflegte. Das ist nicht zu verwundern, denn die Zeiten der Ottonen und der Salier brachten ja eine große Anzahl bedeutender Kirchenfürsten hervor, auf die die Herrscher bei der geringen wissenschaftlichen Bildung des Laienadels ihre Regierung stützen mußten. Und so erklärt es sich, daß die Lebensbeschreibungen vornehmer Kleriker durchaus überwiegen, die der Laien fast ganz zurücktreten. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, daß die Laien sich aus solchen Biographien, die ja aus geistlicher Hand kommen mußten, sehr wenig machten. Mochte das böse Gewissen hieran oft schuld sein oder war es unserm Adel gleichgültig, ob sein Andenken nach dem Tode von geistlicher Seite in den Himmel gehoben wurde, — er scheint jedenfalls gern darauf verzichtet zu haben. Aber es war schwierig, ein Fürstenleben zu beschreiben, und es gehörten nur sehr tüchtige, lebens-und schreibgewandte Männer dazu, die die mancherlei Rücksichten nehmen konnten, die hierfür nötig waren. Noch zur früheren \ 28 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Periode gehört hier das ausgezeichnete Leben König Alfreds des Großen von Bischof Asser von Sherborne, das die älteste Laienbiographie in England darstellt. Auffällig ist jedenfalls, daß ein Mann wie Otto I. keinen Biographen gefunden hat, auch er mochte wohl von den Zeitgenossen zu verschieden beurteilt werden, als daß sich jemand an das Leben des mächtigen Mannes gewagt hätte. Dagegen hat Ottos Mutter Mathilde zwei Lebensbeschreibungen im Kloster Nordhausen erhalten, die ältere ungeschickt aus allen möglichen alten Schriften zusammengesetzt und im Lob unmäßig, aber der Geschichte doch noch nahestehend, die zweite, eine stilistische Bearbeitung der ersten, aber verändernd und eingreifend ohne geschichtliche Glaubwürdigkeit. Erst Heinrich IL fand in Adalbold von Utrecht einen Biographen, doch ist dessen Werk nur zum kleinen Teil erhalten. Hervorragend in bezug auf Einsicht in die Verhältnisse und auf Anordnung und Gestaltung des reichen Stoffes ist das Leben Konrads IL von seinem Notar Wipo, einem äußerst kenntnisreichen Manne, der in das Wesen der Biographie wirklich eingedrungen war und seinem Herrn ein bedeutendes Denkmal gesetzt hat. Viel weniger genügt das Leben des Dänenkönigs Knud in den Gesta Cnutonis eines Mönches von St. Omer, da diese Schrift viel zu sehr vom geistlichen Standpunkt verfaßt ist und zu starke Anleihen in der alten Literatur macht. Und auch das Leben König Roberts von Frankreich, das der Mönch Helgald von Fleury darstellte, fällt mehr oder weniger in Einzelgeschichten auseinander und läßt vom Wesen der Biographie wenig verspüren. Dies sind aber die einzigen Laienleben in unsrer Periode, die sich erhalten haben; ungleich größer ist die Anzahl der Biographien von Klerikern. Entsprechend der gewaltigen Bedeutung des Klosters Cluni haben dessen Äbte meist bald nach ihrem Tode Lebensbeschreibungen erhalten, die sj>äter mehrfach von andern Verfassern überarbeitet und nach dem Zeitgeschmack verändert worden sind. So fand Odo einen Biographen in dem römischen Mönche Johannes, der sein Leben sogar zweimal darstellte und im 11. und 12. Jahrhundert Umarbeiter fand. Das Leben des Majolus wurde vom Mönche Syrus in Cluni sowie von seinem Nachfolger Odilo beschrieben und das Werk des Syrus später mehrfach verändert. Jotsald von Cluni schilderte das Leben Odilos allerdings in legendärem Stile und auf diesem Wege schritt Petrus Damiani in seinem Leben Odilos weiter. Ein verloren gegangenes Leben des Abtes Hugo verfaßte Hezelo, während Gilo von Ciunis Leistung erhalten ist, die freilich nur eine überladene und unförmliche stilistische Leistung ist; eine verbesserte Form von Gilos Schrift gab später Hildebert von Le Mans heraus. Die große politische Bedeutung Hugos veranlaßte aber auch seinen Neffen Rainald, Abt von Vezelay, das Leben seines Oheims darzustellen, und auch sonst hat man später in Cluni biographische Versuche mit dem gleichen Stoffe gemacht. Allerdings vermissen wir in allen diesen Leben der Cluniacenseräbte ein tieferes Eingehen auf ihre wirklichen Lebensverhältnisse und- auf ihre Tätigkeit, die Schönrednerei hat sich hier zu breit gemacht. Hingegen erhielt der Abt Johannes von Gorze eine ausgezeichnete Biographie durch seinen langjährigen Freund Johannes, Abt von St. Arnulf in Metz, der mit voller Sachkenntnis und mit einem gewissen politischen Zweiter Abschnitt. Geschichtschreibung. 129 Blick sein Werk schrieb. Brun von Querfurt stellte das Leben der fünf in Polen erschlagenen Brüder in schwärmerisch-geistlichem Tone dar. Das Leben des Iren Caddroe stellte ein Mönch des Klosters Waulsort dar,- der seine Arbeit dazu benutzte, um in ihrem Anfang, gemäß der Trojanersage der Franken, den Iren asiatischen Ursprung und Abstammung ihres Fürstengeschlechts von Aeneas anzudichten. Eine wertvolle Biographie des großen Gelehrten Abbo von Fleury lieferte der Mönch Aimoin und einen sehr reichhaltigen Stoff stellte Andreas von Fleury im Leben des Abtes Andreas dar, wodurch sich diese Schrift weit über die meisten ähnlichen heraushebt. Auch das Leben des Abtes Poppo von Stablo, von Onulf, einem Mönche in Blandigny, mit Unterstützung des Abtes Everhelm von Haut- mont verfaßt, ist inhaltlich eine wertvolle Leistung. Weniger bedeutend erscheint das Leben des Abtes Gerhard von Brogne, das von einem Mönche dieses Klosters stammt, aber oft an einer ermüdenden Breite leidet. Die Reihe der Bischofsleben wird mit einem vortrefflichen Werke eröffnet und zwar mit dem des Erzbischofs Bruno von Ruotger, der die große und weitreichende Wirksamkeit seines Helden, des Erzbischofs von Köln, von allen Seiten und gründlich erörtert und von seiner Person ein lebendiges Bild entwirft. Bischof Gumpold von Mantua verfaßte wahrscheinlich ein nicht mehr vorhandenes Leben des böhmischen Herzogs und Märtyrers Wenzeslaus und beschrieb später in einer eignen Schrift dessen Martyrium. Derselben Aufgabe unterzog sich später in bedeutend besserer Weise Laurentius, Mönch von Monte Cassino. Eine hervorragende Leistung wieder ist die Biographie Bischof Udalrichs von Augsburg vom Propst Gerhard, denn sie ist höchst individuell gehalten und bringt eine Menge von Einzelzügen, die den Helden der Erzählung sorgfältig charakterisieren. Das Leben und das Martyrium Adalberts, des ersten Prager Bischofs, schilderte in kurzen Zügen zuerst ein Slave, wenig später wurde es von Johannes Canaparius, einem Mönche vom Aventinkloster, dargestellt, und bald darauf wurde diese Schrift durch Brun von Querfurt sachgemäß erweitert und ergänzt. Ein geschichtlich sehr brauchbares Werk lieferte der Abt Konstantin von St. Symphorian zu Metz in dem Leben des Metzer Bischofs Adalbero IL und setzte hierin seinem verstorbenen Bischof und Freunde ein schönes Denkmal der Dankbarkeit. Das Leben Bernwards von Hildesheim von Thangmar gewährt einen tiefen Einblick in das ganze geschichtliche Werden und Leben der Zeit und ist eine der besten Biographien des Mittelalters überhaupt. Auch das Leben des berühmten Kanonisten Bürchard von Worms gehört zu den besseren Leistungen der Art, wenn sich auch der Verfasser, vielleicht Ebbo von Worms, stilistisch beinahe ungebührlich an andere Werke anlehnt. Eine stofflich bedeutende Arbeit leistete Wolfhere, Domherr von Hildesheim, in dem Leben des Bischofs Godehard, von dem der Verfasser noch eine Neubearbeitung veranstaltete. Eine Biographie des Erzbischofs Heribert von Köln verfaßte der Mönch Lantbert von Deutz, während das Leben Bardos von Mainz durch den Mainzer Kaplan Vulculd und durch einen Fulder Mönch beschrieben wurde. Eine vortreffliche Arbeit endlich ist das Leben Balderichs von Lüttich, das ein Schüler Olberts von Gem- blous beschrieb. Geradezu auffällig aber ist das Schweigen der Papst- Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 9 130 a Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. biographie. Rom war auf lange Zeit nicht die Stätte für die Literatur gewesen und war sie auch jetzt nicht. Von der Kurie war in dieser Beziehung nichts zu erwarten, denn in ihr bereitete sich seit der Mitte des 11. Jahrhunders die Weltherrschaft vor, seitdem sie das Abendland unter das von ihr ausgehende Recht gebeugt hatte. Man fand hier für die historische Darstellung keine Zeit und man begnügte sich mit der Fortsetzung des offiziellen Liber pontificalis, in dem die Papstleben weitergeführt wurden. So ist es in unserm ganzen Zeitraum nur Leo IX. gewesen, ein Deutscher, der von einem Deutschen, dem Touler Archidiakon Wibert, eine Biographie erhielt, die allerdings dem vielseitigen Wirken des großen Kirchenfürsten nicht gerecht geworden ist. Ansätze zur Universalgeschichte endlich sind in unserem Zeitraum mehrmals gemacht worden, aber sie sind im Versuch meist stecken geblieben. Allerdings war es damals nicht leicht, eine Weltgeschichte zu schreiben, da wegen der großen Verschiedenartigkeit der alten Quellen und wegen der lockeren Zeitbestimmungen z. B. der biblischen historischen Werke die synchronistische Einordnung des Stoffes auf die größten Schwierigkeiten stieß. Den ersten gelungenen Versuch machte Hermann von Reichenau, der die Geschichte seit Christi Geburt bis zur Gegenwart in einem umfänglichen Werke behandelte, wobei er allerdings für die älteren Zeiten eine wohl in Reichenau selbst schon entstandene Weltchronik benutzte. Mit ihrer Hilfe gelang es ihm, die großen Schwierigkeiten, die die Chronologie bot, zu besiegen und eine vergleichsweise richtige Zeitfolge der Ereignisse zu gewinnen. Auf seiner Arbeit fußen fast alle späteren ähnlichen Werke aus Süddeutschland. Noch weiter ging der Ire Marianus zurück, der seine chronologischen Studien in Fulda begann und dann in Mainz eine umfängliche Weltchronik schrieb, nachdem er ausfindig gemacht hatte, daß sich Dionysius Exiguus bei der Ansetzung von Christi Geburt um 22 Jahre geirrt habe, so daß man den Inkarnationsjahren diese Zahl stets hinzufügen müsse. Während nun aber der Hauptwert von Hermanns Werk für uns in seinem Bericht über die Gegenwart besteht, läßt Marian, dessen Chronik keinen bedeutenden Einfluß auf die spätere Zeit ausübte, die Gegenwart fast geflissentlich aus dem Spiele und legt den Schwerpunkt seiner Arbeit durchaus auf die Gewinnung einer festen Chronologie. — Auf diese Weise wurden auf den verschiedenen Gebieten der Geschichtschreibung Anfänge gemacht, die besonders auf dem Felde der Universalgeschichte in der späteren Zeit sehr wichtige Fortsetzungen erhielten. 12. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. I. Johannis vita s. Odonis und Ableitungen. Johannes stammte wohl aus Rom und mag um 910 geboren sein. Im Jahre 938 J ) wurde Odo in Rom auf ihn aufmerksam, als er noch der Welt angehörte, und Odo, der damals im 60. Jahre stand,, brachte den jungen Mann ins Peterskloster zu Pavia und dann zu dem Propst Hildebrand von Cluni, der damals wohl o ') Zum Jahre vgl. E. Sackur, Die Cluniacenser 1, 36L Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 131 in Italien weilte und der den Johannes in den mönchischen Disziplinen unterrichtete. Als Odo dann wieder nach Rom kam, bewog er den Kanoniker Johannes, Mönch zu werden, und beide reisten dann zusammen. Hierbei erkundigte sich Johannes nach Odos Jugend und der Abt gewährte ihm einen tiefen Einblick in sein früheres Leben. Und da das Zusammensein beider Männer an zwei Jahre andauerte und Johannes der unzertrennliche Gefährte Odos wurde, so mußte es ihm leicht fallen, sich eingehend über dessen Leben und Gewohnheiten zu unterrichten. In Rom war nun Johannes höchstwahrscheinlich ins Paulskloster eingetreten und später wurde er dort Prior und es scheint, daß Odo vorher noch ein zweites Mal in Rom weilte, 1 ) wo er in Gemeinschaft mit Johannes eine diplomatische Sendung aufgetragen erhielt, um für den Frieden zwischen König Hugo von Italien und dem römischen Fürsten Alberich zu wirken. Aus des Johannes Vorrede ergibt sich aber, daß dieser mit den Mönchen (des Petersklosters?) zu Salerno in nähere Beziehungen getreten war; man bat ihn nämlich dort um des Palladius Mönchsleben, 2 ) also die Historia Lausiaca, die er auch den Brüdern von Salerno zu schreiben versprach. Kurz vor der Vollendung des Werkes besuchten ihn sein Konfrater Adhelrad und Johannes, ein hoher Finanzbeamter am Hofe von Salerno. Beide brachten das Gespräch auf Odo, der kurz vorher gestorben war, und als er manches über seinen heiligen Freund erzählt hatte, baten ihn beide, das Gespräch aufzeichnen zu wollen. Er ging auf den Wunsch ein und bittet nun in der Vorrede seines Werkes, man möge seinem Berichte ja trauen. Wenn er nun fortfährt, sein Lehrer Arnulf habe ihm vieles über Odo als Augenzeuge mitgeteilt, desgleichen Bischof Hucbert von Tibur und sein Mitbruder Landric, daß er aber deren Bericht unterdrückt und nur das aufgeschrieben habe, was er aus Odos eignem Munde gehört habe, so ist das doch keineswegs wörtlich zu nehmen, denn Johannes hat sicher auch alles dargestellt, was ihm zu Ohren gekommen war, und vieles aus seinem Bericht geht gewiß nicht auf Odo selbst, sondern auf andere Quellen zurück. Soviel aber steht fest, daß die Biographie kurz nach dem Tode des berühmten Abtes verfaßt ist und daß Johannes unter dem unmittelbaren Eindrucke der lebendigen Persönlichkeit geschrieben hat. Freilich ist die Biographie nicht so ausgefallen, wie man wohl wünschen möchte, und wir würden gern seitenlange Auslassungen des Johannes dreingeben, wenn das übrige auf der Grundlage von Urkunden und Aktenstücken aufgebaut wäre, ja wenn es sogar nur nicht an einer ganz verzweifelt schlechten Chronologie litte. Denn allerdings in dieser Beziehung ist die richtige Verknüpfung des Sachverhaltes schwer, wenn es z. B. heißt: Zu einer gewissen Zeit, oder: Nachdem diese Zeit vorbei war, oder: Um dieselbe Zeit, oder: In jener Zeit. Die Vorrede richtet sich an die Mönche von Salerno, zu denen Johannes später selbst gehörte; sie gibt den nötigen Aufschluß über die vom Verfasser benutzte Kunde über seinen Helden und sie schließt mit der Aufforderung, daß man ihn nach den Vorfahren und Zeitgenossen Odos nicht fragen möge, da er niemand von ihnen 1 ) Ueberdie Romreisen Odos vgl. Sackur, ] c. 1 Librum quem ... Palladius de vita et Die Cluniacenser 1,359 ff. virtutibus beatorwn eremitarum patrum fem- 2 ) Mabillon, ActaSS.ord.s.Bened.7,148 poribus Theodosii imperatoris composuit. 132 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. kennen gelernt habe, weil er zu jener Zeit mit den mönchischen Disziplinen beschäftigt gewesen sei und weil er aus Italien stamme. Nun ist es jedenfalls sonderbar, daß Johannes im 3. Kapitel 1 ) des 1. Buches — er teilte sein Werk in drei Bücher — eine summarische Übersicht über Odos Leben bis zu seiner Erhebung zum Abte gibt und hier auch einige Zeitangaben macht, die sich später nicht finden. Denn die wirkliche Biographie strebt ganz anderen Zielen zu als der stetig fortschreitenden Entwicklung des Helden. Eine solche findet man nur in 1, 5—9 und zwar ist sie hier aus der persönlichen Kunde hervorgegangen, die Johannes von Odo erhielt. Er erzählt hier nämlich von dem oben schon berichteten Zusammentreffen mit Odo in Rom und von dessen bestimmendem Einfluß auf seine Zukunft und berichtet, daß er ihn nach seiner Abstammung und nach seinem Leben zu fragen gewagt habe. Darauf habe ihm Odo hierüber Mitteilungen bis zu der Zeit gemacht, da er sich dem Dienste des hl. Martin geweiht hatte, d. h. bis in sein 19. Lebensjahr. Hiermit schließt die eigentlich chronologische Erzählung, durch das ganze Werk aber zieht sich wie ein roter Faden die engste Hingebung Odos an St. Martin, 2 ) die sich auch noch in seiner Todesstunde bemerkbar macht. Sonst ist das ganze Werk mit Ausnahme der Schlußkapitel — in ihnen wird die Reformtätigkeit Odos gegenüber Fleury und anderen Klöstern geschildert und daran schließt sich der Bericht über seinen Tod — ein zeitlich und örtlich wirres Durcheinander von Erzählungen über Odos Leben und Wirken. Allerdings läßt sich für die zwei ersten Bücher insofern ein gewisser Plan aufstellen, als im ersten Buche vornehmlich die patientia des Helden in allen möglichen Beziehungen gepriesen wird, während im zweiten Buche seine misericordia und dann seine humilitas, letztere in Verbindung mit der den Cluniacensern besonders auferlegten Pflicht des Schweigens, gerühmt wird. Das dritte Buch handelt hauptsächlich von der Lehre, die von Odo ausging und sich in Unterweisung auch auf Johannes erstreckte; hier werden besonders mönchische Pflichten bezüglich der Kleidung und der Enthaltsamkeit von Fleisch dargelegt, bis dann Kap. 8 ff. die Reformierung von Fleury durch Odo erzählt wird. Man sieht hieraus, daß es dem Verfasser hauptsächlich auf die Hervorhebung der mönchischen Tugenden bei seinem Heiligen und auf das Beispiel ankommt, das dieser durch sein Leben künftigen Generationen geben konnte. Und es ist dem Italiener, 3 ) der nie in Cluni selbst war und Odo doch ferner stand, wohl zu verzeihen, wenn er in seiner Biographie die strenge Zeitfolge mehr oder weniger außer acht ließ. Dabei berücksichtigt er aber, ziemlich eingehend die Verhältnisse in-CIunis Schwesterkloster Baume, dessen Vorgeschichte 4 ) episodenhaft eingeschaltet wird, um den Weggang Odos nach Baume zu motivieren. Und auch sonst finden sich mehrfach Exkurse, ') Bei der folgenden Kapitelzählung sind ! 3 ) Er tritt 1,16 p. 154 besonders gegen- aber stets die zwei Abschnitte der Vorrede I über den Franken hervor in den Worten mit eingerechnet (nach der Ausgabe von Mabillon a. a. 0. 7,148—183). 2 ) Besonders bezeichnend ist hierfür 1, 21, wo von der Gewalt Odos über die Macht des hl. Martin an dem Beispiel des geretteten Grafen Fulco erzählt wird. atque quod est contra naturam Franconwi perraro potu. 4 ) 1 Kap. 22 die Konversion des Adhe- grinus und 23 die Vorschriften Benedikts von Aniane, vgl. 25 f. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 133 wie 2, 23 fast ganz aus einer Predigt gegen die Überschreitung der Regel besteht, oder wie 3,1 sich der Verfasser durch Odo darin unterweisen läßt, auf welchem Wege die Mönchsorden in Italien und im übrigen Europa herabgekommen seien. Selbstverständlich geht es ohne Wunder nicht ab, wie 1,35 die Verwandlung von Brotkrümchen in Perlen erzählt wird, oder 1,37 ein Hund, der die von Abt Berno gesegnete Speise anrührte, unfehlbar sterben mußte, oder wie 2, 3 sich beim Empfang des Bischofs in Cluni ein Eber der Armut des Klosters von selbst anbot, oder das Wunder Odos 2,17 mit dem leck gewordenen Rhonekahn, oder wie endlich 2, 22 berichtet wird, daß eine dem strömenden Regen ausgesetzte Handschrift der Dialoge über den hl. Martin völlig unversehrt blieb. Diese Erzählung aber leitet über zu den literarisch wichtigen Stellen des Werkes. Johannes selbst scheint über keine große Kenntnis in literarischer Beziehung verfügt zu haben, denn sein Stil läßt nur erkennen, daß ihm die Sprache der Bibel und der hagiographischen Literatur x ) geläufig war, ja seine Ausdrucksweise ist meist ungewandt und schwerfällig, sein Latein fehlerhaft. Aber er kommt doch im Leben Odos auch auf literarische Dinge zu sprechen, wenn auch meist nur bei Gelegenheit der von Odo verfaßten Schriften. So vergleicht er 1,13 eine Vision, in der Odo durch Füchse und Wölfe verfolgt wird, mit ähnlichen Stellen in der Vita Pauli des Hiero- nymus und in der Vita Ammonis und spricht dort über den Löwen des Hieronymus und macht auf eine Stelle in den Dialogen Gregors über Florentius Nursinus aufmerksam. Odo selbst erzählt 1, 5, daß sein Vater Abbo die Geschichte des Altertums und die Novellen Justinians im Gedächtnisse hatte; ihm selbst aber erschien, während er Priscian studierte, eine Vision, die ihn vom Studium Vergils und überhaupt der römischen Dichter abmahnte (1,12). Aber er ging später nach Paris und studierte hier unter der Leitung des Remigius die sogenannte Dialektik Augustins 2 ) und Martianus Capella. Als er nach Tours zurückkehrte, wurde er von den Brüdern von St. Martin aufgefordert, die Moralia Gregors zu einem Bande abzukürzen, und er übernahm die Arbeit, nachdem ihn eine Vision Gregors dazu bewogen hatte. Und als er später 3 ) wieder in Tours weilte, baten ihn die Mönche, die kurzen Antiphonen auf ihren Heiligen abzuändern und zu verlängern; er ging zwar zuerst nicht darauf ein, dichtete aber dann drei Hymnen und zwölf Antiphonen auf St. Martin. In St. Paul zu Rom endlich bat ihn Abt Balduin, die Dialoge über das Leben des hl. Martin zu korrigieren und mit Glossen zu versehen, und bei dieser Arbeit kam es zu dem schon erwähnten Wunder, daß der Regen der Schrift nichts anhaben konnte. Sonst begegnet in der umfänglichen Biographie nichts Literarisches, außer etwa, daß bei Erwähnung des häufigen Stillschweigens der Mönche in Cluni 1, 32 als Ersatz für die Rede die Zeichensprache berührt wird, die die Grammatiker nach der Ansicht des Johannes die Sprache der Pinger und der Augen nannten. 4 ) Von Anführungen aber aus der ') So zeigt 3,12 p. 183 non est nostrae sunt evoluti haud plus quam sex anni, also fficultatis evolvere Anlehnung an Sulpicius etwa 937. Vita Martini 10,1. 4 ) 1,32 p. 159 quas puto grammatici di- 2 ) Es sind die Kategorien des Aristoteles. gitorum et bculorum notas vocare voluerunt. 3 ) Johannes sagt 1,10 p. 151 Ecce enim 134 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. älteren Literatur begegnet nur ein Doppelvers (2, 23 p. 175), der aus Vers. Catonis luxuriam contra 1 und aus einem mir unbekannten Verse *) besteht. 2. Außer dieser umfangreichen Biographie hat Johannes noch eine zweite und zwar kürzere Fassung von Odos Leben geschrieben. Er verfaßte sie in Salerno und zwar vielleicht als Abt und hat sie einem fremden Kloster gewidmet. Es fehlen ihr alle die Abschnitte, die sich auf klösterliche Einrichtungen beziehen, alle mehr subjektiven Ausführungen und Exkurse. Also ließ Johannes alles das weg, was nicht unmittelbar zur Sache gehörte und aus dem Rahmen der Biographie herausfiel. Mit dieser Verkürzung geht aber auch eine andre Anordnung Hand in Hand, die sich namentlich auf Umstellung des im zweiten und dritten Buche gegebenen Stoffes bezieht, und zugleich sind einige neue Kapitel hinzugekommen. 3. Diese kürzere Fassung, die nur in einer Handschrift erhalten ist, hat nun ein Mönch zur Zeit des Abtes Hugo um die Mitte des 11. Jahrhunderts neu bearbeitet. Freilich weicht seine Schrift nur in zwei wichtigeren Punkten von jener kürzeren Redaktion des Johannes ab, die sie sonst fast wörtlich wiedergibt. Nämlich 1, 22 ist ein Exkurs über Abt Berno eingeschoben und 1,38—2, 2 ist durch Kenntnis von Bernos Testament verändert worden. Der Verfasser berichtet in der Widmung an Hugo, daß er zu der Arbeit von seinen Oberen und den Brüdern aufgefordert worden sei und daß er die Wahl- und Weiheurkunde Odos sowie das ihm kürzlich von Hugo zugesandte Gedicht des Bischofs Hildebold 2 ) auf Odo benutzt habe; denn in bezug auf die Weihe Odos und auf seinen Tod weise die Biographie Mängel auf und er habe auch sonst allerhand gebessert und ergänzt. 4. In späterer Zeit aber und zwar im 12. Jahrhundert erfolgte eine wirkliche Umarbeitung der ursprünglichen Biographie. Der Verfasser, der Mönch Nalgod'von Cluni, sagt in der Vorrede, daß einige ältere Brüder ihn dazu bestimmt hätten, und er habe sich beim Lesen vom Werke des Johannes überzeugt, daß darin eine solche Verwirrung in den Worten, eine solche Weitschweifigkeit und eine so große Unordnung in der chronologischen Erzählung sich finde, daß die Berichterstattung weder nach Stoff noch nach Zeitfolge zusammenhänge. Diesen Übelständen suchte Nalgod abzuhelfen, indem er allerdings die Ungleichmäßigkeit in der Erzählung des Johannes beseitigte, d. h. das Leben Odos möglichst chronologisch einordnete und erzählte und die unklare Schreibweise durch einen strafferen und weniger wortreichen Stil ersetzte. Die eignen Zusätze des Verfassers dagegen sind höchst unbedeutend, sie gehen über kurze Erklärungen und über persönliche Deutung und Auffassung der Wunder fast nicht hinaus. Diese Bearbeitung, die das Werk des Johannes räumlich auf die Hälfte reduziert, hängt jedenfalls mit dem im 12. Jahrhundert lebhafter erwachenden Stilgefühl zusammen, das eine so unfertige Biographie nicht ertragen konnte. ') Corporis atqite animae dilige munditiam; bei Prosper und bei Orientius steht der Vers Dicht. 2 ) Ist wahrscheinlich Hildebold von Chalon. Das Gedicht ist verloren, es kann nicht viel Tatsächliches enthalten haben, vgl. Sackur, Die Cluniacenser 2, 337. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 135 Zeugnisse. Abstammung aus Italien am Ende des Prologs c. 2 (Mabillon a. a. 0. p. 149) praecipueque cum me tellus Italica reddidit. Johannes war Kanoniker von St. Paul, vgl. 1,4 p. 149 et quem canonicum parentibus abiens rapuit, rediens postmodum monachum reduxit und vorher Romam veniens me .. . piscatüs est; Johannes sagt zwar anno ... non- gentesimo tricesimo nono, aber "Sackur (Die Cluniacenser 1,361) macht wahrscheinlich, daß 938 zu verstehen ist; damit würde etwa 910 als Geburtsjahr stimmen. Da Johannes das Kloster zu St. Paul später öfter erwähnt und c. 4 sagt me miserwm terrenis irretitum nexibus reperit, so war er also dort Kanoniker. Die weiteren Angaben über den Eintritt ins Kloster und die Uebergabe an Hildebrand von Cluni — ob Johannes selbst dorthin kam? — ebenfalls c. 4 p. 149. Die gemeinsame Reise c. 4 Ulis praeterea diebus cum iter cavperemus, daselbst des Johannes Präge nach Odos Vergangenheit. Zwei Jahre Zusammensein 1, 16 p. 153 Praeteritis namque his duobus annis cum simul loca sanctorum ... intra et extra urbem Bomam . .. frequentaremus und 2, 5 p. 164 Sed quid mirum de nobis, qui indesinenter adhaere- bamus Uli? Zum Priorat vgl. 2, 4 p. 164 et quia eram prior und 7 p. 166 praedixit mihi priorem fore futurum et multa alia quae postea acciderunt. Zur zweiten Reise 2,7 p. 165 Italiam missi sumus a Leone summo pontif.ce, ut pacis legatione fumgeremur inter Hugonem Longobardorum regem et AlbericumRomanaeurbisprincipem. Widmungan die Mönche vonSalernop.l48Do»im?'.s et in Christo fratribus Salernicensibus servus Christi Iesu frater Ioannes. Es folgt im Prolog c. 1 die Bitte der Salernitaner wegen des Palladius, die Unterredung mit Adhelrad und Johannes, deren Bitte um Aufschreibung des Gesprächs über Odos Leben und in c. 2 p. 149 die Aufzählung der Zeugen Arnulf, Hucbert, Landric und Hildebrand; dann fährt er fort e quibus minime scribere curavi et non ob aliud, nisi quia dum inhianter eius non obsequebantur viam, eorum nolui sumere testimonia. Zur Zeit der Abfassung der Biographie dienen die häufigen Zeitbestimmungen bei Johannes, die sicher schon auf 943 führen, vgl. auch Sackur 2. 336. Schluß der Vorrede c. 2 p. 149 Interim deprecor ... ut a me progenitorum suorum ceterorumque Gallorum cum quibus ipse adolevit, nomina non requiratis, quos neque vidi neque facultas videndi aliquando se mihipraebuit. 1 ) Wenn übrigens Sackur 2, 337 die Worte des Johannes 1, 14 p. 152 Laudent ergo qui volunt expulsores daemonum, curatores cadaverum ceterosque infamatos viros virtutibus für bare Münze nimmt und darin „eine Abneigung gegen die Andichtung und Ausschmückung angeblicher Wunder" sieht, so ist dem gegenüber einzuhalten, daß Johannes von hier an mit dem Erweis der patientia seines Helden beginnt und nicht nur in diesem Abschnitte (1, 21) ein auf Odo zurückzuführendes Wunder erzählt, sondern auch in anderem Zusammenhang auf Wunder eingeht (1, 35. 37; 2,3.17.22), wie schon oben berührt wurde. Gewiß ist sein Bericht zuverlässig und aus den Eindrücken der Gegenwart heraus geschrieben, aber er steht doch zu sehr unter den Einwirkungen der Zeit und der mönchischen Ekstase, als daß er eine unbedingt vertrauenswürdige Quelle bilden könnte. — Die zweite Fassung, die Johannes der Biographie gab, ist von Sackur, (Neues Archiv 15, 105ff.) in einer Pariser Hs. gefunden worden, vgl. außerdem Sackur, Die Cluniacenser 1, 337. Daß sie von Johannes stammt, ergeben die Worte (Neues Archiv 15, 109) quod quidam religiosus .vir .. . mihi tempore conversationis meae narrare consuevit und da es zu 1, 33 ad meam pervenit notitiam und 1, 37 heißt cum quibus conversatus sum und diese Worte in der älteren Fassung fehlen, wohl aber die gleichen Tatsachen berichtet werden. Es fehlen nach Sackur der zweiten Fassung teilweise oder ganz 1,22. 23. 25—28. 30—32. 35. 36. 38; 2,3—13. 21; 3, 1—4. 6.7; zur Anordnung vgl. Sackur, Neues Archiv 15, 108. Die Widmung der neuen Bearbeitung dieser zweiten Fassung an Abt Hugo I. 2 ) von Cluni daselbst S. 113 Reverentissimo patri domino Hugoni abbati s. Petri frater quidam humillimus monachorum und das weitere qui vitam domini Odonis humili quidem sed fideli stilo digestam percurrentes invenimus aliqua circa eius ordinationem depravata, quaedam vero de eins fransitu minus perfecta. Compulsus igitur hortatu seniorum et fratrum nostrorum ut in eadem vita patris Odonis corrigendi Studium daretur praeceptis eorum obsecundans, veteres cartas ordinationis et electionis eiusdem metrumque domni Hildeboldi episcopi nobis nuper a vobis directum diligenter revolvi et prout valui in supradicto opere depravata mutavi et imperfecta supplevi . . . Quod opus quamvis parvi momenti ideo vestro volui consignare iudicio, quia vos concivem simul et fidelem Odonis recognosco et admoclum mihi unanimem esse non dubito. Die Umarbeitung durch Nalgod kann erst im Anfang des 12. Jahrhunderts geschehen sein, da der Verfasser c. 23 (Mabillon 5, 192) sagt cuius coenobii plenam et integram libertatem et egregius fundator eis in ipsis posnit fundamentis et felicis memoriae Gregorius septimus, Urbanus secundus amplissimis privilegiis firmaverunt. Zur Ursache der Umarbeitung vgl. den Prolog p. 184 Ad describendam vitam b.' Oddonis'. . . utapponerem extremam manum, ') Ob Johannes daher jemals in Cluni : Hs. nach Sackur aus dem 11. Jahrhundert weilte, ist entschieden zweifelhaft. : stammt. 2 ) Hugo IL kann es nicht sein, da die | 136 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. religiosa seniorum virorum impbrtutiitäs me promovit. Nee abnuere potui quod tarn imperiosa Caritas exigebant .. . loannem qui de Mo scripsisse inieniebatur offendi . . . Tarda erat ver- borum confusio, tarn dispersa prolixitas, ita inordinatus et praeposterus ordo narrandi, ut ipsa series relationis vix sibi aut ratione aut tempore cohaereret. Displicuit mihi valde. .. . Scribam igitur meo domestico more loquendi et ex multipliel agmine Mo verborum purum et simplicem conabor eruere veritatem. Da nun Nalgod die Erzählung des Johannes aus der ihr eigentümlichen form herauslöste und in organisch fortschreitenden Zusammenhang gebracht hat, so hat er ihre Benutzbarkeit für erbauliche Zwecke im Kloster zwar erhöht, aber dafür fehlt die Unmittelbarkeit und das persönliche Element gänzlich, das jene alte Biographie so auszeichnet. Eigne Zutaten finden sich nicht eben viel, nur hat Nalgod in Kap. 22 f. eine ziemlich umfängliche Darstellung der Begründung Clunis durch Wilhelm von Aquitanien eingelegt, an deren Schluß er eifrig gegen die Bedrücker klösterlicher Freiheit spricht, allerdings in äußerst gewundenen Worten, die von der sonstigen Klarheit seines Ausdrucks scharf abstechen. Sonst erwähnt er noch, daß ihn sein Bischof aufgefordert habe, die Schrift De sacerdotio zu verfassen, vgl. 26 p. 193 liogatur ab episcopo, ut ea quae ibl dixerat, vel quaecumque mellora oecurrerent, in libri seriem eoaptaret. Tribus libellulis opus iniunetum explieuit. Nalgods Schreibweise ist, wie schon erwähnt, klar und sachgemäß. Ueberlieferung. Die Biographie des Johannes findet sich in Paris. 1240 s. XI (aus Limoges), 5565 s.XII (nur Buchl) und 18366 s. XI. XII (nur der Anfang); Ausgabe Mabillon, Acta SS. ord. Bened. V, 150—186 (Venedig l ) Bd. 7, 148—183). Die zweite Fassung des Johannes steht im Paris. 5386 s. XII—XIII f. 165 —175b, Fragmente davon edierte Sackur, Neues Archiv 15,109—112. Die anonyme Bearbeitung aus s. XI steht im Paris. 5566 s. XI f. 21—58 b (Fragmente von Sackur, Neues Archiv 15, 113 f.). Die Bearbeitung Nalgods bei Mabillon 7,184—201. Vgl. Sackur, Die Cluniacenser 2, 336 ff. und 1,359 ff. Wattenbach 1, 472 f. Sackur, Neues Archiv 15, 105 ff. (Migne 133,43—104). IL Die Vita Maioli von Syrus und ihre Ableitungen. 1. Syrus, wahrscheinlich Mönch in Cluni, wurde nach dem Tode des Cluniacenserabtes Majolus (949—994) durch Warnerius, der wohl Prior in Cluni war, gebeten, das Leben des Majolus darzustellen. Syrus hatte sein Werk noch nicht vollendet, als ihn des Majolus Nachfolger Odilo nach Italien schickte, während Warnerius nach dem Elsaß gesandt wurde. Diesem hatte Syrus seine noch aus losen Blättern bestehende Schrift mitgegeben. Als Warnerius im Elsaß gestorben war, nahm Odilo bei einem Aufenthalte in Murbach die Blätter an sich 2 ) und bat nach seiner Rückkehr den Syrus, das Werk zu vollenden. Syrus unterzog sich der Arbeit und hat sie zu Ende geführt, allerdings in weit ungenügenderer Weise, als es Johannes mit dem Leben des Odo getan hat. Nämlich nur ein verschwindend kleiner Teil seiner Biographie läßt sich wirklich als solche bezeichnen und nur in wenig Kapiteln würde das Platz finden, was Syrus von dem eigentlichen Leben des Majolus erzählt. Ohne Zweifel war Syrus mit Majolus bekannt gewesen, denn er führt an einigen Stellen dessen eigne Worte an 3 ) und er bringt auch den kurzen Brief, den Majolus an die Brüder geschrieben hatte, als er aus der Gefangenschaft bei den Sarazenen befreit werden wollte. Aber er weiß von den Schicksalen seines Helden nur herzlich wenig, und es genügt ihm, diese auseinanderzureißen und die weiten Zwischenräume mit der üblichen Erdichtung zu füllen. So gelingt es ihm, den an sich sehr geringfügigen Stoff in drei Bücher auszuweiten, indem er an die eigentlichen Lebensdaten eine große Menge Züge anknüpft, die sich von Majolus ebensogut wie von jedem andern Kirchenfürsten behaupten ließen und nur ') Diese Ausgabe ist hier benutzt. Ex- I Bitte (Mabillon 7,764) et scriptorum vitio zerpte von L. v. Heinemann, MG. SS. XV, j depravata ad statum pristinum relegendo cor- 586 ff. rigere keinen Sinn. 2 ) Vielleicht waren sie dort aber schon 3 ) 2,16 p.775 und2,17p. 776 heißt es sicut abgeschrieben worden, denn sonst hätte Odilos | ipse fatebatur. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 137 auf die Erbauung der Mönche berechnet sind. Daher liest man die breitesten Schilderungen von den Tugenden des Heiligen als Christ und als Mönch, eine Menge Wunder werden aufgetischt und von seiner Reformtätigkeit wird so gesprochen, als ob ein Odo gar nicht vor ihm gelebt hätte 1 ). Und zu diesem Rühmen der Tugenden gehört ohne Zweifel die 3, 8 erzählte Ablehnung der päpstlichen Würde durch Majolus; es ist jedenfalls eine im Kloster entstandene Sage gewesen, daß Otto II. und Adelheid dem Abt von Cluni die höchste kirchliche Stellung angetragen hätten, und bei Ablehnung derselben konnte Syrus die Demut des Abtes ins hellste Licht stellen. 2 ) Und um die eigne Armut zu verdecken hat Syrus namentlich im 2. und 3. Buche einen literarischen Raub im großen Stile begangen, indem e"r eine ganze Reihe Kapitel mit kürzeren Gedichten schließt, die aus dem Zusammenhang gerissen sind und sämtlich aus Heirics Vita s. Germani stammen, wie Traube nachwies. 3 ) Der Stil des Syrus ist der gewöhnliche der hagiographischen Werke, er ist stark paränetisch und bilderreich. Die Ausdrucksweise wird durch eine außerordentliche Menge von Bibelworten beeinflußt, aber nicht durch die antike Poesie, wie ja auch Majolus nach 1,14 4 ) sich später von Vergil ganz ab wandte. Störend wirkt in der ganzen Darstellung die übermäßige Anwendung der Reimprosa, die nicht nur in der Vorrede sich geltend macht, wie W. Schultze will. 5 ) 2. Dieses Leben des Majolus hat nun der Mönch Aldebald von Lerins einer Überarbeitung unterzogen, zu der ein Mönch Raimbald ein Vorwort von dreißig Hexametern schrieb, in dem erst die Vorrede des Syrus paraphrasiert und dann hinzugefügt wird, daß Syrus bei seinem Tode die Biographie unvollendet hinterlassen und daß Aldebald sie vollendet und in die nötige Ordnung gebracht habe. Da nun die Rezension Aldebalds sich von der des Syrus nur durch die 1, 3 f. hinzugefügte Zerstörung von Lerins durch die Sarazenen unterscheidet, so glaubte Traube, 6 ) daß auf Aldebald sowohl die auf uns überlieferte Rezension des Syrus wie auch die unter seinem Namen gehende Bearbeitung zurückzuführen sei, zumal Aldebald in dieser noch eine ganze Menge poetische Stellen aus Heirics Vita s. Germani eingefügt hat. Es ist aber hier doch wohl mehr Wert auf den Inhalt des an Odilo gerichteten Vorworts des Syrus zu legen und kaum anzunehmen, daß Aldebald zwei sich fast völlig gleichbleibende Rezensionen desselben Werkes verfaßt habe; und ich schließe mich daher Sackurs Ablehnung 7 ) dieser von Traube aufgestellten Hypothese an. Aldebalds Änderungen gegenüber Syrus bestehen zunächst in neuen, aber völlig inhaltlosen und nichtssagenden Prologen in Prosa zu den beiden ersten Büchern, während er beim Prolog zuni 3. Buche einfach zu Heirics Vita s. Germani griff und ihr 37 Verse entnahm, wie er auch schon den Prolog zu Buch 2 mit solchen 1 ) Vgl. hierzu 2, 6 p. 772 Nam regularis vitae disciplinam. — corrigendo restituit. 2 ) Vgl. zu dem Vorgang W. Schultze, Forsch, z. deutsch. Gesch. 24,168 ff. Da Odilo davon schweigt, so ist an der Sache kaum etwas Wahres. 3 ) Neues Archiv 17,402 ff. 4 ) 1,14 p.768 Legerat . . . olim . . . Vir- güiique mendacia; quae nolcbat nee ipse iam audire nee alios legere, sufßciunt, inquiens, divini poetae vobis nee egetis luxuriöse/, Vir- gilii vos pollui faeundia. 5 ) Forsch, z. deutsch. Gesch. 24,156. 6 ) Neues Archiv 17, 403 ff. 7 ) Sackur, Die Cluniacenser 2,339 n. 2. 238 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. fremden Versen ausschmückte. Das gleiche Verfahren hat er dann bei einer großen Anzahl der einzelnen Kapitel angewendet und sie mit Heiricversen geschlossen. Und wenn man dann von der schon erwähnten Erweiterung im Anfang des ersten Buches absieht, so decken sich beide Werke fast ganz und gar, nur daß zuweilen ein Wort ausgelassen oder hinzugesetzt oder ein Ausdruck verändert ist. 3. Aber auch des Majolus Nachfolger Odilo hat eine Biographie seines Vorgängers geschrieben und zwar ging er erst im Jahre 1033 ans Werk, als er sich zu Romainmoutier aufhielt und eine schlaflos verbrachte Nacht ihm seinen Vorgänger deutlich in Erinnerung brachte. Gewidmet hat Odilo seine'Schrift dem Hugo, vermutlich seinem Nachfolger in der Abtswürde, und dem Mönch Almannus, der auch im Planctus des Jotsald erwähnt wird; 1 ) am Ende der Vorrede scheint er freilich seine Schrift an die Mönche von Cluni überhaupt zu richten. Odilo hat den Majolus erst in dessen Alter kennen lernen können und er mußte sich daher in seiner Biographie an Vorgänger anlehnen; es steht fest, daß er des Majolus Leben von Syrus benutzt hat 5 ) und auf ihm seine eigne Schrift aufbaute. Aber er ist doch selbständig zu Werke gegangen, denn er bietet viel mehr eine eigentliche Biographie als seine Quelle. Er entwickelt nämlich zunächst die Herkunft des Mönchtums, das er in letzter Linie von Elias und Johannes Baptista ableitet. Dann kommt er auf Cluni zu sprechen, erzählt von Berno, Odo und Heymard und erst von 1, 5 ab berichtet er von Majolus, seiner Herkunft, seinem Eintritt ins Kloster und von seiner Wahl zum Abte. Bevor er aber sein persönliches Wesen näher berührt, vergleicht er sich in bescheidenster Weise mit Alchvine, dessen Bearbeitung der Vita Martini er hoch erhebt: wie dieser es mit der Vita Martini getan, so wolle er es im Kleinen mit der Vita Maioli halten. Er hat nämlich vorher 1, 8 des Werkes von Syrus gedacht und sagt dort, daß er in ärmlichem Stile und in kurzen Zügen darüber schreiben wolle, was vor ihm in hervorragender Rede über Abstammung, Leben, Sitten, Wunder und Tod des Heiligen dargestellt worden sei. Und später, bevor er zu den Wundern kommt, bemerkt er, daß diese von gelehrten Männern 3 ) in katholischem Sinne und mit Aufwand von rhetorischer Beredsamkeit und an manchen Stellen im daktylischen Versmaße dargestellt worden seien. Hier im zweiten Abschnitt erzählt Odilo vom Wandel des Majolus, von seinen Wundern und von seiner Wertschätzung durch Kaiser, Könige und Fürsten und endlich von seinem Tode. Die Schrift war schon abgeschlossen,' als dem Odilo die Erwähnung von der Gefangenschaft des Majolus bei den Sarazenen und von seiner Befreiung wertvoll erschien. Er stellte sie daher in einem Anhang dar und knüpfte daran eine andere Erzählung, wie nämlich des Majolus Vater Folcherius einen Wolf lebendig fing; und er kann es sich nicht versagen, die zu jener Zeit in der Provence aufgetretene Wolfsplage mystisch auf den Einbruch M Vgl. Sackur, Neues Archiv 15, 122 arbeitung kennen; dem würde aber der Aus- (Planctus Vs. 4). | druck metro dactylico variata widersprechen, 2 ) Vgl. W. Schultze, Forsch, z. deutsch. da Aldebald auch andre von Heine angewandte Gesch. 24,163. Versmaße bringt. . 3 ) Odilo könnte daher auch Aldebalds Be- Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 139 der Sarazenen zu deuten. So hat Odilo sich im allgemeinen auf das Wesentliche beschränkt und einen kurzen, aber sachlichen Überblick über das Leben seines Vorgängers gegeben; die vielen fremdartigen Bestandteile, die das Leben des Majolus von Syrus umwuchern, sind hier vollständig weggefallen. Auch schreibt Odilo in einem einfacheren und konziseren Stil, so daß der Einfachheit des Inhalts auch die Klarheit des Äußeren entspricht. Allerdings beliebt auch er die in Cluni so gewöhnliche Reimprosa anzuwenden. 4. Aber auch Nalgod, dessen Bearbeitung der Vita Odonis wir schon kennen, hat die Vita Majoli des Syrus in seinem Sinne bearbeitet. Er spricht sich in der Vorrede nicht gerade günstig über seine Vorlage aus. Der liebevolle Eifer der Brüder habe ihm aufgetragen, die Vorlage, die vor Verwirrung auseinanderfließe, einfach und kurz zu gestalten. Er habe sich die Autoren — dieser Plural ist aber fast ausnahmslos rhetorische Übertreibung für den Singular — vorgelegt, die darüber schon geschrieben hatten, und er werde den Sinn der Wahrheit aus ihren Werken in eigner Darstellung zu bewahren suchen, und man brauche zur Schilderung der Tugenden und Wunder des Heiligen keine rhetorischen Farben, sondern einfache Worte, da diese durch sich selbst sprächen. Nalgod hat nun die Arbeit des Syrus zurechtgeschnitten und fast alles sachlich Brauchbare daraus verwertet, während er den ganzen Aufputz von Heiricversen beiseite ließ. Die wenigen Stücke, die er bringt und die bei Syrus nicht stehen, sind alles Wundergeschichten, 1 ) die ihm wohl durch mündliche Kunde zuflössen. Die ganze Darstellungsweise hat bei Nalgod gewonnen, denn der Stil ist klarer und durchsichtiger geworden, wenn auch manche Stellen seiner Erzählung mit poetischen Blumen stark aufgeputzt sind. 2 ) Zeugnisse. Syrus sagt im Vorwort (Mabillon, Acta SS. 7, 764, ed. Venet.) Spirituali patri clomno Odiloni abbati Syrus monachorum infimus . . . Saepe mihi multumque cunctanti b. Maioli venerabiles actus stiliprosequi officio, cum ad id operis s. recordationis TJuarnerii 3 ) importuna perurgeret petitio . . . Sub eodem temporis articulo nie ad Italiam, illumaue vobis dirigere placuisset at Alsatiam, opus quod relinquebam imperfectum secum ipse detulit per schedas dispersum. Post eiusdem lacrimabilem transitum, cum vestrae praesentiae in Morba- censi coenebio fuisset oblalum,. iniunctum mihi est ex vestra sententia, quo studerem quae deerant, addere et scriptorum vitio depravata ad statum pristinum relegendo corrigere. Zu den sachlich wichtigen Teilen der Biographie vgl. W. Schnitze. Forsch, z. deutsch. Gesch. 24,156 f. Der Brief des Majolus an die Brüder steht 3,4 p. 779. — Vor der Bearbeitung des Syrus durch Aldebald stehen die Versus Reimbaldi (de vitae huius scriptoribus), die prosodisch ziemlich rein und einsilbig leoninisch gereimt sind. Hier heißt es Vs. 15 (Acta SS. Mai 2, 669) Ad Christi laudem quae Warennerius autem . . . Persuasit domino supplex multa prece Syro Scribere . . . Qui tandem .. . Discere quae potuit narrantibus edere cocpii. Tegmina sed eamis solvens per debita mortis Hoc opus extguum dimisit semiperactum. Mox Aldebaldus quod supplevit Studiosus, Congrua subnectens et, ut aspicis, ordine inngens. Die Zerstörung von Lerins (unter Abt Porcarius) vgl. 1,3 f. p. 669 f.; sie ist viel stärker mit Versen gemischt, als in der Ausgabe ersichtlich wird. — Odilo widmet seine Schrift (Acta SS. Mai 2,684) Hugoni et carissimo fratri Almanno Odilo presbyter und bemerkt in der Vorrede, daß ihm in seiner Trauer der hl. Majolus erschienen sei, der ihm mitgeteilt habe ut si animüm in eius laudibus occupare satagerem, caelestis consolationis praesidium . . . invenire possem. Idcirco, düectissimi seniores et fratres .. ■ opus subiectum scribere curavi. Ort und ') Vgl. W. Schultze, Forsch, z. deutsch. Gesch. 24, 161. 2 ) Vgl. 3,29 (Acta SS. Mai 2, 665) et navis ecclesiae rectoris praesidio destituta in huius vitae fiuctuantis incerto diversis molestiis pul- sabatur. 3 ) Er war wohl Prior in Cluni und wird genannt bei Bernard et Bruel, Recueil des chartes de l'abbaye de Cluny Nr. 1314. 140 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Aufenthalt Cum residerem praeterito tempore paschali in claustro Romani Monasterii. Herleitung des Mönchtums 1,3 p. 685 monasticus ordo . . . quem a b. Helia et Joanne Baptista novimus processisse. Erwähnung Alchvines 1, 8 p. 687 secntus Alcuinum maioris Caroli im- peratoris magistrum. . .. Ille summi . . . Martini vitam a Severo Sulpitio altissimo stilo de- scriptam dictis plenioribus elucidatam ad nostram . . . destinavit notitiam . . . Dixit ille ut- pote magnus magna de magno,'dicam ego parvus parva de magno. .Erwähnung seiner Vorlage 1, 8 p. 686 de cuius ortu vita et moribus, miraculis maiorum nostrorum dieta praeclaro famine prolata sufficiant. Uli vero . . . clarissimos eins actus et merita , . . magnifice de- scripserunt. Ego vero . ■ . non alia sed ea quae ipsi praefati sunt stilo paupere ac brevissimis dictionibus capitulatim quoquo modo ausus sum adnotare. Und 2,10 p. 688 Quanta per eutn dominus .. . ostendere dignatus est miracida, testaniur volumina a doctissimis viris ordinata sensu catholico calamo conscripta rhetorico et in quibusdam locis metro variata dactylico. Zum Abschluß der Schrift vgl. 3, 14 p. 689 Cum enim huic sententiae vettern finem imponiere . . . venit in mentem memorabile quoddam presagium, quod in genitore illius quorumdam fidelium relatione audiverum gestum. Hier wird 3, 14 die Vita s. Hieronymi erwähnt, die p. 690 n. a als zum hl. Gerasimus gehörig bezeichnet wird. Die mystische Auslegung 3,17 p. 690 beginnt mit den Worten Si quis haec prudenter intelligi voluerit, aliquid spiritah inde conicere poterit. Zu Nalgod vgl. oben. Er sagt in der Vorrede (Acta SS. Mai 2,658) Vitam beatissimi patris Maioli confusd dlffusione dispersam potius quam digestam ut sim- plici brevitate colligerem et expedirem fratrum studiosa Caritas imperavit . . . et propositis auctoribus qui de illo scripserunt, sicut ex eorum tractatibus deprehendere potero, sensum veritatis eorum meo loquendi genere palliabo; nee opus erit compendia virtutum eins rhetoricis coloribus investire . . . Ipsa per se sobria nuditas gestorum eins habet plurimum elarilatis. W. Schultze, Forsch, z. deutsch. Gesch. 24,158 ff. weist sicher richtig nach, dafs Nalgod nur als Ueberarbeiter des Syrus zu betrachten ist, daß ihm also jede Selbständigkeit abgeht. Daß Schultze aber S. 162 diesen Nalgod vom Verfasser der Odobiographie trennt, hat schon E. Sackur, Neues Archiv 12,505 n. 1 mit Recht verworfen,') wie er auch Schultzes Ansicht nicht gelten läßt, daß dem Odilo Syrus und Nalgod vorgelegen hätten und daß er ;in ihnen Kritik geübt habe. Ueberlieferung. Die Schriften des Syrus und Aldebald finden sich im Paris. 5031 s. XI, 1254 s. XII, Montpellier 68 s. XI, Troyes 26; Ausgabe bei Mabillon, Acta SS. 7, 764—787 und in den Acta SS. Mai 2, 668 —684. Die Schrift Odilos findet sich im" Oxon. Bodl.2690 s XI; Paris. 5611 s. XI: Paris. St. Martin 109 s.XI; Ausgabe Acta SS. Mai 2, 684—690. Die Arbeit Nalgods in Acta SS. Mai 2,658—668. Zu allen vier Schriften vgl. W. Schultze, Forsch, z. deutsch. Gesch. 24,155 — 170 und E. Sackur, Neues Archiv 12,505—516. Wattenbach 1,473 f. Wir können hier eine weitere Arbeit Odilos anschließen, die kurz nach 999 entstand, nämlich das Epitaphium Adalheidae. Kurz nach dem Tode der Kaiserin Adelheid, mit der ihn in ihren letzten Lebensjahren Freundschaft verband, entschloß sich Odilo der Fürstin ein Denkmal zu setzen, wie es der hl. Hieronymus im Epitaphium de Blaesilla et Nepotiano 2 ) getan habe: er zeichnete ihr seliges Leben und ihre guten Taten auf, um, wie er selbst sagt, eine Anregung zur Abfassung eines Lebens der Kaiserin zu geben. Die Schrift enthält zunächst in Kap. 1—8 die wichtigsten Lebens- schicksale der Fürstin, dann Kap. 9—] 2 ihre frommen Werke und Kap. 13—23 eine ziemlich breite Darstellung ihres letzten Lebensjahres, während dessen Odilo wohl stets in ihrer Nähe geweilt hatte. Er widmete die Schrift dem Abt Andreas und dessen Kloster zu Pavia, sandte sie aber wahrscheinlich auch an die ebenfalls von Adelheid begründeten Klöster Peterlingen und Seltz; denn die Überlieferung des Werkes ist in drei Rezensionen erhalten, die auf jene drei Klöster zurückgehen, und die Mönche in Seltz kannten das Epitaphium, da sie ihm wohl im Jahre 1056 3 ) ein zweites Buch, die ') Man vgl. hierzu die hier wie oben unter Odo abgedruckten Worte aus beiden Vorreden und man wird sich sofort überzeugen, daß beide demselben Autor zugehören. 2 ) Jotsald lehnt sich in seinem Prolog von Odilos Leben hier an (Mabillon, Acta SS. 8, 587) quemadtnodum Hieronymus de Blaesilla et Nepotiano epitaphium ... volui de morte . ■ ■ eius inscribere. 3 ) Vgl. MG. SS. 4, 634 n. 7. Zur Kenntnis Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 141 Miracula s. Adelheidis angehängt haben. Odilo entschuldigt sich im Eingange der Schrift, daß er sie übernommen habe, trotzdem zu ihrer Abfassung ein Cicero oder Hieronymus gehöre. 1 ) Von besonderem Interesse sind in Kap. 6—8 die Zerwürfnisse Adelheids mit ihrem Sohne Otto und mit ihrer Schwiegertochter Theophano, die unserm Autor manchen Seufzer auspressen; von Wichtigkeit auch in den folgenden Abschnitten die Kloster- gründungen der Kaiserin und ihre Wohltaten gegen Klöster. Gänzlich mißglückt aber ist in Kap. 23 der Versuch, Wunder von ihrem Grabe zu berichten, denn hier fehlt alles Individuelle, vielmehr ist das übliche Krankheitenschema, das für solche Zwecke zu dienen hatte, untergelegt worden, und man sieht daraus, daß Odilo in Wahrheit über diese Umstände nichts Wirkliches zu sagen hatte. In Kap. 2 findet sich eine rhythmische Einlage von fünf Verspaaren nach der Unterlage des jambischen Dimeters, wo je zwei Verse am Ende gereimt sind. Das Gedicht beschäftigt sich mit dem Ruhme der Kaiserin. Zeugnisse. Widmung und Zweck der Schrift (MG. SS. 4, 637) Domino Andreae venerando abbat! cunctisque fratribus . . . in suburbio Ticinensis urbis domino et salvatori nostro devote famulantibus frater Odilo Cluniensium pauperum cunctorum peripsima . . . Epitaphium . . . Adelheidae . . . descriptum stilo paüpere vestrae fraternitati curavi trans- mittere, rectum fore iudicans ut apud vos eius continua recolatur memoria, cuius industria atque prudentia vestri monasterii fundamentis excreverunt aedificia. . . ■ Non enim ad hoc tarn grandem materiem . . . perstrinximus . . . sed ut aliquis inde vir adeo eruditus occasionem scribendi suscipiat. Der Stil der Schrift ist paränetisch und zeigt wenig Besonderheiten. Der Versuch zum Wunderbericht am Schluß c. 23 Ad sepulchrum eius caeci amissa oculorum lumina recipiunt, parcditici valitudinem corporum. Febricitantes sanantur ibi. Ex diversis infirmitatibus multi reparantur inftrmi. Ueberlieferung: aus Pavia Oxon. Bodl. 2690 s. XI, Bruxell. 7460 s. XIII, Duac. 792 s. XIII; aus Peterlingen Paris, nonv. acq.854 s. XI, Wirceb. theol. fol. 34 s. XI; aus Seltz Bruxell. 8976 und 8977. Ausgabe von Pertz, MG. SS. 4, 633—645. Vgl. besonders Sackur, Die Cluniacenser 2, 341 f. Wattenbach 1,474 und die Einleitung zur Ausgabe von Pertz. Außerdem haben sich mehrere Briefe Odilos erhalten, die er mit Fulbert von Chartres wechselte. Dazu besitzen wir mehrere seiner Predigten, in denen sein Hang zu mystischer Deutung sowie zu rhetorischer Behandlung neben dem formalen Element der Reimprosa kräftig hervortritt. Auch hier macht sich Kenntnis der Bibel wie der Kirchenväter geltend, während wie bei allen Mönchen der Kongregation von Cluni die antike Literatur gänzlich zurücktritt. Die Briefe sind nur zufällig erhalten, da man in Cluni keine Briefsammlung der Aebte angelegt zu haben scheint; allerdings besaß man saec. XII in Cluni mehrere Briefe Odilos und einige seiner Predigten, vgl. Delisle, Le cabinet des mscr. 2,469,306 Volumen.in quo continentur alique epistole b. Odilonis et quidam sermoncs ipsius de certis festivitatibus. Ausgabe bei Migne 142,939—944, vgl. Chr. Pfister, De Fulberti Carnot. episcopi vita et operibus p. 53 und Ringholz, Der hl. Odilo (Regensb. 1885) p. XXXV adn., sowie Sackur, . Neues Archiv 24,728—735, wo ein Brief Odilos an Heinrich III. aus dem Jahre 1046 aus Vatic. 8563 f. 138 b s. XI abgedruckt ist, der zu den wichtigsten kirchenpolitischen Dokumenten der Zeit gehört. Die Predigten finden sich im Oxon. Bodl. 2690 s. XI und sind gedruckt von Marder, Bibl. Cluniacensis col. 371—408. Eine kurze Medicina spiritualis contra tempta- tionem concupiscentiae carnalis an den Patriarchen von Aquileja gab heraus G. Moiin, Revue Benödictine 16,477 f. Exzerpte aus dem Augustinkommentar zu «den Paulusbriefen im Bamberg. B. 1.8, vgl. Leitschuh, Katalog der Bamb. Hss. 1,1,106 und Ringholz a. a. O. S. XLVI—XLVIII (kaum von Odilo). der Schrift bei Lupoid von Bebenburg vgl. daselbst n. 8. Die Miracula stehen MG. SS. 4, 645—649. ') Also ähnlich wie Sulpicius Severus in der Vita Martini 26, 3. 142 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, III. Die Vitae Odilonis. 1. Jotsald von Cluni. Jotsald, Mönch in CJuni, war Schüler Odilos gewesen und muß diesem später sehr nahe getreten sein, denn er begleitete seinen Lehrer 1046 nach Rom, wo sich Odilo längere Zeit aufhielt und in der Weihnachtszeit die Wahl von Clemens II. unterstützte, also in der Kirchenpolitik durchaus auf die Seite des deutschen Königs trat. Hier befand sich Jotsald in enger Gemeinschaft mit Odilo und er reiste dann auch im Mai oder Juni 1047 mit seinem Abte nach Cluni zurück, der am 1. Januar 1049 starb. Der Tod Odilos veranlagte Jotsald zu mehreren Dichtungen. Zuerst schrieb er ein längeres Gedicht in rhythmischen trochäischen Achtsilbern auf den verstorbenen Abt, das er an den Prior Almannus und den Mönch Andreas richtete. Ferner dichtete er elf epanaleptische Distichen auf den zu Cluni gehörigen Ort Souvigny, in dessen Kirche Majolus und Odilo ihr Grab gefunden hatten, und zwar mit Benutzung des ersten Hymnus des Sedulius, dessen letztes Distichon hier mit leichter Veränderung als Vs. 21 f. erscheint. 1 ) Dann verfaßte er ein Epitaph auf Odilos Grab mit Anspielung auf die Geburt und den Tod des Mannes. Endlich schrieb er ein größeres Klagegedicht, einen Planctus, auf Odilo, an dessen Schluß er sich an den Prior Almannus und an zwei andere Mönche von- Cluni wendet. Auch mit Odilos Nachfolger Hugo trat Jotsald in ein näheres Verhältnis, denn er begleitete den Abt im Jahre 1051 nach Ungarn, als Hugo im Auftrage des Papstes Leo IX. den Frieden zwischen dem Kaiser und den Ungarn vermitteln sollte. Bald darauf verfaßte Jotsald eine Biographie seines alten Lehrers Odilo, die er dessen Neffen, dem Bischof Stephan von Clermont, widmete und zu der er mannigfache Kunde von den am meisten mit Odilo vertrauten Männern einziehen konnte. Dies Leben Odilos zeugt von dem geringen Verständnis, das man in Cluni historischen Dingen entgegenbrachte, denn es ist eigentlich nur ein großer Lobspruch auf die Heiligkeit des Mannes. Und wenig später entbrannte der Kampf gegen die Häresien des Berengar von Tours, an dem sich Jotsald insofern beteiligte, als er eine Schrift gegen diesen Ketzer verfaßte. Von seiner weiteren literarischen Tätigkeit ist nur noch bekannt, daß er ein Werk schrieb, das in dem alten Katalog von Cluni Laus de sanctis patribus genannt wird. Zeugnisse. Schüler Odilos vgl. den Prolog zu dessen Leben bei Mabillon, Acta SS. 8,597 ed. Veneta) ego quantittuscutnque homuncio nutrüüs magni Odilonis magisterio informatusque beneficio. Begleiter in Rom vgl. das aus Paris. 18304 s. XI von Sackur (Neues Archiv 15,119 ff.) herausgegebene Stück p. 119 consistens in b. Petri qcdesia nobis ex abdito prospicientibus und p. 120 Ex nobis alii iam praecesserant, alii subsequebantur und p. 121 nobisque mirantibus; das ganze Stück beruht auf Autopsie, wie auch die p. 121 geschilderte Rückreise. Begleiter auf der Reise nach Ungarn Vita 2,12 (Mabillon 8, 614) Cum in Pannonia simul cum domno abbate Hugone essem. Dichtungen. Der Rhythmus besteht aus 28 Strophen aus je vier paarweise gereimten Achtsilbern. Es handelt sich um ein Klagegedicht — 1, 3 Cogor «planctum describere ■—, in dem zuerst die Brüder zur Trauer aufgefordert werden und dann die Teilnahme der Elemente bei der allgemeinen Trauer in der Weise dargestellt wird, die die Evangelien von : ) Neues Archiv 15,123 Gloria magna patri maneat genitoque tonanti, Sit laus spiritui, gloria magna patri. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. Christi Tode berichten. Jotsald geht dann auf die persönlichen Eigenschaften des Toten ein, der von den Großen dieser Welt aufs höchste geehrt wurde und der alle in gleicher Weise liebte; besser sei es, meint der Dichter, mit ihm zu sterben, als weiterzuleben. Und wenn es 24, 1 f. heißt: „Deine Seele hat unsern Gruß empfangen und deine sterbliche Hülle übergeben wir der Erde", 1 ) so dürfte daraus hervorgehen, daß dies hymnenartige Gedicht wohl für den Begräbnistag des Abtes bestimmt war und an diesem vorgetragen worden ist. Es schließt mit der Bitte an den im Himmel anwesenden Heiligen, der Seinen eingedenk zu sein, und mit der Bitte an Christus, den Totenrichter, jenem die Siegespalme zu verleihen. Das größere Gedicht betitelt sich, falls die Aufschrift Marriers richtig ist, Planctus de transitu domni Odilonis. Sein Anfang berührt sich mit dem des vorhergehenden, indem die Elemente zur Trauer aufgefordert werden. Doch ist die Anlage wesentlich verschieden, da man es hier mit einer Art Ekloge zu tun hat. Denn nachdem der Dichter jene Aufforderung getan und manches zum Preise und Ruhme des Toten gesprochen hat, erklärt die Vernunft (Ratio), daß alles sterben müsse und dem Untergang geweiht sei. 2 ) Doch der Dichter tröstet sich 30ff. mit dem Gedanken, daß üdilo überhaupt unsterblich sei, da er mit Christus und Maria lebe. Auf die Bemerkung, daß Abt Wilhelm von Dijon an demselben Tage gestorben sei, der mit Odilo unter Majolus Mönch war, beginnt dann die Gleichsetzung Odilos mit dem Geliebten im Hohenliede und 57 ff. schildert der Dichter die glänzende Aufnahme des Verstorbenen im Himmel und die Folgen dieser Aufnahme für ihn. Dann vergleicht er Odilo 75 ff. mit einem festen Turm, den der Feind nicht einnehmen kann. Odilo wird nun von der Kirche gesucht und gefunden, es wird ihm ein Mahl angeboten, das sich dem ferculum Salomonis vergleicht (Cant. 3, 9), und der Heilige erhebt dabei seine Stimme zum Gesänge und verkündet, daß er nun die ersehnte Ruhe im Schatten Christi gefunden habe. Daher bittet der Dichter Vs. 94 die Töchter Jerusalems, den Schlafenden nicht aufzuwecken. Aber Odilo wacht 98 ff. bei der großen Auferstehung 3 ) von selbst auf und kommt heran, umgeben von einer Menge von Heiligen. Der Dichter beschließt sein Werk mit einem Gebet 114ff. an alle Fürbitter, sich für Odilo zu verwenden. Aber er hängt dem Gedichte einen Epilog an. Hier wendet er sich an seinen einstigen Lehrer und Freund*) und preist sein Walten und seinen segensreichen Einfluß auf ihn; dann nimmt er Abschied von ihm und bittet ihn, seiner wie dreier anderer Schüler eingedenk zu sein, nämlich des Almannus, des Andreas und des Bernhard. Almannus aber ist uns schon bekannt als Adressat von Odilos Vita Maioli und außerdem durch seine Erwähnung neben Andreas im Rhythmus Jotsalds. Das Gedicht ist lebendig geschrieben ') Neues Archiv 15,125 N. 24 lam animam salutamus, Corpus terre commenclamus, Re- sumpturum (so lese ich statt resumpturam) mox spiritum, cum venu iudicium. 2 ) Vs. 25 (Marrier, Bibliotheca Clunia- censis 329) Tendit ad occasum quicquid lucis capit ortum ist ähnlich dem von Julianus Toletanus in Nahum (Migne 96,750) zitierten Verse Omne quod est gentium tendit ad in- teritum. Vs. 22 Musa mihi causas memora aus Verg. Aen.1,8. 3 ) 100 cum venerit arbiter orbis klingt an Sedul. P. C. 4,165 f. an. 4 ) Vs. 119 Qui tibi praecipui nodis cin- gebar amoris. 144 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und macht stellenweise einen dramatischen Eindruck. Man darf freilich nicht vergessen, daß es zur Hälfte in enger Anlehnung an das Hohelied verfaßt worden ist. Jedenfalls war die Bibel imstande, die Dichtkunst immer wieder auf das lebhafteste zu befruchten und ihr neuen Geist einzuhauchen. Die eklogenartigen Gedichte des früheren Mittelalters aber haben ohne Zweifel einen gewissen dramatischen Sinn und Gehalt angestrebt und haben vielleicht zur Ausbildung des Dramas beigetragen. Eingang des Rhythmus (Neues Archiv 15,123) Ad te namque, mi dilecte, Nunc, Ahnanne clarissime, Cogor planctum describere, Qui te pungat assidue. Te Andream con- saluto, Et hoc Carmen vobis mttto, Qnos agnovi pre omnibus His mulceri doloribus. Teilnahme der Elemente ] ) 5 ; 1 Solls splendor obscuratur, Lune pallor variatur, Astrorüm fragor murmurat Et cell cardo tltubat. Terra mare commocentur, vgl. Matth.27, 45. 51 f. (Seoul. P. C. 5, 232 ff.); 9,3 ist Eranescit statt Eva nescit zu schreiben. Erste Ausgabe aus Paris. 18304 s. XI von Sackur, Neues Archiv 15,123—126. Daselbst p. 122 f. das Gedichte ■villam Silviniacam und p. 123 das Epitaphium ad sepulcrum dömni Odilonis, wo Vs. 5 f. von seiner Abstammung und 11 f. von seinem Todesdatum gesprochen wird. Aufforderung im Planctus (Marrier, Bibl. Cluniacensis 329—333) 7 Nunc terras pelagus montes silvasque ciebo. Vor 21 steht Ratio ad haec respondens ait. Der persönliche Schluß lautet 128 Et ne multiplices causer producere versus, Odilo, iam valeas, Iotsaldi iam memor esto Almannique tui in votis semper adesto, Andream socium vitc mortisque fidelem Commenda domino, Bernardi necne memento, Nutritosque simul cunctos sotita pietate Consocia celo refovebas quos miserando. Die letzten vier Verse allein im Paris. 18304 s. XI f. 1241) (Neues Archiv 15,122). sie fehlen in der Ausgabe von Marrier, Bibliotheca Cluniacensis 329—332(=Mignel42,1043ff.). Zu beiden Gedichten vgl. Sackur, Die Cluniacenser 2,342 f. Leben Odilos. Nachdem Jotsald mit Hugo in Ungarn gewesen war, verfaßte er ein Leben Odilos, das er wohl nach dessen Vorgange 2 ) Epitaphium genannt wissen wollte; freilich schränkt er im Vorwort zum 2. Buche diese Benennung auf das 1. Buch ein. Er widmete das Werk dem Bischof Stephan von Clermont, weil dieser Odilos Neffe war und von ihm die Priesterweihe erhalten hatte, und er bezeichnet sich selbst in der Widmung als dessen Schüler. Nach einer rührenden Totenklage, deren Anfang der öfters hierzugenommene Vers Jerem. 9, 1 ist, bezeichnet er als Disposition für Buch 1 den Bericht über die Abstammung des Heiligen, das schrittweise gehaltene Vorgehen zu seinen Tugenden und endlich den Tod. So erhalten wir zunächst Kenntnis vom Eintritt in den geistlichen Stand, von der Erwählung durch Majolus, vom Eintritt ins Kloster Cluni, vom Tod des Majolus und von der Wahl zum Abte. Aber das alles wird unter sehr häufigem Gebrauch von Ausrufen, 3 ) unter Aufwendung eines unmäßigen Wortschwalls und einer Menge von Bibelworten und mit ausgesucht bildlicher Ausdrucksweise vorgetragen, so daß die eigentlichen Lebensdaten fast erdrückt werden. Dann wird die Persönlichkeit geschildert und mit Kap. 6 beginnt die Subsumierung der einzelnen Tugenden des Mannes unter die vier Kardinaltugenden, die genau erläutert und dann von Kap. 6 bis 13 in Beziehung zu Odilo gesetzt werden. Dabei werden manche Züge von allgemeinerem Interesse erwähnt, wie in Kap. 13 der Ausspruch des Heiligen, daß er Cluni aus Holz empfangen habe und es aus Marmor hinterlasse, der auf das 1 ) Das Gedicht ist anonym überliefert, j 3 ) Als Vorbild dienten hier die Schriften Diese Aehnlichkeit mit dem Planctus dürfte j des Sulpicius Severus über den hl. Martin, für Jotsalds Autorschaft sprechen. die dem Jotsald nach 2, 1 p. 609 bekannt 2 ) Nämlich nach dem Epitaphium Adal- waren, heidis. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 145 bekannte Wort des Augustus zurückgeführt wird. 1 ) Am Schluß des Buches wird von seinen Kloster- und Kirchengründungen, von seinem letzten Aufenthalt in Rom und von seinem Tode erzählt, woran sich eine Totenklage und mehrere Visionen anschließen; einige Verse auf den Heiligen beenden das erste Buch. Mit dem zweiten Buche beginnen die Wunder und zwar schon aus der Knabenzeit; sie haben für uns bei weitem nicht das Interesse, wie der frühere Teil, aber sie gewinnen deswegen an Wichtigkeit, weil sich Jotsald hier mehrfach über seine Quellen ausspricht. Zunächst erzählt er 2, 1, daß er nicht alles selbst gesehen habe, was er schreiben werde, sondern daß er sich auf das Zeugnis des Propstes Petrus von Pavia und des Abtes Syrus 2 ) verlasse, das er auf seine Bitten von dem überaus schlichten Mönche Boso schriftlich erhalten habe. Und bei Gelegenheit der Reise nach Ungarn erfahren wir von einem andern Zeugen, dem Bischof Richard von Verdun, von dem Jotsald Züge aus dem Leben des Heiligen erfragte. Auch von anderen Seiten wird Jotsald bei seiner bedeutenden Stellung im Kloster Nachrichten haben erhalten können, und so ist denn auch die Erzählung der Wunder ausgedehnt und mannigfaltig. Manche von diesen Berichten haben auch ein sachliches Interesse, da Jotsald öfters ausführlich auf Örtlichkeit und beteiligte Personen eingeht und die Nebenumstände eingehend darstellt; insofern kann man ihnen eine gewisse kulturgeschichtliche Wichtigkeit 3 ) nicht absprechen. Im dritten Buch gibt nun Jotsald Bericht über die Wunder, die sich nach Odilos Tode an seinem Grabe zugetragen hatten und zwar, wie er im kurzen Prolog sagt, nach dem Bericht glaubwürdiger Zeugen. Hier ist die frühere Breite völlig ausgeschaltet und Jotsald begnügt sich mit kurzem Referat über die angeblichen Tatsachen. Eine Biographie ist das Werk also nicht, das Tugendprinzip und der Legendenstil überwuchern zu sehr. Aber es ist doch insofern ein wichtiges Denkmal, als es deutlich aufzeigt, wie stark auch bei den Cluniacensern um die Mitte des 11. Jahrhunderts das Bedürfnis nach Wundererzählungen geworden war. Widmung. (Mabillon, Acta SS. 8, 597) Reverendissimo patri Stephano . . . ultinms servus servorum dei nomine tantum monachus lotsaldus und später Quod opus tibi sancte praesul ideo mittere disposui quia te nepotem ipsius et per illum ad sacerdotii gloriam ac- cersitum novi. Aufgabe — teilweise mit Odilos Worten im Prolog zum Epitaphium Adel- heidis — Ad horutri 1 ) formam ego quantilluscumque homuncio nutritus magni Odilonis magisterio informatusque beneficio, quemadmodnm Hieronymus de Blaesilla et Nepotiano, epitaphium quoddam volui de morte virtutibtisque eius inscribere; damit ist aber nur das 1. Buch gemeint, vgl. 1,17 p. 607 Epitaphium iam terminetur und den Prolog zum 2. Buch p. 607 In superiore libro vel potius denominato epitaphio. Disposition p. 597 Sed primo de carnis eius nobilitate, quae in titulis sanctorum virorum pro additamento laudis ponitur, et. postmodo sensim per vestigia virtutüm eius incedentes quasi quibusdam gradibus ad iteratos htgubres luctus funeris veniamus. Zur Ausdrucksweise vgl. die Worte über den Tod des Majolus 1, 4 p. 599 s. Maiolus post multos pro Christo desudatos labores de tenebris Aegypti ') Suet. Aug. 28 .(ed. Roth p. 50). 2 ) Da nach Majolus Tod fast 60 Jahre vergangen waren, so ist es docn zeitlich ausgeschlossen, daß dieser Syrus der Verfasser der Majolusbiographie gewesen ist, wie Sackur 2, 343 es für möglich hält. 3 ) Literarisch ist zu erwähnen, daß die Verse von Odilos Ansprache in Peterlingen 2, 7 p. 612 aus Versen und Versteilen von Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. Verg. Aen. 1,198 — 207 zusammengesetzt sind. 1,8 p 601 wird ein Distichon aus dem Epitaph des Papstes Sabinian angeführt. 4 ) Die vorhergehenden Worte Aniiquorum philosophorum studia scriptis et monumentis extulerunt priorum suorum laudes et memo- rias etc. folgen in ihren Gedanken dem Se- dulius P.C. 1,17—26. II. 10 146 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. egredttiir transitoque maris periciilo Jerusalem ingreditui; atque in aeterno pace a Christo collocatur. Die Verse stehen am Schluß von 1,17 p. 607. Zu den Quellen der Wunder 2,1 p. 608 Verum plurima, quae in prima fronte dicturus sunt, ipse'non vidi, sed duobus monachis eins Petro videlicet monasterii s. Maioli, quod apud Papiam est, praeposito . .. et Syro cuiusdam monasterii abbate per adnotationem fratris Bosonis, mirae simplicitatis et innocentiae monachi, sicut rogaveram dum hoc opus ineiperem referentibus agnovi. Fuerunt enim praedicti fratres probabiles viri, patris Odilonis admodum familiarissimi . . . et itineris vel laboris per multa tempora socii und 2, 12 p. 614 Cum in Pannonia simul cum domno abbate Hugone essem, quadam die cum . . . Richardo episcopo patris Odilonis nutrito et mon'acho, coepi de vir- tutibus eiusdem patris conlocutionem habere, et ego illum, siqua nosset, ut mihi panderet sollicitus eram inquirere. 1 ) So heifit es 2, 14 Retulit mihi etiam domnus Richardus epi- scopus> quamdam visionem quam et ego quondam audieram sed tunc animo minime retinebam. Wichtigere Kapitel sind z. B. 6. 8. 14 und besonders das von Sackur herausgegebene (Neues Archiv 15.119 ff.). Zu den Quellen für das 3. Buch vgl. den Prolog p. 621 nunc de his quae post mortem per illum dominus operatur sicut veracium testium afftrmatione comperimus ... loquamur. Die Ueberlieferung scheint zwei Fassungen zu besitzen, die erste wird durch Paris. 5296 c und 2627 repräsentiert, die zweite und vollständigere durch Paris. 13769 und 18304 s. XI; wo Paris. 13769 abbricht, enthält die andre Hs. zwei Kapitel mehr, die erst Sackur, Neues Archiv 15,118—121 herausgab. Ausgaben von Mabillon, Acta SS. ord. s. Bened. 8,597 — 623 (ed. Veneta) = Migne 142, 897—940; unvollständig Acta SS. Jan. 1,65; Fragmente von Waitz, MG. SS. 15, 813—820. Zu Jotsald vgl. Sackur, Die Cluniacenser 2, 342 ff. und Neues Archiv 15, 117—126. 2. Petrus Damiani. Der Kardinalbischof Petrus Damiani von Ostia, über dessen Leben und Schriften in anderm Zusammenhange zu handeln ist, machte im Jahre 1063 eine Reise nach Cluni und bei dieser Gelegenheit mag ihn Abt Hugo aufgefordert haben, Jotsalds Leben Odilos umzuarbeiten und in eine kürzere Form zu bringen. Wie er sich seiner Aufgabe entledigt hat, ist für den der Reform unbedingt ergebenen Mann höchst charakteristisch. Er hat nämlich an den Anfang einige ganz dürftige Mitteilungen über das Leben des Heiligen gestellt, und die ganze übrige Schrift besteht nur aus Wundern. Im allgemeinen hat er sich in deren Reihenfolge an Jotsald angeschlossen und weicht nur selten in dieser Beziehung von seiner Quelle ab, die er meist verkürzt, zuweilen aber durch nichtssagende und wohl aus freier Hand erfundene Erweiterungen bereichert. 2 ) Selbständig scheint nur eine Erzählung zu sein, die er von Abt Eidrad von Breme — dorthin war das Kloster Novalese verlegt worden — erhalten hatte, daß nämlich Odilo kurz vor seinem Tode seinem früheren Schüler Eidrad aufgetragen hatte, mit Hilfe des Rechentischs die Zahl der von ihm in 56 Jahren zelebrierten Messen auszurechnen. 8 ) So sieht man auch hier nur ein Fortschreiten des legendarischen Moments auf Kosten der eigentlichen Biographie. Zeugnisse. Die Widmung geschieht an alle Kleriker Galliens (Marrier, Bibl. Clun. 317) Petrus Damiani sanetis ecclesiis quae sunt in oeeidentis Galliarum partibus constitutae salutem. Ueber die Reise des Petrus 1063 vgl. den von einem Begleiter aufgesetzten Bericht bei A. Mai, Nova Collectio 6, 2, 193—210. Aufforderung im Prolog Bibl. Clun. 317 Hugo Cluniacensis monasterii rector . . . hoc mihi laboris iniunxit, ut vitam b. Odilonis decessoris videlicet sui proprio stilo succinete perstringerem et ex his que in anterioribus paginis latius reperiebantur esse diffusa meliora quaeque magisque necessaria 4 ) brevi compendio deflorarem. Cuius ego compulsus imperio non luculenti venustate oecupabor eloquii K sed sicut ex oblatis apieibus deprehendere potero, . . . merae veritati deservire tentabo. Bezeichnend ist seine Auf- ') Als gewisser Zeuge wird auch der Graf Siebod von Alby erwähnt, von dem es 2,19 p. 618 heißt suaeque liberationis causam . . . per internuntium viro dei apud Silvigiacum, quo tarn pervenerat innotescit. Ferner wird der Mönch Adrald als Zeuge genannt 2, 23 p. 620 (veracem fidelemque quae hoc narrat personam). 2 ) Vgl. Kap. 7 mit Jotsald 2,4. 3 ) Kap. 2 (Marrier, Bibl. Clun. 317). 4 ) Darunter versteht er also die Wunder; das übrige hat für ihn kein Interesse. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 147 fassung der Wunder Odilos in den hierauf folgenden Worten Ego quoque dum actus mira- bilis viri tarn quam sereni cuiusdam atque perlucidi caeli Stellas ostendo, facetiis wbanae facundiae non indigeo. Schließlich hält er die Schlichtheit der Sprache für einen Beweis der Wahrheit des Inhalts Huc accedit quia rusticitas sermonls inculti suspicionem consuevit ■purgare mendacii. Die Geschichte von Eidrad heißt c.2 p. 317 Porro autem Adraldus abbas Bremetensis monasterii . . . qui discipulus eius extiterat, nobis aliquando retidit, quia vir dei dum . . . languore decumberel, Uli praeceplt, ut ex calcularis abaci supputatione colligeret, quae posset esse summa missarum, quas celebravit per spatium EVI annorum, quibus morta- sterium rexit. — Ueberlieferung: Oxon. Bodlei. 2690 s. XI; Paris. 5290 s. XII, 5351 s. XIII; Cantabr. Corp. Christi Coli. 328. Ausgaben Marrier, Bibliotheca Cluniacensis 317 ff. Acta SS. Jan. 1,71—77. Migne 144,925-944. Kurz zu erwähnen wäre hier noch der Brief der Mönche von Souvigny an einen Abt 1 ) über den Tod Odilos. Der Brief ist jedenfalls sehr bald nach dem Tode des Abtes verfaßt worden und zwar hatten ihn jene Mönche auf Bitten des betreffenden Abtes geschrieben, der die näheren Umstände beim Tode Odilos gern erfahren wollte. Er enthält freilich fast nur solche Angaben, die sieh auch bei Jotsald vorfinden, und schildert den Tod und das Begräbnis des Heiligen, woran sich mehrere Wunder anschließen. Zuletzt wird in einer Nachschrift von der Wahl Hugos und von seiner Beliebtheit kurz berichtet. Widmung und Aufforderung (Mabillon, Acta SS. 8,591, ed. Veneta) Totius nobili- tatis . . ■ luve corusco . . . domno AI. abbat! abbatum humilis concio Silviniensis . . . Quia . . . comperimus vos admodum velle scire, quot dies . . . abbas Odilo languerit iacendo in ultima infirmitate quidve appropinquante hora vocationis suae fecerit vel dixerit, necnon quid benigna dei pietas poslquam excessit ad superos, demonstravit ad tumulum eius, studuimus vöbis breviter cuncta innotescere. Schluß liaec de miraadis patris nostri breviter vobis explicavimus. Dicuntur etiam praeter ea multa, quae ideo non creduntur, quia a contem- tilibus personis referuntur. Valete. Die Nachschrift beginnt (p. 593) De electione vero claris- simi patris nostri domni Hugonis abbatis . . . si cupitis nosse, sciatis illum secundum alini patris Benedicti imperium electum esse. Ausgabe (nach einer Hs. Vatic. reg. und einer Hs. von St. Maur-des-Fosses), von Mabillon, Acta SS. 8,591 —593 (ed. Veneta). IV. Die Lebensbeschreibungen Hugos. Die älteste Vita Hugonis scheint von dem aus Lüttich nach Cluni um 1090 übersiedelnden Magister Hezelo verfaßt worden zu sein, den Hildebert von Le Mans in seiner Vita Hugonis im Prologe wie 6, 42 neben Gilo als Vorgänger nennt. 2 ) Da nun Hildeberts Werk fast ganz als rednerisch ausgeschmückter Auszug aus Gilo erscheint, so muß man danach annehmen, daß Ezelos Werk von Gilo in ähnlicher Weise behandelt worden ist, wie dies Hildebert mit dem Gilos getan hat. Hezelo wird vom Abte Petrus von Cluni in einem Briefe (3, 2) an Bischof Albero von Lüttich 3 ) wegen seines Wissens und seiner Redegewandtheit sehr gerühmt und wird auch erwähnt in einem Schreiben der Lütticher Kanoniker an die Utrechter Kirche. 4 ) Unmittelbar hat sich von Ezelos Werk nichts erhalten, denn die von Smith, Engl. hist. Review 27, 99 ff. gedruckten Stücke haben damit nichts zu tun, aber nach Hildeberts Äußerung hat es wohl sicher die Quelle für Gilos Bericht gebildet. Daß es schon vor der Kanonisation des Abtes (6. Jan. 1120) geschriebene *) domno AI. abbati abbatum heißt es in der einen Hs.; Mabillon (Acta SS. 8, 591) hält ihn für den Abt Albert von Marmoutier. 2 ) Migne 159,859B ampliorislitteraturae viros, Ezelonem loquor atque Gilonem, und 887 A quod ante nos de eis Ezelo atque Gilo ... i'igilantius scripsisse traduntur. 3 ) Marrier, Bibl. Clun. 795 Hezelonem... canonicos magnosque suis temporibus magi- stros . . . Quorum primus singulari scientia et praedicabili lingua . . . audientium mores instruxit. 4 ) Jaf fe,Bibl. rer. Germ.5,377,4 magister Hezelinus . . . regulam s. Benedicti (sc. as- sumpsit). — Vgl. auch Molinier, Les Obi- tuaires Francais p. 291. 10* 148 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Berichte über sein Leben gab, beweist der Brief des Mönches Hugo von Cluni an Abt Pontius, worin vom Aufenthalt des Papstes Calixtus IL in Cluni und von dessen Gesprächen über Hugo die Rede ist und bemerkt wird, daß der Papst keineswegs ausführlich geschriebene Stücke von allerhand Verfassern gelten ließ, sondern seine Kunde von Personen einzog, die im Kapitel des Klosters sich über die Wunder ausließen. Der Brief Hugos steht Bibl. Cluniac. 559E = Migne 159, 917 ff., wo es 919C heißt Qui (sc. Calixtus) dum inter caetera saepius ageret de vita et miraculis b. Hugonis, non quorum- libet cartulas super his profusius exaratas attendit, sed personas authenticas in medio Cluniacensis capituli praesentatas de sancto quae viderant et audierant, validius attestatas gratanter accepit. Erwähnt sei hier, daß vom Abte Hugo sich mehrere Briefe erhalten haben, und zwar an die Könige Philipp von Prankreich und Wilhelm I. von England, an Papst Urban IL, an den Erzbischof Anselm von Canterbury und an Abt Hunald von Moissac. Auch sonst sind einige kleinere Schriften erhalten, die von Hugo stammen und erziehlichen und erbaulichen Zwecken dienen, vgl. Migne 159,927—932. 210. 241. 947—956. Wir finden in ihnen eine verhältnismäßig einfache und ungesuchte Spräche und eine gewisse Klarheit im Ausdruck, die damals nicht eben häufig war, natürlich auch vielfach biblische Worte und Gedanken. Vgl. außerdem A. L'Huillier, Vie de Saint Hugues p. 618—620; dort p. 621 ff. eine Sequenz auf Hugo. 1. Gilos Vita Hugonis. Ist der Gilo, der die Geschichte des ersten Kreuzzugs poetisch behandelte — über dies Werk wird in anderem Zusammenhang zu sprechen sein —, identisch mit dem Mönche Gilo von Cluni, so wäre er erst Kleriker in Paris gewesen, wäre als solcher dem ersten Kreuzzuge gefolgt, den er dann poetisch behandelte. Er wäre dann als Mönch in Cluni eingetreten und 1121 zum Kardinalbischof von Ostia erhoben worden. Gegen diese Gleichstellung des Pariser und Cluniacenser Gilo hat L' Huillier gewichtige Bedenken vorgebracht, 1 ) die freilich auf der unerwiesenen Behauptung basieren, daß Rainald von Vezelay Gilos Werk benutzt habe und daß dieses daher schon 1113 fertiggestellt war. L'Huillier nimmt an, daß unser Gilo erst Mönch in Longpont war und dann nach 1100 nach Cluni kam, von wo er um 1110 nach Rom gesandt wurde. Dort hat er einen Teil seines Werkes verfaßt und nach seiner Rückkehr nach Cluni hat er den Widmungsbrief an Abt Pontius geschrieben. 2 ) Es wird hier, wie überhaupt für die chronologische Fixierung der Lebensbeschreibungen Hugos, eingehender Untersuchung bedürfen, um sämtliche literarischen Streitfragen zu lösen, die sich auf diese Biographien beziehen. — Jedenfalls war unser Gilo in Cluni gewesen, sonst würde ihm der Abt nicht die Arbeit aufgetragen haben, über deren Selbständigkeit wir allerdings ein klares Bild nicht gewinnen können, da Hezelos Werk nicht erhalten ist. Ist nun der spätere Kardinalbischof unser Gilo, 3 ) so wäre dieser später wieder nach Rom gegangen und wäre vom Abt Petrus von Cluni, nachdem er seine hohe kirchliche Stellung niedergelegt hatte, mehrmals aufgefordert worden, wieder ins Kloster zurückzukehren. Gilo war von Pontius, der im April 1122 auf die Abtwürde verzichtete, gebeten worden, das Leben Hugos zu schreiben, und er hatte vom Abt bestimmte Richtlinien für die Abfassung erhalten. Er sagt in der Vorrede, es habe sich geziemt, J ) A. L'Huillier, Vie de Saint Hugues abbe de Cluny (Solesmes 188S) S. 571. 569. 2 ) Vgl. a. a. O. p. 572. 3 ) Damit stimmen die Ausdrücke (ed. L'Huillier) p 575 mundo me redditum . . ■ 0 si liceret ulterius cetibus sanctorum asso- ciari . . . Ego' sauchts peccatis . . . Ego mor- bida ovis procul a stabulis aberrans. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 149 das Leben Hugos wenigstens teilweise in Rom auszuführen, da dieser ein besonderer Verehrer der Apostelfürsten gewesen sei. Und fast die ganze zweite Hälfte der Widmung nehmen Klagen darüber ein, daß er fern von Cluni weilen müsse und sich mit Schmerzen nach dem Kloster zurücksehne, dessen Lehre er in Rom nicht habe halten können. Am Schluß bittet er den Abt, ihn von Rom abzuberufen, das er aus eigner Macht nicht verlassen könne. Bezeichnend für die Stimmung des Briefes ist, daß Gib hier sieben Verse aus Ovids Tristien anführt, 1 ) während er in dem Leben Hugos selbst nur an zwei Stellen von Vergilversen Gebrauch macht 2 ) und auch von einer Vision berichtet, in der, ähnlich wie in einem Gesichte Odilos, 3 ) Schlangen auf Vergil gedeutet werden. 4 ) Die Biographie beginnt mit Hugos Abstammung und eilt über seine wissenschaftliche Ausbildung merkwürdig schnell hinweg. Sie berichtet dann von der Wahl zum Abte und geht mit der gewöhnlichen Breite auf seine Tugenden ein, wobei, wie so häufig, des Sulpicius Vita Martini mehrfach zum Vorbild dient 6 ) und eine besondere Emphase hervortritt. Gilo erzählt hierauf von der Kloster- gründung für heilige Frauen und geht dann über zum Preise des prophetischen Geistes des Heiligen, der den Tod König Wilhelms IL von England voraussagte und die Stelle auffand, wo der hl. Amandus, der Lehrer des hl. Junianus begraben lag. Hieran schließen sich mehrere Visionen an und besonders eine Menge Wunder, die Hugo gewirkt hatte — konnte doch sogar ein Kranker in Hugos Namen seine Krankheit beschwören, und ein von Hugo gesegnetes Brot und ein Stück Holz, das er in der Hand gehalten hatte, konnten Wunder bewirken! Dann erzählt Gilo von Hugos christlichem Walten in Gebet, Duldsamkeit und Barmherzigkeit, und obwohl er vorher alle Wunder und Einzelzüge ohne irgendwelche zeitliche Ordnung gegeben hat, berichtet er nun plötzlich unter Angabe bestimmter Daten vom Ausbau des Klosters und vom Beginn einer neuen Kirche in Cluni. In den letzten Abschnitten erfolgt dann die Darstellung von Hugos letzten Tagen und von seinem Tode in großer Breite und Ausführlichkeit. An seinen Tod werden noch drei Visionen angeknüpft und mehrere Wunder erzählt, die sich am Grabe des Heiligen zutrugen. Man sieht aber aus dieser kurzen Inhaltsangabe, daß es sich gar nicht um ein wirkliches Leben Hugos handelt, vielmehr läuft das ganze Werk auf den Preis und Ruhm seiner Tugenden, seines christlichen Wandels und seiner Wunder hinaus; ja die Schrift ist so wenig streng historisch gehalten, daß Gilo Heinrich III. zum Sohne Heinrichs IL macht. 6 ) Seine Sprache ist so blumen- und bilderreich, der ganze Ton so gesalbt und voll von biblischen Wendungen, daß man durchaus an die frühere cluniacensische Biographie erinnert wird. Dazu findet man ein ungewöhnlich starkes Haschen nach äußeren Effekten in der Sprache, nämlich einen sehr starken Hang zur Alliteration und stellenweise die ermüdendste Reimprosa. Das Ganze macht den Eindruck einer ') Trist. 2,325. 1,5,53—57. 2,531 f. 2 ) ed. L'Huillier p. 583, 13 Aen. 6.S53 (mit Aenderung) und 599,1 Aen. 2,1. 3 ) Johannis vita Odonis 1,12. *) a a. O.p. 591. 6 ) 580, 3. 8. 9 vgl. mit Vita Mart. 10,1 und 2, 7 (ed.Halm p. 119, 26 und 112,17 — 19). 6 ) Vgl. a.a. O.p. 581 undn.4. In das Gebiet der Völkerpsychologie gehört p. 582 magnilo- guos Saxones . . . Alemannos crudeles. ] 50 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. überladenen und unförmlichen stilistischen Leistung, die in ihrer sprachlichen Aufbauschung die ungewöhnlich große inhaltliche Leere verdecken und vergessen machen will. Zeugnisse. Die Briefstellen aus Petrus sind Ep. 2,4 (Bibl. Cluniac. 720) Petrus humilis Cluniacensium abbas Giloni olim Tusculano episcopo . . . (721) revocat qiwdammodo affectuosius quae Herum vos Christo peperit Cluniacensis ecclesia, parata vos Herum piis ulnis excipere nnd 2,30 col. 768 A quando te a nobis separasti. Hanc sprevisti, quando invitatus rogatüs adluratus redire contempsisti. Zu Gilo von Longpont vgl. Cartulaire de Longpont p. 196 und 235. Widmung der Biographie (L'Huillier p. 574) Dilectissimo patri . . . dompno Pontio abbat! frater Gilo. Aufforderung Quoniam celsitudinis vestre reverentia de viro ineffabili me quoque fari commonuit, elegi plus apparere presumtor temerarius. Niederlegung der Abtwürde durch Pontius vgl. Abbat. Cluniac. chronol. ad 1122 (Bibl. Clun. 1622E) Hoc anno domnus Pontius ... in manu domni apostolici Calixti abbatiae Chmiacensi inconsulte abrenuntiavit. Richtlinien p. 575 quam dedistis animos ut inciperem et congruum rebus ordinem prefixistis. Zur Abfassung in Rom p. 574 Dignum profecto fuit ut vita illhis Borne particulatim scriberetui-, qui dum vixit . . . Petri . . . et Pauli maximus cultor exstitisse cognoscitur. Zur Abwesenheit von Cluni p. 575 substantiam patris perdidi, dum quod Cluniacus docuit Rome servare non potui. Bitte Superest ut magnitudinis vestre dementia me regredi ab urbe precipiat, qui progredi non possum. Zeitliche Daten p. 605 pater sanctissimus sexaginta quinque annos a nativitate gerens, a susceptione regiminis quadraginta numerabat und p. 610 Sexagesimo igitur sue ordinationis anno diem corporee solutionis . . . presensit. Zur Alliteration vgl. die Widmung p. 574 devotionem . . . divitiis ditiorem. Oportebat sane non in sapientia verbi sanctum efferre, qui suorem luce meritorum satis coruscat, oder p. 576 generosa genitrix gravida gravaretur. Zur Reimprosa p. 583 auditori — relatori — eloquium — arcanum — ordo — 'modulatio — profunditas — docilitas u. a. — Hss. Paris. 12607 s. XII f. 197 und 13090 s. XIV. 1 ) Auszüge Acta SS. Apr. 3,655—658 als Epitome Vitae ab Ezelone atque Gilone . . . excerpta, und L. v. Heinemann, MG. SS. 15,937—940. Der Prolog bei Märten e et Durand, Thesaur. anecdotorum 1,321. Einzige Ausgabe von A. L'Huillier, Vie de Saint Hugues abbe de Cluny (Solesmes 1888) p. 574—618 mit Einleitung p. 565—573. 2. Hildeberts Vita Hugonis. Hildebert von Lavardin, über den in anderm Zusammenhange ausführlicher zu handeln ist, wurde unter dem Bischof Hoellus von Le Mans in dieser Stadt Vorsteher der Domschule und 1092 Archidiakon und 1097 zum Bischof erhoben. Er erhielt vom Abt Pontius wahrscheinlich im Jahre 1120 den Auftrag, ein Leben Hugos zu schreiben. Dieser Auftrag ist aus zwei Gründen erklärlich. Einmal nämlich hatte Hildebert rege Beziehungen zu Hugo und zu dessen Kloster unterhalten, denn aus einem an den Abt gerichteten Briefe ergibt sich, daß er um das Jahr 1103 seine bischöfliche Würde niederlegen und Mönch in Cluni werden wollte, was aber der Papst nicht gestattete. Und andrerseits gehörte er zu den begabtesten Schriftstellern der Zeit, der sich in Prosa und Poesie gefällig und klar auszudrücken wußte. Davon legt der Widmungsbrief' an Pontius deutlich Zeugnis ab, er ist reich mit Sentenzen geschmückt und in knapper, verständlicher Sprache gehalten, ohne die breitspurigen Floskeln, die uns sonst in ähnlichen Schriften begegnen. Hildebert erzählt hier von dem Auftrage, den er erhalten, und nach den nun einmal unumgänglichen Bescheidenheitsphrasen kommt er auf seine Vorgänger zu sprechen. Er erwähnt, daß Ezelo und Gilo 2 ) schon das Leben Hugos bearbeitet hätten, und wenn er diesen beiden Männern von breiterer literarischer Bildung in seiner Schrift wie von weitem gefolgt sei, müsse es wohl erscheinen, daß er statt eines Menschen einen Affen gemalt und statt einer Amphora einen Krug hervorgebracht habe. 3 ) Dafür aber müsse ') So L. v. Heinemann. MG. SS. 15,935, während L'Huillier p. 573 die Hs. für etwas älter hält als den Paris. 12607. 2 ) Beide Schriftsteller werden auch 6,42 (Migne 159, 887A) von ihm erwähnt. 3 ) Dies in Anlehnung an Horaz A. P. 21 f. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 151 man den Pontius verantwortlich machen, dessen Wunsch er sich nicht habe entziehen können. Man möge sich aber nicht wundern, daß in seinem Werke einiges hinzugesetzt, einiges unterdrückt und einiges verändert sei, was seine Vorgänger nämlich nicht gebracht, nicht verschwiegen und anders dargestellt hätten. Er habe hinzugesetzt, was er selbst gesehen und gehört habe und wofür er als Zeuge einstehe; er habe das unterdrückt, was Anstoß erregen und die Glaubwürdigkeit seines Berichtes beeinträchtigen könne; verändert aber habe er nur bei der Erzählung über den Grafen Gaufred von Angers, wo seine Vorgänger nicht gewußt hätten, daß es sich um den Sohn von Gaufredus Martellus handle. 1 ) Man sieht aus dieser Vorrede, daß aus Hildeberts Worten ein anderer Geist weht: seine Gedanken sind klar und verständig und er ist sich seiner Aufgabe als Schriftsteller und Biograph mehr bewußt geworden; man kann mit größeren Erwartungen an sein Werk herantreten. Sehen wir nun zu, ob sich diese erfüllen. Der Vergleich seines Werkes mit dem Gilos ergibt, daß Hildebert von 1,1—3.20 in den berichteten Tatsachen wie in der Disposition ganz mit Gilo übereinstimmt und von ihm völlig abhängig ist. Im allgemeinen kürzt er die Erzählung des Vorgängers, indem er dessen Wortreichtum» und den gespreizten Ton vermeidet und ein viel konziseres und besseres Latein schreibt, wobei er besonders auf eine sachgemäße, wenn auch manchmal etwas rhetorisch affektierte Wortstellung Wert legt. Dieser Teil ist also im ganzen nur eine stilistische Überarbeitung von Gilos Biographie. Nun finden sich allerdings Abweichungen von mancherlei Art vor. Von geringer Bedeutung hierbei sind solche Veränderungen wie 1, 2 consulatum statt comitatum, oder wenn Hildebert hier über Hugos Jugendbildung noch flüchtiger hinweggeht als Gilo, oder wenn er 1,5 sich über Hugos Tugenden ausführlicher ausläßt, oder wenn er 2,9 Alfons' Bruder Santulus statt Sancio nennt. Wichtiger aber erscheint 1, 1 die Ersetzung von substantiola (Gilo) durch vacca, ferner 1, 9 die bei Gilo fehlende Erwähnung der Gesandtschaft Hildebrands in Gallien, 2 ) die viel ausführlichere Darstellung vom Aufenthalt Hugos in Spanien und von seiner Rückkehr (1,9), ferner 2,12 die Begründung weiterer Klöster, von der Gilo schweigt, endlich 2,14 die reicheren Daten über den Tod Wilhelms IL von England; die Erzählung 3,19 über den Bischof Hoellus ist hier natürlich auszuschalten, da sie sich auf ein persönliches Erlebnis Hildeberts bezieht. Diese Erweiterungen müssen aus andrer Quelle stammen, und wir sind wohl berechtigt, sie auf Rechnung der Benutzung Hezelos zu setzen. Hildebert scheint also hier das aus Hezelo nachzutragen, was Gilo bei seiner Überarbeitung dieses ältesten Lebens Hugos ausgelassen hatte. Mit 4,21 ändert sich aber Hildeberts Bericht insofern, als er die Reihenfolge in der Erzählung Gilos verläßt und nicht nur die bis 5,37 dargestellten Wunder in wesentlich andrer Anordnung erzählt, sondern auch Zur Kenntnis des Dichters bei Hildebert vgl. Manitius, Analekten z. Gesch. d. Horaz im Mittelalter S. 78, wozu allerdings zu bemerken ist, daß die Moralis philosophia von Guil- lamne de Conchis stammt nach Haureau, Not. et. extr. de quelques mscr. 1,100—108. ') Die Erzählung steht 5,33 (Migne 159, 880 C—881 B), vgl. Gilo bei L' H u i 11 i e r p. 602. 2 ) Die Erzählung über Hildebraud hat Hildebeit 2,9 an einen andern Platz gerückt, als sie bei Gilo (p. 583) steht. 152 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. einige Wunderberichte Gilos ganz ausläßt, ohne daß er irgendeinen Grund dafür anführt. 1 ) Am Schluß dieses Abschnitts läßt er aber eine Pause in der Erzählung eintreten, indem er 5,37 bemerkt, daß er sich etwas Ruhe gönnen wolle, gleichwie man ein keuchendes Pferd verschnaufen lassen müsse; so lege er hier die Feder einstweilen nieder, um dann um so zuversichtlicher an den Rest der Arbeit zu gehen. Mit 6,38 setzt Hildebert dann die Erzählung fort, indem er sich sachlich wieder eng an Gilo (p. 605 ff.) hält und nur die Reihenfolge der berichteten Tatsachen etwas ändert. Als einzige sachliche Abweichung notiere ich hier nur 7, 51 die Ersetzung des Abtes Fulgentius von Afflinghem 2 ) durch den „Abt von Noyon", was nach Ansicht von L'Huillier 3 ) auf einer Vermischung zweier Visionen beruht. Wie aber schon im ersten mehr unselbständigen Teile hat Hildebert auch in den späteren Abschnitten eigentlich nur eine stilistisch verbesserte Umformung des Werkes von Gilo geboten. Zeugnisse. Zu Hildeberts Daten vgl. Acta episc. Cenoman. 35 (Mabillon, Vetera analecta p. 313) Hie itaque . . . a domno Hoello venerabilis memoriae episcopo Cenotnanensis ecclesiae scholarum magister et archidiaconus factus et post decessum ipsius .. . in eins loco substitutus est;*) zur Dauer des Archidiakonats Hildeb. epist. 3,21 (Opera ed. Beaugendre p. 186)- Becordor praeterea quod per quinque annos archidiaconus fuerim antequam praesul. Zur Abfassung der Vita Hugonis vgl. R. Lehmann, Forsch, z. Gesch. d. Abtes Hugo I. von Cluny S. 20—24. Im Briefe Hildeberts an Hugo (Bibl. Cluniac. 1823) heißt es cuius sinunt quasi reus aram iamdudum complexus essem, si consultus papa pontificis onus amoliri permisisset. Hie dum me remisit ad laborem, invidit gloriam . . . Interim in umbra alarum tuarum sperabo, donec educar de lacu miseriae. Daß Hildebert nicht Mönch in Cluni unter Hugo war, hat Lehmann S. 16 aus 2,19 (Migne 159, 872B) und 7,43 (887D) richtig gefolgert; aus der ersten Stelle geht nämlich klar hervor, daß Hildebert als Arcbidiakon mit Bischof Hoellus im Jahre 1096 den Hugo besucht hat (Nos hoc audivimus, nos praesentes vidimus, nos beati illius hominis orationum partieipes in eo facti sumus colloquio), so daß sein eigenes Mönchtum dort ausgeschlossen erscheint. Widmung des Werkes (Migne 159, 857 D) Dei gratia venerabili . . . abbati Pontio Hildebertus professione sacerdos. Auftrag (859 A) dum tuaepetitionis auetoritate compulsus, qualicunque stilo vitam b. Hugonis memoriae commendare disposui. Vorgänger (859 B) Ex hoc autem praeeipue veniam confiteor postu- landam, quod post amplioris litteraturae viros, Ezelonem loquor atque Gilonem, qni de b. Hugone Mo vigilanter scripsisse leguntur?) ausus sim pertraetandam aggredi materiam, quos velut a longe secutus pro homine sirniam pinxisse et finxisse pro amphora urceum in- veniar . . . Lingua Pontii causam movit, auetoritas egit, religio peroravit. Besistere Pontio difficile. Ueber Zusätze und Veränderungen (859 B) Nemo autem miretur, cum in praesenti opere viderit additum aliquid, cum suppressum, tum immutatum, quod non apposuerunt, quod non tacuerunt, quod aliter scripserunt, qui de Hugone scripserunt ante me. Addidi fateor, sed quod ipse vidi, sed quod audivi, cui testimonium perhibeo . .. Sane quod omnino suppressi, ideo factum est, ne id quod lectum calumnias movere poterat, auetoritati derogaret eorum . .. Mutatum autem hoc solum opinor, quod Andegavensis comes Gaufredus cognomine Martellus in abbatem praesumpsisse memoratur Hugonem, cuius quia praefatis scriptoribus veridici defuere relatores, falsitatis notam ineurrerunt. Zu den Abweichungen vgl. Gilo p. 577 cuiusdam rusticane persone substantiolam diripuit mit Hildebert 1, 1 (860C) die quadam pauperi vaccam au- ferrent. Die Beziehungen zu Wilhelm I. und dessen Gemahlin (Gilo p. 588) gibt Hildebert 3, 14 (869 C) nur in kurzem Exzerpt, desgleichen läßt er die p. 588 f. erwähnte Begleitung des Erzbischofs Anselm von Canterbury weg. Zu dem Einschnitt am Schluß von 6,37 vgl. (883 C) Supersunt enim adhuc tanta virtutum eius atque operum insignia, ut ad eorum relationem assumpta paululum requie velut anhelantem equum necesse sit respirare. Qua- propter ad horam stilum deponimics dei servo, cui Me famulatur adiuvante, fiducialius quae J ) Von Quellenbenutzung in diesem Abschnitt zeugen überhaupt nur die Worte 4,24 (Migne 159, 875C) Leguntur et alii . . . sus- cepisse salutem. 2 ) So Gilo p. 616. 3 ) a. a. 0. p.542 n. 1. 4 ) Zu Hoellus vgl. daselbst c. 34 p. 309 und 313. 5 ) Die von Lehmann S. 25 aus diesem Wort gezogenen Folgerungen hat R. Neu- mann, Hugo I. der Heilige (Frankfurt a. M. 1879) S. 42 mit Recht abgelehnt. Die Lebensbeschreibungen der Cluniacenseräbte. 153 restantaggressuri. Ausgaben: Marrier, Bibl. Cluniacensis413—438. ActaSS.Apr. 3, 634—648. Migne 159,857—894. Vgl. R. Lehmann, Forsch, z. Gesch. des Abtes Hugo I.v. ClunyS.15—37; E. Neumann, Hugo I. der Heilige S. 5 und 42 ff. 3. Rainalds Vita Hugonis. Rainald war Hugos Neffe uod Sohn des Grafen Gottfried von Semur. Er wurde Mönch in Cluni, Prior in Marcigny und 1106 Abt von Vezelay. Als solcher wurde er 1128 zum Erzbischof von Lyon erhoben, starb aber schon am 9. August 1129. Während er Abt war, verfaßte er ein Leben Hugos, das er den Mönchen von Cluni widmete, und er war jedenfalls nicht, wie Hugos frühere Biographen, von Pontius dazu aufgefordert worden, da sonst an diesen wohl die Widmung ergangen wäre. Vielmehr berichtet er, daß er dem Wunsche der Brüder gehorche und ihm jeder Hochmut bei der Erfüllung dieses Wunsches fern gelegen habe. Außerdem bezeugt er aber in der Widmung, daß dies Leben schon von anderer Seite dargestellt worden sei; er wolle durchaus nicht das Werk jenes höher gebildeten Mannes verkleinern, sondern sein eignes Werk möge weniger gebildeten Geistern zur Nahrung dienen. Und zwar spielt er hier auf Hildeberts Schrift an, die er in seiner Biographie schlechthin exzerpiert. Wohl reißt er Hildeberts Bericht mehrfach auseinander und ordnet ihn um, aber überall ist dieser als Vorlage zu erkennen und nicht etwa umgekehrt, wie von R. Lehmann irrig angenommen wurde. 1 ) Er verändert zwar oft den vorgefundenen Wortlaut und bringt auch an einigen Stellen neue Nachrichten, aber es bleibt doch durchaus der alte Bestand an Wundergeschichten und Tugenderhebungen bei ihm bestehen mit Ausnahme des letzten Abschnittes (4,30), wo die von Hildebert erzählte Vision Bernhards beim Tode Hugos durch eine solche des Klerikers Balduin von Canterbury ersetzt wird und eine zweite Vision, die nach Hildebert der Abt von Noyon hatte, einem Abt der Diözese von Cambrai beigelegt wird. Von Wichtigkeit ist nur, daß Rainald von einem Vermittlungsversuch Hugos zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. erzählt. Davon ist sonst in den Biographien Hugos nicht die Rede, aber Rainald hatte wohl als Neffe des Abtes von solchen wichtigen Verhandlungen etwas in Erfahrung bringen können. Rainald hat später seine Biographie in Verse umgearbeitet und hat den Stoff unter steter Verkürzung und Zusammenziehung 2 ) in 110 Distichen dargestellt. Bezeichnend für den Verfasser ist jedenfalls, daß er hier, wie schon in der Prosa, die wunderbaren Begebenheiten, die sich mit den Päpsten zutrugen, an die Spitze seines Wunderberichts stellt. Die Verse verraten gute Schulung in Metrik und Prosodie und besitzen der Sitte der Zeit nach keine Verschleifung und fast keinen Hiatus. Das Gedicht wird allerdings wegen seiner Kürze an manchen Stellen nur dann verständlich, wenn man die Prosa zum Vergleich hat. Zeugnisse. Neffe Hugos vgl. Gedicht Vs. 219 Haec, pater Hugo, tili Rainaldi dicta nepotis Suscipe, quaeso, pie meque tuere pater. Zur Abstammung vgl. Bibl. Cluniac. Not. Quercetani p. 83. 85. Mönch in Cluni usw. Epitaph. Rainaldi (von Petrus Cluniacensis) in der Bibl. Cluniac. 1353 Vs. 3 Viceliacensis prins abbas, post patriarcha Lugduni fulsit ... 9 Cuius erat monachus, prope cuius ab ubere natits Accubat in gremio nunc, Cluniace, tuo; vgl. Cucherat, Cluny au onzieme siecle (1851) p. 72 f. 120 ff. und zu den Daten R. Lehmann, Forschungen z. Gesch. des Abtes Hugol. S. 9 f. Zu den Daten der Widmung vgl. (Migne ') Vgl. R.Lehmann, Forsch, z. Gesch. d. I 2 ) Daher Vs.194 De patris haec meritis, Abtes Hugo I. von Cluni S. 11 ff. 26—31. j haec de virtutibus eins Edita sufficiant. 154 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 159, 893 B) Universis ecclesiae Clnniacensis füiis frater Raynaldus Vezeliacensis ecclesiae non tarn abbas quam servus in domino solidem. Cum multorum fratrum monitis urge.ar, ttt vitam . . . Hugonis Clnniacensis abbatis succincte*) describam, devotioni non praesumptioni inservire mihi consilium est. Qicod si forte alicuius altioris viri Studium in hoc opere ante nos desudarit — diese Worte sind von R. Lehmann S. 11 gründlich mißverstanden worden — non ut illum offuscare me autem darum facere velim hoc agam . . . nostrum (sc. opus) vero minorum atque minus capacium studio attribuendum puto. R. Lehmann hat umgekehrt Rainald zur Quelle Hildeberts gemacht (a.a.O. S. 11 ff. 26—31) und L. v. Heinemann (MG. SS. 15, 936) ist ihm gefolgt, indem er meint, daß, da Rainald im Prolog einem Autor zu folgen berichtet und da Hildebert (4,24) ein Wunder gelesen zu haben erzählt (875 A Caeterum non minora meritis acta leguntur Hugonis), das auch bei Rainald (2,9.897B) steht, Hildebert diesen benutzt habe; diese Beweisführung wird aber dadurch einfach hinfällig, daß dies Wunder schon bei Gilo (ed. L'Huillier p. 598) steht, von Hildebert hier ausgeschrieben und aus diesem in Rainalds Schrift in dessen gewohntem Exzerptenstile zu lesen ist. 2 ) Die Vision 4, 3 (905C) frater quidam religiosus Balduinus nomine, olim domini Anselmi Cantuarensis archiepiscopi dispensator, in spiritu, sicut ipse mihi narravit, ab Anglia per ordinem viclit. Der Vermittlungsversuch zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. steht 4, 26 und wird 25 eingeleitet durch die Worte Quod in schismate Henrici imperatoris contra Romanam ecclesiam evidenter ostensum est. Wenn es daher am Ende 4,30 (906B) heißt Haec de vita s. patris nostri Hugonis . . . sicut partim vidi, partim relatione proba- bilium virorum didici, perstrinxerim, so ist zwar unter probabiles viri wohl Hugo und jener Balduin zu verstehen, aber in erster Linie Hildebert, 3 ) von dem Rainald gänzlich abhängig ist. — Mit diesem Exzerpt war aber Rainald noch nicht zufrieden, er verfertigte daraus wieder einen Auszug, dessen Verse oft einen so gedrängten Wortlaut besitzen, daß sie fa3t als Begleitung für Bilder erscheinen. Die auf die Päpste — Gregor heißt hier 67 als Hildebrand hypodiaconus urbis, in der Prosa 1,4 subdiaconus, bei Hildebert 2,9 diaconus — bezüglichen Stellen beginnen Vs. 63 und enden, da sie mit großer Breite erzählt werden, erst Vs. 96. Zur Kürze vgl. 177 Tu, contrite puer, qui vix spirare valebas, Tu precibus patris factus es incolumis. Quem requiem nullam pedis ardor habere sinebat, Qua pater est lotus, convaluit per aquam usw. bis 184. Man sieht hier deutlich die potenzierte Verdünnung des Stoffes, die bis zur Unverständlichkeit fortgeschritten ist. — Die Ueberlieferung ist spärlich, Prosa und Gedicht stehen im Vat. reg. 493 s. XII f. 142 (die Bollandisten benutzten auch einen Duacensis). Ausgaben Acta SS. Apr. 3, 648—653; Migne 159, 893—906. Auszüge MG. SS. 15, 940 f. Vgl. Lehmann a. a. O. S. 8—14. Wattenbach 2, 217. Außerdem besitzen die Cluniacenser noch weitere Aufzeichnungen über Hugos Leben. Und zwar hat ein Mönch Hugo von Cluni einen Brief an Abt Pontius geschrieben, in dem freilich nur wenig über den Heiligen, sondern viel mehr über die Päpste Paschalis IL, Gelasius IL und Calixtus II. zu lesen ist. Außerdem scheint jener Hugo ein kurzes Leben des Heiligen verfaßt zu haben, das mehrere Wunder enthält, die den übrigen Biographen fehlen. 4 ) Zu diesen Produkten gehört auch ein bisher unbekanntes Werkchen, das von E. Smith, Engl, historical review 27,99—101 gedruckt und p. 96—99 eingeleitet wurde. Der Herausgeber hat es für die ursprüngliche von Hezelo verfaßte Biographie gehalten. Bei näherer Betrachtung aber ergibt sich, daß das p. 99 f. gedruckte Stück nichts anderes als eine willkürliche Bearbeitung der ersten Kapitel darstellt, wobei manches in besonderer Breite auseinandergezogen, anderes wieder ganz übergangen ist. Dies Stück reicht bis zum Aufenthalt Hildebrands in Cluni und dadurch, daß wie bei Rainald 1,4 (und Vs. 63) hier Gregor VII. statt Hildebrand genannt wird, dokumentiert es seinen späteren Ursprung. Dann folgen p. 101 28 Hexameter, in denen *) Also scheint den Mönchen von Cluni auch Hildeberts Vita Hugonis noch zu lang gewesen zu sein. Oder erhoffte man vom Neffen des Heiligen eine wesentlich andere Darstellung als von Hezelo, Gilo und Hildebert? Kaum. 2 ) Danach ist auch Wattenbachs (2, 217) Darstellung zu berichtigen. 3 ) Und nicht Gilo, wie L. v. Heinemann a. a. O. p. 936 glaubt. *) Beide Schriften in der Bibl. Cluniac. 557—560 und 437—448; vgl. Migne 159, 917-923. Flodoard von Reims. 155 die Wunder Hugos noch viel kürzer (meist nur in einem bis zwei Versen) dargestellt werden als bei Rainald. Sie sind daher überhaupt nur verständlich mit Hilfe einer der ausführlicheren Biographien und setzen deren Text voraus. Natürlich kann ein solches verdünntes Machwerk nicht die Erstlingsbiographie des Abtes sein, es hat mit Hezelo nichts zu tun. Daß der Verfasser in Cluni lebte, ergeben die Schlußverse 24—28. Dies Schriftchen steht im Mus. Brit. Harlei. 3036 f. 3 s.XII. Und auch sonst finden sich noch kurze Abschnitte über Hugo, 1 ) aber alle diese kleinen Stücke können wir hier als unbedeutend übergehen. Sie geben nur deutlich Zeugnis, daß sich nach Hugos I. Tode viele Federn in Bewegung setzten, um über das Leben des Abtes, der ein so hohes Alter erreicht und ungewöhnlich lange über sein Kloster geherrscht hatte, im gewohnten Wunderstile zu schreiben. Bezeichnend aber für die ganze cluniacensische Biographie ist der Umstand, daß das Leben des Abtes Odo von einem Italiener und das beste d. h. das am meisten lesbare Leben Hugos nicht in Cluni, sondern in Le Mans verfaßt worden ist. Und nach all dem Vorstehenden dürfen wir überhaupt die Hauptseite der cluniacensischon Schriftstellerei, die Biographie, nicht eben hoch einschätzen. Sie bleibt zu sehr auf das paränetische Moment der Wunderdarstellung beschränkt und ist, verglichen mit der zeitgenössischen deutschen Biographie, vom historischen Standpunkte aus voreingenommen und unbedeutend zu nennen. 13. Flodoard von Reims. Ungefähr elf Jahre nach Hincmars Tode, also etwa 893, wurde wahrscheinlich zu Epernay Flodoard 2 ) geboren, der in der durch Fulco wiederhergestellten Schule zu Reims eine vorzügliche Bildung erhielt; hatte doch Fulco in jenem Jahre Remigius von Auxerre und Hucbald von St. Amand zur Erneuerung der Studien berufen. Hier wurde Flodoard jedenfalls von dem Andenken eines so großen und gelehrten Kirchenfürsten, wie Hincmar gewesen war, sehr stark angezogen. Denn erstens hat kein andrer westfränkischer Kleriker diesem Erzbischof ein so umfassendes und großartiges Denkmal gesetzt, wie er, der Hincmar das ganze dritte Buch seiner Reimser Kirchengeschichte widmete, und zweitens hat Flodoard an Hincmars historio- graphisches Werk angeknüpft, allerdings nicht zeitlich unmittelbar. Es ist nämlich infolge genauerer Beobachtung der einem jeden Jahresbericht seiner Annalen voranstehenden griechischen Zahlen sehr wahrscheinlich, daß er mit dem Bericht über 894 die Fortsetzung der Annales Bertiniani begonnen hat, indem er für die ersten Jahrzehnte sich an schriftliche Quellen anlehnte und wohl auch noch mündliche Kunde über die Ereignisse einzog. Der frühere Teil seiner Arbeit wäre dann verloren gegangen, 3 ) J ) Mignel59, 908—918. 923-928. 2 J Sein Vater hieß Gundacrus nach Hist. Rem. eccl. 2, 19 Vidi siquidem nutritoris mei Gundacri . . . servutn. 3 ) Allerdings sieht die genaue Datierung der Incarnation von 919 (ed. Lauer, Les Annales de Flodoard, Paris 1905, p. 1) wieder fast aus, als wäre das Werk hier begonnen. Aber man könnte einem Schriftsteller wie Flodoard kaum zutrauen, daß er seine Arbeit mit einem Bericht über Hagelschlag und Weinmißernte beginnt. 156 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. denn unsre Überlieferung beginnt erst mit dem Jahre 919; und es ist wohl glaublich, daß Richer für seine Historien diesen verlorenen Anfang noch benutzt hat. Die Ereignisse hat nun Flodoard gleichzeitig dargestellt und zwar mit großer Treue und Gewissenhaftigkeit. Darin gleicht er den früheren Annalisten, daß er die Nachrichten, die ihm zukamen, unverarbeitet und ohne sie in inneren Zusammenhang zu bringen, aufschrieb. Und daher ist die Komposition seiner Annalen oft wenig geschickt, aber das liegt im Charakter solcher Jahrbücher begründet. Auch die Schreibweise ist äußerst kunstlos, und Flodoard zeigt sich hierin als echten Fortsetzer von Hinc- mars Jahrbüchern; es ist der ungesuchte und einfache historische Stil, der sich in der karolingischen Zeit herausgebildet hatte, ohne alles gelehrte und schmückende Beiwerk. Dafür ist der Inhalt um so bedeutender, der sich, wie bei Hincmar, auch vielfach auf die Verhältnisse des ostfränkischen Reiches bezieht. So bilden Flodoards Annalen eine sehr wichtige Quelle für Frankreichs und Deutschlands Geschichte für fast ein halbes Jahrhundert. Denn mit dem Jahre 963 scheint Flodoards Interesse zu erlahmen, wie er auch damals sein Amt an der Reimser Kirche niederlegte. Die Jahresberichte werden kürzer und mit 966 endet seine Arbeit, da er wohl am 28. März dieses Jahres starb. 1 ) Indes war dies nicht die Hauptarbeit seines Lebens, denn zwei ungleich größere Werke haben ihn noch beschäftigt. Er trat nämlich unter Erzbischof Heriveus in den Reimser Klerus ein und er erzählt, daß dieser Erzbischof ihm wie den andern Klerikern, und zwar Kanonikern, Mönchen und Nonnen, viele Geschenke gemacht habe. Und mit Heriveus' Nachfolger Seulf muß Flodoard früh in ein enges Verhältnis getreten sein, da dieser ihn zu einer Zusammenkunft mitnahm, die König Rudolf II. von Burgund mit dem Herzog Wilhelm von Aquitanien und mit Herzog Hugo von der Provence abhielt und wobei Seulf von Hugo im Lyoner Erzsprengel befindliches Reimser Land zurückerlangte. Aber schon im nächsten Jahre starb Seulf und da Graf Herbert II. von Vermandois das Erzbistum für seinen fünfjährigen Sohn Hugo verlangte, so brachen im Reimser Klerus Streitigkeiten aus, so daß Herbert es wagte, einer Anzahl Kleriker und Laien ihre erzbischöflichen Lehen zu entziehen. Durch die Wahl eines Reimser Mönches Artold zum Erzbischof von Reims, den König Rudolf an die Stelle des Knaben setzte, schienen sich die Verhältnisse im Erzbistum bessern zu wollen und wahrscheinlich erlangte Flodoard unter diesem neuen Kirchenfürsten die Stelle eines Vorstehers des Reimser Archivs. Mochte er sich diese Stelle durch seine Geschäftsgewandtheit und durch seine Vertrautheit mit den Urkunden erworben haben, so zeigte er in seinem nächsten Werke eine besonders umfassende Kenntnis von der Geschichte der Kirche und besonders der von ihr verehrten Heiligen. Er begann nämlich ein großes Gedicht De triumphis Christi sancto- rumque Palaestinae zu schreiben. Im poetischen Vorwort sagt er Vs. 33, daß er keineswegs den gesamten Stoff behandeln könne, sondern er habe nur einige Blumen aus der schönen Wiese ausgelesen und er hoffe, daß ') Ueber die Unsicherheit des Todestages vgl. Phil. Lauer, Les Annales de Flodoard (Paris 1905) p. XXIV und n. 1. Flodoard von Reims. 157 er dadurch Erlaß seiner Sünden erhalten werde. 1 ) Die Anregung zu dem Werke mochte Flodoard durch das Peristephanon des Prudentius erhalten haben, wie er auch in der zweiten Abteilung dieser Heiligengedichte, nämlich in De triumphis Christi Antiochiae gestis 1, 14, 1 von der Behandlung der Geschichte des hl. Romanus durch Prudentius (Peristeph. 10) spricht. 2 ) Das erste Buch der ersten Abteilung handelt nur im ersten Gedicht von Christus selbst, geht kurz auf Maria ein 3 ) und wendet sich dann in kleinen Gedichten zu den Aposteln, nachdem über die Orte der Reliquien von Johannes Baptista gehandelt worden ist. Auch die andern in diesem Buche erwähnten Heiligen, zu denen David gerechnet wird, haben Jerusalem zum Schauplatz ihres Lebens und ihrer Taten gehabt. Das zweite Buch behandelt weitere traditionelle christliche Stoffe und wendet sich dann zu Hieronymus und seinen Studien und Arbeiten, ferner zu Eusebius, und besingt unter anderen Märtyrern und Heiligen auch die Paula nach dem Brief des Hieronymus an Eustochium, wie Flodoard im dritten Gesänge des dritten Buches auch zu Anfang das Leben des Hilarion von Hieronymus erwähnt, das er sich hier zum Führer wählt. Flodoard hat sich dann entschlossen, eine etwas kürzere Fortsetzung dieser Gesänge in einer zweiten Sammlung zu geben, 4 ) die er De triumphis Christi Antiochiae gestis betitelte. Er leitet sie mit einem Vorwort von zehn sapphischen Strophen ein, die metrisch richtig gebaut sind und die Bedeutung Antiochias für die Geschichte der Kirche hervorheben. Die beiden Bücher, in die die Sammlung zerfällt, beschäftigen sich mit antiochenischen Heiligen und Märtyrern. Hier treffen wir zuerst auf einen Wechsel des Versmaßes, denn eine ganze Reihe Gedichte sind im jambischen Trimeter geschrieben, 5 ) da der Dichter die betreffenden Heiligennamen nicht im Hexameter unterbringen konnte; er ist also hierbei dem Wandalbert nicht gefolgt, dessen Martyrolog sehr viel unrichtige Hexameter aufweist. Zu erwähnen ist, daß das elfte Gedicht des zweiten Buches am Anfang das Leben des Malchus nach Hieronymus enthält. In einer dritten, ungemein umfänglichen Abteilung, die er in vierzehn Bücher gliederte, besang er sodann die Heiligen Italiens und zwar besonders Roms, wobei zunächst die Päpste in Betracht kommen. Für dies Werk mochten in Reims vielfach die nötigen Unterlagen fehlen, und. damit ist ohne Zweifel eine Reise Flodoards in Zusammenhang zu bringen, die er 936 oder im nächsten Jahre nach Rom machte. Nämlich im siebenten Gedicht des zwölften Buches spricht er bei Gelegenheit Leos VII. über seinen Aufenthalt in Rom und erzählt, daß der Papst ihn gut aufgenommen, ihm gütig erlaubt, um was er ihn gebeten habe, seine Bestrebungen unterstützt und ihn mit leiblicher und geistiger Speise erquickt habe. Da nun von ') Ganz ähnlich wie Juvencus im Prolog (Vs. 22 ff.) seiner Libri evangeliorum. Daß er Juvencus kennt, ergeben die Verse 1,1, 42 f. (Migne 135, 494A), die nach ihrem Inhalt aus Juvenc.4,702—704. 706 stammen. 2 ) Migne 135, 565 A Romani luctam au- reolo Prudentius ore Intonuit. Bekanntschaft mit Cathem. 9, 19 zeigt sich De triumph. Christi sanctorumque Palaest. 1, 2, 23 {et rirgo puerpera sola). 3 ) Diese ersten Gedichte sind ihrem Stoffe nach aus Gregor von Tours De gloria mar- tyrum (Buch 2) genommen. 4 ) Daß diese Sammlung später als die eben besprochene geschrieben- ist, geht aus dem poetischenVorwort Vs. 39 f. hervor (Migne 135,550 0) Post Palaestlnos orevitcr trium- pJws paucula tangam. 5 ) Nämlich 1,7. 8. 9. 10.11.13. 2,5. 6. ]58 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Scheffer-Boichorst nachgewiesen worden ist,') daß Flodoard aus Rom eine Abschrift der Papstepitaphien in die Heimat mitgenommen und sie dort für sein Gedicht reichlich verwertet hat, so dürfte der Zweck der Reise klar sein, besonders wenn man die gewissenhafte Art von Flodoards Schrift- stellerei hierzu hält: er ist nach Rom gegangen, um Quellen für sein Gedicht zu sammeln; dort ist er durch Leo VII. gut aufgenommen worden und der Papst hat ihm alle Förderung bei seinem Unternehmen angedeihen lassen, ja ihn dabei wohl auch persönlich unterstützt, wie aus Flodoards Worten hervorgeht. Von Wichtigkeit ist, daß das ganze große Werk ungefähr chronologisch angelegt ist; das zeugt vom historischen Sinn seines Verfassers. Im ersten Buche behandelt Flodoard die Heiligen und Märtyrer Roms aus der Zeit von Nero bis Titus; er beginnt mit Petrus und endet mit Apollinaris von Ravenna. Das zweite Buch beginnt mit dem hl. Clemens und schließt mit dem Kapitel De doctrina, miraculis et passione s. Clementis, in dem dritten folgt auf einen langen Gesang über Papst Alesander I. ein literarisch wichtiges Kapitel De relatione Plinii etultione tertiae persecutionis, dessen Inhalt ein kurzes Regest aus den Epist. Plinii et Traiani 96 und 97 besitzt. 2 ) Kenntnis der Pliniusbriefe ist für diese Zeit selten, sie ist aber von mir nachgewiesen bei Ratherius von Verona, 3 ) der mit Flodoard in literarischer Korrespondenz stand. So wird die Geschichte der Heiligen Roms in den folgenden Büchern unter steter Hervorhebung der Päpste weitergeführt und Flodoard hat hierfür ein außerordentlich großes Quellenmaterial zur Verwendung gebracht, das aus dem Liber pontificalis, den Vitae Sanctorum, den Papstepitaphien sowie jedenfalls auch aus gelegentlichen Aufzeichnungen*) bestand. Manche seiner einzelnen Gedichte stehen stofflich in Zusammenhang, 6 ) manche sind von bedeutendem Umfang, wie 6, 7 aus fast 800 Versen besteht, manche wieder zählen nur fünf oder sechs 6 ) oder gar nur vier 7 ) oder drei Verse. 8 ) Je mehr sich Flodoard den späteren Zeiten nähert, um so geschichtlich wichtiger wird seine Dichtung, die sich ja in ihren Anfängen mehr auf reine Legende stützen muß. So weiß er 7, 8, 101 f., daß Damasus ein kurzes Gedicht auf den hl. Marcellinus und Petrus verfaßt hat, und er bezeichnet damit Damasi carm. 29. 9 ) In 9, 9 besingt er in zehn Versen die Synode unter Silvester I., wie er überhaupt kirchliche Versammlungen mehrfach behandelt. In 10, 2, 24 f. kommt er auf die Tätigkeit des Rhetors Victorinus zu sprechen und 10, 10, 29 auf Boethius und Symmachus, 10, 12, 18—23 auf Cassiodor und seinen Psalmenkommentar. In 10,14 stellt er das Leben Gregors I. ausführlich dar und in den nächsten vier Gedichten besingt er Gregor und dessen geistliche Hinterlassenschaft. Vom Papst Zacharias an (11, 6) berichtet er stets das Verhältnisdes Papstes zum Frankenkönige, ausführlich 11,10 die Beziehungen Leos III. zu Karl dem Großen. Mit dem zwölften Buche kommt er der eignen Zeit näher, und er berichtet z. B. 12, 1,30 von der Verleihung des Palliums ') Mitteilungen des Instituts f. österr. Geschichtsforschung 8, 423—430. 2 )Vgl. 3, 3,3—11 (Migne 135, 639AB). 3 ) Philologus47,567. 4 ) Vgl. z. B. Buch 3, Gedicht 19. 5 ) Wie Buch 2, Gedicht 6—12. 6 ) So 2,5.3,4.8,6.9,6. 10,29. 1) Nämlich 13,17. 8 ) Nämlich 3, 7. °) Bei Ihm, Damasi epigrammata p. 34. Zu Damasus vgl. außerdem 10, 3. Flodoard von Reims. 159 an Hincmar durch Leo IV.; von Hincmar handelt er auch kurz 12, 3, 12 f., von dessen Nachfolger Fulco 12, 3, 32 und 4, 2 ff. und 9 ff., 7,40 f. auch von Seulf. Von Formosus erzählt er 12,5,230ff., daß unter seinem Pontifikat die Bulgaren Christen geworden seien. In 12,7 führt er die Papstgeschichte bis Johann X. und Leo VII. und spricht dabei Vs. 79 ff. über seinen eignen Aufenthalt in Rom. Das 13. Buch wendet sich wieder zur Besingung römischer Märtyrer, und hier wird 8, 2 ff. auf die Dialoge Gregors hinsichtlich des hl. Benedikt Bezug genommen, während in den folgenden Kapiteln die von Gregor in den Dialogen gefeierten andern Helden besungen werden. Das 14. Buch endlich handelt von Heiligen Italiens außerhalb Roms und hier wird die Dichtung Paulins von Nola auf den hl. Felix erwähnt, 13, 79—83 werden die Hymnen des Ambrosius genannt und, wie in Gedicht 17, das Leben des Ambrosius von Paulinus benutzt. Hierauf folgt eine sehr ausführliche Darstellung vom Leben Columbans und eine kürzere vom Leben Attalas nach den Biographien des Jonas, und das Buch wie das gesamte Werk findet seinen Abschluß mit zwei kurzen Gedichten über mehrere dem Attala zeitgenössische Mönche von Bobbio. Dieses Werk ist die umfassendste Dichtung des früheren Mittelalters über die Heiligen, es enthält im ganzen 302 Gesänge. Von diesen ist die große Mehrzahl im Hexameter gedichtet, 43 Gesänge sind im jambischen Trimeter verfaßt. Das Gedicht über die Heiligen Italiens 9, 7 besteht aus je 8 Hexametern und Trimetern, 13,1 aus 22 Hexametern und 5 Trimetern und 9, 12 aus abwechselnden Trimetern und Dimetern*) und das poetische Vorwort der dritten großen Sammlung setzt sich aus 38 asklepiadeischen Versen zusammen. Hinsichtlich der Quellen hat L. Duchesne 2 ) den Nachweis geführt, daß sich Flodoard bis mit Nikolaus I. an das Papstbuch hält und von Hadrian II. an die Epitaphien der Päpste benutzt. In seiner dichterischen Sprache ist Flodoard ebenso selbständig wie in der Prosa, denn es finden sich nur wenig Anlehnungen an frühere Vorbilder. Natürlich ist Vergil öfters erkennbar, 3 ) aber im allgemeinen vermeidet es der Dichter, anderen zu folgen, was in jenen Zeiten ja selten genug ist. Übrigens wissen wir, daß diese drei Sammlungen nicht die einzigen Gedichte Flodoards dargestellt haben, denn er erzählt in seiner Geschichte der Reimser Kirche 3, 6, 4 ) daß er die Wunder, die sich in der Marienkirche zu Reims zugetragen hätten, soweit sie ihm durch Augenzeugen oder durch Autopsie bekannt geworden seien, früher schon dichterisch behandelt habe. Das könnte eine Fortsetzung seiner Heiligengedichte gewesen oder eine eigene Sammlung von Miracula sanctorum Remensium gewesen sein. Die Widmung des großen Werkes geschah wahrscheinlich an Erzbischof Rotbert von Trier, denn die Ansicht von Brower, der sich auf eine Trierer Handschrift beruft, 5 ) daß Erzbischof Ruotger der Adressat sei, ist abzuweisen; nämlich Ruotger starb 930 und damit ist die Erwähnung ') Wie die Praefatio zur Apotheosis des Prudentius, der für unsern Dichter vorbildlich gewesen ist. 2 ) Le Liber pontiflcalis 2 p. IX. Derselbe hat p. X — XI die Stücke über Formosus bis Leo VII. ausgehoben. 3 ) Wie 5,2,124Aen.4,2. —4,13,31 scheint Alcimus Avitus 1, 25 benutzt zu sein. 4 ) MG. SS. 13,479,34 ff. 5 ) Annales Trevirenses 1,541. 160 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Leos VII., der von 936—939 regierte, nicht zu vereinigen. 1 ) Dieses Werk aber scheint dem Flodoard die besondere Achtung des Bischofs Ratherius von Verona eingebracht zu haben, denn als dieser seine Praeloquia geschrieben hatte, sandte er das auch Agonisticum genannte Werk einer Reihe von französischen und deutschen Klerikern zu, die er für die gelehrtesten und kenntnisreichsten Männer der Zeit hielt. Und unter diesen befand sich auch Flodoard, dem er es wie den andern mit einem Briefe widmete, der leider verloren ist. Noch vorher hatte Flodoard aber mit der Niederlage des Erzbischofs Artold den Verlust seiner kirchlichen Ämter und Benefizien zu beklagen: Herbert von Vermandois ließ ihn als den Anhänger Artolds, als er eben eine Pilgerreise nach Tours zum hl. Martin antreten wollte, ergreifen und vom 25. Oktober 940 bis 25. März 941 gefangen halten. Doch erhielt er dann in kurzer Zeit seine Güter und seine Stellung zurück und wurde in den folgenden Jahren mehrfach zu Synoden hingezogen. Auch nahm er 948 an dem Konzil von Ingelheim teil, wo der immer noch von Artold und Hugo geführte Streit um das Erzbistum Reims ausgetragen werden sollte. Hier lernte er unter anderen Kirchenfürsten auch den Erzbischof Adaldag von Hamburg kennen, der ihm später wahrscheinlich 2 ) einen Brief in Sachen seiner mißglückten Erhebung zum Bischof von Noyon schrieb. Flodoard wurde nämlich nach dem Tode des Bischofs Radulf von Noyon (9. Januar 951) zum Bischof dieser Stadt postuliert, konnte aber die königliche Bestätigung nicht erlangen, die sein Nebenbuhler Fulcharius im Jahre 954 davontrug. Über diesen Verlust tröstete ihn Adaldag in jenem Briefe. Damals war aber Flodoard längst damit beschäftigt, die Geschichte des Reimser Erzbistums zu schreiben. Ihm standen als dem Archivar des Erzstifts alle hierzu nötigen Quellen zu Gebote, und bei seinem Streben nach Wahrheit und bei seiner Gründlichkeit in der Quellenforschung gelang es ihm, ein höchst beachtenswertes und wegen seines Inhalts sehr wertvolles Werk zu schreiben. So beansprucht die Historia Remensis ecclesiae einen hohen Rang unter den Geschichtswerken des Mittelalters, trotzdem Flodoard auf gute Verarbeitung des Stoffes und überhaupt auf das Äußere wenig Wert gelegt hat. Er wurde zu der Arbeit von einem Bischöfe R. aufgefordert, unter dem man meist den Erzbischof Rotbert von Trier vermutete; doch hat Ph. Lauer geltend gemacht, 3 ) daß auch Rorico von Laon und Rather von Verona in Betracht kommen können. Er teilte das Werk auf Geheiß dieses Bischofs in Bücher und Kapitel ein und widmete es ihm mit einem Briefe, in dem er kurz diese Dinge berührte. Flodoard hat seine Arbeit durchaus vom Standpunkt des Historikers aufgefaßt und er geht chronologisch zu Werke, so daß er erst über die Gründung von Reims berichtet, die er freilich der Sitte der Zeit gemäß auf Krieger des Remus zurückführt. Dann erzählt er von der Freundschaft der gallischen Remer mit den Römern, wofür er größere Stücke aus Cäsars gallischem Krieg l ) Vgl. Dum ml er, Otto der Große S. 543 n. 1. ■) Die Authentizität des Briefes ist nicht ganz sicher, vgl. Ph. Lauer, Les Annales de Flodoard p. XXI n. 4. ») Les Annales de Flodoard p. XIV f. Derselbe macht p. XIX wahrscheinlich, daß Flodoard im Jahre 948 begonnen hat. Flodoard von Reims. 161 wörtlich aushebt und eine längere Anführung aus Lucan 1 ) macht. Mit 1, 3 setzt die christliche Geschichte von Reims ein. Für die Gründungsgeschichte der Stadt aber hat er sich gemäß der Sagenüberlieferung nach weiteren Stützen aus der antiken Historiographie umgesehen und er verwendet Stücke aus Livius, 2 ) Isidor, 3 ) dem Itinerarium Antonini 4 ) — er. nennt es Cosmographia Aethiei-—.und aus Eutropius. 5 ) In den ersten Kapiteln über das christliche Reims konnte Flodoard natürlich nur legendäre Quellen verwerten wie die Acta Timothei et Apollinaris, Gregor von Tours, für Kap. 6 die gleiche verlorne Schrift, aus der die Passio mart. Nichasii et Eutropiae stammt. Von Kap. 10 tritt — neben Fortunats Leben des hl. Remigius — Hincmars Vita Remigii als Hauptquelle ein (p. 417, 17—427,55). Dann wird wieder Gregor von Tours benutzt und in Kap. 19 das gefälschte Testament des Remigius wiedergegeben, während der Schlußsatz und Kap. 20 die Benutzung mündlicher Tradition über die Wunder des Heiligen bekundet. In Kap. 21 f. liegt die Translatio Remigii zugrunde, außerdem aber eine nicht erhaltene Schrift über die Translation des Heiligen. Hiermit ist die Geschichte des Remigius, die den Hauptinhalt des 1. Buches bildet, ungefähr abgeschlossen, es folgt noch ein weiterer Abschnitt aus dem Testament des Remigius, die von den erhaltenen Vitae Theoderici unabhängige Geschichte dieses Heiligen und das Leben Theodulfs nach der älteren Vita Theodulfi. Neben diesen hagiographischen Quellen bietet Flodoard aber auch anderes in seinem ersten Buche, wie er Kap. 5 einen Brief Hincmars an Ludwig den Deutschen erwähnt, auf den er sich auch 3, 9 und 20 bezieht. In Kap. 6 hat er eine längere Inschrift auf Iovinus mag. mil. erhalten 6 ) und ein Stück aus dem Hieronymusbriefe 123,16 7 ) abgeschrieben. In Kap. 10 überliefert er drei Verse von Remigius und in 12 einen ganzen Brief 8 ) des Apollinaris Sidonius (9, 7) und in Kap. 17 hat er ein Gedicht von 14 Fünfzehnsilbern eines Adelold 9 ) auf die Bestattung des Remigius erhalten. In Kap. 21 schreibt er ein Gedicht von 16 Distichen aus Hincmars Vita Remigii 73 ab und 23 überliefert er das Epitaph des Attolus. Man sieht deutlich aus dieser Quellenanalyse des ersten Buches das antiquarische und literarische Interesse Flodoards, der jedenfalls alles für ihn auffindbare Material zusammentrug, um etwas Vollständiges zu liefern. Auch das zweite Buch, das die Geschichte des Erzbistums von Remigius bis auf Hincmar erzählt, stützt sich noch zum großen Teile auf Legendenstoffe, verarbeitet in diese aber auch eine Anzahl historischer Dokumente. So setzt sich Kap. 2 aus Fortunats Gedicht 3,15, aus Gregor von Tours' Mirac. s. Martini 3, 17 und aus dessen ') Bell. civ. 1,419—426 mit Lesart von Leid. Voss. XIX f. 63 s. X. 2 ) Nämlich (MG. SS. 13,412, 42 ff.) Livius 1,6,3.4. 1,7,2.3. 3 ) Nämlich p.413,8—17 Isid. Et. 12, 7,19. 52. 15, 1,1. Das angebliche Zitat aus Sallust verdankt er aber Isid. Et. 15,1, 1. 4 ) Nämlich (ed.Parthey etPinderp.169) 356,1-4. (p.173) 363,4 f., 364 7.8. (p. 174) 365.7.8. (p.182) 380,7.8. 5 ) Nämlich Eutropius 1, 1. 1,2. 1,4 (ed. Droysen p. 8, 8 f. 10,13. 12,1 f. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters 6 ) Vgl. Le Blant,Inscriptioneschrist.Gall. 1.443 N. 335. Bücheier, Anthol. lat. epigr. 1,146 f. N. 302. ') Ed.Vallarsi 1,913. 8 ) Ed. Luetjohann p. 154 f., wo der Hinweis auf Flodoard fehlt. Die Lesarten neigen den Hss. MCFP und besonders F (= Paris. 9551 s. XII) zu, und Flodoard benutzte jedenfalls eine F nahestehende Hs., aber kaum die Vorlage von F selbst. 9 ) MG.SS. 13,427,57ff. Vgl.Ys.UAdeloldi quogiie tili miserere famuli. II. ' 11 162 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Eist. Franc. 6, 31. 7,33. 10,18 f. zusammen. In Kap. 3 verwendet Flodoard ein Leben des Basolus, das älter als die erhaltene Vita Basoli ist, während er in Kap. 7—13 die Vita Nivardi von Altmann, die Translatio und die Miracula Helenae, die Translatio Sindulfi von Altmann und die Vita Ragoberti ausschreibt, an die sich Kap. 14 f. ein Exzerpt aus der Translatio Rigberti anschließt. In Kap. 6 gibt er die Beschlüsse der Synode des Somnatius und macht Auszüge aus dessen Testament bezüglich seiner Schenkungen an Reimser Kirchen. Mit der Zeit Tilpins betritt Flodoard den gesicherten historischen Boden und von da an strömten ihm reichliche Quellen aus den in Reims gesammelten Schätzen an Urkunden und Briefen zu. So verwendet er 13 einen Brief Hadrians I. an Tilpin (auch 16), führt in 16 zwei Briefe des Papstes Zacharias an und hat in Kap. 17 einen Brief Hadrians I, an Karl den Großen erhalten. Die geschichtlichen Dokumente häufen sich in Kap. 19, wo eine Aufschrift auf die Peterskirche in Reims in vier Fünfzehnsilbern erscheint, das Epitaph von Ebos Mutter Himiltrudis in 18 gleichen Versen gegeben wird, ein Brief Ebos an Halitgar von Cambrai sowie dessen Antwort eingestellt, ein Brief Kaiser Lothars an Leo IV. berührt, sowie zwei Urkunden Ludwigs des Frommen und Lothars für Ebo verwendet werden; außerdem finden sich hier Exzerpte aus Thegans Leben Ludwigs des Frommen. 1 ) Im Schlußkapitel (20) ist dann das Bekenntnis Ebos sowie die Restitutionsurkunde Lothars für Ebo aufgenommen. Man sieht deutlich, daß von diesen Zeiten an die Arbeit Flodoards auf urkundliche Grundlage gestellt wird. Und das wird beinahe ganz der Fall im dritten Buche, das nur von Hincmar handelt. In der ersten Hälfte des Buches sind es hauptsächlich Rechtsverhältnisse, die Flodoard interessieren, wie er Kap. 4 drei Urkunden Karls des Kahlen für Reims aufbewahrt, in Kap. 9 über die Rechte des Erzbischofs und des Erzbistums schreibt, in Kap. 11 eine Darstellung der Synode von Soissons und deren Brief an Nikolaus I. bringt und in Kap. 12—14 ein langes Schreiben Hincmars an diesen Papst niederlegt. Die ganze zweite Hälfte des Buches von Kap. 18 2 ) an besteht aus einer großen, entsagungsvollen Arbeit, nämlich aus den Regesten der im Archiv auffindbaren Briefe, Widmungen und sonstigen Schreiben Hincmars, die an bestimmte Personen gerichtet sind. Diese ungeheure Regestensammlung ist nach den Empfängern geordnet. Die königlichen Empfänger machen den Anfang, dann kommen die Briefe an Erzbischöfe und Bischöfe, unter denen die an Hincmar von Laon und an Altfrid von Hildesheim besonders herausgehoben werden. Hierauf folgen die Briefe und Schriften an Äbte, Presbyter und weltliche Große, zuletzt an Königinnen und an den Hincmar untergebenen Klerus. Es ist nach alledem nicht zuletzt Flodoards Verdienst, wenn wir über Hincmar so vortrefflich unterrichtet sind, wie kaum über einen andern Kirchenfürsten des 9. Jahrhunderts. Und ebenfalls mit großer urkundlicher Genauigkeit wird die Wirksamkeit ') Nämlich p. 468, 37 ff. und 471,4 ff. aus c. 15—17. 36. 43 f. 2 ) Schon im Anfang von Kap. 15 erfolgt die Aufzählung einiger Werke des Erzbischofs, daran schließen sich die Widmungsbriefe an Karl den Kahlen zu den Werken De prae- destinatione und Contra Gothescalcum und in Kap. 17 eine Darstellung der Synode von Troyes nach den Annales Bertiniani 867. Flodoard von Reims. 163 des Erzbischofs Fulco in den ersten zehn Kapiteln des vierten Buches dargestellt, wo erst über Fulco und seine Korrespondenz mit den Päpsten, dann über Formosus' Briefe an ihn, an Karl den Einfältigen und an Odo von Paris gehandelt wird, Fulcos Briefe an Bischöfe, Äbte und weltliche Große drei Kapitel einnehmen und in je einem weiteren über Briefe Stephans VII. an ihn und über seine Briefe an Könige und an den Kaiser Lambert berichtet wird; dann erzählt Flodoard von Fulcos Taten für das Erzbistum und von der Übertragung des hl. Gibrianus, bringt zwei Briefe des Papstes Paschalis I. und schließt mit Fulcos Epitaph. Es folgen dann die Berichte über Heriveus und Seulf und in Kap. 20—37 die Darstellung der französischen Geschichte vom Standpunkt der Reimser Kirche mit besonderer Hervorhebung des Streites zwischen Artold und Hugo. Im Schlußabschnitt endlich spricht Flodoard über Reimser Klöster und Äbte, über Wunder und Visionen und über Märtyrer, die in Reims verehrt wurden, und über deren Geschichte und benutzt hierbei z. B. in Kap. 47 die alten, nicht mehr vorhandenen Acta Gundeberti et Berthae. Man sieht aus alledem, daß diese Geschichte der Reimser Kirche eine wahre Fundgrube für den Historiker ist. Aber auch ihre Bedeutung für die Kulturgeschichte ist groß, da sie keinen geringen Einblick in das reale Leben der dargestellten Zeit bietet und infolge des Wunderglaubens ihres Verfassers eine große Menge hagiographischen Materials zusammenstellt. Sein Epitaph scheint sich übrigens Flodoard selbst gedichtet zu haben, da das kurze Gedicht jede Anspielung auf seine bedeutenden Werke vermeidet. Eine angebliche altfranzösische Grabschrift aber, die ihn zum Abt macht, hat sich als ein Produkt des 16. Jahrhunderts herausgestellt und verdient also keinen Glauben. * . Zeugnisse. Das Geburtsjahr ergeben die Annalen Flodoards zum Jahr 963 (ed. Lauer p. 154) Ego vero fractus aetate et attritus infirmitatc ministerium abdicavi praelaturae coram eodem praesule. Quique me hoc absolvens iugo imposuit illud per electionem fratrum nostrorum nepoti meo Flodoardo ') septuagesimo aetatis meae anno. Der Geburtsort steht allerdings nur im französischen Epitaph Vs. 4 bei Lauer p. XXVI Et fut d'Espemag ne par parentagc. Zur Wiederherstellung der Reimser Schulen durch Fulco vgl. Flodoard histor. Rem. eccl. 4,9 (MG. SS. 13, 574, 39) Prefatus ... Folco ... duas scolas Remis .. . iam paene delapsas restituit et evocato Remigio Autisiodorense magistro Kberalium artium studiis adolescentes clericos exerceri fecit ... Sed et Hucbaldum s. Amandi monachum . .. accersivit et ecclesiam Remensem praeclaris ilhistravit doctrinis. 7iU Heriveus vgl. Hist. Rem. eccl. 4,13 Mihi quoque et ceteris tarn clericis canonicis quam monachis et sanctimonialibus omnibusque. pro diversis eum petentibus necessitudinibus multa largitus est bona. Zu Seulf vgl. Flodoardi Annales 924 (ed. Lauer p. 20) tandem ad colloquium super ipsum flumen Ligerim infra pagum Augusto- dunensem convenere . . . Seulfus quoque archiepiscopus terratn s. Remigii con iacentem in Lug- dunensi provintia, de qua Heriveus episcopus nihil habuerat, ab Hugone de Vienna, qui eidem colloquio intererat, reimpetravit. Inde reversi circa quoddam castellum venimus, quod dicitur Mons Sancti lohannis; 925 p. 32 Per idem tempus Seulfus Remorum archiepiscopus obiit .... Episcopatus Remensis Heriberto comiti commissus est sub obtentu filii sui Hugonis admodum parvuli necdum, ceu ferebatur, quinquennis. Zu Herbert vgl. Hist. Rem. eccl. 4, 20 Heribertus itaque comes potestate potitus Remensis episcopii iniuste privavit tarn me, qui non inter- fueram praemissae electioni suae, quam nonnullos alios et clericos et laicos beneficiis posses- sionum ecclesiasticarum, quibus a praecedentibus episcopis munerati videbamur. Zu Flodoards ') Flodoard besaß auch einen Oheim gleichen Namens, vgl. Hist. Rem. eccl. 2.3 (MG. SS. 13, 450,43ff.). Zum Namen vgl. Phil. Lauer, ■ e i egne de Louis IV. D'outre-mer (Paris 1909) P- V. Ob auch der Flodegarius aus St. Amand s. XII (Delisle, Lecab.des mscr. 2,454.196) Flodegarius super barbarismum hierher zu ziehen ist? Wahrscheinlich nicht, da doch Flodoard kein Lehrer in Reims war. IV 164 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Stellung am Archiv vgl. Hist. Rem. eccl. 2. 19 Archivum ecclesiae tutissimis aedificiis cum cnjpta in honore s. Petri . .. dedicata, ubi deo propitio deservire videmur, opere decentl construxit. Zur Reise nach Rom und zum Aufenthalt bei Leo VII. vgl. De triumphis Christi apud Italiam 12, 7,61 Septimus exsurgit Leo ... 70 Qui me visentem aetherei pia limina templi Iocunde excipiens animo quaesita benigno Admisit favitque pie studuitque modeste, Famina grata serens epulis recreavit utrisque Corporis atque animae; benedixit et oseula libans Ac geminans dono cumulatum muneris almi Pergere laetantem amplexu dimisit honore. Zur poetischen Behandlung der Wunder in der Marienkirche vgl. Hist. Rem. eccl. 3, 6 (MG. SS. 18,479, 34) In hac igitur ecclesia multa diversis temporibus dei virtute sub ineffabilis Christi genetricis Mariae sunt honore patrata miracula. Quorum plurima quae ante nostram aetatem sunt gesta, nobis habentur incognita. Nos tarnen ea, quae cor am positi vidimus vel personis, quae viderant, referentibus agnovimus, silentio hie quoque preterire incongruum rati sumus, licet ea versibus olim exaravimus. Auch hieraus ergibt sich mit Gewißheit, daß die Heiligengedichte längere Zeit vor die Abfassung der Reimser Geschichte fallen. Zu Rather vgl. Folcuini Gesta abb. Lobiensium 20 (MG. SS. 4, 64) Quem librum Agonisticum ad legendum sive ad probandum eruditissimis quos noverat misit, Sobboni videlicet et Widoni archiepiscopis, Godescalco et Aurelio praesulibus neenon et Brunoni et Rotberto Gälliarum archiepiscopis nobilissimis et in studiis philosophicis eruditissimis, ad extremum Flodoardo Remensi missis unieuique epistolis quae continentur in ecclesiae nostrae scriniis. Zu Flodoards beabsichtigter Reise nach Tours vgl. Annal. 940 (ed. Lauer p. 78) Ego denique disponens orationis gratia sepulcrum s. Martini visere, retentus sum ab Heriberto comite, dam me quibusdam aecusantibus apud cum quod sui causa nocumenti vettern proficisci vel filii sui, fecitque me sub custodia detineri ablatis a me rebus quas de episcopatu tenebam cum aecclesia quam regebam in Cuimisciaco, sieque plenis quinque mensibus sum detentus. Zu vergleichen ist hiermit der Bericht in Hist. Rem. eccl. 4,28, wo auch das Datum der Befreiung zu lesen ist, Contigit autem mihi . .. ut ipsa die coneeptionis et passionis domini nostri Iesu Christi absolverer a custodia et die tertia scilicet VI Kai. Aprilis . . . egressus ipse cum praefato electo nostro ad urbem Suessonicam profectus sum, vgl. Lauer, Le regne de Louis IV. p. 63 und n. 5. Ueber die Teilnahme Flodoards an Synoden vgl. Lauer, Les Annales de Flodoard p. XI f.; zu Adaldags Anwesenheit in Ingelheim l ) vgl. Annal. 948 p. 110 Adaldachus Hamma- burgensis, sein Brief an Flodoard mit der Aufschrift. Adelagus miseratione divina Bremensis ecclesiae servus Frodoardo patri Remensi verbum pacis bei Lauer, Les Annales de Flodoard p. XXII f. und bei Lappenberg, Hamburger Urkundenbuch S. 45. Die Wahl Flodoards zum Bischof von Noyon ergibt sich aus dem Briefe p. XXII quid iam doles tibi inde non licere ingredi ad episcopium ascendendo quod surripuit Fulcherusl Vgl. hiermit Annal. 954 p. 139 Fulcharius decanus monasterii s. Medardi Noviomensium Remis ordinatur episcopus; zur Sache vgl. Lauer, Le regne de Louis IV. p. VIII und Les Annales de Flod. p. XXI. Den Tod Flodoards registriert die Fortsetzung der Annalen 966 (ed. Lauer p. 160) Ipso anno vir vitae venerabilis et Remensis aecclesiae presbiter nomine Flodoardus . . . praecedentis libelli aliorumque librorum dietator egregius quinto Kai. April, terrenae peregrinationis relinquens exilia; eine Doppelangabe macht das Reimser Nekrologium bei Varin, Arch. legisl. de Reims 1, 74. 80, vgl. Lauer p. XXIV n. 1. Annalen. Zu der Deutung von griechischen Zahlen, die jedem Abschnitt vorangestellt sind (vgl. Wattenbach 1, 459 und n. 3), vgl. Lauer, Bibl. de l'ec. des chartes 58, 241 ff. und Mel. d'archeol. et d'hist. 18,491 ff.; 2 ) danach ergibt sich als wahrscheinlicher Anfang das Jahr 894. Ausgeschrieben wurden die Annalen besonders von Richer in seinen Historien, wie er auch im Vorwort selbst sagt 3 ) si ignotae antiquitatis ignorantiae arguar ex quodam Flodoardi presbiteri Remensis libello me aliqua stimpsisse non abnuo. Hugo von Flavigny brachte die Annalen aus St. Vannes nach Dijon 4 ) und dies Exemplar, das er wohl selbst mit Randbemerkungen versah, gelangte später nach Montpellier; es ist unsre beste heutige Handschrift, nämlich Montispess. H 151 s. XI; benutzt wurde Flodoard von Hugo von 920 bis 961, vgl. MG. SS. 8, 357, 56—364, 45. Andere Hss. Paris. 9768 s. X—XI (aus Soissons). 5 ) Vatic. reg. 633 2 s. XI (wohl aus Evreux). Paris 5354 s. XI (aus Bonneval). Abrinc. 130 s. XIII (aus Mont Saint-Michel. Albig. 80 s. XVII. Ausgaben: Du Chesne, Hist. Franc. Scriptores 2,590—623; Bouquet, Recueil des historiens des Gaules et de la France 8, 176—215; ') Daß Flodoard beiwohnte, ergeben die Worte Annal. 948 p. 115 Mansimus itaque cum Rotberto Trevirensi. . . ebdomadas fere quat- tuor. Hierdurch wird sein nahes Verhältnis zu Rotbert von Trier erwiesen. 2 ) Außerdem Les Annales de Flodoard p. LX ff., wo von ihrer Herkunft gehandelt wird. 3 ) MG. SS. 3. 568, 26ff. *) Vgl. hierzu Lauer, Les Ann. de Flodoard p. L ff.; dort p. XLV—LVII1 überhaupt die Textgescbichte des Werkes. 5 ) Davon Abschrift Paris. 14 663 s. XV (aus St. Victor). Flodoard von Reims. 165 Pertz, MG. SS. 3, 368—408 und besonders von Phil. Lauer, Les Annales de Flodoard, Paris 1905.') Vgl. die Einleitung von Lauer p. V— LXV1H. Wattenbach l,458ff. Heiligengedichte. Sie gliedern sich in drei voneinander unabhängige Werke, die aber einen ganz verwandten Stoff behandeln. Im Vorwort der ersten Sammlung heißt es Vs. 33 Non ego cuncta meo conor concludere cantu, Quae maris exsuperant undas et sidera caeli; Laeta sed Ingrediens aliquos decerpere flores Tendo vireta ... 39 eis valeam saevum auxiliantibus hostem Vincere . . . Livida sie possim lacrimis commissa piare, Fletibus ut Stygias merear restingere flammas. Zur dritten Sammlung gibt Scheffer-Boichorst, Mitteil. d. Inst. f. Österreich. Geschichtsforschung 9,177 n. 3 einen Nachtrag (für Bd. 8,423—430), wo er bemerkt, daß Sarti et Settele, Ad Dionysii opus de Vaticanis cryptis, Appendix schon die VergleichuDg der Papstepitaphien mit den betreffenden Stellen Flodoards durchgeführt und erkannt haben, daß die von ihm S.426 erwähnte Grabschrift sich nicht auf einen Johann, sondern auf Marinus I. beziehe. Die Stelle, die von Flodoards Reise nach Rom und vom Aufenthalt bei Leo VII. handelt (De triumphis ap. Ital. 12, 7,61 ff. bei Migne 135, 832C), s. oben. Das Zitat aus der Pliniuskorrespondenz mit Trajan (3,3, 3ff., Migne col. 639 A) lautet Plinius unus Ecclesiae vastatorum fert seeptra regenti Traiano monitus: Hominum mitissima saevo Omnia pene die ruerent ut millia ferro Nil contra leges Bomana- que iura gerentum, Nee sceleris nece plectendi cuiusque reorum, Ni Christi pro laude dei et Conventions aequis. Eescribit Traianus ad haec: Ne quisque requirat Christicolas iudex- at puniat intereeptos. Die Stelle zu Victorinus (10,2,24. Migne col. 766B) heifit Bhetorica- Victorinus tunc luce cluebat, Lustrans subieetam faeundo dogmate Bomatn (aus Hieron. vir. illustr. 101), die zu Boetius und Symmachus (10, 10, 29. Migne col. 770C) Symmachus illuster gener atque Boetius ense Subierant cuius pretiosae munera palmae, zu Cassiodor (10,12,29 col. 771C) Praesule quo Cassiodorus splendore Senator ... dogmata clara Devotis adhibens Davidis carmina traetat, Clarificans supero modidata poemata nablo. Die angeblichen Mißhandlungen Leos III. (11,10,26—34. col. 808C) werden gegenüber den früheren Quellen ziemlich breit ausgemalt. Handschriften: Paris. Ste. Genevieve Y. 1. 4 s. X; Bibl. Mazarine LD. 2004 s. XVI. Bibl. de 1'Arsenal 933. 2 ) Ausgaben: Fragmente bei Mabillon, Acta SS. ord. s. Benedicti 2, 30. 127. 1095—1100. 3,2,569—608; vollständig bei Migne 135, 491—886. Vgl. Wattenbach 1,457. Ebert 3,354—357. Historia Remensis ecclesiae. Zur Aufforderung durch Rotbert (?) vgl. den Widmungsbrief bei Lauer (Les Annales de Flod. p. SV) Creberrimis admonitionum vestrarum stimulis instigatus . . . quadrifidum nostri laboris opus undecutnque collectum et capitulatim, prout iubere dignati estis, dispositum nostrae scilicet ecclesiae Bemensis historiarum librum. Die Kollation der Stücke aus Caesar Bell. Gall. mit der Ausgabe von A. Holder 3 ) hat ergeben, daß Flodoard eine Hs. benutzte, die zur Klasse ß gehörte; Abweichungen vom Text Caesars sind nicht häufig und scheinen nicht auf Flodoard zurückzugehen. So steht (MG. SS. 13,413,42) altitudines; Aüunus (richtig); 414 fehlt Caesar vor Certior wie überall in den Hss. Caesars, die Angaben bei Nipperdey und Holder führen irre; 414,4 steht primos mit o gegen ß. Die Stellen, die Flodoard aus dem Itinerarium Antonini aushebt, sind in der Ausgabe von Parthey et Pinder nicht angemerkt; 4 ) einige Zahlen weichen übrigens hier ab, wie auch sonst in den Hss. des Itinerars. Die von Flodoard benutzte Hs. könnte übrigens Dresd. De 182 sein, die s. K— XI geschrieben wurde und aus Reims stammt; jedenfalls hatte man hier ein (vollständiges oder unvollständiges) Exemplar der Sammelhandschrift, die heute noch durch mehrere Vertreter repräsentiert wird, vgl. Rieh. Neher, Der Anon. de rebus bellicis (Tübingen 1911) S. 10—14, und da hier der Aethicus cosmographus voransteht, so ist Flodoards Irrtum (s. oben) erklärlich. Der Adelold, dessen Gedicht auf die Bestattung des Remigius 1,17 überliefert wurde, könnte der Bd. 1,455 genannte gleichnamige Schreiber des Bern. 522 s. IX — X sein, denn diese Hs. ist in Reims geschrieben. Eine Kollation der Fortunatüberlieferung (Carm. 3,15) in 2,2 gab ich Neues Archiv 13,635. Die umfänglichen Regesten von Hincmars Briefen und sonstigen Schreiben beweisen, daß man in Reims die bedeutende Korrespondenz des Erzbischofs selbst oder wenigstens ein Regestenbuch davon besaß, und zwar nach Empfängern geordnet; vielleicht war auch beides dort vorhanden. Die Grabschrift, die sich Flodoard selbst dichtete, steht in der Hs. Paris. Arsenal 933 f. 334, danach hrsg. von H. Martin, Catal. de la Bibl. de l'Arsenal 2,178 und von Phil. Lauer, Les Annales de Flod. p. XXV. Das zweite Epitaph (französisch) nach verlorner Hs. s. XVI hrsg. von Lauer daselbst p. XXVI, vgl. p. XXVIff. Benutzt wurde die Hist. Rem. ecclesiae von Richer von St. Remi, der 1,19 in seinen Historiae (ed.Waitz ') Mit Facsimile nach p. LXVIII. aus vier Handschriften 2 ) Vgl. H. Martin, Catal. de la Bibl. de lArsenal 2, 174. 3 ) Nipperdey hat die Stücke kollationiert, aber nach älterem Flodoardtexte. *) Ich bitte meine Bd. 1,233 f. gemachte Angabe dahin zu berichtigen, daß mit dem Aethicus das Itinerarium Antonini gemeint ist. 166 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. p. 15) selbst auf diese Quelle hinweist, als er von den Verdiensten der Erzbischöfe Fulco und Heriveus um Reims spricht Quorum, uterque quctnta utilitate quantaque religione in aecclesia Bemensi flomit, si quis ad plenum dinoscere cupit, legat librum Flodoardi pres- biteri, quem ab urbe condita de eiusdem wbis episcopis uberrime descripsit. Ferner wird das Werk benutzt vom Verfasser der Gesta episcoporum Cameracensium, der bald nach 1040 schrieb, vgl. MG. SS. 7,394, von Sigebert von Gembloux, 1 ) vgl. MG. SS. 6, 275, und von Udalrich von Bamberg, vgl. Jaffe, Bibl. rer. Germanicarum 5,7. Handschriften: 2 ) Montis- pessul. 186 s. XIII; Rem. 840. 842 s. XVI; Trecensis 620 s. XII- XIII; Vatic. reg. 510 s. XV. Ausgaben: ed. Colvenerius, Douay 1617; Migne 135,27-328 (mit Auctarium aus cod Igniac. col.327—330); J. Heller und G. Waitz, MG. SS. 13,409—599. Vgl. Wattenbach, 1,458. Longnon, Repertoire des travaux histoiiques 1, 292—300. 14. Liudprand von Cremona. Der Langobarde Liudprand, der kaum aus Pavia stammte und zu einer hochstehenden Familie gehörte, scheint um das Jahr 920 geboren zu sein. Sein Vater zeichnete sich durch feine Umgangsformen und große Redegewandtheit aus und wurde daher von König Hugo von Italien als Gesandter an den griechischen Kaiser geschickt, und auch sein späterer Stiefvater, der den Knaben in Griechisch und Latein unterrichtete, wurde vom König zu einem solch hohen Amt ausersehen, wofür er sich wegen seines Ernstes und seiner Klugheit besonders empfahl. Und der Knabe selbst hatte ausgezeichnete Gaben, denn König Hugo wurde auf seine schöne Stimme aufmerksam und zog ihn um 931 an seinen Hof, wo dann seine weitere Ausbildung erfolgte. Später wurde er Diakon in Pavia, und als Hugo durch Berengar vertrieben worden war, wurde er auch in dessen Gunst gesetzt. Denn sein Stiefvater und seine Mutter brachten ihn zu dem neuen Herrn und erreichten es durch große Geschenke, daß der junge Geistliche zum Vertrauten und Kanzler des Königs aufstieg. Allerdings war Berengar nicht imstande, ihn völlig an seine Person zu fesseln, 3 ) denn in den geschichtlichen Werken, die Liudprand später schrieb, macht sich eine große Animosität gegen den König und mehr noch gegen die Königin Willa geltend. Jedenfalls sieht man aber, daß Liudprands ganze Ausbildung wohl in letzter Linie sich auf die künftige Stellung des hohen Geistlichen richtete, aber doch von höfischen Einflüssen durchaus bedingt worden ist und geleitet wurde. So wurde auch Liudprand frühzeitig im diplomatischen Dienste beschäftigt, denn der König übertrug ihm im Jahre 949 eine Gesandtschaft an den griechischen Kaiser Konstantin. Berengar wandte sich nämlich an Liudprands Stiefvater und wußte die Sache so geschickt für sich zu fassen, daß der junge Kleriker nicht nur die Gesandtschaftsreise auf Kosten des Stiefvaters ausführte, sondern dieser dem Stiefsohn auch eine Menge kostbare Geschenke mitgab. Diese Reise beschrieb Liudprand im 6. Buche seiner Antapodosis, wobei er allerdings nur die Gründe angibt, die die Botschaft ') Sigebert erwähnt das Werk auch De I fehlt jede Erwähnung. scnpt. eccl. 132 [Flaraldns monachusBemensis scripsit gesta pohtificum Eemensium). Nach Erwähnung des Eingangs preist er das Werk besonders deshalb, weil Flodoard hier.'eine Menge Heiligengeschichten berühre. 2 ) In mittelalterlichen Bibliothekskatalogen 3 ) Vgl. allerdings den Anfang von Anta- pod. 6,6 (p. 155 ed.Becker), doch stellt Liudprand 5,30 p. 149 das Verhältnis klar: Cui cum fideliter longo tempore deservirem, hac quam proseeuturus sum suis in locis, pro dolor! mercede donavit. Liudprand von Cremona. 1(}7 hervorriefen, dann die Unterhaltung zwischen Berengar und seinem Stiefvater berichtet, die Abreise von Venedig näher datiert und von seinem Aufenthalt in Konstantinopel eigentlich nur wunderbare, ins Auge fallende Dinge und Ereignisse erzählt, aber von dem Zweck und dem Erfolg seiner Botschaft nichts mitteilt; freilich ist in Betracht zu ziehen, daß das sechste Buch dieses Werkes anfänglich auf weit größeren Umfang berechnet war und sein Ende schon vorzeitig mit dem 10. Kapitel erhalten hat. Uebrigens sind diese letzten Kapitel kulturgeschichtlich von hohem Werte. Großen Gewinn hatte Liudprand insofern von dieser Reise, als sich ihm hierbei das Verständnis des Griechischen erschloß. Denn wenn er auch bisher am Hofe wohl manchen griechischen Brocken aufgelesen hatte, zur wirklichen Kenntnis der Sprache war er noch nicht gelangt; das geht aus dem Gespräch seines Stiefvaters mit Berengar hervor und ergibt sich auch daraus, daß der griechische Kaiser Konstantin stets mit ihm durch einen Dolmetscher sprach. 1 ) Nachdem er in die Heimat zurückgekehrt war, verfeindete er sich bald mit Berengar 2 ) und mehrmals scheint er Italien haben verlassen zu müssen, bis er in Deutschland bei König Otto gute Aufnahme fand. Hier lernte er die deutsche Sprache, die er später gut beherrscht haben muß, da er im Herbst 963 zu Rom bei der großen Gerichtsverhandlung gegen Johann XII. die deutsche Ansprache des Kaisers den Römern lateinisch wiederzugeben hatte. 3 ) In Deutschland lernte er 956 den Bischof Recemund von Elvira, den Gesandten des Kalifen Abderrahman, kennen, und dieser forderte ihn auf, eine Geschichte Europas und seiner Kaiser und Könige der Jetztzeit zu schreiben. Diese Bitte entsprang wohl dem Wunsche Recemunds, eine Darstellung der modernen Geschichte aus der Feder eines Mannes zu erhalten, der wegen seiner Beziehungen zum italienischen und zum deutschen Hofe die Verhältnisse kennen mußte. Erst nach zwei Jahren begann Liudprand die Arbeit in Frankfurt, er hat an ihr mindestens bis 962 geschrieben. Er gab seiner Arbeit den Titel Antapodosis oder Vergeltung und schrieb zuerst gleich die Vorrede an Bischof Recemund. Da nun aber diese Vorrede zum ersten Buche von dem griechischen Titel noch nichts weiß, der erst in der Vorrede zum dritten Buche behandelt und erklärt wird, und da J.Becker an der Hand von 1,42 nachwies, 4 ) daß zwei Redaktionen des Werkes vorliegen, so ist es immerhin möglich, daß der griechische Titel anfangs gar nicht beabsichtigt wurde und erst später beim dritten Buche angebracht worden ist; vielleicht hängt damit zusammen, daß das Werk in alten Katalogen 5 ) und bei Sigebert von Gembloux l! ) Gesta regum et principum partis Europe oder ähnlich heißt. Man mußte dann allerdings ') Vgl. Antap. 6,5 p.155 und 6,9 p. 157. I der dritten Klasse (vgl. Jos. Becker, Text- 6,10 p. 158. I geschiente Liudprands von Cremona, München ") Die Ursachen sind unbekannt, da der ' 1908, S. 16—19.45)biIdendieältereRedaktion. Schluß des sechsten Buches der Antapodosis fehlt. ') Vgl. außerdem Antap. 5, 15 (Anfang) p 137 Lingua quippe Teutonum nurd aquilo, man autem dicitur homo. *) Neues Archiv 36,209-211. Die Hss. Nicht ausgeschlossen ist auch, daß Liudprand mit dem dritten Buche angefangen hat, eine Ansicht, die von Gundlach (Heldenlieder d. deutschen Kaiserzeit 1,46 f.) vertreten wird. 5) Neues Archiv 32, 689. G ) De Script, eccl. 126 (p.148 ed. Miraeus). 168 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. annehmen, daß die ausführliche Überschrift 1 ) auch erst später vom Verfasser hinzugesetzt worden ist. Der griechische Titel führt wohl zugleich auf die auch sonst so große Hervorhebung des Griechischen, wie auf Kenntnis des Prudentius und der Gesta Berengarii. Liudprand beginnt seine Arbeit mit dem Jahre 888 und zwar mit der Einnahme von Garde-Frainet durch die Araber, wohl um den spanischen Bischof Recemund sofort auf bekannte Gegenden und Ereignisse zu führen. Er geht dann über auf griechische und italienische Verhältnisse und behandelt im zweiten Buch die Geschichte Deutschlands und Italiens bis zum Jahre 924. Erst in der Vorrede zum dritten Buch erklärt er den Namen Antapodosis: da nämlich Berengar und Willa ihm so viel Übles angetan hätten, wolle er durch die Aufdeckung ihrer Schandtaten Wiedervergeltung an ihnen üben; zugleich aber wolle er allen hohen Herren, die ihm Wohltaten erwiesen hätten, hier eine Genugtuung bieten. Den Inhalt dieses Buches bildet die Darstellung der burgun- dischen, italienischen und griechischen Geschichte bis 935. Hiermit näherte sich Liudprand der eignen Zeit und am Beginn des vierten Buches steht auch der Vermerk, daß er bis dahin nur nach den Berichten anderer erzählt habe, von jetzt ab hingegen aus eigener Kenntnis schöpfen werde. Dieses Buch führt die Geschichte Italiens etwas weiter und wendet sich dann den deutschen Dingen zu, während das fünfte die Geschichte Italiens und Griechenlands bis 947 erzählt. Beim Beginn des sechsten Buches kommt Liudprand wieder auf seine eignen trüben Erfahrungen zu sprechen und nimmt dies als Einleitung für die schon oben berührte kurze Darstellung seiner Gesandtschaftsreise. Und damit bricht das sechste Buch vorzeitig ab, das aber zeitigstens im Jahre 962 abgefaßt worden ist, da Ottos Kaisertum schon erwähnt wird. 2 ) Das ganze Werk besitzt wohl etwas von universalhistorischem Charakter — es war als solches von Recemund gewünscht — doch nannte es Liudprand in der Aufschrift Liber regum atque principum partis Europae, da ja der ganze Westen 3 ) unseres Erdteils so gut wie unberücksichtigt bleibt. Von Italien und Burgund geht der Blick des Verfassers aus und wendet sich zum griechischen Reiche und nach Deutschland, da ja hier der Schwerpunkt der Geschichte Europas schon lag. Freilich erzählt Liudprand nur das, was mehr oder weniger in seinen Gesichtskreis fiel, eine strenge Geschichtsdarstellung sucht man bei ihm vergebens. Sein Werk ist mehr in der Art von Memoiren gehalten, dazu ist der ganze Ton auf der einen Seite behaglich und anderseits boshaft und ironisch. Am liebsten verweilt er bei anekdotenhaften Zügen und eingeflochtenen Reden, wo dann sein rhetorisches Talent stark zur Geltung kommt und sein italienischer Hang zur Schmähsucht sich oft breit macht. Ebenso subjektiv wie die Berichterstattung ist die Form der Darstellung bei Liudprand. Die Sprache ist vielfach gesucht und unnatürlich, das Latein öfters mit griechischen Worten und Sätzen, auch mit Zitaten 4 ) unterbrochen. Und ') ed. Becker p. 1. s ) 6, 4 p. 153 domini nostri tunc regia nunc imperatoris. 3 ) Die westfränkischen Verhältnisse werden nur ganz ausnahmsweise gestreift, vgl. 1, 15 f. p. 17 f. Zur Anordnung des Materials vgl. den von Becker, Ausgabe p. XVIII aufgestellten Plan. *) So wird 1, 12 p. 14 eine Stelle aus Lucians Gallus (c. 1) angeführt. Vgl. hierzu Traube beiWattenbach 1, 476 n. 2. Liudprand von Cremona. 169 nicht nur, daß nach Art von Martianus und Boethius eine Menge kleinerer Gedichte mit der Prosa abwechseln, sondern Liudprand hat auch eine ganz besondere Vorliebe für eingestreute Zitate aus römischen Dichtern und Prosaikern. Die Kenntnis des Griechischen erstreckt sich übrigens nicht nur auf die Sprache selbst, sondern auch auf die Literatur, denn außer Lucian (und Plato) l ) benutzt Liudprand mehrfach die zeitgenössische byzan- tiniche Historiographie, wie Fr. Köhler nachgewiesn hat. 2 ) Man erkennt aber aus alledem deutlich Liudprands nicht geringes literarisches Interesse und zugleich seine tüchtige grammatische Vorbildung. Solche geschulte Männer, die mit der Feder umzugehen wußten, konnte Otto I. für seine Regierung gut gebrauchen und Liudprand wurde daher 961 von Otto zum Bischof von Cremona erhoben; und als dann die italienische Politik am deutschen Hofe ganz im Vordergrund stand, begleitete der neue Bischof den König nach Italien und wurde vom späteren Kaiser 963 von St. Leo aus mit einer Gesandtschaft an Papst Johann XII. betraut. Der Papst nahm ihn aber mit seinem Mitgesandten höchst unfreundlich auf und als dann Otto gegen Rom heranzog, entfloh er aus der Stadt. Auch an der in Sachen des Papstes veranstalteten großen Synode in der Peterskirche nahm Liudprand teil und mußte, wie schon erwähnt, eine Anrede des Kaisers aus dem Deutschen ins Lateinische verdolmetschen; jedenfalls hat er auch an der Wahl Leos VIII. und der Absetzung Benedikts V. teilgenommen, denn er stellte alle diese Verhältnisse in einer Schrift dar, deren Abfassung ihm vielleicht der Kaiser auftrug. Diese kleine Schrift nannte er Liber de rebus gestis Ottonis. Sie scheint die Politik Ottos I. in Italien während der Jahre 960 bis 964 rechtfertigen zu sollen, denn sie nimmt alles, was der Kaiser getan, in Schutz und stellt eine fortgesetzte Anklage gegen Johann XII. dar; und wie zum Ersatz für den fehlenden Schluß der Antapodosis richtet sich gleich der erste Satz der Scbrift in feindseligster Weise gegen Berengar und seinen Sohn Adalbert. Sonst ist das kleine Werk geschickt abgefaßt, denn der Ton ist im ganzen sachlich und die Sprache ruhiger, es fehlen die eingestreuten Verse fast ganz, 3 ) aber auf Anführungen aus Terenz, Horaz und Juvenal verzichtet Liudprand auch hier nicht. Hingegen erweckt die Schrift den Anschein, als ob sie sich vielfach auf Originaldokumente, nämlich Briefe und Synodalakten stütze und die bei der großen römischen Synode gehaltenen Reden treu wiedergebe. Das kann ja mehrmals wirklich der Fall sein, aber mehrere in solchen Wortlaut eingelegte Zitate sowie mehrfache Anlehnungen an Vergil lassen doch eher das Gegenteil vermuten, und es wird sorgfältiger stilistischer Untersuchung bedürfen, um diese Frage einigermaßen sicher zu entscheiden. ') Vgl. Legatio 26 p. 189, wo De rep. 10 ! bild für die Antapodosis verwendet haben mag. P-617E angeführt wird (Köhler, Neues Archiv 8,74 f.). 2 ) Neues Archiv 8,76 f. Dort wird auch S. 77 die Vermutung ausgesprochen, daß Liudprand ein byzantinisches Geschichtswerk mit anekdotenhaftem Charakter vielfach alsVor- s ) Nämlich c. 4 p. 161 f. findet sich (von den Herausgebern übersehen) Impedit atque domum domini mox linquere cogit. Ueber- sehen war auch Antap. 4,10 p. 108 Stultitiam simulare locoprudentiasumma est, von Becker auf Dist. Cat. 2,18 zurückgeführt. 170 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Um diese Zeit, als Liudprand in hoher Gunst beim Kaiser stand, erkaufte der Bischof von Ameria, der bei Hofe in Ungnade gefallen war, seinen Beistand, die Gunst des Kaisers wieder zu erringen, dadurch, daß er ihm gestattete, in seinem Beisein den Leib des hl. Hymerius aus einer Kirche in Ameria zu stehlen und nach Cremona zu bringen. 1 ) Als dann der Papst Leo VIII. 965 gestorben war und römische Gesandte wegen der neuen Papstwahl nach Sachsen kamen, sandte der Kaiser den Liudprand in Gemeinschaft mit Bischof Otger von Speier nach Rom und ließ durch seine Gesandten den Bischof von Narnia als Johann XIII. wählen. 2 ) Und im Jahre 967 sehen wir ihn auf der großen Synode, die nach Ostern zu Ra- venna abgehalten wurde, in wichtigen Verhandlungen tätig. Während dieser Synode kamen Gesandte des griechischen Kaisers Nikephoros zu Otto, die wohl damit beauftragt waren, dem Vordringen der deutschen Herrschaft in Italien Einhalt zu tun. Otto hatte aber anderes im Sinne, er wünschte mit der Hand einer griechischen Prinzessin für seinen gleichnamigen Sohn die griechischen Besitzungen in Unteritalien zu gewinnen. Deshalb schickte er eine Gesandtschaft, an der Spitze den Venetiauer Dominicus, nach dem Osten, doch zeigte sich Nikephoros unzugänglich. Im nächsten Jahre 968 aber machte Otto einen zweiten Versuch und schickte Liudprand als Brautwerber nach Konstantinopel. Dieser mochte sich nicht nur wegen seiner Kenntnis des Griechischen dazu empfehlen, sondern auch deshalb, weil er schon aus früheren Zeiten den griechischen Hof kannte. 3 ) Im zeitigen Frühjahr begann er die Reise und am 4. Juni langte er in Konstantinopel an; erst am 2. Oktober konnte er die Rückreise antreten, die sich infolge der Unsicherheit auf dem Meere und wegen der stürmischen See sehr lange ausdehnte. Ueber diese Sendung hat Liudprand ausführlich berichtet. Er nannte diese letzte Schrift Relatio de legatione Constantinopolitana. Liest man diesen Bericht, so lernt man Liudprands Eigenheiten ganz kennen. Er hatte eine große Fähigkeit, die Dinge und Verhältnisse scharf aufzufassen und zu beurteilen. Und da er in Konstantmopel nicht mit der dem Gesandten eines mächtigen Herrn gebührenden Ehre und Zuvorkommenheit aufgenommen wurde, so verwandelte sich die Darstellung unter seinen Händen zu einer spottsüchtigen Schmähschrift, die in jenen Zeiten ihresgleichen nicht findet. Alles was er sah oder hörte und was ihm selbst widerfuhr, überschüttet er mit Spott und Hohn und von dem Kaiser selbst wie vom Hofe und dem höfischen Leben und der geltenden Etikette hat er in seiner Schrift einzigartige Bilder hinterlassen, die durch ihr groteskes Wesen heute noch wirken. Gleich der Empfang, der ihm zuteil wurde, stimmte ihn ungemein herab, und die erste Audienz, die er bei Nikephoros erhielt, war ein Kampf beider um die Grundsätze in der italienischen Politik. Und dieser Streit setzte sich bei der ersten Hoftafel, zu der Liudprand eingeladen wurde, ') Vgl. den Bericht in Liudprandi ep. Cre- mon. opera ed. Becker p. X n. 6. 2 ) Reginonis chron. contin. 965 (ed. Kurze p. 176) Et Otaerus Spi?-ensis episcopus et Liuzo Cremonensis episcopus cum eisdem Romain ab imperatore diriguntur. 3 ) Außerdem war auf seine ausdrückliche Bitte der Kaiser von seinem weiteren Vordringen gegen die griechischen Besitzungen in Unteritalien abgestanden, vgl. Legat. 57 p. 206 Sed preeibus remeat Romanas Victor ad arces Inde meis. Liudprand von Cremona. 171 fort und wurde hier, wenn man seinen Worten trauen kann, in höchst erregter Weise um die Nationalitäten geführt, wobei Liudprand die heftigsten Ausfälle gegen die Römer machte. 1 ) Er wurde schließlich krank und bat, zurückkehren zu dürfen, da bewilligte man ihm eine Audienz, in der die Wünsche Kaiser Ottos zur Sprache kamen. Die Heirat, erklärte man, solle geschehen, wenn Otto Rom, Ravenna und überhaupt ganz Italien den Griechen überlasse. Auf das höchste aber wurde Liudprand gereizt, als man ihm zumutete, bei der nächsten Hoftafel unter einem Gesandten von Bulgarien zu sitzen, 2 ) der in ungarischem Aufzuge zu Hofe kam und dazu noch Katechumene war. Da er sich weigerte, hier Platz zu nehmen, zwang man ihn, mit dem kaiserlichen Gesinde zu essen. Und so reihte sich für ihn Schimpf an Schimpf und er mag bei seinem gereizten Wesen oft genug die unmittelbare Ursache dazu gewesen sein. Seine Schrift ist daher des Hasses voll gegen die Griechen, die er wie ihren Kaiser und dessen Hof nur mit Spott betrachtet, ohne sich über die bedeutenden Hilfskräfte des Reiches die nötige Aufklärung zu verschaffen. Er sah jedenfalls nur das, was er sehen wollte, und trotzdem er fast ein Romane war, mochte der Vergleich des gespreizten und zeremoniellen griechischen Wesens mit der kräftigeren und derberen Art des Verkehrs am deutschen Hofe sehr zuungunsten der eingebildeten Griechen ausfallen, namentlich wenn er die außerordentlichen Erfolge der Politik Ottos des Großen mit den staatlichen Verhältnissen der Griechen verglich. Daß seine Botschaft erfolglos war, hatte er bald eingesehen, aber man ließ ihn nicht fort, und dabei wurde ihm keine Möglichkeit gegeben, seinem Herrn die Sachlage durch Boten und Brief auseinanderzusetzen. 3 ) Endlich, nachdem er mehrere Monate durch leere Versprechungen hingehalten worden war, gab man ihm einen mit Gold geschriebenen Brief des Nikephoros an Otto und einen Brief — er war nur mit Silber geschrieben — des Kuropalates Leo an den Papst mit, aber man hielt es nicht einmal für nötig, ihm zur Rückreise für das Gepäck Pferde zu stellen, so daß er dafür selbst sorgen mußte. Liudprand rächte sich für all die ihm angetane Unbill dadurch, daß er an die Wand und auf den Tisch des Zimmers in dem Hause, das man ihm angewiesen hatte, vor seiner Abreise neunzehn boshafte lateinische Hexameter schrieb, in denen er seinem Ärger gründlich Luft machte. Seinen Bericht über die Rückreise, die sich sehr verzögerte, hat er dann dem Werke beigefügt, wir können ihn aber nur bis zur Abreise von Korfu begleiten, da auch dieses Werk am Ende unvollständig und zwar nur durch einen Druck überliefert ist. Er richtete die Schrift an die beiden Kaiser Otto und an die Kaiserin Adelheid. Auch nach seiner Rückkehr hat er an wichtigen Reichsgeschäften tätig mitgewirkt, wenn aber der Verfasser der Translatio s. Hymerii sagt, daß er später noch einmal als Gesandter nach Konstantinopel gegangen und auf dieser Reise gestorben sei, so ist das doch in hohem Grade un- ') Vgl. hierzu Fr. Novati, L'influsso del peusiero latino sopra la civiltä Italiana del medio evo 2 S. 31 f. Die Stellen vgl.Legat. 11.12. 2 ) Vgl. hierzu C. Neu mann, Die Weltstellung des byzant. Reiches vor den Kreuzzügen S. 7 und n. 2; hier S. 17 f. zu Liudprand im allgemeinen. 3 ) c. 1 p. 175 Quid causae fuerit, qaod prius litteras sive nunthim meum non stisce- peritis, ratio subsequens declarabit. 172 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wahrscheinlich; denn wenn sich auch durch die Ermordung des Nikephoros und die Thronbesteigung des Johannes Tzimiscas in Konstantinopel ein großer Umschwung vollzog, ist es doch unglaublich, daß Liudprand sich nach seinen dortigen Erlebnissen zu einer neuen Reise nach Griechenland entschlossen hätte, zumal ihm hierbei nur die zweite Rolle zugefallen wäre, da an der Spitze der Gesandtschaft Erzbischof Gero von Köln stand. Jedenfalls weist nichts mit Sicherheit darauf hin, daß er nach 970 noch gelebt hat und 973 sehen wir seinen Nachfolger Odelric schon im Amte. Als dieser 984 den Besitz seiner Kirche aufnahm, befand sich darunter von Liudprand nur noch eine Weihrauchpfanne. Also eine historische Schrift scheint dieser seiner Kirche nicht hinterlassen zu haben, wie überhaupt aus dem Bücherverzeichnis Cremonas hervorgeht, daß Liudprand, der doch in der klassischen Literatur sehr zu Hause war, weder seiner Kirche von seinem Bücherbesitz etwas vererbt, noch bei Lebzeiten dergleichen Studien dort begünstigt hat. 1 ) Und während in Italien Liudprands Schriften nur dem Gregor von Catina bekannt sind, wurden sie in Deutschland häufig abgeschrieben und ihre Kenntnis läßt sich hier noch bei vielen Historikern des Mittelalters ermitteln. Zeugnisse. Zur Abkunft vgl. Legat. 12 p. 182 nos, Langobardi scilicet. Daß Pavia kaum die Vaterstadt ist, vgl. Dümmlers Ausgabe p. V n. 2 und Pertz, MG. SS. 3, 264. Zur Altersbestimmung vgl. R. Köpke, De vita et scriptis Liudprandi (Berlin 1842) p. 10 und Dümmlers Ausgabe p. V sowie die Worte Antap. 3,24 p. 83 me parvulo derelicto migrävit ad dominum. Zum Vater und dessen Gesandtschaftsreise vgl. Antap. 3,22 p. 82 cui cum propter morum probitatem tum propter lingue urbanitatem genitorem meum dirigit nuntium. Zum Stiefvater Antap. 5,14 p. 137 Verum quoniam mens vitricus, vir gravitate ornatus, plenus sapientia, regis Hugonis fuerat nuntius und 6,3 p. 153 vitricum, cuius tunc sub cura degebam. Zum Unterricht des Knaben 6, 3 p. 153 quam facile doctrinas ebibet Grecas qui tarn pueri- libus in annis epotavit Latinas. Zur Aufnahme am Hofe 4, 1 p. 104 Ea siquidem tempestate tantus er am, quod regt's Hugonis gratiam michi vocis dulcedine adquirebam. Is enitn euphoniam adeo diligebat in qua me coequalium puerorum nemo vincere poterat; diese Tatsache wird zwischen Ereignissen (3,49 ff. p. 100 und 4, 2) erzählt, die in die Jahre 935 und 931 fallen. Zur Stellung als Diakon in Pavia vgl. Antapod. (ed. Becker p. 1) a Liudprando Ticinensis ecclesiae diacone und 1, 1 p. 3 Liudprandus Ticinensis ecclesiae suis non meritis levites sowie Sigebert de Script, eccl. 126 (p. 148) Luitprandus Ticinensis ecclesiae diaconus. Eintritt in den Dienst Berengars Antap. 5,30 p. 149 Tanta hac Berengarii fama humanitate liberalitate parentes mei acciti ei me ad serviendum tradunt. Cui et inmensis oblatis muneribus secre- torum eius conscium ac epistolarem constituunt signatorem. Cui cum fideliter longe tempore deservirem, hac quam prosecutnrus sum suis in locis, pro dolor! mercede donavif. Die erste Gesandtschaft 949 Antap. 6,3 p. 153 Berengarius itaque . .. cogitans, quem potissimum mitteret, cui nil impensae ob itineris longinquüatem preberet, vitricum cuius tunc sub cura degebam veniens: Quanti mihi, inquit, esset privignum tuum Grecas litteras non ignorare? Cui cum diceret: Ut divitiarum mearum ea gratia partem medium distributam haberem l Non necesse, ait, habes .. . Hac spe quam mox vitricus animatus, inpensas omnes distribuit, meque magnis cum muneribus Constantinopolim direxit. Die Veranlassung zur Gesandtschaft enthält Antap. 6, 2 p. 152. Die Verfeindung mit Berengar ergibt sich aus Antap. 5, 30 p. 149 und besonders aus 3,1 p. 73. Seine Flucht und sein Exil berührt er mehrmals, nämlich schon in der Aufschrift der Antapodosis p. 1 en ti echmalosia autü k'v xtj iyjialooiq avtov in pere- grinatione eius, ferner 3,1 p. 74 2 ) und 6,1 p. 152, wo er auf die vielfachen Leiden anspielt, die er im Exile erduldet habe. Ueber Recemund von Elvira vgl. Dümmlers Ausgabe p. VI n. 2 und Dümmler, Otto d. Große S. 278, dazu Vita Johannis Gorziensis 130 (MG. SS. 4,375). Die Aufforderung Recemunds ergibt sich aus Antap. 1,1 Biennio . .. petitionem tuam, pater harissime, distuli, qua totius Europae me imperatorum regumque facta, sicut is, qui non ') Nur ein Avian und ein Martian werden genannt. Erst Odelric vermehrte diesen Besitz beträchtlich. Vgl. Archivio stor.Lomb. 7,252 ff. Die Bücher auch bei Becker N.36. 2 ) Denique quod ev rn eyjxaloaia en ti echmalosia hoc est in captivitate seu peregri- natione libellulus hie conscriptus dicatur, presens indicat exulatus. Liudprand von Cremona. 173 auditu dubius sed visione certics, ponere compellebas; Beginn der Arbeit in Frankfurt 1 ) 3,1 p. 74 Coeptus quippe in Frankenenvurd qui est XX miliariis locus Magontia distans; die folgenden Worte in Paxu insula nongentis et eo amplius Constantinopolim miliariis distans usque hodie exaratur, bezeugen, daß Liudprand auch nach der ersten Reise und vor der zweiten Gesandtschaft auf griechischem Boden geweilt hat. Vollendung der Antapodosis erst nach Ottos Kaiserkrönung Antap. 6,4 p. 153 domini nostri tunc regis nunc imperatoris. Erklärung des Titels Antapodosis vgl. 3,1 p. 74 Sit igitur eis*) presens pagina antapodosis hoc est retributio dum pro calamitatibus meis zip' äoeßeTav asevian id est inpietatem eorum presentibus futurisque mortalibus 3 ) denudavero. Nee minus etiam sanetissimis et fortunatis viris pro collatis in nie benefieiis antapodosis erit. Uebrigens ist der Anfang zu jener Einführung in das Werk 3, 1 Operis huius titulum .. . Intentio huius operis ganz in dem schulmäßigen Schema nach Remigius von Auxerre gegeben. Die Notiz am Beginn des vierten Buches (4,1 p. 104) lautet Hactenus quae digesta sunt . .. sicut a gravissimis, qui ea creverant, viris audivi, exposui; caeterum quae narranda sunt ita ut qui interfuerim explicabo. Die häufigen griechischen Stellen werden in zwei Handschriftengruppen (Iundll, vgl. Jos. Becker S. 35,1 mit lateinischer Transskription und Uebersetzung versehen, doch hat Fr. Köhler (Neues Archiv 8,83 ff.) nachgewiesen und Jos. Becker (Textgeschichte Liudprands von Cremona S. 36 f.) hat neue Gründe dafür geltend gemacht, daß beides im Original fehlte und erst späteren Zusatz darstellt. Und ebenso dürfte es mit den nicht selten beigeschriebenen Glossen 4 ) sein, die sich nur in den abgeleiteten Hss. finden und der besten Klasse fehlen, vgl. Köhler S. 81 ff. Es ist außerdem hier noch hinzuzusetzen, daß die ganze Schriftstellerei Liudprands, wenn sich auch in ihr öfters ein gewisses Prunken mit Zitaten geltend macht, doch keinen schulmeisterlichen Eindruck hervorruft: die Form ist ihm nicht die Haupttache, sondern der Inhalt. Liudprand ist entschieden eine geistige Potenz, deren Schriften sehr ausgeprägte Färbung besitzen,, bei der das formale Element nicht stark mitspricht, wenn es auch öfters gesucht und unnatürlich erscheint. Von besondrer Wichtigkeit ist, daß Fr. Köhler S. 72 ff. erwies, daß Liudprand die Briefe Ciceros ad familiäres stark benutzt hat, 5 ) die in alten Katalogen mit Sicherheit erst s. XII in Cluni (Delisle. Le cab. des mscr. 2,459 ff. N. 490 und 493) nachzuweisen sind und deren älteste Hs. Medic. 49, 9 nicht viel älter ist als Liudprands Zeit; außerdem kennt dieser die auch schon in früherer Zeit benutzten Paradoxa, vgl. Antap. 5,27 p. 114. Besonders ist er in Terenz gut zu Hause, desgleichen in Vergil, Ovid und den Satirikern, er kennt das Gedicht Anthol. lat. 682 (vgl. Antap. 5, 32 p. 150 und Legat. 10 p. 181); an Lucretius 3,128 f. erinnert Antap. 2,1 p. 36 vitalis calor Arnulfi regis membra deserens, an Martian 5,425 Vs. 2. 5 Antapod. 2,4 Vs. 3 piolus summo clangore remugit ... mox trepidant. e ) Auch die ältere Geschichtschreibung kennt Liudprand, wie sich aus Antap. 1,1 p. 4 ergibt, und aus 2, 3 p. 37, wo Jordanis Get. 24 verwendet wird. Hingegen ist die von Köhler S. 74 postulierte Benutzung des Cornelius NeposAtt. 1,3 in Antap. 4, 1 unwahrscheinlich, denn es fehlt durchaus an wörtlichem Anklang und in alten Katalogen wird Aemilius Probus de excellentibus dueibus (oder ähnlich) erst im 15. Jahrhundert genannt; außer dem Gudianus fehlt jede frühere Spur des Werkes. Die Zeit der Erhebung zum Bischof gibt ein Gütertausch vom 14. Januar 962, als Liudprand schon Bischof war, vgl. Monum. hist. patriae 13,1120. Die Gesandtschaft an den Papst Hist. Ott. 7 p. 163 His expletis Landohardum a Saxonia Mimendensem et Liudprandum ab Italia Cremonensem episcopos cum prefatis nuntiis Eomam dirigit domno papae se incul- pabilem esse satisfacturos ... Prefati .. . episcopi Romain ante domni papae praesentiam venientes, tanto sunt inhonore suseepti, ut non eos lateret, quanto sanetum imperatorem tedio fastidirent. Teilnahme an der Synode in Rom Hist. Ott. 9 p. 165 Liudprandus Cremonensis, TJebertragung der kaiserlichen Rede 11 p. 167 Liudprando Cremonensi episcopo preeepit, ut Latino sermone haec Romanis omnibus quae seeuntur exprimeret. Die Wahl Leos VIII. in der Hist. Ott. 14 f. und die Absetzung Benedikts V. daselbst c. 21. Beginn der Historia Ottonis 1 p. 159 Regnantibus immo saecientibus in Italia et ut verius fateamur tyrranidem exercentibus Berengario atque Adalberto. Zu Gütertauschen in der Kirche von Cremona 966 vgl. Beckers Ausgabe p. X und n. 2. Zur Teilnahme an der Ravennater Synode 967 vgl. *) Daß die Bestimmung des Jahres 956 richtig ist. ergibt sich auch aus der Erwähnung des Ungarnsieges Ottos I. in Antap. 1, 5 p.7. 2 ) Nämlich dem Berengar und der Willa. 3 ) Der Ausdruck läßt auf Kenntnis von Sallust schließen. Sallustisch ist auch Antap. 4,15 p. 113 ad propositum redeam'us und Hist. Ott. 1 p. 159 contra ius fasque. Vgl. auch Ant. 5, 5 p. 132. *) Köhler bemerkt S. 82 f., daß im Harlei. 2688 s. XIII die Bemerkung zum Metrum der Verse 5,11 p. 136 aus dem Traktat des Lupus von Ferneres stammt, vgl. Peipers Ausgabe der Consol. philos. des Boethius p. XXIV. 5 ) Vgl. Antap. 2, 69 p. 68. 3,40.41 p.93. 5, 5 p. 132. 6 ) Zusammenstellung der Belesenheit in der Ausgabe von J. Becker p. XIII. 174 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Fantuzzi, Monum. ßavennat. 2, 28, Kleinmayrn, Juvavia p. 183 und Ughelli Italia sacra 5, 45. Die griechische Gesandtschaft und die Gegenbotschaft Ottos vgl. in der Contin. Reginonis 967 (ed. Kurze p. 178). Die Zeugnisse zu Liudprands zweiter Gesandtschaftsreise vgl. in der Relatio de legatione p. 136—166. Hier stammt nach Havet (Revue critique 1,197) mandrogerontes in c. 55 (p. 205) aus der Aulularia (ed. Peiper p. 49,10. 52,9. 59,10). Graecia mendax c. 57 Vs. 13 ist aus Juvenal 10, 174 genommen. Zur Gesandtschaft vgl. A. Zanelli, Una legatione a Constantinopoli nel secolo X, Brescia 1883 (hierzu Archiv, stör. Kai. 13, 298 ff.). Zu den Reichsgeschäften unter Liudprands Anteilnahme vgl. C. Cipolla Mem.d;accad. di Torino,2.Serie, 42, 33 f. (MG.Diplom. 2,879—881): Ughelli, Italiasacra 8,63J Hieron. Rubei Hist. Ravennat. p. 262. Die angebliche weitere Gesandtschaft vgl. Dümmlers Ausgabe p. VI11 (adn.) Laudabilis auteni praefattis pontifex .. . sed tarnen non fuit hoc Uli datum, quia imperiali servitio coactus Constantinopolim directus illuc amplius haiid est reversus. Ins Jahr 970 gehören noch zwei Tauschverträge, in denen Liudprand erwähnt wird, Monum. hist. patr. 21.34—36. Sein Nachfolger Olderic 973, vgl. Monum. hist. patr. 13,1298! 1300. Ueber das Leben im allgemeinen s. Wattenbach 1,475—479, danach U. Balzani, Le cronache italiane nelmedio evo p. 113—129. Ebert 3, 414—427 und besonders Dümmlers Ausgabe p. V — X und Beckers p. VII — XII. Schriften. Zum Fortleben Liudprands hat im Zusammenhang mit schärferer Klassifizierung der Handschriften gehandelt Jos. Becker, Textgeschichte Liudprands von Cremona S. 37 f. Becker stellt drei Klassen auf und läßt als reinste die dritte (österreichische) gelten, da sie aus einem unverdorbeneren Archetypus abzuleiten ist als Klasse I (an der Spitze der Frisingensis) und II. Vielleicht stammen schon aus dem gemeinsamen Archetyp aller Klassen die Metzer Auszüge (Mott. 145 s. X), sie geben dio griechischen Stellen in Minuskel und nicht in Unziale, wie es meist der Frisingensis tut; das Stemma der Klassen s. bei Becker S. 34 und in der Ausgabe p. XXVIII—XXXI, der aber Neues Archiv 36,209-211 (vgl.Aus- gabe p. XXXI) auf Grund einer Stelle in Antap. 1,42 annimmt, daß zwei verschiedene Redaktionen existieren, die auf Liudprand selbst zurückzuführen sind. Für Klasse III vgl. das Stemma bei Becker p. 29, für II p. 27. Daß Hrotsvit die Schriften Liudprands gekannt hat, ist nach v. Winterfeld (s. Wattenbach 1,479) kaum anzunehmen. Aelteste sichere Benutzung in der Vita Gerardi abb. Broniensis') bald nach 1038 vielleicht aus dem alten Lobiensis. Dann Benutzung bei Sigebert und zwar des Harlei. 3713; dieselbe Handschrift wurde wohl verwendet von Frutolf von Michelsberg und Gregor von Catina (Farfa). Magnus von Reichersberg benutzte eine Hs. der dritten Klasse, Rahewin hingegen den Frisingensis (Trithemius den von diesem abgeleiteten Spanheimensis). Alberich von Trois-Fontaines schrieb aus Bruxell. 14923 ab, während bei Dietrich von Niem die benutzte Hs. nicht mehr erkennbar ist. Die erste Klasse besteht aus Monac. 6388 s. X, Florent. Laur. Ashburnham 15 s. X, Bruxell. 9904 s. XI, Harlei. 3685 s. XVI; 2 ) hierzu kommen die kurzen Exzerpte im Mett. 145 s. X (vgl. Köhler, Neues Archiv 8, 79 und Photographie bei Jos. Becker tab. 1). Die zweite Klasse vertreten Harlei. 3713 s. XI, Bruxell. 14923 s. XII, Paris. 5922 s. XII (Exzerpte), Berol. lat. fol. 358 s. XII, Ambros. P 107 s. XVI, Trevir. 388 s. XI (Exzerpte). Die dritte Klasse wird gebildet von Harlei. 2688 s.XIU, Claustroneoburg. 741 s. XII, Zwettl. 299 s. XII, Vindob.400 s. XIII und 427 s. XII. Zur Textgeschichte selbst s. Jos. Becker S. 42—46. Ausgaben von Pertz, MG. SS. 3,264—363 (= Migne 136,769-938), von E. Dümmler, Hannover 1877 und besonders von J. Becker, Hannover 1915. Nichts mit Liudprand zu tun haben mehrere Schriften, die ihm später beigelegt worden sind. Hierzu gehören die Adversaria, die aus 301 kurzen Abschnitten bestehen, vollständig plan- und regellos aneinandergereiht. Es handelt sich fast stets um kirchliche Dinge und Ereignisse, die, zumeist aus der spanischen Geschichte genommen, ihren spanischen Ursprung deutlich erweisen. Dann das Chronicon, das von 606—960 (spanische Ära 644—998) reicht und aus 368 Abschnitten besteht. Auch dies Werk ist späten, spanischen Ursprungs und behandelt besonders Spanien. Über beide vgl. Nicol. Antonii, Biblioth. Hispan. vetus 1, 585 ff.; Ausgabe bei Migne ') Und zwar in Kap. 14 (MG. SS. 15,664, 38—56), wo Antap. 4,25 abgeschrieben wird (Henricus rex — severitate terrentur). 2 ) Alle diese Hss. sind Abschriften des Monacensis, der wohl in Italien entstand und durch Abraham von Freising nach Deutschland kam. Traube hat allerdings auch an Spanien als Ursprungsland gedacht. Vgl. Jos. Becker 39 ff. A. Hofmeister hält aber Deutschland für den Ausgangspunkt der Werke Liudprands, vgl. Beckers Ausgabe p. XXXII Ruotgers Leben Brnns von Köln. 175 136,967—1134 und 1133—1180. Endlich der Liber pontificalis oder das Opusculum de vitis Romanorum pontificum 1 ) bei Migne 129, 1149—1256. Die Schrift ist deshalb dem Liudprand beigelegt worden, weil im letzten Kapitel die Antapodosis wörtlich ausgeschrieben ist. Das Werk besteht aus meist sehr kurzen Auszügen aus dem römischen Liber pontificalis, der aus andern Quellen erweitert wurde. Und zwar liegt eine Handschrift des Liber pontificalis zugrunde, die nicht mit dem 8. Jahrhundert abbrach, da die Auszüge erst mit Hadrian IL enden. Wido, der spätere Bischof von Osnabrück, hat 1084 oder 1085 eine Schrift verfaßt, in der er für den König eintrat und in der er das Papstbuch selbst sowie diese sogenannte Papstgeschichte Liudprands benutzte. Diese ist daher zwischen 1077 und 1085 verfaßt und zwar wahrscheinlich in Osnabrück, also von einem Zeitgenossen des Bischofs Benno. Eine Handschrift des Werks ist nicht mehr vorhanden. 15. Ruotgers Leben Bruns von Köln. Ottos des Großen jüngster Bruder Brun, der bei Bischof Balderich von Utrecht seine Jugendbildung erhalten hatte, wurde schon mit etwa fünfzehn Jahren 2 ) von seinem königlichen Bruder an den Hof gerufen, wo er unter Leitung ausgezeichneter Männer seine wissenschaftlichen Studien fortsetzte. Er hörte bei seinen Lehrern Lateinisch und Griechisch und war namentlich darauf bedacht, reiche Bücherschätze zu sammeln, um das Studium der freien Künste wieder lebendig oder, was richtiger ist, am sächsischen Hofe heimisch zu machen. Auf seinen Reisen begleiteten ihn stets seine Bücher und immer beschäftigte er sich mit gelehrten Dingen. Besondere Verehrung empfand er für seinen Lehrer Israel. Dieser, eine Ire von Geburt, war wahrscheinlich aus der Heimat vertrieben worden und wurde Mönch zu St. Maximin bei Trier; vielleicht war er 947 auf einer Synode zu Verdun anwesend. Als sein Lehrer wird in dem von Gautbert angelegten Verzeichnisse der Grammatiker Ambrosius genannt und einzelne Spuren deuten darauf hin, daß Israel selbst in der grammatischen Wissenschaft literarisch tätig aufgetreten ist. Denn auf ihn wahrscheinlich geht ein Gedicht De arte metrica super nomen et verbum im Vat. reg. 421 s. XI zurück, und ihm wird wohl auch ein Zusatz zum Donatkommentar des Re- migius in einer Münchener Handschrift gehören; nach Ruotger hat er die Stellung eines Bischofs bekleidet, die ihm wohl auf Veranlassung Bruns zuteil geworden ist. Und es scheint, daß Brun selbst am Hofe unterrichtet hat, wenigstens läßt sich das aus Ruotgers Bericht in Kap. 5—7 unschwer erschließen. 3 ) Schon im Alter von 28 Jahren erhielt Brun das Erzbistum Köln und entfaltete in dieser hohen Stellung eine hervorragende Wirksamkeit, die sich auch auf wissenschaftliche Dinge erstreckte. Er selbst ist freilich nicht literarisch tätig gewesen, da die Schriften, die man ihm früher ') Hierüber hat W. Levisön, Neues Archiv 36,417-432 gründlich gehandelt. Seine Resultate sind oben gegeben. 2 ) Er war im Jahr 925 geboren, vgl. Streit i t z k i, Quellenkrit. Untersuchungen z. Gesch. d. Erzbischofs Bruno I. von Köln S. 5 n. 9, der sich hierbei mit Recht auf Ruotger c. 42 (p. 43 der Schulausgabe, Hannov. 1841) stützt. 3 ) Vgl. außerdem die Worte des Prologs p. 3 in solis eius discipulis omne studiorum et eloquentlae genus floreat. 176 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, beigelegt hat, nicht ihm, sondern dem Bischof Bruno von Segni gehören. Und auch in Köln selbst gelang es ihm nicht, den Klerus zu reger Beteiligung am wissenschaftlichen Leben zu bewegen. Wohl aber legen die alten Schätze der Kölner Kathedralbibliothek, 1 ) die zu seinen Lebzeiten und unter seinen Nachfolgern gesammelt worden sind, deutlich Zeugnis von dem wissenschaftlichen Eifer des geistlichen Fürsten ab, der schon nach zwölfjähriger Wirksamkeit 965 gestorben ist. Ruotger, ein Kölner Kleriker, vielleicht Mönch zu St. Pantaleon, der Brun sehr nahegestanden haben muß, 2 ) erhielt nun von dessen Nachfolger Folcmar (965—968) den Auftrag, das Leben des Verstorbenen zu beschreiben. Ruotger standen hierfür die besten Unterlagen zu Gebote, und er wird den ihm fehlenden Stoff für die früheren Zeiten vielleicht von der kaiserlichen Familie selbst erbeten haben, wenn er auch darüber völlig schweigt. In der Vorrede bringt er neben den üblichen Bescheidenheitsphrasen zur Sprache, daß es ihm wie jedem anderen unmöglich sei, alles aufzuzeichnen, was der große Mann jemals vollbracht habe; er läßt aber deutlich durchblicken, daß er sich bei anderen hochgestellten Geistlichen, die dem Erzbischof nahegestanden hatten, Rats erholt habe. Und es ist ihm auch wirklich gelungen, ein richtiges Bild seines Helden zu zeichnen. Freilich ist es ein Bild aus geistlicher Feder und stammt von einem Manne, der dem Erzbishof wie überhaupt der kaiserlichen Familie ergeben war, der in jedem Abfall vom Herrscherhaus einen Frevel gegen Gottes Gebot sah. Dessen wird sich der Leser gleich anfangs bewußt und in der Biographie erkennt man bald eine unbedingte Lobschrift auf Brun und das ganze kaiserliche Haus. Ruotger beginnt seine Biographie mit christlich-philosophischen Gedanken in bezug auf das wunderbare Geschenk, das Gott der Welt in Brun verliehen habe. Er spricht sich dann über die ausgezeichneten Anlagen Bruns aus und berichtet über König Heinrich in enkomiastischer Weise. Nur kurz berührt er die Kindheit seines Helden, um länger bei dessen Jugendunterricht zu verweilen, wobei auf den Dichter Prudentius ein glänzendes Lob fällt. Es folgt die Berufung durch Otto an den Hof und die Vervollkommnung von Bruns Bildung mit Hervorhebung von deren griechischen Elementen. In den nächsten Kapiteln verbreitet sich Ruotger über Bruns Fleiß und seine Betriebsamkeit; hier ist in Kap. 9 die Äußerung bezeichnend, daß er bei der Lektüre von Terenz 3 ) den Stoff für nichts hielt, 4 ) sondern das Hauptgewicht auf die alten Muster in den Wortverbindungen legte — also ein völliges Pendant zu der zeitgenössischen Hrotsvit! Hierauf folgt die Erwähnung der geistlichen Ämter Bruns, der Tod Wicfrids von Köln und die Wahl Bruns zum Erzbischof von Köln. Dann kommt Ruotger mit großem 1 ) Beschrieben von Jaffe und Wattenbach, Ecclesiae metropolitanae Coloniensis Codices manuscripti. 2 ) Vgl. hierzu R. Teuffei, Iudivid. Persönlichkeitsschilderung in d. deutschen Geschichtswerken d. 10. u. 11. Jahrh. S.80—83. Vielleicht stammte Ruotger aus Sachsen und war Mönch in Korvei gewesen, vgl. H. Sehr örs, Annalen d. hist.Ver.f.d. Niederrhein 90,61 ff.; Catal.abb.etfratr.Corbei. (MG.SS. 13,276,37) Rukgerus, ob derselbe? 3 ) Denn so allein kann c. 9 p. 10 (Schulausgabe) quae in comoediis et tragoediis a personis variis edita aufgefaßt werden. Vielleicht ist hier auch an Seneca zu denken. 4 ) Schulausgabep. 10 materiamprominimo, auetoritatem in verborum compositionibus pro maximo reputabat. Ruotgers Leben Bruns von Köln. 177 Bedauern auf die schweren Aufstände zu sprechen, die der Erhebung vorangingen, und er kann nicht genug die Stellungnahme des Erzbischofs zu diesen Ereignissen und den sie veranlassenden Personen preisen und erdichtet eine längere Rede desselben an Liudolf. Eine solche erdichtete Rede Ottos an Brun 1 ) flicht er auch der weiteren Erzählung vom Aufstande ein. 2 ) Dergleichen Reden hielt der mittelalterliche Geschichtschreiber an besonders markanten Stellen seines Werkes für notwendig; man fand sie ja häufig bei den alten Historikern und gab sie wohl auch als Themen in der Schule, wo sie dann nach den Vorschriften Ciceros und Quintilians angefertigt wurden; bei Ruotger erscheinen sie, wie bei Widukind, als Nachahmungen des von beiden sehr stark benutzten Sallust. Ruotger berichtet dann von der Weihe seines Helden zum Erzbischof und über dessen Leben, wobei er ihn wegen seiner Beteiligung an Politik und Krieg kräftig in Schutz nimmt. Hierauf wird der Zug der Ungarn und Konrads Verrat sowie die Botschaft an den Papst und dessen Übersendung des Palliums und der Reliquien des hl. Pan- taleon erzählt, dann Bruns geistliches nnd asketisches Leben gerühmt; hier geht Ruotger näher auf die Gewinnung von Reliquien sowie auf den Bau von Kirchen und die Sorge Bruns für Kirchen und Klöster ein. Geschichtliche Tatsachen über die Schlacht auf dem Lechfelde, über den Ausgang Liudolfs, über politische Maßnahmen des Erzbischofs sowie über die große ottonische Familienversammlung in Köln zu Ostern 965 reihen sich an. Sodann berichtet Ruotger über die letzten Zeiten Bruns und bringt dessen letzte Ansprache an seine Bischöfe. Den Beschluß machte Bruns Tod, Begräbnis und Testament. Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Biographie reichhaltig ist und viel Stoff über den Helden beibringt. Ihre Anlage ist im ganzen chronologisch gehalten und die Erzählung zusammenhängend gegeben, indem die eigentlich historischen Teile meist synchronistisch verknüpft werden. Einharts singuläres Beispiel für die Biographie nach Kategorien war ja überhaupt nicht nachgeahmt worden, und da Ruotger dem Brun im Leben nahegestanden hat, so kann man sich im allgemeinen wohl auf seine historische Treue verlassen. Im einzelnen freilich nicht immer, denn die oben berührten Reden sind natürlich so, wie sie Ruotger überliefert, nie gehalten worden. Außerdem hängen dieser mehr geistlichen Biographie deren allgemeine Mängel an: das Lob wird bei der einseitigen Betrachtungsweise doch zu stark gegeben, und gerade das, was wir zu wissen wünschten, nämlich die politischen Zusammenhänge, erfahren wir nicht; denn die geistliche Phrase und der gesuchte Schwulst im Ausdruck überwuchern doch zu sehr. Und dabei ist die Sprache vielfach aufgeputzt mit fremden Bestandteilen; sie mutet im allgemeinen sallustisch an, richtet sich doch aber auch vielfach nach den alten Dichtern 3 ) und nach Sulpicius' Leben : ) Sie evfolgt bei Uebergabe der herzog- [ von Schwaben (Schwerin 1901), besonders liehen Würde durch Otto an den Bruder, wo- \ S. 31 f. Es zeigt sich, daß Ruotger im all- bei das Wort archidux gebraucht wird (c. 20 p. 20) Brunonem oeeidenti tutorem ... et ut ita dicatn archiducem . . . misit. 2 ) lieber den Wert der Vita Brunonis als Geschichtsquelle für den Aufstand vgl. F. Juug, Ruotger und der Aufstand Liudolfs gemeinen gut unterrichtet ist und nur in Einzelheiten irrt. s ) Nicht nur durch die wirklichen Anführungen aus Vergil, Terenz, Persius, Juvenal und Prudentius, sondern auch durch vielfältig bei den Dichtern gesuchten Ausdruck. lanitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 12 178 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. des hl. Martin, dem allgemeinen Vorbild für die mittelalterliche Biographie. Hierneben wird Cicero sehr häufig als Muster benutzt und A. Mittag hat nachgewiesen, 1 ) daß Ruotgers Darstellung von der augustinischen Bedeutung der Worte pax und iustitia völlig durchdrungen wird, so daß also auch besonders tiefes Eingehen auf Augustins Schriften bei ihm zu konstatieren ist. Jedenfalls besitzen wir in Ruotgers Leben Bruns eine der hervorragenderen mittelalterlichen Biographien und sie hat daher auch mit Recht ihren Platz in Sigeberts Katalog gefunden. Zeugnisse. Zur Ausbildung Bruns vgl. Ruotger c. 4 (p. 7) Eo tempore generosa regum proles annos circiter quatnor habens liberalibus litterarum studiis imbuenda Baldrico venerabili episcopo, qui adhuc super est, Traiectum missa est. Berufung an den Hof ib. 5 Hie (seil. Otto) germanum suum Brunonem deo dicatum adhuc adolescentulum honorabiliter, ut par fuit, e scolis in palatium voeavit. Zur Fortsetzung der Studien ib. 5 p. 9 Oblitteratas diu Septem liberales artes ipse retexit. Quicquid historici oratores poetae et phylosophi novum et grande perstrepunt, diligentissime cum doctoribus cuiuscumque linguae 2 ) perscrutatus est ... 6 Saepe inter Graecorum et Latinorum doctissimos de phylosophyae sublimitate . . . doctus interpres medius ipse consedit 3 ) ... 8 p. 10 Translaticiis usus est scolis . . . Quocumque enim circum- agebantur tabemacula aut castra regalia, bibliothecam 4 ) suam . . . circumduxit, ferens secum et causam studii sui et instrumentum, causam in divinis instrumentum in gentilibus libris. Zu Israel vgl. c. 7 p. 9 Israel episcopus Scotigena, sub cuius magisterio illustrissimm hie de quo loquimur plurimum se profecisse testatus est . . . sanetum cum adprime virum esse respondit . . . Graeci quibus aeque magistris usus est ad tantam gratiam stupebmü; außerdem Hontheim, Prodrom, bist. Trev. 2,975 (Necrol. S. Maximini) VI Kai. Mai. Israhel episcopus nostrae congregationis monachus h ) und Dümmler in Neue Mitteil. a. d. Gebiet hist.antiquar. Forschungen 11,233 (Necrol. Merseburgense) VIII Kai. Mai. Israhel episcopus. Die Synode von Verdun 947 bei Flodoard Annal. 947 (MG. SS. 3. 394, 38) Synodus ... Virduni habita est . . . cum Israhele Brittone und bei Richer, Histor. 2,66 (ib. 3, 602, 22) sinodusque episcoporum Virduni collecta est .. . considentibus ... Israhele Brittigena; da Israel an beiden Orten als Bischof zuletzt genannt wird und zwar ohne Sitz, so ist anzunehmen, daß dieser Ire, der sich zu St. Maximin als Mönch später aufnehmen ließ, Bischof ohne festen Sitz gewesen ist, was bei Iren auch in der karolingischen Zeit begegnet. Es ist wohl derselbe Israel, als dessen Lehrer in dem Grammatikerkatalog des 10. Jahrhunderts ein Ambrosius genannt ist (aus Leid. Voss. oct. 15 f. 147 b herausgegeben von Delisle, Notices et extr. 35,1, 312) Ambrosius quoque Hisraelis praeeeptor auditoris e grammaticis. Die Verse im Vat. reg. 421 s. XI heißen Versus Israhelis de arte metrica super nomen et verbum und beginnen Botbertum salvere iubent preconia metri, vielleicht sind sie dem Erzbischof Rotbeit von Trier gewidmet. Der Zusatz im Monac. 17209 s. XII — XIII zu Remigius' Kommentar in artem Donati min. (ed. Fox p. 11,10 adn.) lautet Dicitur autem res seeundum Israhelem quicquid sentitur vel intelligitur vel latet. Sentiuntur corporalia, spiritualia intelliguntur, tatet vero deus et informis materia. Israels Lehrer Ambrosius ist sonst unbekannt. — Folcwin berichtet Gesta abb. Lob. 22 (MG. SS. 4,64, 24) über Brun und Rather Ottho ...cuius frater Bruno unicum ... decus futurum . .. multiplieibus philosophorum pollebat argumentis. Ad- vocatur Batherius et habetur inter palatinos philosophos primus. Quid multa? No>i destitit donec regiam illam . .. indolem in Omnibus diseiplinis perspicacissimam redderet . . . Quod cernens regum tunc maximus mm a scholis ... evoeavit et in suggestum Coloniensis ecclesiae post TVicfridum . .. intronizavit; dies a scholis evoeavit stimmt zu der oben gegebenen Auffassung, daß Brun selbst Lehrer war. Die Erhebung zum Erzbischof (Wicfrid starb am 9. Juli 953) bei Flodoard (s. oben) und bei Ruotger c. 11, die Weihe erzählt Ruotger erst c. 21. Widmung und Auftrag bezüglich der Vita Brunonis in Ruotgers Prolog p. 3 Domino. .. Folcmaro archiepiscopo Buotgerus servorum suorum 6 ) ultimus . .. Imposuit sanetitatis vestrae reverentia super caput meum gravem quidem sarcinam . .. videlicet ut vitam ... archiepiscopi Brunonis ... describerem. Schwierigkeit des Werkes p. 3 Fecit omnino plurima et prope infinita, quae digna fuerunt sempiterna memoria; set non expectet auditor aut a me aut a. ') Die Arbeitsweise Ruotgers in der Vita Brunonis (Berlin 1896) S. 24—26. 2 ) Das heißt doch wohl eher der griechischen und lateinischen Sprache, als daß man an Lehrer romanischer und germanischer Herkunft denken möchte. 3 ) Das Bild ist biblisch nach Luc. 2,46. 4 ) Daß das Wort hier nicht die Bibel, sondern Bibliothek bedeutet, ergibt das folgende. 6 ) Darunter in der Anmerkung In libro mortuali Epternacensi ad hunc diem notatur: Israel episcopus conversus s. Maximini. 6 ) Also gehörteRuotger der Kölner Kirche an. Benedikt von St. Andrea. 179 quolibet haec omnia explicanda. Quod si quis fideliter . . . promitteret, singulos quos pueritiam praetergressuss vixit annos pröpriis et Ms utique spaciosis codicibus insigniret. . . Non desunt plurinii qui hoc laute et prudenter exequi possint, cum .. . in solis eius discipulis omne studiorum et eloquentiae genus . .. floreat. Zur Einziehung von Kunde bei anderen p. 3 Quot mmntosque de alumnis tanti viri episcopos, quantos in quacumque ecclesiasticae professionis disciplina probatissimos novimus-, qui eum et familiärius noverunt et perfectius illustribus monumentis vitam eius declarare potuencnt. Sehr überflüssig klingt p. 4 supplico ut quod Imie operi meo deest in pompa ornatuque sermonis suppleat in auribus vestris eius com- mendatio. Lob des Prudentius c. 4 p. 7 Prudentium poetam tradente magistro legere coepit. Qui sicut est et fide intentioneque catholicus et eloquentia veritateque praeeipuus et metrorum Ubrorumque varietate elegantissimus. 1 ) Die Rede ßruus an Liudolf c. 18 scheint nach einem vorliegenden Schema gemacht zu sein, sie enthält besonders viel Anklänge an dieVulgata, vgl. A.Mittag a. a. 0. S. 6. Noch mehr rhetorisch gehalten ist Ottos Rede an Brun und beide Machwerke übertreffen au Komposition wie an Klarheit durchaus die von Widukind angefertigten Reden. In c. 22 p. 24 excessisse generale illud, quod dicitur, mentem- cum dividitur ad multa fieri minorem ad singula steckt das Sprichwort Pluribus intentus minor est ad singula sensus (J. Werner, Latein. Sprichwörter und Sinnsprüche des MA. p. 70 P57). —- Alsbald nach ihrem Entstehen wurde die Vita Brunonis von Folcwin benutzt, später kannte sie Thietmar und der Verfasser der Vita s. Macharii und in einem zweiten Leben Brunos, das nach Kap. 6. 9 und 12 erst im 12. Jahrhundert entstanden sein kann, bildet Ruotgers Werk die Grundlage und ist dort mit einigen Angaben aus unbekannten Quellen verbunden (MG.SS.4,275—279). Hss. von Ruotgers Werk: 2 ) Guelferbyt. Aug. fol.76,14 s.XI. Bruxell. 7460 s. XIII und 239—41 s. XV. Eine reiche kritische Nachlese aus Dusseldorp. A 18 (Lib. s.Pantal.) s. XII-XIII f. 151—220 gab B.Simson, Archiv f. Gesch. d. Niederrheins 7,167-171. 3 ) Ausgabe von Pertz, MG. SS. 4.252—275 (und Schulausgabe). Uebersetzung von H Schrörs, Annalen d.hist. Ver. f.d. Niederrhein88,10 -95. Zur Quellenkritik vgl. besonders Strebitzki,. Quellenkrit. Untersuchungen z. Gesch. d. Erzbischofs Brun I. von Köln, Neustadt i.Westpr. 1875; J. Dierauer in Büdingers Untersuchungen z. mittleren Geschichte 2,3—50 und Fr. Jung,. Ruotger und der Aufstand Liudolfs von Schwaben, Schwerin 1901. Ueber das Verhältnis Ruotgers zur Antike vgl. Dümmler, Forsch, z. Deutsch. Gesch. 12,445; B. Simson, Arch. f. Gesch. d.Niederrheins 7,173f.; Manitius, Neues Arch. 12,369 f., und besonders A.Mittag, Die Arbeitsweise Ruotgers in der Vita Brunonis S. 10—19. Im allgemeinen zu Brun und Ruotger Hauck 3, 41 ff. Wattenbach 1, 358 f. 402 f. 16. Benedikt von St. Andrea. Der Mönch Benedikt im Kloster des hl. Andreas auf Sorakte hat um das Jahr 968 eine Chronik geschrieben, die vielleicht von Christi Geburt anfing und sich bis ins Jahr 965 erstreckt. Diese Chronik ist ein wahres Monstrum, sowohl nach dem Inhalt wie nach der Form. Im Vordergrund des Interesses steht bei Benedikt die Langobardengeschichte und darin wieder bevorzugt er die Geschichte des eignen Klosters. Er bezieht daher, soviel als es ihm nur möglich ist, seine Erzählung auf das Kloster und findet die unmöglichsten Gelegenheiten, darauf zu kommen. Ruhig überläßt er sich seinen Quellen, die er aber zerstückt und zerpflückt, indem er ganze Seiten von ihnen überschlägt, aber trotzdem dann an den alten Faden wieder anknüpft. Dieses Verlassen der Erzählung und die Unterschlagung des weiteren Stoffes leitet er mit solchen nichtssagenden Phrasen ein wie modo non dicamus oder postea dicamus oder quia longum per ordinem multum est enarrare oder nunc breviando adüngamus. So vertauscht er ganz beliebig die Zeiten und bringt in die Chronologie die größte Verwirrung. Zunächst erzählt er fast ganz nach Bedas Chronik, bis er dann den breiten Bericht der Annales Laurissenses ') Otto wird c. 16 p. 16 mitPrud.in Symm. 2,434 gepriesen und A. Mittag hat a. a. O. S. 16 ff. vielfache Abhängigkeit von der Ausdrucksweise des Prudentius angemerkt. 2 ) In alten Katalogen erscheint die Vita Brunonis nur in Laubach, vgl. Neues Archiv 32, 685. 3 ) Andere kritische Beiträge gaben W. Gieseb recht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 1,831 und Dümmler, Otto der Große S. 372. 12* 180 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ausschreibt. Aber an diese Grundlage knüpft er Stücke*) aus dem Leben des hl. Pygmenius — damit beginnt die erhaltene Darstellung —, des hl. Martinus und des hl. Barbatus, ferner aus der Übertragung des hl. Bartholomäus, aus Einharts Leben Karls, aus dem Liber pontificalis und aus langobardischen Quellen, die ihm die heimische Überlieferung bot; nebenbei benutzte er Königsedikte der Langobarden und das Archiv seines Klosters. Das Werk setzt mit einer Rede des hl. Pygmenius ein und gibt dann den größten Teil des 6. Kapitels der Vita Martini des Sulpicius Severus, allerdings in einer geradezu entsetzlichen Form, 2 ) aus der der pikante und geistreiche Stil des Originals nur noch selten durchschimmert. Es handelt sich hier also um die Geschichte Kaiser Julians, die dann aber auch noch aus Bedas Weltchronik gegeben wird. Daran schließt sich in Kap. 2 eine Erzählung über Papst Damasus, der auf dem Sorakte eine Kirche zu Ehren des hl. Silvester gegründet und dort auf einem Stein inschriftlich ein von ihm verfaßtes Gebet habe niederlegen lassen. Dies Gedicht ist freilich nicht nur interpoliert und verunstaltet, sondern es ist ihm auch ein andres angehängt, das sicher nicht von Damasus stammt (Omnipotens dominus qui constat machina mundi); es ist daher, wie M. Ihm bemerkt, sehr zweifelhaft, ob die ersten sechs Verse wirklich von Damasus herrühren. 3 ) In Kap. 3 ff. wird die Geschichte von Valens und Gratianus erzählt, breit aber wird die Darstellung erst mit der Hinrichtung des Symmachus und dem Bericht über Kirchen- und Klostergründung von dessen Tochter Galla in Kap. 7, worauf dann die Taten der Langobarden einsetzen. Mit dem Jahre 751 beginnt die Benutzung der Annales Laurissenses und der Vita Karoli, deren von Bibliothekar Gerward gedichteter Prolog im Kap. 23 in ganz verballhornter Gestalt auch erscheint. Besonders aber mag erwähnt werden, daß hier bei Benedikt zuerst die Sage von Karls des Großen Zuge ins Heilige Land erscheint, 4 ) die später so häufig von ihm erzählt wurde. Es wird nämlich berichtet, daß nach Karls Aufbruch der Kalif Harun (Aaron) mit ihm Freundschaft geschlossen, daß Karl das hl. Grab mit den kostbarsten Geschenken begabt und der Kalif die heiligen Stätten der Botmäßigkeit des Kaisers unterstellt habe; auf dem Rückzuge aber sei Karl mit dem Kalifen nach Alexandria gelangt. Das ist insofern bemerkenswert, als dieser Zug Karls mehr denn hundert Jahre vor dem eigentlichen Beginn der Kreuzzüge erzählt wird, und wenn auch bei Karl das Moment der Feindseligkeit gegen den Islam, das ja die Kreuzzüge auszeichnet, ganz wegfällt, indem sich alles in vollem Frieden zuträgt, so sieht man doch deutlich, wie das christliche Volk im Abendland gesinnt war: es konnte sich eine Heldengestalt wie die Karls nicht denken, ohne daß sie die dem Islam anheimgefallenen Stätten wiedergewonnen hätte. In den auf Ludwig- den Frommen folgenden Zeiten wird >) Kap. 10 (MG. SS. 3,696,26) klingt Mox 1 hängig zu machen. efferam Langobardorum gens de vagina sue \ 3 ) Anklänge an die Poesie finden sich habitationis educta an Jordanis Get. 4.25 (ed. mehrfach bei Benedikt, so c. 2 (MG. SS. 3, Mommsen p. 60,6) Ex hoc igüur insula . . . 697,30) penetraret regna polomm. aut certe velut vagina nationum an. 4 ) Vgl. G. Paris, Histoire po6tique de 2 ) Sie erstreckt sich bis 6,7 p. 114,13 de ' Charlemagne p. 55. 337. Rauschen, Die pace miserunt und bricht mit sua omnia ein- Legende Karls des Großen S. 142. fach ab. ohne diese Worte grammatisch ab- | Benedikt von St. Andrea. 181 aber dann lediglich die Geschichte Italiens erzählt, und zwar gibt Benedikt hier manche wertvollen Tatsachen zur Geschichte Roms, seiner Adelsgeschlechter und der Päpste. Es gehört freilich mehr als Geduld dazu, aus dem geradezu entsetzlichen Latein, das er vorbringt, bis auf die Tatsachen selbst vorzudringen, denn Grammatik ist ihm eine unbekannte Größe geblieben, man liest bei ihm die grausamsten sprachlichen Formen und die einfachsten Regeln der Syntax lassen ihn ganz kalt. Am besten kann man diese ungeheuerliche Formlosigkeit in den früheren Teilen seiner Arbeit sehen, die ja aus uns vorliegenden Quellen zusammengestoppelt sind, denn deren reine Sprache fand bei ihm keine Gnade, alles muß sich seinen sprachlich destruktiven Tendenzen beugen. Lange Zeit scheint Benedikts Werk innerhalb der Mauern des Klosters liegen geblieben zu sein, erst Martinus Polonus hat es, wie L. Weiland nachwies, für seine Chronik herangezogen, und zwar erstreckt sich die Benutzung bei ihm seit der Zeit Justins II. bis auf Ottos I. und Johanns XII. Regierung und ist ziemlich eingehend. Zeugnisse. Der Name des Verfassers ergibt sich nur aus Vs. 3 des von ihm in Kap. 23 p. 711,25 ff. aufgenommenen Gedichts Gerwards zur Vita Karoli, wo der interpolierte Vers heißt Benedictus supplex famulus mona[chus]que qui meutern benigna. Den Ort hat Pertz aus den vielfachen Beziehungen der Chronik zum Kloster St. Andrea erschlossen. Die Zeit ergibt sich daraus, daß das letzte Datum sich auf 965 bezieht und der Verfasser als Zeitgenosse der letzten Ereignisse zu gelten hat. Zu den Uebergangsphrasen vgl. c. 1 p. 696,33 modo taceamns, c. 23 p. 711, 21 Qui ') longum per ordinem multum est enarrare, nunc breviando adtingamus. Die Darstellung beginnt c. 1 p. 696,11 mit den Worten Pimenius presbiter voce clara dixit: Deus omnipotens, quomodo te non video, nee sie te audisset, et verba maxime in deum, que tu abnegasti, Juliane sacrilege et inpiissime?) hieraus kann sich der Leser ein Bild von der Sprache des Werkes machen. Das Gedicht des Damasus wird mit den Worten eingeführt c. 2 p. 697 Damasus papa construxit aecclesia saneti Silvestri in monte Serapti cum omni studio et quidquid rebus aciacentia eius abstraeta fuissent, per pereeptione constituit; hanc orante in basilica consecrationis beatissimi Silvestri episcopi et gratias agebat domino dicens, am Schluß stehen die Worte Quo versos conposuit in lapide a corpore saneto. Die Verse 1—6 sind allerdings den Gedichten des Damasus sehr ähnlich und B. de Rossi (Bullet, cristiano 1885, 31) hält sie für damasisch, während M. Ihm die Angabe Benedikts für erdichtet hält (Damasi epigrammata p. 65 N. 62). Die Verse 7—17 mit dem Anfang Omnipotens dominus qui constat machina mundi — ähnlich Eugenii Tolet. Carm. 1,1 (ed. Vollmer p. 232) —bilden das Gedicht, das A.Mai inNova patr. bibl. 1,2,212 aus Vatic. 5696 f. 278 herausgab und das in den Acta s. Blasii 4,20 (Acta SS. Feb. 1,352 CD) ganz aufgenommen ist und dort unverderbt steht: 4pontus. 7 Petrum. 9 peragrarunt. 10 patre tibi simul. Zum Zuge Karls ins Heilige Land werden erst außerordentliche Vorbereitungen getroffen, und dann heißt es (c. 23 p. 710,19) Ac deinde ad . . . Iesu Christi sepulchrum locumque resurrectionis advenisset ornatoque sacrum locum auro gemmisque etiam vexillum aureum mirae magnitudinis imposuit, non solum euneta loca saneta decoravit sed etiam presepe doniini et sepiüchrum que petierant Aaron rex potestatis eius ascribere concessit . . . Vertente igitur prudentissimus rex cum Aaron rex usque in Alexandria pervenit. Das Ende c. 39 p. 719,17 Ve Roma! . .. Ve civitas Leoniana! dudum capta fuistis, modo vero a Saxonicum rege relicta. — Einzige Hs. Bibl. Chigi F. IV. 75 f. 1—58 s. X. — Ausgaben von Pertz, MG. SS. 3, 696—719 (= Migne 139, 9—50); von G. Zucchetti, Fonti per la stör. d'Italia, Scrittori sec. X—XI n. 55 (Rom 1920); zwei Seiten aus der Hs. in Facsimile bei Ern. Monaci, Archiv, paleogr. Ital. 2 tab. 3. —Vgl. U. Balzani, Le cronache Italiane nel medio evo p. 129 f. Pertz, Archiv d. Ges.f. alt. deutsche Geschichtskunde 5,146; Bethmann, daselbst 10, 381 f.; Colini-Baldeschi, La cronaca di Benedetto di S. Andrea, 1890. v. Ottenthai, Mitt. d. Inst. f. österr. Gesch., Ergänzungsband 4, 32 ff. Sackur, Strafib. Festschr. z. Philologenvers. 1901, 249 ff. Ebert 3,443. Wattenbach 1, 483 f. J ) Vorher geht der Satz aus Einharts Vita Karoli c. 19 Qui cum tantus in am- pliando regno et subiciens esteris nationibus sisteret et in eiusmodi oecupationibus assidue versaretur, die Fortsetzung wird unterschlagen und es folgt unmittelbar der oben gegebene Satz. • 2 ) Die Passio s. Pygmenii martyris ist aus Bruxell. 207,8 f. 164 b herausgegeben im Cata- logus cod. hagiogr. bibl. Bruxell. 1,161—164, aber dort findet sich die obige Stelle nicht. 182 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 17. Gumpolds Passio Vencezlavi ducis. Ein Mitglied des böhmischen Herzogshauses Wenzeslaus wurde im Jahre 935 auf Anstiften seines Bruders Boleslav ermordet. Da die herzogliche Familie seit der zweiten Generation christlich geworden war, so ereigneten sich bald am Grabe des Ermordeten Wunder und sein Ruhm als Märtyrer und Heiliger drang nach Sachsen vor, so daß er von Widukind in der Geschichte Sachsens erwähnt wird; freilich sind die betreffenden Worte bei dem sächsischen Geschichtschreiber dunkel und verworren. Wahrscheinlich lebte nun in Prag einige Jahrzehnte nach dem Tode von Wenzeslaus der Presbyter Gumpold, der 967 Bischof in Mantua wurde und innerhalb der Jahre 968 und 973 von Kaiser Otto II. den Auftrag empfing, die Taten des Märtyrers darzustellen. Gumpold unterzog sich dieser Aufgabe, da er wohl manches noch selbst aus der vergangenen Zeit wußte; *) sonst mußte er sich auf glaubwürdige Zeugen berufen, die ihn namentlich über die Wunder berichtet zu haben scheinen. Er beginnt den Prolog mit einem Überblick über die menschlichen Neigungen und Beschäftigungen, wozu ihn wohl der Eingang von Sallusts Catilina veranlaßte. Dabei kommt er auf die Menschen zu sprechen, die sich literarischen, überhaupt geistigen Dingen hingeben, und erwähnt hierbei die Astronomie, Geometrie, Mathematik, Musik und Dichtkunst und verweilt länger bei denen, die die Taten der Heiligen aufzeichnen. Am Schlüsse der teilweise äußerst schwülstigen und dunkel gehaltenen Einleitung 2 ) berichtet er dann von dem Auftrage, den ihm Kaiser Otto II. gegeben habe. Die Schrift selbst setzt mit der Trennung der Sekten von der Kirche ein. Die Erwähnung der Slaven bringt den Verfasser auf die Böhmen und deren ersten christlichen Herzog Zpuytignav. dessen Neffe Wenzeslaus, der Sohn Wratislavs, der Held der Erzählung ist. Über seine Jugendbildung 3 ) geht der Verfasser schnell hinweg und er zeigt sich in der Chronologie so schlecht unterrichtet, daß er Otto I. an Stelle Heinrichs I. setzt; seine Unkenntnis sucht er in Kap. 5 unter faustdick aufgetragenem Lobe zu verstecken. Etwas mehr weiß er dann von der Tätigkeit des Wenzeslaus als Herzog, wie er einige charakteristische Züge von seiner Milde im Gerichtsverfahren in Kap. 6 und 7 beibringt. Aber die geistlichen Interessen überwiegen doch bei dem Biographen völlig, wir hören in den nächsten Abschnitten sehr viel vom asketischen Leben des Herzogs, von seinen nächtlichen Wallfahrten in die Kirchen, von der eigenhändigen Zubereitung der Brote für die Priester sowie des Weins und der Hostie für das Abendmahl und von einer Vision, die Wenzeslaus selbst auslegt. Dann erdichtet Gumpold c. 13 eine lange Rede des Herzogs an seine ungetreuen Untertanen, in der die Reimprosa bis zum Überdruß angewendet wird. Endlich aber bricht nach der Ein- ') Das erkennt man aus dem Anfang von c. 22 Ut veracium saepe nobis relatu pate- factum est. 2 ) Er benutzt hier zweimal den Horaz (MG. SS. 4, 213, 6) 'die extructos in altum ho- vores . . . desiderat, vgl. Hör. Carm. 2, 3,19; p. 213,34 quantutn attennapculpa viciose scri- bentis, A.P.31. 3 ) Wenzeslaus lernte kennen (c.4p. 214,31) librum spalmodialem ceteraque divinorwn compluria, also ähnlich wenig wie Mathilde, die Gemahlin Heinrichs L, vgl. Vita Mahtildis c. 1 (MG. SS. 4,284,42) und 2 p. 285,29tf. Gumpolds Passio Vencezlavi ducis. 183 weihung der von Wenzeslaus gestifteten Veitskirche der Haß Boleslavs gegen den Bruder in hellen Flammen aus und mit breiter Ausführlichkeit schildert nun Gumpold erst den Mordversuch auf den Herzog und dann die wirkliche Ermordung,' wobei das Wunder von einem unverwischbaren Blutfleck berichtet wird, der nach Gumpolds Bericht noch gegenwärtig zu sehen sei; die Täter aber wurden von Dämonen entführt oder verloren Sprache und Gehör und brachten sich selber um. Diese wunderbaren Begleiterscheinungen bei Wenzeslaus' Tode setzen sich dann insofern fort, als der Rest der Schrift nur noch aus Wundern besteht, die sich am Grabe des Märtyrers begeben haben. Nur eines dieser Wunder verdient besondere Hervorhebung. Es trug sich mit des Herzogs Kammerdiener Podhiwen zu, und Gumpold erzählt, daß der Herzog diesen früher besonders geliebt habe, und daß er schon in der früheren Schrift genannt worden sei. Da aber dieser Mann vorher im Leben Wenzeslaus' nicht begegnet, so möchte man. annehmen, daß Gumpold vor dieser Darstellung von Wenzeslaus' Märtyrertum 1 ) schon eine andre Schrift verfaßt hat, die sich vielleicht ausführlicher mit dem Leben des Wenzeslaus beschäftigte. Sie mochte dem Kaiser bekannt geworden sein und daher erklärt sich sein Auftrag an den Bischof. Zeugnisse. Die Erwähnung bei Widukind Res gest. Saxon. 1, 35 (ed.Waitz p.29) Pragäm adiit. . . Boemiorum urbem, regemque eius in deditionem accepit; de quo quaedam mirabüia predicantur,*) quae quia non probamus 3 ) silentio tegi iudicamus. Daß Gumpold in Prag gelebt hatte, wird aus Ottos II. Auftrag wahrscheinlich, und die Autorschaft ergibt sich aus der Aufschrift im Guelf. 3008 Incipit prologus Gumpoldi Mantuani episcopi; die Aufschriften in alten Katalogen geben keinen Verfasser. Zur Bischofszeit Gumpolds vgl. Pertz,MG.SS.4,211, zur Persönlichkeit M.Büdinger, Ztschr. f. d. österr. Gymnasien 8,501 ff. Die Zeit des Auftrags ergibt sich daraus, daß Otto IL zu Weihnachten 967 Kaiser wurde und daß Böhmen von den "Regensburger Diözese 973 getrennt worden ist; nämlich c. 15 (p. 219,13) heißt es Tutonem episcopum (seil. Reganesburgensem) . .. cuius diocesi tota sub- cluditur Boemia. Beginn des Prologs p. 213,1, Stndiorum igitur genera multiformia varias cuique mortaliicm ingerere solent ingeniorum curas. Daß die freien Künste hier in kurzen Worten angedeutet werden, 4 ) wollte Büdinger auf Gerberts Disputation mit Otric beziehen; das ist aber zeitlich ausgeschlossen und wurde von Wattenbach 1,487 abgelehnt. Auftrag Ottos IL p. 213, 31 victoriosissimi imperatoris Angusti Ottonis seeundi sacro iussu rusticitati nostrae imposita, memorabilis viri nomen gestorumque insignes mentiones paulo post decla- ratura. Die Erzählung von Wratislav und seinem Sohn Wencezlaus beginnt c. 3, die Bildungsgeschichte des letzteren in c. 4; hier die Verwechselung p. 214, 33 sub regis Serenissimi Ottonis (statt Heinrici) fulgente potentia . . . in paterni ducattis successionem .. . delectus. Erdichtete Reden des Herzogs nicht nur in c. 13, sondern auch c. 9.10, wo Wenzeslaus seine Vision erläutert, die er auf den Tod seiner Großmutter Ludmila deutet. Die Ermordung des Herzogs in c. 19, seine Bestattung {extra aecclesiam certaminis loco vicinam) c. 20, die Geschichte von dem Blutfleck c. 21, hier p. 221, 18 nsque hodie sanguinis eiusdem intinetione partes ipse . . . nitescit; also hatte Gumpold noch zur Zeit der Abfassung unmittelbare Kunde aus Prag. Zur Erwähnung von Podhiwen vgl. 26 p. 222, 24 Iuvenculum quendam cubicularium nomine Podhiwen ceteris fideliorem servulis eiusque secretis aptiorem vir sanetus iam saeculo vivens admodtim amavit; cuius etiam superius meminit scriptum; auch hier beruft sich Gumpold auf Zeugen, vgl. 222, 30 ut vera bonorum testantur dieta m'rorum. Ein eigentlicher Schluß fehlt dem Werke, wie häufig bei dieser Literaturgattung. Die Sprache ist bis zur L'nverständlichkeit gesucht und dunkel, öfters macht sich unerträglicher Schwulst an Stelle wirklicher Sachkenntnis breit. Fortleben. Mit Ausnahme der Schrift des Laurentius Casinensis ist die Schrift die Grundlage aller späteren Lebensbeschreibungen des hl. Wenzeslaus geworden, vgl. J. Do- *) Der Titel der besten Handschrift lautet I vati, L'influsso del pensiero latino 2 p. 149. auch Passio s. Vencezlavi martyris. j Der Anklang an Sallust und die Benutzung 2 ) Nämlich jetzt, nach seinem Tode. . von Horaz spricht aber deutlich; c. 12p.217,35 3 ) Deutsch: weil ich es nicht sicher weiß, i heißt es mens veri conscia mit Anlehnung an *) Sie werden unter die Beschäftigung mit i Vergil Aen. 1,604 und 16 p. 219,17 fervet opus Heiligenliteratur gestellt, vgl. dazu Fr. No- | (Aen. 1,436). ] 84 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. browsky, Kritische Versuche 1 — 3 (Prag 1803—1819). Im 10. Jahrhundert noch wurde sie für Legendarien benutzt (Dobrowsky 1,8 ff. 3, 20 ff.), ganz im Beginn des 11. Jahrhunderts von dem Verfasser der späteren Vita Mathildis. Später kennt sie der Verfasser des Lebens vom Erzbischof Adalbert, dann Sigebert (im Chronicon a. 921) und Cosmas, auch Karl IV. (Dobrowsky 3. 25—52). Aufschriften des Werkes in alten Katalogen s. Manitius, Neues Archiv 32, 689, wo aber Monte Cassino wegbleiben muß, da hierher die Schrift des Laurentius gehört. Dort auch aus Wittenberg 1437 eine deutsche Uebersetzung mit Anfang des Prologs Hss. Guelferbyt. 3008s.XIf. 18 1 '—37; 1 ) Bruxell.9289 s. XII (aus St. Lorenz in Lüttich). Ausgaben: J. Dobrowsky, Kritische Versuche 3, 53—119 (nach einem Pragensis s. XIV); Pertz MG. SS.4,211—223 (= Migne 135, 923—942). Fontes rerumBohemicarum 1,146-166. Kritische Verwendung der Schrift bei Ilauck 3,186—196. Wattenbach 1,487. 18. Die beiden Vitae Mathildis. I. Um das Jahr 974 entstand wahrscheinlich im Kloster Nordhausen, einer Stiftung von Heinrichs I. Gemahlin Mathilde, ein Geschichtswerk, das sich nach der Aufschrift als Leben der Königin Mathilde ausgibt, während der Verfasser im Prologe berichtet, daß ihm Kaiser Otto (II.) aufgetragen habe, das Leben seiner Vorfahren wahrhaft und ohne Redeschmuck darzustellen. Es ist nun für den Verfasser sehr charakteristisch, daß es ihm nicht möglich war, diesen Prolog aus seinen eignen Gedanken heraus zu schreiben, sondern Jaffe hat nachgewiesen, daß wir hier einen Zento aus der Vorrede des Sulpicius Severus zur Vita Martini und aus Boethius de consolatione philosophiae vor uns haben, wozu Heerwagen noch die Paraphrase eines Aratorverses beigebracht hat. So bleibt im Prologe als allein dem Verfasser gehörig die Stelle, wo er sich mit einer gewissen Kühnheit an den Kaiser mit den Worten wendet „omnis 2 ) eloquentiae -praesul" und ihn um die etwa notwendige Nachbesserung seiner Arbeit in gewohnter Weise ersucht. Es kam also auf eine Familiengeschichte an und diese mnßte, wenn sie in Nordhausen entstand, besonders die Stifterin des Klosters feiern und dabei natürlich auch wichtige Dinge aus dem Kloster bringen. So beginnt das Werk mit Otto dem Erlauchten, aber so wenig selbständig ist die Erzählung, daß der Verfasser bei der Charakteristik des jungen Heinrich nach ganzen Sätzen aus der Andria des Terenz greifen mußte, wie Jaffe nachwies. Sonderbar nimmt sich auch in der Vorgeschichte Mathildens die Angabe aus, daß Karl der Große dereinst mit dem Sachsen Widukind um die Herrschaft in einem Zweikampf gerungen habe und daß Widukind von Bonifatius getauft worden sei. So mochte man sich beim Fehlen schriftlicher Überlieferung in Sachsen die vom Volksmunde längst sagenhaft entstellten Ereignisse der Vorzeit vorstellen. Reizend und fast in dem lieblichen Tone des Märchens wird dann Heinrichs Brautwerbung bei Mathilde erzählt, und hoch schlägt das Herz des sächsischen Verfassers bei dem Bericht über Heinrichs Erhebung zum Könige und über seine großen Kriegstaten. Er erzählt dann das Zusammenleben Heinrichs mit Mathilde wieder mit völlig erborgten Worten, indem er hierzu Fortunats Leben der hl. Rade- ') Hier f. 18 b (vgl.O.v. Heinemann, Die Hss. d. hzgl.Bibl. zu Wolfenbüttel 7,158) ein Bild mit Inschrift Hunc libellum Hemma vene- rabilis principissa pro remedto anime sue in lionore b. Venceslauvi martiris fieri iussii. Dies ist wohl die Gemahlin Boleslavs II. (t 1006) und dieHs. ist somit beträchtlich alt. 2 ) Diese stolzen Worte gebrauchte man sonst nur von Cicero. Die beiden Vitae Mathildas. 185 gunde meist wörtlich benutzt. Als besonders wichtig tritt dann die Gründung des Klosters in Quedlinburg und die Verlegung von Wendhausen dahin hervor — jedenfalls hängt das damit zusammen, daß die Entstehung des Werkes nach einem Kloster zu verlegen ist. Nach der Erzählung von Heinrichs ''Tode berichtet der Verfasser von einem Zerwürfnis Ottos mit seiner Mutter 1 ) und von beider Versöhnung, von Ottos zweiter Ehe sowie von weiteren Klostergründungen Mathildens, und dies gibt ihm Veranlassung, wieder mit Fortunats Worten aus ßadegundens Leben die Mildtätigkeit und das fromme Leben der verwitweten Königin zu rühmen und sogar zwei allerdings höchst unbedeutende Dinge aus ihrem Leben als Wunder aufzubauschen. Im ganzen folgenden Teile des Werkes aber spielt nun das Kloster Nordhausen die Hauptrolle, denn nach kurzer Erwähnung der Kaiserkrönung und der Familienzusammenkunft zu Köln wird die Gründung des Klosters und deren Genehmigung von Seiten Ottos und die Fürsorge Mathildens um diese ihre letzte Stiftung ausführlich dargestellt. Daran schließt sich das Ende der Königin, bei dem die Äbtissin Rikburg von Nordhausen eine wichtige Rolle spielt. Und auch im letzten Abschnitt, in dem Ottos Regierung 2 ) bis zu seinem Tode und die Nachfolge seines Sohnes erzählt wird, geschieht des Vollzuges von Mathildens letzter Bestimmung in betreff Nordhausens sowie eines für das Kloster erwirkten päpstlichen Privilegs Erwähnung. So gibt sich dieses älteste sogenannte Leben Mathildens in Wahrheit als eine kurze mit Sagen durchsetzte Geschichte des ottonischen Hauses bis zum Jahre 97-1, in der allerdings Mathilde und ihre Klostergründungen besonders berücksichtigt werden. Die Darstellung hat einen warmen, persönlichen Ton und ist trotz der vielfachen Benutzung fremden Gutes so subjektiv gehalten, daß die auftretenden Personen Leben und Gestalt gewinnen. Auch die Sprache zeigt eine gewisse Volkstümlichkeit und Frische; sie lehnt sich sehr häufig an biblischen Ausdruck, aber auch an Vergil 3 ) an und macht wegen ihrer häufigen Versanfänge und Versausgänge öfter einen poetischen Eindruck; in ihrem Grundton ist sie zeitgemäßer, also besser als die Widukin8s, die wegen ihres starken sallustischen Gehaltes einen kälteren und gezwungeneren Eindruck hervorruft. Zeugnisse. Der im Prolog genannte Kaiser Otto (MG. SS. 10,575, 15), dessen Geschlechte es nicht, wie Germanien bitten soll, an einem Nachfolger mangeln möge (c. 4 p. 576,53), ist nach dem Schluß des Werkes c. 17 (p. 582,2) natürlich Otto IL, da es dort nach Ottos des Großen Tode heißt post eins exitnm Otto innior filius eins . . . regnum Lati- norum possedit et Saxonum, quem paternae avitaeque non imparem credimtcs virtutis,*) wo regnum . . . Saxonum höchst bezeichnend ist für die Stimmung in Sachsen bezüglich der Suprematie des heimischen Fürstenhauses über Deutschland und ganz an die bei Widukind vorhandene Auffassung erinnert; jene Schlußworte ergeben aber, daß der Regierungsantritt ') Heerwagenhat(Forsch.z.dtsch.Gesch. I 3 ) Außerdenvon anderen bemerkten Stellen 8,379) nachgewiesen, daß hier in c. 8 die | c.S p.576,29 Aen.8,580; p.576,37 Aen. 7,496. Worte dura superbis — invidus hostis aus ! p. 576,42 Aen. 8,468. An Sedulius Pasch. Ol. der Vita Gertrudis c. 6, sowie c. 15 His itaque , 306 erinnert 4 p. 577, 1 (gradibns honorum), omnibus — sepulturae ausVita Gert. 3 stammen. an Sallust (Jug. 7,4. 8,2)1 p. 575,43 (omnibus 2 ) Die Anlehnung an fremde Vorbilder geht , carus). Eine übersehene Stelie aus Sulp. Vita hier c. 16 so weit, daß (MG. SS. 10, 581,34ff.) Mart.2,1 (p. 111,27) ist 1 p.575, 34 genere se- erzählt wird, Otto sei durch eine Militär- cundum saeculi dignitatem nobüisimus. revolution auf den Thron gelangt, und zwar 4 ) Giesebrecht,Gesch.d.deutsch.Kaisernach Sulp. Sev. Dial. 2, 6,2 (ed. Halm p. 187, zeit 5 1,783 hat die Beziehung auf Otto II. 17 ff.). : klargestellt. 186 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Ottos II. noch nicht lange vorüber war. Der Verfasser (oder die Verfasserin) lebte sicher in Nordhausen, da jenes Kloster, dessen Stiftung in Kap. 14 erzählt wird, vielfach im Vordergrund der Erzählung steht. Aufschrift des Prologs p. 575,12 Inc. prologus in vita Mathildis, Auftrag des Kaisers p. 575,15 nos autem ghriosissimi Ottonis imperatoris iussu non philo- sophando sed vera dicendo laudabilem dignissimorum sui vitam pctrentum .. . licet rustice perscripsimus. Die Benutzung des Sulpicius Severus und Boethius erwies Ph. J^affä in den Noten zu seiner Uebersetzung: Geschichtschreiber d. deutsch. Vorzeit, 10. Jahrhundert, Bd. 4 (Berl. 1858) S. 3—24, wo auch die Verwendung der Vita Radegundis angemerkt wird. Die Anrede an Otto II. p. 575,21 Ergo omnis eloquentiae praesul — quem non solum magni ex- tollit sublimitas imperii, imo etiam philosoph/'ae favet auctoritas *) . . . igitur te huius operis, inperator Otto, iudicem facimus etc. Die Stelle aus Arator (p. 575,19 Act. ap. I 490) kennzeichnete Heerwagen, Forsch, z. deutsch. Gesch. 8,382. Aus der Darstellung selbst mag vieles auf die Aebtissin Eikburg von Nordhausen zurückgehen, vgl. Giesebrecht 1, 783. Heinrichs Charakteristik c. 1 Nam a primaevo — inveniebat amicos aus Terenz Andr. 1, 1,24 ff. und 35—40 nach Jaffe, Forsch, z. deutsch.Gesch. 9, 343f., wo noch einige weitere Stellen aus Terenz nachgewiesen w.erden. Zum Zweikampf Widukinds mit Karl vgl. 1 p. 576,4 ff., zu seiner Taufe p. 576,11; im folgenden erscheint Widukind beinahe als Betbruder. Heinrichs Brautwerbung um Mathilde c. 3 p. 576, 30ff. Der Tod Konrads 2 ) c. 4 p. 576, 48f. Heinrichs Kriegstaten c. 4 p. 577,3 suo subiugaverat dominatui . . . Sclavos Danos Bawarios Behemos ceterasque gentium nationes, quae Saxonico nunquam subesse videbantur inperio. Bei der Aufzählung von Heinrichs I. Kindern c. 6 p. 577, 26 fehlt Hadwig, die Gemahlin Hugos von Francien. Zu Quedlinburg und Wendhausen vgl. c. 6. 7, zum Zerwürfnis Ottos mit seiner Mutter c. 8. 9; Adelheid wird c. 10 p. 578, 36 zur Witwe Ludwigs (statt Lothars) von Italien gemacht. Die zwei unbedeutenden Wunder c. 12; daß der Faden der Erzählung die Schicksale Mathildens (und in zweiter Linie die damit verbundenen Klostergründungen) sind, ergibt sich aus dem Anfang von c. 11 Nunc iam revertamur ad eiusdem bene gesta Machtildis. Die Gründung Nordhausens c. 14 p. 580, 9 ff., urkundliche Bestätigung (casta manu proprio subsignata) durch Otto p. 580, 38 ff. Mathildens enges Verhältnis zu Rikburg und ihr Ausgang in c. 16; hier wird berichtet, daß sie vor dem Tode der Aebtissin Mathilde von Quedlinburg gegeben habe computarium, in quo erant nomina procerum scripta defunctorum, wohl weniger zu Gebetszwecken, als um nach der Liste die Fürstentöchter für das Kloster auszuwählen. Die Stelle aus c. 16 über die Umstände bei der Thronerhebung Ottos I. heißt (]">. 581, 34) vir omni pietate merito praedicandus, si ei vel diadema non legitime sed tumul- tnante milite inpositum repudiare vel armis abstinere licuisset. Ueberlieferung. Das Werk hat sich nur als Bestandteil der Pöhldef Chronik erhalten, 3 ) in deren erhaltenem Autograph Oxon. Laud. 663 s. XII es f. eö"—69 a steht. Früher war es nur in dessen Abschrift, dem Gotting. 5 a f. 65—69, bekannt und danach von Köpke, MG. SS. 10,575—582 herausgegeben worden (= Migne 151,1314—1326). Verbesserungen für diesen Text gab Heerwagen, Forsch, z. deutsch. Gesch. 8,382ff., solche aus der Göttinger Hs. J äff e, daselbst 9, 344 f., während H. Herre, Deutsche Ztschr. f. Geschichtswissenschaft 11,54 die wesentlichsten Abweichungen der Oxforder von der Göttinger Hs. notierte. Eine Neuausgabe ist daher am Platze. Vgl. R. Koepke, Forsch, z. deutsch. Gesch. 6,147—171. G. Waitz, Göttinger Nachrichten 1852 S. 217ff. IL Dieses Werk über die Taten der Vorfahren wurde zur Zeit Heinrichs IL einer völligen Umarbeitung unterzogen, Während nun Waitz die Abfassung dieser neuen Schrift in die Zeit vor 1012 verlegt, da sie von Thietmar im ersten Buche seines Chronicon benutzt sei, hat Köpke das erste Jahr von Heinrichs IL Eegierung angenommen; jedenfalls ist die Umarbeitung vor 1006 entstanden, da Heinrich IL in der Widmung König heißt. Der Verfasser, 4 ) der wahrscheinlich auch zu Nordhausen in Beziehung stand, *) Bezieht sich auf die hohe Bildung Ottos IL 2 ) Es ist bezeichnend, daß Konrad hier Francorum rex genannt wird. Otto I. erwirbt c. 10 Latium, besitzt nach c. 13 das regnum Latinorum und herrscht nach c. 16 in Latium, Otto II. besitzt nach c. 16 das regnum Latinorum et Saxonum; Konrad heißt in c. 1 dux in tota Germania und c. 4 wird die Befreiung von Germania durch Heinrich I. gefeiert. Also es gibt noch kein deutsches, sondern erst ein fränkisches, dann ein sächsisches Reich, dem das latinische angegliedert wird und Germania erscheint mehr als ein altgeographischer, denn als politischer Begriff. 3 ) Seine Seltenheit resultiert daraus, daß es nach etwa 40 Jahren eine der Zeit mehr zusagende Umarbeitung in der jüngeren Vita Mathildis erhielt. 4 ) Er betrachtet sich nur als Ausleger oder Erklärer, daher er (MG. SS. 4, 283, 35) explanator huius operis von sich sagt. Die beiden Vitae Mathildis. 187 wendet sich nämlich in der Widmung an diesen Fürsten: „Obwohl es bekannt ist, daß Ihr bei Eurer hohen Bildung viele Bände von Heiligenleben gelesen habt, so zeigt Ihr doch auch das Verlangen, die frommen Taten Eurer Vorfahren, besonders der Urgroßmutter Mathilde kennen zu lernen." Der Verfasser bedankt sich darauf, daß er ihm den Auftrag gegeben, ein Buch darüber zu verfassen; an Neidern werde es ihm allerdings nicht fehlen, und der König möge daher das Buch nicht eher in die Öffentlichkeit geben, als bis er selbst die eventuellen Fehler darin verbessert habe. Und er möge aus den darin enthaltenen Taten der Vorfahren lernen, was er zu tun und was er zu meiden habe. Die göttliche Gnade aber möge den König überall geleiten, daß er in jeder Beziehung ein Vorbild sei. Jedenfalls ist die Bedeutung des Werkes in der Widmung künstlich vergrößert, der Verfasser scheint es als eine Art Fürstenspiegel und als ein königliches Handbuch x ) zu betrachten. Für uns steht das Werk ungleich tiefer, und es wäre von Interesse und besonders von Wert für die Beurteilung Heinrichs IL, zu wissen, ob der König wirklich bewußt in eine solche Veränderung der Vorlage gewilligt hat. ä ) Daß Heinrich die letztere gekannt hat, ist kaum zu bezweifeln; wie er freilich die Umänderung aufnahm, wissen wir nicht. Aber jedenfalls hat sie dem Geschmack der Zeit mehr zugesagt als das Original, denn das kann man aus ihrer weiteren Verbreitung entnehmen. Die Bearbeitung gibt zunächst die Jugend Heinrichs stark verkürzt wieder und entnimmt die Brautwerbung um Mathilde beinahe wörtlich aus der Vorlage, wobei aber viele einzelne Umstände in redseligster Weise ausgeschmückt werden. Bezeichnend aber für die Unachtsamkeit des Überarbeiters ist folgende Stelle. In der Vorlage heißt es Kap. 4 beim Tode des Königs Konrad: „Ob der König im Frieden oder im Kriege gestorben ist, weiß ich nicht." Der Bearbeiter erzählt, daß nach Konrads Tode Heinrich auf dem Throne gefolgt sei; es sei ihm aber unbekannt, ob im Frieden oder im Kriege. Und dann gesteht er zu Anfang von Kap. 5 ein, daß er hier vieles, was zum Lobe des Königs gesagt werde, auslasse, um auf das Leben und die Sitten der Königin Mathilde überzugehen, 3 ) d. h. um sie in Wirklichkeit fast zur Nonne zu stempeln. Wenn dann in Kap. 6 bei Aufzählung der Kinder Heinrich, Ottos jüngerer Bruder, als dem Herzen der Mutter besonders nachstehend geschildert und der Grund künftiger Entzweiung zwischen beiden vorangedeutet wird, so muß doch die historische Kritik hierbei aufs schärfste prüfen, ob die' vorgebrachten Gründe stichhaltig sind; denn wie alle sonstigen Erweiterungen erscheint auch diese problematisch. Besonders bedenklich erscheint die ganz romanhaft ausgeschmückte Erzählung der Verhältnisse nach Heinrichs Tode in Kap. 8, wo die geistliche Phantasie am meisten Pate gestanden zu haben scheint, ferner der Bericht über Mathildens Leben ') Darauf deuten die Worte p. 284. 13 librum manualem ne feratis in publicum. — Die Widmung schließt mit einer Paraphrase des Verses Arator ad Vigilium 30. 2 ) Köpke, Forsch, zur deutsch Gesch. 6, 168 hat in der Abfassung des Werkes eine politische Bedeutung gesehen: Heinrich ,11. wollte dadurch sein Recht auf den Thron erweisen. ') Aehnlich in Kap. 6 p. 287, 36 quia re- meandum est ad vitam Heinrici regis et bea- tissimae reginae Mahthildis. 2 gg Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. in Kap. 10, in dem die Fürstin tatsächlich als Nonne erscheint. Viel ausführlicher als in der Vorlage sind dann die folgenden Abschnitte geraten, die über Streitigkeiten in der königlichen Familie handeln und die tiefe Trauer der Königin über den Tod ihres Sohnes Heinrich berichten. Manches wird hier zur Vorlage ergänzt, was Anspruch auf geschichtliche Wahrheit hat; wenn man aber dann die beiden in der Vorlage so geringfügigen Wunder in Kap. 18 f. und die angebliche Prophezeiuug der Königin in Kap. 20 liest, so zweifelt man wieder völlig an der geschichtlichen Wahrheit und Treue des Verfassers. Auch die auf die Kölner Zusammenkunft folgende Anwesenheit Ottos und Mathildens zu Nordhausen in Kap. 22 scheint durchaus romanhaft ausgeschmückt zu sein, denn es ist schwer, an die Erzählung des Verfassers zu glauben, daß die Königin unter Tränen die Stelle geküßt habe, wo ihr. Sohn gestanden hatte. Und so geht es bis ans Ende: überall findet sich ein gewisses Mehr gegen die Vorlage, so daß man annehmen muß, daß der Verfasser die in Nordhausen gehende mündliche Tradition über Mathilde genau erkundet und an den betreffenden Stellen verwertet und eingesetzt hat. Mit dieser Tradition, die in manchen Einzeldingen vielleicht richtig ist, aber im allgemeinen wohl nach der Phantasie der guten Nonnen ausgestaltet worden war, hat der Verfasser ganz frei geschaltet und eine Menge Rührszenen aus ihr zurechtgeschnitten, die durch allerhand biblische Zutaten geistlich gewürzt wurden. Außerdem hat er aber nicht verabsäumt, der Darstellung durch reichlich eingestreute Stellen aus Dichtern, besonders aus Vergil, das beliebte poetische'Ferment zu geben; 1 ) da aber das ganze Werk von der Reimprosa beherrscht wird, die vielfachen hexametrischen Satzschlüsse der Vorlage also getilgt sind und der Verfasser die Anführungen aus der Poesie vielfach durch ihre Einfügung in direkte Rede zu verbergen gewußt hat, so blieben diese Dichterstellen Heerwagen bei seiner stilistischen Untersuchung meist verborgen. Wohl aber wies dieser, nachdem R. Köpke auf die starke Benutzung von Gumpolds Leben des hl. Wenzeslaus aufmerksam gemacht hatte, nach, daß der Verfasser den Brief des Sedulius an Macedonius, der die Einleitung zu dem damals allgemein bekannten Paschale Carmen bildet, reichlich ausgeplündert und die auch in der Vorlage entdeckten Vorbilder benutzt hat. Jedenfalls nähert sich die ganze Darstellung dem Roman und sie ist insofern für die Entstehung dieser Literaturgattung sehr lehrreich, als an vielen Stellen die Weiterbildung der Vorlage als reine Erfindung des Verfassers erwiesen werden kann. So nimmt das zweite Leben Mathildens eine Mittelstellung zwischen Biographie und Heiligenroman ein. Es wurde bald nach seiner Entstehung von Thietmar ') Vgl. 6 MG. SS. 4,287,40 mit Fortun. C. 2, 11,20; 22 p. 298, 8Fortun. C. 8, 3,25. 3p.285, 35Aen. 2,81. 6 p. 287,32 Aen. 2, 97. 8 p. 288, 44 Aen. 12, 64 f. 9 p. 289,12 Aen. 8, 6. 10 p. 290, 23 Aen. 5.839. 13 p. 292,19 (vgl. 8 p. 288,44) Aen.12,65. 14p.292,38 Aen. 7,237. I6p.294,2 Aen. 6, 66. 16 p. 294,3 Aen. 1, 520. 16 p. 294,9 Aen.2,121f.l6p.294,22Aen.4,329.17p. 295,1 Aen. 9,167. 17 p. 295,12 Aen. 2,512. 19 p. 296, 12 Georg. 1,430. 20 p. 296, 31 Aen.6,429. 20 p. 296, 39 Ovid. Met. 2,753. 21 p. 297,17 Aen. 8,150. 21 p. 297,21 Aen. 2,218. 22 p.298,3 Aen. 7,259. 22 p. 298,20 Aen. 1,209. 22 p. 298, 34 Aen. 6,465.' Nach Apoll. Sidon. ep. 1, 1,4 (ed. Mohr p. 2,10) scheint 22 p.298, 26 ena- vigavimus angustias gesagt zu sein. Interessant ist das Sprichwort c. 24 p. 300,31 pro- verbium .. . quod ore vulgi dici solet: Pro- pinqui saepe invenient nuptialem vestem et lugubrem. Johannes von St. Arnulf. 189 benutzt, von Ekkehard von Aura in ein Kompendium gebracht und vom Annalista Saxo ausgeschrieben; die weitere Überlieferung beruht auf einer Kölner Abschrift. Zeugnisse. Zur zeitlichen Bestimmung vgl. G.Waitz, Göttinger Nachr. 1852 S. 227 f. undR. Köpke, Forsch, z. deutsch. Gesch. 6,169 f. In der Widmung heißt es MG. SS. 4,283,35 Heinrico regi .. ■ explanator huius operis . .. prosperitatem ... 35 Cum multis Sit notum vos scientia disciplinaque artium diversarum praeditum plurima perlegisse Volumina sanctorum vitam patrum in se continentia . . . non minimae est virtutis vos pia vestrorum inquirere facta praecedentiumpropinquorumetmaxime vestrae proavae Mahihildis ... (p.284,5) Gratias agimus vestrae almitati vobis placuisse hoc opus a nobis recitari') ... Vobis imperante hoc opus inchoari difficillimum videbatur nöstrae parvitati ... 11 Igitur obsecramus . . . librum manualem ne feratis in publicum sapientibus deridendum priusquam vestra peritia persenserit quid vestrae pietati eo displicuerit et haec clementer corrigantur . .. Habetis quidem in hoc volumine perpauca vestrorum facta patrum, ex qnibus potcstis discere, quid agere quidve vobis expediat vitare. Die Brautwerbung c. 3 p. 285,42 ff., der Tod Konrads I. c. 4 p. 286,30 f., die Nachfolge Heinrichs mit den Worten bello seu pace fieret est incertum p. 286,31 f. Die Bevorzugung des jüngeren Heinrich durch Mathilde 6 p. 287,25 ff. (9 p. 289, 13 ff.). Das erste der beiden Wunder c. 18 p. 295,43 ff., das zweite 19,296,8 ff. Die Verehrung der Spuren Ottos I. durch die Mutter c. 22 p. 298, 36 ff. Die Zahl der benutzten Vulgatastellen ist sehr groß, weder die Ausgabe noch die Erklärer haben darauf Rücksicht genommen. Zur Benutzung von Gumpolds Vita Vencezlavi vgl. Köpke, Forsch, z. deutsch. Gesch. 6,159f., die Untersuchung von Heerwagen daselbst 8, 369—384. 2 ) Ekkehards Bearbeitung steht im Monac. 4643 s. XIII f. 68—75. Der Annalista Saxo (MG. SS. 6,542 ff.) benutzt das Work zu 911. 921. 936. 946. 968. Das Kompendium Ekkehards ist wahrscheinlich die in Michelsberg 1483 (Neues Archiv 21.179) J 17 erwähnte Vita b. Machtildis reginae, während die in Pegau s. XIV (Serapeum 24, Intelligenzblatt 53) genannte Vita Methildis vielleicht die Bearbeitung der Vorlage bot. DieHaupths.istDusseldorp. A18(Lib.Bibl.s.Panthal.)saec.(XII—)X11I f. 91 b —131, die in der Ausgabe nicht benutzt ist; die wichtigsten Varianten aus ihr mit der Ausgabe gab B. Simson, Archiv f. Gesch. d. Niederrheins 7,159—163; auf ihr beruht jedenfalls Bruxell. 329—341 s. XV und das Fragment im Bruxell. 3202 s. XVII. Für die Stellen im Annalista Saxo kommt in Betracht Paris. German. 440 s. XII. Zu späteren Hss. von Ekkehards Kompendium vgl. MG. SS. 4,283. Ausgaben: Acta SS. Mart. 2, 358—370: Leibniz, Script, rer. Brunsvic. 1,192—208; Pertz, MG. SS. 4, 283-302 (= Migne 135, 889-920). Vgl. Wattenbach l,374f. 19. Johannes von St. Arnulf. In den ersten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts war zu St. Mihiel an der Maas ein Schüler des großen Gelehrten Remigius namens Hildebold als Lehrer tätig. In dessen Schule gelangte der junge Johannes aus Vendiere, der einen sehr reichen Vater hatte und vorher schon die Schule zu Metz besucht hatte. Trotzdem nun der Vater des Johannes dem Hildebold große Zuwendungen machte, erteilte dieser doch nur einen sehr dürftigen Unterricht. 3 ) Johannes aber wurde später mit dem Archidiakon der Touler Kirche Eginold bekakannt, der 933 Abt von Gorze bei Metz wurde. Die Verbindung beider Männer auf dieselben geistlichen Ziele hin gestaltete sich schließlich zu einer so engen, daß Johannes 960 zum Nachfolger Eginolds in Gorze gewählt wurde. An den Johannes aber hatte sich der Mönch und spätere Abt Johannes zu St. Arnulf in Metz eng angeschlossen. Er war langjähriger Augenzeuge von der bedeutenden Tätigkeit des Mannes, und ') d. h. doch wohl schriftlich; an mündlichen Vortrag ist wohl nicht zu denken. 2 ) Besonders vgl. S. 371—375, wo die Benutzung von Sulpicius Severus, der Vita Rade- gundis Fortunats und der epist. ad Macedonium von Sedulius nachgewiesen wird. ') Der Unterricht des Johannes wurde später bei dem Touler Diakon Berner fortgesetzt, bei dem der Knabe die erste grammatische Unterweisung erhielt und den ersten Teil des Donat hörte, vgl.Vita Johannis Gorz. 13 (MG. SS. 4,340,43). 190 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. als der Abt von Gorze 974 starb, unternahm es sein Freund Johannes, sein Leben darzustellen. Der Eingang der Vorrede zu diesem wichtigen biographischen Werke bezeugt, daß Johannes sich schon bei Lebzeiten seines Freundes vorgenommen hatte, dessen Leben zu schildern. Als nun beim Tode des Gorzer Abtes die Äbte der benachbarten Klöster sich in Gorze versammelt hatten, übertrugen diese dem Johannes von St. Arnulf ausdrück- die Aufgabe, sich der Arbeit zu unterziehen. Und da der Bischof Theoderich von Metz denselben Wunsch äußerte, so fühlte sich Johannes verpflichtet, das Leben des Freundes zu beschreiben. Über die Jugend versprach er — so steht es im Prolog c. 6 — möglichst schnell hinwegeilen zu wollen, da er hierüber zu wenig wisse. Am Schluß des Prologes gliederte er dann sein Werk in vier größere Abschnitte. Im ersten wollte er das Leben des Freundes darstellen, als dieser noch im weltlichen Stande lebte, sowie seinen Übertritt ins Klosterleben. Der zweite Abschnitt sollte die Mönchzeit, der nächste die Abtszeit und der letzte den Tod des Johannes umfassen. Wahrscheinlich hat sich Johannes bald an die Arbeit gemacht, die er in einer so ausführlichen Weise begann und fortführte, wie wir kaum eine zweite Biographie besitzen. Ohne Zweifel hatte er sich bei Lebzeiten des Freundes, wenn ihm dieser von vergangenen Dingen erzählte, Aufzeichnungen gemacht und diese ergänzte er während der Arbeit durch eingezogene mündliche Kunde. 1 ) Aber nachdem er bis zum Eintritt des Johannes ins Kloster und bis zum Tode von dessen Mutter gelangt war, verlor er den Mut zur Fortsetzung des Werkes, und er hätte es ohne befreundeten Zuspruch wohl auch nicht weiter geführt. Nämlich damals sprach Bischof Theoderich im Kloster vor und verlangte die Arbeit zu sehen. Zögernd brachte Johannes die Tafeln, die der Bischof dann durchlas. Zu gleicher Zeit war Bischof Folcmar von Utrecht im Arnulfskloster anwesend — es war am 25. Dez. 978 — und diesem zeigte Theoderich das angefangene Werk und bat darauf den Johannes inständig um die Fortführung. Johannes gelobte sie, aber beendet hat er die Arbeit nicht. Die einzige Handschrift bricht nämlich im Kap. 136 mitten in einem zwischen dem Abt und dem Kalifen Abderrahman III. im Jahre 956 gehaltenen Gespräche ab — Johannes hatte 953 eine Gesandtschaftsreise an den Hof von Kordova übernommen 2 ) — und da in einer allerdings späten und ziemlich verwirrten Geschichtsquelle aus St. Arnulf ausdrücklich erzählt wird, daß Johannes sein Werk nicht vollenden konnte, da er vom Tode überrascht wurde, so möchte man doch annehmen, daß die Vita Johannis Gorziensis tatsächlich nicht beendet worden ist; jedenfalls besaß man im 13. Jahrhundert nicht mehr als das heutige große Bruchstück, das das Leben des Johannes bis in die Mönchszeit führt, so daß die beiden letzten Teile vollständig fehlen; allerdings wird der Mangel des letzten Teils durch die ausführliche Vorrede wenigstens in etwas ausgeglichen. Johannes beginnt sein Werk mit einem Hinblick auf den Gebrauch der alten Redner, die Person, von der man spricht, dadurch in ein günstigeres Licht zu stellen, daß man ihr Geschlecht x ) So sagt er selbst c. 48 quantum scilicet aut ex testibus cunctis piis eius actibus ad- herentibus . .. audivimus. 2 ) Zum Text dieses Teiles gibt Emen- dationen W. Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 1, 842. Johannes von St. Arnulf. 191 und ihre Vorfahren näher berührt und überhaupt ihre ganze Abstammung hervorzieht. Von diesem Gebrauche wolle er absehen, da die christliehe Lehre auf den inneren Menschen gehe und nicht auf seine äußeren Schicksale. So wird die Abstammung des Johannes nur ganz kurz berührt, seines Aufenthaltes in St. Mihiel gedacht und dann der Unterricht bei Berner von Toul erwähnt, besonders aber sein frühzeitiger Trieb zur Kirche und zu ernster Lebensauffassung hervorgehoben. Die Lektüre des jungen Mannes bestand hauptsächlich in der Bibel und im Liber Comitis des Smaragdus, und der Biograph rühmt seine genaue Kenntnis der Regeln des Kom- putus, die er bei Berner gelernt hatte. Als dann Johannes in das Kloster Gorze eingetreten war, erweiterte er den Umkreis seiner Lektüre, die er um so emsiger vornahm, als in Gorze die Wissenschaften vordem keine Pflege gefunden hatten und sich kaum Handschriften der Kirchenväter vorfanden. Besonders las er später Gregors Moralia, Werke von Ambrosius und Hieronymus, Augustins Erklärungen zu Johannes und zu den Psalmen, sowie die Bücher De civitate dei und schließlich das Werk De trinitate. Durch dieses wurde er wegen der Schwierigkeit mancher Stellen zum Lesen der Isagogae 1 ) bewogen, aber darin von Abt Eginold gestört, der solche Lektüre als unchristlich nicht duldete. Dafür versenkte sich Johannes dann in die Werke Gregors, besonders in die Erklärung zu Ezechiel. Aber auch in die alten Mönchsregeln vertiefte er sich und er las die Biographien des hl. Martinus und Germanus und die Vita des Johannes Eleemosynarius (d. h. des Anastasius Übersetzung) kannte er fast auswendig. — Ist nun die von Johannes von St. Arnulf oben zitierte Bemerkung richtig, daß man in Gorze kaum Handschriften der Patres gehabt habe, so muß schon unter Eginold und dann besonders unter Johannes eine sehr umfassende wissenschaftliche Betätigung im Kloster eingetreten sein, da der im 11. Jahrhundert verfaßte Katalog von Gorze eine sehr reichhaltige Büchersammlung registiert, der sogar manche einzelne Seltenheiten enthält und namentlich aus der gelehrten Literatur des 9. und 10. Jahrhunderts eine Menge Werke aufweist. 2 ) Nach diesen wenigen Proben aber mag man sich ein Bild von der Ausführlichkeit dieser Biographie machen. Johannes hielt keinen Zug aus dem Leben seines Helden für zu gering, um ihn nicht aufzuzeichnen, und da er lange Zeit mit ihm verkehrt und aus seinem eignen Munde viel erfahren hatte, so brachte er in seinem Werke einen ganz ungewöhnlich großen Stoff zusammen, der für die Kulturgeschichte der Zeit unschätzbar genannt werden muß. Dem gewaltigen Stoffe fehlt aber die Einteilung und übersichtliche Anordnung; diese ist nur insofern gewahrt, als die Erzählung im großen und ganzen chronologisch gegeben wird, dabei freilich viele Rück- und Ausblicke erhält. Die mangelnde Durcharbeitung des Stoffes gibt sich namentlich in dem Fehlen der Anordnung nach all- ') Ob es Viktorins oder des Boethius Ueber- setzung war, wird nicht mitgeteilt; im Katalog von Gorze saec. XI finden sich beide, wie auch der Kommentar des Boethius zu beiden, vgl. Morin in Revue Benedictine 22,9, 153 Commentum Boecii super Isagogas Porphirii. 159 Ysagogae Porphyrii. 11,221 Commentum ipsius super Ysagogas Porphirii ceptum. 223 Ysagogae Porphirii. 2 ) Herausgegeben von G. Morin, Revue Benedictine 22,3-11. 192 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. gemeinen Gesichtspunkten kund. Das Beispiel Einharts war längst verlassen, und es läßt sich ja auch nicht leugnen, daß die Einteilung nach Kategorien eine gewisse schematische Unvollkommenheit besitzt. Namentlich läßt sie sich nicht mit dem Erfolge, den Einhart damit gehabt hat, bei minder bedeutenden Persönlichkeiten anwenden, und die Biographie im eigentlichen Sinne war durch die Darstellung des Heiligenlebens wie auch durch die chronikalische Darstellung abgelöst worden. Es lag aber dem Geistlichen mehr daran, die Tugenden seines Helden zu preisen und oft auf Kosten der Wahrhaftigkeit eine Dichtung zu bieten, die durch ihren stark parä- netischen Ton auf Leser und Hörer wirken sollte. Und auf der anderen Seite hat das mehr annalistische Fortschreiten des Chronikschreibers das eigentliche Wesen der Biographie aufzulösen vermocht. 1 ) Bei der großen Ausführlichkeit im Leben des Johannes fehlt es nun allerdings nicht ganz an Ansätzen zur Vermeidung der lehrhaften Darstellung, obwohl hierbei auch hagiographische Vorbilder mitgewirkt zu haben scheinen. Namentlich liebt unser Biograph die Wiedergabe längerer Gespräche, wie denn mitten in einem solchen seine Darstellung schließt. Manche Teile seines Werkes erhalten dadurch eine nicht geringe Lebendigkeit, wie etwa die Kap. 96 bis 110, wo sich Gespräch an Gespräch reiht. Ob hierzu die Historiographie des Altertums als Vorbild gedient hat, möchte ich bezweifeln, wenn auch in manchen einzelnen Wendungen sich deutliche Anlehnung an Sallust 2 ) oder Caesar 3 ) ergibt. Überhaupt tritt die klassische Bildung der Zeit bei Johannes nicht so selten hervor, wie es nach der Ausgabe scheinen möchte; allerdings passiert es ihm, daß er Kap. 88 Juvenal 1,57 unter dem Namen von Persius anführt. So kennt er seinen Horaz, aus dessen Ars poetica er einiges benutzt, 4 ) und in Ovid 6 ) undVergil 6 ) weiß er Bescheid. Aber auch sonst ist sein Stil nach der alten Latinität gebildet, freilich ist er öfters etwas gespreizt und wird wegen mancher ungewöhnlichen Wort- und Gedankenverbindungen dunkel. Daher macht die Sprache öfter einen etwas ungelenken Eindruck und der Leser fühlt deutlich heraus, daß die Ausdrucksweise zuweilen mühsam herbeigesucht worden ist. Hier fehlt eine gewisse frische Ursprünglichkeit, Johannes hat sich seine sonderbare Latinität selber gebildet, da er mit dem traditionellen Stil sich nicht begnügte. Übrigens stimmen größere Stücke der Erzählung mit den Miracula s. Gorgonii überein, und W. Schultze hat erwiesen, daß Johannes diese Schrift nicht nur benutzt, sondern ihren Bericht auch erweitert hat. Außerdem aber verwertete Jo- ') Ueber die persönliche Anteilnahme des Biographen vgl. R. Teuffei, Individ. Persönlichkeitsschilderung in den deutschen Geschichtswerken d. 10. u. 11. Jahrh. S. 84—87; daselbst S. 77 über Biographien ohne persönliche Züge. 2 ) Vgl. 22 p. 343, 24 similiterque — usus dissimilis. 58 p. 353, 30 et prout — obinrgare. 76 p. 358,44 Quippe gui — inclinaret. 89 p. 362, 20 Inde et res — suppeditabant. 3 ) Nach Caesar sieht aus 51 p. 351, 38 ad midtam fere noctem (B. Gall. 1,26) und 82 p. 360,29 nsque in multam diem (B. Gall. 1,22). Daß man in diesen Zeiten in Metz Caesar benutzte, ergeben die Werke Alperts, vgl. Manitius, Neues Archiv 13,203 ff.; vgl. den Katalog von St. Vincenz zu Metz s. XI (Zentralblatt f. Biblwesen 1894 S. 83 N. 4). 4 ) Praef. 5 p. 338, 32 me sumpsisse mate- riam non viribus aequam (A.P.38). 22 p.343, 23 risum tenere vix posset (A.P. 5). 5 ) 82p.360,19 somnusobreperet (Ep. 1-9,46). 6 ) 132 p. 375,46 hastilia . .. et missilia vi- brantes manuque crispantes (Aen. 11, 606. 1,313). Johannes von St. Arnulf. 193 hannes die früher von ihm verfaßte Vita und die Miraeula s. Glodesindis im Leben des Johannes. Vita et miracula s. Glodesindis. Die Nonnen von St. Glossinde zu Metz hatten sich nämlich an Johannes mit der Bitte gewendet, das Leben und die Wunder ihrer Heiligen sowie deren erneute Translation darzustellen, und hatten ihm hierzu das alte Leben der Glodesindis gegeben, das in barbarischer Sprache abgefaßt war und nun in ein stilistisch erträglicheres Gewand kommen sollte. Das Leben selbst, wie es von Johannes vorliegt, ist inhaltsleer und wortreich und behandelt die so oft wiederkehrende Geschichte einer Jungfrau, die sich weigert zu heiraten und geistlich wird. Der Bericht über Wunder und Translation erhält eine neue Vorrede, in der Johannes auf sein Leben der Heiligen Bezug nimmt und mit außerordentlichem Wortschwall kundgibt, daß er jetzt denselben Spuren wie früher folgen werde. Das heißt also, er benutzte für die Fortsetzung der Arbeit ebenfalls alte Aufzeichnungen. Weiter erzählt er in der Vorrede, daß er sich freue, jetzt in bekanntere Zeiten der Geschichte zu kommen, als die im Leben dargestellten waren. Nämlich die Chronologie des früher fälschlich an die Spitze gestellten Königs Childerich bereitete ihm Schwierigkeiten und er kam hier ins Gedränge mit seinen Zeitangaben gegenüber dem von ihm eingesehenen historischen Werke, das entweder die Fortsetzung Fredegars oder der Liber historiae Francorum gewesen ist; auch zeigt er hier Bekanntschaft mit der Vita Arnulfi. Die eigentliche Erzählung beginnt mit dem Berichte der ersten Translation. Es erfolgt eine zweite, nachdem die Heilige 254 Jahre in ihrem Grabe gelegen hatte, unter Ludwig dem Frommen. Hier wird erwähnt, daß Beda in seiner Kirchengeschichte erzählt, der hl. Cuthbert habe zwölf Jahre unversehrt im Grabe gelegen und dabei wird auf Bedas Vita Cuthberti Bezug genommen, sowie auf seine Erzählung über die hl. Edilthryd. Die Fortsetzung erzählt eine dritte Translation der Heiligen und bietet in Kap. 29 eine längere historische Auseinandersetzung über Lothar I. und Lothar IL und über die Ehewirrnisse mit Teutberga und Waldrada; außerdem wird hier der Kirchenpolitik der Metzer Bischöfe Adventius und Walo eingehend gedacht. Den weiteren Bericht nehmen Wunder ein, bis am Schlüsse in Kap. 45 f. nach kurzer Fortsetzung der Metzer Bischofsgeschichte die Verhältnisse im Kloster Gorze und in St. Glossinde bis zum Jahre 951 etwas ausführlicher berührt werden. Man sieht aber aus dieser kurzen Inhaltsangabe, daß der hagiographische Darsteller unter Umständen die Bistums- und Klostergeschichte für seinen Bericht nicht entbehren konnte und daß sein eigentlich mehr in den Bereich der Dichtung fallendes Werk auch rein historische Abschnitte bergen kann. Sein großes Leben des Johannes von Gorze hat Johannes wohl nicht vollenden können, da er vor dem Jahre 984 gestorben ist, wie sich aus einer Urkunde des Bischofs Theoderich ergibt. Zeugnisse. Zu Hildebold 1 ) vgl. Johannis vita Johannis Gorz. 10 (MG. SS. 4, 340, 4) Xonnullo etiam tempore in monasterio s. Michaelis super Mosam fluviwn ad stuclia moratas est, nbi tunc temporis Hildeholdus qiiidam grammaticam professtis ex discipulis domni Remigii 'llmVerzeichnisderGrammatikei^imVoss. j et extr. 35,1,311) von Gautbert wird er nicht oct. 15 s.X— XI, hrsg. von Delisle, Notices I genannt. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 13 194 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. doctissimi ca aetate magistri scolas habebat. Cuius doctrina, ut ipse multoties jjostea fate- batur, incertum incwia an quodam, ut apparebat, supercilio, cum tarnen a patre sepissime non mediocriter munevavetur, macram satis frugem scientiae eum contigit retulisse. Früherer Unterricht in Metz ib. 9 Litterarum tarnen primis vix elementis traditus addiscendis ali- quamdiu non longe a conspectu patris, postmodum licet aegre codem patre ferente Metis eis quae tunc esse poterant, scolis instituebatur. Unterricht bei Berner ib. 13 Unde Bernerum diaconum .. . sortitus magistrum . .. Prima itaque elementa grammaticae primasque tantum partes Donati ex ipso Bernero audivit. Johannes von St. Arnulf als Augenzeuge des Lebens von Johannes von Gorze und von diesem selbst berichtet vgl. 10 p. 340, 8 ut ipse multoties postea fatebatur; 14 p. 341,4 De quo plura bone actionis nobis pater Iohannes tiarrare con- sueverat; 82 p. 360, 25 illud autem scpe ex ore eins ipsi audivimus; 134 p. 376,17 sind nobis postea referebat. Daß Johannes Abt in St. Arnulf war, ergibt die Vorrede 3 p. 337, 32 patres revcrentissimi 1 ) ... cumque his ego infimus und c. 66 p. 355,31 patrein nobis in monasterio s. Arnulfi postea datum domnum Ansteum fas non est praeterire; und daß Johannes der Verfasser war, geht ans der Aufschrift des Werkes in der einzigen Handschrift hervor, wie aus der Hist. s. Arnulfi (vgl. unten). Absicht des Johannes Praef. 1 p. 337,4 patrem lohannem iam pridem eo adhuc superstite animus erat ad mtiltorum profectum scriptis proponere; 4 p. 378,25 -Ego' 1 ) iam inde ab initio tanti negotii avidus ...voce tarnen ceteris addita ut fieret item itemque ingeminabam . . . tumque me omnes ad hoc potissimum delegissent... mcque .. . nimium praeceps et impudens obligavi ... accedente ... domino . .. praesule ... Deöderico et non modo hortatu verum . .. iussu me impellente. Zum Plane Praef. 6 p. 338,44 Quae igitur a primis gesserit annis, quorum raram admodum ad nos constat pervenisse notitiam, in medium relinquentes, darauf folgen die vier beabsichtigten Teile der Arbeit. Seine Verzagtheit c. 46 p. 350, 20 Cum ad hunc iisque locum ... evectus .. . a coepto tandem segnis et tamquam multo opere delassatus brachia penitus deiecissem . . . praesul domnus supervenit Deodericus .. . Is ubi me casu domi convenit, si quid iussi operis seu quantmn confecerim requisivit. . . Me scedulis sibi deferre iussis ordine cuncta cucurrit. .. Forte ibi tunc Traiectensis . . . ecclesiae pontifex . . . domnus Popo 3 ) adfuerat. . . ut coepta nullo cuncta- bundus explerem, hortatu magis ac magis ampliore animos addere ... Itaque reliqua... quantum scilicet aut ex testibus bünctis piis eius actibus adhcrcntibus . .. auf ex ipso narrante ut casus tulit. . . audivimus, vel quae ipsi, quibus nulla potior fides, persensimus, hinc. .. prosequemur. Zur Nichtvollendung vgl. die Hist. s. Arnulfi Mettensis (MG. SS. 24,544,47) Hie denique Iohannes. . . responsoria b. virginis et martiris Lucie autentica modulatione composuit neenon et b. Olodesindis vitam cum officio nocturnali. Vilam vero antecessoris 4 ) dompni lohannis abbatis scribere aggressus imperfeetam inmatura morte pereptus reliquit. Zur literarischen Kenntnis des Johannes von Gorze vgl. c. 18 p. 342,19 ff. und für die spätere Zeit 83 p. 360,34 ff., wo der Mangel an Handschriften berühit wird 360,38 et quia ad id temporis utpote studiis frigentibus pene nee ipsi Codices inveniebantur; dort auch die Unterbrechung der philosophischen Studien durch Eginold repente domnus pater Einoldus medios praeeidit conatus . .. et ut animum pocius Sacra lectione occuparH. Zum Studium Gregors, der Mönchsregeln 0 ) und der Heiligenleben vgl. in c. 84 p. 361. Der Katalog von Gorze steht in der Hs. Reims 427 s. XI f. 12 —14; besondeis wichtig sind hier die Einträge aus dem Gebiet der Altes liberales, bei Morin, Revue Benöd. 22, 9—11. Die Zeit des Kataloges bestimmt sich nach p. 11,237 Qiiaternio de ieiunio quatuor temporum; dies Werk stammt von dem Lütticher Lehrer Franco und ist unter Bischof Theoduin (1048 — 1075) geschrieben, wie der Lütticher Katalog von 1460 (Bibliophile Beige 1866 p. 172 N. 49) angibt. Also ist das Gorzer Bücherverzeichnis kaum vor 1060 verfaßt. Es fanden sich auch in Gorze zwei griechisch-lateinische Glossare, vgl. p. 11,239 Opuscula duo Grecorum nominum Latinis resolutorum. Den Stil des Johannes genauer zu untersuchen, dürfte sich verlohnen, und es wäre dabei die gleichzeitige in um Metz entstandene Literatur näher zu berücksichtigen. Mir ist kein Schriftsteller der Zeit bekannt, der so apart schriebe, wie Joharmes. Zu den sonst benutzten Quellen vgl. W. Schultze, Neues Archiv 9, 497- 512; dort über die Miracula s. Gorgonii S. 498—502, die Vita s. Glodesindis S. 505 —507, als deren Verfasser S. 508 Johannes erwiesen wird; S. 509 f. über die Vita Chrodegangi (verfaßt 963 oder 964 in Gorze). Alle diese Schriften hielt man nämlich früher von Johannes von Gorze verfaßt, aber nach den Untersuchungen von Schultze gehört ihm keine an. ') Es folgen die Namen der Aebte der ! deutlich schildern, fünf Klöster, die vor den Mauern von Metz ! 3 ) Er heißt bald Poppo, bald Folcmar. lagen. 2 ) Die hier vorausgehenden Abschnitte der Vorrede, die die Gespräche der versammelten Aebte nach dem Tode des Johannes wiedergeben, sind in hohem Grade lesenswert, da sie die Situation ungemein lebenswahr und 4 ) Der Verfasser hegt den Irrtum, daß der Biograph Nachfolger des Johannes in der Abtswürde war. ") Daß diese gemeint sind, ergeben die Worte conversationis normam. Anhang: Zeitgenössische Heiligenleben aus der Metzer Gegend. 195 In das Gebiet der chronikalischen Darstellung aber in unreiner Form fallen z. B. die 916 oder 917 verfaßten Gesta episcoporurn Virdunensium von dem Verdnner Presbyter Bertarius an Bischof Dado gerichtet. Die Geschichte des Bistums Verdun wird hier mit Erzählungen von Wundern durchsetzt, die sich auf die Heiligen des Hochstiftes beziehen. Diese Gesta sind überaus dürftig, 1 ) doch hat in der Mitte des 11. Jahrhunderts ein Mönch des Klosters St. Vannes eine etwas ausführliche Portsetzung gegeben. Die Arbeit des Bertarius in sehr ungelenkem Stile reicht bis in die Zeit Arnulfs, die Fortsetzung bis 1047. Ausgabe (nach Vird. 3 s. XII f. 159 und 36 s. XIII f. 116) MG. SS. 4, 36—51. Die Vita und Translatio s. Glodesindis sind nach W. Schultze (Neues Archiv 9, 505 ff.) um 963 verfaßt. Johannes wendet sich in der Widmung an die Nonnen (Migne 137, 213A) Impellitis itaque ut sacratissimae ... Glodesindis ... quae conversationis initia, qui nicdii actus in finem usque feliciter consutnmatum extiterint, quantum ex scriptis, quae ad nostram aetatem qiialibuscumque litteris adnotatae perdurant, queam advertere, stilo quoquo possibile sit audeam pertentare. Die Translatio erhält gesonderte Vorrede und Johannes erzählt hier von der bisherigen Arbeit (col. 219 A) Partibus primis gestorum sacrae virginis . . . ex veteri illarum litterarum situ in nova quadam facie . . . reductis . . . lectorem . . . bona venia paucis oratum volo-)...In •primis quam exordio professus sutn . . . (219 C) Fidem ergo gestorum et in priori psrte, ut scripta praefata monstrabant, interpretatione fida r ut püto, usque ad obitum b. virginis transposuimus, et nunc sequentibus deinceps pari nihilominus puritate .. ■ narrandi ordine eadem vestigia persequemur. (220 A) Gratum praeterea admodum habemus, quod haec posteriora certiori iam aliquantulwn ducunt itinere, temporis maxime notitia ... lucidius insignita. Darauf berührt er die chronologischen Schwierigkeiten und sagt (220B) Ceterum annales seu historici, quos inpicere potui, praeter solam Caroli vitam Baganfredum quendam continent, de cuins manu Carolus principatum sustulit; damit meint er entweder Fredegar. Contin. 10 (SS. rer. Merov. 4,174,6 ff.) oder den Liber hist. Francorum (ib. 4,326,23 ff.). Erwähnung des Lebens Arnulfs (220 C) cum constet b. Arnulf um longius multo antequam is Childericus fuisse dicatur e mundo receptum et ut sacra gestorum eius scripta declarant, vixdum anno dormitionis sitae exactae a loco sepulturae Mettis relatum. Ea utcumque sint quibusque pro arbitratu in medium relinquentes 3 ) Die erste Translation (219 D) postquam ... corpus intemeratutn in basilica sanctorum apostolorum extra muros urbis per annos 254 quieverat. Die zweite Translation c. 7 col. 222C; die Stelle aus Beda findet sich Hist. eccl. gentis Angl. 4, 28 (ed. Plummer 1,276). Der Exkurs über Lothar 1. und II. col. 231D bis 233 B; über Adventius und Walo c. 28 col. 231C und 29 col. 233C, Fortsetzung der Metzer Bischofsgeschichte c. 45 col. 238 B. Hier berührt Johannes die Zeiten des ^Bischofs Adalbero und der Aebte Eginold und Ansteus. Daß Johannes 984 schon tot war, zeigt die Urkunde Theoderichs von Metz aus diesem Jahr, vgl. Meurisse, Hist. des evesques de l'eglise de Metz (Metz 1634) p. 326 Pari et ratione villam Beumagam, quam in initio nostrae promotionis a Iohanne quondam venerando abbate . .. in beneflcium promerueramus. Beide Werke des Johannes sind fast unbekannt geblieben und stehen nur in einer ein?igen Hs.. dem Paris. S. Germ. 1410 s. XI. Das Leben des Johannes hrsg. von Pertz, MG. SS. 4,337—377 (= Migne 137.241-310), das der hl. Glodesindis Acta SS. Jul. 6, 210—225 und Migne 137,211—240." Einen Teil des Lebens des Johannes hat übersetzt W. Gundlach, Heldenlieder d. deutschen Kaiserzeit 1,550—572 (die Reise nach Kordova Kap. 115—136). — Vgl. Sackur, Die Cluniacenser 2,359 ff. W. Schultze, Forsch, z. Gesch. d. Klosterreform, Halle 1883. Wattenbach l,413ff. Anhang: Zeitgenössische Heiligenleben aus der Metzer Gegend. 1. Miracula s. Gorgonii. Geschrieben um 965 im Kloster Gorze, dessen Patron Gorgonius war. Der Verfasser will das darstellen, was er gesehen und gehört hat, und beginnt mit Bischof Chrodegang, dem Stifter des Klosters, der 765 den Leib des hl. Gorgonius dahin brachte. Das Leben Chrodegangs wird kurz erzählt und dabei auf die Gesta episcoporurn Mettensium des Paulus Diakonus verwiesen. Die Wunder selbst beginnen mit der Über- ') Ueber eine darin benutzte Hs. des Fortu- I Laurentianae 2,40 Psalterium I Scoticum. natusvgl.Manitius,NeuesArchivl2,591f.— | *) Ist nach Terenz gesagt: Heaut. prol. 26 Von Verkehr der Iren in Verdun zeugt die Auf- ' qua re omnes vos oralos volo. schrift im Katalog von 1070 (St. Ayric) bei 1 3 ) Vgl. Vita Johannis Praef. 6 (MG. SS. 4, Bandinius, Cat. codd. lat. bibl. Mediceae ] 338,44) Quae igitur ...in medium relinquentes. 13* 196 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. tragung des Heiligen aus Italien und setzen sich fort bis in die Gegenwart. So wird Kap. 7 das Wirken des Heiligen in der Zeit des Bischofs Wigeric (917—927) erzählt, als die Ungarn in Lothringen eingefallen waren, und der Verfasser erinnert sich dabei eines Mönches aus jener frühen Zeit, den er noch angeblich hundertjährig gesehen hat. Zur Unterstützung einer seiner Geschichten macht er (Kap. 22 p. 245,40) auf ein ähnliches Vorkommnis in der Hist. tripartita des Cassiodor (5, 45) aufmerksam. Er zeigt an einigen Stellen die KenntnisVergils und auch Sallusts. Benutzt wurde die Schrift von Johannes von St. Arnulf. Eingang: (MG. SS. 4, 238,49) Descripturus miracula patroni noslri b.Grorgohii quae visu et auditu comperi. Die Berührung späterer Zeiten 7 p. 240 Ea tempestate qua Ungarii pervagabantur has regiones Wigerico praesule civitati Mettensi praesidente .. . Erat tunc temporis quidam .. . sacerdos rector et custos ehisdem ecclesiae. Hie .. . aggressus est quendam monachum, quem ego ipse puerulus valde senem vidi centenarium ut ferebatw. Die Stellen aus'Vergill3 p. 242,43 Aen.XI,139. IV,189 und 26 p. 246,47 Ecl. l,6ß:?aus Sallust Cat.2,8,1 p. 239,55 melius est stiere quam loqui. Zum Verhältnis zu Johannis vita Joh. Gorziensis vgl. W. Schnitze, Neues Archiv 9, 498—502 und Sackur, Die Cluniacenser 2,359. Eine Hs. des Werkes fehlt. Ausgaben: Acta SS. Sept. 3, 343. MG. SS.4,238—247. — Vgl. Wattenbach 1,414. 2. Vita Chrodegangi. Das Werk stammt wohl aus dem Kloster Gorze, da dessen Verhältnisse häufig berührt werden. Unsicher ist die Zeit der Abfassung; W. Schultze setzt sie in das Jahr 963 oder 964, aber es ist möglich, daß sie noch ins 9. Jahrhundert fällt, wie schon L. Traube aus dem Vorkommen des Adjektivs Romensis 1 ) annahm. Aber auch sonst finden sich Gründe für diese frühere Ansetzung, denn wenn es c. 22 2 ) heißt, daß die gallische Roheit sich noch nicht an die römische Vornehmheit gewöhnt hatte, so läßt sich das viel eher als aus dem Sinne des 9. Jahrhunderts gesagt begreifen, indem man im 10. Jahrhundert kaum mehr so geschrieben haben würde. 3 ) Und dazu stimmt, daß das Werk die später so übliche' Reimprosa nicht kennt. Jedenfalls aber ist die Schrift nicht von Johannes von Gorze verfaßt, da dessen mangelhafte Schulbildung zu der hier alles überwuchernden Rhetorik nicht paßt. Das Werk beginnt mit einer dem zeitgemäßen Gebrauche entsprechenden, törichten Ableitung des Namens Mediomatrica, die zunächst den Glauben an eine streng historische Darstellung erwecken könnte, wie auch später in c. 27 der Name Gorze von Gurgitensis abgeleitet und hiermit eine von Oktavian angelegte und bis zur Stadt geführte Wasserleitung in Verbindung gebracht wird, was jedenfalls auf später Lokalsage beruht. Aber der Leser wird bald enttäuscht, denn nach einer ganz kurzgedrängten Übersicht über die ältere Metzer Bistumsgeschichte verliert sich der Verfasser bis zum Ende von Kap. 5 fast ganz in nichtssagender und wortreicher Rhetorik; hochtönende Phrasen, meist geistlichen Inhalts, sollen hier über den Mangel an wirklichem Inhalt hinweghelfen, und dieser ganze Teil liest sich wie eine Prunkrede, die in höchst selbstgefälliger Weise auf den Stelzen der Rhetorik einhergeht. Erst mit Kap. 6 beginnt die eigentliche Lebensgeschichte, die aber fast ganz x ) MG. SS. 10, 565, 10 und 576, 15. Vgl. Traube, Textgeschichte der Regula Benedicti S. 129 f. (=727 f.), 2 ) MG. SS. 10,564,45. 3 ) Der von Sackur, Die Cluniacenser 2, 359,1 angeführte Grundscheintmirabernicbls zu beweisen, da dergleichen Uebertreibungen doch nicht selten sind. Das Chronicon Salernitanum. 197 auf der Metzer Bischofsgeschichte des Paulus Diakonus aufgebaut ist und sogar deren kindliche Gleichstellung des Ansgis mit Anchises *) übernimmt. Später treten auch des Paulus Langobardengeschichte, der Liber pontificalis und die Lebensbeschreibungen des Arnulf von Metz, des Landebert von Lüttich, Willibrords und des Bonifatius als wenig geschickt benutzte Quellen 2 ) hervor. Ganz besonders umständlich wird die Erzählung seit der Erhebung Chrodegangs zum Bischof in Kap. 16 ff., denn der Verfasser zieht hier allerhand abliegende biblische und patristische Elemente in seine Darstellung, und der eigentliche Stoff entschwindet ihm unter den Händen. Die Schrift, die nach Kap. 26 an einen Bischof gerichtet ist, hinterläßt daher beim Leser keinen günstigen Eindruck, und sie ist auch nicht vollständig erhalten, da die einzige Handschrift in Kap. 31 mitten in der Erzählung von Chrodegangs kräftigem Vorgehen gegen die Mönche von Agaunum bezüglich der Reliquien des hl. Mauricius abbricht. Hinsichtlich der Sprache herrscht der biblische Ausdruck stark vor, was in der Ausgabe aber nicht ersichtlich gemacht wurde; zuweilen ist aber auch Anlehnung an die alten Autoren zu erkennen, 3 ) wie überhaupt das schulmäfiig Erlernte hervortritt. Zeugnisse. Zur Zeit und zum Ort der Abfassung vgl. W. Schultze. Neues Archiv 9,509 f. Die Stelle in c. 22 heißt (MG. 10, 564,45) Et quia Gallicana rusticitas Romana urbani- tate... necdum feroces animos oraque insueverat; diese Anschauung paßt ungefähr in die Schreibweise Einhalts. Ableitung des Namens Gorze c. 27 p. 568,40 Est locus a Medio- matrieo sex milibus distans, quem Gurgitensem vocari, ul veterum hystoriarum testantur audores, ea res dedit, quia Octavianns ab eodem loco aqnaeductum fieri instita.it, quo ad civitatem usque perthigente tali industria antiquo ritu lustra celebrarentur. Widmung an einen (Metzer?) Bischof c. 26 p. 568,17 dicamus vestrae dulcissimae sanctitudini. Zum biblischen Ausdruck vgl. z. B. 20 p. 563,48 oelut cortex mali Punici = Cant. 6, 6. Das erhaltene Stück reicht bis ins Jahr 765; da Chrodegang 766 starb, so dürfte nicht sehr viel fehlen. Ob sich der Verfasser an ein älteres Original hielt, läßt sich aus seiner Erzählung nicht mehr erkennen. Benutzt wurde die Schrift später von Sigebert in der Chronik zu 758 (MG. SS. 6,332,52 Walpertus abbas in Italia, Chrodegangus Mettensium episcopus Pippini regia ex Landrada sorore nepos clarent in Qallia, qui Gorziam coenobium fundavit in Mettcnsi paroclüa, außerdem von Theoderich von St. Trond in der Vita Tiudonis c. 9 (Surius, De probatis sanctorum historiis 6,593), und in einer alten Geschichte von Gorze bei Meurisse, Hist. des evesques de l'eglise de Metz p. 164, wo über die Stiftung des Klosters Gorze durch Chrodegang erzählt wird. Häufig aber ist das Werk nicht abgeschrieben worden, da nur eine einzige Hs. existiert, nämlich Guelferbyt. Aug. 76,14 s. XI f. 18—24. Hauptausgabe MG. SS. 10, 552—572. Vgl. Pertz, Abhandlungen d. Berl. Akad. 1852 S. 502 ff. B. Simson, Forsch, z. deutsch. Gesch. 19,175—180. Wattenbach 1,415. Ein jedenfalls älteres Epitaph Chrodegangs steht in P. L. 1,108 f. 20. Das Chronicon Salernitanum. Ein Mönch des Klosters zu St. Benedikt in Salerno — vielleicht war es der Abt selbst — hat um das Jahr 978 eine sehr ausführliche Chronik der lango- bardischen Fürstentümer in Süditalien verfaßt. Nämlich über seine Stellung im Kloster dürfte eine Äußerung Aufschluß geben, die er bei Gelegenheit des Überganges zur Geschichte von Amalfi macht, wo er im Kap. 87 sagt, ') Vgl.MG. SS. 2,264,38 f. und Pauli Carm. | Chronik genommen sein; B. Simson hat 20, 8 f. Des Paulus Werk wird auch genannt und zwar c.3 p.554,22 (gestorumtamennostro- rumpontificumfideUsscriptor) und c. 7 p. 556,11 (inveniesque etc.). Kap. 25 f. sollte nach Pertz (Abhandl. aber (Forsch, z. deutsch. Gesch. 19, 175) erwiesen, daß jener Teil aus Reginos Quelle, der Revelatio facta s. papae Stephano stammt. 3 ) Wie das vergilische Felix et tu nimium (c. 3 p. 554,40) oder das ciceronianische nihil der Berl. Akad. 1852 S. 512) aus Reginos , reliqui fecerat (c. 23 p. 565,1) 198 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. daß seine Vorgänger nicht den Fleiß besessen hätten, sich um die Schicksale dieser Stadt zu kümmern. Die Zeit aber deutet der Verfasser in Kap. 123 an, als er bemerkt, daß nach dem Tode des Herzogs Adelchis (f 878) an der Stelle, wo aus des Herzogs Leiche Blut getropft sei, seit hundert Jahren kein Gras hervorgesproßt sei. Und das Jahr 978 — die letzten erzählten Ereignisse fallen 974 —stimmt dazu, daß der Verfasser sein Werk in Kap. 187 durch ein Gedicht dem Herzog Pandulf dem Eisenkopf gewidmet hat, der 981 gestorben ist. Die Abtsstellung des Verfassers wird auch insofern wahrscheinlich, als er Kap. 68 erzählt, daß sein Urgroßvater Rodoalt vor dem Herzog Sichard mit dem Abt Alfanus nach Neapel geflohen sei, woraus sich doch ergibt, daß sein Geschlecht ein in der Stadt hervorragendes war. Und das dürfte auch daraus hervorgehen, daß er Kap. 184—186 wohl von ihm gedichtete Grabschriften auf fürstliche Personen bringt. Sonst ist vom Verfasser nichts weiter bekannt.* Seine Schulbildung ist nicht gerade bedeutend. Er ist zwar mit Vergil, Lucan und Dracontius vertraut, er kennt den Justin und führt Gregor und Augustin an, 1 ) er schreibt auch zuweilen ein erträgliches Latein, aber er weiß selbst am besten, daß er zu den Ungelehrten gehört. So fürchtet er sich an mehreren Stellen vor dem Tadel der Gelehrten, die die freien Künste gehörig studiert haben, während er diese Künste nicht völlig inne zu haben glaubt. Und so ist denn auch seine Sprache ein seltsames Gemisch von Verständlichem und Unklarem geblieben. Die Wörter der lateinischen Sprache kennt er wohl, ja er gibt zuweilen umständliche Deduktionen über Etymologie und Bedeutungslehre, 2 ) die freilich zeitlich und örtlich bedingt sind, aber von der Syntax wie von der Formenlehre versteht er nicht viel. Der Gebrauch der richtigen Kasus entschwindet ihm oft völlig und die von ihm verwendeten Formen sind nicht selten monströs. Ganz so barbarisch wie die Sprache Benedikts von St. Andrea ist allerdings die seinige nicht, aber das Latein beider Schriftsteller wirft doch ein klares Licht auf den Zustand der Schulen in Mittel- und Unteritalien-, namentlich wenn man es mit dem Latein eines Widukind oder einer Hrotsvit vergleicht. Das Griechisch scheint ihm hingegen nicht ganz fremd geblieben zu sein, was bei einem Mönch aus Unteritalien in jener Zeit nicht auffällt. 3 ) Auf der andern Seite ist zu betonen, daß er nicht unvorbereitet ans Werk gegangen ist und sich mehrfach in der historischen Literatur umgesehen hat. So schreibt er aus dem Liber pontificalis das Leben des Zacharias und das Stephans IL aus, er benutzt Kap. 7 das Leben des hl. Anselm von Nonantula und Kap. 72 die Translation 4 ) der hl. Tro- phimena, er kennt das Chronicon s. Benedicti, er gibt große Auszüge aus Erchemperts Langobardengeschichte, er kennt die Gedichte des Paulus Diakonus, von denen er die umfängliche Grabschrift für Arichis allein noch überliefert, während er die von Paulus gedichteten Aufschriften im Schlosse des Arichis zu Salerno nicht mehr lesen konnte. Ferner zeigt er sich be- ') Selbstverständlich kennt er die Bibel, , 25 quidam Graeculus Siciliam praeerat er führt sie aber mehrfach ungenau an, vgl. i gehören, woraus das Bewußtsein des Lateiners hierzu c. 19 (MG. SS. 3, 482,5). ! gegenüber den Griechen hervorgeht. 2 ) Sie stammen zum Teil wörtlich aus Isidor. 4 ) 72 p. 504,15 ff. 3 ) Zur Völkerpsychologie dürfte c. 60 p.498, | Das Chronicon Salernitanum. 199 kannt mit den Archiven seiner Heimat, wo ihm Urkunden und Briefe zu Gebote standen. Daneben aber bezeichnet er auch mehrmals mündliche Kunde als seine Quelle. Es wird bei seiner teilweise sehr ausführlichen Erzählung aber nicht leicht sein, bei dem Fehlen unteritalienischer Quellen seinen eignen Bericht auf geschriebene Vorlagen oder auf mündliche Überlieferung zurückzuführen; vielleicht könnte eine eingehende sprachliche Untersuchung hier noch am meisten sichere Resultate erhoffen lassen. Eine kurze Analyse des Werkes ergibt folgendes. Im allgemeinen beginnt der Verfasser seine Geschichte mit dem Zeitpunkte, da Paulus seine Langobardengeschichte geschlossen hatte. Doch setzt er im Anfang kurz mit der Langobardenherrschaft in Italien ein, zählt die Könige dieses Volkes auf und kommt auf Karl den Großen zu sprechen, dessen Vorfahren und Nachfolger bis auf Otto IL genannt werden; darauf folgt die Reihe der Fürsten von Benevent von Zotto bis auf Radelchis. Freilich ist die Chronologie dieser Regententafeln sehr unsicher. Die eigentliche Geschichte beginnt mit Karlmann J ) und Papst Zacharias und zwar ist dieser Beginn ganz dem Liber pontificalis entnommen. Sehr ausführlich wird dann Kap. 10 ff. der Zug Karls nach Italien von 787 dargestellt, wobei in die Geschichte eine ganze Reihe von novellistisch gefärbten Erzählungen verflochten werden; bezeichnend ist Kap. 16 die Geschichte von einem Patriarchen von Konstan- tinopel, der ein Weib war. Bei Arichis (Kap. 17 ff.) gedenkt der Verfasser des Paulus Diakonus und verspricht, dessen Grabschrift anzuführen, was er aber erst Kap. 20 tut. 2 ) Es folgt 23 ff. die Geschichte Grimoalds und zwar, wie schon bei Arichis, in enger Verbindung mit der Geschichte Karls; Kap. 29 wird Grimoalds Epitaph angeführt. 3 ) Weiter erfahren wir dann Kap. 36 f. vom Eintritt des Paulus ins Kloster und über seinen Kommentar zur Regula Benedicti sowie über seine unleserlich gewordenen Aufschriften im Palaste des Arichis. Auch Grimoalds Geschichte wird mit novellistischen Erzählungen bereichert; sie sind meist lang ausgesponnen und tragen einen durchaus volkstümlichen Charakter, 4 ) zugleich werden sie chronologisch durcheinandergeworfen, bilden aber den größten Teil der Darstellung überhaupt. So hören wir hier Geschichten von Sico, von Dauferius, vom Storesaiz Grimoald und mitten in diesen Erzählungen wird die höchst sagenhafte Ankunft der Araber in Sizilien berichtet (Kap. 60, Fortsetzung Kap. 72). In der nun folgenden Geschichte von Sicards Zeit (Kap. 63 ff.), wo an einer Stelle mündlicher Berichterstattung 5 ) gedacht wird, spielt ebenfalls die volkstümliche Überlieferung und das sagenhafte Moment eine große Rolle. Ein ganzer Schatz von langobardischen Volkssagen ist hier niedergelegt, so besonders Kap. 66 ff. die Erzählung von Rofrits Tochter. Die einzelnen Stücke erstrecken sich oft über mehrere Kapitel, aber sie werden fast stets ohne inneren Zusammenhang aneinandergereiht. Die mit Kap. 77 beginnende Geschichte der Regierung von Radelchis wird durch die Kämpfe der Bene- ') Er heißt c. 1 p. 471,27 Karolusmagmis 4 ) Namentlich die Erzählung von Sico und c.Ji p. 473,23 Karuhismagnus. Kap. 42—48. c. 65 p. 500, 29 Ab illa deniqiw die, ut 2 ) Hier folgt ein Gedicht auf Benevent Atta ruit subito Benccenti gloria tristis. ») Vgl. MG. P.L. 1,430.' ferunt plwimi, minime risit. 200 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ventaner und Salernitaner und durch das Vordringen der Araber nach Kalabrien und Apulien ausgefüllt, und daran knüpft sich die Erzählung vom Ursprung der Amalfitaner, wobei auf mündliche und schriftliche Quellen aufmerksam gemacht wird. 1 ) Der Verfasser versichert hier, daß es völlig unbekannt geblieben sei, aus welchem Lande und Volke die Amalfitaner stammten und zu welcher Könige und Kaiser Zeit sie gekämpft hätten; auch seinen Vorgängern sei dies verborgen und gleichgültig gewesen, er aber habe sich mit Eifer auf die Erkundung dieser Dinge geworfen und mehrere Männer der angrenzenden Gebiete kennen gelernt, die er zu fragen nicht aufgehört habe, ob es bei ihnen Schriften über die kriegerischen Taten der Amalfitaner gebe und ob sie mündliche Kunde darüber bei Bekannten und Verwandten einziehen könnten, damit man ihm glaubhaften Bericht geben könne. So beginnt er die Geschichte der Stadt mit den Zeiten Konstantins, freilich weiß auch er nicht gerade viel zu erzählen, und mitten darin bringt er ein Exzerpt aus Justin 42, 2,12 und 3,6 und zwei Anführungen aus Lucan an. 2 ) Schon im Kap. 91 geht die Erzählung wieder auf Salerno und Benevent über. Sie wird um die Mitte des 9. Jahrhunderts sehr breit und ausführlich, berichtet eingehend über die Übergriffe der Araber und lehnt sich stark an Erchempert an. Mit Kap. 102 soll dann die Geschichte von Radalgar beginnen, freilich bemerkt der Verfasser sogleich, 3 ) daß er von den Kämpfen jener Zeit nichts habe erkunden können. Von nicht geringem geschichtlichen Interesse ist aber ein ungemein langer Brief 4 ) des Kaisers Ludwig II. an den griechischen Kaiser Basilius (Kap. 107), worin dem Basilius eine ganz gehörige Rüge deswegen erteilt wird, weil er Ludwig Kaiser der Franken und nicht der Römer genannt habe. Ganz romanhaft wird die Erzählung in Kap. 122, wo von dem hellseherischen Mönch Hilde- rich zu Benevent berichtet wird, daß dieser eine verloren gegangene Urkunde Ludwigs IL mit Hilfe der Maria aus dem Gedächtnis diktieren konnte und im Gespräch mit Engeln lateinische Gedichte empfing und selber schrieb; bei diesen Gedichten aber ist von Interesse, daß darin (Vs. 21. 24—29) der Anfang der Satisfactio des Dracontius (Vs. 1—10) in Gedanken und Worten verwendet wird. 5 ) In den letzten Teilen des Werkes spielen die Beziehungen der Griechen und der Araber — sie heißen stets Agareni — zu Unteritalien eine sehr wesentliche Rolle, wie in Kap. 131 der Tod des Kaisers Basilius erzählt wird, und in demselben Abschnitt die kunstgeschichtlich interessante Stelle sich findet, daß Kaiser Alexander siebzig eherne Statuen von Rom nach Konstantinopel habe wegführen lassen. In den letzten Kapiteln finden sich nur Epitaphien berühmter Persönlichkeiten, nämlich von Dauferanda, Adelferius und Roffridus, und als Schlußabschnitt hat der Verfasser sein Widmungsgedicht an Pandulf angehängt, in dem er sich Vs. 33 f. ausdrücklich als den Verfasser bezeichnet. ') 87 p.511,38 quomodo a maioribus nostris mihi relatum est, partimque a veteranis Worum audivi, necnon in autenticos Ubros nomina iiidicum comitique repperi scripta. *) 88p.512,23. 26 = Lucan 2,51 und 1,396; beide sind Isidor (Et. 9.2,98.94) entnommen, wie die Lesart 2, 51 Fundit zeigt. 3 ) 102 p. 519,28. 4 ) Er steht p. 521—527; vgl. zur obigen Stelle p. 523, 22 ff.. 5 ) Dies ist bei Vollmer (MG. Auct. anti- quissimi Bd. 14) p. IX nachzutragen. Das Chronicon Salernitanum. 201 Man sieht hieraus, daß das Werk sehr inhaltsreich ist, freilich gleicht es mehr einer Materialsammlung als einer Geschichtsdarstellung, denn wirklich verarbeiten konnte der Salernitaner Mönch den umfänglichen Stoff nicht. Und doch hat er unzweifelhaft eine 'große Arbeit vollbracht und sich auch mit ihr redliche Mühe, gegeben, denn schon die Sammlung des Stoffes aus mündlichen und schriftlichen Quellen kann ihm nicht leicht geworden sein. Von Kritik der ihm zugeflossenen Kunde ist allerdings nicht die Rede, er hat wohl alles gebucht, was und wie es ihm zukam, und daher gleicht sein Werk eher einem etwa chronologisch geordneten Repertorium von Geschichten und Volkssagen, die ihm bei der großen Vorliebe der Italiener für das Erzählen novellistischer Stoffe auf das reichlichste zuströmen konnten. Nebenbei schwebt ihm aber immer als besonderer Zweck dieser Geschichten deren moralischer Einfluß auf den Leser vor, er will durch seine Erzählung augenscheinlich bessern. Wahrscheinlich hat er übrigens sein Werk nicht vollendet, denn Kap. 163 verspricht er, über den Bischof Peter von Salerno mehr erzählen zu wollen, wenn ihm das Leben bleibe, und Kap. 165 will er über die Auffindung des Leibes des hl. Matthäus und über die Wunder und Zeichen, die sich dabei ereigneten, später noch Weiteres schreiben, 1 } aber beides ist unterblieben, und daher ist der Schluß auf Unvollendung vielleicht gerechtfertigt. Zeugnisse. Daß der Verfasser Mönch war, ergibt sich aus c. 33 p. 487, 52 Quod nos non pro alia re huic historiae inseruimus nisi ut nunc monachi radix omnium bonorum Immilitatem haheänt. Daß er in Salerno lebte, geht aus 37 p. 489, 8 ff. hervor, sowie aus der Benutzung salernitanischer Urkunden; vgl. hierzu c. 64 p 499,43 sie namqiceper paginam scriptum talia firmaverunt atque ipsum foederis scriptum in sacro Salernitano palatio adhuc hactenus manet in sua inchoaüone huiusmodi textum invenimus, 2 ) sowie c. 84 b p. 511,14 et ipsum foederis scriptum in hac Salernitana urbe adhuc hactenus manet et sufficienter ab illustrissimis viris eum nimirum firmatum. Et tarnen nomina ülorum non praeterm ittam, es folgen die 37 Namen der Unterzeichner der Urkunde. Wo er von seinen Vorgängern' spricht, vgl. 87 p. 511,42 nee antecessorum nostrorum industria perquirere curae fecit. Zur Zeit der Abfassung vgl. c. 123 p. 536, 7 f., wo der Tod von Arichis erzählt wird, und 536, 12 Cbi corpus illius vohttatus est et cruor tabefactus est, ab Mo ergo tempore nequaquam ibidem erba orta est, donec nsque nunc nostris quoque temporibus centum anni expleti sunt et sie erba gignere coepit. Zur Widmung an Pandulf c. 187 p. 560,51 Ad Pandulfum prineipem Cupuue Beneventi et Salerni; zum Tode Pandulfs 981 vgl. W. Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit 1,593. Zum Urgroßvater vgl. 68 p. 501,43 et ut plurimi fuerunt ipsi iuvenes, quicum Alfano abbate illuc properaverunt, Beneventanis seu Salernitanisquadringentis fuerunt, inter quos Radoalt . . . ipse Rodoalt abavus meus extitit. Zur Kenntnis Vergils vgl. 45 p. 496, 31 f. promsit dum talia dieta: Accipite ergo animis atque haec mea figite dieta = Aen. 3, 250; ferner am Ende des Exkurses über den dreifachen Grund zur Ehe (67 p. 501, 5 ff.) die echt schulmäßige Begründung der Liebe Didos zu Aeneas p. 501,11 Refert haec quae supradiximus quatuor Virgüius de Aenea, quod hiis Dido impulsa est in amore eius puU critudine: Quem sese ore ferens; virtute: quam forti pectore et armis; oratione: he quibus ille iaetatus fatis, quae vella") exausta canebat; genere: Credo equidem genus esse deorum (Aen. 4,11—15). Zu Lucan vgl. oben und c. 10 p. 477.17 die Randnotiz De qua Lucanus libro I radensque Salerni Culta Siler (B. civ. 2,425 f.). Zu Dracontius 4 ) vgl. das Gedicht c. 122 (p. 535) 21 Une ae trine deus; 24 Tempora tu condens solus sine tempore regnas, Vere ut prineipium sie tibifinis abest. Principium et finis, primus novissimus es tu. Cuncta arcens mutas et tu non mutaveris umquam, Semper eras qui nunc semper erisque manens (Drac. Satisfactio 1.5—10). Zu Augustin vgl. Kap 70.80.100, zu Gregor Kap. 100 und 175. Scheu 1 ) Die Stellen sind p. 552, 35 und 553,51. graphiebesitztüberhauptsehrvielltalianismen, 2 ) Es folgt der Eingang der Urkunde. j vgl. Pertz p. 468 n. 16. 3 ) v wird vom Verfasser der Chronik sehr j 4 ) Es handelt sich hier nicht um die durch häufig statt b gesetzt, wie es zu jener Zeit ' Eugenius interpolierte Rezension (ed. Voll- im Latein der Italiener Sitte war. Die Ortho- ' mer, Auct. ant. 14,115). •202 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. vor Gelehrten 100 p. 518,26 Vereor ne forte a quodam sagacissimo viro, qui de liberalibun disciplinis apprime est imbutus, de inponerc reprehensionem habeam und 175 p. 557, 8 Valde veremur ne a quodnm sagacissimo qui liberalibus disciplinis aprime est eruditus, habeam reprehensionem ■ ■ ■ sie denique et nos, qui liberalibus disciplinis periti plenissime non sumus crebrissime gnaros timemus; aus diesen beiden Stellen erkennt man, wie schematisch der Stil des Chronisten war. Zu seinen etymologischen und semasiologischen Versuchen vgl. 99 p. 517, 50 ff., wo er die Abstammung von pavimentum und die Verschiedenheit seiner Bedeutung von Ostrava wörtlich nach Isidor Et. 15, 8, 10—11 gibt, ferner 100 p. 518, 28 ff., wo er über die Bedeutung von imponere spricht Inponerc est aliquam corporalem sive in- corporalem alteri rei superinponere, sed propter') et imponere per fraudem facere ali- quando dicitur, unde et imponima voeantur, cum argentum aurumque viliori metallo ad- tdterantur, et qui hoc facit, impostor vocatur. Unde etiam vulgo qui aliquid fraudis facit auf simulationis solet impostor appellari. 2 ) Ferner setzt er 149 p. 546,2 ff. die Bedeutung von heros auseinander und stellt hierzu die drei Worte hcrus, iegevg und aeros zusammen. Heros namque aliquando dominus, aliquando sacerdos, aliquando vir fortis et potens et sapiens,- nam in tres sensus dividitur ita caracteribus discrepans: cum aspiratione enitn... dominum dieimus, sine aspiratione sacerdotis, cum dictongo 3 ) autem virum fortem et sapientem 4 ) dieimus. Credo eqnidem, quia peritis sufficit testimonia ab imperito prolata. Dann spricht er 154 p. 548,14 ff. über die Bedeutung von proceres und bedient sich dabei ebenfalls Isidors (Et. 9, 4, 17) Proceres id est principe» vel maiores, semp'er nimirum plurale est, antepenultima producta, generis communis; dicti a capitibus trabium, qui extra haedificium procedunt, quia et prineipes excedunt dignitatem plurimorum. Dann-156 p. 549,5 Saltem coniunetio est, signifieat vel licet; saltim adverbium est a saliendo dictum, sicut a stringo strirtim, a partior partim, a curro cursim, a furor furtim. Est etiam saltim adverbium praese'ntis temporii sieunt nunc, modo. In ähnlicher Weise spricht er dann endlich über die Bedeutungen von seeundum c. 175 p. 557, 16ff. Zur Sprache gebe ich außerdem eine kleine Blütenlese: 9 p. 476, 42 contra vestra dignitati; 10 p. 477,41 Pro quam rem; 28 p. 485. 34 Cumque cum deferrissetf) 12 p. 479,32 et ipsi alii aeeipites 6 ) ... gerebant und 56 p. 497, 22 aeeipite in manu gerente; 13 p. 480 in harba mea;"') 14 p. 480,29 interminans si occisurus fore, ille et domus sua igne esse cremandus; 38 p. 489,26 saeperrime; 65 p 500,9 crevissime s ) und 500, 33 dum virum suum regrederetur. Mit dieser Sprache vergleicht sich gut die der päpstlichen Urkunden aus jener Zeit, die ebenfalls einen tiefen Verfall bekundet. Spuren von Kenntnis der langobardischen Sprache finden sich Kap. 12 p. 479, 31 gerebant in manibws sparvarios (= Sperber) und 38 p. 489,19 Idelrici filius Grimoalt, quem lingua Todesca, quod olim Langobardi loquebantur, Stoleseyz 0 ) fuit appellatus, quod in nostro eloquio 'qui ante obtutibus prineipis et regibus milites hinc inde sedendo perordinaf possumus vocitare. Sonst wird Volksmäßiges selten berührt, wie 51 p. 495, 35 In proverbiis nempe olim a maioris nostris dicebant, ut plus esset melius consilium quam valitudinem. Zu Paulus Diakonus vgl. 17 p. 481,25 nam saepedictus Paulus in locum, ubi corpora eorum requieseunt, plenissime ■ea versibus illustravit, quod nos huic ystoriae inserere feeimus (c. 20 p. 482) und 37 p. 489, 9 Set quia fuerunt sequestrati et propter longo tempore vetustati, numerare legereque illos ne- qnivimus. Nam si in una quippe pagina fuissent nexi, comparare illos profecto potuissemns Maroni Volumina nimirum Catonique sive profecto de aliis sophistis. Zur Benutzung von Urkunden aus Salerno vgl. oben, aus Amalfi c. 90 p. 513,30 (nach Aufzählung der Grafen von Amalfi) Isti sunt comites quos in archibis (seil. Melfitanorum) repperiri. 10 ) lieber den Ursprung der Amalfitaner läßt er sich 87 ff. aus und führt ihn mit den Worten ein p. 511,38 Me denique Übet Amalfitanorum originem partim quomodo a maioribus nostris mihi relatum est, parthnque a veteranis illorum Hbenter audivi neenon in autenticos libros nomina iudicum vomitique repperi scripta annectere huic ystoriae, quia hactenus eunetis mansit incognitum, ex qua provincia orti cuiusve fuissent generis et ordinis seu officii quorumque regis imperci- torumve temporibus dimicassent, nee antecessorum nostrorum industria perquirere curae fecit, nee ulli sagaci relatione notum est nostrae scilicet humilitati, et velud avidus indagor quotquot ex circumüuis regionibus viros comperi, indesinenter perquirere curavi ut si apuä eos aliquid de gestio triumphisque . . . Amalfitanorum scripta continerent et apud notos et cognitos forte repperiri potuissent, fideli relatione nostrae ignaviae rescriptum traderent. Das Exzerpt aus Justin steht 89 p. 512, 48 sicut in istoriis legimus, ut Medi a suo rege cognominati putantur. Namque Iason, Peliaci regis frater, a Peliae filiis Tessalia pulsus est cum Media ') Muß proprie heißen. 8 ) Statt creberrime. 2 ) Italienisch impostore. °) Vgl. hierzu c. 51 p. 495, 21. 3 ) d. h. diphthongo. 10 ) Pertz setzt zu diesem Wort in der 4 ) Dies aus Isidor Et. 10,2. Note queunt. Ich glaube beinahe, daß es eine 6 ) Statt detulisset. ; falsche Perfektform darstellen soll, obwohl *) Statt aeeipitres. repperi nicht fehlt, vgl. p. 511,40. 7 ) Statt arvis meis. Gerhards von Augsburg Vita Udalrici. 203 axor siia, cuius fm't privignus Medus rex Aiheniensium, qui post mortem lasonis orientis piagas perdomuit ibigue Mediam urbem condidit gentemque~ Medorum nomine suo siliert appellavü. Zur Geschichte Radeigars vgl. 102 p. 519, 28 srt proelia quae gesserunt qualisve fuerunt, minime ad iiotitiam nostram usque pervenit. In dem Widmungsgedicht an Pandulf heißt es (c. 187 p. 571) Vs. 3 Hake quam misit iners cape, deprecor, ystoriolam, 8 Ignosce ignaro, aut calamo reseca und 33 f. Meque instruetorem plebeii carminis huius Comendo in sursum, vir pie sive potens. Zu den Verweisungen auf später nicht Dargestelltes vgl. 163 p. 552,35 de quo si vita comes fuerit, postmodum plenius disputavimus und 165 p. 553, 51 Sei quod miracula et signa et quomodo fuit repertus, omnimodis nunc omittimus pandere; postmodum deo tuente ßdelibus innoteseimus atque huic ystoriae annexere faeimus. Das Werk ist benutzt von Leo von Ostia, in den Annalen von Romuald und vom Verfasser des Chronicon Amalfitanum. Einzige Hs. Vatic. 5001 s. XIII—XIV. Ausgaben von Pertz, MG. SS. 3,467—571. Bethmann, Archiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 10,375. Vgl. Schipa, Storia delprineipato Longobard. diSalerno.Napoli 1887(dazuF. Hirsch, Hist. Zeitschr. 61,186 ff.). Ebert 3,445f. Wattenbach 1, 484f. Im Anhang sei hier kurz das Gedicht eines Ardericus an den Grafen Rofrid erwähnt, das wohl in die gleiche Umgebung nach Salerno gehört und fast nur aus Lobeserhebungen besteht, die asyndetisch aneinandergereiht sind. Die Schmeichelei geht so weit, daß Ardericus sagt, die kostbarsten Edelsteine 1 ) verlören ihren Glanz neben dem Grafen, den die ganze Welt und alles Geschaffene liebe und verehre. Die Prosodie dieser Verse steht auf einer sehr niedrigen Stufe. Handschrift: Vatic. 5001 s. XIII—XIV. Ausgabe MG. SS. 3,469. Das Gedicht hat die Aufschrift Ardericus ad liofridum comitem. 21. Gerhards von Augsburg Vita Udalrici. Udalrich von Augsburg gehörte zu den bedeutendsten Bischöfen der ottonischen Zeit, und die Biographie, die sein Zeitgenosse Gerhard verfaßt hat, rechnet, trotzdem in Augsburg die Literatur nie recht gedeihen wollte, zu den historisch am höchsten stehenden Werken dieser Art im 10. Jahrhundert. Gerhard stand als Propst der Kathedralkirche zu St. Maria in Augsburg dem Bischöfe besonders nahe. Er war von Udalrich selbst zum Priester geweiht worden und befand sich seitdem in dessen nächster Nähe. So hat er auf der Synode von Ingelheim 972 für den wegen seines hohen Alters verhinderten Bischof gesprochen und im nächsten Jahre war er bei seinem Tode zugegen, nachdem er mit ihm die letzten Lektionen gelesen und die Nachfolge im Bistum besprochen hatte. Und als Udalrichs Nachfolger Heinrich im Jahre 978 für einige Zeit nach Werden verbannt worden war, brachten es Gerhards und Anamots, eines zweiten Augsburgers Priesters, Bitten beim Kaiser dahin, daß er an seinen Bischofssitz zurückkehren konnte. Aber auch noch später ist Gerhard für das Augsburger Bistum tätig gewesen, wie er bei einer wichtigen Gütertradition des Jahres 980 das Datum unterschrieb. Obwohl nun Gerhard dem Udalrich erst in dessen späteren Jahren nähergetreten zu sein scheint, konnte der ausgezeichnete Bischof wegen des engen Verhältnisses zu seinem Propst doch keinen besseren Biographen als eben Gerhard finden. Von Udalrich selbst hat sich vielleicht nur eine kurze Synodalpredigt erhalten; Briefe von ihm 2 ) hatte man.im 11. Jahr- ') Vs. 35—38. Es sind zehn aus der Apo- Teil des Katalogs aus dem 11. Jahrhundert; kalypse genannte Edelsteine. stammt und der Verfasser der Briefe „Bischof" 2 ) ArchiefvoorNederl.Kerkgeschiedenis2, genannt wird, so kann an Udalrich von Bam- 148 cum epistolis Othelrhi episcopi. Da der berg nicht gedacht werden. 204 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. hundert in Egmond, doeh ist die Sammlung verloren gegangen. Um so bedeutender ist seine Biographie von Gerhard. Im Prologe erfährt man, daß Gerhard von vielen Seiten um Züge aus Udalrichs Leben befragt worden war und um den vielfachen Antworten zu entgehen, sich entschlossen hatte, sich unter der Hand nach der Herkunft und Jugend des Bischofs zu erkundigen und dies schriftlich niederzulegen und daran einen Bericht über das Leben und den Tod Udalrichs zu schließen. Daß er hierzu besonders geeignet gewesen sei, erzählt er selbst im Epilog, wo er spricht, daß er das Antlitz des Bischofs sehr häufig erschaut, Lehre und Segen von ihm oft empfangen und in seinem Wandel das beste Beispiel erblickt habe. Gerhard beginnt seine Darstellung mit der Erläuterung des Namens Oudalricus in sprachlicher Hinsicht und knüpft daran, der Zeitsitte gemäß, eine biblisch-allegorische Erklärung. Von der Abstammung i) und der Jugend seines Helden weiß er wenig zu berichten; wir erfahren, daß er auf die Schule nach St. Gallen kam und dort von dem Lehrer Waning unterrichtet wurde. Als die Mönche ihn baten, in ihr Kloster zu treten, befragte er die Rekluse Wiborad, 2 ) die ihm mitteilte, daß er zwar niemals Abt von St. Gallen werden werde, wohl aber zum Bischof von Augsburg bestimmt sei. Er trat dann auf den Wunsch der Eltern in den Augsburger Klerus unter Bischof Adalbero ein und wurde bald dessen Kämmerer. Als solcher wurde er nach Rom gesandt und erfuhr dort vom Papste, 3 ) daß Adalbero gestorben und er zum Nachfolger bestimmt sei. Aber erst nachdem Hiltine das Bistum Augsburg verwaltet hatte, wurde Udalrich der Bischofswürde teilhaftig. Freilich fand er sein Bistum durch die Ungarn völlig zerstört vor. Gerhard schildert dann, wie der vornehme Herr im täglichen Leben Askese geübt, wie mildtätig er gewesen und welchen frommen Übungen er sich zur Zeit der Quadragesima hingegeben habe; er schildert seinen Verkehr mit den naheliegenden Klöstern und beschreibt seine Visitationsreisen, wobei er sich sehr wohlinformiert über deren Zwecke und Ausführung zeigt. Sehr ausführlich stellt er dann Udalrichs Stellung zur Seelsorge dar, erwähnt seine Vorschriften über die Beobachtung der kirchlichen Feiern und Feste und charakterisiert sein ganzes praktisches Christentum; hierbei hat er wohl mehrfach schriftliche Grundlagen, vielleicht Aufzeichnungen Udalrichs selbst benutzt, wenn man nicht annehmen will, daß er als dessen steter Begleiter die eingehendste Kenntnis dieser Dinge sich verschafft hat. Die Mitteilungen über die Hauptlaster in Kap. 9 scheinen auf Cassians Institutionen, 4 ) die Belehrungen über die Tugenden auf Predigten Udalrichs unter Benutzung der Regel Benedikts zurückzugehen, und die Auseinandersetzung über die mystische Bedeutung der zwölf Edelsteine der Apokalypse erinnert in manchem an den Tractatus de XII lapidibus, 5 ) der aber erst ins ') Er stammte aus dem Hause der Grafen von Dillingen und hatte daher natürlich Anspruch auf eine hohe geistliche Stellung in der Zukunft. nachgewiesen. 3 ) Nicht von Marinas, wie Gerhard angibt, sondern von Sergius II. Und zwar 5, 1 ed. Pets chenig 1, 81, 2 ) So erzählt Gerhard c. 1 p. 386, 26 ff. 17—22. Dafa dies chronologisch unmöglich ist, hat 5 ) Hrsg. von Hauröau, Notices et extr. Meyer v. Knonau, Mitteil. z. vaterländ. Ge- 33, 1,194 ff. (= Not. et extr. de quelques msci'. schichte (St. Gallen 1877) 15/16 S.213 n.234 de la bibl. nationale 1, 76 f.). Der von Dressel Gerhards von Augsburg Vita Udalrici. 205 12, Jahrhundert fällt. Die formelhaften Schlußworte des 9. Kapitels deuten wohl auf Benutzung einer schriftlichen Unterlage. Die nächsten drei Abschnitte sind dann durchaus geschichtlichen Inhalts; Gerhard erzählt hier vom Aufstande Liudolfs und von dessen Kämpfen mit Heinrich von Baiern, von der Stellungnahme Udalrichs in diesen Kämpfen, von der göttlichen Bestrafung der Übeltäter, die das Bistum Augsburg ausgeraubt hatten, von der Friedensstiftung zwischen Otto und Liudolf durch Udalrich und durch Bischof Hartbert von Chur, sowie von dem großen Ungarneinfalle, von der Belagerung Augsburgs durch den Reichsfeind und von der Schlacht auf dem Lechfelde. Hierbei ist besonders zweierlei zu beachten. Nämlich in bezug auf die Schilderung der Örtlichkeit dieser Schlacht weicht Gerhard beträchtlich von Widukinds Bericht ab, und auffällig ist das Fehlen jeder Anlehnung an antike Prosaiker und Dichter, 1 ) die sonst beim mittelalterlichen Historiker in dergleichen Darstellungen so häufig hervortritt. Dann erzählt Gerhard von der Heilung der Schäden, die der Ungarneinfall dem Bistum gebracht hatte, und berührt bei Erwähnung einer Vision Udalrichs eine Stelle aus der alten Passio s. Afrae. 2 ) Es folgt eine zweite Reise nach Rom und die Erwerbung des Hauptes des hl. Abundius, wobei es zum Vorlesen der Passio s. Abundii kam. 3 ) Dann berichtet Gerhard von Reisen Udalrichs nach St. Gallen und Agaunum und erzählt, daß der Bischof mit dem von ihm geweihten Chrisma viele Kranke geheilt habe; er habe diese Heilungen von niemand gehört, sondern mit eignen Augen gesehen. Hierauf folgen in den nächsten Abschnitten Berichte über Wunder, die der Bischof gewirkt, wobei in Kap. 17 Udalrichs Kaplan Herewig als Zeuge angeführt wird, ferner die Erbauung der Johanneskirche in Augsburg. Bei einer neuen Romreise erhält Udalrich von Otto I. das Versprechen, daß sein Neffe Adalbero sein Nachfolger im Bistum w r erden solle. Die hierüber entstandenen Mißhelligkeiten berührt Gerhard sehr ausführlich in den folgenden Kapiteln; er selbst tritt als Sprecher auf der Synode von Ingelheim 972 für seinen hochbetagten Bisehof auf. Adalbero stirbt aber plötzlich an einem Aderlaß. Nach der Übertragung der Abtei Ottenbeuern an Udalrich stirbt der alte Kaiser. Aber auch die Tage Udalrichs sind gezählt: er läßt sich von Gerhard Lektionen aus den Vitae patrum und den Dialogen Gregors vorlesen, 4 ) hält mit ihm Gespräche über die Person des Nachfolgers und ordnet allerhand mildtätige Stiftungen und die Verteilung seiner Habe durch Gerhard an. Noch hat er die Kraft, zwei Messen selbst zu lesen, dann spricht er mit Gerhard über seinen Tod und stirbt; seine Bestattung erfolgt in Gegenwart des Bischofs Wolfgang von Regensburg. •—An dies Leben Udalrichs, das mit Kap. 27 schließt, hat Geiiiard aber noch einen Überblick über die Bischofszeit von dessen Nachfolger Heinrich (Prudentii opera p. 209 adn.) notierte Angelic. D. 5.4. saec. X ist entschieden unrichtig datiert. ') Mir ist nur in c. 12 p.402, 2 aufgefallen classicum ... clangere praecepit, vgl. Prud. Cath. 5,48 clangere classicum. 2 ) c. 13 p. 403, 18 sicut in scriptura pas- sionis est scriptum. s ) c. 14 p. 404,7 Cnius passionem ei osten- dens .. . cuius passio praesentialiter fuit per- lecta. 4 ) Ein scharf umrissenes und wahrheitsgetreues Bild von seiner ganzen Persönlichkeit gibt Hauck 3,47 ff. Die einzelnen Züge, die Gerhard berichtet, sind hier zu einem meisterhaften Gesamtbilde verwendet, das besonders durch den Vergleich mit Brun von Köln interessant wird. 206 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. angefügt; er handelt hier besonders von den Streitigkeiten der ottonischen Familie, in die das Bistum Augsburg hineingezogen wurde, und erzählt von Heinrichs Verbannung nach Werden, aus der ihn Gerhard selbst löste. Udalrich hatte eigentlich an einen andern Nachfolger, den Abt Werinher von Fulda, gedacht, und darüber zog nun Heinrich im Stift Kunde ein; als er den Sachverhalt hörte, erschrak er sehr, zeigte das aber nicht öffentlich; auch hieraus geht hervor, daß Gerhard zu Heinrich ein ebenfalls enges Verhältnis hatte. Der Bischof unternahm dann eine Reise nach Rom, aber bei dieser Gelegenheit wie auch bei Erwähnung der Romreise Udalrichs begnügt sich Gerhard mit kürzester Notierung des Faktums, nirgends geht er auf römische Verhältnisse ein, nirgends spricht er ausführlicher vom Papste und von der Stellung des Bischofs zum Oberhirten, so daß man deutlich herausfühlt, daß sich der deutsche Klerus damals sehr wenig aus dem Papste gemacht hat. Nun erst erzählt Gerhard näher von der Person Heinrichs, dessen hohe Bildung und literarischen Kenntnisse er rühmt, wie er auch seinen glänzenden Wandel preist. Heinrich begleitete Otto II. nach Kalabrien 982 und kam dort ums Leben. Mit dem plötzlichen Tode Werinhers, der trotz der Geneigtheit des Kaisers das Bistum nicht annehmen wollte, schließt Gerhards Werk. Vielleicht nun war es die zu erwartende Heiligsprechung Udalrichs, die Gerhard veranlafite, an dies Leben eine Reihe von Wundern zu hängen,, die sich am Grabe des Bischofs anscheinend schnell ereignet hatten. Für die Literaturgeschichte wie auch für die Geschichte sind diese Wunder freilich ganz wertlos. Kulturgeschichtlich dürfte nur Kap. 13 heranzuziehen sein, da sich aus der Erzählung ergibt, daß der Wunderglaube doch auch starkem Zweifel begegnete; außerdem streift hier die Erzählung sehr nahe an eine Stelle von Gumpolds Vita Vencezlavi an. Hieran hat Gerhard einen Epilog gehängt, worin er über die ungeheure Zahl von Wundern des Heiligen spricht, die eigentlich zu erzählen wären, und sich über sein nahes Verhältnis zu Udalrich ausläßt. Überblickt man das Werk im allgemeinen, so ergibt sich zunächst die ungefähr chronologische Anlage, wobei freilich die Berichterstattung für die verschiedenen Zeiträume stofflich sehr verschieden ausgefallen ist. Dann aber ist die ganze Erzählung doch recht hoch zu stellen, denn man erhält in der zeitgenössischen Biographie nur höchst selten ein so individuell gehaltenes Bild eines Kirchenfürsten. 1 ) Denn wenn auch die übliche Asketik darin keine geringe Rolle spielt, so sieht man doch aus der großen Zahl von dargestellten Einzelzügen den weltlich vornehmen, streitbaren und im Gefühl seiner Abstammung und seiner Stellung stolzen Herrn deutlich vor sich, der bei Hofe viel gilt und mit seinen großen Mitteln auch Großes für sein Bistum zu leisten vermag. Ich möchte daher dies Leben Udalrichs fast noch über Ruotgers Leben Bruns stellen, da ich finde, daß die hochtönende geistliche Phrase hier weniger gebraucht wird und der Ton daher noch sachlicher ist. In bezug auf die Form freilich gilt das nicht. Man hat eingehalten, daß Gerhards Sprache oft ganz fehlerhaft ist und deutsche und ') Aehnlich urteilt R. Teuffei, Individ. Persönlichkeitsschilderung in d. deutschen Geschichtswerken des 9. und 10. Jahrh. S.89-91. Gerhards von Augsburg Vita Udalrici. 207 griechische Worte einmische. Den ersten Vorwurf muß man gelten lassen, Gerhard schreibt wirklich oft gesucht unklar und läßt häufig Verstöße gegen die Grammatik zu; 1 ) die deutschen Worte aber verschwinden bei näherer Betrachtung bis auf geringe Reste und das Prahlen mit einzelnen griechischen Worten ist ja den Autoren noch bis ins 11. Jahrhundert überhaupt eigen. Wohl aber ist der Stil Gerhards höchst umständlich und nicht selten von schwerfälliger Gemessenheit; er übertrifft oft an absichtlicher Getragenheit sein biblisches Vorbild. Es zeigen sich eben hier die Fehler, die der ganzen Gattung zu eigen sind, in erhöhtem Maße, und wenn man sieht, wie Gerhard stets mit dem Ausdrucke ringt, erkennt man deutlich, daß die Schulung um die Zeit von 950 in Augsburg keine sonderliche gewesen ist. Im Leben Udalrichs streift Gerhard wissenschaftliche Dinge auch nur ganz oberflächlich, von der Sorge des Bischofs für Bildung und Wissen und von seiner eignen Stellung zu den Wissenschaften erfahren wir nichts. Das liegt natürlich mit in der Zeit begründet; die durch die häufigen Aufstände und die Ungarnkriege herbeigeführte Unsicherheit war zu groß, als daß die Wissenschaften in Augsburg hätten gedeihen können. Udalrichs Element war gewiß mehr das Schwert als die Feder. So hat denn auch die Folgezeit an Gerhards Werk nicht wenig auszusetzen gehabt, obwohl Heinrichs Nachfolger Liutold im Jahre 993 auf Grund des in Rom vorgelegten Werkes 2 ) die Heiligsprechung Udalrichs erlangte. Und Bischof Gebehard von Augsburg (996— 999) beabsichtigte eine Bearbeitung zu geben, doch er wurde an der Vollendung durch den Tod überrascht, und es hat sich von ihm nur der Prolog und der Anfang der Bearbeitung erhalten. Er nennt im Prologe Gerhards Arbeit zwar nicht unpassend aber durch Verwirrung der Personen-, wie der Ortsnamen völlig entstellt und fällt das herbe Verdikt über sie, daß sie mehr wie eine kindliche Spielerei erscheine. Näher lag aber wohl der gleich darauf von ihm vorgebrachte Grund, daß Gerhard zu viel Raum auf die Darstellung von Kriegen und auf die Reichsgeschichte verwendet habe, und er habe daher alles Überflüssige entfernt und die dunklen Stellen aufgehellt, sowie große Längen verkürzt. Der Zweck seiner Umarbeitung 3 ) ist klar: das Werk sollte unter Entfernung alles Weltlichen eine Heiligenbiographie werden und dem Klerus wie dem Volke als Vorbild dienen. 4 ) Auf diese Umarbeitung nimmt Abt Berno von Reichenau Bezug im Prolog zu seiner Bearbeitung, die er auf Wunsch des Abts Fridebold von St. Afra ausführte; er sagt hier, daß Gerhards Werk zwar den Stempel der Wahrheit trage, aber in einem zu einfältigen Stil verfaßt sei und daher geradezu am Boden liege, so daß der gebildete Mann nicht zum zweitenmal aus einer solchen Quelle trinken könne; er selbst habe aber nur Beispiele aus den Vätern und biblische Sentenzen hinzugefügt. Berno hat Gerhards Schrift auf ein Viertel ihres Raumes zurechtgeschnitten 5 ) und also ganz im Sinne ') Vgl. unten den Text der Zeugnisse. 4 ) Das Fragment (M.Velseri opera p. 591 — 2 ) Es erfährt in der Bulle Johanns XV i 595) zeigt Gerhards Text auf das stärkste zu- (MG. SS. 4,378,17) hohes Lob Quae omnia j sammengezogen. lepida satis uvbanitate expolita recepimus. 5 ) Die Auslassungen und Kürzungen sind 3 J Der Prolog schließt mit einem Zitat aus ' daher sehr bedeutend; Ausgabe in M.Velseri Horaz (MG. SS. 4,381, U) praestabit quod tarn I opera (Nürnberg 1682) p. 596-617. Libitina saaavit, vgl. Ep. 2,1, 49. 208 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Gebehards gehandelt; es kam also nicht mehr auf die geschichtliehe Wahrheit an, sondern die erbauliche Tendenz überwog alles andere. Über alle drei Arbeiten hat sich dann Hermann von Reichenau in einem Zusatz zum Martyrolog Notkers ausgelassen, wo er erst einen ganz kurzen Auszug aus Gerhards Schrift gibt und hier als tüchtiger Chronolog gegen die oben monierte Datierung der ersten Romreise unter Marinus polemisiert und dann Gerhards Sprache als bäurisch tadelt, Gebehards Arbeit als stilistisch gelungen rühmt und von Bernos Werke sagt, daß es zwar lichtvoll geschrieben sei, aber manches auslasse, was zu wissen nützlich sei; dieser letztere Tadel erklärt sich sehr wohl als aus dem Gewissen des vorzüglichen Geschichtsschreibers Hermann gesagt, denn Berno hat die reichsgeschichtlichen Partien Gerhards meist gestrichen. Übrigens waren alle drei Biographien Udalrichs in der Mitte des 11. Jahrhunderts in St. Gallen bekannt, was bei den alten Beziehungen Udalrichs zu diesem Kloster nicht wundernimmt; denn abgesehen davon, daß Hartmann von St. Gallen in seinem Leben der hl. Wiborad am Ausgang des 10. Jahrhunderts Gerhards Werk benutzt, 1 ) so hat Ekkehart IV. an zwei Stellen seiner Klosterchronik auf die drei Arbeiten Bezug genommen und die schon recht sagenhaft gewordene Sanktgailische Überlieferung über Udalrich seiner Chronik einverleibt, wobei er ganz besonders auf das zeitlich unmögliche nahe Verhältnis des jungen Udalrich zu der hl. Wiborad eingeht. An diesem Beispiel, das sich noch in spätere Zeiten fortsetzt, sieht man aber deutlich, wie das ursprünglich rein historiographische Element sich im Laufe der Zeit umsetzt, indem es der Hagiographie und der Sage verfällt. Zeugnisse. Das Werk selbst ist anonym, doch wird es im Monac. überschrieben Vita s. Oudalrici .. . a Gerhardt) qui ab eo fuit presbüer ordinatus und die von M. Weiser benutzte Augsburger Hs. hatte zu c. 23 (MG. SS. 4, 408, 21), wo Gerhard genannt wird, die Randbemerkung iste Gerhardus scripsit legendam; Hermann von Reichenau endlich sagt im Zusatz zu Notkers Martyrolog (Forschungen z. deutsch. Gesch. 25, 211) Ruins vitamprimo Gerhardus eiusdem urbis canonicus et prepositus plenius quidem sed rusiico sermone scripsit, wodurch die Autorschaft außer Zweifel gestellt wird. Daß Gerhard Propst der Augsburger Kirche war, ergibt sich aus c. 26 p. 411,21 legente Gerhardt) praeposito . . . audivit und aus Hermanns Worten. Gerhard erscheint außerdem c. 23 p. 408,21 advocabatur unus suus clericus nomine Gerhardus auf der Synode von Ingelheim und führt die letzten Bestimmungen Udalrichs aus c. 26 p. 412,12 quos in manum Gerhardi praepositi commendavit; er verhilft dem Bischof Heiniich zur Freiheit c. 28 p. 417,16 Illuc venerunt duo presbiteri Gerhardus et Anamotus de Augusta und unterschreibt die Traditionsurkunde c. 28 p. 418,22 Ego igitnr Gerhardus indignus presbyter notavi diem et annum. Im Prolog heißt es p. 384,4 missis ad nie legatis verum veritates ex meis responsionibus cognoscere cupiebant, rogantes nie ut ea, quae .. . scire potuissem lucida descriptione eis manifestarem. Cumque. interrogantium tanta •pluritas me . . . cinxisset, ut Omnibus singulariter responsa scriptis dare non posse existimarem, cogitare .. . coepi . . . ut cum tacita experientia experiri studuissem originem ortus eins, ut descripto eius ortu vitam subsequentem et obitum veraci relatu . . ..in commune facere potuissem. Im Epilog heißt es Mirac. 30 p. 425,4 His auditis eia nos qui in- quilini huius aecclesiae sumus et tanti patroni faciem saepissime vidimus et eius doctrinam benedictionemque saepissime accepimus et in eo optima exempla conspeximus. Erklärung des Namens Prol. p. 384,24 Oudalricus apaterna hereditate dives interpretari potest, nam aeterni patrii hereditate ditatus 'floruit. Zu den Grafen von Dillingen vgl. Steichele, Das Bistum Augsburg 3, 31 ff. Aufenthalt in St. Gallen c. 1 p. 386,18 commendaverunt eum ad s. Galli monasterium; zu Waning p. 386,20 Commendatus vero cuidam religioso viro grammaticae artig edocto Waning nuncupato und Meyer v. Knonau, Mitteil. z. vaterl. Gesch. 15/16 S. 213 n. 730; er erscheint 895 in einer Urkunde bei Wartmann, Urkundenbuch von St. Gallen 1 ') Vgl. Meyer v. Knonau, Mitt.z. Vaterland. Geschichte 15/16 S. 211 n. 728; vgl. besonders Vita Wibor. 17 (Acta SS. Mai 1,287B) und 40 p. 292F; Udalrich fragt hier im Kloster nach, ob schon ein Leben der hl. Wiborad verfaßt sei, und erhält verneinende Antwort. Gerhards von Augsburg Vita Udalrici. 209 N. 695. Zu Wiborad c. 1 p. 386,26 ad quamdam ibi commoranten inclusam Wiberat nominatam consilium quaerendo accessit; ibre Prophezeiung p 386,31 sed in orientali parte, ubi quidam fluvius duas dividit regiqnes, in futurum episcopali ministerio deo militare debebis. Eintritt in den Augsburger Klerus p. 386, 40 eum praesulis Augustensis ecclesiae Adalberonis dominio subdiderunt: dessen Kämmerer p. 386, 43 Jpse vero ... ministerium camerarü sibi commendavit. Reise nach Rom p. 387,4 libuit eum limina visitare b. aposfolorum Petri et Pauli. Cumque illuc pervenisset, a venerando papa Marino bene susceptus est .. . senior tuus Adalbero mi- gravit a saeculo et ... te eiusdem matriculae 1 ) decet esse pastorem. Zu Hiltine c. 1 p. 387,15 Tunc Hiltine successor Adalberonis suffectus est . .. Post quindecim annos defuncto Hiltine episcopo .. . Heinrico regt praesentatus .. . intuens herilitatem 1 ) staturae illius . .. regio more in manus'cim accepit munereque pontificatus honoravit. Interessant ist eine c. 3 erzählte Vision p. 388,39 ff., wo es heifit Die regi Henrico, ille ensis qui est sine capulo, significat regem, qui sine benedictione pontificali regnum tenebit, eine deutliche Anspielung darauf, daß Heinrich [. bei seiner Wahl die kirchliche Salbung abgelehnt hatte. Die Schilderung der persönlichen Verhältnisse erstreckt sich von c. 3—9, der reichsgeschichtliche Abschnitt von c. 10—12, die Wirksamkeit Udalrichs in seinem Bistum, seine Reisen und die Wunder c. 13—19; hier das Zeugnis Herewigs c. 17 p. 405,53 Tradere huic quoque me aliam rationem in hoc loco oportet, quam Herewigo eins capellano dicente comperi. Die Verhältnisse mit Adalbero werden c. 21—25 erzählt, die letzten Zeiten Udalrichs c. 26—28; die Lektionen mit Gerhard c. 26 p. 411,21 legente Oerhardo praeposito sacrorum lectiones librorum audivit et interdum cum eo inde dulei eloquio fruebatur . .. 411, 38 Lectiones vero fuerunt vitas patrum sanetorum et Über s. Gregorii quem Dialogorum vocant. Zur Bildung Bischof Heinrichs c. 28 p. 418,28 quia ille . .. grammaticae artis aliorumque librorum magnam scientiam habebat Die Weigerung und der Tod Werinhers c. 28 p. 419,1 Post contradictionem autem episcopatus, ut a ministris eins comperi, paucis horis interpositis infirmari coepit et ad Luggam vitam finivit. Zur Ablehnung des Wunderglaubens Mirac. 13 p. 421,42 Quid mihi prodest Caritas illius episcopi quia ille Signa facere non potest plus quam unus canis'? Die Worte c. 13 p. 421,45 loquelam hominis amisit et more canis furendo sonare coepit et ganniendo atque latrando parco tempore evohito heu miserabiliter vitam finivit vgl. mit Gumpoldi vita Vencezlavi c. 22 (MG. SS. 4,221,22—25). Im Epilog heifit es mit gewohnter Uebertreibung p. 424 von den Wundern Udalrichs Ita tantum namque multiplicia sunt, ut sensibilitas humanae agilitatis dinumerare ea non' possit. Zur Sprache der Vita Udalrici vgl. Waitz p. 379 adn. 17 und 18 und Wattenbach 1,448. Die Latinisierung germanischer Wörter und ihr Gebrauch in der literarischen Sprache ist doch keineswegs selten, man vgl. dazu die Indices der MG. (SS. und PL.); Worte wie herilis und herilitas und recuperatio scheiden überhaupt aus, es bleiben daher nur wenig von den durch Waitz angeführten übrig. Dagegen sind seltene, in den Glossen aufbewahrte Wörter ziemlich häufig, wie das erwähnte lucida p. 387,40; aeeolum p 392,24 hält Ducange. Glossarium 1,52 für verderbt aus linteolum; p. 393, 38 humeruli ist biblisch; 3 ) p. 399, 6 und 417, 7 carmula begegnet Lex Baiuvar. 2,3, vgl. Ducange 2,187; 400,41 stroma vgl. Ducange 1, 392 und 394 (struma); p. 402,4 autumatione (gleich Vertrag) ist sonst nicht nachweisbar; 403,5 glossibus tectum ebenfalls singulär; 406.2 caballicare nur noch bei Anthimus und in der Lex Sal. 23 nachweisbar; 407,33 incalciatus; 418,33 drudes vgl. Ducange 2,943; p. 419,41 ligno pedullaneo (= betulaneo) singulär; 420,19 obripilatio (= horripilatio) cutis ist biblisch; 4 ) p. 420,36 similarius vgl. Ducange 6,259; p. 423,12 soumarius Corp gloss. lat. 4, 30, 7, Ducange 6,27; p. 423, 23 zabernas Corp. glos3. lat. 3,506,7 und 521,13. Die griechischen Worte wie p. 402, 39 tafus, 407,21 zoa, 410,12 doma sind durchaus nicht selten. Fast überall im Wortschatz wie im Ausdruck schimmert das biblische Vorbild durch, die Ausgabe hat dies aber nicht berücksichtigt. Hingegen scheint sonstige Anlehnung an ältere Vorbilder ganz zu fehlen. Die Bulle Johanns XV. über die Heiligsprechung Udalrichs steht MG. SS. 4, 378, dort 43 Liutolfus Augustae episcopus inquil ... 58 cumque perlecta esset vita praedicti s. episcopi, ventum est ad mir acuta . . . (B) 17 Quae omnia lepida satis urbanitate exposita reeepimus. Gebehard sagt in seinem Prolog (MG. SS. 4, 381, 22) Amantissimi patris nostri discendi vitae desiderio diu multumque suspirans hanc tandem reperi a quodam illustri viro non in- convenienten quidem compositam sed ita nominum- virorum ac mulierum villarum etiam confusione fuscatam ut .. . paene videretur puerile ludibrium. Cuius insuper operis increvit ') Mit diesem Wort oder mit matrix bezeichnet Gerhard häufig den Bischofssitz. a ) Ist eines von den seltenen Worten, die Gerhard gebraucht, das aber eine richtige lateinische Bildung aufweist und das ich keineswegs mit Waitz p. 379,18 als deutsch bezeichnen möchte. Den Glossen gehört das Wort nicht an. Das Wort lucida p. 387, 40 steht für absida, vgl. Corp. gloss. lat. 3,487,1 undlsidorEt. 15,8, 7. 3 ) Vgl. 3 Reg. 7,30. 34 und Ezech. 41,26. 4 ) Vgl. Eccli. 27,15. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 14 210 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. adeo diffusa pluralitas, ut potius beltorum eventum reyum caesarumque historiam, quam propositum videretür ordinäre negotium ... 31 Opusculum ergo isltid aggredientes superfluis quibusque postpositis obscura prolata dar ins et competenter enodare, prolixius vero digesta. .. abbreoiare contendimus. Berno äußert sich in seinem Prologe (MG. SS. 4, 381,38) Reveren- tissimo patri Frideboldo ac vere s. Afrae martiris alumno Bern dei matris mancipium cum omni contubemio Augiensium fratrum . . . id exiguitati meae iniunxit officium, ut libettum de vita . . . üudalrici veraci quidem sed simpliciori quam oportuit sermone conditum, adtiori stilo reddam luculentum .. . 382, 3 Accedit quod v. m. Gebehardus . .. idem negotium corrigendi studio attemptavit, sed infectum morte praevenius dereliquit ... Ipsum tarnen quod composuit licet eloquii venustate redoleat, ita tarnen verborum ac sententiarum sublimitate se in attum extollit .. . Alterius ') vero oratio etsi rerum veritate subnixa sit, sie tarnen humi iacere videtur ut quisquis sapientium semel hinc potuerit quiddam gustare, pigeat se ulterius ad haue declinare ... 20 ut nihil de propriis addam praeter exempla antiquorum patrum atque sententias sanetarum scripturarum. Der Zusatz zum Martyrologium Notkers von Hermann von Reiclienau — daß er von diesem stammt hat Dümmler a. a. 0. erwiesen — findet sich im Stuttgard. Theol. et Philos. 209, hrsg. von Dümmler, Forsch, z. deutsch. Gesch. 25. 209—211; hier heißt es S. 211 Huius vitam primo Gerhardus eiusdem urbis canoniais et prepositus plenius quidem sed rustico sermone descripsit. Posten vero Gebehardus eiusdem urbis episcopus succinete nimis sed erudite scribere adorsus est. Postremo vero Bern Augensis abbas venerandus luculente satis sed plurima causa compendii cognilu tarnen utilia vreter- mittens, eandem vitam a Fridebaldo coenobii s. Afrae abbate rogatus edidit. In den Casus s. Galli 57 sagt Ekkehart IV. (hrsg. von Meyer v. Knonau S. 210) Ue saneto TJdalrko autern, qualiter nobiscum egerit, dieta patrum quedam audivimus, quae quidem in vita eins vel tercio iam scripta*) non invenimus; hier wird der jüngere Haitmann als Lehrer üdaliicbs genannt (im Gegensatz zu Gerhard) p. 212 Hartmanni enim iunioris diseipidus ■ divina ... hausit und gleichfalls das augebliche Verhältnis Udalrichs zu Wiborad ausführlich berührt, vgl. p. 213 Wiboradam inclusam . . . feriatis diebus furtim visitare assolitus dicinis ab illa interdum verbis et exemplis instruetus est paginis etc. Zur späteren Udahichliteratur vgl. die Version Neues Archiv 7,139. 3 ) Gebehards Werk wurde übrigens von Ekkehard von Aura bei der Geschichte Heinrichs I. benutzt und Bernos Ueberarbeitung ging in eine große Zahl von Legendensammlungen über. Hingegen ist Gerhards Vita Udalrici von Thietmar (1,5), von Hermann von Reichenau (außer im Zusatz von Notkers Martyrolog in der "Chronik 953—977} und von Oudalscalc von Augsbm-g in der Vita Adalberonis verwendet worden. Ueberlieferung. Die Aufschriften in alten Katalogen nennen an sieben Stellen eine Vita Oudalrici, vgl. Manitius, Neues Archiv 32, 686 f.; davon dürften aber die wenigsten zu Gerhard gehören, dessen Werk (außer den drei von M. Vefserus benutzten verlornen Augsburger Hss.) heute vorliegt im Paris, nouv. add. 165" s. XI f. 38—106, im Monac. 14615 s. XI, Vindob. 554 s. XI und Einsidl. 261 s. XL Ausgaben von M. Velserus in dessen Opera (Nürnberg 1682) p.505—585, vonWaitz, MG. SS. 4, 381—425; Migne 135, 1009—1058. Gebehards Auszug (Prolog MG. 4,381) in Velseri opera p. 591 —595. Bernos Bearbeitung steht im Caroliruh. 69. VII. 18 s. XI, Paris, nouv. acq. 812 s. XII und sonst, Ausgabe (Prolog MG. SS.4, 381) M. Velseri opera p.596—617. — Vgl. Wattenbach 1,447 ff. Hauck 3, 47 ff. C. Brückner, Studien z. Gesch. d. sächs. Kaiser (Basel 1889) S. 17ff. 22. Folcvin von Laubach (Lobbes). Früher unterschied man zwei Geschichtschreiber namens Folcvin, dem von St. Bertin und den von Laubach; seit der gründlichen Untersuchung Holder-Eggers*) ist aber jetzt Klarheit darüber geschaffen, daß beide eine und dieselbe Person gewesen sind. Folcvin stammte aus vornehmer Familie, die ihren Stammbaum auf Karl Martell zurückführen konnte und in Lothringen begütert war. Einer seiner Vorfahren war Bischof Folcvin von Therouanne, der 855 gestorben war und dessen Erhebung Folcvins gleichnamiger Vater und Oheim 92& bewirkten. Zwanzig Jahre später wurde Folcvin als Knabe dem Kloster ') Nämlich Gerhards. 2 ) Aehnlich c. 60 p. 220 tribus vitae eins scriptoribus non praeiudicantes. 3 ) Aus dem Guelferbyt. 1007 (J. 4. 15) s. XIV f. 89; dort wird Udalrich mit Attila zusammengebracht. Wattenbach hat S.139' —141 den Anfang mitgeteilt. 4 ) Neues Archiv 6,415—427. Folcvin von Laubach (Lobbes). 211 St, Bertin dargebracht, weil hier jener heilige Verwandte der Familie ruhte; am 2. November 948 wurde er vom Abt Womar aufgenommen, als er mindestens dreizehn Jahre zählte. Im Jahre 961 war er schon Diakon und im folgenden Jahre vollendete er seine Geschichte der Äbte von St. Bertin, zu der er die Urkunden des Klosters gesammelt hatte, mit denen er sonstige geschichtliche Notizen verband. Er schrieb das Werk auf Befehl des Abtes Adalolf, der 961 die Leitung des Klosters erhalten hatte. Seitdem ist in St. Bertin nichts mehr von Folcvin bekannt, vielmehr wurde dieser 965 durch Ebrachar von Lüttich zum Abt von Laubach erhoben und am 25. Dezember 965 zu Köln im Beisein Kaiser Ottos durch Bischof Ingram von Cambrai geweiht. Aber er fand in Laubach wenig Entgegenkommen, und als Rather nach Lüttich zurückkehrte, verfeindete ihm dieser unruhige Mann die Brüder vollständig, so daß Folcvin gezwungen wurde, seine Abtei aufzugeben, in die nun Rather einzog. Dieser fürchtete aber den Zorn des verjagten Abtes und die Macht von dessen vornehmer Verwandtschaft und befestigte daher das Kloster; als aber Ebrachar gestorben war, söhnte Bischof Notker die Brüder wieder mit ihrem Abte aus. In diesen Zeiten mag Folcvin das Leben seines heiligen Verwandten, des Bischofs von The'rouanne geschrieben haben, da er sich wohl damals nach St. Bertin zurücksehnte. Er hatte nämlich schon in der Abtsgeschichte von St. Bertin dem hl. Folcvin einen großen Abschnitt gewidmet und begann wohl noch als Mönch das Leben dieses Bischofs gesondert darzustellen; die Arbeit vollendete er nach 967, da er darin Buotgers Leben Brunos benutzte, das in jenem Jahr erschien. Er widmete die Vita Folquini den Brüdern und besonders dem Abte Walter von St. Bertin und erinnert sich dabei seiner alten Zugehörigkeit zum Kloster. Später ist er dann an das wichtigste Werk seines Lebens gegangen, nämlich er hat, wie vordem in St. Bertin, nun auch in Laubach die Geschichte der Äbte bis auf seine Zeit dargestellt, aber mit stärkerer Berücksichtigung der allgemeinen Geschichte und überhaupt mit besserer Vorbereitung für sein Werk. Er erzählt hier auch selbst an mehreren Stellen, daß er von anderen mündlichen Bericht begehrt habe; so war er auch in Reims und hat den Erzbischof Adalbero nach dem Ursprung der Stadt und nach der Reihenfolge der Bischöfe gefragt, worauf ihm dieser Flodoards Werk über die Geschichte der Reimser Kirche brachte. Es fehlt hier auch nicht ganz an Kritik, wie er z. B. über den Stil der Lebensbeschreibungen Ursmars und Erminos von Anso in hohem Grade aufgebracht ist, obwohl es bei ihm selbst in dieser Beziehung genug zu tadeln gibt. Übrigens hat er die Geschichte dieser beiden Patrone von Laubach ziemlich ausführlich behandelt und dann später mit neuer Einleitung auch gesondert herausgegeben. Auch sonst macht Folcvin in seinen Gesta gelegentlich auf literarische Dinge aufmerksam, doch ist das ziemlich vereinzelt geschehen. Er starb als Abt in Laubach im Jahre 990. Zeugnisse. Zur Abstammung vgl. Gesta abb. s. Bertini 104 (MG. 13,627,14) Anno 928... ineus gui hoc ipsum scribo pater Folcwimis nomine cum fratre suo ... de regno Hloiharil huc adoeniunt sancti Folcwmi corpus levare cupientes und Gesta abb. Lob. 28 (MG. SS. 4,70, 7) Ratherius .. . locum invadit et metuens abbatis animositatem simulque coynationem eins, quae non erat infima; zur Verwandtschaft mit Karl Martell vgl. Vita "Folquini 3 (MG. SS. 15, 427) alter ut puta supradicti regis avunculus. Zur Darbringung im Kloster St. Bertin vgl. Gesta abb. s. Bert. 107 (SS. 13,629, 34ff.). 961 Diakon vgl. c. 110 p. 632,23 Fohicinus levita et monachus, zur Jugend im Jahr 962 c. 111 p. 632,44 Subscripsi etiam per ordinem fratrum nostrorum 14* 212 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. nomina quos ego iuvenculus et pene ultinnis recordor in hoc monasierio regiilari vlxisse vita. Widmung der Gesta abb. s. Bertini an Abt Adalolf vgl. c. 111 p. 632, 36 Explevi iam ... quae iusseras, domine et beatissime necnon et amantissime pater Adalolfe, comprehendens in uno codice traditiones fidelium cum kartis earum necnon et gesta abbatum. Zur Abtserhebung in Laubach, zur Aufnahme dort und zu Rather und Notker vgl. Gesta abb. Lob. 28 (MG. SS. 4, 69, 25) Post haec domnus Evracrus Folcuinum vere peccatorem aetate iuvenem Laubiensibus praefecit abbatein; quem cum esset idem pontifex Coloniae in praesentia imperiale in fre- quentia magna populari recitata prius et lecta fratrum electione ibidem ordinärifecit. Ordinatus est ergo ab Ingranno Cameracensi episcopo die ipso domini natalicio. Inde reversus et loco potitus plura suo arbitratu fecit ... 70,4 Sed ipse (seil. Ratherius) locum nostrum sernper execrans abbati insidias machinabatur instigantibus euni ad hoc nonnullis .. . Ad hoc venu ut abbas cederet loco, sciens sie episcopum vette . . .70, 7 Ratherius locum invadit et metuens abbatis animositatem simulque cognationem eins, quae non erat infima, claustrum in modum castelli cingit . . . Amins ille sie duetus est donec defunetns est Evracrus episcopus et in loco eins Nothgerus successit... Qui.. . fratres abbati reconciliat ipsum restituit ') und Vita Folcwini (MG. SS. 15, 424,24) Dilectissimis in Christo s. Sithiensis coenobii fratribus . .. Fölquinus peccator, quem Laubiensem dieunt abbatem. Dort ergibt sich auch die alte Zugehörigkeit zu St. Bertin p. 424,27 Memor restri fratres semper in orätionibus ... 30 Ad quod me vestra ■quidem, fateor, primum stndia accenderunt, cum in ipsis pene . .. crepnndiis ... hanc in vobis gratuitam fraternitatem ut explorarem compulerunt und p. 425, 11 Hnic ergo amori qui mecum primis adolevit auspieiis. Der Abschnitt über Folcvin in den Gesta s. Bertini c. 57-62 (p. 617—619); er betrachtet die Erzählung dort als Episode, vgl. c. 63 p. 619,23 Sed quia gesta b. Folcwini narrando parumper ab abbatum gestis digressi sumus, libet iam ad ea pernarranda calamum agrestem reflectere. Die Benutzung Ruotgers hat Holder- Egger in seiner Ausgabe (MG. SS. 15, 423 ff.) notiert. Widmung p. 425, 37 dedieavi illud vobis tibique quam maxime, venerande pater Waltere, cid praeter id., quod cum ceteris mihi est commune singulare quiddam debeo vel propter Bertini vicem vel propter eam quae nobiscum aderevit dilectionem. Schon in den Gesta s. Bertini spricht er c. 61 p. 618, 29 von mündlicher Erkundung Quia igitur mentionem b. Folcwini fecisse me memini, libet adhuc ununi eius opus hie intexere, quod recolo me agnovisse Wicfrido pontifice 2 ) narrante. In den Gesta abb. Lob. c. 7 (MG. SS. 4, 58, 37) heißt es De Abel quoque supra nominato tale quid eomperimus. Remis cum fuissemus et cum vivo venerabili et earum partium eruditissimo confabularemur Adalberone archiepiscopo requirentibus nobis originem eiusdem civitatis et in ea episcoporum successiones, prolatis eiusdem civitatis pontificalibus gestis . .. satisfecit. In quibus videlicet gestis inventum est, d. b. Elodoard 2,16; und c. 10 p. 60, 14 nos ea quae vidimus et audivimus excellentiora tantum notantes. Bezüglich der von Anso verfaßten Leben sagt er c. 9 p. 59, 30 De confusione autem dictorum non nostrum est iudicare, quae Ulis tanta inest ut incertum sit, ntrum ad insinuanda, quae noverat, minus licet erudite quantum ad saeculares fuerit proelivis, an pro excellentia gestorum parvipenderit regulas artis. Literarisches z.B. c. 18 p. 62, 31 über Stephan, Bischof von Lüttich (901—920) Hunc Stephanus sequitur . . . Hie passionem b. Lamberti 3 ) impolito digestam stilo urbanius elucidavit 4 ) ...33 Fecit et libellum quendam ex plurimis divinorum librorum flosculis de- cerptis, in quo singularum in anno festivitatum capitula cum collectis et versibus utili com- mento congessit. In cuius libelli praefatione ostendit, se Mediomatricae, quae nunc Mettis dicitur, a puero educatum fuisse. Nam Roberto eiusdem sedis episcopo eundem libellum legendum misit et comprobandum. Huius episcopi aliqui etiam nostra aetate meminernnt. Von beiden Werken spricht auch Sigebert de Script, eccl. 125 (ed. Miraeus p. 149), der hinzufügt, daß das Leben Lamberts dem Erzbischof Hermann von Köln gewidmet wurde und daß Stephan drei Lieder verfaßt habe, eines zu Ehren Lamberts, eines über die Dreieinigkeit und das dritte über die Auffindung des Protomartyrs Stephanus; vgl. hierüber Dümmler, Neues Archiv 4,555. Ueber den Liber de divinis offieiis an Robert von Metz bemerkt Sigebert Scripsit etiam ad Robertum Metensem episcopum capitularem librum, in quo capitula, responsoria versus collectas per singulas noctis et diei horas per integrum annum distinete congessit; eine Hs. dieses Werkes gab es in Bobbio nach Mabillon, Museum Italicum (Paris 1724) 1, 216. 5 ) Anselm von Lüttich schreibt über den Liber de div. offieiis in den Gesta episc. Leod. 21 Idem . .. Stephanus nonnulla sanetae ecclesiae contulit utilia, ex quilms est libellus ille, in quo unieuique tempori congruas per totum anni circulum compegit lectiones cum responsoriis versiculis et orätionibus, quas collectas vocant horis rite canonicis recitandas, a ) Die Grabschrift Folcvins (und Rathers) vgl. MG. SS. 4,54, die Hs. ist Valentian. 834 (aus Laubach). s ) Bischof von Therouanne 959 — 974. 3 ) Gedruckt bei Mabillon, Acta SS. ord. s. Benedicti 3.1,69 ff. 4 ) Gedruckt Acta SS. Sept. 5,581 ff. 5 ) Stephani Tungrensis episcopi liber de divinis offieiis . . . ad Ruotbertum Medio- matricis id est Mettcnsis urbis antistitem. Folcvin von Laubach (Lobbes). 213 scribens memoratum codicem Jtoperto Mettensiüm episcopo; über die andern Schuften Stephans berichtet Auselm c. 20 idem vitam s. Lambert! sinipliciter antiguitas dictatam urbani sermonis expolivit facetüs et responsoria, quae in sollempnitate eins cantamus, composuii scribens ud donmum Herimannum archiepiscopum. Idem ipse respomoriorum, quae de s. trinitate can- tantur auctor fuit, quod nos quidem ignorabamus, credentes quod fama habebat, nescio quem Hubaldum ipsornm fuisse compositorem. Zugleich mit Stephans Vita s. Lamberti entstand ein von ihm beeinflußtes und von ihm auch mehrfach angeführtes poetisches Leben Lamberts in 45 Kapiteln; beide Leben sind überliefert im Bruxell. 14650—14657 s. X und im Vatic. 8565 s. XI. 1 ) Dem gesonderten Bericht über Ursmar und Ermino gibt Folcvin eine Vorrede bei, in der die übliche Bescheidenheitsphrase steht (MG. SS. 15, 832,8) Ät nos stolidi et inertes totius ingenii sale carentes tum corda mole peccaminum preist und darauf eine Anführung aus Juvenal (1,15) manu subducta ferulae. 2 ) Eine Hs. dieser Schrift fehlt, der Prolog ist nach der Abschrift von Henschen (Acta SS. April. 2,563) gedruckt MG. SS. 15,832; der weitere Text ist mit den betreffenden Kapiteln der Gesta abb. Lob. (SS. 4, 65 ff.) völlig gleich. Gesta abbatum Sithiensium. Im Prolog findet sich mehrfach Hinneigung zu vergilischem Ausdruck. 3 ) Die Gesta bestehen im Anfang großenteils aus Urkunden und Besitztiteln, später wird die allgemeine Geschichte im Rahmen der Klostergeschichte miterzählt. Die Quellen des Werkes sind nach der Ausgabe von Holder-Egger die Gesta Francorum, die Francorum regum historia, der Anhang zur Passio Dionysii mit dem Briefe Papst Stephans und dem Bericht über Pippins Krönung (vgl.c. 18 p. 612), die Visiones Wettini von Heito, ferner die zweite Vita s. Bertini, die im 9. Jahrhundert entstand, ferner eine Quelle, die auch in den Annales Blandinienses erkennbar ist, 4 ) die Vita Winnoci und für c. 61 (p. 618, 29ff.) mündliche Tradition, die auf Bischof Wicfrid von Therouanne zurückgeht. Die Komposition des Werkes ist mangelhaft und die Sprache oft recht fehlerhaft; danach kann die Schule in St. Bertin nicht besonders hoch gestanden haben. Hss. Audomar. 815 s. XVIII und Bolon. 146 s. XII. Ausgaben: Guörard, Cartulaire de l'abbaye de St.Bertin, Paris 1841, und (ohne die Urkunden) von Holder- Egger, MG. SS. 13,600. Vita s. Folquini. Im allgemeinen hat sich Folcvin hier an seinen schon in den Gesta gegebenen Bericht über den Heiligen gehalten, nur läßt er alle familiären Beziehungen zu ihm weg und hat manches im einzelnen geändert und ausgeschmückt, letzteres besonders mit Hilfe von Ruotgers Leben Brunos, das er auch in seinem späteren Werke benutzt, und mit Hilfe von Vergil, Cicero und Juvenal. 5 ) Auch diese Schrift macht keinen besonders günstigen Eindruck. Hss. Bolon. civ. 107 s. XL Bruxell. 7461 s. XII—XIII. Duac. 838 s. XII—XIII. Ausgaben Mabillon, Acta SS. ord. s. Bened.4,1,624. MG. SS. 15,423—430. Gesta abbatum Lobiensium. Auf etwas höherer Stufe steht dies Werk. Hierfür benutzte Folcvin vor allem die Urkunden und Briefe des Klosters, 6 ) ferner alteMartyrologien und alte Inschriften, 7 ) einen Abtskatalog 8 ) und kurze Annalen. Außerdem verwendet er die Geschichte der Reimser Kirche von Flodoard, sowie die Werke von Einhart und Ruotger. Allerdings ') Werke Ratbers erwähnt er c. 19 p. 63,43. c. 20 p. 63,46. 64,6.10, c. 24 p. 65, 23 ff., Briefe Rathers (in Laubach) c. 20 p. 64,5 f.' 4 ) Vgl. Holder-Egger, Neues Archiv6, 431-438. c. 5 p. 427,44 Gens haec moribus in- Eine solche steht auch (Juv. 3, 68) im , composita ist vielleicht nach Quintil. 4, 5, 10 Prologe der Vita Folcwini (MG. SS. 15,426,2) ; gesagt. ceromatico ferant niceteria collo. ^^^^^^ 3 ) MG. SS. 13,607.27 cum novo mane crocea linquens cubilia ... fugatis tenebris sua emittit spicula, Verg. Georg. 1,447. Aen. 3,521. Vgl. c. 3. 6.8.16. 21. ') Vgl. c. 7. 8 ) Vgl. c. 9. 214 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. fehlt es auch hier an wirklicher Verarbeitung zu einem abgerundeten Ganzen, aber der Versuch einer auf den Urkunden selbst aufgebauten Darstellung ist in jener Zeit noch so selten, daß er an sich lobenswert erscheint. Auch hat Folcvin hier öfter als früher versucht, seine Erzählung mit eingestreuten Zitaten aus der alten Literatur zu beleben, was ihm freilich nicht stets gelang; so ist es sonderbar, wenn er einige Verse Lucans über die Isere als über die Oise gesagt anführt. 1 ) Besonders deutlich schimmert Sallusts Stil aus der Erzählung hervor. 2 ) Sonst ist die Erzählung meist farblos und nüchtern, auch ist die Disposition, wie in c. 14—17, zuweilen verworren. Die Sprache ist zwar besser als in den früheren Gesta, besitzt aber auch grammatische Fehler. 3 ) Zuletzt erweist sich Folcvin in c. 30—44 durchaus als wundergläubig, da dieser ganze Teil aus Mirakeln besteht. Benutzt wurde Folcvin von Anselm in den Gesta episcoporum Leodiensium von Kap. 20 an, vgl. MG. SS. 7, 200 ff. Hss. Paris. S. Germ. Residu fasc. 90 n. 4. Bnixell. 7816 s. X VI. Paris, sched. Baluz. Armär. II faseln.3. Ausgabe von Perz, MG. SS. 4,52—74. —Vgl. Ebert 3,402—405. Wattenbach 1,426 ff. R.Teuffel, Individuelle Persönlichkeitsschilderung i. d. deutschen Geschiclit3- werken d. 10. und 11. Jahrh. S. 33—35. 23. Richer von St. Remi. Richer war der Sohn Rodulfs, eines Vasallen des westfränkischen Königs Ludwigs IV. Er erzählt von seinem Vater, daß er ungemein tapfer und beredt gewesen sei, und berichtet über einige Anschläge, die sein Vater auf feindliche Städte glücklich durchgeführt habe. Es ist daher nicht unmöglich, daß Rodulf seinem Sohne episch gefärbte Legenden über die Zeitgeschichte übermittelt hat, 4 ) die dieser in gutem Glauben seinem Geschichtswerke einverleibte. Richer ist zwischen 940 und 950 geboren und trat wohl erst unter dem Erzbischof Adalbero in das Kloster St. Remi zu Reims ein, wo er jedenfalls den Unterricht Gerberts genoß, der von Adalbero als Lehrer an die Domschule berufen worden war. Da nämlich Richer in seinem Geschichtswerk 5 ) eine sehr ausführliche Darstellung vom Inhalte des Unterrichts, den Gerbert gab, hinterlassen hat, so ist eigentlich ein Zweifel bezüglich seiner eigenen Teilnahme an demselben ausgeschlossen. Und daß Richer in engem persönlichem Verhältnis zu Gerbert stand, läßt sich ohne weiteres daraus entnehmen, daß ihm dieser später die Abfassung eines Geschichtswerkes auftrug. Richer wurde hier in die freien Künste eingeführt und lernte neben den Dichtern auch die römischen Prosaiker kennen, wie seine zahlreichen Anführungen aus Sallust 0 ) deutlich erweisen. Nun bezeugt zwar Richer nicht ausdrücklich, daß Gerbert auch Vorlesungen über Medizin ') c. 16 p. 62,2 De quo ita meminit Lu- \ religioni studens. cernus in bellis civilibus (1,399 ff.). 4 ) Vgl. hierzu Ph. Lauer, Le regne de 2 ) 19 p. 63,28 apud nos omnia fuere veno- Louis IV. d'Outre Mer p. X und 275 f. Ha. 21 p.63,22 eoque qim dlrebatur sanetior, I 6 ) Buch 3,46—54(ed. Waitzp.101—104). quo ad dandum profusior. 28 p. 70,12 Nee [ B ) Sie sind in den Ausgaben von Pertz quid quantum cuive ob id daret quiequam \ und von Waitz schon teilweise angemerkt. pensi habuit. 30 p. 71,16 Rem abbas. ad fratres referi; ib. p. 71,18 non sine magno populi luctu permirta laetitia. s ) Vgl. z.B. 18 p. 62,31 vir literarum et... Bedeutend reichhaltigeren Stoff sammelte Frid. Vogel, Acta seminarii Erlangensis 2,418 ff. Sicher von St. Remi. 215 gehalten hat, doch wissen wir aus mehreren Briefen, daß ihm Seltenheiten aus der medizinischen Literatur, wie das Werk des Celsus und der Ophthalmicus des Demosthenes, bekannt waren. So ist es denn möglich, daß Richers ausgesprochene Vorliehe für Medizinisches schon durch Gerbert angeregt wurde; 1 ) allerdings äußert sich diese Vorliebe mehr auf praktischem Gebiete, während bei Gerbert immer das Wissenschaftliche im Vordergrund steht. Wo nämlich Richer in seinem Werke Gelegenheit fand, über Krankheiten und auch über deren Heilung zu berichten, hat er stets davon erzählt. 2 ) Im Jahre 991 bot sich ihm eine passende und jedenfalls sehr erwünschte Gelegenheit, seine medizinischen Kenntnisse zu erweitern. Nämlich gerade als er sich mit Hippokrates beschäftigen wollte, kam ein reitender Bote aus Chartres nach Reims, der von Heribrand, einem Geistlichen von Chartres, an ihn abgesandt worden war, um ihn nach dieser Stadt zur gemeinsamen Lektüre der Aphorismen des Hippokrates einzuladen. Heribrand war Richers Freund und dieser zögerte daher nicht, der Aufforderung nachzukommen, da das Studium der Medizin in Chartres besonders gepflegt wurde. Er erhielt von seinem Abte Urlaub sowie ein Pferd und einen Knecht zur Reise, sonst keine Wegzehrung. Die Fährlichkeiten, die er auf seiner Reise zu überstehen hatte, schildert er mit großer, beinahe novellistischer Anschaulickeit und mit besonderem Behagen und er läßt in diesen Bericht eine Reihe poetischer Floskeln einfließen. Nach allerhand Mühen gelangte er auch wirklich nach Chartres und studierte nun hier jenes Werk des Hippokrates mit seinem Freund Heribrand. Da er aber hierdurch in der Erkenntnis der Krankheiten schnell weiter vorschritt, so erbat er sich schließlich von dem Freunde ein ausführlicheres Werk, das sich in Chartres vorfand und eine Kompilation von Übersetzungen aus Hippokrates, Galen und Soranus darstellte; sein Titel war De concordia Yppocratis Galieni et Surani und es hat sich in einer Handschrift in St. Gallen erhalten. 3 ) Richer setzt hier (Hist. 4, 50) auseinander, daß er das Werk von Heribrand erhalten habe, der in den Dynamidia, den Pharmaceutica, in der Botanik und in der Chirurgie sehr erfahren gewesen sei. Diese Angaben deuten auf verhältnismäßigen reichen Bestand in der Bibliothek von Chartres an botanisch- medizinischer Literatur; der Name Dynamidia geht auf die sogenannten Dynamidia Hippocratis, ein auch sonst genanntes und benutztes Sammelwerk. 4 ) Richers Aufenthalt in Chartres scheint längere Zeit gedauert zu haben, denn er ließ sich vielleicht dort unter die Mönche aufnehmen; wenigstens wird sein Name 1003 von Bischof Fulbert in einem Briefe an Abbo von Fleury genannt, und zwar unter den Namen- der Mönche, die sich weigerten, den Magenard als Abt anzuerkennen. 5 ) Fulbert war Schüler Gerberts gewesen und hatte sich besonders mit Medizin beschäftigt; er wurde 990 Bischof von Chartres und der Begründer der dort blühenden ') So auch C. v. Kalckstein, Gesch. d. franz. Königtums unter d. ersten Capetingern 1.326 f. 2 ) So besonders 2,103. 3,109. 4,5.50ft\94. Vgl. die Zusammenstellung von Pertz in der Ausgabe vonWaitz p. VI n. 1. 3 ) Die Hs. läßt sich im alten Katalog (Beck er 22,423—426) nicht ausfindigmachen, da jene Angaben ganz allgemein gehalten sind. 4 ) Vgl. hierzu Bd. 1,310. 5 ) Vgl. Phil. Lauer, Le regne de Louis IV. p. XI. 216 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Schule. Über ihn und seine Tätigkeit hat besonders Clerval gehandelt. 1 ) und seine Schüler sind die hervorragendsten Lehrer im Frankenreich während des 11. Jahrhunderts geworden, nämlich Lambert und Adelmann in Lüttich, Berengar in Tours, Olbert in Gembloux, Angelram in St. Riquier, Reginald in Angers. Auf seine Zeit weisen zahlreiche, in Chartres angefertigte medizinische Handschriften, die sich jetzt noch am Entstehungsort oder in Paris und in Bern befinden. Freilich, ist die Datierung jenes Briefes richtig und der dort genannte Richer mit dem unsrigen identisch, so wäre unbedingt anzunehmen, daß sich Eicher später wieder nach Chartres begeben hat, denn die Entstehung seines Geschichtswerkes, das in der Zwischenzeit geschrieben ist, weist nach Reims. Als nämlich Gerbert Erzbischof von Reims war, also während der Jahre 992 und 995, forderte er seinen einstigen Schüler auf, die Geschichte Karls des Einfältigen und Ludwigs IV. zu schreiben. Für eine solche Aufgabe war Richer wie geschaffen. 2 ) Sein Vater, der an den Kriegen jener Zeiten Anteil genommen, hatte ihm darüber ausführliche, wenn auch nicht einwandfreie Mitteilungen gemacht, und Reims war in dieser ganzen Zeit der politische und geistige Mittelpunkt für die französisch-deutschen Verhältnisse und Beziehungen. So konnte Richer von Adalbero und von dessen Nachfolgern Arnulf und Gerbert in die politische Lage vollkommen eingeweiht werden. Außerdem war es ihm in Reims möglich, die Könige Lothar, Ludwig V. und Hugo Capet persönlich zu sehen, und bei seiner lebhaften Auffassungsgabe und seiner regen Phantasie hätte es ihm leichtfallen müssen, einein Ursachen und Wirkungen richtig verknüpfende Darstellung der Geschichte seiner Zeit zu geben. Da er nun für die früheren Teile seines Werkes die Annalen Flodoards, und zwar wahrscheinlich auch deren verlorenen Anfang ausschreibt, so können wir für diese _Zeit zu wirklicher Beurteilung seines Werkes gelangen. Er gesteht im Vorwort, das er an Erzbischof Gerbert richtet, diese Abhängigkeit von Flodoard ein, sagt aber, daß er nicht die Worte seiner Quelle benutzt, sondern das Äußere in seiner Darstellung völlig geändert habe und daß es ihm darauf angekommen sei, die Dinge in ihrem wahrscheinlichen Zusammenhang klar und kurz zu erzählen; denn ein großer Redeschwall sei ihm zuwider und so habe er meist eine knappe Redeweise gewählt. Das ist freilich nur zum Teil richtig, denn er hat sich keineswegs mit der Veränderung von Flodoards Stil begnügt, sondern dessen jedenfalls wahrheitsgetreuen Bericht oft genug abgeändert. 3 ) In den Schlachtberichten, die oft ausführlich sind, hat er die Zahlen nicht selten übertrieben 4 ) und er scheut auch nicht vor tatsächlicher Fälschung zurück, indem er z. B. 1, 22 B ) an Stelle des lothringischen Herzogs Giselbert den Namen des deutschen Königs Heinrich I. einsetzt, um die Oberhoheit Karls des Einfältigen über Heinrich L, den er Herzog von Sachsen nennt, seinem Leser glaublich zu machen. 6 ) Eigentümlich steht es auch mit der angeblichen 1 ) Ecoles de Chartres (1895) S. 31—91. 2 ) Vgl. hierüber G. Monod, Revue histo- rique 28,250. 3 ) Vgl. G. Monod, Revue historique 28, 251 n. 2. 3. 4 ) Vgl. Monod ebenda 28,251 n. 4. 5 ) Vgl. Flodoardi Annales 920. e ) Vgl. Pertz in der Ausgabe von Waitz (Hannover 1877) p.VIII. Richer von St. Remi. 217 Kürze und Knappheit der Darstellung. Wo es nämlich anging, hat Richer mit langen eingeflochtenen Reden der handelnden Personen deren Taten motiviert, wofür ihm die wort- und redenreiche römische Historiographie und zwar besonders Sallust als Vorbild gedient hat. Und so ist längst erkannt worden, daß er, ohne die Wahl des echten Historikers zu treffen, eine <*anze Anzahl legendenhafte Stoffe als Geschichte ausgibt. So hat er wahrscheinlich in Chartres sagenhafte Berichte über die Herkunft der Grafen von Blois gehört, die er in sein Werk aufnahm, 1 ) und Ph. Lauer hat nicht weniger als sieben größere Sagenstoffe aus der Erzählung herausgeschält, 2 ) die auf Richers Leichtgläubigkeit ein helles Licht werfen; ebenso hat E d. F a v r e in seiner Untersuchung über König Odo von den Kapiteln 5—13 des ersten Buches die Abschnitse 6—11 als legendenhaft verworfen. 3 ) Nun ist aber bei der Beurteilung Richers der Umstand wichtig, daß wir noch sein Autograph besitzen, aus dem die Entstehung seines Geschichtswerkes deutlich hervorgeht. Daraus ergibt sich nun, daß er während der Jahre 992 und 995 seine Arbeit begann: er schrieb den Prolog, Buch 1 und dann Buch 2 bis zum 78. Kapitel. So scheint er ursprünglich nur die Absicht gehabt zu haben, die Zeiten Karls des Einfältigen und Ludwigs IV. zu behandeln und das Werk mit dem Jahre 948 zu schließen; und das ergibt sich auch deutlich aus dem Vorwort an Gerbert. Nachdem er aber die Arbeit noch einmal durchgesehen und vielfältig abkorrigiert hatte, setzte er sie bis 995 fort und fügte während der nächsten drei Jahre noch kurze Notizen hinzu, die vielleicht zu späterer Vervollständigung und Ausarbeitung bestimmt waren. So entstand das Werk in vier Büchern, dessen zweite Hälfte sich in der Behandlung historischer Dinge noch als leichtsinniger ausweist als der frühere Teil. 4 ) Freilich ist auf der anderen Seite Richers Berichterstattung von sehr großem Werte, da sie für viele Dinge die einzige Quelle bietet und sich doch auch vielfach als glaubwürdig herausgestellt hat, wie besonders Ed. Favre für die Zeiten des Königs Odo nachwies. 5 ) Es würde also durchaus unrichtig sein, den hohen Wert dieses Werkes zu verkennen und Richer etwa allein nach seiner Schönrednerei beurteilen zu wollen. — Von seinen späteren Schicksalen ist nichts sicher zu ermitteln. Monod gibt die Möglichkeit zu, daß er Gerbert auf dessen Romreisen 996 und 997 begleitet habe und vielleicht anwesend gewesen sei, als dieser 998 das Erzbistum Ravenna von Otto III. empfing; 6 ) dafür könnte vielleicht der Umstand sprechen, daß Richers Handschrift nicht in Frankreich geblieben ist, sondern sich in Abschrift zwischen 1112 und 1123 in Michelsberg bei Bamberg befand, während das Original in der Bamberger Dombibliothek aufbewahrt wurde; wahrscheinlich ist es von Gerbert an Otto III. geschenkt worden und aus dem Besitze Heinrichs IL nach Bamberg gelangt, wo man für Michelsberg eine Abschrift genommen hat. Von Richer selbst aber ist nichts weiter bekannt, als daß sein Name in einer Pariser Handschrift des ') Vgl. v. Kalckstein, Gesch. d. franz. [ *) Vgl. Monod, Revue historique 28, 258 Königtums 1,480 f. [ n. 3—5. 2 ) Phil. Lauer, Le regne de Louis IV. 5 ) Eudes comte de Paris et roi de France S.267—275. S. 231 ff. Ebenso J. Havet (Oeuvres 2,74) ') Eudes comte de Paris et roi de France , für die Glaubwürdigkeit bei Hugos Krönung. (Paris 1893) S. 230 f. 6 ) Vgl. Revue historique 28, 249. 218 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Salischen Gesetzes zu finden ist, was auf ein Verhältnis zu ihrer Herstellung schließen lassen dürfte. 1 ) Zeugnisse. Zu Richers Vater vgl. Hist. 2,87 (p. 82 ed. Waitz) Conferf itaque cum patre meo consilium, eo quod eins esset miles, QOnsiliis commodtis faetwdia simul et attdatia plurimiis. Unde et rex admodum ei consiwscebat et apiul eum sepissime consultabat und 88 p. 82 Rodulfns, sie enim pater mens dicebatur. Die Anschläge des Vaters berichtet Bicher 2.87—90 und 3,7—10. Zum Geburtsjahr vgl. G. Monod, Rev. hist. 28.248. zum Eintritt ins Kloster daselbst S. 248 und Pertz in der Ausgabe von Waitz p. V. Zur Anstellung Gerberts durch Adalbero an der Eeimser Schule vgl. Richer 3.45 p. 101 (ed. Waitz). 2 ) Zu Gerberts Lehrtätigkeit nach Eicher 3,46 ff. vgl. unter Gerbett. Ueber Eicher und Sallust vgl. Fr. Vogel, Acta semin. Erlang. 2,418 ff.; hier werden die teilweise ziemlich umfänglichen Stellen ausgehoben, die aus Sallust stammen und meist aus dessen Reden genommen sind. La aber Vogel p. 421 auch nachweist, daß 1,24 die Epist. ad Caesarem (2,1 und 2.2) ausgeschrieben wurde, so muß Richer eine dem Vatic. 3864 ähnliche Ueberliefeiung benutzt haben; daneben hatte er den vollständigen Sallust. wie die Benutzung von Cat. 14,3 in 3.97 und Cat. 59,6 in 1,28 ergibt. Die Briefe Gerberts bezüglich des Demosthenes und des Celsus sind ep. 9 und 15. Der Bericht über Heribrands Sendung nach Reims bei Richer 4,50 p. 151 Ante Itm-um captionem diebus ferme 14 cum aviditate discendi logicam Yppacratis Chol de studüs liberalibus saepe et multum cogitarem, 3 ) qnadam die equitem Carnotinum in urbe Remorum ■jiositus offendi. Qui a me interrogatus, quis et cuius esset, cur et unde venisset, Beribrandi clerici Carnotensis legatum sese et Richero saneti Remigii monacho se velle loqni respondit. Ego mox amici nomen et legationis causam advertens, tue quem querebat indieavi daloque os- culo secrete secessimus. Jlle mox epistolam protulit hortatoriam ad aphorismorum*) lectionem. Unde et ego admodum laetatus assumpto quodam puero cum Carnotino equite Her Carnotum arripere disposui. Es folgt der Bericht über die Reise, der kulturhistorisch interessant ist und zugleich zeigt, daß Richer zuweilen über verhältnismäßig unbedeutende Dinge ungemein ausführlich schreibt und also recht ungleichmäßig verfährt. Am Ende p. 153 erzählt er omni sollicitudine amota in aphorismis Yppocratis vigilanter studui apud doninnm Herbran- dum, magnae liberalitatis atque scientiae virum. In quibus cum tantum progriostica morborum aeeepissem et Simplex egritudinum cognitio cupienti hon sufficeret, petii ab eo lectionem eins libri, qui inscribitur de concordia Yppocratis, Galieni et Suräni. Quod et obtinui, cum eum in arte peritissimum dinamidia, farmaceutica, buianica atque cirurgica non laterent. Die Hs. der medizinischen Kompilation ist Sangall. 752 s. X(— XI) und enthält f. 162—326 das Register und 81 Kapitel; das Werk heißt hier Incipiunt oxea et chronicapassiones yppocratis gallieni et urani und es besteht aus den Oxea eines Aurelius und den Chronica des sogenannten Aescolapius, vgl. Val. Rose, Anecd. graeca et latina 2,171 ff. 5 ) Der Brief Fulberts von Chartres ist dessen epist. 2 und steht bei Bouquet, Recueil des historiens des Gaules et de ]a France 10, 444 D; die Briefe Fulberts begegnen übrigens öfter in alten Katalogen, so in Chartres, Beccum, Cluni, Lincoln, Angers, Glastonbury und Canterbury. Die Aulforderung Gerberts an Richer zu dem Geschichtswerke ergibt das Vorwort (ed. Waitz p. 1) Gfallorum congressibus in volumine regerendis imperii tui, pater sanetissime G., auetoritas seniinariuni dedit; das G der Hs. ist Kürzung für (Herberte f) wie die bald folgenden Worte divae memoriae Bincmarus ante te in pontificatu 8 US beweisen. Die Benutzung Flodoards erhellt aus den späteren Worten Sed si ignotae antiquitatis ignorantiae arguar, ex quodam Flodoardi pres- biteri Remensis libello me aliqua sumpsisse non abnuo, at non verba quidem eadem, seil alia pro aliis longe diverso orationis scemate disposuisse res ipsa evidentissime demonstrat. Satisque lectori fieri arbitror, si probabiliter atque dilueide breviterque omnia digesserim. In dicendo enim recusans effluerephirima succinete e.rpediam, wo er sich also zugleich über das Verhältnis zu seiner Quelle und über die ganze Art der eigenen Darstellung ausläßt. Er hat übrigens auch Flodoards Geschichte der Reimser Kirche benutzt, vgl. 1,19 p. 15 Quorum uterque quanta utilitate quantaque religione in aecclesia Remensi floruit, si quis ad plenum dinoscere cupit, legat librum Flodoardi presbiteri, quem ab urbe condita de eiusdem urbis episcopis uberrime descripsit. Seine Quellenbenutzung ist aber nachlässig genug, denn 1,46 p. 29 ist es ihm passiert, dem Flodoard eine jedenfalls von ihm selbst erfundene gewaltige ') Vgl. Guerard, Journal des Savants 1840 S.478 n. 1. Die Hs. ist Paris. 4789. 2 ) Im folgenden wird stets nach dieser Ausgabe zitiert. 3 ) Diese Worte sind aus Cicero de invent. 1.1,1 genommen. ■■) Das Werk muß damals noch selten gewesen sein, da mir keine Aufschrift in Katalogen des 9. und 10. Jahrhunderts begegnet ist. Eine Hs. saec. X ist z. B. Einsidl. 313 p. 1-217. ■'') Etwas anders gibt V. Rose die Zusammensetzung im Verzeichnis der Meerman- handschriften d. Kgl. Bibl. zu Berlin S. 364. 6 ) So druckt Waitz p. 1. Notker von Lüttich und Heriger von Laubach. 219 Uebertreibung dei Anzahl der in einer Schlacht Gefallenen zuzuschreiben, von.der Flodoard nichts weiß, nämlich ut in parte eins 11349, in parte vero Karoli 7118 a Flodoardo pres- bitero ferro interiisse descripium sit. Die anfängliche Beschränkung auf die Zeit Karls und Ludwigs erhellt aus dem Vorwort p. 1 Unde cum hie atque illic sepe Karoli sepe Ijudovici notae offeruntur, pro tempore auetorum prudens lector reges aequivocos pernotabit. Quorum tem- poribus bella a Gallis saepenumero patrata variosque eorum tumultus ac diversos negotiorum rationes ad memorian reducere scripto specialiter propositum est. Die Verschiedenheit der beiden Teile nach der Zeit ergibt sich aus der Tinte im Autograph, hierzu und zu der späteren Revision vgl. ed. Waitz p. VI und XI—XIII. Die Notizen, die am Schluß hinzugefügt sind, reichen noch von 995—998 und finden sich ed. Waitz p. 179 f. Richer beginnt übrigens mit einer kurzen Kosmographie, wobei er sich an Orosius und Isidor anlehnt, und berichtet dann mit wenigen Worten über Gallien nach Caesar Bell. Gall. 1,1. Nachdem er dann über die Sitten der Gallier gesprochen hat, wobei er sich eines Hieronymusbriefes und einer Stelle aus den Dialogen des Sulpicius Servus bedient, kommt er zum eigentlichen Thema. Von antiken Reminiszenzen wäre etwa zu erwähnen 4,50 p. 152 parvaredus (Pferd) ante visus Bucephalus fieri coepit asello tardiusculus (!); die oben berührten poetischen Floskeln 4,50 p. 152 Nor inhorruerat mundumque tetra caligine obduxerat . . . dulcibus alloquiis . . . Quam noctem ut insomnem duxerim . . . optata luce reddita. Fortleben und Ueberlieferung. Benutzung Richers ist im Mittelalter sehr selten. Daß Hugo von Flavigny am Ende des 11. Jahrhunderts von 961 an (MG. SS. 8,365,50—367,47) die Kapitel 3,92 und 3,43 ausschreibt, beweist doch wohl, daß in Frankreich eine Abschrift vom Original genommen worden war. Richers Autograph ist in die Bamberger Dombibliothek gelangt, wie wir oben sahen. Eine Abschrift aber besaß das Kloster Michelsberg bei Bamberg zu Anfang des 12. Jahrhunderts (B. 80.211) Liber Richheri ad Gerbevtum (= 1483, vgl. Neues Archiv 21,166 N. 160). Diese Abschrift hat Frutolf für seine Weltchronik stark benutzt, vgl. MG. SS. 6,181.39 Est autem alius quidam hystoriographus tempora Karoli Indus . ■ ■ suorumque sueeessorum digerens qui scribit etc., und p. 182,13 Haec sunt verba illius Gallici hijstoriographi, quae si in aliquo a praecedentibus Saxonlci scriptoris^) dissentiant, leclorls diligentia perpendat und p. 186, 20 Huins tarnen eventum Galliens ille scriptor cuius superius mentionem feci aliter narrat ita dicens. Frutolf benutzt den Richer p. 180,23 —182,12. 186,20—43. 187,32 f. 34 f. und 50 f. und zwar von 920 ab (Buch 1 und 2). Später wurde dieselbe Abschrift von Trithemius im Chronicon Hirsaugiense und im Liber de origine Francorum verwertet. Das von Pertz wieder entdeckte Autograph ist heute Bamberg. E. III. 3 saec. X, die Abschriften sind verloren. Ausgaben von Pertz, MG. SS. 3,561 - 657 2 ) (Handausgabe Hannover 1840) und von G. Waitz (Riehen historiarum libri IUI, Hannover 1877. Vgl. Ed. Reimann, De Riehen vita et scriptis, Olsnae.1845. 24. Notker von Lüttich und Heriger von Laubach. Notker war Propst in St. Gallen und wurde 972 als Nachfolger Ebrachars zum Bischof von Lüttich berufen. 3 ) Er verpflanzte die St. Gallische Gelehrsamkeit nach Niederdeutschland und hob dadurch Lüttich wieder zu einer der ersten Schulen des Reiches empor; denn die Einnahme der Stadt durch die Normannen (881) und die schweren Parteikämpfe, die Lothringen im 10. Jahrhundert zu bestehen gehabt, hatten die alte Pflege der Wissenschaften in Lüttich vernichtet. Ganz besonders nahm er sich der Schule an, deren Fächern er vielleicht das einst von den Iren gelehrte, aber aueji hier wohl außer Übung gekommene Griechisch hinzufügte, indem er den Kalabresen Leo in Lüttich aufnahm, der bis an sein Lebensende dort blieb. Mit berechtigtem Stolz erzählt später Anselm in der Lütticher Bistumschronik, daß aus Notkers Schule zu Lüttich eine ganze Reihe bedeutender Bischöfe hervorgegangen sei, 4 ) alles Männer, die später im Reiche eine große Stellung eingenommen haben. Notker selbst aber machte sich durch seine Kenntnisse ') Nämlich Widukinds von Korvei. (MG. SS. 25, 57,11 f.). 2 ) Danach bei Migne 138,17—170. 4 ) Darunter auch Bischof Adalbold von 8 ) Geweiht wurde er bei Bonn von Gero Utrecht, von Köln, vgl. Aegidius, Gesta episc. Leod. 50 220 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und seine Geschäftsgewandtheit dem ottonischen Hause unentbehrlich. Häutig erscheint er als InterveDient in Ottos II. Urkunden und zur Zeit Ottos III. bereitete er nicht nur diesem jungen Fürsten die Herrschaft in Italien vor sondern begleitete ihn auch in dies Land; er war mit Willigis und Hildebald einer der tätigsten Vorkämpfer des jungen Königs und stand daher mit dem Erzbischof Adalbero von Reims in lebhaftem politischen Briefwechsel. 1 ) Dreimal soll er in Italien gewesen sein, denn der Laubacher Annalist erwähnt seine Anwesenheit schon im Jahre 989, der Verfasser der Vita Adalberti bezeugt, daß Notker im Jahre 996 mit Adalbert aus Italien ins Reich zurückgekehrt sei (d. h. vom ersten Zuge Ottos III.) und Thangmar erzählt im Leben Bernwards, daß Notker auf der Synode von Todi zu Weihnachten 1001 anwesend war; also hatte er Otto III. auf seinem letzten Zug nach Italien begleitet und er erscheint auch bei Adalbold (im Leben Heinrichs II.) unter den deutschen Bischöfen, die Ottos III. Leiche nach Deutschland geleiteten. Daß er sich aber auch seines Bistums in hervorragender Weise annahm und in Lüttich schöne Bauten aufführen ließ und seine Kirche bereicherte, wissen Anselm und Folcvin zu rühmen, und der letztere erzählt, daß er besonders die Bücher der Bibliothek in Lüttich bedeutend vermehrte. Auch unter Heinrich II. blieb seine Stellung unerschüttert und der Kaiser benutzte ihn sogar im Jahre 1006 als Friedensgesandten an König Robert von Westfranken. Aber auch die römische Kurie gestand ihm eine wichtige Stellung zu, denn er nahm an den häufigen Reichssynoden und Bischofsversammlungen, die in seine Zeit fielen, öfters als Vertreter des Papstes teil. Als einer der bedeutendsten Bischöfe Lüttichs ist Notker im Jahre 1008 gestorben. Vielumstritten ist aber Notkers schriftstellerische Betätigung. Zunächst fällt es auf, daß sich keine Sammlung seiner Briefe erhalten hat 2 ) und überhaupt aus seinem Briefwechsel nur ganz weniges übrig blieb. Denn die Stellung des Mannes mußte es mit sich bringen, daß er eine ausgebreitete Korrespondenz unterhielt. Und auch sonst hat sich der alte literarische Ruhm Notkers fast in ein Nichts verflüchtigt. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die angeblich von ihm verfaßten Heiligenleben zwar durch ihn beeinflußt wurden, aber tatsächlich von seinem Lieblingsschüler und Vertrauten Heriger, dem späteren Abte von Laubach, geschrieben worden sind. So verhält es sich sogar mit der Vita Landoaldi, die noch am ehesten von Notker verfaßt zu sein scheint. Die Mönche von St. Bavo in Gent hatten nämlich einen Priester Sarabert an Notker geschickt und ihm einen Bericht über die Translation des Heiligen mitgegeben. Sarabert aber hatte, wie Holder-Egger nachwies, 3 ) nicht nur das Leben Landoalds sondern auch den Heiligen im Interesse von St. Bavo erlogen, und Notker sollte nun dem erfundenen Berichte durch seine bischöfliche Autorität die Glaubhaftigkeit ') Die Briefe Adalberos schrieb Gerbert, seiner Briefe nicht selbst schrieb, steht fest, vgl. Havet, Lettres de Gerbert Nr. 30. 39. , vgl. Holder-Egger, MG. SS. 15. 599, 27 ff. 42 f. 49. 65 f. Gerbert schreibt unmittelbar ! 3 ) Histor. Aufsätze dem Andenken an an Notker N. 193 p. 183. 2 ) Eine solche wird auch in keinem alten Katalog erwähnt. Daß er wenigstens einen G. Waitz gewidmet S. 626 ff. Von einem hl. Landoald ist nämlich aufäer seiner Lebensbeschreibung nichts begannt. Notker von Liittich und Heriger von Laubach. 221 verleihen. Notker hörte Sarabert an, ließ sich täuschen und trug dem Heriger auf, alles Gehörte aufzuzeichnen. So entstand jenes trügerische Machwerk, das sich beinahe als von Notker selbst verfaßt ausgibt. 1 ) Heriger erklärt nun im Prolog des Werkes — diesen Prolog aber verwandelte Notker in einen von ihm an Abt Womar von St. Bavo gesandten Brief und datierte ihn am Ende urkundenmäßig genau auf den 19. Juni 980 —, daß er mit Ausnahme dessen, was er aus dem Lütticher Episkopalbuch genommen habe, nicbts anderes berichte, als was der Priester Sarabert erzählt und was im Berichte Bavos gestanden habe. Dieser Sachverhalt wird durch den etwa gleichzeitigen Verfasser des Translationsberichtes bestätigt und noch im 13. Jahrhundert sah Aegidius von Orval den Brief Notkers zu St. Bavo in Gent. Bezeichnend aber für diese Lütticher Schriftstellern ist der Umstand, daß Heriger für jenen Brief eine ganze Anzahl Sätze mit Zitaten aus der klassischen Literatur seinem Prologe entnahm, den er den Gesta episcoporum Leodensium vorangestellt hatte. — Und eine ganz ähnliche Bewandtnis wie mit dem Leben Landoalds hat es mit der Vita Remacli: auch sie ist von Heriger verfaßt, oder vielmehr Heriger überarbeitete auf den Wunsch Werinfrids von Stablo die alte Lebensbeschreibung und versah sie mit einem Prolog. Diesem stellte Notker dann eine kurze Widmung an Werinfrid voran, wobei er sich derselben Worte bediente wie in der Widmung an Abt Womar. Später benutzte Heriger seine Arbeit, indem er den Prolog an die Spitze seiner Bistumsgeschichte stellte, als deren Kapitel 41—56 er die Vita Remacli selbst aufnahm. So konnte es kommen, daß man den Prolog zur Lütticher Bistumsgeschichte vor zwei Werken vollständig und verkürzt vor einem dritten liest, was für Heriger eben kein Lob bedeutet. Wahrscheinlich aber gehört dem Notker eine kleine mathematische Schrift an, die sich mit der Erklärung von Boethius' Arithmetik 2,1 beschäftigt. Nämlich Bubnov 2 ) hält es für wahrscheinlich, daß sich Otto III., bevor er 997 den Gerbert um Erläuterung dieser Stelle bat, an Notker gewendet hat 3 ) und erst dann von Gerbert weiteren Unterricht verlangte, als die Auskunft Notkers unsicher ausgefallen war. Daß Notker also für die Hebung der Schule in Lüttich viel geleistet hat, steht fest, daß er aber als Schriftsteller aufgetreten ist, läßt sich bei ■dem Mangel fast aller sicheren Unterlagen nicht erweisen und ist daher unwahrscheinlich. Zeugnisse. Notkers Geburtsjahr ist unbekannt. Als Propst in St. Gallen erwähnen ihn die Annal. Hildesheim. 1008 (MG. SS. 3. 93, 25) Nohtgerus preposäus moriasterii b. Galli Leodicensispraesul. Erhebung zum Bischof J ) Anselmi gesta episc. Leod. 25 (MG. SS. 7.203, 2) Substitutus est Ewracro 46 Nokenis genere guidem Älamannus und Annal. Laub, und Leod. 972 (MG. SS. 4, 17, 27) Notherus fit episcopus. Sorge für die Schule bei Anselm gesta 28 p. 205, 2 Maxima tili cicra educandos pueros erat sollicitudo. Zum Kalabresen Leo (Hauck 3,326) vgl. Rupert Chron. s. Laurentii Leod. 10 (MG. SS. 21, 266,3) Post haec Leonem guemdam ex nobi- lissimis Graecorum episcopum venientem ad se profugum cum suis excepit, qui bello Cala- brico . . . expulsus fuerat a Gh-aecis asseventibus quod Romanis Calabriam prodiderit . . . hie ilhan saneto in loco sanetoque proposito manere et de ecclesia vivere cum suis instituit et 1 ) Vgl.l,10(Mignel39,1117A)feneraö«7e»i I an Konstantin von Fleury gerichtet und später virum antecessorem nostrum ... Evraclum. \ auch an Otto gesendet. 2 ) Gerberti opera mathematica p. 297 n. 1. | 4 ) Die Weihe bei Bonn durch Gero von 3 ) Bubnov a. a. O. S. 297 n. 1 meint, I Köln erzählt Aegidius von Orval (MG. SS.25, ■Gerbert habe seine Erklärung der Stelle erst I 57,11 f.) in c. 50 (23. April 972). 222 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. sancte vivendo hie usque in finem perseveraoit. Zu den berühmten Schülern Notkers 1 ) An- selm gesta 29 p. 205,25 Multique tantam apitd eum . . . assecuti sunt perfeetionem ut idonei rectores fierent animarum. Ex Ulis enim multae aecclesiae se gavisae sunt pastores habere quarum Salzburgensis . . . archiepiscopum habebat Gunterum, Cameracensis . . . Ruothardum-) et Kilewinum, Wirdunensis Heimonem, Tullensis Hezelonem, Traiectensis Adeboldum ... . Ex qilibus Durandus postea noster episcopus Baoenbergensem aecclesiam religionis et arcium liberalium discvplinä ilhtstravit . . . Quid dicam de Hupaldo, qui dum adolescentulus a Scolari diseiplina hinc aufugisset, Parisius venit, canonicis s. Genofevae virginis adhesit in brevi multos scolarium instruxit? Verbindung mit dem Kaiserhause Aegidius c. 50 (MG. ISS. 25, 57. 16) de scolis ad palatium transferri meruit. Notker als Interveniert in Urkunden (973—1007) vgl. G. Kurth, Notger de Liege 2,63—87 und MG. SS. 7,447, 33; 448,15. Verhältnis zu Otto 111. in Gesta abb. Lobiensium (MG. SS. 21,309) nee in Lotharingia solum sed et in ltalia, ubi Othoui seeundo (!) adhuc puero regnum preparabat 3 ). Die Gesandtschaft nach Westfranken bei Anselm gesta 29 (MG. SS. 7, 205,40) Contigit cuttern non multo post Nokerum episcopum ut concüiaret amieieias inter Ruopertum Francorum regem et impera- torem nostrum Heinricum Parisius devenire. Zur Anwesenheit in Italien Ann. Laub. 989 (MG. SS. 4,18,3) Notkerus episcopus oadit Romain et H.*) cum eo; Vita S. Adalberti 22 (MG. SS. 4, 591,29) cum summae discrecionis isiro Notherio episcopo ultra Alpes proficiscitur, d.h. im Jahre 996 kehrte Notker mit Adalbert aus Italien zurück; Thaugmari vita Bernwardi 36 (MG. SS. 4, 774,8) De nostris quoque consederunt (d. h. auf der Synode von Todi 1001) Not- gerus Leodieensis. Begleitet Ottos III. Leiche nach Adalboldi vita Heini. 3 (MG. SS. 4, 684, 31) Ottone imperatore defuneto Cisalpini qui eum eo erant archi episcopus Coloniensis, episcopi Leodieensis . . . cum maxima difficultate et periculis pluribus per Veronam per Ba- variam eadaver ipsius reportabant. Von Notker heißt es bei Anselm (MG. SS. 7,206, 13) c. 30 Quem summi proceres antistes dico Romanae urbis pariterque Imperator tanto honore dignum duxerunt ut alter eorum papa videlicet in diseeptationibus praesulum cisälpinorum viee sua sequestrum sepe esse iusserit, Imperator vero in disponendis regni negotiis priiniim habuerit. Zu den Bauten etc. in Lüttich vgl. Anselm gesta 25 ff. (MG. SS. 7,203 ff.) und Folcvin gesta abb. Lob. 29 (MG. SS. 4, 70,27) nullus praedecessorum suorum... Mo (Notker) um- pliusLeodicensem ecclesiam rebus auxit, aedifieiis nobilatavit; über die Bibliothek daselbstp. 71, 5 de multiplicatione librorum in armario non vacat dicere. Schon die Briefe Adalberos au Notker setzen eine umfassende Korrespondenz voraus, vgl. Ep. 49 (Havet. Lettres de Gerbert p. 46) Spectabile faciunt nomen vestrum präesentia tempora. Der Tod in den Ann. Laubionses und Leodienses 1008 (MG. SS. 4, 18, 22) Obiit Notkerus episcopus, succedit Baldrians. Ein Leben Notkers ist eist reichlich hundert Jahre nach seinem Tode verfaßt, aber verloren gegangen, nur hat Aegidius von Orval in seinen Gesta pontif. Leodiensium 2.50—58 große Stücke daraus erhalten, wie L. Weiland, Hist. Zeltschr. 46, 496 darlegte, der aus den zahlreichen Hexametern bei Aegidius schloß, daß es neben dem prosaischen auch ein Leben Notkers in Versen gegeben habe; das ist aber nicht wahrscheinlich, denn viele Geschiclit- schreiber und Biographen des 11. und 12. Jahrhunderts streuen giößere poetische Partien in ihre Prosa ein. Daß dies Leben Notkers um 1150 wohl von Hugo von Lobbes verfaßt wurde, meint G. Kurth (Compte rendu des seances de la commiss. roy. d'hist. Serie 4, Bd. 17, 375 ff.), während U. Berliere an den Lütticher Kanonikus Alger als Verfasser denkt (Rev. Benedictine 8.309—312). Zur Vita S. Landoaldi.'"') Die Bitte der Mönche von St. Bavo im Prolog (Migne 1S9, 1109 C) Postulare . . . non dubitastis ut ex mirabilibus . . . vobis insuper praerogatis in trans- latione S. Landoaldi archipresbgteri et sociorum eius revelatis . . . debeamus . . . vestrae satis- facere petitioni . . . Sed quanta audivimus et cognovimus ea . . . rogatis scripto . mandanda. Zu Sarabert und den Quellen der Vita daselbst 1112 A testamur nos parum hie aliud posuisse quam quae aut a presbytero Saraberto — id sancte iurante a vobisque ut ipse retulit, fortiter et liorum merita sanetorum obtestato — audivimus aut in scripto vestro delato fideliter man- data reperimus, exceptis duntaxat iis quae ex episcopali nostro decerpta huic schedulae pro temporis ratione videbantur praeponenda. Valete. Datum XIII Kai. Jul. anno dominicae in- carnatiom's 980 etc. Die Bestätigung in der Hist. transl. et elevat. s. Landoaldi 2,15 (Acta SS. Mart. 3,45 F) Iubente itaque eodem eximio pontifice (sc. Notkero) ibidem miracula quae ') Ueber Notkers umfassende Lehrtätigkeit vgl. E. Voigt, Egberts von Lüttich Fe- eunda ratis p. XV—XVII. z ) Brief der Laubacher Mönche an Ruot- h'ard und Notker in Gesta episc. Cameracensium 106 (MG. SS. 7,445,13 ff.). 3 ) Dagegen ist des Aegidius Nachricht c. 53 (MG. SS. 25, 60,6) prerogatioa bone fidei et meritorum constitutione prineipum curia feett eum patronum puerilis etatis Oltonis impera- toris wohl späte Erfindung. 4 ) Bezieht sich jedenfalls auf Heriger. 6 ) Vgl. hierüber kurz Uhlirz, Jahrbücher d. deutsch. Reichs unter Otto II. und Otto III. Bd. 1,132 n. 8. Notker von Lüttich und Heriger von Laubach. 223 dimdgaverant sunt collecta et per dominum Herigerum didascalum ac musicae artls peri- Uim breviter . . . descripta necnon et ipsius episcopi sunt auctoritate roborata insuper sigilli aui impressione munita atque domino abbati ac Omnibus fratribus Cfandensibus fideliter missa. Aegidius' Bericht c. 58 (MG. SS. 25, 62. 35) Epistolam operis eius sententie valitudine et ornatu verborum lucidum de puericia b. Lamberti et merito Landoaldi. confessoris et Landrade oirginis oppido Fländrie Gandis in ecclesia s. Bavonis legi. Die Sätze aus dem Prolog zu den Gesta episc. Leod. sind in Notkers (d. h. Herigers) Briefen Migne 139, 1110C suspensam meutern — IUI A praesumpserit venenare; hier stehen Zitate aus Horaz, Sallust und Claudia!!. 1 ) — Zur Vita Remacli. Das Leben des Remaclus wird eröffnet durch einen Brief an Werinfrid von Stablo, der aber in seinem ganzen Text wörtlich auch als Vorrede Herigers zu den Gesta gedient hat; darauf folgt dann das eigentliche Leben des Heiligen, das in einer stilistisch umgearbeiteten Redaktion später als Gesta 1,41—56 mit einer kleinen Auslassung (Migne 139,1166 A) und mit kleinen Erweiterungen durch Zitate erscheint, die Heriger in c. 55 anhäufte. Kommentar zu Boethius Arithm. 2,1. Im Monac. 18764 steht von f. 78b—79' ein kleiner Traktat Nohtgerus de superparticuiari liaec, der am Eude unvollständig ist. Gerberts Erklärung der Stelle steht Bubnov, Gerberti opera mathematica p. 32—35, Notkers (erste Ausgabe) daselbst p. 297 ff. Daß hier unter Notker der Bischof von Lüttich zu verstehen ist, ergibt sich wohl schon daraus, daß der diesem so nahestehende Heriger wie auch Notkers Schüler Adalbold sich in der Mathematik auszeichneten. Herigers Herkunft ist unbekannt. Er war Mönch in Lüttich und trat in sehr enge Beziehungen zu Notker. Der Verfasser der Gesta abbatum Lobicnsium erzählt, daß Notker sich seiner Hilfe nicht nur in Sachen bedient habe, die auf die Kirche Bezug hatten, sondern auch in Reichsangelegenheiten seinen Rat verwendete, wie z. B. für die lothringische und italienische Politik. Jedenfalls würdigte er ihn als gründlichen Kenner der älteren Lütticher Bistumsgeschichte, die Heriger bis zum Tode des hl. Remacl us vor 980 fertiggestellt hatte, denn am 19. Juni 980 schrieb ja Notker mit Hilfe Herigers an Wornar von St. Bavo den oben besprochenen Brief, in den Heriger ein ganzes Stück aus dem Prolog dieser Geschichte aufnahm. Wahrscheinlich war Heriger, der sich auch durch Kenntnisse in der Musik auszeichnete, damals schon Lehrer in Lüttich; als solcher wird er besonders gerühmt und manche seiner späteren Schüler (in Laubach) wie Albert von Gembloux und Wazo von Lüttich zeichneten sich durch hohe Bildung aus. 2 ) Notker ließ sich 989 von ihm auf einer Romfahrt begleiten und noch bei der Rückkehr wandten sich die Laubacher Mönche an Bischof Ruothard von Cambrai und an Notker von Lüttich in einem Briefe mit der Bitte, ihnen Heriger als Abt zu bestätigen, der sich wohl als berühmter Lehrer und als Freund Notkers . zu dieser Stellung besonders eignete. Im Jahre 990 erfolgte seine Anerkennung als Abt in Laubach und er bekleidete diese Stellung unter großem Erfolge als Lehrer der freien Künste. Aber auch in den christlichen Wissenschaften arbeitete er mit Emsigkeit und zwar besonders mit dem Mönch Hugo, der später sein zweiter Naehfolger in der Abtwürde wurde. Er galt den Zeitgenossen als großer Gelehrter und starb im Jahre 1007. Gesta episcoporum Leodiensium. Heriger leitet dies Werk mit dem der Vita Remacli entlehnten Prologe ein, in dem er mit einer Menge von Zitaten aus der alten Literatur prunkt; hier erscheinen Stücke aus Cicero, ') Dieser Dichter ist damals noch wenig | s ) O. H irzel (AbtHerigervonLobbesS.21) bekannt, vgl. Manitius, Philo!. 49,555ff. I nennt neben Burchard von Worms auch Adal- und Philologisches aus alten Bibliotheks- katalogeu S. 103 ff., sowie Claudian ed. Koch p. XVIHf. und XLVII; die Ueberlieferunggeht meist nicht über das 11. Jahihundert zurück. bold von Utrecht als Schüler Herigers; von Adalbold ist das allerdings nicht bezeugt, nur wahrscheinlich. 224 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Terenz und besonders Horaz und sogar aus Martial und Claudian. Die Schrift selbst setzt mit einigen augustinischen Gedanken ein und die Erzählung leitet von Petrus über zu den von ihm gesandten Glaubensboten, deren Tätigkeit in der Stadt Tungri den Heriger zur Anführung der Plinius- stelle über Tungri x ) bringt. Dieser ganze erste Teil beruht auf dem Leben des hl. Eucharius, Valerius und Maternus. 2 ) Die folgenden Stücke stammen aus Jordanis, dem alten Leben des hl. Servatius, 3 ) dem Leben des Lupus von Troyes, aus Einharts Leben Karls des Großen, aus dem Leben des Remigius von Hincmar, aus dem Leben des hl. Amandus von Baudemund und endlich das ganze Leben des hl. Remaclus, bis zu dessen Tod (667) sich Herigers Arbeit erstreckt, die also nur im Zusammentragen von älterer Literatur besteht. Charakteristisch für den Verfasser ist wieder das vorletzte Kapitel seines Werkes. Hier ermahnt nämlich Remaclus seine Mitbrüder zu christlicher Tugend und läßt nun einen ganzen Schwall meist unverbundener Anführungen aus der alten Literatur los; Prosa mischt sich mit Poesie, und Cicero steht neben Horaz, Vergil und Sallust, sogar der ganz seltene Tibull fehlt nicht. 4 ) Geschichtlich ist daher das Werk ganz unbedeutend, es hat nur Wert für die Überlieferung der darin benutzten Schriften. Später wurde diese Bistumsgeschichte durch eine zweite solche ergänzt, die der Domherr Anselm geschrieben und dem Anno von Köln gewidmet hatte; dessen Werk wurde nämlich von einem andern Domherrn bis auf Remaclus' Zeit vernichtet und dem übrig bleibenden Teile der Bericht Herigers vorangestellt. Wodurch Heriger abgehalten wurde, das Werk bis auf seine Zeit fortzusetzen, ist nicht bekannt, aber mit O.Hirzel 8 ) die Erblindung als Grund anzunehmen, dürfte kaum statthaft sein, da ja die Gesta vor 990 und bald nach der Vita Remacli geschrieben sein müssen, deren Prolog schon in der vor 980 verfaßten Vita Landoaldi benutzt ist, und die Gesta c. 21 einige Verse aus dem Leben des hl. Ursmar anführen. Heiligenleben. Mit einer Reihe von Heiligenleben hat Heriger wohl seine literarische Laufbahn begonnen. Das früheste scheint das Leben des Remaclus gewesen zu sein. Abt Werinfrid von Stablo hatte an Notker die alte Lebensbeschreibung des Heiligen mit der Bitte gesandt, die Schrift zu erweitern und stilistisch zu bessern. Notker übertrug die Arbeit dem Heriger, versah aber dann dessen Prolog mit einer Widmung an Werinfrid, so daß das Werk beinahe als von ihm selbst verfaßt gelten konnte. Heriger beruft sich im Prolog auf Vorgänger, nämlich auf Hildvin von St. Denis mit der Passio Dionysii und auf Hincmar von Reims mit der Vita Remigii und er berichtet, daß er außer dem Leben des Heiligen auch eine Sammlung'angelegt habe, in der er die Taten und das Leben der übrigen Bischöfe der Lütticher Diözese bis zu seiner Zeit aufgezeichnet habe, d. h. er hatte J ) Plin. nat. hist. 31,12. j die Vita s. Ursmari vor der Lütticher Bistums- 2 ) Dies erst um 900 geschriebene Leben I geschiente geschrieben ist. befand sich s. X zu Egmond (Archief voor j 4 ) Eleg. 3, 3,21. Der Vers steht auch in Nederl. Kerkgesch. 2,143). •*) Mit metrischen Einlagen (c.21) aus Herigers Vita s. Ursmari (Migne 139,1126 Vs.30—32 und 35). Daraus ergibt sich, daß den Freisinger Exzerpten im Monac. 6292 s. XI, vgl. die Ausgabe von L. Müller p. IX. 5 ) Abt Heriger von Lobbes (Leipz. 1910) S: 25. Notker von Lüttich und Heriger von Laubach. 225 damals schon das Material für die künftigen Gesta gesammelt. 1 ) Wenn nun im Prolog der Vita wie im Epilog der Gesta Herigers eine ganz ungewöhnliche Vorliebe für die Häufung von Zitaten aus alten Autoren hervortritt, so bemerkt man in der eigentlichen Lebensbeschreibung nichts davon, höchstens daß* hier c. 1 auf Caesar de bello Gall. 1, 1,1 angespielt wird. 2 ) Heriger bedient sich hier einer verhältnismäßig einfachen und ungekünstelten Sprache, obwohl sie von Schwulst keineswegs frei ist. Ein zweites Heiligenleben, die Vita Ursmari, die in Hexametern verfaßt ist, hat sich anscheinend nur in Fragmenten (das größte 154 Verse) erhalten. Daß Heriger ein metrisches Leben des Ursmar schrieb, wird in der Klostergeschichte von Lobbes bezeugt 3 ) und Mabillon fand in einer Handschrift aus Verdun dies Leben auf, das dort auch die Autorschaft Herigers an der Spitze trägt, obwohl der Verfasser hier unrichtig Abt genannt wird. In dem Fragment 4 ) wird erst die Christianisierung Galliens kurz berührt, dann die Gründung von Laubach mit vielfacher Berührung an die Vita Remacli dargestellt; mit kurzer Erwähnung von Ursmar schließt es. Im Jahre 980 verfaßte Heriger, wie wir oben sahen, die auf gefälschter Grundlage beruhende Vita Landoaldi, deren Prolog, der teilweise dem der Vita Remacli entstammt, Notker eine Widmung an Womar von St. Bavo voranstellte. Aber auch sonst ist hier die Vita Remacli benutzt, denn das erste Kapitel beider Werke ist fast gleichlautend. Die ganze Schrift ist übrigens kein Leben des Heiligen, der ja gar nicht gelebt hatte, sondern eigentlich nur eine Aufzählung von Heiligentranslationen und Wundertaten. Und da auch in der Vita Hadalini das Leben des Remaclus benutzt ist 5 ) und auch tatsächlich Bezug auf sie genommen wird, 6 ) so dürfte Kurth mit der Zuweisung auch dieser Lebensbeschreibung an Heriger recht haben. Chronologische und mathematische Arbeiten. Der Verfasser der Gesta abbatum Lobiensium erzählt, daß Heriger an einen Hugo über verschiedene Fragen geschrieben habe, und berichtet, daß dieser Hugo (1033) Abt geworden sei. Dieser Traktat hat sich erhalten. Hierin setzt Heriger zuerst auseinander, welches das Jahr der Geburt Christi sei und wie sich die Differenzen bei Beda und Dionysius erklärten. Dann handelt er über das Osterfest und stellt Hugos weitere sieben Fragen aus dem Gebiet der kirchenhistorischen Chronologie zusammen, ohne die nötigen Erklärungen zu geben. Aus dem Schriftchen ergibt sich, daß Heriger nicht überall mit der herrschenden Auffassung der Kirche übereinstimmte, sondern öfters daran Kritik übte. Verloren scheint eine weitere Schrift zu sein, die ebenfalls in den Gesta erwähnt wird, nämlich ein Dialog Herigers mit dem späteren Utrechter Bischöfe Adalbold über die Verschiedenheit der Advents- ') Daß die Vita Remacli den Gesta vorher- Vita Ursmari bei Gilles Waulde, La vie et geht, ergibt sich aus diesen Worten und beson deis aus den folgenden Vitam inde excerptam rotis tuis porrexi (Migne 139, 1150 A). 2 ) Vita Rem. 1 (Migne 139,1151D) Eam Aquitaniam quidam volunt fere tertiam esse Galliarum partem. 3 ) Gesta abbat. Lobiensium (MG. SS. 21, 309,22) Scripsit metricostiloritams. Ursmari. ' erit reperire. 4 ) Potthast S. 1615 sagt, daß die ganze | Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 15 miracles de s. Ursmer (Mons 1628) abgedruckt sei; das ist aber falsch, da sich dort keine Spur findet. 5 ) Vgl. Kurth, Notger de Liege p. 339 n. 4. 6 ) In c. 2 (Migne 139,1141B) in eins (seil. Remacli) vitae libro quieunque velit pot- 996 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. berechnung in der Kirche. Wir wissen über diese Schrift nur etwas durch Bern von Reichenau, der im Jahre 1021 (oder 1027) an Aribo von Mainz in einem Briefe sich hierüber kurz ausläßt, ohne sie selbst zu kennen; Heriger habe darin den Beweis geführt, daß man nur vier Adventssonntage feiern dürfe, wenn man die Vorschriften der altchristliche'n Zeit halten wolle. Alberich von Trois-Fontaines erwähnt zum Jahre 990, daß Heriger Regule numerorum super abbacum Gerberti verfaßt habe. Diese Schrift ist erhalten und früher von Olleris unter Gerberts Namen gedruckt worden, 1 ) doch hat Bubnov erwiesen, daß sie Heriger angehört. Dieser hat Gerbert nicht gekannt und er wird auch in dessen Briefen nicht erwähnt, auch hat er weder die Kunst des Abacus von Gerbert gelernt, noch dessen Werk Regulae de numerorum abaci rationibus benutzt. In seinem Werk ist vieles enthalten, was bei Gerbert fehlt, und in Kap. 19—21 wird eine neue Divisionsmethode gelehrt; nur an einer Stelle 2 ) berichtet er Ähnliches wie Gerbert, und er hat hier die gleiche Quelle benutzt, die auch von Abbo und von Walther von Speier verwendet wurde. Diese Quelle war nach Bubnov (p.4) vor 970 geschrieben und dem Gerbert noch nicht zur Hand, als er 980 seinen Brief an Konstantin von Fleury schrieb (Bubnov p. 6, 6 f.). Heriger erwähnt den Gerbert an ganz anderer Stelle, wo er sich auf eine völlig unbekannte Schrift des großen Gelehrten bezieht. Übrigens sind die Regulae Herigers keineswegs ein Kommentar zu Gerberts Werk, wie Alberich sagt; sie finden sich mehrfach in Handschriften und wurden später auch zweimal in kürzere Bearbeitung gebracht. Sigebert (und nach ihm die Klostergeschichte von Laubach) erwähnt, daß Heriger in einer gegen Ratbert 3 ) gerichteten Schrift eine große Reihe Väterstellen über die Eucharistie zusammengebracht habe. Man hielt diesen Traktat nach Mabillon mehrfach für den anonym De corpore et sanguine domini überlieferten. Doch hat Hauck 3, 320 n. 3 nachgewiesen, daß dieser weder von Heriger noch von Gerbert verfaßt sein könne,, und der Traktat ist denn auch durch die Entdeckung des alten Katalogs von Laubach (Lobbes) wirklich aufgefunden worden. Die alte Handschrift 4 ) enthielt an erster Stelle die Schrift Herigers und hinter ihr standen zwei Werke Ratrams, und aus ihr ist Ratrams De praedestinatione herausgegeben worden; 5 ) die Handschrift ist noch vorhanden und es existiert auch eine Abschrift von ihr. Herigers Arbeit aber ist lediglich eine Sammlung älterer Zeugnisse 6 ) und Väterstellen zur Lehre von der Eucharistie und nur am Schluß findet sich eine Mahnung des Zusammenstellers, also Herigers; auch sind vielleicht einige Randbemerkungen von ihm hinzugesetzt worden. Also ist die Schrift ein neues Zeugnis für die kompilatorische Methode Herigers; sie ist nicht gegen Radbert, sondern gegen Ratram gerichtet und diese Namen mag Sigebert verwechselt haben. Endlich erzählt der Verfasser der Abtsgeschichte >) Oeuvres de Gerbert p. 311—324. 326 __ggg 2 ) 2, 15 ed. Bubnov p. 216, 16 ff.; die entsprechende Stelle bei Gerbert Regulae 2, 5 ed. Bubnov p. 18,24 ff. 3 ) Statt dessen ist vielleicht Raihramnwm zu lesen. 4 ) Revue des bibliotheques 1,11 N. 116. 6 ) Mauguin, Vindic. praedestin. etgratiae Bd. 1 (Paris 1650). 6 ) Fol. 12—14 b stammen aus Radbert, De corp. et sang, domini (ed. Martene et Durand, Thesaur. 9,433-436). Notker von Lüttich und Heriger von Laubach. 227 von Laubach, daß Heriger zwei Antiphonen auf den Apostel Thomas „0 Thoma Didime" und „ 0 Thoma apostole" beginnend verfaßt und einen Marienhymnus „Ave perquam" gedichtet habe. So erscheint zwar Herigers Schrift- stellerei vielseitig und ausgedehnt, aber dem inneren Werte nach ist sie nicht eben bedeutend, sie begnügt sich fast lediglich mit der mehr oder weniger geschickten Wiedergabe älteren Stoffes; allerdings verfügte er über eine nicht geringe Literaturkenntnis. Zeugnisse. Ich stelle die wichtigsten voran, nämlich die Nachrichten aus der Laubacher Abtsgeschichte und Sigebeits. In den Gesta abb. Lob. heißt es (MG. SS. 21,309) Herigerus . . . In tantum enim predicto venerabili Nothgero carus et familiaris fuit ut non solum in domesticis vel ecclesiasticis rebus sed in palatinis quoque negotiis, guorum tunc tempovis precipuus erat executor, idem ejyiscopus inter primos eum semper habuerit, nee in Lotharingia solum sed et in Itcdia _. ..22 Scripsit gesta pontificum Leodiensium. Scripsit metrico stilo vitam s. Ursmari. Scripsit ad Hugonem epistolam de quibusdam questionibus et alia quedam que composuit sed non exposuit. Scripsit sub sua et Adelboldi persona Leodiensis clerici postea Ultraiectini episcopi dialogum de dissonantia ecclesiae de adventiv domini. Congessit etiam contra Ratbertum multa catholicorum patrum scripta de corpore et sanguine domini . .'. In honore etiam eins (seil. Thomae) duas antiphonas ,0 Thoma Didime' et ,0 Thoma apostole' composnisse dicitur et hymnum de s. Maria virgine ,Ave perquam' et quedam alia. Sigebert De Script, eccl. 137 (ed. Miraeus p. 151) Herigerus abbas Lobiensis Jitterali scientia clarus scripsit gesta pnntißcum Leodiensium. Scripsit metrico stilo lauda- biliter vitam sancii Ursmari. Scripsit ad Hugonem epistolam de quibusdam quaestionibus , scripsit sub sua et Adelboldi episcopi persona dialogum de dissonantia ecclesiae de adventu domini. Congessit etiam contra Ratbertum multa catholicorum patrum scripta de corpore et sanguine domini. In der Hist. transl. Landoaldi 2.15 (Acta SS. Mart. 3,45F) heißt es per dominum Herigerum didascalum ac musicae artis peritum . . . descripla. Zur Romfahrt s. oben. Abtwahl Annal. Laub. 990 (MG. SS. 4,18,5) Obiit Fulcuinus, substituitur Herigerus natali domini. Sigebert rühmt ihn im Chronicon 994 (MG. SS. 6,353,37) Florebant hoc tempore in scientia literarum in Lotharingia Herigerus abbas Lobiensis. Bitte der Laubacher Gesta episc. Camerac. 106 (MG. SS. 7,445,14) Laubienses monachi . . . domnum Rothardum epi- scopum et Nocherum Leodecensium epistolariter aggressi subrogari sibi abbatem Herigerum ... petierunt ... 29 nulluni hoc tempore aptiorem invenire potuimus quam domnum Herigerum. Zu Olbert und Wazo Gesta abb. Gemblac. 26 (MG. SS. 8,536,4) In coenobio Laubiensi a puero . . . nutritus (seil. Olpertus) et in studiis litterarum adprime eruditus. Hie tibi ex ore Hcrigeri Lobiensium abbatis viri suo tempore disertissimi aliquid de septiformi sapore artium bibit.; 55 p. 541 Wathonis . . . quod eius (Olperti) condiseipulus et apuero fuerat contubernalis. Beschäftigung mit christlicher Literatur Gesta abbat. Lobiens. 5 (MG. SS. 21, 310, 24) Hugo abbas eligitur . . . Ipse est ad quem predictus Herigerus familiariter de quibusdam scripsit questionibus et quem in scripture sacre indagine pro studiorum similitudine socium habuit. Zum Tode Annal. Laub, und Leodicenses 1007 (MG. SS. 4,18, 20) Obiit Herigerus, substituitur Ingobrandus. Die Gesta episc. Leodiensium wurden benutzt in den Gesta Treverorum, vom Verfasser der Vita s. Servatii und von Nikolaus in der Vita s. Lamberti; das Verhältnis zur Fortsetzung durch Anselm klärt die zweite Vorrede auf, d. h. die Widmung, die Anselm an Anno von Köln sandte (bei Migne 139. 999 A). Die Cicerozitate 1 ) im Prolog (eigentlich der Vita Remacli) und im Epilog beziehen sich auf die Tuskulanen, die Catilinarien und auf De oratore; das letztere Werk ist in alten Katalogen vor s. XII selten, und spärlich ist auch die heutige alte Ueberlieferung. Die wichtigsten Hss. der Gesta sind Guelferbyt. 2738 s. XI f. 47, Paris, nouv.acq. 812 s. XII und Hag. A 23 s. XII. Ausgabe von R. Köpke, MG. SS. 7,134 ff. (= Migne 139,957 ff.). Im Prolog der Vita Remacli der Wunsch Werinfrids (Migne 139, 1149B) obtulisti libellum de vita tarn nostri quam cestri specialis patroni domini scilicet Remacli, conquestus propter ineuriam tarnen praedecessorum vestrorum brevius quam ut res postularet pro magni- tudine gestorum eius esse eruditam. Simulque visus es .. . exhortari, ut eam non modo exemplari verum aliquanto lepidius mandarem poliri ... Igitur adorsus sum et . . . ei muneri libenter acquievi}) Berufung auf Vorgänger col. 1149D Fecerant hoc idem iamdudum .. . Hlldvinus abbas in passione s. Dionysii, Hincmarus archiepiscopus in vita s. Remigii et alii quam plurimi. Stoffsammlung col. 1150 A Et ne hie labor ... inferdeiter fiat, non eius modo.... ') Ich habe es leider übersehen, Bd. 1,482 I schreibt, so klingen diese Worte so, als ob hierauf aufmerksam zu machen. ' er das Leben des Remaclus geschrieben habe. 2 ) Da Notker die Widmung am Anfang 15* 228 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Remacli verum ceterorum nostrae sedis pontificum tempora et gesta-, quae undecumque potuere corradi, ad nostra usque tempora collegi et cuius potisshmim anhelabas desiderio, vitam inde excerptam votis tuis porrexi. Hs. z. B.Vat. reg. 1316 s. XI. Ausgabe MG. SS.V11,180—189. Das Fragment der Vita Ursmari zeigt meist, aber nicht ausschließlich leoniniache Hexameter. Die Aufschrift in der alten Hs. aus dem Vitonuskloster zu Verdun Vita s. Ursmari confessoris atque pontißcis cenerabilis Herieri abbatis industria metro hexametro honorifice composita. Das Gedicht bestand nach Mabillon (Acta SS. ord. s. Benedicti4,557) aus zwei Büchern mit über 1000 Versen. Das Fragment bei Mabillon 3,1,608, danach Migne 139, 1125; andere kurze Fragmente in den Acta SS. April. 2,558, aus denen hervorgeht, daß Heriger mit der Weltschöpfung begann. Die Widmung der Vita Landoaldi Notgerus quem etsi indignum s. Markte sa>ictique Lamberti mancipium praedicant tarnen episcopum, Womaro venerabili in Christo patri et fratribus Gandensibus, der Eingang entspricht also genau dem der Widmung der Vita Remacli; im übrigen vgl. oben. Die Hss. Gand. 150 s. XI und Brug. 404 s. XIII; Ausgaben Acta SS. Mart. 3,35 und Migne 139,1109, mit einigen Auslassungen MG. SS. 15, 601 —607. Vgl. besonders Holder-Egger, Histor. Aufsätze dem Andenken an G. Waitz gewidmet S. 623ff. Daß die Vita Hadalini auch von Notker beeinflußt ist, ergeben die Worte c. 7 (Migne 139, 1145 A) qui tunc temporis aderatpraesul cuius nunc deo annuente nomine non proh nefas'I merito formulamnr sedi; denn diese Worte lassen sich doch nur von der bischöflichen Tätigkeit Notkers in Lüttich verstehen. Ausgaben Acta SS Febr. 1,372, Migne 139,1141. Epistola ad Hugonem. Außer der Erwähnung milden übrigen Werken auch Gesta abb. Lob. 5 (MG. SS. 21, 310,24) Hugo abbas eligitur . . . Ipse est ad quem predictus Herigerus familiariter de quibusdam scripsit questionibus. Zuerst spricht Heriger über die Verschiedenheit des evangelischen Berichtes mit dem des Dionysius, hieran schließt sich dessen Differenz mit Beda, dessen Liber de temporibus (col. 1132A) angeführt wird; col. 1131B De Kaiendario autein vel annis domin ieae incarnationis propter inscitiam temporum magna est consuitatio chronographorum. Die historische Auseinandersetzung über Ostern (nach Beda) ist ziemlich ausführlich und bei dem jüdischen Passahfest wird auch Plinius angeführt. Gegen Schluß (col. 1154A) Haec frater dilectissime summatim breviterque quia per memetipsum infirmitate interpellante et oculoriim acie iam caligante seribere non potui; dies bezieht sich auf die folgenden sieben Fragen Hugos, die die nötige Erklärung nicht erhielten, wie es auch in Gesta abb. Lob. (MG. SS. 21, 310) heißt Scripsit ad Hugonem epistolam de quibusdam quaestio- nibus et alia quedam que composuit sed non exposuit. Ausgaben: Martene et Durand, Thes, nov. anecdot. 1,112. Migne 139,1129. Dialogus de dissonantia ecclesiae de adventu domini. Dieser Dialog zwischen Heriger und Adalbold wird von Sigebert und in den Gesta erwähnt, vgl. oben. Die Anführung der verlornen Schrift durch Bern von Reichenau im Briefe an Aribo bei Jaffe, Bibl. rer. Germ. 3, 368 Sed et abbas Herigerus vir non parvae auctoritatis nostris temporibus proprium super hac re libellum compossuit, in quo, ut asserunt qui illum legerunt, proba- bilibus argumentis eos convincit contra patriim instituta agere, qui plus quam quatuor dominicos dies adventus domini celebrare contendunt. Regulae numerorum super abacum. 1 ) Alberichs Erwähnung Chron. 990 (MG. SS. 23, 775,19) Herigerus fit abbas Lobiensis septimus litterarum scientia clarus, cuius habentur regule numerorum super abbacum Gerberti; in multis studebant antiqui, que hodie habentur derisui. Der Brief Gerberts an Konstantin (Bubnov p. 6 ff.) steht bei Havet, Lettres de Gerbert p. 238. Erwähnung Gerberts bei Heriger Epist. ad Hugonem (col. 1134A) Quod dictum adversus haeresim, quae nuper exorta est, valet plurimum, domno Gerberto Main ex concilio Toletano praerogante. Hss. Monac. 14689 s. XII; Vat. reg. 1071 s.XI— XII, 1661 s. XI—XII; Bern.299 s. XI; die Verkürzungen stehen (1) in Leid. Seal. 38 s.XI, Casin. 189 s.XI-XII, Oxon. St. Johns Coli. XVII a. 1110 und (2) Paris, fonds Baluze 129 s. XVI—XVII. Einzige Ausgabe Bubnov, Gerberti op. mathem. p. 208—225, vgl. 205 n. 1. De corpore et sanguine domini. Die alte Aufschrift in Laubach von 1049 (Rev. des bibl. 1,11 N. 116) heißt Herigeri abbatis exaggeratio plurimorum auetorum de corpore et sanguine domini vol. 1. Ratranni de corpore et sanguine domini ad Karolum regem lib. 1. Eiusdem de praedestinatione dei ad eundem lib. II; diese Hs. ist heute Gent univ. 909, wo f. 109 b der Eintrag steht Liber s. Petri Lobiensis und f. 1 —16 die Sammlung Herigers, allerdings ohne Aufschrift, sich findet. Vgl.Dümmler, Neues Archiv 26,755ff. und G.Morin, Revue Benedietine 25,1 ff. (1908). Eine Abschrift des Gandensis scheint der von Bethmann (Archiv 9,581) beschriebeneHeidelb. Sal. IX, 20 zu sein, vgl. Dummler, Neues Archiv27,325. Gesamtausgabe (zum Teil allerdings dem Notker zugewiesen) bei Migne 139, 957—1168. — Vgl. Wattenbach 1, 428. 432. 436. ') Die näheren Angaben vgl. bei Bubnov, Gerberti opera mathematica p. 205 (sq.) n. 1. Johannes Canaparius und Brun von Querfurt. 229 25. Johannes Canaparius und Brun von Querfurt. Eine nicht unbedeutende Literatur gruppiert sich um den Bischof Adalbert von Prag, der Mönch geworden war und 997 als Missionar bei den Preußen seinen Tod fand. Sein Leben oder vielmehr seine Passion wurde bald darauf in Polen selbst beschrieben. Diese älteste kurze Darstellung scheint aber den eigentlichen Biographen des Märtyrers unbekannt geblieben zu sein, denn Johannes Canaparius und Brun von Querfurt benutzen sie nicht. 1. Passio s. Adalberti. Diese älteste Schrift, die sich nur mit kurzen Umrissen des Lebens des Heiligen begnügt, hat man früher 1 ) für einen Auszug eines deutschen Geistlichen aus dem größeren Werke eines Polen gehalten, eine Ansicht, der man nach dem Lesen von Kap. 1 beipflichten könnte. Aber das wirkliche Verhältnis ist anders. Der Verfasser war zweifellos einSlave und zwar entweder ein Böhme oder Pole, der nach Giesebrecht 2 ) in dem von ihm erwähnten Meseritz lebte, während Wattenbach 3 ) ihn nach Gnesen versetzt. Er empfing seinen Bericht wohl von den Begleitern Adalberts und hat das hinzugefügt, was er über die Translation des Hauptes und über das mit dem Leibe geschehene Wunder hinzufügt. Die Schrift weicht von des Johannes Canaparius und von Bruns Biographie erheblich ab, so daß an eine Benutzung durch beide Autoren nicht zu denken ist. In Kap. 1 erzählt der Verfasser sehr kurz von Adalberts Abstammung, von seiner Bischofszeit in Prag, von seiner Romreise und vom Übertritt zum Mönch- tume, und schon in Kap. 2 beginnt er mit der Reise nach Preußen und berichtet den Märtyrertod. Im dritten und letzten Kapitel schließt sich die Translation des Hauptes und das Wunder an, das sich mit dem Leichnam begab. Die Erzählung ist dürftig und farblos und die Sprache trocken, doch zeigt sich eine Reminiszenz an Vergib 4 ) In späteren Zeiten scheint man die kleine Schrift nach der Darlegung von G. Waitz mehrfach benutzt zu haben. Einzige Handschrift Monac. 18897 p. 289 ff. s. XI aus Tegernsee; sie ist vielleicht 1005 durch Heinrich H. aus Meseritz mitgebracht und nach Tegernsee geschenkt worden. Meseritz selbst wird c. 1 p. 706,22 (et ad Mestris locum divertens) genannt. Ausgaben von Giesebrecht, Neue preuß. Provinzialblätter Ser. 3 Bd. 5, 71 — 74; von Bielowski, Monumenta Poloniae historica 1, 151—156 und besonders von Waitz, MG. SS. 15, 705—708. Zur Verschiedenheit von Johannes und Brun vgl. Giesebrecht a. a. O. S. 61—70. Zur späteren Benutzung (in der Casineser Hs. des Johannes, in einer von den Bollandisten verwendeten Utrechter Hs. und in einer späteren Vita Adalberti ed. Dobner, Mon. hist. Bohem. 2, 51—59) vgl. Zeissberg, Die poln. Geschichtschreibung des Mittelalters S. 22 n. 4 und die Ausgabe von Waitz p. 705 n. 6. Die Orthographie der Schrift ist schlecht, vgl. MG. SS. 15,706,8 pvalic- ticae, 9 aeccleseam, 39 insegnis. —Vgl. Zeissberg a. a. O. S. 19-22. Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 1,789. "Wattenbach 1,387 f. 2. Johannes Canaparius. Johannes war in dem Kloster zu Rom auf dem Aventin Mönch, in das auch Adalbert eingetreten war. Er konnte sich hier durch Adalbert selbst, durch dessen Bruder Gaudentius sowie durch Leo, den Abt des Klosters, eingehende Kunde über den Heiligen verschaffen. Nun ist allerdings das Leben Adalberts anonym überliefert, aber zweifellos ') Vgl. W. v. Ketrzynski, Altpreuß. Mo- I 3 ) Deutschlands Geschichtsquellen 1,388. natsschrift 6, 47. K. Lohmeyer, Ztschr. f. | 4 ) Kap. 2 (MG. SS. 15,707,10 more irasci- preufi. Gesch. (1872) 9,6. bilium apum ... facto agmine, Georg. 4, 149. 2 ) Neue preuß. Provinzialblätter Ser. 3 164; 2 p. 707.18 Umphatn gens vielleicht nach Bd. 5,59. ; Prud. Cathem. 11, 92. 230 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, ist es von Johannes verfaßt worden, der sich selbst darin mit der Bezeichnung quidam conversus nennt und von einer Vision erzählt, die ihm im Kloster erschien, als Adalbert den Tod in Preußen erleiden sollte; seine Worte, die er dabei gebraucht, sind derartig, daß jeder Zweifel an der Identität desjenigen, der die Vision sah, und des Verfassers der Vita Adalberti beseitigt wird. Das Martyrium selbst hat er wohl durch Gaudentius erfahren, der bei Adalberts Tode zugegen war. Johannes schrieb wohl noch im Jahre 999, als Gregor V. schon tot war, während er Otto III. 1 ) und den gefeierten Mönch Nilus als noch am Leben befindlich erwähnt. Er wurde übrigens nach Leos Tode zum Abt erwählt und ist den 12. Oktober 1004 gestorben. Seine Erzählung macht infolge der Breite der Berichterstattung einen sicheren' und soliden Eindruck und sie fußt, auf den besten Quellen. Ihr Ton ist zuweilen breit und behaglich. Der Stil legt aber deutlich davon Zeugnis ab, daß man in Rom während des 10. Jahrhunderts die lateinische Sprache doch noch ordentlich erlernen konnte. Denn die Sprache des Werkes trägt zwar Spuren der Zeit, ist aber von der Barbarei zeitgenössischer italienischer Werke durchaus frei. Wir finden hier im Gegenteil eine merkwürdig gehobene und zum Poetischen neigende Ausdrucksweise, die auf der einen Seite eine Menge von Anlehnungen an. die alte Dichtung 2 ) birgt und andererseits sich an biblisches Vorbild stark anlehnt. Wir besitzen somit in der Vita Adalberti eine Schrift, die inhaltlich wie sprachlich zu den besseren Biographien ihrer Zeit gehört. Zeugnisse. Die Stelle, an der Johannes unzweifelhaft von sich spricht, lautet c. 29 (ed. Bielowski, Monum.Polon. hist. 1,181,4) ecce in monasterio, ubi ille talis nutritus fuerat — nämlich nach c. 16 p. 172,1 ad sanctorum limina Bonifacü et Alexii — cuidam converso Iohanni Canapario tälia dominus per visum ostendit und besonders Ünius nomen extra ipsuin, gut haec vidit, admodum paucissimi sciunt; alter vero erat, ut adhuc hodie ipse meminä, domnus Adalbertus. An Gaudentius als Verfasser, wie Ketrzynski meinte, ist nicht zu denken, vgl. Perlbach, Neues Archiv 27, 67 und R. F. Kaindl. Mitteil. d. Ver. für Gesch. d. Deutschen in Böhmen 20,342 ff. und Mitt. d. Instit. f. österr. Gesch. 20, 644 ff. Zu Gaudentius vgl. 9 p. 167,11 fratrem Gaudentium und 16 p. 172,14 Gaudentius .. . qui etiam sibl eame et spiritu duplex germanus; seine Anwesenheit beim Martyrium c. 28 p: 180, 9 ff. und 30 p. 182, 3 f. Daß Gregor V. bei der Abfassung schon tot war, ergibt sich aus dem Tadel des Verfassers c. 21 p. 176. 17 sed quod minus bonum, multum fervidae iuventutis; Otto 111. ist noch am Leben, vgl. 14 p. 170,11 mater eius qui modo regnat tercius et deo iuvante maximus Otto, ebenso Nilus vgl. 15 p. 171,4 qui et usque hodie ita amore Christi ferventem non meminit se vidisse aliquem iuvenem; hieraus geht auch hervor, daß Johannes von Nilus Kunde über Adalbert eingezogen hat. Zu Johannes als Mönch vgl. die Miracula s. Alexii 2 (MG SS. 4, 619, 19 ff j nobilitate carnis praepollens . . . qui monachicum habitum, abrenuntians quae saeculi sunt, suscepit Johannes Canaparius. Zur Abtstellung vgl. Brunonis vita Adalb. 27 (Bielowski, Monum. Pol. hist. 1, 215,21) Rome interea monasterio, quo sanctus iste philosophia Benedkti patris nutritus erat.. . Joannes monachus et abba; daß diese Stelle als sachgemäße Erweiterung Bruns zu Johannes c. 29 p. 181,6 anzusehen ist, hat Perlbach, Neues Archiv 27,41 nachgewiesen. Den Todzum 12. Oktober 1004 bezeugt das Epitaph des Johannes, vgl. Bielowski ') Die Reise des Kaisers an das Grab Adalberts bleibt unerwähnt; Johannes hätte sie aber gewiß berührt, hätte er davon Kunde gehabt, und so wird das Jahr 999 zu halten sein. 2 ) Einiges ist schon von Pertz in der Ausgabe angemerkt. Folgendes ist hinzuzufügen: 1 p.162, 2ff. (ed. Bielowski, Monu- menta Poloniae historica) Est locus ... dives opibus . .. cognomine dicunt Aen. 1, 14. 530; 162,6 lignum vel lapidem pro deo colunt (28 p. 181,11 simulacra surda et mutä) Sedul. P. C. 1, 268. 2 p. 163, 2 unguibus laceratora Aen. 4, 673. 3 p. 164,11 divite vena Ingenium Horat. A. P.409f. 5 p. 165, 6 O terque qua- terque beatus Aen. 1, 94. 8 p. 166,20 mors eum proxima pulsat Horat. C. 1,4,13. 13 p. 170,5 angustam pauperiem pati Horat. C. 3,2,1. lo p. 174,20 Haec ubi dicta dedit Aen. 2, 790. 30 p. 182, 12 transfixit eius penetralia cordls Piudent. Hamart. 542. Johannes Canaparius und ßrun von Querfurt. 231 1 159 Ab incarnatione domini nostri Iesu Christi sunt anni mille IV. Obiit mense Octobris die 12- — Ueberarbeitet wurde die Schrift des Johannes durch Brun von Querfurt schon im Jahre 1004, J ) benutzt wurde sie durch Leo von Ostia, von dem Verfasser der Translatio Abundii et Abundantii, sowie von Cosmas von Prag. Wichtige Handschriften: Guelferbyt. . Heimst. 553 s. XI (aus Lamspringe), Stuttgard. N. 167 Vol. III s. XIII, Zwetl. 24 s. XIII; eine jetzt verlorne Hs. kollationiert Ketrzynski, Altpreuß. Monatsschrift 7,673 — 702. Ob die zu Egmond 1128 (Arch. voor Nederl. Kerkgeschied. 2,157) und zu Olmütz 1130 (Notizenblatt, Beilage zum Arch. f. Kunde österr. Geschichtsquellen 2,231) genannten Vitae s. Adalberti zu Johannes oder Brun von Querfurt gehören, läßt sich nicht mehr entscheiden. Ausgaben: Pertz, MG. SS. 4,581—595; bei Bielowski, Monum. Polon. hist. 1,157-183. Eingehende "Würdigung Adalberts bei Hauck 3,245—248. Zu Johannes vgl. Ebert 3,486 ff. und Wattenbach 1,488 f. Vgl. auch — und ebenfalls zu Brun — R. Teuffei, Individuelle Persönlichkeitsschilderung i. d. deutschen Geschichtswerken d. 10. und 11. Jahrh. S.91—97. 3. Brun von Querfurt. Brun, der aus dem Hause der Herren von Querfurt im Hassegau stammte, mag um 974 geboren sein. Er kam als Knabe nach Magdeburg, wo er die Domschule unter der Leitung des Lehrers Geddo besuchte und hier schon mag er den später oft von ihm gebrauchten kirchlichen Namen Bonifacius angenommen haben. Nachdem er hier neun Jahre den Wissenschaften obgelegen, wurde er Domherr, und wahrscheinlich ist er 997 von Otto III. zum Hofkapellan befördert worden. In demselben Jahre langte im September die Nachricht von Adalberts Ableben bei dem in Aachen versammelten Hofe an und dies Martyrium mag einen tiefen Eindruck auf den jungen Geistlichen gemacht haben. Dieser zog dann mit dem Kaiser nach Italien und hier lernte er wohl den Romuald kennen, der neben Nilus an der Spitze des damals in Italien blühenden Asketen- und Eremitenwesens stand und im Anschluß an die Anschauungen Cassians das abendländische Mönchtum in Verbindung mit dem orientalischen Einsiedler- tum setzen wollte. Bald nach seiner Ankunft in Rom wurde Brun noch im Februar 998 Mönch und trat in das Aventinkloster zu St. Bonifacius und zu St. Alexius ein, dem der hl. Adalbert angehört hatte und wo Abt Leo, Gäudentius und Johannes Canaparius weilten. Diese ganze Umgebung mußte wesentlich dazu .beitragen, in dem jungen Mönche den schwärmerischen Wunsch zur Abfassung des Lebens des hl. Adalbert zu erregen. In Rom wurde nun Brun Zeuge der großen Politik des Kaisers, aber schließlich begab er sich mit Romuald im Jahre 1001 nach dessen altem Aufenthalt, der Flußinsel Pereum bei Ravenna, wo er nun in der Zelle des Eremiten Benedikt lebte. Dieser Benedikt wurde später im Jahre 1003, als er sich in Polen mit vier anderen Brüdern zur Mission vorbereitete, mit ihnen zusammen getötet, und die genaue Bekanntschaft, die Brun mit ihm während des gemeinsamen Aufenthaltes in Pereum machte, gab jenem die Veranlassung, dem Benedikt und seinen Genossen in der Vita quinque fratrum ein Denkmal zu setzen. Nach dem Tode Ottos III. wandte er sich nach Rom, kehrte aber im Spätherbst 1002 nach Deutschland zurück. Von hier aus widmete er sich zunächst der Mission bei den Schwarzen Ungarn, erreichte aber dort nichts und wurde nach seiner Rückkehr zu Merseburg wahrscheinlich im August 1004 im Beisein Heinrichs IL zum Heidenbischof geweiht. Dann hat er wohl in seiner Heimat zu Querfurt die Bearbeitung der Biographie Adalberts vorgenommen, von der er später während seines Vgl. Perlbach, Neues Archiv 27,61. 232 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Aufenthalts in Polen eine verkürzte Redaktion schuf. Dann begab er sich 1005 wieder zu den Schwarzen Ungarn und soll zwei Jahre bei ihnen geblieben sein, indem er Kirchen erbaute und Geistliche ordinierte. Von dort ging er 1007 an den Hof des russischen Großfürsten nach Kiew, um die Mission bei den Petschenegen zu beginnen, die ihn schließlich als Friedensgesandten an den russischen Hof benutzten. Dann erst begab er sich Mitte 1008 nach Polen, um nun seinem ursprünglichen Plane, hier die Mission zu betreiben, nachzugehen. In Polen verfaßte er nun eine verkürzte Redaktion seines Lebens des hl. Adalbert. Außerdem schrieb er in dem Kloster, das neben der Einsiedelei seines ehemaligen Gefährten Benedikt und dessen Genossen Johannes lag, die Biographie der Fünf brüder, für die er eingehende persönliche Kunde eingezogen hatte. Und wahrscheinlich im Dezember 1008 richtete er an Heinrich II. ein längeres Schreiben in Briefform, in dem er einerseits dem Könige alles das darstellt, was er seit seinem Aufbruch aus Ungarn nach Rußland als Missionar erlebt hatte, und andrerseits eine politische Vermittlung zwischen dem Könige und dem Polenherzog Boleslav anzubahnen versuchte, zu der ihn der Herzog ohne Zweifel ermächtigt hatte. Dann wandte sich Brun nach Preußen und wurde hier in dem nach Rußland zu gelegenen Grenzgebiet am 9. März mit achtzehn Genossen enthauptet, nachdem er, wie wenigstens Petrus Damiani zu erzählen weiß, im Dienste seiner Missionsidee wunderbare Dinge verrichtet hatte. Seine schriftstellerische Tätigkeit wurde teils durch seine hochgespannten religiösen Ideale, teils durch seine hohe geistliche Stellung hervorgerufen, die ihn unbedingt an Tätigkeit innerhalb der Politik band. Jedenfalls offenbart sich in ihr nicht wenig von seinem ganzen Wesen. Es liegt in ihr öfters ein epischer oder dramatischer Schwung, und man bemerkt deutlich, daß ihr Verfasser eine Persönlichkeit war, die auf den Höhen des damals teilweise so merkwürdigen Lebens stand. Freilich sind sie auf der andern Seite nicht frei von Affektiertheit, denn der Stil ist oft zu wenig natürlich, sondern seltsam geziert und gekünstelt. Das aber entspricht dem schwärmerischen Wesen der Zeit. Zeugnisse. Das vorstehende kurze Leben Bruns beruht hauptsächlich auf dem vortrefflichen Buche von D. H. G. Voigt, Brun von Querfurt, Stuttgart 1907. Abstammung und Geschlecht in den Gesta episcop. Magdeburg. 10 (MG. SS. 14, 388,11) Hie s. Bruno gut et cognomento Bonifacius dictus est de Castro Querenvorde oriundus sicut pater eius Bruno dicebatur ... prius quidetn s. Mauricü Magdeburgensis canonicus postea vero in pallacio regio assumptus sed fugiens secidum ... apud Ytalie heremum cum b. consoeiis Benedicto atque Iohanne in monastica religione perfectissime convePsatus deinde a Romano pontiflee ad regem Hinricum et archiepiscopum Dhagenonem directus ab ipso archiepiscopo in archiepiscopum gencium est consecratus ... martirizatus sicut indicat liber gestorum eius. Zum Geburtsjahr vgl. Voigt S. 17. Zur Schulein Magdeburg vgl. Thietmars Chronicon 7,34') (ed. Kurze p. 188); zur Schulzeit Bruns Vita Adalberti 6 (Bielowski, Monum. Polon. hist. 1,192,3) Annas ter ternos in area studii palestram exercet ingenii, was von Adalberts Ausbildung in Magdeburg auf Brun übertragen werden kann. Zur Domherrnstellung vgl.Voigt S. 31 und 209 N. 129 und N. 130, zur Stellung als Hofkapellan daselbst S. 31 f. Zu Adalberts Tod vgl. S.34 und zur Reise nach Italien S. 36 ff.; zu Komuald S. 38—48. Die Zeit der Konversion oder Mönch- werdung ergeben die Annal, Quedlinburg. 1009 (MG. SS. 3, 80), zum Eintritt ins Bonifazkloster vgl. Voigt S. 48. Zum Aufbruch naeh Pereum vgl. S. 57 und 244 N. 263 und 264. Zum Aufenthalt dort vgl. des Petrus Damiani Vita Romualdi c. 26 f. MG. SS. 4, 846 f. Zum Aufbruch nach Rom Vo i g t S. 72 f., von seiner Rückkehr nach Deutschland S. 75 f. Die späteren Ereignisse ') Vgl. außerdem 8. 35 Oeddo venerabilis pater, quondam scolae magister, sed tunc aec- clesiae custos. Johannes Canaparius und Brun von Querfurt. 233 ergeben sich aus Bruns Vita quinque fratrum und aus seinem Briefe an Heinrich II. (Bielowski, Mon. Pol. hist. 6,388—428 und 1,224—228, der Brief auch bei Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit 5 2,702—705). Die Stellen über Brüns Martyrium sammelt Voigt S. 290 N. 520, wo auch N.523 das Datum sichergestellt wird; sonst vgl. des Petrus Damiani Vita Romualdi c. 27. Zu Brunos Itinerar vgl. auch Perlbach, Neues Archiv 27, 61. Vita s. Adalberti. Brun hat für sein Werk die Schrift des Johannes Canaparius vorliegen gehabt und er besaß außerdem eine Aufzeichnung des Prager Dompropstes Willico, 1 ) die dieser wahrscheinlich an Abt Leo von St. Bonifaz gerichtet hatte, weshalb sie auch schon dem Johannes bekannt war. Aber es hat ihm auch sonst an Berichten über Adalbert nicht gefehlt; sie flössen ihm wohl bei seinem Aufenthalt im Bonifazkloster zu, und auch später mag er in Deutschland manches gehört haben. So konnte er die Schrift seines Vorgängers in vielen Stücken erweitern und bereichern, und zwar hat er das besonders in bezug auf eigentlich geschichtliche Momente getan. Er fügt mancherlei über deutsche Verhältnisse hinzu und man fühlt öfters heraus, daß die Liebe zum Vaterlande in ihm rege war. Es wird daher angemessen sein, seine hauptsächlichsten Abweichungen von seinem Vorbild kurz zu kennzeichnen. Schon über des Heiligen Jugend und seine Bildung berichtet er viel ausführlicher und mit Stolz weiß er in Kap. 4 über Magdeburg eingehender zu erzählen, wie er auch im folgenden Abschnitt von Otric mehr Einzelheiten weiß, den er für sein Zeitalter als einen Cicero preist. Eigentümlich berührt dann ein heftiger Ausfall in Kap. 9 auf Otto IL, in dem der glückliche Zustand der Kirche unter dessen Vater gerühmt wird und die Zeit Ottos IL in trübem Lichte erscheint. Und diese Klage setzt sich in Kap. 10 fort, wo Brun von den unglücklichen Kriegen des Kaisers spricht und die Siege der Liutizen und Polen über die Deutschen tief betrauert. Außerdem stimmt er hier ein wahres Klagelied über den Bruderkrieg gegen die Westfranken an, 2 ) woraus hervorgeht, daß die alte Zusammengehörigkeit beider fränkischen Reiche damals noch durchaus empfunden wurde; allerdings mag gerade an jener Stelle die internationale christliche Stimmung auch zum Ausdruck gelangt sein. Auch weiß er dort über die unselige Sarazenenschlacht und über die Flucht des Kaisers zu berichten. 3 ) Darauf folgt eine breite geistliche Lobeserhebung über das christliche Leben und die Gesinnung Adalberts als Bischof; sie ist das eigne Elaborat Bruns und wird mehrfach mit Sprüchen antiker Lebensweisheit ausgeschmückt. 4 ) Und in Kap. 12 wird mit berechtigtem Stolz von dem kirchlichen Wirken der Ottonen erzählt. Zur Geschichte Adalberts selbst dient als Erweiterung die Angabe, daß er fünf Jahre Mönch in St. Bonifaz gewesen sei, sowie daß in Kap. 17 viel ausführlicher über seinen zweiten Aufenthalt in Rom und daß in Kap. 19 über seine Anwesenheit in Paris und St. Denis berichtet wird, wobei es sich Brun nicht entgehen ') Vgl. Bruno c. 8 (ed. Bielowski, Mon. Pol. hist. 1,193,24 ff.), wo es heißt testhhonium asserebat, quod nos legimus. Dieselbe Geschichte berichtet Johannes in Kap. 7 (daselbst 1,166,24ff.), ohne Willicos zu gedenken; er nennt ihn aber c. 12 p.169,3 und c. 19 p. 175, 2. 2 ) Vgl. Mon. Pol. hist. 1,194,2 ff. 3 ) Hier steht p. 195,4 ein Vers aus Vergil (Aen. 2,354), der mit den seltsamen Worten eingeleitet wird quod poetarum quidam iacens in marmoreis hortis cantat. 4 ) Kap. 11 p. 196, 21 f. ist Catonis dist. 4, 4,1; p. 197, 16 O nimium felix, cui parotis sufficit usus ist mir unbekannt. Der Vers c. 32 p. 220,4 ist der bekannte Catonis dist. 1,27,2. 234 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. läßt, die Geschichte des hl. Dionysius anzubringen. So schiebt er auch Kap. 21 die Geschichte des hl. Wenceslav und dessen Ermordung durch Boleslav ein und gibt in den Schlußkapiteln einen viel detaillierteren Bericht über das Martyrium Adalberts. So erscheint Bruns Werk als eine vom deutschen Standpunkte erweiterte und wesentlich umgearbeitete Ausgabe der Schrift des Johannes Canaparius. Brun hat übrigens im Jahre 1008 selbst noch eine etwas verkürzte Fassung seines Werkes herausgegeben, die aber weniger Verbreitung erlangt hat als die erste Ausgabe; diese nämlich ist in einer ganzen Reihe von sächsichen Geschichtsquellen benutzt, in den Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium, im Chronicon Montis Sereni, beim Annalista Saso und in der vor 1248 in Polen verfaßten Legenda de s. Adalberto. 1 ) Die Abhängigkeit von Johannes ergibt sich nicht nur aus der ganzen Erzählung, sondern auch aus vielen Einzelheiten, vgl. z. B. Joh. 3 p. 164, 11 et cucurrit divite vena ingenium ratio et sensus mit Brun 5 p. 192, currunt divite vena ingenium sensus et ratio u. a. m. Zur Vaterlandsliebe vgl. Ausdrücke wie c. 10 p. 194,14 Stratus ferro occidit flos patrie pur- pureus, decor flave Germanie plurimum dilectus augusto Cesari. Zum Ausfall auf Otto II. c. 9 p. 193,12 Otto secundus, qici tunc loco patris rapidis cruribus 2 ) montem imperii scandit, sed non dextro omine — et quam patris terror peperit, pacem interfecit und 10 p. 194,14 Tunc peccato Ottonis multa mala surrexere, maxima ubique et miserrima naufragia emer- serunt. Zum Krieg mit Westfranken vgl. 10 p. 194, 2 sine revcrentia fraterne christianitatis congrediuntur cum Francis KaroJinis. Mit 19 p. 207,2 ff. vgl. Bruns Vita quinque fratrum 13 (MG. SS. 15, 733,5 f.), wo ebenfalls das Wunder des hl. Dionysius berührt wird. Handschriften: Cassel.philol. 1 s.XI, Königswart20D. 22 s.XII— XIII. Ausgaben: Pertz, MG. SS. 4, 596—612 (die spätere Redaktion); Bielowski, Monumenta Poloniaehistorica 1,189—222. •— Wattenbach 1,388 f. Vita quinque fratrum. Benedikt, ein früherer Domherr aus Benevent, hatte sich ganz dem Einsiedlerleben hingegeben, nachdem er mit Romuald von Monte Cassino nach Pereum gegangen war. Er wandte sich von dort mit seinem Gesinnungsgenossen Johannes auf den Wunsch Ottos III. nach Polen, um dort durch Gründung eines Klosters und einer Einsiedelei die Heidenmission zu stärken. Hier lebten beide einige Zeit mit den polnischen Novizen Isaak und Matthäus und dem Diener Matthäus, bis sie am 11. November 1003 durch Leute des polnischen Herzogs Boleslav erschlagen wurden, in dessen Diensten Benedikt kurz zuvor eine Reise nach Prag unternommen hatte. Brun schrieb nun 1008 in dem Kloster, 3 ) das neben Benedikts Einsiedelei lag, das Leben der fünf erschlagenen Brüder. Er leitet es ein durch einen im Predigtstile verfaßten Prolog, dessen Ton für das ganze Werk vorbedeutend ist. Nämlich persönliche Verhältnisse treten in dieser Schrift ziemlich zurück und die höchste Bewunderung für die ins Slavenland sich wendenden Eremiten veranlaßt den Verfasser, in die breitesten geistlichen Lobeserhebungen über ihre Gesinnung und ihre Tätigkeit auszubrechen. Die in Adalberts Leben so oft aufgezeigte deutsche Gesinnung Bruns tritt hier fast ganz zurück, nur bei Erwähnung der Rache Ottos an den römischen Empörern wird sie sichtbar, wobei freilich auch ein scharfer Tadel gegen den Kaiser mit unterfließt; 4 ) und dann macht sie sich wieder bei Ottos III. 1 ) Vgl. hierüber Per] bach, Neues Archiv 27,65. 2 ) Muß wahrscheinlich cursibus heißen. 3 ) Zur Zeit und zum Ort der Abfassung vgl. R. Kade, De Brunonis Querfurtensis vita quinque fratrum p. 11 ff. *) Kap. 3 (Bielowski 6,394) quod iter utinam numquam cepisset, in quo contra s. Petrum multum peccavit. Johannes Canaparius und Brun von Querfurt. 235 Tode geltend, wo Brun von der unglückliehen Zuneigung des Kaisers zu Rom und von der Verachtung seines deutschen Vaterlandes spricht. 1 ) Dagegen liest man lange Reden der beteiligten Personen, orthodoxe Exkurse, die mit Bibelstellen stark untermischt sind. 2 ) Namentlich wird dann das eigentliche Martyrium der Brüder durch Rede und Gegenrede dramatisch belebt, aber der ganze ziemlich lange Schluß der Darstellung wird durch eine ganze Reihe unvermeidlicher Wunder ausgefüllt. So hat dies Werk weniger einen historischen Inhalt, als daß es in schwärmerisch geistlichem Tone gehalten ist, der allerdings wohl ganz dem Wesen Bruns entsprach. Die Verfasserschaft Bruns steht außer Zweifel, sie ist handschriftlich begründet 3 ) und außerdem haben R. Kade und D. H. G. Voigt die Gleichheit der Ausdrucksweise und des Stils mit dem Leben Adalberts erwiesen; von beiden ist auch festgestellt worden, daß in den zwei hagiographischen Schriften die Kenntnis derselben antiken Autoren hervortritt. Zeugnisse. Außer der Vita quinque fratrum vgl.Voigt, Brun von Querfuit S. 59 ff. 65—69. 76ff. und besondersR. Kade, De Brunonis Querf'urtensis vita quinque fratrum Poloniae nuper reperta, Leipzig 1883 und Neues Archiv 8, 365 ff.; Kade gibt in seiner Dissertation S. 9 ff. die Aehnlichkeit und Gleichheit im Sprachgebrauche des Lebens der fünf Brüder und der Vita Adalberti, was Voigt, Brun von Querfuit S. 186 f. N. 9 nicht unwesentlich ergänzt hat. Kade hat a. a. 0. p. 16 ff. über die Zeitverhältnisse der Märtyrer und über den Ort des Martyriums eingehend gehandelt. Einzige Handschrift im Besitz von R. Kade, jetzt in Berlin Theol. oct. 162 s. XIII f. 21-49, vgl. Kade p. 4 und MG. SS. 15,709. Ausgaben von R. Kade, MG. SS. 15,716—738 und von Ketrzynski, Monum. Poloniae historica 6,388—428. Uebersetzt (mit der Vita Adalberti und dem Brief an Heinrich II.) von Voigt, Brun von Querfurt S. 333—443. Brief an Heinrich IL Der Inhalt dieses für.die Geschichte der deutschen Mission und der deutschen Slavenpolitik wichtigen Schreibens ist oben ganz kurz gekennzeichnet worden. Zunächst scheint sich Bruno bei Heinrich entschuldigen zu wollen, daß er wohl schon daran gedacht hatte, als Märtyrer zu enden, was dem König durch seinen Bruder Brun, den Bischof von Augsburg, zu Ohren gekommen war. Und gleichsam zu seiner Rechtfertigung beginnt er dann Heinrich auseinanderzusetzen, was seine Schicksale seit dem Weggang aus Ungarn und seit der Ankunft bei dem russischen Großfürsten (Wladimir) gewesen seien. Er erzählt von seiner Missionstätigkeit bei den Petschenegen und von dem Gelingen seiner Friedensvermittlung mit den Russen. Dann aber wird der Ton des Schreibens ernster, denn Brun redet nun ganz offen mit Heinrich über seinen Aufenthalt bei den Preußen und seine Hinneigung zum Polenherzog Boleslav, dem Feinde Heinrichs; und nachdem er dem Könige frei seine Meinung über dessen nicht gerade freundliches Benehmen ihm gegenüber gesagt hat, wendet er sich zum politischen Teil des Schreibens, wo er Heinrich IL zu Gemüte führt, daß es für ihn als christlichen Herrscher sich zieme, mit dem Christen Bolesav in Frieden zu leben. Er spricht hier gewiß nur vom Standpunkte des Missionars aus, aber es ist doch höchst interessant zu lesen, wie eindringlich und voll Selbstvertrauens er sich an den König wendet. Und er läßt auch einfließen, daß Boleslav im Falle des Friedens ') Kap. 7 a. a. 0. p. 398. 'I passionem ss. Benedicti et lohannis sociorum- 2 ) Voigt, Brun von Querfurt S. 305—309 I que suorum edita a Brunone episcopo qui et gibt die bei Brun vorkommenden Bibelstellen. Bonifatius dicüur. s ) Aufschrift Inc. prologws in oitam vel \ 236 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. die Politik Heinrichs bezüglich der Mission unterstützen und ihm ein getreuer Helfer sein werde. 1 ) Hieraus geht hervor, daß Brun im Auftrage ßoleslavs handelte, als er an Heinrich schrieb. Und um den König nachgiebig zu machen, berichtet er ihm noch von dem günstigen Erfolge der Mission bei den Schweden 2 ) und verspricht ihm, in allen Stücken ihm treu zu sein. Mit der Bitte an den König, für die Mission bei Liutizen und Preußen alles zu tun, schließt er den Brief. Aus dem Schreiben, das in einem viel klareren und einfacheren Stil als die anderen Schriften Bruns gehalten igt, erkennt man deutlich, wie eng die Mission mit der Politik des Reiches in den Slavenländern verknüpft gewesen ist, zugleich aber auch welche Bedeutung die hohe Geistlichkeit für die Reichsregierung in jenen Zeiten gehabt hat. So ist der Brief ein ganz einzigartiges literarisches Denkmal und verdiente an dieser Stelle gewürdigt zu werden. Einzige Handschrift Cassel. Philol. 1 s. XI. Ausgaben: Bielowski, Mon. Pol. hist. 1, 224 -228; Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit 5 2,702 -705. Uebersetzt bei Voigt a. a. 0. S. 436—443, vgl. S. 122 ff. 26. Die Vita Kaddroae abbatis. Der Ire Kaddroe war zuerst Abt in Waulsort im Lütticher Sprengel gewesen und war später an das Kloster zu St. Felix und Clemens nach Metz gekommen. Als solcher ist er bald nach einer Zusammenkunft mit der Kaiserin Adelheid 978 gestorben. Wahrscheinlich war es Abt Immo von Waulsort, der um das Jahr 1000 einen Iren — er war wohl selbst dort Mönch — beauftragte, das Leben Kaddroes darzustellen, denn der Verstorbene hatte ein bewegtes Leben gehabt und viele Wunder verrichtet. Daß der Verfasser nämlich ein Ire war, ergibt seine seltsame Latinität und außerdem seine genaue Bekanntschaft mit der alten Sagengeschichte seines Volkes wie auch mit der Topographie Irlands, denn es erscheint fast als ausgeschlossen, daß ein andrer Kleriker als ein geborener Ire solche Kenntnisse entwickeln könnte wie der Verfasser dieser Biographie. Er erwähnt in der kurzen Widmung, daß ihm Immo das Werk aufgetragen, gleichsam -als ob er die genügende Kenntnis hierzu besitze und dem Kaddroe sehr nahe gestanden habe; aber weder reiche seine geistige Begabung für ein solches Werk aus, noch wisse er etwas von den Taten des Mannes aus eigner Anschauung, vielmehr müsse er sich auf das verlassen, was er über ihn gehört habe. 3 ) Übrigens habe ihm der Abt versprochen, ein Schriftchen zu unterdrücken. 4 ) Der Leser aber möge ihn nicht wegen der Beschreibung der Inseln und der Örtlichkeiten tadeln, sondern selbst die Geschichte nachlesen, um zu erkennen, daß er die Wahrheit gesagt habe. 1 ) Mon. Pol. bist. 1,228,8 hie Boleslavovos securum facit, quia in aeternum' non debet dimittere, quin in expugnandis paganis seniper debet vos diligentissime adiuvare et in omnibus libenter servire. Der letzte Ausdruck ist aber kaum so zu verstehen, daß Boleslav Heinrichs Vasall zu werden versprach. 2 ) Vgl. hierzu Voigt, Brun von Querfurt S. 287 N.511. 3 ) Dabei scheint er allerdings schriftliche Kunde zu verschweigen, denn solche muß er eingezogen haben, da er sonst z. B. über die Jugend seines Helden nicht so unterrichtet sein könnte. 4 ) Der Sinn dieser Worte ist aber nicht klar. Die Vita Kaddroae abbatis. 237 Nach einer kurzen Auseinandersetzung über den Lohn im ewigen Leben beginnt der Verfasser seine Darstellung mit den Anwohnern des Paktolus in Asien und erzählt von den nach Europa und Afrika verschlagenen Einwohnern der Stadt Chorischos (Corycos) und berichtet bei dieser Gelegenheit nach Solin 4, 7 von der merkwürdigen Kraft der Quellen auf Sardinien und daß weder Aeneas noch Ulysses solche Übel erduldet hätten wie jene Unglücklichen. 1 ) „Diese kamen zu den Balearen, von dort nach der Insel Ebusum im baleavischen Meer, nach Gades und endlich in den Ozean bis zur Insel Thyle, wo sie bei der Burg Cruachan feli in Irland Anker warfen. Und wie die alten römischen Feldherren große Kriegstaten ausführten, so griffen sie die Einwohner der Stadt Cloin am Synaflusse an und bezwangen sie, und da sie sahen, daß das Land voll Milch und Honig sei, bekriegten sie die Einwohner der Insel, nahmen die Hauptstadt Artmacham und das Land zwischen den Seen Erne und Ethioch ein 2 ) und besetzten die Städte Celdar und Corach. Endlich gelang es ihnen, die Stadt Benchor durch Belagerung einzunehmen. Nach Verlauf einiger Jahre fuhren sie übers Meer und besiedelten die Insel Evea, die heute Jona heißt. Dann gelangten sie über den Kosfluß nach der Landschaft Rossia, wo sie die Städte Rigmonath und Bellethor bezwangen und die ganze Gegend, die nach ihrem alten Namen Chorischia hieß, nach der Ägypterin Scotta, die ihr Anführer Nelus oder Niulus früher durch den Krieg als Gemahlin gewonnen hatte — er war der Sohn des Lacedämoniers Aeneas —, Scotia benannten." Diesen ganzen historisch-geographischen Exkurs haben die Bollandisten in ihrer Ausgabe ausgelassen, da er in ihre hagiographischen Zwecke nicht paßte. Ich halte ihn aber für das wichtigste literarische Stück der ganzen Biographie. Denn hier liegt ja deutlich die Absicht zutage, den Iren einen ähnlichen Ursprung anzudichten, wie das viel früher schon für die Franken geschehen war, also ihre Abstammung auf Asien und den Ursprung ihres Fürstengeschlechts auf Aeneas zu bringen. Das ist aber keine Erfindung des Verfassers der Biographie selbst, denn er hat sie anderswo gelesen, da er ja den Leser auf die „Geschichte" aufmerksam macht. Die Erfindung selbst ist plump genug, da sie schon alle die Städte nennt, die doch erst auf irische Gründung zurückgehen; aber interessant ist das Machwerk und verdiente eine sorgfältige Ausgabe mit Nachprüfung aller topographischen Angaben irischer und schottischer Orte. Nun erst kommt der Verfasser zu seiner eigentlichen Aufgabe. Er erzählt, daß aus jenem fürstlichen Geschlecht Faiteach stammte, dessen Gemahlin Bania erst durch die Fürbitte des hl. Columban einen Sohn Kaddroe erhielt. Ihm erscheint in seiner Jugend die Sapientia und nimmt ihn für sich in Anspruch. So kommt er nach der irischen Hauptstadt Artmacham und lernt nach den christlichen Wissenschaften auch die weltlichen Bücher kennen, da er gelesen hatte, daß der heidnische Philosoph Plato nach Ägypten gegangen sei. Und was die Dichter gesungen und die Redner gesprochen und die Philosophen erdacht, davon blieb ihm nichts verborgen. Und was durch Zahl und Maß und Gewicht, durch Gefühl und Gehör unter- ') c. 2 p. 495 (ed. Colgan) Äblala erat I 2 ) Es handelt sich danach um Oertlich- miseris spes vivendi nach Sedul. P. C. 1,154 f. j keiten in Ulster. 238 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. sucht worden war, lernte er alles kennen und zuletzt war er in der Astronomie besser unterrichtet als der gelehrte Hygin. 1 ) Dann kehrte er in die Heimat zurück und wurde der Lehrer seiner Landsleute, von denen keiner übers Meer in die Fremde ging, solange der ausgezeichnete Mann in der Heimat blieb. Als er aber seinen Willen kundgab, ins Ausland zu gehen wurde, er flehentlich gebeten zu bleiben und darauf wirkte er ein Wunder. Schließlich konnte man ihn aber nicht länger halten und der Verfasser erzählt seine Reise durch Irland mit genauer Kenntnis der Örtlichkeiten und der in ihnen herrschenden Fürsten; auf dem Wege gelingt ihm ein zweites Wunder. Er kommt nach Boulogne und wendet sich zur Irenkolonie in Peronne. Sein Genosse Machalan geht später nach Gorze zu Agenald, während er sich nach Fleury zu Erchembald begibt. Als aber Hersendis, die Gemahlin des Grafen Eilbert, das Kloster Waulsort stiftete, wurde Kaddroe dort Propst unter dem Abt Machalan und später durch König Otto zum Nachfolger Machalans erhoben. In den nächsten Abschnitten 2 ) der Biographie berichtet der Verfasser mit Ausnahme der Zusammenkunft mit Adalbero I. von Metz nur noch von Wundern seines Heiligen, bis er in Kap. 30 auf dessen Tugenden und zwar mit Worten des Sulpicius Severus zu sprechen kommt. Es folgen dann in den weiteren Abschnitten neue Wunder, die nur durch den Tod Adalberos und den Regierungsantritt Theoderichs I. unterbrochen werden. Zuletzt hören wir noch von der Reise Kaddroes zur Kaisern Adelheid, die mit ihm zusammenzukommen wünschte, und schließlich, wieder von Wundern umgeben, von seinem Tod und von seiner Beisetzung zu St. Felix in Metz, wo er Abt geworden war. Man sieht, daß dem Biographen gar nicht wenig schriftliches Material vorgelegen hat, wenn ihm auch aus Waulsort selbst Wunderberichte aller Art mündlich zugeflossen sein werden; die Sicherheit, mit der er seine Aussagen über recht entfernte Gegenden und Dinge macht, läßt unbedingt auf Anlehnung an schriftliche Quellen schließen. Sein Stil ist besonders im ersten Teile oft recht unlateinisch, und es scheint, daß er hier öfter seine Vorlage kaum verstanden hat. Später wird das Latein besser und es begegnen einige Verse aus Vergils Eklogen. Zeugnisse. Daß Kaddroe erst 978 starb,, erweist P. Scheffer-Boichorst, Zur Geschichte des 12. und 13. Jahrhunderts S. 358n. Sein Leben ist um 1000 geschrieben, vgl. E. Sackur, Deutsche Ztschr. f. Geschichtswissenschaft 2, 342, wo auch über die Glaubwürdigkeit gehandelt ist; vgl. noch Sackur, Die Cluniacenser 2,361 f. Widmung (ed. Colgan p. 494) Venerabili in Christo patri Immonio Ousmanno. 3 ) Auftrag Cum me tibi pater obedire spon- . derem tale quid imposuisti .. . Iussisti enim ut aliquid de actibus felicis viri Kaddroe de- scriberem, quasi aut disciplinarum quippiam consecutus sim, aut ita viro Uli familiaris fuerim, cum neque Ingenium suppetat, neque gestorum eins aliquid sciam preter audita . . . Verum quandam inter nos schedulam te comprimere promisisti . . . Caeterum in situ insularum et nomine regionum minus nos reprehendat (seil, lector) ... legat potius historias ut nos vera dixisse cognoscat. Die Stelle nach Solin 4, 7 heißt 2 p. 494 Inter Corciam et Inclytam qui mirum dictu laesis oculis praebent medelam, furibus afferunt caecitatem; zur Ertragung der Uebel 2 p. 495 Nam neque Aeneas aut Ulisses, quos historiae tradunt plurima pertulisse, tanta perferre potuerunt. Vergleich mit antiken Heldentaten 4 p. 495 Crassus Chaldaeam in suo sanguine cruentaverat, Magnus Pompeius rei publicae nrbis consulebat, Iulius Caesar ') c. 11p. 496 et ultimum astrorum oecultos | Dionysius, die der Ire Johannes übersetzt tractus et cursus radio doctius Egino, quo I hatte) probatior sit designavit. ncscio an aliqüis in caeli hierarchia (der Aus- I 2 ) Nämlich Kap. 23—29. druck nach der Caelestis hierarchia des Pseudo- : 3 ) Die Bedeutung dieses Wortes ist unklar. Aimoin von Fleury. 239 Gallos rebelles septennali congressione damnabat. Die Eroberung Irlands und Westschottlands heißt folgendermaßen 4 p. 495 Igttur ad terram egressi, ut moris est, situm loconum mores et habitum hominum explorare, gentem Pictaneorum • reperiunt. Cloin urbs est antiqua Hiberniae super Synam fhivium. Huius habitaiores advenientium naves succendere volentes mox armis devicti privat? sunt; post vero Chorischii videntes terram lactis et mellls fertilem frequenti congressione insulanos illos debellantes, Artmacham l ) metropolim totatnque terram inter lacus Erne et Ethioch invaserunt ... Celdar civitatem Corach quoque Muminensium urbem ceperunt. Iamque confortati Benchor 2 ) Ullidiae urbem obsessam intraverunt. 5 Fluxerunt quot anni et mare sibi proximum transfretantes Eveam insulam, quae nunc Iona 3 ) dicitur, repleverunt. Nee satis, post pelagus Britanniae contiguum perlegentes per Rosim amnem Rossiam 4 ) regionem manserunt. Rigmonath quoque Bellethor urbes a se proeul positaspetentes possesswi vicerunt, sieque totam terram suo nomine Chorischiam nominatam post cumsdam Lacedemonii Aeneae filium nomine Nelum seil Niulum, qui prineeps eorum fuerat et olim Aegyptiam coniugem bello meruerat nomine Scottam, ex vocabido coniugis patrio sermone de- pravato Scotiam voeaverunt.') Zur Jugendbildung Kaddroes 11 p.496 non veritus post dogmata divina mundanas litteras quaerere .. . cum legeret Platonem gentium philosophum fama eximia accitum Aegiptum petiisse . . . quod poeta cecinit et orator dixit et philosophus exeogitavit expertus nihil illum fugit. Quidquid numero mensura et pondere tactu et auditu a quoquam investigatum est ebibit et ultimum astrorum oecultos tractus ... (vgl. oben) designavit. 6 ) Von seiner Lehrtätigkeit heißt es 12 p. 496 Licet enim Scotti multa milia paedagogorum habeant, sed non multos patres. In diseiplina enim artium hie illos genuit. Bei der Bitte zu bleiben heißt es 14 p. 497 Cur nos, pater, deseris aut cui laboris tui fruetum derelinquis nach Sulpicius Severus Ep. 3, 10 (ed. Halm p. 148, 8 f.) und so auch bei der persönlichen Charakteristik 30 p. 499 Humilitatem in eo luudare necesse non est (Vita Mart. 2, 7 p. 112,19) ... Quantae sobrietatis fuit, nulli mandamus sermoni, quia stilus materiae victus suceubuit (Vita Mart. 26, 1 p. 136,3 f.) ... Patientia ei ultra humanum modum fuit (Vita Mart. 2,7 p. 112,18 f.). Die Stelle ausVergil 31 p. 499 cuius mortem, sicut nescio quis ait, Poenos gemuisse leones, montes- que ferae silvaeque loquuntur (Ecl. 5, 27 f.). Unter den vielfachen Wundern steht eine hübsche Erzählung c. 27 p. 498, wie nämlich Kaddroe am Hofe des Herzogs Friedrich von Lothringen seinen Abtsstab an einem Sonnenstrahl aufhängt. Ist übrigens Kaddroe in Fleury Mönch unter Erchembald geworden, so muß dies spätestens 945 geschehen sein, wie E. Sackur, Deutsche Ztschr. f. Geschichtswissenschaft 2,342 bemerkt, da Erchembald nicht' später gestorben sein kann. Der Adressat'des Werkes ist wohl Immo von Waulsort und nicht Immo von Gorze gewesen, vgl. W. Schultze, Forsch, z. Gesch. d. Klosterreform S. 51 n."3. Das Werk ist nach einer (verlornen?) Handschrift des Klosters St. Hubert in den Ardennen herausgegeben von J. Colgan, Acta SS. vet. et mai. Scotiae seu Hiberniae (Lovaniae 1645) 1,494-501) (vollständig); Acta SS. Mart. 1, 474—481; Mabillon, Acta SS. ord. S.Ben. 5,489—501 (beide unvollständig). Fragmente bei Skene, Chronicles of the Picts p. 106—116 und MG. SS. 4,483f. und 15,689-691. Vgl. Skene a. a. O. p. XLI. Wattenbach 1,415. 27. Aimoin von Fleury. Aimoin stammte aus der Landschaft Perigord und war wohl in dem Orte Ad-Francos zwischen Isle und Dordogne um 970 geboren. Seine Familie gehörte dem fränkischen Adel an, wenigstens der Name seiner Mutter Aunen- rudis und die Bezeichnung von deren Verwandtem Gir'ald mit nobilis vir weist auf diese Herkunft. Frühzeitig trat er ins Kloster Fleury ein und zwar unter Abt Amalbert, also zwischen 979 und 985. Die wissenschaftlichen Studien, denen er sich hier hingab, waren jedenfalls sehr ausgebreitet, denn aus seinen Schriften ergibt sich nicht nur eine tüchtige Beherrschung der Sprache, sondern auch der antiken Literatur; und er befand sich daher wohl besonders in der Nähe des gelehrten Abtes Abbo, der ihn ja auch 1004 ') Ist die Stadt Armagh. 5 ) Ich habe die ganze Stelle auch als 2 ) Das berühmte Kloster Bangor oder Ben- | Probe für das Latein hingesetzt. chuir. 6 ) Mit den Worten quod poeta — designavit 3 ) Dort lag das Kloster Hy oder Jona. werden die sieben freien Künste umschrieben. ') Die Grafschaft Roß in Nordschottland. 240 Geschichte der lateinischen Literatm - des Mittelalters. Zweiter Teil. auf die Reise nach Reole mitnahm und ihn in früheren Zeiten unterrichtet hatte. Neben eigentlich historischen Studien beschäftigte er sich besonders mit der Geschichte des hl. Benedikt, dessen Leib ja als kostbarster Schatz nach Fleury übertragen worden war; aber auch andere Heiligenleben zog er in den Kreis seiner Lektüre, wie er z. B. das des Paulus Aurelianus von Huessant nennt. 1 ) Die Beschäftigung mit dieser Literaturgattung versenkte ihn allerdings in Leichtgläubigkeit und ließ ihn auf die Beobachtung von allerhand Vorzeichen ausgehen; 2 ) doch das hat er ja mit seiner ganzen Zeit gemeinsam. Abbo übertrug ihm aber eine Arbeit, die für jene Zeit nicht unbedeutend war, eine Geschichte der Franken. Historia Francorum. Sie ist verfaßt wohl vor 1004, dem Todesjahr Abbos. Aimoin spricht sich im Widmungsbriefe an Abbo deutlich über sein Werk aus. Danach hatte ihm der Abt aufgetragen, die res gestas gentis sive regam Francorum, die in verschiedenen Büchern zerstreut und in ungebildeter Sprache zu finden seien, zusammenzustellen und in gutem Latein zu erzählen. Da Abbo ihn häufig ermahnt habe, zugleich eine Topographie (situm) Germaniens und Galliens zu geben, so habe er die betreffenden Stellen aus Cäsar, Plinius und Orosius zusammengetragen und damit einen Blick auf die Sitten und Einrichtungen der Germanen und • Gallier nach Cäsars Bericht verbunden. Die Frankengeschichte selbst habe er von deren Auszug aus Troja bis zum Regierungsantritt von Karls des Großen Vater Pippin geführt, und zwar in vier Büchern, deren jedes folgende das vorhergehende um die Regierung eines Königs übertreffe. Besonders habe er Klarheit in die Genealogien der Herrscher gebracht und zu dem Zweck die einzelnen Könige mit Beinamen unterschieden. Für unsre Begriffe kindlich klingt der Zusatz, daß er in allen vier Büchern des hl. Benedikt gedacht habe. Am Schlüsse verwahrt er sich gegen Neider und Feinde und weist den Vorwurf, er habe seine Darstellung auf fremde Kosten gemacht, damit zurück, daß er hierfür das Beispiel guter Geschichtschreiber anführen könne; und er werde das, was er getan habe, auch weiter tun. — Folgen wir nun seiner Darstellung, so finden wir, daß er einen Situs Germaniae vel Galliae in acht Kapiteln vorausgeschickt hat und daß hier der Anfang von 1 aus Plinius 4,98—101 in allerdings höchst oberflächlicher Weise exzerpiert ist, falls man andrerseits den Ausgaben Aimoins trauen darf. 3 ) Aimoin fährt dann fort mit Caes. bell. Gall. 4,10 und Plinius 4,100. Hierauf folgt in fast genauem Anschluß an die Cäsarhs. von Fleury Caesar bell. Gall. 6,24—28 und die Fortsetzung im 2. Kapitel mit 4,21—24,1. So weit über Germanien. Die Beschreibung Galliens erfolgt erst aus Orosius 1, 2, 63—68, dann aus Caes. bell. Gall. 1, 1 und 2, worauf eine etwas modernisierte Übersicht 1 ) über die Städte und Landschaften Galliens folgt, in der Aimoin erwähnt, daß er die Langsamkeit der Saone (nach Caes. bell. Gall. 1,12,1) bei ihrem Einfluß in die Rhone selbst gesehen habe, wie er auch etwas später (col. 643B) aus Autopsie das Steinhaus der Königin Brunichildis im Walde Leccenna >) Vgl. Miracula s. Benedicti 2, 11, 27 3 ) Ich benutze die von Migne 139, 629 ff. (Migne 139.841B). 2 ) Vgl. Miracula s. Benedicti 2, 19, 42 f. (col. 848 D). 4 ) Nicht aus der Kosmographie des Julius Honorius oder der Notitia Galliarum. Aimoin von Fleury. 241 erwähnt. In den Kap. 5—8 berichtet Aimoin über die Sitten der Gallier nach Caes. bell. Gall. 6,13—20 und 4,5 und fügt zwei kleine historische Xotizen aus Orosius und Sallust an. Hiermit glaubt er Vorgeschichte und Geographie der Gallier und Germanen erledigt zu haben; er ist freilich in den Fehler verfallen, daß er die Zustände zur Zeit Cäsars und des Plinius mit wenig Ausnahmen in seine eigne Zeit verlegt und also längst Vergangenes in die Gegenwart versetzt. Das erste Buch beginnt er dann mit der Trojanersage der Franken, 1 ) die er aus Fredegar entlehnt, aus dem er nun überhaupt stark ausschreibt. Daneben benutzt er für die ganze folgende Zeit Gregors von Tours Frankengeschichte, außerdem die Gesta Dagoberti. Den Stil seiner barbarisch geschriebenen Quellen glättet er auf jede Weise, behält aber sorgsam die vielen eingeflochtenen Reden als besonderen Schmuck der Darstellung bei. Am Ende des 4. Buches kommt Aimoin auf die Gründung des Klosters Fleury durch Leodebodus zu sprechen und verweist den Leser über die Translation des hl. Benedikts nach Fleury auf das Gedicht, das er seiner Geschichtsdarstellung angehängt habe. Es folgt nämlich ein ziemlich ausgedehntes Gedicht über jenen Stoff, jedenfalls ein recht unpassender Schluß für eine Geschichte der Franken, die mit Plinius einsetzt. Das ganze Werk, das übrigens nicht bis zu Pippin, sondern nur in die Mitte des 7. Jahrhunderts reicht, ist mehr eine stilistische Leistung, obwohl man in früheren Zeiten viel Wert auf Aimoins Werk gelegt hat, so daß es sogar im 11. (bis 1040) und 12. Jahrhundert (bis 1165) fortgesetzt worden ist. Sind nun die Angaben des Andreas von Fleury über Aimoin richtig, so würde auf die Frankengeschichte der Sermo in laude s. Benedicti folgen. Mit diesem Werk trug sich Aimoin schon längere Zeit, da ja seine oben berührten Worte aus der Vorrede zur Frankengeschichte genau hierauf passen. 2 ) Nämlich diese Predigt ist nur in ihrem Anfange eine solche zu nennen, denn alles Weitere besteht aus einem Cento von anderen Werken. Und zwar folgen sich Stücke aus Gregors des Großen Dialogen (3,16. 4, 8), der metrische Prolog, den Aimoins Zeitgenosse Gausbert von Fleury 3 ) zur Vita Benedicti schrieb, eine Stelle aus der angeblich von Faustus geschriebenen Vita Mauri, die Distichen des Marcus von Montecassino auf Benedikt, Stücke aus des Paulus Historia Romana und aus der Langobardengeschichte mit den Gedichten Ordiar unde tuos und Fratres alacri pectore, das Einleitungsgedicht Smaragds zu seinem Kommentar der Regel Benedikts, sowie die beiden Stücke aus Aldhelms De laudibus virginum 842—880 und 2024—2050; am Ende werden die meisten der hier berührten Wunder kurz rekapituliert. Aimoin blieb zunächst der lobpreisenden Darstellung seines Heiligen treu. Denn als Gauzlin an Stelle des 1004 getöteten Abbo Abt in Fleury geworden war, schloß er sich an den neuen Leiter des Klosters ebenfalls ') In der Vorrede zu Buch 1 (col. 637 C) gehen die Worte Vividam — debellare super- bos auf Vergil zurück, aus dem 3.4 col. 694B eine Stelle zitiert wird. In der Vita Abbonis c 9 (col. 397 C) erscheint Terentius Andr. 1, 1,41 und im Sermo de s. Benedicto (col. 857 D) wird Sedul. Pasch. Carm. 1,170 angeführt. Im allgemeinen bringt Aimoin als guter Schriftsteller nur sehr selten Zitate. 2 ) col. 628 C ac deinde facturum autumo. 3 ) col. 859 A a quodam huius loci sapien- tium, cui Gausbertus nomen, haud mediocriter studiis a pueritia liberaliter imbuto artium, huiusmodi praefatiimcula vitae huius eximii patris superaddita est. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 16 242 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. eng an und widmete ihm ein weiteres Werk über Benedikt. Auch Gauzlin stand, wie Abbo, in nicht geringer Gunst am Hofe und es hat sich eine kurze Korrespondenz zwischen ihm und König Robert erhalten und zwar sowohl in Fulberts Briefsammlung, als auch gesondert 1 ) und in Gauzlins Leben von Andreas von Fleury. 2 ) Durch Aimoin lebte jetzt die in Fleury so eifrig geübte Schriftstellerei über Benedikt wieder auf, und seine Schriften gaben Veranlassung, daß sie auch nach ihm reichlich fortgesetzt wurde. Zuerst hatte wohl Adalbert von Fleury die Übertragung des Heiligen geschildert 3 ) und bald nach 875 hatte Adrevald daselbst ein Buch über die Wunder verfaßt, 4 ) die Benedikt gewirkt hatte; eine kurze Fortsetzung der Wunder schrieb um 880 der Mönch Adelerius. Seitdem war lange Zeit vergangen, doch hatte nun Aimoin durch seinen Sermo das Interesse für Benedikt im Kloster wieder erweckt und Gauzlin im Verein mit einigen Mönchen forderte ihn auf, Adrevalds Arbeit fortzusetzen. Aimoin widmete 1005 das Werk dem Abt und den Brüdern von Fleury und berichtet im Widmungsbriefe, daß er sich nicht auf die Wunder beschränkt habe, die sich am Grabe des Heiligen selbst zutrugen, sondern auch die dargestellt habe, die sich an den andern dem Gedächtnis des Heiligen gewidmeten Stätten ereigneten; am Schluß der Widmung rechnet er es dem Heiligen als besonderes Verdienst an, daß nach den Zeiten Gregors des Großen nur Mönche aus dem Kloster Benedikts seinen Ruhm verbreitet haben. Aimoins Arbeit selbst geht doch über den gewöhnlichen Rahmen solcher hagiographischen Darstellungen etwas hinaus, er verflicht manche historischen Tatsachen in seinen Bericht. So geht er von den Normannenverwüstungen Galliens aus, da er dadurch den Übergang zu einer Vision Benedikts vor dem Normannenherzog Rainald herstellen kann. Er berichtet dann in ziemlich bunter Reihe, aber in ungefähr chronologischer Folge mancherlei geschichtliche Tatsachen, die sich mit Ruhmestaten seines Heiligen in Verbindung setzen ließen, und dabei vergißt er nicht die innere und äußere Geschichte seines Klosters. Seiner Erzählung gibt er bald einen persönlichen Rahmen, bald einen landschaftlichen, und so wird des Lesers Interesse in verschiedener Weise erregt. Das Ganze liest sich fast wie ein geschichtlicher Roman, der allerdings nur aus lose zusammenhängenden Teilen besteht. Aimoin schließt seinen Bericht mit der Versicherung, daß er mancherlei ausgelassen habe; er werde aber, wenn ihm Gott das Leben schenke, die gesamten Ruhmestaten, die Benedikt in Neustrien gewirkt, später berichten. Und es scheint, als habe er dies Versprechen sehr bald einlösen wollen. Denn Andreas von Fleury, der im Jahre 1041 Aimoins Arbeit fortsetzte, erzählt in seinem Prologe, daß dieser nach Fertigstellung des 4. Kapitels seines dritten Buches von den Brüdern um eine Geschichte der Äbte von Fleury gebeten worden sei. Da nun Aimoin im Briefe an Gauzlin sagt, daß er sein ganzes Werk in zwei Bücher geteilt habe, 6 ) so wird er also ') Schon erwähnt in Durham 1395 (Surtees I 3 ) MG. SS. 15,1, 480-482. society publicat. 7,58) mit sehr ausführlicher | 4 ) MG. SS. 15,1,474—497 (Auszüge); die Aufschrift; diese Hs. ist jetzt Durham B. II. Fortsetzung des Adeleiiusdaselbstp.498-500. 11 s.XJ. 5) col. 802D opus omne in dttos partim» 2 ) Neues Archiv 3, 379 f. cap. 65. 66. libros. Aimoin von Fleury. 943 eine Fortsetzung bald begonnen haben, die aber durch eine andere Arbeit abgelöst und dann nicht vollendet wurde. Dies neue Werk war eine Geschichte des Lebens und der Taten der Äbte von Fleury, wie Aimoin übrigens sein Werk selbst nennt. 1 ) Es ist leider verloren, 2 ) und wenn es bei Watten- bach (I, 468) heißt, daß sich davon nur das Leben Abbos erhalten habe, so ist das nicht richtig. Denn erstens spricht ja Aimoin selbst im Leben Abbos von dieser Geschichte der Äbte von Fleury als von einem selbständigen Werke, und zweitens hält auch Andreas im Leben Gauzlins beide Schriften durchaus auseinander. Und zwar hatte Aimoin das Leben von dreißig Äbten behandelt, wie Andreas erwähnt. Sonst ist fast nichts von dem Werke bekannt. Ein Schüler Abbos in Fleury und älterer Zeitgenosse Aimoins war Herveus, der zu St. Martin in Tours Schatzmeister wurde (gestorben 1012). Er wandte sich nach Abbos gewaltsamem Tode an Aimoin mit der Bitte, dessen Leben darzustellen. Aimoin hatte an Herveus angenehme Erinnerungen und entsprach seiner Bitte und schickte ihm mit einem freundlichen Schreiben das Leben des Meisters. Da er die Schrift Vita vel 3 ) martyrium nennt, so fügte er dem Briefe eine kurze Begründung für die Bezeichnung Abbos als Märtyrers hinzu und beginnt hierbei mit dem Gedanken, den Sedulius im Anfang des Paschale Carmen ausgeführt hat. Jedenfalls war Aimoin unter den Brüdern von Fleury am geeignetsten für diese Arbeit, da er Abbo sehr nahe gestanden hatte, und er hat denn auch seine Aufgabe mit Geschick gelöst. Trotzdem der geistliche Standpunkt nicht wenig hervorgekehrt ist, erhalten wir im Leben Abbos doch mehr eine wirkliche Biographie, die sich den besten Erzeugnissen des Mittelalters an die Seite stellen kann. Manches wird allerdings darin verschwiegen, 4 ) aber eine gewisse urkundliche Grundlage doch festgehalten. Namentlich wird Abbos wissenschaftliche Tätigkeit und sein gerade hierfür entscheidender Aufenthalt in England breiter dargestellt und für die entschiedene Kirchenpolitik des Abtes erhalten wir größere Stellen aus dem Apologeticum und mehrere Briefe an westfränkische hohe Kleriker eingelegt. Auch die beiden Romreisen und Abbos Verhältnis zum Papsttume, sowie Schreiben an Otto III. und an Odilo von Cluni werden ausführlich berührt, während über einige kostbare Arbeiten im Kloster, die von Gauzfred ausgeführt wurden, ziemlich schnell hinweggegangen wird. Ausführlich kommt Aimoin dann auf die beiden Reisen nach Reole zu sprechen und gibt an dem unglücklichen Ausgange des gelehrten Abtes sein wärmstes Interesse kund. Am Schlüsse hängt er auch einige der nunmehr unvermeidlich gewordenen Wunder an. Die Sprache Aimoins in dieser Biographie ist besonders gewählt und nach Sitte der Zeit namentlich an den Dichtern gebildet, obwohl wirkliche Anführungen aus der alten Poesie selten sind. Von Interesse ist, daß Aimoin c. 20 eine Stelle aus der Lebensbeschreibung Ludwigs des Frommen anführt, deren Verfasser der sog. Astro- ') Vita Abbonis 16 (col. 406C) ut in libro, quem de vita vel actibus abbatutn nostri loci scripsimus, plenius explanatum est. 2 ) Die Notiz aus Sens 1123 (d'Achery, Spicilegium 2,485. Paris 1723) et loci Floriaci descriptionem gehört natürlich nicht hierher. 3 ) Hier vel = und. •*) Vgl. hierzu Sackur, Die Cluniacenser 2, 348. 16* 244 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, nomus ist, daß er aber als deren Autor Einhart bezeichnet. 1 ) Ein späteres Werk Aimoins ist nicht bekannt, wie auch sein Todesjahr nicht überliefert wird. Zeugnisse. Aimoin erscheint bei Sigebert de Script, eccl. 101 (ed. Miraeus p. 146) Aimonius monachus Floriacensis historiam miraculorum s. Benedicti ab Adrevaldo initiatam perfecit, perdncens eam a tempore Odonis regis usqne ad tempus Roberti regis Francorum. Scripsit etiam histöriam Francorum et situm Galliarum distinxit. Das Geburtsjahr ergibt sich ungefähr aus der Angabe, daß er tenera etate unter Amalbert die Einkleidung als Mönch empfangen habe (Miiac. s. Benedicti, 1,18,32 col. 821 C Post excessum pastoris Amalberti a quo in tenera aetate habitum monasticae suscepi religionis); Amalbert war 979—985 Abt vgl. Sackur, Die Cluniacenser 1, 275. Ueber seine Herkunft vgl. Vita Abbonis 18 (co].408C) Porro nos eadem die qua de Albaterra promovimüs transmeato Ella flumine una cum beato Abbone in villa, quae Ad Francos dicitur, hospitati sumus. Suscepit nos inibi genitrix mea memorati militis Giraldi consanguinea, vocabulo Aunenrudis; zu Girald oben 408 A dominus ipsius castri (seil. Albaterrae) nobilis vir nomine Giraldus. Die sprachliche Befähigung zeigte Aimoin namentlich in der stilistischen Umänderung der barbarischen Quellen seiner Frankengeschichte. Daß er Mönch in Fleury war. bezeugt er selbst Vita Abbonis 13 (col. 404B) nobis scilicet Floriacensibus consignans monacliis, sowie Mirac. s. Bened. 1,18,32 (s. oben) sowie auch Sigebert c. 101. Abbo war sein Lehrer, vgl. die Widmung der Frankengeschichte (col. 627 B) ingeniolum . . . meuni, quod . . . per tuae sollicitudinis tuorumque diseipulorum laborem ad meliora profecisse arbitrabaris. Reisebegleiter Abbos 1004, vgl. Vita Abbonis 17 (col.407 A) hos ex monachis itineris comites assumens: supra nominatum Remigium, meque qui haec scribo Aimoinum cum Guilelmo. Zur Entstehung der Frankengeschichte vgl. den Brief an Abbo (col. 627 B) Praeceptis beatitudinis tuae . . . parui, quibus praeeeperas ut . .. res gestas gentis sive regum Francorum, quae et per diversos sparsae libros et inculto erant sermone descriptae, in unius redigerem corpus opusculi ac ad emendationem latinitatis revocarem formam . .. Admonitionis itaquae tuae non immemor, qua saepissime hortatus es ut situm Germaniae vel Galliae .. . non praetermitterem. Die Quellenangabe quae in auetoribus Iulio, Plinio ac Orosio invenire potui colligens . . . His igitur adiunxi, quae Iulius de Germanornm Gallorumque moribus ac institutis in libro suae interserit historiae. Die Verwahrung gegen Neider und Feinde begegnet bei ihm auch sonst, nämlich in der Widmung an Herveus von St. Martin (col. 388 A) intelligens hoc opus multorum displicere animis . .. Et floeeipendens linguas derogantium, wo aber die offenbare Parteinahme Aimoins für seinen Abt, der so viele Feinde hattej damit gemeint ist. Hier jedoch kommt nicht kirchenpolitisebe Feindschaft ins Spiel, sondern literarische Gegnerschaft; die Stelle heißt (col. 628B) Nee ignoro mnltos fore, qui solita libidine Omnibus detrahendi huic volumini genuinum infigant dentem. Quod vitare non poterit nisi qui nihil omnino scribet. Calumniabuntur enim tempora, con- vertent ordinem, res arguent, syllabas eventilabunt et quod aeeidereplerumque solet, negligentiam librariorum ad auetorem referent. 2 ) Dicent etiam: En noster historiographus novusque auetor qui aliorum verbis pro suis utitur. Hoc quidem me fecisse non nego, neque me id piget, ac deinde facturum autumo. Habeo bonorum exemplum, quo mihi id Heere facere, quod Uli fecerunt, puto. Die Reihenfolge der Werke Aimoins geht aus den Schriften des Andreas von Fleury hervor, der in der Vita Gauzlini 3 (Neues Archiv 3, 352) sagt: Aymoinus . . . conposuit librum Gesta Francorum pretitulatum ; texuit et quendam in patris Benedicti laude sermonem, ■metrorum intercalatione pulchre micantem . .. Deinde sub optentu nominis huius venerandi pastoris recentia eiusdem patris magnalia rethorica promulgavit faeundia. Aus den verschiedenen zum Sermo über Benedikt zusammengetragenen Stücken sieht man deutlich, daß man in Fleury bemüht gewesen war, die gesamte Literatur zu Benedikt zu vereinigen. So ist Aimoins Leistung nur ein Sammelwerk gewesen und bedeutet literarisch nichts; er trug sich jedenfalls schon hei der Abfassung der Frankengeschichte mit diesem Sermo, der für die Geschichte der Ueberlieferung jener Werke allerdings eine gewisse Bedeutung besitzt. Nur die Verse Gausberts, eines Mönches von Fleury und Zeitgenossen Aimoins, sind sonst nicht bekannt, sie bezeugen die hohe Verehrung des Heiligen im Kloster und bestehen aus zwölf Distichen. — Die Angaben, die Aimoin und Andreas über die frühere schriftstellerische Tätigkeit zu Benedikt in Fleury machen, sind nicht ganz korrekt. Nämlich Aimoin schreibt in der Widmung an Gauzlin (col. 804 A) Translationis vero eins sacri corporis ordinem ad l ) Wahrscheinlich befand sich also eine ! 2 ) Diese ganze Stelle hat Aimoin aller- Hs. des Astronomus in Fleury, in der dies Werk auf Einharts Leben Karls folgte, so daß Einbart als Verfasser beider Biographien angesehen werden konnte. dings wörtlich aus der Vorrede zu Hieronymus Uebersetzung von Eusebius' Chronik abgeschrieben (Migne27, 38B-39A). Aimoin von Fleury. 245 hutic venerabilem locum nee non signa hie vel per Gallias ipsius meritis gesta vir diser- tissimus Adrevaldus [qui et Adalbertus aestimatur nominatus] istius monasterü monachus, scriptis inseruit. Cui operi Adelerius, liuius nihilominus congregationis monachus, duo tantum capitula adiecit, und Andreas von Fleury in der Vorrede zu seinen Miracula s. Benedicti (Neues Archiv 3,246) Expeditis duobus luculentissime explanationis libris insignium gestorum patris patrum Benedicti ab Aymoino . . . qui primus post recensibiles domni Adrevaldi labores tanti consulis ■ .. laudes ad liquidum deo favente prosecutus est. Zur Aufforderung Gauzlins vgl. die Widmung (col. 801 D) Ideoque quorumdam vestrum imperiis ... libenter cervicem subdidi, ut quaedam de miraculis . .. Benedicti ad memoria») posterorum scripto traderetn. Institi itaque ut potui, et non solum ea quae ad ... patris sepulcrum gesta sunt, verum etiam illa, quae in aliis ipsius memoriae locis .. . dominus operari dignatus est, stilo comprehendere enravi, opus omne in duos partiens libros. Ev wurde dabei durch die Brüder unterstützt (col. 803 A) Vos autem fratres ... cum quibus in primaevo aetatis fiore iugum suave Christi ferre didici, 1 ) mihi, quaeso, congratulamini, quod vestris quoque adminiculis ad hoc profeci. Adrevald und Adelerius werden von Aimoin mehrfach angeführt, so 1, 1, 4 col. 803D und 1,1,5 (col.804D) etc. Am Schluß 2,22,46 (col. 852 A) heißt es Hie ergo finis erit Hbri, quamvis, si dominus voluerit, vitaque comes fuerit, ea quae fidelis fama in tota pene divul- i/avit Neustria, nostra nequaquam sint silenda desidia. Hierauf folgt wieder eine Andeutung persönlicher Gegnerschaft Gompellunt etiam nos ad tacendum inimici nostri, qui maximum deputant sibi affluere epulum, sialiorum studiis lacerum inftgant dentem. Daß das Werk 1005 verfaßt ist, geht aus 2,1, 3 (col. 825 B) hervor Qui (seil. Abbo) praecedente hunc quo haec scribimus anno, qui fuit ab incarnatione domini millesimus quartus .. . innoeenter occisus; vgl. 2,17,39 (col. 847B), wo die Pfingstberechnung aufs Jahr 1005 paßt; der Anschluß Aimoins an Gauzlin war also schnell erfolgt. Zur Fortsetzung der Miracula und der Abtsgeschichte von Fleury vgl. Andreas (Neues Archiv 3, 346) cumque idem post quattuor capitula tertii a se inchoati libelli ad vitam Floriacensium edendam abbatum se rogatu omnium vertisset fratrum. Die Stelle aus der Abtsgeschichte, die Aimoin anführt (col. 406 B) Id (seil, monasterium Regula) Ghiilelmus .. . Burdegalensium comes ... audita fama religiosae vitae Richardi Floriacensium abbatis, ipsi siiccessoribusque eius ad regendum dudum commiserat, ut in libro, quem de vita vel actibus abbatum nostri loci scripsimus, plenius explanatum est, handelt von der Zeit des Abtes Richard und beweist, daß diese Geschichte auf urkundlicher Grundlage gegeben war. Andreas äußert sich in Mirac. s. Bened. 2 (Neues Archiv 3,352) darüber Bursus prefatus Aymoinus tricenorum dietüans gesta abbatum hoc Floriacense regentium coenobium usque ad iam dictum Abbonem decurrit abbatem, cuius et textum passionis stilo dietante posterorum mandavit memorie. Hieraus ergibt sich deutlich, daß das Leben Abbos von der Abtsgeschichte getrennt war. Mit jenen dreißig Aebten stimmt die Schlußbemerkung Aimoins in seinen Miracula s. Benedicti 2, 22, 46 (col. 852 B) Ista igiticr omnia ... sub triginta abba- tibus, qui huic Floriacensi coenobio ab initio suae fundationis per trecentos octoginta quin- que et eo amplius praefuerunt annos,.. . operari dignatus est Iesus Christus. Andreas spricht von der Geschichte noch an drei Stellen (E. de Certain, Les miracles de S. Benoit p. 202) 5, 6 Qui quibus exeniis pompatus advenerit, Aymoinus refert in eo libro, quem de Floriacensium rectorum ordinavit successibus und 6,13 p. 237 sicut celeberrimus authenticorum Aimoinus in libro vitae abbatum luculento refert relatu, endlich 7,13 p. 270 Sanctus dei Abbo cum tempore Oyboldi ... Anglicarum expetiisset confinia regionum ut in libro Floriacensium continetur abbatum. Eine weitere Benutzung des Werkes hat sich noch nicht gefunden. Zu Herveus oder Heriveus von Tours vgl. die Urkunde bei Migne 141,955 und Rodulfus Glaber 3,4 (Bouquet, Recueil des historiens des Gaules 10, 30 A), Pfister, Etudes sur le regne de Robert le Pieux p. 8, Sackur, Die Cluniacenser 2,348. Die Beziehungen zu Fleury in Aimoins Brief an ihn (col. 387 A) Beminiscimur enim iueundam tuae pueritiae indolem, quam lenis sodalibus, quam grata maioribus . . . Tua quoque sanetitas memorem se fore ostendit bonorum quae in hoc sacro Floriacensi coenobio vidit sive audivit exemplorum ... praeeeptorum ac assiduae admonitionis nutritoris sui saneti patris nostri Abbonis haud segniter recordatur. Auftrag des Herveus an Aimoin (col. 388 A) Unde ... tneam admonere dignatus es parvitatem, uti vitam eius, sen quo ordine ad martyrium pervenerit, litteris mandare. Die Begründung für Abbos Martyrium col. 387 C und 388 B. Die gelehrte Tätigkeit Abbos in c. 3 (col. 390B—D) und 13 (col. 404AB). Am Schluß c. 21 (col. 414A) spricht sich Aimoin über seine Arbeit aus, Haec de vita moribus et actibus neenon martyrii . .. Abbonis partim a fidelibus viris audita partim a nobis visa ... veraci pro posse relatu scripsimiis und sagt, daß er einige Wunder beifügen wolle qui eius sepiderum dignatus est miraculis illustrare, mihi facultatem dignetur conferre, in sequenti volumine ea ad laudem nominis sui fidelibus manifestare. Das angekündigte völumen besteht allerdings nur aus fünf kleinen Kapiteln. J ) Nach Sedul. Pasch, carm. 1,290. 246 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil Frankengeschichte. Ueber die benutzte Cäsarhandschrift vgl. Manitius, Jahrbücher f. klass. Phil. 1889, 77 ff. Zur Benutzung der Gesta Dagoberti vgl. Levison, Neues Archiv 27,334. Zu den Fortsetzungen des Werkes vgl. Luce, La continuatiou d'Aimoin etc. in Notices et documents publ. pour la Societe- de l'hist. de France (Paris 1884) p. 57—70 und Coville, Rev. hist. 27, 351. In alten Katalogen wird das Werk nicht genannt, trotzdem Hss. häufig sind: Havn. 599 s. X — XI; Voss. lat. 4. 15 s. XI — XII (mit der Translation in Versen); Oxon. Bodlei. 2525; Paris. S. Germ. 436 s. XII, Navarr. 22 s. XIV, St. Victor 584 s. XV u. a. In der Bibliothek von Cujaz wird eine Hs. genannt, Neues Archiv 11, 215 N. 117 Ausgaben: Bouquet, Recueil 3,21. Migne 139,627. Vgl. Potthast S. 28. Wattenbacli 1,469f. —Miracula s. Benedicti. Zu den einzelnen Darstellungen in Fleury vgl. Potthast S. 1200 (mit Irrtümern), besser Wattenbach 1,467 f. Hs. (mit der Translatio) Cambridge St. John's Coll.F.27. Ausgaben (mit dem Sermo) Migne 139,801 -870 undE.de Certain,' Les miracles de St. Benoit (Paris 1858) p. 90—172. Die Vita Gauzlini ed. Ewald, Neues Archiv 3,351 — 383, daselbst S. 346 f. die Vorrede des Andreas zu seinen Miracula s. Benedicti.— Vita Abbonis. Hs. Montpellier 68 s. XI. Ausgaben: Mabillon, Acta SS. 6,1,37—58 Migne 139,387—414. — Histoire litteraire de la France 7,216-227. 28. Venetianische Geschichtsquellen des 10. u. 11. Jahrhunderts. Nachdem im 9. und 10. Jahrhundert der venetianische Staat unter seinen Herzögen wesentlich erstarkt war und seine frühere Abhängigkeit von Ostrom beinahe gelöst und mit dem deutschen Reiche im Zeitalter der Ottonen in ein engeres Verhältnis getreten und durch Entfaltung seiner Stärke auf dem anderen Ufer des adriatischen Meeres schon eine mächtige Position erhalten hatte, blühte auch hier die Geschichtschreibung in gewisser Weise auf. Sie ist allerdings mehr provinzialer Natur und begreift in ihren Anfängen mehr die Verhältnisse des Ostreiches, als daß sie sich für das Frankenreich und seine Teile interessiert. Erst als die ottonische Politik die Venetianer Stellung zu nehmen zwang, kam auch das Interesse für die deutschen Könige und weströmischen Kaiser und sie erhält dadurch ein etwas universaleres Gepräge. Von den früheren Werken ist weitaus das bedeutendste die Chronik Venedigs von Johannes Diakonus. 1. Johannes Diakonus. Das Werk, das diesem beigelegt wird, ist in den Handschriften ohne Namen des Verfassers und ohne Titel überliefert. Man nennt es das Chronicon Venetum, da es die venetianische 1 ) Geschichte von ihren Anfängen bis 1008 erzählt. Und daß der venetianische Diakon Johannes diese Chronik schrieb, geht aus folgendem hervor. In den früheren Partien des Werkes tritt der Verfasser völlig zurück, dagegen seit der Zeit Ottos III. wird sein Anteil an den politischen Geschäften deutlich. Namentlich ergibt sich das aus der Charakteristik des Dogen Peter II. Orseolo, 2 ) die mit Sinn für die Größe des Mannes gegeben ist. Das könnte nun freilich aus einer benutzten Quelle stammen, aber fortan wird auch, was früher fast nirgends geschieht, Rücksicht auf den deutschen König genommen, und doch nicht bloß aus dem Grunde, weil seit Otto II. die italienische Politik bei den Ottonen mit im Vordergrund steht und sich vielfach auch auf venetianische Dinge erstreckt. Denn die weitere Darstellung zeigt uns vielfach einen Johannes Diakonus als Gesandten des Dogen an Otto III. Der Gesandte ist ganz in die Politik seines Herrn eingeweiht und er wird ') Ueber die Verwendung des Namens Ve- [ 2 ) Cronache Veneziane antichissime pubbl. neciain der Chronik vgl. Monticolo imNuovo a cura diG. Monticolol (Rom 1890) p. 149. archivio Veneto 3, 379 ff. Ich zitiere stets Dach dieser besten Ausgabe. Venetianische Geschichtsquellen des 10. und 1 i. Jahrhunderts. 247 mit geheimen Aufträgen von ihm betraut. Er bringt die geheime Zusammenkunft Ottos III. mit Peter in Venedig zustande und er erhält bis zum Tode Ottos III. eine diplomatische Sendung nach der andern vom Dogen wie vom Kaiser übertragen. Zu einer höheren Sprache und zur Bezeigung einer inneren Anteilnahme 1 ) bringt den Verfasser aber nur der Tod Ottos III. und man erkennt daraus deutlich, daß er dem Kaiser im Leben persönlich nahe getreten war. Das Interesse am ottonischen Hause hält aber bis zum Schluß des Werkes an und außerdem zeigt sich der Verfasser dort insofern ausgezeichnet unterrichtet als er bei Erwähnung des Testaments des Dogen über dessen Kinder ausführliche Nachrichten bringt. Wer anders soll nun jene Chronik geschrieben haben, als eben jener Diakon Johannes, der Vertraute und Geschäftsträger Peters IL? Niemand als dieser selbst konnte von dem geheimen Auftrag des Kaisers so ausführlich und bestimmt schreiben, als Otto III. mit Peter eine heimliche Zusammenkunft wünschte. Und zu alledem stimmt, daß der Diakon Johannes auch in Urkunden jener Zeit erwähnt 2 ) und von Heinrich IL am 16. November 1002 als Kapellan des Dogen Peter bezeichnet wird. 3 ) Ein strikter Beweis für die Autorschaft des Johannes läßt sich freilich nicht erbringen, aber die inneren Gründe hierfür sind schlagend genug, und es ist auch von allen Seiten, besonders zuletzt von Monticolo, die Zustimmung erfolgt. Die Chronik selbst setzt mit einer Beschreibung Venetiens und mit historischen Daten über die Langobarden, den Untergang des ostgotischen Ileiches, über Narses, über den Einfall der Langobarden in Italien und über die Begründung Venedigs ein. Alle diese Daten sind unselbständig und, wie überhaupt der ganze erste Teil des Werkes, besonders dem Paulus Diakonus, dem Chronicon Altinate und dem Chronicon de singulis patriarchis Novae Aquileiae entnommen. Es folgt eine Aufzählung der Inseln Venedigs, dann in Verbindung miteinander oströmische und italienische Geschichte, und zwar nach Paulus, aber mit Einfiickung von Nachrichten über Grado aus dem Chron. de singulis patriarchis und aus dem Chron. Gradense. Der Tod des Papstes Pelagius an der pestis inguinaria leitet zu Papst Gregor über, dessen Zeit aus Paulus und den Vitae Bonifacii III. und IV. und dessen Tod nach Beda erzählt wird. Die folgenden Stücke bis zum Regierungsantritt des Dogen Mauricius sind fast sämtlich Paulus und Beda entlehnt, in die Erzählung flechten sich aber die Daten der Patriarchen von Grado ein, die, entgegen dem sonstigen Bericht, 4 ) mit den Inkarnationsjahren datiert sind. Von Wichtigkeit sind einzelne aufgenommene oder in kurzem liegest gegebene Briefe; so wird p. 85 ein Brief der Kaiser Philippicus und Anastasius an Papst Konstantin berührt, p. 95 f. wird ein Brief Gregors II. an Patriarch Antoninus von Grado wörtlich wiedergegeben und p. 96 f. er- ') Sonst ist seine Darstellung eigentlich ] Urkunden und Aktenstücken; vgl. hierzu Monstreng geschäftsmäßig und ohne persönliche ticolo im Nuovo archivio Veneto 3,365—375. Wärme, mit Ausnahme von p. 170,6—14, wo ; 4 ) Sonst ist die Datierung sehr ungenau, der Tod des jungen Johannes Orseolo und I da die zeitliche (und sachliche) Anknüpfung seiner Gemahlin Maria beklagt wird. fast stets mit Ausdrücken geschieht wie Dörfern 2 ) Vgl. Monticolo a.a.O. p. XXXI ff. tempore. His quoquetemporibus. Hac denique Stumpf, Die Reichskanzler Bd.2,111 N.1333 tempestate. Is diebus. Eisdem etiam diebus bei Romanin, Storia diVenezia 1,387. Circa hec tempora. Interea u. dgl. 3 ) Daher seine genaue Bekanntschaft mit 248 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. scheint ein Brief Gregors II. an Serenus von Aquileja. Seit dem Antritt des Dogen Mauricius wird die eigentliche Geschichtserzählung über Venedig breiter, sie bleibt aber durchaus provinzial; Karl der Große wird nur im Vorbeigehen erwähnt, über sein Haus erfahren wir nur verwirrte Daten (p. 117,5 f.), vom Patriarchen Paulinus von Aquileja aber nichts. Dagegen werden die Streitigkeiten, die die Patriarchen in karolingischer Zeit durchzufechten hatten, recht ausführlich berührt und ebenso ein Sieg der Venetianer über König Pippin im Jahre 810. Neben der venetianischen wird hauptsächlich die oströmische Geschichte dargestellt, allerdings oft zusammenhangslos, so daß man nicht selten an Annalen erinnert wird. Zuweilen ist die Anknüpfung höchst naiv, wie es p. 115,13 f. heißt: „Und auch das will ich nicht auslassen", 1 ) obwohl die Nachricht mit der vorausgehenden Erzählung gar nicht zusammenhängt. Die Geschichte Venedigs wird, trotzdem die Behandlung oft sprungweise erfolgt, ziemlich eingehend geschildert und auch auf die Verhältnisse bei Normannen, Sarazenen, Slaven (Kroaten) und Ungarn Bezug genommen. Aber eine sichere zeitliche Verbindung findet sich, wie früher, nur selten (p. 119,17) und Inkarnationsjahre erscheinen nur recht spärlich; 2 ) räumlich weit getrennte Dinge werden aber nebeneinander gestellt, wenn sie sich nur einigermaßen zeitlich berühren (vgl. p. 123). Fränkisches wird kaum berührt, wie z. B. p. 124 der Zug Karls des Kahlen nach Italien und sein Tod wohl nur deshalb erzählt wird, weil Patriarch Petrus von Grado dabei ins Spiel kam. Wichtig bleiben für den Verfasser die oströmischen Verhältnisse, und er bittet p. 136,14 um Entschuldigung, daß ihn die Rücksicht auf die griechischen Kaiser von seinem eigentlichen Faden etwas abgebracht habe. Später wird die Erzählung sehr ausführlich, und, wie schon gesagt, auch die Taten der Ottonen gewinnen an Interesse, wie Ottos II. Sieg und Mißgeschick in Süditalien 982 recht eingehend, allerdings von Alpert und Thietmar abweichend, dargestellt wird. Mit der Zeit Ottos III. gewinnt dann die Chronik an Anschaulichkeit und Lebendigkeit, es sind die eignen Zeiten des Verfassers und er schildert aus eigner Anschauung und mit hohem Interesse. So wächst seine Arbeit von einer nicht gerade bedeutenden Kompilation allmählich zu einer historisch und politisch gleichmäßig interessanten Darstellung. Wahrscheinlich fehlt ihr das Ende, denn die Charakteristik des jungen Patriarchen Ursus von Grado und die Nachricht von der Renovierung der Marienkirche zu Grado bilden für ein solches Werk kaum einen Abschluß; und wenn man hierzu die vielfach fehlenden und erst nachträglich einzusetzenden Zahlenangaben zieht, so kommt man zu dem Ergebnis, daß Johannes seine Arbeit nicht wohl hat zu Ende führen können. —Verwendung hat das Chronicon Venetum gefunden beim Annalista Saxo, bei Andrea Dandolo und in den Libri de vitis patriarcharum Aquilegensium. ') illud etiam non pretermittendum est, Das Inkarnationsjahr hat der Verfasser mehr- ähnlich wie in den Heiligenleben von einem fach erst später einsetzen wollen, er ist aber Wunder zum andern übergegangen wird nach , nicht dazu gekommen, so p. 104,15. 105,24. dem Vorbild des Sulpicius Severus Vita Martini 24,4 Non praeterenndum atitem videtur (p. 134,1 Halm). 2 ) Vgl. p. 99, 7 f. 138,1. 148,27. 171,15. 111,1. 116,7. Auch sonst sind chronologische Angaben ausgelassen p. 100, 7. 117,19. 121, 2,9. 126,9. Venetianische Geschichtsquellen des 10. und 11. Jahrhunderts. 249 Zeugnisse. Vgl. im allgemeinen G. Monticolo, La cronaca del diacono Giovanni, Pistoja 1882, und Bullettino dell' istituto storico Italiano 9 (Rom 1890) S. 37—328 und dessen Ausgabe CronacheVenez. antichissime 1, XXIX — XXXV. Johannes nennt sich (ed. Monticolo) p. 160,24 Iohannes diaconus supradicti Petri ducis nuncius. Auftrag des Kaisers p. 160.29 cui Imperator ad propriam iam reddire volenti hoc secretum iniungens suo seniori delegavit, ut si possibile foret, dilectionis gratia in aliquo sue potestatis loco dam vellet venire et tanti vii-i et compatris presentia et sagacitate potiri. Zweite Gesandtschaft p. 161,11 cui Petrus dtix eundem Iohannem diaconum destinavit.. . unde factum est, ut inter ulrasque partes saepedicto Ioliannc diacono crebro discurrendo tale ventilaretur negotium. Zur Fahrt des Kaisers nach Venedig p. 161, 28 parvam naviculam ascendens, qua predictus Iohannes diaconus ad ipsius insule marginem preslolando latitabat; es folgt dann der ausführlich gehaltene Bericht über die heimliche Ankunft und den heimlichen Aufenthalt zu Venedig. Auch die Rückreise Ottos III. nach Ravenna geschah unter dem Geleit des Johannes p. 164,13 f., und durch ihn sendet Otto Geschenke an Peter, der wiederum durch Johannes Gegengeschenke schickt, vgl. p. 164,25—29. Zum Tod Ottos III. p. 164,29 civium (seil. Bomae) insidias formi- dans, in quoddam castellum Paternum nomine ascendit, ubi infelix non diu sospes manens inter dulces annos corpoream dure vitam amisit; de cuius funere gentes ubique minime tunc quaestu silebant. corpusculum vero eins . .. in Aquasgrani palaclium fuerat delatum, ut cum decessore suo pie memorie Kardia queat iudicialem ibi prestolari diem. Ueber Heinrich IL und seine Politik p. 165,7 —11 und p. 167,12-26. Zum letzten Willen Peters IL und zu seinen Kindern vgl. p. 170, 20—171,15. Ueber die Quellen des Werkes im allgemeinen handelt Monticolo im Bullett. dell' ist. stör. Ital. 9,98—102, über die venetianischen Quellen p. 148—151, über Beziehungen zum Chron. Gradense p. 162 — 174, zum sogenannten Chron. Altmate p. 219—246, über Paulus, Beda, Gregor von Tours und den Liber pontiflealis p. 246 —252, über die Briefe Gregors IL p. 177 —199. Die Erwähnung Karls des Großen (ed. Monticolo) p. 14,28 ff. und 100,10 ff. Oeber die Streitigkeiten der Patriarchen von Grado mit denen von Aquileja vgl. W. Meyer in Gott. Abhandlungen 1899 Bd. 2 S. 13—20. Der Sieg der Venetianer p. 104, 12 eundem regem audacter aggressi sunt, et divinitus datum est Veneticis de inimicis triumphum sieque predictus rex confusus recessit. — Zur Benutzung beim Annalista Saxo vgl. MG. SS. 6,567, bei Andrea Dandolo vgl. H. Simonsfold, Andreas Dandolo und seine Chronik (Münchenl876) S.63—78, und in den Libri de vit. patr. Aquil. vgl. Muratori, SS. Italiae 16,8.30. — Die Sprache ist teilweise sehr fehlerhaft und erinnert häufig an die gleichzeitigen Werke aus Süditalien; zum Latein vgl. p. 98,12 evellerunt; 104,13 datum est .. . de inimicis triumphum; 105,17 in . . . cripta recondivit; 116,7(13) cum congunge sna; 150,12 ab ipso infortunium terrere; 151,18 a Ausonia; 1 ) 154,25 rento imperatore; 161.27 nocte igitur perventa; 170,18 terrena 2 ) etate; 171,20 adnlentis. 3 ) Die Orthographie wird von der italienischen Sprache stark beeinflußt, vgl. Snffia [Sophia); scita statt sita; Focax, obsculum, quomoda, pallacium, s. hierzu Pertz, MG. SS. 7,2 n.4. Ueberlieferung. Haupths. (aber nicht vollständig, es fehlt p. 59—98,13 Montic.) Vat. Urbin. 440 s. X XI f. 9"—SS" (vorher das früher an letzter Stelle stehende Chron. Gradense, das wohl schon Johannes selbst mit seiner Arbeit verband), 4 ) vielleicht unter der Aufsicht des Johannes entstanden. Abschrift daraus Vatic. 5269 f. 1—38 a s. XHI.Venet. Marc. Lat. X,141 s. XIV—XV. 5 ) Exzerpte bietet Barberini 247 s. XII. Ausgaben: Pertz, MG. SS.7,1—38 und besonders von G. Monticolo. Cronache Veneziane antichissime 1,59 -171.— Vgl. 0. Kohlschütter, Venedig unter dem Herzog Peter IL Orseolo (Gott. 1868) S. 60—64; G. Waitz, Neues Archiv 2, 376ff. H. Simonsfeld, Andreas Dandolo und sein Geschichtswerk (München 1876) S. 62 ff. Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 5 1,790. Wattenbach 1,485 f. II. Chronicon Altinate. Dies Werk, das vielleicht richtiger mit dem Namen Chronicon Venetum bezeichnet wird, ist wohl schon im 9. Jahrhundert begonnen, jedenfalls aber zum großen Teil im 10. Jahrhundert geschrieben. Da es nur in viel jüngeren Handschriften erhalten ist, so ist die Entscheidung darüber schwierig, wieviel von der ausgesuchte» Barbarei seiner Sprache dem oder den Verfassern zukommt, und wieviel den Ab- ') Statt ad (= in) Ausoniam. perduxit .. . dedalico instrumento. 2 ) Statt tenera. 4 ) Vgl.Waitz, MG.SS.rer.Langob. etltal. 3 ) Statt adulescentis. Einige Anklänge an p. 393. Zu der Hs. vgl. Monticolo im Bullett. die Sprache der Poesie finden sich p. 166, 2 p. 51-75. vastum per mare velificando; p. 168,29 equo- 5 ) Zu diesen beiden Hss. vgl. Monticolo reas sulcare procellas; 169,14 ad unguem im Bullett. p.76—84. 250 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Schreibern. Dazu ist die Überlieferung in den vier Handschriften des Werkes so verschieden, daß es fast unmöglich ist, die ursprüngliche Form zu restituieren. Nämlich in allen Handschriften finden sich größere Zusätze und Einschiebungen, die wahrscheinlich nicht im Original gestanden haben. Mit einer Chronik haben wir es übrigens eigentlich gar nicht zu tun, denn die Komposition ist derartig, daß erzählende Stücke mit Bischofslisten, Kirchenverzeichnissen, Geschlechtsregistern, Papst-, Dogen- und Kaiserlisten abwechseln, wobei denn auch durchaus sagenhafte Abschnitte begegnen. Im allgemeinen tritt die geschichtliche Darstellung zurück und das Ganze ist somit mehr eine sich auf die hervorragenden Personen beziehende Materialsammlung für die Geschichte der Stadt und des Staates Venedig, und zwar eine Sammlung, deren einzelne Teile sehr willkürlich angeordnet sind. Das Werk gliedert sich nämlich in folgende Stücke. An der Spitze steht die Geschichte von der Auswanderung der Bewohner von Altinum*) nach der Zerstörung der Stadt, die Begründung von Torcello und die Einrichtung des Patriarchats von Grado; dies Stück ist zu Ende des 10. Jahrhunderts geschrieben und im Chronicon Gradense als Unterlage benutzt. Es folgt die Liste der Patriarchen von Grado, die sich in verschiedener Ausdehnung, nämlich bis zum Anfang des 12. und dem des 13. Jahrhunderts findet und in ihren Anfängen dem Johannes Diakonus als Quelle gedient hat. 2 ) Die Kataloge der Bischöfe von Torcello und von Olivolo reichen zwar bis ins 12. und ins 11. Jahrhundert, sind aber viel früher begonnen und dann gleichzeitig fortgesetzt worden. Hierauf finden wir ein Verzeichnis von Kirchen und Klöstern, die von einigen venetianischen Familien gegründet worden waren. Es folgt ein Verzeichnis der Familien, die im Anfang des 9. Jahrhunderts auf den Inseln Rialto und Malamocco sich angesiedelt haben, jedenfalls früh begonnen und in seiner Ausführlichkeit von größter Bedeutung für die alte Geschichte Venedigs. Auch auf alte Zeit geht eine zweite Geschichte von den Anfängen des Patriarchats von Grado zurück, die sich von der früheren unterscheidet und im Anhang Aufzeichnungen über das öffentliche und private Leben der Bewohner jener Gegend enthält. 3 ) Hieran schließt sich eine völlig verwirrte Erzählung über den Präfekten Longinus zu Ravenna und über venetianische Verhältnisse; sie ist in ihrem letzten Teil nicht vor dem 11. Jahrhundert verfaßt, während die frühere Erzählung eher geschrieben ist. 4 ) Der nächste Abschnitt gehört der Sage an und handelt von einem Zuge Karls des Großen gegen Venedig; er ist erst im 11. Jahrhundert, und zwar nicht vor dessen Mitte, den früheren Teilen hinzugefügt worden, da sich eine Stelle 6 ) auf Heinrich IV. bezieht. Die nächsten Stücke sind erst im 11. oder 12. Jahrhundert hinzugesstzt, sie bestehen aus einem Papstkatalog bis auf Damasus IL, einem Verzeichnis der venetifenischen Dogen und endlich aus einer Liste der römischen (bis Theodosius den Großen) und der griechischen Kaiser von Arkadius an, unter Ausschluß der weströmischen Kaiser seit Karl dem Großen. Es folgt schließ- ') Daher wird das Werk Chronicon Al- tinate genannt. 2 ) Vgl. Simonsfeld, Venetianische Studien I S. 24—30, besonders 29. zu schließen, wohl auch noch im 10. Jahrhundert entstanden. 4 ) Simonsfeld, Venet. Studien IS. 40—53 und MG. SS. 14,3. 3 ) Sie ist, nach ihrem barbarischen Latein 5 ) Nämlich MG. SS. 14,57,21 Venetianische Geschichtsquellen des 10. und 11. Jahrhunderts. 251 lieh eine fabelhafte Darstellung über den trojanischen Krieg, die aber wohl auszuschließen ist, 1 ) da sie einen ganz anderen Stil aufweist; sie ist in der Dresdner Handschrift an die Spitze des Ganzen gestellt. So ist dies Werk ein Konglomerat von höchst verschiedenen Bestandteilen, die teilweise früh begonnen, später gleichzeitige Fortsetzungen und Ergänzungen erhalten haben. Eines aber ist allen Abschnitten gemeinsam, nämlich eine sprachliche Barbarei, die über die sonstigen Werke italienischer Autoren jener Zeit weit hinausgeht. Manchmal ist es fast unmöglich, hinter den Sinn der Worte zu kommen, denn die Kasus des Lateins werden nicht beobachtet, der Numerus existiert kaum, das Genus ist verschwunden, die Verba werden falsch flektiert, das Relativpronomen wird geradezu unverständlich gebraucht. Und es ist sicher, daß sehr viele dieser Fehler schon im Archetypus gestanden haben. Daß die Bezeichnung des Ganzen als Chron. Altinate nicht zutrifft, ergibt sich übrigens auch durch die Benutzer des Werkes, die diesen Namen gar nicht kennen. Verwendet nämlich wurde das Werk im 13. Jahrhundert durch Martino da Canale in der Cronaca dei Veneziani, von Marcus in seinem Chronicon Venetum, im 14. Jahrhundert von Andrea Dandolo im Chronicon Venetum und vom Verfasser (Giustiniano?) der Chronica Venetorum. Zeugnisse. Hier ist hauptsächlich zu vergleichen H. Simonsfeld, Venetianische Studien I. (Das Chronicon Altinate), München 1878 und MG. 14, 1 ff. (Die Vorrede zur Ausgabe). Besonders vgl. die erste Arbeit S. 12—53 über die ursprüngliche Gestalt und die Entstehungszeit; auch Simonsfeld, Archivio Veneto 35,117—134. Anhänge und Zusätze, die sich in den Hss. finden, 2 ) sind Annales Venetici breves von 700—1195. Historia dueum Veneticorum von 1102—1178 mit genauester Angabe aller der Großen, die beim Frieden von Venedig 1177 zugegen waren, und ein Supplementum ex chronico quod vocant Iustiniani bis 1129 u. a. Zur Sprache vgl. die Proben (MG. SS. 14) 6,15) Pars tercia populi, quod de eadem chitatem fiterunt, cum Arrium et Arrator venerunt, ubi deus illorum eoncesserunt ; 6,27 Altinensem autem turrispreeellima et excelsa magna; 8,18 Ego sum Iohannem baptistam; 13,7 Paulus ... fuit natione Romanuni. Ipse condivit in ecclesiis Gradensem sanetorum corpora: p. 21,41 suorum parentorum. Mißverstandenes Griechisch: p. 13,26 nam quod Grece euphimia hoc Latine bona forma sonat. Handschriften: Vatic. 5273 s. XIII (von Simonsfeld zuerst benutzt); Dresd. F 168 s. XIII; Venet. bibl. semin. patr. H. V. 44 s.XIII; hierzu kommt wegen der Exzerpte aus dem Archetypus Venet. Marc. cl. Ital. XI, 124 s. XVI (Chronik des Marcus). Vgl. über die Hss. Simonsfeld, Venet. Studien I S. 5—12. 53 ff. und MG. SS. 14,1 f. Ausgaben von A. Rossi im Archiv, stör. Ital. 8,1—228; von Tommaso Gar daselbst im Append. 5,1—128 und besonders von H. Simonsfeld, MG. SS. 14, 5—69. Vgl. Wattenbach 1,486. III. Chronica de singulis patriarchis Nove Aquileie. Dies im ganzen höchst ärmliche und nur auf provinzielles Interesse rechnende Werk ist im 10. Jahrhundert zu Nova Aquileia oder Grado entstanden und wurde von einem Geistlichen im Archiv der dortigen Metropolitankirche zusammengestellt. Denn der ganze frühere Teil des Werkes beruht auf Dokumenten, die in diesem Archiv aufbewahrt wurden. Die kleine Schrift beginnt mit der Begründung der Kirche der hl. Eufemia zu Grado durch den Patriarchen Helias von Aquileja und mit der dort abgehaltenen Synode (3. November 579), auf der die Errichtung des Erzbistums für Istrien und Venetien zu Grado bestimmt wurde, um den Anfeindungen der Langobarden 3 ) in Aquileja zu entgehen. Der Verfasser ist hierüber genau unterrichtet und gibt einen Teil ') Hrsg. von Simonsfeld, Neues Archiv (ed. Mxinticolo in Cronache Veneziane anti- 11,239—251. chissime 1 p. 7 f.) werden erst die Hunnen 2 ) Hierüber vgl. Simonsfeld, Venet.Stu- ! unter Attila und dann die Ostgoten als Feinde dien I S. 121 — 162. \ des Erzstifts genannt. 3 ) In der Begründung des Helias selbst | 252 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. des Wortlautes der Rede, mit der Helias die Verlegung des Patriarchats von Aquileja nach Grado begründete. Außerdem verzeichnet er genau die Namen der zwanzig Bischöfe, die die Verlegungsurkunde unterschrieben: also er hat hierfür die im Archiv niedergelegte Originalurkunde eingesehen — allerdings ist die Synode des Elias eine Fälschung, und die Namen der Teilnehmer sind dem Synodaldekret von Mantua 827 entnommen —, wie er auch Bestimmungen aus dem Testament aushebt, das des Helias Nachfolger Severus zugunsten seiner Kirche und der Armen niedergelegt hatte. An der Hand äußerst kurzer Biographien der Nachfolger 1 ) berührt dann der Verfasser die Schicksale des Patriarchats, wobei neben dem aus Johannes Diakonus bekannten Briefe Gregors II. an Serenus 2 ) noch ein zweiter Brief dieses Papstes an die Bischöfe Venetiens und Istriens anscheinend wörtlich eingelegt wird; aber auch auf Briefe und Entscheidungen Gregors III. zur Zeit des Patriarchen Antoninus wird Bezug genommen. Dann aber gibt der Verfasser nur Notizen mit Ausnahme der Zeit des Patriarchen Fortunatus, dessen Beziehungen zu Papst Leo III. und zu Karl dem Großen etwas herausgehoben werden. Der Rest der Schrift besteht wieder nur aus Notizen, nämlich aus der Reihenfolge der Patriarchen, ihrer Bischofszeit und ihrem Begräbnisort. Da nun an letzter Stelle der Patriarch Ursus, der Sohn Peters IL Orseolo mit einer Regierungszeit von 37 Jahren steht, unsere Schrift aber von dem kurz nach 1008 schreibenden Johannes Diakonus benutzt wird, so ist klar, daß unsere Chronik in der überlieferten Handschrift nicht so vorliegt, wie sie Johannes Diakonus benutzt hat, sondern mindestens die Erweiterung mit den Daten des Ursus erhalten hat. Das Gerippe der Chronik aber sind die Notizen über die einzelnen Patriarchen, an deren Spitze der Verfasser die Gründungsgeschichte stellte, an die er einige historische Daten mit Originaldokumenten bis in die Zeit Gregors III. anschloß. Wir haben es also mit dem Versuch einer urkundlichen Geschichte zu tun, die aber über die ersten Anfänge nicht weit hinausgekommen ist. Das" Werkchen ist zum nicht geringen Teil im Chronicon Gradense exzerpiert worden. Zeugnisse. Zur Entstehung und dem Werke überhaupt vgl. die Einleitung zu Monti- colos Ausgabe in CronacheVeneziahe antichissime 1 p.VHi— XIII. Begründung des Patriarchats ed. Monticolo .p 5, zur Rede des Helias p 7. Zur Fälschung der Synode und zu den Namen vgl. W. Meyer, Gott. Abhandlungen 1899 Bd. 2 S. 21 f. Testament des Severus p. 9,4—11. Die Briefe Gregors IL p. 12 f., zu Gregor III. vgl. p. 13 f., zu Fortunatus p. 14,26 ff. Letzter Patriarch p. 16, 9 Huic successit Urso, gtti omni virtute plenus rexit ecclesiam annos XXXVII d.XLV. Zur Benutzung durch Johannes Diaconus vgl. Monticolo im Bullett. etc. 9,1761. Handschrift: Barberini XI, 145 s. XL f. 1—5. Ausgaben: Pertz MG. SS, 8,45—47 (unvollständig); Waitz, MG. SS. Langob. et Ital. p. 393 ff.; Monticolo, Cron. Venez. antichissime 1 p. 5—16. Vgl. M. Foscarini, Storia della letteratura veneziana p. 119. IV. Chronicon Gradense. Diese Chronik bietet eine Sammlung von Nachrichten über die Anfänge von Torcello und Grado und zur Geschichte des Patriarchats von Grado. Sie ist in ihrem früheren Teile ein Auszug aus den früheren Partien des Chronicon Altinate, während der letzte Teil *) Hierbei wird fast stets der Ort genannt, 9, 177 f.) hält die in der Chron. de sing. patr. wo die Patriarchen bestattet wurden. , gegebene Form des Briefes für die dem Original 2 ) Joh. diac. ed. Monticolo p. 96,18 ff. ' am meisten nahestehende. Monticolo (Bullett. dell' istituto stör. Ital. Konstantins Leben Adalberos II. von Metz. 253 ein Exzerpt der Chronica de singulis patriarchis Nove Aquileie darstellt. Die Darstellung zeichnet sich aber vor den anderen venetianischen Geschichtsquellen dadurch aus, daß sie den Zusammenhang der Ereignisse berücksichtigt und in einem bedeutend besseren Latein geschrieben ist. 1 ) Sie erstreckt sich nur bis in den Anfang des 7. Jahrhunderts. Die Uebei'lieferung besteht im Vat. Urbin. 440 s. XI; Vatic. 5269 s. XIII; Venet. semin. patr. H. V. 44 s. XIII ; Venet. Marc. Lat. X, 141 s. XV. Außerdem ist die Schrift in einer späten Redaktion vorhanden im Venet. semin. patr. G. III. 10 s. XV, die nicht unbedeutende Erweiterungen bietet, den Schlußteil aber ausläßt. Ausgaben von Pertz, MG. SS. 7,39—45 und besonders von Monticolo, Cronache Veneziane antichissime 1,19 — 51 (mit Gegenüberstellung der zweiten Fassung); vgl. die Einleitung von Monticolo p.XHI— XXIX. Waitz, Neues Archiv 2, 375 ff. Benutzung bei Andreas Dandolo weist nach H. Simonsfeld, Andr. Dandolo S. 59-62. 29. Konstantins Leben Adalberos II. von Metz. Mitten in den kriegerischen Wirren in Lothringen, die durch die Usurpation des Metzer Bistums und dann des Trierer Erzbistums durch Theoderich IL entstanden waren, verfaßte der Abt Konstantin von St. Sym- phorian zu Metz ein inhaltlich recht bedeutendes Leben von Theoderichs II. Vorgänger Adalbero IL Die Erinnerung an die glücklichen und friedlichen Zeiten, die Metz unter diesem Bischöfe erlebt hatte, sowie persönliche Dankbarkeit gegen den gütigen Adalbero drückten ihm die Feder in die Hand. Denn Adalbero hatte nicht nur das alte Schottenkloster St. Symphorian wieder neu erstehen lassen, sondern hatte ihn auch 1004 zum Abte des Klosters erhoben, und es scheint, daß er des Bischofs unzertrennlicher Begleiter gewesen war und ihm in seiner Krankheit wie in seinen letzten Lebenstagen 2 ) treu zur Seite gestanden hatte. Barg doch auch sein Kloster den Leib des verehrten Toten, dessen härenes Gewand und Hemd er als kostbaren Besitz erworben hatte. So setzte er dem einstigen Wohltäter um das Jahr 1015 3 ) in dessen Biographie ein würdiges Denkmal. Von der Jugend seines Helden weiß er allerdings fast nichts zu berichten und tut auch seine Jugendbildung mit ganz wenigen Worten ab; dafür beginnt er mit einer in hohem Grade schwülstigen, allgemeinen Lobeserhebung und erzählt in einem durch eine gewaltige Periode gebildeten Satze seine Erhebung zum Bischöfe, wie er überhaupt in schwerfälligen und keineswegs immer richtig gebildeten Perioden eine gewisse Stärke sucht. Er preist dann seine, hervorragende Liebenswürdigkeit, besonders im Gespräch bei Tafel, rühmt seine große Leutseligkeit auch gegen die Juden und gibt eine Beschreibung seiner äußeren Person. Von da eilt er zur Wiederherstellung von St. Symphorian und berichtet über Adalberos Romreise, wobei er einen nicht geringen Wortschwall über ihre Ursachen und über ihre Schwierigkeiten ausgießt. Dann spricht er über weitere kirchliche Bauten Adalberos ') Die ungleich bessere Sprache läßt die 3 ) Der Frieden war noch nicht geschlossen Vermutung von Pertz, daß Johannes Dia- , nach c. 27 und Abt Immo von Gorze war konus der Verfasser sei, als nicht annehmbar I noch am Leben, vgl. 32 Hie certe domnus .. . erscheinen; vgl. auch H. Simons feld, An- | Immo... Gurgitensibus pastor et abbas con- dreas Dandolo S. 56 f. ' stitutus ... solus hunc eundem sanetum anti-' s ) Er starb am 14. Dezember 1005, vgl. ! stitem supervixit et Interim . . . supervivit. A. Hauck 3,402 n.5. 254 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. sowie über dessen Mut und Menschenliebe, die er während einer ausgebrochenen Seuche zeigte, und schildert dann in den nächsten Abschnitten die große Reichsversammlung und Synode Heinrichs II. Hier kam es zu heftigen Auseinandersetzungen über Ehen in unerlaubten Verwandtschaftsgraden und Adalbero nahm selbst an den Verhandlungen kräftig Anteil. Konstantin schildert aber auch die Bedeutung der Synode nach den an ihr teilnehmenden Mitgliedern und äußert sich über die Ereignisse, die mit ihr in Zusammenhang standen; dann preist er die Langmut des Bischofs und seine Versöhnlichkeit gegen seine Widersacher, was unter Anwendung eines großen Schwalls von geistlichen Phrasen geschieht. Hierauf rühmt er des Bischofs geistliches und asketisches Wesen; seine Leutseligkeit im Verkehr und seine freigebige Großmut bei kirchlichen Festen, wovon mehr zu erzählen er aber anderen überläßt. 1 ) Nachdem er von den großen Festlichkeiten berichtet hat, wenn Adalbero Priesterweihe abhielt, spricht er von seinem Verhältnis zum Kaiser und von seinen Leistungen an den Herrscher und rühmt von ihm, daß er sich ganz frei von Simonie gehalten, obwohl er eine große Anzahl Äbte, darunter ihn selbst, geweiht habe; diese Abts- ordinierungen werden jedenfalls nach offiziellen Aufzeichnungen recht ausführlich dargestellt. Dagegen eilt er über den unheilvollen Krieg, der durch Theoderichs II. Usurpation entstanden war, schnell hinweg, indem er anderen 2 ) die Beschreibung überläßt. Dann wendet sich der Biograph dem Lebensende seines Helden zu, das durch die gewaltige Hitze im Mai 10Ö5 beschleunigt wurde. Er schildert seine Erkrankung, erzählt von der großen Menschenmenge, die ihn in seinen letzten Tagen besucht habe, stellt seine letzten Augenblicke dar und gibt Bericht von seinen Vermächtnissen an die Kirche, von seinem Ableben und von der allgemeinen Trauer um ihn. Den Schluß bildet die Aufbahrung, das Totengeleit nach St. Symphorian, wobei erzählt wird, wie viele Metzer Bischöfe dort schon ihre letzte Ruhestätte gefunden hätten, endlich das Begräbnis in der Kirche jenes Klosters. Damit endet diese Schrift, in der sich weder am Schluß noch sonst irgendeine Wunderdarstellung findet. Dieser gänzliche Mangel an Wundern 3 ) berührt den Leser angenehm und erzeugt in ihm das Gefühl einer gewissen Sicherheit, mit der er sich dem Biographen anvertrauen darf. Das ist kein unbedeutender Vorzug. Freilich zeigt die Biographie auch wesentliche Schattenseiten auf, als deren wesentlichste ich den Mangel an einer festen Disposition hervorheben möchte. Denn der an sich reiche Stoff zerfährt daher in gewisser Weise, und Wiederholungen machen sich öfters störend bemerkbar. Und als zweiter formaler Vorstoß ist die ungewöhnlich schwerfällige Periodisierung der Sätze anzuführen, die im Verein mit dem gesuchten Wortschwall und der überreich gebrauchten Phrase die Lektüre des Werkes nicht gerade selten recht unerquicklich macht. Geschichtlich freilich ist die Biographie höchst brauchbar, denn der Kern der Erzählung steht, wenn man von den eingelegten Reden absieht, auf sicherer Grundlage. Zum Schluß möchte ich J ) MG. SS. 4, 667, 4 nie tacente hl .. . re- erant. 2 Vgl. MG. SS. 4,669, 7—10. 3 ) Vgl. hierzuR. Teuffei, Individ.Persön- lichkeitsschilderung in den deutschen Geschichtswerken des 10. u. 12. Jahrh. S. 97. Konstantins Leben Adalberos II. von Metz. 255 noch einen Umstand anführen, der bei der hohen Bildung des Metzer Klerus und bei seiner regen Teilnahme an den literarischen Bestrebungen 1 ) der Zeit gewiß merkwürdig berührt: In dem ganzen Werke fällt kein Wort über wissenschaftliche und literarische Dinge, und wie es ganz an Anführungen aus der christlichen wie profanen Literatur fehlt, so ist auch nur ganz selten einmal eine Stelle zu finden, in der sich Konstantin etwa an sallustische Ausdrucksweise anlehnt. Ein längeres Epitaph auf Adalbero II. dichtete Konrad, wahrscheinlich Lehrer zu St. Avold in der Metzer Diözese. Diese Grabschrift von 16 Distichen schließt sich durchaus dem hergebrachten Stille dieser Gattung 2 ) an und enthält in ihrem früheren Teile die typischen meist ganz unpersönlichen Lobsprüche, geht auf die Kirchengründungen des Bischofs ein und berichtet die Wiederherstellung von St. Symphorian; am Schluß nennt sie den Todestag des Gefeierten. 3 ) Es scheint aber fast, als habe Konrad mehrere Grabschriften auf Adalbero verfaßt, denn in einem Begleitgedicht an Abt Ratram von St. Avold fordert er diesen auf, unter dem vielen, was er zu diesem Zwecke geschrieben habe, auszuwählen, um das Grab damit zu schmücken. In einem dritten Gedichte läßt Konrad das Buch reden, in das er die zwei Gedichte eingetragen, es ist der heutige Parisinus 8088, der die Gedichte des Prudentius enthält. Das Buch erzählt, daß es in seiner Jugend in das Kloster des hl. Nabor (St. Avold) geborgt worden sei, dessen Insassen es glücklich preist. Und es rühmt sich, dort einen schöneren Einband durch Konrad erhalten zu haben als der, in den Konstantin den Lucanus einhüllen ließ; das Gedicht schließt mit einem Wunsche auf Heil und Segen für Konrad. Dessen Person hat nun L. Delisle mit dem Metzer Archidiakon Konrad zusammengebracht, von dem sich in einer Handschrift der Züricher Kantonalbibliothek ein Brief an die Nonnen von Zürich erhielt. Konrad dankt hier der Äbtissin Ermendrud und den heiligen Frauen des Klosters für die überaus herzliche Aufnahme, die er dort gefunden hatte, als er nach Rom reiste. Da man ihm berichtete, daß den Nonnen der erste Teil der Moralia Gregors des Großen fehle, habe er nach seiner Rückkehr sofort in seinem Kloster nachgesehen, das Buch gefunden und abschreiben lassen. Mit dem Briefe schickte er es nun seinen freundlichen Wirtinnen zu. Daß der Archidiakon mit dem Konrad von St. Avold aber identisch ist, ist nach Wattenbach (1, 417f.) wenig wahrscheinlich. Vielmehr finden wir in dem ersteren jedenfalls den Dichter wieder, der in einer Metzer Handschrift ein Klagegedicht von 33 Hexametern auf den Tod eines Pfauen niedergeschrieben hat. Das Gedicht erzählt in stark rhetorischer Weise, wie der Dichter, der sich am Schlüsse als Kuono, den Klosterlehrer ausgibt, in der Nacht vor Unruhe und Schrecken aufgewacht sei, denn der Pfau 4 ) des Klosters wurde eben von einem Uhu abgewürgt ') Bücher, die auf Befehl Konstantins ge- j vgl. H. Bresslau, Jahrb. d.Vereins f. Gesch. schrieben wurden, sind Paris. 5294 und 5091, und Lit. in Elsaß-Lothringen 6,283—286. vgl. Delisle, Le cab. des mscr. 2,412. 4 ) Es muß ein weißer Pfau gewesen sein, 2 ) So Vs. 1 Lector, fige gradum und 4 quem denn Vs. 5 (= Juvenal 6,165) hat der Dichter brevis uma capit. albisque ... cignis eingesetzt, und 24 heißt 3 ) Vs. 29 Hie quartodeeimo mensis sub es Hie iacet albedo und 26 Non est in celo sole Decembris Decedens mundo. Zum Jahr plus album. 256 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und schrie vergebens um Hilfe. Auf kräftige Verwünschungen gegen den Uhu läßt Kuono ein Epitaph für den Pfau folgen, das den herrlichen Vogel rühmt und die Geschichte seines Untergangs kurz erzählt; die Form des Epitaphs weicht von der gewöhnlichen insofern ab, als es aus sieben Hexametern mit dem Tiradenreim auf o und nicht aus Distichen besteht. Am Schluß nennt Kuono seinen Namen und erzählt, daß ihn seine Schüler zu dem übrigens herzlich unbedeutenden Gedichte aufgefordert hätten. Darauf folgt eine scherzhaft aufzufassende Malediktion auf den Uhu in aller Form, aus der hervorgeht, daß man des Räubers kaum habhaft werden konnte. Auf demselben Blatte finden sich von gleichzeitiger Hand zwei kurze Gedichte mit akro-, meso- und telestichischer Spielerei (Hatto miser caro salutem und Hardol abas) 1 ) eingetragen, in denen beidemal die angeredete Person mit alttestamentlichen Persönlichkeiten verglichen wird; beide sind, wie alle solche Gedichte, ohne jeden Belang. Zeugnisse. Die Person des Verfassers ergibt sich aus c. 26 (MG. SS. 4, 66S, 17 ff.) wo er seine beiden Vorgänger in der Abtswürde nennt hie sacer locus cui . . . praesidemus, dum praecedentibus sanetis et venerabilibus patribus Fingenio ex Hibernia . .. et domino Siriaudo ex Gorziae ferulis ad regendum abduetos, nos, qui haec scribimus, benedictione huius beati pontificis tertio loeo regimini succedere compnlsi sumus. Die Wiederherstellung von St. Sym- phorian steht in c. 10. Ueber die nahe persönliche Stellung Konstantins zu Adalbero vgl. 8 p. 661,11 hoc et verbo et pastu licet immeritus . . . dextere ipsins domini mei primus assidens sepe usus sunt partieipatusque eius sacris colloquiis und 14 p. 663,5 Vere loquor, Septem diebus huic divino servitiö (nämlich persönlicher Krankenpflege) cooperator interfui. Zur Bestattung in St. Symphorian vgl. c. 36—38. Daß Konstantin jene kostbaren Andenken an Adalbero besaß, erzählt er c. 22 p. 666,46 Si quis . . . beatum virum cilicio usum refragatus fuerit aut negaverit, ad nos veniat et viso quo utebatur cilicio et staminea lanea . .. quae et nos pro magnis thesauris adquisivimus et servamus. Die Zeit der Abfassung ergibt sich aus ■c. 27, wo von dem Kriege Theoderichs II. in Lothringen die Rede ist. Der wichtigste Teil •der Biographie ist der Bericht über die Synode Heinrichs 11. von 1005, wo Konstantin über die Verhandlungen selbst c. 15—18 jedenfalls als Augenzeuge spricht; Adalberos Verhältnis zum Kaiser und seine Enthaltung von Simonie vgl. in c. 25 f., die Abtsordinierungen in •c. 26. — Zur Sjjrache vgl. 5 p. 660, 48 ultra quam eredi hoc tempore possit mit Sallust. ■Cat. 5,3; außerdem p. 659,40 ultra quam est dicere und p. 661,33 est videre. Daß der Dichter Konrad mit dem Dichter Kuono eher identisch ist, der in St. Avold als Lehrer lebte — vgl. die Hs. Metz 377 3. XI f. 1 b Codex saneti Naboris und das Gedicht auf den ttoten Pfau Vs. 32 quo Cuono vigeat... Edidit hie versus puerorum voce rogatus — hat Wat enbach 1,417 richtig gegen L. Delisle, Le cabinet de mscr. 2,402 bemerkt, der p.401 das dritte Gedicht Verba libri aus Paris. 8088 herausgab. Das Epitaph steht MG. SS. 4, 772 f. Hier wird Vs. 9 f. die Amtsdauer Adalberos auf 22 Jahre angegeben; 23 Hoc templum fundans multo et sudore laborans Servitium domini hie statuit peragi können sich nicht auf St. Avold, sondern müssen sich auf St. Symphorian beziehen, da Adalbero dort hestattet wurde. In dem Gedicht an Ratram (p. 673) heißt es Vs. 1 O Hatramne pater venerabilis ore magister . .. 5 Aspice nunc oculo quae sunt hie scribta sereno; zur Auswahl eines Gedichts vgl. Vs. 6 Scribsi tantorum tibimet formas numerorum^) Elige de multis, quos ad tumbam senioris Dilecto vobis et eunetis scribere possis; der Name des Verfassers 12 Meinet Conradum celso tibi sterno pusillum. Die Verba libri p. 673 besagen Vs. 1 Cum iuvenis splendens fueram, mutuatus adibam Coenobium sanetum saneto Nabore sacratum; zum Einband 10 Non te sicut me decoratum credo, Lucane, Nee te Constantinus habens vestivit honore, Ut me Cuonradus, qui sä semper benedictus, Cuius sie studiis signis fulgesco novellis; Schluß Vs. 19 Die: Cuonrado sit vita salusque misello. Der Brief des Archidiakonus Konrad steht im Turic. cant. C 27 (ca. 1000) und ist gedruckt von G. vonWyss, Geschichte der Abtei Zürich; Beilagen S. 37 N. 37 und beginnt Epistola domini Conradi Metensis arclii- diaconi missa ad Turegense cenobium. Das Gedicht Kuonos 3 ) auf den Pfau und den Dhu steht ') Nach O. Rossbach, Breslauer philol. I 3 ) ProsodischeFehlerVs. 7sevior; 18 torve; Abh. 2, 3,72 n. 71 Hardolfus aufzulösen. j 23 epitaphium; 30 omni; 31 sedulus wie im 2 ) Man könnte hiernach sogar an Gedichte I Epitaph Adalberos Vs. 5 cXvis. mit verschiedenen Versinaßen denken. Dudo von St. Quentin. 257 im Met. 377 f. I 1 ' s. XI, herausgegeben von 0. Rossbach, Breslauer philol. Abhandlungen 2, 3, 73 f. Die Einführung heißt hier Vs. 1 Nocti preterite dedimus cum menbra quiete, ilaxima tum subito nos excitat inquietudo. Das Ereignis Vs. 6 Eheu, nostra pavo presenti ilecidü aevo, Quam non mors tulerat, sevior sed bubo necabat, vgl. 8—13. Die Erzählung richtet sich an den Abt, denn Vs. 14 ist nicht dominae mit Rossbach, sondern domine zu lesen; das Epitaph des Pfauen Vs. 24—30. Die Malediktion auf den Uhu daselbst S. 74 f., wo es heißt Nöridum tarnen mortem sustinuit (seil, bubo), quia Htubamus, qua sibi convenienti morte perire jiossit, was allerdings fast mit den Worten (S. 75) quia colla iiwasoris nostris snbiecit pedibus; der ganze Ton des Gedichts wie der Malediktion ist von künstlich scherzhaftem Ernste getragen. Die akrostichischen Gedichte aus Met. 377 f. l a beginnen Hatto non Ioseph, qui non formaberis lafeth und Hie qui Mehhisedech et dilatavit Iafeth. Die Vita Adalberonis steht im Paris. 5294 s. XI, 5673 ] ) s. XI und im Guelferbyt. Aug. 76,14 s. XI. Ausgabe von Pertz, MG. SS. 4,658—672. Die drei Gedichte Konrads von St. Avold stehen im Paris.8088 s.XI; das Epitaph gab herausSteph.Baluzius,Miscell. 4.554, alle drei bei Pertz p. 672 ff. Das Gedicht Kuonos etc. (Konrads) im Met. 377 s.XI f. l b , ediert von 0. Rossbach, Bresl. philol. Abh. 2, 3, 74f., daselbst S. 72 die Gedichte von Hatto und Hardolf. Zu den literarischen Verhältnissen, die sich auf Konstantin beziehen, ist schließlich zu erwähnen, daß ihm einer seiner Mönche, Alpert. seine Geschichte der Metzer Bischöfe widmete, vgl. De episc. Mettens. lib. 1 (MG. SS. 4,700, 7) hoc opusculum .. . tibique sanete pater Constantine ad corrigendum direxi. Die Unzufriedenheit in Metz mit Theoderich II. ergibt sich aus Alpert p. 700,18 ff. und aus dem Fragment eines Rhythmus — abwechselnde jambische Achtsilber und trochäische Siebensilber — das sich im Phillipp. 1654 s.XI f. 117 findet (nach V. Rose, Die lat. Hss. der Kgl. Bibl. zu Berlin 1. 9). Der Rhythmus wendet sich an König Heinrich und beklagt den Zustand der Metzer Kirche, von der es Vs. 3 heißt Bruto pastorisubditam; nach Adalberos Tode — 9 Extincto bono presule Urso nostro Nobile — seien Betrug, List und Gewalt gekommen, während Treue und Frieden gewichen seien. Der Name wird genannt 15 Heinricus urbi fortium Tidericum hominem Uli dat (Schluß). Vgl. Wattenbach 1,417 n. 4. Das Gedicht gehört nach Rose p. 9 in die Zeit zwischen 1005 uud 1012. 30. Dudo von St. Quentin. Dudo gehörte der Kongregation von St. Quentin an und scheint vor 970 geboren zu sein. Er muß in seinem Kloster sehr zeitig zu höheren Stellen aufgerückt sein und er gehörte höchst wahrscheinlich einer vornehmen Familie an. Denn schon um 990 wurde er vom Grafen Adalbert von Vermandois an Herzog Richard I. von der Normandie in diplomatischer Mission gesendet und er war damals schon Kanonikus seines Stiftes. Zwei Jahre vor dem Tode Herzog Richards wurde er von diesem und später von dessen Söhnen, dem Herzog Richard IL und dem Grafen Rudolf von Ivry, aufgefordert, eine Geschichte der Normannen zu schreiben, und das ist, wenn man Dudos eigner Angabe trauen darf, im Jahre 1000 geschehen. Das Werk scheint ihn sehr lange beschäftigt zu haben, denn da er bei Beendung desselben Dekan zu St. Quentin war und in einer von Richard II. für das Kloster erlassenen Urkunde im Jahre 1015 noch Vivianus als Dekan genannt wird, so kann er erst nach 1015 zu dieser hohen Stellung gelangt sein. Kränklichkeit und der Drang weltlicher Geschäfte scheinen ihn öfters von der Arbeit abgehalten zu haben, die er erst nach seinem fünfzigsten Lebensjahre, also vielleicht um 1017 vollendete. Dudo berichtet in der Widmung seines Werkes, daß als er sich einst bei Herzog Richard aufgehalten, dieser ihn mit Bitten bestürmt habe, eine Geschichte der Normannen und besonders seines Ahnherrn Rollo zu schreiben. l ) Die Hs. enthält außerdem einen Brief Hildiwards von Halberstadt an Adalbero, hrsg. von Labbe, Nova Bibliotheca Mscr. 1, 682. Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. IL 17 258 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Er sei aber erst in den Anfängen gewesen, als Richard starb, und nur das eifrige Zureden von dessen Söhnen Richard und Rodulf habe ihn dazu vermocht, die Arbeit fortzusetzen, die er nun dem Bischof Adalbero von Laon mit der üblichen Bescheidenheitsphrase zusendet, daß dieser die Disteln daraus ausroden 1 ) und das Unrichtige entfernen möge. Zugleich aber übersandte er die fertiggestellte Normannengeschichte, wie die vorangestellten Widmungen erweisen, an Herzog Richard II. und an dessen Brüder, nämlich an den Grafen Rodulf und an den Erzbischof Rotbert von Rouen, mit denen er in näheren Beziehungen gestanden hat. Mit Graf Rodulf muß er sogar vielfach persönlich zusammengekommen sein, denn in dem an ihn gerichteten Widmungsgedichte berichtet er sowohl im Titel 2 ) wie in Vs. 23f., 3 ) daß er ihm den Stoff verdanke; und im dritten Teile des Werkes richtet er mehrere seiner häufigen Apostrophen an die Stadt Rouen und zwei poetische Vorreden an Erzbischof Rotbert. Wie weit nun die Berichterstattung Rodulfs ging, entzieht sich völlig unsrer Kenntnis, da Dudo sonst nirgends von seinen Quellen spricht, sie beinahe absichtlich zu verschweigen scheint. Und für eine so ausführliche Darstellung, die in manchen Partien sehr ins einzelne geht, muß er ja Qnellen benutzt haben, was er aber vielleicht aus Vorsicht gegen das Fürstenhaus verschweigt. Und da er der älteste Geschichtschreiber der Normannen ist,, so bleibt in seiner Darstellung sehr vieles, was nicht mehr zu kontrollieren ist. Aus dem ganzen Werke aber gewinnt man ohne weiteres den Eindruck, daß diese ganz unvergleichlich einseitige Lobpreisung der Normannen und ihres Fürstenhauses auf sehr naive und kritiklose Leser berechnet ist. Wir haben ja aus früheren Zeiten Volksgeschichten der Goten, Franken, Langobarden und Sachsen, aber auf das Maß von Leichtgläubigkeit, wie Dudo, rechnet doch keines dieser älteren Werke. Wir haben indes hier weniger über den historischen Wert, als über die literarhistorische Stellung dieser ältesten Normannengeschichte zu urteilen. Freilich kommen wir auch hierbei zu einem recht negativen Ergebnisse. An der Spitze des ganzen Werkes steht ein langer Brief an Adalbero von Laon, der in seiner entsetzlichen Lobhudelei gegen diesen Kirchenfürsten') und in seinem unerträglichen Schwulst einen Vorgeschmack für das folgende gibt. Hierbei versetzt Dudo den Adalbero in den Rang der Apostel, was ihm Gelegenheit gibt, sich über die mathematische Geltung der Zwölfzahl auszusprechen und dann ihre Bedeutung in der Musik in längerer Auseinandersetzung hervorzuheben. Und am Ende spricht er sich in nicht wenig ruhmrediger Weise darüber aus, daß ihm der Auftrag zu dem Werke durch die Fürsten gekommen sei, wie wir schon oben sahen. Hieran schließt sich eine Anrede des Autors an sein Buch in 51 Hexametern, die' die frühere Ruhmredigkeit fortsetzt. Der Autor vergegenwärtigt sich, wie das ') Migne 141. 612B nisi te messore sar- riatur carduis superfluitatis, wo das Wort sarrio biblisch ist (Isai. 28,24). *) Migne 141,609B omniutn praesulum celsitudincm generis spermate et meriti al- mitate trdnsceridis. 610 A ut toto orbi prae- Versus ad comitem Modulfum huius I maximum exemplar boni effectus sis. 611D operis relatorem. , neminem comperio, cui pari decore totiv» s ) Cuius quae constant libvo hoc conscripta '• honoris munera attribui debeant sicut tibi, relatu Digessi. Dudo von St. Quentin. 259 Buch in die Normannengymnasien und in die fränkischen Schulen und schließlich in das Volk gelangen und hier heftige Angriffe erfahren und am Ende zum Einpacken von Spezereien und Gewürzen verwendet werden wird; doch werde der am Titel angebrachte Name des hl. Quintinus es vor Verunglimpfungen schützen. Diese Anrede ist der Horazepistel Ad librum suum nachgeahmt und enthält außerdem Vs. 31 x ) ein bekanntes Horazzitat. Hierauf folgt ein Gedicht von fünfzehn Glykoneen — das Maß war aus Boethius de consol. philos. 3, 10 bekannt — an Herzog Richard II. mit der Aufforderung, sein Herz und seine Brust am Inhalt des Buches zu weiden. Aber den Autor überfällt dann eine große Ängstlichkeit wegen der zu bedeutenden übernommenen Aufgabe und er gibt dieser Stimmung in dem sich anschließenden Gedicht von fünfzig Hexametern sehr beredten Ausdruck. In dreißig epanaleptischen Distichen — das Gedicht scheint die Aufschrift eingebüßt zu haben — wendet er sich dann an den Erzbischof Rotbert von Trier und bittet ihn, die Taten seiner Ahnen und seines Vaters zu empfangen, dessen kirchliche Gesinnung und weltliche Regierung dann in höchst emphatischer Weise gepriesen werden, während der Dichter selbst nur furchtsam auf seine gestammelten Verse blickt. In diesen Gedichten, die besonders Anschluß an Sedulius und Vergil 2 ) verraten, begegnet wie auch fast in allen späteren ein ausgeprägter Sinn für die Häufung synonymer Worte, 8 ) namentlich solcher, die aufeinander reimen; sie machen daher vielfach einen eintönigen und gesuchten Eindruck, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß sich auch Partien von einer gewissen Lebendigkeit 4 ) finden. Hierauf folgt ein Gedicht (26 Hexameter) an den Grafen ßodulf, worin dessen Berichterstattung erwähnt und ihm selbst in der schon gewohnten Weise der dickste Weihrauch gestreut wird, 5 ) indem ihn der Dichter mit Scipio, Pompejus und Cato vergleicht, während dieser selbst mit einem Verse von Fortunatus fi ) sagt, daß er das Werk zitternd und zagend übernommen habe. Nun folgt wieder ein größeres Gedicht auf den Erzbischof Rotbert, das sich aus drei Teilen zusammensetzt. Der erste Teil besteht aus katalektischen daktylischen Trimetern in Verbindung mit dem Adonius, einem Maß, das aus Boethius cons. phil. 1, 2 bekannt war; den zweiten Teil bilden hyperkatalektische daktylische Trimeter (nach Prudent. Cath. 3 und Perist. 3), den dritten 118 adonische Verse (nach Boethius 1, 7). Diese Gedichte werden im allgemeinen durch das übliche Lob auf Rotbert und Richard IL ausgefüllt, nur daß im dritten eine oft wörtliche Wiederholung der oben erwähnten epanaleptischen Distichen zu lesen ist. Der ganze Schwall von Gedichten schließt aber mit zehn Distichen, deren erste ') Gingiber mit nardi modicum costum- Vs. 43 Aen. 3, 39. que piperque, Ignavis sl quidque feres cartis 3 ) Vgl. das ganze Gedicht an Richard; amicüur, Horat. Ep. 2.1,269 f. Horaz (Carm. ! Col. 613D Vs. 8 f. 615AVs.34. 616AVs.l9. 3,16,1) wird außerdem neben Fulgentius (Mi- ! 615DVs. 8 usw. toi. 1,19, ed. Helm p.31,8) benutzt Vs.9^i«r»- 4 ) So Col. 614D Vs.20 bis 615 A Vs. 31. pluo quoniam Danaen vix texit ab inibri, Ut 5 ) 616 D Vs. 15 Nilus ut Aegyptum recreas promit mytho Fulgentius, aenea turris; zu 4 sie corda tuorum. Aegre fert animus vgl. Ovid. Met. 1,1. 6 ) 616 D Vs. 24 (625 B Vs. 14) Digessi at- 2 ) Col. 613D Vs.9 Sedul.P.C.3,107. 615B tonitus trenmlus hebes anxins aneeps, Fortun. Vs.2 Aen.1,379; 615CVs.9 Aen.1,8. 616B | Vita Mart.praef.23. 17* 260 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. doxologischen Inhalts sind — und zwar mit Anführung 1 ) aus Prudentius' Apotheosis — während die folgenden mit der Bitte an Gott gerichtet sind, dem Werke günstig zu sein. Alle diese Vorworte und Widmungen bezeugen durch ihren außerordentlichen Wortreichtum und durch ihre Künstlichkeit, daß es dem Dudo nicht gegeben war, seine Gedanken mit wenig Worten auszudrücken, und daß er von hochgradiger Unterwürfigkeit gegen die Großen dieser Erde beseelt war. Nun erst beginnt das eigentliche Werk und zwar mit einem kurzen Abriß geographisch-historischer Art über Alanen, Goten und Dacier, dessen Beginn aus der sogenannten Cosmographia Aethici genommen ist, 2 ) während -das Weitere der Gotengeschichte des Jordanis und Martian 3 ) entstammt. in der sich anschließenden kurzen Schilderung der Sitten dieser Völker hat Dudo, dessen Hexameter den Reim nicht gerade sehr häufig zeigen, eine ganze Reihe fast gleichmäßig gebauter und gereimter Kurzsätze verwendet und darin eine recht schulmäßige Übung gegeben. Dann setzt er die Dacier mit den Danaern und diese mit den Dänen gleich und läßt sie mit gewagtem Sprung von Antenor abstammen und sich an die Grenzen des Frankenreiches begeben. Dort machen sie unter ihrem furchtbaren Führer Hasting Einfälle und hausen auf das schrecklichste in dem Lande. Ihre und ihres Führers Hasting Schandtaten werden nun in weiterer Reimprosa mit Einflechtung von Hexametern und von antiken Dichterstellen erzählt. Dudo schließt dann diesen ersten Teil seines Berichts mit einem wieder in sprachlicher Beziehung äußerst gesuchten Epilog und beginnt nun mit einem Prolog von 46 Distichen den zweiten Teil, dem er den Namen Rollo beilegte, da hierin die Kriegstaten dieses gefürchteten Normannenführers dargestellt werden. Im Prolog erzählt er von der Heimatsinsel des Daedalus und dann nach Ovid die Fabel von Daedalus und Icarus, wobei er sich mit Icarus vergleicht, da er wie dieser zu Großes im Sinne habe; daran knüpft er wie im früheren Prologe Flicken musikalischer Gelehrsamkeit an. Von der Naivetät der nun folgenden Darstellung kann man sich durch den Umstand einen Begriff machen, daß Rollo sich mehrere Träume durch christliche Priester deuten läßt, die ihm seine Bekehrung in Aussicht stellten. Noch bedenklicher erscheint die Schilderung des Sturmes bei der Überfahrt Rollos von England nach Westfranken, denn sie setzt sich aus lauter Flicken zusammen, die Dudo dem berühmten Sturm aus Vergils Aeneis 1, 82 bis 104 entnahm; und Rollo weiß keinen andern Ausweg, als sich an Gott zu wenden, und siehe da, der Sturm legt sich und die Landung an der fränkischen Küste kann erfolgen. Bei der Darstellung der glücklichen Kriege Rollos gegen die Franken erfolgt dann eine Apostrophe des Dichters nach der andern an Rollo und sie dienen alle dem Zweck, den Übertritt des Führers zum Christentum mit Ungeduld zu beschleunigen, und die letzte dieser Anreden ist eine Einleitung zu der nun folgenden *) Col. 619 A 0 trinum specimen tria summa vigor — so ist statt vlrgo zu schreiben — detis unus = Prud. Apoth. prol. 1. 2 ) Nämlich (ed. Riese, Geographi Latini minores) p. 71,4. 9—11. 3 ) Nämlich Get. 1, 9 (ed. Mommsen p. 55, 19 und 56,1); 4, 25 p. 60, 5 und 4,34 p. 62,13. Vorher ist Martian 6, 662 f. p. 227,10—14 (ed. Eyss.) benutzt. Dudo von St. Quentin. 261 Erzählung von der Taufe Rollos. Während sich aber in dem Bericht von der Politik der westfränkischen Großen gegenüber König Karl dem Einfältigen eine äußerst kindliche Auffassung kundgibt, bietet die Erzählung von der Jurisdiktion Rollos bei seinen neuen Untertanen eine ganze Reihe interessanter Momente. 1 ) Das Buch von Rollo beschließt ein kurzer Epilog, der in seinen Grundgedanken wie auch im einzelnen sich an Fortunats Vorrede zur Vita Martini anschließt. Das dritte Buch beginnt nun mit einer Vorrede in 82 Asklepiadeen, in der Christi Schreiten über das Meer vorgeführt wird und der Dichter Christus bittet, ihm bei seinem Werke ebenso zu helfen, wie einst dem Petrus auf dem Meere. Daran schließt sich ein Gebet von recht künstlicher Form, nämlich elf vierzeilige Strophen aus je einem Adonius, kata- lektischem daktylischen Trimeter, Pherekrateus und Glykoneus; das Gebet ist erst doxologischen Inhalts und läuft in eine Bitte an die Gottheit um Hilfe aus. Dann eröffnet sich die Erzählung mit der Darstellung des Lebens des Herzogs Wilhelm, und zwar wird hier anfänglich auf die lezten in Buch 2 behandelten Zeiten zurückgegriffen und Rollos freiwillige Abdankung erzählt. Wie es mit Wilhelms Absichten, Mönch zu werden und ins Kloster Jumieges einzutreten, sich verhalten hat, steht dahin; aber einen sonderbaren Eindruck macht es, wenn der geistliche Dichter ihn davon abzuhalten sucht und ihm vorhält, daß er zu etwas Besseren geboren sei. Die Erzählung selbst leidet bei aller Abwechselung der Situation öfters an großer Eintönigkeit, nämlich ähnliche Ereignisse werden fast stets nach demselben Schema komponiert und auch stilisiert, und in den zahlreichen, geradezu ermüdenden Apostrophen und in andern Gedichten werden die gleichen Gedanken und Ausdrücke oft wiederholt. 2 ) Nachdem der Tod des Herzogs Wilhelm berichtet ist, liest man erst eine Apostropha auf die glückliche Weiterfahrt des Verfassers, d. h. auf dessen weiteren Bericht — das Bild ist aus den Vorreden Fortunats zur Vita Martini entlehnt — und dann eine Aufforderung an die neun, mit Namen genannten Musen, den Herzog Richard (I.) zu besingen. Dann folgen die Lieder der Musen: Klio führt in zwölf Asklepiadeen den Herzog ein, stellt ihn vor und übergibt ihn nun ihren Schwestern zur Besingung. Und da erscheint es doch sehr merkwürdig, daß diese den Herzog als christlichen Fürsten und Helden preisen und seine christlichen Tugenden zum Himmel erheben. Das geschieht in acht Gedichten von verschiedenen lyrischen Maßen und zwar in Hendeka- syHaben, Asklepiadeen, sapphischen Versen, jambischen Senaren, kata- lektischen daktylischen Tetrametern (aus Boeth. 3, 6), Glykoneen, kata- lektischen daktylischen Trimetern mit Adonius (Boeth. 1, 2) und kata- lektischen daktylischen Tetrametern (Boeth. 5, 2). Man sieht aber aus dieser Karte von Versmaßen, welche Bedeutung die Gedichte des Boethius be- *) Wenn hier col. 654 C zu lesen ist Quid ' eher auf die Rede des Grafen Arnulf col. accidit inter Carolum et Rotbertum hie non 715 A—C. memordbitur, quia alias legitur, so ist kaum 2 ) Die Wiederholung erstreckt sich auch mit Du mm ler (Forschungen z. deutsch. Gesch. auf die aus Prudentius und Fortunat erborgten 6,363) anzunehmen, daß sich dies auf fremde Verse. Darstellungen bezieht; die Stelle geht wohl j 262 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. sessen haben und daß die Handhabung dieser zum Teil nicht leichten Metren Unterrichtsgegenstand in der Schule gewesen sein muß. Aber der metrische Erguß ist hiermit keineswegs zu Ende. Es folgt eine Vorrede an Erzbischof Rotbert in katalektischen jambischen Dimetern, eine weitere Vorrede für das Werk in abwechselnden vollständigen und katalektischen trochäischen Dimetern und eine kurze Bitte an den hl. Geist um Hilfe. In allen diesen Gedichten liest man endlose Wiederholungen des gleichen Gedankens nämlich des Ruhmes und Preises von Richard. Daran schließt sich eine neue Vorrede an Erzbischof Rotbert in 43 Distichen; das Gedicht enthält im Eingange eine breit ausgeführte Doxologie über die Trinität und läuft in eine Bitte an Gott um Hilfe für die Vollführung des Werkes aus. In dieser Doxologie spielen die Gedanken des Boethius eine gewisse Rolle 1 ) und wenn es Vs. 25 heißt ON substahtificum, verum '\'y\ IOC, idea mundi, so begibt sich Dudo auf das verfängliche Gebiet des Neuplatonis- mus. Hiermit in Zusammenhang steht, daß Dudo in dem Gedicht mehr als sonst griechische Worte und Ausdrücke gebraucht, die sich zuweilen zu ganzen Versen gruppieren und eine gewisse Kenntnis der fremden Sprache verraten. Auch in diesem letzten Teile, der der Regierung Richards I. gewidmet ist, greift Dudo anfänglich in frühere Zeiten zurück, indem er mit der Geburt und Taufe Richards beginnt. Die Erzählung wird auch hier durch vielfältige Apostrophen unterbrochen. Diese metrischen Stücke sind lediglich von gelehrter Eitelkeit eingegeben, sie fallen fast stets aus dem Zusammenhang heraus und sind mit außerordentlichem Wortschwall durchgeführte schulmäßige Übungen, die von ziemlicher Beherrschung der lyrischen Maße des Prudentius und des Boethius zeugen. In prosodischer Beziehung sind sie freilich oft sehr fehlerhaft gehalten und häufig genug wird der Hiat zugelassen. Jedenfalls wird der Wert von Dudos Geschichtswerk durch diese die Geduld des Lesers auf eine harte Probe stellenden Gedichte auch äußerlich stark herabgedrückt, sie finden eigentlich nur darin eine gewisse Entschuldigung, daß das ganze Werk als ein großes Epos angesehen werden kann und die Gedichte darin als die Ruhepunkte, als die Unterbrechungen des epischen Flusses gelten können. Freilich sind diese Unterbrechungen, in denen Dudo stets Betrachtungen über die Lage der Dinge anstellt, viel zu zahlreich, und es kommt in ihnen die Prahlsucht und die Ruhmredigkeit des normannischen Stammes zu stark zur Geltung. Das dritte Buch reicht bis zum Tode Richards I. (1002) und am Schlüsse wird Fecamp glücklich gepriesen, daß es die Gebeine des Herzogs aufnehmen darf. In der letzten Apostropha, deren Anfang 2 ) mit Benutzung von Boeth. 3, 9 (Vs. 1 und 10) gearbeitet ist, stattet Dudo seinen Dank .an Gott für das Gelingen des Werkes ab, wobei er sich über sein anfängliches Zögern ausspricht und erwähnt, daß er das fünfzigste Jahr überschritten habe. Zum Historiker fehlt es Dudo vor allem an Kritik: Er schrieb auf, was er hörte, ohne das Gehörte auf Glaubwürdigkeit zu prüfen. Ferner >) Col. 686 D Vs. 23: Cum motus stabilis, Status sit mobilis. 2 ) Col. 757 B Vs. 1 0 qui finüimo dis- ponis regmine cuncta, Iure elementa ligans foedere complacito. Dudo von St. Quentin. 263 gab er nichts auf die sichere Zeitenfolge. Nicht nur die Chronologie der einzelnen Ereignisse ist bei ihm in hohem Grade verwirrt, sondern er versetzt auch die Zustände der Vergangenheit kühn in die Gegenwart. Daher ist das, was er bietet, sachlich nur mit großer Vorsicht aufzunehmen und sein Werk hat vielmehr ein hohes kulturgeschichtliches Interesse als einen eigentlich historischen Wert. Seine zusammenhängende pragmatische Erzählung aber wurde in der ganzen Folgezeit von den Darstellern der Normannengeschichte zu Rate gezogen und reichlich benutzt und daher ist das Werk auch von literargeschichtlichem Werte. So hat G. Waitz dargelegt, 1 ) daß Dudo ausgeschrieben wird von Wilhelm von Jumieges — dieser wieder von Robertus de Monte — von Wilhelm von Poitiers, von Ordericus Vitalis und in den Annales Asserii. Zeugnisse. Zugehörigkeit zu St. Quentin aus der Widmung (Migne 141,609 A) Dudo super congregationem s. Quintini decanus und aus der letzten Apostropha col. 758C Vs. 65 Quintini meritis merito super aethera noti Cuius inutilis sunt servulus et famulus. Die Geburtszeit geht aus den Zeitangaben hervor: Das Gedicht ist nach 1015 vollendet und Dudo war damals über 50 Jahre alt, vgl. die letzte Apostropha, col 758 A Invitum miserum ine quina decennia versant; also war er etwa 965—967 geboren. Zur Seudung Dudos durch den (trafen Adalbert vgl. col. 753 B Albertus igitur metuens venturum furibundi regis (seil. Hugonis) adventum misit quendam clericum pretiosi martyris Christi Quintini canonicum nomine Dudonem dictum ad Bichardum summae patientiae patricium, zur Zeit dieser Sendung (um 990) vgl. Lappenberg, Geschichte Englands 2,372 und Dümmler, Forsch, z. deutsch. Gesch. 6, 362. Dudo war also damals noch sehr jung und mag daher aus vornehmer Familie stammen. Aufforderung zur Darstellung der Normannengeschichte in der Widmung an Adalbero col. 612 B Ante biennium mortis eiics ut more frequentativo 2 ) fui apud eximium ducem Bichardum, Willelmi marchionis filium, volens ei reddere meae servitutis officium propter innummera. beneficia, quae absque meo merito mihi dignatus est impertiri. Qui quadam die adgrediens coepit brachiis piissimi amoris me amplecti . . . quin etiam deteslari et iurare in caritate . . . scüicet ut mores actusque telluris Normannicae quin etiam proavi sui- Bollonis quae posuit in regno iura describerem. Aufforderug durch Rodulf daselbst (col. 612 D) Omnia haec in dolore huius prineipis postposuissem . . . nisi per . . . filium eius patritium Ricardtim adhuc superstitem et praeeipuum comitem Bodulfum res eadem repraesentaretur. Da Dudo col. 756 D den Tod Richards I. 3 ) für das Jahr 1002 angibt — Complens namque carsum huius fragilis vitae dux magnus Itichardus obiit anno ab incarnatione domini nostri . . . millesimo seeundo — so würde die erste Aufforderung ins Jahr 1000 gehören. Zur Dekanatswürde vgl. oben (die Widmung) und die Urkunde (bei Mabillon, Annales ord. s. Benedicti 4,244) vom Jahre 1015, wo Vivianus decanus unterschreibt, Dudo also noch nicht Dekan war; das geht auch aus der Bestätigung Richards II. vom Jahre 1015 hervor, die zugunsten des Kanonikus Dudo erlassen wurde, vgl. Mabillon daselbst 2,244. Zur Abhaltung von der Arbeit (vgl. die Widmung col. 612 B) quia dum premor corporis infirmüate dumque saecularium rerum impeclior necessitate, mentis meae oculus ... suffocatur. Zur Bitte Richards I. vgl. oben, zu dessen Tod vgl. 612D Stilus nostrae imperitiae nedum primas partes operis attigerat ... cum lacrimabilis fama Bicardum toto orbe prineipem obiisse nuntiavit. Zur weiteren Aufforderung vgl. oben. Widmung Inclito et pie venerando, quem genus ornat, sapientia decorat, Adalberoni episcopo s. dei Laudunensis ecclesiae cathedra residenti. Bitte an Adalbero col. 612 A ut quae in hoc codice suis tenebris obscura videntur, per te ad lucem referantur und col. 614 A Tuae maiestati mittere disposui, ut falsa amputarentur et siquid veritatis in Mo haberetur, tua auetoritate confirmaretur. Weitere Widmungen: In den Versus ad Richardum heifit es Vs. 13 (col. 614C) Quae cernis memora libro modeste. His depasce tuum cor atque pectus; in den Versus ad Rodulfum comitem 23 (col. 616D) atque Cuius quae constant libro hoc conscripta relatu Digessi, und in dem Gedicht an Rotbert von Rouen Vs. 6 (col. 617 A) Quae digesta meo suseipe sensu. Sacra fange manu, quae fero supplex... Ac rimare legens quaeque peraeta, Quae nos dulcis amor ... Bicardi... scribere fecit. Rodulf wird erst zu J ) Göttinger Nachrichten 1866 S. 73—81. | „falls er nicht erst 1002 starb und 996 die 2 ) Hieraus ergibt sich häufiger Verkehr | Regierung niederlegte", was nach Dudos An- DudOs beim Herzog Richard. ; gäbe das wahrscheinlichere ist, da doch Dudo 3 ) Lappenberg, Gesch. Englands 2, 34 j diesen Todesfall wohl richtig gebucht hat. und n. 1 gibt den 20. Nov. 996 als Todestag, , 264 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Ende des dritten Buches col. 755 A—C erwähnt; die poetischen Vorreden an Rotbert col. 684D und 686 B, die Apostrophen an Rouen col. 674B und besonders 692D, außerdem 695C und 711C. Ueber den historischen Wert des Werkes vgl. die Kritik von Dümmler, Forsch, z deutsch. Gesch. 6, 366—389 (9,651) und G. Waitz, Göttinger Nachrichten 1866 N. 6 S. 69-96;' J. Lair. Memoires de la societe des antiqu. de Normandie, Ser. 3, Bd. 3 (Caen 1865} sucht die Glaubwürdigkeit Dudos gegenüber den deutschen Forschern vergeblich zu retten. De moribus et actis primorum Normanniae ducum heißt das Werk bei Duchesne; dieser Titel kann aber erst später gegeben sein, richtiger wäre (nach col. 612C mores actusque telliiris Normannicae) etwa De moribus actibusque Normanniae oder Nor- mannorum. Lob Adalberos: (col. 610C) Tu merito apostolici meriti gradum sortitus . .. hl est in duodenario numero sublimatus , . . Qui re vera impariter par a mathematicis vöcatur; (col. 611B) Quid aliud ipse duodenarius nisi concentum symphoniae diapason augmento du- plicitatis perficit ad senarium. In der Allocutio heißt es Vs. 11 (col. 613B) Aut pergas North- mannica nunc gymnasia praepes, Aut scholis clausus Franciscis iam moruleris. Die Woite an Richard II. (col. 614C) Vs. 13 Quae cernis memora libro modeste. His depasce tutiin cor atque pectus. Aengstlichkeit Dudos (col. 613D) Vs. 4ff. und (col. 615 A) Vs. 38—41 sowie in dem Gedicht an Rotbert (col. 616B) Vs.43—48. Der col.619A Vs. 1 benutzte Vers aus Prudent. Apoth. prol. 1 wird auch später col. 676 A in der Apostr. 4 verwendet. Die Kurzsätze in col. 621B. Die Völkervermischung col. 621 C Igitur Daci nuncupantur a suis Danai vel Bani, glorianturque se ex Anteriore progenitos, qui quae Troiae fuerunt depopopuiatis mediis elapsus Achims Ulyricos fines penetravit cum suis (Verg. Aen. 1,242 f.). 1 ) Die Dichteistellen in dem Teile über Hasting sind col. 621C Vs. 3 et exlex Horat. A. P. 224; 9 verum carbone notandm Horat. Sat. 2, 3,246; 10 = Aen. 1,347; 624D Ultima vitae dies accidit omnibus breveque et irrecuperabile vitae tempus Aen. 2,324; daselbst portis vi patentibus. Stat muerone coruxco acies ferri strictim parata neci Aen. 2,330. 333 f. Die musikalische Auseinandersetzung im Prolog des zweiten Buches beginnt col. 627C Vs. 39; 2 ) im weiteren Verlauf des Gedichts (col. 628 D) wird ein modulus Armoricus genannt (Vs. 68 Armorico pariter debriet et modulo). Der Beginn der Erzählung col. 629 A — D ist wieder in kurzen gereimten Sätzen geschrieben. Rollos Träume col. 632 B und 633 B. Der Sturm 635 C venti quin etiam a sedibus suis ruunt (Aen. 1,82 f.) et hi ante ponto a sedibus imis (1,84) . . . fluetus nimios et ad sidera tolliint (1,103). Coelum crebrescentibus fulguribus intonuit (1,90) densarumque tenebrarum nox atra Ulis ineubuit (1,89). Remis confractis (1,104) ... mortemque repentinam omnibus intentant (1,91). Tunc Rollo (1,92) protensis manibus (1,93) ... voce lalia profudit (1,94). Rollos Gebet 635 D, Beruhigung des Sturms 636 A. Die Apostrophen an Rollo stehen col. 632 D. 638A. 639D. 645CD und die letzte 651D. Die Politik der fränkischen Großen gegenüber König Karl 647 C, die Rechtsprechung Rollos 652 D—653 D. Im Epilog zum zweiten Buche (col. 653 D) ist Vs. 1 aus Fortun. Vita Mart. praef. 1, Vs. 6 aus 23, Vs. 13 aus 7. 4. 3 und Vs. 19 aus 21 genommen (so auch Buch 3 Praef. 5 fluetivagum mare aus Vita Mart. 4, 1; col. 659 A Apostr. 19 D'istincturn nitidis rutilans diadema berillis aus Fortun. Oarm. 8, 3, 263). Das Gebet im Anfang von Buch 3 col. 657 A. Absicht Wilhelms, ins Kloster zu gehen col. 6580, sein Tod — er wird als Martyrium aufgefaßt—681 A. Auf die Apostropha folgt 682 A die Exhortatio ad Musas ut canant RicJiarclum. Die letzte Vorrede an Rotbert col. 686 B; zum Griechisch vgl. hier Vs. 12 f. 15. 25—42. Uebrigens findet sich bei Dudo ein gewisser Wortreichtum vor, der sich in Zusammensetzungen wie auch Neubildungen geltend macht, vgl. col. 609A ducamen (auch 637C) und divulgamen; 613A Vs. 2 dulcamen; 613B Vs.9 äuri- pluns, 12 morulari (auch 636B), 45 incrudescere; 627 A Vs. 2 agrifelix (?); 633 scidulata blachia (?) usw. Eine eingehende Untersuchung von Dudos Sprache würde recht erwünscht sein. Ueberlieferung. In den alten Katalogen findet sich keine sichere Spur von Dudos Werk, obwohl es möglich ist, daß die Gesta Normannorum (II vol.) zu St. Aubain d'Angers s. XII (Delisle, Le cab. des mscr. 2,486 N. 80) und die Hystoria Normannorum zu Ramsey s. XIV (Chronicon abb. Rames. ed. Macray 4,360) es bezeichnen sollen; auch könnte die Historia Normannorum zu Bec s. XII (Becker 86, 41) Dudos Werk gewesen sein. Einzige vollständige Hs. ist Berol. Meerm. 139 (Philipp. 1854, aus Fecamp) s. XI; andere Hss. Bern. 208 s. XIII, Cantabr. Corp. Christi coli. 276 s. XI, Duacensis 835 s. XII. Ausgaben: ') Andere Benutzung Vergils 615 B Vs. 3 patris super aethera noti (620 A Vs. 20) Aen. 1.379; 615C Vs.9 memora memora causas Aen. 1,8; 616B Vs.43 eloquar an sileam Aen. 3,39. a ) Vs. 41 ist olores statt colores zu lesen. Vs. 2 dives opumque aus Aen. 1,14. col. 632 C velivolum mare Aen. 1,224; studiis belli... asperrimus Aen. 1,14. 633AVs.5 Cur ha eres pater obtutu defixus in uno Aen. 1,495; 634 B et interclusit nos glacialis liiems Aen. 2,111. 3.285; 635 AVs. 5 pars animae .. .meae Horat. Carm. 2,17,5; zu 635 C purpureisque blattis vgl. Georg. 4, 243; 636 B armato milite repletas Aen. 2, 20; 636 D armorumque ingruente hor- rore Aen. 2, 301. 646 A Vs. 5 Gaudia longa metes Sedul. P.C. 1,366. Thietmar von Merseburg. 265 Duchesne, Hist. Normannorum scriptores p. 49—160 = Migne 141,609-758; J. Lair, Mem. de lasoc. des antiquaires des Normandie, Ser. 3 Bd. 3 (Caen, 1865); Fragment bei Pertz, MG.SS. 4,93-106. Vgl. Watttenbach 1,471 f.; v.Amira, Hist. Zeitschrift 39,245 f. F.Lot, Les derniers Carolingiens p. 346ff. Lauer, Regne de Louis IV p. XI ff. 31. Thietmar von Merseburg. Thietmar, der Sohn des Grafen Siegfried von Walbeck und der Gräfin Kunigunde von Stade, wurde am 25. Juli 975 geboren. Den ersten Unterricht erhielt er bei seiner Großtante Emnilde in Quedlinburg, 1 ) dann kam er zum Abt Rikdag in die Schule des Johannesklosters zu Magdeburg und wurde am 1. November 991 in die Brüderschaft des Magdeburger Domkapitels zu St. Mauricius aufgenommen. Im Jahre 1002 wurde er Propst zu Walbeck und am 21. Dezember 1004 empfing er von Erzbischof Tagino im Beisein Kaiser Heinrichs II. die Priesterweihe. Als hochgestellter Mann war er schon mehrfach zu wichtigen Geschäften benutzt worden, wie er im Frühjahr 1004 von Tagino nach Augsburg bestellt worden war und mit dem Erzbischof zusammen die Königin Kunigunde nach Sachsen zurückgeleitete, als der König seine Romfahrt antrat. Als dann am 24. März 1009 Bischof Wigbert von Merseburg starb, wurde Thietmar, für dessen Wahl Tagino den Kaiser schon günstig gestimmt hatte, zu Augsburg am 20. April zum Nachfolger erhoben und vier Tage später in Neuburg zum Bischof von Merseburg in Gegenwart des Kaisers durch Tagino unter Assistenz von fünf Bischöfen geweiht. Bei der Bedeutung Merseburgs für das östliche Sachsen erwartete jetzt den Bischof Thietmar, dessen Familie mit einem großen Teile des hohen sächsischen Adels verwandt war, eine sehr bedeutende Stellung. Öfters weilte der Kaiser in den Mauern Merseburgs und der Bischof fand sich nicht nur an den Hoftagen beim Kaiser ein. sondern fehlte auch nicht bei andern festlichen Gelegenheiten, wie er 1012 der Einweihung des Bistums Bamberg beiwohnte. Aber auch in der Reichsregierung für die östlichen Lande und namentlich für die Grenzverhältnisse mit Polen wurde Thietmar häufig gebraucht und hat hier eine seinem Ansehen als Reichsfürst entsprechende Rolle gespielt, wie dies aus seiner eignen Erzählung in der Chronik hervorgeht. Nämlich im Jahre 1012 begann Thietmar eine ausführliche Darstellung der Geschichte Sachsens zu verfassen. Sind die chronologischen Aufstellungen über das Werk richtig, die Fr.Kurze nach eingehender Untersuchung des Autographs gemacht hat, dann würde der Tod des Erzbischofs Tagino den Anstoß zu dem Werke gegeben haben; unmöglich wäre das nicht, da ja Tagino.im Leben Thietmars eine große Rolle gespielt hatte, aber es ist doch sehr zu bezweifeln, ob jene zeitlichen Ansätze richtig sind. Danach hätte nämlich Thietmar im Jahre 1012 die erste Hälfe des siebenten 2 ) und den Anfang des ersten Buches geschrieben und hätte im folgenden Jahre das zweite und dritte Buch hinzugefügt. Im Jahre 1014 seien dann das vierte und fünfte Buch, 1015 das sechste und der Anfang des achten Buches entstanden, und 1016 seien dann aller- ') Ein genaues Itinerar Thietmars gab Teuf fei, Individuelle Persönlichkeitsschil Strebitzki, Forsch, z. deutsch. Geschichte 14. 350-355. ') Gestützt wird diese Annahme von R. derung in den deutschen Geschichtswerken des 10. undll.Jahrh. S.12. 266 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. hand Zusätze zum zweiten und dritten Buche, der Rest des siebenten und eine Fortsetzung des achten hinzugekommen; 1017 seien Lücken und der Schluß des vierten ausgefüllt und das achte Buch abgeschlossen worden alles übrige sei im Jahre 1018 geschrieben worden. Diese Aufstellung ist künstlich genug und man hat ihr denn auch mit Erfolg widersprochen. Doch ist jedenfalls sicher, daß das Werk durchaus nicht aus einem Gusse hervorging, sondern Thietmar hat einzelne Stücke zu verschiedenen Zeiten gearbeitet und immer wieder einzelnes angesetzt und Lücken ausgefüllt. Die ersten Bücher beruhen auf Widukinds Sachsengeschichte und auf mündlichen Berichten, die er vermöge seiner hohen Stellung und wegen seiner Verwandtschaft mit den höchsten Familien des Landes leicht einziehen konnte; manches ergänzte er aus sächsischen Nekrologien, und Ruotgers Leben Bruns und Gerhards Leben Udalrichs waren ihm zwar bekannt, aber er hat sie nur ganz wenig benutzt. 1 ) Daß ihm hingegen ein Werk Taginos über die älteste Bistumsgeschichte von Magdeburg bis 1004 zu Gebote stand und er diese Schrift reichlich verwertet hat, wie Fr. Kurze annahm, ist durch Uhlirz und Simson völlig widerlegt worden; denn es ist sehr richtig bemerkt worden, 2 ) daß die Worte, auf die sich Kurze hierbei besonders stützte, 3 ) lediglich einem Privileg entnommen sein können, und daß Thietmar ein solches wichtiges von ihm benutztes Werk Taginos öfters und in anderer Weise genannt haben würde. Im Jahre 1016 lernte nun Thietmar die Annalen von Quedlinburg kennen und er hat aus dieser Quelle seine bisherige Darstellung reichlich ergänzt. Denn seine Arbeit war dergestalt, daß er gleichzeitig das, was er erlebte aufschrieb, aber doch mancherlei Raum für Zusätze und Nachträge ließ. Aus diesem allmählichen Entstehen des Werkes ergeben sich aber dessen innere Kennzeichen. Thietmar ließ nichts ungebucht; mochte der Gegenstand noch so unbedeutend sein, er hielt ihn der Aufzeichnung für wert. Indem er nun aber fortgesetzt Zusätze machte und Nach- und Einträge anbrachte, wurde der Zusammenhang wesentlich gestört, es entstanden Widersprüche und die chronologische Folge geriet stellenweise in große Verwirrung. So ist die Darstellung selbst äußerlich mangelhaft, der Stoff ist vielfach lose aneinandergereiht und überall fehlt es an der letzten nachbessernden Hand. Dazu kommt, daß der Stil ziemlich gesucht ist, er besitzt nicht die fast volkstümliche Frische eines Widukind, sondern Thietmar prunkt oft genug mit wenig angebrachter Gelehrsamkeit. Auf der andern Seite freilich entschädigt das Werk, das der Verfasser bis in sein Todesjahr 1018 fortführte, durch einen ungemein mannigfaltigen Inhalt. Thietmars Chronik gibt wegen der weitreichenden Beziehungen des Verfassers, dem von überallher Nachrichten zugetragen wurden, 4 ) ein viel lebendigeres Bild von den Verhältnissen und Zuständen des deutschen Ostens, als es irgendeine andre ') Vgl. hierzu Strebitzki, Thietmarus j is (seil. Tagino) ut seriptura eins testatur, quibus fontibus usus sit (Königsb. 1870) p. 12 f. und 20 ff. 2 ) Geschichtsschreiber d. deutsch. Vorzeit 11. Jahrh. Bd. 1 S. IX (Leipz. 1892). 3 ) Thietmar Chron.5,44 (p. 132 ed. Kurze) ab solo Ofdinandus apostolico, hnc venire non potuit. 4 ) Hierüber handelt eingehendStrebitzki. Forsch, z. d. Gesch. 14, 358—366. Thietmar von Merseburg. 267 zeitgenössische Geschichtsquelle Deutschlands vermag. Vor allem beschränkt sich Thietmar nicht auf das Reich, sondern sein Blick geht weithin auf die slavischeu Länder, wie er auch Kenntnis der slavischen Sprache besitzt. 1 ) In formal-sprachlicher Beziehung verschmäht er es nicht, mehrere Bücher seines Werkes 2 ) mit einem Gedicht endigen zu lassen, wie er auch dem ersten Buch eine Widmung in Versen an seinen Bruder Sigifrid voranstellt, der zu jener Zeit Abt des Johannesklosters in Magdeburg war; seine Hexameter sind übrigens prosodisch oft recht falsch und im Ausdruck unbeholfen, sie verraten keineswegs eine gute Schulung und sind nach Sitte der Zeit fast sämtlich leoninisch gereimt. Sonst sind Verse nur selten eingestreut, 3 ) außer wenn es sich um Zitate aus der alten Dichtung handelt; denn in dieser Beziehung ist Thietmar freigebig genug, da er nicht nur Verse aus den damals gebräuchlichen Schuldichtern anführt, sondern auch mit vielen aus ihnen entnommenen Versteilen und Redewendungen seine Darstellung zu schmücken sucht. 4 ) Sonst sind Macrobius, Augustin, Gregor und Isidor von Thietmar benutzt worden; übrigens dürfte es sich verlohnen, Thietmars Werk nach der Seite der Imitation näher zu untersuchen, da bisher hierzu erst der Anfang gemacht worden ist. — Noch zu Lebzeiten des Verfassers ist sein Werk benutzt worden von Adalbold von Utrecht für das Leben Heinrichs IL, später wurde es hauptsächlich von sächsischen Geschichtsquellen ausgeschrieben; um 1160 hat man es in Korvei abgeschrieben und mit Nachrichten von dorther verbunden, und in solcher Gestalt hat es der Annalista Saso verwertet. Außerdem wurde es im Leben Meinwerks, von Paderborn und in der Magdeburger und Halberstädter sowie in der Merseburger Geschichtschreibung verwendet. Zeugnisse. Ueber das Leben Thietmars handelten Strebitzki, Forsch, z. deutsch. Geschichte 14,356—358, und Fr. Kurze in der Ausgabe p. V-IX. Zur Abstammung 2,29 p. 37 pater mens comes Sigifridus und 4, 38 p. 86 mater med Cunigund nomine. Geburtsjahre 3,6 p. 51 Temporibus hiis (seil. 975) ego natus sum VIII. Kai. Augusti mense Iullo. Zum Unterricht 4, 16 p. 73 Me autem in Quidilingeburg apud suam materteram nomine Emnildam . . . primo litteris bene adhuc instruetum sumpsit et JRicdago abbati de s. Iohanne in Magadaburg commendavit. Ibi tres annos ego conversatus in omnium festivitate sanetorum ad s. Mauricium, quia ad altare hoc me dare non potuit, fraternitatis consortio ab eo iurictüs sum (a. 991). Propst zu Walbeck 6,44 p. 160 consensi ac eiusdem ecclesiae ,cuius tunc fui paterna tradicionc servus, dominicae incarnationis anno millesimo II. Non. Mai. custos effectus sum annuente id antecessore meo ob aeeeptam commutationem sibi placitam. Zur Priesterweihe 6.46 p 161 Adpercipiendnm presbiteratus ordinem ad Alstidi civitatem a domino Taginone vocabar . ■. Presbiterii vero dignüatem XII. Kai. Ianuarii a praefato archiepiscopo presente Heinrico rege ... indignus pereepi. Reise mit Tagino 6,3 p. 135 Dchinc Augustanam urbem itinere attingens .. . Equidem ab archiepiscopo Taginone rogatas ad predietam civitatem veni et cum eodem redii (vorher reginae diligenti salutationc licentiam dedit ad Saxoniam abeundi dilecto- que eam commisit Taginoni); vgl. auch 6,33 p. 153, wo Thietmar mit Tagino gegen die Polen bis jüterbock zieht. Tod Wigberts und Vorverhandlungen über die Besetzung des Merseburger Bistums 6,38f. p. 156 f.; Wahl und Weihe 6,40 p. 157 archiantistes . .. me ... duxit et paratus ad missam regi me per manus tradidä. Qui ut cum electione presentium pastoralem mihi curam inmerito commisit cum baculo .. . proximo sabbato ad Novam ürbetn Vgl. 2,37 p. 42 ukrivolsa; 4, 55 p. 94 vgl. Thietmari Merseb. episcopi Clnonicon rec. Dobraira; 6, 49 p. 163 Ustiure; 6, 56 p. 167 Belegori u. a. 2 ) Nämlich Buch 1. 2. 4. 5. 7. 3 ) Nämlich 3,22. 5,16. 17. 4 ) Diese Stellen sind durch Fr. Kurze in der Ausgabe sorgsam angemerkt worden, Kurze p. XIII, wo aber Statius und Ausonius zu streichen sind, denn das Zitat aus Ausonius (2,4) stammt aus Isid. Et. 1,3, 7 und das aus Statius 1, 23 stammt aus Persius prol. 1. 268 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. venimus. Ibi tv.no. in octavo dominicae sollempnitatis die a predicto archipresule HilUinirdo cönfratre 1 ) nostro adiuvante et coepiscopis non minus quam IUI asspirantibus in regis pre- sentia crismate in sacerdotem perunctus sunt VIII. Kai. Mai. Die vornehme Verwandtschaft Thietmars stellt zusammen Kurze in der Ausgabe p. V — IX. Einweihung des LSamberger Bistums 6,60 p. 169 Hiis ego peccator interfui; dort wurde ihm die Wiederherstellung des Merseburger Bistums versprochen p. 169 et restitucio parrochiae tunc promissaest mihi Chronik. In der Widmung an Sigifrid heißt es Vs.6 (p. 1) percurrunt . .. Saxoniae regum vitam moresque piorum, dagegen 1, 1 p. 2 wird der eigentliche Zweck des Werkes bezeichnet Quocirca ego Thietmarus non solwu honoris verum etiam nominis indignus epi- scopalis Merseburgensis seriem civitatis . . . fervens retegere admodwm vereor. Die Aufstellungen von Kurze über die Entstehung vgl. Neues Archiv 14, 59 — 86; den Tod Taginos (9. Juni 1012) erzählt Thietmar 7, 1—5. Gegen Kurze vgl. W. Gundlach, Heldenlieder d. deutsch. Kaiserzeit 1, 153 ff. Daß die Arbeit allmählich entstand, ergibt sich aus Thietmars Autograph, in Faksimiledruck herausgegeben Leipz. 1909. Die Benutzung Widukinds, die wie die der übrigen Quellen 2 ) von Kurze am Rande der Ausgabe notiert ist, erstreckt sich bis 2,44 p. 45. Von Nekrologien sind die aus Merseburg, Magdeburg und Lüneburg benutzt (die zwei ersten hrsg. von Dümmler, Neue Mitteil. a.d. Gebiet hist. antiquar. Forschungen Bd. 11 und 10, das letzte von Wedekind, Noten etc. Bd. 3). Zur Benutzung der angeblichen Magdeburger Geschichte Taginos vgl. Kurze, Mitteil. d. Instit. f. österr. Geschichtsforsch. Er- gänzungsbd. 3, 397—450; Kritik von K. Uhlirz, Mitteil. d. Instit. 15, 121—128, und besonders von Simson, Neues Archiv 19, 341 —368. Die vielfachen Zusätze und Nachträge in der Chronik sind als solche durch die Schrift kenntlich und können jetzt aus dem Faksimile des Originals leicht verglichen werden. Die Widmung an Sigifrid p. 1 Vs. 1 Coniunctum dulci fraterni iuris amore Et mihi dilectum supplex rogo te Sigefridum Nunc ego Thietmarus, videas mea scripta benigne, Quae placeant addens et quaeque superflua tollens, Abt des Johannesklosters 7, 1 p, 170 fratre meo abbate Sigifrido und Annal. Magdeburg. 1009 (MG. SS. 16,164,21) Eodem anno obiit Afkerus abbas de cenobio s. Iohannis baptistae Magdehurch, cui mox Sigifridus frater predicti Thictmari episcopi successit. Unter den von Thietmar benutzten Dichtern treten besonders Horaz, Vergil und Persius hervor, in weitem Abstände folgen Ovid, Lucan, Juvenal, Disticha Catonis, Martial, Terenz und Prudentius; Macrobius wird 5,1 und 9. 6 verwendet. — Das Autograph des Werkes ist heute in Dresden als Cod. R 147 und ist faksimiliert: Die Dresdner Handschrift der Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg,. Dresden 1909 (eingeleitet von L. Schmidt); sie ist im Anfang nicht ganz vollständig und wird ergänzt durch Bruxell. 7513 s. XV, der aus der oben erwähnten Abschrift von Korvei 3 ) stammt, die auch der Annalista Saxo benutzte, vgl. auch Waitz MG. SS. 6,543. Ausgaben von Lappenberg MG. SS. 3,723—873 und besonders von Fr. Kurze, Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon, Hannov. 1889. Zur Quellenkritik Strebitzki, Thietmarus quibus fontibus usus sit (Königsb. 1870) und Forsch, z. deutsch. Gesch. 14,347—366. Fr. Kur z e, Neues Archiv 14,59—86. 16,459—472. B. Simson, Neues Archiv 19,341—368. L. Schmidt (Zur Geschichte der Dresdner Thietmarus.) Neues Archiv f. Sachs. Gesch. 14,129 f. — Hauck3,942f. Wattenbach 1, 390 ff. R. Teuffel, Individ. Persönlichkeitsschilderung in d. deutsch. Geschichtswerken des 10. und ll.Jahrh (Leipz. 1914) S. 9 —13. 32. Thangmar von Hildesheim. Thangmar stammte aus Sachsen und wurde in Hildesheim Presbyter sowie Vorstand der Schule. Als solcher unterrichtete er den Bernward, 4 ) späteren Bischof der Stadt, und den Benno, später Bischof von Meißen. Nachdem Bernward Bischof geworden (992), wurde er Dekan der Hildes- heimer Kirche,' Bibliothekar und Notar. In dieser einflußreichen Stellung muß er seinem Schüler sehr nahegetreten sein, ja es scheint fast, daß er des Bischofs Confessor geworden ist; denn am Ende des Prologs von Bern- ') Ist Bischof Hildeward von Zeitz. 4 ) Uebrigens nennt Bernward in der Do- 2 ) UeberdieGeringfügigkeitseinerQuellen tationsurkunde für St. Michael Erkanbald von vgl. den Prolog Thietmars p. 1 Vs. 14 testis Mainz, früher Abt von Fulda, seineu Lehrer, cum parvulus assit und Vs. 16 ff. vgl. Vita Bernwardi 51 (MG. SS. 4, 780, 23) ') Vgl. R.Wilmans, Kaiserurkunden der magistri mei archiepiscopi Erlcenbaldi. Von Provinz Westfalen 1, 109 ff. Zu den Korveier Erkanbald hatte man s. XI Predigten in Augs- Einträgen vgl. auch Fr. Kurze in der Aus- bürg, vgl. Becker 52,49. gäbe p. XV a. 5. Thangmar von Hildesheini. 269 wards Leben schreibt er, daß dieser vom Knabenalter bis in die Mannesjahre an ihm wie ein Sohn an seinem Vater gehangen habe und daß ihm von dessen Leben nichts verborgen geblieben sei. So wurde Thangmar auch zu sehr wichtigen Dingen als Unterhändler und als Gesandter ausersehen, der die Interessen des Bistums auf das beste vertrat. Im Jahre 1000 wurde er an Willegis gesandt und begleitete darauf seinen Bischof nach Rom, wobei er Zeuge der wichtigsten Verhandlungen wurde. Nach seiner Rückkehr nahm er neben Bischof Eggehard von Schleswig als Gesandter Bernwards an der Synode von Frankfurt teil, um dann wieder als Gesandter Bernwards nach Italien zu gehen und bei der Synode von Todi anwesend zu sein. Hier handelte es sich darum, den zwischen dem Mainzer Erzbischof Willegis und dem Hildesheimer Bischof entstandenen Kompetenzstreit, der das Kloster Gandersheim in Sachsen betraf, der kaiserlichen und päpstlichen Entscheidung vorzulegen. Thangmar wurde dann mit reichen Geschenken an Bernward zurückgeschickt. Seitdem blieb er wohl beständig in des Bischofs Nähe und hatte die beste Gelegenheit, des bedeutenden Mannes Leben genau zu erkunden. Wahrscheinlich war er schon in früherer Zeit als Schriftsteller für die Hildelsheimer Kirche aufgetreten, denn er hat vielleicht die Übertragung des hl. Epiphanius dargestellt, 1 ) dessen Leib Bischof Otwin von Hildesheim aus Pavia 962 mitgenommen hatte. Die Übertragung des Heiligen nun wurde beschrieben und die kleine Schrift, die in einem sehr einfachen Stil gehalten ist, gibt nicht nur hierüber Bericht, sondern erzählt auch noch anderes aus dem Hildelsheimer Sprengel, namentlich, daß Bischof Otwin bemüht gewesen ist, Bucher in Menge aus Italien nach der Heimat zu bringen, so daß sich seit dieser Zeit die Hildesheimer Schule zu einem Mittelpunkt für die geistige Kultur erheben konnte. Freilich gehörte eine so besonders begabte Natur wie Bischof Bernward dazu, um in der Hauptstadt des Bistums eine kunstgeübte Schreiber- und Malschule erstehen zu lassen, und in Nachahmung der Trajanssäule und der Türen von St. Sabina zu Rom die berühmte Bernwardsäule und die Türen des Domes zu Hildesheim kunstvoll zu gestalten. Zeiten wie die Bernhards und seines ihm ebenbürtigen Nachfolgers Godehard hat der Hildesheimer Sprengel später nicht wieder gesehen. Einen nicht unbedeutenden Teil von Bernwards Kirchenpolitik nahm nun der schon oben berührte Gandersheimer Kirchenstreit ein, der mit großer Heftigkeit geführt wurde und erst 1007 mit dem Verzicht von Willegis auf das Aufsichtsrecht über das an der Grenze des Mainzer und Hildesheimer Sprengeis gelegene Kloster endete. Er beansprucht in dem uns überlieferten Leben Bernwards von Thangmar einen sehr breiten Raum und ausführlicher ist hier überhaupt nichts dargestellt worden als eben dieser Streit in allen seinen Phasen. In Kap. 12 bespricht Thangmar die bestehenden Verhältnisse und deutet damit die Grundlagen des Zwistes an, dann erzählt er von der zwischen Willegis und Osdag von Hildesheim strittigen Weihe der Prinzessin Sophia, um dann in Kap. 15 auf den Beginn des eigentlichen Streites zu kommen, der in Deutschland wie in Italien ') Vgl. Ch. Beelte, Thangmar (Hildesheim 1881) S. 10. 270 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ausgefochten wurde. Thangmar selbst nahm an dem Streite insofern starken persönlichen Anteil, als er, wie oben schon erwähnt, zuerst in Begleituno- Bernwards und dann ein zweites Mal ohne seinen Bischof in Italien war und jedenfalls hier wie dort zu allen Verhandlungan zugezogen wurde oder sie sogar für den Bischof leitete. Hierbei verschaffte er sich eingehendste Kunde über alle einschlagenden Verhältnisse und der genaue Bericht, den er hierüber 1 ) im Leben Bernwards Kap. 21 bis 28 gibt, kann nur auf gleichzeitiger, zu bewußtem Zweck niedergeschriebener Aufzeichnung beruhen. Da nun aber auch die in der Zwischenzeit in Deutschland fallenden Ereignisse des Streites genau gebucht sind und Kap. 20 als ein Bericht des Hildesheimer Bistums an den in Italien weilenden Bernward erscheint, 2 ) so ist der schon von Ch. Beelte und J. R. Dieterich ausgesprochene Gedanke gar nicht mehr abzuweisen, daß Thangmar mit oder ohne Auftrag Bernwards eine ausführliche Schrift über diesen Streit verfaßte und zwar mit Benutzung von Aktenstücken, die sich auf die Streitpbasen in Deutschland wie in Italien bezogen. Diese Schrift ist wahrscheinlich im Jahre 1007 entstanden, das heißt zu der Zeit, nachdem Willegis bei der endlich erfolgenden Einweihung der Gandersheimer Kirche in Gegenwart des Kaisers auf die Jurisdiktion über dies Kloster feierlich verzichtete (5. Jan. 1007). Die für Hildesheim bedeutende Wichtigkeit des Streites und seines Ausgangs hat Thangmar in Kap. 11 mit den Worten berührt: „Damit aber in Zukunft kein ähnlicher Streit über die Gandersheimer Kirche entstehen kann, habe ich es für passend gefunden, den ganzen Verlauf des Zwistes zwischen dem Mainzer Erzbischof und unserm verehrungswürdigen Bernward hier darzustellen. Und ich muß dabei etwas weiter ausholen, was der Leser nicht etwa als lästig empfinden möge; denn der Zukunft kann dies vielleicht von großem Nutzen sein." Daß Thangmar aber diese ausführliche Darstellung 3 ) später seinem Leben Bernwards einverleibte und sogar mit einigen Schlußnotizen über die Zeit Erkanbalds und Aribos versah (Kap. 44. 45. 48), ergibt deutlich den Charakter dieser Biographie als einer Tendenzschrift. Und diese tritt als solche auch ganz klar in den betreffenden Partien hervor: Thangmar schreibt alles über den Streit nur zugunsten Hildesheims und scheut vor Verunglimpfung von Willegis keineswegs zurück. Es ist daher zu bedauern, daß wir keine Darstellung von der andern Seite besitzen, sie würde wahrscheinlich manches zurechtrücken, was Thangmar im Eifer für Hildesheim geschrieben hat. Daß diese Darstellung des Streites auch wirklich für sich bestanden hat, ergibt sich aus der Existenz in der Dresdener Handschrift, die man früher für einen Auszug aus Bernwards Leben hielt, die aber nach der Untersuchung von J. R. Dieterich die Streitschrift selbst darstellt. Vielleicht im Jahre 1015 begann dann Thangmar ein Leben Bernwards abzufassen, nämlich in dem Jahre, als Bernward die Krypta der Charakteristisch für Otto III. ist hier domno episcopo dirigittir, scripta quoqiie in einer Rede an die Römer die Aeußerung c. 25 p. 770, 25 Amore vestro meos Saxones et amctos Theotiscos, sanguinem meum, proieci. 2 ) Zum Uebernuß steht auch noch im Beginn von Kap. 21 Interea legatus super his domno apostolico et imperatori lacrhnoso ad- modum stilo ferebat. 3 ) Die Kap 23—27 läßt Dieterich (Neues Archiv 25,443.446) dem eigentlichen Leben angehören. Das ist möglich, aber nicht notwendig. Thangmar von Hildesheim. 271 wichtigsten Stiftung seines Lebens, des Michaelsklosters zu Hildesheim im Verein mit Eggehard von Schleswig und Dietrich von Minden weihte. Thangmar stand damals schon in vorgerückten Jahren und es mußte ihm daran liegen der Nachwelt ein Lebensbild des Mannes zu überliefern, den er einst selbst unterrichtet hatte, der vor ihm kein Geheimnis besaß, der in der höchsten Gunst seines ehemaligen eignen Schülers, des Kaisers Otto III.; gestanden hatte und diejenige Heinrichs II. besaß. War ja ßernward in Wahrheit eine bedeutende Persönlichkeit, ebenso erfahren in der Regierung, wie selbsttätig in der Kunst und hochgebildet in der Wissenschaft. Niemand anders als Thangmar konnte es unternehmen, das Leben dieses Mannes darzustellen, da er in enger Gemeinschaft mit ihm stand und vermöge seiner Stellung Wesen und Taten und Absichten des Bischofs genau kannte. Und Thangmar schuf in diesem Leben ein literarisches Denkmal, wie wir eigentlich kein zweites in der an Biographien so reichen Zeit besitzen. Er äußert sich im Vorwort darüber, daß er den Plan, das Leben Bernwards zu schreiben, nicht ohne dessen Vorwissen habe ausführen wollen, 1 ) und als er sich nach langem Zaudern endlich dazu entschlossen habe, ihm davon Mitteilung zu machen, sei Bernward anfangs heftig dagegen gewesen. Endlich aber habe er nachgegeben und die Ausführung gestattet. Thangmar erzählt dann, daß Bernward als Knabe dem Bischof Osdag und dann ihm als Schüler anvertraut worden sei. Er erhielt in ihm einen außerordentlich lernbegierigen Schüler, den er auch häufig allein vornahm und in poetischer wie prosaischer Darstellung auf das beste einübte, und er rühmt von ihm seine besondere Fertigkeit im Schreiben, seine Tüchtigkeit im Malen und seine Begabung in der Herstellung von Schmiedearbeiten und im Bauwesen. Später hielt sich Bernward beim Pfalzgrafen Adalbero, seinem Großvater, auf und ging dann zu Willegis nach Mainz, wo er die Weihen erhielt. Nach dem Tode des Großvaters ging er 987 an den kaiserlichen Hof und wurde hier von Theophano zum Lehrer Ottos III. bestellt, bei dem er ungemein viel galt, bis er 993 zum Bischof von Hildesheim erhoben wurde. Alle diese Verhältnisse bis zur Bischofswahl erzählt Bernward mit großer Anschaulichkeit und zwar in besonders gebildeter und abwechslungsreicher Sprache, die aber keineswegs an antike Vorbilder 2 ) sich gesucht anschließt und die Reimprosa nur wenig verwendet. Bernwards tägliches Leben wird in Kap. 5 und 6 dann eingehend geschildert und zwar stellenweise in gewissem Anschluß an Einharts Leben Karls. Hier berichtet Thangmar von der Vorliebe Bernwards für kunstvolles Schreiben, sowie daß er eine Menge Bücher kirchlichen und profanen Inhalts erworben habe, außerdem spricht er von seinem Hange zu künstlerischen Arbeiten und erwähnt, daß er aus eignem Antriebe und ohne Lehrer Mosaiken für Fußböden und gemusterte Ziegelarbeiten hergestellt habe. Dieser Teil der Biographie ist von ganz besonderem Interesse, weil die ') Wahrscheinlich hatte er vieles von ihm I Andi\ 1, 1, 34) das sprichwörtlich geworden zu erfragen, bevor er an die Darstellung i war; daselbst p. 759,53 Frugalitatem . . . in gehen konnte. | eo laudare vix ullus sufficit nach Sulp. Sev. 2 ) Nur Kap. 5 (MG. SS. 4.759,41) heißt es Vita Mart. 2,7 (ed. Halm p. 112,19), das fol- iuxta ilhid sapientis: ne quid nimis (Terent. | gende nach Einh.Vita Karoli 24. 972 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Tätigkeit des Bischofs nach den verschiedensten Richtungen hin dargestellt wird und der Leser an Stelle der sonst so üblichen geistlichen Phrasen die die Armseligkeit des Inhalts verdecken sollen, eine wirklich in durchweg persönlicher Weise ausgeführte Schilderung erhält, die einen geistig bedeutenden, das einzelne wie das gesamte im Auge habenden Mann zum Verfasser hat. Die nächsten Kapitel geben davon Kunde, wie der Bischof seinen Sprengel vor dem Einfall von Feinden zu schützen wußte und wie er unablässig tätig war, den Besitz des Bistums zu erhalten und zu mehren. Die Erwähnung einer von Otto III. geschenkten Kreuzreliquie gibt ihm Veranlassung, ein Wunder einzufiechten, das sich mit diesem kostbaren Geschenk ereignete, und auf die wundertätigen Eigenschaften der Reliquie hinzuweisen. Mit der Weihe des für das Kreuz errichteten Heiligtums schließt nun dieser erste Teil der Biographie ab, die dann durch die in chronologischer Anordnung gehaltene Darstellung') vom Gandersheimer Kirchenstreit fortgesetzt wird, so zwar, daß sich dieser Hauptteil der Gesamtschrift zeitlich etwa an die frühere Erzählung anschließt. Wie schon oben erwähnt, ist die Darstellung des Streites am Ende mit einer Erweiterung und Ergänzung bis in die Zeiten Aribos versehen worden, und dann beginnt erst mit Kap. 49 in der seit Kap. 44 angenommenen fast annalistischen Weise die wirkliche Fortsetzung der Biographie. Da nun aus Thangmars Werk die lang ausgedehnte Erzählung vom Kirchenstreit schon durch ihre ganze Breite heraustritt und aus der Biographie entfernt werden könnte, ohne daß diese bedeutend alteriert würde, so möchte ich mich durchaus der Ansicht von Dieterich anschließen, daß jene breite Darstellung erst nachträglich von Thangmar mit der Biographie zu einem Ganzen verbunden worden ist. Zweifelhaft könnte man allerdings wegen eines größeren Stückes betreffs der Zugehörigkeit zur einen oder andern Seite sein. Nämlich Kap. 38—41 erzählt Thangmar von den Anfängen Heinrichs IL; da aber Kap. 38 2 ) und 39 Willegis eine Rolle spielt, so dürften diese beiden Abschnitte der Darstellung des Streites angehören, während die weiteren der Biographie zufallen; 3 ) Thangmar berichtet hier nämlich vom Besuche Heinrichs IL in Hildesheim und von seinem Feldzug nach Frankreich, wobei Bernward St. Denis und Tours besuchte, und dann von Heinrichs IL Plane, ein Bistum in Bamberg zu gründen. Auch das nächste Kapitel, das den Tod der Äbtissin Rothegardis, der Tante Bernwards erzählt, ist der Biographie zuzuwiesen, die also, um den chronologischen Faden nicht zu unterbrechen, teilweise später in den Kirchenstreit hineingearbeitet ist. Die eigentliche Fortsetzung der Biographie nun beginnt mit der Weihe des fertiggestellten Michaelsklosters, das dem Propste des Kölner Pantaleon- klosters Goderamnus unterstellt wurde. Thangmar hat dann die Dotationsurkunde Bernwards für sein neues Kloster im Wortlaut aufgeführt. Sie ist insofern interessant, als sie ein literarisches Denkmal des Bischofs selbst ') Hier stammt c. 14 p. 764,42 sicut a wieder aus Terenz (Andr. 1, 1,43). In c. 33 auf Terent. Phorm. 1,4,51 f. quodam dictum est: Veritas odium parit 2 ) Dieterich, Neues Archiv 25,444), weist dies Kapitel der Biographie zu. p. 773,12 heifit es qui subcenturiatus adesset 3 ) Daher fehlen c. 40—42 der Dresdner Hs. si quid forte adversi . .. emersisset mit Bezug | Thangmar von Hildesheim. 27E darstellt und sich von ähnlichen Urkunden dadurch unterscheidet, daß sie in ihrer ersten Hälfte sich einer theologischen Abhandlung nähert und Bernward in ihr mehrere Angaben über sein Lehen macht; eingestreute Versteile aus Persius 1 ) und Sedulius 2 ) lassen erkennen, daß Bernvvard über das Bildungsmaterial seiner Zeit gebot. In den Schlußkapiteln berührt dann Thangmar die letzten Zeiten Bernwards und erzählt seinen Tod; er schließt mit emphatischen Lobeserhebungen, die sich auch sonst in der ganzen Darstellung finden. Dies Werk ist also zusammengearbeit aus der früheren Streitschrift und aus dem um 1015 begonnenen Leben, das im großen Ganzen ein Erbauungsbuch darstellen soll. Die Vorrede gehört dem Leben an und ist noch vor Bernwards Tod geschrieben, während die Schlußredaktion die Kap. 44 und 45 und 48 bis 57 umfaßt und nach Bernwards Tod wohl 1023 geschrieben ist. 3 ) Als Gesamtleistung betrachtet ist das ganze Werk in höchstem Grade wertvoll, da es einen tiefen Einblick in das geschichtliche Werden und Leben der Zeit gestattet. Zeugnisse. Die Zugehörigkeit Thangmars') nach Sachsen und nach Hildesheim geht aus vielen stellen hervor, vgl. c. 1 p. 758, 13 claro nostrae gentis sanguine ... traditur domno Osdago nostro eplscopo. Presbyter vgl. Prol. p. 757,39 ego peccator et indignus presbüer Thangtharus, 34 p. 773, 29 Direxit autem Thangmarum presbiterum vice sua. Vorstand der Schule c. 1 p. 758,15 meae parvitati qui pr im leer ins scholae puerorum praeeram ... deputatur ; 5 ) zu Benno (später Bischof von Meißen) vgl. Chron. s. Michaelis Hildesh. (Leihniz SS. rer. Brunsvicensium 2.400,111) Benno ...in nostro monasterio educatus sieb maglsterio Tangmari decani. Hier wie 33 p. 773.12 Thangmarum . . . monasterii decanum. Notar und Bibliothekar Prol. p. 757, 39 Thangmarus humittimiis quoque s. nostrae eccleslae bibliothecarins et notarius. "Verhältnis zu Bernwaid Prol. p. 758, 10 quia a puero mecum usque ad iuvenilem aetatem obversatus quasi filius patri familiarlus adhaesit et convlxlt nee aliquid in omni studio eins vilae meam consclentlam fraudare potuit, e ) quin plenissime scirem. Zu den politischen Aufträgen und Sendungen Thangmars vgl. die "Vita Bernw. 18 — 36 und Ch. Beelte S. 6 ff., zum Tode Ottos III. und zur Wahl Heinrichs II. vgl. c. 37 und 38. Translatio s. Epiphanii. Der Verfasser erklärt im Prologe (MG. SS. 4.248,37) quo ordine lllius . . . reliquiae . . . sint primum repertae atque ad nos usque deduetae, uti isdem qui huic fellclsslmo intererat officio, et maxime Thangirardone venerablll presbytero, cuius opera praeclpue in hoc enltull, attestante didici . ..posteris usitandum humillter transmitto. Zu Bischof Otvvin c. 2 p. 249,27 Librorum nichilomimcs tarn divinae lectionis quam phllo- sophicae fictionis tantam convexit copiam, ut qui lllorum penuria inertl ante torpebant Otto, frequenti nunc studli caleant negotio. Der Raub des hl. Epiphanius selbst wird (c. 3— 5) ausgeführt vom Hildesheimer Presbyter Thangwardo und von einem Presbyter des Bischofs Landwaid von Minden. Es folgt die Uebertragung nach Hildesheim c. 6—8 (p. 250,7), Quis ibi prae gaudio a lacrimis temperaret (Verg. Aen. 2,6.8) cum decus Italiae (Aen. 11,508) nostrae effulsit patriae, cum novum sidus illnxit (Cuit. hist Alex. 10,9,3) nostratibus), und daran schließen sich c. 9 f. zwei Wunder. Die. kleine Schrift war erhalten in einer Hs. von St. Michael in Hildesheim s. XV (verschollen?) und ist benutzt worden von Vinzenz von Beauvais und daraus von Hermann von Lerbeke (vgl. Pertz, MG. SS. 4, 248). Ausgaben von Leibniz, SS. rer. Brunsvic. 1,257; von Pertz, MG. SS. 4,248 ff. (Auszug), ergänzt Anal. Boll. 17,124 ff. (p. 124 über die Hs.). Zu Bischof Bernward. Ueber das Schreibwesen zu Bernwards Zeit vgl. St. B eissei, Des hl. Bernward Evangelienbuch, Hildesheim 1894 S. 1—17 mit Tafeln 1 — 25 aus dem Evangeliar. J. R. Dieterich, Streitfragen d. Schrift- und Quellenkunde d. deutsch. Mittelalters (Marb. 1900) S. 17—23. Der sogenannte Liber mathematicalis Bernwards ( = Boethius de instit. arithmetica) ist nicht von Beinward geschrieben, wohl aber von ihm durchkorrigiert 5 ) Daß er Lehrer blieb, ergibt c. 34 p. 773,30 qui a primaeva iuventute usque ad caniciem Scolari studio intentus nutriendis puerls ope- ram dabat. 6 ) Beelte a. a. O. S. 5 will aus diesen Worten nicht das Verhältnis Thangmars als Confessor Bernwards hervorgehen lassen. ') c. 51 p. 779,29 dum fit rerum discolor usus, Pers. 5, 52. 2 ) 51 p. 779,38 Helyam humanl aevi non- dum cognovlsse metam sed curru igneo sub- latum esse, Sedul. Pasch. Carm. 1,181.183. 3 ) Dieterich, Neues Archiv 25,445. ■*) Ch. Beelte (Thangmar S. 2) läßt ihn um 950 geboren sein. Manitiua, Lateinische Literatur des Mittelalters. 18 274 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. worden; er beruht wohl auf lombardischer Grundlage und ist um 1000 entstanden; vgl. H. Düker, Der Lib. math. des hl. Bernward (Hildesh. 1875) S. 3 f. 7 ff. uud J. R. Dieterich a. a. 0. S.17. Zur Bernwardsäule 1 ) und den Domtüren vgl. A. Schultz in Dohme, Kunst und Künstler des Mittelalters 1,35—48; St. Beissel, Der hl. Bernwaid als Künstler, Hildes- heim 1895. Zur Herleitung der Domtüren vgl. A. Bertram, Die Türen von St. Sabina in Rom (Freiburg 1892) S. 11 ff., wo der Aufenthalt Bernwards auf dem Aventin 1001 als bedingend hingestellt wird. Zur Kunsttätigkeit Bernwards vgl. Hauck 3, 924. 927f. Thangmars Schrift über den Kirchenstreit bat vielleicht nach J. R. Dieterich. (Neues Archiv 25,450 f.) den Titel Thangmari disceptationis de Gandisheimensi territorio adbreviatio gehabt; der Dresd.J 206 läßt den Titel aus. Der Verzicht des Willegis c. 43 p. 777, 37 Willigisus archiepiscopus tandem ... in se rediens ... iuri et repetitioni eiusdem loci abrenunciavit et . .. ferulam episcopalem domno Bernicardo tradidit. Der Kirchenstreit beansprucht im Leben Bernwards c. 12—43, wovon aber vielleicht 23—27 und 40. 41 in Abrechnung kommen. Daß Thangmar zwei Jahre nacheinander in Italien war, ergibt c. 34 p. 779, 29 Direxit autem Thangmarum presbiterum vice sua, qui et priori anno comes pere- grinationis eius apud imperatorem fuerat. Die einleitenden Worte Bernwards für die Einfügung der Streitschrift in Bernwards Leben lauten c. 11 p. 762,40 Sed ne similis contro- versia de ipsa Gandenesheimensi aecclesia postmodum valeat oboriri, omnem disceptationis ordinem inter Mogontiensem antistitem et .. . Bernwardum hie inserere commodum duxi. Necessarium autem reor ista paulo altius indagando repeiere, quod tarnen lectori minime debet esse onerosum, qnia posteris foriasse in multis erit profuturum. Einzige 2 ) Hs. (aus Hildesheim, vielleicht von jüngeren Schülern Thangmars) Dresd. J 206 s, XI; zur Hs. (mit Schriftproben) vgl. J. R. Dieterich. Streitfragen S. 27 f. und Neues Archiv 25, 448 ff. Vita Bernwardi. Die Weihe der Gruft zu St. Michael erzählt Thangmar c. 47. Hier wie bei der Weihe der Michaelskirche, die 1022 erfolgte und c. 49 erzählt wird, fällt die urkundenmäßig genaue Datierung und die Erwähnung der dabei gegenwärtigen Bischöfe auf; beidemal mag ein amtliches Schriftstück zugrunde liegen. In der Vorrede heißt es (p. 757, 39) ego peccator et indignus presbiter Thangmarus hiimillimus quoque s. nostrae ec- clesiae bibliothecarius et notarius magnifica gesta 3 ) memorabilis viri domni scilicet Bernwardi nostri episcopi colligere aggressus sum . .. (p. 758, 3) Et qnia hoc ipso ignorante subire temerariutn seivi, diu eunetatus haec publice cum illo confabulari, tandem oportunitute naeta aditum temptavi. Primo itaque forti auetoritate adversabatur michi . . . Tandem cum saepius ingererem, grave peccatum esse, bona opera celare . . . cessit meo arbitratu quae com- pingerem relinquens, quia a puero mecum usque ad iuvenilem aetatem obversatus quasi films patri familiarius adhaesit et convixit, nee aliquid in omni studio eius vitae meam con- scientiam fraudai'e potuit, quin plemssime scireni. Zu Osdag und zur Unterweisung durch Thangmar c. 1 c. 758.14 traditur domno Osdago nostro episcopo . .. et amborum diligentia meae parvitaü. . . literis imbuendus, moribus etiam instituendus deputatur . . . nunc communi lectione cum aliis, nunc seorsim familiarius assumens . . . remotiori loco sedens intento auditn captabat. . . . Nam saepe totum diem inter equitatum studendo attrivimus, nunc legendo . .. nunc poetizando per viam metro collusimus, inde ad prosaicam palaestram exercitium alter- nantes . . . saepe sgllogisticis cavillationibus desudavimus . . . In scribendo vero adprime enituit, picturam vero limate exereuit fabrili quoque scientia et arte chesoria*) omntque struetura mirifice excelluit, ut in plerisque aedifieiis . . . post quoque damit; vgl. hiermit c. 6 Picturam vero et sculpturam et fabrilem atque clusoriam artem . . . numquam neglecium patiebatnr, adeo ut ex transmarinis et ex Scoticis vasis, quae regali maiestati singiduri domo deferebantur, quiequid rarum vel eximium reperiret, incultum transire non sineret. Zu Adelbero c. 1 Avus quippe eius Athelbero palatinus comes .. . hunc praeclarum adoles- centem .. . in affectum flii adoptavit . .. familiarivs sibi adiunxit. Zu Willegis c. 2 Adeptus itaque a Willegiso . . . archlepiscopo subdiaconatus gradum aliquamdiu cum illo conversatus ■ .. diaconum illum ordinavit. . . presbiterii eum honore sublimavit. Zum Aufenthalt am Hofe c. 2 Quo (seil, avo) defuneto ad palatium se contulit in servitium videlicet tercii Ottonis im- peratoris, qui septennis adhuc puer cum ... matre domna Theuphanu Augusta rebus prae- erat. A qua . . . benignissime suseipitur . . . adeo ut domnum regem fidei illius literis im- buendum moribusque instituendum consensu eunetorum procertim commendaret; hierzu ist zu. ') Der Leid. Voss. F 88 s. X besitzt eine 3 ) Vgl.Sallust.Cat.8,2 res gestae ... magni- alte Zeichnung der Säule, vgl.Vitruvius iterum ßcaeque fuere. ed. V.Rose p. VII. 2 ) Vielleicht auch eine in Wolfenbüttel, vgl. Dieterich, Neues Archiv 25,450 n. 1; das scheint jedoch nur Verwechselung mit einer der dortigen Hss. der Vita zu sein (vgl. unten). 4 ) Ist die Kunst, Edelsteine zu fassen. Mit der von Bernward ausgeübten Baukunst hängt wohl der Vitruv zusammen, der heute Leid. Voss. F 88 ist und wahrscheinlich dem Michaelskloster als Legat Bernwards gehörte.. Thangmar von Hildesheim. 275 vergleichen, was Bernward in der Dotationsurkunde für St. Michael von sich sagt c. 51 p.779, 46 Bernioärdus ■ .. cum essem aulicus scriba doctus et beatae memoriae tercii Ottonis impera- toris didascalus sinml et primiscriniarius. Bischofswahl c. 4 Per idem tempus venerabili epi- scopo Gerdago decedente hie religiosus iuvenis Bemwardus votis omnium ad pontifteatum eligitur. Zur Abhängigkeit von Einharts Vita Karoli vgl. Manitius, Neues Archiv 13, 208. Zur Pflege der Schreibkunst und zur Büchersammlung vgl. 6 p. 760, 29 Scripioriä namque non in monasterio tantum sed in diversis locis studebat, unde et copiosam bibliothecam tarn divinorum quam philosophicorum codicum comparavit. Weiter unten Musivum praeterea in pavimentis omandis Studium neenon lateres ad tegulam propria industria nullo monstrante eomposuit. Weiteres zur Kunst c. 8 Unde exquisita ac lueida picturam tarn parietes quam laquearia exornabat ut ex veteri novam putares. Fecit et. .. evangelia auro et gemmis claris- sima.') Der Bericht über die Weihe des Kieuzheiligtums steht c. 10, er hat ebenso genaue Datierung wie die Weihen bezüglich des Michaelsklosters. In dem Anhang zum Kirchenstreit erfährt auch Aribo scharfe Beurteilung, vgl. 48 Sed quod tunc subdole promisit, grassante stutticia post fefellit; die Endworte nee mutire quidem ausus est stammen aus Jos. 10, 21. Die Ergänzungskapitel zum Kirchenstreit (44—48) werden übrigens durch einen Teil der Vita nämlich in c. 46 f. unterbrochen, wo Thangmar erzählt, daß Bernward die Kirche als Erbin seines Besitzes eingesetzt und ein Kloster gestiftet habe, und von der Weihe der Krypta der Klosterkirche berichtet. Der neue Abt von St. Michael hat in Köln eine Hs. des Vitruv zurückgelassen, die seinen Namen (f. 145 b Goderamnus prepositus) eingeschrieben besitzt; es ist Mus. Brit. Harl. 2767 s. IX, vgl. Catal. of ancient Manuscripts 2, 84. Die Einleitung zur Do- tationsuikunde von St. Michael ist ungemein lang ausgedehnt und geht von der Hinneigung aller Kreatur zu Gott aus; er nennt sich hier c. 51 p. 780, 9 Inthronizatus Bennopolitanae 2 ) aecclesiae und erzählt von fünfjähriger Krankheit (p. 780, 17) tactus febris incommodo aegrotare coepi quinquennio und berichtet, daß er nach dem Rate Kaiser Heinrichs und Erzbischof Erkenbalds gehandelt habe (p. 780, 23) Consilio itaque senioris mei imperatoris Heinrici et tnagistri mei archiepiscopi Erkenbaldi, quem ipse ego . . . in arehiepiseopum eonsecravi. Thangmar erzählt dann c. 53 noch die Weihe der Martinskapelle und berichtet c. 54 ff. über den Tod Bernwards; c. 55 erwähnt er das von diesem selbst gedichtete Epitaph 3 ) und c. 57 die nach seinem Tode verfaßte Grabschrift. Die Vollendung der Vita gehört wohl noch ins Jahr 1023, da nirgends in dem Werke auf Heinrichs IL Tod angespielt wird. Und Thangmar wird bald nach 1023 gestorben sein, denn schon 1027 erscheint der neue Dekan Tadilo, vgl. Vita Godehardi prior 32 (MG. SS. 11, 191, 30) primores nostri Wiggerus praepositus et Tadi/o decanus. — Das Werk ist besonders von der Hildesheimer Historiographie verwendet worden, es wird nämlich benutzt in den Ann. Hildesheimenses, von Wolfhere in den beiden Biographien Godehards, später vom Verfasser der Chronica episcoporum Hildesheimensium und in der Translatio s. Bernwardi. Handschriften: Hannoveranus (aus St. Michael) s. XI; dazu kommt besonders Dresd. J 206 s. XI (noch aus Bernwards Zeit), außerdem 4 ) Guelferbyt. 388 N.21 s.XV f.261'»-284 und 3204 s. XV f. 18—55 b . Ausgaben von Leibniz, SS.rer. Brunsvic. 1,441—469: Pertz, TVIG. SS. 4, 757—782; J. van Hecke, Acta SS. Oct. 11, 996—1024. (Migne 140, 385-436.) An die Biographie Bernwards schloß man viel später in St. Michael die Darstellung einiger Wunder an, die sich an seinem Grabe ereignet haben sollten. Diese Darstellung, die sich auf 19 kurze Kapitel beschränkt, ist durchaus anspruchslos und im gewöhnlichen volkstümlichen Stil solcher Erzählungen gehalten. Die Wunder werden überliefert im Hannoveranus (aus St. Michael) s. XII und in den Guelferbytani (vgl. oben). Ausgabe: MG. SS. 4, 782—786. — Übrigens gibt Dresd. J 206 f.l9 b von andrer Hand c.44. 45 in ganz andrer Gestalt, dann c. 45 von p. 778, 7 (Divino) an; c. 46. 47 fehlen und dann erscheint c. 48 mit anderem Eingang. Damit schließt die erste Fortsetzung 5 ) und die zweite ist gedruckt MG. SS. 11,165—167. 3 ) Zwei weitere Distichen von ihm als Weih- inschrift auf dem Evangeliar bei St. Beissel, ■) Vgl. J. R. Dieterich, Streitfragen S. 17 (Probe aus dem großen Evangeliar Bernwards S.19). Des hl. Bernward Evangelienbuch, Tafel 26. ZudiesemNamen vgl. die Annal. Hildes- , Der Name wird hier Bernuuardus geschrieben, heimenses a. 5781 (ed. Waitz p. 8) Benna- \ 4 ) Beide Hss. geben den veränderten Text, polim fundatur Hildens, civifas. Diese An- ; der s. XIII ex. bis XIV in. für Bischof Sifrid II. nalen sind aber zwanzig Jahre später als die i von Hildesheim geschrieben wurde. Vita geschrieben. Woher stammt die Bezeich- ] 5 ) Ueber die beiden Fortsetzungen vgl. nung? J. R. Dieterich, Neues Archiv 25, 427—439. 18* 276 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 33. Die Annales Quedlinburgenses. Quedlinburg erhielt durch Mathilde, Heinrichs I. Gemahlin, eine klösterliche Stiftung, deren erste Äbtissin die gleichnamige Enkelin der Königin wurde (966—999), nämlich Ottos des Großen Tochter, der Widukind sein Geschichtswerk widmete. Ihre Nachfolgerin war Ottos III. Schwester Adelheid, die ebenso wie ihre Vorgängerin eine höchst bedeutende Stellung im Reiche einnahm. Daß man in diesem ottonischen Kloster sehr genaue Nachrichten über die königliche Familie besaß, war selbstverständlich, und es regte sich denn auch hier wie in Korvei, Gandersheim und Nordhausen ■der historische Sinn, so daü ein Geistlicher der Quedlinburger Kirche bald nach Ottos III. Tode es unternahm, ein größeres geschichtliches Werk zu schreiben, das im allgemeinen auf den Preis und Ruhm des ottonischen Hauses hinauslief. Dem Verfasser standen zunächst ziemlich umfängliche Annalen zu Gebote, die in Hersfeld enstanden waren und mehreren späteren Geschichtswerken als Grundlage gedient haben. Es scheint, daß eine um das Jahr 997 aus diesen Annalen genommene Abschrift als älteste Quelle ausgeschrieben wurde. Und zwar stand hier am Anfang eine sehr dürftige Weltgeschichte, die mit der Erschaffung der Welt begann und auf wenigen Seiten bis zum Ende des 7. christlichen Jahrhunderts eilte. Hiermit verband aber der Quedlinburger Verfasser Stücke aus einem interpolierten und glossierten Exemplar von Bedas Weltchronik, worauf die angelsächische Form der Namen in dem von ihm gebrachten Stücke der alten Heldensage über Ermanarich, Odovakar und Theoderich hinweist, wie E. Schröder dargelegt hat; 1 ) er bezieht sich als Deutscher sogar auf die erst zu seiner Zeit abkommenden Gesänge auf den großen Volkskönig, indem er dort hinzusetzt: „Das war jener Thideric von Berne, von dem man früher wohl die Bauern singen hörte." Das ist nicht nur ein wichtiges Zeugnis dafür, daß Theoderich im Gedächtnis des deutschen Volkes noch lange nachlebte, sondern beweist auch, daß der Verfasser unsrer Annalen den alten Helden ein nicht geringes Interesse entgegenbrachte, indem er jene Zusätze zu Beda vielleicht wortgetreu in sein Werk aufnahm; jedenfalls aber ist der Nachweis von H. Lorenz 2 ) durchaus geglückt, daß die Stellen über die Heldensage in unsern Annalen keine nachträgliche Interpolation sind. Das ist nun freilich das einzige Stück von Interesse aus dem früheren Teil der Annalen, die die eigentliche Jahrbücherform erst von 708 an erhalten und außer den Hersfelder auch die Annales Einharti 3 ) sowie die von Korvei und Reichenau, eine verlorne Chronik aus Halberstadt, sowie die Gesta regum Francorum und Einharts Vita Karoli benutzen. Der Verfasser gebrauchte nun seine Quellen dergestalt, daß er sich mit sehr dürftigen Exzerpten begnügte und von zusammenhängender Erzählung ganz absah. Erst mit dem Jahre 913 beginnen die Zusätze, 1 ) die sich auf das ottonische Haus beziehen und wohl auf Quedlinburger Aufzeichnungen zurückgehen. ') Ztschr. f. deutsch. Altertum 41, 24—32; vgl. besonders S. 29 und 32. 2 ) Germania Bd. 31, 137—144. 149 f. 3 ) Vgl. H. Detmer, Otto II. bis zum Tode seines Vaters (Leipzig 1878) S. 83 f. 4 ) Daß sie nicht vor 967 niedergeschrieben sein können, erwiesH. Detmer a.a.O.S.92f.; sie sind dort S. 87 —92 ausgehoben. Die Annales Quedlinburgenses. 277 Nach einer großen Lücke, die die Zeit von 962—983 betrifft, wird dann die Erzählung reichhaltiger und seit 993 redet der Verfasser als Augenzeuge. Damit beginnt eine stellenweise breite und ausführliche Darstellung der Ereignisse, die sich besonders auf den schon genannten Zweck richtet. Denn sie ist weit davon entfernt, eine eigentliche Reichsgeschichte zu sein, sie knüpft sich fast lediglich an die Taten und das Leben der ottonischen Familie an und erweitert sich nur stellenweise dadurch zur Reichsgeschichte. Sonst beschränkt sie sich fast nur auf Sachsen und auf polnische und böhmische Verhältnisse, außerdem verweilt der Verfasser mit Vorliebe bei den Romreisen von Fürsten und Fürstinnen; ferner bucht er mit großer Treue Todesfälle aller möglichen Personen und zieht auch Visionen 1 ) in den Bereich der Darstellung. Namentlich aber schildert er Himmelserscheinungen und Natureignisse mit großer Ausführlichkeit, 2 ) so daß man annehmen muß, daß solche Beobachtungen zu Quedlinburg besonders gepflegt wurden; zu den Naturereignissen rechnen auch Mißgeburten, von denen der Verfasser aus den Quedlinburg benachbarten Gebieten erfuhr. 3 ) So trägt er nach Weise des mittelalterlichen Annalisten eine ganze Menge Raritäten zusammen und zwar mehr, als es sonst üblich war. Aber er verläßt wieder auf der andern Seite das annalistische Schema, indem er gar nicht selten mit seiner Person in den Vordergrund tritt. Während nun in dem früheren Teile das ottonische Haus in übermäßiger Weise gerühmt wird, nimmt der Verfasser die Klosterpolitik Heinrichs II. sehr scharf mit und mit Schmerzen gedenkt er jedesmal des langen und ruhigen Bestandes der von jenem Könige beraubten Klöster. Später aber ändert sich seine Anschauung über den König und man hat daraus geschlossen, daß der letzte Teil von 1016 an nicht mehr auf denselben Verfasser zurückgeht. Doch ist diese Frage nicht so leicht zu beantworten, da nämlich die Ausdrucksweise von 993 an bis zum Ende eine sehr ähnliche geblieben ist. 4 ) Die Sprache, die vielfach, aber nicht durchgehend Reimprosa zeigt, schließt sich nicht selten an die Ausdrucksweise der Annales Einharti an und läßt häufig genug Anlehnung an Vergil und andre Muster erkennen. Im großen und ganzen ist sie gesucht und schwerfällig, indem sie die einfachen Ausdrücke vermeidet und namentlich im Periodenbau Ungeheuerliches leistet. In der Ausmalung von Situationen gebraucht der Verfasser oft einen gewaltigen rhetorischen Aufwand 5 ) und dabei unterbricht er den historischen Faden nicht selten durch eine Menge Betrachtungen, die von geistlicher Phrase überquellen; die Breite im Ausdruck wird besonders durch die Häufung von Synonymen getragen. Außerdem fällt doch schwer ins Gewicht, daß Wichtiges und Unwichtiges bunt durcheinander steht, daß dem Verfasser also das eigentliche Verständnis für eine höhere Geschichtschreibung abging. ') Vgl. 1012 (MG. SS. 3. 80, 45) monacho können, z. B. für die S. 594 aus Sulpicius ■.. ostensa est visio mirabilis. Severus beigebrachten Entlehnungen. 2 ) Vgl. 1009 — 1014 und besonders 1020. ' 5 ) Vgl. hierzu die Stelle über die Trauer J ) So erwähnt er 995 eine solche aus dem : nach dem Tode der Aebtissin Mathilde 999 Halberstidter Sprengel, 1012 eine andre aus per vicos per plateas per compita per avia dem sächsischen Schwabengau. | necis illitis fama sonuit, pectora tundendo, *) Vgl. meine Bemerkungen Neues Archiv \ crineslacerando,hictumpraegaudiis amando, 12, 593, die aber sehr vervollständigt werden | ipsum aera lacrimosis voeibns pulsant. 278 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Seine Arbeit ist daher nach der formalen Seite keineswegs hervorragend, aber sachlich ist sie von großem Werte. Übrigens bricht sie in der jungen einzigen Handschrift mitten im Jahre 1025 ab, als der Verfasser eben von einer großen Feier in Quedlinburg erzählen will. Welch großes Interesse er aber an den Quedlinburger Verhältnissen nimmt, zeigt sein Bericht zum Jahre 1021, wo er zunächst eine merkwürdig genaue und umständliche Datierung der Einweihung der Trinitätskirche gibt und sehr detaillierte Angaben über die dort niedergelegten Reliquien, über die Weihe der Altäre sowie über die Heiligen macht, denen sie geweiht wurden. Zeugnisse. Vgl. im allgemeinen Usinger, Forsch, z. deutsch. Gesch. 9, 346 — 360. Ueber die Hersfelder Annalen vgl. G. W aitz, Archiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 6. 663—668und besonders J. R. Dieterich, Streitfragen der Schrift- und Quellenkunde (Marburg 1900) 1—112; Wattonbach 1,376 f. Zu den Stücken aus der alten Heldensage vgl. L. Hoffmann, Zur Gesch. d. alten Thüringerreiches, Rathenow 1872; H Lorenz, Das Zeugnifi f. d. deutsche Heldensage in den Annaleu von Quedlinburg, in Germania 31, 137 —150, und Edw. Schröder, Die Heldensage in den Jahrbüchern von Quedlinburg, in Ztschr. f. deutsch. Alteituni 41, 24-32. Der betreffende Abschnitt beginnt MG. SS. 3, 31, 9 und 31, 24 heißt es et iste fiilt Thideric de Berne de quo cantabant rustici olim. Daß die Würzburger Chronik ihren fast gleichen Bericht über die Heldensage (MG. 6. 23, 43—46 und 62 f) vom Quedlinburger Annalisten unabhängig aus derselben Quelle schöpfte, 1 ) hat Edw. Schröder, Ztschr. f. deutsch. Altert. 41, 27 und 31 dargelegt. Das Verhältnis unsrer Annalen zu den andren Quellen vgl. bei H. Detmer, Otto II. bis zum Tode seines Vaters S. 80—86. Die Lücke von 962—9fc3 läßt sich aus dem Bericht der Ann. Magdeburgenses ergänzen (MG. SS. 16, 105 — 196), da dies Werk unsre Annalen stark benutzt. Der Verfasser beginnt als Augenzeuge zu reden, als er von dem Nordlicht 993 erzählt (MG. SS. 3, 69, 40) inauditum seculis miracidum vidtmus... ut phirimi dicerent diem oriri. Persönliches Vortreten des Verfassers 999 p. 76. 16. Vidimus namque eam creberrlme; 1013 p. 82, 14 nunc nostris temporibus; 1014 p. 82, 45 nostris tempo- ribus magis est sttipendum; 1020 p. 85, 1 Metropolis nostra; 1022 p. 88, 27 dico nefanda.., ut vereor illos perditura; 1024 p. 89, 35 Verum redeamus ad rem und 1025 im Schlußsatz p. 90, 39 Qua namque laude proferam. Zu Heinrichs Klosterpolitik vgl. 1004; dann 1013 das Schicksal von Fulda und 1014 und 1015 das von Korvei. Der gewaltige Periodenbau tritt z. B. 999 in vier langen Sätzen hervor. F.. Usinger, Forsch, z. deutsch. Gesch. 9, 347—358 hat die Ansicht geäußert, daß die Annalen von 1003 bis mit dem ersten Satze von 1016 von einem und demselben Verfasser stammen; 1020 sei eine Fortsetzung unternommen und deren Verfasser, der Heinrich II. günstig ist (vgl. 1020 p. 85, 32 iustitiae fidens), habe den Bericht von 1016 —1020 nach unbekannten Quellen gearbeitet, und von da bis zum Ende sei die Fortsetzung gleichzeitig erfolgt. Mir erscheint diese Ansicht wegen der sich bis zum Ende ganz gleichbleibenden Form (Satzbau, Stil und Ausdrucksweise) kaum richtig, obwohl ich sie früher gebilligt habe, als ich über die Sprache und die Anlehnung an Vorbilder einiges zusammenstellte, vgl. Neues Archiv 12, 593 ff. Es würde sich daher zur Entscheidung dieser Frage eine eingehende formale Untersuchung der Annalen von 993 ab mit Einschluß der früheren selbständigen Zusätze verlohnen. Ausgeschiieben wurden die Annalen später von Thietmar, vom Annalista Saxo und in den Annalen Magdeburgenses. — Ueberlieferung. Sie besteht einzig im Dresd. Q 133 N. 4 s. XVI. von Georg Fabricrus geschrieben (der Titel stammt von der Hand des Petrus Albinus). Hauptausgabe: MG. SS. 3, 22—90. — Wattenbach 1, 375-379. Hirsch, Jahrb. d. deutsch. Reichs unter Heinrich IL Bd. 2, 443-449. 34. Alpert von Metz. Alpert war Mönch zu St. Symphorian in Metz unter dem Abte Konstantin. Dies Kloster wurde durch Bischof Adalbero II. als Schottenkloster erneuert und vielleicht lebte in ihm eine hervorragende Persönlichkeit geistlichen Standes, die mit dem früheren Bischof Theoderich (f 984) in sehr engem Verhältnis gewesen war. Alpert hatte nämlich die Fortsetzung der Metzer Bischofsgeschichte des Paulus Diaconus begonnen und hierzu ') H.Lorenz, Germania 31, 149 f. nahm burger Annalisten an, ebenso H. Bresslau, Abhängigkeit des Chronisten vom Quedlin- | Neues Archiv 25, 32 f. Alpert von Metz. 279 hatte ihm für die Zeiten Theoderichs diese von ihm nicht näher bezeichnete Persönlichkeit den Stoff geliefert. Libellus de episcopis Mettensibus. Leider ist uns von diesem anscheinend sehr ausführlich angelegten Werke nur ein kleiner Teil überliefert worden und zwar eine zusammenhängende Erzählung über die unglückliche Sehlacht Ottos II. in Kalabrien, über den Ausgang des Kaisers und den Tod Bischof Theoderichs, der auf dem italienischen Zuge eine große Rolle gespielt hatte; zwei weitere kleine Abschnitte über Bischof Adalbero IL und Theoderich IL können nur als Auszüge gelten. 1 ) Alpert sagt in dem größeren Fragmente, nachdem er die Beisetzung Theoderichs I. im Vincentius- kloster erzählt, daß er diesen Bericht über die letzten Zeiten seines Bischofs von einem diesem sehr nahestehenden Manne empfangen habe; anderes aber, was zu der sonstigen Handlungsweise Theoderichs nicht passe, habe er übergangen, da es ihm nicht sicher genug bekannt sei. Und weiterhin schreibt er: Dies Werk habe ich, Alpertus, der keinen Namen unter den Knechten Gottes verdient, über unsern Bischof zusammengestellt und Dir, o heiliger Vater Konstantin, zur Berichtigung übersendet. Daraus ergibt sich aber, daß die früheren Zeiten wohl weniger ausführlich behandelt waren und der Schwerpunkt der Darstellung auf die Regierungszeit Theoderichs I. gelegt war, sowie daß Alpert die Schrift seinem Abt Konstantin widmete. Das erhaltene Stück — die Schrift ist bald nach 1005 beendet worden — beginnt mit dem Überfall Aachens durch König Lothar im Jahre 978 und erzählt dann in ausführlichster Weise die wunderbare Rettung Kaiser Ottos IL bei Rossano, wobei zwei Vasallen Theoderichs eine nicht unbedeutende Rolle spielten. Seltsam berühren am Ende die beiden kleinen Kapitel über Theoderichs Nachfolger, da diese Stücke auf eine Spielerei mit Anfangsbuchstaben der Namen hinauslaufen. Noch seltsamer aber berührt der Stil in dem großen Fragment, worüber unten zu sprechen sein wird. 2 ) Später muß Alpert sein Kloster verlassen haben und ist in den Utrechter Sprengel übergesiedelt; vielleicht war seine neue Heimat das von Bischof Ansfrid von Utrecht bei Amersfoort gegründete Kloster. Auch hier muß er einflußreichen Kreisen nahe gestanden haben, denn er verschaffte sich über die niederländischen Gegenden und besonders über Ansfrid und dessen Nachfolger Adalbold vortreffliche Kunde; auch kannte er Adalbolds Leben Heinrichs IL, wie sich aus zwei Stellen seines in den Niederlanden verfaßten Geschichtswerks deutlich ergibt. De diversitate temporum libri duo lautet der Titel dieses neuen Werkes, das er dem Bischof Burchard von Worms übersandte. In dem Widmungsbrief schreibt Alpert, daß sein Bruder Immo — er war bei Burchard Diakon — ihm von des Bischofs vorbildlichem Leben erzählt habe, und er wolle ihm daher seine Schrift über die Menschen der Gegenwart mit dem Titel über den Wechsel der Zeiten widmen, in dem er frei- ') Auf ein weiteres kleines Fragment, das 2 ) Zur Art der Schilderung vgl.R.Teuf fei, bei Hugo von Flavigny im zweiten Buche der ' Individuelle Persönlichkeitsschilderung i. d. Chronik steht, macht Pertz, MG. SS. 4, 696 n. 3 aufmerksam. deutschen Geschichtswerken d. 10.u.U. Jahrh. S.36. 280 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. lieh nicht alles niedergelegt, was er erfahren habe. Und es könne sein, daß ein Widersacher auftrete, der sein Buch für überflüssig und seinen Stil für ungelenk halte, weil es ja doch für die Wißbegierigen genug Bücher gebe und neue Schriften nur eine Last bedeuteten: dem antworte er, daß das Buch eben nur für ihn (Burchard) bestimmt sei und von ihm vernichtet oder empfohlen werden könne. Und wenn man ihm vorwerfe, daß er längst Bekanntes geschrieben habe, so antworte er, daß man das Bekannte gern öfter höre, wie es bei den Volksgesängen (cantilenis) sei, deren alte wegen zu häufiger Wiederholung anwiderten, während man die neuen gern recht oft anhöre. Er habe auch das Werk geschrieben, ohne den Namen des Verfassers hinzuzusetzen: Burchard möge es einfach vernichten, wenn es ihm nicht gefalle; habe er aber seine Freude daran, so möge er den Namen des Verfassers beischreiben. In dem Antwortschreiben 1 ) meldet Burchard, daß er Alperts Brief empfangen und gelesen habe, und beklagt, daß man sich in der Jetztzeit so wenig mit Studien befasse. Er lobt den literarischen Eifer Alperts und hebt hervor, daß dieser die sechs Forderungen, die Boethius in dem Vorwort zur ersten Bearbeitung von des Porphyrius Isagogae aufgestellt, richtig erfüllt habe. Seinen bisher ausgelassenen Autornamen befehle er ihm aber nun hinzuzusetzen, damit ihn jeder Leser kennen lerne. Und wer das Buch tadeln wolle, den werde er mit den Worten zurückweisen: Der Neid ist es, der dich treibt, da du solches nicht vollbringen kannst. — Alpert kann dies Geschichtswerk erst nach Heinrichs II. Tode geschrieben haben, da er im ersten wie im zweiten Buche auf Adalbolds Bearbeitung der Zeit Heinrichs IL hinweist, und diese doch erst seit 1024 verfaßt ist. Und zwar scheint es fast, daß Alpert erst nach Adalbolds Tode schrieb, denn 2, 2 erzählt er von ihm, daß er für den besten Kenner der lateinischen Sprache gehalten worden sei. 2 ) So würde man für die Abfassung das Jahr 1025 gewinnen — denn in diesem Jahre ist Burchard von Worms gestorben —, während das späteste datierbare Ereignis, das Alpert erzählt, der Tod des Grafen Wiemann von Hamalant im Jahre 1021 ist. Die Darstellung selbst hat einen ausgeprägt lokalen Charakter und beschäftigt sich fast lediglich mit den Verhältnissen der Niederlande. Da es mit Adalbolds Schrift nicht in Konkurrenz treten sollte, wurden die Geschehnisse in den Landen am Niederrhein bevorzugt und die eigentliche Reichsgeschichte wenig berücksichtigt. Ein fester Plan läßt sich in der Darstellung nicht recht erkennen, die Ereignisse wechseln nach den einzelnen Kapiteln in bunter Mannigfaltigkeit ab; nur ist ungefähr wenigstens die chronologische Reihenfolge etwas gewahrt. Das Werk macht somit mehr den Eindruck von Memoiren, die nach den Ereignissen niedergeschrieben sind. Seinen Bericht entnahm Alpert eignen Erfahrungen wie auch glaubwürdigen Zeugen, und seine Erzählung ist deswegen von besonderem Werte, weil andre Quellen über diese Ereignisse fast vollständig ') Burchard schreibt in der Adresse (MG. ! , 2 ) 2,2 (MG. SS.4, 710, 45) et Laciali Uni/na SS. 4, 701, 30) Alperto speciali suo, wobei er I longe faeundissimus . . . habitus est. Wäre sich einer Wendung aus dem Briefwechsel ' Adalbold noch am Leben gewesen, so müßte des Sidonius (Apollin. Sidon. rec. P. Mohr ' habetur stehen, p. 73, 2 in Ep. 4, 2, 4) bedient. Alpert von Metz. 281 versagen. Natürlich verrät sich der Geistliche vielerorts und ganz besonders am Ende, wo Alpert 2, 22 — 24 von einem zum Judentum übergetretenen Kleriker des Herzogs Konrad namens Wecelin handelt, ein Stück aus dessen zur Verteidigung seines Übertrittes verfaßten Schrift anführt und schließlich die auf Befehl Heinrichs II. von dem Kleriker Heinrich verfaßte Widerlegung dieser Schrift wörtlich aufnimmt. 1 ) Die Darstellung hat aber auch insofern noch einen fremden Bestandteil, als Alpert in 1, 13 ein Gedicht von 26 gereimten Hexametern aufgenommen hat, das von einem Geistlichen aus seiner Umgebung stammt und eine Lobrede auf den Bischof Ansfrid ist; es wurde von Alpert deswegen angeführt, um auch einen andern Zeugen zum Worte kommen zu lassen. — Alperts Schrift muß später auch nach Metz gekommen sein, denn hier war es jedenfalls, daß Sigebert von Gembloux in St. Vincenz sie kennen lernte, Auszüge aus ihr machte und in der noch vorhandenen einzigen Handschrift Korrekturen anbrachte; denn das Vorhandensein von Alperts Werk in diesem Kloster ist durch einen Katalog des 11. Jahrhunderts aus St. Vincenz sichergestellt. Sonst findet sich keine weitere Spur vor. — Schließlich aber ist der Stil des Mannes zu berühren. Liest man seine rein historischen Partien, die nicht durch geistliche Betrachtungen unterbrochen werden, so ist der Eindruck eigentümlich genug: man glaubt einen antiken Historiker zu lesen. Alpert hatte besonders in Cäsars Bellum Gallicum 2 ) gründliche Studien gemacht und sich dessen knappe und prägnante Ausdrucksweise angeeignet. Aber dabei ließ er es nicht bewenden, sondern er gebraucht in seiner Darstellung unausgesetzt Redewendungen, die er dem Cäsar entnahm und die er mit Floskeln aus Sallust und Sulpicius Severus mischte. Bei keinem Autor jener Zeiten tritt daher ein so starker Gegensatz zwischen der rein historischen Prosa und den andern Stellen des Werkes hervor, die durchaus in geistlichem Tone und gemischtbiblischem Stile gehalten sind. Zeugnisse Mönch in Metz vgl. Sigeberti de Script, eccl. 143 (ed. Miraeus p. 152) Albertus monachus Metensis scripsit ad episcopuni historiam de gestis sui temporis, etsi brevem tarnen utilem. Daß er in St. Symphorian lebte, ergibt die Widmung an Konstantin, den Abt von St. Symphorian (vgl. unten). Zu der ihm bekannten Persönlichkeit vgl. Lib. de episc. Mettensibus 1 (MG. SS. 4, 699, 29) Haec in extrema nostri praesulis aetate (sc. Beoderici) ab eo qui in eius erat assidue obsequiis cognita confeci, non comparantia eius superioribus gestis ab Mo gloriosissime per actis, quae quia pleniter non erant, a nobis praeter ita sunt. Alperts Autorschaft ib. 1 p. 700, 6 Hoc opusculum ego Alpertus nee inter servos dei nominandus, de praesule nostro digessi tibique, sanete pater Constantine, ad corrigendum direxi, ne aemulus ... aliquid in eis detrahendum reperiat. Sin autem adhuc post emendationem pertinatiam deponere noluerit, sumat sibi solatio tua licentia et meo affectu caninam litteram. 3 ) Zu c. 3 vgl. p. 700, 18 Haec Uttera 4 ) illius nomini, qui in sede nunc substitutus est, minime ut per- spieuum est congruit, unde et multi opinantur, ilhim in nuinero poti'tificum non computandum sed propter transgressionem populi subpositum et tamdiu quoad ille venerit, qui litteram pruenotatam portaverit, episcopatum cessare dieunt. Sed nos etiam ad nostram opinionem mittamm manum, nam existimamus A positam quasi Alter Deodericus. Daraus geht hervor, • ') Hier ist 2, 24 (MG. SS. 4, 721, 40) Set Solesmense 2 p. XXXV) Gaius Cesar de nar- quid surdo narro fabulam aus Terenz Heaut. i rationibus temporum. 222 genommen. Terenz wird genannt 1, 11 i ■ 3 i Pers. 1, 109 sonat hie de nare canina ut non comici nostri dictum 'ne quid nimis' Littera. supergrederetur (Andr. 1, 1, 34). Vgl. auch 2,1 j 4 ) Hieraus ergibt sich, daß nur ein Exzerpt iners et nullius consilii Andr. 3, 5, 2. , vorliegt; gemeint ist der Buchstabe A (Adal- a J Cäsar befand sich in St. Vincenz zuMetz bero). nach dem Katalog von 1064 (Pitra, Spicileg. 282 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. daß das Werk bald nach der Wahl Theoderichs II. (1005) beendet wurde und daß der neue Bischof nicht viel Sympathien besaß. Wenn Pertz in der Vorrede zur Ausgabe aus den obigen Worten ad corrigendum direxi schließt, daß das Werk nicht in Metz selbst entstand, sondern an Konstantin geschickt wurde, so ist das doch nicht ohne weiteres zuzugeben, da in direxi ebensogut die einfache Uebergabe liegen kann. Daß Alpert später im Utrechter Sprengel gelebt hat, ergibt sich deutlich aus der ganzen Erzählung in der Schrift De diversiiate temporum und besonders aus 1, 12 (p. 706, 30), wo es nach der Erhebung Ansfrids zum Bischof heißt Versiculos quidam e nostris de his rebus cecinit; das bedeutet im Zusammenhang jener Stelle: Jemand von uns, nämlich aus den Utrechter Klerikern. Zum Kloster bei Amersfoort vgl. W. Moll. Nederl. Kerkgeschiedenis 2, 2, 343; es war von Ansfrid gegründet und Alpert weiß hiervon sehr gut Bescheid, vgl. 1, U, Die genaue Kenntnis der Persönlichkeiten in den Niederlanden und im Frieslande, die sich in dem Werke kundgibt, läßt auf weitreichende Bekanntschaft schließen. Bekanntschaft mit Adalbolds Werk über Heinrich II. vgl. 1,5 (p. 704. 4) set quia domnus Adelboldus Traiectensis episcopus haec omnia pleniter in uno volumine ') luculento sermone comprehendit, a nobis pars, quae aliquando nostris scriptis necessario occurrit, praeterennda visa est, ne historia tantis et tarn venustis documentis edita a nobis tanquam ab insipientis latratu obfuscaretur und 2, 2 (p. 710, 44) domni Adelboldi episcopi qui . . . Laciali lingua longe facundissimtts... est habitus. Den ganzen Titel des Werks gibt die Handschrift und die Widmung an Burchard, Historia Alperti heißt es abgekürzt im Metzer Katalog s XI (Zentralbl. f. Biblwesen 11, 83 N. 17). Zu Jmmo vgl. die Widmung Alperts (MG. SS. 4. 700, 36) Frater Immo causa amoris ad nie venit, tua sancta studia 2 ) venerande praesul Burcharde . . . retulit. Widmung usw. p. 701, 8 Caeterum nomini tuo istum consecravi libellum de nostrorum dierum hominibus compositum, cui nomen est de diversitate temporum, quia in eo diversa collecla videntur. Non tnim pleniter omnia quae de proposita materia scribenda erant collegi. Ueber eventuellen Tadel p. 701, 12 At si aemidus quis . . . in hoc me reprehendere temptaverit, quod superflue nova et inpudenter inpolito sermone ediderim, eo quod sufficiant MbH, quos Studiosi recipiant, nedum etiam istis . . ■ scriptis . . . onerentur et ea causa libellum repulerit, is sciat eum tnae <'ognitioni solummodo esse missum, ut tuo iudicio aut aboleatur aut legendus servctur und p. 701, 20 Et si demum haec obicientur et arguar, quod omnibus cognita scripserim . .. nota delectabiliter saepius audiri, ut solet fieri in cantilenis, quod veteribus ex assiduitate fastklitis novae frequentius in -dies repetitae delectabilius audiunüir. Zur Weglassung des Namens p. 701, 26 Quod etiam ideo sine nomine auctoris positum est, ut si displicet, sicut praedixi superius, reseccs sive fossa facta humo operiri iubeas; si vero placet adposito nomine causa exercicii feliciter legas. Antwort Burchards: p. 701, 30 Burchardus s. Wormatiensis aecclesiae provisor humillimus Alperto speciali suo . . . Litteras tuas . . . accepi . . . et ipse legi . . . hoc dolni scilicet quod his temporünis sunt nulli vel vix paucissimi, qui ad studendum inveniantur idonei, vel quibus voluntas sufficiat studendi. Lob Alperts p. 701, 43 Igitur studii Uli devotio non est inanis apud me nee videtur vituperanda sed multum laudanda. Die Stelle aus Boethius p. 701,46 ff., sie stammt aus der edit. prima 1, 1 (Boethii in Isag. Porph. commenta rec. S.Brandt, Wien 1906, p. 4. 17— 5,7) und verkürzt deren Wortlaut, indem sie besonders alles Griechische ausläßt. Zur Auslassung des Namens und zum Tadler vgl. p. 702,1 Haec omnia in libro tuo caute conservasti set nominis tui inscriptionem non apposuisti ... ideo sie iudico neenon iubeo: Titulum libro apponas, nomen tuum fiducialiter inscribas et 3 ) uni- cuique legere volenti Über pateat ac stdbilis inconvulsusque meo iudicio permaneat. Siquis vero . .. nos nostraque vituperet, huic respondeo . . . Invidus es nostris, quoniam tu talia nescis. Der Tod des Grafen Wiemann in 2,17 (p. 718,8) Qui post hinc triennium aeger factus in Hengibach moritur (1021) und die Darstellung beginnt mit den Ereignissen nach dem Jahre 990. Zur Berichterstattung vgl. 1, 15 (p. 708, 13) Audivi quendam energuminum ... haec etiam adiecisse, se frequenter saneto Uli episcopo sine causa detraxisse; 1, 18 (p. 709, 12) Audivi fidelem nostrum referentem, quendam ex his miseris . . . ad hanc etiam miserabilem vocem erupisse\ A ) 2,12 (p. 715, 26) dum invitus, quae de illa referuntur, necessario ordine exponere cogor. Zum Konvertiten Wecelin vgl. 1,7 (p. 704, 15) Istis etiam diebus .. . quidam Wecelinus qui fuerat Cuonradi ducis clericus illusione diabolica seduetus errori Judeormn concessit. Hoc audiens rex .. . illius iussione unus diseipulorum suorum nomine Heinricus ... praedictum apostatam . . . ut eius epistola affirmat, falsa verba in Christum eiusque sanetos dixisse devicit; et quia haec longiusculo sermone protraeta sunt, in fine istius libelli ea ponere ') Nach dieser Bestimmung muß Alpert I 3 ) Wahrscheinlich ist ut zu lesen und schon das ganze Werk Adalbolds gekannt ! nicht et. haben. 4 ) Die Fortsetzung anintam hominis nihil J ) Hiermit ist wohl Burchards Liber de- j esse et in ultimo flatu in auras penitus evanes- cietorum, die gioße kanonische Sammlnng : cere ist kulturhistorisch interessant, gemeint. Die Annales Hildesheimenses. 283 decrevimus. Und dann heißt es 2, 22 ip. 720, 39) Scripserat enim funestis litteris infelicissimus Hie es folgt ein kurzes Stück aus Wecelins Angriff 1 ) auf das Christentum in c. 23 und dann in c. 24 Heinriei epistola ad Wecelinum ; die Argumente werden beiderseits dem Alten Testament entlehnt. Das Gedicht' 2 ) in 1, 13 wird c. 12 (p. 706, 30) eingefühlt Versiculos quidam e nostris de Ms rebus cecinit, quos etiam huic opusculo intexere libuit, ut et alium in hostra narratione testen haberemus; es ist bei Lebzeiten Ansfrids gedichtet, denn es heißt Vs. 23 Nunc est albatus cum stemate glorificatus Atque stolam portat virtutis et arma ministrat, und es stammt nach den Eingangsworten Vs. 1 0 bona Traiectum, mater preelecta locorum von einem Geistlichen aus Utrecht selbst. — Sigebert benutzt den Alpert in seiner Chronik von 978—1020 ■ (MG. SS. 6, 352—355) reichlich und im Katalog von St. Vincenz s. XI (Zentralbl. f. Biblwes. 11, 83 N. 17 = Catal. des mscr. des depait. (4") 5,97) wird genannt die Historia Alperti. Zu der starken Benutzung Cäsars vgl. Manitius, Neues Archiv 13, 203—208, 3 ) wo aber noch viele Stellen unberücksichtigt geblieben sind; daselbst auch zur Benutzung von Sallust, Sulpicius Severus und Ciceros Cato Maior, die aber noch an weiteren Stellen erkennbar ist. Daß sich Alpert den historischen Stil des Altertums zu eigen gemacht hat, geht übrigens auch aus dem Fragment seiner Metzer Bischofsgeschichte deutlich hervor. Die einzige Bs. ist die wohl schon von Sigebert benutzte und korrigieite, ehedem Guelferbyt. Aug. 76,14 s. XI f. 25—30, jetzt in Hannover, beide Werke enthaltend. Ausgabe: MG. SS. 4, 696—723 (= M i gn e 140,445—490); Andr. Dederich, Des Alpeitus von Metz zwei Bücher über verschiedene Zeitereignisse, Münster 1859. Wattenbach 1, 418 f. Vgl. R. Teuffei, Individ. Persönlichkeitsschilderung i. d. d. Geschichtsweiken usw. S. 36. 35. Die Annales Hildesheimenses. Die Pariser Handschrift 6114 enthält ein ziemlich ausführliches Annalen- werk, das in Hildesheim zu verschiedenen Zeiten zusammengebracht ist. Da die wichtigsten Stücke der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts angehören, so ist hier kurz darüber zu berichten. Es beginnt mit Isidors Chronik von der Erschaffung der Welt an und stellt deren Vorrede an die Spitze, doch ist der Bericht so gehalten, daß einzelne Nachrichten dem Beginn der Hersfelder Annalen entlehnt sind. Und dies Verhältnis bleibt auch noch für den Teil bestehen, den der Annalist vom Kaiser Mauricius an aus Bedas Chronik mittelbar erzählt. Darauf folgt ein kleiner Papstkatalog und dann beginnt die Geschichte der Franken bis auf Ludwig den Frommen, die ganz- aus der kleinen Lorscher Frankenchronik 4 ) genommen ist. Vom Jahre 818 folgt dann der Annalist getreu den Hersfelder Annalen, zu denen er kleine Zusätze lokalen Inhalts macht, und zwar war sein Exemplar der Hersfelder Annalen jenem ähnlich, das der Verfasser der Quedlinburger Annalen benutzte. Von 984 an ist dann eine Fortsetzung zu jener Quelle in Hildesheim verfaßt worden und mit dem Jahre 1000 begann man im Michaelskloster ein ausführliches, gleichzeitiges Geschichtswerk zu schreiben, aus welchem die vorhandenen Hildesheimer Annalen nur einen Auszug darstellen. Wolfhere hat in seinem Leben Godehards diese alten Jahrbücher benutzt, desgleichen wurden sie in der Fortsetzung der Hersfelder Annalen. in den Annales Altahenses, im Chronicon Sueviae universale und namentlich vom Annalista Saxo und vom Chronographus ') Vgl.Dümmler. Ztschr.f.Kirchengesch. 3 ) Gleich der Beginn 1, 1 gibt ein Zitat 1,446—450 und Aronius, Regesten d.Gesch. aus B. Gall.1,2; daß die Fortsetzung eben- d. Juden im fränk. Reiche n. 147. falls aus Cäsar (B. Gall. 1, 31) genommen ist, 2 ) Der Druck des Gedichts bei Pertz p.706 blieb mir damals unbekannt (summis — con- durfte die Verse nicht in die Hälften zerreißen; tendebant bei Cäsar Mi cum — contendebant). die leoninisch gereimten Verse überwiegen eben *) Früher Annales Laurissenses minores seit dem 10. Jahrhundert. genannt. 284 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Saxo verwendet. Der uns vorliegende Auszug aber aus dieser reichen und wichtigen sächsischen Geschichte aber hat neben dieser selbst die Lebensbeschreibungen Bernwards und Godehards benutzt. 1 ) Er ist namentlich für die Geschichte der Zeit Konrads II. bedeutend und ergänzt Wipos Biographie dieses Kaisers hauptsächlich für die Beziehungen des Reiches zu den slavischen Ländern, bietet aber in gewisser Weise auch eine Art Reichsgeschichte. Daß dieser Auszug von 1022 an von einem und demselben Verfasser stammt, hat Bresslau aus der sich gleichbleibenden Sprache erwiesen. 2 ) Später erhielten die Annalen eine Fortsetzung bis 1109, die aus den Annalen von St. Alban zu Mainz 3 ) stammt, allerdings aus einem Exemplar dieser Annalen genommen ist, das zu Speier oder in Mainz mit einem sehr ausführlichen Bericht über die letzten Jahre Heinrichs IV. verbunden war. Hierdurch erhält dieser Teil seinen besonderen Wert, denn die Erzählung von Heinrichs IV. Ausgang ist vorsichtig gehalten und unparteiisch. Der letzte von 1110 — vorangestellt ist aber ein kurzer Bericht über die Jahre 1077—1109 — bis 1137 reichende Teil stammt aus den Annalen von Paderborn. So haben wir es bei den Hildesheimer Jahrbüchern mit einer umfänglichen Kompilation zu tun, deren einzelne Teile zu verschiedenen Zeiten aneinandergesetzt sind und wichtige für uns verlorene Quellen benutzen. Zeugnisse. Die Zusammensetzung des weitschichtigen Werkes, wie sie oben gegeben wurde, hat besonders H. Bresslau erörtert und aufgehellt, Neues Archiv 2, 541—566; Waitz hat sich (Vorrede zur Ausgabe, Hannover 1878) mit Recht seinen Ausführungen, namentlich in bezug auf den wichtigsten Teil, die Jahre 1000 — 1040, angeschlossen. J. R. Dieterich (Streitfragen d. Schrift- und Quellenkunde d. deutsch. Mittelalters, Marburg 1900, S. 1—112) hat nach gründlicher Untersuchung des Werkes, besonders der Handschrift, eine ganz abweichende Aufstellung gemacht, indem er besonders Nienburger Annalen als Quelle statuiert, freilich ohne den Beweis zu erbringen, vgl. Bresslau, Neues Archiv 26, 241 f. Außerdem hat J. Lechner (Ztschr. f. Gesch. d. Oberrheins N. F. 16,474) die Behauptung aufgestellt, daß der Jahresbericht für 995 — 997 erst im 16. Jahrhundert mit künstlich nachgebildeter älterer Schrift eingetragen sei, vgl. Bresslau, Neues Archiv 27, 293. — Im Bericht der Jahre 1000 bis 1040 wäre zu erwähnen, daß die Ausdrucksweise zuweilen nach dein Muster Sallusts gebildet zu sein scheint. 4 ) Besondere Worte 1014 contedalis und 1036 pöstsequetaneiis; schlechte Metrik im Verse 1024 Det reguXem animae. Ueberlieferung im Paris. 6114 s. X —XII (aus Hildesheim, vgl. Waitz in der Ausgabe p. V); Beschreibung der Hs. bei Bresslau, Neues Archiv 2,564—66; Schriftproben bei J. R. Dieterich a.a.O. S. 32 und 38. Ausgaben von Pertz, MG. SS. 3, 22—116 und von G. Waitz, Hannover 1878. Vgl. Wattenbach 1,384f. 2, 26 f. und Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 2, 555. 36. Ademar von Chabannes. Ademars Familie war zu Chabannes 5 ) auf größerer Besitzung ansässig und einer seiner Vorfahren, Turpio, war Bischof von Limoges gewesen, sein Oheim Adalbert war Dekan in der reichen Stiftung St. Martial zu Limoges. Ademar ist 988 geboren und wurde schon als kleiner Knabe dem Kloster des hl. Eparchius (St. Cibard) in Angouleme übergeben, wo er auch geblieben ist. Er muß aber als junger Mann auch in St. Martial längeren ')Vgl. H.Bresslau, Neues Archiv 2,558 ff. •') Auch.997 RomanörumsenUnampiirgaret Neues Archiv 2, 555 ff. dürfte daher stammen. Die Sprache ist im all- 3 ) Diese sind aber ein im Albanskloster zu Mainz angefertigter Auszug aus der Würzburger Chronik. gemeinen rein und auch gut gewählt. 5 ) Vgl. hierzu G. Monod, Revue bist. 28, 261. Ademar von Chabannes. 285 Aufenthalt genommen haben, denn er erzählt, daß sein Oheim Roger, der in diesem Kloster lebte, sein Lehrer gewesen sei, und in seiner Chronik berichtet er sogar eine wunderbare Erscheinung am Himmel, die er im Jahre 1010 eines Nachts bei seinem Aufenthalt zu Limoges gesehen habe, als er dort bei Roger lebte. Ademar hat sich nun als Mönch einer sehr intensiven Tätigkeit hingegeben, indem er sowohl verschiedene Werke verfaßte, als auch eine Reihe von heute sehr wertvollen Handschriften entweder selbst schrieb oder doch zusammenstellte. Ohne Zweifel herrschte bei ihm ein gewisses historisches Interesse vor. Dies Interesse band ihn an die Heimat und deren Umgebung mit besonderer Bevorzugung des Klosters St. Martial. So hat er eine größere Chronik des Frankenreiches bis auf seine Zeit verfaßt, freilich mit Hervorhebung der aquitanischen Verhältnisse. Er verfaßte oder schrieb die Akten zweier Provinzialkonzile zu Limoges 1028 und 1031, er verteidigte mit aller Schärfe den wirklichen Apostolat des hl. Martialis, er verfaßte 47 Predigten auf diesen Heiligen, die auf den Konzilien zu Limoges gehalten wurden, sowie auf andere Heilige der Stadt und schrieb eine Anzahl metrische Dichtungen auf den hl. Eparchius. Wenn nun auch wenigstens in der einen auf ihn zurückgehenden Handschrift (Leid. Voss. oct. 15) der größte Teil des Inhalts der alten Poesie und Prosa zugehört und also, um in der Sprache der Zeit zu reden, grammatischen Inhalts ist, so überwiegt doch in Ademars Studienreise bei weitem ein gewisses praktisches Interesse an den geschichtlichen Ereignissen wie an den religiösen Zuständen und Verhältnissen der Heimat, besonders soweit sich solche auf die Verehrung der Hauptheiligen in St. Martial und St. Cibard bezogen. Unstreitig ging aus diesem Interesse seine Schriftstellerei hervor, die sich teils registrierend, teils polemisch und apologetisch verhielt. Vielleicht hat sich Ademar seit jenen Konzilien überhaupt in Limoges aufgehalten, denn ein alter Bucheintrag im Leid. Voss. oct. 15 besagt, daß er viele Jahre zu St. Martial sich dem göttlichen Dienste geweiht habe. Dieser Eintrag berichtet außerdem über seine letzten Schicksale, denn es heißt dort, daß er schließlich eine Pilgerreise ans hl. Grab nach Jerusalem gemacht, von der er nicht zurückkehren sollte, und daß er vorher dem hl. Martial viele Bücher geschenkt habe, an denen er selbst tätig gewesen sei. Und Bernardus Iterii, der spätere Chronist von St. Martial. erzählt, daß Ademar, der ein Leben des hl. Martial in Goldschrift und viele andre Bücher habe schreiben lassen, im Jahre 1034 zu Jerusalem gestorben sei. Von den an das Kloster geschenkten Handschriften haben sich aber mehrere ganz oder zum Teil erhalten. Chronicon. Da Ademar diesem seinem Hauptwerke weder Widmung noch Vorrede beigegeben hat und es auch sonst so unpersönlich als möglich verfaßte, so muß man die ihn leitende Absicht aus der Darstellung selbst herauslesen. Aus den ersten Büchern — er hat sein Werk in drei Bücher eingeteilt — läßt sie sich nun freilich nicht erkennen, denn beide sind lediglich ein Plagiat aus den Gesta regum Francorum, der Continuatio Fredegarii und den Annales Laurissenses maiores; und zwar reicht das erste Buch bis zum Tode König Pippins, während das zweite die Geschichte Karls des Großen erzählt. Nur an wenig Stellen finden sich Erweiterungen, 286 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. die sich im ersten Buche 2 ) fast lediglich auf St. Cibard und St. Martial beziehen und im zweiten Buche 2 ) auf ähnliche Dinge und auf jedenfalls sagenhafte Berichte über die Verpflanzung römischer Sänger (Theodor und Benedikt), Grammatiker und Komputisten durch Karl ins Frankenreich sowie am Schluß auf eine ganz sagenhafte Darstellung von Karls Begräbnis erstrecken. Aber auch noch im dritten Buche sind die ersten fünfzehn Kapitel aus den Ann. Laurissenses abgeschrieben, erst vom nächsten Abschnitte an wird die Erzählung selbständig. Bis dahin haben wir also ein wirkliches Plagiat, nur hat Ademar das grobe Latein seiner merovingischen Quellen ein wenig geglättet und lesbar gemacht. Bedenklich allerdings sind die Formen der Eigennamen bei ihm, und wenn auch manche Irrtümer der Ausgabe von Chavanon zuzuschreiben sind, so muß Ademar doch selbst eine schon recht verderbte Handschrift der Lorscher Annalen vorliegen gehabt und wohl auch selbst diese recht ungenügend benutzt haben. Soweit nun die Annalen von Lorsch reichen (829), bietet Ademar eine wirkliche fränkische Reichsgeschichte, das ändert sich aber dann alsbald. Sein Blick schweift nämlich dann nicht mehr oft über die Loire hinaus und es sind daher hauptsächlich die Verhältnisse Aquitaniens, die er schildert. Für diese Darstellung dienten ihm Chroniken von Aquitanien und Annalen von Limoges und Angouleme, denn mit großer Sorgfalt weiß er die Ereignisse zu erzählen, die sich in St. Cibard und in St. Martial abspielten; er verschmäht es auch nicht, hierfür Urkunden zu benutzen. Aber er mag auch viel mündliche Berichte von seinen Oheimen Roger und Adalbert wie von anderen älteren Mönchen erhalten haben, und daher kommt es, .daß er die Geschichte der Herzöge von Aquitanien und der Grafen von Poitiers, Angouleme, Limoges und Perigueux ausführlich darstellt. Außerdem mag er von Pilgern, die aus Palästina zurückkehrten, manches über Jerusalem und Konstantinopel und auch über Deutschland erfahren haben. Jedenfalls bildet sein Werk für die Geschichte Aquitaniens im 10. und 11. Jahrhundert die wichtigste Darstellung. Unsicher ist freilich öfters die Chronologie. Hierfür konnte er kein festes Gerippe benutzen und er begnügt sich daher mit Angaben, die wohl im allgemeinen zutreffen, aber meist die Unsicherheit des Verfassers durch ihre Form erweisen. Er sucht nämlich mit einer Reihe von typischen Übergängen die Anknüpfung der von ihm erzählten Ereignisse zeitlich zu gewinnen. Ein solches Schema hat er sich durch die von ihm benutzten Lorscher Annalen zurechtgelegt, aber es paßt dann nicht mehr und man sieht an der Variierung des Ausdrucks, 3 ) wie schwer ihm die wirkliche chronologische Verknüpfung seiner Daten geworden ist. Es ist übrigens möglich, daß Ademar die ursprüngliche Form seiner Chronik umgeändert und eine zweite Redaktion verfaßt hat, wie L. Delisle aus einigen Fragmenten, die sich im Paris. 6190 erbalten haben und ein Autograph darstellen, gefolgert hat; sie bieten nicht un- ') Vgl. Ademar de Chabannes. Chionique. tempore, U\is und quibus temboribus, Uis und Par J. Chavanon (Paris 1897) p. XIII. quibus diehis, Eo und Eodem anno, Tunc, , Vgl. J. Chavanon a. a. 0. p. XIV. 8 ) Ich habe nicht weniger als 17 verschiedene Anknüpfungen gezählt: Eo und quo Interea, Tunc temporis, Circa hoc tempus, Ea tenipestäfe, Per idem tempus, Per hos dies, Per hos annos, Per haec tempora. Ademar von Chabannes. 287 wesentliche Abweichungen von dem späteren Texte. Das Äußere von Ademars Chronik ist eben nicht sehr einladend, denn sein Stil ist gedrungen und seine Ausdrucks weise trocken und nüchtern, seine Sprache entbehrt der Abwechslung und richtet sich durchaus nach biblischem Vorbild: die großen historischen Muster des 9. Jahrhunderts sind vergessen und nirgends sieht man bei Ademar den Versuch, Sprache und Darstellung der alten römischen Historiker nachzuahmen. Das kann allerdings seinen Wert als Gechichtschr'eiber nicht beeinträchtigen. Ein kleineres historisches Werk hatte Ademar wohl ebenfalls 1028 J ) verfaßt, nämlich eine kurze Geschichte der Äbte des Klosters St. Martial zu Limoges vom Jahre 848 an. Die genügenden Unterlagen hierfür zu erhalten konnte ihm nicht schwer fallen, da er ja die engsten Beziehungen zum Kloster hatte und seine Familie seit den Zeiten des Bischofs Turpio, des Freundes von Odo von Cluni, im Besitze hoher geistlicher Stellen zu Limoges gewesen ist. So werden in dieser Abtsgeschichte manche interessante Dinge berührt, besonders das Verhältnis der Äbte zu den Königen und Großen des Reichs. Als wichtigstes erscheint freilich dem Verfasser selbst die gegen Ende hin ausführlich berührte Angelegenheit über den Apostolat des hl. Martial, worüber Ademar eine eigene Schrift verfaßte. Nämlich im Juli 1028 wurde in Limoges ein Konzil abgehalten, auf dem auch die Frage berührt wurde, ob der hl. Martial zu den 72 Aposteln gehöre oder nicht; und zwar wurde sie zugunsten des Apostolats des Heiligen entschieden. Jedenfalls waren berechtigte Zweifel hieran geäußert worden, denn die Frage steht und fällt mit der Echtheit der alten Vita Martialis,. die man t in Limoges dem Aurelianus, dem Schüler ■ und Nachfolger des Heiligen im Bistum, zuschrieb 2 ) und die heute als Fälschung des 9. oder 10. Jahrhunderts erkannt ist. Ademar hatte sich vom Konzil wieder nach Angouleme begeben, während zwei Mönche seines Klosters im September 1028 im Gebiet von Limoges mit dem langobardischen Mönch Benedikt von Clusa zusammentrafen und dieser sie von der Unrichtigkeit des Apostolats von Martial überzeugen wollte. Darüber hat Ademar eine eigne Schrift verfaßt, die diesen Unglauben zerstören soll. Epistola de apostolatu s. Martialis. Diese Schrift ist in Briefform verfaßt und wendet sich an Bischof Jordanus und Abt Odolric von Limoges, an die Mönche von St. Martial, an die Äbte der umliegenden Klöster, an die Bischöfe von Rhodez und Metz, an die Kaiserin Kunigunde und Kaiser Konrad IL, an Herzog Wilhelm von Aquitanien und endlich an den Papst. Es ist also ein Sendschreiben und eine Denkschrift, in der Ademar zunächst die schon oben angedeuteten Gründe darlegt, die ihn zu dieser apologetisch-polemischen Schrift veranlaßten. Vor allem schildert er dann das Gebaren und die Reden jenes Benedikt in den schwärzesten Farben, der nämlich gesagt habe, die Bischöfe Aquitaniens seien Bauern ') Denn das von ihm erwähnte Konzil (Migne 141, 84A) In quo concilio ab omnibus deftnitum est non eum numerari nisi in cata- logo apostolorum kann nur das erste 1028 zu Limoges abgehaltene sein. 2 ) So sagt Ademar in seiner Epistola (Migne 141, 91 A) tarnen Über yestorum eins- conscriptus a diseipulo eins Aureliano und (105C) quia sicut testis est Aurelianus epi- scopus . . . scriptor vitae tuae. Eine Anführung aus dem Leben gibt er col. 98 C, vgl. auch col. 102 A und 94D. 288 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und Abt Odolric sei ein Dummkopf und stelle sich nur vor jenen Bauern gescheit; er und seine Mönche hätten den Apostolat Martials nur aus Geldgier und aus Hochmut aufgebracht. Und er habe geprahlt: Ich allein bin gelehrt und ich sage, daß Martial kein Apostel und daß sein Leben eine Fälschung ist, denn nie war er ein wirklicher Schüler Christi. Und die Kanoniker von St. Stephan zu Limoges wußten, daß ich sehr klug bin, und haben mich heimlich gebeten, gegen den Apostolat Martials aufzutreten. Und ein gewisser Ademar, der diese Häresie aus Liebedienerei gegen den Abt und weil er bestochen war, erfunden hat, wollte mit mir darüber streiten," aber schon beim ersten Gespräch wußte er nicht, was er sagen sollte, und er machte sich schimpflich aus dem Staube, da er vor meiner Weisheit fliehen mußte; der wird vor mir nicht mehr mucksen über seinen Heiligen. 1 ) Auf diese höchst lebendige und die italienische Prahlerei in helles Licht stellende Schilderung folgt dann Ademars ausführlicher Bericht über seine Zusammenkunft mit Benedikt und über die Verhandlung, die er mit ihm geführt hat, wobei dem geistlichen Gespräch nichts von seinem Interesse genommen ist und die beiden Kämpfer gehörig aufeinander losziehen. Auf Ademars Hauptargument, daß der Verfasser von Martials Leben selbst noch dem Apostelzeitalter angehört habe, drängt Benedikt nach Beweisen aus Büchern. Da Ademar sie nicht gleich schaffen kann, entgegnet Benedikt, man habe sie wohl absichtlich fortgeschafft oder vernichtet. Dann wird eine Bibel gebracht und Luc. 10, 1 aufgeschlagen, worauf Benedikt an den Rückzug denkt, aber, von Ademar zurückgehalten, sagt: „Mit dir kann ich doch reden, du verstehst wenigstens etwas. Aber mit diesen Mönchen war nichts zu machen, da sie unvernünftig sind. Und bei Gott, bevor du kamst, habe ich mit jenen Mönchen nur darum gestritten, ob Paulus ein Apostel ist. Sie leugneten es nämlich." Auf Ademars Worte „Wer das leugnet, ist ein Häretiker" sagte Benedikt: „So ist es" und dann trennten sich beide Gegner. In der Kirche sahen sie sich dann wieder und ein Mönch brachte den uralten Band mit dem Leben Martials, woraus nun Ademar dem Benedikt eine Unzahl von Beweisen für das Apostolat Martials vorlas. Dieser aber meinte, daß in dem ältesten Leben des Heiligen, das einst in einem Brande untergegangen sei, nichts von alledem gestanden habe; die vorgelegte Biographie sei von einem Mönch mit Lügen ausgestattet worden, er glaube nicht daran. Das wies aber der in der Geschichte von St. Martial zu Limoges erfahrene Ademar zurück und nachdem er dem Gegner die Worte ins Gesicht geschleudert: „Wer dies Leben für erlogen hält, ist ein Feind der Wahrheit und ein Häretiker", hielt er ihm eine lange Rede über die Wahrheit. 2 ) Dann wurden noch weitere Zeugnisse, eine Aufzeichnung in einem alten Brevier und eine altertümliche Sequenz gebracht, doch Benedikt, dessen Anschauung allerdings unsicher wurde, verlangte noch mehr. Aber die Nacht brach ein, und als Ademar am Morgen Benedikt wiedersah, sprach er nicht mit ihm, da er nach Angouleme zurückreisen wollte. Dorthin folgte ihm aber ein Begleiter ') col. 92 D Nunquam ille stultus Ade- I vgl. Josue 10,21. marus erit ausus de hac re contra me mutire, \ 2 ) Col. 96 B—D. Ademar von Chabannes. 289 Benedikts, ein Mönch und Arzt Bernhard aus Ravenna, der mit Ademar den Streit im Sinne Benedikts fortsetzte, wobei Ademar seine Belesenheit in der Bibel und den Vätern 1 ) gehörig anzubringen wußte und auch Paraphrasen von Dichterversen 2 ) nicht verschmähte und eine große Apostrophe und Lobrede auf den Heiligen hält, 3 ) die auf die heftigsten Angriffe gegen seihe Feinde hinausläuft. Interessant ist hier die außerordentliche Aufgeblasenheit und der unmäßige Stolz des Langobarden — ob es Benedikt 4 ) gilt oder Bernhard, verrät Ademar nicht — gegenüber den Aquitaniern, die er alle für Dummköpfe hält, während er in Langobardien und Frankreich Weisheit studiert habe, was seinen Oheim, den Abt von Clusa, 2000 Solidi gekostet habe. Er habe zwei große Häuser voll von Büchern, die er noch gar nicht alle gelesen habe, und es gebe kein Buch auf Erden, das er nicht besitze; seit er die Schule verlassen habe, sei er der Weiseste unter dem Himmel. Diese Schilderung ist in hohem Grade ergötzlich, sie scheint aber, wenn man sie überhaupt ernst nehmen will, nur auf Klatsch zu beruhen, denn Ademar beruft sich hierbei auf das Gerede zweier Mönche, die das alles und noch viel mehr gehört haben wollten 6 ) und mitteilten, daß der Langobarde so geschwätzig sei, daß ihm im Gehen und Stehen, im Liegen und Sitzen die Worte aus dem Munde flössen wie das Wasser im Tigris. Und noch über einen dritten Kleriker, der sich damals als regulierter Kanonikus in Angers aufhielt und den Beinamen Salgionius führte, hat Ademar Grund zur Beschwerde, da er gleichfalls Martial nicht als Apostel gelten ließ. Er referiert ein längeres Gespräch mit ihm, das aber einen weit sachlicheren Charakter trägt als die früheren und das Ademar mit den bekannten Worten aus Terenz'Andria 1,1,41 schließt. 6 ) — Ich habe über diese wenig umfangreiche Schrift deshalb ausführlich gehandelt, weil sie von weitergehendem Interesse für die die Zeit bewegenden geistigen Strömungen ist und ein höchst lebensvolles Bild von einem Streit innerhalb des Klerus gewährt. Denn Ademar, dessen Geschichtsdarstellung trocken verläuft, ist hier mit seiner ganzen Person hervorgetreten und hat die einzelnen Stadien des Streites eindringlich und lebhaft geschildert, wenn man vielleicht auch anerkennen muß, daß er die Gegenpartei mit recht dunklen Farben gemalt hat. Daß diese Streitschrift nicht in die Hände aller oben namhaft gemachten Adressaten kommen werde, hat Ademar wohl selbst gewußt und er bezeichnet auch gleich in ihrem Anfang den Papst, den Kaiser und den Herzog Wilhelm als solche, die durch ihren Namen seiner Schrift nützen könnten; jedenfalls schien es ihm nötig, einen großen Instanzenzug in Bewegung zu setzen. ') col 98 A und 99 D wird Beda erwähnt, $9 D werden die Gesta Frontonis (Petrigorici) benutzt. 2 ) 104 A Facilius possunt cervi camporum pasci in aethere, Verg.Ecl. 1,60; 10 4D Fides spes et carüas meum comitantur in ardua gressum, Sedul. Pasch, carm. 1, 335. 3 ) Beginnend col. 104 C. *) Wahrscheinlich ist Benedikt gemeint, yg Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Bischof Älberich von Como übertrug und teilt einige Stücke aus einem satirischen Rhythmus mit, der darüber entstanden war; es sind-zwanzig jambische Achtsilber, 1 ) die paarweise gereimt sind. Aber auch die weiteren Abschnitte der Fortsetzung haben nur von Trauer und Trübsal in der Abtei zu berichten. In den Nachträgen ist die Notiz (Kap. 12) von Interesse, daß Erzbischof Leodegar von Vienne ein Buch über das Leben und die Taten seiner Vorgänger verfaßte, das nicht mehr vorhanden ist. Man sieht-aus Vorstehendem, daß der Verfasser zwar einen gewissen chronologischen Faden innegehalten hat, daß er sich aber fortwährend unterbricht und alle möglichen Dinge berichtet, die mit der Chronik des Klosters in keinem Bezug stehen. Gerade dieser Stoff ist allerdings der wertvollste -des ganzen Werkes, freilich ist er in einer oft kaum mehr verständlichen Sprache dargestellt, die allerdings insofern nicht unwichtig ist, als sie sich häufig dem Romanischen nähert und nicht wenig italianisierte Formen besitzt. 2 ) Jedenfalls bietet das Buch trotz seines häufig ungemein anziehenden Stoffes keine leichte Lektüre, da dem Verfasser die meisten Vorbedingungen zum Schriftsteller fehlten. Zeugnisse. Zur Herkunft des Verfassers 5. 9 p.-112, .31 Ixtterea reminiscens parentum »worum ... Quidam miles fiiit tneus patruelis, qui exiens ex fin'ibus Carricianae Vercettensem properäbdt ad urbem . . . (40) froter illins scilicet avits mens. Eintritt in Bremeti unter Ge/.o -5. 25 p. 116, 22 abbäs Gfezo loci Bremeti . . . misit quendam monachwn . .. Sirmata cuius se- cutiis mm, quem multi novernnt propinquum mihi fuisse, vgl. hierzu MG. SS. 7, 73 n. 3. Aufenthalt in Novalese 2, 20 p. 96, 33 Mecum enim per trienniuni habitans. Abfassung der Vita Eidradi 3, 31 p. 106. 32 Eldrädus . .. I/uius itaque patris vitam nostris temporibus, quantwn- i-umque ex suis miracidis atque virtutibns cöUige're potuimus tarn visis quam auditis leclisve, quibus per eiim dominus operare dignatus est, devotissime in eins laudibus simut scribere curavimus. Zur Abfassung der Chronik in Bremeti vgl. p. 74 n 6; die Abfassung des 2. Buches vor 1027 vgl. zu 2,14 n.42; das 5. Buch lange nach 1027 vgl. die Kapitelüberschrift p. 110, 20 zu 5,44 De abbate Godefrido qui longe post mortem suam (1027) ruidam fratri fugienii ap- paruit. Zur Historia Romana vgl. 5,29 p. 117,26 exemplum hustoriae Romanae. in mediopro- ferimus. Die/t enim: De malis apud Pollentiam r/estis satagimiis dicere aliquant isper. 3 ) Zum Apolloniusroman 5. 3 p. 111, 14 Onefas! libido sodomita x ) inrepit patres ut stuprum exerceant in nurus et etiani in filias ut in acta lec/itnr Apollonii. Das Epitaph in 2. 14 bezieht sich auf einen Mönch Justus aus dem Kloster In valle Bardouisca; zu den Buchversen vgl. 3,19 Nam in testum evangeliorum, quod Attepertus ex preeepto illiits . . ■ patris (seil. Frodoini) scripsit, in capite invenimus versus inter alios conseriptos ita: Questio si lector moret quis hunc condere librum etc. Das (Jedicht auf Walther wird eingeführt 2. 7 ^icut de eo quidum sapiens ve'rsicanorus scripsit: Wcdtharius fortis, quem nnlfus terruit hostis etc. (vier Distichen). Zum Priester Petrus 2, 3 p. 84, 18 sed ad quodam antistite Petro qui librum quondam suis legit temporibus Ve'ronam, in quo mulla de eodem loco invenit. Ab ipso enim aud.ivim.iis. Zu den Leben der Aebte 2, 3 p. 84, 21 Seimus ergo in veritate nonnullas fuisse quondam vitas in illo loco conseriptos de illorum abbatum scu inonachorum . . . sicut legimus de Asinario et WaUhario ac de Arnulfo et Frodoino de Ahlrado quoque. 3.4 erwähnt er von einer Sitte bei der Abtswahl p. 99, 2 llaec rero non vidi neque in lectione aliqua repperi s'ed auditu didici. 3. 10 wird in Beziehung zur Karlsage ein Volkslied erwähnt p. 100, 11 contigit iocu- latorem ex lAingoiiardorum gente ad Karolum venire et canliuneutaiu a se compositum de eädem re rotando in conspectu suoruin cantare. Erat enim sensum prediete cantiuncule huius- modi: Quod dabitur riro premium etc. Die hier überlieferten sechs Zeilen 3 ) haben fünf ver- ') Ein solcher findet sich auch in ahn- 3 ) Die Stelle findet sich weder bei Jor- 1 icher Umgebung 5,29 p. 117, 16 affiatus alfo danis noch bei Paulus oder Landulf. flamme. ') Nach Prudent. Psych, 42. 2 ) Einiges zur sprachlichen Erläuterung 6 ) E. Schröder sieht Ztschr. f. deutsch, bringt Braun. Jahrb. d. Ver. d. Alteitums- Altertum 37,127 f. in den Heimwoiten Reste freunde im Rheinlande 33, 133 ff.; zu 3,7 alten Stabreims und legt durch germanische schlägt er statt Cdco deo vor cacadei; S. 138 tf. Rückübersetzung der lateinischen Worte die erörtert er ;u :-!. 14 den alten Gebrauch der sfeh hier ungesucht einstellenden Liedstäbe Ohrfeige als tiedächtnisstärkung. vor. Das Leben Burchards von Worms. 299 schiedene Silbenzahlen und dürften sich schwer in ein rhythmisches Gefüge einstellen lassen. Von Attepert schreibt der Verfasser 3, 20 p. 102, 22 Fnit . . . Attepertus tarn in scientia tit- terarum vatde imhittis quamque in recta conscriptionc scripfor velocissimiis. Siquidem iiise witllos et varios et permaximos libros in eadem aecclesiam sttis conseripsit temporibus. Ergo ubicumquß sua mann antiquaria libros a se conscriptos inter alia invenimus extimplo reeog- noscinms. Zu Abt Pilgrim von Bremeti 5, 6 quülam äbbas Belegrimmus nomine hnmilis et bene educatus eruditHS pericia litterärwn et, vi aiunt miilti, auctor e.rtitit hymni Omnipotentis ilei.et i/eiiiloris. qni more congrno per universa loca habetica Bremetense oppido dei in honorem modulatur in assumptione s. Murine. Der Rhythmus im Anhang 5 wird eingeführt Xttm quidam sciolus necdum presul Ha tteripsit.') — Von seltenen Sprachformen ist anzufühlen 3. 18 p. 102. 27 aviones nostri; 3. 26 p. 105, 16 rex ambidexier; 5, 27 p. 117. 8 pitm'tas = poe.nct; 5. 37 p. 119.15 furitas = furor. vgl. den Index von VVattenbacb in der Handausgabe Bethmanns (Hannover 1846) p 102ff. Zu Leodegar von Vienne vgl. App. 12 Hoc tempore Leodegarius archiepiscöpiis Vienensis viiam et mores, örtu's et actus suornnt ante- cessorum ar'chwpiscopovurn scribendo colligere euravit. Ueberlieferung. Das von Schreibern und vom Verfasser geschriebene Autograph ist heute Taurin. arch. reg. Novalic. mazzo 2 n. 20 s. XI: es beginnt jetzt mit 1, 12 und besitzt von Buch 1 nur geringe Reste: diese werden ergänzt durch ein Exzerpt der noch vollständigen Hs. von Ph. Pingonius im Taurin. arch. reg. Novalic. mazzo 2 n. 20. sowie durch ein späteres von G. Baldessanus. früher Taurin. soc. .lesu miscell. YY. 20. Ausgaben von L. Duchesne. Hist. Franc. SS. 2. 223. 3.635 (unvollständig); Muratori, SS. rer. Italic. 2. 2, 697: C. Com- bcttus. Chron. Novaliciense. Taurini 1843, und Monumeiita bist, patriae 3. 19 —130; besonders L. Bethmann. MG. SS. 7. 73 - 133. Die Vita Eldradi, welche der Verfasser vor seiner Chronik schrieb, ist wahrscheinlich verloren, doch glaubt Bethmann,-) daß auch das Leben Eidrads in Rhythmen auf ihn zurückgeht, von dem sich größere Reste erhalten haben. Es sind jambische Achtsilber, die öfters Silbenzuschlag erhalten; während der Reim in den früheren Partien meist gekreuzt oder überspringend ist. besitzen ihn in den späteren Teilen fast regelmäßig zwei, auch drei aufeinanderfolgende Verse. Im Anfang wird Novalese wegen eines solchen Heiligen glücklich gepriesen, dessen Abstammung kurz berührt und dessen Stiftungen für das Kloster gerühmt weiden. Dann wendet sich der Verfasser zur Darstellung von Eidrads Leben und erzählt von dessen weiten Reisen, bis er ins Kloster eintrat, das damals 500 Mönche umfaßt haben soll. Weiter hört man von Abt Amblulf. der damals dem Kloster vorstand, und von seinem Nachfolger Hugo, dem angeblichen Sohne Karls des Großen. 3 ' Hierauf fehlt ein größeres Stück, nämlich die Erhebung Eidrads zum Abte und die Darstellung seiner Abtszeit. Dagegen wild sein Tod und sein Begräbnis kurz, beschrieben und daran reihen sich eine Menge Wunder; hierin bricht die Erzählung ab. Die Fragmente sind herausgegeben von Roch ex, La gloire deTabbave de la Novalese. (Jbamberi 1670, p. 99; Acta SS. M-art. 2, 333: Bethmann, MG. SS. 7, 128—130. — Vgl. Wattenbach 2. 240. 38. Das Leben Burchards von Worms. Bald nach dem Tode des Bischofs Burchard von Worms (20. Aug. 1025). dem Alpert kurz vorher seine Schrift De diversitatibus temporum gewidmet hatte und bei dem Alperts Bruder Immo Diakon war, unternahm es ein dem Verstorbenen nahestehender Wormser Kleriker, und zwar vielleicht der Lehrer und Kustos Ebbo, 4 ) das Leben Burchards zu schreiben. Der Verfasser setzt in der ungemein umfänglichen Vorrede auseinander, wie er den Plan dazu gefaßt habe. Einer seiner Freunde sei zu ihm gekommen, um ihn zu trösten, und dem habe er offenbart. daH er den innerlichen ') Er beginnt mit den Versen Nam cum bis 1033; z.B.(H. Boos 1) p. 37, 6 Signum hp- HeinHcus oritur, Caesar et alter oritur. ponis scolarum magistri: ]>Ab,A2 Eppo custos: -) Vgl. MG. SS. 7.74 n. 5. p. 46,12 Ebbonis custodis: p. 361 wahrschein- M Vgl. hierzu Bethmann a a. O. p. 102 lieh ein Brief an ihn, wo ein G(erliebV) sich n. 64. für den Cdleiilus des \'ictorius bedankt, d. h. 4 ) Nach H. Boos. Quellen z. Geschichte wohl für Abbos Kommentar, der dem Ver- d. Stadt Worms 3 p.XXVIl. Ebbo erscheint fasser der Vita Burchardi bekannt war. in Wormser Urkunden und Briefen von 1016 300 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Drang zu der Darstellung von ßurchards Leben verspüre. Er möge ihm dabei helfen, denn er wisse wohl, wie oft ihn der Freund über das tugendhafte Leben des Bischofs befragt habe; ja der Freund habe ihn sogar gebeten, darüber einiges zu verfassen. Und so habe er dem Freunde mitgeteilt, daß er die Arbeit übernehmen wolle. Dieser habe ihn darauf gebeten, entweder das Leben darzustellen, oder ihm die genügenden Mitteilungen zu machen, auf daß er selbst sich ans Werk mache. Ist die Sache richtig, so entstand also unter den beiden Wormser Geistlichen ein edler Wettstreit um die Darstellung, in dem der Verfasser siegte. Dieser widmete sein Werk einem hochstehenden Manne, jedenfalls einem Bischöfe, denn er nennt ihn Praesul und rühmt seine Tätigkeit im Lager des Kaisers. Außerdem aber preist er ihn als den vertrautesten Freund Burchards, und es ist daher die Vermutung von Boos nicht unwahrscheinlich, daß Bischof Walther von Speier der Adressat des Werkes war. Vom Verhältnis des Verfassers zum Adressaten aber ergibt sich noch aus der Vorrede, daß dieser trotz aller seiner Niedrigkeit von dem hochstehenden Herrn einst gut aufgenommen und weitgehende Förderung erhielt. Übrigens stammen schon mehrere Gedanken und Sätze dieser Vorrede, was mir früher entging, aus der dann vom Verfasser reichlichst ausgeplünderten, oben genannten Schrift Alperts, während ein Gedanke des Prologs mehrfach bei Abbo wiederkehrt, 1 ) was wohl auf Kenntnis von Abbos Erklärung zum Calculus Victorii in der Wormser Bildungssphäre hinweist. Der Verfasser beginnt das Leben Burchards mit einem auch sonst von der Biographie des Mittelalters sehr häufig gebrauchten Satze aus dem Leben Martins von Sulpicius Severus. Von der Jugend hören wir nicht eben viel und der Verfasser übergeht auch, daß Burchard in Lobbes seine Studien machte. Dagegen weiß er ausführlich von dem Verhältnis des jungen Klerikers zu Willegis von Mainz zu erzählen, der ihn zum Propst der Kanoniker von St. Viktor erhob. Der Tod Hildebalds von Worms gibt Gelegenheit, von dessen Nachfolger Franco zu erzählen; aber sein Wirken wird fast ganz mit Worten gepriesen, die aus Alpert entlehnt sind. Es folgt Francos Tod, dann die Zwischenwahlen des Kaisers und endlich Burchards Wahl zum Bischof von Worms, wobei ein großer Satz aus Alpert zur Erzählung dient. 2 ) Es folgt dann die Schilderung der schrecklichen Zustände des Bistums und die Tätigkeit des neuen Bischofs zur Hebung der Unordnung. Die folgenden Abschnitte handeln von Ottos III. letztem fiömer- zug und Tod, der Wahl Heinrichs II. und der Befreiung der Stadt Worms von der herzoglichen Burg. Die Erbauung eines Klosters in einem bei Worms befindlichen Walde wird wieder ganz nach Alpert gegeben und scheint auf Erdichtung zu beruhen; wichtiger ist der Bericht von Burchards kanonistischen Arbeiten, die er mit Hilfe Walthers von Speier und des Wormser Propstes Brunicho ausführte, wobei aber der tätigen Beihilfe ') Prol. (ed. Boos) p. 100, 37 sancti desi- 2 ) Die Weigerung Burchards bei seiner derii mann pulsando, vgl. Abbo zum Calc. ; Wahl (c. 5 p. 106,15f.) wird von Rupert von Victorii bei Bubnov. Gerberti op. mathe- I Deutz im Chron. s. Laurentii Leodiensis c. 15 matica p. 199, 7 f. manu sancti desiderii pul- benutzt, wie H. Boos p. 106 n. 3 erweist. sabant. Das Leben Burchards von Worms. 301 Olberts von Gembloux nicht gedacht wird. Drei weitere Kapitel erzählen vom Neubau der Kirche zu St. Peter, von der Einsetzung von Burchards Schwester Mathilde 1 ) als Äbtissin im Marienkloster und von der Rekluse Caritas im gleichen Kloster. Dann erzählt der Verfasser die Weihe des neuen Domes im Beisein des Kaisers, den Einsturz von dessen Westseite und eine vorausgehende Teufelsvision Burchards, ferner den Neuaufbau geistlicher Gebäude in und außerhalb der Stadt. Unter den vielen Männern, die damals in Worms geistlich werden wollten, befand sich auch einer, der in einem Briefe 2 ) den Bischof um geistliche Belehrung über die Fasten des Moses und Elias bat. Den Brief und die Antwort Burchards, die eine kleine Abhandlung darstellt und deren erster prinzipiell gehaltener Teil von den logischen Studien des Bischofs Zeugnis ablegt, 3 ) hat der Verfasser wörtlich aufgenommen. Eine Krankheit, die den Bischof befiel, gibt dann Gelegenheit, über sein tägliches Leben und über seine menschenfreundlichen Gewohnheiten zu berichten, was meist mit den Worten Alperts geschieht. Auf den Tod des Kaisers folgen dann Burchards letzte Zeiten, die Rede, die er vor seinem Ende an den Klerus hielt, und sein Tod. Das Werk schließt mit einem Appell an die eventuellen Feinde und Neider des Bischofs, und auch hierbei hat Alpert als Vorlage gedient. Überblickt man diesen Inhalt der Schrift, so muß man sich sagen, daß der Verfasser seine Aufgabe nicht eben glänzend gelöst hat. Es fehlt vor allem an einer festen Disposition, denn die ungefähr chronologische Anlage des Werkes bietet hierfür keinen Ersatz. Wichtiges und Unwichtiges wechselt miteinander ab und man erhält eigentlich nur einen oberflächlichen Eindruck vom Leben eines Mannes, der wegen seiner in das Gebiet des Rechtes fallenden Arbeiten zu den ersten der Zeit gehört. Natürlich stehen die eigentlich geistlichen Dinge im Vordergrund der Darstellung und die Reichsgeschichte wird nur insofern gestreift, als sie für die Geschichte des Bistums als chronologisches Gerüst gelten kann. Aber man würde doch in einem ziemlich ausführlichen Leben Burchards vielmehr die bestimmenden Einflüsse und die Bedeutung der den Bischof umgebenden einflußreichen Persönlichkeiten hervorgehoben sehen wollen, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Und dazu kommt die ungebührlich starke Anlehnung an Alperts Zeitgeschichte, die so weit geht, daß sie stellenweise zur Erdichtung führt. Die Sprache hingegen ist meist klar und verständlich, die Darstellung selbst, besonders im Prologe, lebhaft und anschaulich. Die der Zeit übliche Reimprosa wird zwar verwendet, drängt sich aber nirgends unangenehm auf. Eine weitere Benützung als die schon erwähnte bei Rupert von Deutz und die umfängliche im Chronicon Wormatiense des Mönches ') Sie.kannte nur den Psalter; Burchard gab ihr die kanonische Regel, den Komputus. die Vitae patrum und den Dialogus (Gregors I.) zu lesen, vgl. c. 12 p. 113,1 f. 10 f. 2 ) Hier ist c. 18 p. 118,32 crescit morbus prediäns centuplicatus nach Horaz Carm. II, 2, 13 gesagt. 3 ) Hier ist das Sprichwort c. 19 p. 119,5 üodum in scirpo quaeris aus Terenz Andr. 5.4,38 genommen. — Ist der E. frater in dem oben erwähnten Briefe des G'\ erlieb?) Ebbo und hat dieser wirklich das Leben Burchards geschrieben, so ist zu jener logischen Auseinandersetzung p. 119, 5—17 der Brief bei Boos 1,361,41 zu vergleichen, wo G. dem Adressaten eine Stelle aus den kategorischen Schlüssen (de equivocatione habendi: Socrates cum uxore habent) zur Erklärung vorlegt. 302 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, von Kirschgarten, 1 ) der in Worms am Ausgang des 15. Jahrhunderts zwei Handschriften vorfand, ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Zeugnisse. Zum Tode Burcliards vgl, H. B'oo.s a. a. 0. 2, 125 n. 6. Zu Immo und Alperts Widmung vgl. (MG. SS. 4, 700, 36) Frater Immo causa amöris ad nie venit, tun sancia studio, vefterande praesul Burcharde . .. retulit. Znr Entstehung des Werkes vgl. den Prolo" (Boos p. 99, 32) mens quidam familiaris interveniens 2 ) ... p.100, 25 Sanctam deoque eon- secratam vitain b. pairis nostri Burchardi . . . scribere animus ... nie impulsat. Ad quod opus perfieimdwn tiium eönsilium pariter et nuxilium supplex implörd. . . . Adhuc enim höh siim oblitus, qtiomodo quodam . .. fempare iiiiiltiiin de praedicti riri viiiutibus nie interrogasti . . . 37 Nam postea . . . die noctuque nie instigans petisti, ut de rita vel virtutibus Jinins vir! idiqiia scripta proferrem sire ad proferendum tibi suggererem. 3 ) Tills quippepiis petitionibus obtemperqns . . . aliquas eonipositinnes . . . cum tiio au.rilio de eins cito narrare studebo. 101, 15 Ergo . . . dilectionemque /nam rogito . .. id vel interrogando praecedas nieque de Intins vir; rita nurrantem intelligas, seil ine ni/erroi/antem corrii/as et praedic/as rirtittes iiarrans ple- niter tdoceas. Der Freund antwortet 101,22 Ui.risti nanique te non adhuc esse oblituni meiie interrogatioiiis et de actibus nostri - senioris. Et ego quippe menior sum ineae inquisi/ionis ac tuae de eins virtutibus e.rjiosdionis. l'e/iri ergo et peto Herum ut de feiieibus iilins factis al/'qua seribas sire ad scribentiiini mihi suggeras. Hieraus wie aus 101,31 seculi turbines... quos vivente patrono noströ rarissimos sensinius ergeben sich die oben berührten Beziehungen der betrefl'enden Personen. Die ans Alperts Brief genommenen Stellen im Biologe sind p. 99, 20 t'nde noniini — compositum, Alpert Ceternm nomiui — compositum; 99,18 Quamvis enim inopia — manebit, Alpert Et si angustia — aderit; 99,27 Ad ultimum servire maiieat, Alpert ut tuo iia/icio nid aboleatnr und si displieet — feliciter legas; 100. 32 et cum iltius — ' retulissem, Alpeit tiia sancln studio --- retidit. und p. 101, 19 Tua peti/io — landanda ist aus Burcliards Antwortschreiben an Alpert Igitur studii toi devotio — landanda genommen; daraus ergibt sich, daß in dem an Burchaid nach Worms gesandten Exemplar von Alperts Werk auch Burcliards Brief mit enthalten gewesen ist. Uebrigens wie das Leben selbst mit einem Satze aus Sulpicius' Vita Martini beginnt, so schließt der Prolog mit einem aus den Dialogen genommenen Gedanken, 102,21 Attamensiea - videbimus vgL mitSulp. dial. 1, 19; 6(ed.Halm p.l72,4ff.); der erste Satz des Lebens c. 1 p. 102,26 f. ist gleich Vita Mart.-2,1 (p. 111,26 ff.). Zu den zahlreichen Entlehnungen Alperts in der Vita Burchardi vgl. Manitius, Neues Archiv 13,197—202 (notiert von H. Boos a. a. O. p. XXVI und in den Noten zur Ausgabe). Zur Beihilfe an der großen kanonischen Sammlung vgl. c. 10 p. 111,10 Domino Walthero Spirensi episcopo adiuvanU et Brunichone praeposito exhortude et snggerente canones in unum corpus collegit; die hierauf folgenden Worte non pro ulla arrogantia, sed ut ipse dixit quia canonum iura poenitentium- que iudicia in episcopatu suo omnino fnerant ueglecta ac destrueta beweisen, daß der Verfasser Burcliards Werk kannte, denn sie finden sich in der Widmung an Brunicho, vgl. Migne 140,537 A (quod canonum iura - adeo eonfusa sint). Sigebert erzählt aber, daß Olbert von Gembloux besonders an dem Werke geholfen habe, vgl. de Script, eccl. 142 (ed. Miraeus p. 152) Olbertns . . . nomen suum aetemavit . . . eo maxime quod Burchardns epi- scopus Wormatiensis eins magisterio ad hoc est proveetus, ut ita ecclesiasticae idilHati in- fenderet et eins studio ore et mann illnd magnuni canonum ad conimunem omninni utili- tatem ederet. Ueberlieferung. Der Mönch von Kirschgarten sagt im Chron. Woimatiense (H. Boos, Quellen z. Gesch. d. Stadt Worms 1,32,1) Burchardns sedeeimns episcopus Wormatiensis fuit, cnius historiam ante annos riginti quinque invenimus ad s. Panlnm. Similiter et in nutiori ecclesia habetur, quam hie ad landein civitatis nostrue de verbo ad rerbum aunectere volo, pront invenio scriptum; zur Benutzung vgl. H. Boos 1 p. XXII. Damals gab es also noch in Worms zwei Handschriften,' 1 ) heute existiert keine mehr. Ausgaben: Burchardi Worniac. eccl. episcopi decretorum libri XX, Colon. 1548; hiernach MG. SS. 4,829—846; mit Benutzung von Worms St. Arch, N. 1 s. XVI von H. Boos, Quellen z. Gesch. d. Stadt Worms 2,99—126. Vgl. Wattenbach 1,399f. Zur Wormser Briefsammlung. Ich schließe hier einiges die antiken Studien Betreffende aus der sogenannten Lorscher Briefsammlung an. Nämlich in einer Handschrift des Klosters Lorsch hat sich eine Sammlung von Briefen erhalten, die nach ihrem Inhalt ins Bistum Worms gehören und ') Vgl. H. Boos, Quellen z. Gesch. d. Stadt schreiben. Worms 2 p. XX f. XXII. 4 ). Die zu Bamberg saec. XII angeführte ") Hier stammt 99, 34 obstipo capiteterram | Vita ... Burchardi (Becker 80,150) steht intneris aus Persius 3,80. unmittelbar hinter der Vita Kiliani und ge- 3 ) So ist statt suggerem des Druckes zu hört daher dein Bischof von Würzburg an. Das Leben Burchards von Worms. 303 meist aus der Zeit des Bischofs Azecho (1025—1044) stammen. Der Briefwechsel, der hier vorliegt, bewegt sich hauptsächlich zwischen Azecho. den beiden Wormser Lehrern Wolzo und Ebbo und zwischen Immo, dem Bruder Alperts, der 1036 Bischof von Arezzo wurde. Es handelt sich also entweder um Wormser Absender oder Adressaten und der Briefwechsel ist besonders deshalb wertvoll, weil man durch ihn erkennt, was man in geistlichen Kreisen einander alles zu schreiben für nötig fand und wie man es schrieb. Manches aus der Politik läuft unter, wirtschaftliche Fragen treten auf, Versicherungen von Freundschaft werden gegeben, gute Lehren ausgeteilt, Versöhnungen angebahnt, Geleitsbriefe erbeten. Manchmal geschieht das auf einfache, schlichte Weise, aber oft, da es sich vielfach um Schulmeisterbriefe handelt, wird, um damit zu prunken, eine ziemliche Menge Gelehrsamkeit in das Schreiben gepackt, ja unter Umständen der Brief mit Anführungen aus der klassischen Literatur mehr oder weniger angefüllt. Dagegen ist von Büchern selber, ihrer Abschrift oder Versendung nur selten die Rede, so daß man weniger in das literarische Treiben der Zeit als in ihre Bildungszustände einen Eindruck gewinnt. Erhalten ist die Sammlung im Vat. Palat. 930 s. XI, gedruckt von.H. Boos, Quellen zur Gesch. d. Stadt Worms 1. 348 ff. Und folgendes sei hier in kurzem angeführt. Die Lektüre von Horaz ergibt sich bei Azecho Ep. 6 p. 351, fidis duribus vestris inst Mo (Hör. ep. 1, 8,16). Die schwierige Stelle in Ep. 11 p. 28 arteut inqicam Eufranöris (tut PolicUH 1 ) erhält einige Aufhellung dadurch, daß hier ein Zitat aus Juvenal 3, 217 vorliegt. Ep. 12 p. 354, 11 stammt pleno cornu (irritieret aus Horaz Ep. 1, 12, 29. Der Lehrer Ebbo spricht in einem Briefe (N. 14) gern in Versen und spielt hier p. 355, 14 ff. auf Verg. Aen. 8,514ff. an. 2 ) Die Schüler Ebbos geben eine ungewöhnliche und für Kleriker jedenfalls seltsame Beteuerung Ep. 19 p. 357. 12 per barbam Iovis. An die Worte des jüngeren Ekkehart in den Casus s. Galli 84 erinnert das Wort des Mainzer Klerikers R. in Ep. 20 p. 357, 32 non G-recus sed rix effectiis Laünus. 3 ) In Ep. 22 p. 360, 8 erfährt man etwas von den philosophischen Werken der Wormser Bibliothek, indem Ebbo die Isagogae (des Porphyrius) zurückgesandt erhält und binnen kurzem des Boethius de categoricis syllogis- mis schicken soll, während der Absender die Schrift über die hypothetischen Schlüsse noch behalten will. Die Worte in Ep. 33 p. 365, 9 rei familiaris .. . inopiu gebraucht der Verfasser der Vita Burchardi p. 99, 18 im Prologe und der Schreiber von Ep. 33 könnte daher Ebbo sein. Im Briefe 49 eines Azecho heißt es p. 374, 4 Dicat pro nie ille antiqmis sophista, es folgt Dist. Catonis2,26, 2; und darauf (p. 374,19) propter virtutem, propter quam Tullius docet nos eos etiam diligere, quos numquam vidimus aus Cicero Lael. 9, 29. Und eine ganze Reihe Stellen aus Ciceros Laelius führt der Beantworter des vorigen Briefes ins Feld, nämlich 6, 22. 13, 47. 18, 65. 21, 79. 84. 22, 82 T ') nescio quod opus mathematicuni, artem 31 führt er Horat. Ep. 1,2,57 an. Auch ein i. K. a. P.... ad nos vexisse bezieht sieh wohl anderer Brief (Ep. 51) p. 376,36 f. führt auf «uf Vitrüvius De architectura. Hör. Ep. 1, 2, 3. 2 ) In Ep. 27 p. 362,22 verwendet er das 3 ) St. Galler Mitteil. z. vaterländ. Gesch. horazische Brems esse laboro (A.P.25) wenn \ 15/16 S. 344. er sagt Brevis esse cum volo. Gleich darauf 304 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und er geht (Ep. 50) p. 375, 13 so weit, daß er sich zu den Worten versteigt ut Tiillius Iohanni veraciter consentit. Hier erscheint auch Terenz p. 376, 14 ut Terentiane loquar, quia infirmum gerunt animum, qui eos regere deberet, nämlich Hec. 3, 1, 31. Diese Briefe, die sich auf Worms, Mainz, Speier und Würzburg erstrecken, lassen somit einen gewissen Einblick in die Bildung der westdeutschen Geistlichkeit des 11. Jahrhunderts zu. 39. Laurentius von Montecassino. Petrus von Montecassino erzählt in seinem Liber illustrium virorum Casinensis archisterii 6, daß der Casineser Mönch Laurentius, der später Bischof wurde, eine Anzahl Schriften verfaßt habe, nämlich das Leben des hl. Maurus und die Passio des Bischofs Castrensis (von Volturno) in Versen, die Geschichte des hl. Wenzeslaus und eine Predigt über die Vigilie des hl. Benedikt. Es hat sieh zwar längst herausgestellt, daß dieser Petrus wenig Glauben verdient, aber zwei von den genannten Schriften des Laurentius liegen wirklich noch vor und die eine, die Passio s.Venceslai, verdient eine kurze Erwähnung. Ein Leben dieses böhmischen Herzogs und Märtyrers hatte schon Bischof Gumpold von Mantua auf den Wunsch Kaiser Ottos IL, wahrscheinlich vor der Entstehung des Erzbistums Prag, verfaßt; 1 ) doch diese Arbeit steht als schriftstellerische Leistung recht tief, da Gumpolds Schreibweise wegen der außerordentlichen Wortfülle und wegen der allzu ausgedehnten Satzperioden dunkel und unklar ist und die innere Leere der Schrift gegenüber ihrem seltsamen, gespreizten Stil merkwürdig abfällt. Von Interesse ist hier nur der Prolog, wo Gumpold von der Verschiedenheit der Anlagen und Betätigung der Menschen und besonders von ihrer Beschäftigung mit den freien Künsten schreibt. 2 ) Ungleich höher steht die Darstellung des Laurentius über das Leiden des Wenzeslaus, sie läßt deutlich erkennen, daß die Kenntnis des klassischen Altertums und ihre literarische Verwendung ein unzerstörbares Gut im Kloster zu Montecassino geblieben war. Die Schrift beginnt in einem Vorworte mit einer doxologischen Einführung über Gott und Christus, und der Verfasser begegnet dann dem eventuellen Einwand der Zeitgenossen, dai die heutigen Martyrien nicht so erwähnenswert wie die aus alter Zeit seien. Die weiter unten folgende Bescheidenheitsphrase in betreff des niedrigstehenden Stils der Arbeit hat hier insofern weniger Berechtigung, als sie den Tatsachen eigentlich nicht entspricht, denn die Schrift besitzt außer einer inneren Wärme auch ein verhältnismäßig gutes Äußere, das durch eingestreute kleine Gedichte und durch eine ganze B,eihe nicht ungeschickt in den Text verwebter Zitate aus den Klassikern nicht wenig gehoben wird. Das poetische Gebet an Christus in sieben Hexametern 3 ) ist möglicherweise einem altchristlichen Dichter entlehnt 4 ) und das Vorwort schließt ') Nach Guelferb. August. 4.11,2 s.XI und Bruxell. 9289 s. XII hrsg. von Pertz, MG. SS. 4,211-223. Der Guelferbytanus scheint auf Befehl der Herzogin Emma, Boleslavs II. Gemahlin, angefertigt zu sein. 2 ) Grammatik und Rhetorik fehlen. Die Worte vorher Ufo exstructos in altum honores gehen auf Hyrat. C. 2, 3, 19 zurück. *)■ Beginnend Christe salus hominum. 4 ) Darauf folgt in den Worten tarn poetico ut ahmt illitas melle eine Benutzung von Horat. Ep. 1,19,44. Laurentius von Montecassino. 305 mit einem Distichon aus Prospers Epigrammen. Im Eingange der Schrift handelt Laurentius von der heidnischen Hartnäckigkeit eines nördlichen Stammes, der aber nicht näher bezeichnet wird, und erst im zweiten Kapitel erwähnt er das Land Sclavonia und die Stadt Prag. Die eigentliche Erzählung beginnt dann mit der Jugend des Heiligen, wobei die bei solchen Umständen gewöhnlichen Lobsprüche reichlich gespendet werden; aber trotz der geistlichen Phrase und der eingestreuten Gebete und Weissagungen hat der ganze Ton der Darstellung etwas Frisches und Unmittelbares. Das ist eigentümlich genug, da Laurentius erst im 11. Jahrhundert und auch örtlich fern von seinem Berichte schreibt. Es ist daher wohl möglich, daß er von einem böhmischen Geistlichen bei seiner Arbeit unterstützt und ihm durch diesen eine vielleicht in slavischer Sprache geschriebene Legende zugeführt wurde. 1 ) Wenigstens führt auf Kenntnis des Slavischen, die wir bei dem Süditaliener kaum voraussetzen können, eine Stelle, an der zweifelsohne die Übersetzung des böhmischen Wortes Wenzeslaus ins Lateinische versucht wird, nämlich Kap. 5 2 ) iuxta sui ethimologiam agnominis propriam regebat provide iram. Laurentius gibt es auch zu, daß er fern von dem Schauplatz seines Helden schreibt, denn er sagt Kap. 2 S. 306 In provincia namque Germania quae ut fertur non tarn lata quam valida extat. Besonderes Interesse aber gewinnt seine Darstellung aus dem Grunde, daß er sich in der alten Literatur wohl unterrichtet zeigt und namentlich vielfache Anführungen aus Dichtern macht. Wenn er Kap. 7 S. 310 und 311 die Worte homuntio und homullulus gebraucht, so führt das auf das Studium Priscians, 3 ) und wenn er Kap. 9 S. 312 sagt Nam cum iuxta vocabuli ethymologiam frater dicatur quasi fere alter, so stimmt das zwar nicht zu der von Isidor 4 ) gegebenen Erklärung, läßt aber erkennen, daß Laurentius dieser in der lateinischen Welt mit Vorliebe gepflegten wissenschaftlichen Spielerei nicht fern stand. Dagegen deckt sich seine Definition der Weisheit Kap. 6 S. 310 5 ) beinahe mit den Worten Isidors. 6 ) Daß Horaz benutzt wird, sahen wir schon oben, und Kap. 6 S. 310 wird eine ganze Strophe (Carm. 2,10, 9—12) angeführt. Neben mehrfacher Benutzung vergilischer Stellen 7 ) erscheint Kap. 9 S. 312 Ecl. 3, 93. Aber auch die Satiriker kennt Laurentius, nämlich 4 S. 308 erscheint Juvenal 14,138 f. und 8 S. 311 Persius 5, 117. Dagegen ist mir aus der späteren Literatur nur eine Stelle aus Paulus Diaconus aufgefallen. 8 ) Der Schluß des Werkes —■ mitten im letzten Kapitel setzt in der einzigen Handschrift eine andere Hand ein — gehört übrigens ebenfalls noch Laurentius an, der jedenfalls das Stück S. 316ff. 9 ) noch nachträglich hinzugesetzt hat. Nämlich es bleiben in diesem letzten Stück die reichlich eingestreuten Verse und es kehrt auch die gleiche Ausdrucksweise wieder. Am Ende gedenkt der Verfasser im Anschluß an Hieronymi epist. >) Vgl. Wattenbach 1.487f. 2 ) Bei B. Dudik, Iter Romanum 1, 309. ') Vgl. Instit. grammat. 3,6, 34. 4 ) Etymol. 9,6,5 Fratres dicti eo quod sint tx eodem fructu id est ex eodem semine nati. 5 ) Platonicae porro non ignarus sententiae dicentis omnem sapientlum vitam mortis esse meditationem. 6 ) Etym. 2,24. 9 nach Plato Phaed. 67 D. ') Vgl. z. B. 3 S. 307 ignara malt prae- cordia. 8 ) Nämlich 9 S. 312 melle ilTita veneria propinans, vgl. Pauli hist. Langob. 2, 29. 9 ) Nämlich nach benedictus in saecula sae- culorum. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 20 306 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 69, 2 des vitium Pisoniamtm, dessen Erwähnung wir schon früher fanden. 1 ) Daß übrigens Laurentius erst im 11. Jahrhundert schreibt, geht daraus hervor, daß er 12 S. 315 von der Überführung der sterblichen Reste Wenzeslaus' zur Zeit des Prager Bischofs und Konfessors Adalbert spricht, der im Jahre 997 den Tod in Preußen erlitten hat und damals also schon längere Zeit tot sein mußte, als Laurentius schrieb. Oben aber habe ich schon angedeutet, welche Unterstützung er bei der Arbeit hatte. An derselben Stelle nämlich (Kap. 12 S. 315) berichtet er, daß ihm ein glaubensfester Böhme, also doch wohl ein Kleriker, von der Überführung Wenzeslaus' nach Prag Mitteilung gemacht habe. Außerdem aber erzählt er im Schlußabschnitt S. 318, daß ihm ein Sachse namens Benedikt, der in Montecassino als Mönch weilte, ein Wunder des Heiligen berichtet und als Zeugnis dafür ein Stück gesprengter Fessel gezeigt habe. 2 ) Zeugnisse. Petrus Casinensis sagt im Lib. vir. ill. Cas. 6 (Muratori, SS. rer. Itali- carum 6,16) Laurentius Casinensis coenöbü monachus scientia antecessorum suoruin post sanctissimum Benedictum nullt inferior factus episcopus b. Mauri vitam ac Castrensis episcopi passionem versibus adomavit. Historiam quoque s. Wenceslai et sermonem de b. Benedict! vigilia eleganter composuit. Die Predigt über Benedikt im Vatic. 1202 (aus Montecassino] hrsg. bei Migne 133, 885; hier Erwähnung von Plato und Demosthenes col. 888D. DiePassio s. Venceslai steht im Casinensis 413 s. XII (vgl. Pertz im Archiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 5,135); danach hrsg. von B. Dudik, Iter Romanum (Wien 1855) 1,304—318 (ohne Noten und Kommentar). Völlig unbrauchbare Ausgabe in Fontes rerum Bohemicarum 1,167—182 (Prag 1873) nach andrer Abschrift der Hs. (Kap. 11 S. 315 werden in den Pentameter des ersten Distichons sogar zwei Fehler hineinkorrigiert; alle Dichterzitate werden auf der andern Seite ruhig mit ins Tschechische übersetzt. — Vgl. Wattenbach 1, 487 f. und Hauck 3,190ff. 40. Arnold von St. Emmeram. Arnold stammte aus vornehmem bairischen Geschlecht, da er den Markgrafen Berchtold als seinen mütterlichen und den edlen Herrn Arnold als seinen väterlichen Großvater nennt und von seiner Nichte erzählt, daß sie die Frau des edlen Adalram gewesen sei. Er war Mönch in St. Emmeram zu Regensburg geworden und hatte sich im Auftrag des Abtes vielleicht der Mission wegen einige Zeit in Ungarn aufgehalten, und stieg in seinem Kloster zum Propst empor. In jüngeren Jahren hatte er sich viel mit den Werken des heidnischen Altertums beschäftigt und darüber die christliche Literatur vernachlässigt, bis ihn der Tod seines Freundes, eines gleich- gesinnten Mönches, auf andere Gedanken brachte, so daß er die heiligen Schriften emsig studierte. So fand er dann in den Werken der Kirchenväter den rechten Glauben und eine feste Stütze. Als er sich aber dem Leben des hl. Emmeram zuwandte, fand er zu seinem Bedauern, daß dessen alte Biographie, die Bischof Cirinus von Freising 3 ) geschrieben, den Ansprüchen seiner Zeit durchaus nicht genügte; er befand sich hierbei in dem Irrtum, daß Cirinus gut geschrieben habe, daß aber die Schrift durch die Nachlässigkeit der Späteren entstellt worden sei. Er erbat und erhielt nun vom Abte die Erlaubnis, dies alte Leben zu verbessern, aber seine Mitbrüder im Kloster ') Bd. 1,423 bei Albarus. Ueberführung zugetragen haben muß. 2 ) Außerdem erzählt er Kap. 12 S.316ff. 3 ) Cyrinus nennt ersieh mitgräzisiertem ein Wunder, das sich längere Zeit nach der Namen; eigentlich heißt er Aribo. Arnold von St. Emmeram. 307 wollten davon nichts wissen und bezeichneten diese Absicht als frevelhaft. 1 ) Die Sache schien im Kloster Ärgernis zu geben und der Abt schickte Arnold für einige Zeit in die Verbannung nach Sachsen, wo er in Magdeburg an Meginfrid, dem Lehrer der Domschule, einen Freund gewann. Diesen bat er dann um die Verbesserung jenes Werkes, das er nach Magdeburg mitgenommen hatte. Doch beeilte sich Meginfrid durchaus nicht damit, und so> kam es, daß die Arbeit, die er noch zu Lebzeiten Heinrichs II. übernommen hatte, noch unvollendet war, als Arnold nach drei Jahren aus Sachsen nach Regensburg zurückkehrte; doch hatte ihm Meginfrid gleichsam als Pfand für das zurückgelassene Buch einen Hymnus geschenkt, den er in sapphischen Strophen auf den Heiligen gedichtet. Erst als Konrads II. junger Sohn Heinrich schon König war und Gebhard II. den bischöflichen Stuhl in Regensburg bestiegen hatte und Burchard Abt von St. Emmeram geworden war, erhielt Arnold 1030 die langersehnte Umarbeitung. Dann mag jene Reise nach Ungarn fallen, auf der Arnold durch den Donaustrudel bei Pogen in Lebensgefahr kam; in Ungarn selbst wurde er durch den Erzbischof Anastasius von Gran gut aufgenommen und hier dichtete er einige Antiphonen mit den Responsorien auf den Heiligen, die Anastasius seinen Klerus und die Mönche auswendig lernen Hefa, «indem er zugleich den alten Gesang auf Emmeram abschaffte. Erst nachdem er aus Ungarn zurückgekehrt war, überreichte Arnold die Überarbeitung Meginfrids seinem Abte Burchard mit ausführlichem Widmungsbriefe. Aber die ans Ende gestellten Wunder hatten ihm nicht genügt, und so hatte er selbst noch, ehe er das Werk dem Burchard widmete, ein ganzes Buch Wunder an den Schluß des Werkes gestellt, die diesem zur Zierde und dem Heiligen zum Ruhme gereichen sollten. So hatte das Werk eine ziemliche Erweiterung erfahren. Meginfrid hatte seiner Überarbeitung eine kurze Widmung an Arnold vorausgeschickt, in der er sich ganz allgemein über Taten und Werke der Heiligen ausspricht und kurz den Auftrag berührt, den ihm Arnold gegeben hatte. Das Leben selbst ist nach dem des Cirinus (oder Aribos) geschrieben und überaus dürftig; so weiß Meginfrid von der Jugend des Heiligen gar nichts zu erzählen und gibt hier nur ganz allgemein gehaltene Phrasen. Aber um so breiter macht sich die schwülstige und gespreizte Ausdrucksweise, und die gekünstelte antithetische Satzbildung hebt sich durch die bis zur Ermüdung durchgeführte Reimprosa noch mehr hervor. So ist die kleine Schrift nur als zeitgemäße Stilübung zu betrachten, die des inneren Wertes eigentlich gänzlich entbehrt. 2 ) Die von Arnold angehängte Fortsetzung De miraculis s. Emmerammi führt aber diesen Titel nur teilweise - mit Recht. Selbstverständlich hatte man in dem Kloster allerhand Aufzeichnungen gemacht, die sich aber nicht ') Arnold kritisiert solche Anschauung (Migne 141, 992D) ziemlich stark, indem er sagt, diese Mönche kämen ihm so vor wie in quibus pagani auguriari solebant. a ) Hervorzuheben ist c. 4 (Migne 141, 975 B) die Gleichstellung der Avaren mit die Bauern, die es für eine Sünde hielten, Hunnen und Ungarn (Avares quos aliis nonii- diejenigen Bäume zu fällen, unter denen die nibus Hunos et Ungros appellamus). 10 col. Vorfahren ihren heidnischen Kultus ausgeübt 979 C geht morarum causas innectit sociis hätten. Quod cavendum ... -rusticinosmonent, auf Verg. Aen. 4,51 zurück. quipeccare'ittös putant, quiarbores succidant, \ 20* 308 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. nur auf die Wunder des Heiligen, sondern auch auf die Geschichte des Klosters, besonders auf die Vermehrung an Besitz bezogen. Arnold griff nun aus Aribos Werk eine Anzahl Wunder heraus und begann damit seine Darstellung. Dann kam er auf die Geschichte des Klosters zur Zeit der Karolinger zu sprechen, aus der er namentlich manches erzählt, was sich unter König Arnulf zugetragen hatte. Da aber die Bischöfe von Regensbur» -zugleich Äbte von St. Emmeram waren, so sieht er sich genötigt, auf die 'Geschichte des Bistums neben der des Klosters einzugehen. Er erzählt ausführlich von Bischof Tuto und dessen Nachfolger Michael und flicht hier wörtlich den Bericht des Mönches Adalbert über seine Pilgerreise ins heilige Land ein. 1 ) Später berührt er auch Verhältnisse seiner eigenen Familie aus der Gegenwart (Kap. 12 und 13) und in Kap. 15 hält er den Juden eine scharfe Predigt, da sie nämlich glaubten, daß die vom Heiligen vollbrachten Wunder ärztlicher Kunst zuzuschreiben seien. Er schließt das Buch mit einer ausführlichen Darstellung vom Tode des Bischofs Michael und von den Wundern, die sich dabei ereigneten, und hält zuletzt eine große Rede im Predigtstil auf den Heiligen. Bei den meisten seiner Berichte beruft er sich auf mündliche und schriftliche Quellen, und als Eigentümlichkeit ist zu erwähnen, daß er jedes Kapitel dieser Schrift mit einer Bitte an den Heiligen schließt. Als Mangel dürfte zu bezeichnen sein, daß Arnold keineswegs streng chronologisch verfährt, obwohl die Anlage seiner Schrift ungefähr der Zeitfolge entspricht. Hauptsächlich standen ihm außer Urkunden des Klosters kleinere Aufzeichnungen zu Gebote, in denen allerhand Material niedergeschrieben war. Außerdem aber hat er manches von älteren Mönchen über die Geschichte des Klosters erfragt; allerdings vermißt man fast überall den strengen Zusammenhang dessen, was er bietet. Von einer gewissen Sprachkenntnis zeugt es, wenn er öfters deutsche Ortsnamen ins Latein übersetzt 2 ) und daß er den Namen Regensburg meist mit Hiatospolis, 3 ) später auch mit Imbripolis 4 ) wiedergibt. Zu diesem Werke schrieb Arnold später eine Fortsetzung De memoria b. Emmerami et eius cultorum. Die Vorrede, die eine kleine theologische Abhandlung mit reichen Bibelzitaten darstellt, läuft in ein Gebet um die göttliche Gnade aus. Die Einführung der neuen Schrift, die sich als zweites Buch der früheren ausgibt, beginnt mit kurzem Rückblick auf das Leben des Bischofs Michael. Arnold spricht dann von dem alemannischen Mönche Wolfgang, der nach Ungarn zur Mission gegangen war und von dort durch Bischof Piligrim von Passau abberufen wurde. Kaiser Otto IL wurde auf ihn aufmerksam und erhob ihn zum Bischof in Regensburg; sein Leben als Bischof wird nun kurz -erzählt und Wolfgang mit dem Panther im Physiologus verglichen, der durch seinen Duft alle Tiere außer Drachen und Schlangen anziehe. 5 ) Dann wird der Übergang zu der eigentlichen 1 l Bei Gelegenheit der Erzählung über einen Sigibert erwähnt er, daß dessen Worte bei Ablegung des Mönchgewandes sprichwörtlich geworden seien, c. 8 col. 1008 A Hinc hinc cucullum, non ultra gravdbis Collum. 2 ) col. 999 C. 1006 C. Später in der Schrift De memoria 1021A. 1067 CD. 3 ) Nämlich col. 997 D. 1006 C. 1009 A. 1030A. *) 1068 C Imbripolitano antistite. 1021A Reginopolitano episcopo. 5 ) Die Fassung der Stelle ist ähnlich wie in den Dicta Joh. Chrisostomi 2 (ed. Gust. Heider, Physiologus, Wien 1851, S. 16 f.), Arnold von St. Emmeram. 3Q9 Schrift vollzogen: „Während ich dies schreibe, sagt Arnold, kam der Bruder Ammonicius und erinnerte mich an mein Versprechen, über die Wunder des Heiligen und die Leitung des Klosters einen Dialog zu schreiben. Ich ging darauf ein und fordere nun vom Leser, daß er von mir keinen kunstvollen Stil verlange." So beginnt die eigentliche Erzählung, die im allgemeinen ein Gespräch zwischen dem Sammler (Collecticius, nämlich Arnold) und dem Ermunterer (Ammonicius) darstellt, obwohl anfänglich nur über das Gespräch berichtet wird. Der Inhalt ist folgender. Wolfgang war unwillig darüber, daß die Mönche bisher ohne Abt gelebt hatten, und berief daher den Ramwold von St. Maximin bei Trier, den er als Abt in St. Emmeram einsetzte, obwohl einige Regensburger Kleriker darüber unwillig wurden, was ihnen Wolfgang mit einer Stelle aus Gregors Registrum (3, 11) verwies. Ammonicius fordert nun den Erzähler auf, lebendiger zu schreiben, worauf dieser mit einer Stelle aus dem Spermologus (Hieron. Epist. 89) antwortet und weiter von Wolfgang berichtet. Der Genosse bittet ihn aber, mehr von Ramwolds Leben zu erzählen, das er bisher nur gestreift habe. Darauf schildert nun Arnold den Abt nach dem allgemeinen Tugendschema und geht schließlich auf Einzelheiten ein. Es erfolgt eine Zwischenrede nebst Beantwortung, beides hängt aber mit dem eigentlichen Thema nicht zusammen, ein Umstand, der sich von nun an häufig wiederholt. Die Fortsetzung ist dann ganz im Tone einer Predigt gehalten und es erfolgt ein rein theologisches Gespräch, bis endlich die Erzählung mit Wolfgangs Tode wieder einsetzt. An einen langen- Bericht über eine Vision Wolfgangs, dem der hl. Otmar erschienen war, knüpft dann Arnold die Beantwortung einer Frage des Ammonicius von biblisch-moralisierendem Inhalt und er gibt die Antwort durch die Erzählung über eine ihm selbst in Ungarn erschienene Teufelsvision in sehr drastischen Zügen und mit Aufwendung einer grotesken Phantasie. Eine weitere Zwischenfrage, ob Collecticius sich bei seiner Vision daran erinnert habe, daß Johannes in der Apokalypse über den Drachen und das Untier geschrieben hatte, 1 ) ist höchst ungeschickt, und ebenso schülerhaft ist die Antwort, die wörtlich aus Isidor Et. 12, 4, 4 besteht. Auf solche Weise wird die Erzählung dann fortwährend weiter unterbrochen, bis der Bericht über das Begräbnis Wolfgangs erfolgt, den Arnold einem dabei anwesenden Kleriker verdankt. 2 ) Darauf erbittet Ammonicius die Namen aller Bischöfe vor Wolfgang und Arnold beginnt mit Primus, Lupus und Ratharius die Sagengeschichte des Bistums; doch rechnet er diese drei Bischöfe in die Liste nicht mit ein, da er vorher Wolfgang als den zwölften Bischof überhaupt bezeichnet hat. 3 ) Er erzählt dann auf weitere Aufforderung drei Wunder Wolfgangs und wendet sich nun zum Leben Ramwolds, wobei er namentlich des feindseligen Auftretens Ottos III. gegen den Abt gedenkt. Sein Bericht wird durch eine Menge törichte, moralisierende Zwischenreden des Ammonicrtts unterbrochen, doch kommen vielfältige geschichtliche Einzelzüge zur Behandlung. Als Arnold (1049 C) Rom „verum maxima" nennt doch scheint die Quelle Arnolds ein andrer Apocalypsi sua de dracone et bestia scribit? Physiologus gewesen zu sein ') 1040 D Nunquid in Mo tempore recor- dattis es aliquid komm, quae b. Joannes in 1042 D Ibi ut audivi a quodam pi'es- bytero sene ... qui eum paramentis amiciebat. s ) 1043 A in ordine pontificum duodecimo. 310 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und nach dem Grunde gefragt wird, erzählt er, daß ein Greis, der seine Jugend in Rom verlebt hatte, ihm mitgeteilt habe, es gebe in Rom zwanzig Nonnen- und vierzig Mönchsklöster und sechzig Stifter von Kanonikern. Dann soll er im Leben Ramwolds fortfahren, aber er spricht eigentlich nur von seinem Tode; also hat Arnold nicht eben viel über diesen berühmten Abt in Erfahrung gebracht. Nachdem auch einige Wunder des Abtes nach seinem Tode und zwar ausführlich und mit moralisierender Tendenz berichtet sind, gedenkt Arnold einer wunderbaren Heilung am Grabe des Abtes aus seiner eignen Jugend und handelt dann über Ramwolds Nachfolger bis auf den gegenwärtigen Abt Udalrich; da dieser 1037 sein Amt antrat und zu der Zeit, als Arnold schrieb, noch neu war, so wird man die Abfassung des Werkes wohl in die Jahre 1036 und 1037 setzen können. Arnold erzählt dann einiges, was auf das kommende Fest des hl. Emmeram Bezug hat und spricht hierauf von der neuerlichen Verminderung der Güter des Heiligen, damit, wie Ammonicius will, die weltlichen Herren, die auf die Beraubung der Kirchen ausgehen, sich hier ein Beispiel nehmen könnten. Dann schaltet er eine Geschichte aus den Vitae patrum ein, die die Tugend der Duldsamkeit illustrieren soll, und gibt Bericht über die Versuchung eines Guntharius, der zur Zeit des Abts Godehard von Altaich mit dessen Zustimmung ein Einsiedlerleben begann; er habe einst zur Winterszeit nur Blätter unter dem Schnee hervorkratzen können, um sich daraus einen Trank zu bereiten. An die Errettung aus seiner Not werden andere wunderbare Ereignisse geknüpft, worauf Ammonicius mit den Yersen aus Sedulius Pasch. Carm. 2,187 — 190 antwortet und Arnold seine Erzählung fortsetzt; die Erwähnung des Abtes Ratmund von Altaich (1078 B) zeigt, daß die erwähnten Tatsachen vor 990 fallen, 1 ) und es ergibt sich, daß Arnold sie von Guntharius selbst gehört hat (1079 B). Nach Anhörung eines Wunderberichtes, der auf den Bischof Ardericus von Vercelli zurückgeht, meint Ammonicius, es sei Zeit, den Dialog zu schließen, damit das Buch nicht allzu groß werde. Aber der Collecticius hat noch nicht genug, er erzählt eine höchst wunderbare Vision, die ein Jäger in einer Berghöhle in Gallien hatte, als er dort ■die Hunde seines Herrn suchte, die sich auf der Fuchsjagd verlaufen hatten. Dann erst beliebt es ihm, sein Buch zu schließen, da sich der Tag zum Abend geneigt habe. 2 ) Dies ist der Inhalt des höchst merkwürdigen Werkes. Es bildet rein äußerlich eine Fortsetzung der Miracula, besteht aber doch noch viel mehr als solche aus einem Konglomerat recht heterogener Bestandteile. Denn sehr vieles steht doch fast in keinem Zusammenhang mit dem hl. Emmeram und Geschichte und Wunder sind in seltsamer Weise gemischt. Geradezu kindlich ist die dialogische Einkleidung, die den Mangel an jeder höheren Disposition verhüllen zu sollen scheint. Für den Historiker wird das Werk wegen der fortwährenden moralisierenden Zwischenreden dos Ammonicius fast unlesbar, und doch birgt es einen geschichtlich sehr wertvollen Kern, da hier allein die Anfänge der Regensburger Kirche etwas enthüllt werden. Aus dem Ganzen aber spricht der naive Sammeleifer eines literarisch ] ) Vgl. Hauck 3,381. 2 ) Vgl. Verg. Ecl. 6,86 und 10,77. Arnold von St. Emmeram. 311 oänzlich ungeschulten Geistes, der Wichtiges und Unbedeutendes zusammentrug, wenn es sich nur irgendwie mit dem Klosterheiligen in Bezug setzen ließ. So ist der literarische Wert seines Werkes höchst gering, um so höher aber muß es in kulturhistorischer Beziehung veranschlagt werden, da das Denken und Treiben der Zeit doch recht deutlich zum Ausdruck kommt. Zeugnisse. Zur Abstammung vgl. De miraculis 12 (1009 D) Nöbües quidam viri, (oijnatione nobis et tempore noti . . . (1010 A) Unus ... nomine Adalrammus . . . (1010 C) uxorem ... cum filiolo ad martirem misit, neptem scilicet meam cum nepote...\% (1011A) Cuius talione saumatizattts ex- patre avus mens Amoldus . .. (1011 B) finde mens ex matre avus prenominatus scilicet comes Perahtoldus, vgl. 13 (1010 D) cum Pertoldo marchione (Thietmaii Clirorj. 2,14. 3,7). Mönch in St. Emmeram und Propst vgl. die Widmung an Abt Burchard (991 A) Arnoldus adprime sibi . .. suppositus, verumtamen rebus monasterii prepositus und De memoria (1052 B) de civitate] Hiatospolitana cuius nos incolae sumus 1 ) und (1060 B) qui et quot patres praefuerint huic sanctissimi patroni nostri coenobio. Zum Aufenthalt in Ungarn vgl. die Widmung 993 C Erat quaedam necessitas, pro qua in Pannoniam me diexerat mens abbas .. ■ apud Pogicam caribdin maximum cxperiebar periciüum .. . tum advehebar Pannoniae solo. Qua me Anastasius archicpiscopus .. . suscepit ... Is cum b. Emmerammi veterem illum et viciatum legeret Ubrum . .. seriem ... reprehendit. Apud quem sex hebdomadas manens, memoriae sanctissimi patroni antiphonas aliquantas cum responsoriis composui 2 ) •.. Has prefatus episcopus monachos et clericos suos fecit discere et in ecclesia ... publice celebrare ... deponens veterem illius cantu .. . Eis ita equidem qestis in Pannonia et legatione, pro qua directus eram peracta Noricum repetii und De memoria (1040 A) quia ante aliquos annos in Pannonia eonstitutus die quadam a tertia hora usque ad sextam diabolum vel draconem in aere suspcnsum vidi; die Beschreibung reicht bis 1040 D und besitzt ein kunst- historisches Interesse in den Worten (1040 C) Alas et crura vel pedes, quos pictores fingere söhnt, penitiis nee habuit nee habere risus est, quippe cui squammae et costae snfficiunt pro deambulatione. Zur Beschäftigung vgl. die Widmung (991 B) Igitur libris in divinis legendis et intelligendis, peccatis meis facientibus, admodum fui segnis et ... adhuc non sum in- ilemnis; die Aenderung 991 C D und 992 A Inde absterritus subduxi me, quibv.s eatenus ob glorioiam seculi adhesi, libris paganis et saniore consilio inplicabar divinis. Aufzählung der gelesenen Kirchenväter 992AB. Zur alten Vita Emmerammi daselbst Sed contrario admodum amaricabar in gestis . .. Emmerammi martiris, dudum a quodam. qui se Cirinum iü est heredem nominat, 3 ) Frisingensis ecclesiae episcopo, ut puto rede scriptis, ante nos autem maiorum neglegentia depravatis. Quae cum abbate id penitus fieri permittente . . . emendare vettern, consurgunt adversus me quorundam animi fratrum dicentium hand equum (i me dictis antiquitatis quid addi vel minui. Verbannung 992 D Cedens emulis ad tempus per abbatis imperium abripui me in Saxoniae exilium portans mecum in libello suo sanetum Emmerammum .. . lbi . . . Meginfrcdwn Parthenopolitanum magistrum paüculis benefieiis paravi mihi amicum . . . postnlavi ab eo quo pro pignore amicitiae novutn patrono nostro Ubrum minus pigritaret cudere .. . tandem victus voluntati meae . .. animum substravit ... Hac ut opino)' occasione tribus annis opus mihi carissimum remansit imperfectum, dum temporibus Heinrici augustissimi imperatoris esset coeptum. Der Hymnus Meginfrids (993 B) Begressus ergo ad monasterium e Saxonia ferebam mecum b. martiris ymnwn, quem mihi pro arrabone libri saltim vel versiculum proscenti prefatus magister metro composuit Saphico. Fertigstellung der Vita Emmerammi daselbst Demum Chouonrado imperante et nihilominus filio eins regnante Gebehardo autem seeundo Eatisbonensem ecclesiam regente in adventu vestro — Burchard wurde 1030 Abt in Regensburg, vgl. Annal. s. Emmerammi minores 1030, MG. SS. 1,94 — saepissime optatus atque diu expedatus venit libellus. Hieraus läßt sich die Zeit Arnolds berechnen. Während er an der Schrift De memoria schreibt, rechnet er sich zu den iuvenes, vgl. (1063 D) ut quocl olim puerulis curiositas de utilibus rebus collegerat, nunc iuvenilis verbositas simpliciter promaf. Er schrieb bald nach dem Antritt des Abtes Tdalrich, (1061A) Quo defuneto ... Providentia ... Udalricum prius in canonica vita phirigena probitate docoratum, nunc autem regulariter et monasticae huic congregationi praelatum ; üdalrich wurde 1037 Abt, vgl. AnnaL s. Emmer. min. 1037, MG. SS. 1,94. Damit stimmt die für 1037 in Deutschland bezeugte 4 ) Anwesenheit des Engilmar von Parenzo, die Arnold (1065 C) erwähnt testis est Engilmarus antistes, adhuc in hac vita manens. Hie quoque dum Batisbonae eonstitutus apud s. Emmerammum scripta meae parvitatis videret et legeret et 1 ) Das sind zwar Worte des Ammonicius, 3 ) Diesen Namen nennt aus dem Werke aber dieser ist doch nur eine und dieselbe außer dem Namen Aribo auch der Anon. Person mit Arnold. : Mellicensis 63 (ed. E. Ettlinger p. 77). 2 ) Vgl. Acta SS. Sept. 6,512. 4 ) Vgl. MG. Leg. IIB p. 170n. 312 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. probaret; vgl. hierzu Waitz, MG. SS. 4, 544. 570. Arnold wird also erst um 1000 geboren sein und hat danach sein Werk noch in jungen Jahren geschrieben. 1 ) Die Widmung an Burchard — 991 A Domno Burchardo . .. Arnoldus ädprime sibi utpote abbat/ exin ceteris merito suppositus — geschah erst einige Zeit nach der Fertigstellung von Meginfrids Arbeit, da sich Arnold eine Reihe von Jahren mit der Abfassung der Miracula trug, vgl. (1064 Bj quia iam ptr plures annos insidet animo meo quandoque mirabilia tua scribere. Vgl. zu dieser Erweiterung (994 D) quod antiquus operis huius scriptor Hbrum suum finit in eo quod volumini de miraculis b. martiris ... pro capitulo datum est guarto. Quae vero secuntur ... humili asscripsi stilo uno tantum ordine prepostero ob similitudinem rei interposito. Meginfrids Widmung an Arnold 971A Carissimo suo A[rnoldo] M[eginfridus\ salutein in Christo; Auftrag 971 ß Sed quia mihi dilectio tuapondus imposuit, quod b.martyris etpontificis JEmme- rammi desiderio libenter subivi. Miracula. Zu den angeführten Quellen 2 ) vgl. 1 (997B) curtem quae in pitaciis, e quibus haec excerpsimus, Pirchiniranch nuncupatur; 5 (1003 B) pitacia eorum (nämlich der bairischen Herzöge vor Karl dem Großen) et testamenta penes nos satis indicant inventa; aus der Zeit Arnulfs 5 (1004 A) Ibi enim (nämlich im bellum Marahense), ut legisse me memini, primo congressu ... viderunt acies imperatoris ab ignotis ... defensari viris etc., eine Erzählung, die auf den Ruhm des Heiligen hinausläuft und endet (1004 B) Haec non ficta sed esse veraciter facta et dicta, is qui vidit et pertulit, postea humiliatus confitetnr et prodit. Aus der Zeit Ottos I. (954?) erzählt er von einem Gastmahl, das Bischof Michael dem Kaiser (?) gab, wobei Otto 3 ) auf die Itaritas martiris anstoßen ließ und ein Anwesender nicht Bescheid tat, (1007 A) Sed ne forte alicui istud videatur incredibile, sciat quisque fidelis, id me nidlatenus fingere, sed a quodam tnro fideli atque sene Sigibaldo nomine, sicut scripsi, accepisse, qui ... testabatur huic se convivio interfuisse et nihilominus vera dixisse. Von der Pilgerreise des Mönches Adalbert von St. Emmeram sagt er (1007 B) re/atio ipsius hie inserta patefecit, worauf die eigne Erzählung Adalberts folgt. Auch die Geschichte von Sigibert scheint er schriftlich vorgefunden zu haben, vgl. (1007 D) Hüne aeeepi fantasticis adeo infestatum praestigiis. Die Erzählung über Adalram endet (1010 0) Inde mihi postea nuntius venu ... Adalrammum defunetum esse. Schließlich berichtet er aus der Zeit Michaels (1010 D) Quod . . . sub Michaele episcopo satis probatum seniores retulerunt nobis, qui me- morabantur illius temporis. Die Predigt gegen die Juden — vgl. damit die betreffenden Stücke aus Amarcius 4 ) — steht Kap. 15 col. 1013 f. Zu den Uebersetzungen von Ortsnamen vgl. (999 C) Verroniu-aida, quod sermo Latinus exprimit Longinqua pascua; (1006 C) quam Germana lingua Halfandorf vocitat, Romana vero Adiutorii vicum latinizat; in De memoria (1021 A) Wölfganqus cuius ipse Interpretationen vocabuli in quodam loco Tjupambiüus iussit inscribi und die interessanteste Stelle (1067 C) Enterhof id est veneni atrium et curtis, sed seeundum eos, qui altioris ingenii sunt et quaeque ingeniosius quaerunt, spes aetheris idest eoeli non inconvenienter dici potest, iuxta hoc quod Saxonicum idioma teutonizare solet. Saxones enim spem ut sperationen hums vocabuli nomine finitimo vocitare sueseunt. Dialogus de memoria b. Emmerammi. Das Werk bildet die Portsetzung des früheren, vgl. (1021A) Humanis rebus exempto, ut in calce libriprioris descripsimus, Michahelc Seginopolitano episcopo. Der eigentliche Dialog beginnt (1025 C) Dum haec scribo ... adest mihi frater Ammonitius h ) ...sie proloquens: Tjbi est dialogus quem devovistite scriptum» de miraculis b. Emmerammi et de regimine illius monasterii? . .. Paratus sum, inquam, sed hoc prius a lectore ... postulandum censeo, ne in opusculis meis quaerat artificiosam ver- borum compositionem. Quellen zum Leben Wolfgangs (1029 B) Horum unum didici narrante quodam sene fideli, cuius narratio talis fuit. Die Vision mit Otmar steht 1038 f. Die Erzählung über Roms Klöster 1051 A gibt Arnold ut audivi a quodam sene qui se dixit nutritwn fuisse in eadem civitate. Die eigne Heilung in der Jugend (1060 B) Uam cum puer essem et in loco requietionis b. viri perplures sanitati redditos audissem, febre nimium affectus ... tentavi me ibidem somno dare. Die Geschichte aus den Vitae patrum steht 1070f. Guntharius war noch am Leben, vgl. (1071 C) Est quidam ut aestimo adhuc in vita senex ') Daß er noch verhältnismäßig jung starb, rum die Rede, wie hier 1014 A Iudaei ditritia legt Waitz dar MG. SS. 4,544 und n.31. cordis lapidei 2 ) F. Blum berger (Archivf. Kundeösterr. Geschichtsquellen 10,364 und n. 2) weist die Benutzung der alten Vita Bonifatii nach. s ) Vom Kaiser heißt es hier (1006 C) Imperator ... saxonizans dicit (er sprach also sächsisch); vgl. damit De memoria (1067D) ■iuxta hoc quod Saxonicum idioma teutonizare solet. 4 ) Auch dort ist von der duritia ludaeo- 6 ) Zum Namen vgl. (1027 A) His dictis frater, cum quo dialogum coepi conserere, usus nomine suo, admonuit me in aurem äi- cens: Loquere caute et scribito cautius. Zum Namen Collecticius (vgl. 1051 D) nunc restat ut seeundum nomen tuum, o Collectiti, quae post hinc colligenda sint, diligenter subsrri- bantur. Wolfhere von Hildesheim. 313 religiosus; die Quelle der Erzählungen über ihn (1079 3) Hoc enim ... mirum, quod ipse auribus meis ab ore senis accepi atque ab eo quadam sacrae lectionis familiari collocutione vix extorsi. Bischof Ardericus als Quelle (1084C) ut relatu cognovi domini Arderici Vercellensis episcopi. Die Ermahnung des Ammonicius zum Schluß (1086 B) consilium do ut praesentis dialogi claudas librum, ne forte unius voluminis probabüem excedat modum. Das wunderbare Begebnis in der Bergeshöhle 10861, wo der wegen der Hunde in die Höhle gesandte Späher zwei Männer findet lapides cum tribulis ferreis horribiliter lapidantem, deren einer erklärt Quod autem vides non caro est sed Spiritus; diese Erzählung ist kulturhistorisch interessant, denn sie zeugt von der Verbindung heidnischen (das Verschwinden in Bergen) und christlichen (höllische Strafen) Aberglaubens. Der Schluß (1090 A) Et humilitati meae placet . . ■ cläudere librum, quia sol cum fine brems dieculae iam petit occasum. Das Buch ist stellenweise sehr unterhaltend und zeugt deutlich, welche Wichtigkeit die Vision in der geistlichen Sphäre jener Zeit besessen hat. Die Sprache Arnolds ist infolge der Reimprosa gekünstelt, im übrigen aber einfach und ungesucht. Von seltenen Worten merke ich an Mirac. 13 (1014 A) saumatizatus ;>) De memoria 1035 B scotomia ; 1036 A venipeta ; 1040 B pallor subvenetus; 1046 C despotos; 1055 A coicum (= %öiv.6r); 1055 C hgpatos; 1072 B ruchatica vel spiritali . :. militia. Ueberlieferung. Genannt wird Arnold allein vom Anon. Mellicensis 62 (ed. E. Ett- linger p. 76) Arnulfus presbgter et monachus monasterii s. Emmerammi dialogum scribit Collecticii et Admonicii de virtutibus sanctorum, qui eodem in loco in pace sepulti novissimam tiibam expectant ad resnrgendum. Aber sein Werk hat sich in der Originalhandschrift erhalten im Monac. 14870 s. XL Diese Hs. enthält f. 16 ein kurzes Gedicht Arnolds, dessen Akrostich lautet Emmerammus martir almus, während Mesostich und Telestich Sessio nostra i'ita eterna ergeben; linksseitig steht Hiatospolis vetera misit, rechtsseitig Parthenopolis vetera remisit. Daß Arnold der Verfasser ist, ergibt sieb aus Vs. 21 Si quis per nomen me queritat, ergo diocten 2 ) Arnoldum norit, relevanten cui siet Amen. Arnold sagt hier, daß das Werk (nämlich die Vita Emmerammi; der Heilige heißt hier Vs. 14 Heimrammus in der alten Namensform) aus sechzehn Kapiteln bestehe und nennt den Sachsen Menfrid als den Verfasser. Außerdem 14871 s. XIV f.46—52 und 14872 s. XV f.4—15. Ausgaben: Canisius, Lectiones antiquae 2, 1-170 (zweite Ausgabe 3, 1,86—160) = Migne 141, 971—1090; teilweise von Waitz, MG. SS. 4. 543—574. Außer Otloh in der Vita Wolfgangi scheint kein Autor des Mittelalters das Werk benutzt zu haben. — Vgl. F. Blumberger, Archiv f. Kunde Österreich. Geschichtsquellen 10, 363ff. und besonders die Einleitung von Waitz, MG. SS. 4, 543f. Wattenbach 2, 64f. — Außerdem gibt es von Arnold 3 ) noch eine Homilie über die acht Seligkeiten, die sich mit sehr kurzen, aber an Bibelworten reichen Erklärungen der Matthäusstelle begnügt und am Ende auf den hl. Emmeram und sein Wirken und seinen Tod mit wenigen Worten zu sprechen kommt, wobei der Littera Pgthagorica in bekannter Weise nach Isid. Et. 3, 1 gedacht wird. Ausgabe von Pez, Thesaur. aneedot. 4, 2,29 = Migne 141, 1089—1094. 41. Wolfhere von Hildesheim. Nach Bernwards Tode wurde Godehard, der Abt von Nieder-Altaich, dem auch Tegernsee und Hersfeld unterstellt wurden, Nachfolger im Bistum Hildesheim. Dem neuen Bischöfe scheint aber der Zustand der Schulen in Hildesheim nicht genügt zu haben, denn er schickte mehrere junge Kleriker zum Schulbesuch in andre Klöster. So den Sachsen Wolfhere nach Hersfeld, wo Albwin die Schule leitete und wo Otloh 4 ) und Ratmund Mitschüler Wolfheres waren. Von Hersfeld ging dann Wolfhere nach Nieder-Altaich. wo ßatmund 1027 zum Abt eingesetzt wurde. Später wurde Wolfhere Domherr in Hildesheim und schloß sich sehr eng an Godehard an, so da& ') Von Ducange nur hier belegt. 2 ) Sioixtjzng, praepositus. 3 ) Im ersten Schlußvers heißt es (Migne 141,1094) Arnolt abba logon traetat, quem dixerat oon. *) Vgl. Otloh, Lib. vision. 5 (MG. SS. 11, 378,25) Cum puer adliuc ad monasterium Herveldense . .. transmissus fuissem . .. Inde namque duo canonici a beatae memoriae Gote- hardo episcopo discendi gratia ad scolam, quere per idem tempus sub abbate Arnolfo . . . pollebat, missi sunt, quorum iunior Boto, alter vero Wolfharius dicebatur. 314 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. er mit dessen Persönlichkeit und Wesen ganz vertraut wurde. Außerdem hatte ihm Godehards alter Lehrer Rumold in Altaich viel aus dessen Leben erzählt, und als ihn daher Abt Ratmund, Godehards Neffe, wiederholt aufgefordert hatte, ein Werk über das Leben des Bischofs zu schreiben, zögerte er zwar, glaubte aber schließlich, diesen Wunsch erfüllen zu müssen. Zuerst machte er sich an Thangmars Leben Bernwards, das er kürzte und interpolierte und mit einem Anhang über Godehards Wahl und Anfänge versah. Da diese Arbeit dem Auftraggeber wohl nicht genügte, begann er dann nach 1035, aber noch vor des Bischofs Tode (1038), eine sehr ausführliche Arbeit, die stofflich wohl reich, aber stilistisch wegen ihres gewaltigen Wortschwalls schwer genießbar ist, und die er seinem Lehrer Albwin widmete, der 1034 Abt in Nienburg geworden war. Gleich ihre außerordentlich lange Vorrede ist ein Meisterstück im Schwulst; ich wüßte ihr in dieser Beziehung kein zeitgenössisches Vorwort an die Seite zu stellen. Sie beginnt mit einer geradezu beispiellos langen Periode mit meist philosophischem Inhalt, aber so gedrechselt, verschnürt und verschachtelt, daß man nur mit der größten Mühe folgen kann; eine bessere Nachahmung hatte Martianus Capella 1,3 f. nicht finden können. 1 ) Wolfhere spricht dann mit den üblichen Phrasen von seinem Nichtvermögen und von dem Auftrag, der ihm durch Ratmund geworden, sowie von der Kunde, die er habe einziehen können, und gebraucht in der Folge eine ganze Reihe dem Per- sius entlehnter Gedanken, wie er sich im Prolog überhaupt gern mit fremden Federn schmückt. 2 ) Es folgen dann außerordentliche Lobeserhebungen auf Albwin neben dem Geständnis, daß er sich gezwungen sehe, Ratmunds Wunsch zu erfüllen. An diese ungeheuerliche Vorrede hat Wolfhere dreißig Hexameter gehängt, die in recht überflüssiger Weise beteuern sollen, daß der Leser in seinem Werke nicht die Irrtümer des heidnischen Aberglaubens finden werde. Hierzu zählt er eine Menge antiker Mythen mit ganz kurzen Worten auf und hält sich dabei besonders an Statius, der hier den in Handschriften häufigen Namen Sursulus (=Surculus) empfängt (Vs. 12 Spingox et Edippi sit rethor Sursulus ipsi), den v. Winterfeld schon im Anecdotum Fulgentianum hergestellt hat; 3 ) es scheinen aber auch Notizen aus mythologischen Handbüchern benutzt zu sein, wie für Vs. 14 Hygins Fabel 59 oder eine Notiz des Remigius. Zuletzt sagt er, daß er von einem Bischof sprechen wolle, der alles Lobes würdig sei. Das Leben Godehards selbst erzählt in den ersten Abschnitten von der Jugend des Mannes und von den ausgezeichneten Anlagen des Knaben, seinem unermüdlichen Fleiß im Lesen und Schreiben, ganz nach der gewohnten Anlage dieser paränetischen Werke. Allerdings werden auch hier nur ganz wenig bestimmte Angaben gemacht. und es würde uns doch sehr interessieren, zu wissen, welches die vielen von ihm geschriebenen Bücher philosophischen Inhalts gewesen sind, von ') Verwendet wurde (MG. SS. 11,168,35) civ.8.282; Sallust p.169,27 Cat.3,2. Boethius trivatim .. . dimdgabantur'i&a.rii&n. 1,3 p. 2,16 wird benutzt p. 168,15 Consol. phil. 1,1 p. 4,1. triviatim dissultaret. p. 168, 37 ib. 1,1 p.4,2 (Peiper). SelteneAus- J ) MG. SS. 11,169, 4 Pers.l, 106; 10 Pers. drücke sind p. 168,19 DedaKce. p. 169,13 in 1,62; 19 Pers. 3.56. Horaz wird angeführt repraehensione lupiniores. p.169,34 Ep. 1,18, 71, Lucan p.168 52 Bell. 3 ) Philol. 57,509. Wolfhere von Hildesheim. 315 denen Wolfhere in Kap. 5 berichtet. Nur etwas Sicheres erfährt man aus Kap. i, nämlich daß Godehard in seiner Jugend die Vita Martini gelesen hat. Das sind überhaupt in dem großen Werke die einzigen literarischen Notizen, zu denen noch in Kap. 7 hinzukommt, daß Wolfhere beim Aufstand Heinrichs von Bayern (984) bemerkt, er würde hierüber ausführlich schreiben, wenn man nicht infolge des Eifers seiner Vorgänger in chronikalischen Werken- schon die Wahrheit darüber aufgezeichnet fände. 1 ) Hierzu bemerkt Pertz in seiner Ausgabe, daß sich die Worte auf Thietmars Chronik 4,1 ff. beziehen. Das ist wenig wahrscheinlich, da sich Wolfhere auf seine Vorgänger beruft, und ich glaube eher, daß man an das Original der Hildes- heimer Annalen zu denken hat, deren in unsern heutigen Hildesheim er Jahrbüchern vorliegender Auszug ja noch ziemlich eingehend über die Verhältnisse unterrichtet, 2 ) die sich auf Heinrich den Zänker beziehen. Je weniger wir also in der Biographie über literarische Dinge erfahren, um so ausführlicher wird Wolfhere bei der Weigerung Godehards, die Abtswürde anzunehmen, und bei deren Annahme wie bei der Uebertragung weiterer Abteien auf ihn; namentlich dürfte hier die ungemein lange Rede Godehards in Kap. 9, die dieser angeblich in Regensburg hielt, Wolfheres eigenes, fast mit der Vorrede zu vergleichendes Elaborat sein. Typisch für ähnliche Vorgänge ist dann die Vision, die der Übernahme des Bistums vorausgeht (Kap. 15), und Wolfhere kann sich nicht entbrechen, seine eigne langausgedehnte Erklärung dieser Vision in Kap. 17 anzubringen. Den Hauptteil des ganzen Werkes beansprucht indessen eine höchst ausführliche Darstellung des Gandersheimer Kirchenstreites. 3 ) die nur durch den Tod Heinrichs II. und die Wahl Konrads II. unterbrochen wird und natürlich, wie in Thangmars Leben Bernwards, die Angelegenheit gänzlich im Sinne des Hildesheimer Bistums behandelt; es werden hier sowohl die Personen, die auf den wegen des Streites abgehaltenen Versammlungen zugegen waren, mit großer Genauigkeit aufgeführt, als auch ihre Reden und Gegenreden ausführlich wiedergegeben. Nur wird man nach meinem Ermessen gut tun, sich nicht allzusehr an den Wortlaut dieser Reden zu halten, da bei dem mehr als redseligen Verfasser der Zweck unbedingt die Mittel heiligt. Dagegen kommt das eigentliche Wirken des Bischofs doch zu kurz, denn Wolfhere begnügt sich mit den letzten vier Abschnitten, um darin über die kirchliche Regierung Godehards, über seine kirchlichen Bauten, seine Abstinenz und Askese und über sein Meiden des Hofes zu sprechen. Da das Werk mitten in der Erzählung in Kap. 40 abbricht, ist eigentlich wenig Raum für das Lob der christlichen Tugenden des Bischofs übrig geblieben, und man könnte nach alledem wohl versucht sein, in der Arbeit eine Tendenzschrift gegen die Mainzer Erzbischöfe wegen der bischöflichen Rechte über Hildesheim zu sehen, zumal es Wolfhere nach einigen Jahrzehnten für angebracht hielt; das Leben Godehards noch einmal zu behandeln. ') Kap. 7 p.172 quae hie iam pleniter in- j auch H. Bresslau, Neues Archiv 2,561 f. xeriberetw, ni praecessorum n ostri studio in i 3 ) Nämlich Kap. 18—36; doch sind Kap. 19 cronicis veraciter haberetw. bis 25, nämlich die Darstellung des Streites ! ) Ann. Hildesheim. 984 ed. Waitz (Han- bis 1011, aus der Vita Benwardi c. 12—44 nover 1878) p. 24, vgl. zu974—978 p. 23. Vgl. genommen. 316 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Zeugnisse. Sachse Vita post. 1 p. 198, 26 nos Saxones vel certe Saxigenae. Zugehörigkeit Wolfheres zu Hildesheim Vita 16 (MG. SS. 11,179, 22) domnus noster Bernwardus s. Hildenesheimensis ecclesie 13 as praesul .. . ex hac vita migravit. . .. Sed divina dementia . .. nos dignata est consolari. Aufenthalt und Unterricht bei Albwin in Hersfeld vgl. Vita 14 p. 178, 31 Arnolfo quidem qui usque ad nostra tempora ibidem dominabatur Herveldensis und Prol. (p. 167. 41) Domno suo ac praeceptori diserto A. Zu Albwin Annal. Hildesh. 1034 (ed. Waitz p. 39) Eidem vero Brunoni in Nienburg Albwinus in philosophica arte e?nditissimus, Herfeldiae prepositus, qui fuit ibidem antea scolae magister famosissimus, successit und 1035 p. 39 Ubi etiam predicto domno Älbivino abbatiae dignitatem ... concessit; Prol..p. 168, 27 sine vestri magisterii aphistra rudis navigator insiliens. Zu Ratmund vgl. Ann. Altahenses 1027 (ed. Giesebrecht 1868) p. 19 Ratmundus abbas fit Ältahensis und Ann. Hildesh. 1026 p. 34 Cuius in locum Ratmundus est electus. Aufenthalt in Nieder-Altaich und Aufforderung durch Ratmund Prol. p. 168, 32 Me enim Altaha positum vester familiaris domnus Ratmundus eiusdem loci abbas . .. me tum .. . tractavit, quatenus ... antistitis nostri Godehardi vitam gestaque, quae iam tum plurima trivatim feliciter divulgabantur . .. stili officio memoriäe commendare studuerim sepius ... rogavit . . . ipse eo imperiosiori iussione animosius instabat... maxime cum eo loci deguerim, ubi sine . . . molestia huiusdem rei facillimam enodacionem ab eis sane, qui eum ab ipso nascencli exordio adusque praesulatus sui promotionem ut semper noverant ediscere potuerim und Vita post. Prol. (p. 197, 15) quod per adolescentiae meae tempora inter Herveldense et Altahense coenobium quasi Orosii more 1 ) discursitaverim. Domherr Vita post. 9 p. 202, 49 praeter nos, quos in canonico habitu illuc ingredi religio vetuit (vgl. Verg. Georg. 1, 270). Enger Anschluß an Godehard Vita 38 p. 195, 34 nobis tarnen qui ei utinam condigna ac debita servitii fidelitate contigue cohesimus. Zu Rumold vgl. Vita post. Prol. p. 197, 20 Maxime tarnen cum Altaha studii causa exularcm, cuiusdam veterani prea- byteri Rumoldi nomine, quem et tu melius noveras, familiaritate et colloquio saepius utebar et . .. eius veriloqua relatione ad hoc ipsum instituebar; qui certe ei ab infantia fideli mini- sterio semper adhaerebat eumque sacrae eruditionis litteras primus docebat; derselbe ist gemeint Vita Prol. p. 169, 7 maxime tarnen cuiusdam probäbilis personae presbyteri, qui ei ab infantia .. . contigue coherebat, relatione didiceram, humili caraxatione pro ingenioli mei sufficientia veraciter desciHpsisse. Die Ueberarheitung von Bernwards Leben mit Fortsetzung steht im Dresd. J 206; nur die Fortsetzung über Godehard ist gedruckt von Pertz, MG. SS. 11, 165—167. Zur Abfassungszeit der Vita Godehardi vgl. G. Hüffer, Geschichtschreiber d. deutschen Vorzeit Bd. 40 XI 2 (2. Aufl.). Zu den Hexametern am Schluß des Prologes vgl. 7 Non natis torvi memoratur cena Saturni Nee petra absorta, Coribantum vel mala furta, Europae nee amor nee natis sevus Agenor; Ermionam Cahtmi praeterimus parte sub omni, Reicitur gnarus scelerum sacer Amphioraus, Spingos et Edippi sit rethor Sursulus ipsi. Flumina Phetontis hie nee frondes Demiphontis.') Zur Vita Martini vgl. 4 p. 171, 32 Contigit ergo cum quadam die vitam s. Martini cum ceteris legeret, zu den Büchern 5 p. 172,15 Ergo in ipsa pueritia numerosam librorum tarn divini dogmatis quam et philosophicae dulcedinis congeriem coacervavit. Die Originalschrift Wolfheres ist erhalten im Vindob. hist. prof. 612 s. XI 3 ) und ist danach herausgegeben von Pertz, MG. SS. 11, 167—196. Da die Arbeit unvollendet blieb und der Gandersheimer Streit ihren größten Teil einnahm, hat Wolfhere nach zwei bis drei Jahrzehnten das Leben Godehards noch einmal behandelt und wieder dem damals wohl schon hochbetagten Lehrer Albwin gewidmet. Das an diesen gerichtete Vorwort ist bei weitem nicht so schwülstig wie das frühere, sondern beschäftigt sich viel mehr mit persönlichen Dingen. So erfahren wir hier von dem persönlichen Verhältnis Wolfheres zu Albwin und Godehards zu ßumold, und der Verfasser berichtet, warum und auf wessen Wunsch er sein Werk geschrieben habe. Aber er übergeht sonderbarerweise seine frühere Arbeit ganz, und wenn er diese auf Ratmunds Wunsch abgefaßt hat, so erzählt er hier, daß ihn der Hildesheimer Abt Adalbert (von St. Michael) zu der Arbeit aufgefordert habe. 4 ) Wolfhere schließt sein Vorwort mit einem Vers ') Vgl. hierzu Gennadius vir. ill. 39. 2 ) Zu erwähnen ist c. 5 p. 172,1 das Wort desentia = absentia. 3 ) Schriftprobe vgl. bei J. R. Dieterich, deutschen Mittelalters S. 30. ") Bei einem Vergleich p. 197, 35—40 ergibt sich Kenntnis der Jagd und der Jagdhunde. Das Wort inurbanum p. 197,31 geht Streitfragen d. Schrift- und Quellenkunde des | vielleicht auf Horat. A. P. 273 zurück. Wolfhere von Hildesheim. 317 aus Arator (Ep. ad Vigil. 30) und begründet die Berechtigung der Biographie in ihrem ersten Abschnitt mit den biblischen Worten Matth. 5, 15 und Tob. 12, 7. An den Bericht über die Abstammung Godehards schließt sich dann eine Darstellung vom Ursprung des Klosters Nieder-Altaich an, wobei eine Komputation nach den Bistumsgründungen des Bonifatius angestellt wird, dessen Lebensbeschreibung dabei benutzt wird. Darauf erwähnt Wolfhere den Söhne- und Bruderkrieg Ludwigs des Frommen und seines Geschlechts und berichtet, daß er die Länge dieses Krieges aus einer Chronik erfahren habe. 1 ) Im allgemeinen aber sind die ersten Abschnitte der Vorgeschichte Nieder-Altaichs gewidmet, und dann zeigt sich der Verfasser in der Geschichte des ottonischen Hauses ziemlich unterrichtet, 2 ) was in seiner ersten Bearbeitung sehr wenig hervortritt. So bleibt in diesen ersten Abschnitten für Godehard selbst nur wenig Raum, und wenn in Kap. 6 dessen Erwählung zum Abte erzählt wird, so geschieht das doch unter steter Wahrung der Geschichte des Kaiserhauses. Der folgende Abschnitt, in dem über Godehards Wahl zum Abt in Hersfeld berichtet wird, gibt dem Verfasser Gelegenheit, sich über die Zustände in diesem Kloster zu verbreiten. Dann aber setzt die Geschichte des Eremiten Günther ein, der im dritten Jahre seiner Konversion (1012) in den Böhmerwald ging und dort 37 Jahre lebte. 3 ) In Kap. 10 erfährt man dann vom Verzicht Godehards auf Hersfeld und Tegernsee und daß er sich nach Altaich zurückzog. Dann erst erzählt Wolfhere vom Tode Bernwards und von der Erhebung Godehards zum Bischof, sowie von dessen Vision, die auch schon in dem früheren Leben dargestellt wird. Mit Kap. 17 setzen die Ursachen des Ganders- heimer Streites ein, der aber zunächst durch den Bericht über Godehards Antritt des Bistums, über ein Wunder des Bischofs sowie über den Thronwechsel des Jahres 1024 unterbrochen wird, bis Wolfhere von Kap. 21 an seine weiteren Stadien ausführlich gibt. Daran schließt er den Tod Aribos und das Walten von dessen Nachfolger Bardo von Mainz und eilt zum Tode Godehards und zu dessen letzten Lebensumständen. Die letzten acht Abschnitte werden ganz von Wundern Godehards ausgefüllt und bei dieser Gelegenheit nennt Wolfhere den Hildesheimer Propst Folcward, von dem erzählt wird, daß er schließlich Bischof von Brandenburg wurde; 4 ) dies ist aber erst nachdem 1. September 1063 erfolgt, und da Folcward spätestens 1068 starb, so ergibt sich hieraus ungefähr die Zeit der Abfassung dieser zweiten Biographie. Aus dieser kurzen Inhaltsangabe ersieht man aber, daß Wolfhere in seiner früheren Arbeit mehr eine wirkliche Biographie Godehards geschrieben hatte, während die zweite einen ungleich größeren Raum des geschichtlichen Lebens der Zeit umfaßt. Es fehlt hier der Darstellung an der strengeren Disposition und sie beschränkt sich nicht auf ihren eigent-. ') 2 p. 198,46 permultos annos ut cronica j versationis anno in praedicto Boemico salin Ustantur permansit. \ heremum petiit, in qua ad 37 annos . . . vixit. 2 ) Auch hier wird über den Aufstand Heinrichs des Zänkers gesprochen und weiteres Eingehen daiauf abgewiesen mit den Worten c. 5 p. 200,6 quae modo melius silen- tur, quia in cronicis plenius continentur. s ) 9 p. 202,32 Tertio namque suae con- 4 ) 39 p. 217,45 Frater quoque noster non ignotae memoriae Wolcivardus presbiter eo tempore vicedomnus, postea noster praepositus, postremo felix Brandeburgensis ecclesiae epi- scopus. 318 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. liehen Vorwurf, sondern geht immer wieder auf neue Stoffgebiete ein. Gerade dies und noch mehr der Umstand, daß sie zuletzt in einen Bericht von Wundern ausartet, mußte sie aber bei der Mit- und Nachwelt besonders empfehlen, und so ist es gekommen, daß die ältere Biographie ganz durch sie verdrängt wurde, während ihr eigener Bericht von einer Menge von Geschichtswerken benutzt wurde und auf ihrem Grunde im Jahre 1131 die Kanonisation Godehards zu Rheims erfolgte. Man muß allerdings sagen, daß sie sich weit besser liest als die frühere, schon weil sie deren unerträglichen Schwulst nicht besitzt. Zeugnisse. Zur Zeit der Abfassung oder wenigstens Vollendung der Arbeit dient der Nachweis von H. Bresslau (Forsch, z. Brandenburg, u. Preufi. Gesch. 1, 392), daß Bischof Folcward nach dem 1. Sept. 1063 sein Amt antrat und wohl vor 1068 starb; da Günthers Aufenthalt im Böhmerwalde nach c. 9 p. 202, 32 von 1012—1049 währte, so ist der Beginn der Arbeit jedenfalls nach 1049 anzusetzen. Widmung Prol. p. 196,48 domino meo et meegistro Albwino . . . Wolfherius spiiitu et corpore moäicus .. . ihjstorlam de vita et instäutione beatae memoriae patrfs ac pastoris nostri Godehard! scriptiirus 1 ) inter spem et metiim anxius*-) diu multumque deliberando 3 ) dubitavi. Aufforderung p. 197,4 maximeque beati Adaelberti abbatis nostri iussis . .. obediens; alle übrigen Stellen s. oben. Erwähnt wird die Legenda Gothardi nur in Salzburg (St. Rupert) 1433, vgl. Neues Archiv 32, 690. Benutzt wurde sie vom Verfasser der Vita Guntheri, vom Verfasser des Chron. episcoporum Hildesheimensium (MG. SS. 7, 850 ff.), vom Annalista Saxo von 1005—1026 und in der Vita Meinwerci c. 177 und 199-201. üeberlieferung im Vindob. theol. 164 s.XII f. 51 und bist. eccl. 5 s. XIII f. 157, Claustroneoburg. 708 s. XIII. Monac. 22 240-45 s.XI und 18547" s. XI. Ausgabe von Pertz, MG. SS. 11, 196—218, wo p. 218—221 noch weitere Wunder gedruckt sind. Vgl. Watteii- bach 2, 24 ff. 42. Wipo. Wipo stammte wohl aus Burgund oder aus Schwaben und mag gegen das Ende des 10. Jahrhunderts geboren sein. Wo er seine Bildung erhalten hat, wissen wir nicht, doch steht fest, daß sie umfassend gewesen ist. Denn erstens ist er in der Bibel gut zu Hause und seine Kenntnisse in der alten Poesie wie Prosa sind nicht unbedeutend. Und zweitens erweist er durch sein Leben Konrads, daß er sich in der Geschichtschreibung der Vorzeit wohl umgesehen und von ihr nicht wenig gelernt hat; auch seine Neigung, Ereignisse der Gegenwart dichterisch zu behandeln und in Lehrgedichten wie auch in seiner Prosa eine Menge Sentenzen zu sammeln und zu verarbeiten, läßt einen Schluß auf seine Ausbildung zu. Außerdem ist der Umstand zu berücksichtigen, daß er als Presbyter in der Kapelle Konrads IL angestellt war und daß er also manche Kenntnisse auch in der Verwaltung haben mußte. Hierzu kommt die nahe Stellung, die er zur königlichen Familie einnahm, und es ist die Vermutung wohl nicht ganz abzuweisen, daß er sogar Lehrer des jungen Königs Heinrich gewesen ist, da er ihm eine Sammlung von Sentenzen widmete und sogar ein Gedicht pädagogischen Inhalts auf seine Tafel schrieb; freilich bliebe dabei bedenklich, daß er bei seinem Freimut dem späteren Kaiser gegenüber jede Anspielung auf jene Vertrauensstellung vermieden haben sollte. Von seinem eigentlichen Leben ist sonst nichts weiter bekannt, als daß er wegen • ') Vgl. Sallust. Jug. 5,1 Bellum scripturics sunt. ») Vgl. Verg. Aen. 1, 218. 3 ) Vgl. Cic. de inv. 1,1,1 Saepe et mnltniii. liaec mecum cogitavi. Wipo. 319 häufiger Kränklichkeit 1 ) nur selten in der königlichen Kapelle tätig sein konnte. Aus seinem Leben Konrads ergibt sich aber deutlich, daß er mehrfach bei wichtigen Ereignissen zugegen war, wie er der Wahl Konrads bei Kamba und seiner Krönung in Mainz und später öfters burgundischen Fürstenversammlungen beiwohnte. Dies Werk aber widmete er Kaiser Heinrich III. wohl erst 1048 oder 1049. Sein Todesjahr ist unbekannt. Die Proverbia sind wohl das früheste der erhaltenen Werke Wipos. Sie waren zur Belehrung für Konrads Sohn, der 1028 gekrönt wurde, bestimmt und ihm gewidmet und bestehen aus hundert Zeilen, die bis auf die vier letzten 2 ) von verschiedenem Umfange sind und deren Mitte sich mit dem Ende in zwei oder drei Silben reimt. Der Inhalt dieser Sprüche, die bezeichnenderweise mit JJecet regen discere legem, Äiidiat rex quod praecipit lex beginnen, ist durchaus moralisch. Sie geben allgemeine Lebenswahrheiten sowie religiöse und politische Vorschriften, von denen viele auf volkstümlicher Grundlage beruhen mögen, während die andern entweder mittelbar oder unmittelbar auf biblische Worte 3 ) zurückgehen; doch ist der Wortlaut zugunsten des Reimes oft wesentlich verändert. Manche dieser Sprüche berühren sich, wie Bresslau*) nachwies, mit Sprüchen Egberts von Lüttich und mit den Proverbien Otlohs. Übrigens bilden bis zu Vs. 96 je drei Verse eine gewisse gedankliche Einheit. Das Gedicht Gallinarius ist zeitlich nicht recht zu bestimmen. Jedenfalls gehört es nicht in den Anfang von Konrads Regierung, denn Wipo erzählt in den Gesta Chuonradi 6 bei Gelegenheit des Königsrittes, daß kein Würdigerer auf dem Throne Karls gesessen habe und daß daher das Sprichwort entstanden sei: Zum Throne Konrads führen die Stufen von Karls des. Großen Throne. Und dies Wort habe er 6 ) in der vierten Satire seines Gedichts Gallinarius so wiedergegeben: Chuonradus Caroli premit aseensoria regis. Danach hat dies Werk einen größeren Umfang gehabt, da es sich aus mehreren Satiren zusammensetzte. Ob man nun freilich an ein ähnliches Gedicht wie das des Amarcius zu denken hat, steht dahin; dafür könnte ja die lehrhafte Art der überlieferten Poesien Wipos sprechen, dagegen aber dürfte ins Gewicht fallen, daß die hier vorgetragene Spruchweisheit zu den lebensvollen Bildern in des Amarcius Satiren gar nicht stimmt. Mir scheint es eher glaublich, daß Wipo hier von dem Wort Satire einen sehr freien Gebrauch gemacht hat; die Überschrift Gallinarius weiß ich nicht zu erklären. 6 ) De nimietate frigoris. Als Konrad am 2. Februar 1033 in Burgund zum König erwählt und gekrönt worden war, zog er gegen den aufständischen Graf Udo zu Felde und dabei trat eine außerordentliche Kälte ein. Über die Wirkungen dieser Kälte verfertigte Wipo ein Gedicht, das ') Er weiß die Kunst der Aerzte zu schätzen, vgl.Vita Chuonr. 37 (ed. Bresslau p.43)m j d< eri, 2 ) Neues Archiv 35; 67 und 68 n. ',. 3 J Er wird hier nur Köi g gi nauut. Wipo. 323 die Unsterblichkeit der Seele nach Makrobius») zu sprechen und bemerkt, daß man in alten Zeiten große Männer durch Bildsäulen und durch Aufzeichnung ihrer Taten geehrt und sie somit unsterblich gemacht habe. Ohne Zweifel gebühre solche Ehrung auch den christlichen Fürsten, da diese auch dem Evangelium zugute komme. Darauf spricht sich Wipo über den Zweck seines Werkes aus und klärt den Leser über dessen Inhalt auf: die Taten Konrads werde er nach seiner eignen Erfahrung und nach dem Berichte anderer für die unkundige Nachwelt getreu abbilden, die Taten Heinrichs III. aber werde er, da dieser noch regiere, zu sammeln nicht aufhören. 2 ) Sterbe er aber vor Heinrich, so möge sich niemand schämen, sein Werk fortzusetzen und auf der von ihm errichteten Grundlage die Mauern aufzuführen. Und er werde das Werk mit der Wahl Konrads beginnen, da es vorteilhaft für den Leser sei, die geistlichen und weltlichen Großen kennen zu lernen, auf denen das Wohl des Reiches damals beruhte. Dieser Prolog läßt den Verfasser als einen Mann von gereiftem Verstände erkennen, der antike und christliche Bildung in sich vereinte und der durch seine Stellung im Leben der Gegenwart für diese einen empfänglichen Sinn besaß. In dem Briefe an Heinrich III. aber führt Wipo aus, daß er ihm das Leben des Vaters widme, und er habe im Sinne, sowohl die Taten des Vaters wie des Sohnes darzustellen; der Vater habe in den Staat, nämlich in das römische Reich, einen heilsamen Einschnitt gemacht, der Sohn aber diesen Einschnitt mit Vernunft geheilt. Wenn er nicht alles berichte, so sei es nicht seine Schuld, sondern das treffe seine Berichterstatter, da er bei seiner häufigen Kränklichkeit nicht sehr oft in der Kapelle Konrads habe anwesend sein können. 3 ) Die Taten Heinrichs nach dem Tode des Vaters werde er gesondert darstellen. Und wenn man ihm vorwerfe, sein Werk sei überflüssig, da schon andre vor ihm über diesen Stoff geschrieben hätten, so antworte er. obwohl er keine Schrift eingesehen habe, damit, daß Christi Worte in dem Evangelium nicht durch einen, sondern durch vier Zeugen berichtet würden. Er widme aber dem Kaiser die Taten seines Vaters, damit dieser, bevor er zu ruhmreichen Handlungen schreite, die Tugenden des Vaters wie aus einem Spiegel leuchten sehen könne. — Wenn nun Wipo also die Benutzung schriftlicher Quellen ableugnet, so verstehe ich das so, daß ihm keine Lebensbeschreibung Konrads vorlag. Dann finden sich auch im Leben Konrads allerhand Verschweigungen und Veränderungen zugunsten der königlichen Familie, der offenbaren Lüge möchte man einen Mann wie Wipo kaum zeihen. Es ist nämlich sicher und bewiesen, daß Wipo für das chronologische Gerippe seiner Darstellung eine in Reichenau verfaßte Weltchronik benutzt hat, die die Geschichte Konrads II. kurz darstellte, ja daß gerade infolge dieser Quelle das Leben Konrads streng chronologisch 4 ) geraten ist. Hiermit verband er nun die ') J. May hatte Neues Archiv 4,413f. i über die Gegenüberstellung dieser Worte vgl. hier auch Benutzung Cieeios behauptet, doch , R. Koehler, Neues Archiv 35,213 ff. werden seine Aufstellungen von H. ßress- j 3 ) Daraus geht hervor, daß Wipo dort lau (Neues Archiv 5,195) zugunsten von Ma- hauptsächlich seine Kunde einzog, krobius (In somn. Scipionis) zurückgewiesen. 4 ) Das annalistische Schema deckte E. -) Ueber die Disposition des Prologs und Steindorff (Forsch, z. deutsch. Gesch. 6,481 21* 324- Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Geschichte Konrads, wie sie sich unter seinen eignen Augen vollzogen, 1 ) oder wie er sie von andrer Seite in Erfahrung gebracht 2 ) hatte. Er begann mit der sehr ausführlichen Darstellung von der Wahl des Königs, wobei er wie bei der Krönung jedenfalls zugegen war. Freilich die berühmte Ansprache des älteren an den jüngeren Konrad ist nach meiner Überzeugung kaum zu halten: die Geschichtschreiber hatten sich seit dem 10. Jahrhundert daran gewöhnt, in Anlehnung an Sallust, der ja auch für Wipo ein Hauptvorbild ist, 8 ) längere Reden, die der Situation einigermaßen angemessen sind, zu erdichten und der Darstellung zum Schmucke einzuverleiben; daß dies hier geschehen ist, ergibt sich aus dem großen Reichtum der Rede an Sentenzen, 4 ) wie ja Wipo das Sentenzenhafte über alles liebt. Diese schönen Worte sind die ureigne Arbeit de_s Geistlichen, der damit seiner Darstellung und den Geschehnissen überhaupt ein moralisches Gepräge verleihen wollte. Ebenso dürfte die kurze Predigt des Mainzer Erzbischofs vor der Krönung in Kap. 3 wohl eher eine Stilübung Wipos sein, denn sie macht sich als solche durch die Menge von eingefügten Sprüchen in Reimprosa kenntlich. Ohne Zweifel besaß aber Wipo das Rüstzeug für die Geschichtschreibung, er kennt und schätzt die Vergangenheit, wie sich aus dem Prolog (s. oben) und aus der Erwähnung Karls des Großen (c. 3 p. 16) ergibt. Er kennt außerdem die Zustände in der Zeit Heinrichs IL (vgl. 4 p. 18, 31 ff.) und ist in wichtige Dinge eingeweiht (c. 7 p.22, 17—21) und übt die nötige Selbstkritik (c. 39 p. 45, 36f.). Und bei aller Vorsicht gegenüber der königlichen Familie 5 ) läßt er es doch keineswegs an Freimut gegenüber dem Herrscher fehlen, wie wir oben sahen, und er geht darin so weit, daß er dem Kaiser sogar einen politischen Ratschlag erteilt. 6 ) Auch will er nicht alles wissen, sondern bekennt seine Unkenntnis; 7 ) mit einer gewissen Eitelkeit führt er sich freilich selbst gern an 8 ) und verweist mit Genugtuung auf seine Erzählung späterer Ereignisse. 8 ) Weniger hat Wipo in der Charakteristik bedeutender Zeitgenossen geleistet; 10 ) hier genügte ihm die Aufzählung christlicher Tugenden in Verbindung mit Phrasen, die aus sallustischer Ausdrucksweise stammen. Besonders zu rühmen aber ist seine Sprache. Sie klingt zwar einerseits stark an die Bibel an und ist andrerseits deutlich genug an Sallusts Ausdruck angelehnt, also immerhin unselbständig in manchen Bestandteilen. Aber ich finde doch keinen Zeitgenossen, der ein vergleichsweise so reines und gut stilisiertes Latein schreibt, 11 ) dessen Syntax so wenig Fehler aufweist und Zeichen der Zeit besitzt und dessen Wortschatz so rein lateinisch —487) auf, der zuerst an Benutzung der Ann Sangall. mai. glaubte (daselbst 6,480— 493), dann aber eine mit jenen Annalen gleiche Quelle annahm (daselbst 7, 561—572). ') Vgl. c. 1 p. 10, 10 (ed. Bresslau); c. 3 p. 10,16 f. 2 ) Vgl. c. 35 p. 42,6; c. 39 p. 45,26, wo Bischof Heinrich von Lausanne als Gewährsmann genannt wird. 3 ) Vgl. die Noten in der Ausgabe von B r p s r 11 n 4 ) Vgl. c. 2 p. 12,32—13,4.13,17 f. 34—38. 14,3-9. 14,15. Vgl. sonstp.4,21 ff. c. 1 p. 10, 24—29; c. 5 p. 19,30 ff. Spruchhaftes in Reim- prosa c. 5 p. 20,18—31. 5 ) c. 4 p. 19,19 f.; c. 8 p. 23,20 f. 6 ) Tetralogus 208—217. ') c. 2 p. 15,23. c. 35 p. 41,13. 8 ) c. 4 p. 19,3ff.; c. 6 p. 21,33 ff.; c. 30 p. 37,12 ff.; c. 33 p. 40,1 ff.; c. 39 p. 46,1 ff. 9 ) c. 1 p. 10, 11 ff.; c. 2 p. 15,29f. 35. c.9 p. 24,18 ff. c.29p. 36,15 ff. ,0 ) Vgl. c. 2 p. 15,31 ff. c. 18 p. 28,31 ff. ") Vgl. besonders c. 2 p. 12,18—27. Wipo. 325 gehalten ist. 1 ) Eine besondere Vorliebe hat Wipo für Sprichwörter 2 ) und Sprüche 3 ) und, wie schon erwähnt, für Sentenzen,' und manche Partien seines Werkes zeigen starke Reimprosa. Zu nicht bestimmbarer Zeit verfaßte Wipo die Sequentia paschalis, ein schönes Ostergedicht, in dem zuerst zum Lob Christi aufgefordert, dann in aller Kürze vom Erlösungstode gesprochen wird. Auf die Frage an Maria, was sie auf dem Wege gesehen, verkündet sie das Osterwunder; mit dem Glauben an-die Gewißheit desselben schließt die Sequenz, deren Verse stark gereimt sind. Vielleicht gehören dem Wipo aber auch noch zwei andre rhythmische Gedichte. Das eine bezieht sich auf die Krönung Konrads IL, stammt also wohl aus dem Jahre 1027. Es ist eine Sequenz von künstlicher Gliederung, die sechzehn Strophen enthält, von denen sechs wiederkehren. Im Eingange wird die Hoheit der göttlichen Majestät gepriesen, zu deren Lob menschliche Stimmen nicht ausreichten und die das römische Reich vor den Feinden schütze. Diesen Schutz hat nun nach der göttlichen Vorsehung Konrad übernommen, dessen Abstammung, Taten und Prüfungen gerühmt werden. Nach Heinrichs IL Tode wurde er König und ist nun zur Freude der Welt Kaiser geworden. Darüber freue sich Rom, und alle Fürsten und Untertanen mögen ihm das Heil Christi wünschen. Mit einem Lobe auf die Trinität schließt das Gedicht. Das zweite Gedicht bezieht sich auf Heinrich III. Königskrönung im Jahre 1028. Der Dichter beginnt mit einer Bitte an Gott, den neuen König zu schützen, erzählt von der Krönung und fordert die Provinzen des Reiches auf, Konrad und Heinrich zu preisen. Dann wird dem Kaiser und dem neuen König Heil zugerufen und die Heerscharen des Himmels werden gebeten, das Fürstenpaar in seinem kirchlichen und christlichen Tun zu unterstützen. Das Gedicht besteht aus dreizehn Strophen zu je drei Langzeilen, die schwankende Zeilen darstellen und in je zwei einsilbig reimende Halbzeilen von sehr unregelmäßigem Rhythmus zerfallen. 4 ) Überblickt man die Tätigkeit Wipos als Schriftstellers im allgemeinen, so tritt namentlich der Umstand hervor, daß sie ganz der Hervorhebung der Personen Konrads und Heinrichs gewidmet ist, ihre Taten in Prosa und Poesie erzählt und ihre Verdienste hervorkehrt. Man muß daher an ein sehr enges Verhältnis Wipos zum Herrscherhause denken, und dieses konnte kaum einen tüchtigeren und begabteren Lobredner finden. Das Leben Konrads ist allerdings nicht frei von Fehlern, 6 ) aber die Auffassung ist doch alles Lobes wert, und wenn man bedenkt, wie außerordentlich selten in jenen Jahrhunderten fürstliche Biographien sind, so hat man nach dem frischen und lebendigen Bilde, das Wipo vom Kaiser gibt, allen Grund, ihm für seine Arbeit dankbar zu sein. ') Zu nennen ist c. 13 p.26,17 fano und I 3 ) c. 3, p.17. 13 p. 26,31 iamba. Ein seltenes Wort {sub- \ 4 ) Ueber den Bau vgl. W. Meyer, Müncli. ten-are) steht 28 p. 35,32. Erwähnenswert ist SB. 1882 S. 61 und besonders S. 105. die Kenntnis der Trojanersage c. 2 p. 12,14, 6 ) Vgl. die Chronologie der Slavenpolitik und daß die Franzosen c. 1 p. 10,5-Franci ] des Kaisers von 1033—1036 aus Kap. 33, die Latini genannt werden. von Waitz, Forsch.z.deutsch. Gesch.7,398— 2 ) Vgl. c. 2 p. 11, 20 ff. c. 28 p. 35,35 f. c. 34 401 kritisiert wird, p.40,30 f. Tetral.207. 326 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Zeugnisse. Daß Wipo aus Burgund oder dem angrenzenden Schwaben stammte, ergibt sich aus dem historischen Exkurs über das Land Vita c. 1 p. 9, 32—10, 11, wo er p. 10 erwähnt, daß er mehreren Fürstenversammlungen und Synoden des Landes beigewohnt habe- ferner daraus, daß er c. 39 p. 45, 26 f. Bischof Heiniich von Lausanne als seinen Gewährsmann angibt, 1 ) und endlich weil er im Tel-ralogus 203 ff. Heinrich 111. auffordert, in Burgund die deutsche Herrschaft fester zu begründen. Auch fällt ins Gewicht, daß Wipo eine schwäbische Quelle — nach Holtzmann (Neues Archiv 35, 103 f.) stammte sie aus Reichenau — benutzt hat. Die biblischen Zitate — sie häufen sich in dem angeblichen Weihesermon des Mainzers c. 3 p. 16 f. — und die vielfache Benutzung antiker Autoren hat Bresslau in seiner Aus- gäbe angemerkt. Presbyter nennt er sich im Brief an Heiniich p. 3, 4 Wipo dei gratiapres- bi/ter; Kaplan daselbst p. 3, 19 non potui in capella senioris mei Ghuonradi frequenter ad- esse. Zur Anwesenheit in Kamba c. 1 p. 10, 28 fit publicus conventus, gliedern me vidisse antea non memini*) und iu Burgund c. 1 p. 10, 8 Burgundiam ... ubi ... tarn pacis quam belli consViis, conciliis et eonventibus, quibus interdum ipse interfui;peregit. Zur Zeit der Ueber- reichung dienen die Urkunden, nach denen (K. F. Stumpf-Brentano, Die Reichskanzler Bd. 2, 193) Heinrich III. erst im Mai 1047 nach Deutschland zurückkehrte; und gleich darauf wird die Ueberreichung wohl nicht stattgefunden haben, vgl. ed. Bresslau p. VII. Proverbia. Aufschrift (ed. Bresslau p. 52) Proverbia Wiponis edita cid Heinricum Chuonradi imperatoris filium. 3 ) Daß es hundert Verse sein sollen, ergibt der einleitende Vers Incipit inventum referens proverbia centüm. Hss.: Monac. 14733 s. XII f. 77k— 7ö; 19411 p. 99—101 s. XIII; 14781 f. 180 s. XII; Einsidl. 248 s. XI p. 465; Trevir. 210 s. XIII; Prag. 82 f. 145b s. XII — XIII u. a. (vgl. ed. Bresslau p. Xf.). Ausgaben von Pez, Thes. aneedot. nov. 6, 2, 58 und in den Ausgaben der Opera Wiponis von Pertz und Bresslau. Gallinarius. Kap. 6 p. 21, 32 TJnde extatproverbium Sella Chuonradi habet ascensoria Caröli. De hoc proverbio quidam de nostris in libello quem Gallinariuni vöcavit, satira qxiarta protulit hunc versum: Chuonradus Caroli premit ascensoria regis; vielleicht gehört der folgende Vers Talibus indieiis nomen seu gloria reyis noch hinzu, da er mit dem vorhergehenden gereimt ist und talibus die Verbindung herstellt. De nimietate frigoris. Kap. 30 p. 37,11 De qua nimietate frigoris quidam denostris*) centenos versus fecit, quos imperatori praesentavit; es folgen dann die Einzelheiton. Der am Ende stehende Vers 1 Ix haec causa fuit, qiiod Caesar bella reliquit gehört wohl zu diesem Gedicht. Breviarium. Wipo erzählt c. 33 p. 39,39 Multum enim laborarit Chuonradus Imperator prius et tum in gente Sclavorum, unde quidam de nostris quoddam breviarium ver- sifice feeit, quod postea imperatori praesentavit. Ibi legitur qualiter imperatpr interdum in paludibus usque femora stabat usw.; die Geschichte mit Titus Idcirco in eisdem vei'sibm Caesar ultor fidei vocatur et Romanis prineipibus Tito et Yespasiano comparatur, qui in vltionem domini triginta ludaeos pro iino nummo commutaverant, cum Iudaei Christum pro totidem denariis vendiderint. Nach Wipos Worten stand jedenfalls auch in diesem Epos über den Slavenkrieg Konrad im Mittelpunkte der Darstellung. Tetralogus. Aus dem Prolog (p. 56) Jleinrico tertio Wipo famulorum minimus suoriim, quod ros Hermon excelso monti Sion b ) ... et sicut stellio qui nititur morari in aedibus regis, 6 ) sie ego . . . clriritatis tuae gaudia in scriptis meis desidero frequentare. Et qnoniam testante Salomone "•) gloria est regis investigare sermonem, feci tibi ... hunc brevem Tetralogum, quo et Ciiras insotnnes e ) rei publicae interdum levigare et animum ad ea quae tibipersuasa sunt possis exci/are. Es folgt dann die Erklärung des Titels Tetralogus mit Angaben über die vier Interlocutoren. Der Dichter bittet die Musen Vs. 10 Vos dietate mihi, dietatwn scripsero vestri. Die Stelle über die alten Dichter lautet Vs. 52 Ex nostris donis manifestant verba Moronis, Quid pius Aeneas, quid Turnus posset in armis. Fistula Musarum Ftacco dic- taverat odas, a ) Üt Maecenatem fecisset laude perennem. Haec eadem doeuit Lucanum dicere bella Caesaris et magni, quae durant ultima saecli. Ex nostris monitis callebal Statins auetor Thebanos miseris iiwenes discernere fiammis. Nasonis Studium totus recitarcrat orbis, Ex nostris curis ornavit scripta figuris; wir finden also hier auch bei Wipo einen Dichterkatalog ') Et sicut percepiinus referente episcopo Heinrico Lausanensi cum cetcris Burgundio- nibus. 2 ) In Mainz c. 3 p. 16,10 tantas laudes deum aeeepisse ab hominibus una die in uno loco nondum comperiebam. 3 ) Da das Wort rex hier fehlt, so ist die Ansicht von Portz nicht ohne weiteres abzuweisen, daß Heinrich noch nicht gekröntwar. 4 ) Mit diesen Worten führt Wipo stets sich selber ein. 5) Nach Psal. 132,3. G ) Nach Prov. 30,28. ') Nach Prov. 25,2. 8 ) Vgl. Claudian in Rufin. 1,38 Insomnes . . . curae (od.Koch p. 12). 9 ) Es ist nicht sicher, ob das Wort hier im eigentlichen Sinne zu nehmen ist, denn in Vs. 2 bedeutet es Gedicht im allgemeinen und man kann daher an Horat. Sat. 1,1,1 und Ep. 1, 1,1 denken. Wipo. 327 und zwar mit näheren Angaben über die Werke. Die sechs Tugenden des Königs Vs. 132 Mens humüis, pietatis anior, pax missa per orbem, Nobilitas et forma decens, fiducia belli, II, is vocp praecipuas et regis hpnoribns aptas. Der Rat an den König Vers 185 Cum deus crnnipotens übt 'tolum fregerit orbem . .. (190) Tunc fac cdirtum per terram Teutonicorum, Quilibei iil dives sibi naios Instnia't ömnes Liiteriüis, legemgue suam persuadeat Ulis, Ut cum principibus placitandi venerit usus, Quisque suis libris exemplum prüfend Ulis. .. . Hoc ser- rmil Itaii post prima crepundia cuncti, Et sudare scolis mandatur Iota iuventus. Solls Teü- tonici> vacuum M tuiye videtur, Vi doceant äliquem nisi clericüs accipiatur. Der politische Ratschlag Vs; 20:! Praeterea tibi, rcx niandat Bnrgundia, siirge Atque veni, propera; noviter subiecla vacillant Tnterdum domino per tempora multa renmto. — Die Versus ad mensam regvi, wofür es keine Randschrift mein- gibt, sind durchweg gereimte Distichen. Auch der Tetratogus entbehrt jetzt der hs. Grundlage, Ausgabe von liresslau p. 56. Gesta Chuomadi. Der Geist, aus dem das Werk 1 ) resultierte, wird im Prolog bezeichnet (p. 4) Praeterea videtur höh Heere de vicioriis cäfholicdrum prineipum tacere et ii/rannornm infidelium triümphos largis voeibus püblicare. Satis inconsultum est, Superbum Tarquinium, Tullum et Anciim, pdtrem Aeneani, feroeem Rutulum et huiusmodi quoslibet et scribere et legere, nostros autem Carolas atque tres Olloncs, imperatorem Heinricum seeundum, Clmonradum imperatorem . . . et euin/em Heinricum regem . . . omninp neglegere. Makrobius wird von Wipo genannt p. 5 ut refert Macrobius Socratem dixisse. Die Ehrung großer Männer im Altertum p. G, 1 ff.. Grund dazu p. 6. 9 Acta vero reipublicae mori simul cum eius rectoi'ibüs arbitrafi sunt, nisi quod aeeidit notareiur. Zum Werke p 6, 33 Qua re atque spe addttetits scribere volui ad communem utilitatem legentium, quod audientibus esset iueundum und p 7,5 pra'ecipu,e i/uoruni acta regum complectar, scilicet Chuonrddi impera/oris atque flu eins regis Heinrici tertii, quem Heinricum lineam iustitiae cuncti pene prudentiores cog- nominant. Patris vero gesta, quae meis temporibus aeeiderant, prout ipse vidi aut relaiu aliorum didici, calamis pingentibus ignaris successoribus effigiaho. Acta autem clarissimi filii, qüöniam . . . superstes regnat, quamdiu vixero congregare non desinam. Quodsi hoc aeeiderit, ut sind ante regem haue ritam mihi contigit introire, sie mihi aeeidat exire, et . . . opus meinii iiiiperfectum deseram, obsecro post me scribentem, ne pudeat illum meis funda- nienlis parictes suos suj)erpouere. Im Briefe an Heinrich 111. heißt es (p. 3, 12) Mihi ... is anhmis est . . . utrinsque acta referre, quae aeeiderunt me supersiite, ita inier vos distinguendo, ut allerum rem publicum utpote Romanum imperium ineidisse, alterum eamdem raiionabiliter sandvisse reraciter dicam. Darauf bezeichnet er seine Stellung zu dem Stoff Quodsi hinc plus vel minus v.ii aliler quam se integritas verum habet, scribo rel dixero, non erit culpa scribentis sed narrantis, worauf dio schon erwähnte Stelle von seinem häufigen Kranksein kommt. Darauf Et qnoniam sunt quaedam, quae rivente patre landabiliter egisti, eadem inier acta patris ponenda censueram, quae vero post obitum illius gloriose feceras, per se ordinanda decrevi. Si vero aliqui ... obiciunt . .. mihi hoc opus supervaeuum esse, cum et alii de eadem re scripserikt, licet inde nondum aliquid scriptum vidissem respondebo . . . verba Christi in evangelio non per nnum solum sed per quatuor testes . . . dilatari. Tibi, summe imperator,. hoc opus decoveo . . . ut quotiens ipse res clarissimas agere mediteris, prius paternas virtutes reiiil in speculo imagineris. Die Benutzung einer schriftlichen Quelle ist sichergestellt; J. R. Dieterich hatte das Verhältnis umgekehrt und Wipos Niederschrift für die Vorlage der Ann. Sangall. mai. angenommen (Streitfragen der Schrift- u. Quellenkunde des deutschen Mittelalters S. 116—170) Diese Ansicht ist aber als durchaus falsch widerlegt von R. Holtz- mann, Neues Archiv 85, 64—101. Reimprosa z. B. im Briefe an Heinrich p. 4, in der Weiherede des Erzbischofs von Mainz p. 17, dann c. 5 p. 20. Außerdem ist hervorzuheben, daß Wipo besonders gern einzelne Hexameter und Distichen anführt, und mancher dieser Verse mag aus seinen, eignen Gedichten stammen. Die Gesta Chuomadi sind in der späteren Zeit sein- wenig bekannt gewesen, sie werden angeführt in einem 1126 geschriebenen Briefe des Bischofs Arnold von Speier. an den Papst Honorius IL, bei Otto von Freising und in der Continuatio annal. Zwetlensium aus Melk. 2 ) Einzige Hs.im badischen Archiv zu Karlsruhe aus s. XVI (schon von Pistorius benutzt, der aber auch die vom Melker Fortsetzer der Annalen. ') Zur späteren Ueberarbeitung vor der selbst S. 101 zum annalistischen Schema. üebeireichung an Heinrich vgl. J. May, Forschungen z. deutschen Gesch. 18, 619—624. Zur Königswahl in Kap. 1 vgl. P. Hasse in Mitteil. a. d. Stadtarchiv von Köln Bd. 5 Heft 13 S. 83—87. Zur Berichterstattung vgl. J.Hart- tung, Forsch, z. deutsch. Gesch. 18,612—618. Ueber Irrtümer in der Darstellung vgl. R. Holtzmann, Neues Archiv 35,84—88, da- H. Br esslau meint, daß die Darstellung des Zweikampfes in der von Schönbach (Wiener SB. 145 N.VI S.48f.)_ abgedruckten Geschichte auf den von Wipo erzählten Zweikampf zwischen einem Wenden und einem Sachsen (c. 33) zurückgehen kann. (Neues Archiv 28,536 N. 188). 328 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. von Zwettl verwendete Hs. kannte, vgl. ed. Bresslau p. IX). Ausgabe von Pertz, MG. SS 11, 243—275, von Bresslau, Hannover 1878. Vgl. Wattenbach 2, 14ff. Die Sequentia paschalis steht im Binsidl. 366 s. XII. Ausgaben von A. Schubigei Die Sängerschule von St. Gallen S. 93 und von H. Bresslau p. 51; vgl. Schubiger tab. VIII. ed. Blume und Bannister, Anal. Hymnica 54, 12 ff. Die Gedichte auf die Kaiserkrönung Konrads und die Königskrönung Heinrichs stehen im Cantabr. Gg 35 s. XI. Im ersten 6°, 2 passus plures mundi labores, Propinqnonim cmisas et amicorum wird auf die schweren Zeiten der Regierung des Herrschers angespielt. Im zweiten wird Erzbischof Piligrim zweimal (2, 3 und 9, 1) genannt, der Heinrich gekrönt hatte. was vielleicht auf ein näheres Verhältnis des Dichters zu dem Kirchenfürsten schließen läßt. Ausgabe der Gedichte von Jaffe\ Ztschr. f. deutsch. Altertum 14,461 ff., danach Bresslau p. 78—81 (des ersten von W. Arndt, Die Wahl Konrads II. S. 46—52): ed. K. Breul. The Cambridge songs (Cambr. 1915) S. 3,11 ff. 51 ff. — Vgl. Wattenbach 2, 11 —16. 43. Libellus de rebus Treverensibus. Wohl noch vor der Mitte des 11. Jahrhunderts entstand in Trier ein kleines Geschichtswerk, das zwar über mancherlei Verhältnisse in den Trierer Nonnenklöstern Pfalzel und Oeren Auskunft gibt, aber kaum von einer Nonne verfaßt sein dürfte. Denn der Verfasser verrät eine ziemlich große Literatur- kenntnis und ist doch weit herumgekommen, wie er denn in Mainz und in Reims Quellen für seine Schrift gesammelt zu haben scheint. So beruft er sich Kap. 4 auf eine Mainzer Urkunde und dort hat er auch wohl das Leben von Bonifaz kennen gelernt, das er Kap. 3 allerdings als von Lul verfaßt hält. Außerdem kennt er Flodoards Reimser Kirchengeschichte, aus der er viel abschreibt, und HincmarsVita Remigii, vielleicht auch die Vita Rigoberti archiepiscopi; diese Quellen aber weisen nach" Reims. Dazu stand ihm für die frühere Zeit noch reichliches hagiographisches Material zu Gebote, nämlich Gregors von Tours de vitra patrum und de miraculis s. Martini, die Vita Arnulfi, Amandi, Glodesindis, Willebrordi; und hierzu kommen die Gesta Dagoberti sowie Reginos Chronik. Dem gewöhnlichen Gebrauche entgegen führt der Verfasser diese Quellen, die er teils wörtlich abschreibt, teils im Auszuge benutzt, häufig mit Namen an. Manches in der kleinen Schrift erinnert auch an die Gesta Treverorum, doch ist wohl mit Waitz 1 ) anzunehmen, daß der Libellus vom Verfasser der Gesta Verwendet worden ist. Der Verfasser hat übrigens nicht alle Nachrichten in seinen Quellen richtig verstanden und zuweilen bietet er unbedingt Falsches. Die Schrift beginnt mit Pippin, dem Vater Karl Martells, und kommt dann auf Bonifaz, auf seine Wirksamkeit und seine kirchlichen Gründungen, wobei ein Privileg, das dieser von Papst Zacharias erhalten 'hat, wörtlich angeführt wird. Doch im Vordergrund für diese frühe Zeit steht das Verhältnis Triers zum Erzbistum Reims, weshalb hier auch Reimser Quellen besonders benutzt werden. Nachdem der Verfasser in Kap. 8 im Anschluß an Alchvines Vita Willibrordi über Karl Martell gesprochen, geht er erst von Kap. 11 an auf Trierer Verhältnisse eigentlich ein und erzählt Kap. 12 ff. die Gründung des Klosters Oeren nach der Vita s. Amandi. Kap. 15 besteht aus einem größeren Stück der Vita Gertrudis (2,2) über die Äbtissin Modesta und im nächsten Abschnitt wird das Testament der Adela, der Tochter Dagoberts I. und Begründerin und ersten Äbtissin von Pfalzel, wörtlich abgeschrieben. Die kurzen Nachrichten über Adela werden durch solche über ') MG. SS. 14,98. / Libellus de rebus Treverensibus. — Gesta Cnutonis regis. 329 die folgenden Äbtissinnen fortgesetzt, 1 ) deren letzte Rothildis zur Zeit OttosIII. ist; auch, hier scheint dem Bericht eine Urkunde zugrunde zu liegen, die chronologisch nicht haltbar ist. Und geradezu falsch ist, was der Verfasser Kap. 4 über Wormser Verhältnisse erzählt. Doch hat er echte Urkunden de^Ottonen für das Erzbistum und für Pfalzel vor sich gehabt und benutzt. So wird Wahres mit Falschem 2 ) gemischt und aus allerhand Werken der Vorzeit mühsam eine Geschichte von Trierer Klöstern zusammengestellt, die sich allerdings von den Fabeleien noch frei hält, die die Gesta Treve- rorum über Ursprung von Stadt und Bistum bringen. Zeugnisse. Da die Erzählung nicht über das Jahr 1000 hinausgeht und an der betreifenden Stelle schon einige Zeit seit diesem Jahre vergangen zu sein scheint, so dürften als Abfassungszeit wohl die Jahre 1040 — 1050 richtig sein, vgl. c. 14 MG. SS. 14,105, 2. Zur Mainzer Urkunde vgl. c. 4 p. 101,9 quod in archivo eiusdem aecclesiae hodie servatur y quod et hie subscribere non piguü (= Bonifatii epist. ed. J äff(5 N. 81); zu einer zweiten vgl. c. 14 scribi iussit cartam quam Wülegisus Moguntinus archiepiscopus . . . recognovit. In qua carta hec inter cetera scripta sunt (= Mainzer Urkundenbueh 1,332 n. 279, vielleicht unecht). Zur Vita Bonifatii vgl. c. 3 p. 100, 27 His diebus ut scribit Lullus Moguntinus archiepiscopus in libro gestoruni saneti Bonefacii. Zu dem vielleicht gleichfalls unechten Testament Adelas s. Goerz, Mainzer Regesten 1,47. — Die Sprache des Werkchens ist einfach und der Ton sachlich gehalten, allerdings spricht der Verfasser selbst sehr wenig, namentlich in den älteren Zeiten, wo die Quellen fast aneinandergereiht werden. — Ueberliefeit ist die • Schrift im Trevir. 167 s. XII f. 195, wo sie den Gesta Treverorum rec. B vorausgeht. Ausgaben von F. X. Kraus, Jahrbücher des Vereins für Altertumsfreunde im Rheinlande 42. 125 und vonWaitz, MG. SS. 14, 99—106. — Vgl. Wattenbach 2,121. 44. Gesta Cnutonis regis. Ein Mönch von St. Omer und St. Bertin, der vielleicht englischer Abkunft war, hat um das Jahr 1041 die Taten des Dänenkönigs Knud dargestellt. Er widmete sein Werk der Königin Emma, die er in seinem Werke öfters rühmend preist, weshalb die Schrift auch den Titel Encominum Emmae reginae erhalten hat. Er erzählt 2, 20, daß er den König Knud in seinem Kloster gesehen habe, als dieser dem Kloster Geschenke darbrachte. Für ihn und die Königin Emma, deren Knecht er sich nennt und der er in ihrer Verbannung treu anhing, schrieb er sein Werk. Freilich verschweigt er gänzlich, daß Emma, die Tochter Herzog Richards von der Normandie, in erster Ehe mit Ethelred II. vermählt war und diesem zwei Söhne Alfred und Eduard schenkte. Die Widmung beginnt mit den üblichen Phrasen von Bescheidenheit und Ergebenheit und berichtet, daß Emma dem Verfasser das Werk aufgetragen habe. Er fühle sich allerdings einer solchen Aufgabe nicht gewachsen, denn der Geschichtschreiber dürfe nicht die geringste Unwahrheit in seine Erzählung mischen, sonst halte der Leser den Bericht für ungeschehen. Nach längerer ernster Auseinandersetzung über die Pflichten des Geschichtschreibers kommt er dann zu dem Ergebnis, da& er sich entweder dem Urteile der Menschen aussetzen müsste, oder dem Auftrag, den er enthalten, nicht nachkommen dürfe. Mit diesen letzten Worten deutet er aber augenscheinlich an, daß er manches aus dem Leben Emmas wie Knuds überhaupt verschwiegen hat. Der Widmung folgt ein ') Im Epitaph der Warendrudis Vs. 2 (MG. zu vergleichen. SS. 14,106,20) sind die Worte animam sed j 2 ) Vgl. Waitz a. a. O. p.99. varaäysus habet mit Fortunati C. 4, 17, 12 330 Geschichte der lateinischen Literatur, des Mittelalters. Zweiter Teil. Argumentum, worin er sich deshalb verteidigt, daß er in dem Werke, das dem Lob und Preis der Emma geweiht sei, anfänglich über die Ruhmestaten des Königs Sven berichte, und er führt zu seiner Rechtfertigung die Aeneis Vefgils an, die in allen Stücken ein Lobgesang auf Oktavian sei. obwohl sein Name kaum darin vorkomme. Das Lob der Königin werde aber als Hauptsache sein ganzes Werk durchziehen. Hierauf werden ganz kurz die Ereignisse im dänischen Königshause von Sven bis Ilardiknud berührt. Dann setzt das erste Buch mit den Taten des Königs Sven ein. Der Verfasser erzählt von Sven und von seinem Plane. England zu erobern, den er erst seinem Sohne Knud auseinandersetzt, um darauf den Seezug zu beginnen. Hier verweilt der Verfasser mit sichtlichem Behagen bei der Schilderung der Schiffe, wobei die auf ihrem Vorderteile angebrachten Tiergestalten 1 ) sein besonderes Interesse erregen und die Ausdrücke Vergils für das Seewesen öfter angewendet werden. Das erste Buch schließt mit SvensTodeund das zweite beginnt die Geschichte König Knuds, der denEin- fall des Vaters in England wiederholt, aber mit seinem Bruder Harold in Zwist gerät. Der Krieg wird lebendig dargestellt, wenn auch, wie überhaupt in dem ganzen Werke, die Schilderung gar zu sehr in antikem, besonders an Sallust gemahnendem Gepräge gegeben wird. Ausführlich verweilt dann- der Verfasser hei der Verheiratung Emmas mit Knud und bei ihrer Hochzeit, und das Lob der Königin wird dick aufgetragen. Zum Ruhme Knuds verwendet der Verfasser übrigens die Verse Anth. lat. 256, wobei er sich freilich ihres heidnischen Ursprungs bewußt ist. Nachdem er seine persönliche Berührung mit dem König im Kloster erzählt hat, wendet er sich am Schluß des zweiten Buches zum Tode Knuds und erzählt dann im dritten Buch die Geschichte Harolds, dessen Verrat gegenüber Emmas Söhnen ausführlich dargestellt wird. Man erfährt hier von der Ermordung Alfreds und von der Flucht Emmas nach Flandern. Im letzten Kapitel des Buches wie des ganzen Werkes verbreitet sich der Verfasser über den Tod Hardi- knuds und über die Nachfolge Eduards, der am Schlüsse mit dem höchsten Lobe bedacht wird. — Die Darstellung ist von nicht geringem Werte, wenn sie gleich der Bedeutung eines so großen Fürsten, wie Knud gewesen ist, nicht gerecht wird; es fehlt die Beleuchtung des Mannes von mehreren Seiten aus. Dazu kommt, daß trotz mehrfachen Eingehens auf volkstümliche Verhältnisse das Werk einen zu antik gehaltenen Charakter aufweist. Der Verfasser hat sowohl die römische Geschichtschreibung in ihrem rhetorischen Wesen mit Glück belauscht und außerdem Vergils Ausdruck häufig nachgebildet; dadurch wird der mittelalterliche Eindruck stark beeinträchtigt und die nordischen Heldengestalten erhalten ein zu fremdes Aussehen. Zeugnisse. Die Zugehörigkeit des Verfassers zu den beiden Klöstern nach 3,20 MG. SS. 19) p. 521,4 Haec et alia his magnificcntioi-a a domno Cmitone gesta vidi ego, vester veniula, sancte Audomare, sancte Bertine, cum fierent vestris in eoenobiis. Daß er vielleicht Engländer war, ergibt die Uebersetzung angelsächsischer Ortsnamen wie 2, 8 p. 517,15 in Scepei, quod dictum est latine insula ovium und 2, 9 p. 517, 28 in Aesceneduno loco, quod nos Latini montem fraxinorum possumus interpretari.' 1 ) Das Datum der Abfassung geht M Vgl. hierzu auch 2,4 (MG. SS. 19,514). I Hardocnuto nomen patris referens cum addi- 2 ) Hierher gehört auch die lateinische Ver- i tamento. Cuhts si ethomoiogia theutonice per- sion des Namens Hardiknud 2,18 p. 520,15 quiratur . . . Harde quidem velox vel fortis. Andreas von Fleury. 331 ungefähr daraus hervor, daß die Widmung an die Königin Emma geschah und die Erzählung mit dein Regierungsantritt Eduard des Bekenners schließt. Den Titel Encomium Emmae reginae gab der erste Herausgebre Duchesne, Histor. Normann. SS. p. 161. Augenzeuge von Knuds Taten 2, 20 p. 520, 43 quid in una urbe saricli Audomari fecerit, dicam pro exemplo, quod etiam oculis meis nie vidisse recordor. Von Sven kennt er den Bericht von Augenzeugen 1, 1 p. 512, 8 Regem Danorum Sveinum, inquam, veridica comperi relatione omnium sui teniporis regum ferme fortunatissimum extitisse. In der Widmung heißt es p. 511,1 Er/o servus tum nöbilitati iuae dir/na factis meis exhibere nequeo ... 5 Qua ex re mihi etiam ut preeipis memoriam verum gestariim rerum inquam tuo tuorumque honori attinentium lüteris meis posteritati mandare gestio ... 12 Res enim veritati, veritas quoque ftdem facit rei ... 19 unum horum quae proponam eligendum esse autunto, scilicet auf variis iudieiis hominum subiacere, aut de his, quae mihi a te. dpmna regina, preeepta sunt, preeipientem negligendo conticescere. Das Argument beginnt Fortasse, o lector, ambiges meque scriptorem er'roris au/ inscitiae redargues, cur in htiius libelli capite actus laudesque Sveini ... regis promulgarerim, cum in suprascripta epis/oJa ipsum codicellum laudi huius dominae me spoponderim facturum ... 32 Aencida conscriplam a Virgilio quis poieril inßtarü ubique laudibus respondere Octaviani, cum pene nihil auf plane purum eins mentio videatur nominatim interseri? ... 41 Simili igitur continuatione laus reginae claret in primis, in mediis viget, in ultimis invenitur. Zur Verwendung Vergils vgl. 1. 4 p. 513, 28 vallatus armaio milite Aen.2, 20; 513,29 iurritas ascenduntpuppes Aen.8, 693; p.513,43 spumare cerula Aen.8, 672; außerdem 2, 4 p. 515, 30 curvi litoris Aen. 3, 16; 3, 4 p. 522, 6 aut saltus canibus ad venan- (lum cinxit Aen. 4, 121; 5 p. 522, 51 vinetisque post tergum manibus Aen.2, 57; 8 p. 524, 13 iibi eis copia data est mutuo loquendi Aen. 1, 520; 3, 11 p. 525, 2 Cu/us rei fama ut populäres impulit aures, mox euneta . . . luctu compleri cerneres Georg. 4, 359 f. Andere Anlehnungen an antike Autoren 2, 7 p. 516, 36 et maximum, ut est populosissima, Solin. 52,11; 1, 4 p. 513, 51 fusis fugatisque hostibus Sali. lug. 58, 3; 3, 10 p 524. 43 qualisque letilia .. . mala tibi umquam explicabit pagina x ) Sulp. Sev. Vita Mart. 26, 2. Der Stil der Erzählung ist einerseits dem der antiken Historiographie sehr angepaßt, andrerseits ist er durch die gh'fie Vorliehe des Verfassers zur Reimprosa bedingt. Der Wortschatz bringt nur selten ungewöhnliches wie 1, 4 p. 513. 45 (2,1 p. 514, 25. 2, 5 p. 516, 2) die Bezeichnung patrienses. Die Stelle Anth. lat. 256 "wird eingeleitet 2,19 p. 520, 31 ut de co illud Maronicum dici posset, nisi extra catholicam ßdem hoc fuisset. Uoberlieferung. Eine Hs. des Werkes befand sich s.XVin Canterbury (St. Augustin) nach dem Katalog bei M. R. James, The anc. libr. of Canterb. and Dover S. 294 N. 907 Gesta Cnutonis; diese ist heute der von Portz nicht benutzte Brit. Mus. Add. 33241 s. XI. Aber auch die von Pertz zugrunde gelegte Hs., nämlich Berol. Hamilt. 183 s. XI, 2 ) stammt aus diesem Kloster, so daß vielleicht eine dieser beiden Hss. Abschrift der andern ist. Sonst sind zu nennen Brit. Mus. Cott. Claud. D. II f. 10 und Harlei. 746 f. 84, sowie der unvollständige und teilweise nur ein Exzerpt bietende Paris. 6235 s. XV f. 7—14. Ausgaben von Duchesne, Hist. Norm. SS. p. 161—178; Langebek, SS. rer. Danicarum 2, 472—502; Migne 141, 1373—1398; Pertz, MG. SS. 19, 509—525 (mit Handausgabe Hannover 1865). 45. Andreas von Fleury. Andreas stammte aus wohlhabender Familie, sein Vater Stephan unterstützte während einer Hungersnot eine große Anzahl Bedürftige. Er erhielt als Knabe auf dem väterlichen Gute Unterricht und trat dann in das Kloster Fleury ein, wo er mit dem späteren Abte Hugo zur Zeit Gauzlins seine höhere Ausbildung erhielt. Im 11. Jahre nach Gauzlins Tode setzte er diesem von ihm hochverehrten Abte ein würdiges Denkmal, indem er sein Leben ausführlich darstellte, und im gleichen Jahre (1041) begann er die Fortsetzung der von Adrevald und Aimoin begonnenen Miracula Benedicti. Und zwar besteht zwischen diesen gleichzeitig begonnenen Werken des Andreas insofern ein Zusammenhang, als mehrere Kapitel der Biographie fast gleichlautend in den Wundern wiederkehren. ') Der Reimprosa zuliebe ist hier oratio I 2 ) Mit der Aufschrift Gesta Cnutonis M. statt pagina geschrieben. 332 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, 1. Vita Gauzlini. Gauzlin, Abt von Fleury und Erzbischof von Bourges, war nach dem Tode Abbos, des bedeutenden Gelehrten und Schriftstellers, Abt in der großen Stiftung des hl. Benedikt geworden. Er hat den Ruhm des Schriftstellers nicht gesucht, seine Bedeutung liegt auf einer anderen Seite. Aber natürlich hatte der König Robert zu ihm, als dem Leiter eines der wichtigsten Klöster, das Zutrauen, sich in literarischen Dingen an ihn wenden zu können. So hatte um 1022 Graf Wilhelm von Aquitanien an den König von einem Blutregen an der Küste seines Gebietes berichtet. Darauf verlangte Robert von Gauzlin Auskunft darüber, wo über dergleichen von alten.Geschichtschreibern berichtet werde und welche Ereignisse auf solche Vorzeichen gefolgt seien. Des Abtes Antwort ist erhalten und zwar sonderbarerweise in zwei Fassungen. In der einen, die sich mit Roberts Schreiben in Gauzlins Leben von Andreas (2, 66) findet, gibt er eine dem Wesen der Zeit entsprechende mystisch-allegorische Deutung. In der andern, die sich in den Briefen Fulberts von Chartres aber auch ohne diese erhalten hat, geht Gauzlin auf den ersten Wunsch des Königs ein und bringt dann unter der Einführung Valerius liufus in libro Memorabilium capitulo quarto de prodigüs haec refert ein größeres Stück aus Valerius Maximus 1 ) und mit der Bezeichnung Item historia Langobardorum libro III capitulo VI zwei Stücke aus Paulus' Langobardengeschichte. 2 ) Gauzlin stand dem Kloster vor, als sich eine ziemliche Anzahl literarisch hervorragender Mönche in Fleury befanden, worüber Andreas in seinem Leben 1,2 berichtet. Erstarb im März 1030 und elf Jahre später schrieb Andreas seine Biographie. Dieser bemerkt gegen Schluß des Werkes (2,72), er beabsichtige, falls er Zeit dazu finde, die näheren Umstände der Absetzung Arnalds — er war Gauzlins Nachfolger, wurde aber schon nach zwei Jahren seiner Würde entsetzt und verbannt — in einer eignen Schrift darzustellen. Ob er dazu kam, wissen wir nicht, da sich die Schrift anscheinend nicht erhielt. Das Leben Gauzlins selbst ist in zwei Bücher geteilt, deren erstes bis zum Beginn des Jahres 1023 reicht, während das zweite mit dem Brand des Klosters 1026 beginnt und mit Gauzlins Tode endet. Andreas fängt die Geschichte Gauzlins mit dessen Herkunft an 3 ) und geht dann zur Erwähnung der literarischen Größen des Klosters im Beginn des 11. Jahrhunderts über, wobei er besonders der literarischen Tätigkeit Aimoins gedenkt und außer mehrfachen hagiographischen Arbeiten über Benedikt Isenbards Puerorum speculum erwähnt, das über die berühmten Zeitgenossen Gauzlins berichtete, und Hisimberts Summum memoriale kurz berührt. 4 ) Die nächsten Abschnitte berichten über Zuwendungen Gauzlins an das Kloster und die Mönche sowie über die Restitution ehemaliger Klostergüter, wobei in Kap. 8 eine an ein Wunder streifende Geschichte eingelegt wird. Andreas fährt dann mit den Schicksalen des Klosters fort und bringt eine Reihe Papstbriefe an König Robert und westfränkische Prälaten im Wortlaut jedenfalls aus dem Archiv des Klosters, das er auch für andere Stellen seines Werkes benutzt x ) Nämlichl,6,5ed.Ha]mp.26,17—27,4. Archiv3,351) utgue vulgäriproverbiofungar: 2 ) Nämlich 4,15 p. 151 (Waitz) und 2,4 i figmentl testa figulum conprobat. p. 86 f. bis confugia bestiarwn. *) Beide Schriften sind verloren gegangen. 3 ) Hier bringt er ein Sprichwort (Neues | Andreas von Fleury. 333 hat. Nach Gauzlins Romreise wird dessen Erhebung zum Erzbischof berührt. Weitere Abschnitte (25—27) stimmen wörtlich mit Andreas' Miracula ßenedicti 1,5 f. (der ganzen Reihe 4,5 f.) überein 1 ) und es werden hier nur Wunder und Visionen erzählt. Dann werden allerhand Geschenke 2 ) des Abtes an das Kloster und Baulichkeiten erwähnt, die Gauzlin errichten ließ. Später ist vom Verkehr des Klosters mit der Fremde die Rede; so erzählt Andreas von spanischen Klerikern, die in Fleury eintraten, ferner von Geschenken aus Ramsey, darunter einem Benediktionsbuch mit den Versen Abbos 0 Iiamesiga cohors. Die letzten Kapitel des ersten Buches berichten mit gleichen Worten wie Mirac. Benedicti 3 (6), 20 von der in Orleans ausgebrochenen Ketzerei und enthalten am Schluß Gauzlins Glaubensbekenntnis. Das zweite Buch beginnt mit dem großen Brand des Klosters und dem Wiederaufbau, der dem Andreas Gelegenheit gibt, zum Vergleiche der Situation zwei Vergilstellen aus Aen. 1,423 ff. und 4,402 ff. anzuführen. 3 ) An diese Erzählung knüpft Andreas einige von Gauzlin verrichtete Wunder an und bringt mehrere ausführliche Kircheninschriften in Versen, die Gauzlin für die Neubauten« anfertigen ließ. Sie waren für Bilder bestimmt, auf denen apokalyptische Ereignisse dargestellt waren, und erinnern in ihrem Ton und Wortlaut öfters an Aldhelms Gedichte. Weitere Inschriften in Kap. 58 beziehen sich auf Taten Christi und auf Szenen aus der Apostelgeschichte. Im Zusammenhang hiermit verzeichnet Andreas einige andere Inschriften, die Gauzlins Nachfolger Arnald im Refektorium des Klosters zur Erklärung für Szenen aus äsopischen Fabeln hatte anbringen lassen; sie gliedern sich in sieben epanaleptische und sechs gewöhnliche Distichen, unter denen sich ein hexametrisches Distichon findet; außerdem notiert er drei Distichen von einem Bilde, das die Majestät Gottes darstellte. In den nächsten Abschnitten berichtet er von den kunstreichen Werken des langobardischen Malers Nivardus und des Erzgießers Rodulf, der den Ort der Chorsänger mit bildgeschmückten Tafeln von spanischem Kupfer umgab und prächtige Sitze für die Oberen im Kloster mit Rückenlehnen aus Buchenholz, rotem Marmor und Erz ausstattete; er erwähnt hierbei, daß Gauzlin sich deshalb besonders gerühmt habe, weiß aber vielleicht nicht, daß jene Worte 4 ) aus Sueton Aug. 28 genommen sind. In der Folge bringt Andreas den oben berührten Briefwechsel König Roberts mit Gauzlin, dessen Antwort er aus der Geschichte der Zeit zu erläutern sucht. Nach Erwähnung einiger Anordnungen des Abtes für das Kloster wird der Tod Gauzlins erzählt und darin episodisch von den widrigen Geschicken seines Nachfolgers Arnald berichtet. Hieran schließt sich die Bestattung zu Fleury und eine Grabrede in sieben Distichen und das vom Mönch Odo angefertigte Epitaph in zwölf Hexametern. Diese Lebensbeschreibung ist nach dem kurz bezeichneten Inhalt ein ') Hier begegnet27S. 362 ä&sWortfenisece, ' mens corde dolorem aus Aen. 1,209 genommen, das bei Columella 2,18,4.5 steht. | In c. 48 p. 372 erscheinen die beiden ersten 2 ) Darunter das Gedicht Hrabans über das Kreuz (36 S. 365) Poema Babani exaratum in laude s. crucis auro argentoque eleganter adomavit; vielleicht Vat. reg. 124. Schon vorher ist c. 47 p. 371 altum pre- j moream. Strophen des ambrosianischen Hymnus Deus creator omnium. 4 ) 62 S. 379 serio solitum dixisse fertur. Vrbem latericiam repperi, relinquam mar- 334 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, Zweiter Teil. tüchtiges Werk und erhebt sich weit über die meisten ähnlichen Arbeiten. Denn der Verfasser verfügt hier über einen reichen Stoff und der Leser erfährt dadurch auch wirklich etwas vom Walten des Abtes in seinem Kloster. Freilich ist der Stoff nicht gerade geschickt disponiert, auch ist das persönliche Wesen Gauzlins nicht scharf herausgearbeitet worden, indem es dem Andreas mehr auf eine innere und äußere Geschichte Fleurys zu Gauzlins Zeit ankam. Diese aber ist mit großer Sachkenntnis und mit eingehender Hingabe an den Stoff verfaßt und gehört zu den besten historiographischen Arbeiten der Zeit. 2. Miracula sancti Benedicti. Andreas setzte seit dem Jahre 1041 die früheren Arbeiten Adrevalds und Aimoins über die Wunder des hl. Benedikt zu Fleury fort und teilte seinen Stoff zunächst in drei Bücher, so daß sein erstes Buch als viertes der Gesamtreihe einsetzt, wie sich aus dessen Unterschrift ergibt. 1 ) Aber mit dem zweiten Buch, dem fünften der Gesamtreihe, gibt er diese Einteilung auf, denn er nennt es am Schluß das zweite Buch. 2 ) Er widmete dies Werk im 12. Jahre König Heinrichs I. dem Abt Hugo von Fleury, der damals im 7. Jahre seiner Würde stand. In der Widmung berichtet er, daß Aimoin nach dem 4. Kapitel seines zweiten Buches mit seiner Arbeit aufgehört habe, um auf allgemeinen Wunsch die Geschichte der Abte von Fleury zu schreiben. So habe er sich nun elf Jahre nach Gauzlins Tode dieser Arbeit gewidmet. Während es nun im Leben Gauzlins galt, gemäß den zu Gebote stehenden Quellen die Geschichte des Abtes und Klosters fortschreitend zu erzählen, eröffnete sich hier für den Verfasser ein ganz anderes Feld. Dies Buch war der Erbauung gewidmet, und daher konnte Andreas hier seiner Rede freien Lauf lassen. Wir finden daher in den „Wundern" zumeist eine breite, behagliche Erzählung mit nur verhältnismäßig seltenen Quellenangaben, aber mit häufigen Abschweifungen in die Geschichte und die Kulturgeschichte Frankreichs. Die Disposition innerhalb der einzelnen Bücher geschieht fast nur nach den Territorien des Klosters, in denen sich die einzelnen Wunder zutrugen. So werden die Wunder Benedikts in weitem Umkreise vom Kloster erzählt und zwar ohne daß der Verfasser Kritik an ihnen oder ihrer Überlieferung übt. Aber Andreas begnügt sich damit nicht, denn er bringt auch nicht wenig geschichtliche Angaben über das Kloster und auch allgemeiner Art, wie er in einem längeren Abschnitt 6, 14—7, 3 (p. 240—252) Stücke aus der französischen Königsgeschichte erzählt, weshalb er allerdings vorher um Entschuldigung bittet. 3 ) Gemäß dem Charakter seiner Arbeit hält er es nur selten für nötig, genauere Datierung zu geben, wie 5, 1 p. 192 oder wie bei Erwähnung der Ketzerei der Trinitätsleugner 6, 20 p. 246, wo der Bericht völlig übereinstimmend mit Vita Gauzlini 1, 44 4 ) erscheint und auch der paraphrasierte Vers aus Sedul. P. C. 2, 68 wiederkehrt. Einmal (6, 21p. 248) wird neben dem Inkarnationsjahr auch die spanische Ära dem Datum zugrunde ge- ') Explicit über IV ineipit quintus. ! forum aliquuntulum eoeptae oralionis eva- '-) 5,16 ed. Oertain p. 216 Nunc cum mi- \ gaverit sermo. raculHerminnclaumlamßtjintusUbrosecundo. I 4 ) Neues Archiv 3,369 f. Der Sedulvcis 3 ) 6,15p. 240 Verumtamen oramus ne alt- ' lautet beiderseits cum nee similis rinn sit cui subrepat stomachatio, si per seriem tem- nee habere sequentem. Andreas von Fleury. 335 legt und dort gibt ihm die Erwähnung der Schlacht bei Bar (1037) Gelegenheit zu echt französischer Ruhmredigkeit. 1 ) Nach Art der früheren Annalen berichtet Andreas auch gern über Himmelserscheinungen, wie er 6,11 p.234 ausführlich über Heuschreckenschwärme und Witterungsunbilden und im Zusammenhang damit über Hungersnöte und deren Folgen erzählt; genaueste Datierung erfährt die Mondfinsternis des Jahres 1044. Nur selten bezieht er sich auf noch lebende Personen und zwar erst in einem vierten Buche, das er erst nach 1044 seinen ersten drei Büchern hinzugesetzt haben kann, da er im 3. Kapitel vom Tode der Königin Mahildis (3. Dez. 1044) schreibt. Dies letzte Buch versah er mit besonderer Einleitung und in ihm spricht er Kap. 9 f. von sich selbst. Zu diesem Buche hat man nach 1056 Zusätze gemacht, die dem Andreas nicht angehören, da sie in der aus Fleury stammenden Handschrift von anderer Schrift geschrieben sind und mit den Miracula nichts zu tun haben; es sind die Kapitel 14—17. Selbstverständlich ist Andreas mit der Geschichte Fleurys und seines Heiligen völlig vertraut. Er bezieht sich an einer Stelle (6, 7 p. 227) auf Adrevalds Erzählung und dreimal erwähnt er Aimoins Geschichte der Äbte von Fleury (5,6 p. 202. 6,13 p. 237. 7,13 p. 270); dies ist literarisch nicht ohne Wert, da Aimoins Werk bis auf Abbos Leben verloren gegangen ist. An anderer Stelle (6, 9 p. 231) verrät er Bekanntschaft mit dem Archive seines Klosters. 2 ) — Der Stil der Wunder ist volkstümlich gehalten, verrät aber meist ein für die Zeit gutes Latein, das übrigens nicht selten durch Stellen aus Vergil oder Ovid und durch seltene Worte, die der römischen Historiographie oder einem Glossar entnommen sind, aufgeputzt wird. Zeugnisse. Zur wohlhabenden Abstammung vgl. Mirac. 7, 10 p. 266 (Les miracles de Saint Benoit . . . Ruuuies . .. par E. de (Jertain, Paris 1858) bonae memoriae genitor mens Stephanies indigeniium ferventius coepit pauperiem . . . revelare. Jugendbildung Mirac. 7, 9 p. 265 Igitur dum adliuc pnerulus in lare paterno Davidicos ... discerem psalmos, quamdam memini püellam Kram nuneupatam. Dio last gleichlautenden Abschnitte seiner beiden Werke sind Vita Gauzl. 1, 25—27. 42 und Mirac. 4, 5—7. Zu Gauzlins Abstellung vgl. Vita 1, 1 (Neues Archiv 3,351). Zum Brief Robeits vgl. (Migne 141,935) allatu fuit mihi epistola a Wilhelmo comite du guodam portento mirabili audiiu, scilicet . .. in partibus Aquitaniae in.*!« plagam maritimtun pluisse de caelo talis naturae sanguinem . . . Siguidem per (andern epistolam petiit a me Giiülelmus comes, ut ego requirerem a regni mei sapientibus, quid hoc portentum signiflearet. Ego vero volo et precor ut perquiratis in quibusdam histpriis, si unquam aeeidisset Jiuiiis simile et quod factum sequeretur huius rei portentum. Mihique hoc eodem legato rescribite, quomodo aeeiderit et in qua hißtoria inveniri possit. Gauzlins. Antwort ist nach diesem Biiefe gedruckt, abweichend Vita Gauzl. 2, 66 p. 380; Sonder- übeilieferung im Katalog von Diu harn 1E95 (Surtees society publ. 7, 58). 3 ) Die Aufzählung der berühmten Mönche Vita Gauzl. 1, 2 beginnt mit Aimoin (hiev Aymoin) und endet mit Helgaud; es werden übrigens fast nur solche genannt, die ihre Feder zum Preise des hl. Benedikt verwendet hatten. Zum Tode Gauzlins vgl. die Vita 2,76 (p. 383) n. 6; die Abfassungszeit ergibt sich aus 2, 72 p 375 Arnaidus .. . pvd cum monastici regiminis cathedra sublimatus qtiipost biennalem suseepti regiminis amtninistraiionen ... locopulsus tarn novennali e.eilio detinetw. Daselbst über die Absicht, Ainalds Absetzung daizustellen Quod quomodo- qiuditcree evenerit, -si tempqris felicüäs ärriserit, posteris r'elinquetur in sefiptis. Zu Jsen- bard vgl. 1, 2 p. 352 Ceterum Jsenbardus vir summe sauctUatis et innocentic qui quaniive prestantioris dogmatis lumine huius ter beati splenduere sub tempore, in libro quem Fuerorum spvculum prefi.cit notamine, succinciä enucleat examinatione; danach scheint dies Werk eine ') p. 248 Quod huic simile nnnquum sein- missa Gauzlino abbäti de quodam .mirabili per victrici nostrae aeeiderat genti. ' contingente in regno Francia( cum rescripto ') Cuius tesiamentum donutionis nostris eiusdem abbatis de eodem mirabili; die Hs* retiiietur in archivis. , ist heute Durham B'. 11.11 s. XL 3 ) Epistola Roberti regt* i'ranciae trans- \ 336 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Darstellung über die berühmten Zeitgenossen Gnuzlins gewesen zu sein, es bat sich wohl aber nur auf dir Fleuryer Mönche beschränkt und wird z. B. Abbos Leben von Aimoin stark zu Rate gezogen haben. Zu Hisimbert 1, 2 Porro nee pretereundum singularis institu- toris Hlsimberti summum memoriale, quem ipse sacre prefecerat bibliothece. 1 ) Benutzung des Archivs außer 1, 14—18 auch 1, 4 p. 354 cuius scriptum traditionis noslris retinetw in archivis, ferner 2, 65 f. p. 379 f. Das Benediktionsbuch (1,43 p. 369) ist heute Paris. 987, vgl. L. Delisle, Sacramentaires p. 216 und Journ. des Sav. 1903 p. 435. Die Vergilstellen veiraten im allgemeinen Verwandtschaft mit Ribbecks Hs. c, die als Bernensis aus Fleury stammt, doch weicht 1, 427 und 429 stark von dieser Uebeilieferung ab; die Verse stehen 2, 51 p. 373. In der Inschrift 2, 57 p. 376 ist Vs. 23 stelliferi \regis) zu schreiben, die Inschriften 2, 57—60 sind kunstgeschichtlich wichtig. Uebrigens sind die versus reeiproei in 2, 59 und die gewöhnlichen Distichen in 2, 60 weder dem Anon. Neveleti noch einer andern bei Hervieux, Les fabulistes latins Bd. 2 u. 3 gedruckten Sammlung entnommen, sie gehen aber wohl auf eine Romulussammlung (Hervieux 2, 146 oder 176) zurück. Ueberlieferung der Vita Gauzlini. Einzige Hs. Vatic. reg. 592 s. Xlf. 54 (davon Abschrift im Corsinianus 1104 s. XVIII f. 70 und in den beiden Paris. Supplem. latin 1076 und Blancs-Manteaus 84, neuen Kopien) mit Marginalnotiz auf f. 62 von der Zugehörigkeit zu Fleury und mit Schreibervermerk Bernardus scripsit, worüber (auf dem Schmutzblatt) die Worte Andreas composuit hunc libelhim. P. Ewald (Neues Archiv 3, 344 f.) meint wohl mit Recht, daß diese letzten Worte von Andreas selbst herrühren und daß Andreas auch die Hs. korrigiert hat. Ausgabe nach den Parisini von L. Delisle, Main, de la Soc. archeol. de l'Orleanais Bd. 2 (1853) S. 257—322, und von P. Ewald, Neues Archiv 3,351—383 nach dem Vat. reg. 592. Vgl. Ewald S. 349 ff. und zur Hs S. 344f. Zu den Miracula Benedicts Die Zeit ergibt sich aus der Vorrede (Neues Archiv 3, 346) post XI um patris Gauzlini obitus' annum ad id studii applicantes animum. Dort heißt es im Eingange Expeditis duobus ... libris insignium gestorum patris patrum Benedict) ■ab Aymoino . . ■ qui printus post recensibiles dornni Adrevaldi labores' 2 ) tanti consulis ... laudes . . . prosecutus est, cumque idem post quattuor capitula tertii a se inchoati libelli ad vitam Floriacensium edendam abbatum ... se vertisset, nos .. . praecellentissimi tarnen viri quoad valemus celebrem subsecuti sumus intentionem. Omnem etiam nostri operis conclusionem . .. divisimus trifariam. Zur Widmung daselbst p. 447 Quo circa anno ... regis Francorum Henrici XII. et tui regiminis septimo, o nobile decus monastici ordinis Hugo, cum quo coevc pueritie seu iuventutis multiplices in gymnasio sanetq exercitationis consumpsi soles, quae prestantissima communis advocati nostri Signa ... in presentiarum vestri quoque sanetissimi patres uterini enarrabit parvitas; hieraus und aus zwei andern Stellen geht aber hervor, daß sich die Widmung auch an die Brüder von Fleury richtete, nämlich 6, 13 p. 238 (ed. Certain) vestrae pandamus fraternitati und 7, 5 p. 256, wo er die Adressaten mit dilectissimi anredet. Die Disposition nach den Landschaften 3 ) wird schon in der Widmung angedeutet p. 346 Sicque a Salensi coenobio nostri exordii locamus fundum ... Inde etiam ... proficis- cenclo . .. alia eins sanetc memoric dicata expetlmus loca, videlicet primos Neustrie Btirgun- dionumque limites, Aquitanie Hispanorumque fines. Zu den Quellenangaben vgl. 7, 7 p. 259 miles quidam adhuc superest iuxta proprietatem illius brutae gentis Bivallon nomine und 7, 7 p. 260 Boaldus cuius hoc ab ore cognovimus. Zu den Zusätzen an Buch 7 vgl. P. Ewald a. a. O. S. 348 f. Zur Erwähnung Adrevalds vgl. oben, zu Aimoins Abtsgeschichte von Fleury vgl. oben in der Widmung und 5, 6 p. 202 Qui (seil. Johannes Sarracenus) quibus exeniis pompatus advenerit, Aymoinus refert in eo libro, quem de Floriacensium rectorum ordinavit successibus, ferner 6. 13 p. 237 Hanc eandem ecclesiam .. . Theodulphus Aurelianensium praesul . . . haud minimis construxerat sumptibus, sicut celeberrimus authenticornm Aimoinus in libro vitae abbatum luculento refert relatu und 7, 13 p. 230 Sanctus dei Abbo cum tempore Oyboldi . . . Anglicarum expetiisset confinia regionum, ut in libro Floriacensium continetur abbatum. Zur sprachlichen Abhängigkeit ist zu vergleichen 4,1 p. 174 Cum multi per clivum Pytagorici bivii callem peterent mit Hieron. epist. 7 und Isid. Et. 1, 3, 7; 4, 2 p. 177 impellens calcaribus cornipedem Verg. Aen. 6, 881; 4. 8 Cetera ... humilis modulatur avena Verg. Ecl. 10. 51; 5, 7 p. 205 duris in cotibus natus Ecl. 8, 43; taurina fronte superbum Ovid. Fast. 6, 197; 5, 11 p. 209 sinuosa in se volumina recolligens Aen. 11, 753; 6, 5 p. 225 altum con- cipiens corde dolorem Aen. 1, 209. Die Wörter 4, 10 argyraspidarum und 7, 7 gehen viel- x ) Ueber den Titel des Werkes könnte man geteilter Meinung sein, denn wenn in dem Worte summum eine lobende Bezeichnung liegt, würde die Schrift Memoriale genannt gewesen sein. 2 ) Seine Arbeit wird auch von Andreas verwendet 6, 7 p. 227 Laudabilis memoriae Adrevaldus mentionem domni Bosonis abbatis in primo miraculoruin libro patris Benedicti facit = 1,28 p. 63 f. (ed. Certain). 3 ) Zuweilen gibt er genaue Schilderung der Oertlichkeiten wie 5, 5 von Chätillon-sur- Loire. Gesta episcoporum Cameracensium. 337 leicht auf Curt. 4, 13, 27 und 3, 3, 6 zurück. Manche seltene Wörter 1 ) dürften auf schlechte Lesung der Hs. zurückgehen, so 4, 10 aereis haduddis ... complosisque cuprinis athomoris: sonst sind zu erwähnen 5, 5 p. 201 orchula; 5, 6 p. 203 (6, 1 p. 207) proastium; 5,11 p. 209 archietmli.1 (Erzbischof); 5, 11 p. 210 embrimiae (vgl. Corp. gloss. lat. 5, 619. 18); 6, 1 p. 217 in gruminos düabitw (C. gl. 1. 6, 505 s. v. grumus); 6, 2 p. 220 bobinator (C. gl. 1. 6, 150 s.v. bovinator); 6, 10 p. 232 mammoniiicus; 6.13 p. 237 annorum volvente chilindro; 7, 7 utpote menceps (aus Prise. 2, 26, 13 oder C. gl. 1. 5, 572, 59); 7, 9 p. 266 anobalarium . .. reposceret. Im Leben Gauzlins tritt dies Haschen nach seltenen Ausdrücken nicht hervor, auch fehlt hier die in den Wundern häufige Vorliebe für Antithesen und die geradezu übermäßige Verwendung der Reimprosa. Ueberlieferung. Einzige Hs. Vatic. reg. 592 s. XI f.4—52, geschrieben von Bernhard und korrigiert von Andreas, s. oben. Ein Fragment (4, 7) in den Acta SS. Mart. 3, 354. Einzige Ausgabe (nach der Herausgabe kleiner Stücke von M. de Certain, Archives des niissions scientif. et litteraires 5 (1856), 52—57) von M.de Certain, Les miracles de s. Benoit ecrits par Adrevald Aimoin Andre etc., Paris 1858, p. 173—276, aber mit ungenügender Benutzung der Hs. — Zu Andreas vgl. Certain, Arch. des missions 5, 49 und Les miracles p.XXf. Wattenbach 1, 468f. und Neues Archiv 1, 605. P. Ewald daselbst 3, 347 ff., wo S. 346 f. die Widmung der Miracula in genauem Abdruck aus der Hs. vorgelegt wird. 46. Gesta episcoporum Cameracensium. Die Geschichte der Bischöfe von Cambrai wurde seit Colvenerius einem Balderich zugeschrieben, welchen jener als den Adressaten von drei Briefen aus den Jahren 1082, 1094 und 1108 nachweisen wollte. Da nun der Hauptteil des Werkes von 1041 —1043 geschrieben und vor 1049 vollendet ist, also die größte Schwierigkeit besteht, jene Briefe zeitlich unterzubringen, so sind diese Briefe nach L. Bethmann wohl mit Recht als späte Fälschungen zu betrachten. Denn es ist unmöglich, daß ein Domherr von Cambrai, der nach eigner Aussage seit seiner Jugend in dieser Stadt lebte und um 1041 als reifer Mann die Geschichte des Bistums verfaßte, noch im nächsten Jahrhundert gelebt hat und erst im Jahre 1112 starb. Der Verfasser sagt in der Vorrede zum 1. Buche, daß ihm das Werk von Bischof Gerhard (1012— 1049) übertragen wurde, dessen Befehl er erfülle, indem er dabei nicht auf seinen eignen Geist vertraue, denn sein Stil sei hölzern. Doch möge ihm der Leser nicht zürnen, daß er die Geschichten der Vergangenheit in modernes Gewand kleide, da er nichts Zweifelhaftes oder Erdichtetes vorbringe, überhaupt nichts schreibe, was nicht in den Jahrbüchern und in den Geschichtswerken der Väter oder in den Taten der Könige sowie in den im bisehöflichen Archiv niedergelegten Urkunden enthalten sei, oder was er von glaubwürdigen Berichterstattern erfahren habe; denn es sei besser zu schweigen, als Falsches zu berichten. 2 ) Seit langem lebte der Verfasser in Cambrai und gehörte zu den Vertrauten des Bischofs, von dem er vielerlei Tatsachen erfuhr, und er hat in jener Stadt auch sein Werk geschrieben, das er gleich anfangs in drei Bücher einteilte. Er schrieb die Arbeit in einem Zuge bis 3, 34, doch fiel er während seiner Tätigkeit in ein heftiges Fieber, aber er nahm die Arbeit wieder auf, als die Besserung eingetreten war; allerdings werde ersieh, sagt er, kurz fassen müssen, da seine Kraft zum vollen Schreiben nicht zureiche. Und der ganze Rest seiner Arbeit (3, 35—60) zeigt auch weder die strenge chronologische Folge noch *) Als volkstümlich wird das Wort panter eingeführt 6, 8 p. 230 casses retium quas vulgo panteras vocant. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 22 2 ) Stammt aus Sulp. Sev. Vita Mart. 1,9 (p. 111,24 f. H.). 338 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. die sorgfältige Ausführung des früheren Teiles, so daß Bethmanns Ansicht wohl richtig ist, daß dieser Rest erst später stilistisch überarbeitet und dem Werke dann einverleibt werden sollte. Und doch ist jener letzte Teil noch zu Lebzeiten Gerhards geschrieben, da dieser stets mit dem Prädikat domnus bezeichnet wird, und zwar nicht lange nach dem Jahre 1044, denn darüber hinaus wird keine Tatsache mehr berichtet. Was nun den Stoff betrifft, so ist der Verfasser gut vorbereitet an seine Aufgabe gegangen. Hier ist der Umkreis seines- Wissens bedeutend und er hat daher ein Werk hinterlassen, das zu den wichtigsten zeitgenössischen Bearbeitungen der Lokalgeschichte gehört. Der reiche Stoff verbreitet sich nicht nur auf die Geschichte des Bistums, sondern greift vielfach auch auf die Reichsgeschichte Deutschlands und Frankreichs über. Denn der Verfasser lebte au der Grenze beider Reiche, deren gegenseitiges politisches Verhältnis er zuweilen ausführlich berührt. Seine Darstellungsweise ist freilich ungelenk und sein Latein von dem Stil, der aus dem benachbarten Lütticher Bistum bekannt ist, sehr verschieden. Jenen an das klassische Latein gemahnenden, eleganten Stil darf man bei ihm nicht suchen, wie man ihn in Lüttich lernte, seine Sprache ist nach Wortschatz und Syntax durchaus mittelalterlich und an der der Alten nicht gebildet. Dafür schmückt er sich auch sehr selten nur mit fremden Federn, obwohl der Eingang des Werkes in ganzen Sätzen aus Cicero stammt und hier überhaupt der Stil eine freiere Färbung zeigt. Jedenfalls war der Verfasser bestrebt, die Wahrheit zu sagen, was er auch mehrfach in den Eingangspartien versichert, und es fehlt auch nicht an Quellenkritik, wie er 1, 4 sich gegen den Bericht von Flodoard in dessen Geschichte des Reimser Bistums wendet. 1 ) Freilich ist es nur der leiseste Anfang von wirklicher Kritik, die natürlich bei einem Schriftsteller fast ganz fehlt, der den ersten Teil seines Werkes großenteils auf Heiligenleben gründet und der sich in chronologischen Dingen daher oft genug irren mußte. Die Quellen, die für das Werk benutzt wurden, sind nicht nur zahlreich, sondern auch nach ihrem Werte bedeutend. Von allgemeinen Geschichtsdarstellungen sind es Gregors von Tours Frankengeschichte, die oben erwähnte Reimser Bistumsgeschichte Flodoards, die Ann. Einharti, Vedastini und s. Gisleni, die heute verloren 2 ) und aus dem Chron. Hannoniense des Jacobus de Guisia bekannt sind. Sodann eine Menge Leben von Heiligen, die mit Cambrai oder auch mit Laubach in naher Verbindung gestanden hatten oder in die angrenzenden Gebiete gehörten. So sind es die Vitae Autberti, Gaugerici und Maxellendis, außerdem aus Cambrai ein Bischofskatalog, dazu Briefe Gerhards I. und Urkunden aus dem bischöflichen Archiv, aus Laubach sind es die Vita Ursmari, Ermini und Landelini; dann Alchvines Vita Vedasti, die Vita Salvii, Gisleni, Amati, Hugonis Rotomagensis, Aichadri, Aldegundis und Gudilae. Sonst verwendet der Verfasser Urkunden aus den Archiven zu Laubach und Maroilles und jedenfalls in ihrem ganzen Umfange die kleine Schrift des Bischofs Wibold von Cambrai de alea, eine Rhythmimachie. Dazu ') MG. 7,404,29; nämlich der hl. Vedastus und nicht Remigius (Flodoard 1,13) habe das fränkische Volk bekehrt. 2 ) Der Verfasser hat sie sicher für die Jahre 975, 984 und 1000, vielleicht aber auch anderwärts benutzt. Gesta episcoporum Cameracensium. 339 stand ihm natürlich mündliche Überlieferung in reichem Maße zu Gebote; von Gerhard selbst hat er vieles erfahren und auch von- andern Seiten floß ihm viel Stoff zu. Allerdings verfährt er mit seinen Quellen nicht immer genau, wenn er sie in Auszügen wiedergibt, und auch in den Urkunden verändert, er zuweilen den Wortlaut. 1 ) Seine Arbeit dehnt sich also nur bis fast zum Ende der Zeit Gerhards I. aus, die Gesta Lietberti gehören ihm nicht mehr an; sie sind erst nach 1076 geschrieben, 2 ) und Rodulf bezeichnet sie in seinem Leben Lietberts als Vita Lietberti, scheidet sie also durchaus von dem vorhergehenden Teile. Hieran schlössen sich später die Gesta Gerardi II., die bald nach dessen Tode (1092) geschrieben sein müssen, und zwar von anderm Verfasser als die Gesta Lietberti, da in ihnen die Reimprosa sehr stark hervortritt. Hieran schließen sich weitere Fortsetzungen, deren erste nur in einem 1180 verfaßten Auszuge die Geschichte des Bistums bis 1095 führt; ein zweiter Auszug ist im Jahr 1191 veranstaltet und führt die Geschichte selbständig weiter. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Werk französisch übersetzt und zwar wurden die Fortsetzungen später hierin auch fortgeführt. Der reiche Inhalt des Werkes sei in folgendem angedeutet. Der Eingang erweckt ein gutes Vorurteil für den Verfasser, der hier, allerdings mit Zuhilfenahme von Cicero de invent. 1, 2, 2 f. sich in philosophischer Weise über die Ursachen von Städtegründungen ausspricht; freilich meint er, daß die göttliche Vorsehung einen tieferen Sinn darin verborgen habe. Und nicht einmal der Ursprung von Rom sei sicher, indem man es bald von Trojanern und Aboriginern, bald von Euander, bald von Romulus gegründet sein lasse: da sei es kein Wunder, daß er über die Namen der Gründer von Arras und Cambrai nichts zu sagen wisse. 3 ) Aber auch die Gründungszeit dieser Städte sei unsicher, nur werde der, der im Werke des Julius Cäsar Bescheid wisse, sich klar sein, daß der Name Atrebates unter die alten und berühmten Stadtnamen gehöre. Hiermit leitet nun der Verfasser zu einer merkwürdigen Stammessage über, die, aus einem ganz unbedeutenden Kern aus Cäsars gallischem Krieg 4 ) herausgewachsen, sich mit der fränkischen Trojanersage vergleichen kann. Cäsar habe nach Unterwerfung des Orients auch den Westen bezwingen wollen. So kam er nach Bewältigung Galliens auch nach Atrebatum, wo ihm die Bürger unter Anführung des Herzogs Comeus heftigen Widerstand leisteten. Darüber ergrimmte Cäsar heftig, denn ihm gehorchte der ganze Erdkreis von Indien bis Sachsen, 5 ) und er belagerte die Stadt um so nachdrücklicher, bis sich ihm Comeus und die Bürger ergaben. Man beratschlagte nun im römischen Heere, wie man den Herzog bestrafen solle, und die Soldaten strömten herbei, um den Rebellen zu sehen, der vordem im Besitz der höchsten Macht gewesen war. Manche wollten ihn verhöhnen, 6 ) ') So 1,27.39.64.77. 2 ) Vgl. Bethmann, MG. SS. 7,396 n.31. 3 ) 2 p. 403,9 fama superstes nach Hör. Carm. 2,2,8. J ) Nämlich 4, 21, 7 Commium quem ipse Atrebatibus superatis regem ibi constituerat, cuhcs et virtutem et consilium probabat et quem sibi fidelem esse arbitrabatur cuiusque auctoritas in his regionibus magni habebatur. 5 ) Mit der hier (1,3. MG. SS. 7, 403,19 fr.) aufgeführten Länderkarte vgl. mehrere Stellen aus Lucan 1.2.3 (Orosius 1,2) und Eupolemii Messias 2,448—550. 6 ) certabant Hindere capto nach Verg. Aen. 2, 64. 22* 340 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. andere wunderten sich über die Unbeständigkeit des menschlichen Glückes die meisten aber seufzten darüber, daß sie Ähnliches erleiden könnten. Cäsar aber wurde bei der angebornen Milde seines Gemüts dadurch gerührt, daß dieser tapfre Krieger nun in die Gewalt seiner Feinde gefallen sei und daß diese nun über sein Geschick zu bestimmen hätten; bei ihm überwog das Gefühl für die Vaterlandsliebe des Mannes und für seine kriegerische Tüchtigkeit. Er übertrug daher dem Comeus eine der ersten militärischen Stellen und erhob ihn zu seinem Ratgeber. Der Verfasser setzt hinzu, daß heute noch die Stelle bei Maroilles durch aufgeworfene Erdwälle sich deutlich abhebe, wo die Römer damals ihr Lager gehabt hätten. Diese Geschichte ist wohl kaum vom Verfasser selbst erfunden worden, denn der Stil der sehr ausführlichen Erzählung zeigt ein viel besseres Latein, als wie wir es sonst in dem Werke lesen; er mag die schon ausgebildete Sage in Cambrai vorgefunden und vielleicht etwas erweitert haben. Findet man nun hierbei eine sehr breite Berichterstattung, so schrumpft diese wesentlich zusammen, als der Verfasser sich zu den ersten geschichtlichen Erwähnungen Cambrais wendet, nämlich zu den Beziehungen des Königs Clodio zu dieser Stadt. Für die folgende Zeit ist er ganz auf das Leben des hl. Vedastus, auf die Gesta regum Francorum und auf Flodoard angewiesen, und er verfolgt dann die Geschichte der Nachfolger des Vedastus 1 ) aus ihren doch höchst zweifelhaften Lebensbeschreibungen, wobei die Wunder natürlich eine große Rolle spielen. Aber er beklagt sich dabei doch mehrfach über den Mangel an Nachrichten über die alte Zeit 2 ) und es bleibt ihm nichts übrig, als daß er als Anhang für die Geschichte der einzelnen Bischöfe allerhand Notizen über ihre Verehrung und die von ihnen ausgehenden Wunder aus späteren Zeiten gibt. So weiß er auch von den Bischöfen der frühkarolingischen Zeit nur die Namen zu nennen, später schließt er sich wieder ganz an Flodoard an und erwähnt außerdem hauptsächlich die Streitigkeiten um den Besitz der Gerechtsame des Bistums, aber auch die Einfälle der Ungarn und Dänen. Nur selten weiß er einmal von einem wissenschaftlich gebildeten Bischof zu erzählen wie 1,88 von Ansbert und 89 von Wibold. Von diesem nimmt er sogar eine kleine Schrift jedenfalls unverkürzt in sein Werk auf. Wibold wollte nämlich das Würfelspiel, dem die Kleriker in Cambrai anscheinend sehr ergeben waren, verbannen und gab ihnen einen geistreichen Ersatz, eine Rhythmimachie; an diesem Brettspiel sollten sich die Kleriker üben. Und er hielt dieses neue Spiel für wichtig genug, um Wibolds Anleitung in seine Bischofsgeschichte aufzunehmen. Wir finden hier also einen Vorgänger Hermanns von Reichenau und zwar in recht früher Zeit, nämlich um 970, also doch vor Gerberts Wirksamkeit. Freilich, ob Wibold der Erfinder des später mehrfach vorkommenden Spiels 3 ) gewesen ist, dürfte fraglich bleiben; er beginnt seine Schrift, seltsam genug, mit der Definition ') 1,10 p. 407,21 heißt es ad singulare certamen, quod rustice dicimus campum. 1, 5 beruft er sich auf Schriften des Papstes Dionysius und auf einen Brief Hincmars (ep. 44 ed. Sirmond 2,719). 2 ) Vgl. 1,12 p. 407,51 ff. 1,28 p. 413,16 ff.; hier 28 p. 413,21 auris quidem ridentibus nach Verg. 3 ) Rhythmimachien sind von Hermann von Reichenau, von Frutolf von Bamberg und von Odo (Vindob. 2503) erhallen. Gesta episcoporum Cameracensium. 341 der Begriffe clerus und canon. Von hier an wird die Geschichte der Bischöfe und des Bistums ausführlicher, besonders da größere Abschnitte der Reichsgeschichte hineingestellt werden, wie 1, 94 der Tod Ottos I. und die Nachfolge Ottos IL, oder 97 dessen Zug gegen Paris und 104 sein Sarazenenkrieg. Besonders eingehend wird der Tod Ottos III. und Heinrichs IL Nachfolge in Kap. 114 dargestellt. Mit der Übertragung des Bistums auf Gerhard I. endet das erste Buch, in dem sich eine Menge Papst- und Königsurkunden 1 ) wie auch Briefe 2 ) eingestreut finden. Der Verfasser schließt dieses Buch mit der Angabe, daß er im dritten Buche über die Regierung Gerhards handeln werde, und beginnt die Vorrede des zweiten mit den Worten, daß er nun eigentlich über Gerhard sprechen müsse. Dessen Zeit werde er sich aber aufsparen und jetzt über die Klöster berichten, welche zum Bistum gehörten. Er beginnt hier mit dem Marienkloster zu Cambrai und geht dann auf die weiteren Stiftungen über, indem er über ihre Anfänge und Lage sowie über ihre einzelnen Besitzungen, zumeist aber über die Wunder berichtet, die sich dort zugetragen haben. Diese Darstellung entbehrt daher zwar nicht des geschichtlichen Interesses, ist aber sonst unbedeutend. Benutzt wird hier Kap. 31 die Vita Salvii und 36 ff. die- schon im ersten Buche verwendete Vita Autberti, die, wie der Verfasser 1,78 erzählt, auf den Befehl Gerhards I. von einem Fulbert verfaßt war, den er doctor karissimus nennt, 3 ) und der daher vielleicht Lehrer in Cambrai gewesen ist; daß er der berühmte Fulbert von Chartres war, glaube ich nicht, da sonst das Prädikat domnus und ein Hinweis auf seinen Tod nicht fehlen dürften. Am ausführlichsten spricht er über das Kloster zu St. Maria und über das des hl. Gaugericus, wobei er mehrfach die von ihm selbst schon früher verfaßte Lebensbeschreibung dieses Heiligen berührt; über die andern Klöster läßt er sich nur ganz kurz aus. So beginnt erst im dritten Buche die Zeit Gerhards, in der der Verfasser aus eigner Anschauung sprechen kann. Wenn er dies Buch De rebus gestis Gerardi überschreibt, so ist das insofern richtig, als Gerhard allerdings die Hauptrolle spielt; man kann aber nicht sagen, daß er von seinem Helden ein klares Bild entwirft. Angenehm berührt den Leser allerdings der Umstand, daß er nicht einmal eine Blütenlese von Tugenden seines Helden bringt, womit andre Autoren so gern aufwarten. Aber es wird auch nicht der Ansatz zu einer Charakteristik des Mannes gemacht. Über die Jugend Gerhards eilt der Verfasser sehr schnell hinweg und sagt eigentlich nur, daß er durch Erzbischof Adalbero von Reims erzogen wurde. Die auf die Ordination Gerhards zum Bischof folgenden Abschnitte berichten hauptsächlich über die Streitigkeiten, in die er bald mit seinen Stiftsvasallen kam, über sein Verhältnis zu zeitgenössischen Bischöfen und Äbten sowie über seine Ableistung der Reichspfiichten gegenüber Heinrich IL Hier und in den späteren Teilen seiner Darstellung wird der Verfasser von der Absicht geleitet, hervorzuheben, daß Gerhard in allen Lebenslagen den ') Kap. 26. 39. 64. 67.68. 73. 77.108.111. 2 ) Kap. 5 (Hincmar) und 106 (der Mönche von Lobbes an die Bischöfe von Cambrai und Lüttich). ' 3 ) p. 430,45 librum quem Fulbertus doctor karissimus de vita s. Autberti iubente . . . Gerardo inscripserit legat. 342 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. rechten geistlichen Standpunkt des Bischofs vertrat und alle Anfeindungen siegreich überwand. Dabei wird die Erzählung reichlich mit dem Bericht über Wunder und Vorzeichen durchsetzt und äußerlich im chronologischen Schema gehalten; *) einige Kapitel, wie 22 f. beruhen ganz auf Gerhards Zeugnis. Später flicht der Verfasser eine ganze Reihe Briefe Gerhards in seine Darstellung, von denen, mehrere, wie der an die Archidiakonen von Lüttich (Kap. 28), kleinen Abhandlungen gleichen; Kap. 29 steht ein Brief an Adalbero von Laon, 30 an Ebulo von Reims, 31 an Berold von Soissons, 34 an Fulco von Amiens; der Brief in Kap. 33 ist an einen Abt gerichtet. Hätten diese Briefe persönlichen Inhalt, so würden sie nach Stoff und Form von größerer Wichtigkeit sein, als sie tatsächlich sind. Es sind aber amtlich verfaßte Schreiben und es lassen sich aus ihrem Wortreichtum und aus ihrer reichlichen Salbung mit Bibelstellen weder persönliche Charakterzüge noch literarische Richtlinien für den Verfasser gewinnen. Eingehend wird dann Kap, 37 die Zusammenkunft Heinrichs II. mit Robert von Frankreich geschildert 2 ) und noch länger verweilt der Verfasser Kap. 39—48 bei den wieder mit den Stiftsvasallen ausbrechenden Streitigkeiten, wobei er die dadurch veranlaßten Eide aufführt. Es folgt der Neubau der Marienkirche und der angeblich längst durch Vorzeichen verkündete Tod des Kaisers, der Regierungsantritt Konrads IL und die Stiftung des Gottesfriedens. Sehr schnell geht der Verfasser über die Zeiten Konrads IL hinweg, zu dessen Ende er wieder mehrere Vorzeichen vorbringen kann. Die letzten Kapitel sind stofflich und stilistisch ganz unvermittelt aneinandergereiht und hinterlassen durchaus den Eindruck, daß sie keine Reinschrift darstellen, sondern erst dazu verarbeitet werden sollten; das letzte (60) enthält einen Brief Gerhards an Heinrich III., der aber mitten im Teste abbricht. — Hieran haben sich nun in späterer Zeit die schon erwähnten Fortsetzungen angeschlossen, die ebenfalls ein größeres stoffliches als literarisches Interesse bieten. Allerdings sind sie für das 12. und 13. Jahrhundert insofern wichtig, als Cambrai in dieser Zeit keinen Überfluß an Schriftstellern hervorgebracht hat. Zeugnisse. Die drei Briefe, aus denen Balderichs Autorschaft hervorgehen soll und die schon wegen ihrer genauen Datierung verdächtig erscheinen, druckt Bethmann aus der Ausgabe des Colvenerius (Duaci 1615) MG. SS. 7, 394 n. 22 ab, mit ihnen eine angebliche Notiz aus einem Nekrologium, wonach Balderich 1112 gestorben sein soll. Verfasser in Cambrai I praef. p. 402, 15 nostrarum urbium Cameraci videlicet atque Atrebati; 1,4 p. 404, 37 huic nostrae urbi usw., vgl. Bethmann p. 393 n. 6. Langer Aufenthalt dort 2,5 p. 457, 8 pauca ex his quae vel ipse iuvenculus moderno tempore vidi. Zur Abfassung zwischen 1041 und 1043 vgl. Bethmann p. 393 n. 9; besonders wichtig ist hier, daß Graf Otto von Vermandois, der 1045 starb, als am Leben befindlich genannt wird 3, 23 p. 473 Alberto Vermandensi comiti, fratri videlicet Ottonis, qui nunc est. Aus der Vorrede zu Buch I p. 402, 14 Precipiente domno nostro episcopo Gerardo .. . de antiqaitate nostrarum urbium Cameraci videlicet atque Atrebati sed et de earum quoque pastoribus memoriae commendavimus, non quidem ingeniö freti sed monitoris dignitate compulsi ... Quae quamlibet rustico sermone edita satis tarnen apparent liquida. Nee tarnen eo lector temere moveatur, quod tarn antiqua modernis reddidimns, quin nihil dubium, nihil fictum positum est, nihil etiam revera preter quod aut in annalibus atque historiis patrum seu et in gestis regum sed et in kartis quoque, quae adhuc in archivo ipsius ecclesiae sunt, repperimus aut a certis relatoribus et visa et audita aeeepimus. Alioqiun melius est tacere, quam falsa proferre. Anfängliche Einteilung in drei Bücher 1, 122 p 454,41 ') Kulturgeschichtlich nicht uninteressant ist die Erzählung in Kap. 22 von einem Friesen, der das Abendmahl verschmähte, eine Menge Bier trank (p. 472 42 cerevisiam nimiam in- coneavit) und starb. 2 ) Hier begegnet der merkwürdige Ausdruck 38 p. 481,8 aurum didragmavit. Gesta episcoporum Cameracensium. 343 de quo (seil. Gerardo) in tertio Ubro narrabitur. Krankheit 2, 8 p. 458, 20 Mäxima incom- moditas febris, quae me diu tenuit, verba modo succingere cogit. Licet enim modo pulsa molestia ... paulisper in corpore convalescam, adhuc tarnen ipso recenti dolore mens sauciata labascW) nee ei virtus integra ad plene scribendum sufficit. Huius ergo opusculi negotium stricto calamo interim prosequamur. Zur Sprache: der Wortschatz biotet allerlei Seltsamkeiten wie 2,4 p. 456, 20 dispunetor = Gott; 2, 5 p. 457,7 gaudiosus; 2,5 p. 457,13 (458, 39) bachania; 3.2 p.467, 9 prepotestas; 3,11 p.469, 24 fastuosus; 3,18 p.470,43 regimonium; 3,19 p.471,43 mlrnmari; 3,22 p.472, 42 inconcare; 3,38 p.481,8 didragmare; hierzu kommt 1,10 p. 407,21 singulare eertamen quod rustice dieimus campum. 2 ) Zur Wahrheitsliebe vgl. 1,2 p. 403, 10 de his consultius reticere censuimas quam fabulosum quid conficere — freilich erzählt er dann die reine Sage, obwohl er aus Cäsar wissen mußte, daß dessen Bellum Gallicum nichts davon zu berichten weiß; 1,28 p. 413, 24 ideo ex his melius est silere quam fabulosum quid conficere. Zur Quellenkritik 1,4 p. 404, 34 sicut inibi legimus. Sed potius per b. Vedastum credimus, numquam enim sanetum Iiemigium in nostris partibus verbum dei predicasse audi- viwus.Zu chronologischen Irrtümern vgl. Bethmann p. 394 n. 21; Die Ann. Einharti sind zu 1,42 benutzt. Persönliche Berichterstattung durch Gerhard nennt der Verfasser 3, 12 p.469, 34f.; 3,22 p.472, 31; 3,23 p. 473, 7, andere Zeugnisse I piaef. p. 402, 22 aut a certis relatoribus et visa et auclita aeeepimus; 1,10 p. 407, 8 quae ... et v/dentibus facta aeeepimus; 1.34 p. 414, 39 de quo hi, qui nostris superfuere temporibus, fideles testati sunt; 2, 3 p. 455, 42 ut nos ipsi palam vidimus; 2.12 p. 459, 24 ut antiquitas relatorum audet asserere ... (28) est aidem antiqua relatio. Zur Unterscheidung der späteren Teile vgl. Bethmann p. 396 f. und G. Waitz, MG. SS! 14,183 ff. Von 1,1 stammt aus Cicero p. 402, 26 homines — oberrantes (de inv. 1, 2,2), p. 402, 28 jwnpter errorem — satellitibus (ib. 1,2.2), p. 402, 30 fidem colere — amittendam estimarent (ib. 1,2,3), p. 402, 34 ex feris — mansuetos (1, 2, 2). Die Länderkarte 1,2 p. 403,19 indignatus quod Romanae potentiae resistere auderent, cui extrema Indiae paterent, Assyrius atque Aegyptius parerent, Macedonia et omnis Palestina regio serviret, Scotia, quae nihil terris debebat, atque Saxonia inaccessa paludibus et inviis septa regionibus tarn tremebat, postremo omnia subieeta erant, niei quae nimio aestu aut gelu invia sunt. Von Cäsar heißt es c. 3 p 403 Cesar pre ceteris movebatur ingenita animi mansuetudine, illum dudum bellatorem superbum subito potestati addictum hostium, alieni nutus sortem operiri, vitae naufragum, exulem spei, incertum salutis .. . Maxima tarnen apud Cesarem portio salutis viro fuit de- ■volus patriae animus et speetata in rebus bellicis virtus; dieser nach Sallust gebildete rhetorische Stil stimmt nicht zu der sonstigen Schreibweise des Verfassers, und ich glaube daher, daß die Stammessage nicht von ihm erfunden, sondern anderswoher entlehnt ist. Zu den römischen Spuren p. 403, 43 Parent autem usque in hodiernum constratis aggeribus loca apud ilariolum, tibi Romanae acies castra metaverant. Hinweisung auf wissenschaftlich gebildete Bischöfe 1, 88 p. 433, 15 Sequitur Ansbertus vir videlicet literalibus diseiplinis eruditus und 89 p. 433, 26 Sequitur Wiboldus Noviomensis ecclesiae diaconus vir videlicet tarn secularibus quam aecclesiasticis -diseiplinis s'atis imbutus. Darauf folgt die Einführung in dessen Rhythmi- machie Isle siquidem clericis aleae amatoribus regulärem ludum artificiose composuit, quo videlicet in scolis se exercentes karitate vitia vincere assuescerent saecularemque et iurgiosam aleam refugerent. Quem ludum hoc modo ineepit. Für Wibolds Bischofszeit bleiben die Jahre 971—972 übrig, vgl. Bethmann p.438 n.43. In der folgenden Rhythmimachie werden die 56 Elemente des Spiels mit je einer christlichen Tugend bezeichnet. Am Ende finden sich zehn Hexameter, welche den Namen des Verfassers aus der Stellung der Buchstaben im Alphabet auf Vuiboldus angeben. Allein wird das Spiel auch im Bruxell. 2088 überliefert mit der Aufschrift Wiboldi alea regularis. In der Vorrede zu Buch II heißt es p: 454, 45 De gestis episcoporum . . . dicto et de diversis eorum actibus . . . usque ad postremitatem domni Gerardi, qui nunc est, pertraetato Über finem expostulat (nach Sulp. Sev. Vita Mart. 26, 1 ed. Halm p. 136,1). Secundus vero ut ab ipso domno episcopo (seil. Gerardo) ineipiat videtur ordo exigere. Sed eo ad tempus relicto de monasteriis, quae infra ditionem episcopii sunt, decrevimus disserere. . . . 455, 1 Dicturi itaque de singulis a monasterio . . . Mariae exordium capiamm. Hier wird mein fach auf die Vita Gaugerici verwiesen, vgl. 2,4 p. 456,12 Tempore namque huius pontificis ut ipsius vitam legentibus liquet und p. 457, 5 plenissime tarnen in illo volumine, quod de vita ipsius inscribitur, si cui libet, poterit inservire. Ein Vorwort zum dritten Buche fehlt, da es aus dem zum zweiten gegebenen zu ergänzen ist. An dies Buch schließen sich die Gesta Lietberti, 3 ) daran die Gesta Gerardi II und die Gesta Manassis et Walcheri. Wichtig für die Fortsetzungen wurde die Entdeckung einer Pariser Hs., die nach --------------- # ') Das Wort aus Prise. 8,14,73 (oder aus vorkommende Worte aufgenommen sind. Ter. Eun. 178 oder Ad. 239). 3 ) Hier c. 20 p. 495,51 quod et vulgo ver- 2 ) Eine größere Zusammenstellung gibt pire dicitur. Bethmann p. 394 n 12, wo aber viele häufig 344 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. den Gesta Gerardi II eine Vita Galcheri bietet, die das Leben Walchers in 610 Strophen zu je vier jambischen Achtsilbern darstellt. Hieran schließen sich De domno Odone und De domno Burchardo episcopo, wo die Hauptteile wieder aus Rhythmen bestehen (jambische Acht- und Zwölfsilber). Darauf folgt De domno Liethardo ebenfalls in Zwölfsilbern und endlich die umfangreiche Darstellung De domno Nicholao in 468 Strophen zu je vier Achtsilbein. Hier in Cambrai wurde also die für das historische Volkslied übliche Form der Rhythmen auf größere geschichtliche Darstellungen übertragen, was entschieden ein ästhetischer Fehlgriff ist, jedoch vom rhythmischen Epos des späteren Mittelalters wieder aufgegriffen wmde. Fortleben, Ueberlieferung. Benutzt wurden die alten Gesta von Bischof Lambert von Arras in einer Urkunde 1095 (Baluzius, Miscellanea 5, 380), von Sigebert in der Chronik zu 1105, von Rodulf in der Vita Lietberti (vor 1130) und von späteren Quellen, vgl. Bethmann p. 398. Rodulf bearbeitete die Gesta Lietberti zu einer Vita dieses Bischofs, wie ein Cambraier Nekrologium zu S. Sepulcri im Camerac. 734 s. XII angibt (nach Bethmann p. 398) 2 Non. Iul. obiit Eodulfus noster monachus et sacerdos, qui domni etpatroni nostri Lietberti Camerac'ensis aecclesiae pontificis vitam . .^ et finem vitae praesentis in uno volumine luculento sermoneßescripsit. — Handschriften: Hagensis 303 s. XI, von der Hand des Verfassers selbst mit Korrekturen, Nachträgen und EinSchiebungen versehen, enthält nur Buch I und II; Arras 661 a. 1482; Paris. 5533•' s. XIV; Bruxell. 7675 s. XVI; Duac. 800 s. XII (Buch II); Bruxell.5468 s.XI (Fragment). Ausgaben: Chron. Cameracense et Atrebatense ... per Ge. Colvenerium, Duaci 1615 und besonders von L. Bethmann, MG. SS. 7, 402—525. Die späteren Fortsetzungen gab aus Paris, nouv. acq. 264 s. XII (aus Hautmont) heraus G.Waitz MG. SS. 14, 253. Eine französische Übersetzung des 13. Jahrhunderts war zum Teil schon von Bethmann herausgegeben (MG. SS. 7, 510—525), ihr Ende fand sich im Vat. reg. 760, und danach erschien der Schluß durch Waitz', SS. 14, 249—253. Man sieht aber an dieser Cambraier Bistumsgeschichte deutlich, wie die späteren Generationen in fortlaufender Reihe das ursprüngliche Werk immer wieder der Fortsetzung für wert gehalten haben, wenn sie auch in der Form wesentlich von ihm abweichen und an die Stelle der Prosa die mehr volkstümlichen Rhythmen setzten und die lateinische Gelehrtensprache in die romanische Volkssprache umwandelten. Vita Gaugerici. Noch vor der Bischofsgeschichte "schrieb der Verfasser ein Leben des früheren Bischofs Gaugericus, auf das er sich in den Gesta 2, 4 p. 456, 12 und 457, 5 bezieht. Nämlich diese Vita Gaugerici ist an Bischof Gerhard gerichtet, den ihr Verfasser als seinen acliutor bezeichnet und der ihm sehr nahe stand. Außerdem ist der Stil beider Schriften sehr ähnlich und es begegnen in beiden viel seltene Worte; 1 ) außerdem macht der Verfasser 2, 5 in sehr eindringlicher Weise auf das Leben aufmerksam und benutzt in den Gesta die im Leben geschilderten Wunder. In dem an Gerhard gewendeten Vorwort sagt nun der Verfasser, daß der Bischof erfahren habe, daß man früher in Cambrai einen sehr großen Band über das Leben Gaugerichs besaß, von dem der, den man heute noch besitze, nur einen kleinen Teil darstelle. Gerhard habe daher überall nach einem so kostbaren Schatze suchen lassen, bis ihm endlich ein sehr altes Buch aus dem Norden angeboten, worden sei, das er auch kaufte. Darauf habe Gerhard ihn gebeten aus den beiden Lebensbeschreibungen ein Buch zu machen und besonders unter Wahrung des Inhalts Stil und Rede zu verbessern. Es sei ihm freilich, der noch nichts geschrieben, seltsam vorgekommen, als Verbesserer der Alten aufzutreten, und er sei in große Zweifel verfallen, ob er dem Befehl nachkommen solle. Doch da er Gerhard ') Das Wort baehania (Gesta 2,5 p.457,13 und 458.39) steht Vita Gaug. 1 (Acta SS. Aug. 2, 675). Gesta episcoponun Cameracensium. 345 viel zu verdanken habe, habe er diese Syrten des Zweifels überwunden und Gerhards Willen verankert und das Werk verfaßt. Nur möge Gerhard die Leser ermahnen, sie möchten in seiner Schrift nicht etwa glänzende Rede und großartige Worte suchen. Aus diesem Vorwort könnte man schließen, daß es früher in Cambrai ein sehr ausführliches Leben Gaugerics gegeben habe, das dem Gerhard nach langem Suchen endlich aus der Fremde angeboten wurde. Der Tatbestand ist freilich anders. Wir besitzen heute noch die beiden älteren Biographien, nachdem vor kurzem die älteste aufgefunden und in den Analecta Bollandiana herausgegeben wurde. 1 ) Die jüngere unterscheidet sich aber von der älteren 2 ) durch ihren Umfang fast gar nicht, nur ist ihr Stil besser und gefälliger, sie ist also lediglich eine stilistische Überarbeitung des älteren Werkes. Und von einer -Vereinigung beider kann insofern gar keine Rede sein, als sie im Stoff beide fast übereinstimmen. Natürlich wußte man im 11. Jahrhundert nichts Weiteres über den Heiligen, als was in den beiden älteren Leben steht, und des Verfassers Arbeit konnte beim besten Willen nur eine stilistische sein. Und der Vergleich lehrt, daß der Verfasser die jüngere Biographie zugrunde legte und in einer allerdings unerhörten Weise stilistisch erweiterte. Er hat es fertig gebracht, die vierzehn Kapitel der Vorlage zu 61 Abschnitten zu zerdehuen, indem er seiner Phantasie völlig freien Lauf ließ und überall novellistische Zutaten machte, so daß aus dem höchst bescheidenen Original eine weitläufige Erzählung wurde, ohne daß sachlich auch der geringste Zusatz dazugekommen wäre. Epische Breite schien ihm die Hauptsache zu sein und eine gewisse Behaglichkeit läßt sich seiner Arbeit nicht absprechen. Diese war natürlich der Erbauung gewidmet und sie mag den Zweck wohl auch erfüllt haben. Zunächst richtete der Verfasser ein weiteres Vorwort an den Leser: Er werde seine Schrift in drei Bücher teilen, damit der Leser durch die betreffenden Absätze eine Erholung habe. Nämlich der erste Teil solle gehen von der Jugend des Heiligen bis zur Erhebung zum Bischöfe, der zweite dessen Bischofszeit bis zum Tode schildern und der dritte die Wunder darstellen. Dem Vorworte, das mit der gewohnten Bescheidenheitsphrase schließt, werden einige Verse angehängt, die den gleichen Inhalt haben. Die eigentliche Schrift beginnt mit den Eltern und dem Geburtsort des Heiligen. 3 ) Lage und Reize des Ortes werden geschildert und die landschaftlichen Vorzüge der Gegend ausgemalt, wobei auch der Fluß Karus gerühmt wird. 4 ) Die Gegend sei so schön, heißt es, ut veri gaudü, quantum quidem ad rusticam lingnam rkcitatem adeptus, in ricco etiam et gaudenti oppido nasceretur. Und so geht die Erzählung weiter, die wenigen Worte der Vorlage werden auf das breiteste ausgesponnen und ganze Reden frei erfunden, wie Kap. 21, das die Rede des Heiligen an einen aussätzigen Heiden wiedergibt, von Anfang bis Ende freie Erfindung ist. Das zweite Buch erhält eine neue Vorrede, sie enthält ') Anal. Boll. 7,388 - 398. j dii substantiam sonat (= sv ovola). Acta SS. Aug. 2,672—675. 3 ) Hier c. 7 p. 677 die entsetzliche Etymologie Euusium namgue graecizantibiis gau- 3, 407. 4 ) illimis, visu argenteus nach Ovid. Met. 346 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. aber nichts anderes, als was die Vorrede zum ersten Buche besagt, und einige Phrasen. Dagegen ist ein Teil von Kap. 35 ganz nach den Gedanken von Sulpicius Severus in der Vita Martini gearbeitet und dieser Abschnitt wie die beiden folgenden wieder freie Erfindung; nämlich Kap. 36 f. geben eine große Blütenlese von Tugenden des Heiligen, die in affektierter und ermüdender Weise vorgetragen wird. Die Abschnitte 43—48 gehen eben- • falls lediglich auf die Phantasie des Verfassers zurück und 56—61, wo vom Tod und von der Bestattung die Rede ist, sind ebenfalls fast frei erfunden, indem sie sich stofflich nur an ein einziges Kapitel der Vorlage (14) anlehnen. Die Vorrede zum dritten Buche berichtet vom Stocken der Arbeit. Denn sein Gönner, der ihm die Arbeit auftrug, sei so leidend gewesen, daiä er selbst zwei Monate hindurch Griffel und Schreibtafel nicht zur Hand genommen. Gerhard habe nämlich am Karbunkel gelitten und die Ärzte hätten ihn aufgegeben; da aber die Krankheit nun gehoben sei, habe ihn Freude erfüllt und er sei wieder an die Arbeit gegangen. In diesem Buche werden dann nur Wunder berichtet, deren erstes (Kap. 65) der Verfasser später in seine Gesta aufnahm. Die Schrift wurde späterhin aber aus den Gesta erweitert, indem der Anhang von Kap. 72—82 von dort entlehnt wurde. So bietet die ganze Arbeit mit Ausnahme der Wunder nichts Selbständiges und bedeutet nur eine starke stilistische Erweiterung der alten Vorlage. Zeugnisse. Die Widmung Epistola ad Gerardum episcopum Camerasensem. Der Verfasser sagt von ihm 3 p. 676 cui certe . .. debitor sum, 63 p, 689 mens .. . vivat adiutor, 62 p. 688 nosterque Ezechias protelatus ad vitam. Vorwort (Acta SS. Aug. 2, 675) Cum olim ... de vita . .. Gaugerici grandein et miraculosum codicem, de quo hie premodicus, quem nunc habemus, decerptus fuerat, a senioribus didicisses late compositum sed sub bachania paganorum . .. concrematum . .. laborasti et sieubi thesaurum tanti pretii reperires .. . per- quisisti . . . donec forte . . . vetustissimum librnm nescio quis peregrinus ab Arctois ftnibus nobis detulit venumdandum ... quem tu pie ac desiderabiliter amplexatus . .. illico me iussisti meliore stilo corrigere et ex duobus libellis, ex nuper invento videlicet et ante habito, mutatis tarnen sermonibus sed servatis rerum. sensibus unutn corpus efßcere. 2 p. 676 Sed nee mearum virium est, mi domine, quod iniungis .. . ut qui needum scribendi genus attigeram, tarn quasi novus veterum reprehensor ad tantum opus impudenter erumpam ... 3 Has itaque Syrtes ambiguitatis eluetans tuis nutibus consilium anchorabo . . . tuaeque voluntati .. . satisfacere non morabor. Zu den seltenen Worten vgl. 10 p. 677 lectionibus scholizabat. Temperior vero lectum accedens; 14 p. 678 clerocinari . .. satageret monefecit; 18 p. 679 iuxta legis entölen; 19 p. 679 se ac parvulis adiuxtabat; 21 p. 680 neque sui depudescens deiecit se ad ... con- fessionis substernia; 22 p. 680 furnedinem mundaturus; 29 p. 681 sexus et aetatis disparüas exultim tripudiat; 31 p. 681 philopompi tyrannidem (vgl. auch unten zur Vorrede des 3. Buches). Anlehnung an die Vita Martini c. 35 p. 683 Praesul .. . quantum se et qualem effuderit. ■ . nee stili certe est nee temporis explicare (Vita Mart. 10, 1 p. 119, 26), cum siquidem rerum magnificentia orationis inopiam vincat grandique materiae ingenii parvitudo suecumbat (V. Mart. 26, 1 p. 136, 2 ff.) . .. vitae tarnen interioris arcana et quotidianae conversatiqnis in- signia non possunt facile aestimari (V. Mart. 26, 2 p. 136, 5 ff.). Vorrede zu Lib. Hl (c. 62 p. 688) qui ad haec me impulit, officiosus existam. De cuius sane infirmitate recenti adeo totus et dolore contabui .. . ut in his duobus fere mensibus mei etiam pene immemor et stilum et tabulas abhorrerem ... Quid eni-m serium inter. crebra suspiria cogitare ... cum meum seniorem .. . morbus latine quidem carbunculus sive furunculus, anthrax vero aeolice dictus arripuit, pedemque plilegmonicum tantus timor . . . invasit, ut medici . . . inter prognosiae argumenta deeepti ... de morte finitima susurrarent. Nunc autem quoniam erysipelata twgido praeter spem sensim resoluta saniem puncto ulceris rheumatizat nosterque Ezechias protelatus ad vitam ... repletum est gaudio os nostrum .. . (63 p. 689) cum mihi mens deo gratias de gravi valetudine redditus vivat adiutor, cuius instinetu laborem suseeptum percurrere non recuso. Aus dieser Vorrede ergibt sich übrigens, daß der Verfasser in der medizinischen Terminologie wohl zu Hause war, wenn er auch deren griechische Worte sowohl der Form als der Bedeutung nach nicht selten abänderte. Ohne Zweifel stammen aber manche seiner Rodulfus Glaber. 347 seltenen Ausdrücke aus irgend einem Glossar 1 ) und der Verfasser hat entschieden mit solchen in der gewöhnlichen Ausdrucksweise nicht vorkommenden Wörtern prunken wollen. Ueberlieferung. Eine Vita Gaugerici wird erwähnt in Corbie s. XII (Becker 136, 261). Hss. des Lebens in Chartres 68 s. XI; Köln VI. 18 s. XI; St. Omer 716 s. XII. Paris St. Martin 108; Cambrai 768 s. XI. Ausgaben Acta SS. Aug. 2, 675—693, Acta SS. Belgii ed. Ghesquiere 2,273. Zur Vita s. B. Krusch, Neues Archiv 16,227—234. Im allgemeinen vgl Wattenbach 2,164ff. Die älteste Vita in Chartres 68 s. X, Bruxell. 7984 s. X, Paris. 9742 s. XII, vgl. Annal. Bolland. 7, 387; vielleicht auch im Monac. 14364 s. IX f. 133—138. 47. Rodulfus Glaber. Rodulf mit dem Beinamen „der Kahle" ist vor dem Jahre 1000 in Burgund geboren. Denn dorthin weist seine Jugend und dort liegen die Klöster Dijon, Auxerre und Cluni, in denen er sich am liebsten aufhielt. Nach der gewöhnlichen Auffassung wurde er von einem Oheim im Alter von zwölf Jahren ins Kloster Saint-Leger de Champeaux gebracht, was aber von E. Petit 2 ) bestritten wird, nach dem Rodulf zu St. Germain in Auxerre eintrat. Nach mehrjährigem Aufenthalt wurde er dort von den Brüdern wegen seiner Aufsätzigkeit vertrieben und er ging ins Benignus- kloster zu Dijon. 3 ) Auch dort blieb er nicht lange und er wandte sich dann nach Moutiers. Wahrscheinlich ist er später nach Dijon zurückgegangen, wo er sich vielleicht von 1015—1030 aufhielt; doch nahm er während dieser Zeit kurzen Aufenthalt in Beze. Später begab er sich nach Cluni, an dessen Abt Odilo er sich eng anschloß, wie er auch vorher in Dijon zu Abt Wilhelm ein enges Verhältnis gehabt hatte. Seine letzten Lebensjahre aber verbrachte er wieder in St. Germain zu Auxerre. Aus diesem vielfachen Wechsel seines Aufenthaltsortes geht hervor, daß Rodulf eine unruhige Natur war, und denselben Eindruck gewinnt man bei der Lektüre seines Hauptwerkes Historiae. Denn wenn man in ihm auch einen gewissen chronologischen Faden erkennt, den die Regierungen der Kaiser und der westfränkischen Könige abgeben, so sind doch seine einzelnen Teile zeitlich äußerst verwirrt, und man möchte sagen, er schrieb das, was ihm gerade einfiel. Dazu kommt, daß seine zeitlichen Anknüpfungen geradezu bedauerlich unbestimmt und allgemein gehalten sind, so daß die sichere Datierung einer großen Menge von Tatsachen auf bedeutende Schwierigkeiten stößt. Damit hängt es zusammen, daß sowohl die Zeiten wie die Orte, wo er sein Werk geschrieben hat, schwer zu bestimmen sind. Über beides herrscht daher unter den Gelehrten eine große Uneinigkeit, die hier wiederzugeben viel zu weit führen würde; ich verweise daher unten auf die einschlagende Literatur. Es ist nicht einmal sicher, wo er sein Werk begann. Vielleicht war es zu Cluni, an dessen Abt Odilo er die Widmung der Historien richtet. Im Eingang der Widmung berichtet er, daß sich die Brüder bei ihm beklagt hätten, daß in neuerer Zeit niemand die Geschichte der Kirche und *) Es würde sich vielleicht lohnen, diese Worte aus den Gesta und der Vita glosso- graphisch zu verfolgen, um daraus einen Schluß auf das oder eines der in Cambrai gebrauchten Glossare zu ziehen. 2 ) Revue historique 48,283 ff. 3 ) E. Petit läßt ihn a. a. O. aber im Jahr 1004/5 gleich nach Moutiers gehen. H. Kuypers (Studien über Rudolf den Kahlen, Münster 1891) verlegt seinen Aufenthalt in Moutiers erst ins Jahr 1040. 348 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. des Volks schreiben wolle, seit Beda und Paulus (Diakonus) ihre Volksgeschichten geschrieben hätten. Dies könne doch ebenso fruchtbringend für die Zeit um 1000 geschehen, und daher habe er beschlossen, Odilos Befehl x ) und dem Willen der Brüder zu gehorchen. Er stelle fest, daß das Jahr 1002 das erste des Sachsenkönigs Heinrich (II.) und das Jahr 1000 das dreizehnte König Roberts von Frankreich sei. Und da er von den Ereignissen der vier Teile der Welt berichten wolle, so werde er zunächst von der göttlichen Vierheit schreiben. So beginnt er mit der beliebten, erkünstelten Zahlensymbolik sein Werk. Es ergibt sich aber aus seiner Vorrede deutlich, wie wenig er mit der Geschichtschreibung West- und Ostfrankens seit den letzten zwei Jahrhunderten bekannt war, obwohl er sich doch in großen und bedeutenden Klöstern schon aufgehalten hatte. Übrigens geht aus seiner Darstellung durch häufige Erwähnung der alten Bezeichnungen Neustrien und Austrasien 2 ) hervor, daß eine gewisse Einheit des großen Frankenreiches für ihn noch bestand. Die Darstellung hebt dann mit der Versicherung an, daß er sprechen wolle vom Jahre 900 ab von den berühmten.Männern in Staat und Kirche und von den Vorfällen in der kirchlichen und profanen Geschichte; es wird also eine Universalgeschichte angekündigt, wenigstens soweit sich das Frankenreich erstreckt. Und viel weiter hat der Blick des Verfassers auch nicht gereicht, der Norden und Osten Europas bleibt ihm fast unbekannt, Spanien wird kaum erwähnt und nur recht unbedeutende Dinge werden aus Jerusalem berichtet; die Araber (Sarazenen) und Mahomed erscheinen nur im Zusammenhang mit einem Ereignis aus dem Leben Odilos. Und wie verschieden ist die Berichterstattung! Aufstände und Ketzereien, Visionen und Wunder werden meist breit und mit Behagen erzählt, Himmels- erscheinungen, Vorzeichen, Hungersnöte und große Sterben werden ausführlich dargestellt, Aberglauben aller Art, darunter der Chiliasmus, 3 ) macht sich breit, Anekdoten erscheinen, Reliquien werden besprochen. Mitten in geschichtlichen Ereignissen stehen längere theologische Abhandlungen und moralische Ergüsse, und es fehlt sogar nicht an Naturphilosophie und Kalenderwissen, wie auch das Kirchendogma und der Zwist mit den Juden nicht unberührt bleiben. Von dem übrig bleibenden Räume nehmen kirchliche Dinge einen großen Teil in Anspruch, und die eigentliche Geschichte kommt nach alledem recht kurz weg. Es fehlte dem Verfasser nicht nur ein fester Plan, sondern es mangelte ihm auch an einem guten Vorbilde für seine Darstellung: er scheint ohne jede ernstere Vorbereitung an sein Werk gegangen zu sein. Jedenfalls hat er sich nicht nach den viel höher stehenden, von ihm genannten Darstellungen eines Beda und Paulus gerichtet und auch bei seinen Zeitgenossen sieht man sich nach einer ähnlich konfusen und planlosen Berichterstattung vergeblich um. Große Schwierig- ') Dem widerspricht Rodulf Vita Wilhelmi 27 (Migne 142, 718B) wo er sagt, daß er sein Geschichtswerk auf den Befehl Wilhelms von Dijon verfaßt habe. Er erhielt vielleicht vonWilhelm die Anregung, während ihm Odilo die Fortsetzung des Werkes auftrug. 2 ) Vgl. Raoul Glaber. Les cinq livres de ses histoires. Publies par Maurice Prou p. 136. 141 (Index). 3 ) Darüber ist besonders zu vergleichen K. Grund, Die Anschauungen d. Rodulfus Glaber in seinen Historien (Greifswald 1910), der Benutzung der XII abusiva saeculi erweist. Rodulfus Glaber. 349 keiten muß ihm die Disposition gemacht haben, denn der Wortlaut der Kapitelüberschriften entspricht oft nur zum kleinen Teile dem Inhalt der Abschnitte. Überall aber tritt eine ganz besondere Vorliebe für Cluni hervor, und man möchte vermuten, daß er, wenn er sein Werk überhaupt nicht in diesem Kloster begonnen hat, in die früheren Teile später einzelne Abschnitte über die Geschicke dieses Klosters einschaltete. Und seiner großen Verehrung für Abt Wilhelm von Dijon entspricht es, daß er gern und viel von ihm berichtet. Aber auch über eigne Erlebnisse oder doch über seine Anwesenheit bei gewissen Ereignissen läßt er sich gern aus, freilich unter so unbestimmten Zeitangaben, daß die Gewinnung sicherer Daten fast unmöglich erscheint. Übrigens läßt sich aus einer Stelle x ) seiner Vita Wihelmi ein allgemeiner Gesichtspunkt gewinnen, der für Rodulf zur Abfassung der Historien maßgebend war. Denn danach kam es ihm darauf an, die Ereignisse und Wunder zu buchen, die um das Jahr 1000 und kurz nachher eingetreten waren. Er teilte also die Anschauung der Zeitgenossen, daß die Geschehnisse der Welt um jene Zeit besondere und wichtige waren; glaubte man doch, daß um das Jahr 1000 der Untergang der Welt bevorstehen müsse. — Neben den gerügten Mängeln treten aber noch andre und zwar formale hervor. Zunächst leidet die Sprache oft an Unklarheit und Dunkelheit, Rodulf ringt trotz alles Wortreichtums nicht selten mit dem richtigen Ausdruck und trifft hier oft eine wenig günstige Wahl. Mehrfach ist der Ausdruck gesucht und unnatürlich, besonders in der Widmung, die Rodulf nach Sitte der Zeit mit einem großen Wortschwall aufbauschte. Nicht selten fehlt es auch, abgesehen von romanisch gewordenen Bildungen, 2 ) an der grammatischen Richtigkeit. Manche Stellen erscheinen nach bestimmtem Schema gearbeitet, namentlich die Charakteristiken von Persönlichkeiten, die meist gänzlich monoton und ohne In- dividualistik sind. Natürlich fehlt es nicht an entsetzlichen Et3 r mologien, wie 3,18 p. 67 Cluni ex'situ eiusdem loci adclino oder a chietido 3 ) genannt wird. Zuweilen prunkt der Verfasser mit einer gewissen Kenntnis des Deutschen, so 3,1 p. 51 lingua enim theutonica berch mons appellatur.*) Sehr gering sind die literarischen Kenntnisse Rodulfs. Er erwähnt 2, 2 die Gesta ßrandani. 2,16 die Vita Germani und 3,17 die Gesta Mauri und führt 3, 32 anonym eine Stelle aus Terenz (Eun. 4, 7, 42) an. Sonst lassen sich vereinzelte Spuren aus Sallust, Vergil und Lucan erkennen. Nicht selten spricht er sich über astronomische und kirchlich-chronologische Dinge aus, aber der Abschnitt 2, 13, wo er vom Vesuv handelt, läßt sein Wissen als sehr gering erscheinen, da er diesen Berg nach Afrika versetzt. Seltsam ist die Erzählung vom Grammatiker 6 ) Vilgard aus Ravenna (2, 23), dem einst in der Nacht Teufel in der Gestalt von Vergil, Horaz und Juvenal erschienen und Dank dafür abstatteten, daß er ihre Werke besonders hoch- ') 27 Migne 142, 718B maxima .tarn ex I und Mint (populus) abgeleitet parte eventorum ac prodigiorum, qttae circa et infra incarnati salvatoris annum contigere millesimum, descripseram. 2 ) Wie z.B.acta statt acW(Prou)p 85,28. ) p. 67, 9 quoniam cluere crescere dici- *••*•; — 1,18 wird Normanni von Nort (aquilo) 4 ) Vgl.VitaWilhelmi 22 (M i gn e 142,714 C) Xam lingua barbara Herman in nostra homo errans (!) dicitnr. 5 ) Hier heißt es p. 50.9 sicut Italicis mos semper fuit artes negligere ceteras, illam (Grammatik) sectari. 350 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. halte und für ihr Andenken bei der Nachwelt sorge. Vilgard ließ sich durch dies Gaukelspiel betrügen und lehrte, daß man den Worten der Dichter unbedingt Glauben schenken müsse. So verfiel er der Ketzerei und wurde vom Erzbischof Petrus verurteilt. Man sieht hieraus, welche Bedeutung jene Dichter für den Lehrer der Grammatik in jener Zeit hatten, und daß es Rodulf wesentlich darauf ankam, alle möglichen Ketzereien für sein Werk zu sammeln. Das enge Verhältnis, das den Verfasser mit Cluni und Dijon verband, ermöglichte es ihm, mehrfach aus der Korrespondenz der Äbte dieser Klöster in seinem Werke Anführungen zu machen. So benutzt er 1, 9 einen Brief, den Majolus an seine Mönche schrieb, als er in die Gewalt der Sarazenen gefallen war, und 4, 3 schreibt er einen Brief Wilhelms an Papst Johann XIX. wegen Übergriffe der griechischen Kirche ab. 1 ) Sonst nennt er nicht eben viel Zeugen für die in seinem Werke erzählten Ereignisse. So beruft er sich 4,19 auf eine Mitteilung, die Bischof Udalrich von Orleans ihm gemacht hatte, und 4, 20 erzählt er, daß Erzbischof Wido von Reims ihm von ungewöhnlichen Bewegungen des Morgensterns 2 ) berichtet habe, die die Seinen gesehen hätten. Als Augenzeugen nennt er sich selbst in Cluni 3,12, in Beze 4,18, während er 4, 7 f. von seinem eigenen Eingreifen in kirchliche Verhältnisse spricht; Partei ergreift er offen gegen ketzerische Versuche 3, 28. Am Schluß des Werkes, der von der Austilgung der Simonie durch Heinrich III. handelt, führt er eine längere Rede des Königs an, die vielleicht einigen Anspruch auf Echtheit erheben kann. Wahrscheinlich in Cluni 3 ) und zwar nach dem Jahre 1031 ging Rodulf daran, das Leben des von ihm hochverehrten Abtes Wilhelm von Dijon zu beschreiben. Lange Zeit hatte er sich bei ihm im Benignuskloster aufgehalten und hatte ihn 1028 nach Italien begleitet. 4 ) Über sein Wirken (990—1031) war er daher gut unterrichtet, und da Wilhelm durchaus die cluniacensische Reform vertrat, zu deren unbedingten Anhängern'Rodulf zählte, so mochte diesen eine solche Aufgabe besonders reizen. Er widmet seine Arbeit allen Geistlichen und Mönchen und erzählt im Eingange von Wilhelms Vorfahren und von dessen in äußerst kriegerische Zeit fallender Geburt. Freilich sind die Nebenumstände, die von Berengars Tode und dessen in einem Kastell zu Novara eingeschlossener Witwe berichtet werden, völlig sagenhaft und unhaltbar. Bei der Jugendgeschichte Wilhelms fehlt es denn auch nicht an der üblichen Vision der Mutter und anderen Wundern. Aber Rodulf weiß dann viele konkrete Züge aus dem Leben des jungen Mannes zu erzählen, der selbst Mönch wird und schließlich eine Menge Klöster übertragen erhält. In Dijon gelingt es ihm, das Grab des hl. Benignus aufzufinden, und bei dieser Gelegenheit greift Rodulf auf Gregors von Tours De gloria martyrum 1, 51 und De vitis patrum 7 sowie auf die Passio s. Benigni zurück. Namentlich wird dann Wilhelms enges' Verhältnis zu ') Aus einem Ermahnungsschreiben Wilhelms an denselben Papst bringt Rodulf ein Stück in derVitaWilh.l9(Migne 142,713B). ') 4,20 p. 130,16 Stella Bosforus (= Phos- pliorus) qiie et Liicifer. 3 ) Vgl. E. Petit, Rev.hist.48,292. 4 j Hist. 4, 7 p. 97,32 nam et egomet cum sepius nominato abbate illuc deveniens in- tereram (nämlich in Susa). Rodulfus Glaber. 351 Cluni und zum Papsttum hervorgehoben und seine Geltung bei Heinrich II. und bei Robert von Frankreich in ein sehr günstiges Licht gestellt und seine Mißachtung des Bischofs Leo von Vercelli scharf gekennzeichnet. Dann wird die Bedeutung Wilhelms an der großen Zahl der Klöster und Mönche, die ihm unterstanden, sowie an seinem Eifer für gute und reine Musik klargelegt, und am Ende des Werkes werden die nötigen Wunder und Visionen berichtet, die der Heilige veranlaßt hatte. Die Biographie ist im ganzen inhaltreich und nicht unbedeutend und dürfte in vielen Beziehungen auch wahrheitsgetreu sein. Namentlich aber zeichnet sie sich vor den Historiae durch ihr besseres und durchsichtigeres Latein aus, wenn es auch an sprachlichen Unklarheiten nicht ganz fehlt, und viele Stellen an großem Wortreichtum leiden. Wie in den Historien neigt Rodulf auch hier stark zur Reimprosa. Es scheint, daß Rodulf seine Historiae nicht zu Ende geführt hat, es fehlt ihnen an einem wirklichen Schlüsse; und es ist anzunehmen, daß er vor der Beendung vom Tode überrascht wurde. Sein schriftstellerisches Wirken steht formal durchaus nicht auf der Höhe, aber seine Historien bedeuten doch zu einer Zeit, da in Frankreich die historiographische Tätigkeit ganz daniederlag, ziemlich viel, da sie eine nicht geringe Menge von Stoff allein überliefert haben. Daher steht er, obwohl bei Benutzung seiner Nachrichten Vorsicht geboten ist, in Frankreich in hohem Ansehen. K.Grund hat mit Recht betont, daß das Bild Konrads II. als des rex iniustus verzeichnet wurde und daß Heinrich III. als der rex iustus behandelt worden ist. Bei Rodulf vereint sich nach Grund cluniacensische Parteifärbung mit antichrist-eschatolögischen Ideen, mit sibyllinischen Vorstellungen und pseudocyprianischen Anschauungen aus den Abusiva saeculi. Zeugnisse. Zum Namen vgl. die Widmung der Historiae (Prou) p. 1 Clarovum virorum illustrissimo Odiloni .. . Glaber Rodulfus, während das Vorwort der Vita Wilhelmi (Migne 142, 702 D) nur monachorum infimus Bodulphus gibt; der Beiname Glaber (der Kahle) erklärt sich aus der späteren Zeit der Widmung der Historiae. Die Geburtszeit ergibt sich daraus, daß das Werk dem Odilo gewidmet wurde, der am 1. Januar 1049 starb. Das Jahr 1046 hat er jedenfalls erlebt, da er 5, 18 p. 128, 7 vom Jahre 1046 spricht, obwohl die hierzu gemeldete Mondfinsternis wirklich 1044 stattfand; er ist überhaupt, wie Waitz (MG. SS. 7, 49 n. 11) bemerkte, bei den letzten von ihm dargestellten Ereignissen stets um zwei Jahre voraus. Sein Eintritt ins Kloster wird von ihm selbst.erzählt, vgl. Hist. 5, 3 p. 116; da im vorausgehenden Abschnitt 2 p. 115, 20 vom Aufenthalt in b. martyris Leodegarii monasterio quod Capellis cognominatur die Rede ist, so hat man den Eintritt hierher verlegt; dagegen E. Petit, Rev. hist. 48, 283 ff. Eintritt in Dijon 5, 4 p. 116, in Moutiers 5, 5 p. 117. Aufenthalt in Beze 4, 18 p. 107, 18 Cuius socii revertentes nobis ea que diximus retulerunt positis tunc apud Besue monasterium. E. Petit nimmt folgende Gruppierung vor (Rev. hist. 48, 295) 997—1004/5 in St. Germain, währenddessen kurzer Aufenthalt in Saint-Leger de Champeaux, 1004/5—1015 in Moutiers, 1015 — 1030 in St. Benigne zu Dijon mit kurzem Aufenthalt zu Susa, 1030—85 in Cluni. 1035 bis zum Tode in St. Germain. Zur Lebensgeschichte Rodulfs vgl. Prou p.Vf. und L. Havet, Rev. historique 40, 44 ff. Ueber die Zeitverhältnisse in den Historiae handeln E. Sackur, Neues Archiv 14, 379 ff.; L. Havet, Rev. hist. 40, 41-48; E. Petit, Rev. hist. 48, 283—299; H. Kuypers, Studien über Rudolf den Kahlen, Münster 1891. Sackur meint, daß das Werk in Dijon begonnen wurde (um 1020), Kuypers und Petit lassen den Beginn in Cluni erfolgen. Die Widmung s. oben. Zur Veranlassung vgl. (Prou) p. 1 lustissima studiosorum fratrum querimonia -interdumque propria sepius permotus . . . (p. 2, 9) et idcirco, prout valeo, vestre preceptioni ac fraterne voluntati obedio und Vita Wilh. 27 (Migne 142, 718 C) Ipsius {Wilhelmi) namque imperio . .. quae circa et infra incarnati salvatoris annum contigere millesitnum descripseram. Im Buch 1 — 3 werden die Ereignisse bis 1000 dargestellt und in Buch 4 und 5 bleibt zwar die Endzahl 1000. aber nicht nach Christi Geburt, sondern nach Christi Tode; vgl. Sackur a.a.O. S. 383. Eine ausführliche Analyse des Inhalts der Historiae gibt Sackur S. 386—402. An- 352 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. kündigung 1, 4 p. 5, 17 Dicturi igitur ab anno DCCCC mo incarnati . . . verbi ad nos usque qui claruere viri in Romano videlicet orbe insignes catholiee fidei cultores et iustitie, prout certa relatione comperimus vel visuri superfuimus, seu etiam qui verum eventus, queve per- plura contigerunt memoranda tarn in sacris ecclesüs quam in utroque populo, primitus ad illud totius quondam o?-bis Imperium principale scilicet Romanum coqgertimus stilum. Von den Moslemin weiß er einiges zu berichten 1, 9 p. 11, 33 Siquidem Sarraceni Hebreorum quin potius Christianorum prophetas legunt, dicentes etiam completum iam esse in quodam suorum quem Uli Mahomed nuncupant, quidquid de universorum domino Christo sacri vates predixerunt, sed ad errorem illarum comprobandum etiam ipsorum genealogiam penes se habent ad similitudinem videlicet evangelii Mathei ... Zu den Ketzereien vgl. 2, 22 23. 3 26f 31. 4, 5. zu den Visionen 1, 14, 2, 19 f. 4, 6. 5, 1 f.') 5 ff. 9 f.; Wunder 2, 8. 3, 21 f. 4, 9. 18] 5,23; Himmelserscheinungen. Vorzeichen. Hungersnöte, Sterben, Aberglauben aller Art 2 3 13 f. 17. 21. 3.9.4,9—13. 14. 16 f. 24—26. 5, 18 -20; Anekdoten 2,2. 5,24; Reliquien 3,19] 4, 6 f.; theologische Abhandlungen 1,24—26. 3,28—30, 5,11 f.; moralische Ergüsse 2,10—12; Naturphilosophe 3,10; Kalenderwissen 5, 14; Dogma 3,12; Jüdisches 3, 24f.; kirchliche Dingo 2, 5—7. 9. 3,10. 13. 4, 2. 15. 5, 15f. 25; Mystik 1, 2f.; Heilige 1, 10. 2, 2; heiliges Grab 4 18-21; Islam 1, 9. 17. 2,18. 3, 24, 4, 22. Üeber (Jluni spricht er 1. 9. 23. 2, 14. 15. 16. 3,12' 3, 18 (hier besonders) 5, 13. 21. Ueber Wilhelm 3, 16 f. 18. 4, 3. 7. IS. Persönliches bringt er 3,12. 20. 4,8.5,2—5.8. Besondere Worte sind 1,4 p. 6, 9 belliones; 3, 10 p. 60, 21 f. malinae und ledones (Ebbe und Flut); 3.38 p. 61, 7 .cirrmum (eis Rhenum) und 18 das Fremdwort tesmoforus; seltsam 5, 20 p. 130, 18 idemtitabat (?). Ein Sprichwort 4, 2 p. 92,17 Estque proverbium aureo pugillo murum frangere ferreum Zu den Etymologien vgl. auch 2, 9 p. 36, 35 diciturque Aureliana quasi Ore Ligeriana, eo videlicet quod in ore eiusdem fluminis ripe sit constituta und 4, 23 p. 111, 9 et iccirco Leutici quasi lutei vocantw. Zu Sallust vgl. 5, 25 p. 134, 16 Omnia quippe ... habebantur venalia (Jug. 8, 1); zu Vergil 4.2 p. 92, 16 (vgl. auch Ovid. Met. 1, 131) Sed quid non pertentat cecus amor habendi (Aen. 3, 56 f.); zuLucan 3, 35 p. 84, 20 bellum plus quam civile patratur (B. C. 1, 1). Zu Vilgard 2 ) vgl. 2, 23 p. 50 Quidani igitur Vilgardus dictus studio artis gramatice magis assiduus quam frequens . . . ls enim . .. quadam nocte assumpsere demones poetarum S2)ecies Virgilii et üratii atque Juvenalis apparentesque Uli fallaces retulerunt gratesquoniam suorum dieta voluminum carius amplectens exerceret seque illorum posteritatis felicem esse patronum . .. Hisque demo- num fallaciis depravatus ... dietaque poetarum per omnia credenda esse asserebat. Der Brief des Majolus 1, 9 p. 11, 2 Misit quoque vir sanetus per unum de suis ad monasterium scilicet cui preerat Cluniacense per parvam epistolam ita se habentem etc., der Brief Wilhelms 4, 3 p. 92 Willelmus . . . ad Romanum pontificem de hac re misit epistolam corpore brevem sed materia ingentem ac sermone pongentem 3 ) talia continentem etc Zu Udalrich 4,19 p. 107 Odolricus Aurelianorum presul illuc pergens quid viderit nobisque narraverit non preter- mittendum videtur miraculum. Zu Wido 5, 20 p. 130, 25 referente Widone Remorum archi- presule didieimus. Augenzeuge 3, 12 p. 62, 8 Nam cum ego postmodum in monasterto Cluniacense cum ceteris fratribus degerem; 4, 19 p. 107, 18 nobis ea que diximus retulerunt positis tunc apud Besue monasterium; 4, 9 p. 97, 32 und p. 98, 4 f. 8 f. Gegen Ketzerei 3, 28 p. 76 Sed et nos quoque seeundum exiguäatem nostri intellectus his quos prenotavimus illorum erroribus vel perpauca respondere decrevimus. Rede Heinrichs III. 5. 25 p. 133, 24. Wilhelm starb 1031, vgl. Vita Wilh. 29 (Migne 142, 720 A) Anno igitur ... 1031 ... e mundo transivit. Zum Jahr 1033 führt Rodulf das Leben Wilhelms an 4,9 p. 99. 9 Willelmus, de quo etiam perplura forent dicenda utilia, nisi quod in libello, quem de vita et virtutibus illius edidimus, prolata dudum A ) fuisse noseuntur. Die Widmung richtet sich an (Migne 142, 701 D) Dulcedine saneti Spiritus preditis patribus venerandis ac diligendis fratribus ubique ecclesiarum ... documentis servientibus. Zu Giegor von Tours vgl. 15 col 710 G ut b. multorum sanetorum descriptor miraculorum Gregorius Turonorum pontifex refert ... Pro cuius incredulitate narrat idem sanetus alterum . .. Gregorium Lingonensem episcopum acrius quondam fuisse increpatum. Zur Passio s. Benigni vgl 15 col 710 D quod in descripta ipsius passione legitur. Zu Leo von Vercelli vgl. 23 col. 714 D De quo etiam talia narrare solitus: Hie ergo crudelissimus Leo totus est sine deo, quia si fuisset deus cum eo, quae illius sunt amaret pro illo. Zur Musik 24 col. 715 D artiftcialis etiam muscicae perdoctus ac comptns dogmate, quidquid in psallendo choris suorum psallebatur die ac nocte tarn in antiphonis quam in responsoriis vel hymnis corrigendo et emendando ad tantam derexit rectitudinem, ut nullis decentius ac rectius psallere contingat in tota ecclesia Romana. Psalmorum nihilo- minus concentum dideissimo ultra omnes distinguens decoravit melodimate (?). ') Hier mit besonders breiter Ausmalung des Grausenhaften. 2 ) Hiermit vgl. die Vision eines jungen Mönches in der Vita Popponis 32 (MG. 11, 314,36 ff.), dem Aeneas, Turnus und andre vergilische Helden als Dämonen erscheinen. 3 ) Soll heißen pungentem. ••) Heißt im Sprachgebrauch der Zeit soviel wie soeben, eben. Gesta episcoporum Virdunensium. 353 Daß Eodulf auch der Dichtkunst gehuldigt hat, ergibt aus zwei kurzen, in die Historien eingeschalteten Gedichten. Das eine besingt den jungen König Hugo, den Sohn Roberts von Frankreich, vgl. 3, 33 p. 82. De caius etiam funere subsequentes iambicos rogatus a fratribus cecini. Es besteht aus 32 jambischen Senaren, die aber mehr rhythmisch als metrisch gebaut sind und den Tiradenreim besitzen. Das zweite bringt den Inhalt von 3, 40 notdürftig in Verse (3, 40 p. 89 cuius etiam detestans elogium paucis heroicis pemotavi) und enthält 24 Hexameter. Rodulf berichtet außerdem, daß man ihn in St. Germain aufgefordert habe, die durch Alter beinahe unleserlich gewordenen Inschriften auf den Altären wiederherzustellen, was er auch getan habe, vgl. 5, 8 p. 120. 1 Preterea egomet quondam rogatus a conservis et fratribus nostris eiusdem loci, ut altariorum titulos, qui a scolasticis vi'ris compositi olim fuerant sed vetustate ut pene cuncta fatescente minime comparebant, refonnarem; quod, ut competens erat, libenti animo quomodo valebam adimplere studui; hierauf folgt der weitere Bericht über die Wiederherstellung. Fortleben der Historiae. Die Historien sind benutzt worden in den Gesta episc. Autissiodorensium, vgl. Sackur, Neues Archiv 14, 408f., und bei Hugo von Flavigny, vgl. Sackur S. 414 f., außerdem von Thomas in der Bist, comit. Andegavensium, vgl. Sackur 8.416, aber nicht von Sigebert, S. 417 f. Prou wies außerdem in den Noten zu seiner Ausgabe von p. 30 an nach, daß der Verfasser der Gesta consulum Andegavensium das Werk von 2, 4 an sehr stark ausgeschrieben hat. Ueberlieferung. Die Historiae stehen im Paris. 10912 s. XI, der aber Lücken besitzt, die zu ergänzen sind aus Paris. 6190 s. XII f. 1—52 und aus Vatic. reg. 618 s. XV f. 1—93. Außerdem Paris. 13834 s. XVI (ist Abschrift von Paris. 10912). Vgl. die Ausgabe von M. Prou p. XI — XIV. Ausgaben in Bouquet, Recueil des hist. de France 10,1—63 = Migne 142,611—698; Maurice Prou, Raoul Glaber. Les cinq livres de ses histoires, Paris 1886; Auszüge von G. Waitz, MG. SS. 7, 51—72. Eine sehr lehrreiche Studie über Menschen und Anschauungen und Verhältnisse gab E. Gebhart, Rev. des deux mondes 1891, Bd. 107, 600—628. Vgl. Wattenbach 2, 213. Die Vita Wilhelmi ist herausgegeben Acta SS. Ian. 1, 57-65; Mabillon, Acta SS. 6, 1, 322—334 = Migne 142, 697—720. Auszüge von Waitz, MG. SS. 4, 655—658. 48. Gesta episcoporum Virdunensium. Im Jahre 893 d. h. im dreizehnten Jahre seines Episkopats begann Bischof Dado mit Aufzeichnungen über die Vergangenheit und Gegenwart im Bistum Verdun. Er fing mit den Zeiten des Bischofs Hatto an, kam dann auf dessen Nachfolger Berhard und schloß mit seiner eignen Zeit; ein Stück dieses Berichts ist erhalten geblieben. Viel später aber, nämlich 916, brannte in Verdun die Hauptkirche nieder, wobei ein großer Teil der Bücher des Bistums und der Andenken an die Heiligen zugrunde ging. Damals mochte Dado, dem die Geschichte seines Bistums sehr am Herzen lag, einem seiner Geistlichen den Auftrag gegeben haben, das zusammenzustellen, was sich aus den spärlich erhaltenen historischen Aufzeichnungen etwa noch gewinnen ließ. Dieser Kleriker war Bertarius, dessen Kindheit noch in die Tage Hattos fiel, auf den er sich damals noch gut besinnen konnte.. Unterrichtet worden war er von Berhard selbst und von anderen Lehrern und nach dem großen Brande, als er Presbyter war, erging an ihn 916 oder 917 das Ersuchen Dados, die Geschichte der Verduner Bischöfe zu schreiben. Das Werk Bertars ist nun freilich weit davon entfernt, eine solche darzustellen, denn dazu reichten die vorhandenen Mittel nicht aus. Das Gerippe gab ihm ein in Verdun vorhandener Bischofskatalog, und wenn er den darin aufgefundenen Namen und spärlichen Notizen nichts aus den ihm sonst zu Gebote stehenden Quellen hinzuzusetzen hatte, dann gesteht er das ganz ruhig ein, indem er sagt, er wisse nichts weiter von ihnen, als daß ihre Verdienste von frühester Zeit an Gott angenehm gewesen seien, oder er erzählt von Wundern, die sich später an ihren Gräbern zu- Manitiua, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 23 354 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, getragen hätten, oder er berichtet, daß sich außer der Notiz im Bischofskataloge nichts über sie vorfinde. Aber auch die weiteren Quellen sind nicht sehr zahlreich und bedeutend, obwohl wir einiges davon nicht mehr besitzen. Hauptsächlich verwendet er einige Urkunden des Hochstifts, um daraus das Anwachsen der Besitztitel aufzuzeigen, dann zieht er aus Gregors von Tours Frankengeschichte manches heraus, was auf Verdun Bezug hatte, ferner verwendet er einen Bericht aus St.Denis über Bischof Sanctinus von Meaux, ein nicht mehr vorhandenes Leben des hl. Servatius und die Leben des Lupus von Troyes und des Maximin von Micy. Dagegen klagt er darüber, daß die Vita s. Vitoni*) und die des Paulus von Verdun, die sich beide jenseits der Loire befunden hätten, nicht mehr vorhanden seien und daß die Miracula s. Agerici 2 ) in Marseille sich befänden. Über die älteren Zeiten des Bistums weiß er daher nur ganz wenig zu schreiben, nur als er zu Agericus kommt, bringt er eine größere Einlage, die er den Gedichten des Fortunatus verdankt. Hier erzählt er nämlich nach der Vita Martini Fortunats, warum dieser Dichter von Italien nach Gallien* übergesiedelt sei und bringt dann statt alles weiteren die beiden Gedichte Fortunats 3 ) auf Agericus (Carm. 3, 23 und 23 a). In dieser Weise stellt Bertar die Stücke aus seinen Quellen anfänglich meist ganz unvermittelt nebeneinander, und erst als er von Bischof Hildin gesprochen hat, sagt er, er werde nun als Augenzeuge ungezwungener berichten können. Ausführlich freilich wird er auch dann nicht, aber das kann, wie Waitz richtig bemerkt hat,*) seinen Grund darin haben, daß Dado schon über diese Zeiten geschrieben hatte, und es scheint, daß sich Bertar nicht an Dados Darstellung anlehnte. Trotz alledem ist Bertars Darstellung wertvoll, da sie die einzige Überlieferung für jene frühen Zeiten des Bistums bildet, denn auch die Gesta praedictorum pontificum nostrorum, die nach Bertars Bericht Bischof Madelveus nach Aquitanien mitgenommen hatte (c. 12), sind verloren und es scheint sich dabei mehr um Urkunden als um andre Aufzeichnungen gehandelt zu haben. Hugo von Flavigny hat später in seiner Chronik mancherlei falsche Zusätze zu Bertar gemacht und schon lange vorher erwähnt der Verfasser der Vita Pauli Virdudunensis unsern Bertar, den er aber tadelt, weil er nicht alles, was er gehört, aufgeschrieben habe. Sprache und Stil des Werkes sind einfach und prunklos, das Latein zuweilen fehlerhaft. Zeugnisse. Das Fragment Dados 6 ) Dach R. de Wassebourg (Premier volume des antiquitez de la Gaule Belgique (Paris 1549)f. 174A) bei Waitz, MG. SS. 4, 37, 18 Anno ... octingentesimo nonagesimo tertio ... nostrae autem ordinationis decimo tertio — also trat Dado seinen Episkopat 880 an — ego Dado Virdunensis ecclesiae coepi tractare in animo meo varios presentis seculi casus et priorum pontificum facta ad memoriam reducere . .. Idclrco etenim facta orthodoxorum praesulum litteris annotavi, ut eorum memoria sit ') Ein Vita s. "Vitoni befand sich s. XI in St. Riquier, vgl. Mabillon, Acta SS. ord. s. Benedicti 6,2, 332. 2 ) Eine Vita b. Agerici episcopi Virdunensis in una quaternione war s. XI in Gorze, vgl. Revue Bänedictine 22,9 N. 180. ■ 3 ) und zwar mit Hinneigung zu BL (Leo), vgl. Neues Archiv 12,591 f. 4 ) MG. SS. 4,37. 6 ) Es heißt zwar bei Bertar c. 12 (MG. SS. 4, 44, 14) et gesta praedictorum pontificum nostrorum secum ferebat, ut per illorum merita Mas res longius sitas liberius possidere quivisset (nämlich Bischof Madelveus), und hieraus könnte man noch ältere Gesta episo. Virdunensium konstruieren. Ich glaube aber, daß gesta hier = acta steht und mehr von Urkunden zu verstehen ist. Gesta episcopornm Virdunensium. 355 nobiscum aeterno; er beginnt mit Hatto, fährt mit Bernard fort und kommt dann auf seine Zeit. Zum Brande vgl. Bertars Vorrede an Dado MG. SS. 4, 39, 36 Quoniam vestro tempore per triginta et sex annos .. . multa venerunt prospera, nunc autem .. . principalis aecclesia nostra igne succensa libri et memorlae sanctorum patrum nostrorum ex magna parte eidem flammae sunt traditae. Die Widmung selbst p. 39, 34 Peverentissimo ... seniori meo domno Dadoni Virdunensis aecclesiae inclito episcopo Bertarius vester presbiter. Bertar weiß noch von Hattos Zeit c. 2 p. 40, 19 De istis enim quae nostris oculis vidimas, quamplurima referre possumus. Tempore enim Loiharü iunioris regis et domni Hattonis nostrae civitatis epi- scopi de istis ... viris reliquiae sunt sumptae ... 22 Deus testis est conscientiae meae, quia non possum ad memoriam reducere, quae a pueritia usque ad perfectam aetatem . . . ad sepulcra illorum .. . operari vidi; nachdem er dann einige Wunder als Augenzeuge erzählt hat, fährt er fort p. 40, 34 Ad quod miracidum cum domno Rattone episcopo eadem die venimus simulque cum eo vidimus coxam eins cum crure ... excoriatam. Seine Bildung zu Berhards Zeit c. 19 p. 45, 20 et pueros, inter quos ego Bertarius unus fui, in humanis et in divinis libris per se et per alios summa caritate instruxit. Zur Uebemahme der Arbeit p, 40, 2 ne autem penitus oblicioni traderetur antecessorum vestrorum sacrosancta memoria, venerabile Studium et operatio sancta, licet infirmitate et iristicia attritus, quae de sanctis antecessoribus vestris legi et a fidelibus audivi, breviato sermone comprehendere commodum duxi. Daß Bertar ein Bischofskatalog vorlag, geht hervor aus c. 7 p. 43, 10 nisi quod in ordine episcopornm episcopi sunt reperti. 1 ) Zur Art der Berichterstattung aus seinen (Quellen : Ueber die Bischöfe Pulcronius, Possessor und Firmin sagt er c. 3 p. 40, 38 de quorum memoria nihil aliud scinius, nisi quod a lyrimis temporibus eorum merita deo fuerint grata; über Bischof Paulus c. 8 p. 43, 26 Legi et picta vidi multa miracula, quae vivens in epi- scopatu gessit; über drei andre Bischöfe c. 7 p. 43, 9 De quibus nullam aliam habemus memoriam, 2 ) nisi quod in ordine episcopornm episcopi sunt reperti. Zur Benutzung von Urkunden vgl. c. 6 über Agericus, wo im Anfang der Inhalt einer Schenkungsurkunde König Childeberts wiedergegeben wird, und c. 12 über Madelveus' Schenkung an das Bistum, wo es am Ende heißt p. 44, 1 et alia plurima sicut egomet in cartis eins manibus roboratis legi. Gregors Werk benutzt er mehrfach und zwar c. 5 unter dem Namen Gesta Fiancorum, vgl. 41, 15 Post hunc extitit Desideratus episcopus, cuius tempore, sicut in gestis Franeorum leyimus (Hist. Franc. 3, 34). Ueber Sanctinus vgl. c. 1 p. 40, 8 Nam legimus quod s. Dionisius Sanctinum Meldensis aecclesiae episcopum et Antonium presbiterum mitteret mm gestis suae passionis Romain ad s. dementem. Zur Vita Servatii vgl. c. 1 p. 40, 12 Legitur vero in vita s. Servatii episcopi ubi de Agripinensis aecclesiae archiepiscopi depositione res agitur, quod interfuisset Sanctinits urbis Clavorum episcopus; davon steht in der Vita Servatii bei Krusch, SS. rer. Meroving. 3, 87—89 nichts. Die Vita Lupi benutzt er c. 3 p. 40, 40 Legitur etiam in vita s. Lupi Trecassini episcopi, Pulcronium admirandae sanctitatis virum Virdunensis aecclesiae episcopum praefulsisse tanta gratia curationum, ut religatis post tergum manibus demoniacis imperaret, vgl. hierzu Vita s. Lupi 11 Acta SS. Jul. 7, 70 E. Aus der Vita Maximini Miciacensis 5-10 (Mabillon, Acta SS. ord. s. Ben. 1, 582) hat Bertar den Bericht zu c. 4 geschöpft. Zu den Vitae Vitoni und Pauli vgl. c. 12 p. 44, 16 Et vita s. Vitoni et s. Pauli per contigua loca ultra Liggerim reperiri feruntur, und vorher 4 p. 41, 9 Vitam autem b. Vitoni a multis audivi se vidisse descriptam, sed actenus a nobis est invisa. Zu den Miracula Agerici vgl. 12 p. 44, 15 Et pro hac occasione dicunt, quod miracula s. Agerici in Massilia descripta habeniur. Jedenfalls sind diese drei alten hagiographischen Werke verschwunden. Die Benutzung Fortunats leitet Bertar mit den Worten ein c. 6 p. 41, 39 Cuius venerationis tunc temporis vir iste fuerit, ostendit s. Fortunatus in versibus quos . . . in laude ipsius composuit. Zur Berichterstattung als Augenzeuge c. 17 p. 44, 47 Deinde quod ocidis vidi liberius valeo Utteris exequere (!). Uebrigens war Bertar vielleicht noch unter Dados Nachfolger Barnoin am Leben, denn in einer an den Klerus von Verdun gerichteten Schrift heißt es (MG. SS. 4, 38, 20) Quorum unus accidit quando tempore venerabilis memorie Dadonis episcopi ignis ... civitatem concremavit und 30 wird ein Bertarius decanus als lebend erwähnt und von ihm berichtet, daß er den Ungarneinfall überlebt habe; er wird daher ein höheres Alter erreicht haben. Zur Benutzung durch Hugo von Flavigny (mit der Fortsetzung) vgl. dessen Chronik (MG. SS. VI11) Lib. 1 p. 360. 362. 365. 367 und Lib. 2, 4. 7-9 p. 370. 373 ff. Der Verfasser der Vita s. Pauli Virdun. c. 8 (Mabillon, Acta SS. 2, 261) sagt Adstipulatur huic adsertioni Bercharius prcsbgter und schreibt dann ein größeres Stück aus ihm ab, und bezieht sich c. 12 p. 263 auf ihn mit den Worten tarnen quia factum Sit praefatus presbgter non tacet. Zur Ueberlieferung etc. vgl. unten bei der Fortsetzung. ') Darauf deuten auch die Worte c. 1 p.40,6 Legimus in ista aecclesia . .. iam praecessisse triginta episcopos: 2 ) Doch bringt er über Buciowald einige Worte aus Gregor. Turon. Hist. Franc. 9,23. 9S* 356 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Bertars Werk erhielt in der Mitte des 11. Jahrhunderts eine Fortsetzung im Kloster des hl. Vitonus (St. Vannes) zu Verdun, und zwar von einem Mönche, der den großen Aufschwung des Klosters unter Abt Richard (f 1046) erlebt hatte und 1047 unter dessen Nachfolger Walerannus schrieb. St. Vannes war vom Bischof Berengar als Kloster gestiftet worden und erhielt am Ausgang des 10. Jahrhunderts den Iren Fingenius als Abt, bei dessen Tode sich nur noch sieben seiner Landsleute als Mönche vorfanden: Dieser Fingenius stand auch den Klöstern zu St. Felix und St. Clemens und St. Symphorian in Metz als Abt vor und als solcher wurde er in einem Gedichte verherrlicht, das ein irischer Mönch x ) in St. Felix auf ihn und seinen Vorgänger Kaddroe schrieb. Das Gedicht ist formal sehr mangelhaft und läßt einerseits erkennen, daß die irische Bildung doch beträchtlich gesunken war, während man vielleicht andrerseits daraus schließen kann, «daß die Cluniacenserreform auch hier ihre Schatten auf die höhere Ausbildung warf. Aber die Fortsetzung der Gesta episcoporum Virdunensium ist doch auch keine wirkliche Geschichte des Bistums. Der Verfasser besaß für den Anfang so geringe Kunde, daß er ruhig eingesteht, von Bischof Barnoin nur den Namen zu wissen, den er also dem Bischofskataloge entnahm. Im nächsten Abschnitt, der von Bischof Berengar handelt, kommt er ausführlich auf das ottonische Haus zu sprechen und verwendet hier höchst unachtsamerweise mehrere Verse des von Leo von Vercelli auf Ottos III. Tod gedichteten Rhythmus für Otto I. wie für Otto II. und erzählt darauf unter Ottos IL Namen ruhig die Daten für den Tod Ottos III.; also es gebricht ihm durchaus an der sicheren Chronologie. Viel wichtiger ist für ihn die Erzählung, daß er den Mantel gesehen habe, mit dem Berengars Leiche im Grabe bekleidet gewesen war, sowie daß er von vielen Seiten gehört habe, daß der eine Fuß dieses Bischofs noch zu dessen Lebzeiten vertrocknet sei. Erst mit Bischof Wicfrid beginnt ein etwas ausführlicherer Bericht, und wir erfahren, daß dieser Bischof sich sehr um die Taten seiner Vorgänger gekümmert und deren Leben habe nachahmen wollen und daher vieles über sie gelesen habe. Daraus scheint aber hervorzugehen, daß man im Bistum doch noch andre Quellen über das Leben der Bischöfe besaß als nur Bertars kurze Darstellung, und auf mündliche Berichterstattung weisen die Worte hin, daß er vom Abte — also wohl von Richard — die Gefangennahme Wicfrids durch Graf Sigebert erfahren habe. Es folgen in den nächsten Abschnitten die wenig erquicklichen Zeiten bis auf AdalberoII., wobei etwa kulturgeschichtlich interessant ist, daß dieser nach Salerno ging, um Heilung zu suchen, sie aber dort nicht fand. Dann findet der Verfasser Gelegenheit, über die Geschichte seines Klosters St. Vannes bis auf den Abt Fingenius zu berichten, unterbricht dann aber seine Erzählung mit der Darstellung von Bischof Heymos 2 ) Zeit, über die er mit breit ausladendem und ermüdendem rhetorischen Pathos spricht, um in Kap. 8 wieder nach St. Vannes zurückzukehren, wobei er merkwürdigerweise ') Den Einfluß der Iren in Verdun bezeugt 2 ) Auf seinen Befehl wurde die Samm- die Aufschrift aus St. Ayric zu Verdun 1070 j lungderCanonesimParis.15392 im Jahrel009 (A.M.Bandinius, Catal. cod. lat. bibl. Media ' vom Mönche Rodulf geschrieben, vgl. L.De- Laurentianae 2, 40) Psalterium I Scoticum. | lisle, Le cab. des mscr. Planches XXXII, 1. Gesta episcoporum Virdunensium. 357 Heinrich IL „den Großen" nennt. 1 ) Die bedeutende Tätigkeit des Abtes Richard gibt ihm, da er hier als Zeitgenosse schreibt, natürlich Gelegenheit zu ausführlicher Darstellung und er gedenkt hier namentlich der Konversion des Grafen Friedrich, des Sohnes von Gottfried von Lothringen, die zu der Zeit erfolgte, als Abt Fingenius mit seinen sieben Iren allein im Kloster war; mit der üblichen Breite zählt der Verfasser die großen Zuwendungen auf, die das lothringische Herzogshaus dem Kloster darbrachte. Erst dann wird die Geschichte der Verduner Bischöfe mit Raimbert fortgesetzt, dessen Nachfolger Richard wegen seiner großen und kostbaren Geschenke an die Kirche mit hohem Lobe bedacht wird; bezeichnend ist, daß weder hier noch anderwärts und auch in Bertars Darstellung nicht von Büchern gesprochen wird, wie überhaupt wissenschaftliche Dinge gar nicht zur Sprache kommen. Nach einem umständlichen Bericht über Richards Tod und Begräbnis — Richard von St. Vannes starb gleichfalls im Jahre 1046 — wird noch kurz des Bischofs Theoderich gedacht, in dessen zweitem Jahre (1047) Verdun durch Herzog Gottfried und Graf Balduin verbrannt wurde. So erhalten wir in dem kleinen Werke fast mehr eine Geschichte von St. Vannes als eine solche des' Bistums Verdun. Der Stil ist auch hier einfach und abgesehen von einzelnen Stellen prunklos; zuweilen macht sich, aber nicht aufdringlich, Reimprosa geltend. Zeugnisse. Daß der Verfasser in St. Vannes lebte, ergibt sich aus c. .6 p. 47,23 suscepit istam aecclesiam gubernandam, utpost dicemus, domnus et venerabilis pater Richardiis und aus dem Schlußsatz von c. 11 p. 51,9 Huius temporibus post transitum ... Ricardi ablatis 2 ) coenobium istud suscepit regendum domnus Walerannus. Zur Gründung von St. Vannes vgl. Hugonis Flaviniac. Chronicon (MG. SS. 8,362) und Hauck 3,364 sowie MG. Dipl. Ottonis I p. 220 N. 140; die- Namen der Aebte von Humbert an Gesta episc. Vird. contin. 6 (MG. SS. 4, 47,20ff.); die Zahl der Mönche unter Fingenius c. 9 p.48,21 quam nonnisi Septem Scotti monachi sub abbate suo ... Fingenio incoiebant. Zur Uebertragung der Metzer Klöster auf Fingenius.. Das Gedicht auf Kaddroe und Fingenius steht im Bruxell. 10615—10729 (ausCues) s. XII f.l75 b ; die letzten 121Verse 3 ) gab heraus Dümmler, Neues Archiv 5,434 ff. Hier beginnt der Dichter mit den besonders gepriesenen Heiligen, wobei er auf Metz und den hl. Clemens kommt, dessen Wirken für Stadt und Bistum geschildert wird. Es folgt dann die Klostergründung in der Stadt, wobei Adalbero 1. und der Abt Kaddroe eine große Rolle spielen. Doch noch mehr gerühmt wird Adalbero II. und Abt Fingenius, auf den Adalbero das Kloster St. Symphorian übertrug. Mit kurzer Notiz darüber bricht das Gedicht ab, dessen Ende nicht erhalten oder nicht gedruckt zu sein scheint. Was davon vorliegt, ist ungemein ungelenk und steif, teilweise schwer verständlich. Nur mit den Lobeserhebungen spart der Dichter nicht, dessen Verse eine recht geringe prosodische Sicherheit bezeugen. — Erwähnt werden könnte hier kurz das Gedicht des Priors Rahing von Flavigny, das dieser dem von ihm geschriebenen Vergil (Vatic. 1570 s. X f. 154) angehängt hat. Rahing preist hierin die Allmacht Gottes in bezug auf irdische Verhältnisse und erklärt, daß er als Vorsteher des Klosters sein Buch Gott und dem hl. Petrus widme; vgl. Dümmler, Neues Archiv 5,431 f. Rahing gehört aber ins 10. Jahrhundert. — Beginn der Fortsetzung Bertars p. 45,32 Post hunc extitit Barnoinus episcopus cuius vitae priorum desidia solo nomine posteris manet memoria. Die Stellen aus Leos Rhythmus c. 2 p. 45,43 Fuit autem temporibus praedicti Ottonis regis Germaniae, de quo dictum est, quod ad triumphum aecclesiae coepit Otto crescere et ad profectum venire. Huic successit secundus Otto ad Imperium ut floreret secidum und später c. 3 p. 46,34 sub cuius — hier richtig auf Otto III. bezogen — regimine salus fuit mundo et gloria; vgl. hierzu den Rhythmus, hrsg. von Bloch (Neues Archiv 22; 120) die Verse 4—6. Zum Mantel und zur Erkrankung Berengars c. 2 p. 45,48 Huius ego casulam, qua indutus erat in sepulcro positus, vidi, quae postea ab eius corpore evulsa fuit und p. 46, 2 ') 8 (MG. SS. 4, 48, 3) Quam aecclesiam 3 ) Beginn Claviger aethereus Petrus cum una cum imperatore Heinrico Magno .. . aedi- ficavit. 2 ) Vgl. über ihn c. 10 p. 50,16f. 28. sancta regebat. Verbesserungen zu dem Druck Neues Archiv 11,643. 358 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Muttis autetn referentibus audivi quod eius pes ante mortem factus est aridus. Zu Wicfrid c. 3 p. 46,15 Iste diligentissime antecessorum suorum acta requirebat et vitam eorunt am- plectendo quibus poterat modis imitari cupiebat. Cum autem de eorum virtute et bona opinione multa legeret etc. Bericht vom Abte c. 3 p. 46,37 Nee silendum pufavi, quod ab abbate eiusdem loci audivi etc. Die Stelle über Salerno c. 6 p. 47,12 ut ipso eodem anno benedictionis sitae Salerniam causa salutis exposceret, nostris secum comitatis. Qui cum ibi moraretur et a medicis curari non posset, reversus est Italiam; hier scheint also das griechische Unteritalien vom Königreich Italien geschieden zu werden. Zur Konversion des Grafen Friedrich (Hauck 3,468) c. 8 p. 48.14 Et quia se occasio praebuit de comite Frederico, placet exempli gratia paulo latius conversionem b. patris replicare. Daß der Verfasser schriftliche Quellen benutzt hat. gibt er nirgends an. Seine Erzählung wurde später von Laurentins aufgenommen, nachdem Hugo von Flavigny die Gesta vielfach exzerpiert hatte (vgl. oben). Aber auch der Verfasser der Vita hat die Gesta benutzt, indem er in Kap. 4. 5 und 9 sie ausschreibt und in der Vorrede (Mabillon, Acta SS. 6,1,519) bemerkt quae ab ipsis qui ea viderunt et certissime cognoverunt, fideli narratione didieimus. Ueb erlief er ung. Die Gesta mit der Fortsetzung stehen im Virdun. 3 s. XII f. 159—162 •und (mit großen Veränderungen) im Virdun. 36 s. XIII f. 116 ff. Ausgabe von Waitz, MG SS. 4,39-51. Laurentius von Lüttich. Nach hundert Jahren verfaßte in der staufischen Periode der Mönch Laurentius aus St. Lorenz in Lüttich eine weitere Fortsetzung. Er erzählt, • daß er vor Jahresfrist nach Verdun gekommen und daß ihm hier die Vergänglichkeit alles Irdischen besonders zu Gemüte geführt worden sei, als er sich um die alte Geschichte des Bistums gekümmert habe. Er fand den Bericht Bertars und dessen Fortsetzung, und Hugo, ein Mönch von St. Vannes, versah ihn zunächst mit allerhand Notizen, die Bertar und die Fortsetzung ergänzen sollten. Wahrscheinlich wird er ihm aber auch die Unterlagen für die weitere, stellenweise sehr ausführliche Erzählung geboten haben. 1 ) Hierbei sieht man nun den großen Fortschritt, den die Geschicbtschreibung seit hundert Jahren gemacht hatte. Namentlich hatte sie insofern gewonnen, als der Streit zwischen Kaisertum und Papsttum den Historiker jetzt viel mehr als früher nötigte, sich nach authentischen Quellen umzusehen, auf die er seine Darstellung gründen konnte. Und so zeugt es von gesunder historischer Kritik, wenn Laurentius in seiner Widmung an Albero sagt, daß man von den acht ersten Bischöfen Verduns überhaupt nur die Namen wisse, ja vom hl. Vitonus sei nicht einmal der Name unbestritten. Und wenn man vom hl. Sanctinus sage, daß er zu den 72 Jüngern Christi gehört habe, so lasse sich diese Behauptung durchaus nicht in Einklang bringen mit Bertars Angabe, daß er Schüler des hl. Dionysius von Paris und Bischof von Meaux gewesen sei. Ebenso stehe es mit der Behauptung der Mönche von Tholey, daß dies Kloster der Stadt Verdun sechs Bischöfe gegeben habe; hier müsse man sich unbedingt der Selbstbeschränkung Bertars anschließen, der eben aus den Kuinen und dem Schutt von Stadt und Kirche nur die Namen der alten Bischöfe retten konnte. Das sind aber Gedanken, wie sie auch damals selten sind und einen besonders kritisch veranlagten Geist voraussetzen. Dann stellt Laurentius zusammen, was sich an historischen Nachrichten über Verdun in alter Zeit finden lasse. Zuerst gibt er den aus Cäsar genommenen Bericht über die ') Sonst könnte es gegen den Schluß hin I cuius hortatu et relatu lioc totum opusculum nicht heißen c. 32 (MG. SS. 10, 512,2) quod ... I confeeimus. Hugo monachus noster, vir ferventissimi zeli, j Gesta episcoporum Virdunensium. 359 Kämpfe um Uxellodunum aus Orosius (VI, 11, 20—12,1) und berechnet die Zeit nach Jahren der Stadt, nach Olympiaden und nach Jahren vor Christi Geburt; er fügt hinzu, daß es sich hier um dieselbe Wasserader handle, die man in der früheren Episkopatszeit des Bischofs Albero ergraben habe. Dann bringt er den Namen Verodunum aus dem Itinerarium Antonini, sucht den Namen Urbs Clavorum, wie man Verdun auch nannte, zu erklären. Später bezieht er sich auf die Vita Lupi Trecensis, auf die (verlorne) Vita Madelvei, auf eine Klageschrift des Bischofs Hildinus und einen Brief des Papstes Nikolaus I., auf Briefe aus der Zeit Dados und auf dessen Darstellung über die Zeit seiner unmittelbaren Vorgänger, auf ein Epitaph, das für das Grab einiger Kanoniker gedichtet worden, die bei dem Normanneneinfall unter Dado ums Leben gekommen waren, auf die Vita Basoli und einen auf den Ungarneinfall unter Bernuin sich beziehenden Brief des Verduner Klerus. Jedenfalls fehlte es in Verdun keinesfalls an Schriften, aus denen ab und zu ein wenig Licht auf die Geschichte der Stadt fiel, urfu Laurentius gibt ausdrücklich an, daß dies alles von Bertar übergangen sei. Und da die Fortsetzung sich bis auf die Anfänge Theoderichs erstrecke, so habe ihn Hugo gebeten, mit der Regierung Theoderichs fortzufahren und bis in die Gegenwart zu kommen. Er habe übrigens bei manchen Personen die Fehler nicht verschweigen können, und niemand solle ihm deshalb zürnen, denn er habe keines Menschen Vergehen mit Worten vergrößert, sondern sei nur der geschichtlichen Wahrheit gefolgt. Ein kurzer Prolog folgt diesem ausführlichen Widmungsschreiben: Laurentius wiederholt hier einiges und erklärt, das Werk dem Albero widmen zu müssen, da es von dessen Vorgängern handle und mit ihm sein Ende erreiche. Daß man sich einem solchen Werke gern hingibt, ist selbstverständlich, und die Erwartungen werden auch nicht getäuscht. Allerdings sind die früheren dargestellten Zeiten durchaus nicht ohne Irrtümer in bezug auf Chronologie und auf Tatsachen, wie z. B. der Bann Gregors VII. gegen Heinrich IV. auf die Unzucht von Heinrichs Gemahlin Praxedis zurückgeführt wird. 1 ) Aber Laurentius wird doch den Forderungen gerecht, die man an den Geschichtschreiber stellen kann. Denn wenn er nun die Geschichte des Bistums im Zusammenhang mit der des Klosters St. Vannes darstellt, hält er sich keineswegs, wie es sonst meist der Fall ist, bei überschwenglichen Lobsprüchen für die einzelnen Bischöfe auf, sondern gibt die nötigen Daten über Herkunft und Abstammung und frühere Stellung und begibt sich dann zur Darstellung der wirklichen Geschichte des Bistums, indem er zuerst das Nötige über die leitenden weltlichen und geistlichen Persönlichkeiten beigebracht hat. Seine Erzählung.ist einfach und schmucklos, aber reichhaltig und meist gut fundiert, und obwohl er auf päpstlicher Seite steht, 2 ) wird er doch den andersgesinnten Kirchenfürsten gerecht. Auch verwendet er mehrfach Briefe und andre Aktenstücke für die Darstellung, deren ') c. 9 (MG. SS. 10,495,41) GregoriusVII punkt unterdrückt er keineswegs, so gegen imperatorem Heinricum pro suis criminibus Theoderich c. 9 p. 497,1 Sedit in episcopatu ■ ■ ■ excommunicaverat, videlicet pro coniuge annis 43 vir in multis idoneus et laudabilis, regina Praxede, quam ignominiose servorum nisi haec macula esset in gloria eins in ex- stitpris et opprobriis submiserat. tremis. ■) Den Tadel gegen den andern Stand- 360 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ganzer Ton einen sicheren und vertrauenwürdigen Eindruck macht. Und dabei geht die Erzählung in ziemlicher Breite vor sich, wie in Kap. 16 und 17 das Verhältnis der Verduner Kirche zur Kurie und in Kap. 18 das Auftreten Heinrichs V. in Rom, später die päpstliche Politik Paschais II. und seiner Nachfolger berichtet wird. Doch stehen die lothringischen Verhältnisse im Vordergrund, soweit sie auf das Bistum Verdun und auf das Kloster St. Vannes sich beziehen. Literarisch wichtig ist eine Stelle, die mit der Flucht des Bischofs Ursio, des früheren Abtes von St. Denis zu Reims, zusammenhängt. Laurentius sagt hier nämlich, daß sich Maria selbst des Bistums angenommen und eine Menge Wunder bewirkt habe; diese Wunder gehörten zwar in die Darstellung hinein, aber da sie schon vom Dekan Wilhelm 1 ) aufgezeichnet seien, so habe er ihrer hier nicht gedacht. Man sieht hier, auf welche feine Weise sich Laurentius aus der Schlinge zieht, von Wundern berichten zu müssen, an die der aufgeklärte Mann mit dem streng historischen Sinn jedenfalls nicht glaubte. Am Ende seiner Arbeit bezeichnet er das Jahr 1144 nach der Inkarnation, nach König und Papst und nach dem Jahr des Verduner Bischofs, nachdem er schon vorher den in der Widmung erwähnten Mönch Hugo als den genannt, der ihm zu dem Werke geraten und dem er den ganzen Stoff verdankt hatte. Also der Stoff ist ihm von Verduner Seite zugeflossen, aber die Bearbeitung und die Auffassung gehört ihm an. Zeugnisse. Zum Namen Laurentius vgl. Waitz, MG. SS. 10, 486 n. 2. Am Ende des Werkes die genaue Zeitangabe c. 36 (MG. SS. 10, 516, 5) Hie finem habemus materiei et temporis, qui est annus 114i verbi dei incarnati, septimus Conradi regnantis, primus Lucü papantis, quartus deeimus Alberonis nobis episcopantis. Widmung p. 489,2 Venerabili A. gratia dei Virdunensium praesuli et omni eius ecclesiae frater L.de Leodiensi coenobio b. Lau- rentii und im Prolog p. 491,31 Qnod opusculum domino Alberoni episcopo utpote de eius praedecessoribus scriptum et in ipso finitum merito dedicamus. Ankunft in Verdun p. 489,4 Ante hunc annum ad urbem vestri regiminis adduetus maxime in ea deprehendi illud Ec- clesiastis, quia omnia sub sole tendunt ad interitum. Zum Zweifel an beglaubigten Nachrichten für die älteste Zeit p. 489, 8 Ecce saneti praedecessores vestri Sanctinus Maurus Sal- vinus Arator Pulcronius Possessor Firminus Vitonus et multi alii quo tempore vixerint, quae mira quae gesta vivi effecerint hodie neseimus. 11 De ipso etiam nomine b. Vitoni lis pene in ambiguo est. Antiqua monimenta eum Videnum appellant, 1 ) cui vocabulo vulgaris limjua magis consonat. Si qua inveniuntur de Ms, omnia incerta et quasi per nebulam narrantur, ut vix digna fide reputentur. Et pr im um quidem istorum b. Sanctinum aliqui de 72 diseipulis salvatoris fuisse ferunt. Verum Bertharius, qui eorum catalogum, prout novit, digessit, ponit, quod in multis legitur, fuisse s. Dionisii Parisiensis diseipulus et Meldensium episcopus ... 17 Laudanda est tarnen Bertarii pia industria, qui de ipsis cineribus et ruinis incensae urbis et ecclesiae omnia prout potuit praedecessorum praesulum sattem vel nuda nomina eruit. Ankündigung der Nachträge p. 489, 30 Proinde et de istius civitatis antiquo statu, quae di- versis litteris comprehensa invenimus, hie in unum brevüer collecta vobis transcribimus. Das Zitat aus der Romana historia steht p. 489, 33—490, 20. Nach Waitz p. 489 könnte es zweifelhaft sein, ob das Zitat aus Orosius oder aus der Hist. miscella des Landolf genommen ist. Es läßt sich aber genau nachweisen, daß Orosius benuzt ist. Nämlich p. 490,2 liest Laurentius alterum, Orosius und Landolf alter; alterum aber haben die Hss. des Orosius PR (vgl. ed. Zangemeister p. 387). Ebenso p. 490,19 demolitis (Orosius p. 389, 7 edomitis, dasselbe Landolf bei Eutropius ed. Droysen, MG. Auct. ant. 2,286,11), demolitis haben die Orosiushss. PE. Laurentius hat also eine Hs. des Orosius benutzt, die PR sehr nahe stand. Der Verfasser knüpft daran die Worte 490,30 Publica porro est omnium sententia, quod vestri pontificatus diebus, dum intra urbem in operibus foderetur, ipse oecultus aquae iam exhaustae ') 29 p. 507, 31 decanus Guillermus vir limatioris ingenü, das letztere wohl nach Plinius Epist. 1,20,21; von ihm heißt es 507,37 Iam illam nominabilem bibliothecam Ptolomei Philadelfii vel Eusebii Pamphili sibi congerere videtur. s ) Solche alte Zeugnisse sind allerdings nicht mehr vorhanden. Onulfs Leben Poppos von Stablo. 3(31 meatus, de quo hie sermo est, desub terra incentus sit. Das Hinerar Antonius wird eingeführt p. 490,35 Nam etiam Antoninus socius Caesaris in suo itinerario, ubi urbes oppida et munieipia, per quae publicarum viarum tractus ferebaiur, dinumerat, hoc oppidum Vero- duntim castrum vocare invenitur, nämlich ed. Parthey et Pinder p. 173 N.364, 3. Zur Urbs Clavorum vgl. 490,38 Vocabatur et urbs Clavorum, quod vel murus eius clavatus fuisse vel quod quaedam hostilis obsidio clavis ferreis a civibus extra proiectis impedita fuisse et ita soluta discessisse ab urbe a quibusdam narretur (vgl. damit Hugonis Flaviniac. Chronicon, MG. SS. 8,351,56 f.). Quamvis incolas loci Clabos urbemque Claboniam vel Clabiam gentiliter fuisse vocatam vulgaris opinio est — also Benutzung einer alten Volksüberlieferung. Die übrigen historischen Daten für Verdun p. 490,42 sub Martiano imperatore ab Attila rege Bmwrum . ■ . ista urbs et ecclesia excisa et eversa profecto creditur. Quo tempore s. episcopum Pulcronium fuisse volunt (vgl. Vita Lupi Trecensis, Acta SS. Iul. 7, 70). Tempore quoque b. Madelvei ipsam ecclesiam fuisse combustam vita eius narrat. Sub Hildino quoque .. . episcopo quomodo rex Karolus ecclesiam Theologiam (Tholey) cum rebus aliis Virdunensi ecclesiae ablatam cuidam Adelelmo dederit, quantaque episcopus inde mala pro recuperatione susti- nuerit, testis est eiusdem Hildini scripta lamentatio et Nicholai papae (Nikolaus I.) epistola pro Adelelmo. 55 Narrant quaedam litterae, quod Boso Guntrannus ... et iste Dado episcopus mutuis caedibus praedis elincendiis sese devastaverunt. Extat et carta Dadonis (p. 491,1) praesulis de Kattone et Berhardo episcopis et de se super ecclesiastico statu multa insignia mrrantis et confirmantis (vgl. MG. SS. 4,37). Die zwei letzten Distichen des Epitaphs auf das Grab der in St. Vannes und St. Germain umgekommenen Kleriker p. 491,6—9. Zum Ungarneinfalle p. 491,12 Refert vita s. Basoli, tunc eos divinitus fuisse repulsos a coenobio Belliloci ... De istis infortuniis extat epistola Virdunensis cleri. Zur Ergänzung Bertars vgl. p. 491,15 Ista quia Bertharius in pontificalibus gestis omiserat, ut hie in unum breviter colligerem et . . . transcriberem vobis, amantissimus vester venerabilis Hugo monachus noster nimia instantia invitum nie compulit. Et quoniam quae abhinc sequuntur usque ad tempus Theoderici pontificis a quodam digesta inveniuntur (d. h. die Fortsetzung Bertars), praedictus commonitor noster ut ab ipso Iheoderico usque in praesens tempus omnia quae evenerant compilarem oppido insistens coegit. Zur Wahrheitsliebe p. 491,20 si quorum delicta, quae historiam tenens non potui tacere, annotata sunt, oro ut nemo mihi indignetur, cum ego nullius crimen verbis exaggeraverim et historiam necessaria varietate sequi oportuerit. Daß Laurentius sein Werk wahrscheinlich zu St. Vannes schrieb und daß er es in seinem letzten Teil gleichzeitig verfaßte, ergeben die Worte des Prologs p. 491, 30 ab ipso Theoderico sumimus relationis prineipium dueturi usque in hodiernum diem und c. 1 p. 491, 37 institutus est abbas in hoc coenobio s. Vitoni. Aus der Zeit der großen Lothringer Fehde unter Heinrich II, beklagt ei- den Verlust der verbrannten Schatzverzeichnisse c. 2 p. 492, 2 Plurimus thesaurus et litteralia monimenta rerum ecclesiae ibi combusta sunt. Drei Briefe Paschalis II. finden sich im Texte von c. 15 und 16 (p. 500 f.). Zur Auslassung der von Maria bewirkten Wunder vgl. 28 p. 507,29 Ipsa miracula quanta inclaruerint, ordo qu'idem hie inserere postidat, sed parvum nostri ingenium non sustinet has grandes laudum materias, praeeipue cum venerabilis decames Guillermus vir limatioris ingenii et sapientiae ea digniori stilo ut audivi descripsit; jedenfalls hatte ihm Hugo davon Mitteilung gemacht. Die Sprache zeigt auch in diesem Werke keine besonderen Eigentümlichkeiten, sondern steht auf dem Niveau des literarisch durchgebildeten Lateins der Zeit, an dessen Mängeln sie aber auch Anteil- nimmt. Nur muß anerkannt werden, daß der historische Stil hier lebendiger gehalten ist als bei Bertar und seiner Fortsetzung. Jedenfalls ist das Werk bezüglich der Verarbeitung des Stoffes und wegen seiner Kritik wie auch wegen seines sprachlichen Gewandes eine respektable Leistung zu nennen. Es scheint später allein von Alberich von Trois-Fontaines ausgeschrieben worden zusein, vgl. R. Wilmans, Archiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 10,225 und Waitz, MG. SS. 10,489 n. 9. — Die Ueberlieferung besteht in Virdun. 3 s. XIII f. 248 ff. und 36 s. XIII f.l26ff., sowie Aix673 nach Waitz, Neues Archiv 6,188, Hauptausgabe'von Waitz, MG. SS. 10.489-516. Vgl. Wattenbach 2,418. 49. Onulfs Leben Poppos von Stablo. Das ausführliche Leben des Abtes Poppo von Stablo, das uns vorliegt, ist nicht die ursprüngliche Form dieses Werkes, doch lassen sich aus der Widmung und aus dem Schluiabschnitt die Daten für die Abfassung gewinnen. Zuerst wurde P. Ladewig durch das Auffinden mehrfacher doppelter Berichterstattung gegen Onulf als einzigen Verfasser mißtrauisch, und die von ihm ausgesprochenen Vermutungen wurden dann durch H. Bresslau 362 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. berichtigt und ergänzt. Danach ist das Werk von einem Mönch Onulf verfaßt der wahrscheinlich in Blandigny unter Abt Wichard (1035—1059) lebte und nach Poppos Tode (1048) seine Schrift begann. Aufgefordert war Onulf durch den Abt Everhelm von Hautmont worden, einem Schüler Poppos, der selbst 1059 Abt in Blandigny wurde. Doch hielt sich Everhelm auch schon hier auf, bevor er noch Abt des Klosters wurde, und zwar geschah das, nachdem ihm Onulf das vollendete Werk überreicht hatte. Everhelm hatte es nach Blandigny mitgenommen und hier unterzog er es einer Umarbeitung, da ihm die Wunder, die dem Abte zugeschrieben wurden, zu wenig darin betont waren. Dagegen wird es schwer sein, zu bestimmen, ob die Reim- prosa, wie Ladewig meint, auch erst der Umarbeitung zuzuschreiben ist, oder ob sie nicht schon von Onulf reichlich verwendet war; denn sie ist im 10. und 11. Jahrhundert zumal in Lothringen ganz gewöhnlich. An der Spitze dieser Umarbeitung ließ Everhelm die an ihn gerichtete Widmung Onulfs stehen, versah aber das neue Werk mit einem Schlußabschnitt, in dem er sich über seinen Anteil aussprach. Die Widmung Onulfs ergeht sich nun in einem äußerst gewundenen, schwülstigen und daher schwer zu verstehenden Latein darüber, daß Everhelm den Auftrag gab, das Leben Poppos darzustellen, und daß Onulf dem Wunsche nachgekommen sei, und zum Schluß bittet dieser in etwas anmaßender Weise, man möge sein Werk nicht zu den Apokryphen werfen, sondern, obwohl es neu sei, zu den kanonischen und authentischen Büchern rechnen. Im Beginn der Biographie erzählt Onulf von den Kriegstaten Poppos und in durchaus geistlichem Stil mit einem Zitat aus einem Hieronymusbriefe') (Ep. 13) von seiner Pilgerfahrt nach Jerusalem und seiner Romreise sowie von seinen Anstalten zum Eingehen der Ehe, von der er aber durch eine Vision abgehalten wurde. Mit dem größten Wortschwall wird dann Kap. 7 von seinem Eintritt ins Kloster berichtet, wo er schon als ganz junger Mönch ein Wunder wirkte. Er trat dann in dem Kloster zu Verdun, wo Richard zum Abte berufen war, an die zweite Stelle. Bei Gelegenheit einer Reise an den Hof Heinrichs IL bereitete Poppo den wilden Belustigungen des Volkes ein Ende und befreite einen Mann aus Lebensgefahr, den man mit Honig überdeckt und dem Ablecken von Bären ausgesetzt hatte. Auf den Bericht von Visionen und Wundern folgt dann die Einsetzung Poppos zum Abt in Stablo und St. Maximin, als welcher er zwischen Konrad IL und Heinrich von Frankreich Frieden stiftet. Hierauf erfährt man von der Menge von Klöstern, die Poppo anvertraut werden, sowie von Klostergeschichten zum Ruhme des Mannes, 2 ) sowie von Bauten in Malmedy und Stablo und sehr ausführlich von einer Kirchweihe zu Stablo vom 5. Juni 1040. Daneben erscheinen Wunder und Visionen, unter denen eine hervorzuheben ist (Kap. 27), die dem Tode Poppos voranging; hier kommt nämlich Onulf auf die sechs Arten von Träumen zu sprechen, wofür er sich auf Gregors Dialoge (4, 48) bezieht und dann die Fünfteilung der Träume nach Macrobius anführt. 3 ) Nachdem hierauf über die christlichen Tugenden Poppos berichtet worden x ) Kap. 3 (MG.SS. 11,295,52). 2 ) Kap. 21 (p. 306,25 ff.) wird Gregor. Dial. 2, 30 benutzt. . 3 ) Vgl. Macrob. Somn. Scip. 1, 3, 2 (p. 473, 7ff. ed. Eyss.); 27 p. 311,26 Macrobium in sompnium Scipionis legat. Onulfs Leben Poppos von Stablo. 363 ist, wird der Tod des Mannes mit der größten Ausführlichkeit erzählt. Hierbei hört man, daß man auf die Brust des Toten die Abschrift eines Ermahnungsbriefes über die Liebe legte, den einst Abt Richard an Poppo gerichtet hatte und von dem man im Kloster ein zweites Exemplar aufbewahrte. Die nächsten Abschnitte werden wieder mit Wundern ausgefüllt, und dabei wird erzählt, daß ein junger Mönch von einer Schar von Dämonen verfolgt wurde, die die Gestalt von Äneas, Turnus und andern vergilischen Helden angenommen hatten, was sehr an die von Rodulfus Glaber Hist. 2, 23 erwähnte Geschichte des Ravennater Schulmeisters Vilgard erinnert. Im Schlußabschnitt hat nun Everhelm das Wort. Er sagt, daß er, der Abt von Hautmont, im Kloster Blandigny das vorstehende Werk flüchtig überarbeitet und es mit dem Mönche Onulf und dem Kaplan Odulf nach Lüttich zum Grabe des hl. Lambert habe überbringen wollen; seine Gefährten seien zu St. Trond zurückgeblieben, er aber habe seinen Vorsatz ausgeführt und das Buch auf dem Grabe niedergelegt. Diese Biographie ist zwar inhaltreich und entbehrt auch nicht individueller sowie kulturhistorisch wichtiger Züge, auch stellt sie ihren Helden als Anhänger der Reform und als kirchlichen Herrscher in genügend helles Licht. Aber das Legendenhafte spielt doch in ihr eine zu große Rolle, der Leser wird von Wunder zu Wunder, von Vision zu Vision geschleppt. Wieviel hieran Onulf und wieviel Everhelm schuld ist, läßt sich nicht mehr ermitteln. Mehrfach beruft sich der Verfasser auf das Zeugnis älterer Personen, 1 ) um seine Leser der Glaubwürdigkeit seines Berichts zu versichern. Wenn Onulf allerdings nicht selbst in Stablo oder Malmedy Mönch gewesen war, so muß er bei seiner ausführlichen Erzählung sehr viel von anderer Seite erfragt haben. Die Darstellung selbst leidet an dunklem und wenig gewandtem Ausdruck, das Latein ist oft ungrammatisch und wird nur hier und da mit einigen Flicken aus Sallust und Vergil aufgeputzt. Ein allgemeiner Schmuck der Rede ist die Reimprosa; aber auch sonst tritt beabsichtigter Reim nicht selten hervor. 2 ) Zeugnisse. Zur Kritik vgl. P. Ladewig, Poppo v. Stablo u. d. Klosterreform unter den ersten Saliern, Berlin 1888, S. 140—157; er gebt von c. 30 p. 313,20 ff. aus, wo exequiae und funus gegenüberstehen, 3 ) sowie von c. 3, wo doppelte Berichterstattung über die Pilgerfahrt ersichtlich wird. Die S. 154 zusammengefaßten Ergebnisse werden weitergeführt von H. Bresslau, Jahrb. d. Deutsch. Reichs unter Konrad IL, Bd.2,430. Onulf wird als Zeuge in einer Urkunde Wichards genannt bei van Lokeren, Chartes et documents de l'abbaye de St. Pierre S. 80 n. 113 ego quoque Onulfus monachorum ultimus vidi et subscripsi. Daß Everhelm erst Abt von Hautmont war und nicht von Blandigny, ergibt sich aus c. 35 p. 315,40 Ego igitur Everhelmus AltimonSensis abbas. Zur Widmung p. 293,6 Talis ergo sanctionis . occasione et ego Onulfus conventus .. . qui vobis, mi venerabilis pater Everhelme, iubenti. .. parere habueram .. . tantillitati meae petitionern pro imperio admisistis et ut b. viri Popponis gesta nostris diebus iustitia et fide late divulgati scriberem humüiter coegistis . . . (24) Proinde haec lecturis sUmmopere dicendum, ne hunc cum apocriforum libris libellum aestiment relin- quendum, sed vere licet novum canonicis autenticisque scriptis interserendum. Die Volksbelustigung 12 p. 301,10 Contigit etiam ludis histrionum imperiales tunc fores occupari atque eo spectaculi genere regem cum suis delectari. Ursis etiam nudus quidam vir membra melle perunctus exhibelur, a quo etiam plurimum pro periculo suimet timetur, ne forte ab eisdem l ) 8p.298,45 Hoc autem factum qui a I 2 ) Vgl.21 p.306,lbtamtepidequam trepide. praedicto Eilberto coram didicerant, mihi \ 3 ) 30 p. 313,20 Et nos quidem, qui de eo scribenH,deumtestor,intimaverwit. 10p.300,1 haec scribimus, ipsi similiter totum in funere Quae de ipso sunt, me int er im ex relatione fuimus; quanto magis hü, qui eins tunc exe- maiorum desiderantes scriptorem inveniant. quiis interfuerunt. 364 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ursis ad ossa sui melle consumpto perveniretur. Proinde rex eiusdem spectaculi adeo amore in oculis suis captus tenetur atque male providus pro periculo viri partim veretw. Unde super tarn iniqua in christianum illusione regem b. Poppo redarguit. Zu Richards Brief vgl. 30 p. 313,41 Quasdam vero litteras exhortatorias a venerando abbate Bichardo olim de caritate sibi conscriptas . . . peclori eins superposuer e ; qttarum etiam litterarum exemplar in eodem monasterio posteris reliquere. Zur Vision des Mönches 32 p. 314,36 exclamavit subito daemonum pkalangem Aeneae et Turnt aliorumque ex Virgilio virorum. vultus imitari seque ab eis . .. usque ad animam infestari. Das Nachwort Everhelms 35 p. 315,40 Ego igitur Everhehmts Altimontensis dbbas hunc libellum positus in coenobio Blandiniensi summatim scribendo perstrinxi, non ut omnia quae de b. viro dicenda erant, in hoc tomello comprehenderim. Quem dum deferre ad locum supra memoratum disposuissem, socios itineris mei assumpsi Onulfum monachum qui in praefatiuncula huitis libelli scriptus est et Odulfum capellanum comitis Lamberti ... (p. 316, 3) Extrahens ergo libellum de eius gestis editum non sine con- tritione cordis super sepulchrum piissimi patris deposui. Zu Vergil p. 293,18 de quo dicitur Labor improbus omnia vincit (Georg. 1,145) und 28 p. 312,15 quemquam se a lacrimis tem- perare (Aen. 2, 8). Zu Sallust 3 p. 295, 35 nihil panst aut piodei-ationis habebant (Cat.12,2). Ueberlieferung. Die Schrift befaud sich 1105 zweimal in Stablo. 1 ) Davon ist nur ein geringer Rest übrig, vgl. E. Martene, Imperialis Stabul. monast. iura propugnata (Colon. 1730) p. 125. Hss. Malnrundariensis im Düsseldorfer Archiv s. XII — XIII; Atrebat. 450 s. XIII; Bruxell. 5815 s. XII. Ausgaben Acta SS. Ian. 2, 638; besonders von Wattenbach, MG. SS. 11,293—316. — Vgl. Wattenbach 2,132. 50. Lantberts von Deutz Vita Heriberti. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts lebte im Kloster Deutz der Mönch Lantbert. Dieses Kloster war von Erzbischof Heribert von Köln gestiftet worden und die Kölner Kirche vielleicht im Verein mit Abt Werinbold von Deutz veranlagte um das Jahr 1050 Lantbert zur Abfassung einer Biographie des Stifters. Ist Trithemius recht unterrichtet, so war Lantbert Schüler und Freund Adelmanns von Lüttich gewesen und Lehrer im Kloster geworden, doch mit seinem Leben Heriberts hat er sich kein bedeutendes Denkmal gesetzt. Er beginnt mit einer Vorrede, die anscheinend von der Kölner Kirche ausgeht und die Abfassung der Schrift zur Zeit Heinrichs III., des Erzbischofs Hermann von Köln und des Abtes Werinbold 2 ) festsetzt. Am Ende der Vorrede wird Lantbert als Verfasser des Werkes mit Dank genannt. Die Biographie erörtert zunächst die Abstammung Heriberts, erzählt die übliche Vision der Mutter vor des Sohnes Geburt und berichtet von seinem Aufenthalt auf der Schule in Worms, wobei ruhmredig des Sokrates und des Aristoteles gedacht wird. Er begab sich dann nach Gorze und wurde später Propst in Worms und königlicher Kanzler, doch zur Darstellung seiner politischen Tätigkeit will sich Lantbert nicht verstehen, da diese viel mehr in eine königliche Chronik als in eine Lobschrift über den Heiligen gehöre; so weit hatte man sich also vom Wesen der eigentlichen Biographie bei der Lebensbeschreibung hoher Geistlicher entfernt, daß man ' geradezu vor weltlichen Dingen haltmachte und ihre ausführliche Darstellung für unstatthaft hielt. Dann wird Heribert zum Erzbischof von Köln erwählt, Otto III. bestätigt die Wahl und schreibt an den neuen Kirchenfürsten, dessen Weihe zwar sehr breit, aber ungeschickt berichtet wird. Nach ') Vgl. Gottlieb, Ueber mittelalt. Bibliotheken S. 287 N.'94 Bern vita abbatis Pop- ponis. N. 95 Liber miraculorum eius cum vita abbatis Popponis. 2 ) Wahrscheinlich war er der von Franco von Lüttich im Anfang des zweiten Buches De quadratura circuli widerlegte Mathematiker Werembold (hrsg. von Winterberg, Abhandlungen z. Gesch. d. Mathematik 4,149). Lantberts von Deutz Vita Heriberte. 365 Erwähnung der Sage über den Tod Ottos III. beginnen schon die Wunder .Heriberts, die von einem Bericht über die Aussöhnung mit Heinrich II. unterbrochen werden, wobei eine Episode über Alexander den Großen aus Josephus Antiquit. Jud. 11,8 erscheint. Dann eilt der Verfasser zum Tode seines Helden, nachdem er vorher die Vorgeschichte des Todes ungebührlich breit dargestellt hat. Der Stil der Biographie, die eigentlich keine ist, ist überschwenglich und das Lob ungewöhnlich stark. Lantbert steht vor seinem Helden mit eitel Bewunderung, aber er drückt ihn zu einer mythischbiblischen Figur herab, indem er nirgends dessen eigne Kraft nach Gebühr schätzt. Die Reimprosa macht sich in unangenehm häufiger Weise geltend, sie zerpflückt geradezu die einzelnen Sätze in kleine und kleinste Teilchen. Übrigens hat reichlich fünfzig Jahre später der Mönch Rupert auf den Wunsch des Abtes Markward von Deutz dies Leben neu bearbeitet, da es „vom Roste des Alters zu dunkel geworden sei". Nicht lange nach Vollendung von Heriberts Leben wurde Lantbert wiederholt aufgefordert, auch die Wunder darzustellen, die sich an Heriberts Grabe zutrugen. Wahrscheinlich stellte der Abt dies Ansinnen und dem mußte der Mönch, obwohl widerstrebend, nachgeben. In der Vorrede berichtet er, daß er erst die Visionen, die dem Tode des Heiligen vorausgingen, und dann die Wunder erzählen wolle, doch habe er bei diesen nicht immer die chronologische Folge einhalten können, da man ihn zu verschiedenen Zeiten zu dem Werk aufgefordert habe; das heißt wohl, daß man ihm auch den nötigen Stoff etwas regellos zutrug. Während nun die Visionen die ersten fünf Abschnitte der Schrift einnehmen, erstrecken sich die Wunder auf deren ganzen weiteren Teil, doch werden diese in Kap. 7 durch eine Vision noch einmal unterbrochen. Die Erzählung dieser Vorgänge ist ohne jedes weitergehende Interesse, aber ein allgemeines Moment verdient hervorgehoben zu werden. Wahrscheinlich hat Lantbert seinen Berichten eine erhöhte Autorität dadurch verleihen wollen, daß er seinen Visionen Erscheinungen der Apostel und Visionen aus der alten Hagiographie 1 ) anhängte, und am Schlüsse seiner Wunder ausführliche Hinweise auf ähnliche Stellen aus der biblischen Erzählung gab. Ein solches Verfahren ist zwar anderen Biographien nicht ganz fremd, tritt aber nirgends mit solcher Regelmäßigkeit auf. Seine neue Schrift aber betrachtet Lantbert lediglich als eine mit Heriberts Leben zusammenhängende Fortsetzung, wie sich aus drei Stellen deutlich ergibt, wo auf die Vita Heriberti Bezug genommen wird. Die Wundererzählung selbst ist über Gebühr breit und wortreich, wird aber um so kürzer und inhaltsleerer, je mehr sie sich dem Ende nähert. Der einzige Zweck aber dieser Schriften ist die Erbauung des Lesers. Lantbert selbst aber wurde später im Jahre 1060 Abt von St. Lorenz in Lüttich und starb als solcher 1070. Rupert von Deutz, der Geschichtschreiber dieses Klosters, der sowohl das Leben wie die Wunder Heriberts benutzt hat, meldet von ihm, daß er auch ein Musikstück über Heribert komponiert habe, und damit scheint die Nachricht des Trithemius *) Nämlich aus der Passio Laurentii, den Actus Petri et Pauli, dem dritten Brief des Sulpicius Severus und Gregors Dialogen, sowie aus Gregors von Tours De virtutibus s. Martini. 366 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zu stimmen, der nämlich Lantbert eine Nokturnoffiz in Text und Komposition über Heribert zuschreibt. Zeugnisse. Zum Leben vgl. die teilweise irrigen Angaben bei Trithemius, Cluon. Hirsaugiense 1,180 Claruit ... Lampertus monachus coenobü s. Laurentii Leodiensis ... qui magister scholae mmiachorum praelatus bene docuit etplura scripsit . .. Hie Adelmanni prae- ceptoris ac postea Brixinensis episcopi quondam fuit discipulus a quo magnis effertur prae- coniis. Vitam s. Heriberte Coloniensis episcopi pulchro ordine et diserto admodum elogio lib. 1. De eiusdem sancti miraculis lib. 1. (Hierauf folgt jedenfalls Erdichtetes). Officium nocturnum de s. Heriberte scripsit, quod pulchra et regulari modulatione composuit; ferner Ruperti chron. s. Laur. Leod.41 (MG. SS. 8,275,35) Succedit Lambertus noster secundus qui et ipse tempore suo prospere processit, homo multimodae utilitatis. Hie vitam Coloniensis archi- episcopi et miracula descripsit et quaedam musice de eo composuit et in versibus faciendi* claro viguit eloquio .. . Praefuit annis circiter decem ; danach mit Benutzung Ruperts Reinen de ineptiis cuiusdam idiotae (MG. SS. 20,593, 33) Lambertus abbas noster secundus midtimodae homo utilitatis aecurato satis stilo vitam s. Heriberti. . . et miracula descripsit. Quin etiam musice quedam de eo composuit, in versibus quoque faciendis claro fretus ingenio; außerdem und zur Vita Heriberti vgl. deren Vorwort (MG. SS. 4, 740,24 s. Romanae ecclesiae et...uni- versis filiis universalis ecclesiae metropolis Agrippina Colonia ... Heribertum .. . Curam scribendi communi consensu uni ipsius (seil. Tuitiensis) monasterii fratri commisimus, qui ministra obedientia nihil aliud scripsit, quam quod vidimus aut a fidelibus andivitnus Scripsimus haec ad utilitatem legentium ut ... et septima deeima Kai. April, in perpetuum diem festum haberent. Scripta sunt autem imperante Heinrico tertio, Herimanno metropolis nostrae archiepiscopo, coenobü ipsius in quo requiescit abbate Werinboldo. Ne vero suppresso dietantis nomine causetur muta pagina, tituletur obseeundantis nobis fratris nostri Lantberti nomine et memoria. Zu den alten Philosophen Vita c. 3 p. 471, 47 Patent Uli perpropere quaecumque obscure geruntur in poemate nee latent eutn fugae et nodosi amfractus in Socrate et Aristotile et quolibet alio sinuoso rethore. Zur kaiserlichen Chronik 4 p. 742, 38 Quotiens cum imperatore Romam ierit et redierit utque augustus arcem imperii res Italiae moderando disposuerit, potius regiae videtur inscribendum chronicae quam in laudem sancti violenter inßectere. Ottos III. Schreiben 5 p. 743,28 Otto imperator . . . Heriberto archilogotetae gratiam et Coloniam et pallii cubitum unum; vom Tode Ottos 7 p. 745,14 non multo post in Patirno Castro per mulierem veneno perit, quod in gestis eins, si qua sunt, plenius inveniet, si quis addiscere velit. Zu Rupert vgl. dessen Vita Heriberti Prol. (Acta SS. Mart. 2, 475) Tu mihi hoc opus in angaria, venerande pater Marci/'arde, imposuisti, quatenus s. archipresulis Hereberti vitam virtutibus splendidam sed prioris, ut tibi videbatur stili rubigine subobscuram novo rescriberem stilo. Vorwort zu den Miracula (MG. SS. 15,1245,33) Verum dum urget me auetoritas, quae a me iure nequeat evitari, visum mihi est, eidem labori me licet imparem rursus maneipari. (1246,3) Itaque visiones fidelibus revelatas aggrediar ante ipsius beati exitum et eas post eiusdem transitum ... Inde attexentur divinitus acta per eum mirabilia ... Quod autem quaedam ponuntur praeposlere, actum est ut a me exegerunt, qui ad hoc opus me impulerunt vario tempore. Begründung des Vergleiches mit Stellen aus der Bibel c. 14 p. 1252,48 Quod in quibusdam evangelii gestis Heriberti gesta comparo et non cum magnorum virorum totiens actis similo, potissime fastidium evito fruetumque legentium exquiro. Bezugnahme auf die Vita Heriberti vgl. 1 p. 1246,8 Heribertus . . .ut in anterioribus praescriptum est ... voluit; 6 p. 1249,26 Praedictum est enim Colonienses fecisse consuetudinem; 7 p. 1249,35 Praefuit, ut dictum est, eidem coenobio primus. Ueb er lieferung. Die Vita befand sichs. XIII in Lüttich (Jahrb. d. Vereins d. Alterturasfreunde im Rheinlande 50. 51, 231) Vita sancti Heriberti; dies ist der von Pertz, benutzte Lütticher Kodex. Hss. Leod. 260 s. XII (aus St. Lorenz); Bruxell. 207 s. XIII f. 147; Mus. Brit. Harlei. 2800 s. XII. Ausgaben Acta SS. Mart. 2, 467 und besonders von Pertz MG. SS. 4,740. Die Miracula sind überliefert Leod. 260 s. XII f.79; Namuc. 21 s.XI (aus St. Gerhard in Brogne). Ausgaben von Bormans, Compte-rend. des seances de la commiss. roy. de l'hist. Ser. 1 Bd. 16,125 (Brüssel 1850) und besonders von Holder-Egger, MG. SS. 15,1245.- Vgl. Wattenbach 2,136 f. Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 2, 560, urteilt wohl etwas zu hart über den Verfasser, sein Tadel müßte mehr die ganze Gattung der kirchlichen Biographie treffen, denn Lantbert war nur Vollzieher des Willens seiner Oberen. Cantilena in Heribertum archiepiscopum. In Köln 1 ) entstand wohl bald nach dem Tode Heriberts ein Klagelied auf das Hinscheiden des ') Es wird nämlich in dem Gedicht erzählt, Heribert sei Bischof geworden, aber Dicht, zu welchem Bistum er gelangte. Helgauda Vita Eoberti regis. 367 Erzbischofs. Es hat Sequenzform und ist in elf Strophen gedichtet, so daß Strophe 1, 2 und 11, 3 und 4, 5 und 6, 7—10 in der Form miteinander korrespondieren. Das Gedicht ist im geistlichen Stile gehalten und besitzt einen frischen und lebendigen Ton. Es setzt mit einer Anrufung der Trinität und der Engel ein und gibt eine kurze Darstellung vom Leben Heriberts. Der Dichter preist dann seine Milde und seinen Wandel und berichtet von der Klostergründung in Deutz. 1 ) sowie, daß Christus an seinem Grabe viel Wunder geschehen ließ. Er schließt mit einem kurzen Gebete. Ueberlieferung im Cantabrig. Gg. 5.35 s. XI f. 433 b , Ausgabe von Wattenbach, Ztschr. f. deutsches Altertum 14,456 ff. 51. Helgauds Vita Roberti regis. Helgaud oder Helgald war Mönch in Fleury und lebte um die Mitte des 11. Jahrhunderts. Andreas von Fleury rühmt ihn in der Vita Gauzlini 2 ) als Vorsänger des Klosters und führt ihn an der letzten Stelle seines dort eingelegten Floriacenser Schriftstellerkataloges an (1041). 3 ) Außerdem nennt ihn Andreas zweimal in seinen Miracula s. Benedicti (6, 7 und 7, 10). Das Leben Roberts ist zwar anonym geschrieben, aber Helgaud erzählt von sich selbst, daß er auf Geheiß Gauzlins eine Gesandtschaft an König Robert mit zwei andern Mönchen seines Klosters unternommen habe. Ein Zweifel an der Identität des Verfassers der Vita Roberti mit dem Mönch Helgaud kann nicht entstehen, auch dadurch nicht, daß Helgaud nicht der ursprüngliche Verfasser jenes Lebens zu sein braucht, sondern vielleicht das Werk in Fleury vorfand und einen Auszug daraus veranstaltete. Es wird nicht leicht zu unterscheiden sein, was auf den wirklichen Verfasser zurückgeht und was von Helgald etwa zugesetzt ist. Jeder Zweifel aber wird dadurch gehoben, daß Andreas im Leben Gauzlins 1,11 erwähnt, daß der Mönch Helgaud von Fleury ein Leben König Roberts verfaßt habe. Das ursprüngliche Werk, dessen Vorrede Helgald übrigens teilweise wohl wörtlich übernahm, ohne zu bedenken, daß sie in den jetzigen Zusammenhang nicht mehr paßte, scheint einen ziemlich großen Umfang gehabt und sich mit der Geschichte der Klöster St. Aignan zu Orleans und Fleury beschäftigt zu haben. Denn Helgald sagt in seiner Vorrede, daß der Anfang seiner Arbeit von den Vätern des hl. Anianus ausgegangen sei und daß er über die Schenkungen des Abtes Leodebod von St. Aniane an Orleans und Fleury gehandelt habe. Die erste Bemerkung kann nicht von Helgald stammen, die zweite aber geht auf ihn zurück, denn dem Leben Roberts ist das Testament Leodebods vorangestellt. Helgald fährt dann fort, er wolle das Leben des Königs Robert darstellen, da dieser dem hl. Anianus so wohlwollend gesinnt gewesen und sein Leben für Gegenwart und Zukunft nachahmenswert sei. Das Leben Roberts beginnt mit dem Bericht über seine Eltern und seine Herkunft, wobei eine eigne Äußerung des Königs Verwendung findet. Dann spricht der Verfasser sich ungemein lobend über l ) 9 (Ztschr. f. deutsch. Altertum 14,458) erexit templum sancte dei genitrici speciosum Rehni Utore situm. 2 ) Neues Archiv 3,352. s ) Vgl. P.-Ewald, Neues Archiv 3,350. 368 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. das Äußere des Königs aus und gebraucht hierbei ein Zitat aus der Epitome de Caesaribus des Aurelius Victor. 1 ) Daß Robert seine Jugendbildung bei Gerbert in Reims erhielt, bringt den Verfasser auf den Ruhm und Preis dieses berühmten Lehrers, von dem er einen witzigen Vers aus einem seiner Briefe anführt. Dann erzählt er von Roberts Mitschüler Ingo und dessen milder Gesinnung bei Gelegenheit einer Verschwörung gegen den König. Soweit könnte man die Arbeit Biographie nennen, aber dann verdient sie diesen Namen nicht mehr. Denn der Verfasser erzählt bald allerhand wunderbare Dinge, die mit dem Leben Roberts oft nur in sehr losem Zusammenhange stehen, durch die aber dessen Frömmigkeit und sein heiliger Lebenswandel in. helles Licht treten sollen. Hierbei wird Gregor der Große und Ambrosius zitiert (aus De diluvio et arca Noe) und eine Erdscheibe berührt, die von einem im Besitze Karls des Kahlen befindlichen kunstvollen Werke ganz verschieden war. Ferner wird von Gnadenerweisungen des Königs an Kirchen und Klöster berichtet, und der Verfasser erzählt hier von seinem Aufenthalt in Fleury. Dann wird das kirchliche Leben Roberts gepriesen und der König mit einigen Versen Prospers (Epigr. 79, 5—12) gerühmt. Mit großer Ausführlichkeit schließt sich hieran die Gründung des Anianusklosters zu Orleans, dessen neunzehn Altäre mit den Namen der betreffenden Heiligen erwähnt werden. Auch die besondere Verehrung des hl. Anianus durch Robert wird hervorgehoben und mit Stolz berührt der Verfasser die Tatsache, daß der König eine von ihm zu Fleury erbaute Kirche besucht habe. Hierbei erfährt man einiges über Abt Gauzlin von Fleury und über eine Gesandtschaft, die dieser an den König schickte und die aus dem Presbyter Albericus und aus den Mönchen Helgaud und Hisem- bert bestand; von letzterem wissen wir aus des Andreas Vita Gauzlini, daß er zum Leiter der Bibliothek eingesetzt war und ein Summum memoriale geschrieben hat. Der Verfasser schreibt dann von der letzten großen Reise des Königs und von seinen vielfachen Wohltaten an Klöster und zählt sämtliche Kirchen- und Klostergründungen Roberts auf. Den Tod des Königs sagte eine große Sonnenfinsternis an und der Verfasser wendet sich darauf zu der im üblichen paränetischen Stil gehaltenen Darstellung über Roberts Hinscheiden, wobei er zwei Verse aus dem epanalep- tischen Gedicht des Paulus Diaconus über den hl. Benedikt anführt. Der letzte Abschnitt besteht fast ganz aus emphatischen Fragen und Ausrufesätzen zum Ruhme des Verstorbenen. — Der Stil dieser Biographie ist recht unklar und die historische Darstellung ist zerfahren und unsicher, und der Verfasser sagt selbst am Schlüsse seines Werkes in richtiger Würdigung, daß er die historische Seite der Biographie den Geschichtschreibern überlasse. Auch die Sprache ist wenig gewandt und die ganze Arbeit ist eigentlich keine Lebensbeschreibung, sondern besteht aus einem jedenfalls ganz unchronologischen Aneinanderreihen von Einzelzügen und Anekdoten, wobei der hl. Anianus und seine Stiftungen sowie die vom König errichteten Klöster eine große Rolle spielen. Jedenfalls würde dies Werk beim Fehlen ') Vgl. Migne 141, 910D et ut verbis Aurelii Victorini loquar, ad humanae con- versationis exemplum, per laboris genera universa vir provectus ad summa; dies ist Epit.de Caes. 18,3 ed. Pichlmayr p,154,20ff. mit Lesart von Gud. 84 s. IX. Helgauds Vita Roberti regis. 369 anderer biographischer Literatur aus Fleury keine bedeutende Vorstellung von der literarischen Tätigkeit in diesem Kloster erwecken können. Aber wir wissen ja nicht, ob nicht gerade geschichtlich wichtigere Dinge in diesem Leben ursprünglich vorhanden waren, die vom Bearbeiter, der vielleicht besonders dem Mönchischen zugetan war, entfernt wurden; das ist wenigstens möglich, wenn es auch nicht wahrscheinlich ist. Doch ergibt sich aus der Benutzung so manchen früheren Autors wenigstens eine gewisse Literaturkenntnis des Verfassers, die allerdings gehörig zur Schau getragen wird. Zeugnisse. Die Aufschrift heißt im Druck bei Migne 141,909 Helgaldi sive Hel- gaudi monachi Floriacensis epitoma vitae Roberti regis ex alterius monachi scriptis. Helgald nennt sich selbst bei Gelegenheit der Gesandtschaftsreise col. 930 A cui adiunctus . .. frater de nomine dictus Helgaudus. Erwähnung bei Andreas von Fleury vgl. (E. de Certain, Les miracles de St. Benolt etc. p. 228) Mirac. Bened. 6, 7 patre Gauzlino regimen monasterii ... administrante, suprafatus Helgaudus Vivianum abbatem adiit reliquias iamdicti martyris (seil. Dionysii) sanetorumque Rustici et Eleutheri poscens redonari sibi und (p. 267) 7, 10 ■jjrimusque nobis . . . obvtet Helgaudus ab ipsis eunis eiusdem sanetae sedis monachus et chimi- liarchus, 1 ) sanetorum ossium custos et provisor. Genannt wird er von Andreas unter den henvorragenden Brüdern des Klosters in der Vita Gauzlini 1,2 (Neues Archiv 3, 352) als Voi sänger historia patris Benedicti adventus, quam Constantinus Ulms loci nutritius .. . musice artis dietaverat pneumatibus, suasu Helgaudi precentoris permissuque Gauzlini abbatis, Floriacensi loco primo insonu.it und 1,11 S. 356 als Verfasser der Biographie Cuius prineipis (seil. Rotberti) vita ab memorato Helgaudo, huius s. ecclesie monacho. suavi edita stilo penes nos habetur; ferner 1,38 als Verfertiger von Altarflügeltüren und eines Taktstockes für den Vorsänger, auf dem der Mönch Guntard ein Gedicht anbrachte, worin Helgaud als der Künstler gerühmt wird..— Die Bestimmung über den Grad der Selbständigkeit der Vita Roberti dürfte schwierig sein. Sicher sind größere Partien des Werkes von Helgaud, namentlich wo dieser von Fleury. von seiner Erbauung einer dortigen Kirche und von seiner Gesandtschaft spricht, vgl. col. 919C, 928B und 930 A. Curne de Ste Palaye glaubt (Mem. de litt, de l'acad.roy. des inscr. et belles lettres 10, 553—570), daß die vorliegende Vita Roberti ein Auszug aus dem von ihm selbst geschriebenen Leben Roberts ist, und M. L. Auvray (Melanges d'archeol. et d'hist. 1887 S. 458—471) hält die Hs. Vat. reg. 566 s. XI f. 3—22 für das Autograph einer vom Autor selbst besorgten zweiten Redaktion des Werkes, dessen Original eine Geschichte der Klöster St. Aignan zu Orleans und Fleury war. Nach Auvray kann es als sicher gelten, dafs Helgaud alte Jahrbücher beider Klöster gekannt hat, denn es hat sich im Vat. reg. 585 f. 58" ein Originalbericht über die Weihe von St. Aignan durch König Robert erhalten, und dieser Bericht ist die Quelle für die Vita Roberti gewesen, wie Auvray p. 460 ff. erweist; vgl. auch besonders p. 466—471, wo Auvray die.zahlreichen Stücke abdiuekt, die Helgaud diesem Berichte entnommen hat. In der Vorrede sagt dieser (909B) Et quia a patribus monasterii domni Aniani sermo sumpsit exordium, necessarium est, ut unus adhuc prae- cipuus pater sumatur pro Omnibus . . . Omnipotentia . .. dei volentc et b. Aniano auxiliante memoriam domni ... Leodebodi abbatis monasterii sepedicti s. Aniani feeimus per testamentum, quod de suis rebus propriis s. Petro Aurelianensi, dominae Mariae et s. Petro Floriacensi contulit. Nunc huic scripto addere curavimus, quod in omnes terras sonus exiens pietatis et bonitatis Rotberti .. . regis Francorum . . . hunc sanetum ... exornavit dilexit et exeoluit. Quo concedente vitam huius . . ■ regis adoriri eupimus praesentibus et futuris imitabilem . . . Initio autem descriptionis omnem malus illius habitudinem corporisve elegantiam, prout ipsi per- sjieximus, propalamus. Aus diesen Worten scheint aber hervorzugehen, daß Helgaud eine Geschichte der beiden Klöster vorfand und sie mit dem Leben König Roberts erweiteit hat; das weitere Verhältnis aber wird sich erst durch genaue Einsicht in die Handschrift feststellen lassen. — Zur Herkunft Roberts 909 D progenies, sicut ipse suis ... asserebat verbis, ab Ausoniae partibus descenderat. Der Vers Gerberts 911B Inter cetera de se laetus et liilaris ita in littera R lusit: Scandit ab R Girbertus in R post papa viget R; denselben Vers bringt Sigebert in seiner Chronik 992 (MG. SS. 6, 353, 29) mit den Woiten unde est illud eius mono- sticum. Die Zitate aus Gregor und Ambrosius stehen 916C und 917 A. Zur Erdscheibe 918 A Cui et aliud ... ornamentum contexuit (seil. Adhelaidis mater regis Roberti) quod vocatur orbis terrarum, Uli Caroli Calvi dissimillimum. Zum Aufenthalt Helgauds in Fleury 919 C Erat enim et hoc adplene conveniens tltymiamaterium turibulo aureo a Gauzlino abbate mira- ') Gleich cimeliarchus = thesaurarius. Mnnitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 24 370 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. bilium factore patrato, cuius opus splendescit prae Omnibus quae vidimus ipsi, qui haec scribimus, in Floriaco loco. Die Verse aus Prosper (924 D) werden eingeführt mit den Worten vera bönitas, in qua clarissimus versificator his versibus est delectatus. Helgauds Kirchen- bau 928B In fundo monasterii Floriacensis loci paterna imitabilis abbatis mei Gauzlin; iussione ecclcsiam coepi aedificare modicam quidem sed festivam. 1 ) Zur Gesandtschaft 930 A Albericus nnus sacerdotii gloria decoratus . . . cni adiunctus . . . frater de nomine dictus Jlel- gaudus . . . tertium secum habentes .. . Hisembertum nomine conversione dignürh factum mn- nachum; Anwesenheit beim König 928C post ad eum (seil, regem) me Parisius veniente. Zu Hisembert vgL des Andreas Vita Gauzlini 1, 2 (Neues Archiv 3, 352), wo berichtet wird, daß er ein Summum memoriale verfaßt hat: Porro nee pretereundum singularis institutoris Hisimberti summum memoriale, quem ipse sacre prefecerat bibliothece, qui adeo in edücandts spiritalium filiorum animis perstitit, üt proeul dubio crederes, dignis patribus digne posse succedere inlustrium propaginem heredum. Die zwei Verse aus dem Lobgedicht des Paulus auf Benedikt sind Vs. 119 f. (PL. 1,40). Daß das ganze letzte Stück der Schrift Helgauds eignes Werk ist, ergibt sich aus der Erzählungsweise bei Gelegenheit der Gesandtschaft, vgl. 930 B Dies autem s. quadragesimae Pisciaco celebraturus (seil, rex) Her accelerat nobis- cum proficiscentibus eius praeeeptis imperialibus in quo erat rationem redditurus de quibus eum adieramus. Zur eignen Würdigung des Werkes 934C Caetera quae sunt de seculi militiis, hostibus devictis, honoribus virtute et ingenio acquisitis historiographis scribenda relinquimm . . . Iam nunc monachorum clericorum viduarum orphanorum et omnium pauperum Chrixti ex parte habeas perpetuum vale .. . Botberte. Zweimal verwendet Helgaud Worte aus der Volkssprache 912A ornamentum ... quod nos rustica lingtia labellos vocamus und 926D vestimento purpureo, quod lingua rustica dicitur rocus (deutsch Rock). Ueberlieferung. Einzige Hs. (Autograph?) Vat. reg. 566 s. XI f. 3—22; eine zweite Hs. soll in Saint-Aignan gewesen sein nach Hubert, Antiquitez de Saint-Aignan d'Orleans. Preuves p. 14. Die Hs. besitzt viel Korrekturen und nachträgliche Zusätze am Rande und Schaltblätter. Ausgaben: Duchesne, Hist. Franc.SS.4,59—79. Bouquet.RecueillO,98—117. Migne 141,909—936. Vgl. Hist. litt. 7, 405 und G. Waitz. in einer Note zu den Mirac. s. Sebastiani MG. SS. 15, 771. 52. Das Leben des hl. Gerhard von Brogne. Gerhard, der Begründer des Klosters Brogne im Lütticher Sprengel. wurde in seiner Stiftung wie in vielen andern Klöstern Abt und starb 959. Sein Leben ist bald nach seinem Tode dargestellt worden, aber diese Schrift genügte wegen ihres Äußern im 11. Jahrhundert nicht mehr und Abt Günther von Brogne 2 ) forderte um das Jahr 1050 einen seiner Mönche auf, sie stilistisch neu zu bearbeiten. So ging die ältere Arbeit verloren und wir besitzen nur ihre Überarbeitung. W. Schultze hat das ganze Werk einer scharfen und für den Verfasser sehr ungünstigen Kritik unterzogen und es erst dem Jahre 1131 zugewiesen. 3 ) Dagegen hat sich L. v. Heinemann mit Recht ausgesprochen, 4 ) doch hat er die Abfassung des Werkes mit der Zeit bald nach 1038 entschieden zu zeitig angesetzt. U. Berliere hat sich nun hiergegen gewendet 5 ) und ist mit dem Ansatz um 1050 der Wahrheit wohl nahe gekommen. Denn es handelt sich hierbei um die Tatsache, daß die Vita Gisleni im Leben Gerhards benutzt wurde, diese aber ist nach Holder-Egger 6 ) zwischen 1045 und 1050 geschrieben. Der Hauptbericht der Überarbeitung setzt sich jedenfalls aus großen Stücken des alten Werkes zusammen und der Verfasser ist mehrfach so nachlässig J ) Sie wurde später mit Gedichten ge- I nicht ganz fest; L. v. Heinemann (Neues schmückt, die Helgaud selbst anführt. ■ Archiv 15,592) nimmt etwa 1038 — 1070 an. 2 ) Seine Abtszeit fällt nach Pisen (Flores eccl.Leodiensisp.446)in die Jahre 1031 — 1062; aber er wird noch in einer Traditionsurkunde von 1070 erwähnt, vgl. Annales de la soc. archeol. de Namur 5,428. So steht seine Zeit •=) Forsch, z. deutsch. Gesch. 25,264. 4 ) Neues Archiv 15. 592 f. 6 ) Revue Bönedictine 1892 S. 157-172. 6 ) MG. SS. 15, 576, 1 f. Das Leben des hl. Gerhard von Brogne. 371 gewesen, daß er chronologische Angaben der Vorlage für seine eigne Zeit selten läßt, für die sie natürlich nicht mehr paßten. Außerdem hat er mündliche Kunde eingezogen, aber er macht auch auf seine Kenntnis des Klosterarchivs von Brogne aufmerksam und verwendet ein gefälschtes Papstprivileg. Sonst benutzt er in Kap. 10—13 die Virtutes s. Eugenii und Kap. 15—17 Rainers Vita s. Gisleni, endlich schreibt er in Kap. 14 ein größeres Stück aus Liudprands Antapodosis aus. Die Berichterstattung selbst ist umfänglich und breit und, wie E. Sackur 1 ) gegen W. Sehultze nachwies, in vielen Punkten zutreffend und wahr. Freilich ist die ganze Schrift nicht eben gut zu lesen, denn die Darstellung leidet oft an ermüdender Breite und Inhaltlosigkeit. Darüber täuschen auch die vielen eingelegten kurzen Gedichte und Verse nicht hinweg, die nur wieder beweisen, daß die Beschäftigung mit dem Versemachen allgemein war. Auch kennt der Verfasser die antike Dichtung gut, er macht aus ihr eine ganze Menge Anführungen. Die Sprache verrät die übliche Hinneigung zur Reimprosa. Zeugnisse. Den Tod Gerhards setzt seine Vita 22 (MG. SS. 15, 673, 39) anno ab in- carnätione domini ,95,9. Zum Auftrag an den Verfasser vgl. die Widmung (MG. SS. 15, 655, 26) Domino et putri . .. Gontero abbatiae Broniensi praelato quidam prefessionis monachicae malus autem religionc.. .. Iubet paternitas vestr'ä .. . immo filiomm vestrorum melliflua com- pettimur petitione, ut de domni abbatis Gerardi vita et inrtutibus seu coiwersione quendam quasi nucleum satagamus quomodolibet enucleare .. . licet tantae impares simus sarcinae r clucrevimtis tarnen .. . obtemperare. Daß der Verfasser eher nach St. Ghislain als nach Brogne gehört, meint Holder -Egger MG. SS. 15, 654 n. 3. Des Verfassers Kritik des alten Lebens vgl. MG. SS. 15, 655, 33 Extollenda . . . prioris etiam scriptoris oratio, grammatice qnidem com- posita, non tarnen idiotis minusque capaeibus satis perspicua. Die aus der alten Vita übernommenen Stücke hat Schu-ltze herausgehoben Forsch, z. deutsch. Gesch. 25, 258 ff., wo auch S 260 ff. über die Art der Benutzung. Zu den Nachlässigkeiten vgl. 10 p. 661,10 Si cid autem res ha.ee ingerit ambiguitatem, Lietaldum percontetur abbatem; Abt Lietald von Mousson war aber schon 997 gestorben, vgl. Ann. Mosomenses 997 (MG. SS. 3, 161). Außerdem 14 p. 665, 4 Cuius rei indicio est Baginerus comes Hainocensium liaud ignotus . . . qui ■ ■ . nunc usgue exulat in ignotis regionibus; Raginer wurde 958 in die Verbannung geschickt und starb vor 976, daher ist die alte Vita zwischen 960 und 976 verfaßt. Zur Benutzung mündlicher Ueberlieferung vgl. 1 p. 656, 16 Vir itaque . .. abbas Gerardus . .. sicuti veridicorum relaiione comperinnis. Zum Klosterarchiv vgl. 21 p. 672, 24 Et quoniam in promptu habentur huimee scripti monumentq, quippe quae cum omni diligentia huetenus conservat Broniensis basilica, ne cui lectorum displiceret prolixius sirma, supersedimus singula ipsius hie apponere rerba Zum Papstprivileg c. 21 p. 672, 20 Qnod cum mira alacritate animi dominus Stephanns x. Bomanae sedis tunc apostolicus iuississet fieri . .. immo dietante debentia scribi plumbeo bullatum sigillo Privilegium, quod et ptongar appellant, contulit ille?) Die Benutzung der Virtutes s. Eugenii in Kap. 11 — 13 p. 661 —664. der Vita s. Gisleni von Rainer Kap. 15—17 p. 665, 21 —668,4. Wichtiger ist die Benutzung Liudprands Kap. 14, die eingeführt wird (p. 664, 36) luculenta oratio omnino indicat cuiusdam chronoqrapla ', quam aedificationis grätig. enravimus interserere huic nostrae descriptioni; sie reicht bis 664, 56 und dann p. 665, 15 f. Benutzt ist eine Hs. der zweiten Klasse und zwar nach J. Becker (Textgeschichte Liudprands von Cremona S. 37) wahrscheinlich der alte Lobbiensis. Auf die Zitate aus klassischen Dichtern haben W. Schultze a. a. O. S. 261 und L. v. Heinemann in den Noten zur Ausgabe hingewiesen. Ich mache hier noch auf den mittelalterlichen Vers p 669, 14 Acger dives habet tmmmos, se non habet ipsum und weiter auf p. 672, 40 aufmerksam Omne quod est ramm dinoscitnr et prefiosum, was mit J.Werner, Latein. Sprichw. U.Sinnsprüche des Mittelalters O 36 (S. 65) 3 ) sehr übereinkommt. Daß die alte Vita von Aegidius von Orval benutzt worden sei, hat W. Schultze behauptet (a.a.O. S. 266 f.), vgl. aber hiergegen L. v. Heinemann, SS. 15, 654 n. 9. — Handschriften: Montensis 27 s. XII f. 144—155 (aus ') Die Cluniacenser 1,122 n. 2 und 366 - 15, 594. 368 (dort besonders über die Richtigkeit des 3 ) Omne quod est rarum, dieunt homines Eintritts von Gerhard in das Kloster St. Denis^ 2 ) Das gefälschte Privileg ist nach dem Dezember 1038 entstanden, vgl. Neues Archiv fore carum. C. Weyman hat im Münchner Museum 2, 135 zu diesem Verse nichts bemerkt. 24* 372 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. St Ghislain). Mus. Brit, Addit. 10050 s. XII f. 136—164. Bruxell. 11987 s. XV. Ausgaben Acta SS. Oct. 2, 300—320, von L. v. Heinemann, MG. SS. 15, 655—673. Vgl. ü. Berliere, Monasticon Beige 1,28ff. -Wattenbach 1,434f. 53. Anselm von Lüttich. Anselm befand sich als Kanoniker von St. Lambert zu Lüttich in einer sehr angesehenen Stellung und da besonders sein Verhältnis zu dem Bischof Wazo (1041—1048) ein sehr enges war, so war er wohl imstande, sich über die Geschichte des Bistums zu unterrichten. Mit dem Wunsche, diese Geschichte niederzuschreiben, trat an ihn heran Ida, die Äbtissin des Cäcilienklosters in Köln. In ihrem Stift befand sich nämlich der Leib des hl. Ebergis, eines früheren Lütticher Bischofs; Erzbischof Brun hatte, wie man sich erzählte, den Heiligen von Dortmund nach Köln überführen lassen. 1 ) Da Ida nun den Anselm um die Geschichte dieses Heiligen bat und auch über das Leben und den Wandel des kürzlich verstorbenen Wazo unterrichtet sein wollte, so beschloß Anselm, eine Geschichte des Bistums abzufassen. Für die früheren Zeiten stand ihm Herigers Schrift zu Gebote, die er auch, wie er selbst in der Vorrede ausführte, für seinen Zweck exzerpiert hat. Aber auch für die weitere Geschichte des Bistums konnte er neben mündlicher Kunde verschiedenartige schriftliche Aufzeichnungen benutzen, aus denen Reginos Chronik und Folcvins Geschichte von Laubach besonders hervortreten. Indes erst mit seiner eignen Zeit wuchs sein Interesse an dem Werke, wenn er auch über mehrere frühere Bischöfe für uns recht wichtige Dinge mitteilt. So handelt er ziemlich ausführlich über die literarische Tätigkeit des Bischofs Stephan, streift die Werke Rathers und spricht über die hervorragende Lehrtätigkeit Ebrachars. Aber die Erzählung bleibt doch in den früheren Teilen unzulänglich und sagenhaft, erst allmählich wächst sie sich aus zu einem breiteren Berichte über die einzelnen Bischöfe, deren Leben und Wirksamkeit nach guten Quellen dargestellt werden. Ausführlich freilich wird sie erst mit Bischof Wazo, mit dem sich die reichliche Hälfte des ganzen Werkes beschäftigt. Und so scheint es, als ob diese Geschichte nur deshalb unternommen wurde, um nach einer längeren Einleitung über die früheren Zeiten ein nach allen Seiten hin ausgeführtes Bild von dem vortrefflichen Wazo zu geben, dessen geistige Bedeutung in das hellste Licht tritt; Anselm scheint hier zuweilen mit zu starken Farben gemalt zu haben, es finden sich Stellen, die vor der Kritik nicht ganz standhalten. Das ganze Werk, das also mit dem Auszuge aus Heriger begann, widmete er später dem Erzbischof Anno von Köln. In dem Widmungsbriefe spricht er sich über die Arbeit seines Vorgängers aus, die er mit Kapiteleinteilung versehen, während er das Werk selbständig von Theodard bis auf Wazo fortgeführt habe. Und er widme es ') Vgl. die Vorrede des Lütticher Domherrn (MG. SS. 7,191.36) Requiescit in eodem . .. monasterio corpus b. Ebergisi, qui Tungrensi ecclesiae praefuit 24; qiwd a Brunone archi- episcopo, qui (lux fuisse fertur, a Trutmonia Leodicensis episcopii villa . . . illuc translatum esse . .. affirmant. Freilich erzählt Ruotger Vita Brun. c.31 (ed. Pertz p. 31), daß Brun den Leib des hl. Evergisil und nicht Evergis ins Cäcilienkloster habe übertragen lassen. Evergisil aber war der Tradition nach der dritte Bischof von Köln und hat mit Lüttich oder Tongern nichts zu tun. Anselm von Lüttich. 373 ihm, da die Mutterkirche die Schicksale ihrer Tochter zu erfahren berechtigt sei. Aber schon nach wenig Jahren, nämlich 1056, wurde das Werk Anselms von einem Lütticher Domherrn auf Befehl seiner Oberen in veränderter Gestalt herausgegeben. Nämlich Anselms Exzerpt aus Heriger wurde vernichtet und Herigers Schrift mit Anselms Fortsetzung verbunden. An die Spitze des Ganzen trat Anselms Vorrede an Anno, worauf Herigers Vorwort folgt. Anselms Werk aber leitete jener Domherr mit einem eignen Vorwort ein, in dem Anselms Widmung an Anno fast wörtlich ausgeschrieben und Anselms Vorrede zu seiner Fortsetzung von Herigers Werk zum Teil ausgehoben wird. — Im Anfang begnügt sich Anselm fast lediglich mit der Erzählung von Wundern seiner Bischöfe, die er deren Lebensbeschreibungen entnahm. So verwendete er die Acta Theodardi und für Lambert dessen Leben von Godescalc; doch verbindet er hier mit dieser Quelle ein Stück aus Regino') und erzählt dann die Ursache von der Passion des Heiligen mit dem Bemerken, daß sie vom Hagiographen wohl aus höfischen Rücksichten unterdrückt worden sei. Für weitere Wunder Lamberts benutzt er die Berichte von Zeitgenossen, nämlich von Wazos Nachfolger Thietwin, einem Bayern, 2 ) und von einem Priester Wirin; auch beruft er sich Kap. 14 auf Autopsie. Bezüglich des hl. Hubert verweist er auf die in Lüttich vorhandene Biographie des Heiligen. 3 ) Von einer Anzahl weiterer Bischöfe nennt er dann nur die Namen, da man jedenfalls keine Lebensbeschreibung von ihnen besaß. Für Franco greift er wieder auf Regino zurück 4 ) und benutzt außerdem für dessen Leben wie für Stephan Folcvins Geschichte der Äbte von Laubach. 5 ) Mehr weiß er von Stephan zu erzählen: man führe auf ihn die Responsorien auf den Protomartyr Stephanus zurück, außerdem habe er Godescalcs Leben Lamberts stilistisch überarbeitet und Responsorien auf ihn gedichtet und dem Erzbischof Hermann von Köln gewidmet. Ferner habe er Responsorien auf die Trinität verfaßt, die man früher einem Hubald — jedenfalls Hucbald von St. Amand — beilegte; 6 ) doch ergebe sich seine Autorschaft aus einer Schrift von Stephans Nachfolger Richar. Endlich habe er ein kirchliches Lektionsbuch mit Kollekten verfaßt, 7 ) das er dem Bischof Rotpert von Metz übersandte. Auch über Notker kann er manches berichten; er spricht von seiner umfangreichen erzieherischen Tätigkeit, von seiner diplomatischen Tüchtigkeit und von der Bedeutung der unter ihm in Lüttich herangebildeten Kleriker, unter denen Wazo besonders emporgehoben wird. Mit der Zeit Wolbodos beginnt Anselms eigne Berichterstattung, nachdem er sich schon vorher auf Wazos Zeugnis berufen hat, das im ganzen späteren Teile der Darstellung — mit Kap. 39 beginnt die Geschichte Wazos, die sich bis ans Ende erstreckt — ') MG.SS.7,195,2—9(Kap.8) ausReginonis 5 ) Nämlich Kap. 17f. 21. 27. Uliron. 635 — 641 ed. Kurze p. 34 mit aus- ■ 6 J Zwischen Stephan und Hucbald bestand drücklicher Namensnennung; Kurze erwähnt literarischer Verkehr: Hucbald sandte dem nichts von dieser Benutzung. Bischöfe seine Vita s. Rictrudis zur Begut- 2 ) 9 p. 195,30 die Form in Bairari. achtung. s ) Kap. 16 p. \$8,12 cuius vitamquiplenius ? ) Dieser Liber de divinis officiis befand nosse volunt, ad vitam eius quae virtutibus sich in Bobbio nach Mabillon, Museum plena aput nos habetur descripta, recurrant. Italicum 1, 216. 4 ) Zu 881. 882 und 863. 374 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wohl vielfach die Grundlage bildet. Einmal in Kap. 48 wird auch Abt Poppo von Stablo als Gewährsmann angeführt. 1 ) Die Benutzung des Lütticher Archivs durch Anselm tritt an zwei Stellen deutlich hervor. Nämlich Kap. 41 wird durch ein umfängliches Schreiben Wazos über den Hochmut ausgefüllt, das der Bischof an den Propst Johannes richtete. Und in Kap. 63 hat Anselm ein Antwortschreiben Wazos an Bischof Roger II. von Chälons aufgenommen, das sich mit denkwürdigem Freimut gegen harte Ketzerverfolgungen ausspricht. Unstreitig verdient Anselms besonders über Wazo ausführlich gehaltener Bericht alles Lob, da wir mit seiner Hilfe imstande sind, uns über den hervorragenden Kirchenfürsten ein ziemlich klares Bild zu machen. Die Schreibweise Anselms ist meist einfach und angemessen, Anführungen aus alten Schriftstellern sind verhältnismäßig selten. 2 ) Allerdings macht sich häufig eine Vorliebe für poetische Ausdrucksweise geltend und mehrfach klingen seine Sätze an Rhythmen an. In dem Teile über Wazo schimmert häufig die Vita Martini des Sulpicius Severus als geschätztes Vorbild "hindurch. Zeugnisse. Zur Person des Verfassers vgl. die Widmung an Anno (MG. SS. 7, 161,29) presbiterorum infimusA. und aus dem Vorwoit dos Lütticher Domherrn p. 191, 33 quem quidam ex eanonicis s. Lamb'erti A. nomine composuit; daß sich dies auf Anselm bezieht, hat Köpke in seiner Vorrede zur Ausgabe p. 151 ff. erwiesen. Zum Verhältnis zu Wazo vgl. 68 p. 230,45 Quod eyo eins bonum multis ante et post impensum hidigno mihi . .. exhibitum in simili opere sum expertus 3 ) und 51 p. 220, 18 nisi praesens vidissem nullo modo crederem sowie 24 p. 202, 9 Namque nt audivi referentem domnnm Wazonem episcopum. Veranlassung des Werkes u. a. aus der Widmung an Anno p. 162, 7 Horum quidem pars prior ab Herigero Lobiensis cenobii abbate absque capitulis est conscripta, cid nos capitula praenotantes nostram cum capitulis elucubraciunculam coaptare studuimus. Et cum< illa superior gesta ... a primo usque ad vicesimum septimum, scüicet a s. Materno nsque ad s. Bemaclum digesserit, nos quoque nosfrum opus quod precatu domnae Idae abbatissae conscripseramus decapitantes, ne eadem replicando fasüdium legenti faceremus, a b. Theodardo incepimus et ordinem epi- scoporum ad domnnm Wazonem . . . prosecuti sumus und aus der Vorrede des Domherrn p. 191, 32 Deinceps quae sequuntur iussu priorum'loci istius anno . . . 1056 ex alteriusOpusculi libello, quem quidam ex eanonicis s. Lamberti A. nomine composuit monitu Idae . . . abbatissae, quae regebat monasterium s. Ceciliae . . . in Colonia, huic operi sunt annexa . . . Et priorem eiusdem opusculi sui partem ex praeseyxtibus (p. 192, 1) 27 episcoporum gestis se compilasse non est confusus confiteri ita dicendo: „Ex pontificum Tungrensium gestis quae sunt a s. Materno usque ad b. Remaclum sunt porreeta, placuit . . . fexere sertum. Cui deinceps an- nectere studuimus quae de posterioribus sparsim auf. legimus aut certa antiquorum relatione didieimus et breviario quodam nomina singulomm cum paucis quorundam ipsorum gestis usque ad domnum Wazonem perstrinximus. De cuius vita et moribus extrema quaelibet dicendo paulo diutius immorati sumus, tum ut posteris, siquishaec dignettirlegere, ianti vii'i non negetur noticia, tum potissime quia hoc lacrimis vestrae pietatis negare non potui;*) quibus cum eiusdem . . . viri numquam fatie sed fama tantum cogniti dulcissimam mentionem soletis amplexari . . ." (14) Quae cum ita sint, nos quoque non inconvenienter eiusdem opusculi capite sublato nt inoff'enso pede"") servare possimus ordinem gestorum pontifteedium ... novum ingrediamur ordinem. Zum Zeugnis Thietwins vgl. 9 p. 195, 46 Testis est domnus Thietunnus episcopus, zum Presbyter Wirin c. 10 p. 196, 3 quae me ante biennium a presbitero quodam nomine Wirino contigit audisse. Autopsie 14 p. 197, 22 Contractum prius et post «rectum ri- dimus, aliquantis eum postea annis vidimus. Zu Stephan von Lüttich 20 p. 200, 14 Stephanien ') p.218,31 ut attestarisolebatabbasPoppo. herr aus der Vorrede Anselms entnimmt, 2 ) Es kommen Vergil, Horaz und Sallust dessen Widmung an die Aebtissin Ida entin Betracht. lehnt ist, vgl. vorher p. 191 Quae . .. vel ex- 3 ) Anselm hatte auch mit Wolbodo schon trema de eodem b. viro religiosos gemitus et. ■ ■ ein enges Verhältnis, vgl. 35 p. 209,12 einsque lacrimas edere solebat. meritorum aput deum efficatiam tum ex me . 5 ) Kann aus Tibull 1,7,62 entlehnt sein, ipso tum ex aliis sum expertus. da, wie das Beispiel Herigers zeigt, im Sprengel 4 ) Diese Worte ergeben mit Sicherheit, von Lüttich wenigstens Exzerpte des Dichteis daß die ganze Stelle, die der Lütticher Dom- , bekannt waren. Die Biographien Bardos von Mainz. 375 qui. ■ ■ et protomartiris alumnus, de inventione ipsius quae cantantur responsoHa edidisse dicitur. Verum .. ■ idem vitam s. Lumberti simpliciter antiquitus dictatam urbani sermonis expolint facetiis et responsoria, quae in sollempnitate eins cantamus, composuit, scribens ad domnum Herimannum archiepiscopum .. . Idem ipse responsoriorum, quae de s. trinitate cantantur, auctor fuit, quod nos quidem ignorabamus credentes, quod fama habebat, nescio quem Hubaldum ipsorum fuisse compositorem ... (21 p. 201, 4) Idem .. . Stephanus nonnulla s. ecclesiae contulit utilia, ex quibus est libellus ille, in quo unicuique tempori congruas per tptum anni circulum compegit lectiones cum responsoriis versiculis et orationibus, quas col- ledas vocant horis rite canonicis recitandas, scribens memoratum codicem Roperto Mettensium episcöpo. Anselra führt eine letztwillige Verfügung Richars an, wo es heißt (21 p. 200, 33) Marco noverit industria fidelium .. . quia ... praecessor ... noster Stephanus in honore s. tri- n'datis quaedam responsoria cum antiphonis . . . totumque adplene officium dulcissime modu- lationis stabilire curavit; zum Lektionsbuch vgl. Mabillon. Mus. Ital. 1, 216 (Paris 1724) Ad iuiec Stephani Tungrensis ep>iscopi Über de divinis officiis .. . referendo auctoris prae- fationein ad Buotbertum Mediomatricis id est Metensis urbis antistitem. Ueber Ebrachar vgl. c. 24, wo es p. 202, 9 heißt Namque vi audivi referentem domnum Wazonem episcopum. Ueber Notker handelt c. 25—29. Zum Propst Johannes vgl. 35 p. 208,45; dort ergibt sich, daß er nicht vor 1021 Propst in Lüttich war. Aus der Schrift Wazos gegen ihn, die 41 p. 211.31 beginnt Fratri, lohanno secundum sua merita non suus Wazo, geht hervor, daß er sich hochmütig und herrschsüchtig benommen hatte; Wazo richtet einen scharfen Angriff gegen seinen Stolz und seine Nachlässigkeit. Das Schreiben Wazos in Kap. 63 handelt über die Ketzerei der Manichäer und Anselm selbst begleitet es 64 p. 228, 21 mit den Worten qnomodo inreprehensibiliter actum Sit, quod cum Goslarii quidam huiusmodi erroris sec- tatores essent deprehensi, post . . . excommunicationem suspendio insuper sint addicti, was sich auf das Jahr 1051 bezieht, woraus hervorgeht, daß Anselm etwa zwischen 1052 und 1055 geschrieben hat. Zur Benutzung alter Autoren. 1. Vergil. 24 p. 202. 33 lucidum orbem Phebeae Imnpadis Georg. 1, 459 und Aen. 3, 637; 37 p. 209, 31 dulcia arva linquentes Aen. 3, 550; 40 p. 211,16 de pleno gurgite haustas Aen. 9, 23; 48 p. 218, 26 Aut ceu procellis obstet Mar- pesia caittes Aen. 6, 471; 53 p. 221, 24 terram inaratam relinquere Georg. 1, 83: 55 p. 222, 46 riinineas crates texere Georg. 1. 95; 59 p. 224. 36 varium enim est et mutabile animal faemina Aen. 4,569; 61 p. 225, 31 gratx terebant otia. 2. Horaz. 23 p. 203, 25 Sat. 1.2. 90; 29 p. 206,23 vdut lucifer inter minores Stellas enituit Carm. 1, 12, 46 ff.; 42 p. 215. 43 boni propositi tenatior Carm. 3, 3,1; 48 p. 218, 44 alias tarnen ubique auream teuere mediocritatem Carm. 2, 10, 5 f.; 51 p.220, 6 vir iste in virtutibus totus teres atque rotundus Sat. 2,7, 86. 3. Sallust. 61 p.225, 44 concordia crescere res minimas, discordia vero dilabi maximas Jug. 10, 6. Auf die Benutzung des Snlpicius Severus machte ich schon Neues Archiv 13, 646 f. aufmerksam; hier ist noch nachzutragen 48 p. 218. 27 noctes atque dies . . . aut psallendo aut legendo . . . conti- nuaret Dial. 3, 14, 4 (p. 212, 14 H.). Zu erwähnen ist außerdem, daß 51 p. 220. 8 f. Gregor der Große zitiert wird, aus dessen Moralia Anselm 63 p. 227, 24 eine Stelle (2, 75) anführt. 1 ) Uebrigens ist für die Lebensgeschichte Anselms die Vita s. Theoderici Andaginensis wichtig, wo es von ihm c. 16 (Mabillon, Acta SS. 6, 2, 568) heißt vir nobilis genere sed nobiliör meritis et ecclesiastica religione; ferner 15 (Mabillon 6, 2, 567) inter quos Anselmum sancti Lamberti canonicum pro ingenii claritudine et morum nobilitate iam a puero in ami- citiam sibi familiarissimum. — Die Ueberlieferung ist die gleiche wie bei Heriger, nämlich besonders Guelferbyt. 2738 s. XI, Paris, nouy. acq. 812 s. XII und Hagensis A 23 s. XII. Den besten Text bietet die junge Hs. in Averboden N. XII s. XVI, vgl. Kurth, Bull, de la connniss. roy. d'hist. de" Belgique, Ser.4 Bd.2 N.7 und J. Heller, Neues Archiv 2, 323 f.; einige Varianten MG. SS. 14. 108. Ausgaben: Joannis Chapeaville, Gesta Pontif. Tungr. Traiect. et Leodiensium, Leodii 1612; Martene et Durand. Vet. SS. ampl. collectio 4, 843; ed. R. Köpke, MG. SS. 7. 189—234. Wattenbach 2,145 f. 54. Die Biographien Bardos von Mainz. Im Jahre 1031 wurde Bardo, Abt von Werden und Hersfeld, zum Nachfolger des Erzbischofs Aribo von Mainz erhoben. Daß am erzbischöflichen Hofe zu Mainz wie auch in den Klöstern der Stadt die Literatur keine besondere Pflege fand, ist eine merkwürdige Tatsache, die längst bemerkt worden ist. 2 ) Auch Bardo hat darin keinen Wandel geschaffen, trotzdem • ') Sprichwörtlich klingt 73 p. 234,13 si 2 ) Wattenbach 2,110. lapid'es possent lacrimas fundere. 376 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. er Mönch gewesen war und später an der Spitze eines literarisch so bedeutenden Klosters wie Hersfeld*) gestanden hatte. Nur seine große Beredsamkeit in der Predigt wird von den Zeitgenossen hervorgehoben, und Wolfhere bemerkt im Leben Godehards, daß Bardo deshalb den Beinamen Crisostomus — nach der Benennung des Partriarchen Johannes von Konstantinopel — empfangen habe. Es wird uns auch von seinem zweiten Biographen eine seiner Predigten überliefert, die er nämlich in Goslar am 27. Dezember 1031 gehalten hat und in der er an den Anfang des Johannesevangeliums anknüpfte, um den Tag zu feiern; die Predigt ist sehr ausgedehnt und wortreich und setzt sich fast ganz aus Bibelworten zusammen. Doch scheint man noch mehr Predigten des Erzbischofs in Mainz besessen zu haben, denn derselbe Biograph erklärt, daß er das dritte Buch seiner Darstellung für die Predigten Bardos aufsparen wolle. Davon hat sich freilich nichts erhalten. 2 ) 1. Vulculds Leben Bardos. Als der Erzbischof 1051 gestorben war, bestimmte sein Nachfolger Liupold seinen Kaplan Vulculd, das Leben des Vorgängers darzustellen. Ohne Zweifel hatte Vulculd längere Zeit in Mainz gelebt und hatte Bardo persönlich gekannt, aber mau muß an Ort und Stelle doch nicht viel Stoff für eine solche Biographie besessen haben, denn diese ist äußerst mager ausgefallen. Der Verfasser berichtet zwar im Anfang über Bardos Geburtsort und über seine Eltern, geht aber über seine Jugend und den Eintritt ins Kloster sehr schnell hinweg, um seinen Helden dann als Abt zu schildern; es ist bezeichnend, daß er aus dessen Tätigkeit in Werden den Umstand an die Spitze stellt, Bardo habe auf unbedingten Gehorsam in seinem Kloster gedrungen. Bei der Aufzählung seiner christlichen Tugenden bedient er sich unausgesetzt biblischer Worte. Er hebt dann hervor, daß Bardo keineswegs sein früheres Kloster vernachlässigt habe, als er in den Besitz der großen Abtei Hersfeld gelangt sei, aber ausführlich wird die Darstellung erst, als er erzählt, daß Bardo zu Mainz besonders der Feindschaft des Grafen Erkenbald ausgesetzt gewesen sei, 3 ) und als er dann von der Strafe Erkenbalds berichtet, die er mit einer Vision beginnt. In den vorletzten Abschnitten ist von des Erzbischofs christlichem Lebenswandel die Rede, zuletzt endlich von seinen Kirchen- und Klosterbauten. Aber von Bardos politischer Wirksamkeit, die nach seiner hohen Stellung eine große gewesen sein muß, sowie von seinen Beziehungen zum Kaiser und zum Hofe erfahren wir nichts. Also es wird hier, wie so häufig in der mittelalterlichen Biographie, nur die erbauliche Seite des Lebens erzählt, und dem entspricht es, daß Vulculd nicht nur sehr viel Bibelstellen anführt, sondern auch biblische Ausdrucksweise in seine Schreibart reichlich aufgenommen hat. 4 ) Alles in allem, eine recht ungenügende Biographie! *) Im 9.—10. Jahrhundert wurde dort Am- ist gedruckt Neues Archiv 6, 442; vgl. hierzu mianus Marcellinus abgeschrieben und s.X | Holder-Egger, Neues Archiv 13,14 n. 4.^ besaß man dort höchst wahrscheinlich die ] 3 ) Hier'wird Kap. 6 (MG. SS. 11,320,17) kleineren Schriften desTacitus, vgl. Teuf fei 6 ein Beamter tribunus plebis genannt. 3,301,6 und3,21,4. 4 ) Jaffe (Bibl. rerum German. 3, 518) 2 ) Ein Brief Bardos an die Mönche von | macht darauf aufmerksam, daß Vulculd zeigt, St. Alban zu Mainz, um ihnen dieWahl Egberts | Bardo sei aller acht Seligkeiten der Berg- (Abtes von Fulda?) zum Abte zu empfehlen, | predigt teilhaftig geworden. Die Biographien Bardos von Mainz. 377 Zeugnisse. Die Stelle bei Wolfhere steht Vita Godeh. post. 24 (MG. SS. 11, 209, 35) ut aequivocato cum b. lohanne episcopo cognomine propter dulcisonam praedicandi melodiam Bardo crisostomus diceretur. Die Predigt steht in der zweiten Biographie Baidos Kap. 16 (MG. SS. 11, 330—334), und die Bemerkung über die Predigten im dritten Buche lautet c. 24 (p. 339, 27) Sermones autem eius ... excellentes ... legere volentes in tertium libellum differi- mus etc. (vgl. unten). Aufschrift der Arbeit Vulculds (MG. SS. 11,318,10) Beatissimi Bar- donis gregis Maguntini dignissimi provisoris vita incipit, quam successor eius L. archipraesul dignus quendam cappellanum suum nomine Wlculdum ob memoriam eins componere ferit. Handschrift Wirciburg. fol. 189 f. 155''—158 b ca. 1500. Kritische Ausgabe von Wattenbach, MG. SS. 11,318—321. Wattenbach 2. 112. Der Brief Bardos ist sehr wortreich und voll Phrasen und steht im Gnelf. Helmstad. 365 f. 62* s. XI—XII. 2. Monachi Fuldensis Vita Bardonis. Da Bardo die Schule in Fulda besucht hatte, entstand bei den Mönchen dieses Klosters der Wunsch, ein Leben des berühmt gewordenen Schülers zu besitzen. Daß man hier Vulculds Arbeit bald nach ihrer Entstehung kennen lernte, ist zwar nicht ganz sicher, da der zweite Biograph sie nirgends erwähnt und auch nirgends gegen sie zu polemisieren scheint; aber bei den engen Beziehungen Fuldas zu Mainz ist es in hohem Grade wahrscheinlich. Egbert war damals Abt im Kloster (1048—1058) und wir wissen von ihm, daß es ihm sehr daran gelegen war, eine besser geschriebene Biographie von Bonifatius zu erhalten, zu welchem Zweck er Bücher und einen Schreiber an Papst Leo IX. nach Rom geschickt hatte. Auf ihn ist daher wohl auch der Wunsch in Fulda zurückzuführen, ein umfassenderes Leben Bardos zu besitzen, in dem dessen klösterliches Vorleben ausführlicher zur Darstellung kommen sollte als bei Vulculd. Leider besitzen wir diese Arbeit nur in etwas verstümmelter Form, denn der Sammler von Heiligenleben, dem wir ihre Überlieferung verdanken, hat jedenfalls wenigstens die Widmung oder den Prolog wegfallen lassen. Der Verfasser des zweiten Lebens, also ein Fulder Mönch, baut sein umfangreiches Werk, von dem uns aber nur das erste Buch erhalten blieb, auf dem Bericht von Zeitgenossen Bardos auf und er wird vom Abte seines Klosters und wohl auch von Mainzer Klerikern reichlich mit Nachrichten versorgt worden sein. Freilich auch in seinem Werke vermißt man Bardos Teilnahme an der Reichspolitik fast vollständig und die seltsam breite Darstellung von der Wahl zum Erzbischofe beweist, daß er den wirklichen Zusammenhang der Dinge entweder nicht gekannt oder verschwiegen hat. Im ganzen kümmert er sich aber weit mehr um die Tugenden seines Helden und um damit in Zusammenhang stehende Wunderberichte. Allerdings sind seine Angaben in vielen Stücken anscheinend bedeutend genauer und ausführlicher gehalten als bei Vulculd, und es scheint wenigstens, als ob sie auch auf besserer Kunde beruhten. Die Redseligkeit bringt ihn freilich oft genug zu langatmigen Ergüssen und die häufig eingestreuten Worte oder Reden des Kaisers und Erzbischofs verraten ihre spätere Entstehung deutlich durch die dabei verwendete Reimprosa, die der Verfasser ungemein liebt. Auch in seiner häufigen Anwendung der Antithese und des Wortspiels zeigt sich ein stark hervortretendes rhetorisches Element. Das Leben beginnt mit einer abscheulichen Etymologie des Namens von Bardo, 1 ) spricht über seine Herkunft und bedenkt seine Eltern und ') Kap. 1 (MG. SS. 11,323,14) Bardo qui et Bardeo id est filius dei. 378 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Brüder mit überschwenglichem Lobe. 1 ) Dann wird die Jugendbildung, allerdings sehr kurz, berührt und über Bardos Möhchwerdung gesprochen. Vom Dekan steigt er schließlich zum Abte auf und dabei werden manche angeblichen Worte Konrads II. aufbewahrt. An den Besitz der Abtei Werden schloß sich der von Hersfeld an und hierbei werden nun die hervorragenden Tugenden des Mannes als Abt gerühmt. 2 ) Auf die Erwähnung des Todes von Aribo folgen nun Kap. 11—14 die sehr ausführlich, aber nicht richtig gegebenen Verhandlungen über die Neuwahl, 3 ) wo wieder eine Menge angeblicher Reden der beteiligten Personen vorgebracht werden und einige dichterisch klingende, zum Teil aus Vergil und Ovid genommene Stellen über die Nacht und über den anbrechenden Tag erscheinen. Hierauf spricht der Verfasser über das geistliche Leben Bardos und über die schweren Anfeindungen, die er als Erzbischof zu erleiden hatte, und um ihn davon zu rechtfertigen, bringt er in Kap. 16 die ausgedehnte Predigt, die Bardo zu Goslar hielt. Die geistliche Tätigkeit des Erzbischofs gibt dann dem Verfasser Gelegenheit, im folgenden Abschnitt eine recht anschauliche Darstellung von der täglichen Arbeit des Landinanns zu entwerfen, mit der jene verglichen wird. Nachdem dieTugend der Geduld bei Bardo hinreichend gerühmt worden ist, folgen einige Wunder. Zunächst das Wunder mit den Vögeln von Eltville, die sich durch die Gegenwart des Erzbischofs so stark anlocken ließen, und dann die Begebenheit, da dieser einem Mönche, der das Fleisch beim Mahle zu essen sich weigerte, das Fleisch in einen Hecht verwandelte. Hierauf spricht der Verfasser vom Fasten des Erzbischofs und von seiner Demut, wofür er einen Traum des fuldischen Mönches Luydnandus anführt. den ihm dieser erzählt habe. Dann wendet sich die Darstellung den letzten Tagen des Erzbischofs zu und der Verfasser erzählt von einer Predigt, die Bardo am 19. Mai zu Paderborn gehalten habe. Das gibt ihm Gelegenheit zu erwähnen, daß er dieses Buch schnell schließen möchte und daß er erst im dritten Buche auf die Predigten Bardos kommen werde, für das er auch jene Predigt aufspare. Aus dieser Stelle aber scheint Papebroch mit Recht geschlossen zu haben, daß sich dem eigentlichen Leben als zweites Buch eine Zusammenstellung über die Wunder Bardos angeschlossen hat; das dritte Buch scheint dann über die Predigten gehandelt zu haben. Bei dieser Erzählung von den letzten Zeiten Bardos flicht der Verfasser wieder längere, angebliche Reden Bardos ein, die aber, wie die früheren, jedenfalls nur sein eignes Machwerk sind. Es folgt dann der Tod des Erzbischofs mit einer Anlehnung an Sulpicius Severus, 4 ) und der Verfasser erzählt, daß auch die Juden dem Toten ihre Verehrung bezeugt hätten. Der letzte Abschnitt enthält einen sehr rhetorisch gefärbten Rückblick und außerordentliche Lobsprüche in lauter Worten aus dem Buche Hiob, wie Jaffe' in seiner Ausgabe nachgewiesen hat. So ist in diesem Werke die Wirklichkeit stark ') Hierbei hat der Sammler einige Eigen- wiesen wird, daß alle diese Verhandlungen namen weggelassen, vgl. p. 323,14 und 33. erfunden sind, um die Ansprüche Fuldas und 2 ) Kap. 10 p. 327,24 gehört zur Völker- seines Abtes auf das Erzbistum Mainz auf-. Psychologie: Oui ait episcopus fernere, erat i recht zu erhalten. enim Noricus getiere. 4 ) 26 p. 340,51 llepater, inquiunt, cui nos 3 ) Vgl. Bresslau. Jahrb. d. Deutschen : dereliquisti vgl. Sulp. Sev. : ep. 3,10 ed. Halm Reichs unter Konrad II. Bd. 1,473 ff., wo er- p. 148,9. Das Leben Balderichs von Lüttich. 379 rhetorisch aufgebauscht und H. Bresslau hat nachgewiesen, daß die Tatsachen arg entstellt sind und daß die Erzählung oft keinen Glauben verdient. Auch ist das Latein oft recht ungelenk, sogar fehlerhaft und es fehlt nicht an Prunken mit griechischen Wörtern. 1 ) Zeugnisse. Ueber die Entstehung des zweiten Lebens zu Fulda vgl. Jaffe, Bibl. rer. Germ. 3,518 f.; zur Entstellungszeit zwischen 1053 und 1058 ebenda 3,519. Zu Egberts Sendung an Leo IX. vgl. Otlohi vita Bonif. Prol. (Jaffe, Bibl. 3, 482) ita ut nonnullos librds, unde plenius ad hoc instrueretur, abbas Egbertus sciptoremqiie simul ei Romain transmisisset. Zur Erkundung der Tatsachen von Zeitgenossen vgl. c. 5 (MG. SS. 11, 325,10) Qualis tunc esset, adhuc viventes multi testantur; c. 6 p. 325, 44 Quantum se in hoc gradu fecerit exspectabilem, mihi opus non est declamare (vgl. Sulp. Sev. Vita Mart. 10, 1 p. 119, 26 f.), quod tot testari chlentur, qtcot adhuc eins exemplis illuminati reguntur; 23 p. 339, 19 His dictis monachus (Lui/dnandus) expergefaetus somnium hoc nobis cum magna dulcedine narravit. Zur Antithese und zum Wortspiel vgl. c. 2 p. 324, 7. 9; 10 p. 327, 5. Die Stellen über Nacht und Tag c. 12 p. 328,9 Tempore enim umbrifero cum sole inferius mundi hemisphaerium emeliente terrae diametros sui obsistentia tenebras in caelum funderet, quod nox dicitur, somnus eliam ob- livionis minister . .. aegris se mortalibus (Verg. Aen. 2, 268) inferret, und 14 p. 328, 46 cum mundi ocidus (Ovid. Met. 4, 228) sol confinium septentrionis et orientis serenasset et mortis ijmaginem (Verg. Aen. 2, 369) somnum horroresque tenebrarum pepulisset. 1 ) Zum Fasten vgl. die Worte c. 22 p. 338,36 Immunis fu.it eorum, qui ad hominum intuitum runcantes sive yrunnientes sibi tantum vacant solitarii. Die Worte über die Predigten Bardos und die Teilung des Werkes in drei Bücher c. 24 p. 339, 25 Sed quoniam nos in hoc libro in profundum navi- gavimus, modo festinamus ad huius tematis Iitus, ut ne saturalo lectori taedii pituitam pro- ponamus. Serntones autem eius omni humana divinaque excellentes sapientia legere volentes in tertium libellum differimus, in cuius campo Studioso lectori nos satisfacturos credimus. Et digni sunt non oblivisci, quoniam et hunc sermonem, quem modo differimus, declamavit Zu den Juden vgl. 28 p. 341, 23 Iuclei etiam, quibus nulla bona curae sunt, ei obviam facti, ut venerandi viri feretrum vidernnt, terrae consternati Caput pulvere consperserunt et dixerunt: Heu heu p>ie pater! Emphatisches Ende des Werkes 29 p. 342, 16 Quis loquitur haec? num- qnid ego? Non, sed totus mundus. Loquitur terra, loquitur caelum ... Ergo non recedet memoria eius et nomen eius requiretur a generatione in generationem. Nachweis der Stellen aus Hiob bei Jaffe, Bibl. rer. Geim. 3, 363f. in den Noten. Zur Kritik der Tatsachen vgl. Bresslau, Jahrb. d. Deutschen Reichs unter Konrad IL Bd. 1, 473—479, wo dargelegt wird, daß das c. 10 erzählte Zusammentreffen Bardos mit Aribo und die Schenkung des Stabes erfunden wurde, um Bardos Prophetengabe leuchten zu lassen: feiner hier der Beweis, daß Baido nicht zwei Klöster zusammen besaß, sondern bei der TJebernahme Hersfelds Werden abgab. Endlich verwirft Bresslau S. 478 f. alle Zeitangaben des Werkes als unbrauchbar. Ueberliefei'ung in der Hs. von Heiligenkreuz 12 s. XII, von Z\vettl24 s. XIII, Admont24 s. XIII und im Vindob. 336 s. XIII. Ausgaben von Papebroch, Acta SS. Jun. 2, 299. von Wattenbach, MG. SS. 11, 321—342 und von Jaffe\ Bibl. rer. German. 3, 529-564. Vgl. F. Schneider, Der hl. Bardo, Mainz 1870 (kritiklos). Wattenbach 2,112. 55. Das Leben Balderichs von Lattich. Balderich II. war 1008—1018 Bischof in Lüttich. Er begründete in dieser Stadt das Kloster zu St. Jakob, an dessen Spitze er den Abt Olbert von Gembloux berief, der vordem in Lüttich Lehrer war und später dem Bischof Burchard von Worms bei dessen kanonistischem Werke half. Ein Schüler Olberts war es nun, der einige Jahre nach seines Lehrers Tode (1048) das Leben Baldericbs schrieb, das er etwa im Jahre 1053 beendete. Diese umfängliche Schrift ist ein Werk, aus dem wie aus wenig ähnlichen besonders die politische Stellung der damaligen Reichsbischöfe erhellt. Dazu l ) So 1 $.323,36 gerontaentitrkis. 6p.325, 12 p. 328, 9 hemisphaerium ... diametros. 35 tetragrammum integravit quadrangtdum. 2 ) Nach Vergil auch 17 p. 335,42 sive de- " p. 326,10 Miotetram regio decore praepa- i cedente sive accedente die (Ge. 4,466). Nach ratam. 9 p. 326,36 acsi monogamus pauper- Cic. Cat. 1, 1,1 c. 17 p. 336,13 abuti sua täte premeretur, digamus subito facttis est. \ patientia. 380 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ergibt sich aus ihm die schwierige Lage, in der diese mächtigen Herren meist zu den weltlichen Großen standen; das Werk läuft nämlich auf eine sehr ausführliche Schilderung der feindlichen Beziehungen hinaus, in denen Graf Lambert von Löwen zu Balderich wegen dessen Anlage des Kastells Huguard stand, und es erzählt dann von dem Eingreifen des italienischen Bischofs Johannes in diesen Streit und von dessen endlicher Beilegung. Von der Jugend des Bischofs weiß der Verfasser nichts zu erzählen und und es spricht sicher für seine Warheitsliebe, daß er darauf verzichtet, die üblichen Phrasen zu erdichten. Er beginnt mit einigen allgemeinen Gedanken über die Wichtigkeit der Geschichtschreibung mit einer Anlehnung an eine Cicerostelle 1 ) und bemerkt, auf Balderich einlenkend, daß dieser vor seiner Bischofserhebung oft am Hofe weilte und in enger Verbindung mit dem Kaiser und dessen Familie stand. Er wolle aber nur das aufzeichnen, was durch sichere Zeugen auf die Jetztzeit gekommen sei. So erzählt er, daß Balderich ein würdiger Nachfolger Notkers gewesen sei. und er schildert nun anschaulich seine Sorge für das Bistum, dessen Macht und Ansehen er erweiterte, und berichtet dann von der Einweihung der Lambertskirche und andrer Kirchen zu Lüttich. Doch bricht er mit diesem Stoffe bald ab, um dann auf die sehr eingehende Darstellung der oben erwähnten Kämpfe um das Kastell Huguard mit dem Grafen Lambert überzugehen. Die Erzählung gewinnt in diesen Abschnitten einen durchaus historischen Anstrich, was nicht zum wenigsten auf Rechnung der in der ganzen Schrift stark hervortretenden Benutzung von Sallust zu setzen ist, die sich hier auch durch häufige Verwendung des historischen Infinitivs und in seiner kräftig ausmalenden Rhetorik geltend macht. 2 ) Übrigens hält der Verfasser mit scharfer Kritik über die Vorgänge zurück, indem er zunächst alles dem Urteil Gottes überläßt. Mit Kap. 13 wendet sich die Erzählung besonders dem Eingreifen des italienischen Bischofs Johannes in den Streit zu, dessen Talent in der Malerei der Verfasser ungemein rühmt; allerdings kann die Beständigkeit seiner Schöpfungen bezüglich der Farben nicht groß gewesen sein, denn es heißt, daß man nach Aachen gehen müsse, um sein Hauptwerk zu sehen, das freilich durch die Zeit schon einen großen Teil seiner Schönheit eingebüßt habe; und auf diesem Gemälde habe der Künstler selbst durch einen Vers Otto III. bezeichnet, auf dessen Veranlassung er nach Deutschland gekommen sei. Auch die Malereien an der Kanzel der Kirche des Jakobsklosters seien sein Werk; ein Teil davon sei noch vorhanden, aber vor Alter dunkel geworden, der andre Teil sei erneuert worden. Als dann der Verfasser von den Gründen erzählt hat, die diesen Johannes zur Reise in den Norden bewogen hatten, verwahrt er sich gegen eventuelle Einwände hiergegen und sagt, ihn dürfe man nicht beschuldigen, sondern nur die, auf deren Rat er diese Schrift verfaßt habe und deren Zeugnis er benutze. Dieser Johannes wurde nun von Otto III. ') Kap. 1 MG. SS. 4, 725,19 ut discamus p. 728,44 f. 47 f. 12 p.729,11 f. 13 p.729.35 f. quid laudi quid vicio datur, vgl. Cic. Offic. ' 16 p. 730,50 f. 18 p. 731, 32 f. 38 f. 26 p. 734. 1,21,71 non modo non laudi verum etiam i 35 f. Zum historischen Infinitiv vgl. 7 p. 727, vitio dandum puto. j 18 und 30 ff. . -) Zur Rhetorik vgl. 4 p. 726, 12-16. 11 Das Leben Balderichs von Lüttich. 381 an Balderich empfohlen und der Bischof schloß sich bald eng an den Italiener an und erzählte ihm von seinem unglücklichen Streite mit dem Graf Lambert. Johannes aber half dem Balderich, indem er ihn zum Frieden ermahnte, 1 ) und der Bischof ging auf dies Zureden ein und suchte einen andern Ort für die Kirche aus, wegen deren der Kampf von neuem entbrannt war. Der Verfasser beschreibt dann den Ort für die Kirche und erzählt ihre Einweihung, darauf verlassen ihn aber die Quellen und er berichtet, daß er etwas Weiteres nicht habe erkunden können, besonders von dem Prior Hugo zu St. Jakob, der vieles als Kanoniker von St. Lambert selbst erlebt und manches von seinem Oheim, dem Dompropst Godescalc, erfahren habe, mit welchem Berichte er manche noch jetzt am Leben befindlichen Leute erfreute. Die Erzählung setzt sich dann durch eine längere Unterhandlung Balderichs mit dem sterbenden Grafen Arnulf von Los fort, wobei der Graf eine sehr ausführliche, reichlich mit Anklängen aus Sallust versehene Rede hält. Dann wird die Befriedung des Grafen von Löwen mit Arnulfs Witwe erzählt und der Verfasser eilt hierauf zur Darstellung der letzten Zeiten und des Todes von Balderich. Das vorletzte Kapitel besteht aus 59 leonini- schen Hexametern mit doppelsilbigem Keim und stellt ein Loblied auf den Toten dar, der von allen Strafen des jüngsten Gerichts frei bleiben und in das himmlische Haus einziehen möge, dessen Schönheiten mit glänzenden Farben ausgemalt werden. In den Schlußabschnitten erfährt man noch einiges aus der Zeit nach Balderichs Tode und von seinem Nachfolger Wol- bodo. 2 ) So ist die Schrift eigentlich keine Biographie, sondern eher eine Geschichte des Lütticher Bistums unter Balderich, die viel wichtiges Material für diese kurze Spanne Zeit enthält. Zeugnisse. Daß das Leben Balderichs schon 1056 vorlag, ergibt seine Benutzung bei Anselm von Lüttich in den Gesta episc. Leod. c. 3 —6 und 25. 29. 3 ) Der Verfasser zeigt sich in der ganzen Darstellung als Mönch von St. Jakob, vgl. besonders 13 p. 729,47 In loco etiam nostro ... sitae monnmentapicturae dereliquit und 18 p. 731,26 quem urbs nostra äiutius habere non meruit. Zur Jugend 1 p. 725. 24 De cuius vita quia incertum habetur illud primo praetermittimus ... 30 Tantum illa litteris imprimimus, quae ad noslram per- venemnt aetatem certis et üloneis testibus. Zurückhalten der Kritik 10 p. 728,32 Xos tarnen quid horum verius censeatur ambigimus totumque dei iudicio . ■ . reservamus ... 38 Sed quem finem habuerit talis iactura docebunt sequentia. Zum Bischof Johannes vgl. 13 p. 729,41 Peribetur etiam satis egregie in arte picturae Ulis iemporibus claruisse. Cuius rei experl- mentum siquis exigit, Aquis cum dirigimus, ubi pahnam adhuc optinet tanti artificis opus etc. und 47 In loco etiam nostro . . . suae monumcnta picturae dereliquit. Cancellum etc. Verwahrung gegen eventuelle Einwände 14 p 329,53 Quod si frivolum quibusdam esse videtur et falsitaiis arguimur, Ulis magis imputandum, quörum auctoritaie et testimonio sumus usi et ad scribendum compulsi. Zum Prior Hugo 20 p. 732, 2 Sed hoc a nobis ignoratur nihilque per tot etates super hac re a mawribus nostris aeeepimus maximeque a domno Hugone huius loci priore . . . qui ex his quae partim s. Lamberti canonicus ocidis viderat partim audierat referente avuneulo suo Godescalco maioris ecclesiae praeposito quosdam de senioribus nostris, qui adhuc supersunt, edificare solebat. Zur Anlehnung an Sallust und andre Klassiker 4 ) 2 p. 725,36 summa ope iSallust. Cat. 1,1) ... 40 grege militum (Jag. 45,2); 7 p. 727.13 Benigne respondet (Jug. 11,1) ... 16 se ab ineepto ... velle desistere (Verg. Aen. 1, 37) . .. 23 supplices ') Kap. 16 p. 730, 45 non debere sapien- tem adversis moveri (Horat. Carm. 2, 3,-1 f., 3,3.1—8) cum res humanas constaret volu- bili rota versari, cum videret, summa infimis, infima summis misceri. 2 ) Sein Psalter war s. XIII noch in Lüttich nach der Notiz im Kataloge (Jahrb. d. Altertumsfreunde im Rheinlande L. LI, 231) psalterium domni Wolbodonis episcopi. 3 ) Außerdem ist es stark ausgeschrieben durch Aegidius von Orval (um 1250) in dessen Gesta pontif. Leod 6—19.21—24. 26—30, und für die Vita Wolbodonis c. 30-33. 4 ) Antik auch 22 p. 733,17 stipendia mili- tibus erogare und 23 p. 733,46 donativum oportet impertiri. 382 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Ugatos missüare (Jug. 38.1) ... 27 Ubi advertit (Aen.4,115). 8 p. 727,47 pacientia . .. abute- retur (Cic. Cat. 1, 1, 1). 10 p. 728, 16 totam nostrae urbis immutatam faciem (Sali. Cat. 31,1). 12 p. 729, 10 circumfusae multitudinis (Lucan 5,680). 17 p. 731, 10 qui depisset dimidiüm faciendae rei liaberet (Horat. Ep. 1,2,40). 21 p. 732, 39 invictum adversus avariciam gerarii animum (Jug. 43,5) quorutn virtus non formidolosa sed grata et spectata ducibus (Cat. 7.2. 20,2)... 41 quoniam natura finem mihi facit vivendi (Jug. 10,3). 25 p. 734, 23 Cuius tarnen adhuc gemts . . . est infidum ingenio mobil/' novarum rerum aviduni ut illud non sit ambiqumn a prosapia descendisse Numidarum (Jug. 46, 3). 26 p. 734,39 Quis ... siccis oculis Horat. C. 1, 3, 18. 30,12 (p. 736) Non Gorgon non anguicomae vis sei'a Meduse Ovid. Met. 4,699. 31 p. 737,18 pro . . . merito valde carus erat augusto (Jug. 9,2). 33 p. 738, 33 Gravem .., mihi inhmgis provinciam (Terent. Phorm. 72 f.). Man sieht hieraus, wie häufig sich der Verfasser an Sallust als Vorbild angeschlossen bat. Von dem Werke ist nur eine einzige Hs. bekannt die sich im Jakobskloster in Lüttich befindet (saec. Xll) und danach ist es herausgegeben von Pertz, MG, SS. 4, 724—738. Vgl. Watte nbach 2,142. Hauck 3,483. 56. Wiberts Vita Leonis IX. Der aus Lothringen stammende Kleriker der Touler Kirche Wibert, •der nach der gewöhnlichen Annahme Archidiakon zu Toul war, hatte in dieser Lage dem Bischof Bruno sehr nahe gestanden und dessen Leben und Wirken aus eigner Anschauung kennen gelernt. Als Bruno unter dem Namen Leo IX. schon den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, unternahm es Wibert, das Leben des verdienstlichen Mannes darzustellen. 1 ) Er ging vor 1051 an seine Aufgabe, da Leo erst in diesem Jahre seine Bischofswürde niederlegte. Während der Abfassung des ersten Buches aber ist der Papst gestorben (1054), da es von ihm 1,14 beatus praesul heißt. Da faßte nun Wibert den Entschluß, auch die päpstliche Wirksamkeit seines Helden darzustellen. Er hat, wie J. May darlegte, 2 ) den Zeitraum von 1037—1048 übersprungen, um zu seiner größeren Aufgabe überzugehen. Das zweite Buch ist erst nach 1058 begonnen, da in Kap. 14 Papst Stephan X. als gestorben bezeichnet wird und da Wibert in Kap. 1 von einer Vision erzählt, die er in Kap. 14 auf Viktor IL und Stephan X. deutet. Und gegen Ende seines ersten Buches spricht er Kap. 15 davon, daß erst einige Zeit darüber hingegangen sei, bis er sich an den zweiten Teil gemacht habe; er erwähnt hier, daß er erst neues Material sammeln müsse, und daraus geht, wie J. May richtig erschloß, hervor, 3 ) daß er anfänglich gar nicht beabsichtigt hat, auch Leos Papsttum in seiner Biographie zu behandeln. Es fragt sich nun, ob Wibert seiner Aufgabe gerecht geworden ist. Das nahe Zusammenleben mit seinem Bischöfe setzte ihn natürlich in den Stand, sowohl als Augenzeuge zu reden, als auch von berufenen Persönlichkeiten sich Bericht einzuholen. Ferner gab ihm seine Stellung Gelegenheit, sich mit dem Archiv der Touler Kirche bekannt zu machen. Das hat er denn auch nicht verabsäumt, aber obwohl er eine ganze Anzahl Dokumente verwendet, so ist er doch weit davon entfernt, eine auf archivalischer Grundlage aufgebaute Biographie zu liefern. Er hat das auch gar nicht beabsichtigt, denn er sagt in der Vorrede, daß er das Werk zur Erbauung vieler und zu dem Zwecke geschrieben habe, um die Geschenke Gottes in ihm zu loben und nicht den Menschen in ihm zu rühmen, sondern den zu er- ') Laß er noch am Leben war, ergibt sich 2 ) Zur Kritik mittelalterlicher Geschiclits- aus dem Prolog (ed. Watterich p. 128) quia ; quellen (Offenburg 1889) S. 4. adhuc superest. 3 ) a. a. O. S. 5. "Wiberts Vita Leonis IX. 333 heben, durch den jeder Mensch, der in die Welt gelangt, zu guten Gedanken. Worten und Taten erleuchtet wird. Dadurch erhält das ganze Werk sein Gepräge: das äußere geschichtliche Leben des Bischofs und Papstes tritt in den Hintergrund und Wibert zeigt das Streben, den Helden mehr im Glänze eines Heiligen erscheinen zu lassen, als die wirkliche Bedeutung des Mannes für Bistum, Reich und Papsttum hervorzuheben. So ist der Horizont unsres Biographen nicht weit, und seine Nachrichten nehmen an Zuverlässigkeit ab, je weiter sie sich räumlich von Toul entfernen, wie J. May hervorgehoben hat. 1 ) Daher macht sich in dem Werke das Wunder über Gebühr breit und anekdotenhafte Züge stehen merfach im Vordergrunde der Erzählung, und der Leser muß aufrichtig bedauern, von einem so bedeutenden Kirchenfürsten eben nur eine Durchschnittslebensbeschreibung in den Händen zu haben. Denn nicht einmal dazu konnte sich Wibert verstehen, das eingehend darzustellen, was damals eigentlich im Vordergrund des Interesses stand, nämlich die Reformtätigkeit Bischof Brunos; er beschränkt sich hierbei fast nur auf dessen Kampf gegen die Simonie. Die Schrift wird von einer längeren Vorrede eingeleitet, in der Wibert ganz im allgemeinen über Bruno und über sein Vorhaben spricht und die Begrenzung seines Themas vorführt; er wolle nämlich mit Brunos Anfang beginnen und glaube etwas geleistet zu haben, wenn er die Bischofsjahre des Mannes darstelle, denn eines klugen Römers werde es bedürfen, der Kirche die Taten Brunos als Papstes vorzuführen. Und gleich der Anfang der Biographie lehrt deutlich, in welchem Sinne sie geschrieben wurde, denn nachdem Wibert die Abstammung Brunos dargelegt hat, begnügt er sich damit zu erwähnen, welche Kirchen von seinen Vorfahren gegründet worden sind. Nach der üblichen Vision der Mutter vor der Geburt des Knaben spricht Wibert dann von dessen wie seiner Mitschüler Ausbildung und von den Lernstoffen, die sie sich aneigneten, wobei auch die Rede von forenses controversiae ist. 2 ) Dem abergläubischen und visionären Zuge der Zeit dient in Kap. 5 die Erzählung von einer Kröte, die sich dem Schlafenden aufs Gesicht gesetzt hatte und angeblich bei ihm eine schwere Krankheit hinterließ, von der ihn eine Erscheinung des hl. Benedikt befreite, worüber er später öfters in vertrautem Kreise sprach. 3 ) Aus dem Jugendleben wird weiter berichtet, daß der Kaiser ihn früh zum Bischof machen wollte, während er es vorzog, in der ärmsten Kirche als Priester zu walten; dazu paßt es allerdings wenig, daß, als er an dem Heereszuge Konrads nach Italien teilnahm, er mit der Anführung der Touler Stiftsvasallen das weltliche Amt des Bischofs selbst übernahm. Sehr ausführlich werden dann die Verhandlungen der Touler Kirche mit ihm nach dem Tode des Bischofs Hermann wegen der Übernahme des Bistums dargestellt, wobei in Kap. 8 zwei Briefe des Klerus von Toul angeführt und in Kap. 9 die Einwilligung Konrads zur Annahme in überaus stark rhetorischer Weise ausgeschmückt *) a. ä. 0. S.3. 3 ) 5 (ed. Watterieb, Pontificum Roman. 2 ) Hier (1,4 ed. Watterich p. 131) mag | vitae 1,133) tarn evidentem dei miserationem an die Controversiae des älteren Seneca ge- I super se agnitam recitare suis familiarissimis dacht werden, die allerdings im 11. Jahr- I est solitus. hundert noch ziemlich selten sind. 384 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wird; denn Konrad hatte ihm zunächst abgeredet, da er Größeres mit ihm vorhatte. Unbekümmert um Nachstellungen der Langobarden entkommt Bruno auf der gewöhnlichen Straße von Italien nach Toul, wo Wahl und Inthronisation vor sich gehen. Aber er weicht der von Konrad beabsichtigten Ordination durch den Papst aus und nimmt auch anfänglich die an unwürdige Bedingungen geknüpfte Ordination durch Poppo von Trier nicht an. Nachdem Wibert hier besonders die Demut seines Helden gepriesen, rühmt er dann seine weiteren christlichen Tugenden und seine Kenntnisse in der Musik und erwähnt, daß er vier Responsorien geschaffen habe. Natürlich fehlt es auch nicht an Versuchungen des Helden durch den Teufel, die sich in Form von weltlichen Kämpfen und Schwierigkeiten offenbaren; wie einseitig dieser Standpunkt ist, ergibt sich am besten daraus, daß Bruno als geschickter Diplomat einen Frieden zwischen Deutschland und Frankreich vermittelte, was von Wibert auch berichtet wird. Das erste Buch endet mit der sehr unvermittelten Erzählung von der Abmagerung von Brunos Mutter und von ihrem Tode. Im zweiten Buch beginnt Wibert mit Brunos Aufsteigen zum Papsttum und er berichtet, daß Bruno schon als Bischof jährlich eine Romreise beabsichtigte; als Zeugen für wunderbare Ereignisse auf einer dieser Reisen werden der Touler Dekan Walter und dessen Freund Warneher angeführt. Dem Bericht über die Wahl Brunos auf dem Wormser Reichstage 1048 durch den Kaiser folgt dann die Reise nach Italien mit einem Wunder bezüglich eines angeschwollenen Flusses und die Romfahrt. An die Erzählung, daß sich der neue Papst Leo den Großen zum Vorbild nahm und daß dem in den päpstlichen Kassen eingetretenen Geldmangel bald abgeholfen wurde, schließen sich anekdotenhafte Züge an von einem Hahn, der die Worte Papa Leo krähte, von einem Hunde, der Beus mens sprach und von einem Papagei, der die Worte ad papam vado wiederholte. Dann kommt Wibert auf Leos römische Synode zusprechen und erörtert hier, wie bei der Kirchweih von St. Remi zu Reims, des Papstes scharfe Maßnahmen gegen die Simonie. Mit der Rückkehr Leos über Metz hängt es zusammen, daß dieser auf Bitten des Abtes Sigfrid von Gorze ein Responsorium auf den hl. Gorgonius komponierte und daß sich bei seiner Weihe der Kreuzkirche in Reichenau ein Wunder zutrug. Daran knüpfen sich weitere Wunder und die Kanonisation Gerhards von Toul sowie die Translation des Heiligen durch den Papst, wobei der von Widerich von St. Evre verfaßten und Leo gewidmeten Vita s. Gerardi gedacht wird. Während das 8. Kapitel fast ganz mit Wundern ausgefüllt ist, enthält der nächste Abschnitt eine eingehende Darstellung von der Häresie der Fermentacei, die aufgebaut ist auf den zwischen Rom und Konstantinopel darüber gewechselten Streitschriften. Wibert erzählt hier, daß Bischof Humbertvon Silva Candida die griechischen Schriften in diesem Streite insLa- teinische übersetzt und daß der Papst selbst in dem Streite zur Feder gegriffen habe. 1 ) Es scheint fast, als habe Wibert an dieser Sache persönliches Interesse genommen, denn die einzelnen Stadien des Kampfes zwischen der abend- und morgenländischen Kirche werden mit Genauigkeit verzeichnet. Die ') Es ist die Schrift Leos bei Mansi, Conril. coli. 19,635—656. Wiberts Vita Leonis IX. 385 weiteren Kapitel .des zweiten Buches beziehen sich auf die Normannenpolitik des Papstes, auf einige weitere Wunder Leos, auf seine letzten Zeiten und seinen Tod. Hier finden sich die nicht uninteressanten Angaben, daß Leo noch nach seinem fünfzigsten Jahre Griechisch gelernt habe, um die Bibel in dieser Sprache zu lesen, und daß er kurz vor seinem Tode nach Empfang des Abendmahls ein deutsches Gebet an Gott gerichtet habe. Wibert schließt seinen Bericht mit den Worten, daß er die vielen Wunder, die sich am Grabe des Papstes ereigneten, den Römern zur Darstellung überlasse. Aus dieser Inhaltsangabe geht hervor, daß für unsern Biographen die AVundertätigkeit Leos die Hauptsache war; daneben treten nur noch in den Vordergrund die Bischofswahl, der Streit zwischen Rom und Konstantinopel und der nach authentischen Quellen gearbeitete Bericht über den Tod des Papstes. Die von Wibert verwerteten schriftlichen Quellen sind zwei Briefe des Touler Klerus an Konrad II. und an Bruno vom Jahr 1026 (1,8), eine Aufzeichnung Brunos über St. Evre und eine Urkunde über das Kloster Poussay (1,13), die Akten von Leos erstem römischen Konzil (2, 4), die Urkunde über die an Hermann von Köln erteilten Privilegien und eine Angabe aus dem Itinerar Anselms von St. Remi (2,4), ein Schreiben Leos an Heinrich III. über seinen Nachfolger in Toul (2,8) und die Schriftstücke über den Streit •mit Ostrom (2,9); 1 ) außerdem war ihm die Vita s. Gerardi Tullensis bekannt (2,6). Daß endlich die von Wibert gegebene Chronologie der Ereignisse besonders in den Berichten über die Reisen des Papstes durchaus nicht als sicher zu gelten hat, ist von J. May nachgewiesen worden. 2 ) Nicht ganz so ungünstig stellt sich das Äußere der Schrift dar, worauf jedenfalls viel Mühe verwendet worden ist. Denn Wiberts Stil ist großartig und die Erzählungsweise bedeutend, der Ton ist allerdings häufig salbungsvoll. Man findet bei großem Wortreichtum oft sehr lange Satzperioden, die wie die grammatische Richtigkeit der Sprache auf eine tüchtige Beherrschung des Latein schließen lassen. 3 ) Die Arbeit macht jedenfalls den Eindruck, daß sie nicht Wiberts erstes Werk darstellen kann. Zeugnisse. Zur Abstammung Wiberts vgl. 1,14 p. 145 nostrae patriae ducem Gozilonem (Herzog von Lothringen). Zugehörigkeit zu Toul und Bericht aus eigner Anschauung Prol. p. 128 Et qüidem benignitas ipsius dignata meam parvitatem familiarius sibi iugiter assistere, non suo studio effecit ut plura de eo imitanda valuissem per meinet dignoscere, nonnulla qitoque veracium et gravium relatione. Leo war noch Bischof von Toul nach Prol. p. 127 Qui licet tarn quasi postrenius appareat in pontificalis decessionis catalogo, aber schon Papst nach den weiteren Worten primus tarnen enituit ex summi pontificatus privilegio. Selig heif3t Leo 1,14 p. 144 in beatum praesulem und p. 145 per hunc beatum praesulem. Ursprünglicher Plan Prol. p. 128 Unde ab ipsius exordio noster iam ordiatur sermo, in quo plurimum nobis successisse credemus, si tantuni ea quae in pontißcatu Leucorum laudabiliter gessit, ex aliqua parte quovis stijlo posteris transmiserimus. Sapientum autem et praecipue Romanorum erit, si quae ipse papa Romatms egit, catholicae ecclesiae fideU pagina non ingrati trunsmiserint. Erweiterter Plan 1, 15 p. 146 Verum quoniam maiora exarare stilus properat. Beginn von Buch 2 und Beendung des Werkes nachdem Viktor IL und Stephan X. schon tot waren 2,14 p. 170 sui successoris Victoris triennium, sequens I beatae memoriae Friderici in apostolatu unius anni cursum; die Vision 2,1 p. 148 ipsi s. Petrus quinque calices aureos ') Vgl.Watterichp.LXXXVIundJ. May a. a. O.S.6. 2 ) a. a. 0. S. 28 f. 3 ) Nur ganz selten wird auf die alte Dichtung zurückgegriffen, so 1,11 p. 140 sicut fer- tur exemplo saeculari, wo Ovid. Met. 4,64 folgt, und 2, 3 p. 152 Defecerant ... crumenae nach Horat. Ep. 1,4, 11. Manit'iua, Lateinischo Literatur des Mittelalters, it. 25 386 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. conferret, alteri autetn se subsequenti tres, tertio verö unum calicem tribueret und 2,14 p. }7q wird hierauf verwiesen impleta visione quam supra de revelatione calicum retulimus. Neues Anheben der Arbeit 1,15 p. 147 Sed congruum videtür, hie anchoram nostri navigil fige?e quatenus aliquantum respirando 1-eparatis armamentis coeptum valeamus aequor effieaciter transmeqre: übrigens ist dies Bild seit Sedulius und I'ortunatus ein ganz gewöhnliches geworden. Zur Autopsie vgl. oben. Als Zeugen nennt er Freunde des Papstes 2,1 p. 14g Haec ergo suis familiaribus referens, ferner zwei Touler Geistliche 2, 1 p. 149 # ae( . non esse fieta probat idonea virorum ac venerabilium testifteatio, domni videlicet Waller! Leucorum elaustri decani nee non intimi consecretalis eins Warnehcri, und den Erzbischof Hugo von Besancon 2, 6 p. 157 Huius rei adest testis congruus venerandus Hugo tarn dictus Chrysopoleos arehiepiscopus, ferner andere vertrauenswürdige Personen 2, 3 p. 153 Nam sicut a veridicis fertur relatoribus und 2,14 p. 168 ut testati sunt qui adfuerunt. Zweck Wibeits mit seiner Arbeit Prol. p. 128 Kl quoniam propositum dona dei laudari in eo . .. non hominem laudamns sed illum, a quo et per quem omnis homo veniens in hunc mundum illüininutur ut aut bona cogitet dicat vel operetur und weiter oben' ut de tanto praesule non tarn auditu quam visa ad aedificationem pltirimorum transscribantur. — Die Geschichte von der Kröte beginnt mit den Worten 1,5 p. 132 Cuius dextram faciem venenosa Uta rana quae bufo nuneupatur vel rubeta conscendit eique ex anterioribus pedibus unum in genis alterum atdem sub labio et ex posterioribus priorem post aurem alterum vero sub mento affigens sugere ac stringere inmaniter coepit. Zu den Responsorien 1, 13 p. 144 Nam componens responsorki in veneratione gloriosi martgris Cgriaci sanetique Hidulfi Treoirorum archiepiscopi nee non beatae Odiliae virginis atque venerandi Anglorum apostoli Cfregorii doctoris divini laudes servitü mirifico decore ampliavit. Die Anekdoten von den den Papst verehrenden Tieren 2, 3 f. p. 153 f. Responsorium auf den hl. Gorgonius 2,5 p. 156 ibique exoratus a domino Si,/i- frido Gorziensi abbate composuit in veneratione gloriosi martgris Gorgonii noetürnalium responsoriorum duleisonam melodiam. Zur Yila Gerardi 2,6 p. 158 Quae omnia dilueide sunt exarata in eiusdem vita et miraeulis. Zu Leos Schrift 1 ) gegen die Häresie 2, 9 p. 161 Ituque gloriosus apostolicus libellum composuit luculentissimum adversus tarn dietas praesumptiones et vanitates eorum. Zur Erlernung des Griechischen 2,12 p. 166 lllud etiam'erat in eo mirantlnm, quod ultraquinquagenarius tanto fervebat studio, ut dinnarum lectionem scripturarwn graeeo addisceret eloquio. Zum deutschen Gebet 2,14 p. 168 Super quo facto exhilaratus usque- quaque munilusque dominici corporis et sanguinis comnmnione Teutonica lingua ut testati sunt qui adfuerunt tali cum deo locutus est oratione. Aufforderung an die Römer 2,14 p. 170 Sed quoniam adhuc restant plurima 2 ) ad dicendum quae ad eins tumbam fiunt divina pietate miracula, Eomanis relinquimus exaranda, in quorum diatim ostenduntur praesentia. Vgl. Watterich, Pontif. Roman, vitae I p LXXXV f. und die Schrift von J. May. Seltene Worte sind 2,1 p. 149 consecretalis und 2,4 p. 156 cum magno psallentio. Ueberlieferung. Das Leben Leos ist erhalten im Bern. 292 s.XI und Bern.24 s.XII (mit der falschen Aufschrift a Humberto arcliiepiscopo Rome composita) und im Paris. 5149 s. XV. Ausgaben: Acta SS. Apr. 2, 648; Mabillon, Acta SS. 6, 2,49; Muratori, SS. rer. Italic. 3,282; Migne 143,465; besonders von Watterich, Pontificum Romanorum ... vitae 1,127—170. Vgl. Wattenbach 2,128.226. W. Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit 2, 567. 57. Actus fundatorum Brunwilarensis monasterii. Die vornehme Abkunft des Stifters sowie die schweren Schicksale des Klosters zur Zeit Annos von Köln haben einen Mönch von Brauweiler bestimmt, zur Zeit des Abtes Wolfhelm und zwar vielleicht in dessen ersten Jahren eine Gründungsgeschichte des Klosters abzufassen. Einen berühmten Stammbaum besaßen die Gründer, denn es waren Pfalzgraf Ezo und Ottos IL Tochter Mathilde und diese Verwandtschaft der Gründer mit den Ottonen sowie die Schicksale der Königin Richeza von Polen, der Tochter Ezos, boten dem Verfasser reichliche Veranlassung zu geschichtlicher Darstellung, die mit Brauweiler nur in sehr losem Zusammenhang stand. Die alten Zeiten ') Sie befand sich in Avignon 1311 (Ehrle, Historia bibl. pontif. Roman. 1,46 N. 185)Ubrum sive libellum antiquum Leonis pape Villi adversus Michaelem Constantinopolitanum et Leonem Adriani episcopos. 2 ) So auch im Prolog p. 128 quaedam etiam sciens praeter eo ne aut sim longus plus iusto. seu adulatoris noter elogio, aut quia adhur superest impugner Mo Salomonis proverbio: Ne laudes hominem in vita sua. Actus fundatorum Brunwilarensis monasterii. 387 preist er glücklich, aber nach Richezas Tode (1063) findet er alles beklagenswert. Anno raubte dem Kloster ein Gut, das erst von Hildulf (1073—1078) zurückerstattet wurde; die Erzählung davon steht im letzten Teil des Werkes, ist aber wohl erst später zugesetzt worden. Pabst 1 ) hält auch Kap. 34 (zum Teil) und 35 für spätere Zusätze, während Waitz 2 ) nach der Gleichheit des Stils an demselben Verfasser festhält. Aber die Anhänge über die Wiederherstellung und über den Ursprung des Namens Brauweiler sind gewiß nicht von dem ersten Verfasser, dem jedoch wohl die angehängten Wunder angehören, da er im Prolog und in Kap. 37 auf solche aufmerksam macht. Vielfach hat sich der Verfasser auf mündliche Überlieferung verlassen und er begeht daher viel Irrtümer, wie Pabst nachwies. Zuweilen verwendet er Urkunden (Kap. 30. 32. 34), namentlich aber bringt er viel einzelne Notizen aus Hermanns von Reichenau Chronik. Guten Bescheid weiß er in allem, was die pfalzgräfliche Familie, die Königin ßicheza und Erzbischof Hermann von Köln betrifft, und zuweilen übertrifft seine Genauigkeit alle andern Berichte, wie er wohl die Namen der in der Sarazenenschlacht 982 Gefallenen (Kap. 5) aus einem verlornen Werke nahm. Zuweilen berichtet er Wunder und stützt sich dabei auf angeblich glaubwürdige Personen (Kap. 15. 19. 35). Im Prolog spricht sich der Verfasser ganz im allgemeinen über sein Werk aus; über die Genealogie Ezos bringe er nichts, da nichts davon überliefert sei, aber über seine Jugend und weltlichen Taten und endlich über seine christliche Demut wolle er schreiben und dabei auch die Wunder nicht vergessen. So wird denn im Anfang des Werkes Pfalzgraf Ezo gerühmt und über seine Jugend berichtet, allerdings fast nur in allgemein paräne- tischen Wendungen, wobei viele Gedanken Sallust entlehnt werden. Im Verfolg bietet der Verfasser eine kurze Reichsgeschichte unter Heinrich I. und Otto I. und bezieht sich schon in Kap. 4 deutlich auf Hermanns Chronik 961. 3 ) Dann erzählt er die Geschichte Ottos II. mit ausführlichem Bericht über die Niederlage bei Cotrone. Auf einige sagenhafte Züge aus dem Leben Ottos III. folgt die Gründung einer Kirche in Brauweiler, die Genealogie der Nachkommen Ezos, die Fortsetzung der Geschichte Ottos III., seine italienische Politik und sein sagenhafter Ausgang. Dann liest man Züge aus der Geschichte Heinrichs IL mit Nachrichten über Ezo vermischt, die Heirat Richezas nach Polen, die Genehmigung des Papstes für ein neu zu errichtendes Kloster sowie > dessen Begründung, den Tod von Ezos Gemahlin Mathilde mit ihrem Epitaph. Auf die Klosterweihe und die sich hieran schließenden Wunder folgen kürzere Berichte über die Schicksale von Ezos Kindern, einzelne Züge aus der Zeit Heinrichs III., die Erneuerung des Klosters, ein Brief Leos IX. an Hermann von Köln. Mit den Zeiten Annos von Köln und dem Tod der Richeza beginnt die für das Kloster so traurige Periode, wo es seiner Selbständigkeit beraubt war. Eigentlich ist von den Äbten des Klosters und von seiner Geschichte wenig die Rede, denn es werden fast nur, abgesehen von den Taten der Könige, die Schicksale ') Archiv d. Gesellsch. f. alt. deutsche Ge- I 3 ) Kap. 4 (MG. SS. 14,127,21) Nam eodem Schichtskunde 12,112 ff. j anno iuxta chroniconim fidem etc. 2 ) Göttinger Nachrichten 1863 S. 1 ff. 388 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. der Stifter und ihrer Kinder und zuletzt der Verlust der Selbständigkeit erzählt. Die Sprache der Darstellung ist einfach und ungesucht, wird allerdings in den früheren Teilen häufig mit Redensarten aus Sallust geschmückt. Die Gründungsgeschichte endet mit Kap. 34, die drei letzten Kapitel des Werkes enthalten Nachträge zur Hauptdarstellung, worunter sich ein langer Brief des Abtes Wolfhelm an Heinrich IV. befindet. Zeugnisse. Im Prolog heißt es (MG. SS. 14,123, 33) Domno venerabüi ... Wolfelmo Brunwilarensis coenobii abbati G. humilis et exiguus x ) ... (42) operam dedi veracissime pater iuorta veracium assertionem testium eorum felices actus prosperosque successus utcumque Scripte- edere, qui sacri Brunwilrensis coenobii fundatores atque auetores ab initio fitere. (p. 124, 9) Tibi notanclum quod apud eos, quorum in hoc uegotio sum exempla sequutus, aliter Visa aliter audita narrantur. Nam de his . . . nihil ambiguum scribunt, de Ulis vero, quae- cumque dixerint, suorum assertorum, quibus ea auetoribus didere, fidei atque iudicio relin- quunt. Kap. 15 p. 134,24 wird eine Zeugin ausdrücklich genannt 2 ) Ad quarum testimonia virtutnm qnaedam Adelburg ad nostra usque duraverat tempora iam veterana; quae solebat nobis referre, quia cum caeca fuisset ab infantia in adolescentiae perveniens aetatulam eo quo prediximns modo diu optatam commeruü lucis videre gratiam; ein mehr allgemeines Zeugnis wird angeführt 19 p. 136,18 sed omnium senum illius regionis aecolarum certarela- tione nobis narratum est. Zur Sprache ist zu erwähnen 14 p. 133, 30 sub umbra arbom sycomori, quam Teutonici mulbom appellant; 25 p. 138,12 (bei Gelegenheit einer Bärenjagd) comitante licisca (— zottiger Hund) und 15 emisso satis horrendo uncatu (falls die lieber- lieferung hier richtig isL). Eine alte Hs. fehlt, älteste Ueberlieferung im Colon, areb. civ. C 17 s. XVI f. 1—20. Ausgaben von Koepke, MG. SS. 11,396—408; Harless bei Lacomblet. Archiv f. d. Gesch. d. Niederrheins 4,174—218; H. Pabst in Archiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 12, 147—200; und besonders von Waitz, MG. SS. 14, 123—146. Vgl. Waitz, Göttinger Nachrichten 1863 S. 1—13. Wattenbach 2, 139 f. 58. Marianus Scottus. Der Ire Moelbrigte, d. h. Knecht der Brigitä, war 1028 geboren und hatte als Lehrer den Tigernach, 3 ) einen irischen Annalisten jener Zeit. Im Jahre 1052 verließ er die Welt und wurde geistlich und hat vielleicht damals seinen Namen in Marianus verändert. Vier Jahre später folgte er dem den Iren fast angeborenen Zuge, sich auf den Kontinent zu begeben, und er trat damals in das Schottenkloster zu St. Martin in Köln ein. Nach zwei Jahren ging er mit Abt Ekbert von Fulda nach Paderborn, um hier am Grabe des Iren Paternus zu beten, dann wandte er sich nach Fulda. Im Jahre 1059 wurde er von Ekberts Nachfolger Sigefrid in St. Kilian zu Würzburg zum Presbyter geweiht, worauf er sich in Fulda einmauern ließ und zwar dort, wo der Ire Animchad als Incluse gestorben war. In diesem Zustand verharrte er zehn Jahre, bis er auf Befehl Sigefrids, der inzwischen Erzbischof von Mainz geworden war, erlöst wurde. Er ging dann selbst nach Mainz, ließ sich hier aber wieder einmauern, und ist 1082 oder 1083 gestorben. 4 ) Zu seinen Lebzeiten kümmerte man sich mit Ausnahme Sigefrids wohl wenig um den merkwürdigen Mann und wir würden von seinem Leben fast nichts wissen, wenn er die oben angeführten Daten nicht ) Daraus sowie aus der ganzen Erzählung I checb mihi eulpabili in aliqua levi cidpa ergibt sich, daß der Verfasser dem Kloster Brauweiler angehörte. 2 ) Allerdings für die an Wunder grenzenden Handlungen der Pfalzgräfin Mathilde. 3 ) MG. SS. 5, 557, 39 Ita Tigernach Bor- pronuntiavit. (a. 1065 = 1043.) ■») Am 22. Dezember, vgl. Jaff e, Bibl.rer. Germ. 3, 728 , wo im Necrol. eccl. Mogunt. steht: 11 Kai. lau. Marianus inclusus. Marianus Scottus. 389 selbst seiner Chronik einverleibt hätte. So sind auch weitere Beziehungen von ihm unbekannt und nur der späte Trithemius erwähnt im Chron. Hirsaugiense 1 207, daß sich Briefe von ihm gefunden hätten; diese Nachricht würde freilich bei der bekannten Fabelei jenes Abtes wenig Glauben verdienen, wenn er nicht in demselben Werke 1, 208 bei Gelegenheit des Erzbischofs Arnold von Trier zu berichten wüßte, daß der eingemauerte Mönch Marianus Scottus an diesen einen eleganten Brief gerichtet hätte. Aber auch das braucht schließlich nicht auf Wahrheit zu beruhen, denn die Angabe des J. Vossius, 1 ) daß Marian einen Psalmenkommentar verfaßt habe, bezieht sich auf Marianus von Regensburg, und was Lambecius erwähnt, 2 ) daß. von Marian eine Handschrift der Paulusbriefe mit Interlinear- und Mar- cinalkommentar vom Jahre 1079 vorhanden sei, geht wohl auch auf diesen Namensvetter. Und diesem möchte ich auch den Brief an Arnold von Trier zuschreiben, da die Charakteristik „elegant" auf unsern Marian durchaus nicht passen würde, dessen Stil eher alles andere als elegant ist. Wir wissen nur, daß Marian eine Chronik verfaßt hat. Das ist bei dem abgeschlossenen Leben des Mannes merkwürdig genug, aber schon Wilhelm von Malmesbury und Ordericus Vitalis betonen seinen großen Fleiß im Studium der alten Chronographen. Es kam ihm nämlich gar nicht darauf an, eine Geschichte' zu schreiben ■— am wenigsten eine Geschichte seiner Zeit — und dazu hätte der weitabgewandte Mann überhaupt nicht das Zeug gehabt. Vielmehr hatte er in langjährigen Studien der chronologischen und chronographischen Literatur nach seiner Ansicht eine bedeutende Entdeckung gemacht, der er in der Einleitung zum 3. Buche Ausdruck gibt. Er hatte nämlich durch Vergleich der Daten des Dionysius Exiguus nach dem neunzehnjährigen Zyklus mit dem Berichte der Evangelien zu finden geglaubt, daß sich Dionysius um zweiundzwanzig Jahre in der An- setzung der Inkarnation Christi geirrt habe, und daß diese um jene Anzahl Jahre später angesetzt werden müsse. So gewinnt er für die ganze Geschichte nach Christi Geburt eine spätere Zeit und er hat das auch in seinem Werke stark bemerkbar gemacht, indem er an den Kopf der Ereignisse seine Jahreszahl und an das Ende der bestreffenden Zeile die dionysische Zahl setzt. Die Nachwelt hat ihn wohl wegen dieser kühnen Neuerung bewundert, aber sie ist ihm, wie schon Wilhelm von Malmesbury berichtet, wenig oder vielmehr gar nicht gefolgt. Vielleicht gibt sich darin eine gewisse Mißstimmung des festländischen Klerus gegen die Rechthaberei der Iren in chronologischen Dingen zu erkennen; jedenfalls war man nicht gesonnen, den vielhundertjährigen Gebrauch in einer so heiligen Angelegenheit nach der Laune eines Iren zu ändern und kein uns bekannter späterer Chronist hat nach den Jahren Marians gerechnet. Über die allmähliche Entstehung des Werkes sind wir nun durch die genaue Unterscheidung der Hände, die das Werk schrieben, von seiten ') De historicis Latinis 2,47 p. 385. librum suis fratribus peregrinis XVI. Kai. 2 ) Commentar. 2,749 (ed. altera 2,526 f.). Iun. hodie feria VI anno domini 1079. Zu Ks handelt sich um Vindob. 1247 (aus Am- Marian von Regensburg vgl. Zeuss, Gramma- bias) mit der Unterschrift In Tumore indivi- tica Celtica I p. XXVf. M. Esposito, Studies duae trinitatis Marianus Scottus scripsit hunc 2,509 N. 45. 390 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Br. Güterbocks unterrichtet. Nach ihm sind vier Hände zu unterscheiden die sämtlich Iren angehören, was sich aus allerhand Eintragungen in der Muttersprache, sowie aus Orthographie und Interpunktion ergibt; daß sie nicht alle den nationalen Duktus haben, spricht nicht dagegen. 1 ) Die erste, eine feine irische Hand, schreibt den Hauptteil (Vatic. Pal. 830) f. 26"—149 b , nämlich von Beginn des Chronikwerkes an bis zum Ende des ersten cyclus magnm pascalis, d. h. bis 554 (532). Und zwar war dieser Schreiber tätig im Sommer 1072 bald nach seiner Ankunft in Mainz, er veranstaltete eine Abschrift oder Keinschrift der bis dahin von Marian vollendeten Teile der Chronik. 2 ) Die zweite Hand von schwerem kontinentalen Duktus fügte auf f. 138 1 '-—147 einiges hinzu, was sich auf Patrick und Brigita bezieht, und zwar auf freigelassenen Zeilen oder am Rande. Die dritte Hand ist die des zweiten Textschreibers und allgemeinen Glossators. Im Test setzt sie mit f. 150" ein, nachdem sie bereits von f. 118" (Jahr 224) an die Konsulnamen auf freigelassenen Räumen mit roter Tinte eingetragen hatte. Außerdem schrieb diese Hand den größten Teil der der Handschrift vorgebundenen Blätter f. 1—24, deren Inhalt ganz den Eindruck von Vorarbeiten und Entwürfen zum eigentlichen Chronikwerk macht, indem sie Tabellen, Listen undKollek- taneen enthalten. Wahrscheinlich hat dieser Schreiber nach Marians Diktat gearbeitet, er ergänzte und setzte die von der ersten Hand gelieferte Abschrift fort. Er war ebenfalls Ire nach den f. 38—40 und 48 von ihm eingetragenen Versen. Die vierte Hand ist wieder eine irische, aber weniger zierlich als die erste. Sie schrieb die Liste der Irenkönige f. 15 b und die Papstliste f. 16 bis Johann XII., außerdem die f. l b gegebene Gebrauchsanweisung zur Kalenderberechnung, die chronologischen Berechnungen f. 10"—15 b und einige Eintragungen f. 163" zu 1045 und 1050 {Ego miser Marianns etc.) und f. 165 b den Eintrag zu 1098. Höchstwahrscheinlich ist dies die Hand Marians selbst und nur in diesem Sinne kann man von der Originalhandschrift sprechen und daß der Verfasser die Schlußredaktion selbst besorgt hat. Er tat es im Frühjahr 1073, denn seine letzten Einträge beziehen sich auf Ereignisse des 24. März und 21. April dieses Jahres. 3 ) Marianus scheint seine chronologischen Studien schon in Fulda begonnen zu haben, denn die Vermutung Giesebrechts, die von Müllenhoff gebilligt wird, ist wohl richtig, daß der die Kanonessammlung des Diony- sius Exiguus enthaltende Palat. 577 in Fulda geschrieben und von Marian mit nach Mainz genommen worden ist, was auch für Heidelb. Palat. 921 (Jordanis) zutreffen dürfte. Beide Handschriften sind von Marian für die Chronik benutzt und haben im Martinskloster den Besitzvermerk erhalten. 4 ) Die der Chronik vorangestellten Stücke haben folgenden Inhalt. Gleich der Anfang beginnt mit der Lösung chronologischer Fragen und mit einer Konsulreihe, am Rande mit Kaiser- und Inkarnationsjahren. Hierauf folgen die Inkarnationsjahre nach dem Martyrolog und nach den Passionen der Päpste und ihren Dekretalen, sowie ein Papstkatalog bis Johann XII. Hier- ') Vgl. L. Traube, Münch. Abh. 19,347. Sprachforschung 33,98 Nämlich Vorrede, Kapitelüberschriften, Buch 1. 2. 3 bis 554. 3 )Vgl.Gütei-bock.Ztschr.f.vergleichende -----------------o —'----- . , Iste Über pertinet ad libraviam sancti Martini ecclesie Maguntin. Derselbe Vermerk steht im Vatic. Pal. 830. Marianus Scottus. 39] auf liest man den großen Osterzyklus mit kurzen annalistischen Notizen, darauf den ersten und zweiten Zyklus der Jahre 1—532 und 533—1064 und den Anfang des dritten Zyklus. Diese sämtlichen, teilweise recht weitläufigen Stücke hängen mit der eigentlichen Chronik nur oberflächlich zusammen und sind nur Vorarbeiten, die also erst später vorangestellt wurden, um die chronologischen Anschauungen des Verfassers zu erläutern und weiter zu erklären. Erst mit f. 26 beginnt die eigentliche Chronik mit Angabe des Verfassernamens und einem Prologe, der sich über den Nutzen chronikalischer Untersuchungen ausspricht und dann kurz die Aufgaben, die sich der Verfasser gestellt, nach ihrer chronologischen Seite skizziert. Es folgen die Übersichten der Kapitel der drei Bücher, in die die Chronik zerfällt, und nun beginnt diese selbst. Das erste Buch reicht bis zur Zeit Christi; das zweite erläutert die Geschichte Christi und der Apostel mit Voranstellung der Evangelienworte und die Erklärung wird nach Augustin. Gregor und Beda gegeben. Das dritte Buch führt die Chronik bis auf die Zeit des Verfassers und zwar hat Marian, wie oben schon gesagt, die Arbeit bis 1095 (1073) geführt; in einem Anhang von 1098 (1076) finden sich noch eine chronologische Note und Verse; damit war das Werk geschlossen. Später wurden noch einige Ereignisse der Jahre 1096 und 1097 (1074 f.) eingefügt und auf f. 166 eine Fortsetzung bis 1104 (1082) angehängt, und auf f. 166 b findet sich noch von der gleichen Hand der Eintrag Obiit Marianus inchsus. Nach dem Tode des Verfassers ist die Handschrift im Kloster verwahrt und von andrer Seite eine weitere Fortsetzung hinzugefügt worden, die großenteils aus den Annalen von St. Alban in Mainz genommen ist. Marianus scheint sich aber mit seinem Werke nicht begnügt zu haben, denn zunächst enthält die Handschrift Leid. Scalig. 49 s. XI eine Geschichte der Jahre 1065—1083, die mit Marianus' Chronik so nahe verwandt ist, daß sie wohl eine zweite Rezension der Chronik darstellt, die vom Verfasser selbst veranstaltet wurde. Aber auch der Cheltenham. 12200 s. XIII — XIV liefert den Beweis einer Überarbeitung der Chronik durch Marian. Hier folgt nämlich auf Beda de natura rerum eine Schrift Incipiunt capitida in cronicis Mariani. 1 De variis relationibus et diversis opinionibns ex resur- rectione domini bis 23 Qua ratione inveniri possint atini ab origine mundi. Expliciunt capitula. Inc. prologns Mariani Scott i gen er e in Mb'rumcronicarum. Für das ganze Werk, dessen zwei erste Bücher weder historiographisch noch literarisch besonderen Wert besitzen, hat nun Marian ein sehr umfangreiches Quellenmaterial herangezogen, nämlich den größten Teil der altchristlichen Weltgeschichten, Chroniken und chronologischen Schriften, sowie eine bedeutende Menge patristischer und hagiographischer Werke. Für die spätere Zeit engt sich zwar sein Quellenkreis sehr ein, aber er entnimmt seine knappe Erzählung den besten Geschichtsdarstellungen. Im allgemeinen wird sich der ihm zu Gebote stehende Stoff mit den Bücherschätzen decken, die er in Fulda und in Mainz vorfand, und es dürfte daher angebracht sein, das in der Ausgabe von G. Waitz gegebene Quellenverzeichnis hier vorzulegen. Marian kannte und benutzte die Werke des Jo- sephus, des Eusebius Kirchengeschichte in Rufins Übersetzung, die Chronik des Eusebius in der Übersetzung und Fortführung durch Hieronymus. Von 392 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Hieronymus die Briefe, die Kommentare zu Ezechiel, Zacharias, Matthäus und zum Galaterbrief, die Quaestiones hebraicae, die Vita Pauli und das Martyrolog, von Pseudo-CIemens den Liber recognitionum, Ambrosius in Lucam, von Augustin de trinitate und de consensu evangelistarum, des Maximus Homilien, die Passio Valentini. Ferner die Geschichte des Orosius, die Chroniken von Prosper. (seit 399), Cassiodor, Isidor (seit 531), Beda, die Historia tripartita, Isidors Etymologien, Jordanis Summa temporum (seit 496), Beda de temporum ratione und de temporibus, die Kommentare Bedas zur Genesis, zu den Evangelien, den Actus apostolorum mit den Re- tractationes, das Martyrolog. Die Epist. s. Luciani, die Epistolae Dionysii et Theophili de ratione paschali, 1 ) die epist. Paschasini, Victurii epist. ad Hilarium, die Briefe Leos I., die Dialoge und die Evangelienhomilien Gregors I. und dessen Leben, die Vita Martini des Sulpicius Severus, die Leben der hl. Elifius, Maurus und Columban, das Martyrolog Ados von Vienne, 2 ) den Liber pontificalis und einen Papstkatalog, Pseudoisidor, des Paulus Hist. ßomana und die Langobardengeschichte. Für die spätere Zeit kommen in Betracht eine Fulder Kompilation, die bis 830 reichte 3 ) (seit 766), Ein- hartsVitaKaroli (seit 769), die Annal. Augienses (seit 781), Keginos Chronik (seit 792) und Thegans Vita Hludowici (seit 839). Die Benutzung der Ann. Augienses reicht bis 976 und von da an erstreckt sich die Berichterstattung auf ganz kurze Angaben über die Regierung der Könige und über den Wechsel im deutschen Episkopat; dazwischentreten Nachrichten über irische Verhältnisse und gegen den Schluß hin die eignen Lebensdaten Marians, die, in solcher Ausführlichkeit in eine Weltchronik eingestellt, von einer sonderbaren Naivität des Verfassers zeugen. Jedenfalls hat er für die eigene Zeit keine Quellen mehr besessen und so gelangte er zu solchen vereinzelten Notizen über Kaiser und Könige, Päpste, Bischöfe 4 ) und Äbte, von denen nur die über die Herrscher und den Klerus von Irland etwas breiter sind, so daß man annehmen muß, daß er Nachrichten über die heimische Geschichte besaß und vielleicht auch aus der alten Heimat auf dem Laufenden erhalten wurde. Mit solchem vermischt er in den letzten Jahren noch spärliche Berichte über die Ereignisse im deutschen Staat und in der Kirche, aber alles das hat für die deutsche Geschichte wenig Wert. Er hat eben die Geschichte seiner Zeit gar nicht schreiben wollen, chronologische Fragen der Vorzeit standen für ihn durchaus im Vordergrund. In dieser Beziehung bleibt er der echte Ire, der, der Gegenwart fremd, wissenschaftlichen Forschungen für die Vergangenheit sich hingibt. Und so versteht man auch, daß er im Zustande des Inklusen Geschichte schreiben konnte. Demgemäß hat Marians Werk in Deutschland nur wenig Interesse erregt. Allerdings konnte sich ihm ein Chronist wie Sigebert, der so großen Wert auf sichere Datierung legte, nicht entziehen, und er hat manches daraus für seine Chronik entnommen und auch dem Verfasser in seiner ') Sie sind ganz aufgenommen. 2 ) Daher sind die Passiones paparum entlehnt. 3 ) Nicht die Annal. Hersfeldenses, wie die Ausgabe angibt, vgl. H. Lorenz, Die Jahrb. von Hersfeld (Leipzig 1885) S. 66 ff., besonders S. 68. 4 ) Ausführlicher über die Pilgerfahrt Sige- frids von Mainz 1086 (1064). Marianus Scottus. 393 Literaturgeschichte ein Denkmal gesetzt. Sonst hat Marfans Werk nur in Mainz und Umgebung Einfluß auf die deutsche Geschichtschreibung ausüben können, nämlich vielleicht in den sog. Annal. Wirziburgenses, die im Albanskloster in Mainz aus dem Chron. Wirziburgense und Marian (?) zusammengesetzt wurden, und später im 12. Jahrhundert in den Annalen des Naheklosters Disibodenberg. Viel stärker aber hat unsre Chronik auf England eingewirkt. So brachte sie Robert von Herford am Ende des 11. Jahrhunderts in einen Auszug, der oft unter Marfans Namen selbst geht. Etwas später hat Florentius von Wigorn die Chronik zur Grundlage der seinigen gemacht und nur englische Nachrichten hinzugefügt; sein Werk ist öfters mit Marfans Namen benannt worden. Mehrmals äußert sich Wilhelm von Malmesbury über Marian, wohl nicht ohne Kenntnis der Chronik, und auch Matthäus von Westminster kennt den Verfasser. l ) Von der Chronik finden sich aber in englischen Bibliotheken mehrfach Auszüge und sie wird in mittelalterlichen Katalogen überhaupt nur in England erwähnt. Zeugnisse. Zum Namen Maelbrigte vgl. Zimmer, Glossae Hibernicae p. 274. Marians Einträge für sein eignes Leben sind 1050 (MG. SS. 0, 556,13) Ego miser Marianus in peccatis fui in hoc anno natus. 1065 p. 557, 26 Animchadus Scottus monachus et inclusus obiit 3 Kai. Feb. in monasterio Fuldensi . . . Super quem ego Marianus Scottus 10 annis inclusus super pedes eius stans cotidie cantavi missas. 1074 p. 558. 4 Ego Marianus seculum reliqui. 1078 p. 558, 14 Ego Marianus peregrinus factus pro regno coeleste patriam motuavi et in Colonia 5 feria Kai. Augusti monachus effectus. 1080 p. 558, 30 Ipsis vero statini diebus feria 2 post octavas paschae exiens de Colonia causa claudendi cum abbate Ful- dense ad Fuldam super mattam in clausola ipsius 1 seil. Paterni) ubi supra eamdem mattani combustus et passus est, ego oravi. 1081 p 558, 36 Ego Marianus indignus cum Sigfrido abbate iuxta corpus s. Kiliani martiris Wirziburc consecratus ad presbiteratum sabbato medie quadragesimae 3 Idus Martii et feria 6 post ascensionem domini pridie Idus Mali inclusus in Fulda per annos 10. 1091 p. 560, 2 Ego miser Marianus iusione episcopi Moguntini et abbatis Fuldensis feria (i ante palmas .. . post annos X meae inclusionis solutus de clausola in Fulda ad Mogontiam conduetus. . . . In qua clausola eodem die ego Marianus pro peccatis meis seeundo includor. Trithemius im Chron. Hirsaug. 1, 208 ad quem (Arnoldum Trerir.) Marianus Scotus monachus inclusus elegcmtem destinavit epistolam. Sigeberts Worte über Marian stehen de Script, eccl. 159 (ed. Miraeus. Bibl. eccl. p. 155) Marianus Scottus pere- grinans pro Christo in Gallias et factus monachus apud Maguntiam multis annis inclusus scripsit chronicam a nativitate Christi usque ad annum nati Christi 1082, mira subtilitate ostendens errorem priorum chronographorum ita ponentium nativitatem Christi, ut amius passionis eius quantum ad rationem computi non concorclet veritati evangelicae. Unde ipse apponens XXII annos Uli anno, ubi priores scribunt fuisse natum Christum ponit in margine paginae alternatim hinc annos evangelicae veritatis, illinc annos falsaepriorum computationis?) id non solum intellectu sed etiam visu possit discerni veritas et falsitas: vgl. die ähnlichen Stellen in Sigeberts Chronik MG. SS. 6, 360. 43 zu 1061 und 364,34 zu 1082, nur daß hier die Aera des Dionysius genannt wird. Wilhelm von Malmesbury sagt von ihm De gestis reg. Angl. 3,292 (ed. Stubbs 2, 345) Sub isto imperatore regnante floruit Marinianus Scottus qui primo Fuldensis monachus post apud Magontiacum inclusus contemptu praesentis vitae gratiam futurae demerebatur. Is longo vitae otio chronographos scrutatus dissonanliam cgclorum Dionysii Exigui ab evangelica veritate deprehendit, itaque ab initio seculi annos singulos recensens viginti duos annos qui circulis praedictis deerant, superaddidit, sed paueos aut nullos suae sententiae seetatores habuit; fast die gleichen Worte gebraucht Wilhelm in Gesta pontif. Angl. 4, 164 (ed. Hamilton p.300 f.) und setzt nur hinzu Eum librum Bobertus (seil, episcopus de Herfordia) miratus unice emulatus mirifice Angliae invehendum curavit. 3 ) Denique captu Marimari*) ingenio quiequid ille largius dixerat, in artum contrahens de- floravit adeo splendide, ut magis valere videatur defloratio quam ingentis illius voluminis diffusio. Unabhängig hiervon berichtet Ordericus Vitalis hist eccl. 3 (ed. le Prevost 2, 159) 1 ) Vgl. Waitz, MG. SS. 5, 492. wahrscheinlich durch Iren hingebracht worden 2 ) Schon daraus ergibt sich, daß Sigebert 1 war. ein Exemplar der Chronik eingesehen hat. 4 ) Es ist wohl Mariniani zu lesen. 3 ) Wohl aus Irland, da das Werk dort 394 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Marianus enim in coenobio s. Albani martgris apud Maguntiam monachus fuit ibique Caesa- riensem Eusebium et Hieronymum aliosque historiographos pro modulo suo secutus ... So- lerter itaque perscrutatis veteribus et modernis codicibus chronographiam edidit in qua ab initio mundi . .. per omnes . libros veteris et novi testamenti et Romanorum Graecorumqne historias discurrens optima quaeque collegit et enumeratis annis per regum et consulmn tempora usque in dient mortis suae annahm historiam laudabiliter distinxit. Die Untersuchung von Br. Güterbock steht Zeitsclir. f. vergleich. Sprachforsch. 33,89—101. Zu den orthographischen Besonderheiten vgl. W aitz, MG. SS. 5, 494. Das Jahr 1072 ergibt sich nach Zimmer, Gloss. Hibem. p. XLII, wo die Uebersetzung der im Vat. Pal. 830 f. 33 a vorhandenen irischen Glosse darauf führt eodem anno quo occisus est Diarmait rex Lageniorum et est hoc eodem anno veni ego ex Albania in peregrinitate mea et scripsi hunc librum pro cari- tate tibi (seil. Mariano) et Scotis Omnibus i. e. Hibernensibus quod sunt ipse Hibernensis. Die Vermutung Giesebrechts zum Vat. Pal. 577 und Heidelb. Pal. 921 steht in Schmidts Zeitsclir. f. Geschichtswissensch. 7. 564f., vgl. hierzu Müllenhoff u. Scherer, Denkmäler deutsch. Poesie u. Prosa 3 2, 317—319. Die Inhaltsangabe der vorangestellten Stücke gebe ich nach Waitz, MG. SS. 5, 485 f. Auf die Neubearbeitung im Leid. Scalig. 49 machte Dümmler, Forsch, z. deutsch. Gesch. 16, 169 ff. aufmerksam, die Stellen sind neu herausgegeben von Waitz, MG. SS. 13, 72f. Vgl. auch den englischen Chronisten von 1155 im Cotton. Nero A VIII s. XII nach MG. SS. 16, 480.14 zu 1028 und 1059 und 1069. Die Quellen gab ich nach Waitz p. 482 f. Die Benutzung Marians durch Sigebert s. bei Hirsch, de Vita et scriptis Sigebertip. 113—122. Zu den Ann. s. Albani vgl. W. Seh um, Die Jahrb. des St. Albansklosters, Göttingen 1872, der allerdings die Benutzung Marians verneint. Zu den Ann. a. Disibodi vgl. Wattenbach 2, 433 f. und die Ausgabe von Waitz, MG. SS. 17,4—30. Zu Robort von Herford vgl. oben; im Cotton. Nero C V 's. XI sieht der Auszug unter der Aufschrift Ine über Mariani Scotti genere exeerptum de evangelistarum voluminibus sive doc- toribus, richtiger im Bodlei. unter Inc. exceptio Roberti Herefordensis episcopi de chronica Mariniani. Zu Florentius Wigornensis vgl. Lappenberg, Gesch. Englands 1 p.LVIII; über seine Hss. mit Marians Namen vgl. Archiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 7,83. 4,112. 7.94. 4,112. 7,90. Auszüge aus Marian in englischen Bibliotheken vgl. Stenzel, Archiv 4,116. Trithemius hat ihn genannt und auch benutzt im Chron. Hirsaugiense zu 1043 und 1062, vgl. Waitz, MG. SS. 5,492 n. 10. Ueberlieferung. In alten Katalogen wird Marian nur zweimal in Canterbury genannt, vgl. Manitius, Neues Archiv 32, 694; freilich ist nach den obigen Mitteilungen fraglich, ob es die echte Chronik war. Unter den Augen des Verfassers entstand Vat. Pal. 830 s. XI (aus St. Martin zu Mainz). Mus. Brit. Cotton. Nero C V s. XI (mit Veränderungen). Leod. 242 s. XV. Francofurt. 104 s. XIV. Der erste Teil der Chronik herausgegeben Basel 1559 (Oporinus), danach bei Pistorius, Rer. germ. SS. 1, 266 und hrsg. von Struve 1,448. Nur Buch 3 mit den Kapitelüberschriften von W aitz, MG. SS. 5, 495—562, mit den Fortsetzungen p.562—568. Vgl. Wattenbach 2,114-116. Zeufi, Grammatica Celtica I p. XXVII f. 59. Die Annales Altahenses. In dem nordwestlich von Passau gelegenen Kloster Altaich (Nieder- altaich) sind im 11. Jahrhundert größere Jahrbücher entstanden, die sowohl für die Geschichte Bayerns wie für die Reichsgeschichte von hervorragender Bedeutung sind. Ihre Wichtigkeit liegt aber nicht nur in dem reichen, anderswoher nicht bekannten Stoffe, sondern auch darin, daß sie gerade zu der Zeit verfaßt sind, als der große Kampf zwischen König und Papst ausbrach. Man ersieht aus ihnen, wie ein mit der Geschichte der letzten Jahrzehnte wohl vertrauter Mann, dessen Blick noch nicht durch den grundsätzlichen Streit getrübt war, die Geschichte der Gegenwart auffaßte und ohne Vorurteil niederschrieb. Man wird bei ihm als einem Mönch keine Voreingenommenheit gegen die Kirche voraussetzen dürfen, und doch urteilt er möglichst sachlich und objektiv über den König, und seine Darstellung verläuft fast mit derselben Ruhe und Sicherheit wie bei Hermann von Reichenau. Wenn daher gegen Ende der Darstellung König Heinrich IV. eine ungünstige Beurteilung erfährt, so kann man fest überzeugt sein, daß der Annalist der Wahrheit gemäß verfährt und nur die allgemeine Stimmung Die Annales Ältahenses. ■wiedergibt; schont er ja auf der andern Seite Otto von Nordheim keineswegs, sondern spricht sich oft bitter genug über ihn aus. Die Annalen beginnen mit dem Jahre 708 und ihr ganzer erster Teil reicht bis 1032. Dieser stützt sich, soweit sich dies aus Aventins Exzerpt erkennen läßt, auf die Hildesheimer und Hersfelder Annalen. Und zwar sind die Jahrbücher von Hersfeld hier in ihrer ausführlichsten Gestalt bis 984 benutzt worden und mit ihnen wurden die Jahrbücher von Hildesheim zusammengearbeitet. Da der Annalist aber diese Quelle zum Jahre 1007 gedankenlos ausgeschrieben hat, 1 ) so haben Oefele und Giesebreeht.an Wolfhere als Verfasser des ersten Teils unsrer Annalen gedacht, was sich jedoch nach den neueren Forschungen 2 ) als unhaltbar herausstellte. Neben diesen größeren Quellen benutzte der Annalist noch kleinere Jahrbücher schwäbischer und bayerischer Herkunft, ferner Willibalds Leben des Boni- fatius, die Genealogia domus Carolingicae sowie Thangmars Vita Bernwardi und vielleicht den Liber pontificalis. Dieser erste Teil stützt sich also auf bekannte Quellen und hat nur ein literargeschichtliches Interesse. Mit dem' Jahre 1033 wird die Erzählung ausführlicher, entfernt sich .von den Hildesheimer Annalen und leitet zur Reichsgeschichte über. Diese wichtige Portsetzung scheint der neue Verfasser, der gleichfalls Mönch in Altaich war, im Jahre 1075 in einem Zuge geschrieben zu haben, wie aus seinem mehrmaligen Verweisen auf die Zukunft hervorgeht; und daß er erst im Jahre 1075 sein Werk verfaßt hat, ergibt sich deutlich aus der Anspielung auf die trüben Zeiten, die er im Jahre 1060 macht. Außerdem weisen vielfache chronologische Verstöße auf diese spätere Abfassung hin. Ein gewisses chronologisch- annalistisches Gerippe hat der Verfaser aus -der Chronik Hermanns von Reichenau entlehnt 3 ) und Ehrenfeuchter hat es als wahrscheinlich hingestellt, daß unser Annalist für die Ungarn- und Böhmenkriege Heinrichs III. von 1041 — 1052 dieselbe Quelle benutzt hat wie Hermann; 4 ) daß diese Quelle aber ein Gedicht gewesen sei, wie' Ehrenfeuchter meint (S. 67 f.), geht aus der Darstellung des Annalisten nach meiner Ansicht kaum hervor. Denn der dort bemerkte Schwung der Darstellung und die reimenden Satzausgänge sind als Besonderheiten nicht zu trennen. Wir wissen längst, daß die Reimprosa die meisten nicht in gebundener Rede gegebenen Darstellungen des 11. Jahrhunderts überwuchert, und die dadurch bedingte Satzstellung ist das, was Ehrenfeuehter Schwung der Darstellung nennt. Ferner finden sich fast in allen Prosawerken der Zeit Stellen, die mehr oder minder größere Teile von Hexametern sind, und zweimal 5 ) hat der Annalist überhaupt mehrere ganze Verse in die Prosa gefügt, ohne daß die Umgebung beider Steilen irgendwie darauf hinwiese, daß die Verse aus poetischem Zusammenhange herausgenommen seien. Und wenn Ehrenfeuchter S. 68 mit dem Mangel an genauen Angaben aller Tatsachen seine Gedichthypothese weiter stützt, so finde ich hierin *) Er spricht nämlich hier als Hildesheimer. 2 ) Vgl.besondersE.Ehrenfeuchter.Die Annalen von Niederaltaich (Göttingen 1870) S. 7—15. Fr. Kurze, Die Hersfelder u. d. gr. Hildesh. Jahrbücher (Stralsund 1892) S. 6. 3 ) Vgl. Ehrenfeuchter a. a. O.S.60— 63. Hiermit ist zu vgl. J. G. Meyndt, Kaiser Heinrich III. und König Andreas I. (Leipzig 1870) S. 28 n. 95. ' *) a. a. O. S. 63-66. '-) 1039und 1045(ed. alt. 1891 p. 22 und40). 396 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. erst recht keinen Grund, denn man kann doch einen Annalisten unmöglich für das verantwortlich machen, was er verschweigt; es ist doch denkbar, daß er es gar nicht gewußt hat oder daß es ihm nicht erwähnenswert erschien. Fest steht dagegen, daß der Annalist bayerische Verhältnisse oft in den Mittelpunkt stellt, daß er aber gleich von Anfang an Sinn für die Reichsgeschichte hat. Aus ihr besteht seine spätere Darstellung vollständig, allerdings erzählt er Dinge aus Ungarn, Böhmen und aus den ostthüringischen Marken mit Vorliebe, so daß er zuweilen, wenn er darüber nichts weiß, einen ganz kurzen Jahresbericht gibt. 1 ) Auch über Altaich und die dort lebenden Äbte und Mönche spricht er nicht selten und seine Zugehörigkeit zu diesem Kloster geht schon daraus hervor, daß er allein warm und persönlich wird, wenn er aus seinem Kloster berichtet. 2 ) Aber er tritt doch auch sonst, entgegen annalistischer Erzählungsweise, persönlich hervor 3 ) und nimmt auch an den Ereignissen inneren Anteil. 4 ) Ferner belebt er die Erzählung dadurch, daß er mehrmals ihm zugeflossenen Bericht besonders hervorhebt. 5 ) Auch sonst fällt er aus dem Annalenschema heraus, wenn er eine Verweisung auf die Zukunft gibt, 6 ) oder wenn er seinen objektiven Standpunkt rechtfertigt, 7 ) oder wenn er sich 1065 wegen seiner langen Erzählung über die Pilgerfahrt jenes Jahres entschuldigt (p. 66). Übrigens tritt mehrfach seine Vorsicht gegenüber den überlieferten angeblichen Tatsachen hervor, indem er dann ein ut dicmit oder ferunt einfließen läßt. 8 ) Daß unser Annalist einen nicht geringen Teil seines Berichts dem Abt Wenzeslaus von Altaich und dem Bischof Günther von Bamberg verdankt, hat Giesebrecht jedenfalls richtig dargelegt. 9 ) An Irrtümern fehlt es allerdings in der Darstellung nicht, 10 ) und es werden zuweilen auch wichtige Dinge ganz übergangen, wie z. B. die Motivierung von Heinrichs III. Römerzug 1046 vollständig fehlt. Solche Umstände können aber bei der ausgeprägten Wahrheitsliebe des Verfassers nicht schwer ins Gewicht fallen, und wir haben in seinem Werke eine •namentlich für den deutschen Südosten ausgezeichnete und für jene Zeit hervorragende Geschichtsquelle. Daß der Verfasser ein Deutscher war, ergibt sich aus der stolzen Bezeichnung Heinrichs III. mit dem Wort heros (1044), aber die einstige Verbindung Deutschlands mit Westfranken ist in seinem Andenken noch nicht erloschen, denn er nennt den Herrscher Frankreichs den König der Karlinger; über die Ruhmredigkeit der Lombarden und den hochfahrenden Stolz der Italiener spricht er sich mehrmals mißbilligend aus (1064 und 1068). Den Geistlichen erkennt man aber deutlich bei unserm Annalisten darin, daß er in den Siegen Heinrichs III. das Walten Gottes preist (1044), daß er bei diesem König den kirchlichen Sinn hervorhebt (1044), mehrmals Wunder erzählt (1067 und 1071) und die Simonie Heinrichs IV. >) So zu 1048. 1049. 1059. a ) Vgl. 1055 p. 51 und 1062 (Ende) p. 61. 3 ) Vgl. 1067 p. 73 Interfectores autem eins postea... conspeximus: 1050 p. 46 Loquor in- gentia; 1065 p. 71. 4 ) Vgl. 1060 p. 56 Inicia dolörum haec. s ) So 1042 p. 30 (ut cpmperimus). 1066 p. 72 (Retuhrunt ergo nobis). 1069 p. 77 qui- clam ... postea manifestavit. 1071 p. 80 (audi- vimus ab his). 6 ) 1060 p. 56 (quod in suo loco dicetur und Inicia dolörum haec). 1061 p. 58 (Sicque anno sequenti). ") 1071 p. 84 Haec . .. non scribimus studio detrdhendi. 8 ) 1069 p. 76 ferebatur ... ut dicmit, p. 78 periisse feruntur. 1071 p. 83 ut ferunt. 9 ) ed. II p. XV. XVI. 1(l ) Namentlich in der Papstgeschichte, vgl. 1060 p. 56 n. 3 und 1061 p. 59 n. 1. Die Annales Altahenses. 397 tadelt (1071). Bezüglich seiner eignen Zeit verfährt er aher möglichst objektiv und sucht die Wirren im Reiche bei der Minderjährigkeit Heinrichs IV. dem Reichsregiment zuzuschreiben (1062) und ist mit Annos Neuerung durchaus einverstanden (1062). Vorsichtig hält er mit seiner Meinung über das Schisma zurück (1063), aber schließlich geht er zu offener Anklage gegen den König über (1072); freilich weiß er auch über Otto von Nordheim nicht wenig Ungünstiges zu berichten (1065. 1067. 1069). Auf diese Weise erhält man den Eindruck, daß seine Berichterstattung nicht leichtsinnig oder parteiisch, sondern daß sie nach bestem Wissen wahrheitsgetreu verfaßt worden ist. Sie wird zuweilen sehr ausführlich und der Verfasser bringt sogar die Reden handelnder Persönlichkeiten in seine Darstellung, 1 ) ja er bezeichnet eine längere Rede Alexanders IL als dessen eigne Worte. 2 ) Hingegen begnügt er sich in den früheren Jahren unter Umständen mit dem Bericht über Todesfälle und Witterungserscheinungen (1039), und diese letzteren werden einmal (1041) zu einem nicht geringen Teile seiner Erzählung. Einmal (1048) hat es den Anschein, als ob der kurze Jahresbericht nur eine Skizze darstellte. — Der Stil dieser Annalen ist im ganzen klar und das Latein, wenn auch keineswegs korrekt, doch leicht verständlich, und nur selten erscheinen Erinnerungen an die frühere Lektüre von Vergil, Horaz und der Disticha Catonis; auch vermeidet der Verfasser fast durchweg seltene und gesuchte Ausdrücke. Zeugnisse. Zur Benutzung der Hildesheimer und Hersfelder Annalen vgl. H. Lorenz, Die Annalen von Hersfeld. Leipzig 1885, S. 41—52; E. Ehrenfeuchter, Die Annalen von Niederaltaich, Göttingen 1870, S. 15—20 und 34—48. H. Bresslau, Neues Archiv2,541—563; Fr. Kurze, Die Hersfelder u. die größeren Hildesheimer Jahrbücher, Stralsund 1892, S.4ff.; Ann. Allah, mai. ed. Giesebrecht et Oefele 2 p. XII. Beide Herausgeber stützen Wolfheres Autorschaft (p. XI) auf Ann. Altah. 1007 nostro episcopo in suae abrenunciationis testimonium episcopalcm ferulam tradidit et usque apud nos retinetur; hierzu vgl. Th. Lindner, Forsch, z. deutsch. Gesch. 16,392 und Fr. Kurze a.a.O. S. 6 und n. 3. Zu den bayerischen und schwäbischen Quellen vgl.Ehrenfeuchter a.a.O. S. 49 f.und 50f. und die Ausgabe 2 p. XII f., wo auch p. XIII zu den übrigen Quellen, denen Ehren feuchter a.a.O. S. 52—55 wohl ohne Grund die Chronik Reginos mit ihrer Fortsetzung hinzufügt. Zur einheitlichen Abfassung des zweiten Teils 3 ) s. Giesebrecht, Ausgabe 2 p. XV, daselbst p. XVII zur Abfassung um 1075. Hinweisung auf die trüben Zeiten (Sachsenkrieg) 1060 p. 56 Inicia dolorum haec. Daß 1069 p. 78 Sed quia eundem virum (seil, papam Alexandrum) novimus pium ac mitem fuisse erst nach Alexanders Tode (1073) geschrieben ist, hat Giesebrecht p. XVII mit Recht hervorgehoben. Die Reimprosa des Werkes beginnt übrigens nicht erst 1040, sondern ist schon im ersten Teile seit 964 deutlich sichtbar; auf dieses rein äußerliche Moment dürfen keine Hypothesen irgendwelcher Art aufgebaut werden. 4 ) Zum Ausdruck „König der Karolinger" vgl. 1043 p. 32 regi Karolingorum, 1044 p. 38 cum rege Karlingorum, 1056 p. 52 regi Chara- lingorum; man entnehme übrigens hieraus, -wie unsicher auch ein gut geschulter Mönch in der Orthographie von Eigennamen war. Zu den in der 2. Ausgabe gegebenen Reminiszensen 6 ) füge ich hinzu 1050 p. 46 ne quid mala mens linqueret inexpertum Verg. Aen.4,415; 1063 p. 63 ars arte deludebatur Dist. Cat. 1, 26, 2. Fortleben und Ueberlieferung. Die Annalen wurden im 13. Jahrhundert benutzt durch Hermann von Altaich, vgl. Giesebrecht. Ausgabe 2 p. XVII und n. 2—4, Simon de Keza und die Ungarische Bilderchronik (O.Lorenz, Deutschi. Geschichtsquellen im Mittelalter 1, 336. 338) hängen beide von ihnen ab, doch glaubt O. Rademacher, daß die Annalen, Keza und die Bilderchronik dasselbe Werk über die Ungarnkriege Heinrichs III. ') Vgl. 1061 p. 58. 2 ) 1064 p. 65. 3 ) Bei 1060 hatte Th. Lindner (Forsch, z. deutsch. Gesch. 11,529). bei 1046 hatte Steindorff (Forsch.z.d.Gesch. 16,386) einen Einschnitt gemacht. 4 ) Daraufhat schon Th. Lindner (Forsch. 11,559 f. und 16,392) mit Recht aufmerksam gemacht. 6 ) Sie gehen auf Simson, Neues Archiv 14, 607 zurück. 398 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. verwendet haben, das bis 1045 reichte; vgl. Forsch, z. deutsch. Gesch. 25,398—402 und 405 und Rademacher, Die ungarische Chronik als Quelle deutscher Geschichte (Merseburg 1887) S. 8—12. Endlich sind die Annalen in der Chronik des Johann von Thurocz stark benutzt (vgl. Lorenz a.a.O. 1,342 und die Noten in Giesebrechts Ausgabe 2 ). So ist das Werk des Altaichers also besonders in Ungarn bekannt gewesen. In Deutschland war es verschwunden, wurde aber von Giesebrecht, Annales Altahenses (Berlin 1841) rekonstruiert bis E. v. Oefele eine 1517 von Aventin gefeitigte Abschrift fand, Ausgabe von Giesebrecht und Oefele, MG. SS. 20,772—824; Handausgabe 1867 und 1891. — Vgl. Steindorf f, Jahrb. Heinr. III. Bd. 1,427— 447 und 2,441—446. 60. Adam von Bremen. Das Erzbistum Hamburg-Bremen war im Jahre 1043 einem Manne zuteil geworden, dessen Persönlichkeit nicht nur im Norden des Deutschen Reiches die tiefsten Spuren hinterlassen sollte. Denn Adalbert, aus dem Hause der Pfalzgrafen von Sachsen stammend, war eine geborene Herrschernatur. Stets bereit, seine Machtbefugnisse zu erweitern, wollte er ein nordisches Patriarchat herstellen, das mit dem römischen Papsttum wetteifern konnte. Erst als seine vormächtige Stellung im Kampfe mit Anno von Köln erschüttert war, beschränkte er sich darauf, die Macht des sächsischen Herzogshauses zu brechen. Daß dieser Mann in seinen 29 Pontifikatsjahren nicht viel Zeit gefunden hat, sich um Wissenschaft und Literatur zu kümmern, kann nicht wundernehmen, und so erfahren wir auch vom besten- Kenner seines Lebens, Adam von Bremen, nur an einer Stelle, daß er selbst literarisch tätig gewesen ist. Dort heißt es nämlich, daß Adalbert die Geschichte der Schwedenmission seiner Zeit in seiner gewöhnlichen großartigen Sprache aufgezeichnet und eine auf die Fortsetzung dieser Mission gehende Vision des Schwedenbisöhofs Adalward damit verbunden habe. Adam hat diesen Bericht Adalberts vorher verwendet (3, 14 f.) und man sieht aus seiner Erzählung deutlich das feste und bewußte Eingreifen des Erzbischofs in die schwedischen Verhältnisse sowie sein Bestreben, diese Dinge auch auf die Nachwelt zu bringen. Daß Adalbert auch die Bremer Schule zu heben suchte, steht wohl außer Zweifel. Adam erwähnt davon allerdings nichts, aber das geht doch aus der Tatsache hervor, daß Adalbert einen solchen Mann wie Adam in seine Hauptstadt zog und ihm die Schule unterstellte. Von der Herkunft Adams denkt man, daß er aus Ostfranken oder Thüringen stammte. 1 ) Vielleicht hatte er die Schule in Magdeburg besucht, da er in seinem Werke diese Stadt öfters berührt; 2 ) auch in Goslar war er bekannt und er scheint schon zu Adalberts Vorgänger Alebrand Beziehungen unterhalten zu haben. Im Jahre 1066 kam er nach Bremen, wo er Domherr wurde und bald die Leitung der Schule übernahm. Ein so gelehrter und kenntnisreicher Mann wie Adam mußte aber dem Erzbischof, der damals schon im Reichsregiment gestürzt war, nahe treten, und es geht aus vielen Stellen seines Werkes sein naher Verkehr mit Adalbert hervor, der ihm manches anvertraute, wofür ihn Adam dann als authentische Quelle benutzte. J ) Auf die Schwierigkeit der Lösung dieser Frage macht Ph. W. Kohlmann, Adam von Bremen (Leipzig 1908) S. 5ff. aufmerksam, ohne aber das Schol. 145 heranzuziehen. Vgl. jetzt zu der Frage B. Seh meid ler (und E.Schröder) in Adam von Bremen, Hambg. Kirchengesch. 3. Aufl. hrsg. von Beruh. Schmeidler p. LIV ff. und p. LV n. 5. 2 ) Vgl. aber hierzu die Ausführungen von Kohlmann a.a.O. S. 3f. Adam von Bremen. 399 Der neue Domherr hatte sich nämlich vorgenommen, die Geschichte des Erzbistums von dessen Entstehung an bis auf seine Zeit darzustellen, da es ein solches Werk noch nicht gab, während die meisten älteren Hochstifter schon ihre Geschichte besaßen. Daß er den Plan hierzu zeitig gefaßt hat und nicht etwa erst nach dem Amtsantritt Liemars, wie aus einer gewissen Höflichkeit gegen den neuen Erzbischof die Vorrede glauben machen will, ergibt sich schon daraus, daß er sich bald nach seiner Ankunft in Bremen zum Dänenkönig Sven begab, um von diesem die Geschichte des Nordens zu erfahren, und daß er mehrfach Adalbert als Quelle für sein Werk anführt. Außerdem wäre es an sich unmöglich, daß er in höchstens drei Jahren ein Werk geschrieben hätte, das auf einer so großen Anzahl von Quellen beruht, deren Erlangung ihm oft nicht leicht gefallen sein mag. Nachdem er also den reichen Stoff gesammelt hatte, ging er an dessen Zusammenstellung und beendete sie wohl im Jahre 1075, denn in dem angehängten poetischen Epilog berührt er Vs. 48 f. deutlich die versöhnliche Politik Liemars im Sachsenkriege von 1075. l ) Mit einem längeren Briefe widmete er Liemar seine Arbeit, und schon dieser Brief ist für den Verfasser höchst bezeichnend. Denn sein Ton ist würdig in jeder Beziehung, er spricht bescheiden von sich und von seinem Vorhaben und bedenkt Liemar keineswegs mit der gewohnten Schmeichelei. Nachdem er erfahren habe, sagt er, daß die Bremer Kirche eine große Einbuße erlitten hätte, habe er sich mit dem Plane getragen, ihr zu helfen, und er habe vieles über die Vorgänger Liemars gelesen und gehört, was wegen seiner Bedeutung und wegen des Notstandes der Kirche der Darstellung wert sei. Daß aber das Erzbistum noch keinen Historiker gefunden habe, könne wohl jemand damit begründen, daß die Taten der früheren Erzbischöfe zu unbedeutend seien oder daß man es hierzu an Fleiß habe fehlen lassen. Deshalb sei ihm der Wille gekommen, die Taten der Bremer oder Hamburger Erzbischöfe aufzuzeichnen. Zu dieser schwierigen Arbeit erbitte er um so mehr Nachsicht, als er sich auf keine Vorarbeiten stützen könne. Und er wende sich daher zu ihm (Liemar) als dem, der sein Werk zugleich beurteilen und mit seiner christlichen Weisheit decken möge. Es werde ihm allerdings an Gegnern nicht fehlen, die sein Werk etwa mit dem von Cicero erdichteten Somnium Scipionis 2 ) vergleichen würden; doch er beabsichtige gar nicht allen zu gefallen, sondern nur ihm, denn den Neidern etwas recht zu machen sei sehr schwierig. Daher wolle er ihm auch seine Quellen angeben. Zu manchem habe er zerstreute Blätter gesammelt, vieles habe er Geschichtschreibern oder auch den Privilegien der Päpste entlehnt, die große Masse seines Stoffes aber verdanke er der Belehrung durch ältere, erfahrene Männer, und er habe nichts aus sich selbst hinzugefügt, sondern vielmehr alles durch sichere Zeugnisse gestützt, so daß der Leser deren Gewicht Glauben schenken müsse, wenn man ihm selbst solchen verweigere. Übrigens wolle er nicht als ein fertiger Historiker gelten, aber er fürchte auch nicht als Fälscher bezeichnet zu werden, und was er nicht gut ge- ') Daß er aber noch später Schollen zu 2 ) Dessen Erklärung durch Macrobius zu seiner Arbeit fügte, legt Schmeidler p.LVI i den verbreitetsten Schulbüchern damals ge- dar (vielleicht bis 1085). ] hörte. 400 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. könnt habe, überlasse er andern darzustellen. Sein Werk beginne mit dem Wirken Willehads und endige mit seinem (Liemars) Regierungsantritt. Er schließe mit dem Wunsche, daß die von den Vorgängern begonnene Heidenmission durch ihn (Liemar), dem die Mission in der ganzen Breite des Nordens übertragen sei, zu einem guten und baldigen Abschluß gebracht werde. — Aus dieser Widmung geht aber hervor, daß Adam mit seinem Werke eine wirkliche Unterstützung der Bremer Kirche im Sinne hatte. Durch die Darstellung der von dieser Kirche geleisteten gewaltigen Arbeit wollte er, unter gelegentlichen scharfen Angriffen gegen das sächsische Herzogtum, zeigen, welch großes Verdienst sich Bremen erworben und zu welchem Danke das Reich dieser Kirche verpflichtet war, außerdem aber, wie bei der Behandlung Bremens durch die Billunger es mit diesem Danke in Wirklichkeit stand. Ich sehe also in Adams Werk eine große Rechtfertigung des Bremer Erzbistums und eine Anklageschrift gegen das Herzogtum und werde bei dieser Meinung durch den Umstand unterstützt, daß Adam so schonend und nachsichtig wie möglich gegen Adalbert verfährt und dessen gewalttätiges Wesen fast stets als durch seine Gegner und Feinde verursacht entschuldigt. So hat nach meiner Ansicht das große und bedeutsame Werk zugleich gewissermaßen den Charakter einer Staatsschrift, ■die im Interesse des Erzbistums gegen dessen mächtige Feinde verfaßt worden ist. Und es war wohl niemand für eine solche Darstellung geeigneter als Adam. Denn mit reichem Wissen, das er nach Sitte der Zeit gern zur Schau trägt, verband er eine weite Umsicht in der Ausschau nach Quellen sowie den kritischen Blick des Historikers in deren Abwägung und Verwendung. Ihm als Domherrn der Kirche stand das Archiv offen, das er reichlich benutzt hat, so daß er die Grundlage seiner Darstellung auf urkundlichem Material aufbauen konnte, wenn dies Material auch nicht immer echt war. Ferner gestattete ihm seine Stellung den Verkehr mit den weltlichen Fürsten, wie er bald nach seiner Ankunft in Bremen den Dänenkönig Sven aufsuchte, 1 ) bei dem er sich längere Zeit aufgehalten haben muß, denn er verdankt ihm einen nicht geringen Teil des ganzen von ihm behandelten Stoffes, nämlich alles, was er von der Geschichte der nordischen Reiche erzählt und wahrscheinlich auch deren politische und kirchliche Beziehungen zum Reiche und zur Bremer Kirche, sowie wohl einen nicht geringen Teil der kulturgeschichtlichen Ausblicke auf die Länder und Völker des Nordens. Stets ist sein Sinn auf das Große und Ganze gerichtet, das er auch nie aus den Augen verliert, wenn er sich auf die Darstellung von Einzelheiten begibt; eigentlich fremd geblieben ist ihm der Zug zur Anekdote, der nicht wenig mittelalterliche Schriftsteller beherrscht. Aber als Mitglied des Domkapitels seiner Kirche standen ihm natürlich auch andere Berichte wertvoller Art zu Gebote. Zunächst beruft er sich mehrfach auf Adalberts eigne Aussagen und er erzählt, 2 ) daß er in der Umgebung des Erzbischofs gelebt und täglich mündlichen Verkehr mit ihm gehabt habe. Die Taten Heinrichs I. gegen Slaven und Dänen hat er von einem Dänenbischof gehört (1,57), ') Er nennt ihn als Gewährsmann 1,48. I 4,16. 25. 38.39. -52. 57. 61. 2,26. 28. 30. 34. 38. 43. 73 ff. 3,54. | 2 ) Nämlich 3,3. 3, 47 und besonders 4,40. Adam von Bremen. 401 während er den Ausgang Papst Benedikts V. von seinen eignen Verwandten erfuhr (2, 12). Nichts Genaueres verrät er darüber, woher ihm die Kunde ■ über den Dänenbischof Odinkar kam (2, 26), dagegen ergänzt er Svens Erzählung über dessen Großvater Erich von Schweden durch anderer Berichte (2,38). Ein Nordalbingier erzählte ihm von den Kriegen slavischer Stämme untereinander (3, 22), während ihm ein Christ genauere Kunde über den Götterkult zu Upsala brachte (4, 27). Von Schiffern erfuhr er die "Breite des britannischen Meeres (2, 52), und wohl auf ebensolcher Quelle fußt sein Bericht über die Gleichheit der Entfernung der Orkaden von Drontheim, von England und von Schottland (4, 35); von einem Dänen erhielt er Kunde über wildwachsende Feldfrüchte in Winland.(4,39). Aber auch das Gerede des Volkes hat er nicht ganz verschmäht, als er über die von Adalbert seiner Kirche angetane Gewalt klagt (3, 46). Natürlich hatte Adam schon manches, wovon er spricht, selbst erlebt und er erzählt daher im späteren Teil seines Werkes öfters aus Autopsie. 1 ) Die früheren Teile aber beruhen vielfach auf älteren, auch uns bekannten Quellen, deren Adam eine sehr große Zahl zusammengebracht hat, und man muß in ihrer Benutzung seine Veranlagung zum Historiographen bewundern. Denn zunächst geht er mit einer für seine Zeit merkwürdig großen chronologischen Genauigkeit zu Werke und zweitens weiß er die Entlehnungen oder Auszüge aus seinen Vorlagen an den rechten Platz zu stellen. Trotzdem laufen ihm chronologische Fehler unter, 2 ) namentlich dort, wo er sich zur Reichsgeschichte wendet, die er in den früheren Zeiten nicht gern aus den Augen läßt, wahrscheinlich um seine provinzialgeschichtlichen Daten um so fester zu gewinnen, wie er überhaupt Komputationen liebt (1,34). Das Archiv der Bremer Kirche gab ihm aber Einblick in die Urkunden des Hochstiftes, und so benutzte er nicht selten Privilegien der Päpste 3 ) und Urkunden der Könige. 4 ) Manches boten ihm auch die Libri donationum et traditionum seiner Kirche, die, in Bücher und Kapitel eingeteilt, auch chronologische Notizen über die einzelnen Erzbischöfe boten. 5 ) Ferner konnte er einen alten Bischofskatalog verwenden, der in Versen geschrieben war und sich auf frühere Zeit bezog. G ) Aus einem Briefe Anskars, deren er mehrere kennt, führt er 1, 33 ein größeres Stück an und 2, 6 benutzt er ein offizielles Schreiben des Erzbischofs Brun von Köln zugunsten der Bremer Kirche. Außerdem standen ihm genaue schriftliche Aufzeichnungen über den Hergang bei der Einsetzung der Erzbischöfe und über ihre Regierungsdauer zu Gebote, die er stets sorgsam verwendet. 7 ) Aber auch sonst tritt in seinem Berichte die Benutzung von älteren Notizen 8 ) über die Geschichte des Erzbistums hervor. — Die Hauptquellen für die früheren Teile seines Werkes sind nun historiographischer Art, und zwar ist hier an erster Stelle Einhart zu erwähnen, dessen Leben Karls vielfach als Unterlage für die ') So 3,38. 39. 63. 64. 69. 70. 73. 77. 2 ) So 2, 3. 10. 65. 3, 28. 34. Fehler andrer Art z. B. 2,54. 3 ) Vgl. 1,16. 27. 49. 50. 2,3. 31. 39. 3,20. 4 ) Vgl. 1,12. 16.49. 2,2. 3.24. 5 ) Das dritte Buch führt er an (Kap. 1) 1,18. 19 und (Kap. 20) 24, das Werk im all- Manitius, Lateinische Literatur dea Mittelalters. II. 26 gemeinen 1,14. 6 ) Vgl. 1,51. 54.' ') Vgl. 1, 35. 45. 46. 51. 54. 2, 1. 29. 47. 63.68.69. 3,1. s ) Vgl. 1, 61. 62 und 2, 33 (antiqui me- minerunt). 402 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Darstellung diente. Adam stellt ihn als Zeugen für die Geschichte der Sachsen gleich an die Spitze seines Werkes (1,1. 4. 7—9) und benutzt ihn weiter für die Beschreibung der germanischen Meere (2, 18f.). Dabei entsteht nun die' Frage, ob die Worte 1, 7 Haec tulimus excerpta ex scriptis Einhardi de ad- ventu, moribus et superstitione Saxonum im eigentlichen Sinne zu nehmen sind, oder ob darin nach G. Waitz eine Verwechselung mit Meginhart von Fulda,' dem Fortsetzer von Rudolfs Translatio Alexandri, vorliegt. Waitz stützt sich hierbei mit Recht auf 1, 32, wo Adam allerdings offenbar fälschlich die Translatio Alexandri (851), als von Einhart in den Gesta Saxonum berührt, erwähnt, was ja bei dem 840 erfolgenden Tode Einharts unmöglich ist. Ich habe schon früher auf diese Schwierigkeit aufmerksam gemacht (1, 645 f.) und möchte mich auch jetzt noch nicht dem Urteile von Waitz anschließen, 1 ) da man meiner Ansicht Dach nicht ohne zwingenden Grund eine Angabe Adams aufgeben darf. An Einhart schließen sich als Hauptquellen für den größeren Teil des ersten Buches die Lebensbeschreibungen Wille- hads, 2 ) Anskars 3 ) und Rimberts an, 4 ) und damit werden verbunden einzelne Nachrichten aus der Vita Bonifatii (1, 10), aus Gregor von Tours' Frankengeschichte (1,3), Isidors Chronik (1,26) und den Gesta Anglorum 5 ) (1,39 und 2, 25). Für die Chronologie der älteren Erzbischöfe verwandte Adam mehrfach die Annales Corbeienses, von ihm als Komputus bezeichnet (1, 35. 45. 50. 53. 54) und für die vielfachen Angaben der Reichsgeschichte die Annalen von Fulda, die bei ihm mehrfach als Historia Francorum erscheinen und die er nach 1,52 wohl in einer Umarbeitung und Fortsetzung bis 911 kannte. 6 ) Von Wichtigkeit ist, daß er 1, 39 ein größeres Stück aus dem Werke des Abtes Bovo II. von Korvei über die Geschichte seiner Zeit anführt, 7 ) das nicht mehr vorhanden ist. Endlich weist er 1, 22 mit den Worten Lege ... et in capitido Rhabani de fama Ebonis ambigua wahrscheinlich auf einen Brief Hrabans hin. Außerdem ist zu erwähnen, daß er die antike Geographie nicht außer acht läßt, sondern Solin (2, 22) und Orosius (1, 3) zu Rate zieht. In der Benutzungsweise eines so reichen Quellenmaterials steht Adam aber für diese Zeiten einzig da. Er bittet selbst an seiner Wahrheitsliebe nicht zu zweifeln (2, 62. 1, 61) und gesteht ruhig ein, etwas nicht zu wissen; 8 ) auch vermißt er zuweilen in seiner Quelle etwas 9 ) und verweist wohl auch Ungläubige auf den Bericht anderer. 10 ) Chronologische Schwierigkeiten legt er dem Leser einfach vor (1, 29) und er wägt sorgsam den Bericht mehrerer Quellen gegeneinander ab (2.61. 4,19). So erfüllter die Pflicht des wirklichen Geschichtschreibers und zwar auch dadurch, daß er seine Gewährsmänner fast stets am Schluß der zu besprechenden Tatsachen anführt. Und es ist seltsam genug, daß Adam in dieser Beziehung ') Schmeidler p. LIX scheint eine rieh- Gesta Anglorum. tige Lösung der Frage zu bieten. 6 ) Vgl. 1,14. 15. 21. 28. 37. 38. 41.47. 52. Vgl. Schmeidler p. LVIII. 7 ) 1,39 Bovo, Corbeiae abba de sui tem- poris actis scribens non retieuit dicens. 2 ) Vgl. 1,10. 11. 13. 18. ') 1,15. 16. 21—28 4) l.34_45. ") Sie sind nach R.Pauli(Forsch.z. deutsch, i 8 ) Vgl. 1, 19. 24. 47. 52. 53. 2, 35. 40 Gesch. 12, 143 ff.) northumbrische Annalen. ! s ) Vgl. 1, 39. 2. 26. Genannt wird der Titel 1105 in Stablo (Gott- ,0 ) Vgl. 4, 32. lieb, Ueb. mittelalt. Biblioth. S. 288) N. 151 j Adam von Bremen. 403 ) a. a. 0. S. 31 ff. 408 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Verwandtschaft. Außerdem scheint Adam den Prudentius zu kennen. 1 ) Mit dem Zurückgehen auf alte Muster hängt es übrigens zusammen, daß Adam mehrmals unverständlich wird, indem er antike Verhältnisse in seine Zeit zieht. So macht es einen eignen Eindruck, wenn man 3, 34 von Adalbert und Anno liest consules declarati sunt oder 3,60 in anno cotisulatus sui oder gar 3,59 iam septies consul und im Schol. 48 von der sächsischen Fürstin Emma inclita senatrix; das sind Schwächen, die man einem so ernsthaften Schriftsteller kaum zutrauen dürfte. Die Sprache Adams ist auch sonst seinen Quellen angepaßt. An vielen Stellen glaubt man einen antiken Geographen zu lesen, während sonst das mittelalterliche Latein mit mancherlei Sonderbarkeiten und auch grammatischen Fehlern zum Ausdruck kommt. Nun enthalten fast alle Handschriften Adams eine Erweiterung, der wir auch bei andern Schriftstellern schon begegnet sind. 2 ) Es finden sich nämlich an vielen Orten Scholien, die kleine oder größere Erweiterungen zum Texte oder sachliche Erklärungen und zwar meist von nicht geringem Werte geben. Zweifellos sind viele dieser Stücke von Adam selbst schon hinzugesetzt worden, denn er erzählt hier in derselben Weise wie im Werke 3 ) und berichtet aus Autopsie; 4 ) jedenfalls hat er kleinere Züge mehrfach eigens für die Scholien aufbewahrt. 6 ) Auch erscheinen in diesen Handbemerkungen dieselben benutzten Quellen wie im Werke, nämlich Solin, Martian und Beda, zu denen noch Paulus Diakonus hinzutritt, und dieselben Autoren, aus denen Zitate entnommen werden, nämlich Sallust, Vergil. Horaz und Lucan, vielleicht auch Ovid, und als späteres Zeugnis Tacitus. Aus der Anführung eines Briefes Alexanders II. an den Norwegerkönig Harold im 69. Stück ergibt sich wohl ebenfalls Abfassung durch Adam selbst. 6 ) Doch sind auch andre Verfasser hierbei tätig gewesen, wie sich z. B. aus dem 151. Stück deutlich ergibt, das von der Person Adams spricht. Und es scheint, daß spätere Abschreiber manches aus eigner Kenntnis hinzugesetzt haben, denn die Scholienmassen sind in den einzelnen Handschriften sehr verschieden. 7 ) So wird auch erst eine sorgfältige Untersuchung über diese Randbemerkungen zu einer sichern Ausscheidung von Adams Eigengut führen. Im ersten Buche sind die Scholien nur ganz vereinzelt, sie mehren sich für die späteren Zeiten und werden in den zwei letzten Büchern in großer Zahl zu dem Texte hinzugesetzt. Aus dem Verhältnis einer Handschrift des Werkes (Vindob. 521) zu der übrigen Überlieferung scheint nun hervorzugehen, daß Adam die fertiggestellte Arbeit noch einmal durchsah und an vielen Stellen kleinere oder größere Nachträge einfügte, denn es ist nicht anzunehmen, daß jene Handschrift alle diese Stücke ausgelassen haben sollte. Die Zusätze sind im ersten Buche zwar nicht selten, aber doch kleineren Umfangs, sie mehren sich im zweiten Buche und betreffen größere und wichtigere Stücke und J ) Vgl. 2,28 senexfidelis mitPrud. Psych. I 6 ) Vgl. Schol. 52. 74. 77. 80. praef. 1. G ) Vgl. über die von Adam selbst bei- *) Vgl. den Panegyricus Berengarii, Abbo gesetzten Stücke die Handausgabe vonWaitz von St. Germain, Heiric von Auxerre. p. XL 3 ) Vgl. Schol. 72. 76. 77. 123. 135. 7 ) So entbehrt der Vindob.521 derScholien 4 ) Vgl. Schol. 89. fast gänzlich. Adam von Bremen. 40& im dritten Buche wird fast das ganze 68. Kapitel von ihnen betroffen. Und am Schluß dieses Buches hat Adam einen großen Nachtrag gegeben, in dem er von der Missionstätigkeit Adalberts ausführlich spricht und dann von der persönlichen Umgebung des Erzbischofs handelt, wobei er als Augenzeuge erzählt und sich auch auf seine frühere Darstellung bezieht. Der Schluß dieses Nachtrages leitet über zu dem vierten Buche und kann nur von Adam selbst herrühren. Und da in diesem Stücke eine längere Stelle aus 3,24 wiederholt wird 1 ) und auch Adams Stil und Erzählungsweise durchaus bleibt, so ist doch anzunehmen, daß Adam selbst alle diese Stücke nachgetragen hat. Im vierten Buche, dessen Überlieferung nicht so fest und sicher ist, scheinen sich die Nachträge nur auf drei Stellen zu beziehen; aber auch hier ist an Adam als Verfasser zu denken, besonders weil 4, 39 im Nachtrag die Erzählung des Königs Sven fortgesetzt wird. Man würde sonach an eine Überarbeitung des ganzen Werkes durch den .Verfasser zu denken haben. Das ausgezeichnete und einzig dastehende Werk wurde in späterer Zeit nicht nur von skandinavischen und isländischen Schriftstellern reichlich benutzt, 2 ) sondern auch deutsche und zwar besonders sächsische Geschichtschreiber sind vielfach von ihm abhängig, so der Annalista Saxo, Helmold, Albert von Stade, der Verfasser der Vita Meinwerci und der Verfasser der Hist. archiepiscoporum Bremensium. Zeugnisse. Zum Antritt Adalberts in Bremen vgl. Dehio, Gesch. d. Erzbist. Hamburg- Bremen 1, 2, 67 f. N. VIII. Zur Aufzeichnung über die Schwedenmission vgl. Adam 3, 14 Haec de Sueonibus suo tempore gesta domnus Adalbertus ... amplifico sermone ut solebat omnia describens etiam visionem quandam episcopi Adalwardi, quamonitus est, ut evangelizandi gratia pergere non tardaret, curavit adnectere. Die Ansicht von Adams obersächsischer Herkunft fußt auf Schol. 151 Hie apparet quod scriptor huius Ubelli fuit ex Germania superiori, unde vocabula pleraque sive nomina propria cum ad suam aptare voluit linguam, nobis corrupit.*) Sein Name erscheint in den Hss. nur im Anfangsbuchstaben, er wird aber mit dem Titel des Werkes genannt bei Helmold, Chron. Slav. 1. 14 (ed. Pertz 1868) p. 36 Testis est magister Adam, qui gesta Hammemburgensis ecclesie pontificum disertissimo sermone conscripsit. Kenntnis von Goslar 3, 28 Goslariam . .. in tarn magnam, sicut nunc videri potest, civitatem ... perduxit. Zu Adam und Alebiand 2, 82 Quamdiu enim temporali nobis- cum fruebaris vita, pastoralis curae officio nobiliter implesti. Adam kommt nach Bremen vgl. 3, 4 ad annum pontificü 24. cum et ego indignissimus ecclesiae dei mairicularius Bremam veni und 3, 54 JSovissimis archiepiscopi temporibus cum ego Bremam venerim. Domherr nennt er sich in der Widmung der Liemar A. minimus s. Brernensis ecclesiae canon'icus, und als Leiter der Schule unterschreibt er eine Urkunde des Hochstifts am 11. Juni 1069, vgl. Lappenberg, Hamburg. Urkundenbuch 1,97 N.101 Ego Adam magister scolarum scripsi et subscripi, aus welchen Worten sich ergibt, daß er die Urkunde selber geschrieben hat. Uebrigens soll er in Ramesloh begraben sein, vgl. J. H. v. Seelen bei Pratje, Die Herzogtümer Bremen und Verden 6, 477 (zu pag. 234), wo auch über seinen Todestag (12. Oktober). Seine Reise zu Sven 3, 54 Novissimis archiepiscopi temporibus cum ego Bremam venerim, audita eiusdem regis sapientia, mox ad eum venire disposui; a quo etiam clementissime sus- ceptus ut omnes magnam huius Ubelli materiam ex eins' ore collegi. i ) Erat enim scientia lit- terarum eruditus et liberalissimus in extraneos; Würdigung Svens als Quelle besondeis 2,43 Xarravit nobis diu memorandus rex Danorum, qui omnes barbarorum gestas res in memoria tenuit aesi scriptae essent. Zum Abschluß des Werkes 1075 vgl. den Epilog Vs. 46 Tu solris duram populi a cervice catenam und besonders 53 lam tercia prelia surgunt, Et discordantes tu iungis ad oscula mentes; außerdem wird der 1076 gestorbene Sven an zwei Stellen als ') Handausgabe S. 167,10—18. 2 ) Vgl. Archiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 6, 827 ff. ') Zur Heimat Adams vgl. E. Schröder, Hansische Geschichtsblätter 1917 S. 351—365, der für Ostfranken oder Thüringen eintritt. Ueber hochdeutsche Veränderungen von Eigennamen bei Adam vgl. S. 354 f. ') Daß Sven noch andre Zuhörer hatte als Adam, sagt dieser 2, 75 Retulit etiam circumstantibus. 410 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. lebend bezeichnet, 2, 26 Testis est Danorum rex, qui hodieque superest, Svcin und 2, 28 is/um pronepotem suum, qui nunc in Dania regnat, Sven interrogare. Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. Dies der Titel des Werkes nach Hclmold, Chron. Slav. 1, 14; die Hss. sind kürzer und ungenau, vgl. die Handausgaben von Waitz p. 1 und Schmeidler p. 1; auch die einzige Aufschrift aus alten Katalogen gibt nur Hystorie Ammaburgensis ecclesie, vgl. Neues Archiv 32, 693. Zur Widmung Schmeidler p. 1, 9 cogitabam diu quo laboris nostri monimento exhaustam viribus matrem potuerim iuvare. Et ecce occurrit mihi plurima interdum legenti vel audienti facta ab antecessoribus vestris quae ... videantur digna relatu usw. Keine Vorarbeiten: Ad qitod ... viribus meis impar onus eo maiorem flagito veniam, quoniam fere nullius qui me praecesserit vestigia sequens ignotum iter .. . carpere non timui. Vorwürfe der Gegner: qui dicant haec ficta et falsa veluti somnia Scipionis a Tullio meditata, dicant etiam, si volunt, per eburneam portam Maronis egressa. Quellen: aliqua per scedulas dispersa collegi, multa vero mutuavi de hystoriis et privilegiis Romanorum, pleraque omnia seniorum, quibus res nota est, traditione didici, festem Habens veritatem, nihil de meo corde prophetari, nichil temere deftniri, sed omnia quae positurus sum certis roborabo testimoniis. ... //( quo opere . . . sciant omnes, quod nee laudari cupio ut historicus nee improbari metno ut falsidicus. Ziel des Werkes: Ab introitu igitur s. Wille- hadi ... ordiens in tuo salutari ingressu pono mefam libelluli. Widmung: Beatissimo patri et electo celitus archiepiscopo Hammaburgensi Liemaro A. minimus s. Bremenis ecclesiae canonicus integrae devotionis parvum munus. Quellen. Enger persönlicher Verkehr mit Adalbert 3, 2 Nobis autem qui cum eo ■viximus cotidianamque viri conversationem inspeximus und 3, 3 ut ipse nobis de ea re scisci- tantibus aperuit sowie 3, 38 Hunc locum saepe vidimus captari ab adulatoribus. Zum Dänen- bisnhof 1, 57 Haec omnia referente quodam episcopo Danorum prudenti viro, nos veraciter ut aeeepimus, sie fideliter ecclesiae nostrae tradimus. Schicksal des Papstes 2, 12 sicut audivi- mus et cognovimus et patres nostri narraverunt nobis. Zu Odinkar 2, 26 sicut nos fama tetigit. Ergänzung von Svens Bericht 2, 38 Quod vero cum Ottone tercio pugnaverii et victus sit, ab aliis comperi; rex taeuit. 1 ) Zu dem Nordalbinger 3,22 Quidam nobilis homo de Nord- albingis narravit mihi, haec et alia veraciter gesta esse. Zu Upsala 4. 27 quorum corpora mixtim suspenso narravit mihi aliquis christianorum 72 vidisse. Zum britannischen Meere 2, 52 sicut nautae referunt. Zu den Orkaden 4, 35 per diem ferunt navigariposse. Itemque . . . aiunt. ... Zu Winland 4,39 non fabulosa opinione sed certa comperimus relatione Danorum. Zum Volksgerede 3, 46 Narravit faber illa cremans und Gemmas .. . audivimus a quibusdam meretriculis donatas. Zur Autopsie im Anhang 3, 77 p. 224, 12 saepissitne vidimus und proid ipsum audivimus dicentem. Zum alten Bischofskatalog in Versen 1, 51 Invenimus tarnen scriptum in antiquioribus ecclesiae libris uno versu [quis f'uerit] ita: Sanctus et electus ftiit Hoger septimus heros, und 1, 54 TJnde et ita versu depingitur: Principibus notus Unni fuit, online nonus. Zu Anskars Briefen 1, 33 Extant epistolae eius plures huiusmodi. Unam vero quam scribit Omnibus episcopis de sua legatione,") quam ab Elone orsam asserit, ita claudit. Zu Bruns Schreiben 2, 6 Invenimus adhuc in scriniis ecclesiae nostrae CoJoniensem archi- episcopum . . . Brunonem .. . veterem de Brema instaurasse querelam etc. Zur Ausdehnung der von ihm benutzten Ann. Fuldenses 3 ) vgl. 1,52 In isto Ludovico vetus Karoli finitur prosapia. Hactenus etiam Francorum tendit hystoria. Quae deineeps dicturi sumus, in aliis et aliis repperimus non mendaeibus libris. Zu den Ann. Corbeienses vgl. 1,35 Annos . .. repperimus in quodam compoto a Corbeia delato. Zu den oben genannten Quellen kommt noch 2. 5Q eine Anführung aus der Hist. tripartita (9, 47) als Ecclesiastica hystoria bezeichnet. Zum Aberglauben vgl. 3, 64 Mortui numquam tarn familiariter locuti sunt cum vivis.*) Zu Rimberts Wundern 1,40 Frustra in sanetis signa et miracula quaeruntur, quae habere piossunt et mali, quia seeundum auetoritatem sanetorum patrum maius miraculum est, ani- mam . .. a peccato convertere, quam corpus .. . suscitare a morte. Zu Adaldags Wundern 2, 28 Sunt autem qui affirmant per eum gratias sanitatum faetas et tunc cum adhuc viveret et post tnortem ad sepulcrnm eius et alia. . . . Certissimum vero est, eum tarn nostro populo quam Transalbianis et Fresonum genti leges et iura constituisse. Tadel Unwans 2,50 In qua re non multum peceavit und neque adeo noeuit ecclesiae. Aufmunterung an die Bischöfe 1, 63 Eia vos episcopi, qui domi sedentes gloriae, lucri, ventris et somni breves delicias in primo episcopalis officii loco ponitis; respicite, inquam, istum pauperem seculi et modicum Aus dieser ungewöhnlichen Bemerkung 2 ) Das Wort begegnet sehr oft bei Adam scheint hervorzugehen, daß Adam den König danach gefragt hat, aber von ihm keine Kunde erhielt. Vielleicht läßt sich auch daraus erschließen, daß die Verhandlungen Adams mit Sven in einer Versammlung dänischer Großer stattfanden. und bedeutet Amt. Sendung. 3 ) 1,39 auch bezeichnet als scripta in annalibus caesarum, sonst gewöhnlich als Hystoria Francorum. 4 ) WohlsprichwörtlicheRede. Aberwoher? Adam von Bremen. 411 .. qui ■ ■ ■ exemplum dedit posteris, nulla temporum vel locorum asperitate vestram piigriciam jxcusari posse. Zum Werke. Einführung Alebrands 2,69 vir omni bonorum genere decoratus, epi- scopali officio dignus, dilectus deo et hominibus; Nachruf 2, 82 Vale in Christo pastor amabilis et tuo gregi nunquam obliviscende. Einführung Adalberts 2, 68 Subdiaconus eius fuit Adal- bertus, postea archiepiscopus Bremensis, iam tunc minax vultu et habitu verborumque alti- tndine suspectus audientibus. Wichtig sind für die Geschichte der Musik die hierauf folgenden Worte Pontifex (nämlich Hermann 1032—1035) igitur parvipendens omnia quae in episcopatu iureiiit, primo quidem musicum Gnidonem 1 ) udduxit Bremam, cuius instantia correxit me- lodiam et claustralem disciplinam. Quod solum ex operibus eius prospere cessit. Urteile über Adalbert 3,' 1 De cuius viri gestis et moribus cum difficile sit aliquid dignum scribere, ad scribendum nos ea cogit necessitas, quoniam promisimus, libri huius tenorem, o venerabilis praesul Liemare, tisque ad diem tui pontificatus extendere; zur Einschränkung des Lobes 3,1 Ham cum talis fuerit ab initio, circa finem deterior videbatur; ad quem virtutis suae defec- tum corruit vir .non bene cautus tarn sua negligentia quam ceterorum inpellente malicia; ähnlich 3, 66 Si quid vero in moribus tuis reprehensibile videbatur, hoc magis aeeidit ex eorum nequitia, quibus tu plus iusto credidisti sive quos inimicos propter veritatem sus- tinuisti. Andere freimütige Aeufierungen 3, 36 inutile nomen vanae gloriae magno corporis et animae dampno mercatus est. Et corrupti quidem mores archiepiscopi ab initio tales, in processu temporis et circa finem semper deteriores fuerunt und 3, 62 Siquidem mores viri licet semper a communi mortalium habitudine dissentirent, circa terminum vero inhumani intolerabilesque et alieni a semet ipso videbantur .. . aliqua errantis vel desipientis poterant videri etc. Wer diese Stellen und ihre Fortsetzungen liest, wird sicher nicht mit dem Vorwurf Dehios übereinstimmen, dalä Adams Ausdruck der feineren Schattierungen enthehre. Vielmehr sind fast alle diese Stellen mit einer für das 11. Jahrhundert einzigen Meisterschaft geschrieben, wegen deren Adam zu bewundern ist; eine eingebende Charakteristik Adalberts hat er ja doch überhaupt nicht geben wollen. 2 ) Wohl aber findet sich 3, 56 ff. eine -vortreffliche Charakteristik der ganzen Zeit, soweit das nördliche Sachsen in Betracht kommt. Descriptio insularum aquilonis. Die einleitenden Worte des Nachtrages p. 226, 9 Quorum ordinationes vel sedes, quoniam huc usque distulimus, non incongruum videtur, simul etiam de situ Daniae vel reliquarum quae trans Daniam sunt regionum natura describere. Zu Helgoland 4, 3 Unde aeeepit nomen, ut Heiligland dicatur. Hanc in vita s. Willebrordi Fosetisland appellari diseimus. Zur Erforschung des baltischen Meeres 4, 11 hoc nuper ap- paruit in sollertia fortissimorum virorum Qanuz Wolf, satrapae Danorum, sive Haroldi regis Xordmannorum. Fahrt von Schweden nach Griechenland 4,15 Asserunt etiam periti locorum a Sueonia terrestri via permeasse quosdam usque in Graeciam. Sed barbarae gentes, quae in medio sunt, hoc iter impediunt, propterea navibus temptatur hoc periculum. 3 ) Kurland, Aestland und Semland erscheinen als Inseln 4, 16 —18. Von den Amazonen berichtet er 4,19 Eas aquae gustn dieunt aliqui coneipere, sunt etiam qui referant, eas fieri praegnantes ab hiis qui praetereunt negociatoribus, vel ab hiis, quos inter se habent captivos, sive ab aliis monstris quae ibi non rara habentur. Hier setzt er hinzu Et hoc credimus etiam fide dignius, wie er auch am Ende dieses Abschnittes (p. 248, 10) sich über andre monstraplurima äußert: guamvis hoc nostris vix crediblie putetur. Zur Latinisierung nordischer Götter 4, 26 Wodanem vero sculpunt armatum, sicut nostri Martern solent; Tiior autem cum seeptro Iovem simulare videtur. Zum Götterkult vgl. Kap. 27, zu Adalwards Missionsreise 29 f. Von den Schweden heißt es Kap. 21 Ita nullis egere Sueones dicas opibus, excepta quam nos diligimus sive potius adoramus, avaritia, von den Norwegern 4 ) 31 Apud illos tanta worum insignia, ut compertum habeo, sola sacerdotum corrumpuntur avaricia; der Ton dieser und ähnlicher Bekenntnisse ist durchaus dem Grundton des Tacitus bei der Beurteilung der Sitten der Germanen verwandt. Zur Tierwelt vgl. 32 Cumque diversa prorsus et insueta nostris multa ibi videantur, ab eiusdem patriae incolis haec et alia plenius dicenda relinquo. Zur Kugelgestalt der Erde 38 Nam propter rotunditatem orbis terrarum necesse est, ut solis cireuitus ■accedens alibi diem exhibeat, alibi recedens noctem relinquat. Zur Entdeckungsfahrt 40 Item nobis retulit . .. pontifex Adalbertus, in diebus antedecessoris sui quosdam nobiles de Fresia viros causa pervagandi maris in boream vela tetendisse, eo quod ab incolis eius populi dicitur ab ostio Wirrahae fluminis directo cursu in aquilonem nullam terram oecurrere praeter in- *) Das kann sich nur auf Guido von Ar- rezzo beziehen, vgl. diesen. 2 ) Vgl. noch die beherzigenswerten Worte an den Leser 3,71 dum illum de quo scri- bitur aecusas, in sapientis viri casu tu cautior fias, considerans te ipsum, ne et tu tempteris. 3 ) Vgl.K.M ü 11 e n h o f f .Deutsche Altertumskunde 4,496. *) Hier in Kap. 31 verrät er eine gewisse Kenntnis arabischer Verhältnisse: Quorum ar- menta ritu Arahim longe in desertis stabu- lant. Kenntnis Indiens in Schol. 144 Quod etiam de Indis habetur scriptum (vielleicht aus Serv. Aen. 5,86). 412 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ftnitum occeanum. Zum Epilog Vs. 11 Et confido etiam, quia commendatio scripti Carior inde tibi maneat, dum nil ibifictum Externnmque vides, sed quaevis pagina veram Ecclesiae landein canit hystoriamque Bremensem ... 24 Si bene non potui, certe veracia scripsi, Testibus his utens, quibus haec notissima res est. Nee mihi scribendo laudem Del mutieret quaero, Quippe placere tibi reor hoc satis esse labori. Verspricht ein Werk (Gedicht) über Liemar 33 Tempus erit, quo facta tuae celeberrima laudis Auf nos aut aliquis ex doeta plebe tuorum Pangemus maiore hjra, si vita superstes. Zum Stil. Die Benutzung Vergils vgl. 2. 21. 22. 62, 3, 3. 32. 42. 65, Horaz 1, 1. 3, 9 62 Lucan 2, 27. 80, 3, 17. 23.38. 4, 21, Persius 3, 62, Juvenal 1, 42. 3. 38. 65. Zur Sprache vgl! die Handausgabe von Waitz p. VI; außerdem 3, 18 ut evocatus rex Danorum statt evocato- rege. Häufig ist das Wort legatio = Amt, Sendung, vgl. Prol. 1, 33. 2, 2.46; virtus = Mannschaft 2,31; mellita (Würzwein) 2, 68: incestuositas 3,56. Daß die Sprache ungemein stark biblisch beeinflußt ist, hat Ph. Kohlmann, Adam v. Bremen S. 57—122 ausführlich dargelegt und Schmeidler in den Noten gezeigt; derselbe zeigt Hist. Vierteljahreschr. 1920, 2, 129 ff. Benutzung der SS. hist. Augustae, und möchte daher Aufenthalt in Bamberg annehmen. Scholien. Sie fehlen im Vindob. 521, doch ist manches hier in den Text hineingearbeitet worden, vgl. die Handausgabe von Waitz p. VII. Zu Solin vgl. Schol. 152, zu Martian 116. 130, zu Beda 19, l ) zu Paulus (Langobardengeschichte) 129. 145, zu Sallust 54. 137, zu Vergil 129, zu Horaz 122. 156, zu Lucan 132; zu Ovid vgl. 41 cuius Vertex sidera tatigeret mit Metam. 7.61. Aber auch auf Urkunden 2 ) wird in den Scholien Rücksicht genommen, vgl. hierzu 4. 6. 33. 48. 60. Die Scholien 20. 21. 32 verraten durch ihre Herkunft aus Sigeberts Chronik 966. 973. 1010, daß sie nicht von Adam selbst hinzugesetzt worden sind, während 123, das sich auf den Bericht Adalwards des Jüngeren 3 ) stützt, durch seine Berufung auf 3,16 bezeugt, daß es von Adam selbst stammt. Von kulturhistorischem Interesse ist Schol. 144, das von der Bestattungsweise der heidnischen Norweger erzählt. — Nachträge und Zusätze der zweiten Bearbeitung finden sich 1,2. 14. 15. 18. 29. 31, 2, 12 f. 25 f. 28. 29 (zweimal). 39 f. 43. 78 (zweimal). 79 f. 82. 3,37.42.46.63.70.72 (Anhang). 4,36.39.41. Im Nachtrag zu 3, 72 vgl. p. 224 vidimus . . . prout ipsum audivimus dicentem und p. 226 de quibm snpra plenius dictum est: ferner findet sich hier dreimal das Wort legatio in der früheren Bedeutung. Die Erzählung Svens (recitavit) wird im Nachtrage zu 4, 39 fortgesetzt mit ait (p. 275, 21). Ueberlieferung. Die mit großer Umsicht und Sachkenntnis durchgefühlte Bewertung der Handschriften durch B. Schmeidler (Ausgabe p. VII —XLI1I, besonders XXXVI ff.) hat ergeben, daß von dem Original Adams (A) eine Reinschrift mit Verbesserung der Fehler und mit Zusätzen gemacht wurde; sie wurde dem Erzbischof Liemar gewidmet und ist die einzige Abschrift, die zu Lebzeiten Adams gemacht wurde. Das Original aber wurde von Adam zurückbehalten und unausgesetzt verbessert und vermehrt und mit Scholien versehen, die in jener ersten Abschrift fehlten. Auf diese Weise entstand eine Vorlage für die erweiterte Form des Werkes, die in vielen Hss. vorliegt, während wir vom Widmungsexemplar nur eine einzige Abschrift, den Vindob., 4 ) besitzen. Die ältesten Abschriften (B C) der erweiterten Form sind von Fremden ohne Mitwirkung Adams genommen worden. Bei weitem die meisten Scholien stammen von Adam selbst, vgl. Schmeidler p. XLIf. Dies hs. Verhältnis ergibt sich auch aus den Geschichtswerken, die von Adam abhängig sind. Der Annalista Saxo benutzte eine Hs., die dem Original (A) nahestand, aber A mit dem Urtext von C verband. Helmold bietet in seiner Slavenchronik eine Mischung von A mit B C. Die Annales Lundenses benutzen einen B-Text, der aber auch Zusammenhang mit A besafä. Einen gemischten Text zeigt gleichfalls die Hist. archiep. Bremensium, während Albert von Stade einen reinen C-Text aufweist. In alten Katalogen wird das Werk nur einmal in Rom bei Calixtus III. 1455 erwähnt (Neues Archiv 32, 693) wo es heißt Item unum volumen parve forme ex pergameno ... nuneupatum hystorie Ammaburgensis ecclesie;"") das ist heute Vatic. 2010 a. 1451 (Abschrift des Vindob.). Hss. der A-Klasse Vindob. 521 s. XII/XIII, dessen Abschrift Vatic. 2010 a. 1451, Leid. Voss. lat. 4. 123 s. XI ex., und (für Buch 4) Kopenhagen, Alte kgl. Sammlung 718 s. XV, Hamburg hist. 22 s. XVI; der B-Klasse Guelf. Gud. 83 s. XV, Kopenhagen, Alte kgl. Slg. 1175 s. XVI, Soröer Hs. in der ed. princ. von A. S. Vedel, Kopen- *) Aus der Hist. eccl. 1,1. ") Diese Hs. enthielt nach Pb. Kohl- 2 ) Schol. 37 wird eine Stelle ausgehoben ' mann a. a. O. S.52—55 eine Mappa terre aus dem Liber fraternitatis nostrae. 43 er- Saxonie: Eine Karte nach Adams Vorstel- scheint eine Prophezeiung über Hamburg und | lungen gab H. Kr ab bo, Hansische Geschichts- Bremen. | blätter 15,52 (1909), Erklärung dazu S. 40 ff. 6 ) Ist von B. Schmeidler p. XII zu A 1 ■' übersehen worden. ') Die Erzählung im Schol. 142 geht auf Adalwards Begleiter zurück. — Zur Zugehörigkeit der Scholien vgl. Schmeidler p. XL1 f. Adam von Bremen. 413 ha"en, Alte kgl. Slg. 1115 s. XVII; der C-Klasse Kopenhagen, daselbst 2296 s. XIII, Hs. der Ausgabe von E. Lindenbrog, Kopenhagen, Neue kgl. Slg. fol. 1463 s. XIV (Fragment). Vgl. zu denHss. die Handausgabe von Waitz p. VII ff. und besonders die Ausgabe von Schmeidler p VII—XXXIV Erste kritische Ausgabe von Lappenberg, MG. SS. 7, 267—389; Handausgabe von G. Waitz, Hannover 1876; jetzt allein zu benutzen: Adam von Bremen, Hamburgische Kirchengeschichte, 3. Auf!, hrsg. von B. Schmeidler, Hannover u. Leipzig 1917 (vortrefflich, auch mit sehr guten Indices! Derselbe gibt textkritische Untersuchungen in .Hamburg- Bremen und Nordosteuropa', Leipzig 1918, S. 1—107). Vgl.W attenb ach 2, 78—82. S.Günther, Adam v. Bremen, Prag 1894. A. Beinard, De Adamo Bremensi, Paris 1894. S. E. Lönborg, Adam af Bremen, Uppsala 1897. W. Schlüter, Die Ostsee und Ostseeländer in der Kirchengeschichte Adams von Bremen, Jurjew 1902. Ph. Kohlmann, Adam von Bremen, Leipzig 1903 (== Leipz. hist. Abhdl. 10). K. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde Bd. 4 (Index). A. M. v. Liliencron, Bezieh, d. dtsch. Reiches zu Dänemark im 10. Jahrhundert, Ztschr. d. Ges. f. Schleswig-Holsteinsche Gesch. 44, 1—48 (1914). Dritter Abschnitt. Hagiographie (Prosa). Bei der großen Bedeutung, die die Heiligenbiographie in der Literatur sowie auf die Menschheit des 10. und 11. Jahrhunderts gewonnen hat, war es angebracht, ihr einen eignen Abschnitt zu geben. — Noch in der karolingischen Zeit war es möglich gewesen, ein Heiligenleben zu schreiben, ohne Wunder daranzuhängen, und es gibt auch in unserm Zeitraum ganz vereinzelte Beispiele der Art. Aber die Wundersucht hatte gewaltig zugenommen und fand in den Klosterbibliotheken durch Bücher wie die des Sulpicius Severus über den hl. Martin oder wie Gregors des Großen Dialoge stets neue Nahrung. Die außerordentlich zahlreichen Neugründungen von Kirchen und Klöstern besonders auf deutschem wie auf slavischem Boden erforderten ferner das Zuströmen neuer Reliquien, das Aufsuchen und Auffinden alter Gräber brachte alte Heilige wieder zu Ehren. Ihre Leiber wurden erhoben und darüber stets ein Bericht aufgesetzt. An solche Translationen aber schlössen sich Neubestattungen an und diesen folgten stets Wunder, die der Heilige an seiner neuen Stätte wirkte. Diese Wunder wurden meist dem Translationsberichte angehängt, zuweilen aber auch als selbständiges Werk veröffentlicht. Hierzu kam die nicht seltene Erhebung verstorbener, besonders verdienstvoller Kleriker zu neuen Heiligen, deren Leben schriftlich zu besitzen ein besonderer Wunsch der Kirche war, wo sie ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten. Daß der neue Heilige aber Wunder verrichten mußte, war geradezu eine Forderung des umwohnenden Volkes, bei der sich die Geistlichkeit nicht schlecht stand. Natürlich wurden die Wunder aufgezeichnet und dem Heiligenleben angehängt. Häufig trat auch der Fall ein, daß alte Heiligenleben mit ihrem schlechten Latein dem Klerus nicht mehr gefielen, indem das feiner entwickelte Stilgefühl sich gegen den alten schlichten und kunstlosen Bericht sträubte, der vielleicht nichts von dem rhetorischen Aufputz und dem Wortschwall besaß, mit dem man in der Gegenwart die Geringfügigkeit des eigentlichen Inhalts zu verdecken suchte. So richtete man mit Verwendung von etwas Wortprunk und der Hinzufügung einiger Dicbterzitate, vielleicht auch mit neuer Kapiteleinteilung und unter Anbringung einiger noch unbekannter Wunder, die man angeblich gut beglaubigten Personen abgelauscht hatte, ein neues Heiligenleben her. Auf diese Weise schwoll die hagiographische Literatur immer mehr an und der Heiligenroman wurde zu einer der beliebtesten Literaturgattungen. In großen Klöstern, deren Mittel das gestatteten, stellte man auch ganze Legendarien her, die eine Menge solcher Romane mit Dritter Abschnitt. Hagiographie. 415 Kürzungen zusammenfaßten und zum Vorlesen bei den Mahlzeiten gebraucht wurden. Wohl mag mancher hochgebildete Kleriker über diese Dinge seine eigne Überzeugung und Meinung gehabt haben, aber dem allgemeinen Strom ließ sich nicht entgegenschwimmen. Man möchte sagen, daß der Heiligenroman zu einer Hauptdichtart geworden ist, die in der Mitte zwischen Kunst- und Volksdichtung stand. Denn an ihr nahm der Aberglaube des Volkes, der dadurch auf ein ungefährliches Gebiet geleitet wurde, auf das lebhafteste teil, der schlichte Geistliche, der Sohn des Volkes, fühlte sich dazu hingezogen und die Klöster und Kirchen hatten ihren Vorteil davon. In Metz verfaßte man vielleicht um 963 ein Leben des alten Bischofs Chrodegang, das inhaltlich ganz unbedeutend ist. Rather schrieb eine Vita Metronis, eines alten Priesters der Stadt Verona. Letald von Micy gab eine chronologisch etwas festere Überarbeitung der alten Vita Iuliani. Das Leben Adalberts, des alten Stifters von Egmond, beschrieb der Mettlacher Mönch Ruopert. Abbo von Fleury wurde durch eine Erzählung Dunstans veranlaßt, das Leben des hl. Eadmund darzustellen. Adso veranstaltete bei seinem Aufenthalt in verschiedenen Klöstern Neubearbeitungen des Lebens der hl. Frodobert, Waidebert, Bercharius, Mansuetus und Basolus und stellte die Wunder des hl. Aper dar. Folcuin von Laubach beschrieb das Leben des hl. Folquin, eines Bischofs von Therouanne, Wulstan von Winchester stellte das Leben seines Lehrers Ethelwold dar. Fulbert von Chartres beschrieb das Leben des Autbert von Cambrai und vielleicht des hl. Aegidius, Johannes von Amalfi übersetzte aus dem Griechischen allerhand Mönchsgeschichten, besonders nach dem Pratum spirituale des Johannes Moschos. Eine stilistische Umarbeitung der Vita Pirminii gab ein Mönch des Klosters Hornbach heraus. Theoderich von Trier schrieb die Übertragung des hl.Celsus und Theoderich von Fleury setzte ein Leben Papst Martins zusammen, schrieb eine Passio Tryphonis et Respicii, eine Vita Firmani, die Illatio Benedicti nach Fleury, Olbert von Gembloux verfaßte eine Vita Veroni, ohne vom Leben des Heiligen etwas zu wissen. In Mainz entstand zu St. Victor eine wenig genügende Passio Bonifacii. Bern von Reichenau überarbeitete die ältere Vita Udalrici und das von Gebhard verfaßte Werk über diesen Heiligen und das gleiche tat Rainer von St. Ghislain mit dem Leben des Stifters, der Vita Gisleni. Bertha, die Schwester des Abtes Wolfhelm, verfaßte das Leben der Adelheid, der Stifterin des Klosters Vilich, Gozwin von Mainz brachte aus alten Quellen eine fast nichtssagende Passio Albani zusammen. Das Leben der beiden alten Trierer Erzbischöfe Liutwin und Basinus verfaßte wahrscheinlich Thiofrid von Echternach und das Leben des Märtyrers Konrad erfand der Mönch Theoderich von Tholey. Endlich verfaßte Waifar von Salerno eine Vita Seeundini, eines Bischofs von Troja und eine nur fragmentarisch überlieferte Vita et passio Lucii papae, während zu etwa gleicher Zeit Alphanus von Salerno die Vita Christinae darstellte, und Otloh von St. Emmeram eine Vita Bonifatii und das Leben der Heiligen Alto, Nicolaus und Magus abfaßte. Berner von St. Remi schrieb eine Vita et translatio Hundegundis, der Stifterin des Klosters Humblieres. Johannes von St. Arnulf brachte das Leben der hl. Glodesindis, der Stifterin von St. Glossinde in ein neues Gewand und schrieb die Wunder dazu. Ein früherer Lehrer des Klosters Brogne verfaßte 416 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. eine Schrift De virtutibus s. Eugenii, Eugenius' I. von Toledo. Ein Mönch in Corbie überarbeitete und verkürzte Radberts Leben des hl. Adalhard und versah es mit Wundern. Die Übertragung des hl. Epiphanius nach Hildesheim verfaßte Thangmar und die angebliche Übertragung des hl. Dionysius nach Regensburg stellte Otloh dar. Im Kloster Gorze wurden um 965 die Miracula Gorgonii beschrieben. Sigehard, Mönch in St. Maximin zu Trier, gab ein zweites Buch von Wundern des hl. Maximin heraus. Letald von St. Mesmin zu Micy verfaßte ein Werk über die Wunder des Stifters, des hl. Maximin, mit dem er eine Geschichte des Klosters verband. Ein Hornbacher Mönch stellte um 1012 die Wunder des hl. Pirminius dar. Bernhard von Angers widmete dem Bischof Fulbert von Chartres die von ihm verfaßten Miracula Fidis. Gonzo, der spätere Abt von Florennes, stellte die Wunder des hl. Gengulf zusammen und in Fleury wurden die Wunder des hl. Benedikt durch Aimoin und Andreas beschrieben. Man kann nun nicht behaupten, daß man sich einem erquicklichen Stoffe nähert. Leidet doch die hagiographische Literatur nicht nur meist an einer nicht wegzuleugnenden inneren Unwahrscheinlichkeit sondern auch zugleich an einer übergroßen Breite. Besonders die erstere wird aber von der volkstümlichen Art der Darstellung in gewisser Weise überdeckt, und wir möchten doch diese Darstellungen nicht missen. Denn mehr als sonst in der mittelalterlichen Literatur offenbaren sich in ihnen eine Menge Züge aus dem Volksleben und auf diese Weise erhalten sie öfters einen nicht geringen kulturhistorischen Wert. Mit der Selbständigkeit bezüglich der Darstellung steht es freilich oft schlimm genug, denn mehr als sonst kopiert hier ein Autor den andern; namentlich schimmern Vorbilder wie Sulpicius Severus' Schriften über den hl. Martin aus vielen dieser Darstellungen deutlich hervor. Außerdem zeigt sich in diesen Erdichtungen, die hauptsächlich für die Erbauung bestimmt waren, ein mehr als naiver Ton, und die einzelnen Erzählungen in ihnen bewegen sich oft im Gebiete der Hellseherei und vergleichen sich mit den heutigen Wundern des Spiritismus. 61. Liber de virtutibus s. Eugenii. Im Jahre 914 gelangten die Überreste des hl. Eugenius (I.) von Toledo von St. Denis in das vor kurzem gegründete Kloster Brogne bei Namur, wo Gerhard als erster Abt waltete. Der Heilige verrichtete dort viele Wunder, und schließlich bat Gerhard anscheinend einen früheren Lehrer seines Klosters, der aber nicht mehr in Brogne weilte, einen Bericht von der Übertragung des Heiligen und von seinen Wundern zusammenzustellen. Das geschah erst nach dem Jahre 928 J ) und W. Schultze hat aus der Erwähnung des Ungarneinfalls nach Lothringen in Kap. 34 geschlossen, 2 ) daß die Schrift zwischen 935 und 937 verfaßt ist; daß aber Lietald, der spätere Abt von Tin und Mouzon, ihr Verfasser war, wie Schultze aus einer Stelle der Vita Gerhardi erschließen zu können glaubte, ist durch L. v. Heinemann als unrichtig abgelehnt worden. 3 ) Der Verfasser hat ') Vgl. MG. SS. 15,650 n. 11. I 3 ) MG. SS. 15,646 n.5. '-) Forschungen z. deutsch. Gesch. 25,269 ff. Liber de virtutibus s. Eugenii. — Berners Vita et translatio Hunegundis. 417 wohl viel von dem, was er erzählt, selbst gesehen, er bedient sich aber auch mehrerer Zeugen für seinen Bericht. Fast die Hälfte der ganzen Darstellung nimmt die Übertragung des Heiligen ein, dann erst beginnen die Wunder, die sich besonders häufig auf das Heilen von Erblindung beziehen; hierbei werden Ereignisse aus neuester Zeit erzählt und Personen angeführt, die noch am Leben waren, wie in Kap. 25 der Presbyter Engeramnus. Zuweilen setzt der Verfasser seinen Berichten kleine predigtähnliche Stücke hinzu, 1 ) wie er auch sonst Einschiebungen macht, wie in Kap. 20 über die hohe Wichtigkeit der Priester und Kap. 23 über die mystische Bedeutung eines zu Brogne gegrabenen Brunnens. 2 ) Übrigens sagt er, daß er viele Wunder nicht dargestellt habe, um beim Leser keinen Widerwillen zu erwecken. Der Bericht hat sein Ende mit Kap. 33 gefunden, wo am Schluß die hierfür übliche doxologische Phrase gebraucht wird. 3 ) Aber der Verfasser hat später und zwar frühestens 937 ein weiteres Kapitel angehängt und in Kap. 35 liest man eine Art von neuem Prolog, der wegen seines ausgesuchten Wortreichtums schwer verständlich ist und die Einführung des in den beiden Schlußkapiteln erzählten Wunders bildet, deren letztes nicht vollständig überliefert ist. Benutzt wurde die Schrift im 11. Jahrhundert 4 ) von dem Verfasser der in Brogne geschriebenen Überarbeitung des Lebens des hl. Gerhard von Brogne. Zeugnisse. Zur Uebertragung nach Brogne vgl. c. 1—7 (Anal. Bolland. 3. 30—34). Auftrag zur Abfassung in der Widmung Anal. Boll. 3, 29, 3 Cum plures vestra habectt pa- ternüas diclascalos, o amplectende'abbas Gerarde, quibus valetis imperare . .. opera . . . (30, 6l Iubetis ergo egregii martyris Eugenii stilo compreliendere ... coelica facta. Daß der Verfasser früher in Brogne weilte, ergibt sich aus c. 10 p. 37, 10 nos illud vidimus in refectorio eiusdem coenobii und aus der Widmung p. 30, 7 quae gessit penes vestrum locum coelica facta. Zur Autopsie vgl. c. 10 p. 37, 10 ff., zur Benutzung mündlicher Quellen 1 p. 31, 19 ff. und 12 p. 38, 26 ff. Er hat angeblich nicht alles dargestellt, vgl. 27 p. 49, 14 Multa equidem sunt miracula, quae ob fastidium lectoris non habentur scripta. Der Stil entspricht ganz dem hagiographischen Wortveichtum und die Sprache zeigt stellenweise die Reimprosa. Die Sprache zeichnet sich aber durch ungewöhnlich viel seltene Wörter aus, von denen ich notiere c. 4 p. 33, 3 capicerius, 5 p. 33, 30 und 32 p. 53, 5 crociaf) 15 p. 40, 1 bronia, e ) 16 p. 40, 20 comcdo lupus (vgl. Priscian 4,2,7), 18 p. 42, 1 titio. 26 p. 49, 6 ossella (von os, ossis), 29 p. 50, 32 androna, 34 p. 55, 10 ex cacumine falisiae. Ueberlieferung: Bruxell. 1821 — 1827 s. X (aus Stablo) und 8942 s. XVII. Ausgabe: Analecta Bollandiana 3, 29—57: Exzerpte von L. v. Heinemann, MG. SS. 15, 646 — 652. Vgl. im allgemeinen W. Schultze. Forsch, z. deutsch. Gesch. 25, 268—271 und L. v. Heinemann, MG. SS. 15, 646; Anal. Bolland. 3, 29. 62. Berners Vita et translatio Hunegundis. Berner war Mönch zu St. Remi in Reims und wurde. Abt zu Hum- blieres in Vermandois. Hier war am Ende des 7. Jahrhunderts die hl. Hunegundis gestorben, die Begründerin des Klosters. Sie war in ihrer Jugend mit einem vornehmen jungen Manne namens Eudaldus verlobt worden, widersetzte sich aber der Verbindung und reiste schließlich mit dem Bräutigam nach Rom, wo sie sich an den Papst wandte, ihm ihre Geschichte ') Vgl. besonders c. 30 (Analecta Bollan- ' durch die übliche Phrase sichergestellt wird. diana 3, 51,14 ff). 2 ) Vgl. Anal. Bolland. 3. 43. 12-21 und p. 45 f. 3 ) W. Schultze, Forschungen z. deutsch. Gesch. 25,268 läßt das Ende schon mit p. 54,4 (laetitia) eintreten, statt mit p. 54,19. wo es ) Außerdem im 13. Jahrhundert von Aegi- dius von Orval, vgl. MG. SS. 25,51 f. 5 ) c. 32 pandis fustibus quos rustice crocias vocamus. 6 ) c. 15 Bronia enim est lorica, quae est vestis ferrea. Mnnitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. TL 27 41 8 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. erzählte und ein Glaubensbekenntnis ablegte. Der Papst segnete sie und kleidete sie als Braut Christi ein. Hunegundis kehrte allein zurück und übergab in ihrer Heimat ihren ganzen Besitz der hl. Maria, um ihr weiteres Leben Gott zu dienen. Als der Bräutigam zurückkehrt, geht er nach anfänglichem Zorn in sich, .vermacht ebenfalls sein Gut der Maria und stirbt bald darauf. Hunegundis aber verbringt ihr weiteres Leben in einer Gott wohlgefälligen Weise bis an ihren Tod. Berner hat nun vor 946 das Leben der Heiligen dargestellt und zwar in wortreichem und salbungsvollem Stil. Er beschrieb es, wie er in der Vorrede sagt, nach der Kunde, die er von sicheren Zeugen einzog; das heißt doch jedenfalls, daß er ein altes Leben in gefälligerem Stil überarbeitete. Sonst läßt er sich über seine Quellen nirgends aus. Liest man nun das Leben der Heiligen, so drängen sich einem alsbald eine Menge Reste von volkstümlichen Versen auf, wie auch nicht wenige ganze Verse in der kleinen Schrift enthalten sind. Es sind die beliebten Fünfzehnsilber, die ja zu sehr mannigfaltigem Gebrauche dienten. Sie werden nach Kap. 11 seltener, bleiben aber doch fast bis zum Ende des Werkchens. Der Gedanke liegt daher nahe genug, daß Berner einen alten Rhythmus über die Heilige zu deren Biographie in Prosa verwendet hat, indem er anfänglich diesem Gedicht ziemlich treu folgt und die Para- phrasierung vieler Verse und Versteile unterläßt, bis er sich schließlich in die Prosa mehr hineinfand. Im Jahre 946 fand nun die Äbtissin Berta von Humblieres, die als Nonne einst in das Marienkloster zu Reims eingetreten war, das Grab der hl. Hunegundis auf. Bei dieser Gelegenheit offenbarten sich gleich mehrere Wunder, aber ein Priester von St. Quentin bewog die Äbtissin, die Translation aufzuschieben, die dann erst bei Anwesenheit des Archidiakonus von Noyon, der später Bischof in dieser Stadt wurde, und der Mönche Giso und Rotbert von St. Quentin vorgenommen ward. Der Bericht hierüber wurde an Berner gesandt und von diesem zur Translation verarbeitet, in deren Vorrede der Verfasser verspricht, die Namen der Personen, den Zusammenhang der Dinge, die Zahl der Jahre und die zeitliche Folge genau bestimmen zu wollen. Berner hat dann später hieran noch einen Bericht über die Wunder geschlossen, von denen die meisten natürlich ohne chronologische Gewähr erzählt werden, und erst das vorletzte als im August 964 geschehen eingeführt wird. Viel sind es nicht, die er zusammenbrachte, denn die meisten seien, wie er Kap. 9 sagt, ans Unachtsamkeit nicht überliefert worden. Aus Kap. 10 aber geht hervor, daß die Nonnen zu Humblieres nicht eben vorbildlich lebten, trotzdem Berner schon 948 Mönche aus St. Remi übergeführt hatte. Später wurden im Jahre 1051 Berners Schriften über die Heilige unter ausdrücklicher Nennung seines Namens durch einen kurzen Bericht über die Veränderung des Heiligengrabes ergänzt. Zeugnisse. Daß Berner der Verfasser der Translatio und der Miracula Hunegundis war, bezeugt der 1051 schreibende Verfasser der Descriptio super mutatione corporis s. Hunegundis c. 2 (Migne 137, 73 A) Cnius inventionis necnon et translationis descriptionem simulque miraculorum insignia . .. volentibus agnoscere claro stilo luculentoque sermone ■ttuduit elucubrare piae memoriae domnus abbas Bernerus, qui deo disponenteprimushuicsuc- cessit (nämlicb Bertae) locello pulsis ob obscena carnalis voluptatis lenocinia, quae ibi eranf, moniulibics. Da nun Bemei den Bericht der Wunder mit den Woiten beginnt (Migne 137. 67 B) His praemissis de vita et actibus saepe dietae gloriosae virgiriis, ratum duximus pauca Berners Vita et translatio Hunegundis. 429 subseguendö describi miraculorum insignia, so hat er also auch das kurze Leben der Heiligen verfaßt. Daß dies vor 946 geschah, geht aus der Translatio 3 hervor, da Berner dort erzählt, daß in diesem Jahre Berta das Grab aufgefunden habe (col. 63 C) Igitur anno incarnationis dominicae nongentesimo quadrage.simo sexto Ludovico regnante quinto die pridie Noharum Octobris .. ■ sarculum arriputt (sc. Berta). Hunegundis stammte nach Vita 3 (col. 5IC) aus dem pagus . . . Vermandensis und aus der villa quam Lembaidis nominant; getauft soll sie sein (col. 51 D) ab Eligio pontifice Noviomensis ac Vermandensis ecclesiae, der nach 659 gestorben ist. Die Verlobung c. 4, die Weigerung c. 5, die Reise nach Rom c. 6, der Aufenthalt dort') c. 7. 8; c. 8 (col. 54 A) atque fidem quam requiris ipsi servo integram (Eünfzehnsilber!) Quam si plane vis audire, pandam (tibi) pater optime (desgleichen); darauf folgt eine ausführliche Doxologie 2 ) bis col. 55 B, die aber dialektisch durchsetzt ist (55 A Omne igitur quod est, in duo dividimus). Der Zorn des Bräutigams c 11—13, dort (57 D) omnia sua . .. in loco quem vulgo dicunt Humolarias . . . Mariae seque simul . . . servituram inibi Christo dum adviveret contradidit (sc. Hunegundis). Die Reue des Bräutigams c. 14. 15. Zur Quelle der Erzählung c. 1 (col. 52 A) cuius aggredior vitae gestorumque pauca describere, prout comperi a fidelibus, enarrari. Obsecro itaque nie principem peccatorum et sacerdotum ultimum, also ist Berner damals nur Presbyter und nicht Abt gewesen. Rhythmische Form c. 2 (col. 50B) Ut fugarent ac delerent sordidissimi prlncipis Vominia fierentque Christi luminaria . . . Oriturque per pagella nova lux et gaudium Sub- mittentes colla regi regum et paulatim a Solis ortu (usque) ad occasum Christi divulgatum est. Solche Ganz- und Halbverse rinden sich überall in Menge, mit Ausnahme der Doxologie in c. 8, kehren dann aber in c. 9 sofort wieder. Mit kleinen Aenderungen lassen sich die ursprünglichen Rhythmen öfters in längerer Reihe wiederherstellen. Translatio. Zur Zeit c 3 (col. 63 C) vgl. oben. Zu Giso c. 3 (col. 64B) presbxßer Oiso sanctorum martyrum Quintini et Victorici pignorum custos, qui iamdictae praecipitationi vix finem imposuit. Die Erhebung c. 8 (col. 67 A) Arcessito denique Rodulfo Noviomensis ecclesiae archiiiiacono, postea eiusdem ecclesiae episcopo 3 ) ... et ex congregatione .. . Quintini convocatis patribus Oisone Rotberto . ■ . diu dilatum festinalur ut fiat officium. Im Prolog säst Berner (col. 62 A) Aggrediamur ergo modis qualibus valemus quaedam perspicua narrare miracula. Utile quidem duximus, quatenus lucidiorem reddamus ... textum, ut huius officii nomina personarum; causas verum annorum numerum simul etiam seriem temporum in- timemus, was dann in mystischer Weise symbolisch gedeutet wird. Zur Einführung des Berichts über die Wunder c. 9 (col. 67 B) vgl. oben und Nam ea quae aggressi sutnus de- acribere, quibusdam nostrae aetatis referentibus vix valuimus agnoscere; fuerunt etiam in- nnmera virtutis facta, quae si per incuriam oblivioni tradita non essent, satis digne litteris mandari potuissent. Zu den wenig erbaulichen Zuständen im Kloster c. 10 (col. 67 D) miles nobiliori genere exortus . . . Magenerus, qui cuiusdam sanctimonialis eiusdem monasterii pul- chritudine illectus nequaquam se abstinere potuit ab eins illicitis amplexibus. Daß im Jahre 948 Mönche unter Abt Berner nach Humblieies gingen, ergibt die Urkunde König Ludwigs aus Reims vom 1. Oktober 948 (Mabillon, Acta SS. ord. s. Ben. 2, 984) ut cuidam locello in pago Viromandensi. sito qui vulgo dicitur Humolarias, quo sacratissima sponsa Christi Hunegundis diem expectat b. remunerationis, nostra dignaretur subvenire dementia, quatenus quibusdam sanctimonialibus inibi non satis honeste viventibus . . . inde remotis substituerentur monachi, qui obedirent regulae et abbati und die Bestätigung dieser Aenderung durch den Papst vom Januar 949, die (Mabillon a. a. 0. 2, 984) an den neuen Abt Berner gerichtet ist Johannes episcopus servus servorum dei venerdbili abbati Bernero b. dei genitricis Mariae Virginia ecclesiae. Hier wird in der Aufzählung der Güter des Klosters auch der Hof Eudoldi- curtis erwähnt, und dieser Name geht ohne Zweifel auf den einstigen Bräutigam der Hunegundis zurück (Vita 4, col. 52B). Die chronologische Einführung der Wunder geschieht fast stets mit quodam tempore, eodem tempore oder ähnlich unbestimmt, nur das vorletzte c. 14 hat genaue Datierung (col. 70 B) Anno igitur ab incarnatione doniini nongentesimo sexa- gesimo quarto die octavo Kai. Sept. festivitate scilicet b. Hunegundis ... hoc de quo loquimur ... factum est miraculum. Die gesamte Schrift besaß man um 1200 in Corbie (Becker 136, 268) Vita Hunegundis, translatio eiusdem; miracula eiusdem. Ausgaben: Mabillon, Acta SS. ord. s. Ben. 2,1018—1030. 5, 214-226. Migne 137, 49—72. Die Descriptio super mutatione corporis s. Hunegundis stammt aus der Zeit nach 1060 und ist von einem Mönch in Humblieres verfaßt, vgl. (Migne 137, 72 C) Anno ') Papst Martin I. starb 655, er kann also gesetzt wurde. Das letztere ist das wahi- nicht mit Hunegundis gesprochen haben. - scheinlichere, da hier die Rhythmen fehlen. 2 ) Ihre genaue Untersuchung dürfte auf j 3 ) Er wird später in den Miracula c. 14 die Zeit ihrer Entstehung ausschlaggebend \ zum Jahr 964 genannt (col. 70 B) ab episcopo sein, nämlich ob sie schon in der alten Vita i Noviomensis ecclesiae Rodulfvhaec f'estivitas ... gestanden haben kann oder von Berner hinzu- | celebrari iussa fuit. 27* 420 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. igitur .. . mülesimo quinquagesimo prhno regni Francorum monarchiam gubernante optima principe Henrico, Philippi regis genitore, abbate quoque Macario Humolariensis coenobii curam administrante, Visum est fratribus .. . quatenus corpus dominae suae Hunegundis, si facultas suppeteret, mutari debuisset. Diese Mutatio fand also im Jahre 1051 statt, wird aber erst zur Zeit König Philipps I. beschrieben. Hier findet sich c. 2 (col. 73 A) die oben mitgeteilte Notiz über Abt Berner. Ausgabe: Migne 137,71—76. . 63. Sigehard von St. Maximin. Im Jahre 839 hatte Lupus, der spätere Abt von Ferneres, die alte Vita Maximini, des Hauptheiligen von Trier, stilistisch umgearbeitet (vgl. Bd. 1, 483. 485), und es hängt wohl mit der für die lothringischen Klöster so segensreichen Tätigkeit des Erzbischofs Bruno zusammen, daß im Kloster des hl. Maximin zu Trier seit der Mitte des 10. Jahrhunderts ein gewisses literarisches Bestreben erstand. Man verfaßte hier nämlich kurze Annalen, die an und für sich keinen besonderen Wert haben, aber dem Fortsetzer Reginos als Quelle für sein Geschichtswerk dienten. Wichtiger aber ist, daß der Abt Wiker (957—966) den Mönch Sigehard 1 ) aufforderte, zu dem Werke des Lupus ein zweites Buch zu schreiben, das die Wunder enthalten sollte, die der hl. Maximin nach seinem Tode gewirkt hatte. Der Abt versprach ihm hierfür den Stoff zu liefern, soweit seine eigne Kenntnis reiche und insofern er von glaubwürdigen Personen Kunde eingezogen habe. In der ausführlichen Vorrede setzt Sigehard diese Verhältnisse auseinander, bringt die üblichen Bescheidenheitsphrasen vor und erklärt, daß er die Furcht hege, man werde ihn der Unwahrheit zeihen; die Weisheit des Merkur 2 ) und den Reichtum eines Tullius besitze er freilich nicht. Er wolle aber an erster Stelle ein Wunder berichten, das noch zu Lebzeiten Maximins geschehen sei und sich nicht in dessen Biographie finde, und er erzählt dann die Wiedervereinigung des Beiligen mit Quiriacus durch einen Engel und beruft sich hierbei auf ein sehr altes und beinahe verblaßtes Bild, das er in der Krypta der alten Kirche des hl. Quiriacus über dessen Grabe gesehen habe. Am Ende der Vorrede sagt er, in seiner Erzählung werde er die chronologische Folge nicht einhalten können; besser sei es, ähnliche Ereignisse miteinander zu verknüpfen. Dann beginnt der eigne Bericht Sige- hards, der nach Kap. 1, 13 im 27. Jahr Ottos 1., d. h. 962, oder 963 verfaßt ist. Weit reicht er in der Zeit nicht zurück, denn das älteste Datum hezieht sich auf die Übertragung der Abtei an Graf Megingaud durch König Arnulf nach dem Tode Abt Herkenberts (1, 10). Einen ziemlichen Raum nimmt die Darstellung der Übeltaten ein, die Herzog Giselbert dem Kloster zufügte (1, 12—14); aber Giselbert wurde im Traume durch den Heiligen bestraft, und man wollte im Kloster sogar wissen, daß der Herzog bittere Reue geäußert und sogar versprochen haben soll, 3 ) Mönch zu werden, wenn seine Frau gestorben sei (!). Im allgemeinen hält sich Sigehard an den Bericht x ) Schepss (Ztschr. f. deutsche Phil. 15, sapiditate .. . declamaturum bezieht sich auf 423) denkt an den von Froumund genannten Merkur bei Martianus Capella. isigehard, den er dann aber richtiger mit dem 3 ) 1, 14 p. 28 in qua etiam confessione se von Wigo Brief 5 (Migne 137.12 A) genannten j deo ac s. Maximino monachum futurum de- Sigihard identifiziert. \ vovit, si uxori superstes coniugali vinculo 2 ) Prol. 2 (Acta SS. Mai 7, 26) Mercuriali \ mereretur absohi. Sigehard von St. MaxiniiiL 42 1 lebender Zeugen wie 1, 8 des Mönches Thietbert, 2,18 Adalberts, des Vaters des späteren Erzbischofs Adalbert von Magdeburg, in 2, 19. 23 und 3, 32 der Mönche Rimopert, Richwin und Wenilo. Schon in Kap. 25 kommt er auf Wikers eigne Zeit zu sprechen und das ganze letzte Drittel des Werkes befaßt sich mit der Wiederauffindung des Leibes des Heiligen, nachdem die Mönche sämtlich durch die Normannen getötet worden waren. Im allgemeinen ist Sigehard bestrebt, seine Wunderberichte auf Grund glaubwürdiger Zeugnisse zu geben, und er nennt seine Berichterstatter stets mit Namen. Die Erzählung verläuft in der bei dieser Literatur üblichen Weise, aber meist ohne den Aufwand von hochtönenden Phrasen. Sie gibt sich meist einfach und schmucklos, zuweilen aber, wie in Kap. 16 bei der Übergabe eines Jagdfalken an einen Bauer, der das Tier nicht zu halten versteht, macht sich fast ein novellistischer Zug geltend. Aber auch sonst ist manches anschaulich und lebendig dargestellt, trotzdem .die Sprache immer schlicht und volkstümlich l ) bleibt. So gehört die Schrift, die auch geschichtlich wertvolle Nachrichten birgt, zu den besseren ihrer Zeit. Sie wurde später teilweise in den Tituli eines ungenannten Scho- lasticus in Verse gebracht, die als Epigramme für die Malereien im alten Kapitelsaal der Abtei dienten. Diese 23 Epigramme von zwei bis achtzehn Versen sind dem Stoffe nach aus den Schriften des Lupus, eines unbekannten Gregor und Sigehards genommen, wie der Verfasser 23, 9 2 ) selbst sagt, nachdem er den Leser, der mehr von den Wundern wissen wolle, auf jene Schriften hingewiesen hat. Von den Epigrammen stammen übrigens nur die beiden letzten über Megingaud und Giselbert stofflich aus Sigehard, alle vorhergehenden Wunder sind Lupus und Gregor entnommen. Die Verse sind im allgemeinen sehr unbehilflich und trocken, was allerdings mit der durch den Raum vorgeschriebenen Kürze zusammenhängen dürfte. Sie sind leoninisch gereimt und gehören wohl dem 11. Jahrhundert an. Zeugnisse. Zeit der Vita Maximini des Lupus (MG. SS. rer. Merov. 3, 82) c. 25 usque ad hunc annuni quo scribimus hoc est .. . octingentesimum tricesimum nonum. Die Anna!es s. M axi m i n i von 708—987 reichend sind bis 840 aus den Ann. Senonenses (MG. SS. 1,102— 109) abgeschrieben; Hs. in Koblenz, Bibl. Goerres. 16 s.X, s ) Ausgabe MG. SS. 4,5 — 7. Zur Benutzung in der Fortsetzung Reginos, die höchst wahrscheinlich von dem St. Maximiuer Mönch Adalbert.* 1 ) dem späteren Abte von Weißenburg und Erzbischofe von Magdeburg, stammt, vgl. Wattenbach 1,411 und Kurze, Neues Archiv 15, 3. Miracula s. Maximini (Acta SS. 7,25—33). Prolog 1 p. 25 Domino abbali Wickero Sigehardus. Eogas, pater carissime, imo vi quadam auetoritatis extorques invito, quatenus .. . opus assumam. Nam praeeipis propriaque potestate compellis, quo ea quae post editum a Lupo episcopo (!) de vita s. Maximini librum per eundem . .. sunt gesta miracula . .. stilo (dligem; ac . .. post illum primum seeundum super Ulis libellum absolvam te certa locuturo suggerente materiam . . . Quapropter diu multum desideratum opus perge securus aggredi . . ■ Omnia ergo quae dixeris vel a te ipso, ut promittis, et ab his, qui adhuc vivunt, tecum visu vel ab his, qui viderunt, tibi probabilibus personis comperta qualicunque prosequar stilo. Vergleich Prol. 2 p. 26 neque nie expectent Hercuriali sapiditate Tulliique copia cleclamaturum. Erstes Wunder Prol. 3 p. 26 Quoniam igitur tarn praeclarum factum . . . in Mo libro, qui ritam gestaque saneti continet, praetermissum miramur, hoc silentio nos quoque praeterire ') Ein deutsches Wort findet sich c. 15 4 ) Er kehrte 962 von seiner erfolglosen p. 28 chirotheca quam rustici wantutn vocant. ! Sendung (er war zum Bischof in Rußland 2 ) Hrsg. von Kraus, Jahrb. d.Ver.v. Alter- ' ernannt) zurück, vgl. Continuatio Reginonis tumsfreunden im Rheinlande 50,210. ; 962 ed. Kurze p. 172. Sigehard nennt ihn 3 ) Vgl. zur Hs. Neues Archiv 27, 738. ; 2, 18 (Acta SS. Mai 7,29) nostri Adalberti. 422 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil absonum duximus *) . .. (5 p. 26) Quae iia, ut dicta sunt, vera esse ecclesiarum etiam picturae confirmant, quarum nos unam et haue antiquissimam ac vetustate iam pene abolitam in prisca s. Quiriaci ecclesia super sepulcrum eins in crypta vidimus. Zur chronologischen Folge 1, 6 p. 26 in quibus ordinem temporum ut gesta sunt non valemus servare, quia similia simüihus placet connectere. 2 ) Quanta saneti huius . . . semper fuerit et adhuc sit miseratio, cum plenius in libro memorato digestum sit, nos tantum de paucis numero energumenis .. . 3 ) primo di- camus. Zu Megingaud vgl. 1, 10 p. 27 Megingaudo regni huius (seil. Arnulfi) duci, qui tunc forte aderat, abbatia ab imperatore donata est. Die Zeitbestimmung 1,13 p. 28 Ea autem tempestate vir clarissimus Henrieus genitor Serenissimi Augusti Ottonis, cuius imperii anno vigesimo septi-mo haec scripsimus, monarchia regni potitus est. Die Erwähnung Adalberts 2,18 p. 29 Nee reticendum quod .... Adalberto huius nostri Adalberti genitore Oisilberti ducatus tempore evenerit, Rimoperts 2,19 p. 30 Rimopertus presbiter et monachus, qui inter- fuit et vidit, attestatur, Richwins und Abt Willers 2, 23 p. 30 Tempore ... Wittert abbatis ... fratri Richwino, qui nunc usque superest, publice celebrdtio missae iniuneta est, Wenilos 3,32 p. 32 ut venerabilis Wenilo, qui gestis rebus interfnit, etiam cum iuramento saepe testatus est. In 2, 25 p. 31 wendet sich Sigehard von den früheren Wundern ab und berichtet ein zur Zeit Wikers geschehenes Te namque, Wiehere, in abbatiali honore .. . constituto ... Perinde etiam hoc celebre factum regi serenissimo Ottoni videlicet primo ea luce Treveris existente*) aperuit. Uebergang zur Auffindung des Heiligen 3, 27 p. 32 stilum ... contrahentes ea tantum breviter attingendo quae de inventione corporis saneti huius comperimus. Am Schluß 3, 35 p. 33 nee stupeant hominem rusticanum et qui vix prima artis grammaticae rudimenta pereeperit, oratoris copia loqui nequivisse. Die Zeit Wikers bestimmt sich von 957—966 nach Ann. s. Maximini 957 (MG. SS. 4, 7, 8) Willems abbas obiit. Wikerus successit und 966 (p. 7, 10) Wikerus obiit. Handschriften: Trevir. 1151 s. XIII f.l25 b und 1380 a. 1514. Ausgabe: Acta SS. Mai 7, 25-33; Auszüge MG. SS. 4, 230—234 = Migne 133, 967—978. Vgl. Wattenbach 1,406. Epigrammata scolastici. Die 23 Tituli stehen in der Hs. Gent 528 s. (X— )XI f.25 unter der Aufschrift Epigrammata cuiusdam scolastici picture que est in capitolio claustri s. Maximini de miraculis eiusdem confessoria. Sie gehen aus von der Dedikation und Erbauung des älteren Klosters unter Agricius 5 ) und der Ankunft Maximins mit seinen Gefährten Paulinus und Quiriacus. Besonders ausführlich wird eine Romreise der Heiligen dargestellt N. 12 Itus sanetorum Romam et reditus, 6 ) äußerst kurz hingegen werden acht Wunder in zwölf Versen verknüpft N. 19 Miracula ad memoriam facta. Im letzten Abschnitt heißt es 24, 7 Plenius acta viri capiunt qui noscere tanti, Scripta retexantur studiosius et relegantur, Que scripsere Lupus, Gregorius et Sigehardus; Quamvis, ut fantur, de multis pauca tenentnr, Que deus emerito tribuit bona miraque saneto. Diese ungelenken Verse gab heraus F. X. Kraus, Jahrb. d. Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande 50, 205—210. 64. Johannes aus Amalfi. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts lebte in einem Kloster Unteritaliens ein Mönch Johannes, der aus Amalfi stammte und durch den Grafen Pantaleon aus Amalfi aufgefordert wurde, Mönchsgeschichten aus dem Griechischen zu übersetzen. Dieser Pantaleon war Vorsteher der amal- fitanischen Kolonie in Konstantinopel und stellte die Bitte an den dort weilenden Johannes, der sich zu diesem Zwecke wahrscheinlich in das der Stadt benachbarte Kloster der Panagia von Balukli begab und hier in der Gebrechlichkeit seines hohen Greisenalters ein kleines Werk zusammen- ') Hier folgt das Engelwunder. 2 ) Also ganz ähnlich wie Bernhard von Angers im Prolog der Vita s. Fidis (Migne 141,1320) non . . . annorum ordo sed miracu- lorum concordabit similitudo. 3 ) energumenus seit Sulpicius Severus (vgl. Dial.1,20, 9 p. 173,10 ed. Halm) der vom Teufel Besessene. 4 ) Die genaue Zeit dieser Anwesenheit Ottos I. in Trier läßt sich nicht feststellen, da die Urkunden fehlen, vgl. Stumpf-Brentano, Die Reichskanzler 2,8—27 und 469. 6 ) Das ist natürlich falsch, da das Klosterleben erst durch Martinus von Tours in Gallien begründet wurde und Agricius um 335 starb. 6 ) Aehnliches Latein in der Ueberschrift von N. 15 Corporis eins a Treviris inqui- sitio inventio et exportatio. Johannes aus Amalfi. 423 brachte, in dem er 42 aus dem Griechischen übersetzte Mönchsgeschichten vereinigte. Vielleicht standen sie alle schon in einem und demselben Buche, das Johannes als Quelle benutzte, vielleicht aber hat Johannes seinen Übersetzungen erst die bei ihm vorhandene Disposition gegeben; denn sie sind nach dem Prinzip einzelner Tugenden wie Keuschheit, Freigebigkeit, Gottvertrauen, Weltflucht usw. ausgewählt und zusammengestellt. Fast die Hälfte der Erzählungen stammt aus dem Pratum spirituale des Johannes Moschos, anderes ist aus den Erzählungen des Daniel von Skete und aus des Ana- stasius Monachus Vision des Taxeotes genommen, während sich für die übrigbleibenden Stücke ebenfalls noch griechische Texte als Vorlage nachweisen lassen. Aber Johannes hat auch noch andere Stücke übersetzt und zwar in Konstantinopel selbst als Nachtrag zum Leben des hl. Nikolaos von Johannes von Neapel De obitu s. Nicolai und im Panagiakloster die Legende der hl. Irene. Er erzählt im Prolog seines Liber de miraculis, wie er das größere Werk benannt hat, daß er an seinem Aufenthaltsort keinen Notar und keinen Schreiber gefunden habe, ja nicht einmal einen Menschen, der ein Wort Latein verstanden hätte. Er bittet daher seine Leser um Nachsicht und überläßt ihnen die Korrektur eventueller Fehler, wie er auch schon vorher sich an das Wohlwollen seiner Mitbrüder wendet, in deren Hände sein Buch kommen werde. Die Erzählungen, die Johannes im Liber de miraculis bietet, sind sehr verschiedenen Inhalts, alle sind aber auf den erbaulichen Ton gestimmt und in allen wirkt eine Tugend der handelnden Personen Wunder. Er beginnt mit der wunderbaren Geschichte, die man sich in Mönchskreisen von der Entstehung der Antiphoneteskirche zu erzählen wußte, nämlich von der durch den felsenfesten Glauben eines christlichen Kaufmanns herbeigeführten Konversion eines Juden. Erst mit der siebenten Erzählung setzt die Übersetzung aus dem Pratum spirituale ein, 1 ) dessen Stücke sich sofort dadurch kenntlich machen, daß sie als Erzählung eines Abtes oder eines Bischofs an den Verfasser eingeführt werden, während die andern Stücke fast ausnahmslos (vgl. N. 39) diese Art der Einführung entbehren, wenn sie sich auch mehrfach als Referat ausgeben. Übrigens gibt Johannes die Reihenfolge der Stücke nur ausnahmsweise nach dem Pratum spirituale und er traf seine Disposition, wie schon erwähnt, nach den christlichen Tugenden, obwohl er sieh dabei auch nicht an eine strenge Reihenfolge hält. Die Übersetzung selbst ist keineswegs genau angefertigt, denn manche Worte der Vorlage bleiben unübersetzt und manches hat Johannes überhaupt falsch verstanden. 2 ) Die Sprache des Johannes ist meist schwerfällig und ungeschickt und man merkt "ihr nicht selten an, daß man es mit einer Übersetzung zu tun hat, die dem Verfasser nicht leicht fiel. Im allgemeinen hält er sich an die Ausdrucksweise der Bibel, deren Worte er auch sehr häufig verwendet, ohne aber ihre poetische Färbung nachzuahmen. So scheint er mehr die von der Geistlichkeit verwendete Umgangssprache zu gebrauchen, was sich auch daraus ergibt, daß er die längeren ') Soweit es heute wenigstens erhalten | 2 ) Vgl. z. B. ed. Huber p. 10,1-4 mit der ist, denn es ist möglich, daß Johannes es j griechischen Vorlage bei M. Hoferer. loannis in seinem ganzen Umfange kannte. monachi liber de miraculis p. 14,12—17. 424 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. griechischen Perioden fast regelmäßig in kurze Sätze auflöst. Seine Sprache möchte kaum noch als Schriftlatein erscheinen. Zeugnisse. Persönlichkeit, Vaterland und Zeit des Autors bestimmen sich nach dem Prologe zum Liber de miraculis und aus den Vorworten zu De obitu s. Nicolai und zur Vita s. irenae, da beide Schriften ohne Zweifel unserm Johannes angehören. Vgl. die Ausgabe von Huber p. 1 me infimum lohannem omnium monachorum sacerdotumque ultimum, p.XVH ego infimus Johannes presbiter et monachus und p. XVIII Iohannes omnium monachorum sacerdotumque ultimus (die beiden letzten aus Vindob. 735 f. 174 b und 203i>). Zur Heimat Amalfi vgl. p. XVIII affuerunt et alii plures Amalfitani und p. 1,5 domne Pantalee (2,15 Pro Mo vero Pantaleo), denn dieser Pantaleo läßt sich nach M. Camera, Memorie storiche- diplomatiche dell' antica Cittä e Ducato di Amalfi 1, 155 inschriftlich nachweisen; und da es im Prolog zur Nikolaoslegende vom Johannes diac. Neapoüt. 1 ) heißt (p. XVII) bone memorie Iohannes subdiaconus sancte Parthenopensis ecclesie, so ist Hubers Vermutung (p. XIX) wohl zutreffend, daß unser Johannes wohl nicht sehr lange nach diesem Johannes 2 ) gelebt habe. Aufforderung durch Pantaleon p. 1, 4 Sepe ortatus es, nobüissime vir atque clarissime bis consul, domne Pantalee, me . . . ut aliqua que in libris seu hystoriis Grecorum inveniuntur, qne in Latinis non sunt, in Latinam converterem linguam und 2, 15 Pantaleo qui hoc ftde- liter facere iussit. Zum Aufenthaltsort p. 2, 9 quia in loco in quo habito .. . qui latinum oerbum sciat non invenitur und im Prolog zur Vita Irenae p. XVIII in hoc s. monasterio Panagiotum in quo hospitor, vgl. hierzu Huber p. XXII. Zum hohen Alter p. 1, 17 et sensns pre etate iam sit diminutus et oculi caligaverint mich!, p. 1,31 quia ut iam dixi in ultima senectute constitutus et oculi caligant michi et renes dolent und p. XVIII, 32 cum sim senex et in ultima etate. Zur Zusammenstellung vgl. Hoferer a. a. 0. p. 48 f. und Huber p. XXII f., zur Disposition nach Tugenden Hoferer p. 63 ff. Zu den Quellen vgl. Hoferer p. 49 und 60f. und vor allem die sorgsame Zusammenstellung bei Huber p. XXV — XXX (auch XXI11 f.), wo die griechischen Vorlagen nachgewiesen sind. Zu den Legenden von Nikolaos und Irene vgl. Huber p. XVII und XVIII. Daß Johannes beim Uebersetzen ganz auf sich angewiesen war, sagt er p. 2, 9 Michi autem hec omnia faciendi possibilitas non fuit, quia in loco in quo habito non solum modo notarius aut scriptor non invenitur, verum eciam qui Latinum oerbum sciat non invenitur. Bitte um Nachsicht p. 2, 12 Unde precor vos omnes qui lecturi estis: quod corrigendum est, corrigite, quod emendandum, emendate et michi, queso, veniam date, vgl. 1,21—24. Er entschuldigt auch seine Sprache p. 1,8 Sed ego sepius obposui tibi rusticitatem mei sermonis und 1, 16 cum sim minimus omnium et in utraque scientia 3 ) minus eruditus. Zur Flüchtigkeit seiner Uebersetzung vgl. Hoferer p. 65 f.; allerdings kann Johannes ein in manchen Stücken abweichendes Exemplar des Pratum spirituale wie auch der Antiphoneteslegende gehabt haben. Daß die Bibelsprache den Grund bildet und biblische Worte oft benutzt werden, ist in der Ausgabe von Huber nicht angemerkt; irgendwelche Anführungen aus der klassischen Literatur habe ich nicht bemerkt. Ueber die Sprache urteilt ähnlich Hoferer p. 68ff., der p. 71—88 Besonderheiten des Sprachschatzes und sentasio- logische Dinge heraushebt; das Glossar bei Huber p. 136—144 konnte etwas reichhaltiger sein und mehr auf Grammatisches eingehen. üeberlieferung. Das Werk findet sich im Monac. 17140 f. 57—110 s. XII (aus Schäftlarn). 4625 f. 80b—106 s XIII (aus Benediktbeuern), 18621 s. XV f. 49—70 (Tegernsee), 14438 s. XII f. 129-184 (St. Emmeram), 7993 s. XIII f. 111-116 (Kaisheim); für die erste Erzählung auch Vindob. 739 s. XII f. 157 —164b (aus St. Severin in Neapel). Aus dem Vindob. 739 und anderen Hss. hat Huber auch das Drachenwunder des hl. Georg sowie das Wunder am Brunnenbild in Konstautinopel herausgegeben. Ausgabe: (Prolog bei B. Pez, Thesaurus anecdot. noviss. 3, 3. 631 N. 18, Cod. diplom. hist. epistolaris p. 78 f.; die Antiphoneteslegende bei Hoferer p. 8—41) von P. Mich. Huber, Iohannes Monachus, Liber de miraculis, Heidelberg 1913 (= Samml. mittellat. Texte hrsg. von A. HilkaN. 7). Vgl. Max Hoferer, Ioannis Monachi Liber de miraculis, Würzburg 1884. 65. Ruoperts Vita Adalberti Egmondani. Graf Dietrich II. von Holland hatte das Kloster Egmond erneuert und statt der Nonnen Mönche dorthin versetzt. Dessen Sohn, Erzbischof Egbert von Trier, stellte etwa 985 den Mönchen seines Klosters Mettlach an 1 ) Vgl. Bd. 1,711. 2 ) Er starb um 930. — Zu anderen Persönlichkeiten, mit denen Johannes verkehrte, vgl. p. XVIII, 6 f. und XX f. 3 ) Das soll wohl heißen wie profaner Wissenschaft". „in kirchlicher Ruoperts "Vita Adalberti Egmondani. 425 der Saar die Aufgabe, das Leben und die Wunder des hl. Adalbert darzustellen. Dieser war als Gefährte Willibrords aus England gekommen und Abt von Echternach geworden und ist als solcher aus einer 714 ausgestellten Urkunde Pippins wie aus einem Briefe Luis bekannt. Da er in Egmond begraben war und sich später an seinem Grabe Wunder ereig 7 rieten, so hielt es Egbert jedenfalls für angebracht, eine Biographie des Heiligen zu veranlassen. Seinem Wunsche kam der Mettlacher Mönch Ruopert nach, der allerdings am Ende der Wunder zu sagen scheint, daß die Schrift von allen Mönchen seines Klosters verfaßt sei, obwohl diese Angabe gleich darauf wieder hinfällig wird. Daß aber Ruopert, der wohl aus Bescheidenheit seinen Namen verschwieg, wirklich der Verfasser ist, ergibt sich aus den vor 1095 geschriebenen Miracula s. Liutwini, die erzählen, daß ein Mitschüler zweier aus Mettlach an Gerbert gesandten Mönche namens Ruopert das Leben Adalberts in lichtvoller Sprache verfaßt habe, nachdem er vorher deshalb nach Egmond gesandt worden sei. Aus "dieser Stelle wird auch die Frage, ob der Biograph wirklich in Egmond gewesen sei, die Holder-Egger mit gutem Grunde in bejahendem Sinne beantwortet hatte, ohne weiteres in diesem Sinne entschieden: er kennt nicht nur die Lage von Egmond gut und weiß von den verheerenden Wirkungen der dortigen See Bescheid zu geben, sondern er schreibt auch als Augenzeuge. Freilich weiß er von Adalbert nur, daß er ein Gefährte Willibrords gewesen und in Egmond begraben worden war. Um diesem allerdings sehr fühlbaren Mangel abzuhelfen, stellte er aus der ihm bekannten Literatur über Willibrord einiges zusammen und schrieb die drei ersten Kapitel der Biographie ganz aus Bedas Kirchengeschichte (3, 27. 5, 9—11) und aus Alchvines Vita Willi- brordi 1 ) (Kap. 4—6) ab. Der nächste Abschnitt besteht aus den gewöhnlichen Phrasen und üblichen Lobeserhebungen über die christlichen Tugenden Adalberts und dann kommt der Verfasser zum Aufenthalt des Heiligen in Egmond und erzählt hier von seiner nahen Bekanntschaft und seinem Verkehr mit einem ausgezeichneten Manne namens Eggo, dessen Person und Name wohl nur dem Kloster Egmond zuliebe erfunden worden ist. Schon hier wirkt der Heilige ein Wunder. Er empfindet nämlich Sehnsucht nach der Heimat und sagt zu seinem Eggo, indem er einen Apfelrest ins Feuer wirft: „Wenn die Kerne dieses Apfels 2 ) Leben behalten und emporgewachsen sein werden, wirst du meine Rückkehr erleben." Die Kerne werden aus dem Feuer gerettet, verbrennen dann aber in einem Büchschen, und gehen doch auf und erzeugen blühende und duftende Pflanzen (!). Natürlich kehrte Adalbert nun zurück, aber er stirbt bald darauf und wird begraben. In Kap. 8 vollzieht nun Ruopert den Übergang zu den Wundern, der in einem entsetzlich wortreichen Stile geschrieben ist, und ebenso wortreich ist meist der Wunderbericht selbst gehalten, aus dem hier weiter nichts interessiert als die wunderliche Ableitung des Namens Egmond (Haec- munda: ut Haec mundet dicatur, quasi locus ab irruptione ineursionum mun- datus hostilium). Das Ganze ist eher eine Übung des wegen seines Wort- ') Jaff6, Bibliotheca rer. Germ. 6, 43 f. j invirgidata fruetifleaverint adolendo, nie.. 2 ) c. 5 (Acta SS. Iun. 5,98) Ubi ... grana compotem habebis in rerertenäo. 426 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. reichtums grotesken Stils des Verfassers als eine historiographische Arbeit, doch enthalten die Wunder mancherlei Wichtiges für die Geschichte der Grafschaft Holland. Zeugnisse. Die beiden Grafen Dietrich I. und II. von Holland werden in den Mirac. 13') und 18 erwähnt, desgleichen Erzbischof Egbert von Trier Mirac. 19 (Acta SS. Iun. 5, 101 f.). Daß Egbert den Mönchen die Aufgabe gemeinsam stellte, ergibt sich wohl aus c. 28 p. 102 Mediolacensis coenobil excudere cucullarii iubente serenissimo eiusdem monasterii domino supra nominato videlicet summo praesule Egberto. Willibrords Gefährte vgl. c. 1—3. Abt von Echternach vgl. Catal. abb. Epternac. MG. SS. 13, 738 und Luis Brief MG. Ep. Merow! et Karol. aevi 1, 397, 19 Aldberchtes de Aefternacae; Urkunde Pippins Monum. Epternacensia MG. SS. 23, 59, 32 Adalbertns abbas. Zum Auftrag Egberts c. 28 p. 102 Haec de vita et vir- tutibus opinatissimi confessoris Christi Adalberti Mediol. coen. excudere cuc. kib. seren. ... praesule Egberto; dann bleibt der Plural Ergo quidquid incoctum deprompserit scribentium tenuitas, um dann zum Singular zu werden Discat ergo legentis animus scribentis imperitiae compati. Die Stelle über Ruopert heißt Mirac. Liutwini 10 (MG. SS. 15, 1264,44) Ex eorum condiseipulatu Ruopertus quidam fuit, qui ad Ekmundam missus vitam s. Adelberti luculento sermone conscripsit. Zur Kenntnis der Oertlichkeit und der Seeverhältnisse c. 12 p. 100 Ex tnarinae siquidem tempestatis eruptione continua, sicut hü cognitum est, qui maris vel viderunt vel inhabitant contigua, plurhna litoris arenarum subvehitur copia, quae perurgente vi ven- torum tantis cumulatur acervis, ut montibus videatur altissimis coaequari. Augenzeuge c. 18 p. 101 Nee sunt memoriae subtrahenda, quae temporibus Theoderici iunioris, praedieti videlicet comitis filii, nos ipsi vidimus declarata miracula und c. 26 p. 102 Nostris quoque temporibus; Zeugnis von andrer Seite c. 24 p. 102 Mirabile forsitan et incredibile habealur, si non leite veridicorum relatione testium comprobaretur. Das Werk beginnt mit den Worten c. 1 Legimns in ecclesiastis historiis, womit die Abhängigkeit von Beda angedeutet wird. Zu den von den Bollandisten benutzten Handschriften vgl. G. Henschen, Acta SS. Iun. 5,96 und Holder- Egger, MG. SS. 15, 699 n.5. Ausgaben: Acta SS. Iun. 5, 97ff.; J. Ghesquierus, Acta SS. Belgii 6, 661 ff.; Auszug von Holder-Egger, MG. SS. 15, 699—704, vgl. 1319. Vgl. Holder- Egger, Neues Archiv 13,29 — 32. Benutzt wird die Vita s. Adelberti später im Liber tradi- tionum s. Adalberti, im Chronicon Hollandiae, von Johannes Gerbrand in den Annales Egmondani ü. a., vgl. Holder-Egger p. 699 n. 3. Die von C. Pijnacker-Hordijk(Bijdragen voor vaderl. Geschied. 4,170 ff.) herausgegebene kleine Schrift De adventu s. Adalberti ist nicht, wie Holder-Egger, Neues Archiv 26,269 N. 41 feststellt, die Quelle der Vita Adalberti, sondern nur ein Auszug aus Ruoperts Werk. — Die Miracula wurden im 12. Jahrhundert fortgesetzt und sind Acta SS. Iun. 5, 104—108 gedruckt; hier findet sich c. 17 p. 108 das Jahr 1143 als Datum Anno domini MCXLIII. .. dedicatum est templum in Egmunda a domino Hartberto Traiectensi episcopo. 66. Letald von Micy. Letald, dessen Herkunft im Dunkel liegt, wurde als kleiner Knabe dem Kloster St. Mesmin zu Micy übergeben, als Anno Abt war, also zwischen 942 und 972; doch ist es wahrscheinlich, das Datum seiner Oblation in den Anfang von Annos Abtszeit zu setzen. Letald scheint dem Kloster treugeblieben zu sein und er hat daher die großen Leiden, die die Stiftung durch die Bischöfe von Orleans zu erdulden hatte, miterlebt. Seine Jugendbildung muß eine tüchtige gewesen sein, da er gut stilisierte Werke hinterlassen hat und Abbo von Fleury, dessen Freund er war, sein ausgezeichnetes Wissen rühmt. Die Zeit seines Lebens aber wird ja besonders von dem tiefgehenden Zwiespalt zwischen Bischofsgewalt und klösterlicher Macht in Frankreich gekennzeichnet, und es ist daher nicht zu verwundern, daß ein schriftgewandter Mönch wie Letald es sich zur Aufgabe stellte, über die Bedeutung des alten Begründers des Klosters für die späteren Zeiten eine Schrift zu verfassen. Das Leben des Stifters war schon in der Vita s. Maxi- ') c. 13 p. 101 Theoderico primo romiti, qui locum eundem, sicuti nunc posteri eins retinent, proprietatis iure possidebaf. Letald von Micy. 427 mini durch Bertold, einen Mönch des 9. Jahrhunderts, beschrieben worden, doch die Darstellung der späteren Wunder stand noch aus. Die Miracula s. Maximini aber, die Letald im Jahre 986 oder 987 schrieb, begnügen sich keineswegs mit den Wundern, die der Heilige gewirkt hatte, sondern sie geben in ihrem Hauptteile eine Geschichte des Klosters seit den Tagen des Bischofs Theodulf von Orleans bis auf die Gegenwart. Leicht war die Aufgabe nicht, die sich Letald gestellt hatte, denn es galt die fast unausgesetzten Anfeindungen und Übergriffe darzustellen, die die Diözesanbischöfe sich gegen das Kloster erlaubt hatten und durch die St. Mesmin allerdings für längere Zeit ungemein herabgekommen war. Er beabsichtigte aber keine einfache Wundergeschichte, wie sie so oft geschrieben wurden, sondern seine Darstellung, so zurückhaltend sie auch an wichtigen Stellen ist, mußte den Zorn des Bischofs unbedingt erwecken. Er ist sich auch der Schwere seiner Aufgabe voll bewußt, er beginnt mit den Worten: „Wissentlich und mit Absicht lege ich meine Hand in das Feuer." Er berührt dann weiter im Prologe, daß die Schicksale des Klosters ganz allgemein unbekannt seien, daß er daher das, was er selbst erlebt und gesehen und von anderen als wahr erfahren habe, aufschreiben wolle. Und man solle es ihm nicht anrechnen, wenn er einiges einfüge, was nicht unmittelbar zur Darstellung zu gehören scheine. So beginne er mit Chlodowech, weil das Kloster auf ihn zurückgehe, und er erwähne dessen Söhne, um des hl. Avitus gedenken zu können. Auf Childebert, Sigeberts Sohn, aber sei er deshalb gekommen, um den hl. Maximin als Zeitgenossen des Launomarus einzuführen, dem Maximin alles zu verdanken habe. Aber er habe doch nicht alles aufgeschrieben, was er in Erfahrung gebracht, denn zeitlich Unbestimmbares habe er für besser gehalten zu verschweigen. So habe er in der Stiftung von vortrefflichen Männern gehört wie von Bertold, dem man die Abfassung des alten Lebens des Maximin zuschreibe, ! ) und von einem Petrus, der mehrere Geschichtswerke, die er selbst verbessert und eingeteilt, dem Kloster zum Geschenke auf den Stephansaltar gelegt habe; darüber wolle er nicht sprechen, da die Zeiten dieser Männer ihm nicht klar seien. Die Vorrede gibt also eine ziemlich ausführliche Begründung für den Inhalt der Schrift, sie läßt aber den Leser ganz im unklaren darüber, welche Hilfsmittel dem Verfasser zu Gebote standen. Nur soviel sagt Letald, daß niemand die Schicksale des Klosters aufgezeichnet habe, so daß sie zur Nachwelt gelangen könnten; 2 ) freilich schränkt er das sehr bald wieder ein, indem er bemerkt, er glaube allerdings, daß das, was zu jemandes Kenntnis habe gelangen können, auch wenn er es nicht selbst gesehen, schriftlich oder mündlich fortgepflanzt worden sei. Und es wird sich zeigen, daß dem Letald eine keineswegs unbedeutende Quelle außer den im Kloster verwahrten Aufzeichnungen über Wunder vorgelegen haben muß. — Er beginnt seine Darstellung mit kurzem Bericht über Chlodowech und seine Herrschaft nach Gregor von Tours und fährt mit der Gründung des Klosters zu Micy fort. Das Wirken des ') Vorher (Migne 137,797.A) erwähnt er 1 2 ) Migne 137,7950. einen Haymo, Stenogaudus und Dructesindus. ] 428 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. hl. Maximin wird nur kurz gestreift, dagegen die Zeit des Heiligen durch Komputation aus Angaben von Gregor auf 75 Jahre früher bestimmt, als die Ankunft des hl. Maurus in Gallien erfolgte; allerdings ist die Rechnung nicht richtig. Ausführlicher wird dann die Zeit nach Maximins Tode besprochen und dabei besonders auf die Bischöfe von Orleans eingegangen wobei Letald erzählt, daß Bischof Theodulf zur Wiederherstellung des Klosters nach den kriegerischen Wirren Mönche aus Septimanien habe kommen und zu Germigny nach dem Muster des Aachener Münsters eine Kirche haben erbauen lassen, zu der er selbst die Weihinschrift dichtete. 1 ) Auf literarisches Gebiet führt auch, daß Letald 2, 14 die Schrift von Theo- dulfs Nachfolger Jonas gegen Claudius von Turin erwähnt und aus ihr einige von Jonas angeführte Sätze des Claudius anführt; er bemerkt, daß die Schrift des Jonas noch in Micy aufbewahrt werde. Aus der Zeit des Jonas erzählt er eine Klostertradition, die er durch wahrheitsgetreuen Bericht der Älteren erfahren habe. Man kann diese letzteren Worte (2, 16 col 804A) wohl als mündliche Überlieferung auffassen, verfolgt man aber Letalds Erzählung weiter, so kommt man zu anderer Ansicht. Nachdem Letald nämlich dann über die Reichsteilung von 843 und die ihr folgenden Wirren in Westfranken gesprochen und von den Normanneneinfällen und der glücklichen Errettung St. Mesmins vor den Barbaren gesprochen hat, wendet er sich zu Jonas' Nachfolgern Agius, Walter und Trohannus, zu Abt Letald von St. Mesmin und zu Odo von Cluni. Von da gibt er Bericht über die Bischöfe Berno, Anselm und Theoderich und erzählt von den Gewalttaten, die sich Bischof Ermenthaeus gegenüber dem Kloster erlaubte. Aufatmend erzählt er dann von der Wiederherstellung des Klosters unter Anno, wobei er als Augenzeuge spricht und das Versprechen ablegt, nur das zu schildern, was er selbst gesehen oder von glaubwürdiger Seite gehört habe. Hierauf folgen Wunder, die der Heilige in moderner Zeit gewirkt hat, darunter eins, das sich vor dreißig Jahren ereignete, dann der Tod Annos und die uneigennützige Sorge Bischof Arnulfs für das Kloster, hierauf Wunder aus der Zeit des Abtes Amalricus. Als er soweit in der Arbeit gekommen war, hat er den Brüdern davon Mitteilung gemacht, und da man ihm einhielt, daß sich zur Zeit Annos noch andere Wunder ereignet hätten, so schiebt er 16, 46 —48 drei weitere solcher Geschichten ein und erzählt nun bis zum Schlüsse der Darstellung (19, 55) noch einiges aus etwas späteren Jahren. Man sieht aus dieser Analyse deutlich, daß Letald weit über das gewöhnliche Mala solcher Wundergeschichten hinausging, daß er eigentlich eine Geschichte der Beziehungen der Bischöfe von Orleans zum Kloster in Micy gegeben hat. Und die Kontinuität seines Berichts läßt unbedingt darauf schließen, daß er auf einer Bistumsgeschichte von Orleans oder auf einer Abtsgeschichte von St. Mesmin fußt, ja vielleicht beides zugleich benutzt und ineinander gearbeitet hat. Da uns aber weder das eine noch das andere Werk vorliegt, so dürfte Letalds Werk als Auszug einen nicht geringen historiographischen ') 2,13 (col. 802 C) quo etiam his versibm tili memoriam eleganter expressit: Haec in honore dei Theodulfus templa sacravi, Qnae dum quisqnis adis, uro memento mei. Das Distichon fehlt in den von Du mm ler herausgegebenen Gedichten Theodulfs in P. I' !■ Letald von Micy. 429 Wert gewinnen. — Der Stil Letalds in dieser Darstellung ist in den rein historischen Teilen einfach und sachgemäß, die Ausdrucksweise ist klar und durchsichtig, und der Verfasser hält sich im allgemeinen frei von anderswoher erborgtem Sprachgut, nur daß hier und da ein Ausdruck aus Sallust begegnet. 1 ) Im Anschluß hieran sei erwähnt, daß Letald an Abt Konstantin von Noaille einen kurzen Bericht über den Transport des hl. Junianus auf die im Jahre 989 abgehaltenen Synode von Charroux richtete. Vielleicht waren die Miracula s. Maximini die Ursache, daß Letald von dem Bischof Arnulf eine sehr harte Behandlung erfuhr, wie sich aus Abbos Apologeticum ergibt; vielleicht hatte aber der Bischof auch aus anderm Grunde eingegriffen, denn wir wissen, daß Letald nicht stets innerhalb der ihm gesteckten Schranken geblieben ist. Nämlich Abbo richtete etwa 996 an die Brüder von Micy ein Schreiben, in dem er sich zuletzt auch persönlich an Letald wendet, dem er vorwirft, daß er als Haupt einer Verschwörung im Kloster sich die Macht des. Abtes Robert angemaßt habe und gegen einen Unschuldigen rücksichtslos vorgegangen sei; zugleich rät er ihm, nur in Geduld seine Brüder bessern zu wollen. Welcher Vorgang den Abbo zu diesem scharfen Vorgehen veranlaßte, ist nicht mehr klar; jedenfalls bedauerte Abbo selbst, so streng sein zu müssen, da, wie er vorher schreibt, Letald sein einstiger Freund sei und wegen seines Wissens von ihm hochverehrt werde. Mit dieser für Letald wohl recht unangenehmen Sache hängt vielleicht eine darauf zum Bischof Avesgaudus nach Le Mans unternommene Reise zusammen, die für Letald die Veranlassung zu einem weiteren hagiographischen Werke wurde. Avesgaud forderte ihn nämlich auf, die alte Lebensbeschreibung des hl. Julianus neu zu bearbeiten. Letald stellte seiner Vita Iuliani einen Widmungsbrief für Avesgaud voran, wo er erst von dessen Aufforderung zu dem Werke Kunde gibt, die übliche Bescheidenheitsphrase anbringt, gegen die unwahren Verfasser von Heiligenleben zu Felde zieht und darauf aufmerksam macht, daß in dem alten Leben des Julianus manche dem Sinn und den Worten nach gleiche Stelle mit den Biographien des Clemens, Dionysius und Furcaeus sich finde. Dann geht er zu einer Komputation über, um die wirkliche Lebenszeit Julians zu gewinnen: da Gregor von Tours berichte, daß unter Decius mehrere Bischöfe vom Papst Xistus nach Gallien geschickt worden seien, und da Julian nach seinen Gesta mit Dionysius zusammen abgesandt wurde, so könne die Sendung Julians nicht unter Clemens stattgefunden haben; denn zwischen Trajan und Decius hätten nach Hieronymus-Eusebius eine Menge von römischen Kaisern regiert. Wir finden also hier den gleichen Trieb nach gesicherter Chronologie wie im Leben des hl. Maximinus. Dann erklärt er, in seiner Darstellung sich fast ganz auf die Autorität der früheren Väter verlassen zu haben; einiges habe er ihr einfach nacherzählt, anderes habe er übergangen, da es ihm unglaubwürdig erschienen sei. Außerdem habe er Avesgauds Bitte wegen der Responsorien und Antiphonen erfüllt und die gleichartigen zusammengestellt und vereinigt; und er habe nicht, ') Wie 2, 7 (col. 800B) inter confertissimos hostes ... occubuit, vgl. Sali. Cat. 60,7. 430 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wie das jetzt oft geschehe, zu neuen und unerhörten Melodien gegriffen da ihm die alte Musik lieber sei. Diesem Briefe hängt er einen Prolog an, wo er vom Opfertode Christi und dann vom Teufel als vom Feinde der Kirche und von dessen Diener Nero erzählt, und er beginnt die eigentliche Darstellung mit der Sendung von neun Klerikern nach Gallien. Deren letzter, der hl. Julian, wurde Bischof von Le Mans. Hierauf folgt dessen einfach und schmucklos erzähltes Leben, das in der Hauptsache jedenfalls nach einer lokalen Quelle berichtet wird, d. h. nach der im Widmungsbrief genannten alten Vita Iuliani. Auch in dieser Schrift vermied Letald rednerischen Prunk und Zitate aus andern Schriftstellern, höchstens daß er einmal einen Vers aus Sedulius 1 ) paraphrasiert hat. Weiteres ist von den Werken Letalds sowie von seinem Leben, das sich also wohl mindestens bis zum Jahre 1000 erstreckte, nicht bekannt. Zeugnisse. Eintritt ins Kloster Mirac. s. Maximini 10, 34 (col. 813 C) Eiusdem pH abbatis Annonis temporis, cum adhuc infantuhis essem — neque enim audita, sed quae vidi narraturus sum. 2 ) Zu Annos Abtszeit vgl. Sackur, Die Kluniazenser 1, 200. Abbo schreibt Epist. 11 (Migne 139, 438 A) cuius alias singularem scientiam mea parvitas amplectitur et summis laudibus extollere nititur. Die Abfassung der Miracula Maximini bestimmt sich aus 12, 39 (col. 816 A) Post annos vero duodecim depositionis venerandi Annonis (6. Jan. 974) also nach dem Januar 986 und aus 16,46 (col. 818 C) erat quidam Hugonis (nempe Magni vel Capeti) ducis praefectus, also 987. Beginn des Prologs (col. 795 B) In flammatn sciens et prüdem mitto manum, qiii praesumpserim . .. homuncio arentis ingenü rem hactenus intactam 3 ) at- tentare. Sein Plan Prol. 2 (796 B) ad hoc aninium appuli, 4 ) itt quae vel ipse viderim, cd probatorum veridica relatione cognoverim, de his videlicet quae intentioni sunt scribenda pu- tarem. In quo operis contextu nil mirum videri clebet, si quaedam interseram, quae ad id negotium pertinere minime videtur, cum id et raro faciam ... Nam et a Chlodoveo incipiens .. . Item cum filios eins induco, id causa b. Aviti facio . . . Rursus cum regum tempora per annorum supputationem usque ad Childebertum ... distinguo, id duabus causis efficio, ut comprobem b. Launomarum patri Maximino synchronum fuisse. Prol. 3 (797 A) Porro autem nee omnia quae cognoverim in hoc posui libello . . . revocatus utique temporum confusione; quae quia discernere nequivi, conticere exinde melius putavi. Die Berührung dieser strittigen Punkte daselbst Quoniam nobiles et industrios patres in hoc eodem floruisse loco cognovi, Haymonem videlicet, Stenogandum et Dructesindum, Bertoldum quoque . . . qui vitam veterem patris Maximini dicitur edidisse, Petrum etiam cuius eruditio et Studium hodieque claret. Nam . .. di- versarnm historiarum 5 j libros hüte loco contulit et proprio labore correctos et distinetos... ut ipsi libri testantur, super altare s. Stephani . . . posuit. De his ergo, quia discretio temporum non ehicet, satis dictum. Verleugnung von Hilfsmitteln Prol. 1 (795 C) inveniri nemo potuit, qui hoc scripto ederet, quatenus ad notitiam posteritatis ordine pervenire valeret. Dagegen Nam quod ad alieuius notitiam pervenire potuit, quod sub oculis eius, cui innotescit, patratmn non est, id proeul dubio aut litteris auf traditione vivae vocis perlatum est. Die Komputation über Maximin und Maurus 6 ) vgl. 1, 5 (799 A). 3, 12 (802 A) wird die Gefangennahme Waiolais nach Thouars verlegt, das Annal. Lauriss. mai. 762 (nach Contin. Fredegarii 43) in andrer Beziehung genannt wird; der Tod Waiofais erfolgte nach den Ann. Lauriss. mai. 768 (ed. Kurze p. 26) im Gebiet von Perigord. Ueber den Tod Theodulfs berichtet Letald 3.13 (802 b) Fertur enim vi veneni ab his extinetus qui, dum exularet, libertate potiti bona eius invadendi tarn hauserant cupiditatem, vielleicht nach einer Lokalsage.') Von dem zu Micy aufbewahiten Exemplar der Schrift des Jonas 3,14 (803 B) Libellns autem ipse penes nos habetur, qui in ') 4,33 (Migne 137, 796A) Sed ardore fidei . .. restineta est ardentis flamma camini, vgl. Pasch. Carm. 1,205. 2 ) Vgl. 4,28 (col. 810 A) nostris diebus und (810B) Toties enim vidimus . .. nobis omnibus aqua contentis. 3 ) Mit diesem Wort scheint Letald das Gefährliche seiner Arbeit anzudeuten. 4 ) Der Ausdruck (Terentius Andr. prol. 1) war aus der Schule bekannt. ') Der Ausdruck ist wohl eher von profaner Geschichtschreibung als von der Hagio- graphie zu nehmen, obwohl letztere hier mit inbegriffen sein kann. 6 ) Maurus, ein Schüler Benedikts vonNui- sia, ist der Begründer des Klosters Glaofeuil. 7 ) Ch. Cuissard, Theodulfe evequed'Oi- leans (Orleans 1892) S. 99 bringt die Notiz anmerkungsweise, ohne dazu Stellung zu irihmen; das fertur deutet wohl aber die Sage an. Letald von Micy. 43 J quadqm domo igne pervasa incaute derelictus et post ignem integer inventus est. Die Klostertradition 3,16 bezieht sich auf ein Wunder (Pfirsiche im Januar) kurz vor dem Tode des Abts Heriricus. Die Angaben über die Reichsteilung 3,17 und über die Normannen 3, 18 sind derart, daß sie sich auf übliche Klostertradition nicht stützen können, sondern eine größere geschriebene Quelle voraussetzen. Und diese wird dann in 3, 19 bis 5, 28 ausführlich benutzt; die hierauf 5,29 bis 11,37 erzählten Wunder erscheinen mehr als eine Episode in der geschichtlichen Darstellung, die dann 12,38—41 fortgesetzt wird. Jedenfalls hat unter der Benutzung verschiedener Quellen die Komposition gelitten, die, obwohl im allgemeinen chronologisch gehalten, doch mehrfach den Eindruck des Zufälligen macht. Mit 19, 55 scheint das Werk von Letald abgeschlossen worden zu sein, wie die Endworte Per omnia benedietns deus dartun; die beiden letzten Kapitel 56 f. erscheinen daher als ein späterer Zusatz. Zur Behandlung Letalds durch Bischof Arnulf vgl. Abbonis Apolog. (Migne 139, 469 A) Novi enim quam austerus in Letaldo Miciacensl monacho fuerit, quem oblitus reverentiae sacerdotalis — daraus ergibt sich, daß Letald zum Presbyter geweiht war — iniuriose et sine nllis legibus traetavit; qui si epistolam Gregorii ad Lupum abbatem legisset, profecto numquam tantum facinus perpetrasset. Hingegen heißt es in Abbos 1 ) Epist. 11 (Migne 139, 438 A) landem ad te, mi quondam familiaris Letalde, sermo dirigitur, cuius alias singularem scientiam mea parvitas ampleetitur et summis laudibus extollere nititur. Quid tua interfuit, unius miseri vitam corrodere, unius homuncionis quae non erant vitia denotare ...? At for- tassis tuoricm factorum non poenitet . .. Mortor et obtestor, carissime, recordare infirmitatis tuae, assume viscera misericordiae, fratres tuos argue obsecra increpa in omni patientia et doctrina ... Tu enim huius conspirationis caput diceris, tu domni Botberti abbatis tui officium ... praesumpsisti, nee delatoris poenam exhorruisti, quem expeditum Omnibus malis absque ulla rebellione restituat deus omnipotens patris et fratrum unanimitati. Die Reise nach Le Maus zu Avesgaud ergibt sich aus dem Widmungsbrief der Vita s. Iuliani. Dort heißt es c. 1 (Migne 137, 781 B) Cum . .. ad memoriam ... praesulis luliani accessissem et dulei affamine vestrae dilectionis frui lieuisset; die weiteten Worte eadem vis caritatis, quae vestrae sublimitatis animum meae pusilianimitati conciliabat, imposuit mihi onus, si idoneus forem, atque iueundum, quia impar non tarn iueundum quam reverendum, scilicet ut ea quae ab antiquis de actibus gloriosi eiusdem patris inculto, ut vobis videbatur, sermone conscripta sunt, ipse planiori et luculentiori ordine texerem bezeugen die Aufforderung von selten Avesgauds. Dieser war 996 Bischof von Le Maus geworden, vgl. Hist. lilt. 6. 531. Letalds Worte gegen die unwahren Historiographen Ep. 2 (782 B) Sunt autem non- nulli, qui dum attollere sanetorum facta appetunt, in lucem veritatis offeudunt, quasi sanc- torum gloria mendacio erigi valeat. Vergleich mit anderen Heiligenleben 2 (7ö3 A) Multa enim in actibus supradicti patris conscripta sunt, quae et in h. Clementis et Dgonisii martyrum et s. Furcaei confessoris eodem sensu et pene iisdem verbis inveniuntur. Die Komputation c. 3 De tempore quidem, quo magnus ille floruerit, ex libro Gregorii luronensis per coniecturam sumpsi. Zur Berichterstattung c. 4 (784 A) Nos igitur ea, quae de s. Iuliano conscripsimus, in quantum potuimus, auetoritate praecedentium patrum confirmavimus; et quaedam simpli- citer seeundum antiquam traditionem edidimus, quaedam vero, quae nobis minus probabilia visa sunt, praetermisimus. Er verspricht dann, wenn seine Schrift Gefallen finde, auch Wunder darzustellen, die der Heilige in der Gegenwart vollbiacht habe: Quod si haec nostra elinguis rusticitas vel utilitati vel devotioni aliquod emölumentum contulerit, en« etiam quae nostra aetate apud sacrum eins tumulum patrata sunt ... dum nostrae accesserint notitiae, sub- nectere cogitamus. Der Auftrag Avesgauds in Hinsicht der Sammlung von kirchlichen Musikstücken c. 4 (784 B) Sane responsoriorum et antiphonarum, ut petistis, digessimus ordinem; in quibus pro vitando fastidio de unoquoque modo singula compegimus corpora. Neque om- nino alienari volwnus a similitudine veteris cantus, ne barbaram et inexpertam, uti per- hibetur, melodiam fingeremus. Non enim mihi placet quorumdam musicorum novitas, qui tanta dissimilitudine utuntur, ut veteres sequi omnino dedignentur auetores. Hieraus geht hervor, daß sich Letald nicht nur mit der Anordnung und Sammlung dieser Stücke, sondern mit der Komposition selber beschäftigte und daß man ihm ein Abweichen von der älteren Musik zum Vorwurf gemacht hatte. Die Vita luliani selbst unterscheidet sich darin von der des hl. Maximin, daß sie auf geschichtliche Darstellung verzichtet und durchaus paränetisch für den Heiligen gehalten ist. Sie gleicht darin dem Leben des hl. Martinus von Sulpieius Sevenw, auf dessen dritten Brief am Schluß von 4. 30 auch Bezug genommen wird; 2 ) Letald gibt doft einiges aus Sulp. ep. 3, 18 (ed. Halm p. 150, 5 ff.) wieder und vergleicht 4, 31 einige Hauptzüge aus Martins Leben mit solchen Julians. Sonst hat die ganze Darstellung wenig Interesse. Uebrigens nennt Gregor von Tours Hist. Franc. 1,31 (p. 48, 8—10 ed. Arndt) nur sieben nach Gallien gesandte Kleriker, zu denen Letald am Anfang Photinus von Lyon und ') Der Brief hat die Aufschrift Floriacen- , 2 ) (col. 794B) Iam vero ut de Marthio- sium rector fratribus Miciacensibus. J illo pontificum speculo legitnr. 432 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. am Ende Juliamis von Le Mans treten läßt, ohne die Quelle hierfür zu nennen. — Die Aufschrift des Berichts über den Transport des hl. Junianus zur Synode von Charroux heißt (Migne 137,823 0) Domino patri Constantino et cetera fratribus Nobiliaci coenobii frater Letaldus. Ausgaben der Mirac. Maximini bei Mabillon, Acta SS. ord. s. Bened. 1,598—613- Migne 137, 795 —824; der Vita Iuliani in Acta SS. lan. 2, 762—767, Migne 137,781—796- der Delatio s. luniani Migne 137,823-826. 67. Adso von Montier-en-Der. Adso stammte aus reicher und vornehmer Familie im Juragebiet und mag nach dem Jahre 920 geboren sein. Er wurde als Knabe von seinen Eltern dem Kloster Luxeuil übergeben, der alten Stiftung Columbans, wo er den Grund zu seinen später so bedeutenden wissenschaftlichen Studien legte. Frühzeitig muß er sich durch Gelehrsamkeit ausgezeichnet haben, denn der Bischof Gauzlin berief ihn nach Toul, wo er längere Zeit das Amt eines Lehrers zu St. Evre bekleidete. Die reichen Schätze der Bibliothek von St. Evre ermöglichtem ihm, seine Kenntnisse in der alten Literatur zu vertiefen und zu erweitern, sowie auch selbst einen stattlichen Besitz von Büchern zu erwerben. Daher kam es, daß er in späteren Jahren zu den größten Gelehrten gerechnet wurde und im Jahre 980 im Gefolge Adalberos von Reims mit Gerbert an der großen Disputation teilnahm, die Otto IL zu Ravenna zwischen Gerbert und Otric veranstaltete. Und drei Jahre später ließ Gerbert den Adso durch Adalbero ersuchen, ihm die Kommentarien Cäsars zur Abschrift zu leihen, und 986 bat er ihn im Namen Adalberos, Ende Juni mit diesem zusammenzutreffen, und ermahnte ihn in alter Freundschaft, die ihnen beiden so teuren Bücher nicht zu vergessen, wobei es sich jedenfalls auch um seltene und kostbare Werke handelte. Aus dem Ton dieses Briefes ergibt sich aber ein sehr nahes Verhältnis Adsos sowohl zu Adalbero als auch zu Gerbert, der hier als Bibliophile an den Bücherfreund schreibt. Auch mit Abbo von Fleury unterhielt Adso nahe Beziehungen, wie sich bei der Betrachtung seiner Schriften zeigen wird. Aber schon lange vor diesen Zeiten war Adso als Schriftsteller aufgetreten. Und sein literarischer Ruhm kann nicht gering gewesen sein, als ihm die Königin Gerberga von Westfranken, die Tochter des deutschen Königs Heinrichs L, auftrug, für sie ein Werk über den Antichrist zu verfassen. Adso bezeichnet dies Werk als Auszüge aus vorhandenen Büchern und mehrfach bezieht er sich auf seine Quellen. Es ist das Verdienst von v. Zezschwitz 1 ) und E. Sackurs, 2 ) diese erwiesen zu haben. Danach folgt Adso besonders den eschatologischen Ausführungen, die sich in dem angeblich von Haimo von Halberstadt verfaßten Kommentar zum 2. Thessalonicherbriefe 3 ) finden, während ihm dessen Kommentar zur Apokalypse nicht bekannt gewesen ist. Daneben benutzt er Alchvines Kommentar zur Genesis und De fide s. trinitatis, ferner das 7. Buch von Lactanz' Institutionen und den Hieronymuskommentar zu Daniel. Von Pseudomethodius *) Vom römischen Kaisertum deutscher Nation S. 37 f. und 155 n. 63. 2 ) E. Sackur, Sibyllinische Texte S. 99 ff. 5 ) Befand sich wohl auch in Adsos Besitze in der zu seiner Bibliothek gehörigen Handschrift XXII (Becker, Catalogi bibl. antiqui N. 41 p. 127) expositio Haimonis super epistolam Pauli ad Romanos; der Römerbrief wird hier nur als der eiste genannt. Adso von Montier-en-Der. 433 aber ist er nicht abhängig und auch nicht von den Weissagungen der tiburtinischen Sibylle, denn diese letzteren sind nur als Interpolation später in den Text gekommen, den im Anfang des 11. Jahrhunderts der Eremit Albvin als den seinigen ausgegeben und dem Heribert von Köln und dem Kanonikus Arnald von Paris gewidmet hatte. Dieses grobe Plagiat trug dazu bei, daß Adsos Libellus de Antichristo bis vor kurzem weder rein noch vollständig herausgegeben worden war. Adso schreibt im Vorwort an die Königin Gerberga, daß er dieser stets treu wie ihr eigener Untergebener gesinnt gewesen sei, und daß sie ihn gebeten habe, sie über die Gottlosigkeit und die Untaten des Antichrist, sowie über seine Macht und seine Herkunft zu unterrichten, obwohl sie dies nicht nötig habe, da der gelehrte Rorico in ihrer Nähe sei, unter dem wohl Bischof Rorico von Laon zu verstehen ist. 1 ) Sodann macht er die Königin darauf aufmerksam, daß er das Schriftchen nicht aus eigenem Wissen, sondern mit Hilfe von Büchern verfaßt habe. Aus diesem Grunde hat die Schrift an sich keine Bedeutung, doch sie hat insofern Wichtigkeit, als sie die späteren mittelalterlichen Vorstellungen vom Antichrist beherrscht hat, 2 ) namentlich nachdem jener Albvin sie seiner Kompilation moralisch-theologischen Inhalts einverleibt hatte, aus der sie als einzelnes Kapitel mit und ohne Vorrede abgeschrieben wurde. Übrigens stellt Adso die Erscheinung des Antichrist in Aussicht, wenn alle Länder vom römischen Reiche abgefallen seien; dann werde ein Frankenkönig, der größte und letzte von allen, das Reich einigen, nach Jerusalem ziehen und Scepter und Krone auf dem Ölberge niederlegen. Jetzt erst werde der Antichrist kommen, der schließlich von Gott auf dem Ölberge den Tod erleiden werde. Nachdem Adso in Toul eine sehr bedeutende Lehrtätigkeit entfaltet hatte, wurde er von dem neuen Abte Alberich von Montier-en-Der an die Schule von dessen Kloster berufen und wurde dessen rechte Hand. Er machte sich im Kloster so unentbehrlich, daß man ihn nach dem Tode Alberichs Ende 967 zum Abte erwählte. Mit dieser Zeit beginnt seine hagiographische Tätigkeit, die die Zeitgenossen sehr zu schätzen wußten, denn in einer ganzen Reihe näherer oder fernliegender Klöster bat man ihn, das Leben des Stifters oder doch einen Bericht über dessen spätere Wunder abzufassen. Und man kann ihm eine gewisse Kunst in dieser Beziehung nicht absprechen, da er seine Berichte zuweilen mit novellistischer Frische und Lebendigkeit gibt, obwohl die Unterlagen, die man ihm zusandte, nicht eben sehr ausführlich gewesen sein mögen. Nun spricht der Mönch von Montier-en-Der, der das von Adso begonnene Leben des hl. Bercharius vollendete, ausdrücklich nur von vier solchen hagiographischen Arbeiten, schreibt aber am Ende des über Adso handelnden Teiles, daß dieser die Taten vieler Heiligen aufgezeichnet habe. Wir sind daher in den Stand gesetzt, ihm auch noch zwei weitere Arbeiten zuzuerkennen, die ihm durch handschriftliche Autorität beigelegt werden. Den Anfang machte er mit der Vita Frodoberti, des Stifters von ') So auch Hist. litt. 6, 43. I De investigat. AnHthristi 1,1—4 (MG. Libell 2 ) Benutzt ist sie namentlich von Gerhoh | de lite 3. 309 f. 312). Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalter*. IL 28 434 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Moutier-la-Celle, dessen Abt Odo ihn hierzu aufgefordert hatte. Adso leitet dies Leben mit 27 Distichen ein, in denen er eine gedrängte Übersicht des Inhalts der Vita gibt; 1 ) die Verse sind übrigens gut gebaut und zeugen von sorgfältiger prosodischer Schulung. Das Leben selbst erzählt die Taten des Heiligen, berichtet ausführlich über die Wunder nach seinem Tode 2 ) und schließt mit den Feierlichkeiten der Erhebung. Übrigens ist die Arbeit Adsos im wesentlichen stilistisch, denn einem so ausführlichen Bericht mußte eine geschriebene Vorlage zugrunde liegen. Daß es eine solche gab — und man hat sie ihm sicher zugesandt —, sagt Adso selbst im 26. Kapitel, wo er von Prudentius von Troyes berichtet: „Nämlich das Leben des Heiligen hatte er weder gelesen, noch überhaupt bis dahin etwas darüber erfahren." So hat er also die jedenfalls barbarisch geschriebene alte Vita nur neu bearbeitet und am Ende mit einigen Zusätzen versehen, und zwar in einem einfachen Stile. Auf den Wunsch des Bischofs Gerhard von Toul übernahm dann Adso die Darstellung vom Leben und den Wundern des hl. Mansuetus, der der Überlieferung nach durch Petrus nach Gallien geschickt worden war und in Toul das Christentum begründet hatte. Die Schrift, die nach dem letzten Kapitel später als 974 fällt, ist wichtiger als die vorhergehende, da sich literarische Fragen an sie knüpfen. Zunächst nämlich hat es nach dem Vorwort 3 ) an Gerhard den Anschein, als ob Adso keine Hilfsmittel zu Gebote gestanden hätten, was bei einem so ausführlichen Leben natürlich unmöglich ist; und Adso räumt die geschriebene Vorlage im Kap. 11 auch ohne weiteres ein, wenn er sagt, daß der wißbegierige Leser sich über die Tätigkeit des Heiligen leicht in dessen vor sehr langer Zeit geschriebenen „Gesta" unterrichten könne. So hat es also früher alte „Gesta Mansueti" gegeben, die wohl infolge der besser stilisierten und bis in die Gegenwart fortgeführten Arbeit Adsos verloren gingen. Wichtiger aber ist eine andre Frage. Adso erzählt Dämlich Kap. 14, daß nach dem Tode des Mansuetus Amon dessen Nachfolger geworden sei, sicut in gestis praecedentium Leu- corum urbis antistitum invenitür; und die Benutzung desselben Werkes scheint sich Kap. 15, am Anfang von Kap. 16 und ebenso am Ende von 19 und Anfang 20 zu ergeben, wo Adso von den Bischöfen Drogo. Gauzlin und Gerhard erzählt. Unsere heutigen Gesta episcoporum Tullensium 4 ) sind aber erst am Anfang des 12. Jahrhunderts verfaßt worden 5 ) und die dort über Mansuetus (Kap. 2 p. 632 f.) und Amon (c.3 p. 633, 33—36) gegebenen Berichte scheinen durchaus mit Benutzung von Adso geschrieben zu sein. Und es ist nicht anzunehmen, daß Adso Kap. 14 etwa eine spätere Interpolation aus den heutigen Ges*ta darstellt, da diese viel weniger bieten als Adso. Diese Schwierigkeit, die Waitz bei seiner Ausgabe entgangen ist, läßt sich auf folgende Weise lösen. Zur Zeit Adsos hat es ein Werk Gesta episcoporum Tullensium gegeben, das jetzt verloren ist, aber von Adso und ') Sie sind in der gewohnten Weise über- : 3 ) Migne 137,619B quia sicut decursis trieben paränetisch. j spatiis temporum obscura est notitia prae- 2 ) Kap 26 (Migne 137, 613 CD) Bericht ' terilorum. über die von Prudentius von Troyes "gebaute *) Hrsg. von Waitz, MG. SS.8,631— 648. neue Kirche zu Ehren des Heiligen. •■) Vgl. Wattenbach 2,128f. Adso von Montier-en-Der. 435 vam Darsteller der heutigen Gesta benutzt wurde. Dieser hat nämlich Kap. 3 p. 633, 36—42 noch Weiteres über Amon berichtet, was Adso aus gleicher Quelle übergangen hat; neben den alten Gesta haben die heutigen Gesta auch Adsos Vita Mansueti benutzt und in ihren Anfangsworten 1 ) ist die Benutzung der alten Quelle deutlich zu erkennen. Daß Waitz mit seiner Behauptung, die heutigen Gesta fußten lediglich auf Adso, unrecht hatte, ergibt sich auch daraus, daß Adso Kap. 16 über Gauzlin und den Abt Archembold anders berichtet als die Gesta; auch wird in den Gesta c. 34 p. 641 f. die Erhebung Gerhards viel ausführlicher dargestellt, so daß Adsos Bericht in Kap. 20 2 ) nur als ein kurzer Auszug erscheint. Die Vita Mansueti wird ähnlich wie die Frodoberts durch ein Gedicht (22 Distichen) eingeleitet, das das Leben des Heiligen in kurzen Zügen darstellt, und hieran schließt sich ein Akrostichon von acht Versen (Mansuete) an. Die Darstellung selbst entbehrt nicht eines gewissen Reizes, sie steigert sich in Kap. 7—10 zu einer äußerst lebendigen Erzählung von novellistischer Anschaulichkeit, wo nämlich Adso von dem in die Mosel gefallenen Sohne des Königs Leo von Toul berichtet. Erwähnenswert dürfte sein, daß Adso in Kap. 12 (col. 630B) den aus Acta ap. 8 bekannten Simon magus als Teilhaber des Antichrist bezeichnet, also in diesem Werke auf frühere Ideenverbindungen zurückkommt. Mit dem früheren Aufenthalt in Luxeuil hängt es zusammen, daß Adso ein Werk über das Leben und die Wunder des hl. Waidebert, des dritten Abtes jenes Klosters, verfaßte. Nach der an die Brüder von Luxeuil gerichteten Vorrede hatte Adso beschlossen, dem Kloster, dem er seine erste Bildung verdankte, sich dafür erkenntlich zu zeigen und die Wunder aufzuschreiben, die die hl. Eustasius und Waidebert zu seiner Zeit gewirkt hatten, denn über das Leben beider Äbte könne man sich aus ihrer Biographie genugsam unterrichten. Hieraus geht deutlich hervor, daß es zu Adsos Zeit neben der noch heute vorhandenen Vita Eustasii des Jonas auch eine Vita Waideberti gab. Und diese hat ihm vorgelegen, denn aus ihr hat er hauptsächlich seinen Stoff geschöpft.. Nämlich er gibt in der Schrift anfänglich mehr ein Leben Waideberts, als daß er dessen und des Eustasius Wunder erzählt, denn er beginnt ganz kurz mit der Gründung Luxeuils durch Columbanus, berührt ganz flüchtig den Eustasius als zweiten Abt und geht nun an der Hand der Vita Waideberti ausführlich auf dessen Leben ein. Dann verfolgt er die Geschichte des Klosters weiter und berichtet über die fränkische Geschichte nach Karls des Großen Tode in ■ vollständiger Verwirrung der Chronologie, kommt auf Abt Ansegis zu sprechen und erzählt dann die Beraubung des Klosters in den folgenden Zeiten sowie die Wunder, die St. Waidebert hierbei verrichtet hatte. Das Schriftchen ist, geschichtlich betrachtet, eine sehr geringe Leistung, dagegen hat es in stilistischer Hinsicht höheren Wert. Denn die Erzählung ist gewandt und lebendig gehalten und läßt auf ein nicht geringes Darstellungstalent des Verfassers schließen. Man hat es dem Adso absprechen wollen, 3 ) da der Verfasser sich im Briefe an die Brüder von Luxeuil als „Adso auch Hermiricus ge- ') Kap. 2 p. 632. 38 Fuit idem venerandus 2 ) Migne 137, 638CD. pctter, sicut relatu maiornm didicimus. 3 ) Ebert 3,378. Wattenbach 1,422. 28* 436 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. nannt" bezeichnet. Doch hat Holder-Egger meines Erachtens dagegen sehr richtig eingewandt, daß das Zusammentreffen zweier Äbte namens Adso, die beide in Luxeuil hätten erzogen sein müssen, doch ausgeschlossen sei' viel eher könne der Doppelname zu Recht bestehen. Zudem ist entschieden ein Fortschritt in der Darstellungsweise Adsos in der kleinen Schrift zu bemerken, die man ihm also ohne weiteres wird beilegen müssen. Wahrscheinlich bald nach der 978 erfolgenden Translation des hl. Aper hat Adso die Wunder dieses Stifters von St. Evre dargestellt; denn der Einspruch, den Sackur 1 ) gegen seine Autorschaft erhob, ist durchaus nicht stichhaltig, 2 ) und gerade die Erhebung des Heiligen mag die Veranlassung gegeben haben, daß man von St. Evre aus an Adso die Bitte um die Aufzeichnung richtete. Diese ist an sich recht unbedeutend. Adso erklärt im Vorwort, daß ältere Leute viel von den Wundern des hl. Aper zu erzählen wüßten, aber nur ganz weniges sei aus Mangel an Fürsorge aufgezeichnet worden. Besonders aber fehle es ganz — so heißt es im 7. Kapitel — an der Aufzeichnung solcher Wunder, die sich nach dem Tode des Heiligen zugetragen hätten; und es erscheine ihm undenkbar, wenn man jetzt, beinahe am Ende der Welt, dem Heiligen nicht eine Schrift darüber vergönne. Und trotz dieser Klagen übertreibt er am Schlüsse seiner Darstellung in Kap. 37, wenn er sagt, daß er ein großes Buch zustande gebracht hätte, wenn er alles Gehörte und Gesehene hätte aufschreiben wollen. Während Adso in andern ähnlichen Schriften nicht wenig geschichtliches Material verarbeitet, fehlt das hier gänzlich, ja er täuscht den Leser hier eigentlich, indem er vom hl. Aper als von seinem Klosterheiligen — Kap. 7 provisoris tuto- risquc nostri — spricht, wie er es ähnlich in der Vita Frodoberti 3 ) getan hat. Nachdem Adso in nähere Berührung mit Gerbert getreten war, wurde er vielleicht erst 991 von diesem wie vom Abt Adso von St. Basle gebeten, im Leben des hl. Basolus zu verfassen, was er auch in der Vorrede seiner Schrift mit Unterdrückung der Namen bemerkt hat. Er beginnt mit einem lang ausgedehnten und sehr worteeichen Vorwort, das übrigens vortrefflich stilisiert ist und gegen die sonstige Gewohnheit Adsos Stellen aus Vergil 4 ) und aus der Vita Martini 6 ) verwendet. In einer kürzeren Vorrede spricht er dann von seinem eigentlichen Thema und deutet an, daß er seinen Namen aus Bescheidenheit verberge. Diese tritt aber in anderer Beziehung weniger hervor. Denn in Kap. 4 des Vorworts heißt »es: Einiges aus alter Zeit Überlieferte habe er ausführlicher berichtet, einiges von den Zeitgenossen Gehörte habe er nach deren eigner Erzählung wiedergegeben, manches habe er als Augenzeuge hinzugefügt, und auch das habe er kurz berichtet, ') Die Cluniacenser 2, 365 und n. 3. 4 , 3 (Migne 137,645B) per varios—pu- 2 ) Schon Wattenbach 1,422 hat bemeikt, I triam, Aen. 1,204 f.; 4 (646B) ut poeta canit: daß die Worte c. 7 (Acta SS. Sept. 5, 71 A) ! Andieras sed fama fuit. Ecl. 9,11. Nobis autem iam pene in fine saeculi con- ! 6 ) c. 1 (643 B) quia tantae materiae — suc- stitutis nicht vom Ende des 10. Jahrhunderts, cumbimus aus Sulp. Sev. Vita Mart. 26, 1; ,cni sondern vom Ende der Welt zu verstehen sind. | etiamsi — opus divinae virtutis ih.26, 3; Vita" 3 ) c 11 (Migne 137.606 B) Quod quia in col. 647 B non tarnen — implicari soletib.2,6: arehivis coenobii nostri usque hodie contine- Adsos Bibliothek (Becker 41,16) enthält den. tut; hie quidem inserere superfluum duximus ; Martinellus, der des Sulpicius Schriften über er spricht da im Namen der Mönche von j St. Martin begreift. Moutier-la-Celle. Adso von Montier-en-Der. 437 was ihm von anderen Zeugen zugetragen worden sei. Er habe aber in seiner Darstellung die chronologische Ordnung nicht eingehalten, da sein Grundsatz gewesen sei, alles aufzuzeichnen, was zu seiner Kenntnis gelangt sei. Das kontrastiert aber schon mit dem durchaus chronologisch gehaltenen Leben des Basolus und kann sich nur auf die ihm angehängten Wunder beziehen, und es widerspricht auch den kurz vorher in Kap. 3 col. 645 B geäußerten Worten seil rei gestae ördinem diligentissime inrcstigantes, quan- tum Studium nostrum periingere potuit. Und wenn Adso dann in Kap. 4 fortfährt: „Es wird indes von manchen Seiten versichert, daß es ein ansehnliches altes Buch vom Leben des Heiligen gebe. Ich habe es aber bis jetzt nicht zu Gesicht erhalten", so verstrickt er sich noch weiter in Unwahrheiten. Denn der Bericht, den er über das Leben des Basolus gibt, kann sich nur auf eine ihm vorliegende alte Vita Basoli gründen. 1 ) Der Grund zu diesem Verschweigen ist nicht recht klar; vielleicht wollte Adso die Berühmtheit des Heiligen zu seiner Zeit recht stark hervorheben. Auch dies Leben, dem Adso einen Bericht über die Translation und die späteren Wunder anschloß, ist lebendig und gut geschrieben und enthält einige geschichtliche Nachrichten, wie z. B. über Bischof Aegidius von Reims, dessen Erwähnung durch Fortunatus (Carm. misc. 3, 15) hervorgehoben wird; 2 ) c. 14 col. 652 A ergibt sich Kenntnis der Vita Columbani. Im Jahre 990 wurde Adso vom Benignuskloster zu Dijon zum Abte erhoben und in diese Zeit mag sein letztes Werk fallen, von dem wir Kunde haben. Es ist das Leben des hl. Bercharius, des Schutzpatrons von Montier- en-Der. Er hat aber das Werk nicht vollenden können, wie der Mönch von Montier-en-Der angibt, der die Wunder des Heiligen hinzufügte und in Kap. 11 eine ganze Reihe von wichtigen Nachrichten über Adsos Leben zusammenstellte. Nach seinem Bericht gab es ein fast völlig vergessenes und schlecht geschriebenes Leben des Bercharius, was aber aus Adsos Prolog nicht hervorgeht, der sich hier nur auf Nachrichten aus dem Kloster selbst und auf spätere. Wunder des Heiligen beruft. So finden wir also dasselbe wie früher: Adso verschweigt seine eigentliche Quelle, die er im großen und ganzen nur stilistisch verbessert hat, doch führt er sie gleich im Anfang der Erzählung für die Herkunft des Heiligen als Grundlage ein. 3 ) Die alte Vorlage muß ihm wenig geboten haben, denn je weniger Tatsachen er in der Schrift erzählt, um so wortreicher ist die Darstellung. Nirgends hat Adso einen so breiten Wortschwall verwendet wie hier, eine große Satzperiode löst die andere ab. Zur Variierung der eigenen Rede hat Adso in Kap. 10 (col. 676 D) erst Verg.Ecl. l,24f. und gleich darauf 1,1 mit kleinen Veränderungen in seine Darstellung verwebt, ohne auf die erborgte Rede hinzuweisen. Wir finden also nur eine stilistische Arbeit vor, und auf Adso durchaus vertrautes Gebiet führt die einzige größere Abschweifung in Kap. 6, ') Das hat auch schon Ebert 111,477 und , Fortunatus ...ab ipso Äegidio partibus, ut nach ihm Sackur 2, 364 ausgesprochen. Vgl. legitur, Italiae in Gallias provocatus. Woher auch Vita 12 (col. 650 C) ut traditw, wo die j stammt das? Abhängigkeit von der alten Quelle klar her- j 3 ) Kap. 2 (col. 669ß) Prioris monimenta vortritt. i temporis pagum Aquitanicum ortus eius tra- *) c. 11 col. 650A. Dort heißt es vorher [ didere ac generis fuisse exordium. 438 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wo die Gründung des Klosters Luxeuil durch Columban erzählt und mit Geschichtlich unrichtigen Daten vermischt wird. Damit ist nun freilich Adsos schriftstellerische Tätigkeit keineswegs erschöpft, denn der oben erwähnte Mönch, der die Wunder des hl. Ber- charius hinzufügte, weiß aus eigner und jedenfalls sicherer Kenntnis noch manches andre von seinem früheren Abte zu erzählen. Namentlich zeigte Adso Interesse für die Dichtkunst, wie er dem Abte Adso von St. Basle eine Grabschrift setzte, mehrere poetische Werke — vielleicht hagiogra- phischer Art — schrieb und einige Hymnen dichtete. Auf Bitten seines Freundes Abbo von Fleury brachte er das zweite Buch von Gregors Dialogen in Verse, das sich fast ausschließlich mit den Wundern des hl. Benedikt beschäftigt. Für die Kirche von Troyes schrieb und komponierte er Gebete und Psalmodien zum Sommer und zum Winter wie zur Quadragesimazeit und erwarb sich dadurch auch außerhalb seiner Klostersphäre ein großes Verdienst, das der Klerus von Troyes sehr zu rühmen wußte; mit dem Bischof Manasse von Troyes verband ihn nämlich die engste Freundschaft, so daß dieser ihn beinahe zu seinem Stellvertreter machte. Aber auch auf philologischem Gebiet war Adso nicht unbewandert. Das tritt nun allerdings in den uns erhaltenen Werken weniger hervor, wenn wir auch hier meist auf eine gute stilistische Form hinweisen konnten. In jenem Bericht aber in den Wundern des hl. Bercharius heißt es, daß er auch einen Kommentar zu den ambrosianischen Hymnen 1 ) geschrieben habe. Hierdurch fällt ein helles Licht auf die Bestrebungen des Abtes, der bei seinen Mönchen für die im kirchlichen Gebrauch stehenden Hymnen ein besseres Verständnis anstrebte. Und diese Bestrebung findet ihre Bestätigung in der schon oben berührten Bibliothek Adsos. Nämlich im Jahre 992 unternahm der Abt mit Manasses Bruder Hildvin eine Pilgerreise nach Jerusalem und schrieb noch an seine Mönche von der Reise an dem Tage einen Brief, als er sich zu Schiff begab. Aber auf der Seereise wurde er krank und starb plötzlich; man bestattete ihn in einem seiner würdigen Grabe auf der Insel Astilia. Während der Abt sich nun auf der Reise befand, nahmen die Mönche zu Montier-en-Der wohl auf seinen Wunsch ein Inventar seiner Privatbibliothek auf, und dies hat sich erhalten. 2 ) Es legt deutlich Zeugnis ab von philosophischen und philologischen Studien des Abtes, denn von den 23 hier genannten Werken sind nur drei theologischen Inhalts; die glossierende Tätigkeit Adsos aber illustrieren deutlich Servius zu Vergil, Smaragdus zu Donat, Remigius zu Martian und Paulus' Auszug aus Festus 3 ) sowie ein Glossenband. 4 ) Diese Bibliothek aber ist gewiß noch viel reichhaltiger gewesen, als es auf den ersten Blick scheint, denn der Katalog bezieht sich wohl nur auf- das erste Werk der betreffenden Bände. Doch auch an und für sich betrachtet gewährt dieser Bibliothekskatalog die Sicherheit, daß &* ') Darunter sind aber nach dem Sprach- : Bibl. de l'ec. des chartes 42,159f. (= Becker gebiauch der Zeit nicht nur die Hymnen des j N.41 p. 126f.). Anibrosius zu verstehen; die Nachricht be- j 3 ) Das Werk wird in alten Katalogen nur zieht sich vielleicht auf das Hymnar seiner selten genannt, vgl. Bd. 1, 265. Kirche zu Montier-en-Der. 4 ) Hierzu kommt wahrscheinlich als N. lö 2 ) Aus Paris. 5547 hrsg. von H. Omont, ein Kommentar zu Terenz. Adso von Montier-en-Der. 439 wir es mit einer für jene Zeit sehr bedeutenden Privatsammlung zu tun haben. Und es ist jedenfalls zu bedauern, daß uns von Adso gerade die am wenigsten selbständig erscheinenden seiner Werke erhalten geblieben sind, die reichhaltigen Nachrichten jenes Mönches über sein geistiges Schaffen ergeben doch ein wesentlich anderes Bild von ihm als Schriftsteller, als es jene stilisierten Heiligenleben zu tun vermögen. Zeugnisse. Die Hauptzeugnisse für Adsos Leben gewährt sein Fortsetzet der Vita s. Bercharii, den ich hier nach der Ausgabe von Mabillon, Acta SS. ord. s. Benedicti 2, 813f. zitiere und zwar als Miracula Bercharii. Zur Abstammung vgl. Mirac. Berch. 10 p. 813 Hie äitissimis nobilibusque parentibus Iurens! tellure satus; die Zeit ergibt sich ungefähr aus der Abfassung des Libell. de Antichristo. Eintritt ins Kloster und Berufung nach Toul Vita Waideberti prol. (Migne 137, 687 B) mente revolventi, quid utilitatis et commodi loco con- ferreni, in quo a parentibus traditus primaevi tiroeinii iuvenilia rudimenta inter dubia Pißhagoricae litterae bieornia (lsidor Et. 1, 3, 7) peregisse memineram und Mitac. Beich. c. 10 Luxovio diversis studiis Utteratoriae artis plenissime imbutus, quem in primaevo flore iuventutis affiuentem verbo sanetae eruditionis cum puritate vitae innocentis perspicue agnoscens pontifex derusque Tullensis multis supplicationibus eduetum a Vosago substituerant urbi Tullensi ad magisterium sacri ordinis . . . Ibi per aliquanta temporum volumina variis insudans divinae praeeeptionis exercitiis. . .. Der reichhaltige Katalog von St. Evre im Monac. 10292 f. 143 (Becker N. 68); da hier als N. 250 Lantfrancus de dialectica vol. 1 steht, so kann das Verzeichnis 1 ) erst unter dem späteren Abt Wido (1051—1083) geschrieben sein. Zu Adsos Büchern (Becker N. 41) vgl. oben. Anwesenheit bei Otrics Disputation Rlcher Hist. 3, 57 (ed. Waitz p. 105) Affuit et Adso abbas Dervensis, qui cum ipso metropolitano advenerat. Erste Bitte Gerberts an Adso Gerberti epist. 8 (ed. Havet p. 6) Istoriam Iulü Caesaris a domno Azone abbate Dervensi ad rescribendum nobis adquirÜe, ut quos^penes vos habemus, habeatis; übrigens fehlt Cäsar in Adsos eigner Bibliothek, aber in St. Evre hatte man ihn (B. 68, 258), und Gerbeit hat daher wohl dieses Exemplar zur Abschrift erbeten. Die zweite Bitte in Gerberti epist. 81 (p. 74 f.) Noster A(dalbero) pater patriae quondam vobis fidus et nunc fidissimus morarum impaciens vestram expetit praesentiam .. . Carissima vobis ac nobis librorum volumina vestram Her sint comitantia; das nahe Verhältnis ergibt sich daraus wie aus den Worten Optemperandum veteranis amicis ac in fide diu probatis. Das Verhältnis zu Abbo Mirac. Bercharii c. 11 p. 814 Sed et seeundum librum dialogorum s. papae Gregorii ... carmine nobilitavit heroico . .. devictus supplicatione sibi familiarissimo Äbbonis abbatis supraseripii monasterii Floriacensis. Zur Berufung nach Montier-en-Der vgl. Mirac. Berch. 10 p. 813 Primus igitur eonim domnus claruit Albericus . . . monachusque s. Apri Tullensis, qui post supradictum Benzonem . . . suseepit nomen abbatis, adoptato sibi ad supplementum .omnis auxilii domno Adsone iamdicto et frequentius memorando ■ . . Herum claritas divini splmdoris videlicet Adso opponitur effugandis Dervensibus nebulis ad inserenda plantaria superni obsequ/i. Wahl zum Abte ib. 11 p. 813 Ibi postmodum excedente vita domno Alberico abbas effectus; zur Zeit (zwischen 1. Aug. 967 und 17. Jan. 968) vgl. Sackur, Die Clunia- censer 1,177 n. 2; hier auch über das klösterliche Wirken Adsos nach Mirac. Berch. 11. Die vier hagiographischen Arbeiten (vgl. unten) werden hier c. 11 p. 814 genannt, am Ende des ganzen Abschnitts aber heifit es p. 815 quia hie omni felicitate felix multorum sanetorum genta scriptis depinxit propriis. Die Berufung nach Dijon 2 ) — sie galt der Einführung der Klusterreform — im Chron. s. Benigni Divion. (Migne 162, 815 ß) Amovens ergo Manassem abbatein huius loci a dominatione . . . instituit in locum eius abbatem quendam ex monasterio Dervensi Azonem nomine. Erat is Aquitanicus 3 ) genere ornatus bonis moribus et religiosa conversatione. Hie duobus annis in regimine peractis repedavit ad suum monasterium dimissa huius loci gubernatione. Zur Pilgerreise vgl. Mirac. Berch. 11 p. 814 Hunc (seil. Hildvinum) Adso . . . adeo est insecutus . .. ut cum cogeret . . . profiteri laborem Hierosohjmitani itineris, sese ei dans comitem . .. Igitur anno . . . 992 pius pater valedicens carissimis fUüs et fratribus ■ ■ ■ Ipse vero non tantum verba verum manu proprio conscriptas inde litteras, intimans se die datarnm litterarum intrasse mare ducens ad portum urbis Babylonicae .. . Nam in ipso ntari correptus languore . . . beatam animam . . . transmisit .. ■ quinto die prospero cursu ad portum insulae quae fertur Astilia appulsi, decentissimo ut par erat condiderunt ibi mausoleo. Die Aufschrift von Adsos Bücherkatalog bei Becker N. 41 p. 126 Hi sunt libri ') In dem Verzeichnis erscheinen mehrere 3 ) Dies ist jedenfalls ein Irrtum des Ver- philosophische Werke, die auch Adso besaß. fassers der Chronik, denn an der Tatsache 2 ) "Zur Zeit vgl. Sackur, Die Cluniacenscr von Adsos Berufung kann kaum gezweifelt 1,177 und 2,261. j werden. 440 Geschichte der lateinischen Literatur de3 Mittelalters. Zweiter Teil. domni abbatis Adsonis, quos in arca eius repperimus, postquam ipse Hierosolimam petiil. Der Katalog ist, was die Aufzählung nach Bänden betrifft, sehr oberflächlich aufgenommen da nur an fünf Stellen die Bandregistrierung erfolgt und sogar nicht einmal am Ende gesetzt wird. Adsos Werke. 1. De ortu et tempore Antichristi. So heißt das Büchlein in der Aufschrift im Paris. 5390 s. XI—XII f. 230. Adso schreibt hier (ed. Sackur, Sibyllinische Texte und Forschungen S. 104) dominae reginae Gerbergae frater Adso suorum omnium ser- vorum ultimus .. . (p. 105) Igltur quid pium Studium habetis .. . sive etiam scire de Antichristi impietate et persecutione necnon et potestate eius et generatione, sicut mihi servo vestro dignata estis praecipere, volui aliqua vobis scribere et de Antichristo ex parte certam reddere quamvis non indigeatis a me hoc audire, quae apud vos habetis prudentissimum pastorem domnum Roriconem. Seine Stellung zum Stoff p. ll)6 Sed iam de exordio Antichristi videamus. No?i autem, quod dico, ex proprio sensu excogito vel fingo, in libris diligenter relegendo kaec omnia scripta invenio. Zuerst spricht Adso über den Namen und dann über die Umstände der Geburt des Antichrist, hierauf über den Ort seiner Geburt und sein Wirken und sein Ende. Zur Zeit p. 110 nisi prius discesserint omnia regna a Romano imperio, que pridein subdita erant ... quod unus ex regibus Francorum Romanum imperium ex integro tenebit... Qtii postquam regnum feliciter gubernaverit, ad ultimum Ierosolimam veniet et in monte Oliveti sceptrum et coronam suam dtponet. Zum Tod p. 111 quod in monte Oliveti Antichristus occidetur in papilione et in solio suo, in Mo loco, contra quem ascendit dominus ad celos. Der Bericht der tiburtinischen Sibylle bei Sackur, Sibyllinische Texte u. Foischungen S. 100 f. Der ursprüngliche Text Adsos steht im Catalaun. 31 s. X—XI f. 36, im Vat. 1783 s. XI f. 162, Paris. 5390 s. XI—XII f. 230, Vat. reg. 571 s. XII f. 7, (Cambr. Corp. Chr. Coli. 190 p. 281), danach ediert von Sackur a.a.O. S. 10d—113. — Ein Dankgedicht auf die Genesung der Königin Gerberga (21 auf a ausgehende Fünfzehnsilber; wegen des Tiradenreimes in Frankreich entstanden)') steht im Cantabrig. Gg. 5. 35 s. XI, hrsg. Ztschr. f. deutsch. Altertum 14, 465 f. — Albvin, Mönch von Gorze, richtete an Erzbischof Heribert von Köln') (999 —1021) und an den Pariser Kanonikus Arnald eine moralisch-theologische Kompilation, vgl. im Amplon. Q 324 (bei W. Schum, Die amplon. Handschiiften p. 558) Albini heremitae tractatus de virtutibus christianis, im Paris. 18201 s. XII f. 100 Heriberto Colon, episcopo Alquiminus servus servorum ultimus. Berol. 351 s. XII — XIII Liber Albuini heremite, und Berol. Meerm. 58 s. XV f. 1—60 Arnaldo Parisiensi canonico (an Heribert auch Monac. 7797 s. XII). In diesem Werke schreibt er Adsos Vorrede an Gerberga und die Schrift über den Antichrist fast wörtlich ab, und da dies Kapitel des Werkes auch häufig einzeln überliefeit wird (s. Sackur a. a. O. S. 100 n. 1), so mag die Aehnlichkeit des Namens dazu verführt haben, die Schrift über den Antichrist dem Alchvine beizulegen (Ale. op. ed. Quercetanus col. 1209). Sie ist aber auch unter Hrabans und Augustins Namen gedruckt worden (vgl. Sackur S. 99) und erst Sackur S. 97—101 hat die Autorfrage klargestellt. 2. Vita Frodoberti. Aufforderung durch Odo Mirac. Berch. 11 p. 814 Odonis illius loci abbatis, cuius preeibus hie famosissimus Adso vitam confessoris Christi Frodoberti simplici exaravit stilo. Eingeständnis der Existenz einer alten Vita in c. 26 (Migne 137, 613 D) ignora- bat enim ... pontifex (seil. Prudentius) meritorum eximiam claritatem, temporum negligentia obscuratam, quippe qui vitam illius fide et miraculis plenam nee lectione pereeperat nee uspiam eatenus haberi compererat. Kenntnis von Urkunden c. 11 (col. 606B) Quod (Urkunde Chlotais, annuente Balthilde regina) quia in archivis coenobii nostri continetur, hie quidem inserere superfluum duximus, quoniam legere cuique volenti inpromptu aclesse fatemur. Hs. vorhanden s. XI in Reisbach (Becker 132, 34) unus vita s. Frodoberti. Ausaaben: Acta SS. lau. 1, 506-513. Migne 137, 599—620. 3. Vita Mansueti. Widmung (Migne 137, 619 B) Domino . . . antistiti Gerardo Adso ... dbbatum ultimus. Auftrag ib. vestra iussione promotus opus assumpsi . . . Quod ergo iussistis humiliter suseepi, quod praemonuistis, quamvis inepte explevi. Die alte Vita wird schon c. 2 bezeugt (Migne 137, 621 D) Ea tempestate, ut scripturue documento pereepimus, noch deutlicher c. 11 (col. 629 A) Sicut autem in gestis eius, quae multo ante nos conscripta sunt, studioso lectori peifacile est inveniri, emundata . .. eadem Leucorum urbe omni. ■ ■ spurcitia. Die Zeit nach 974 bestimmt sich nach der Erzählung des letzten Kapitels der ') v. Winterfeld (Neues Archiv 25,406) hat es auf Gerberga bezogen und nach Frankreich gesetzt. 2 ) Seine Kanonessammlung ist Colon. CX11I s. XI; f. 1 Liber Heriberti archiepiscopi. Zur Herkunft Albvins aus Gorze vgl. Hist. litt. 6, 553. Ein Brief an Heribert von einem Kleriker aus Speier aus Mus. Brit. Add. 26788 (aus Deutz) s. XII hrsg. in Martene et Durand, Amplissima collectio 1,357. Verse an Heribert hrsg. von Kleine rmanns, Die Heiligen auf dem erzbisch. Stuhle von Köln 2. 76 ff. (vgl. Neues Archiv 16,178). Albvins Plagiat ist ediert von Floss, Ztschr. f. deutsches Altertum 10, 265. Adso von Montier-en-Der. 441 Wunder col. 642B -644A, auf die in Gerank') Schriftstück vom Jahre 974 (Mabillon, Aanales Benedict. 3, 631 Actum Tulli publice anno ... DCCCCLXXIHI indictione II, ordi- nationis nostrae XII) Bezug genommen wird; doch scheinen bei der Abfassung der Vita schon einige Jahre nach 974 vergangen zu sein, es könnte sonst nicht heißen (col. 643 A) Quod usque hodie idem pontifex non sine suspirüs solitus est referre, quanto eo tempore fiterit incommodo depressus. Die Stelle bezüglich der alten Gesta heißt c. 14 (col. 631 (J) Post... Mansueti huius urbis primi pontificis ... transitum, sicut in gestis praecedentinm Leucorum urbis antistitum invenitur, sanctus . .. Amon .. . ordinatus episcopus; weitere Benutzung c. 15 (col. 633 D) Interea longa evoluta quoque temporum serie post Dragonern in- chjtum Leucorum urbis episcopum domnus Goslinus nobilissimis Francorum natalibus ortus pietate et religione conspicuus, litterarum studiis apprhne eruditus ... in hac sede est pontifex ordinatus. Die Erwähnung des Antichrist in c. 12 (col. 630 B) idem Simon Antichristi mem- brum utique factus rabido ore consurgens, Neronis^ et Agrippae praefecti fisus audacia. Die Vita Mansueti (und Apri) befand sich s. XI in St. Evre (Becker 68, 109 Vita s. Mansueti et s. Apri cum quibusdam actibus vel passionibus sanctorum); und hieraus ist wohl Abschrift der Cod. Mansueti Tullensis s. XII zu Nancy, ferner im Paris. 5294 s. XII, Guelf. Aug. 76, 14 s.XI, Paris. 5308 s. XII (auch vita s. Apri). Ausgaben: Acta SS. Sept. 1, 637; Migne 137, 619-644; die Wunder MG. SS. 4, 509—514. 4. Miracula s. Waideberti. Beginn der Widmung: (Migne 137, 687B) Luxoviensium coenobitarum sacrae concioni Adso qui et Hermiricus nomine abbas non merito vocatus . . . Consideranti . . . quid utilitatis et commodi loco conferrem, in quo a parentibus traditus etc. (s. oben) ... occurrit ut . . . ea quae per . .. Eustasium ... atque Waldebertum etiam nostra aetate gesta esse divina gratia noscuntur, stilo commendarem. Begrenzung des Stoffes und Erwähnung der alten Vita im Prol. 1 (col. 689 A) Ea itaque quae iidem praefati patres vel in vita vel certe quae paulo post discessionis suae tempora operati sunt, nequaquam tangimus ... Nam siquis eorum gesta plenius nosse desiderat, eorum actus qui volnminibus propriis ab exordio rerum gestarum latius continentur, diligentius inquirat, ubi perfacile inveniri potent, quantis et qualibus virtutum uterque eorum insignibus clarescat. Im Anfang c. 3 benutzt Adso die Vita Columbani (col. 689 B) Igitur postquam .. . Columbanus, ut liber historiae de vita et virtutibus eins scriptus indicat . . . Burgundiam aggressus locum sibi specialiter idegerat, cui ab antiquo Luxovium, ut illic legitur, nomen erat; nur das Ende von Kap. 3 ist dem Eustasius gewidmet, c. 4 beginnt die Erzählung vom Leben Waideberts. Adso hat aber noch andre Quellen benutzt, denn c. 10 spricht er von den Nachfolgern Waideberts und verrät hier Kenntnis des Abtskatalogs (col. 693 D) in illo candido .. . conventu patribus, ut in catalogo eorum est facile inveniri, sibi invicem succedentibus ... usque ad ultimum eorum abbatein nomine Melinum prospere perduravit. Dann geht er auf die späteren Zeiten 2 ) ein und erzählt von den Aebten Ansegis. Fulbert und Gibardus und kommt hier auf die Bedrängnis des Klosters durch die Normannen zu sprechen. Diese aber gibt ihm nun den Grund für die Anknüpfung einiger Wunder, die Waidebert zu jener Zeit gewirkt habe. Hieraus ergibt sich, daß man von Luxeuil aus den Adso mit geschichtlichem Material versorgt hat, das sich auf das Kloster bezog, denn in der alten Vita Waideberti war von jenen späteren Ereignissen natürlich nicht die Rede. Die Einwendungen von Holder-Egger gegen die Abweisung von Adsos Autorschaft vgl. MG. SS. 15,1170 n. 1. — Hss.: Hag. X. 73 s. X—XI f. 1 — 12. Monac. 2546 f. 14-21. Ausgaben: Acta SS. Mai 1, 277-282. Migne 137, 687—700; besonders von Holder-Egger, MG. SS. 15,1171—1176. 5. Miracula s. Apri. Hier heißt es c. 1 (Acta SS. Sept. 5, 70B) Beferunt namque nostri maiores natu ') plurima sibi eius et visa et audita miraculorum beneficia .. . Quae tarnen pia opera haud mirum non esse scripta torpente incuria ... perpauca mandata litteris; c. 7 (p. 71 A) Attamen repreliendenda auctorum segnities, qui nee sattem aliqua de post transitum eins gestis scriptis transmiserunt posterorum notitiae. Nobis autem iam pene in fine secidi constitutis ingratum videretur et indecens, si non sattem pusillum aliquid in laudem tarn pii provisoris tutorisque nostri agamus; c. 37 (p. 78 E) quae si euneta voluissemus scribere, non solum ea quae audivimus sed etiam quae oculis nostris vidimus, magnum volumen edidissemus. Die Schrift war s.XI in Toul (Becker 68,109). Hss.: Cod. Mansueti Tullensis s. XII zu Nancy. Paris. 5308 s. XII. Ausgabe: Acta SS. Sept. 5, 70—79. 6. Vita Basoli. Aufforderung: Mirac. Berch. 11 p. 814 Gesta quaque s. confessoris Basoli praefationibus faeundis antepositis . . . lepide edita digessit ad liquidum, hoeque non ') Grabgedicht auf Graf Sendebald, den Zeitgenossen Gerards, (MG. SS. 4, 512) im Berol. Meerm.115 s. (IX— )XI, vgl. V.Rose, Die Meermanhss. der kgl. Bibl. zu Berlin S. 241. Die Hs. ist durch Dietrich von Metz an das Vinzenzkloster geschenkt worden. 2 ) c. 10 (col. 694 A) his omissis ad nostrae aetatis tempora, sicut sumuspolliciti, redeamus. 3 ) Man wird die Bezeichnung im gewöhnlichen Sinne und kaum als „Vorfahren" aufzufassen haben. 442 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. praesumptive sed interpeUatus a sctpiente Gerberto tttnc Remensis urbis archiepiscopo 1 ) atque ) Kap. 12 col. 89 B. 2 ) Kap. 13 col. 89 C. Auch kennt er die Urkunden des Klosters, vgl. Kap. 21 col. 92 B. 3 ) Vgl. Kap. 23-27 col. 92-94. 4 ) Kap. 29 col. 98D somniüm quod ipse vir dei sanctus Adehroldus de se nobis qita- dani vice referebat. 5 ) Vs. 55 Craieras statuunt et dulcia vina coronant aus Verg. Aen. 1,724. Vs. 1 sacro Wulstan von Winchester. 44J Bischofs das Gedicht ab, das er im Leben des Heiligen in Kap. 40 für dessen Dedikation der Swithunkirche verfaßt hatte. 1 ) Die Fortsetzung des durch den Tod Ethelwolds unterbrochenen Baues von seiten Elfegs beschreibt nun Wulstan 2 ) und verweilt längere Zeit bei der künstlichen Orgel, die die Kirche erhielt (Vs. 141—172). Darin schildert er einen von Elfeg gebauten Turm mit einem goldnen Wetterhahn als Spitze und zwar in sinniger Weise und mit gefälligem Ausdruck. Es folgt die Darstellung der Kirchweihe mit Angabe der dabei anwesenden Bischöfe und Presbyter und die Beschreibung des ganzen Festes. Dann werden die im Peter-Paulskloster bestatteten Heiligen genannt, unter denen Ethelwold besonders hervorgehoben wird, namentlich da sich an seinem Grabe jüngst einige Wunder zugetragen hatten. Das Gedicht schließt mit dem Preise Elfegs, und Wulstan zeigt hier deutlich, daß er eine nicht geringe Gewandtheit in der poetischen Darstellung erworben hatte; allerdings klingen recht viele von seinen gewandtesten Versen und Distichen stark an Fortunatus an, aus dessen Gedichten auch ohne weiteres ganze Verse übernommen worden sind. Zeugnisse. Die Zeit Wulstans bestimmt sich nach den Angaben in der Vita Ethel- woldi 40 (Migne 137, 101 D) spiritum caelo rcddidü in Kalendis Augusti anno . ■. 984 und 42 (col. 102 B) Anno duodecimo post obitum gloriosi pontificis Adelivoldi placuit supernae dis- pensationi illutn per caelestia signa revelari sowie aus der Angabe Wilhelms, daß Wulstan Ethelwolds Schüler gewesen sei. Wilhelm von Malmesbury berichtet nämlich über ihn Gesta reg. Angl. 2, 149 (ed. W. Stubbs 1,166) Iiuius (Adelwoldi) vitam Widstanus quidatn cantor Wintoniensis, discipulus eius scilicet et alumnus, composuit stilo mediocri. Fecit et alind opus de tonorum harmonia valde utile, eruditi Angli indicium, homo vitae bonae et eloquentiae castigatae und Gesta pontif. Angl. 5. 254 (ed. Hamilton p. 406) Eeliquit (Aelfricus) ali- quantos Codices .. . vitam s. Adeltroldi, antequam eam Whtanus operosius concinnaret; hieiin int Wilhelm, denn dem Aelfric lag Wulstans Schrift vor, und nicht umgekehrt, wie sich am dem Wortlaut beider Werke erweisen läßt. In einer Urkunde des Jahres 965 hat Wulstan als Zeuge unterschrieben, vgl. Historia monast. de Abingdon ed. Stevenson 1, 266 Ego Wulf- stan minister. Die Arbeit von Blume steht Wiener SB. (1903) 146,111. Daselbst S. 3 ff De s. Athelwoldo, 6—9 De s. Birino, p. 9—12 De s. Swithuno und zwar links die Hymnen von Wulstan, rechts die Ueberarbeitung durch Ordericus; die Autorschaft Wulstans ist S. 12 ff. erwiesen und S. 17 hat Blume dargelegt, daß der Ueberarbeiter alles Persönliche entfernt hat, was für den Gebrauch zu Winchester bestimmt war. Alle vier Hymnen gab dann Dreves heraus in Analecta Hymnica 48, 9 — 18; sie stehen im Rotomag. 1385 (aus Jumieges, abgeschrieben zu Winchester) s. X — XI. Die Ueberarbeitungen stehen in der Hs. zu Alencon 14 s. XII (aus Saint-Evroul). wo auch f. 35 der oben erwähnte sapphische Hymnus enthalten ist; zu der Hs. vgl. L. Delisle, Journal des Savants 1903 S.428ff, dort das Verzeichnis der von Ordericus kopierten Werke S. 436, darunter f. 23 Wulstans Leben Ethelwolds. Die Sequenzen aus den Winchester Tropers stehen Anal. Hymn. 40, 180 ff. 154 f. 37, 265 f. 40, 2ö8f. 37,138 f. Die Autorschaft Wulstans bezüglich der Vita Ethelwoldi ist durch Wilhelm von Malmesbury sichergestellt (s. oben), der auch Gesta pont. Angl. 2. 83 (ed. Hamilton p. 181) ein Stück aushebt Hie primo monachus s. Ethehcoldi ... fuit, cuius obedientiae miraculorum relator eiusdem vitae sie insinuat: Erat in congregatione quidatn frater Elstanus — saneto fine quievit in dotnino; dies stammt aus Kap. 14 (Migne 137, 89D. 90 A) und gibt Wulstans Text mit leichten Veränderungen. Im Vorwort heißt es (Migne 137, 82C) De cuius (Adeliroldi) ortu gestis et flbitu scire cupientibus aliqua narrare dignum duximus, et ne tanti patris memoria penitus oblivioni traderetur, ea quae praesentes ipsi vidimus et qüae fideli seniorum relatione didieimus, in his schedulis summatim perstrinxinms. Benutzung Isidors 3 (col. 85 A) M quia aquila ab acumine oculorum vocatur Isid. Et. 12. 7, 11. Zur Lehrtätigkeit vgl. 31 (col. 95 A) Dulce namque erat ei adolescentes et iuvenes semper docere et Latinos libros Anglice eis solvere et regulas grammaticae artis ac metricae rationis tradere et ioeundis alloqulis ad meliora hortari. Zur Chronologie der Verehrung des Heiligen vgl. 42 l.s. oben). Augenzeuge l ) Mit geringen Aenderungen und mit Auslassung von Vs. 1 f. und 37 f. Eingelegt sind Vs.93—96, wo Verg. Aen. 1,738 f. verwendet wurde. 2 ) Vs. 118 = Sedul. P.C. 1.10. 44(3 Geschichte der lateinischen. Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. vgl. 43 (col. 103 C) ubi etiam nobis intuentibus caelestia sunt perpetrata miracula. Die Hymnen stehen col. 104f. Ueberlieferung der Biographie: Mus. Brit. (Jotton Nero E. 1 s. XI; Cottun Calig. A. 8 s. XU; Cotton Tiber. D. IV; Alencon 14 s. XI; Ausgaben von Mabillon Acta SS. 5, 606 = Migne 137, 81—105. Vorrede zur Vita s. Swithuni Migne 137, 107. Widmung Vs. 1 Domno pontifici, Wen- tanam principe Christo Qui regit ecclesiam, prospera cuncta canant. Conferat Aelfhegn reqni caelestis honorem und in Vs. 1 der voranstehenden Verse Incipit ad dominum specialis eni- stola patrem Elfegtim, Wenta residet qui praesul in urbe. Das Gedicht über die Dedikation der Kirche ist Vs. 41—HO 1 ) aufgenommen. Die Stellen aus Fortunats Miszellangedichteu sind Vs. 216 = Fort. C. 1, 15. 102 229 = C. 3, 63. 231 f. = C. 3, 6, 29 f. 235 f. = 3 6 45 f 237 = 3, 6, 21. 338 = 3. 6, 48. 239 f. = 2, 9, 57 f. 241 = Fort. 2, 9. 69. 242 = 3, 6, 52. Zu 111 vgl. übrigens Sedul. P. C. 2, 176. Mehrfach begegnen bei Wulstan griechische Worte, so Vita Ethelw. 16 (col. 90 C) basileus und Ad Elfeg. 213 (249) onoma. Ausgaben: Mabillon Acta SS. 5, 628 = Migne 137, 107—114. 69. Das Leben des hl. Pirminius. Im Jahre 753 war Pirmin, der Stifter von Reichenau und Hornbach und Leiter von Murbach, im Kloster Hornbach bei Metz gestorben. Dort wurde um 800 seine Legende dargestellt, die einfach und schlicht gehalten war. Deshalb genügte sie der späteren Zeit nicht mehr und ein. Mönch in Hornbach, vielleicht Abt Garemann selbst, der im Jahre 1008 starb, 2 ) unternahm es, das Leben des Heiligen von neuem zu bearbeiten. Er widmete seine Arbeit dem Erzbischof Liudolf von Trier (994—1008) und bat diesen mit der gewohnten Bescheidenheit um Kenntnisnahme und Prüfung. 3 ) Er erzählt in der Widmung, daß ihn die Brüder des Klosters um die Arbeit gebeten hätten, zu deren Abfassung er eigentlich unfähig sei. Daß ihm die alte Biographie vorlag, erwähnt er nicht, nur am Schluß der Widmung bemerkt er, daß von der Jugend des Heiligen bis zu seiner Bischofserhebung 4 ) infolge der Nachlässigkeit der früheren Autoren nichts bekannt sei. Und er habe auch nur wenig über seine Bischofszeit aufgezeichnet vorgefunden und dies wenige sei dunkel und unverständlich, weshalb er eine klarere und mühevollere Darstellung geben wolle. Die letztere Bezeichnung seiner Arbeit ist richtig, aber die frühere nicht. Nämlich der Verfasser hat durch alle möglichen Erweiterungen, die aber nichts Sachliches betreffen, das alte Leben bedeutend ausgedehnt und es dadurch wohl mehr dem Ge- schmacke seiner Zeit angepaßt, literarisch aber jene einfach gehaltene Erzählung geradezu verunstaltet. Ich hebe nur wenige Punkte heraus, um zu zeigen, welche Art von Veränderungen der Verfasser angebracht hat. Zunächst erfindet er in Kap. 3 die Rede des Alamannenfürsten Sintlaz ebenso, wie er Kap. 5 den Brief erfindet, den der Papst durch Pirmin an den Prankenkönig Theoderich gesendet haben soll. In Kap. 9 hat er das Zusammensein Pirmins mit dem Pranken Werinher durch frei erfundne lange Reden und Gegenreden ausgeschmückt, und am Schlüsse des Wunders in Kap. 10 — leere Ölflaschen haben sich infolge der Tugend des Heiligen von selbst ge- ') Bei der Zählung der Verse sind die aus Persius 1,47. Aus Verg. Georg. 4,421 vier voranstellenden Hexameter nicht berücksichtigt. 2 ) Vgl. Hermanni Conti'. Chronicon (MG. SS. 5,119). 3 ) Hier stammt (Acta SS. Nov. 2, 35 D) Qnamvis enim mihi non insit Cornea fibra stammt c. 11 p. 41 F tutissimi statio portus. Auf 3 Reg. 5,17 geht wohl der sonderbare Ausdruck c. 6 (p. 37 E) ex duris impolitUque la- pidibus filios Abrahae quadrans. 4 ) Zum ersten Bischofssitz vgl. G. Morin, Rev. Bened. 29,262 ff. Das Leben des hl. Pirminras. 44.7 füllt — beliebt es ihm, geradezu eine Predigt über die hohen Tugenden des Mannes einzuflechten, wie auch die zweite Hälfte von Kap. 11 aus einer predigtähnlichen Peroration besteht. Die Begegnung Pirmins mit Bonifatius in Kap. 12—14 zerfließt fast in lauter gesalbte Worte, und gleichsam zur Entschuldigung für diese langatmigen Erweiterungen sagt er dann Kap. 15, daß er wegen der Ankunft des hl. Bonifatius den Faden seiner Erzählung verlassen habe. Endlich hat er in Kap. 16 aus den Worten des alten Lebens Convocatis fratribus valedicens cundls 1 ) eine lange und von Bibelzitaten überquellende Rede gemacht. Von Verkürzung des alten Textes ist mir nur aufgefallen, daß er Kap. 8 die Klostergründungen Pirmins etwas zusammenzieht, und als einzige weitere Veränderung ist zu erwähnen, daß er das Begräbnis von Bonifatius mit den anderen über ihn berichteten Daten verbindet. 2 )- So findet sich gar nichts Eigenes bei ihm außer diesen künstlichen Erweiterungen und Zerdehnungen. Der Stil dieser Überarbeitung ist durchaus salbungsvoll und wortreich und wirkt auch durch seine Reimprosa ermüdend. Zeugnisse. Zu Pirrnin vgl. Hauck 1, 346—356, daselbst S. 351 n. 1 zum Datum seines Todes und S. 347 n. 1 zur Glaubwürdigkeit der alten Biographie. Zu Abt Garemanns Tod vgl. die Mirac. Pirminii 9 und 15 (MG. SS. 15, 33, 20 f. und 34, 30 £.'). Die Widmung beginnt der Verfasser mit seinen Uedanken über die Wertschätzung der Heiligen durch Gott. Sein Auftrag (Acta SS. Nov. 2, 35 C) simulque frutrum .. . petitione pulsatus vitam et actus sanctissimi patris .. . Pirminii describere conabur . . . Quod tarnen opus tibi, reverendissime archipraesul Liudolfe, considerandum et examinandum committo ... Precor ergo . . . nee in auras 3 ) ante publicas prodire sinas. Verhältnis zu seinen Quellen (35 D) Cuius quae fuerint ab ineunte aetate meritorum rudimenta . , . vel quibus per omnem iuventutem usque ad promotionem pontificatus excreverit virtutum insigniis, nimium culpanda scriptorum incuria notare neglexit. Panca dumtaxat, quae sub pontificatus tempore gessit, obscure exarata repperimus; ipsa . . . evidentius atque operosius exprimere studebimus. Veruntamen quod maqnifica fuerint in sanc- titatis fervore, quae scriptores non fecerunt cogm'ta, manifestacit quam post operatus est mira- adorum eminentia. Zum Briefe des Papstes c. 5 (p. 37 D) Denique epistulam cum beato viro absque dilatione per venerabilem virum Sintlacem ad regem Francorum Theodericum direxit, monens suadens et imperans . . . Porro rex epistola pervisa etc. Die Entschuldigung c. 15 (p 43 F) Ex occasione siquidem adeentus sancti Bonifacii ad beatum Pirminium extra in- cohatae materiae semitam digressi sumus. Zum Verfasser Garemann 1 ) vgl. Mone, Quellen- sammlung f. d. badische Landesgeschichte 1, 36. Ueberlieferung. Vollständig nur im Paris. 5308 s. XII f. 212—217; verkürzt in einer Hs. in Stuttgart (aus Zwiefalteni s. XIF, vgl. Holder-Egger, MG. SS. 15, 19. Ausgaben: Mabillon, Acta SS. ord. s. Ben. 3, 2,140—153; mit der alten Vita in Acta SS. Nov. 2, 35—47; der Prolog bei Holder-Egger, MG. SS. 15, 20. Lesarten aus Karlsruhe Aug. 21 s. XII und Basil. A.VI. 36 s. XV bei Mone, Quellensammlung 1,38 f. Vgl. Wattenbach 1,418. Ueber den Wert der Vitae Pirminii für die älteste Geschichte von Keichenau vgl. K. Brandi, Die Reichenauer Urkundenfälschungen S. 102 f. — Die alte Vita Pirminii gab besonders aus Sangall. 577 s. X f. 296—303 heraus O. Holder-Egger, MG. SS. 15,21—31. Miracula s. Pirminii. Im Jahre 1012 oder etwas später verfaßte ein Hornbacher Mönch eine kleine Schrift über die Wunder Pirmins, zu der er von den Brüdern im Kloster aufgefordert worden war. Hierfür stand ihm teils eigne Erfahrung zu Gebote, teils der Bericht von glaubwürdigen Zeugen. Er beginnt mit seiner Erzählung in der Zeit des Abtes Adalbert von Hornbach, der zu den Zeitgenossen Ottos I. 6 ) und IL gehörte; vorher setzt er in einer kurzen Widmung an die Brüder das Verhältnis der Bibel zu ') Acta SS. Nov. 2,44D c. 16. I glaubt, daß Warmann, Bischof von Konstanz a ) Kap. 15 der alten Vita macht er also | (1026—1034), der Verfasser sei. zu Kap. 14 seiner Darstellung. 6 ) Vgl. die Urkunde Ottos I. von 972 in 8 ) So ist wohl statt aures zu lesen. MG. Dipl. Ott. I Bd. i, 578. 4 ) Mabillon (ActaSS. ord.s.Ben.3,2,136) | 448 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. den Heiligen auseinander, spricht von dem ihm gewordenen Auftrage und berichtet über die Herkunft seines Stoffes. In der zweiten Hälfte besitzt das Schriftchen einen gewissen historischen Wert, da der Verfasser hier von den sonst nicht bekannten Hornbacher Äbten Garemann 1 ) und Willimann sowie.von dem Feldzuge Heinrichs IL gegen Lothringen im Jahre 1009 erzählt. In Kap. 16—18 berührt er endlich Verhältnisse, die sich im vierten Jahre von Willimanns Abtswürde zutrugen, das mit dem Jahre 1012 gleichgesetzt wird. Zeugnisse. Das letzte erwähnte Datum c. 16 (Acta SS. Nov. 2, 53) Anno incarnationis dominicae millesimo duodecimo, procurationis Wülimanni abbatis quarto; c. 17 handelt sechs Tage später und c. 18 zu Pfingsten 1012. Die Widmung c. 2 p. 51 His ita consideratis pi-ae- ceptis vestris, o sanctisshnl patres, non repugnans pauca de miraculis tangam, quae per patronum nostrum Pirminium redemptor noster dignatus est operare . .. Quae oculis vidlmus quae ab his qui interfuerunt didicimus . .. scribendo testimonlis perhibemus. Zu Adalberts Tode vgl. 8 p. 52 Becepto igitur in aeternae beatitudinis gremium abbate Adelberto Gan- mannus congregationis suae praecipuus ... in id officii collocandus apparuit. Daß der Verfasser von dem der zweiten Vita Pirminii verschieden ist, sah de Smedt. Acta SS. Nov. 2,54, denn er nennt nirgends diese Biographie und sein Stil und seine Erzählungsweise sind verschieden und bei ihm ist die rhythmische, gereimte Prosa noch mehr ausgebildet. Handschrift: Brux. 206 s. XU— XIII. Ausgaben von Mone, Quellensammlung f. d. badische Landesgeschichte 1. 45—50, von de Smedt, Acta SS. Nov. 2, 50 54 und von Holder-Egger MG. SS. 15, 31—35. Vgl. Wattenbach 1,418. Hier mag beigefügt werden, daß sich in Solothurn ein Sakramental' Gregors des Großen befindet, das der Hornbacher Mönch Eburnant dem Abte Adalbert widmete. Es besitzt vier Bilder mit je acht Hexametern, 2 ) in denen die Übergabe des Buches von Eburnant an Adalbert, von Adalbert an Pirmin, von Pirmin an Petrus und von Petrus an Christus gefeiert wird. Die Verse sind herausgegeben von Dümmler, Neues Archiv 10, 344. Außerdem wird Adalbert genannt in der Inventio corporis s. Philippi, vgl. Falk, Neues Archiv 23, 557—561, wo es p. 557 heißt In anno igitur tertio imperii secnndi Ottonis caesaris erat quidam Hombachensium abbas .. nomine Adelbertus, und p. 560 f. steht ein Abschnitt mit der Rubrik De vita vel actibus abbatis, allerdings ohne wesentlichen Inhalt. Vgl. Wattenbach 1, 418. Vita Pirminii metrica. Die zweite Vita Pirminii wurde in späterer Zeit von einem unbekannten Verfasser in 496 Verse umgesetzt. Mone schrieb sie dem Abt Heinrich von Reichenau zu, der 1237 starb. Mir scheint es aber, daß diese poetische Paraphrase in frühere Zeit gehört. Sachlich ist nämlich nicht das geringste hinzugekommen, vielmehr ist ein Abstrich gemacht worden, indem nach Vs. 412 der Bericht von Kap. 14 der Prosabiographie — er enthält die Translatio Bonifatii — weggelassen wurde. So hat das Gedicht rein formales Interesse, und nach der Mannigfaltigkeit und nach der sonderbaren Anlage seiner Form dürfte sich seine Zeit vielleicht nach der Mitte des 12. Jahrhunderts bestimmen lassen. Das ganze Gedicht setzt sich nämlich aus Gruppen von je zwei Versen zusammen, und nur ganz vereinzelt wie Vs. 264 findet sich ein Monostichus (leoninisch gereimt) oder ein Tristichon wie 293 ff. und 298 ff. Die Disticha wie die seltenen Tristicha sind fast ausnahmslos an den Versenden zweisilbig gereimt, nur ') Er ist vielleicht Verfasser der zweiten I 2 ) Bild II Vs. 3 heißt es munus non de- Biographie Pirmins. | spiee servi nach Catonis Dist. 3,10,1. Theoderich von Fleury. 449 397 f. zeigen diesen Reim nicht und besitzen überhaupt keinen und ebenso mangelt der Reim den Verspaaren 235 f. und 237 f. Außer dem Endreim ist aber auch der Binnenreim der beiden ersten Vershälften nicht selten, so daß manche Partien des Gedichts einen sehr starken Gleichklang zeigen. 1 ) Außerdem findet sich, wenn auch selten, die seit Hildebert von Le Mans beliebte Dreiteilung der Hexameter durch den Reim, wo alle Drittel zweier Verse aufeinander gereimt sind. 2 ) Diese metrischen Spielereien gehören, wie auch das Vermeiden der Verschiffung und des Hiatus, sicher späterer Zeit an, aber ich möchte das Gedicht doch nicht ins 13. Jahrhundert setzen, da nämlich die Prosodie noch verhältnismäßig gut ist und der Wortschatz kaum auf spätere Zeiten deutet. Im Eingange stellt der Dichter dar, daß die ganze belebte und unbelebte Natur dem Heiligen Verehrung zollt und dient, und er wendet sich dann an Christus mit der Bitte, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Dann beginnt die Paraphrase der Vorlage, die mit vielfacher Anlehnung an die Worte der Prosa durchgeführt wird, und ein ganz kurzer Epilog von vier Versen beschließt das Gedicht. Zeugnisse. Daß es sich um die zweite Vita Pirminii bandelt, ergibt sich schon aus Vs. 41 ad vas melle referlum Coiweniunt ut apes, vgl. Vita 1 p. 35 sicut apes ad alveare mrfle refertüm, wovon die altere Biographie nichts hat. Außerdem setzt der Dichter die vom zweiten Biographen erfundenen langen Reden treulich in Verse um, und Vs. 135 liest man vom Brief des Papstes In qua papa monet rogat hnperat wie in c. 5 p 37 monens snadens et imperans. Zur Prosodie vgl. 45 f. lusträre ... 94 iustüs incenso und 402 instäns iUque dcses. Die Ueberliefernng ist nicht gut und sehr spät und Egon und Mone haben manches gebessert; doch bemerke ich für den Text folgendes: 47 ist zu interpungieren Fabrica, solaris splendor, maris ima profund!; 48 ist Pirmin statt Pirminii zu lesen; 72 ist aurem falsch ergänzt, da Verschleifungen fehlen, cor wird zu lesen sein; aus gleichem Grunde ist 249 Moues Lesung allodium [et sunt] nicht möglich: 416 ist wohl gesta decora zu er- ganzen. Einzige Hs.: Egons Abschiift im Kailsruher Archiv s. XVII. Ausgaben von Mone, Quellensammliing f. d. badische Landesgeschichte 1,39ff. und danach de Smedt, Acta SS. Nov. 2. 47-50. 70. Theoderich von Fleury. Theoderich, der um die Mitte des 10. Jahrhunderts geboren ist, stammt entweder aus Frankreich oder aus Deutschland. A. Poncelet wenigstens hat die Frage unentschieden gelassen; wenn man aber die einzelnen in Betracht kommenden Daten erwägt und hinzurechnet, daß doch manche Franzosen in der ottonischen Zeit engere Beziehungen zu Deutschland anknüpften, so möchte mir die französische Geburt des Mannes glaublicher erscheinen. Er seheint lange Zeit Weltgeistlicher gewesen zu sein, bis er ins Kloster Fleury eintrat, dem er dann wohl stets angehört hat. Aber von Fleury aus trat er bald in Beziehungen zu Deutschland, denn vor 995 widmete er dem Bischof Bernward von Würzburg eine Schrift Libelli de consuetudinibus et statutis monasterii Floriacensis duo. Auch rühmt er sich seiner Verbindung mit Otto III. und endlich mag ihn das Verhältnis, in dem Fleury wegen des hl. Benedikts Leib zu Monte Cassino stand, in Beziehung zu diesem Mutterkloster gebracht haben, so daß er später schreiben konnte, er sei den Mön- # chen des Klosters in Freundschaft eng verpflichtet. Im Jahre 1002 machte er eine Reise nach Rom zu den Apostelgräbern. Und zwar trat er in be- ') Vgl.Vs. 45 f. 49 f. 2 ) Vgl. Vs. 66 f. 68 f. Ein einzelner so gebauter Vers ist 207. Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. IL . 29 450 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. scheidenem Aufzuge in Rom auf, da er nur einen einzigen Diener mitgenommen hatte. Als er hier einige Zeit verweilt hatte, fragten ihn die Domherren von St. Peter, ob er nicht das in einem sehr barbarischen Stil geschriebene Leben des Papstes Martin (I.) verbessern wolle; jedenfalls hielt man ihn für literarisch gebildet, da er aus dem Kloster kam, dem Abbo vorstand. Nach langer Weigerung nahm er endlich die Arbeit an und vollführte sie. Die Arbeit mochte gefallen, und da Theoderich längere Zeit in Rom blieb, ist man wohl noch mit weiteren literarischen Bitten an ihn herangetreten. Nämlich A.Poncelet 1 ) hat darauf aufmerksam gemacht, daü im Prolog der Passio Tryphonis et Respicii erzählt wird, daß der Mönch und Priester Theoderich zu Rom das Leben des Papstes Martin, eine Predigt über die Vierzig Märtyrer, die Passio des hl. Anthimus und Genossen mit Einlage von poetischen Stücken, die Überführung des Hauptes des hl. Damianus nach Rom und die Translatio Basilidis, Tripodis et Magdalis geschrieben habe. 2 ) In dieser Vorrede zur Passio Tryphonis aber erklärt ein Presbyter Leo 3 ) weiter, daß Theoderich ihn um die in schlechtem Stil geschriebene alte Passio gebeten habe und daß dieser alsbald nach dem Lesen der ersten Seiten darauf eingegangen sei, sie zu verbessern. Theoderich besuchte dann das Kloster Monte Cassino, wo er vom Abt Johannes sehr freundschaftlich aufgenommen wurde. Als er sich hier einige Zeit aufhielt, traten die Mönche des Klosters mit einer Bitte an ihn heran. Nämlich ein bekannter Gelehrter der Gegend habe das Leben des hl. Firmanus, der in neuerer Zeit als Confessor gestorben sei, 4 ) wohl beschrieben, aber in so weitschweifiger Weise, daß das Werk mehr zur Unzier als zum Schmuck gereiche; und man bat nun den Theoderich, ein neues Leben zu schreiben. Er nahm den Auftrag an und versprach, Blumen aus den Dornen der früheren Darstellung zu pflücken und diese ordnungsgemäß in Kapitel einzuteilen. Nun hat A. Poncelet das ältere Werk mit Theoderichs Schrift vergleichen können und dabei gefunden, daß diese zwar öfters kürzt, aber in die Erzählung auch öfters längere Betrachtungen einflicht, die wahrscheinlich völlig inhaltlos sind. Übrigens hat Petrus Diakonus von Monte Cassino aus Theoderich einen Mönch seines eigenen Klosters gemacht, was auf die regen Beziehungen Theoderichs zu Monte Cassino deutlich hinweist. Aber Theoderich schrieb das Leben des hl. Firmanus nur zum Teil in Italien, denn der Schluß der Biographie läßt erkennen, daß sie in Deutschland vollendet ist; Theoderich erzählt hier, er habe zwei Jahre an heftigem Podagra gelitten, seitdem er aber am Leben des Heiligen zu schreiben begonnen, seien die Schmerzen allmählich von ihm gewichen, und das habe sich im Kloster Amorbach im Sprengel Würzburg zugetragen. Daß die Mönche in Monte Cassino ihm jenes Leben aufgetragen hatten, ergab sich wohl aus einer Erfahrung, die sie mit ihm gemacht hatten, nämlich daß er schon solche Berichte geschrieben habe. ') Anal. Bolland. 27, 7 f. ') A. Poncelet(Analecta Bollandiana 18, 2 ) Keine dieser vier Schriften ist erhalten. 31) bestimmt seine Geburt auf 951/952, seinen 3 ) Poncelet (a. a. 0. p.8. 18) weist nach, dafä die Vorrede ebenfalls von Theoden'ch stammt. Tod auf 992. Der Ort seines Wirkens war die Firmana civitas (Fermo), vgl. Poncelet p. 31 n.2. 3. Theoderich von Fleury. 45 \ So finden wir Theoderich etwa um 1010 zu Amorbach, und er entfaltete hier von neuem eine literarische Tätigkeit, die sich freilich auf andere Ziele erstreckte. Wie wir sahen, war er bisher fast nur hagiographisch tätig gewesen. Das ist allerdings insofern einzuschränken, daß er, soweit man das aus seinen erhaltenen Schriften kontrollieren kann, sich fast nur mit stilistischer Überarbeitung älterer Werke begnügte. Jedenfalls aber stand ihm der Ruhm des Schriftstellers zur Seite und er muß dem Abt Richard von Amorbach persönlich nahegetreten sein. Denn er widmete diesem 1 ) eine Schrift über die Einbringung der Gebeine des hl. Benedikt nach Fleury, indem er hierin Antwort auf Richards Frage gab, warum man in Frankreich zur Adventszeit am 4. Dezember ein Fest zu Ehren des hl. Benedikt begehe. Vielleicht hat er auch Richard ein Exemplar der Translatio s. Benedicti gewidmet, die wohl von Adalbert von Fleury verfaßt war. Als dann Richard 1018 Abt von Fulda geworden war, bat er den Theoderich um eine Erklärung der Katholischen Briefe. Dieser erfüllte den Wunsch des Prälaten, trotzdem er sich, wie er in der Vorrede sagt, schon im Greisenalter befand. Weiteres ist aus dem Leben des Mannes nicht bekannt, er mag bald darauf gestorben sein. Mit welchem Rechte ihm Trithemius noch andere Schriften — es handelt sich um De locis terrae sanctae liber, Epistolarum ad diversos über, Carmina multa et varia — beilegt, steht dahin, denn bekanntlich verdient dieser Abt wenig Glauben. Zeugnisse. Ueber Theoderich hatte zuerst Dümmler in Abhandl. d. Berl. Akad. 1894, Lieber Leben und Schriften des Mönches Theoderich (von Amorbach) gehandelt. Wesentlich erweitert wurden Dümmlers Untersuchungen durch A. Poncelet in den Analecta Bol- landiana 18, 22—33 und besonders 27. 5—27. Die Datierung des Lebens nach der Vorrede zum Kommentar der Katholischen Briefe, wo er (Dümmler, Abhandl. d. Berl. Akad. 1894 S. 28) sich inertem senem et in ipso ultimo suspirio cum morte coufligentem nennt, während er im Kommentar selbst (Wirzib. theol. fol. 44 s XI f. 74) sagt Sum modo senex et infirmits; die Schrift ist aber erst nach 1018 verfaßt, vgl. Dümmler p 4 und Ar Poncelet, Anal. Hol). 18, 23. 27, 27. Zur Frage nach der französischen oder deutschen Heimat vgl. Poncelet 2 ) daselbst 27, 23—26. Weltgeistlicher, vgl. im Kommentar bei Dümmler S-5 n. 4 sed etiam derlei... quia dudum unus ex Ulis fui; daß er Presbyter war, ergibt die Widmung der Vita Finuani bei Poncelet Anal. Boll. 18,24 Theodorici monachi ac presbyteri, ferner die Vorrede zur Passio Tryphonis et Respicii bei Poncelet daselbst 27,7 Theodericus ille monachus et sacerdos. Mönch in Fleury, vgl. den Prolog zur Vita Firmani bei Poncelet p. 25 quidam Theodoricus Floriacensis coenobii monachus ac sacerdos; Io. Trithemii.. . tomus I annalium Hirsaugiensium p. 134 frater Theodericus Floriacensis asyli coenobita. Die Schrift über die Consuetudines Floriacenses erwähnt allein Trithemius a.a.O. p. 134, der dort über Bernward von Würzburg (990—995) spricht und dann fortfährt Claruit Ms tempo- ribus Theodoricus monachus Floriacensis ... qui scripsit . .. duos libellvs de consuetudinibus ei statutis monasterii Floriacensis ad praenominatum Bernirardum episcopum, cuius operis prologns tale habet exordium: Domino saneto ac patri .:. Bernwardo frater Theodericus Floriacensis asyli coenobita perexiguus: es wird sich nicht leicht erweisen lassen, ob die Veteres Consuetudines monast. Floriacensis, die Io. a Bosco in der Floriacensis vetus biblio- theca 1,391—409 herausgab, mit dem Werke Theoderichs zusammenhängen; sie scheinen alt zu sein, entbehren aber des vollen Titels und zeitlicher Anspielungen. Beziehungen zu Otto III. im Prolog der Vita Firmani bei Poncelet p. 25 Fo videlicet anno quo tertius Otho vitam finivit . . . quidam Theodoricus Floriacensis . ■ . apud praefatum prineipem dudum M Richard wurde 1018 Abt von Fulda. französisches Vaterland geltend machte (Hist. Die Widmung der ersten Schrift ist daher litt. 7,295). Allerdings dürfte man Richards vor 1018 erfolgt. Worte (Dümmler a. a. O. p. 24,1) tibi tüis- 2 ) Dieser weist p. 24 f. mit vollem Rechte que Gallis nicht so leichthin abweisen, wie es die Gründe zurück, die Dom Rivet für sein Dümmler S. 3 n. 3 tat. ' 29* 452 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter TeiJ. non eilipetisus; daselbst seine Freundschaft mit den Brüdern in Monte Cassino fratves Cassini commanentes visiturc decrevisset, eo quod ante annos aliquot in amicitia Ulis obstrictus fuisset Reise nach Rom daselbst peculiaris oraminis gratia diviniius instinetus ad osculanda aposto- lorum princip'um limina Romani adiit devoius und besonders im Prolog zur Vila Martini bei Foncelet Anal. Boll 18.6 Theodoricus ... uno servitore comite contentus de Galliarum partibus Romam veni peregrinus. Hier auch die Aufforderung zur Vita Martini papae (p. 6) Ctimque apostolorum limina perlustrassem et dliquamdiu ibi moras fecissem, coeperunt nie canonici s. Petri omnimodis, quid sciolum nie esse crediderunt,'implorare, quatenus ... perlegere atque inspicere non pigeret vitam . . . Martini . . . qiii . .. Bomanae et apostolicae sedi pontifex est'. . . inthronizatus. Dicebant namque quod et veritas probat, habere se quaedam gesta illius, sed in tantum rusticano stilo praevaricata . . . quae doetäs aures terrerent tandent eorum piis devict'us precatibus parere pro posse promisi .. . Eo dumtaxat tenore tantum opus aggredior, ut siqua mihi emendatione digna rusticeque prolata oecurrerint litteratoria abigam diseiplina, quae auiem aequa et convenientiaj) laudabiliter aeeipiam?) Zu den weiteren in Rom gefertigten Arbeiten vgl. den Prolog zur Passio Tryphouis(Poncelet, An. Boll. 27,7) Theodericus ille monachus et sacerdos peregrinus . . . qui ante raros annos vitam composuit b. Martini papae ioeundius neenon et alia opuscnla in hac iirbe Romana positus conscripsit diligentiuS . . . Seripsit quoque ut nndtorum futetur auetoriias elegantis- simum ...de sanetis quadraginta martyribus % ) sermonem. Compinxit praeterea passionem h. martyrum Anthitni*) sociorumqueeiushexametris intersertam versiculis. Memoriam quoque... edidit, qualiter caput eximium marti/ris Damiani Romanis illatum est saeptulis . .. et rusticano sermone translationem patefecit sanetorum Christi athletarum Basilidis Tripodis et Magdalis. Darauf erzählt im gleichen Prolog ein Presbyter Leo, der sich dann als Respicii titularius ausgibt, daß er von Theodeiich gefragt worden sei, ob der hl. Respicius ein würdiges schriftliches Denkmal erhalten habe: er habe dann dem Theoderich die Passio Respicii gezeigt und dieser habe nach dem Lesen der ersten Seiten erkannt, daß er hier eine neue Gelegenheit zur Ueber- arbeitung habe, occassionem qua de agresti atque insulso pulmento fas nobis sit laceratum 6 } facere eibum. Aufenthalt in Monte Cassino Anal. Boll. 18, 25 cumque . . . fratres Cassini com- manentes visitare decreviiset . .. a viro venerabili Joanne, eiusdem archisterii patre, non quasi hospes et advena sed uti familiarissimus suseeptus est grativena; qui cum aliquant isper ... moras ibidem necteret . . . Daiauf folgt die Bitte der Mönche manum mittere in vitam b. Firmani. .. non abnueret, eo quod quidam grammaticus illius provinciae nominatissimus .. . prolixo atque impudenti sermone eiusdem vitae tenorem depravasse potius quam ornasse . .. haberetur ; Zusage p. 27 Nos autem flores ex eins dumetis ... recolligeides tantillum opus capitnlariter et ordinarie compingere• decernimus. Zu Petrus Diaconus im Liber de vins illustr. Casio, coenobii 16 (Migne 173. 1025) Theodoricus Casinensis gymnasii presbyter ... historiam s. confessoris . .. Firmani et hymnum in laudem b. Mauri venusto stilo descripsit. Rückieise Theoderichs im Prolog der Vita Firmani (Anal. Boll. 18,27) Non enim contentus fuisti, b.Fir- mano, Ralico tantum regno ... sed Alpes Julias transvolasti, Gallium atque Germaniam ... visitasti. Der Schluß im Kap. 20 p. 27. und die örtliche Datieiungp. 28 Patratum est autem hoc . . . miraculum in monasterio, quod nuneupatur Amorbach, quod interpretatur rivus amoris, quodque situm est in Gernwniae angulo in provincia quae rocatur Austri-Francia in dioecesi videlicet Guirzburgensis") ecclesiae. Zum Aufenthalt in Amorbach vgl. Dümmler a. a. 0. S. 3ff. und Poncelet, An Boll. 27, 23. 26. Widmung der lllatio Benedicti an Richard bei Dümmler S. 23 Incipit apollogetica prefatio cniusdam Diederici monachi ad venerabilem Richardum Amarbacensis cenobii abbatem. Exigisa me . . . Richarde ... quaenam causa existat illius festivitatis b. . . . Benedicti, quae apud Gallos non medioeriter sed preeipue celebratur in diebus dominici adventus. Zur Translatio Benedicti vgl. Trithemius (Opera bist. ed. M. Freherus 1.2J36) Legi tantum ad Richardum abbatem Fuldensenr. .. De translutione corporis eiusdem IIb. I. Cum diu gens Longo., und (Opera pia et spiritualia ed. J. Busaeus p. 48) seripsit ad Richardum abbatem Fuldensem . . . de translatione eiusdem in Floriacum librum unum; vgl- hierzu An. Boll. 27, 20 f. Die Widmung des Kommentais der Katholischen Briefe bei Dümmler p. 28 Domino . . . Richardo ipsaque sui precellentia omnibus pene per orbem Germaniae patribus praelato suus . . . Theodericus clivini famulicii iociindissimum pignus. Auftrag Calamum enim .. . ad exponendas .. ■ epistolas quas vocant acuere iubetis etc. Zu den weiteren Werken, die ihm Trithemius beilegt, vgl. Poncelet, An. Boll.27,18—20. Erhalten haben sich nur folgende Schriften: M Vgl Horat. A. P. 119. •"') Es muß hier laseratum heißen, vgl. -) Aus diesen Worten ergibt sich die Steh , den Kommentar des Remigius zu Phocas ed. lung, die Theoderich meist den Vorlagen seiner | Manitius, Didaskaleion 2, 76, 5 (zu Phocas Werke gegenüber einnahm. i p. 411, 33) indc lasseratos eibos dieimus. 3 ) Zu den Vierzig Märtyrern vgl. Acta SS. 6 ) Diese Namensform dürfte für die roma- lun. 3, 41. | nische Heimat Theoderichs sprechen. 4 ) Zu Anthimus vgl. Acta SS. Febr.2, 746. Theuderich von Fleury. 453 1. Vita Martini Papäe. Wir haben oben den Prolog 1 ) dieser Schrift kennen gelernt. Poncelet hat dargelegt, 2 ) daß alle von Theoderich erhaltenen Prologe in eine Art Dialog enden, der, erdichtet oder nicht, die an ihn gerichteten Bitten um Abfassung einer Schrift, seine Begutachtung der Sachlage und seine Willensäußerung enthalten. Und gleich bei dieser ersten Schrift finden wir die für Theoderich typische Unselbständigkeit, denn Poncelet hat nachgewiesen, 3 ) daß der Stoff zum größten Teile dem Liber pontificalis und dem Bericht über das Exil und den Tod Martins entnommen ist, den der römische Bibliothekar Anastasius aus dem Griechischen übersetzt hatte. Und zwar lehnt er sich meist wörtlich an seine Quellen an und bringt nur wenig Änderungen geringfügiger Art. So erweisen sich seine Auslassungen in der Vorrede, wo er über sein Verhältnis zu den Quellen spricht, lediglich als Übertreibung. Hss. Rom, Archiv. S. Petri A. 5 f. 107 '•; Archiv. Lateran. A.80 f. 245V. Stücke hrsg. von Poncelet, Anal. ßoü. 27, 6 f. 12 f.; daselbst S. 11 f. kurze Analyse. Ausgabe bei Surius, De probatis sanctoium historiis 6.290—301 (Colon. 1581). 2. Passio Tryphonis et Respicii. Der Prolog zu diesem Werke ist höchst seltsam. Er beginnt mit Theoderich und der Erwähnung seiner Vita Martini und der vier andern Schriften. Und dann tritt ein römischer Presbyter Leo redend auf, der von seinen Wohltaten gegenüber Theoderich erzählt und dann das schon oben berührte Gespräch mit diesem beginnt, das mit der Einwilligung Theoderichs endet, die schlecht stilisierte ältere Passion zu einem ganz neuen Werke umzugestalten. Das ist nun wieder stark übertrieben, denn Poncelet hat dargelegt, 4 ) daß der Eingang der Schrift wohl von Theoderich stammt, aber nur ganz gewöhnliche Gedanken breittritt, daß aber das erste Viertel der eigentlichen Passion fast wörtlich aus der einen ihm vorliegenden Quelle und alles übrige ebenso wörtlich aus einer zweiten Quelle kopiert ist. So finden wir auch hier nicht entfernt die Selbständigkeit, mit der sich der Verfasser in der Vorrede brüstet, ja die von Poncelet zum Vergleich abgedruckten Stücke lassen sogar eine stilistische Verbesserung gar nicht erkennen, sondern geben nur unwichtige Zusätze. Hs. Vatic. 1192. Vorrede daraus gedruckt bei A. Mai, Spicileg. Romanum 4,291 ff. und Poncelet, Anal. ßoll. 27,7 f. Die erste Quelle ist Bibl. hagiogr. Latina ant. et med. aetatis N. 8336 (p. 1206), nur die erste Hälfte gedruckt bei Ruinart, Acta primorum martyrum (Amstelod. 1713) p. 162—164. Die zweite Quelle ist Bibl. bag. Lat. N. 8339 (ungedruckt). 3. Vita Pirmani. Die Vorrede beginnt mit einer äußerst wortreichen und gesuchten Erklärung darüber, daß es notwendig sei, daß ein Schriftsteller seinen Namen nicht verheimliche, und fährt mit dem Bericht über des Verfassers Reise nach Rom und dann nach Monte Cassino fort, wo dann das uns schon bekannte Gespräch über die Neubearbeitung des Lebens des hl. Firmanus gehalten wird. Auch diese Neubearbeitung ist nichts anderes als eine stilistische Umformung, die zuweilen den Bericht des „Grammaticus nominatissimus" abkürzt, zuweilen durch fromme Betrachtungen erweitert. 5 ) Übrigens war Firmanus erst 992 gestorben, die ältere ') Hisg. von A. Mai, Spicilegium Roma- 3 ) Anal. Boll. 27, 11 ff. Daselbst p. 14 über num4,293ff; danach teilweise bei Poncelet. die sklavische Anlehnung an die Quellen. Anal. Boll. 27,6 f. 4 ) Anal. Boll. 27, 15—18. ■) Anal. Boll. 27, 10. B ) Vgl. Poncelet, Anal. Boll. 18,25 n. 5. 454 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Biographie stammte daher von einem Zeitgenossen und bald nach 1004 schrieb Theoderich. Das Werk des Grammaticus steht im Rom. Vallicell. XXII s. XI f. 157''—167 '• (aber un- vollstäudig), gedruckt Vita diS. Fei mano abate .. .Trevigi 1726. TheoderichsWerk imVatic. 7810 s. XI f. 54—61 b . gedruckt Vita b. Firmani confessoris .. . Tarvisii 1726 (Bibl. hag. Lat N. 3000 und 3001). Zu Filmanus und seinen Lebensdaten vgl. Poncelet, Anal. Boll. 18.29—33. 4. Illatio Benedicts Nach dem sehr ausführlichen und wortreichen Prologe an Abt Richard erzählt Theoderich vom Einfall der Normannen in Frankreich und zwar unter beispielloser Verwirrung der Chronologie, indem er diese Dinge in die Zeiten König Pippins und seines Bruders Karlmann versetzt. Er berichtet, daß die vor dem Feinde nach St. Aignan zu Orleans geflüchteten Reliquien des Klosters am 4. Dezember zurückgeholt wurden. Und nach vergeblicher Zurückforderung des Leibes des hl. Benedikt durch Monte Cassino sei der Heilige ein Jahr später am 4. Dezember an seiner gewohnten Stätte feierlich beigesetzt worden. Diese Erzählung, deren 5. Kapitel die Lage von Fleury schildert, 1 ) wird durchsetzt mit den sonderbarsten Wundern, 2 ) und zweifellos hat Theoderich alles gläubig hingenommen, wie man es ihm in Fleury erzählt hatte. Er zeigt hierbei keine Spur von Kritik und läßt durchaus die strenge geistige Disziplin vermissen, durch die sich sein früherer Abt Abbo auszeichnete. Die Schrift wirft eben kein gutes Licht auf die von Fleury ausgehende Literatur und ihre Vorbedingungen: Sage und Wunderglauben haben sich der Geschichte bemächtigt. Handschriften: Wircib. theo], fol. 26 s.Xl f. 185; 3 ) Guelferbyt. Heimst. 322 s.XV; Vat. reg. 498 f. 1,586 f. 71 1 ', 1864 f. 73b. Ausgaben: J. a Bosco. Floriacensis vetus bibliotlieca 1,219—229 und Mabillon, Acta SS. ord. s. Benedicti 4, 2, 350—355 (unvollständig); der Schluß (nebst Vorrede) bei Dümmler, Abhandl. d. Berl. Akad. 1894 S. 26 ff., vgl. S. 6-9. 5. Kommentar zu den Katholischen Briefen. Die Vorrede strömt, wie alle Prologe Theoderichs, ein Übermaß von Bescheidenheit gegenüber der unglaublich schweren Aufgabe aus, die er übernommen habe. Sonst aber lernen wir den Verfasser von einer ganz neuen Seite kennen, wobei zu berücksichtigen ist, daß er das Leben, das er in Frankreich, Italien und Deutschland gesehen hatte, als alter Mann genugsam kannte. So erscheint er in diesem Kommentar geradezu als Sittenprediger, viel weniger als Exeget. Die Bedeutung seiner Erklärungen fürs Leben tritt hervor, für die Wissenschaft haben sie nicht viel zu sagen, 4 ) obwohl er an einer Stelle (Ep. Jac. 2, 1—4) betont, er wolle historialiter und nicht allegorice erklären; er meint freilich mit den W T orten historialiter attendenda etwas wie „aus der Zeit für die Zeit zu betrachten". Er wendet sich gegen die Verkehrtheiten und Auswüchse des Lebens und spricht daher viel in Gleichnissen und Metaphern, aber sein ganzer Ton ist doch hier viel verständlicher und klarer, als wir ihn sonst kennen. Das kommt aber nicht von stärkerer Beschäftigung mit der alten Literatur, denn diese hält Theoderich für Mönche und Priester für gleich gefährlich. Überhaupt will er vom Altertum wenig wissen und nur selten versteht er sich dazu, dessen Autorität anzurufen, obwohl er von Vergil und sogar von Homer annimmt, daß jeder in seinem Werke auf die ') J. a Bosco, Floriacensis vetus biblio- 3 ) Vgl. G. Seh epss, Neues Archiv 19,221. theca 1,223. *) Anführungen ausden Kirchenvätern und 2 ) Vgl. besonders Kap. 8 und 9 a. a. O. aus Sedulius sind freilich nicht selten, vgl. p. 227-229. Dümmler, Abh. d.Berl. Akad. 1894 S. 9 n. 2. Theoderich von Fleury. 455 Ankunft Christi anspiele. Und wenn er aufs Altertum zu sprechen kommt, so fehlt es nicht an seltsamen Mißverständnissen, wie er von Sokrates erzählt, 1 ) daß er von seinen Schülern und Mitphilosophen durch Schierlingsgift getötet worden sei, weil er sich geweigert habe, „per canem iurare". Von dem schändlichen Epikur, dessen höchstes Gut das Vergnügen gewesen sei, weiß er zu berichten, daß er gleichwohl Sparsamkeit und Enthaltsamkeit in hohem Maße geübt und alle seine Bücher mit Kräutern angefüllt habe. Namentlich richtet sich Theoderich in seinen Ermahnungen an die Mönche und hält ihnen unausgesetzt die Regel des hl. Benedikt als Richtschnur ihres Lebens vor 2 ) und dabei fallen starke Streiflichter auf die Weltgeistlichkeit, deren Hoffart und Zanksucht an den Pranger gestellt wird. Aber auch die Bischöfe werden angegriffen, da sie sich ungeistlich wählen ließen, 3 ) und zuweilen wird den höheren Ständen wegen ihres Dünkels ein gehöriger Schlag versetzt. 4 ) So besonders in der Erzählung von dem Grafensohn, der Priester geworden war und die von ihm zelebrierte Messe für ungleich höher hielt als die Messe seines einstigen Hörigen und jetzigen Mitpriesters. So sind seine Auslegungen des Textes jener Briefe fast lediglich auf das praktische Leben berechnet und der Besserung wegen geschrieben. Aus dem Werke hat erst E. Düraniler, Abh. d. Berl. Akad. 1894 S. 28 — 38 einzelne Mitteilungen gemacht, die er S. 9—21 mit einleitenden Bemerkungen versah. Bezüglich der antiken Literatur vgl. (Dümmler S. 10n.2) Kon enim monachis vel ministris sancti altaris iillo modo canonica auctoritate permittitur gentilium hbros vel discere vel docere, quia ipsu verborum alta vis facile inserpit fibras cordis. Zu Vergil und Homer (daselbst S. 10 n. 3) dodas fabulas hoc est a doctis compositas sicuti ab Momero vel Virgilio, quorum uterque adventuni filii dei in carne nisus est preconari.'-) Zu Epikur (S. 10 n 4) Vnde et Epicurm sceleratissimus, qtii voluptatem snmnium bonum sibi elegit, pai-citatem atque abstinentiam plnrimum amans omnes libros suos holei-ibus implevit. Der Vers (S. 10 n. 1) Omne quidem nimium semper vilare memento scheint aus Catonis Dist. 2, 6, 1 und 13,1 zusammengesetzt zu sein. In der lllatio Benedicti scheinen (Dümmler S. 24, 14) sulcis vitulinis anserinum inponendo ... vomerem und 25, 7 superponam digltum ort meo auf sprichwörtliche Redewendungen zurückzugehen; mit S. 25.10 inplümetn aviciihtm ist Horat. epod. 1,19 zu vergleichen. Aus der Vita Martini des Sulpicius Severus stammt S. 24. 2 Atqui si ipsisshnus ille Augustinus de superis .... adesset (26.3 p. 136,12 H ), aus dessen Dialogen (1,19,6 p. 172, 4) S. 26,2 Sed quia dies ante . .. me deficiet, aus dessen Epist. 3,14 (p. 149,9 f.) Hinc est quod b. Martinas discipnlis respondisse fertur. Aus Victor Vitensis stammt das von Dümmler S. 13 n. 2 ausgehobene Stück, aus dem Physiologus 6 ) das zweite Stück von S. 17 n. 1. — Handschriften Wiicib theol. fol.44 s" XI und Guelferbyt Heimst. 330 s. XV, vgl. Schepss, Neues Archiv 19, 221 und Dümmler a.a.O. S. 21 f Sprache.' Dümmler hatte zuerst auf sprachliche Eigentümlichkeiten S. 21 n. 1, sowie auf schlechte Etymologien S. 20 n. 3 und auf die Kenntnis grammatischer Kunstausdrücke S. 20 n. 4 aufmerksam gemacht. Poncelet hat das weiter verfolgt und an der Hand der Sprache Theoderichs Autorschaft für mehrere oben erwähnte Werke erwiesen und deren Zusammengehörigkeit festgestellt, vgl. Anal. Boll 27, 9 f. und n. 2 ff. Es ergibt sich daraus, daß Theoderich eine seltsam verzierte und mit allerhand wenig gebräuchlichen Wörtern verbrämte Sprache schreibt, die vielleicht öfters auf Glossenwerke zurückgeht. Sein Stil ist oft unnatürlich und gequält und besonders in den Vorreden äußerst wortreich bei großer Inhaltsleere an Gedanken. Er gehört entschieden zu den minder begabten Schriftstellern des berühmten Klosters Fleury. ') Dümmler a. a. O. S. 10 n. 1. medio evo 1,132ff, s ) Dümmler a. a. O. S. 11 n. 1. °) Vgl. die Dicta loh. Chrisostomi 1 (Ar- 3 ) Dümmler a. a. O. S. 35. chiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen 5.532 4 ) Daselbst S. 31—33. 36,25 ff. j N. 3) und Physiologus hrsg. von Heid er S. 15 °) Zur messianischenWeissagungbeiVergil N. III). Ekloge) vgl. D. Comparetti, Virgilio nel 456 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 71. Theoderich von Trier. Theoderich war im Jahre 1006 schon in hohen Jahren ins Mathiaskloster zu Trier eingetreten, nachdem er höchstwahrscheinlich Priester gewesen war und als solcher eine gelehrte Ausbildung erhalten hatte. Denn es wäre sonst nicht zu erklären, daß bald darauf sein Abt Richard mit dem Wunsche an ihn herantrat, er möge die Erhebung der Gebeine des hl. Celsus darstellen, die sich zur Zeit des Erzbischofs Egbert zugetragen hatte.' So gering nun Theoderich sein Wissen und Können zu machen sucht — kaum über die ersten Elemente sei er hinausgekommen —, so nahm er doch den Vorschlag seines Abtes an und verfaßte eine kleine Schrift über den Vorgang, der er einen Bericht über die nachfolgenden Wunder anhing. In der Widmung an Richard äußert er sich zunächst über dessen Wunsch und über seinen Gehorsam und gießt dann einen Schwall der ungeheuerlichsten Bescheidenheitsphrasen über den Leser aus. Die Schrift selbst beginnt er mit der Hervorhebung von Trier als der ersten Metropole von ganz Gallien, 1 ) und es sei daher unpassend, die Taten der Heiligen zu verschweigen, die sich hier vollzogen. Dann spricht er von Erzbischof Egbert, dem er unmäßige Lobsprüche erteilt; vor ihm, sagt er, seien alle Trierer Klöster in Armut gewesen. Egbert setzte im St. Euchariuskloster den in Gent vortrefflich gebildeten Gotherius zum Abte ein, und als man in diesem Kloster auf den Wunsch Kaiser Ottos II. das Grab des hl. Eucharius öffnete, stieß man auf einen kostbaren Schatz, nämlich auf den Sarg des hl. Celsus. Auf dem Sarge befand sich ein Epitaph in drei Distichen, das Theoderich mitteilt. Der Kaiser, der bei der Erhebung anwesend ist, beglückwünscht den Erzbischof und die Mönche zu diesem herrlichen Funde und Egbert veranstaltet eine große Feier unter seiner Geistlichkeit und gibt dabei seiner hohen Freude Ausdruck. Hieran schließt nun Theoderich die üblichen Wunder an, die ohne weiteres Interesse sind und nur über die Zeit Aufschluß geben. Da er nämlich von einem Wunder erzählt, das sich in den Tagen des Erzbischofs Liudolf zugetragen hatte, so ergibt sich die Zeit der Abfassung nach 1008. Zum Schluß erzählt er von sich selbst, seinem Eintritt ins Kloster, seiner geringen Bildung und von dem Auftrag des Abtes Richard. Literarisch betrachtet steht sein Werk tief genug, denn es fehlt überall an der lebendigen Verknüpfung der Tatsachen und der Stil ist von geradezu unausstehlichem Schwulst getragen, der Satzbau unübersichtlich und schwer zu verstehen. Eine besondere Freude scheint Theoderich an seltenen, namentlich griechischen Worten gehabt zu haben. 2 ) Zeugnisse. Am Schluß der Miracula (MG. SS. 8,207/57) heißt es Dominica? in- cartiationis anno 1006 . . . undosum huiuS mundi salum . .. nudus evasi et ad ... b. Euchani portum . .. confugi. Cumque ab eiusdem monasterii paire . .. nomine Richardo germaiutus satis essem susceptus . .. tum et pro annositatis meae grandaevitate sciolum me autumans, cum nee primis ut ita dicam litteris ad plenum fuissem instruetus, paterna mihi persuastt auetoritate, quatenus aliqua ... de s. Celsi inclitis virtutibus ac miraculis noviter exhibitt* calamo licet rusticano seriptitare nullo pacta differam. Widmung p. 204, 25 Excellentissimo ') c. 1 (MG. SS. 8. 205, 20) Cum Kquido \ sterium. 205,21 Ottonis relativics (= Solm). constet, quod Treverica metropolis . .. totius j 206,24 polyandrum. 206, 38 virtutibus pev- Galliae archisterium sit hactenus vocitata. plumem. 206,55 prostagmate pr'aeeunte. — ^u 2 ) So p. 204, 28 hierarcha. 205,20 arehi- perplumis vergleicht Waitz franz. emplume. Theoderich von Trier,— Olbert von Gembloux. 457 patrique permagniflco Richardo suus ille suo um ultimus Theodericus, quo inter monachos nihil habetur vilius . .. Bogat namque paterna pietas vestra . .. quatenus inventionem sacra- Hssimae glebae b. confessoria Christi Celsi .. . diebus piae memoriae Egberto Trevericae urbis hierarcha . ■ ■ detecta . . . men pnsillitas qualicumque relatu . . . mandare von differat. Das Epitaph steht c. 7 p. 206. 32-37. Zeitangaben in den Miracula p. 207, 40 Sed neque hoc silentio occulere debeo, quod in praesentia nostra ante paucos contigit annos; p. 207.47 ante hoc quinquennium und besonders 207, 55 quod in diebus Liutolß huius Trevericae urbis archi- episcopi . ■ ■ Christus etc.; dann p 207.11 Anno vero dominicae incarnätionis 1007 indictione :> und endlich die oben gebrachte Stelle. — Ausgaben: Acta SS. Feh. 3, 396—404 (= Migne 144,1233—1244): im Auszuge vonWaitz, MG. SS. 8. 204—208. Vgl. Wattenbach 1, 409. St. Beissel, Geschichte der Trierer Kiichen (Trier 1887) 1,190—196. 72. Olbert von Gembloux. Olbert stammte aus dem Orte Lederna an der Grenze des Sambregaues und zwar aus einer höheren Familie; er wird um 980 geboren sein. Als Knabe wurde er dem Kloster Laubach übergeben und genoß hier den Unterricht des Abtes Heriger. Um sich in den christlichen Wissenschaften weiter auszubilden, ging er nach St. Germain bei Paris und hielt sich darauf lernend und als Lehrer drei Jahre in Troyes auf. Dann zog ihn das Wissen des Bischofs Fulbert nach Chartres, zu dessen geistig angeregtem Schülerkreis er gehörte, von dem Adelmann in seinem Rhythmus mit Liebe und Verehrung spricht. Nachdem er von Chartres nach Laubach zurückgekehrt war, wurde er in seinem Kloster Lehrer. Er mufe bedeutende kanonistische Kenntnisse besessen haben, denn als Bischof Burchard von Worms den Bischof Balderich IL von Lüttich um einen tüchtigen Mann bat, unter dessen Leitung er sein christliches Wissen erweitern könne, sandte ihm Balderich den Olbert, der ihm bei der Bearbeitung seines grofäen kirchenrechtlichen Werkes treu zur Seite stand, ja, wie es scheint, ihm sogar vielleicht die Anregung dazu gab; jedenfalls half er ihm bei der Zusammenbringung des gewaltigen Stoffes und beim "Niederschreiben der Arbeit, was Sigebeit später nicht ohne Genugtuung ausführlich berichtet. Von Worms kehrte er dann nach Laubach zurück und wurde im Jahre 1012 zum Abt von Gembloux erhoben; innerhalb der Jahre 1018 und 1021 erhielt er außerdem die Abtei St. Jakob zu Lüttich. In dieser Stellung war er, wie Sigebert in der Abtsgeschichte von Gembloux mitteilt, vor allem bemüht, die Bücherschätze dieses Klosters zu vermehren. So schrieb er selbst die ganze Bibel in einem einzigen Bande ab und erwarb für das Kloster mehr als hundert Bände mit christlicher und fünfzig Bücher mit weltlicher Wissenschaft. Aber er war auch selbst literarisch tätig und verfaßte mehrere Heiligenleben, und da er auch musikalische Kenntnisse besaß, so dichtete und komponierte er zu Ehren der von ihm behandelten Heiligen auch Hymnen. Sigebert hebt unter diesen Arbeiten eine Antiphonie zur Matutin auf die hl. Waldetrudis zu Mons hervor und erzählt, daß Olbert auf die Bitte des Grafen Ragiuer IV. von Hennegau das Leben des hl. Veronus und einen Hymnus auf diesen Heiligen geschrieben habe. Von jenen Schriften aber seheint sich nur das- Leben des hl. Veronus erhalten zu haben. Vita s. Veroni. In dem Widmungsbriefe an Graf RaginerIV. berichtet Olbert, daß er von diesem zur Abfassung des Werkes aufgefordert worden sei und dessen Wunsche nachkomme. Der Eingang der Arbeit selbst ist 458 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. geschichtlich gehalten: Hunnen und Wandalen haben bei ihren Raubzügen in Gallien, Belgica und Germanien die Jahrbücher und die Lebensbeschreibungen der heiligen Männer verbrannt, so daß man von diesen nur noch die Wunder fühlt; aber ihre Abkunft und ihr Leben nicht mehr kennt. Und dazu erschienen später die Normannen und verwüsteten die gallischen Grenzgebiete ebenfalls. Zu den Heiligen jener Zeit gehört nun auch Veronus, dessen Leben zwar unbekannt ist, über dessen Wunder er aber schreiben wolle. Während der vielfachen Unruhen unter der Regierung Kaiser Heinrichs II. lag im Gau ßrabant im Dorfe Lembec der Leib des hl. Veronus. Dieser machte sich einem Priester mehrmals bemerkbar, da er zu größerer Kenntnis unter den Menschen gelangen wollte. Endlich offenbarte er sich auf gewaltsame Weise und nun endlich wurden seine Gebeine erhoben und in ein würdigeres Grab gelegt. Da blieben denn auch die Wunder nicht aus, mit denen die ganze weitere Biographie (Kap. 4-—20) angefüllt ist. Hierbei wird an einer Stelle (7) auf einen Mann namens Asceric verwiesen, der zu einem der Geheilten in naher Beziehung stehe und noch am Leben sei. Die Wunderberichte erhalten übrigens durch ganze Verse oder Versteile aus Vergil, Sedulius und Boethius öfters einen lebendigen und poetischen Anstrich, sind aber sonst ganz im hagiographischen Stil gehalten. Erst im letzten Kapitel erzählt Olbert, daß Graf Raginer, um den Heiligen vor den ausgebrochenen Kriegsunruhen zu schützen, dessen Leib nach dem Kloster der hl. Waldetrudis zu Mons habe übertragen lassen. Das geschah, wie Holder-Egger l ) nachwies, um das Jahr 1015 und Olbert hat seine Arbeit zwischen 1015 und 1020 verfaßt; er nennt sich nämlich in der Widmung nur Abt von Gemblous und er hat die Abtei St. Jakob zwischen 1018 bis 1020 erhalten. Der Verfasser bedient sich einer einfachen und meist guten Sprache, allerdings kehren dieselben Ausdrücke und Phrasen öfters wieder. Die ganze Erzählung ist, wenn auch aufgebauscht, dem Stoff angemessen und der Stil ist ausdrucksvoll und lebendig; nach Sitte der Zeit macht sich die Reimprosa stark bemerkbar. — Von weiteren Schriften Olberts ist nichts überliefert, er starb sieben Tage nach seinem alten Mitschüler Wazo im Jahre 1048. In der reichen Literatur des Bistums Lüttich wird seiner häufig und stets mit großer Verehrung gedacht. Zeugnisse. Zum Leben vgl. Sigeberti gesta abb. Gembl. 26 (MG. SS. 8,536,1) Olpertum nobis quartum abbatem Substitut delegerunt . .. Is in confinio Sambrensis pagi villa qaae Lederna vocatur natus est parentibus, quantutn od seculum non infimis ... In coenobio Laubiensi a puero . . . regülariter nutritus et in studiis litterarum adpritne eruditus .. ■ Hie ubi ex ore Hcrigeri Lobiensium abbafis . .. aliquid de septiformi sapore artium bibit, süim studii sui extinguere non potuit . .. Kam et Pavisius aliquandiu apud s. Germani operam dedit et studio et sanetae . . . religioni. Apud urbem Tricassinam friennio studuit, ubi grata vice et multa ab aliis didicit et prudenter alias doeuit. Sednec Fulberti Carnötensis episcopi eum subterfugil audientia, quem in peritia liberalium artium tota praedicabat Francia. At . . . ad alvearium coenobii sui est regressus ibiqiie vivebat religiöse Studiosus et studiose reli- giosus. (c. 26 p. 536, 16) Ea tempestate Burchardus quidarn in Wormacensi civilate datuseral episcopus . .. Is Baldrico iuniori Tungrensium episcopo fiducialiter mandat . . . ut sibi aliquem litterali scientia praeditnm dirigat, cuius ope et doctrina ipse in eruditione scripturarum proficere valeat . . . et tandem ad hoc nullus Olberto magis idoneus invenitur et ... ad urbem Vangionum dirigitur . ■ ■ Quod vel in hoc satis probari poterit, quod opus s. ecclesiae nimis utile elaboravif, dum Olberto dietante et magistrante magnum iUud canönum opus centoni- Vgl. MG. SS. 15,752 n.8. Die Passio s. Bonifatii. 459 gavit*) ■ ■ ■ Episcopus ubi votis suis satisfactum esse sensit, magistro optionem optulit ... au ad suos repatriare. Ille elegit repatriare . . . Ergo episcopo Baldrico remittitur. Abt in Gembloux c. 28 p. 536 ff. und in St. Jakob c. 35 p. 538,47 ff. sowie Ann. s. lacobi Leod. 1012 (1IG. SS. 16. 638, 6) 1012 Olbertns succedit '-) Lehrer in Laubach vgl. oben zu Burchard. in Gembloux Gesta abb. Gembl. 59 (p. 545, 32) Hie (seil. Liethardus abbas) a pueritia domni abbatis Olberti eruditione institutus. Zur wissenschaftlichen Tätigkeit vgl. Sigeberti de Script, cccl. 142 (ed. Miraeus p. 152) und besonders Gesta abb. Gembl. 42 (p 540, 39) sumministravii eis copiam librorum . .. Appellen* ergo animum quasi alter qiiidam Philadelfus ad constrnen- dam pro posse suo bibliothecam plenariam vetus et novum testamentum coniinentem in uno volumine transcripsit historiam. Et divinae quidem scriptturae plus quam centum congesstt volumina-, seeularis vero diseiplinae libros quinquaginta. (43 p. 541,3) Sed et in hoc... memoria adhuc vivit, quod vitas aliquorum sanetorum aliquibus in locis liquide et polite composuit et de gestis eorum in laude dei seeundum regulain musicae diseiplinae, in qua multum valebat, dulcissime cantus modifieavit. Inter quae quia rogante Raginero comite vitam £. Veroni confessoria composuit, cantum etiam de eo melifieavit, antiphonas quoque super matutinales laudes in trausitu s. Waldedrudis. Sein Tod Gesta 44 p. 541, 38 felicem spiritum caelo reddidit mittesimo quadragesimo oetavo anno domini; Sigeb. ehron. 1048 (MG. SS. 6. 359,5) dormiunt .. . Olbertns s. m. abbas Gemmelacensis; Ann. s. lacobi Leod. 1048 (MG. SS. 16, 638,41) Obierunt Wazo episcopus et dominus abbas Olbertns; Anselmi Gesta ep. Leod. 72 (MG. SS. 7, 234, 2) Postque ilhun septimo die ... memorati abbatis anima voti compos episcopum est secuta, dort auch c. 70 (p. 232. 39) seine engen Beziehungen zu Wazo abbas Olbertns ab _ ipsis puericiac annis coevus et collega neenon consecretalis Uli divinae legis meditator. Vita s. Veroni. So lautet der Titel bei Sigebeit (vgl. oben), der Druck gibt lichtiger Historia inventionis miraculorum et translationis s. Veroni. Tn der Widmung heißt es (Acta SS. Mart. 3, 845) Raginero comiti nobilissimo Olbertns Gemblacensium nomine non merito abbas .. . ideoque iussionis tuac sarcinam recusare non audeo, qua precanclo praeeipis ut miracula s. Veroni commendem scripto und c. 1 p. 846 Nee ratum esse dueimus silentio praeterire, quae eins meritis voluit dominus miracula ostendere. Zu Asceric vgl. 7 p. 847 Sed si cui videtur hoc incredulum, ab Ascerico veritatis capere potest indicium, qui semper antea ekemosi/nis foverat illum, in cuius obsequio ipse adhuc mattet cernuus ex nomine Thietledus nominatus. Zur Berichteistattung vgl. 20 p 850 Ilaec autem fuit causa, lector benevole, qua et infirmantium et locorum, a quibus venerint, nomina curavi subscribere, quia Pharisaeorum sequaces quosdam non dubitavi esse, qui quaedam benefaeta auf omnino non esse auf in malam partem semper invidendo curant inverterti. Zur Benutzung älterer Poesie vgl. 2 p. 846 extremi liomines Morini V erg. Aen. 8,727; roce faueibus haerente omnes inhorruerunt comae Aen. 2, 774; 4 p. 847 tundentesquepectora pugnis Aen. 4. 673; 9 p. 848 intenti in eum ora tenebant ... hicrimis ora rigabant Aen. 2. 1 und 9. 251; 10 p. 848 quatiente singultu vix Valens pre- caniia explicare verba Sedul. P. C 3.1071'.; 11 p. 848 cum iam Phoebi radiis grave; Cancri siclus ... restitueret mundo Boeth. cons. phil. 1, 6 Vs. 1; 15 p. 849 Obstupuit vox faueibus haesit sudorque salsus membra humeetavit Aen. 2, 774 und 173; 20 p. 850 febris anhela — vio- lentia ßanunae cecidit ist Paraphrase aus Sedul. P. C. 3, 34—39; vgl. außerdem 1 p.846 abutens patientia mit Cic. Catil. 1. 1, 1. Keine Bandschrift des Werkes scheint erhalten zu sein. Druck Acta SS. Mart. 3. 845—850. Exzerpte von Holder-Egger, MG. SS. 15, 750-753. — Vgl. Watttenbach 2, 143. 155. Hirsch, Jahrb. d. deutsch. Reichs unt.Heinrich II. Bd 2,194.196. 73. Die Passio s. Bonifatii. Bald nach dem Tode des Erzbischofs Willigis von Mainz ist dort wahrscheinlich in dem Kanonikerstift St. Victor, an dessen Kirche vielleicht einst Willibald das Leben von Bonifaz dargestellt hatte, eine kleine Schrift entstanden, die der Verfasser Passio saneti Bonifacii genannt hat. Er benutzte hierfür, wie Levison festgestellt hat, Willibalds Leben des Heiligen, Eigils Leben Sturms und hauptsächlich späte Fabeleien, wie sie beim Klerus und beim Volke über den Heiligen mündlich liefen. Diese geben dem Schriftchen seinen Charakter, der von Levison sehr richtig beurteilt worden ist. Näm- ') Sigebert sagt hierüber de scr. eccl. 142 2 ) Vgl. auch Reineri vita Reginardi 10 quod Burchardus . .. eins magisterio ad hoc j (MG. SS. 20,574,36) Adiutores . . . fuere Ölest provectus ut . . . et eins studio ore et manu ! bertus s. Jacobi et s. Petri Gemblacensis abbas. ulud magnum canonum volumen ... ederet. 460 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. lieh die ganze Erzählung macht einen wenig vertrauenswürdigen Eindruck und somit der Mainzer Schriftstellern keine Ehre. Gleich die erste Aussage, daß Pippin der Bruder Karl Martells gewesen sei, ist falsch, und wenn in Kap. 8 Bonifatius dem Papst Stephan III. wegen der Weihe des Metzer Bischofs Chrodegang entgegentritt und König Pippin beide versöhnt, so ist das ebenfalls ganz ungeschichtlich. 1 ) Nach diesen und ähnlichen Verstößen dürfte es schwer sein, an die Wahrheit irgendeiner Nachricht zu glauben, die der Verfasser ohne sonstige Beglaubigung vorbringt. Das kleine Buch beginnt mit einer fabelhaften Darstellung über die Bischöfe Gerold und Gewelib von Mainz und über die Kämpfe zwischen Sachsen und Thüringern zur Zeit Karl Martells. Gewelib verfällt in geistliche Strafe von Seiten des Bonifatius für die Tötung seines Vaters, und von dieser Zeit an ist Bonifaz Bischof von Mainz. Man hört dann von der Bezwingung eines Ketzers durch den Heiligen und von Frauenklöstern und Bistümern, die der Heilige anlegte. Es folgen Wunder und Prophezeiungen, die. Einsetzung Luis als 'Nachfolger, der Streit mit Papst Stephan und der Tod des Heiligen. Dann erzählt der Verfasser von Wundern, die sich an seinem Grabe zutrugen und von der Übertragung seines Leibes nach Fulda und berichtet über die Abfassung des alten Lebens durch Willibald in St. Victor sowie, nach einem weiteren Wunder, über die Begründung eines Kanonikerstiftes zu St. Victor durch Willigis. Mit der Weihe der neuen Kirche des Stiftes und einem kaiserlichen Gnadenakte Ottos III. schließt die kleine Schrift, die auch hinsichtlich der Form recht tief steht. Denn erstens ist der Stoff mehr zufällig zusammengestellt als fest disponiert, und dann ist die Schreibweise sehr unvollkommen und erinnert viel mehr an das 8. als an das 11. Jahrhundert. Der Verfasser hat sein Latein recht schlecht gelernt, er kennt oft nicht die wirkliche Bedeutung der Worte und die richtige Wortstellung im Satze bleibt ihm vielfach verborgen. Jedenfalls machte der Klerus des 11. Jahrhunderts an eine hagiographische Schrift größere Ansprüche, als sie hier irgendwie erfüllt werden. Zeugnisse. Die Abfassung der Schrift erfolgte wohl nicht lange nach Willigis'Tode (1011), da es c. 12 (p. 105, 10 ed Levison) von ihm heißt Willigisus autem beatae memoriae ■pater, da die Schrift mit einem Datum von 997 schließt und in Otlohs Vita Bonifatii (10B6) benutzt ist. Den Ort der Abfassung ergibt mit großer Wahrscheinlichkeit die ausführliche Darstellung über das Stift von St. Victor c. 13 p. 104 f., vgl. Levison p. LIX. Zu den Quellen vgl. Levison p. LX und die Noten zu seiner Ausgabe, zum Titel vgl. dort p 90, zur Beurteilung p. LIX f. Zur ersten Aussage (Titel und) c. 1 p. 90, 8 Karoli qui senior dicitur et Pippini fratris eins. Zum Streit mit dem Papst c. 8 p. 100, 1 Bonifatius in faciem ei restitit etc. Zu den vielfachen Fehlern vgl. Levison p. LIX und in den Noten. Besondere Sprachfoimen sind p. 93, 19 tortitudo (haeretica), p. 101, 5 semicalciatus und p. 104, 9 vulgarice. Merkwüidig ist das Wort des Bonifatius, daß der Papst seinen Sitz nicht verlassen und die Grenzen Roms nicht überschreiten dürfe c. 8 p. 100, 2 ei non Heere suam sedem de'relinquere et ter- niinos patrum transgredi — mindestens für das 8. Jahrhundert. Ueberlief eruug. Benutzt ist die Schrift durch Otloh (Levison p. LTX n. 2), vielleicht von Lampert von Hersfeld 4 ) und ausgeschrieben vom Verfasser einer späten Fulder Kompilation, vgl. Levison p. LXXXI f. Handschriften: Trevir. civ. 1151 s. X11I f. 160 (aus St. Maximin); Mus. Brit. Addit. Nr. 36737 s. XIII f. 122 (aus Himmelrode). Ausgaben von Pertz, MG. SS. 2, 353, von Jaffe, Bibl. rer. Germanicarum 3.471—482 und besonders von W. Levison, Vitae s. Bonifatii archiep. Moguntini p. 90—106. Vgl. Wattenbach 2, 111 und Levison a. a. O. p. LVIII—LX1I. ') Vgl.hierzu die Bemerkung bei W. Le vi son, Vitae s. Bonifatii (Hannover 1905) p.LX n.5. 2 ) Vgl. Levison p. LXI und n. 1. Bernhard von Angers. 461 74, Bernhard von Angers. Bernhard stammte vielleicht aus Anjou und wurde Schüler des berühmten Pulbert in Chaitres. Wenigstens hat er sich dort lange Zeit aufgehalten und näheren Verkehr mit Fulbert gehabt. In dieser Zeit begab er sich öfters zu einer nahe gelegenen Kapelle der hl. Fides, deren Leib im Kloster zu Conques ruhte, und sprach auch mit Fulbert über die beinahe unglaublichen Wunder, die die Heilige wirkte. Schließlich faßte er den Plan, selbst nach Conques zu gehen. Aber er mußte die Reise aufschieben, da ihn der Bischof von Angers bat, zu ihm überzusiedeln; wahrscheinlich sollte er die Schule in Angers leiten, nachdem er den Unterricht Fulberts so lange genossen hatte. Sein Aufenthalt in Angers währte fast drei Jahre und gewährte ihm, wenn man seinen Worten glauben darf, keinerlei Befriedigung. Endlich riß er sich gewaltsam los und ging nach Conques, wo er auf seine Fragen mit einer Flut von Wundern der hl. Fides überschüttet wurde. Da er selbst einen Menschen, dem das Augenlicht durch eine Gewalttat geraubt worden war und der es durch die Heilige wiedergewonnen, kennen gelernt hatte, so nahm er diese Tatsache als Ausgangspunkt für die Wundererzählung, die er mit einer schwülstig breiten Vorrede dem Fulbert widmete. Jene erste Erzählung l ) schmückt Bernhard in einer geradezu außerordentlichen Weise aus — die Augen des Unglücklichen werden von einer Taube oder einer Elster nach Conques gebracht —, so daß sie sich wie eine stellenweise hübsch ausgedachte Novelle liest, bei der die Phantasie stark beteiligt ist. Ähnlich phantasievoll ist das zweite Wunder, das die Heilige an einem Maultier verrichtete! Das Tier war schon getötet und es waren Schnitte in seine Haut gemacht, aber mit Hilfe der Heiligen wurde es zum Leben erweckt. Bezeichnend ist die Nutzanwendung, die Bernhard daran knüpft: „Wer wagt es nun noch, an der künftigen Wiederauferstehung der Menschen zu zweifeln, da doch sogar jetzt schon Tiere auferstehen?" Aber auch die weiteren Abschnitte lassen erkennen, daß Bernhard ein nicht gewöhnliches Erzählertalent besaß. Er mag sich im allgemeinen, wie er auch öfters selbst angibt, 2 ) auf mündlichen Bericht der durch die Wunder Begnadeten verlassen haben, aber seine Erzählungen sind doch so gehalten, daß man unstreitig eigne Ausschmückung annehmen muß. Die Wunderberichte sind nämlich merkwürdig ausführlich gegeben und gehen in alle möglichen Einzelheiten ein, sie spinnen die ursprüngliche Erzählung stets in eine kleine Novelle aus. Um die Lebendigkeit der Darstellung zu erhöhen, greift Bernhard auch zuweilen zu Versen, wie in c. 18, wo er Distichen und Hexameter mit Anlehnung an Vergilstellen 3 ) bringt. Viele von den Wundern mögen früherer Zeit entstammen, doch wird N. 20 als aus der Jetztzeit angeführt und in N. 19 ') c 1 (Migne 141,133C) gladiatorio . .. erfluum duximus. Wahrscheinlich hatte er damals schon Waifar an andrer Stelle behandelt, nämlich in De viris illustr. Casinensibus (Migne 173, 1037), wo er etwas ausführlicher schreibt Benedictus qui et Guaiferius Salernitamis sanetitate et i'eligione conspieuus, suavis eloquio, ingenio magnus, sermone faeundus. Scripsit ad Troianum episcopum vitam s. Seeundini et cantum eius, versus in laudem psalterii, de miraculo illius qui se ipsutn oeeidit et per b. Iacobum vitae redditus est, de conversione quorumdam Salemitanorum, de laude s. Martini, in laudem s. Seeundini, hymnos de eodem, homiliam de adventu, sermones de nativitate domini, de epiphania, de coena domini, de septuagesima, de ramis palmarum, passionem s. Lucii papae. Claruit autem temporibus Alexii et Henrici imperatorum ac Desiderü dbbatis. Amatus weiß von seinem eigentlichen Leben mehr zu sagen (Ystoire de li Normant ed. 0. Delarc, Rouen 1892) 4,44 p. 188 quar sans sa noblesce de la mere estoit ne's pour grant prince et de haute ligniee . .. quar en la flor de sa jovenesce se parti de la losenge de li parent soe et ala a l'escolle de antre maistre et est fait maistre de science celestial. Et aviegne qu'il fnst chanoinne et clere, toutes voies par vie et par costumes aloit comme moine. Die Erzählung von der Erscheinung gibt Petrus Diakonus de ortu et obitu iustorum coenob. Casin. 49 (A. Mai, Script, vet. nova collectio 6,2,273) und Amatus 4,45 ed. Delarc p. 189 f. Zur Anfeindung durch Gisulf vgl. Amatus 4,47 p. 190 Cestui saint home persecutoit lo prince Gysolfe. Vita Seeundini. Das Vorwort an Stephan *) beginnt mit der Gegenüberstellung des mosaischen Gesetzes und der Evangelien. Waifar äußert sich dann, daß Stephan ihn durch Abt Desider habe auffordern lassen, das Leben Secundins darzustellen, und er wolle diesem Wunsche gehorchen. Dazu lade besonders die Ruhe und der Friede von Monte Cassino ein; sei ja der Grund zu diesem Klostergebäude nach altem Bericht von Varro gelegt, 2 ) den M. Tullius so hoch gerühmt habe. Und er werde nun auch nach Troja kommen zu den Wässern des kalten Simoeis und die Insel Tenedos sehen und nach Athen emporsteigen, um die Platane zu sehen, deren Schatten Sokrates aufsuchte. 3 ) Von Sokrates aber werde er dessen glänzende, schöne Sprechweise erborgen, die zur geschichtlichen Darstellung gehöre, von der Cicero so bedeutende Worte gebraucht. 4 ) Andere freilich kämen ohne Kenntnisse und ohne Beredsamkeit an die Geschichtsdarstellung heran, wie der, dessen Darstellung er in Händen habe, die Geschichte geradezu verwirrt habe. 5 ) Es sei aber nötig, nach Darstellung der wenigen Wunder des Heiligen, über die man in Monte Cassino verfüge, Sinn und Eifer auf diejenigen zu lenken, die man in Troja besitze. Dies Vorwort verrät einen gebildeten Geist und einen Mann, der in der Literatur des Altertums wohl ') Waifar redet hier Stephan (Migne 147, 4 ) Es folgt Cic. de orat. 2,9,35 Historia 1293A) frater et coepiscope an. I testis —■ nuntia vetustatis. 2 ) Vgl. Cic. Phil. 2, 40,103. 5 ) Das bezieht sich doch wohl auf Waifars 3 ) Nach Cic. de orat. 1, 7, 28. | Vorlage zur Vita Seeundini. 486 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zu Hause war, und man könnte daher eine besonders gute Biographie aus seiner Feder erwarten. Und in ähnlicher Weise ist auch der Anfang der Schrift gehalten, wenn auch beidemal das alte Troja an Stelle der apulischen Stadt substituiert wird. Nämlich mit einem kurzen Hinweis auf die sagenberühmte Stadt beginnt Waifar. Er berichtet, daß aus ihr Aeneas stammte, der Ahnherr der Quiriten, und daß lange Zeit der troische Boden in völliger Verwüstung gelegen habe, nur der Xanthus, der Simois und die Insel Tenedos erinnerten an die alte Stadt. Doch diese erstieg allmählich wieder von neuem, um aber während des Bürgerkrieges wegen ihrer Treue zu Sulla von Fimbria an der Spitze der Marianer wieder gänzlich zerstört zu werden. Seitdem war Troja bis heute ein Körper ohne Namen. Aber auch in Apulien gibt es eine Stadt in sehr fruchtbarer Gegend, die Ecana hieß und durch ihre Bauwerke auffiel 1 ) und später Troja genannt wurde. Als hier die Bauleute mit ihren Arbeiten eifrigst beschäftigt waren, fanden sie eine Marmortafel mit dem Epitaph des hl. Secundinus und unter dem größten Jubel des gesamten Volkes wurde endlich der Leib des Heiligen entdeckt. Der Bischof der Stadt hielt das zwar alles für Blendwerk und verhöhnte das Volk wegen seiner Leichtgläubigkeit. Aber es befiel ihn dafür sofort eine schwere Krankheit. Und da man ihn nicht retten konnte, riet man ihm, sich an den Heiligen um Hilfe zu wenden. Und als das gesamte Volk zum Heiligen betete, wurde der Bischof wieder gesund und er stattete dem Secundinus seinen Dank ab, machte aber, um alle Zweifler zu beruhigen, mit dessen Gebeinen die Feuerprobe, die auch vollkommen gelang, indem sich keine Spur von Verbrennung an ihnen zeigte. Und als der Heilige nun neue Wunder verrichtete, nahm das ganze Volk an seiner Verehrung teil und spendete ihm Gaben aufs reichlichste. Hierauf berichtet Waifar noch ein weiteres Wunder des Heiligen und damit endet der Bericht überhaupt, ohne daß die Darstellung zu einem wirklichen Schlüsse gelangt wäre. Jedenfalls verdient dies Schriftchen nicht den Namen Vita Seeundini, denn außer der historisch-geographischen Einleitung liest man nur einen kurzen Bericht von der Auffindung und von einigen Wundern des Heiligen. Der Stil ist übrigens lebendig und die Sprache verständlich und nach guten Mustern gebildet. Vita s. Lucii papae et martyris. Im Eingange dieser wohl nur zum kleinen Teil überlieferten Schrift handelt Waifar ganz im allgemeinen über die Heldentaten der Märtyrer, die er den tapferen Soldaten vergleicht. An ihrer Spitze stehen zwölf Feldherren, unter denen er die Apostel versteht. Ihr Führer ist Petrus, der die kapitolinische Burg bestieg und dort den Jupiter vom Throne warf. Er und seine Schüler befreiten die Welt von den Lastern und haben in ihrer völligen Armut die weltlichen Ämter des Staates in geistliche Würden der Kirche umgewandelt und durch Zeichen und Wunder die Welt so besiegt, daß sogar das Kaiserreich heute dem Befehl des Papstes gehorcht. Aber die römische Weltmacht erklärte anfänglich den Päpsten den Krieg und viele sind als Märtyrer gestorben. So auch Lucius, dessen Tag heute gefeiert wird und der aus der Familie ') Diese Stelle ist aus Apul. Flor. 4. 18,83 genommen. Waifarius von Salerno. 437 stammte, die den Kriegen gegen Karthago und Numantia das Ende bereitete. Mit diesem großen geschichtlichen Eingang, der sich dem zur Vita Seeundini würdig an die Seite stellt, beginnt Waifar das Leben seines Helden, dessen christliche Tugenden er dann in einem stark rhetorisch gehaltenen Aufriß vorführt. Die nächsten Abschnitte bestehen aus ziemlich breit vorgetragenen, aber gut entwickelten geistlichen Ermahnungen, die etwa im Stile einer Predigt gehalten sind und sich auf die Verachtung der Welt, die Nachfolge Christi und die Aneignung der christlichen Tugenden beziehen, wozu Cicero undSeneca benutzt werden, 1 ) so daß diese Ermahnungen mehrfach ganz allgemeiner Art sind und nicht einen spezifisch christlichen Eindruck machen. Sie werden übrigens dem Lucius in den Mund gelegt und zwar so, daß er sie vor der Gemeinde in Rom gehalten habe. Und sie bewirkten, daß Lucius nach dem Tode des Cornelius zum Papst erhoben wurde. Was aber Waifar von ihm als Papst weiter zu erzählen weiß, ist so ungemein wenig, daß er, um nur einigermaßen etwas vorzubringen, dies wenige in außerordentlich viel Worte kleidet. Schließlich berichtet er, daß im römischen Volke eine feindselige Strömung gegen die Christen, die Verächter der Götter, entstanden, und daß ein vornehmer Mann im Senat aufgetreten sei und gegen die Christen gesprochen habe. Mitten in der Rede dieses Mannes bricht das Buch ab. Auch diese Schrift ist, wenn sie auch vollständig erhalten wäre, keine Biographie zu nennen. Wir finden eine vom christlich-historischen Standpunkte gut erdachte und auch gut ausgeführte Einleitung, die aber bedeutend größere Erwartungen hervorruft, als sie dann das eigentliche Werk erfüllt. Doch muß auch hier die formale Seite gelobt werden. Man befindet sich bei Schriftstellern wie Alphanus und Waifar in Monte Cassino fast wie im ausgehenden Altertum, deutliche Spuren weisen bei ihnen noch auf die große Zeit altrömischer Literatur und die Sprache ihrer Werke atmet Leben und Bewegung und ist von merkwürdiger grammatischer Reinheit. Allerdings kommt bei diesen Süditalienern das rhetorische Element sehr stark zum Ausdruck. Gedichte. 1. Versus in laudem psalterii. DiesGedichtvonll5Hexa- metern beginnt mit dem Preise Davids und der Herkunft Christi aus dessen Stamme. Der Inhalt besteht aus Lebensregeln, Ermahnungen und Sentenzen, die aus den Psalmen gezogen werden. 2. De miraculo illius qui se ipsum oeeidit. Waifar beginnt hier mit Christi Opfertod und fordert den Leser auf, seine Hoffnung auf den Erlöser zu setzen. Daß wahre Reue der Sünden zum Heil verhilft, dafür gibt es auch in der Gegenwart Beispiele, deren eines hier vorgestellt wird. Unter einer Schar von Franzosen, die zur Anbetung des hl. Jakobus nach Spanien gehen wollten, befand sich auch ein einfältiger Mensch, der sich eines Abends, als es Zeit war, zur Her- ') 2,7 (Migne 147, 1306C) Syracusanum I mperbus aliquis aversatus est autpalamrisit, iUum, cuhis impendere cervieibus in Wo tarn desiderato apparatu rßadius a tecto demissus seta equina cernebatur aus Cic.Tusc. 5,21, 61 f. 2, 8 col. 1306D qui quorundam inhonorifico facto vel dicto moventur, si Worum sermonem qui si cum aliis ad coeuam non admissi sunt, uut si admissi, non in medio sed in ultimo forte locati ist genommen aus Sen. de const. 10.2 p. 26 ed. Haase tom. I. 488 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, berge zu gehen, vom Zuge trennte und dem Teufel in Gestalt eines schönen Jünglings begegnete. Auf dessen Frage, wohin die Reise gehe, gab er wahrheitsgetreu Antwort. Darauf sagte ihm jener, das könne er bequemer haben, denn er selbst sei der Apostel, den er suche. Doch müsse er, um das gesuchte Heil zu erlangen, sich vorher ums Leben bringen. Und so geschah es auch: der einfältige Mensch ging zur Herberge, aß dort und tötete sich. Sogleich erschienen die unreinen Geister, doch als sie die Seele des Toten fortschaffen, erschallt eine Stimme: „Laßt ab!" Sie verschwinden und ein Jüngling steht in voller Jugendschöne da, über ihm schwebt im Himmel Maria. Da tritt der Apostel Jakobus hinzu und verkündet, wenn die Seele nicht wieder in den Leib gelange, so würde sie' nicht von der großen Schuld frei werden. Und alsbald ging die Seele wieder in den Körper zurück, der nun wieder lebendig wurde. Das geschah in der Nähe des Klosters Cluni, an dessen Abt Hugo sich der Gerettete wandte. Dieser sandte ihn zu seiner Mutter zurück. Diese wunderbare Geschichte ist lebendig und eindrucksvoll erzählt und läßt erkennen, daß man auch in Süditalien von der Bedeutung Clunis manches zu berichten wußte. 3. De conversione quorundam Salernitanorum. Dies Gedicht von 33 Distichen stellt dar, wie eine reiche und angesehene Familie zu Salerno, Eltern und sieben Kinder, geistlich wurden. Waifar preist die Familie, die er genau kennt, glücklich, daß sie diesen Schritt getan und ihren gesamten Besitz für nichts geachtet habe, denn um so größere Freuden des Himmels warteten ihrer. Ein weiteres Gedicht (4) De laude s. Seeundini Trojani episcopi ist nichts anderes als eine teilweise Wiederholung der Vita Seeundini in 49 Distichen. 1 ) Sie ist aber bezüglich der Auffindung der Heiligengebeine so gehalten, daß man ihren Wortlaut, ohne die Vita daneben zu gebrauchen, nicht wirklich verstehen kann. Manche Stellen sind äußerst wortreich und hüllen geradezu den Gedanken ein. Denselben Inhalt hat auch der Hymnus des. Secundino (5), der in acht sapphischen Strophen des Heiligen Auffindung oft nur andeutungsweise besingt, so daß das Gedicht ohne die Vita meist unverständlich bleibt, wie das so häufig in den hagiographischen Gedichten des Alphanus zu bemerken ist. Und das letzte Gedicht (6) In laudem s. Martini episcopi beruht auf demselben Verfahren: Waifar hat eine Anzahl Wunder aus Sulpicius' Vita Martini in aller Kürze, meist nur in je einem Distichon behandelt, so daß auch hier das volle Verständnis nur durch die gleichzeitige Lektüre der Quelle erzielt wird. Es scheint sonach, daß Waifar in seinen Gedichten sich Alphanus zum Muster genommen hat. Zeugnisse. 1. Vita Seeundini. Aufforderung (Migne 147, 1293B) Quaesüsti a nie per Casinensem abbatem . . . Desiderium ... ut ... ad scribendum potissinium historiam confessoria Seeundini conferrem. Faciam rem mihi difficilem . . . Erit profecto tantae reimaximum emolumentum Casini etiam secreta secessus facies ... Antiquitas etiam refert et illum Var- ronem tot saeculis celebratum 2 ) huius aedis auetorem fuisse, qui M. Tidlio iudice Romanorum alios religione, alios verum gestarum memoria, omnes autem litterarum scientia vicerit. Zu Troja — er substituiert das alte Troja dem neuen, obwohl er weiß, daß beide verschieden sind — 1294A Veniam et ad Troiam — d. h. wohl durch meine Schrift — cuius nomine gloriaris. Istam ad undam frigidi Simoentis (nach Aen. 1, 618) perlustrabo oculis famosis- ») Bis (Migne 147) 1300C. 2 ) Das Interesse an Varro, das sich also auch hier herausstellt, dürfte wohl dadurch zu erklären sein, daß das Kloster Schriften von ihm besaß; vgl. unter Alphanus. Waifarius von Salerno. 439 simam Tenedon (Aen. 2, 21), ascendam ad... Athenas ... quaeram ostiatim platanum . . . Otitis itmbram secutus est Socrates; mutuabor ab Mo rationem dicendi, constructionem ver- horum leporem dulcedinem ut ... et verum cognitione florescat historia et redundet oratio. Est enim historia etc. (es folgt Cic. de orat. 2, 9, 35). Es folgt der Tadel Contra plerique . .. ad gloriam adipiscendam nudi veniunt et inermes ... ut is, qui hanc eandem, quam in mann (statt manus) habemus Mstoriam, postquam attigit, incommodavit penitus et turbavit . . . Oportet autem expeditis his, qnae apud nos de eo sunt pauciora miraculis — habetis enim et alia, quae in his exemplaribus non habeniur — ad ea ... studio, animumque revocemus. Die Zerstörung Trojas durch Fimbria aus Oros. 6,2,11 (vgl. Augustin civ. dei 3,7). Troja 1 ) in der Zwischenzeit 1295 B Ex illa igitur tempestate usque ad hoc fere tempus vixit tantum sine corpore nomen, absque Latio quidem, cunctis aeque gentibus execrabile ob Romanorum monarchiam. Schilderung der Vegetation des neuen Troja 1295 C Vites et arbores ibi humiles sunt neque se tollere a terra altius possunt; ex his tarnen aliae semper virent aliae hieme nudatae verno tempore tepefactae frondescunt et fundunt odoriferos flores et germinant uber- rimas fruges. Der alte Name Ecana etiam dicta est (bei Plin. 3,105 Aecani). Die aus Apul. Flor. 4,18,83 genommene Stelle lautet cum monumentorum marmoratio, scenarum colum- natio, eminentia culminum id designent (col. 1295C); 2 ) es ist die einzig sichere Benutzung dieses Werkes, die mir aus dem früheren Mittelalter bekannt ist. Der Bischof — sein Name wird nicht genannt— ist ungläubig (1296C) ab episcopo tarnen urbis nihil factis huiusmodi adhibebatur fides ■ . . plebem stultitiae arguit, accusat principes temeritatis. Zur Feuerprobe 1298C Euere qui episcopo de industria suaderent . .. ut ... reliquiarum partem in ignem probatum mitteret . . . Iaciuntur in prunas reliquiae . . . nxdla in Ulis combustionis nota in- venitur, sicut hi qui praesto erant retulerunt; aus diesen Worten geht hervor, daß Waifar eine schriftliche Quölle vorliegen hatte, oder daß er sich auf den Bericht von Augenzeugen stützt. Der ganze Rest setzt iich aus Wundern zusammen. Vita s. Lucii papae et martyris. Zu den Feldherren der Märtyrer (Mignel47, 302B) sed a duodecim tantum primariis qui simid imperatoris et militis officia 3 ) gererent, obviatum est . ■ ■ Ex quibus .. . Simon ille lange omnium excellentissimus . . . cui Petrus est nomen impositum. Zum Papsttum der Gegenwart (1303 A) sie mundum subacturi, ut hodie omnes gentes, omnia regna, ipsum etiam Imperium Romani sacerdotis decretis iussionibusque videas famtdari; das kann sich doch nur auf die Zeit nach 1075 beziehen, und die Schrift ist daher unter dem Fontifikat Gregors VII. verfaßt. Zur Abstammung des Lucius (1303C) Ecce hie Porphyrides Lucius civis Romanus pontifex maximus, de cuius triumphi titulo dies hodierna gloriatur, illius familiae pollens nominis dignitate quae, ut Roma superesset, Car- ihaginensi et Numantino furori hnmo toti orbi modum et finem imposuit. Die Aufzählung der Tugenden des Helden erfolgt 1,4 f., die geistlichen Ermahnungen nehmen das ganze zweite Kapitel ein; daß dieser Abschnitt als eine von Lucius ans Volk gehaltene Homilie zu denken ist, spricht der Beginn von Kap. 3 aus (1307 D) Haec cum a Lucio dicta essent, popidus frequens Christianam ad coelum religionem attollere, nomina dare, fidem poscere alü satagebant ante-alios (vgl. das sallustische Gepräge, besonders Cat. 48,1). Die geistliche Wirksamkeit — die Weihe von sieben Bischöfen und die Einführung der Dalmatika — 3, 11 f., die Rede des vornehmen Römers — senatu dato — 3,13. Gedichte. 1. Zu David 1 ff. Verba tene vitae, quae verbum, tita, notavit, Regia lingua tulit, de cuius semine regis Rex regum mundo voluit sine semine nasci. Vs. 91 Omnia suffert, omnia susünet, omnia sperat, woher genommen? 2. Zu den Oertlichkeiten und zur Zeit der Handlung vgl. Vs. 41 Gallorum coetus partes qua fulget Iberas (?) Corpus aposto- licum gentis de more petebat und 117 Huic Cluniacensis cenobii vicina loco loca sacra feruntur. 4 ) Cui pater haud parvi meriti vir presidet Ugo (1049—1109). Zur Rede des Teufels 65 Apostolus ille Sum, quem queris, cgo. Zum Selbstmord Vs. 84 immergit gutture telum, Am- putat et venas secat et cum gutture nervös. Nee mora conßgit precordia 3. Zur Konversion der Familie (5 Hec vir et uxor erat dileetaque pignora Septem) vgl. 3 Una domus . . ■ Tota simul sacre induit arma toge und 16 Tu tua tuque tuos teque dicas domino sowie 43 Predia fundus ager simul est omissa supellex . . . Sed ddbttur celum, dabitur paradisus et ipse Christus. 4. Die beiden Troja werden hier sofort unterschieden, 2 Troia quibus cessit altera Troia tibi und 7 Tu nova Troia, aber mit Vs. 19 Ignotus iaeuit, cum tu destrueta iaceres, Menibns ut surgis, surgit et ipse tibi scheint, wie in der prosaischen Vita, das alte Troja ') 1295 B memor pristinae virtutis aus es sich um den Apostel Jakobus zu Compo- Sallust. Cat. 60,3. Stella handelt, ergibt 106 Accedit Iacobus, /) Die Anführung ist also etwa gleich- pro tanta labe precator. Der einfältige Mensch zeitig mit der Niederschrift im Laur. 68,2. war ein Schuhmacher, vgl. 123 Contentum 3 ) Aus Sali. Cat. 60,4. reperit, quibus ars sutoria sese Foverat et 4 ) Damit stimmt aber nicht Vs. 95 Ad 1 matrem. loca Romanis sie itur proxima muris. Daß 490 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. an Stelle des neuen gesetzt zu werden, da von einer Zerstörung des neuen nichts verlautet 5. Das sapphische Gedicht ist metrisch richtig gebaut. Zur Andeutung vgl. den Bericht über den ungläubigen Bischof 3, 1 Falsa promentem iaculo doloris Percutit vero, videt hie reatum, Penitet dicti: sua penitentem Pena reliqnit. 6. Das Gedicht besteht aus zwei einleitenden, einundzwanzig erzählenden und sieben Schlußdistichen, in denen der Ruhm des hl. Martin besungen wird. Ueberlieferung. In Monte Cassino waren die Schriften laut dem alten Kataloge vorhanden, vgl. Bibliotheca Casinensis 1 p. LXXX. Omeliae domini Guaiferii monachi Casi- iiens/'s ineipit Verba saneti. Und zwar waren sie hier ebenfalls in Verbindung mit den Schriften des Alphanus wie in der heutigen Ueberlieferung, standen aber räumlich nach ihnen. Einzige Hs. Casin. 280 s. XI f. 1—37, vgl.Bibl. Casin. 5,37 f. (vor den Gedichten des Alphanus). Ausgabe der Gedichte bei Ozanam, Docum. inedits pour servir ä l'hist. litt.de l'Italie p. 271—287, der Gedichte (nach Ozanam) und der Heiligenleben (nach Acta SS Febr. 2, 531 und Mart. 1,304) bei Migne 147. 1283—1310. Vgl. Ozanam p. 115 fr", und Tosti| Storia della badia di Monte Cassino 1,416. Vierter Abschnitt. Die Dichtung. Im vorigen Abschnitt hatten wir den Heiligenroman besprochen und ihn als eine Art Dichtung bezeichnen können. Er leitet daher von der Geschichtschreibung zur eigentlichen Dichtung hinüber. Im vorigen Zeitraum war gemäß der gesamten Kulturlage entschieden ein Rückschritt in der poetischen Tätigkeit während der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zu beobachten. Auch an den größeren Kulturzentren war sie mehr oder weniger verstummt. Es fehlte jetzt an dem die höheren Geister einigenden karo- lingischen Hofe, der gerade für die Entwicklung der Dichtung eine ungemein große Förderung gebracht hatte. In unserem Zeitraum treten die königlichen Höfe zurück gegen die Bischofshöfe, die geistlichen Fürsten übernehmen in der Begünstigung der Poesie die Rolle der Laienfürsten. Allerdings büßen alte Mittelpunkte der poetischen Produktion wie Reichenau nicht völlig ihren früheren Rang ein, aber sie werden doch jetzt von Lüttich und Trier, von Speier und Basel, von Würzburg, Bamberg und Regensburg, von Metz und Laon überholt. Damit ändert sich freilich auch das Gesamtbild der Dichtung, ihr freier weltlicher Charakter, den sie vordem besaß, verliert sich und sie wird mehr geistlich und knüpft sich an die Vorstellungskreise innerhalb der Kirche an. Sie unterstellt sich sogar der praktischen Theologie, indem sie neben der lateinischen Versifikation biblischer Bücher auch deren deutsche Übertragung nicht verschmäht. Natürlich nimmt auch in der früheren Zeit die geistliche und in den Dienst der Kirche wie des Unterrichts gestellte Dichtung einen breiten Raum ein, da ja die lateinische Poesie nur vom Klerus gepflegt wurde. Aber sie steht jetzt weitaus an erster Stelle. Und zwar betrachten wir hier zuerst als Übergang vom Heiligenleben zur eigentlichen Dichtung die in Verse gebrachten hagiographischen Arbeiten, die metrischen Heiligenleben. Sie sind natürlich, soweit sie nicht Personen aus der jüngsten Vergangenheit behandeln, von älteren Darstellungen in Prosa abhängig, die sie in Verse umsetzen. Solche Arbeiten sind Gerhards von Soissons Leben des hl. Romanus, Fridegod von Canterburys Bearbeitung von Aeddis Vita Wil- fridi, Walther von Speiers Gedicht über die Passio Christophori, Wulstans Leben des hl. Svithun, Cosmas' Darstellung der Passion des Senesius und Theopompus, Angelram von St. Riquiers Vita Richarii, 1 ) Gualdos Bearbeitung 'HmVat. reg. 566 f. 23—32 s. XI befinden ! dichte des Girald von Fleury, nämlich die sich (nach Pertz' Archiv d. Ges. f. ältere Translatio s. Benedicti et s. Scolasticae und deutsche Geschichtskunde 12,293) einige Ge- | Versus eiusdem de s. Maria. Das erste kennt 492 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, der Vita Anskarii, Herigers Vita Ursmari, Alphanus von Salernos Vita duo- decim fratrum sowie eine Menge kleinere Gedichte desselben Verfassers endlich Waifars von Montecassino De miraculo illius qui se ipsum occidit. — Sodann ist die geistliche Lyrik aufzuführen. Seit langen Zeiten hatte sich das Kirchenlied, der Hymnus, beim Kultus eingelebt, es war zu einem Bestandteil des Gottesdienstes geworden. Bezüglich seiner Stoffe herrschte allerdings große Verschiedenheit, denn wenn auch für bestimmte Feste sich bestimmte Lieder fest eingeführt hatten, so gebrauchte man doch an den verschiedenen Orten gemäß der besonderen Verehrung von Ortsheiligen diesen besonders gewidmete Lieder und daher stand die Hymnendichtung für die Lokalheiligen in hohem Ansehen. Für den Hymnus hatte sich aber ein besonderer Typus ausgebildet. Nämlich nach einer Einleitung von einer oder mehreren Strophen wurden aus der Geschichte des Heiligen mehrere wichtige Ereignisse berichtet und in allegorische Beziehung zu biblischen Dingen gebracht, dann der Heilige um seine Fürsprache bei Gott oder Christus gebeten und der Hymnus mit dem orthodoxen Bekenntnis der Trinität geschlossen. Die Form des Hymnus ist meist rhythmisch und zwar wird hier der jambische Achtsilber bevorzugt; viel seltner werden noch metrische Hymnen gedichtet und dann meist in den künstlichen, aber schwungvollen Odenmaßen eines Prudentius oder Boethius, wie das z. B. Alphanus getan hat. Die rhythmischen Hymnen sind stets gereimt, die metrischen zeigen zuweilen den Reim beider Vershälften oder begnügen sich auch mit der Assonanz der Versenden. Hymnen dichteten Wulstan auf Ethelwold und Svithun, Ademar von Chabannes auf Eparchius von Angouleme, Fulbert von Chartres auf den hl. Pantaleon und den hl. Piatus in Fünfzehnsilbern und mehreres andere, Hermann von Reichenau auf Heilige Schwabens und Bayerns und mehrere Sequenzen, ein unbekannter Mönch dichtete eine Cantilena auf Heribert von Köln in Sequenzenform, Jotsald von Cluni schrieb mehrere rhythmische Gedichte auf den Abt Odilo und seinen Tod, Heribert von Eichstätt dichtete mehrere Hymnen auf Eichstätter Lokalheilige und andre Heilige, Otloh von St. Emmeram auf Weihnachten und auf biblische Stellen, Alphanus von Salerno schrieb eine große Anzahl Hymnen auf ver- schiedne Heilige, Waifar von Salerno endlich besang die Auffindung des hl. Secundinus in einem Hymnus. Der Rhythmus wird aber auch noch zu andern Gedichten verwendet, wie z. B. ein karolingischer Dichter vielleicht das ganze Paschale Carmen in vierzeilige Strophen von Elfsilbern umsetzte, wovon sich ein kleines Bruchstück erhielt, 1 ) oder wie der Archidiakon Gibuin von Langres einen Rhythmus auf die Schönheiten des Paradieses schrieb. Und so bedient sich auch das volkstümliche historische Lied des Rhythmus, wie in der Klage auf die Ermordung des Herzogs Wilhelm Langschwert von der Normandie, 2 ) oder Wipo in seinem Klagelied auf den Tod Konrads II. Andreas in der Vita Gauzlini 1, 2 (Neues Archiv 3, 352) Translationis quoque seriem Gi- raldus Jiaud spemendc scientiq fulgor elegiaco defloravit peutametro (ungedruckt). ') Aus Paris. 9347 f. 4» s. IX .herausgegeben von Wilh. Meyer, Göttinger Nachr. 1917 phil.hist. Klasse S. 594 ff. Der Verfaser war ein Ire. 2 ) Ausgabe von J. Lair, Bibl. de l'ec. des chartes 31,389 ff.; vgl. L. Delisle, Notice sur des mscr. du fonds Libri cons. ä la Laurent, ä Florence (1886) p. 40. Die Dichtung. 493 Weiter ist das Lehrgedicht zu erwähnen, das schon im späteren Altertum sehr beliebt war, im vorigen Zeitraum nur wenig geübt wurde, aber jetzt zu einem sehr häufigen Ausdrucksmittel der Poesie wurde. Vielfach hat es dogmatischen oder moralischen Inhalt, auch will es pädagogisch wirken und zuweilen bemächtigt es sich volkstümlicher Stoffe; auf der andern Seite aber bewegt es sich im Gebiet der freien Künste und will hier sachlich belehrend auftreten. Mit dem Lehrgedicht in Verbindung steht die Satire und die Allegorie und diese beiden Dichtarten sind wie das Lehrgedicht in mehreren sehr bedeutenden Werken vertreten. Odo von Cluni schrieb seine moralisch-dogmatische Occupatio in sieben Büchern. Der Ire Israel, der Lehrer Brunos von Köln, verfaßte ein Gedicht De arte metrica super nomen et verbum. Egbert von Lüttich schrieb ein Lehrgedicht von Sprüchen und Sentenzen Fecunda ratis. Fulbert von Chartres dichtete De divisione librae et partibus eius und über den Komputus. Odo von Meung verfaßte ein umfängliches botanisch-medizinisches Gedicht De viribus her- barum. Manfred von Magdeburg gab ein komputistisches Gedicht heraus. Wipo verfaßte zur Belehrung des jungen Heinrich III. den Tetralogus und seine Proverbia. Ekkehart IV. von St. Gallen dichtete für die verschiedensten Gelegenheiten im Kloster seine Benedictiones. Der französische Kleriker Arnulf richtete an Heinrich III. eine große Spruchsammlung Deliciae cleri. Der Abt Williram von Ebersberg brachte das Hohelied Salomonis nicht nur ins Deutsche, sondern auch in ein hexametrisches Gedicht, in das viele Erklärungen und Erweiterungen eingefügt sind, und in ähnlicher Art dichtete Heinrich von Augsburg über den Schöpfungsbericht in seinem Planctus Evae. 1 ) Hermann von Reichenau verfaßte ein größeres Lehrgedicht über die acht Hauptsünden in einem von der Antike reichlich durchsetzten allegorischen Rahmen und hat vielleicht noch ein zweites Conflictus ovis et lini geschrieben, das über die Zubereitung der Wolle und des Leinens und über deren Bedeutung für die christliche Welt handelt. In seinem Gedicht De doctrina spirituali wollte Otloh den Leser auf die Vorstufe christlicher Erkenntnis heben und durch seine Proverbia wollte er Avian und Catos Distichen für den Unterricht entbehrlich machen. Für die satirische Dichtung kommt das Gedicht Adalberts von Laon an König Robert zuerst in Betracht, das eine scharfe Satire auf die Cluniacenserreform vom Standpunkt des Kirchenfürsten aus enthält. 2 ) Fast völlig in den Geist von Horaz ist Amarcius eingedrungen, der in seinen vier Büchern Sermones die frivolen Sitten der weltlichen Großen, die Habsucht der Geistlichkeit und die Laster der Menschen überhaupt geißelt und sich dabei auch gegen die fremden Abenteurer am deutschen Hofe wendet. Das Gedicht des Winrich beklagt die Verweltlichung des Trierer Klerus und geißelt namentlich die Verwendung *) Nach den Angaben der Hist. litt. 7,229 | beißende Satire, die im Paris. 8121A erhalten diehtetelsraelvonLimogesfvgl.hierzuLabbe, und von H. Omont (Annuaire Bulletin de la Bibl. nova mscr. 2, 569 und Gallia christiana 2,551) zu Anfang des 11. Jahrhunderts ein Carmen de vita Christi in der Volkssprache, also französisch. ä ) Warnerius von St. Ouen richtete gegen seinen Widersacher Moriuht eine scharfe und Soc. d'hist. de France Bd. 31; mir leider nicht zugänglich) gedruckt ist. Dort und in Paris. 8319 ein anderes Gedicht an Erzbischof Robert von Rouen (ungedruckt). Vgl. Wattenbach 1,471 n.3. 494 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. des Lehrers im Dienste der Küche. Völlig unbekannt dagegen ist der Inhalt von Wipos verlornem satirischen Gedicht Gallinarius. Die Allegorie wird zunächst von Leo von Vercelli vertreten, der im Metrum Leonis die Untreue der Italiener in einer kräftigen und humorvollen Allegorie vor Augen stellt, die mit einigen Tierfabeln durchsetzt ist. Warnerius von Basel gab in seinem Synodicus eine Nachahmung von Theoduls Ekloge, da hier Szenen aus dem Alten und Neuen Testament typologisch einander gegenübergestellt werden. Die bedeutendste Dichtung dieser Art aber schuf Eupo- lemius in seiner Messiade, wohl der ältesten unter ähnlichen Dichtungen. Sie stellt die Befreiung des jüdischen Volkes aus unglücklicher Gefangenschaft dar und zwar wird sie zuerst durch Moses versucht und dann wirklich vollbracht durch den Messias, der sich dem Tode weiht; auch hier ist Theodul reichlich benutzt. Dieser geistlichen Poesie gegenüber steht die weltliche Dichtung, zu der freilich viele Brücken von der geistlichen Dichtung hinüberführen, da sie ja auch noch in den Händen des Klerus liegt. Zunächst sind hier Gedichte persönlichen Inhalts, Gelegenheitsgedichte, poetische Briefe u. dgl. zu nennen. So ein Ruhm- und Preisgedicht auf Konstantin von Fleury und ein weiteres an einen Mönch Bovo, sowie das Huldigungsgedicht Gerhards von Seeon an Heinrich II. Besonders aber gehören hierher die vielen kleinen Poesien eines Froumund von Tegernsee, die allerhand Gelegenheitsgedichte, Begrüßungen, witzige Anreden und epigrammatische Gedichte enthalten und deutlich zeigen, wie beliebt diese Form geworden war. Gelegenheitsgedichte haben sich ferner erhalten von Ademar von Chabannes. Einen wegen seines Inhalts berühmten Rhythmus schrieb Adelmann von Lüttich auf seine Mitschüler bei Fulbert in Chartres, und eine Menge Gedichte persönlichen Inhalts haben sich von Alphanus erhalten. Dann sind die Dichtungen auf geschichtliche Ereignisse und hervorragende Männer, wie Fürsten und Bischöfe, sowie auf geistliche Stifter zu erwähnen. Atto verfaßte kurze Dichtungen auf Otto III. und Gregor V. und auf den Tod des Kaisers und den Regierungsantritt Heinrichs IL, Purchard schrieb ein Gedicht auf das Kloster Reichenau zur Zeit des Abtes Witigowo; ein Mönch von St. Bertin besang den Brand, der 1052 im Kloster ausgebrochen war, und die werktätige Hilfe des hl. Vincentius, Giselbeit von St. Amand beschrieb in einein Gedichte das Brandunglück, das sein Kloster im Jahre 1066 betroffen, Wipo dichtete ein Epos über den Slavenkrieg Konrads II. von 1033 und 1035, das aber verloren ist. Gauz abseits aber steht Embrichos von Mainz Vita Machometi, ein Gedicht, in dem die im Abendland über Mohamed laufenden Sagen gesammelt und vom christlichen Standpunkte aus beleuchtet werden. — Die eigentlich weltliche Dichtung wird hingegen nur durch den Ruodlieb vertreten, den lateinischen Vorläufer des mittelalterlichen ritterlichen Epos. Die Dichtung erzählt, obwohl sie von einem Tegernseer Mönch verfaßt ist, das Leben eines Ritters, wobei es gilt, zwölf Lehren der Lebensklugheit als wahr zu erproben. Gerhard von Soissons. 495 83. Gerhard von Soissons. Gerhard war wahrscheinlich Dekan des Medardusklosters zu Soissons in der Mitte des 10. Jahrhunderts. Er scheint 949 durch Erzbisehof Hugo II. von Rouen aufgefordert worden zu sein, ein Leben des hl. Romanus, des Patrons von Rouen, zu verfassen. Aber erst gegen Ende des Jahres 950 kam er dazu, dessen Wunsch zu erfüllen. Er sandte nämlich seinem Gönner das Leben des Romanus in Prosa und in Poesie und schrieb ihm dazu einen Brief, worin er den Tatbestand auseinandersetzt. Der Inhalt dieses Briefes aber wird erst durch die Form jenes Gedichts verständlich. Im Briefe heißt es nämlich, daß er dem Wunsche Hugos erst jetzt nachkomme, da in diesem Jahre schwere Zeiten über seine Gegend eingebrochen seien. Jetzt aber sende er ihm ein altes Leben des Romanus in Versen, damit er erkenne, daß er ihm keinen Lügenbericht zuschicke. Das alte Leben in Prosa behalte er wegen zu hohen Alters bei sich, doch sende er ihm eine zeitgemäße Überarbeitung zu. In den Besitz dieses Prosalebens sei er aber dadurch gelangt, daß diese Schrift mit vielen anderen Büchern in Braina das damals dem Erzbistum Rouen gehörte, verloren gegangen, aber von dem Auffinder an einen Kleriker aus Soissons verkauft worden sei. Dieser habe sie seiner — Gerhards — Nichte geschenkt und von der Nichte habe er sie nach kurzer Zeit erhalten. Hugo möge aber dem Überbringer des Werkes dadurch Dank abstatten, daß er ihm Reliquien vom Leibe des hl. Romanus mitgebe, wie er ihm früher versprochen habe. Zugleich bitte er darum, daß er seinen Klerus sowie die Mönche des Audoenusklosters anweise, für ihn zu beten, da er sich in großer Schwäche befinde und täglich seine letzte Stunde erwarte. Da nun im poetischen Leben des Romanus der Leoninus eine große Rolle spielt und die Verse sonst paarweise oder zu dritt durch einfachen oder zweisilbigen Endreim gebunden werden, so ist natürlich an hohes Alter des Gedichts nicht zu denken, sondern Gerhard hat höchst wahrscheinlich die alte Vita Romani stilistisch umgearbeitet und außerdem die poetische selbst verfaßt; denn eine solche Ausdehnung noch dazu des zweisilbigen Reims gehört erst dem 10. Jahrhundert an. Die Unterschiebung des poetischen Lebens auf frühere Zeit sollte jedenfalls dem Gedicht höhere Autorität verleihen. Nun ist das von Gerhard an Hugo gesandte Leben in Prosa sehr kurz und wesentlich ärmer an Inhalt als das Gedicht, und man hat daher von seiten der Bollandisten vermutet, 1 ) daß es nur in verkürzter Gestalt vorliege. Ich glaube aber eher, daß Gerhard vielleicht nach Hörensagen die poetische Vita um einige Züge bereichert hat, denn er fürchtet nach dem Briefe an Hugo, dieser könne an Erdichtung von seiner Seite glauben. Das Prosaleben beschränkt sich fast nur auf des Romanus Geburt, Jugendbildung, Bischofserhebung.Versuchung durch den Teufel in Gestalt eines frierenden Weibes und den Tod. Je weniger aber darin erzählt wird, mit um so stärkerem Wortschwall wird der Leser übergössen. So gleicht diese Schrift einem mageren, aber ungemein wortreichen Exzerpt aus dem Leben in Versen. ') Acta SS. Octob. 10, 75 c. 4. 496 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Vita S. Romani metrica. Das Werk stellt ein Gedicht in 591 gereimten Hexametern dar und kann aus diesem Grunde unmöglich in ältere Zeiten, besonders aber nicht in die Nähe der Lebenszeit des Heiligen hinauf- gerüekt werden, wie die Bollandisten wollen. 1 ) Die Taten des Heiligen sind hier bereichert um die Darstellung vom Sturze der heidnischen Götterbilder, von der Zerstörung des Heidentums und von der wunderbaren Wiedergewinnung heiligen Öls nach dem Zerbrechen der Flasche. Aber auch die Sprache und der Ausdruck des Gedichts lassen die frühe Abfassung nicht zu, denn beides richtet sich nach den feststehenden Normen des 10. Jahrhunderts. Die für gewisse Dinge in der poetischen Hagiographie typischen Ausdrücke kehren hier getreulich wieder und sind ein deutliches Zeichen für die spätere Abfassung. Die Erzählung ist oft in hohem Grade wortreich und bedient sich häufig des seit Fortunatus in der Poesie beliebten Asyndetons. Gerhard hat sich des öftern alttestamentlicher Anspielungen bedient, gleichsam um die Autorität seines Helden zu erhöhen. Besonders breit wird seine Darstellung, wenn es gilt, die Künste und die Macht des Teufels auszumalen. Aber er hat sich auch in der alten Dichtung umgesehen und öfters von dorther Farben zur Ausschmückung entlehnt. 2 ) Wenn er nun Vs. 570 den hl. Audoenus als Nachfolger des ßomanus erwähnt und Vs. 581 sagt, daß es ein Leben dieses Heiligen in Prosa und Poesie gebe und er daher dem Schlüsse zueile, so meint er mit der poetischen Vita wohl das vielleicht von Ansbert auf Audoenus verfaßte Gedicht, da das metrische Leben von Theodorich von St. Ouen ihm natürlich nicht bekannt sein konnte. Und aus diesem Schlußstücke geht hervor, daß Gerhard auch hier einen Zusatz zu dem alten Leben gab, denn in der prosaischen Vita wird Audoen nicht erwähnt. Sonst ist an dieser Versifizierung, die also ganz im üblichen hagiographischen Stile gehalten ist, nichts Besonderes hervorzuheben. Zeugnisse. Gerhard nennt sich in der Widmung an Hugo (Migne 138,171A) Gerardus gratia dei venerabilis pater coenobitarum und da er später seine Nichte zu Soissons im Marienkloster erwähnt und seit dem 9. Jahrhundert das Medarduskloster in besonderer Verehrung gegen den hl. Romanus stand (vgl. Mabillon, Vetera analecta p. 429), es aber zur Zeit Erzbischofs Hugo II. von Rouen keinen Abt Gerhard dort gab, so hat Mabillon wohl richtig geschlossen, daß Gerhard Propst oder Dekan in St. Medard gewesen ist. Es kann sich nur um Hugo IL handeln, denn in der Widmung steht (col. 171B) in Braina ergo potestatis vestrae loco, denn unter Hugo III. gehörte Braine-sur-Vesle (Depart. Aisne, Arrondiss. Soissons) den dortigen Grafen, vgl. Mabillon p. 429. Da nun Erzbischof Hugo II. von 942—989 regierte (Gallia Christiana 11,25), so wird der Verlust von Büchern dort mit dem Einfall Ragenolds im Jahre 950 zusammentreffen, vgl. Flodoardi Annal. 950 (MG. SS. 3,400,10) Homines Iiagenolcli comltis qiiandam munitionem Bodomensis ecclesiae super fluvium Vidulam sitam quam vocant Brainam furtivo capiunt ingressu, kann also nicht auf die frühere Besetzung durch Hugo bezogen werden (Flodoardi Annal. 931). Dagegen wird die Beunruhigung der Gegend durch den Feind, von der Gerhard spricht — ob adversitatum videlicet incom- ') Acta SS. Octob. 10, 75 c. 5. 2 ) Mit 160 Stygiale profundum vgl. Verg. Cir. 374; 205 primuni repetens ab origine Georg 4, 286; 257 priscae vestigia fraudis Ecl. 4,31; 443 gelidus totos pavor occupat ortus Aen. 7,446; 500 evanuit unibra per auras Aen. 4, 278; 589 Scillaeosque canes Aen. 1. 200. 123 regina pecunia Horat. Ep. 1, 6,37; 218 pleno ridet sibi copia cornu.~B.oi: Ep. 1,12, 29. 174 lutulenta libido Prudent. Psych. 87. 43 rutilis ardens diadema berillis Fortunati Carm. 8,3, 263. Seltene Worte sind 277 archipolites und 479 contectalis (auch im Ruodlieb), ob aus Glossen? Die Prosodie des Gedichts ist äußerst fehlerhaft, besonders in fast allen Fremdworten; auch hierin zeigt sich deutlich der Verfall, wie er in späterer Zeit eintrat. (Aeddi und) Fridegodus. 497 moditates, quas undigue praesenti anno in nostris parübus perpessi sumus — die von Flodoard bist. Kein. eccl. 4, 36 nach dem Jahre 948 erzählte sein (MG. SS. 13, 89, 39) Igltur Hugo ... Suessonicam aggreditnr urbem et obsidens oppugnat caeditque nonnullos. Iniectis etiam iiinibus domum matris ecclesiae succendit simulque claustra canonicorum. So ergibt sich für die Abfassung wohl 950 (oder 951). In der Widmung heißt es Noverit benivolentiae vestrae sagacitas de vita s. Roman/ . . . pro qua humülima me exorastis prece, quoniam pactum ■ ■ ■ nullo modo attendere quivl ob adversitatum (das übrige oben). Modo autem dirigo vobis vitani veteranam heroico carmiue editam, ut omnino eunctis notum sit, quod nulla in- ventionum vobis dirigo mendacia. Illam autem quae historiaü stilo est depicta prae nimia vetustate penes nos retinens, hanc digestam stilo illius ad instar vobis transmitto. Ordinem qnoque rei, qualiter hanc merui adipisci vobis indicabo . . . In Braina ergo ... eadem vita nealigentiae causa fuit perdita aliique quam plurimi libri. Quidam autem clericus Suessionis civitatis ab inventore mercatam nostrae contribuit nepti obtinendam in monasterio ... Mariae ... sacrato; illaque post haec interiecto exigui temporis articulo eandem vitam mihi mxmeris oratio impertivit; darauf folgt dann die Bitte, ihn in ihre Gebete einzuschließen. Zum Reim: 'Endreim in Vs. 1—18. 231 f. 233 f. 237 f. und weiter, 374 f. und 511 f. viersilbig, 560 f. und 564 f. dreisilbig, hier überhaupt gereimt 556—566; sonst also findet leoninischer Reim statt. Ausgaben: Die prosaische Vita (mit größerer Einleitung, vgl. c. 4 und 5) Acta SS. Octob. 10 91—94, der Prolog Mabillon, Vetera analecta p. 429; die metrische Vita Martene, Thesaur. anecdot. 3, 1653 ff. Migne 138,173—184 (vorher der Prolog). 84. (Aeddi und) Fridegodus. Im Jahre 709 war Wilfrid, Erzbischof von York, gestorben, und schon nach wenigen Jahren beschrieb sein begeisterter Verehrer Aeddi, der als Kleriker den Namen Stephanus angenommen hatte, sein Leben. Aeddi war nämlich schon 669 aus Kent von Wilfrid nach Northumbrien überzusiedeln gebeten worden, um hier als einer der ersten Lehrer im Gesang tätig zu sein. Hier hatte er sich an Wilfrid fest angeschlossen und aus Dankbarkeit gegen den späteren Erzbischof verfaßte er dann dessen Lebensbeschreibung, zu der ihn der Bischof Acca von Hagustald und Abt Tathbert von Eipon sowie die Mönche dieses Klosters aufgefordert hatten. Seiner Widmung legte er die einleitenden Worte zugrunde, mit denen Herefrid die Vita Cuthberti begonnen hatte, und die Lebensbeschreibung selbst weicht in vielen einzelnen Momenten von Bedas Darstellung über Wilfrids Taten und Leben ab; B. W. Wells hat nachgewiesen, 1 ) daß Aeddis Berichterstattung vielfach durch persönliche Anteilnahme entstellt ist und daß Bedas Nachrichten unbedingt den Vorzug verdienen. Aeddis Stil ist zwar nicht durch die schwülstige Schreibweise eines Aldhelm entstellt und verhältnismäßig leicht verständlich, aber er entbehrt der Eleganz eines Beda und basiert durchaus auf der Ausdrucksweise der Bibel und vergleicht sich hierin Assers Leben König Alfreds. Da das Werk sich ungemein eintönig liest, so ist es nicht zu verwundern, daß man in späterer Zeit es bearbeitet hat. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts nämlich forderte Erzbischof Odo von Canterbury den Fridegodus, einen sprachlich sehr gewandten Kleriker, auf, das Leben Wilfrids in Versen zu bearbeiten. Fridegod hatte Odos Neffen Oswald, der später Erzbischof von York wurde, unterrichtet, wie Oswalds Biograph Eadmer erzählt, und im Vertrauen auf seine sprachliche Bildung übertrug ihm Odo nach dem Bericht Wilhelms von Malmesbury die Versi- fikation des Lebens Wilfrids, nachdem er den Leib des Heiligen von Ripon nach Canterbury hatte übertragen lassen. Und von diesem Tatbestand gibt ') The English historical review Bd. 6, 536—550. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 32 498 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Odo Zeugnis in der Vorrede, die er zu Fridegods Gedicht schrieb. Schon diese Vorrede bietet einen Vorgeschmack zu dem Gedichte, sie ist reichlich gewürzt mit griechischen und mit seltenen lateinischen Ausdrücken, die der Glossenliteratur unzweifelhaft entstammen. Ist solche Ausdrucksweise und solch affektiert gelehrter Stil uns auch sonst aus der zeitgenössischen Prosa wie bei den Italienern Liudprand und Atto bekannt, so ist sie in einem Gedicht um so seltsamer; freilich ist sie auch hier nicht ohne Vorgänger, wie das Beispiel Abbos von St. Germain beweist. Fridegod hat die eintönige Darstellung Aeddis zugrunde gelegt, ist aber mit dieser Vorlage sehr frei verfahren. Nämlich die Züge der älteren Lebensbeschreibung, die ihm poetisch nicht paßten, hat er einfach beiseite gelassen, während er anderes breit ausmalt. Die poetische Sprache Fridegods ist im allgemeinen nicht eben durchsichtig und klar, sie verrät aber Studium von Vorbildern, und zwar besonders von Vergil, Sedulius und Aldhelm. Und der Tadel, den schon Wilhelm von Malmesbury über das Gedicht ausspricht, daß nämlich das Griechische in der Ausdrucksweise eine zu große Rolle spiele, ist durchaus berechtigt. Aber es finden sich nicht allein viele Fremdwörter in den Versen, sondern deren Verständnis wird auch durch die vielen eingestreuten seltenen Ausdrücke beeinträchtigt, die Fridegod aus lateinischen Glossenwerken entnahm. Der Dichter hat hiervon wohl selbst die richtige Vorstellung gehabt, denn beide erhaltenen Handschriften seines Werkes besitzen am Rande oder zwischen den Zeilen Erklärungen zu fast allen schwierigen Wörtern. Diese reichlichen Glossen scheinen daher von Fridegod selber beigeschrieben worden zu sein, und nur bei einer einzigen Erklärung, 1 ) die aber grammatischen Inhalts ist, braucht der Dichter nicht der Glossator zu sein; und es würde dann hier der auch sonst vorkommende Fall eingetreten sein, daß die Glossen des Dichters später vermehrt wurden. J. Raine glaubt allerdings, daß das Verhältnis anders ist. 2 ) Es existieren nämlich zwei ziemlich verschiedene Rezensionen des Gedichts, von denen die eine aus Corbie stammte und von Mabillon für seinen Druck benutzt wurde. Die andere wird durch je eine Handschrift im Britischen Museum und in Paris repräsentiert. Raine meint nun, daß die Corbier Handschrift das ursprüngliche Original wiedergab, weil nämlich die Handschrift des Britischen Museums, 3 ) wo sie von der Corbier abweicht, ihre Diskrepanzen über Rasuren schreibt, und er glaubt, daß der Zusatz der zahlreichen Glossen zu derselben Zeit erfolgte, als die Anfertigung dieser zweiten Fassung erfolgte. Dafür spricht aber eigentlich nichts, denn es ist durchaus nicht sicher, daß die Handschrift von Corbie die Glossen nicht besessen hat; und ebensogut kann ihr Schreiber eine Vorlage benutzt haben, in der sie nicht mit eingetragen gewesen sind. Und mir scheint vor allem der Umstand gegen Raines Auffassung zu sprechen, daß der Verfertiger der zweiten Fassung gegen achtzig Jahre später, 4 ) als das 1 ) Nämlich zu Vs. 325 pars pro toto id I at Paris. est postremo clavem posuit. 4 ) Denn die Hs.Cotton. Claudius AI stammt 2 ) The historians of the church of York nach Raine aus dem Beginn des 11. Jahr- and its aichbishops Bd. 1 p. XLI. hunderts. 3 ) Raine bemerktp. XLI followed by that \ (Aeddi und) Fridegodus. 499 Gedient entstand, gerade ganz dasselbe Glossenmaterial, das Fridegod zu Gebote stand, noch besaß und im gleichen Sinne wie Fridegod verwendete. Mir erscheint die Zusetzung der Glossen durch Fridegod selber 1 ) viel einfacher, höchstens, daß ein paar grammatische Erklärungen später noch beigeschrieben wurden. Nun wird Vs. 672 das Wort philocompos gebraucht, das sich nach Goetz 2 ) nur an einer einzigen Stelle findet, nämlich im ersten Amplonianischen Glossar; an beiden Orten aber wird dies Wort gleich erklärt; 3 ) und außerdem erscheint zu Vs. 338 das Wort antemnis, dessen Glosse segelgyrdu zu der Glosse stimmt, die das genannte Glossar für au- temna besitzt. Eine zweite angelsächsische Glosse kämme (zu Vs. 1143 suf- fragine) entspricht der Erklärung zu poplites im Glossar einer Leidener Handschrift. 1 ) Da Fridegod Angelsachse ist und das erste Amplonianische Glossar die gleiche Herkunft hat, so dürfte sich ergeben, daß er dies Glossar selbst oder eine Ableitung eingesehen und benutzt hat; hierzu kommt, 5 ) daß er Vs. 1269 die sonderbare Glosse desselben Glossars (5,381,54) zu pinax (dignitas) gibt, die offenbar nur durch ein Versehen entstehen konnte, das kaum zweimal gemacht worden ist. Die Untersuchung der andern Glossen hat ergeben, daß Fridegods Kenntnisse sich berühren mit den Glossen im Bern. 688, G ) im Vatic. 3321?) und 1469, 8 ) im Sangall. 912, 9 ) mit den Glossen Abavus, 10 ) dem Liber glossarum 11 ) und den Glossae Scaligeri. 12 ) An manchen Stellen bleiben übrigens die schwierigen Wörter unerklärt, wie zu Vs. 261. 352. 711. 1321, während anderwärts unzweifelhaft falsche Erklärungen geboten werden, wie Vs. 659 mekotes mit maculantes, 661 Catc- gorans mit introducens vel scribens, 845 porismate mit itinere, 865 condilo- matis mit corruptis. Zu bemerken ist außerdem, daß sich mehrfach von Fridegod gebrauchte Ausdrücke entweder nicht in der bekannten Glossea- literatur oder überhaupt nicht nachweisen lassen, wie Vs. 155 latiatim. 349 serrano (prnatö). 352 ormisoum, 456 dexia (inertia). 1189 pilotria {coenum). 1220 cleanteo {plorabili). 1388 apopempaeo (recessu). Das letztere Wort begegnet in der Septuaginta, während 808 Archistrateios sich bei Josephus findet und 586 Trullissant dem Vitruv angehört. Man würde nach alledem auf ziemlich reiche glossographische Literatur in Ripon kommen. denn es ist doch sehr wahrscheinlich, daß Fridegod dort das Leben Wil- frids dichterisch bearbeitete. In dieser Literatur aber hat das Griechische eine hervorragende Rolle gespielt, Fridegod muß griechisch-lateinische Glossare vor sich gehabt haben, die entweder selbst schon teilweise in Verwirrung geraten waren, oder von Fridegod öfters mißverstanden wurden; denn an eigene Kenntnis des Griechischen ist kaum bei ihm zu denken. Sein Werk ') So hat Abbo seine Glossen selbst hin- Ganz ähnlich ist auch die Glosse für Vs. 816 zugefügt und ähnlich ist es bei Atto von Ver- { Symmystenque (consecretarius) mit Corp. gl. celli und beim Verfasser der Gesta Berengarii gewesen. 2 ) Corp. gloss. lat. 7, 84. 3 ) Nämlich mit amator iaetantiae. 4 ) Nämlich Leid. Voss. Q 69 bei Goetz, Corp. gl. lat. 5,421,9 Puplites Jwmme; vgl. lat. 5, 394,12. 6 ) Vgl. zu Vs. 269. ') Vgl. zu Vs. 457. 639. 670. 920. 8 ) Vgl. zu Vs. 588. 711. 1098. 9 ) Vgl. zu Vs. 446. 1031. 1225. 1319. 10 ) Vgl. zu Vs. 446. 1031. 1182. Goetz 7,106 zu Poples ham in Gloss. Werth. j ") Vgl. zu Vs. 125 5 ) Auch bei Vs. 449 (hyalino) stimmt di< Hosse mit Amplon. prim. bei Goetz 5,364,35 , Auch bei Vs. 449 [hyalino) stimmt die 12 ) Vgl. zu Vs. 1089. 1130. 1183. 1321. Glosse mit Amplon. prim. bei Goetz 5,364,35. | 32* 500 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ist nach alledem viel weniger literarisch als literarhistorisch von Wert und man kann Wilhelms von Malmesbury Urteil nur unterschreiben. Zeugnisse. Daß Aeddi das Leben Wilfrids schrieb, ergibt sich aus den Worten der Vorrede Incipit de humili excusat ione Stephani presbyteri bei Raine, The historians of the church of York and its archbishops 1, 1 und aus Bedas Identifizierung des Stephanus mit Aeddi Aeddi cognomento Stephanus; nämlich hier spricht Beda vorher von ihm als einem der ersten englischen Lehrer im Singen und als solchen erwähnt sich Aeddi selbst Vita Wilfridi c. 14 p. 22 (ed. Raine) cum cantoribus Aedde et Eonan. Die Stelle bei Beda Hist. eccl. 4, 2 (ed. Plummer 1,205) lautet primusque exccpto Iacobo . . . cantandi maijister Nordanhymbrorum ecclesiis Aeddi cognomento Stephanus fuit invitatus de Cantia a reverettr tissimo viro Uuilfrido, sie wird ergänzt durch die Vita Wilfridi c. 14 cum cantoribus Aedde et Eonan . . . regionem suam rediens (nämlich Wilfrid). Zur Aufforderung vgl. Wilfr. praef. (ed. Raine 1, 1) Praeceptorum vestrorum magnitudine, o venerabiles domini, Acca episcopus et Tatbrehtus abbas, totiusque familiae arbitrio superatus, utinam ut tarn effectu paren ■valeam quam voto! Daß Herefrids Vita Cuthberti im Anfang und auch sonst benutzt wurde, erwies B. W. Wells, The Engl. hist. review 6, 535. Aeddis Zugehörigkeit zum Kloster Ripon ist wahrscheinlich nach Raine p. XXXI f. Die Zeit der Abfassung bald nach 710 nach Raine p. XXXII. Ueber Aeddi vgl. im allgemeinen J.Raine, The historians of the church of York and its archbishops Bd. 1, XXXI—XXXV und J. B. Wells a. a. 0. 6,535-550 Handschriften: 1 ) Oxon. Fell I s. XII f. 34; Mus. Brit. Cotton. Vesp. D. VI s. XI f. 78 ; s ) danach beste Ausgabe von J. Raine a. a. O. 1, 1—103. Daß Odo die Aufforderung an Fridegod stellte, ergibt sich aus seinem Vorwort zum Gedichte (ed. Raine 1, 105) Orthodoxae fidei famulitio ancillatis . . . Odo Dorobernicarum opüio ovillarum und p. 106 et excerptis de Jibro vitae eius (sc. Wilfridi) flosculis novo opere pretium duxi carmine venustare, und wird durch Wilhelm von Malmesbury ausdrücklich bezeugt, der De gest. pont. Angl. — zwischen 940 und 950 — berichtet (ed. Hamilton c. 15 p. 22) Et ut clarissimum patriae iubar produceret in sptculam heroico metro vitam illius texi praecepit (sc. Odo). Exsecutus est id munus Fridegodus qnidam versibus non ita im- probandi«, nisi quod latinitatem perosus grecitatem amat, grecula verba frequentat ut merüö dictis eius aptetur illud Plautinum : 3 ) Haec quidem praeter Sibillam leget nemo. Die Worte Eadmers über Fridegod in der Vita Oswaldi (ed. J.Raine, The hist. of the church ofYork and its archbishops 2. 5) c. 4 sind Traditur liiteris et cuiusdam viri Frithegodi nomine, qui in divinis et saecularibus disciplinis quosque sui temporis sapientes praecellere putabatur, magisterio functus Studiosus discit et in brevi plurimum profecit. Zur Translation Wilfrids vgl. Odos Vorwort bei Raine 1, 106 Igitur . .. Wilfridi reliquias . . . cum inde . .. scilicet a loco sepulcliri eius quidam transtulissent, reverenter excepi atque intra ambitum metro- politanae, cui ■ ■ ■ praesideo, ecclesiae collocavi und Raine 1 p. XXXIX. Das Gedicht selbst ist in den Handschriften anonym überliefert, vgl. Raine p. XL; daß es aber Fridegods Arbeit ist, ergibt Vs. 1393 (Raine 1, 159) Nunc oleate*) mihi faveas industrius Odo und die Ueber- einstimmung des Stils mit dem Inhalt der oben angeführten Worte Wilhelms von Malmesbury. Bei Odo sind eine Menge seltner Wörter zu lesen, die wie ovilla, aggeratim, philan- tropia, eludium, miscillum, brachilexium, phisilegus in den Glossaren nicht begegnen, während caperato .. . supercilio auf Benutzung des Glossars im Vatic. 3321 führt, das auch von Fridegod benutzt wird; Odo zitiert übrigens in seinem Vorwort (Raine 1,107) in den Worten vitat illud comicum: auribus teneo lupum Terenz (Phorm. 3, 2, 21). Die Stellen bei Fridegod, an denen Vergil benutzt ist, sind z. B. Vs. 22. 481. 719. 826. Für Sedulius kommt in Betracht Vs. 481 (P. C. 1, 80 f.). 778 (P. C. 5, 138), für Aldhelm Vs. 13 (De laud. virg. 1916). 72 (ib.945): außerdem kann Vs. 50 (arguta iuvenem modulando cicuta) auf Calpurn. Ecl. 7, 12 5 ) zurückgehen, da der Wortlaut stimmt und Calpurnius in karolingischer Zeit bekannt war. Mit Angilberti Carm. 2,17 Scrutarique sacrae gestit secreta sophiae stimmt auffallend "Vs. 174. Für meine Auffassung, daß der Glossator auch der Dichter ist, spricht auch besonders Vs. 1324 archiliorum und Glosse archileus dicitur qui super mitte constituit; im Glossar stand ursprünglich chiliarchus dicitur qui super mitte constitutus est. Sollte ein viel späterer Glossator wirklich das Wort in seiner verderbten Gestalt in demselben Glossar aufgesucht J ) Die Vita Wilfridi wird in sechs gedruckten englischen Katalogen des Mittelalters genannt, freilich stets ohne Verfasser. 2 ) Raine vermutet Bd. 1 p. XXXVII, daß Wlfridi. 3 ) Plaut. Pseud. 1, 1, 23 Bas quidem pol credo nisi Sibylla legerit, Interpretari aliutn potesse neminem. diese Hs. früher nach Canterbury gehört habe; | 4 ) Fehlt in den Glossarien und ist auch vielleicht war es die zu Canterbury St. Augustin ohne Erklärung. Etwa nach Num. 11.8 m s. XV genannte Hs. (James, The anc. libr. of geistlichem Sinne zu fassen? Canterb. and Dover p. 367) N. 1460 et vita ' 5 ) et arguta iuvenes certare cicuta. Walther von Speier. 501 und die Erklärung übergesetzt haben? Zum Nachweis der Glossen dient G. Goetz, Corpus »lossarum latinarum Bd. 6 und 7. Da ein alter Katalog von Ripon fehlt, so läßt sich das dortige Vorhandensein von Glossaren nicht mehr kontrollieren. Uebrigens ist eine Kontamination der nachgewiesenen Glossenwerke im ganzen kaum zu denken, da wohl sonst dergleichen erhalten wäre; der Nachweis des Zusammenhanges mit Gloss. Amplon. primum dürfte für die Fortführung der Untersuchung wichtig sein und es müßten hierzu andere Werke der angelsächsischen Glossenliteratur eingesehen werden. Ueberlieferung. Erwähnt wird die Vita Wilfridi metrice 1247 in Glastonbury (lohannis Glaston. chron. ed. Hearne 2,442) und s. XV in Canterbury St. Augustin (James, The anc. libr. of Cant. and Dover p. 239 N. 448). Da aber die auf uns gekommenen zwei Hss. keinen Provenienzvermerk zu besitzen scheinen, so wird die Identifizierung der in mittelalterlichen Katalogen erwähnten schwierig sein. Das Werk findet sich heute im Mus. Brit. Cotton. Claud. A. I s. XI in. f. l b —32 ll und im Paris. 8431 s. XI, 1 ) der von einem Iren geschrieben ist, wie v. Winterfeld aus der Orthographie in der Passio Benedictae virginis, die hier auch erhalten ist, erwies, vgl. P. L. 4, 179 und n. 4. Außerdem besaß man in Corbie eine Hs., die nicht ganz vollständig war und mit Vs. 1218 schloß, heute Petropol. F. XIV 1 s. X, vgl.' Gillert, Neues Archiv 5, 610. 6,511, A. Staerk, Les mss. Latins du V e au XIII» siecle ä la bibl. de St. Petersburg 1,222; hiernach erschien das Gedicht zuerst bei MabiHon, Acta SS. ord. s. Benedicti3,1, 150 und der Schluß (nach der Londoner Hs.) 4,1,679 (Abdruck Migne 133 979). Nach beiden Hss. von J. Raine, The historians of the church of York and its archbishops 1, 107-159; vgl. hier p. XXXIX ff. Zugeschrieben wird dem Fridegod auch eine Vita Audoeni. Das ist allerdings wenig wahrscheinlich, daß ein englischer Mönch von Ripon das Leben eines Frankenbischofs bearbeitet hätte. Denn nur darum handelt es sich: die Vita Audoeni, die dem Fridegod beigelegt wird, ist eine wortreiche Bearbeitung der alten Lebensbeschreibung des Heiligen. Höchstens könnten einige seltene Wörter wie agonotheta 2 ) und stillicidium 3 ) für die Autorschaft des Wortjägers Fridegod sprechen, aber sonst habe ich nirgends Anklänge an dessen Ausdrucksweise gefunden. Denn die Benutzung Vergils, die sich an einer Stelle 4 ) zeigt, gibt natürlich kein Beweismoment. Der Verfasser beginnt sein keineswegs literarisch hochstehendes Werk mit der üblichen Bescheidenheitsphrase Praef. 2 ut qui brutae quondam asellae verba eoncessit humana, nobis sensum verborumque copiam largiri dignetur. Er zerdehnt dann den Bericht der älteren Vita Audoeni in breiter, wenig geschickter Weise, führt gelegentlich die Vita Columbani an 5 ) und gibt in der gewöhnlichen hagiographisehen Öde eigentlich nur 2,16 (p. 813E) eine lesbare Schilderung, als es sich darum handelt, die Folgen eines ausgiebigen Regens über einer verdorrten Landschaft darzustellen. Das Leben endet (3, 21 f.) mit der Ausschüttung maßlosen Lobes über den Heiligen nach dem üblichen Schema. Von selbständiger schriftstellerischer Leistung ist in der Schrift nichts zu spüren. t Ausgabe: Acta Sanctorum Aug. 4, 810—819. 85. Walther von Speier. Ein Schüler des hl. Gallus war um die Mitte des 10. Jahrhunderts Balderich gewesen, der später nach Speier als Lehrer an die Domschule kam und zu dessen Schülerinnen auch Hazecha gehörte, die in der Folge- ') Diese Hs. allein enthält das von Erzbischof Odo zu dem Gedicht geschriebene Vorwort; hiernach hrsg.vonWharton, Anglia sacra2,50 (Migne 133,946) und von Raine a.a.O. 1,105-107. 2 ) Prol. 2 (Acta SS. Aug. 4.810D) veluti agonotheta praeclarus. 3 ) 2,15 p. 813 D nee modicum pluviae stil- licidium. *) 1, 5 p. 811D siibditis parceret, superbos debellaret, vgl. Aen. 6, 853. ä ) Nämlich 1,2 p. 811A. 502 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zeit Schatzmeisterin im Kloster Quedlinburg wurde und mit ihrem früheren Lehrer in enger Verbindung blieb. Denn sie sandte ihm, nachdem er vielleicht schon das Lehramt mit der bischöflichen Stellung in Speier vertauscht hatte, vor 980 ein Gedicht über den hl. Christophorus zu und bat ihn, ihr Werk der verbessernden Durchsicht zu unterziehen. Als er aber daran gehen wollte, war das Gedicht durch die Unachtsamkeit des Speierer Bibliothekars verloren gegangen, und Balderich wünschte nun dafür Ersatz zu schaffen. Er wandte sich an seinen früheren Schüler Walther, damals Subdiakonus zu Speier, der seine ganze Schulzeit unter Balderichs Lehramt zugebracht zu haben scheint und während dieser Zeit Hazecha kennen und verehren gelernt hatte. Balderich stellte nun um 982 an Walther die Bitte, das Leben des Christophorus in Poesie und Prosa zu behandeln, 1 ) und Walther kam diesem Wunsche nach. Er verfaßte wohl im Alter von achtzehn Jahren das Gedicht und die Prosa angeblich in zwei Monaten 2 ) und widmete sein Werk mit einem in äußerst schwülstiger und dunkler Sprache geschriebenen Briefe dem Balderich, an den er aber außerdem noch ein kurzes Gedicht voranstellte, wo er Balderich mit hohem Lobe bedachte und die Städte Speier und Säkkingen — Balderichs Geburtsort — wegen eines solchen Patrons glücklich pries. Aber auch ein Gedicht an den Leser hat Walther vorausgeschickt, in dem er sich wegen der für seine Jugend fast zu großen Schwierigkeit in der übernommenen Aufgabe entschuldigt, wobei er in ziemlich langer und gesucht gelehrter Auseinandersetzung des Schicksals von Regulus gedenkt und hier die Parther an die Stelle der Karthager (vielleicht nach Horaz Carm. 3,5) setzt. Dem Werke selbst, das Balderich in sechs Bücher teilte, hing Walther drei Verse an und bemerkt hier, daß er es beim Regierungsantritt Ottos III. also 983 geschrieben habe, falls diese drei Verse wirklich von Walther selbst stammen. Außer diesem poetischen Werk übersandte Walther an Balderich aber auch eine Bearbeitung der Legende in Prosa, und da beide Darstellungen in der Erzählung übereinstimmen, so hat ihm unzweifelhaft schon eine Bearbeitung des Lebens von Christophorus vorgelegen, die er für beide Fassungen zugrunde legte. 3 ) Auch der Prosabearbeitung, die er in 29 Kapitel einteilte, ließ er einen Widmungsbrief an Balderich vorausgehen, und während die eigentliche Erzählung in verhältnismäßig einfachem und ungeschmückten Stile verfaßt ist, bietet der Brief durchaus die schon oben berührte überladene und prunkvolle Schreibweise. Denn hier galt es aufs neue das Lob des Bischofs zu singen und der vielfachen Verdienste desselben um den Verfasser zu gedenken. Jedenfalls erregte das ganze Werk in den Walther nahestehenden Kreisen nicht nur wegen des Stoffes, sondern auch wegen der zur Schau getragenen ') Prol. p. 105 (ed. Harster) iuxta Ma- | germanica 5, 1 S. 13) läßt die Angabe gelten. ronis in versibtis disciplinam sive Ciceronis in 3 ) Vgl. hierüber die richtigen Auseinander- prosa. Mehr wahrscheinlich aber ist das Vor Setzungen A. Schönbachs im Anzeiger f. bild von Prosper, Sedulius und Aldhelm. dtsch. Altert. 6,158.159.165 gegenüber Har- 2 ) Ob das richtig ist, sei dahingestellt, ster, Walther von Speier, ein Dichter des denn die Worte Prol. p. 107 (ed. Harster) X.Jahrhunderts (Speier 1877) S. 53; s. auch quicquid in utroque scribendi geriere — in- die Prosa c. 2 (p. 109 ed. Harster) Quod volabam können auch nur auf die Exzerpieiung autem hunc de terra Chananaea oriundum der Quellen bezogen werden. K.Richter (Acta , narrat historia. Walther von Speier. 503 Gelehrsamkeit Aufseher), und Walther sah sich daher veranlaßt, später für seine weitere Verbreitung zu sorgen. So schrieb er drei Jahre später, als ihm Balderich den Auftrag zur Abfassung gegeben hatte, an Hazecha nach Quedlinburg und setzte ihr den Auftrag, den er vom Bischöfe erhalten hatte, auseinander. Fast entschuldigt er sich hierbei deshalb, daß er das Werk gewagt, das sie ja schon früher ausgeführt habe, und er bemerkt, daß er das von Balderich in sechs Bücher eingeteilte und durchgesehene Werk mit fleißigen Erklärungen versehen und für sie in einer Kapsel aufbewahrt habe; 1 ) dieses Exemplar hat sich aber weder im Original noch in Abschrift erhalten, da die einzige Handschrift des Werkes keine Glossen oder Scholien besitzt. Nach dem Tode Balderichs (987) sandte Walther aber das Werk an drei Salzburger Kleriker Liutfred, Benzo und Friedrich, 2 ) die wahrscheinlich sämtlich Lehrer an der Domschule des Erzstifts waren und als solche den Walther, der wohl selbst damals Lehrer in Speier war, um die Übersendung gebeten hatten. Jedenfalls vereinigte Walther später- alle die zur Geschichte seines Werkes gehörigen Briefe mit demselben und eine solche Abschrift aus St. Emmeram ist als einzige Überlieferung auf uns gekommen. Daß Walther im Jahre 1004 selbst Bischof in Speier wurde, ist nicht unwahrscheinlich, aber keineswegs sicher, er wäre dann am 3. Dezember 1031 gestorben. Zeugnisse. Zur Abkunft Balderichs s.Walthers Prologus Vs. 30 (ed. Harster p. 6) Tnque gravis censu tali, Sekhingia, natu, zum Aufenthalt in St. Gallen Casus s. G-alli (MG. 2, 129) Et Palzo Spirensis episcopus in loco (seil, hoc) nutritus quo nemo fama ferente func eruditior; doch muß die Uebersiedlung nach Speier eher als 970 3 ) erfolgt sein, da Balderich die Schule leitete und das doch nicht als Bischof getan haben kann. Zu Hazecha s. die Aufschrift von Walthers Brief (ed. Harster p. 102) Epistula ad Hazecham sanetimo- nialem urbis Quidilinae kimiliarchen; daß sie zusammen mit dem Knaben Walther in Speier war, ergeben die Worte (ib. p. 102) Meministi enim — laeta fronte redierim, zur Unterrichtimg beider durch Balderich p. 103 per tuum incomparabilis diseiplinae in vita magistrum meumgue mirae paternitatis a parvo nutricium, Baldericum videlicet episcopum. Zur Schrift Hazechas p. 103 Notsti . . . unicam familiarium mcarum . .. nomine Hazecham. Haec . . . a scholis egressa cum libellum de vir.tutibus s. Christophori inaudita in id genus dulcedine conscripsisset, eundem mihi quasi magistro emendandi officio commendavit, Sed cum id mihi negotium librarii mei neglegentia perdito libello praeripuit, tibi eundem libellum gemina scribendi qualitate componendum iniungam. Daß Walther damals Subdiakon war, ergibt der Vers seiner Subskription (p. 101) 1 Haec hypolevita Uualtherus ab urbe Nemeta ... metrica depinxit amussi,*) und er scheint auch nach Balderichs Tode noch in dieser Stellung gewesen zu sein, -wie die Aufschrift des Briefes an die Salzburger erweist (p. 1) Epistula Vualtheri subdiaconi. Zum Unterricht Walthers Piaef. ad invit. lect. 83 (ed. Harster p. 12) patroni, Qui me disposito florenti rure scholarum Hoc tantum numero dociles instruxerat annos, vgl. außerdem den Brief an Hazecha p. 103 und den Brief an Balderich p. 104 f. Für das Alter Walthers, als er Balderichs Auftrag erhielt, s. Praef. ad invit. lect. 85—87 p. 13 und den Brief p. 106 Proinde — arripui. Da die Schrift 983 beendet war — s. die Subskription Walthers 3 (p. 101) Cum primum regno successit tertius Otto — und im Briefe p 107 brevi quasi duorum mensium continuatione als Zeit für die Arbeit (vgl. aber dazu oben) angegeben wird, so würde Balderichs Bitte um 982 anzusetzen sein. Der Brief an Balderich steht bei Harster p. 104—108, das kurze Gedicht p. 4—6, wo Vs. 28 Vaccina nach Harster als Speier zu deuten ist, und Vs. 30 Säkkingen erwähnt wird. Das Gedicht ') Es geht aus dem Wortlaut der Stelle nämlich nicht hervor, daß er es ihr übersendet habe, vgl. Harster p. 104 diligenter expositum tuae praesentiae servandum in thecä reporni. ■) Dieser kann nicht mit dem Erzbischof Friedrich identisch sein, da er von den drei Adressaten zuletzt genannt wird und der Erzbischof schon 954 zu seiner Würde gelangte. 3 ) Balderich wurde damals Bischof von Spei er. 4 ) Vgl. auch die Praefat. ad invitandum lectorem 76 (p. 12 ed. Harster) Ast ego, quem sacrae vix sublevitica mensae. . . Gratia contigerat iam sub puerilibun annis. 504 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. an den Leser (p. 7—15) hat die Aufschrift Praefatio ad invitandum lectorem idonea (zum besseren Verständnis, teilweise aus Juvenal, 1 ) von Vs. 1—3 s. Bursian in den Jahresberichten f. d. klass. Philol. 1878 Bd. 15, 3, 104); wenn Harster hier p. 8 n. zu Vs. 21 — 68 an Siliua denkt (vgl. auch Harster, Walther von Speier S. 20), so ist dem entgegenzuhalten, daß außer in der alten Aufschrift in Reichenau (Becker 15, 316) und der Bemerkung im Bern. 363 auf f. 147 b (s. Gottlieb, Wiener Studien 9, 157) Silius im ganzen Mittelalter nicht begegnet und nach Poggios Fund (1416 oder 1417) in der Bibliothek Calixtus' 111. 1455 (s. Müntz et Pabre, La bibl. du Vatican p. 104) zuerst wieder genannt wird. Das Werk selbst scheint wenigstens was das Gedicht betrifft, des eigentlichen Titels zu entbehren, er begegnet allerdings in der aber wohl erst später zugesetzten Aufschrift des Briefes p. 104 Incivit prologus de vitas. Christophori; doch besitzt ihn die Prosa Inclpit vlta et passio s. Chrislophori martyris, dagegen hieß Hazechas Schritt Libellus de virtutibus s. Christophori nach Balderichs Aussage in Walthers Brief p. 103. Daß Balderich das Gedicht in sechs Bücher teilte, berichtet Walther an Hazecha p. 104 officium toto nisuperfectum praefatl monitoris manibiis in sex giiodammodo libellos dispersum; die ursprüngliche Gestalt ist also nicht erhalten. Die doppelte Form war von Balderich gewünscht worden, vgl. den Brief p. 106 vel potius iuxta Moronis in verslbus disciplinam sive Oiceronis in prosa, prout valeas, industriam iterata still acie e vestigio exarandum iniungo. Dieser Widmungsbrief an Baldo (ed. Harster p. 104—108) ist übrigens wahrscheinlich dem ganzen Werke vorangestellt gewesen, da er sich auf beide Teile bezieht. Der Brief an Hazecha p. 102—104, sein Datum ergibt sich aus p. 103 Qul ettam me retro abhinc triennio . . . oratione impllcuit. Daß Walther zu dem für Hazecha bestimmten Exemplar Erklärungen hinzugesetzt hatte, beweisen die Worte p. 104 Iniunctl operis officium . .. ab eo emendatum et ut verum serles poscebat diligenter expositum; er scheint sich also diesem in karolingischer Zeit nicht seltenen Gebrauche angeschlossen zu haben. Die Sendung an die Salzburger hat die Ueberschrift Epistula Uualtherl subdiaeoni ad collegas urbis Sallnarum directa und der Brief motiviert in seinem Anfange die Sendung mit den Worten hominis Liutfredo*) Benzoni et Frlderlcho una cum ceteris datae consortibux pacls Vualtherus . . . Libellum nostrae modulationls, quem vlsetidl gratia vestra postulcuit adoptlo . . . iuxta promissum in promptu habetls; zur Zeit des Briefes vgl. p. 2 Atque tibi praecepto domlni non multo post viam universae carnis intravit. Walther war damals krank, s. p. 3 Aegritudo et infirmltas infirmavit litteras. Zum Leben Walthers ist besonders zu vergleichen W. Harster, Walther von Speier (Speier 1877) S. 15—28, A. Schönbach, Anz. f. deutsch. Alt. 6, 156 und Pannenborg, Gott. gel. Anz. 1879, 1, 634 f. Die vielfach von Harster abweichenden Ansichten K. Richters (Acta germanica 5,1, 8 f.) würden doch erst näher zu erweisen sein; besonders bedenklich scheint mir, was hier über den angeblichen Besuch Hazechas gesagt wird, sowie, daß Walthers Angabe, Hazechas Gedicht sei verloren gegangen, als Fiktion hingestellt wird (S. 9). Zur Unsicherheit der Stellung als Bischof s. Schönbach a. a. O. S. 156, Richter S. lOf. hält sie für wahrscheinlich, um seine Auffassung von Walthers höfisch-klerikalem Wesen zu unterstützen. 3 ) Das Epitaph des Bischofs Walther von Speier hat Ekkehart IV. gedichtet, es steht im Liber benedictionum (ed. Egli, St. Gallen 1909, S. 398) unter den Varia N. 9. Die Vita et passio s. Christophori. Es ist durch A. Schönbach, 4 ) und besonders durch K. Richter 5 ) zur Evidenz erwiesen worden, daß sich Walther an einen geschriebenen Bericht über das Leben des Heiligen angelehnt hat; das steht jetzt namentlich nach Richters Hinweis (S. 22 und 33) auf den Brief Ratrams über die Cynocephalen völlig sicher. 6 ) Dem ersten Buche gab Walther den Titel De studio poetae qui et Scholasticus, wie die Überlieferung ausweist und wie er selbst am Schluß des Briefes an die Salzburger besonders erwähnt. 7 ) Dieses Buch, das die übrigen an Umfang ') Er wird dort auch zu 4,36, wie auch und Hoffory Bd. 5, 1,18—22. Statius zu 3, 157, notiert. 6 ) Der Brief steht jetzt MG. Ep. 6,155 ff. 2 ) Zu Liutfred als Lehrer in Salzburg vgl. N. 12, wo auch auf die Benutzung der Passio Wolfheri vitaGodehardiant.6(MG.SS.ll,172) i s. Christophori aufmerksam gemacht wird. und W". Harster, Walther von Speier S. 22; Ich bemerke übrigens gegen Richter (S. 22), Wattenbach, 1,453. I daß Ratram Mönch in Corbie und nicht in 3 ) Es ist daher auch durchaus unsicher, ob ! Korvei war. dasZtschr. f. deutsch. Alt. 14,46 (und Harster j ') p. 3 (ed. Harster) Titulum vero libri I S. 28) hrsg. Epitaph des Bischofs Walther dem ! Scholastlcumpropter prlncipiaplacuitvocan; Dichter zukommt. vielleicht ist hiernach diese Benennung durch 4 ) Anz. f. deutsch. Alt. 6, 157—168. i Balderich erfolgt. • r ') Acta germanica hrsg. von Henning | Walther von Speier. 505 so»ar etwas übertrifft, beschäftigt sich nämlich mit Ausnahme der kurzen Schlußapostrophe an den hl. Christophorus ausschließlich mit dem Bildungsgange des Autors und ist daher, obwohl es ganz aus dem Thema herausfällt, wegen der vielfachen persönlichen Momente und wegen des ziemlich klaren Einblicks in die damaligen Schulverhältnisse, den es gewährt, für uns weitaus der wichtigste Teil des ganzen Werkes überhaupt. Allerdings hat K. Richter mit vollem Recht hervorgehoben, daß „dieses Lektionsverzeichnis eines Schulunterrichts fortlaufende Rätsel bietet, zu deren Lösung selbst die peinlichste Fachbildung nicht ausreicht". Und jede unbefangene Lektüre dieses Buches wie der folgenden läßt im Leser schwerlich den Eindruck einer großen dichterischen Befähigung zurück. Da nämlich der Ausdruck ungemein gespreizt ist und der Dichter zur Aussage jedes Gedankens nicht nur sehr viele Worte gebraucht, sondern auch fast nirgends unmittelbar und klar zum Ziele zu kommen sucht, so erhält man fast überall den Eindruck der größten Künstlichkeit und Geschraubtheit. 1 ) Die Allegorie, die in ihrem Übermaß der Hauptfeind echter Dichtung im Mittelalter gewesen ist und die dem Kleriker sowohl durch die altchristliche Poesie wie durch die Werke der Väter ein so vertrauter Irrgarten der Gedanken wurde, hat bei Walther fast jedes Gefühl für Natürlichkeit erstickt; und das ist hier um so mehr zu beklagen, als es sich um persönliche und wissenschaftliche Gegenstände handelt, die durch das Labyrinth der ungeheuerlichen Tropen und Metaphern nur mühsam durchschimmern. Hätten wir es mit einer rein religiösen, mit einer dogmatischen Dichtung zu tun, so wäre mit Hilfe der Allegorie der Kirchenväter doch vieles klarzulegen, aber so kann der Vorwurf dem Walther nicht erspart bleiben, daß er durch übel angebrachte allegorische Spekulationen den an sich so dankenswerten Vorwurf eigentlich zu Falle gebracht hat. Er beginnt mit dem grammatischen Unterricht und schließt hieran zuerst allerhand Lesefrüchte aus der antiken Mythologie 2 ) und dann die gebräuchlichen Schuldichter 3 ) an. Hierauf folgen Dialektik und Rhetorik sowie die Arithmetik, die mit fünf Rechenspezies vorgeführt wird. In der Geometrie wie in der Musik werden Boethius und Martianus als die grundlegenden Autoren genannt und es wird Bezug auf ihre Werke genommen. Nicht ungeschickt erfolgt dann der Übergang zur Astronomie, die mit der Erwähnung einiger Sternbilder die reichlich 200 Verse betragende Darlegung des Bildungsganges abschließt. Erst dann geschieht des hl. Christophorus Erwähnung, dessen Leben darzustellen der Dichter unternehmen will. In ganz ähnlicher Weise verläuft nun der Bericht vom Leben des Heiligen, denn die eigentliche Erzählung ist überall durchsetzt mit längeren allegorischen Ergüssen, mit Vergleichen und mit sonstigen Abschweifungen vom Thema, so daß der epische Fluß ungemein häufig unterbrochen wird. Hierzu kommt als weiterer, sinnerschwerender ') Vgl. hierzu die von K. Richter S. 14—17 beigebrachten Stellen. 2 ) Sie stammen besonders aus Servius und Pulgentius; vielleicht ist auch Remigius darin benutzt. 3 ) Vs. 93—105 werden erwähnt Homer, Martianus Capella, Hora'z, Persius, Juvenal, Boethius, Statius,Terenz, Lucan,Vergil. Vs.107 — 118 erzählt Walther von vielfachen dichterischen Debungen, denen man sich nach der Lektüre der Schuldichter hingegeben habe. 506 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Umstand die besondere Vorliebe Walthers für seltene Wörter und Wortformen; er bevorzugt namentlich das Griechische, 1 ) dem er mancherlei den zeitgenössischen lateinischen Schriftstellern unbekannte Ausdrücke entlehnt die er zuweilen in ganz eigne Formen zwängt. 2 ) Aber auch in der Latinität hat er sich nach ungewöhnlichen Wörtern umgesehen und hierzu jedenfalls als Unterlage ein Glossar benutzt. 3 ) Dadurch erhält das Gedicht häufig einen gelehrten Anstrich. In der Prosa hingegen fallen diese Sonderbarkeiten fast sämtlich hinweg, sie war unmittelbar, wie die meisten hagio- graphischen Schriften, zum Vorlesen bestimmt und hatte der Erbauung zu dienen, und daher verbot sich hier der rhetorische Aufputz von selbst. Natürlich ist Walther in seiner Dichtung von Vorbildern abhängig, die aber viel weniger die christliche als die antike Poesie betreffen. Mit der Untersuchung über die Abhängigkeit Walthers im Gedicht hatte W. Harster in den Noten zu seiner Ausgabe den Anfang gemacht. Er wies nach, daß besonders Vergil benutzt worden ist, daneben Persius, Juvenal. Lucan, Ovid und Horaz, außerdem Sedulius- weiteres boten Bursian (s. oben), Pannenborg und Schönbach, die besonders auf die Kenntnis des Prudentius aufmerksam machten, vgl. Gott. gel. Anzeigen 1879 Bd. 2, 638 ff. und Anz. f. deutsch. Altert. 6,169 S. 4 ) Baß der Reim ungemein häufig bei Walther auftritt, wies Harster in seiner Ausgabe p. IV —VI nach, während Schönbach (Anzeiger f. deutsch. Alt. 6,171 f.) auf den Reim in der Prosa aufmerksam machte. Ueber sprachliche Binge hat W. Harster (Walther von Speier S. 55 — 60) mehr im allgemeinen sich ausgelassen, während er in den Noten zur Ausgabe viel Material vorlegt, das freilich nicht immer in richtigen Bezug zum Bichter gesetzt ist: zur Sprache vgl. auch K.Richter S. 14 —16. Trotz alledem ist aber die Hauptarbeit, besonders in bezug auf die Vorbilder, erst noch zu leisten. — Einzige Hs. Monac. 14798 s. X f. 1—70; über Schreibfehler in der Hs. s. W. Harster, Walther von Speier S. 8. Ausgaben: Pez, Thesaur. anecd. noviss. 2, 3, 29—122; W. Harster, Uualtheri Spirensis Vita et Passio s. Christophori martvris, Speier 1878, rezensiert von Bursian. Jaliresb. f. kl. Phil. T5.3,104 f. (1878), von Pannenborg, Gott. gel. Anz. 1879 Bd. 1,633-640. von Nolte, Ztschr. f. östeir. Gymn.30,617—629; von Schönbach, Anz. f. deutsch. Alt. 6, 169—172. Auszüge bei Fil. Ermini, Poeti epici latini del sec. X (fiom 1920) p.76—93. Hauptschrift: W. Harster, Walther von Speier. ein Bichter des 10. Jahrhunderts, Speier 1877; s. hierzu besonders K. Richter, Ber deutsche S. Christoph S. 1—34 in Acta Germanica, hrsg. von R. Henning und J. Hoffory, Bd. 5 Heft 1. — Ebert 3,333. Hauck 3, 325 f. Bresslau, Jahrb. d. Beutsch. Reichs unter Konrad IL, Bd. 1,465 f. 86. Gedicht auf Konstantin von Fleury. Aus einigen Briefen Gerberts ist dessen begabter und gelehrter Freund Konstantin bekannt, der im 92. Stück (986) von ihm als Lehrer in Fleury bezeichnet wird. In einem andern Briefe aus demselben Jahre (N. 86) bittet er ihn, eine Anzahl Schriften Ciceros mitzunehmen, und anderwärts nennt er ihn dulcissime frater. Er widmete ihm seinen Libellus de numerorum divisione, da er ihn als tüchtigen Mathematiker kennt; dies Werk 5 ) kennt Richer von St. Remi und bezeichnet es als dem Grammatiker Konstantin gewidmet. 6 ) Zu St. Remi aber hatte Konstantin selbst Beziehungen, er hat sich dort eine Zeitlang aufgehalten. Später wurde er durch Bischof Arnulf von Orleans, den Freund Gerberts, dem Kloster St. Mesmin de Micy als Abt 1 ) Vgl. 1. 40. 42. 77. 145. 177. 186. 188. 192. 193. 2 ) Vgl. 1,186. 192. 3 ) Vgl. 1,11. 144. *) Bankenswert ist hier der reichliche Nachweis biblischer Stellen in der Prosa, abzuweisen aber ist die Kenntnis des Silius und der Silven des Statius. Ich bemerke, daß 6, 11 auf Beda de die iudicii 1 zurückgeht. 5 ) Gerbertioperaed. Ollerisp. 349; Gerb, op. mathem. ed. Bubnov p. 6 ff. 6 ) Richeri hist. libri IUI ed. Waitz p. 104 (3, 54). Auch Wilhelm von Malmesbury erwähnt die Schrift Gesta reg. Angl. 2,168. Gedicht auf Konstantin von Fletiry. 507 vorgesetzt, nachdem er ein Lied auf die Ankunft des hl. Benedikt in Fleury gedichtet und komponiert hatte; und vor dem 191. Briefe Gerberts steht als Aufschrift Constantino Miciacensi abbati. Auch hat sich in Gerberts Briefsammlung ein Stück erhalten, in dem Konstantin seinen mächtigen Freund um Beihilfe zur Rückgabe der dem Kloster Fleury geraubten Gegenstände bittet. Fraglich ist hingegen, ob der in Abbo von Fleurys Brief erwähnte Dekan Konstantin der unsrige ist; dieser Brief müßte in die frühe Abtszeit Abbos fallen, da Konstantin hier Dekan ist, und er kann doch erst nach 1003 geschrieben sein, weil Bischof Fulco von Orleans darin genannt wird, der erst 1003 zu dieser Würde kam. 1 ) Vielleicht beziehen sich aber Verse auf den Abt von Micy, in denen von ihm gerühmt wird, daß er eine wertvolle Handschrift zusammenstellen ließ. Jedenfalls aber stammt aus seiner Umgebung in Fleury oder in Micy ein Gedicht, das mit Aufputz großer Gelehrsamkeit gefertigt ist und mit großer Vorliebe für griechische Wörter und für gesuchte, ungewöhnliche Ausdrücke den Konstantin in den Himmel erhebt. Vielleicht regierten die Karolinger damals noch in Westfranken und durch den Eingang des Gedichts, das dann vor 987 verfaßt sein müßte, würde dargetan, daß Konstantin mit dem Herrschergeschlecht verwandt war. In dem Gedicht heißt es nun: „Ich halte es nicht für nötig. Konstantin, deine Herkunft zu preisen, daß du nach den Torheiten des Antenoridischen Untergangs aus dem Geschlecht der lockigen Könige stammst, das die römische Burg regiert hat und die Welt unter kaiserlicher Herrschaft hält." Auf die rhetorische Frage, wie er ihn rühmen solle, ergießt er nun von allen Seiten einen gewaltigen Lobschwall auf ihn, den Gott auserwählt habe zu einem rechten Obervorsteher des Gottesdienstes. Die ganze Welt feiere ihn, am meisten jedoch die Mönche des hl. Remigius, und er sei Christus lieb und allem Volke verehrungswürdig, denn er sei eine Leuchte unter den Gelehrten und eine Zier des Mönch- tums. Aber er, der Dichter, habe einen Betrug an ihm erkannt, denn als sie beide persönlich zusammengetroffen seien, habe er ihm seine baldige Rückkehr mit höflichen Worten versprochen, doch habe er das Versprechen nicht gehalten. Und deshalb bewahre er sein Schreiben sorgfältig auf, das mehrere Gedichte enthalte, und er erbitte einen neuen Brief von ihm, da er ihm die persönliche Gegenwart weigere. Von Gerbert stammt das Gedicht keinefalls, denn dazu ist, wie Dümmler schon bemerkte, die Form zu ungeschickt, und außerdem paßt das außerordentliche Lob auf den Adressaten des Gedichts nicht zu Gerberts sonst bekannten Äußerungen. Wir haben den Verfasser aber nach Vs. 75 und 99 f. unter den Mönchen von St. Remi zu Reims zu suchen. Vielleicht gehört dem Verfasser noch ein zweites Gedicht an, das sich in derselben Überlieferung findet. Dümmler machte für die Gleichheit des Autors auf die Vorliebe für griechische Wörter und für gesuchte Ausdrücke aufmerksam, die sich beiderseits findet; aber das liegt mehr in der Zeit begründet. Noch ließe sich eine gewisse Gleichheit des Stoffes anführen, da der Verfasser des zweiten Gedichts sich gleichfalls an einen Adressaten ') Vgl. Gallia christiana 8, 1430. 508 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wendet, mit dem er mangels persönlichen Verkehrs sich schriftlich unterhalten muß. Der Dichter wendet sich hier an einen Bovo, 1 ) der ihn früher gefördert und mit Lob bedacht habe und den er einen Freund der Musen nennt, der die Weiden des Felix Capella abgegrast und von den sieben freien Künsten unterrichtet worden sei. Er selbst habe nie die Lippen mit dem Naß der Hippokrene genetzt und keine Traumbilder auf dem Parnaß gesehen und die Dienerinnen der Philologie kennten ihn nicht, und er liebe die Verborgenheit und scheue sich, das Haupt daraus zu erheben. Im Anfange des Gedichts äußert er den Wunsch, daß es ihm doch vergönnt gewesen sein möge, in der verflossenen Zeit mit dem Freunde zusammenzukommen, mit dem er sich nun durch Schriftzeichen unterhalten müsse. Die beiden Gedichte zeigen mehrfach Anlehnungen an Persius, Juvenal und an Horaz und sind Zeugnisse für den zwischen Gelehrten des 10. Jahrhunderts so häufigen poetischen Briefwechsel. Zeugnisse. Brief 92 an die Mönche von Aurillac (ed. Havet p. 85) Ergo siqnis vestrum cura talium verum permoveatur vel in musica perdiscenda vel in his quae fiunt ex orgamis . . ■ per Constantinum Floriacensem stipplere curdbo. Est aenhn nobilis scolastkus adprime eruditus michique in amicicia coniunctissimtis. Brief 86 p. 77 mit der Aufschrift Constantino scolastico; hier heißt es p. 78 Comitentur iter tuum Tulliana opnsculu et de i-epublica et in Verrem et quae pro defensione multorum plurima Romanae eloquentiae parew conscripsit. Brief 142 p. 126 (Constantino scolastico) Congratulamur, dulcissime frater, per- vasore atque hoste monasticae religionis ad multorum salutem humanis rebus exempto (Abt Oilbold), darauf Brief 143 p. 127 Constantinus ad Girbertum mit der oben angeführten Bitte. Widmung der Abacusschrift in Gerberti op. mathem. ed. Bubnov p. 6 Constantino siio Gerbertus scolasticus. Vis amicitiae pene impossibilia redigit ad possibilia. Nam quomoilo rationes numerorum abaci explicare contenderemus, nisi te adhortante, o mi dulce solamen laborum, Constantinel Bei Richer heißt es 3, 54 p. 104 Quorum scientiam qui ad plentern scire desiderat, legat eins librum quem scribit ad Constantinum grammaticum und bei Wilhelm von Malmesbury De gest. reg. Angl. 2,168 (ed. Stubbs 1,195} Gerbertus ... Habebat con- philosophos et studiorum socios Constantinum abbatem monasterii saneti Maximini, quod est iuxta Aurelianis, ad quem edidit regnlas de abaco. Anwesenheit Konstantins in St. Remi im ersten Gedicht (Dümmler, Neues Archiv 2, 222 ff.) Vs. 74 Te celebrant cosmi per climala quique triquadri, Maxime Remigii tuguri fratres tibi fidi 2 ) und Vs. 99 Sed quia nobiscum presens cum forte maneres. Konstantin Abt von Micy vgl. Andreae Floriac. vita Gauzlini (Neues Archiv 3,352) His etenim diebus historia patris Benedicti adventns, quam Constantinus illius loci (= Floriaci) nutritus atque abbatiae Miciacensis honore ab Arnulfo Aurelianensium praesule donatus musicae artis dietaverat pneumatibus, suasu Helgaudi praecentoris per- missuque Gauzlini abbatis Eloriacensi loco primo insonuit und Gerberts Brief 191 p. 178 Gerbertus Constantino Miciacensi abbati. 3 ) Der Brief Abbos ist N. 11 bei Bouquet 10,440 = Migne 139, 437 A; zu Fulco von Orleans vgl. Gallia ehrist. 8, 1430. Die auf Befehl eines Abtes Konstantin verfertigte Hs. ist Paris. 5091 s.XI, die Isidors Chronik enthält und f. 116 f. die Verse Versus de provititiis parcium mundi ,Asia ab Oriente' anschließt; am Ende steht ein Gedicht, wo es Vs. 3 heißt Hie cum deficerem, miätis licet agnitus essem, Me, Rainere, tuo, edideras calamo. Sed Constantinus abbatum nobile sgdus Hoc fieri voluit sedidus et monuit. Bin Rainer aus Reims von der Wende des 10. zum 11. Jahrhundert ist aber bekannt aus dem Eintrag der geographischen Hs. Dresd. De 182 s. X — XI, der lautet Ragineras dedit sanetae Mariae Remensi; vorausgesetzt, daß Konstantin später die Abtei zu Reims erhielt, wurde jener Konstantin, der die Isidorhs. anfertigen ließ, mit unserm Konstantin identisch sein können, 4 ) was schon Wattenbach 1,469 n. 2 vermutete. Jenes Gedicht ist abgedruckt von B. Krusch, Neues Archiv 18,585. — In unserm Gedicht vgl. zu Antenor Vs. 3 Post ') Daß dieser Mönch war, ergeben die j des Klosters s. VIII—X vgl. A. Poncelet, Worte Vs. 2 fratrem Cautum. | Anal. Bollandiana 23,76—84. Petrus von Micy 2 ) Hieraus ergibt sich die Zugehörigkeit j (um 850) ist mit Lupus von Ferneres zu ver- des Dichters zu St. Remi. gleichen. 3 ) Ueber Hss. aus Micy in Paris vgl. De- 4 ) Zu der Dresdner Hs., die in Reims ent- lisle, Le cab. des mscr. 2.408. Sammlung , stand und später dem Kloster Michelsberg bei der Hss. bei L.Traube, Hieron. chron. frag- ' Bamberg gehörte, vgl. M. Manitius, Neues menta p. XII-XVIII. Ueber die ältesten Hss: Archiv 28, 235. Purchards Gesta Witigowonis. 509 Antenoride deliramenta ruine. 1 ) Zu den weiteren Lobreden vgl. 30 laudis tibi phiUara riectö, 2 ) 53 Bethorici cultus lunten, tibi quid loquar apte, 65 Hunc deus elegit proprio, quoque dote beavit, Ut validi nobis sit verbi mistet-iarches, 85 Es Christo carus, cuncto populo venerandus, 91 Lumen doctorum, decus et specimen monachorum. Zum Versprechen Konstantins Vs. 99 Sed quia nobiscum presens cum forte maneres, Agnovi fraudem, verbis cum sepe ])olitis Frustra vovebas ad nos Herum repedare und 105 Hoc tua multiplices odas mihi verba dicantes Perpetua conservo loco mihi sepe legenda ... 109 Pagina letificet, praesentia cui tua non est. Dümmler hebt zu den griechischen Worten aus dem Gedicht an Konstantin Vs. 19. 41. 62. 66. 74. 77, aus dem Gedicht an Bovo Vs. 14. 22. 28. 29. 48. Die herausgehobenen Stellen aus diesem letzteren sind Vs. 1 Convenio signis, quem convenisse loquelis 0 utinam quirem transmisso tempore fratrem Cautum pervigilem, signatum voce Bovonem, Qui me provexit qui laudibus extulit olim ... 7 Sed quoniam magni duxit me laude beari; 26 Si mäneas intra nee te quesiveris extra (Pers. 1, 7); 29 Sique manum ferule subduxeris inde sopliie (Juven. 1,15); 36 Fossor Pierium, musarum semper amicus (Hör. C. 1, 26, 1); 39 Felicis cum sis depastus prata Capellae, Philologiae te Septem docuere puellae ... 44 Fönte CabaUino qui numquam labra perunxi, Stertens Parnasi nee umquam somnia crevi (Pers. Prol. 1 ff.). Phißologiae quem numquam novere ministrae; 48 Ergo fovens latebram paveo sustollere cephal (vgl. Aldhelmi aenigm. praef. 20). Die Gedichte stehen im Bern. 394 s. X, der aus Fleury oder auch aus Micy stammen kann. Ausgabe mit Erläuterungen von Dümmler, Neues Archiv 2, 222 — 228, von H. Hagen, Carmina medii aevi p. 130—136. Zur Kritik L. Havet, Romania 6, 286. Vgl. Wattenbach 1,469 n. 2. 87. Purchards Gesta Witigowonis. Im Jahre 985 wurde Witigowo 3 ) Abt in Reichenau, nachdem das Kloster unter seinem Vorgänger Ruodmann große Einbuße erlitten hatte. Der neue Abt aber nahm sich des ihm unterstellten Stiftes in jeder Beziehung an, indem er durch kunstvolle Bauten und durch deren künstlerische Ausschmückung die alte Bedeutung des Klosters wieder herzustellen suchte. Ein reges künstlerisches Leben muß nach den alten Nachrichten und nach den erhaltenen Resten in Reichenau geherrscht haben, doch empfand man die häufige Abwesenheit des Abtes im Dienste des Reiches bitter genug. Und mit dem alten literarischen Ruhme Reichenaus war es in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts dahin, nur wenige Spuren schriftstellerischer Tätigkeit haben sich von dort aus jenem Zeiträume erhalten. Hierzu gehören besonders die vom Reichenauer Mönch Purchard verfaßten, aber mit zwei Lücken von je etwa 100 Versen erhaltenen Gesta Witigowonis. Sie sind wahrscheinlich 994 begonnen und bis dahin geführt, doch bewies der Verfasser auch für die nächsten Jahre des Abtes größeres Interesse, denn im Jahre 996 versah er das Gedicht mit einer Fortsetzung, in der Ottos III. Römerzug berührt wird. Purchard widmet sein Gedicht den gesamten Brüdern des Klosters und erzählt in seiner .Zueignung, daß diese ihn aufgefordert hätten, die Zeit des Abtes Witigowo darzustellen und zu schildern, wie dieser die zu Ruodmanns Zeit dem Kloster geraubten und verwüsteten Güter wiedergewonnen und wie er an den zum Kloster gehörigen Orten Kirchen erbaut habe. Und weiter verspricht er, alle künstlerischen Arbeiten aufzuführen, die zum Schmuck der Kirchen in den ersten zehn Jahren des Abtes entstanden seien. Am Schluß der Widmung spricht er sich über die Form seines Gedichtes aus. Es bildet nämlich einen Dialog, der vom ') Vgl. Prud. Apoth. 200 deliramenta Pia- ronae. tonis. 3) De r Abtskatalog (MG. SS. 2, 38) nennt 2 ) Vgl. Hör. C. 1,38, 2 nexae phihjra co- i ihn Witego. 510 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Dichter mit dem personifizierten Kloster gehalten wird und jedenfalls eine formale Anlehnung an den berühmten Dichter der Vergangenheit Walahfrid Strabo, 1 ) darstellt. Ein Prolog von vier Versen führt das Gedicht ein und kündigt das Thema an. Dann beginnt das eigentliche Werk und der Dichter fragt die Augia nach der Ursache ihres Schmerzes, den sie so offen zur Schau trage, obwohl sie in den jetzigen Zeiten des Friedens doch gar keinen Grund zur Klage habe. 2 ) Sie antwortet, daß sie von ihrem Bräutigam verlassen sei; sie spricht also in der Ausdrucksweise des Hohen Liedes, denn unter dem Bräutigam ist der Abt zu verstehen. Der Dichter bittet sie dann, ihm von der Zeit nach Ruodmanns Tode zu erzählen. Sie klagt nun über die schlimmen Zeiten, die damals über das Kloster eingebrochen seien, bis sie sich mit Witigowo verbunden habe. Aber auch hier habe sie zu klagen, denn der neue Abt verbringe fast seine ganze Zeit im Königsdienste und Kriege und sei stets auf Reisen abwesend, kaum habe er Zeit, sie kurz zu begrüßen. Auch nach Rom haben ihn seine Reisen geführt, und er habe von dort ein kristallenes Gefäß mit Blut Christi für das Kloster zurückgebracht, wozu der Dichter Vs. 276 ff. sie beglückwünscht. Weiter berichtet sie dann von den Bauten Witigowos für das Kloster und gehtauf seine Kirchenbauten ein, wobei sie ausführlich bei deren plastischem und malerischem Schmuck verweilt. 3 ) Seltsamerweise werden diese künstlerischen Arbeiten in ein annalistisches Schema eingeordnet, so daß sie streng chronologisch vorgeführt werden. Mit Vs. 491 hat die Erzählung ihr Ende erreicht. 4 ) Sie bietet gar nichts Literarisches, enthält aber sehr viel für die Kunstgeschichte wichtige Momente. Ein Epilog von drei Versen gibt das Ende des Gedichts deutlich an, 5 ) aber 996 hat der Dichter eine Fortsetzung angehängt, er fährt bei Vs. 495 mit dem 11. Jahre Witigowos fort und berichtet, indem er die dialogische Form aufgibt, zuerst vom Neubau der Pelagiuskirche und dann 510 ff. vom Römerzug Ottos III., und zwar hier in merkwürdig gewundener Ausdrucksweise. Schließlich erzählt er von Ottos Kaiserkrönung, um dann mit der Rückkehr Witigowos von Italien nach Reichenau und mit den von ihm erworbenen Privilegien sein Gedicht zu beenden. Aus der Dichtung ergibt sich aber, wenn man zwischen den Zeilen liest, ganz deutlich die Mißstimmung im Kloster wegen der zu häufigen Abwesenheit des Abtes; wahrscheinlich hatte sich aus diesem Grunde 6 ) und vielleicht infolge seiner außerordentlichen Bautätigkeit die Zucht gelockert, und er wurde daher im Jahre 997 abgesetzt. Purchard hat sein Gedicht in überwiegend leoninisch gereimten Versen geschrieben. Sein Ausdruck ist im allgemeinen klar und verständlich, die Sprache einfach und ohne besondere poetische Künstelei. Zeugnisse. Zum Verfasser des Gedichts vgl. die Widmung (MG. SS. 4, 622,1) Be- verentissimo Augiensium patrum senatui . .. Purchart. Auftrag durch die Brüder 5 miror In seinem Gedicht De imagine Tetrici j liamus, tis suppeditatur in usus ist nach hatte er einen Dialog zwischen Poeta und Scintilla gehalten. 2 ) Augia felix im Prolog Vs. 2 nach Walahfrid Vita Mammae 26,60 (P. L. 2,296) und Carm.75, 13.4 (PL. 2,413). s ) Vs. 23 Quoil super astra volat, quic- quiä tnaris unda ministrat, S/quid gignit Sedul. P. C. 1,11 f. gesagt; tis = tut aus Ser- vius in Aen. 2,595. Vs. 165 vgl. mit Juvenc. hist. ev. 1, 76. 4 ) Vs. 474 vulgaris fabula fio wohl nach Horat. Ep. 1, 13, 9. 5 ) Vs. 492 Carminis hie finem dat clausula. 6 ) So urteilt Ebert 3,340. Leo von Vercelli. 5 j j cur ,ne horum omnium stolidissimum ... ad tarn sublime opus scribendum, sicut in seguen- iibus apparet, eligerc dignemini und 12 Scripsi enim vestra coactus iussione, quando cepit cd quomodo dominus noster . .. abbas Witigoiro virtutum studiis in hac floruit potestate, quomodo etiam in suae prelationis ') iniiio praedia nostra tempore Euodmanni captivata pace ab invasoribtts direpta penitusqne vastata in integrum adqnirendo restituit et .. . ad ipsa divina officia celebranda qualia vel quanta aecclesiarum templa in quibusdam ad nos pertinentibus locis constituit. Zum Inhalt 18 Quid enim per decem annos huius iam prelationis regimen subeundo in hoc loco fecerit sub aecclesiarum structuris et in variis diversi operis arcuum colomnarumque celaturis in altaribus quoque et in crucibus auro atque argento fabrefactis, Ulis quippe preciosis monilibus mira gemmarum textura insertis non pretermittit stiltis liaec omnia scribentis. Zur Form des Gedichts 23 Igitur sub quadam appellationc loci personal» (nämlich Augia) feci meis assertionibus occurrere, sribensque sub exametris versfbus in pronum currentibus'*) omnia studui .. . fine tenusperficere. Der poetische Prolog p. 622.33 Incivit hie textus per dieta poetica scriptus, Floreat in quantis ornatibus Augia felix Hac in struetura, quam fecit nobilis abba Dans Studium Christo, qui nomen habet Witigowo. Die Fortsetzung des Gedichts mit der Zeitangabe beginnt 495 Post ut in undeeimum venu feli- cüer rannum. Die veränderte Form der Erzählung ergibt sich z. B. 527 His ita transactis (Annalenstil) remeavit pastor herilis Ad gremium sponsae') recreans sua membra quiete. Das Gedicht ist in der einzigen Handschrift unrichtig angeordnet, was Pertz erkannte; aber er hat nicht bemerkt, daß vier Blätter fehlen. Auf diese Lücken wurde durch die bei Gallus Oehem vorhandenen Exzerpte aufmerksam 0. Breitenbach, der Neues Archiv 2, 176 f. hierüber handelte (besonders nach Vs. 313) und glaubte, daß Oehem eine vollständige Ueber- lieferung hatte. K. Brandi (Die Chronik des Gallus Oehem, Heidelberg 1893) machte S. 25 im Kommentar darauf aufmerksam, daß nach p. 78 (= nach Vs. 313) zwei Blätter fehlen, desgleichen nach p. 82; daselbst S. 74 zu 14 über die Benutzung des Gedichts durch Oehem; daselbst S. 73 zu 14 über Ruodmann. Zur Absetzung Witigowos vgl. Herimanni Aug. chron. 997 (MG. SS. 5,118, 9) Augiae Witegowone abbate privato Alaicicus abbas 26 tus promotus. Einzige Hs.: Caroliruh. Augiens. CCVs.X ex. p. 71—84. Ausgabe von Pertz, MG. SS. 4, 622—632 = Migne 139, 351—364. Auszüge bei Fil. Ermini, Poeti epici latini del sec. X p. 99—103. Vgl. Wattenbach 1,445. Ueber die kunstgeschichtlichen Momente vgl. Neuwirth, Wiener SB. 106,65 ff. F. X. Krauss, Gesch. d. christl. Kunst 2, 54 ff. Viel unbedeutender ist die hagiographische Literatur Reichenaus aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Man glaubte hier den Leib des hl. Markus von einem Venetianer erhalten zu haben und außerdem besaß man ein Kreuz mit dem Blute Christi, das ein Araber Karl dem Großen geschenkt haben sollte. Ueber beide Reliquien und die von ihnen bewirkten Wunder schrieb man in Reichenau. Die Miracula s. Marci 4 ) stehen im Caroliruh. Aug. LXXXIV s. X f. 138, Ausgabe von F. Mone, Quellensammlung zur badischen Landesgeschichte 1, 62—67; die Translatio sanguinis domini steht in derselben Handschrift f 124 s. XI, Ausgabe von F. Mone daselbst 1,68— 77. Beide Schriften zeigen die Reimprosa. 88. Leo von Vercelli, Leo stammte wahrscheinlich, wie sein Name bezeugt, aus Italien und mag um 965 geboren sein. Von seiner Jugend wissen wir nichts, außer daß er Kleriker wurde. Jedenfalls verband er eine ungewöhnlich tiefe Bildung mit einem hochfliegenden Geiste, sonst wäre die spätere enge Verbindung mit den führenden Geistern der Zeit, Kaiser Otto III. und Gerbert, nicht möglich gewesen. Sobald uns Leo nämlich entgegentritt, ist er im Gefolge des jungen Kaisers, und zwar im September 996 zu Mainz, als Bischof Adalbert von Prag eben nach Preußen gehen wollte. Damals weissagte ihm Leo, der sich durch lebhaften Geist und durch vortreffliche Redegabe auszeichnete, sein künftiges Martyrium. Und schon im Jahre 997 sehen wir ihn als gemeinsamen Vertrauten des Kaisers und Gerberts in dessen Angelegenheiten tätig. Im folgenden Frühjahr finden wir ihn, den Archidiakon und Pfalzrichter, als kaiserlichen Missus in wichtigen Gerichts- 1 ) Hier gleich Prälatenwürde. ' geblieben. 2 ) So umschreibt er den leoninischen Reim. *) Die Abfassungszeit ist kurz nach 934, 3 ) Diese Metapher ist also aus dem Dialog | vgl. Hauck 3, 284 n. 3. 512 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Verhandlungen zu Rom tätig, und so sehr war Leo von der Einigkeit, die zwischen dem Kaiser und dem eben von ihm zurückgeführten Papste Gregor "V. herrschte, eingenommen und von den phantastischen Plänen Ottos III. begeistert, daß er etwa zu gleicher Zeit ein rhythmisches Gedicht auf beide schrieb, in dem er den Papst unmittelbar anredet und auf seine Vertreibung aus Rom wie auf die Bestrafung der Rebellen deutlich anspielt; mit hohen Worten preist er die gemeinsame Weltherrschaft des Kaisers und Papstes. Dies Gedicht beweist auf das deutlichste, daß er Otto III. schon sehr nahe stand und von seinen Plänen Kenntnis hatte; auch die Erhebung Gerberts zum Erzbischof von Ravenna, die kurz: vorher erfolgt war, wird nicht vergessen und der Einfluß des großen Gelehrten und Staatmannes auf den Papst hervorgehoben. Bald darauf muß Leo vom Kaiser das Bistum Vercelli erhalten haben, 1 ) nachdem man ihn schon früher den „Hofbischof" genannt hatte. Hierzu wurde ihm bald darauf ä ) der Titel Logotheta gegeben, der etwa dem lateinischen Summus consiliarius entspricht und den bedeutet, der auf die Politik des Kaisers maßgebenden Einfluß besitzt und in engster Verbindung mit der kaiserlichen Kanzlei steht. Und das war bloß eine Anerkennung der Tatsachen, denn H. Bloch hat nachgewiesen, daß Leo seit 998 an der Reichsgesetzgebung wie am Urkundenwesen tätigen Anteil genommen hat. Es ist daher nicht zu verwundern, daß er mit allen bedeutenden Männern, die die Träger der kaiserlichen Politik waren, in nahem persönlichem Verhältnis stand. Und wie er in die Absichten des Kaisers eingeweiht war, erkennt man sehr deutlich aus einer Urkunde, die er für sein Bistum Vercelli verfaßte; dort spricht er für den Kaiser, „daß sein Reich blühe, sein Heer triumphiere, die Macht des römischen Volkes ausgebreitet und die Republik hergestellt werde, damit er als Gast auf dieser Erde in Ehren leben, zu höherer Ehre aber sich aus den Banden dieses Fleisches gen Himmel aufschwingen und an der Seite des Herrn im höchsten Ehrenglanze herrschen dürfe". 3 ) Auch bei den Kapitularien ist Leo hervorragend tätig gewesen, aber das wichtigste Denkmal dieser öffentlichen Wirksamkeit ist eine vom Kaiser dem neuen Papst Silvester II. ausgestellte Urkunde vom Jahre 1001, die von Leo verfaßt ist. Es handelt sich hier um acht Grafschaften, die schon Gregor V. beansprucht hatte, die aber Otto III. erst jetzt aus freiem Entschlüsse, aus Liebe zu Petrus und zum Papst, der römischen Kirche überträgt; dem entspricht der seltsame Eingang Otto seriws apostolorum, der hierfür von Leo jedenfalls erfunden worden ist. Aber der Kaiser spricht in dieser Urkunde im vollsten Machtgefühl dem Papste gegenüber, indem er erklärt, daß frühere Päpste einen Einbruch in den Machtbereich der Kaiser gemacht hätten, und indem er die Schenkung Konstantins und die eines „gewissen Karl" als Fälschungen hinstellt; er der Kaiser stehe über dem Papst, ') Es geschah nach H. Bloch (Neues Archiv 22,79 ff.) zwischen dem Frühling von 998 und dem 1. Mai 999. 2 ) Der Titel wurde ihm nach H. Bloch (Neues Archiv 22,85—89) zwischen Oktober 998 und Oktober 999 beigelegt. J ) Die Uebersetzung aus MG. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser (Bd. 2 Otto III. N. 324) nach Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 5 1, 723 und H. Bloch, Neues Archiv 22, 91. Leo von Vercelli. 513 denn er habe den Herrn Silvester, seinen Lehrer, aus Liebe zum hl. Petrus zum Papste erwählt, bestimmt und erhoben. Die Urkunde ist mit besonderer Sorgfalt hergestellt und zeigt auf der einen Seite den erhabenen Stolz Ottos III., während die Schenkung selbst die schwankende Haltung bezeugt, der sich jener Kaiser leider stets hingab. Aus dem Wortlaute erkennt man aber nicht nur die Hingebung, mit der Leo am Kaiser hing, sondern es spricht aus ihm auch der vertraute Kenner der kaiserlichen Politik. Dem war auch in Leos Stellung Ausdruck verliehen worden, denn nachdem er früher der Vertreter des kaiserlichen Kanzlers Heribert von Köln gewesen war, ist er jedenfalls seit dem Jahre 1000 dessen Nachfolger geworden. Daher erklärt sich das tiefempfundene Klagelied, das er nach dem frühzeitigen Tode des Herrschers dichtete und das mit Jeremias 9. 1 beginnt. 1 ) Freilich fand sich der kaisertreue Bischof sehr bald bei Heinrich IL zui*echt, und das auf Ottos III. Tod verfaßte Klagelied erhielt gegen Ende des Jahres 1002 eine Fortsetzung, die auf einen ganz andern Ton gestimmt ist: die einzelnen Länder Deutschlands haben sich dem neuen Herrn unterworfen, und Italien erwartet ihn; alles ist gespannt auf ihn und Leo selbst wird Bayern als sein Vaterland ansehen. Aber, heißt es am Schluß, nie möge Heinrich glücklich werden, wenn er nicht den Bischof Leo gehörig bereichert und dessen Feinde mit dem Gesetz unterwirft. Jedenfalls blieb auch Leo in seiner hochangesehenen Stellung bei Heinrich IL, denn er verfaßte nicht nur auch in der Folge wichtige Urkunden, sondern er war nach wie vor das Haupt der kaisertreuen Partei in Italien und schrieb z.B. im Jahre 1016 2 ) vier Briefe an Heinrich IL, in denen er ihm genauen Einblick in die politische Lage des Landes gewährt und sein Eingreifen wünscht; daher konnte ihn auch der spätere Dichter Benzo mit Recht den Bezwinger Arduins nennen. Und wie er im Dezember 1021 Beisitzer im Königsgericht zu Verona war, so hat er wohl 1022 den Kaiser bei seinem Zuge in Unteritalien stets begleitet, und auf der so wichtigen Synode von Pavia (1022), wo es sich besonders um die Priesterehen handelte, hat er die Reden des Kaisers und des Papstes Benedikt VIII. verfaßt und die Gesetze beider redigiert. So ist er der Urheber der Beschlüsse über Priesterehen, über die Verschleuderung der Kirchengüter und über den Stand der Kinder unfreier Kleriker gewesen. Und als dann Heinrich II. 1024 gestorben war, finden wir Leo wieder ganz in kaisertreuem Sinne tätig. Die italienischen Großen hatten nämlich die Krone des Landes dem Herzog Wilhelm von Aquitanien angeboten, der sie für sich zwar ausschlug, aber, um sie für seinen Sohn Manfred zu gewinnen, sich brieflich an Leo wandte und ihn um seine Unterstützung bat und ihm große Versprechungen machte. Aber die Sache ging nicht nach seinem Wunsche, denn die Forderung der Italiener, alle deutschgesinnten Bischöfe abzusetzen, erschien ihm ruchlos. Leo schrieb ihm nach dieser Niederlage einen Brief, der mit Spott und Humor gewürzt ist: „Tröste dich, teurer Freund, daß dich die Langobarden so hintergingen. Ich will dir aber den guten Rat geben: Sei stark und ') Also wie der Anfang derVitaHeinricilV. | 2 ) Zur Abfassungszeit dieser Briefe vgl. (ed. Eberhard p. 9,1 f.). | H. Bloch, Neues Archiv 22, 34-43. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. IL 33 514 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. kümmere dich nicht ums Vergangene und sei in Zukunft vorsichtig. Und schicke mir doch das wunderbare Maultier und den kostbaren Zaum und den herrlichen Teppich, worum ich dich schon vor sechs Jahren bat." Was für ein Tier gemeint war, ergibt sich aus Wilhelms Antwort, die auf Leos Scherz eingeht und in der es heißt: „In unsern Gegenden gibt es kein solches Maultier, wie du eines willst, nämlich mit Hörnern und drei Schwänzen und fünf Beinen oder ein ähnliches Wundertier." Und Leo ist es gewesen, dem Konrad die italienische Krone verdankte, der ihm alle Hindernisse aus dem Wege geräumt hat. So hat Leo während fast drei Jahrzehnten die deutsche Herrschaft mit aller Kraft in der Lombardei aufrecht gehalten und drei deutschen Königen hat er Italien bewahrt. Seine Kaisertreue gab er deutlich dadurch zu erkennen, daß er seine Stellung als Bischof im Sinne' Ottos I. als die eines Reichsbeamten auffaßte, denn in einer Urkunde vom April 1001 nennt er sich episcopus imperii. — Als dann Konrad im Frühjahr 1026 nach Italien kam, feierte er das Osterfest in Vercelli bei seinem treuen Bischöfe. Das war die letzte Freude Leos, denn noch in der Osterwoche ist er plötzlich gestorben. Nur weniges hat sich von ihm erhalten und das hat meist erst nach eingehender Untersuchung als sein Eigentum erkannt werden können. Sein frühestes poetisches Werk ist vielleicht eine kurze Elegie auf den Bischof Petrus von Vercelli, seinen dritten Vorgänger; sie hat aber nur eigentlich dadurch einen gewissen Wert, 1 ) daß sie zur Nachforschung für die Entdeckung weiterer Gedichte gedient hat. Dazu rechnet außer den schon oben besprochenen höchst wahrscheinlich ein längeres Gedicht in adonischen Versen, in dem sich leider viele Lücken finden, so daß der Sinn, dessen Klarheit schon durch das Metrum beeinträchtigt wird, oft nicht zu erkennen ist. Das Gedicht ist an einen Ugo gerichtet und enthält als Hauptteil eine aus mehreren Einzelfabeln zusammengesetzte Hauptfabel; ihr Eingang ist die Erzählung vom Esel in der Löwenhaut, die aus Avian Nr. 5 dem Mittelalter bekannt gewesen ist. Die Einleitung aber und der Schluß des Ganzen besteht aus persönlichen Schicksalen des Verfassers, deren Realität freilich mit dem uns bekannten Leben Leos nur schwer in Einklang zu setzen ist. Ich möchte daher annehmen, daß wir es mit einer mehr oder weniger humorvollen 2 ) Dichtung zu tun haben, in der die vom Dichter beklagten widrigen Schicksale wesentlich übertrieben sind. Sehr bedeutend aber muß die Korrespondenz des hochstehenden und vielbeschäftigten Mannes gewesen sein, und es ist zu bedauern, daß sie nicht, planmäßig gesammelt, erhalten geblieben ist, nur zufällig haben sich kleine Reste aus ihr gerettet. Am meisten noch läßt sich sein Wirken als Staatsmann aus den von ihm verfaßten Aktenstücken und Urkunden erkennen: unablässig für die Macht des deutschen Königs tätig und gesonnen, die Macht des eignen Bistums dabei zu heben, ist er. hierbei vielleicht nicht einmal vor Fälschungen zurückgeschreckt. 3 ) In den Augen des reformierten Mönchtums galt natürlich ein solcher Bischof, der *) Vgl. den Abdruck von H, Bloch, Neues in Leos Brief an Wilhelm von Aquitanien. Archiv 22,109 (Fragment) und vollständig da- 3 ) Vgl. H. Bloch a. a. 0. S. 73—76 bezüg- selbst 27, 753. j lieh einer von Karl III. an Bischof Liutwaid 2 ) Einen ähnlichen Ton fanden wir oben | von Vercelli gegebenen Urkunde. Leo von Vercelli. 515 Hof- und Staatsmann war, nichts, und der fromme Wilhelm von Dijon sagte daher geradezu: „In diesem grausamen Menschen lebt Gott nicht". Zeugnisse. Zur Abstammung vgl. Bloch, Neues Archiv 22, 78; die Worte in Brief 3 (daselbst S. 22, 1 uuaregat seif iuuuare got), die nach R. Henning (vgl. daselbst S. 133 ff.) etwa dem Hildesheimer Sächsischen entsprechen, können keineswegs Leos deutschen Ursprung erweisen. Da er um 998 Bischof wurde, dürfte seine Geburt um 965 fallen. Die Verwendung Leos zu den wichtigsten Aktenstücken und Urkunden spricht ohne weiteres für seine hervorragende Bildung. Sein erstes Auftreten in der Vita Adalberti c. 20 des Brun von Querfurt (MG. SS. 4, 605, 44) quidam cui vivax Ingenium natura dedit et pulcra facundia insignem fecit, Leo palacii episcopus pulcre alludens ait: Homo tibi contrarius, cito invenies quod quaeris, dono virginis procul dubio martgr eris. In Angelegenheiten Ottos III. und Üerberts beschäftigt, vgl. Gerberti ep. 183 (ed. Havet p. 168) Et quoniam noster Leo iter suum ad vos intenderat volando, tit ipse scripsit, VI. Id. Sept., quando primum allata venu epistola, iniquis, ut credo, remorata ventis, nichil super Ar. consultum est. Sed fert secum aliaut magnis inventa ingeniis, ita magnis finienda consiliis. Zu den Gerichtsverhandlungen 998 vgl. Dipl. Ott. III N. 278 (Urkunden d. deutschen Könige und Kaiser 2, 2 p. 703,29 Leo sacro- sancti palatii archidiaconus et missus interfuit et subscripsit (vgl. p. 700, 25) und Muratori, SS. rer. Ital. 1, 2, 468 A Leo sacrosancti palatii et domni imperatoris missus interfui et scripsi. Das Gedicht auf Kaiser und Papst bei Bloch, Neues Archiv 22,114 f. (s. unten). Zum episcopus palatii vgl. oben die Vita Adalberti c. 20. Zum Titel Logotheta') vgl. Dipl. Ott. 111 N. 396 (Urkunden d. deutschen Könige und Kaiser 2, 2 p. 829,42 Leo episcopus s. Vercellensis ecclesie et logotheta palatii. Zur Betätigung an den Urkunden vgl. Bloch, Neues Archiv 22,45—77, wo 8. 63—71 eine eingehende Untersuchung über die Stilgleichhoit der dein Leo vindizierten Urkunden angestellt wird; zur Teilnahme an der Synode von Pavia (September 998) vgl. MG. Constitutiones imperii 1, 49 n. 23. Ueber Kanzler Heribert, Markgraf Hugo von Tuscien und Bischof Bernward von Hildesheim als Freunde Leos vgl. Bloch a.a.O. S. 90. Die Urkunde für Vercelli ist Dipl. Ott. 111 N. 324 (Die Urkunden d. deutschen Könige etc. 2,2 p. 752, 44), wo die Stelle beginnt mit libere et secure permanente dei ecclesia. Die Urkunde für die römische Kirche ist Dipl. Ott. 111 N. 389 (daselbst 2, 2 p. 819 f.; dort heifit es p. 820, 5 in tantum quidam pontificum irruerunt ut maximam partem imperii nostri apostolatui suo eon- iungerent, 13 f. wird die Schenkung Konstantins für gefälscht erklärt und über die Schenkung Pippins und Karls heißt es 15 quibus dieunt quendam Karolum s. Petro nostra publica tribuisse und 22 Sicut enim pro atnore s. Petri domnum Silvestrum magistrum nostrum papam elegimus et... ipsum serenissimum ordinavimus et creavimus; der Ausdruck servus apostolorum p. 819,47. Als vertrauten Kenner der Politik Ottos III. erweisen den Leo die Worte Dipl. Ott. III N. 324 (a. a. 0. p. 753,2} propagetur potentia populi Romani et restituatur respublica, so inhaltsleer sie für jene Zeit auch sind. Zur Kanzlerwürde vgl. Bloch a. a. O. S. 97. Das Klagegedicht daselbst S. 119—121 (s. unten). Urkunden aus Heinrichs II. Zeit von Leo sind Dipl. Heinr. II N. 321 und 322 (Sollingen 1014). Seltsam ist das Verhältnis bei einer Urkunde von 1016, wobei nach Bloch S. 46 —58 eine solche von 1014 zugrunde gelegt wurde. Die Briefe an den Kaiser aus Vercell. capit. C1I und CXLVII neu herausgegeben von H. Bloch a. a. O. S. 16—23. Die Worte bei Benzo, der den Leo mehrfach nennt, heißen (MG. SS. 11,639 Vs. 4) Poli- pheinum qui prostravit, inde venerabilis. Anwesenheit in Verona 1021 Dipl. Heinr. II N.461 (a. a. 0. Bd. 3, 584,12 Leo Vercellensis). Von hier mit dem Kaiser nach Süden, vgl. die Regesten bei Löwenfeld, Leo von Vercelli S. 73 (Penna bis Benevent). Zur Synode von Pavia vgl. MG.Leges2,561 und Mansi, Collect, concil. 19,343 ff. 2 ) Zu Wilhelm von Aquitanien 3 ) vgl. Ademar von Chabannes Hist. 3,41 und 55 (MG. SS. 4. 134. 140); über ihn und Manfred s. Löwen fei d, Leo von Vercelli S. 54 ff. In dem Briefe Wilhelms an Leo heißt es(Bouquet, Recueil des hist. des Gaules 10,483C) ltali suaserunt mihi et filio meo nos iniromittere de regno Italiae facientes nobis sacramentum et ipsius regni et Romani imperii acquirendi.. . Hoc scitote, quia si nostris partibus faveritis, nunquam vidistis tarn bonos dies, quam Mos, quibus vos in illum honorem mittetis. Leo an Wilhelm (Bouquet 10, 501B) Ne tristeris, amice carissime, si Longobardi te deeeperunt. Ergo certe Optimum tibi dabo consilium . .. Psto vir fortis et de praeterilis ne eures et de futuris caveas . . . Mitte mihi mulam mira- oilem et frenum preliosum et tapetum mirabile, pro quo te rogavi ante sex annos. Antwoit Wilhelms (Bouquet 10, 484) Mulam quam rogasti non possum ad praesens tibi mittere, quia non habeo talem qualem ad opus tuum vettern; nee reperilur in nostris partibus mula ') In der Giaphia aureae u.tbis Romao i chiv 22, 108 gedruckte Stück, (ed Ozanam, Documents in6ditsp. 172) heißt j 3 ) Leos Tätigkeit für Konrad IL in Italien es Bibiiothecarius apud Orecos dicitur logo- bei Bresslau. Jahrb. d. Deutschen Reichs theta. unter Konrad IL Bd. 1,71 ff. 2 ) Außerdem das von Bloch, Neues Ar- SS 4 516 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. cormäa vel quae tres caudas habeat vel quinqice pedes vel alia huiusmodi, ut congrue jiossis dicere eam mirabilem. Der Ausdruck episcopus imperii in einer Urkunde bei Fantuzzi Monumenti Ravennati 1, 227. Zum Tode Leos Wipo vita Chuonradi c. 12 (ed. Pertz p. 47) Hex ingressus Italiam per Veronam inter Mediolanum et Papiam Vercellas venu ibique s. pascha celebravit. In ipsis diebus paschalibus Leo eiusdem civitatis antistes vir multum sapiens mundum cumpace reliquit. Die Worte bei Rodulf Vita Willelmi c. 23 (MG. SS. 4,657,59) Simili invidia quoque Leo Vercellensis ep>iscopus ad actus universos istius patris extitemt infestus. De quo etiam talia narrare solitus: Hie ergo crudelissimus Leo est totus sine deo, quia si fuisset deus cum eo, quae Ulms sunt, amaret pro Mo. Wichtig sind für Leos Leben S. Löwenfeld, Leo von Vercelli, Posen 1877 und H. Bloch, Neues Archiv 22,13—136. Gedichte. 1. Elegie auf Petrus. Das Gedicht besteht aus sechs Distichen, in ganz kurzen, vielfach antithetischen Sätzen, die oft nur Ausrufungen sind, und es beklagt die Ermordung des Bischofs, der am 15. Juli 982 bei Ottos II. Niederlage gefangen wurde 1 ) und längere Zeit in Alexandria in Haft blieb. Nach seiner Rückkehr wurde er 997 ermordet. Vollständig im Met. 232 s. XI, danach Ausgabe von Bloch, Neues Archiv 27, 753 (vgl. daselbst 28, 788 N. 455); fragmentarisch im Verc. capit. CII, danach zuerst Bloch daselbst 22, 109. 2. Versus de Gregorio papa et Ottone augusto. Der Rhythmus setzt sich, eingerechnet die sieben Refrainstrophen, 2 ) aus neunzehn Strophen zu je drei Fünfzehnsilbern zusammen. Es ist ein Triumphlied auf Papst und Kaiser und feiert das starke gemeinsame Walten beider nach der Unterdrückung der Empörung. Den Höhepunkt des Gedichts bezeichnen die beiden Strophen, in denen der Papst als der Herr von Antiochia und Alexandria, Otto als der Schrecken des eisernen Babylon und des goldenen Griechenlands gepriesen wird. Bezeichnend sind Wendungen wie 30 Sub Caesaris potentia purgat papa aecula und 31 Vos duo luminaria, 3 ) da sich in ihnen die Anschauungen Ottos III. deutlich widerspiegeln. Aus Bamberg. P. III. 20 f. 13 b s. XI herausgegeben von E. Dümmler, Anselm der Peri- patetiker S. 78ff. (mit N. 3), und besser von H. Bloch, Neues Archiv22,114f., der dies Gedicht wie das folgende dem Leo mit Recht zugeschrieben hat. 3. Versus de Ottone et Heinrico. Das Gedicht enthält vierzehn Strophen zu je drei Fünfzehnsilbern und besteht aus zwei Teilen. 4 ) Der erste (Vs. 1—18) ist kurz nach Ottos III. Tode gedichtet und stellt eine rührende Klage um den verstorbenen Kaiser dar, nach dessen Tode alles in Trauer verfallen und Kurie wie Pfalz von Jammer ergriffen werden müsse. Auch noch die nächste Strophe, die den Übergang zu dem zweiten Teil bildet, ist von der Trauerstimmung erfüllt, die erst mit Nennung des Namens Heinrich weicht. Zunächst preist der Dichter die Macht Gottes bei der unblutigen Erhebung des neuen Königs und schildert dann, wie sich die einzelnen Reichsteile diesem ergeben haben. Auch Italien wird genannt, das sich nach dem König sehne, und damit vollzieht der Dichter den Übergang zu persönlichen Bitten; er fordert am Schlüsse für sich reiche Beschenkung und wirksamen Schutz durch den König. Erhalten hat sich das Gedicht im Vindob. 1332 am Rande von f. 48 b —52 s. XI, Monac. 14516 auf einem Vorsatzblatte s. XI, Bruxell. 5540 und in einem Halensis Vgl.hierzu die Annales Sangall. maiores 3 ) Vgl. Vitalianus bei Beda Hist. eccl. 3,29 982 (MG. SS. 1,80). 2 ) Vgl.hierzuBaxmann , Jahrb.f.deutsche Theologie 12, 287 ff. und Arator Act. apost. 2,1219. 4 ) Vgl. hierüber H.Bloch undP.v.Winter- feld, Neues Archiv 22, 118. Froumund von Tegernsee. 517 (Sammelband; hier mit der Überschrift Planctus Leonis episcopi). 1 ) Ausgaben von Dümmler (vgl. oben) und Bloch a. a. 0. S. 119—121. Zur Benutzung in den Gesta episc. Virdun. (MG. SS. 4, 45 f.) vgl. oben S. 356 f. 4. Metrum Leonis. Das Gedicht, das nur fragmentarisch erhalten ist — es ist in acht Spalten geschrieben, deren Anfänge unleserlich sind — bestand aus etwa 450 adonischen Versen. Diese Versart ist im Mittelalter nicht selten, sie wird allerdings zu einem ins epische Gebiet fallenden Gedichte, wie das unsrige, kaum benutzt. 2 ) Das Gedicht erscheint nach v. Winterfeld 3 ) als ein Geschenk, das Leo in den festlichen Saturnalientagen im Dezember — die Wiederbelebung des alten Festes könnte mit den Neigungen Ottos III. für das antike Leben zusammenhängen — dem Ugo darbringt. Man würde dann den Adressaten mit dem am 21. Dezember 1001 verstorbenen Markgrafen Hugo von Tuscien zu identifizieren haben, und diese Gabe an ihn müßte also noch in Ottos III. Zeit fallen. Vielleicht will Leo in dem Gedichte die Untreue der Italiener dem Hugo in einer kräftigen und zugleich humorvollen Allegorie vor Augen stellen, denn Bloch 4 ) hat wohl richtig erkannt, daß die Untreue des Wolfes den Mittelpunkt der ganzen Erzählung bildet, um den sich alle weiteren vorgebrachten Tatsachen gruppieren. Es wäre daher möglich, wie ich schon angedeutet habe, daß man die widrigen Schicksale des Dichters, die den Eingang bilden und auf die am Schluß wieder angespielt wird, als eine humoristisch gefärbte und nur hypothetisch vorgetragene Übertreibung auffaßt. Die Fabel vom Esel in der Löwenhaut bildet nur den Anfang einer größeren Fabel, in der der Wolf, zum Bürgen des Esels vom Fuchs vorgeschlagen, den Esel auffrißt und dann vom Löwen die verdiente Strafe empfängt, woran sich ein festliches Mahl der Tiere anschließt. Wahrscheinlich hat Leo für sein Gedicht die ziemlich weitverzweigte Gesamtfabel vorgefunden und für seine Zwecke sich dienstbar gemacht. Der Stil des Gedichts erinnert in seiner gedrungenen Kürze, die hier durch das Metrum von selbst erzeugt wird, sehr an die besprochenen poetischen Versuche Leos, mit dessen erstem auch die Anwendung eines Refrains übereinstimmt, der übrigens hier von Sp. 2, 59 an einem zweiten Refrain Platz macht. Ebenso tritt hier der Reim häufig auf, während ihn die Rhythmen fast durchgängig zeigen. So sind es neben den von Bloch 5 ) aufgezeigten innerlichen Gründen auch äußere, die die Zuerteilung des Gedichts an Leo als berechtigt erscheinen lassen. Erhalten hat sich das Gedicht im Vercell. capit. LXXXII als Eintrag s. X—XI auf dem vorletzten Blatt. Ausgabe von Bloch, Neues Archiv 22, 127—133. 89. Froumund von Tegernsee. Froumund ist um das Jahr 960 geboren") und stammte aus freiem und angesehenem Geschlechte, das vielleicht in der Regensburger Diözese angesessen war. Unter Abt Gozbert weilte er als junger Mönch in Tegern- ') Vgl. O.Hartwig, Neues Archiv 8,382. I r> ) Neues Archiv 22,124 f. 27,754. 2 ) Miillenhoff und Scherer, Denk- | 6 ) So Sehepss, Ztschr. f. deutsche Ph lol. mäler deutscher Poesie und Prosa 3 2, 127. 15,422 zu IX. Das Jahr 965 etwa nimmt s ) Neues Archiv 27, 754. Kempf, Froumund von Tegernsee (München 4 ) Neues Archiv 22,123. 1900) S. 10 an. 518 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, see, kam aber bald nach Köln, wo er sich im Pantaleonkloster mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte. Davon legt zuerst Zeugnis ab die Handschrift in Maihingen 1, 2 4° N. 3 s. X, die in der Hauptsache den von ihm geschriebenen Text von Boethius De consol. philosophiae enthält, aber den hierzu gehörigen Kommentar hat er schreiben lassen. An den Text schließen sich fünf Vitae Boetii 1 ) an, die unterbrochen werden von der Abhandlung des Lupus De metris Boetii libellus. Am Rande aber gab Frou- mund allerhand Einträge, die als Notate aus der Lektüre anderer Schriften zu betrachten sind und zu Boethius keine Beziehung zeigen. Von den 53 Einträgen gehen sicher 31 auf die metrischen Gesta Apollonii zurück, sechs sind aus einer alten Palastbeschreibung (Mabillon, Annal. Benedic- tini 2, 410) genommen, 2 ) neun Stücke stammen aus lateinischen Grammatikern, besonders aus Donat. Jeder der 53 Artikel ist mit großen Anfangsbuchstaben versehen, und es ist daher möglich, daß sie einem Glossar einverleibt werden sollten. Da sich hierunter auch griechische Ausdrücke mit lateinischer Uebersetzung befinden, so würde ein Vergleich mit den Glossae graeco-latinae bei Goetz die eventuelle Abhängigkeit Froumunds leicht dartun und vielleicht auch seine Quelle erweisen können. Am Beginn der Handschrift hat Froumund zwei Verse eingetragen, in denen er sagt, daß er dies Buch in Köln geschrieben, nach Tegernsee geschickt und dem hl. Quirinus 3 ) gewidmet habe. Ob aber die von Froumund geschriebene und glossierte zweite Boethiushandschrift sowie der an gleicher Stelle erwähnte Codex des Juvenal und Persius auch in den Kölner Aufenthalt gehören, ist nicht zu ermitteln. 4 ) In Köln beschäftigte er sich aber auch mit Priscian, denn die Unterschrift der im Vindob. 114 s. X enthaltenen Priscianglossen besagt, daß er die Glossen zu Buch 1—4 im Pantaleonkloster zu Köln geschrieben habe. Ist nun das Fragment einer auf jene Glossen folgenden griechischen Grammatik auch von ihm selbst kopiert worden, so würde er also die Beschäftigung mit der fremden Sprache fortgesetzt haben, wozu sich in Köln, wo Brun erst seit etwa 25 Jahren gestorben war, wohl besonders Gelegenheit bot; auch lassen die Gedichte Froumunds eine gewisse Kenntnis des Griechischen deutlich erkennen. Von Köln aus kehrte der Mönch in die bayrische Heimat zurück und besuchte vielleicht auf der Rückreise Würzburg. Er wurde dann von Abt Gozbert von Tegernsee mit dem Mönch Wigo nach Feuchtwangen geschickt, um das dortige Kloster, das gänzlich verfallen war, wieder zu heben. Dies Kloster gehörte zum Bistum Augsburg und Froumund trat daher mit Bischof Liutold in engeren Verkehr. Und wie er sich vom Bischof von Augsburg den Priscian erbat, so überließ er der bischöflichen Bibliothek eine zweite Handschrift des Boethius, die er wie die erste selbst geschrieben und mit Glossen versehen hatte, desgleichen eine Kopie von Juvenal und Persius, ') Bei Peiper HI. IV. I. II. V p. XXX— 4 ) Kempf a.a. 0. S. 18 möchte beide dort- XXXIII. ' hin versetzen. — Der zweite Boethius ist nicht 2 ) Näheres bei Schepss, Neues Archiv 9,186—190; eineähnliche Beschreibung edierte Schepss aus Cod. S. Maria sopra Minerva B IV. 18 s. IX im Neuen Archiv 10,378 f. ') Er ist der Schutzpatron von Tegernsee. Monac. 18765 s. X, vgl. Schepss, Handschrift!. Studien zu Boethius De consol. phil. S. 14; dort S. 5-17 über den Inhalt der Handschrift. Froumund von Tegernsee. 519 wofür er sich die Arithmetik des Boethius und die Invektiven des Cicero auf Sallust ausbat. Beide Schriften scheint er sich zur Abschrift erbeten zu haben, denn im Monac. 18764 s. X 1 ) hat sich seine Abschrift der Arithmetik erhalten, und er wurde später wohl vom Bibliothekar in Tegernsee aufgefordert, den Büchertausch wieder rückgängig zu machen. 2 ) In Feuchtwangen schrieb nun Froumund die Glossen zum 6. bis 10. Buch Priscians und mit dieser Arbeit steht wohl seine Bitte an Liutold in Zusammenhang, die sich allerdings auch daraus erklären dürfte, daß ihm Abt Gozbert einige Schüler zur Ausbildung dorthin sandte. Besonders wichtig aber war, daß Froumund hier eine große Briefsammlung anzulegen begann, die wohl als Mustersammlung für künftigen Bedarf gelten sollte und die er später in Tegernsee fortsetzte. Sie ist chronologisch angelegt und gibt eine reiche Fülle von Belehrung über die wissenschaftlichen Zustände in den bayerischen . Klöstern für jene Zeit. Wahrscheinlich wurden aber Wigo und Froumund um 996 von Gozbert nach Tegernsee zurückberufen, da sich das Kloster Feuchtwangen nicht halten konnte, wie Kempf zu erweisen gesucht hat. 3 ) Fortan gab er sich zu Tegernsee besonders der Lehrtätigkeit hin, doch wurde er auch zur Erledigung der Klosterkorrespondenz benützt, und da er eine vielseitige geistige Begabung besaß, verwendete man ihn, der gern Gedichte verfaßte, bei besonderen Gelegenheiten auch als Klosterdichter. Noch war er nicht der Presbyterweihe teilhaftig worden und als man ihn darum befragte, antwortete er den neugierigen Brüdern in Gedicht 10, daß es sein höchstes Ziel sei, selbst zu lernen und andere zu lehren; höher hinaus wolle er nicht. Erst unter Abt Peringer und zwar, wie es scheint, im Jahre 1005, hat er die Priesterweihe erhalten. 4 ) Damals war Gozbert, der Freund Froumunds, schon vier Jahre tot, und es war dem Kloster nicht gelungen, die freie Abtswahl von Herzog Heinrich, dem späteren Heinrich IL, zu erhalten. Wir wissen aus dem 20. Gedichte Froumunds, daß sich Heinrich bald nach seiner Vermählung (zwischen 998 und 1000) dem Kloster gegenüber insofern scharf gezeigt hatte, als er eine Abordnung des Klosters nicht empfangen wollte. 5 ) Aber Froumunds Verhältnis zu dem neuen Abte Gothard blieb das frühere und wir finden ihn in Gedicht 21 auf Reisen mit dem Abt begriffen. Nach Gothards frühem Weggang scheint aber seine Stellung unter Abt Eberhard wesentlich gelitten zu haben, er erwähnt ihn in keinem Gedicht. Erst unter Peringer (seit 22. Juli 1003) konnte er seine guten Beziehungen zum Abte wiederherstellen und er begrüßt ihn in Gedicht 32 auf das lebhafteste. Er erwähnt hier, daß Peringer zürne, weil weder die Schüler noch Froumund ihm bisher einen guten Vers gewidmet hätten, und dabei gibt er einen Rückblick auf seine Tätigkeit als Schulmeister und beklagt, daß sie vielfach vergeblich gewesen sei. Besser wäre es gewesen, wenn er allerhand Mummenschanz getrieben oder Dramen wie ') Fol. 3—78, am Ende Hirne librum Frou- j 3 ) Froumund von Tegernsee S. 25 ff. mund et scripsi et scribere feci. 4 ) Vgl. Kempf a. a. O. S. 45 f. 2 ) In Brief 17 (Migne 141, 1290D, hier | •"■) Vgl. die Ausgabe von Seiler, Ztschr. N. 16). Der Adressat P. kann nicht Abt Pe- ! f. deutsche Phil. 14,420 Vs. 40 Ecce repente vinger gewesen sein, vgl. Schepss, Hdschr. ' ruit tonitrus velut ethere misstis . .. 53 17 Stud. zu Boethius S. 11. mülo lieuit cernere quem vohiit; Kempf S. 36. 520 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Orpheus und Eurydice 1 ) oder witzige Stücke verfertigt hätte, dann würde man über ihn gelacht haben. Und so ruft er am Schluß alle seine Schüler zusammen, besonders den Bruder Georgius, der der Schule wegen aus der Fremde gekommen war: alle sollen dem Abt Heil und Segen wünschen. Froumund beklagt in diesem Gedicht Vs. 45, daß die die Wahrheit sprechende Zunge mehr gelte als die Lügenzunge, und doch war es ihm auch gegeben, Scherz und Witz im Gedicht vorzubringen und unter Umständen recht kräftig aufzutreten. Wie er z. B. in N. 4 den Vestiarius des Klosters, der die nötige Winterkleidung nicht hergab, in einen Eber zu verwandeln wünscht, um ihm das Fell abzuziehen, das er als Pelz gebrauchen wolle, um sich dann mit dem Fett die Beine gegen die Kälte einzureiben. 2 ) Oder wie er in N. 11 übertreibend über den Mönch Gerhard herfällt, der kürzlich einen Stein nach einem Schüler warf und ihn beinahe getroffen hätte. Oder in einer Invektive auf einen Cuculus sine pennis in N. 19, mit dem er um die Wette dichten will; Froumund will als zweiter Orpheus erscheinen und Gitto 3 ) soll, behängt mit zerrissenen Schuhen, auftreten und mit ihm ein Heer von singenden Zwergen, sodann Sigihard, begleitet von seinen Freunden, alle sollen einen Angriff gegen den Cuculus machen, und ist dieser gelungen, dann möge der Neger mit weißen Zähnen darüber lachen, ein weißer Rabe sein Krächzen erschallen lassen und die Maulwürfe werden vor Verwunderung in die Pfoten klatschen und die Vögel ihn kreischend auslachen. 4 ) Scharf und persönlich wird Froumund in dem Gedicht 35 an Meginhalm, der als der größte Tor hingestellt wird (4 stultior es cueulo) und von dem es am Ende mit Benutzung der Worte des Löwen in der Fabel Avians (5, 18) heißt: Und der Meginhalm, der du mir warst, wirst du mir immer sein. 5 ) Sonst finden wir in der Sammlung — Froumund hat in die von ihm angelegte Briefsammlung 36 seiner Gedichte aufgenommen — hauptsächlich Begrüßungen sämtlicher oder einzelner Brüder, Epitaphien und Aufschriften (N. 34 auf seinen Löffel), auch wie N. 16 Monosticha auf die Apostel und Christus. Einige Gedichte sind lediglich recht unbedeutende und schulmäßig gedachte Paraphrasen biblischer Stellen, wie N. 28 über Luc. 7, 11—16, N. 30 über Luc. 14, 1—6 und N. 31 über Matth. 9, 1—8, aber, wie ich hier gegen Schepss 6 ) ausdrücklich bemerke, ohne nur in etwas an die gewandte Versifizierung eines Sedulius (und Juvencus) zu erinnern. Sonst haben einige Stücke ein gewisses geschichtliches Interesse. So N. 1A an Herzog Heinrich von Bayern, wo Froumund die Aufforderung ergehen läßt, alles soll kommen, um den Fürsten zu begrüßen, Jünglinge und Greise; 7 ) die Kinder sollen auf den Hecken sitzen oder auf die Dächer steigen, die Hirsche mit ihrem Gabelgeweih mögen ) Es ist hiernach nicht etwa an wirkliche dilecto pariterque nepoti, Pigriciam ut pellat, Dramen, sondern an Schuldeklamationen mit mimischer Beihilfe zu denken. 2 ) So bittet er in Gedicht S um Pelzstiefeln für den harten Winter. 3 ) Vgl. hierzu Schepss, Ztschr. f.deutsche Piniol. 15,422 N.Xi (daselbst auch über Sigihard). 4 ) Das Gedicht schließt Vs. 40 f. (Seiler p. 419) mit den Worten Hoc recini mihi per saecula ludere discat. 5 ) Et mihi qui quondam semper eris Meginhalm. 6 ) Ztschr. f. deutsche Philol. 15.423 N. XIV. Der einzige Anklang an Sedulius (14,2 pha- risea manus — Pasch. Carm. 4, 238) kann zufällig sein. ') Vs. 15 si/icerni stammt aus Fulgentius (ed. Helm 114,6). Froumund von Tegernsee. 521 von den Bergen kommen und von den Felsen herab mag alles wilde Getier zuschauen, die stammentsproßnen Bäume des Waldes mögen ihre Mooskleider ablegen und Purpurgewand anziehen und die waldbewohnenden Faune mögen ihren Thyrsus schwingen. Ein weiteres Begrüßungsgedicht an den Herzog ist N. 18, während Froumund in N. 17 den Fortgang Heinrichs beklagt. An den zurückkehrenden Herzog ist endlich N. 20 gerichtet, das bald nach dessen Hochzeit entstand und in dem der Dichter den Herzog als Bringer des Friedens und als Besieger der Feinde preist und ihm Nachkommenschaft wünscht. Außerdem sind zwei Stücke zu erwähnen, die in ihrer Form im höchsten Maße gekünstelt sind. So N. 5, das als Akro-, dreifaches Meso- und Telestichon den Vers Sollertes et constantes et maxime eunetos besitzt und meist aus sinnlos nebeneinander gestellten Worten besteht, und N. 36, dessen Akro- und Telestichon wie ersten und letzten Vers die Worte Insontes domini nobis suecurrite saneti bilden und das den Tod der Unschuldigen Kindlein behandelt; um die Unverständ- lichkeit noch zu erhöhen, hat Froumund in beide Gedichte griechische Worte, in N. 36 sogar einen griechischen Hexameter hineingeflickt, 1 ) ein deutliches Zeichen von gelehrter Schulweisheit. Es zeigen sich übrigens auch sonst Spuren vom Griechischen in den Gedichten und noch mehr im Kommentar zu Boethius, und es ist, wenn man bedenkt, daß in dem von Froumund geschriebenen Vindob. 114 ein Fragment einer griechischen Grammatik überliefert wird, nicht abzuweisen, daß unser Mönch in Köln etwas Griechisch gelernt hat. 2 ) Überblickt man nun seine Dichtungen im allgemeinen, so muß man sagen, daß ein nicht geringer Teil nur seinem Schulmeisteramt das Dasein verdankt und also nach der Schule schmeckt. 3 ) Andere wieder sind als ßelegenheitsdichtungen entstanden, indem man ihm von Seiten des Klosters die poetische Begrüßung von Fürsten auftrug und ihn um das Abfassen von Grabschriften bat. In manchen Stücken aber verrät sich eine gewisse Veranlagung zur Dichtkunst, indem hier eine nicht gewöhnliche Beobachtung der Natur, der Menschen und ihres Lebens, besonders ihrer Schwächen, und der Verhältnisse und der Dinge hervortritt. Freilich ist die Phantasie öfters schrankenlos und die vielfach hübschen, auch witzigen Einfälle werden durch eine gesuchte, zuweilen abstrus gelehrte Sprache nicht wenig gedrückt. Dazu kommt öfters eine ganz unverständliche Dunkelheit des Ausdrucks und der bei einem Lehrer doch seltsame Mangel an grammatischer Bildung. Und dem dichterischen Genüsse stellt sich auch die prosodisch und metrisch recht fehlerhafte Form der Gedichte entgegen. Soviel steht fest, daß man früher dem Dichter des liuodlieb sehr unrecht getan hat, wenn man ihn mit Froumund identifizierte; wohl besitzen Froumunds Dichtungen die Mängel, die im Ruodlieb entgegentreten, aber dessen Vorzüge kann er ') N. 5, 8 adelfe, 15 HCVS (= Jesus), 26 dexia, 31 oufdnou: N. 36, 22 Cosmica, 29 Eudochias osoplon stephanosas Kyrrie Christa. Vgl. außerdem 2, 16 Ecce dülos cet- cosque. 13,3 Litera si abfuerit, quam sim- mam Grecia dicit. In der Zusammenstellung von Kempf a. a. 0. S. 57 sind sehr viele Worte aufgeführt, die längst als im Latein eingebürgerte Lehnworte zu gelten haben. *) Zur Kenntnis des Griechischen vgl. Schepss, Hdschr. Studien S. 19—22. 3 ) Das leugnet Kempf S. 62 geradezu. Man vgl. aber N. 5. 6.16. 22 f. 28. 30. 31. 36. 522 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. nicht aufweisen, und trotz Kempfs vielfacher Lobeserhebungen 1 ) bleibt er mehr oder weniger ein Schuldichter, dessen Poesien eine sehr angreifbare Form aufweisen. In den Gedichten wie in den Briefen fallen verschiedene Streiflichter auf Froumunds Lehrtätigkeit in Tegernsee und die seiner Zeitgenossen, und hier zeigt sich, daß man besonders darauf ausging, Bücher zur Abschrift zu erlangen, die dem eigenen Kloster fehlten, aber auch Bücher anderen zur Abschrift zu leihen. Hierbei handelt es sich neben schon früher Erwähntem um Horaz, Persius, Statius und die Briefe Ciceros, und zwar werden sie meist erbeten bei dem Mönch Reginbald von St. Emmeram, 2 ) mit dem Froumund in häufigem Briefwechsel stand. Außerdem fällt in den Rahmen von Froumunds Schultätigkeit die Abschrift, die er vom Kommentar des Remigius zum Paschale Carmen des Sedulius 3 ) nahm; sie ist heute' Monac. 19456 und hat die Unterschrift: Ich, Froumund habe diese Handschrift zu schreiben begonnen; vollendet haben sie meine Schüler unter meiner Aufsicht. Die von Froumund angelegte Brief Sammlung bricht nun mit dem 93. Stücke ab, und es ist sehr wahrscheinlich, daß Froumunds Anteil an dieser Korrespondenz nicht viel weiter reichte. Sie ist aber später fortgeführt worden und man hat auch, wie früher, Gedichte darin aufgenommen. Froumund selbst aber dürfte nach der Untersuchung von Kempf das Jahr 1008 nicht lange überlebt haben, 4 ) wodurch seine Autorschaft der im späteren Teil der Briefsammlung enthaltenen Gedichte ohne weiteres wegfällt. Ich schließe gleich hier einige Bemerkungen über diese Gedichte an. Wahrscheinlich gehören N. 38 und 39 in gleiche Umgebung und sind nach 39, 17 f. in Würzburg verfaßt und zwar wohl im Jahre 1014 oder 1022, als Heinrich II. von Rom zurückkehrte. Denn beide sind an den Kaiser gerichtet und das erste, das auf ein Lobgedicht auf die christlichen Tugenden Heinrichs hinausläuft, beschäftigt sich mit mystischen Spielereien über die Vier- und Zweizahl, die Heinrich als Herzog und als Kaiser zukam, während N. 39 ein Beglückwünschungsgedicht darstellt, das in neun Distichen von der Spielerei der Epanalepsis Gebrauch macht. 5 ) Von größerem Interesse ist N. 43, das mit einem begeisterten Lob auf Würzburg beginnt, indem allen geistig Gebrechlichen der hiesige Aufenthalt geraten wird im Gegensatz zu der medizinischen Heilkraft, die der Name der Stadt (Herbipolis) anzeige. Hierauf wird der Bischof (wahrscheinlich Mainhard 1018—1034) gepriesen als das Vorbild der Tugend, als Säule der Kirche und als Dichter, nachdem Worms 6 ) aufgefordert worden ist, seine Schüler nach Würzburg zu senden. Hier in Würzburg sei alle Vollkommenheit anzutreffen und alle Lernbegierigen strömten dahin, und wenn daher ein junger Kleriker in Worms es gewagt habe, seine Stadt höher zu stellen als Würzburg, so ») a. a, O. S. 60—65. 2 ) Vgl. Kempf a. a. 0. S. 55. 3 ) Dies Werk befand sich saec. X in St. Emmeram; vielleicht hat Froumund es von dort entlehnt (vgl. Becker 42,472. 44.57). 4 ) a. a. 0. S. 47—51. 6 ) Sie war durch den sogenannten Hymnus I des Sedulius besonders bekannt. 6 ) DafiVs. 15 Vuangia nicht Feuchtwangen sein kann, ergibt sich aus den dortigen Verhältnissen (vgl. Kempf a. a. 0. S. 26 f.), Schepss, Ztschr. f. deutsche Piniol. 15,30. Froumund von Tegernsee. 523 habe er den Labeo 1 ) höher als den Plato gestellt. Aus dem Folgenden ergibt sich, daß der Wormser ein gehässiges Gedicht auf Würzburg geschrieben hatte, 2 ) und es wird ihm mit scharfen Worten gesagt, daß die Würzburger niemanden anzugreifen brauchten, wenn sie nicht gereizt würden. Das Gedicht aber sei ohnehin ein schlechtes gewesen, da Prosodie und Rhythmus darin verletzt würden, und sein Verfasser möge aus einer Fabel vom Frosche (Avian N. 6) die Belehrung des Fuchses annehmen; er sei jedenfalls klüger gewesen, wenn er geschwiegen hätte. 3 ) Zur Abwehr gegen den Angriff rufe Würzburg Christus, die Erzengel und die Heiligen seiner Kirchen an, 4 ) und Sachsen, Bayern und Schwaben würden sich vereinen, um ihm zu helfen, während man in Worms die alten Heidengötter zu Hilfe rufe, die doch keine Hilfe spenden könnten. Im Gegenteil würden die himmlischen Heerscharen Würzburg beistehen. Der Dichter schildert dann sehr ausführlich die Niederlage der Wormser in dem Kampfe und rät ihnen, sich zu ergeben und die Waffen zu strecken und aus der reinen Quelle zu trinken, die ihnen Würzburg darbiete; denn zu siegen vermöchten sie nicht, auch wenn der Herr der Finsternis mit ihnen verbündet sei. Das Gedicht, dem der Schluß vielleicht fehlt, ist ungemein langatmig und Worms gegenüber in höchst siegesgewissem Tone geschrieben; es läßt deutlich erkennen, dafä die mächtig gewordenen Kirchen literarische Fehden bezüglich ihrer Superiorität eingingen. — Die übrigen Gedichte dieses späteren Teiles der Sammlung sind unbedeutend; es finden sich hier zusammengestellte Aufschriften auf das Kreuz, einige Buchaufschriften und ein Epitaph des Abtes Ellinger. Zeugnisse. Zur freien Geburt Froumunds vgl. Gedicht 10, 2 Ultimus exclusus, cum non sis patre reiectus; für weitere Familienverhältnisse vgl. Kempf S. 10 f., für Abstammung aus der Regensburger Diözese daselbst 11—15. Den Aufenthalt in Köln beweist der Wallersteinensis in Maihingen 1, 2 4° N. 3 s. X mit den Widmungsversen Hunc ego Froumundus librum ecce Coloniae scripsi Atque huc devexi; tibi, sancte Quirine, decrevi b ) und die genaue Angabe in der Unterschrift in den Priscianglo?sen des Vindob. 114 Explicit glossema libri X mi in mona- sterio phyuhticangensi a qtiinto Ubro usque huc conscripsi ego Froumundus. Sed primum secundum Ill um et quartum Colonie in monasterio sancti Pantaleymonis. Deus addat et alios qui sequicnter ut sibi placet. Zu den Randnotizen und Sonstigem in der Maihinger Hs. vgl. Schepss, Neues Archiv 9,173—194. Zu den Auszügen aus den Gesta Apollonii auch Bd. 1, 615: auch in die Gedichte Froumunds (z. B. 27,5 pronostinus) sind einzelne Worte aus diesem Gedichte übergegangen. Die zweite Boethiushs. wird erwähnt in Brief 17 der Sammlung (Seiler, Ztschr. f. d. Philol. S. 388) = 16 bei Migne 141, 1290D Librum Boetii vestro brevi a nie vobis petivistis prestari, cuius libros propria manu duos conscripsi pleniterque ut puto glossica conscriptione depinxi; quorum alterum mecum retinui, alterum Augusta Vindelica reliqvi, simulque librum Iuvenalis et Persii pro commutatione Arithmeticae Boetii in qua ipse ob gratiam vestri non modicum conscripsistis, pro libroque invectivarum Tullii Ciceronis in Sallustium. Quos libros mihi prestitos cum remitto nostrosque recipio iussu vestro voluntarie satisfacio. 6 ) Zum Fragment der griechischen Grammatik vgl. Kernpfa. a. 0. S. 18. zur Kenntnis des Griechischen bei Froumund vgl. oben. Zum Aufenthalt in Würzburg vgl. Brief 3 (= Migne 3 col. 1285) und Schepss, Ztschr. f. deutsche Phil. 15, 429 sowie Kempf S. 19 f. Zur Sendung Wigos und Froumunds nach Feuchtwangen Kempf S. 20—25. Von Wigo, Dekan in Feuchtwangen, haben sich in Froumunds Sammlung dreizehn Briefe erhalten, 7 ) am besten gedruckt 1 ) Ist das Vorbild des dichterischen Stümpers aus Persius 1,4 (Schepss a. a. 0. S. 430). 2 ) Vs. 102 Quatinus in pena sis propter tale poema. 3 ) Nach Boetbius Cons. phil. 2,7 p. 46.72 f. 4 ) Vgl.hierzu Schepss,Ztschr.f. deutsche Piniol. 15, 423. °) Vgl. Schepss, Hdschr. Studien zu Boethius S. 8. 6 ) Vgl. hierzu Schepss, Hdschr. Studien zu Boethius S. 10—12. 7 ) Pez, Thesaur. anecdot. 6, 110 ff. hatte dreizehn gedruckt. Steichele hatte einen weiteren gefunden, aber den Brief 7 (N. 8 der ganzen Sammlung) richtig dem Froumund zuerteilt. Migne 137,9—16 druckt Pez' Ausgabe ab. 524 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. bei S t e i ch e 1 e, Das Bistum Augsburg 3, 341 — 349; zur historisch-topographischen Einordnung der Briefe vgl. G. Bossert, Württembergische Vierteljahrshefte f. Ldesgesch. 1881,67—72 231 ff. 287 ff. Die Bitte an Liutold um Priscian in Brief 8 (Migne 137, 13A N. 7) Maiorem librum Prisciani petimus nobis ut iubeatis aliquantulum tempus praestari, quo vel chws libellos legendos, sicut iussi summus, facultatem habeamus . ■ . aut ne inexhaustae abundantiae bibliothecae ecclesiae vestrae culpam inopiae praesumptuose videamur irrogare. Zur Ueber- lassung des Boethius, Juvenal und Persius gegen die zwei andern Bücher vgl. oben aus Migne 141, 1290 D, dort auch die Aufforderung zur Rückgabe. Zu den Priscianglosscn Buch 6—10 vgl. oben die Unterschrift im Vindob. 114. Zur Lehrtätigkeit Froumunds in Feuchtwangen vgl. Brief 8 (Migne 137, 12D) G. (= Gozbert) . . . quendam fratrem vivida iuventute florentem commisit mihi ad docendum . . . etiam aliiim sua sponte admiserat fratrem. Daß die Briefsammlung schon damals begonnen wurde, ergibt sich aus der Aufnahme der Feuclit- wanger Korrespondenz. Zur Rückkehr nach Tegernsee vgl. Kempf S. 37 n. 2. Die Anfrage wegen des Presbyterats Gedicht 10, 1 p. 411 — ich zitiere stets nach der Ausgabe von Seiler, Ztschr. für deutsche Philol. 14,406—429 (442) — Sunt mihi qui diciint: Cur tu nunc ultime Froumunt, TJltimus exclusus, cum non sis patre reiectus? Presbyter ut iias, tempus iam poscit et etas; Antwort Vs. 32 p. 412 In primis studio placet esse sub artibus uno ... Discere decrevi Jibros aliosque docere. Weitere Gründe für die Ablehnung der Priesterweihe in Brief 77; Brief 89 (nach 1006) läßt ihn als Priester erscheinen {ex quo homo in- dignus presbyter sum factus) und 98 seines früheren Schülers Ellinger Gratulation (tos fort promolum ad ordinem presbijterii). Zum Wahlrecht von Tegernsee und zum mehrfachen Abtswechsel vgl. Kempf S.38—43. Zur Reise mit Abt Gothard vgl. Gedicht 21 (p.421) Vs.4 Abbas ecce meus necnon vester Gotahardus Omne bonum, quod dilectis sibi, mandat amoris. Klage Abt Peringers in Gedicht 32, 5 p. 425 Qui urguis infanles, iuvenes et nos seniores Maxime me solum cum reliquis pueris, Quod nunquam tibi versiculum dedimus bene factum. Hier zur Tätigkeit als Lehrer 31 Sepius edocui scriptis verbisque nutrivi, Sum mordax verbo, pectore vos sed amo. Est meus iste labor cassatus, perditus omnis, Et torvis oculis me simul inspicitis. Von kulturhistorischem Interesse ist dann die Fortsetzung 33 Si facerem mihi pendentes per cingula caudas Gesticulans manibus, lubrice stans pedibus, Si lupus aut ursm vel vettern fingere vulpem, Si larvas facerem. furciferis manibus, Dulcifer aut fabulas nassem componere menda, Orpheus ut cantans Euridicen revocat, Si canerem nndtos dulci modn- lamine leudos Undique cnrrentes cum irepidis pedibus, Gauderet mihi qui propior Visums adesset, Eidiculus cunctos concuteret pueros. Hier werden jedenfalls alle möglichen szenischen und mimischen Belustigungen angeführt, die bei den Zöglingen der Klosterschule beliebt gewesen sind, und darauf geht die Klage Vs. 45 Veridieax minor est vobis quam ligula mendax, Diligitis iocos en mage quam metricos. Der in Gedicht 4 verspottete Vestiarius des Klosters ist vielleicht Pabo (vgl. Brief 37) nach Seiler p. 408; 2 ) dort heißt es Vs. 7 Vettern te esse stiem, quod si te prendere piossem, Pellem vi absiraherem, cultrum sub gutture pinguem Tin.rissem, erura unxissem, que frigora findunt, Atque humilem pellem pro vettere ponere vettern. In Gedicht 19 hat Froumund seine schrankenlose Phantasie walten lassen, sich selber, wie er Vs. 40 p. 419 sagt, zur Freude, aeinem Neffen aber als Beispiel, wie man nämlich die Trägheit vertreiben könne; 3 ) seltsam ist hier das Bild 38 Complosis manibus mirantur te quoque talpe, wo bei complodere an den Sinn wie bei Petron. 34, 7, aber auch an Lucan 2, 292 gedacht werden kann. Epitaphien sind Gedicht 3 (Abt Hartwich), 13 (des Dichters Mutter llisa) mit einigen stehenden Wendungen der mittelalterlichen Grabschriften und 24 (Mönch Rihker) mit Anlehnung an Boethius Cons. ph.il. metr. 1,1. In Gedicht 14 auf Herzog Heinrich heißt es Vs. 21 p. 415 Fnrcosi veniant his montibus undique cervi, Rupibus et silicum spectet genm omne ferarum. Truncigeni cives, muscosas solrite vestes, Purpura portanda est his sihis prole togata. Silvicole vos, ignotos huic spargite tyrsos. Der Wunsch wegen Heinrichs Nachkommenschaft Gedient 20, 34 p. 420 Dulcigenam de te cupimus quoque cernere prolem. ... Sit tuet progenies noster te principe prineeps. Zum Griechisch bei Froumund vgl. besonders die von Schepss (Handschriftl. Studien zu Boethius Consolatio philosophiae Kap. 1) aus Froumunds Boethiuskommentar gegebenen Auszüge. Bitte um Horatius bei Reginbald in Brief 43 (Migne 141, 1288 N. 9) Si adhuo ad manus habetis librum Horatii, rogo vos ut mihi eum mittatis ad describendam parti- culam quae adhuc nobis deest eiusdem libri. Reginbald verlangt einen geliehenen Persius zurück in Brief 100 (Migne 141, 1286 N. 4) Sed per eundem huius scedulae portitorem nostri libellum qui inscribitur Persius nobis remissum tri poseimus, Bitte um Statius Brief 79 (Migne ') Vgl. außerdem Kempf S. 23 ff. um ein abschreckendes Bild der Faulheit vor- Damit stimmt freilich wenig das Gedicht 7 an Pabo, das diesen der größten Liebe Froumunds versichert. 3 ) Aber nicht, wie Kempf S. 63 meint, zuführen. Das Gedicht ist mehr ein Spielen mit den Gedanken und Vs. 36 ff. erinnern etwas an das Gedicht der Eucheria Anth. lat. 390, wo mit allerhand Gegensätzen gespielt wird. Adalbero von Laon. 525 col. 1289 N. 11) Idcirco rogo ut nie Uhr um Statu videre faciatis. Nunc enim igtest mihi vehi vohisque statim rednci sine tdla ruga et laesione per nuntios qui hinc et inde pergunt vacuis sarcinis. Bitte um die Briefe Ciceros in Brief 50 (Pez, Thes. anecdot. 6, 133, 1). Am Ende der im Monac. 19456 von Froumund abgeschriebenen Remigiusglossen zu den Disticha Catonis steht (vgl. J- Huemer, Wiener SB. 96,505) Ego Froumundus coepi hunc libellum scribere, sei puerl, quos docui, meo iuvamine perscripserunt. Die Sammlung der Briefe und Gedichte findet sich im Monac. 19412, vgl. darüber R. Seiler, Ztschr. f. deutsche Phil. 14, 385, wo S. 386—398 die Inhaltsangabe steht; 1 ) die von Froumund gesammelten Stücke reichen bis N. 93, daran schließen sich mehrere an ihn gerichtete Briefe und spätere Tegernseer Korrespondenz und sieben weitere Gedichte, vgl. auch Schepss, Ztschr. f. deutsche Phil. 15,421 N.VII. Zu Gedicht 38. 39 vgl. Seiler p.402 ff. und Schepss p. 428. Gedicht 38 enthält Zahlensymbolik bezüglich der Herzogs- und Königszahl Heinrichs IL, Vs. 9 Cuius de numero consistit sillaba quadro, Quadre virtutis innuit et speciem. Littera bis quadris sed constat pieta figuris, Octo dat et vite signa beatif.ee. Ursprungsort ist Würzburg nach 39, 17 Fer, Kiliane, precem, si digne poseimus, aurem Ad Christi nostram fer, Kutane, precem. Daß sich in Gedicht 43 Würzburg verteidigt, ergibt Vs. 1 Nomen ut herbarum tenet hec urbs profeuarum (= Herbipolis). Aufforderung 11 Huc adducantur, quoniam melius renovantur üoetiloquis verbis quam membra salubribus herbis. Der Angreifer ist Worms, Vs. 15 Uuangia cur langues stolidas servando phalanges. Der Angriff Vs 84 Qui primum fictis hunc rosisti maledictis, Te se doctorem blaterando teuere piiorem, Hoc cum dixisti . . . Doctum Platonem ponendo post Ldbeonem und 102 Quatinus in pena sis propter täte poema, 112 Funditus invitos scio nos pugnare petitos. Vorwurf gegen das Wormser Gedicht Vs 143 Conipositor metri propter mendatia tetri? Muse silvestri discors ratione pedestri Turbabis musam fallendo fugans Arethusam, Sillaba quod muta monstrat ratione locuta, Ponere legitimum nescis quia carmine rithmum. Die Paraphrase der Fabel Avians Vs. 149—156. Benutzung der Boethiusstelle 162 Non ostendisses te stultum si taeuisses. Die Anrufung der Heiligen Vs. 167 —187, die Hilfe durch die deutschen Länder 196 Viribus extensis penetrat Saxonicus ensis, Noricus et Suevus cupiunt coniungere fedus; die Heidengötter u. Dämonen Vs. 206—229. Darauf folgt der Kampf 269 Nos non devinces, licet inferni tibi prineeps Infernum linquat sie auxiliando propinquat?) Buchaufschriften Ellingers N. 41, sein Epitaph N. 42. Anspielungen auf die alte Poesie zeigen die Gedichte Froumunds nicht viele, z. B. 2, 27 nigra carbone notetur (Pers. 5, 107. Horat. Sat. 2, 3, 246. Fortunati Carm. 6, 8, 15). 4, 11 preeibus non flecteris ullis (Verg. Aen. 2, 689). 8, 10 Quidquid id est (Aen. 2, 49). 10, 12 Hoc faciunt stulti (Catonis dist. 2, 16, 2). 13,2 Invida mors rapuit (Aviti app. 6, 23. Auson. 15, 27, 6); 5 Funeris obsequium (Fortun. C. 8, 3, 283); Dnlichium (Aen. 3, 271). 14, 22 genus omne ferarnm (Georg. 3, 480). 24,8 Pulvera portamus, vermis et aesca sumus (Horat. C. 4, 7, 16). 36,11 ut frendens cupiens leo perdere Christum (Sedul. P. C. 2,110). Hierzu kommen die oben erwähnten Stellen aus Avian und Fulgentius; 8, 1 scheint ninguine nach Priscian 6, 94 (ningue) gebildet zu sein. Wörter: 10, 29 persons. 14,21 furcosus; 23 truncigenus. 19,10 mungio. Ausgaben: Da Monac. 19412 s. X — XI die Gedichte und Briefe chronologisch angeordnet gibt, ist es zu bedauern, daß die Ausgabe von Pez, Thesaur. anecdot. novissimus 6,1,110—243 alles auseinandergerissen hat; sonst Mabillon, Vetera analecta 433—437; nur weniges bei Migne 141,1283—1312. Die Gedichte vollständig bei Seiler, Ztschr. f. deutsche Phil. 14,405—443; vgl. hierzu Schepss daselbst 15,419—430. — Wattenbach 1,452 f. Besonders J. Kempf, Froumund v. Tegernsee, München 1900. G. Schepss, Handschriftliche Studien zu Boethius De consol. philosophiae, Würzburg 1881. 90. Adalbero von Laon. Adalbero stammte aus vornehmer lothringischer Familie und ist kurz nach 947 geboren. Er muß sich in seiner Jugend eine tüchtige Bildung angeeignet haben, da er sich später mit Philosophie beschäftigte und den lateinischen Hexameter mit einer gewissen Leichtigkeit handhabte; auch stand ihm, wie seine Schriften erweisen, die Lektüre der klassischen Dichter zu Gebote. 8 ) Wo er freilich seine Studien absolviert hat, ist nicht mehr ') Zur Einteilung der Briefe vgl. Seiler | sehe Philol. 15,423—430 vieles beigetragen, p. 400. 3 ) Hückel hat in seiner Ausgabe einiges 2 ) Zur Klärung des Gedichts haben die I davon angemerkt, besonders die Stellen aus Bemerkungen von Schepss, Ztschr. f. deut- | Persius. Außerdem notiere ich hier als aus 526 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zu erkennen; vielleicht war es in Reims, und er würde dann unter Gerbert die Schule besucht haben. 1 ) Um das Jahr 974 wurde er Kanzler des Königs Lothar, dessen Machtsphäre sich schließlich fast auf Laon beschränkte und am 16. Januar 977 wurde er von Lothar nach dem Tode Roricos zum Bischof dieser Stadt erhoben. Adalbero war dann häufig im Gefolge seines Königs, bis der Verdacht gegen ihn rege wurde, mit der Königin Emma Ehebruch getrieben zu haben. Seine Mitbischöfe zogen ihn daher 980 vor eine Synode zu Sainte-Macre, doch ist der Ausgang der Verhandlungen nicht bekannt, da Richer vielleicht hier absichtlich sein Werk verstümmelt hat. Aber nach dem Tode Lothars wiederholten die Ankläger die schwere Beschuldigung bei Ludwig V., und Adalbero wurde nun aus seinem Bistum vertrieben und begab sich dann zu Hugo Capet, dem Hauptfeinde der französischen Karolinger. Später war er wieder in Laon und ward hier in die Händel zwischen Hugo und Ludwigs Oheim Karl von Lothringen verstrickt, wobei er sich so benahm, daß man nicht genau wissen konnte, zu welcher Partei er gehörte. Bei der Einnahme Laons wurde er gefangen genommen. Schließlich entfloh er aus Laon und fand nun wieder an König Hugo eine feste Stütze. Hier am Hofe spann er aber wieder neue Ränke und benahm sich in dem Streite Arnulfs mit Adalbero um das Erzbistum Reims höchst zweideutig, so daß ihm Gerbert 989 einen geharnischten Brief schrieb. Trotzdem stieg der verräterische Bischof in der Gunst Hugos und seines Sohnes Roberts IL, denn seit 988 besaß er die Grafschaft in Laon, aber dafür war er 995 bereit, Frankreich an Otto III. zu verraten. Er wurde aufs neue gefangen genommen, aber der wunderbare Mann wußte bald wieder seine Freiheit zu erlangen. Im Jahre 999 wurde Hugo nach fortgesetzter Untreue des Bischofs gezwungen, Laon zu belagern, doch Adalbero wußte durch Anwendung ungewöhnlicher List das ärgste Schicksal von sich abzuwenden; allerdings forderte ihn Silvester II. nun für Ostern des Jahres 1000 nach Rom vor. Der Erfolg dieser Vorladung ist nicht bekannt, jedenfalls blieb Adalbero Bischof von Laon und hat auf den Besitz des Erzbistums Reims, den er früher erhofft hatte, endgültig verzichten müssen. In seiner Diözese spielte er nun bei seinem großen Reichtum die erste Rolle und er wußte sogar die Rechte des Metropoliten zu usurpieren. Dahei war er ein eifriges Mitglied der Synoden des Reichs und häufig finden wir seine Unterschrift unter wichtigen Urkunden des Königs für die westfränkische Kirche. Dabei erfreute er sich auch großen Ansehens bei dem hohen Klerus des Landes, der Dekan Dudo von St. Quentin widmete ihm unter großen Lobsprüchen seine ruhmredige Normannengeschichte und der gelehrte Fulbert von Chartres wendet sich betreffs einer in seiner Diözese vorgekommenen Übeltat wegen deren Bestrafung an ihn und nicht an Arnulf von Reims. Und als Arnulf starb, bewirkte Adalbero die Erhebung seines Günstlings Ebalus zum Erzbischof. Besonders eigen- Vergil stammend Caim. ad Rotbeitum regem gehabt, denn Gerbert hat für ihn Ep. 98 Vs. 94. 137. 168, aus Juvenal 173, aus Sedulius (ed. Havet p. 90) geschrieben, der die lieber- (3,108) 82 und (2, 168 f.) Summa fidei 171, schritt hat Ex persona episcopi Laudunensis aus Prudentius (Apoth. 243) ad Rotb. 337, aus i ad episcopos; vgl. auch Ep. 164 p. 146, wo Horaz (Sat. 1,5, 100) Summa fidei 29. Gerbert ihn nennt o felix quondam et dulcis ') Beziehungen zu Geibeit hat er sicher ; amice. Adalbero von Laon. 527 mächtig aber bewies er sich, als er damit umging, für den Fall seines Todes den Kleriker Wido zu seinem Nachfolger zu bestimmen. Hiermit drang er allerdings nicht durch, da sich Bischof Gerard von Cambrai sowohl an Ebalus wie an Beroldus von Sens als auch an ihn selbst brieflich wendete, um dies unkanonische Vorgehen zu hintertreiben; und als Adalbero starb, wurde auch nicht Wido, sondern Gebuinus zum Bischof in Laon erhoben. Besonders aber muß der ränkevolle Mann bei König Robert Glück gehabt haben. Das beweist einerseits seine häufige Unterschrift auf königlichen Urkunden und andrerseits der literarische Verkehr mit Robert. Denn zunächst hat Adalbero wohl auf die Veranlassung des Königs diesem ein Werk gewidmet, in dem Robert über den Glauben belehrt wird. Die Summa fidei gibt sich als ein Dialog zwischen dem Praesul und der Fides und besteht aus 327 Hexametern. Im Eingange wendet sich Adalbero an den König, indem er den hl. Geist um Hilfe bittet und sein Thema auseinandersetzt. Er will nämlich das Dogma der Dreieinigkeit entwickeln, und das tut er derart, daß die Fides auf die bezüglichen Fragen des Praesul diesen über das Dogma in ausführlichen Antworten belehrt. Die durch die dialogische Form angestrebte Lebendigkeit der Darstellung wird nun allerdings in keiner Weise erreicht, denn die ganze Darstellung ist ungemein trocken, was schon dadurch bedingt ist, daß das Gedicht fast monostichisch gehalten ist. Adalbero hat hier die Doxologie des Pseudo- Dionysius Areopagita mit den doxologischen Partien bei Prudentius und Sedulius in Verbindung gebracht und zeigt dabei keine geringe dialektische Gewandtheit. Aber weniger befriedigen, wie auch sonst in seinen Werken, die Sprache und die Verskunst; es fehlt hier doch ganz an dem freieren Ausdruck und der größeren Beweglichkeit der früheren Zeiten. Ob dagegen das wichtigste Werk Adalberos auf den Wunsch Roberte entstand, ist doch sehr zu bezweifeln; vom Eingange abgesehen, widerspricht dem der ganze Ton des Gedichtes. Es hat in der einzigen Handschrift keinen Sondertitel und heißt dort Carmen ad Rotbertum regem. Das Gedicht verdankt seine Entstehung der Unzufriedenheit der Bischöfe, zumal Adalberos, mit der Politik des Königs, die Klöster, besonders die cluniacensischen, in ihrer Macht zu erhöhen. Ein Mann wie Abbo von Fleury, der bei Robert alles erreichen konnte, war dem Adalbero ein Dorn im Auge, und es ist leicht möglich, daß mit Vs. 33 f. in den Worten Croto- niatae und Lex antiquissima Abbo selbst mit seinen Canones gemeint ist. 1 ) Das Gedicht von 436 Hexametern ist ungefähr 1017 verfaßt und stellt sich dar als ein Dialog zwischen Adalbero und dem Könige. Es zerfällt in vier Abschnitte, deren erster nach den üblichen Lobsprüchen für den König ein allgemeines Bild von den modernen Umwälzungen in Kirche und Staat enthält, während der zweite eine scharfe Satire auf die Sitten der cluniacensischen Geistlichkeit darstellt. Im dritten Abschnitt entwickelt Adalbero seine Gedanken über die kirchliche Hierarchie und über die sozialen Stände und im vierten stellt er dem Köuige reformatorische Vor- ') Vgl. hierzu G. H. Hückel in Biblio- theque de la Faculte des Lettres de Paris Bd. 13,132 n. zu Vs. 33. Der in Vs. 167 genannte Neptanabus ist doch wohl Odilo, vgl. Hückel p. 146 n. 167, trotz Bubnov, Ger- berti opera mathera. p. 381, 3. 528 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. schlage anheim. Das ganze Gedicht aber wird von gleichen Gedanken getragen, nämlich von dem traditionellen Geist des hohen Klerus und von dessen grundsätzlicher Abneigung gegen die Umwälzungen, die durch die Cluniacenser in die Kirche gebracht worden waren. Adalbero zieht mit allen Mitteln gegen diese neuen Gewalthaber zu Felde und verspottet sie in bitterster Weise und rät dem Könige, Gegenmaßregeln zu ergreifen wie sie sich aus dem alten Verhältnis der kirchlichen Herrschaft zur Weltlichkeit ergeben. Das Gedicht ist geradezu ein kirchenpolitisches Programm, eingekleidet in die Form eines heftigen Ausfalls gegen die Neuerungen. Und zwar geht dies Programm aus von einem Bischöfe, der in hohem Maße indigniert ist über seine Hintansetzung und seine Ausschließung von den Geschäften am Hofe und der infolgedessen angeblich hinter dem Pfluge hergehen muß. Fern von der Regierung gibt er in dem Gedicht ein allgemeines Bild von den Zeitverhältnissen und von den zeitgenössischen Sitten. Er spricht hier in seiner Stellung zum Könige als Freund und Ratgeber, wie das ja auch Fulbert von Chartres in seinen Briefen tat. Dabei greift er den Abt Odilo von Cluni heftig an 1 ) und wendet sich haßerfüllt gegen die Vorherrschaft dieses Klosters, und man findet daher in dem Gedicht ein Gegenbild zu Abbos Apologeticum und zu seinen Canones. Am Schluß des Gedichts legt Adalbero dem Könige die Geneigtheit zu Reformen in den Mund, freilich der König will solche einführen, „wenn die Loire durch die Gefilde Kalabriens und der Tigris durch Spanien fließen wird, wenn der Aetna Rosen und ein Sumpf Lilien erzeugen wird". Vom Zustand des Staates entwirft Adalbero Vs. 64—70 ein trauriges Bild; hier wird der Untergang der öffentlichen Sittlichkeit besonders dem Stellvertreter des Königs zugeschoben, und Adalbero denkt hier an den Pfalzgrafen Hugo von Beauvais oder an den Architriclinus Landricus von Nevers, gegen dessen habsüchtiges Wesen sich auch eine zeitgenössische Satire in Rhythmen 2 ) gewendet hat. In der Kirche aber herrscht die Willkür, denn krasse Ignoranten von niederer Herkunft werden jetzt zu geistlichen Oberhirten erwählt. Im Orden von Cluni erscheint Odilo als König, der aber völlig von Rom abhängig ist. Eine schärfere satirische Beleuchtung des berühmten Abtes kann es nicht geben, und dies Gemälde steht natürlich weit ab von der verherrlichenden Darstellung des Mannes in der Vita Odilonis, die seine christlichen Tugenden besonders preist. Das Gedicht ist als Zeit- und Kulturbild von Wert, aber man muß sich natürlich hüten, dem boshaften und giftigen Verfasser etwa in allem zu trauen; Treu und Glauben hat Adalbero nie verdient. Formal teilt die Satire die Schwächen des vorigen Gedichts, nur daß sie noch um vieles dunkler und unverständlicher erscheint; denn stellenweise ist ihre Einkleidung kaum noch zu verstehen. Man sieht aber,'daß doch schon gegen den Anfang des 11. Jahrhunderts die satirische Betrachtung der Zeitverhältnisse anhebt und daß ') Ueber die Satire, in der er sich gegen Cluni wendet, vgl. Sackur, Die Cluniacenser 1,95—98. 2 ) Hrsg. unter dem Titel Rythmus satiricus von Hückel, Bibl. de la Faculte des Lettres de Paris 13, 82—86 (Einführung p. 69-82). Vgl. außerdem Mabillon, Vetera anal. 3,533 und Bouquet, Recueil des bist, des Gaules 10, 93 f. Adalbero von Laon. 529 sie hervorging aus der Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb der Kirche. Die sophistische Gewandtheit und die Spitzfindigkeit, die Adalbero in diesem Gedicht entwickelt, zeigt sich aber noch in erhöhtem Maße in einer kleinen Prosaschrift, die dem Studium der logischen Schriften des Boethius ihre Entstehung verdankt und an den Bischof Fulco von Amiens gerichtet ist. Sie gibt aber den Beweis, daß Adalbero noch an etwas anderes denken konnte als an Verrat und an Haß gegen seine Feinde, und daß er in gewisser Weise der Fortsetzer der Traditionen der Reimser Schule genannt werden kann. Auch diese Schrift ist dialogisch gehalten. Fulco hat an Adalbero eine Mauleselin geschickt und sucht ihm darzutun, daß diese unfähig ist. irgendeinen Dienst zu verrichten. Adalbero will nun, wie Prantl 1 ) darlegt, die Allgemeingültigkeit dieses Urteils logisch erproben, und so folgt in Dialogform eine Erörterung darüber, daß das Urteil ein singuläres sei. Die Schrift schließt mit dem Hinweis auf eine dämonische Kausalität der Unbrauchbarkeit jener Mauleselin. Ob das Ganze nur als ein logisches Kunststückchen aufgefaßt werden muß, oder ob ein anderer Sinn zugrunde liegt, ist nicht mehr zu ergründen; der ganzen Einkleidung nach scheint es ein Scherz zu sein. Zeugnisse. Einen Abriß des Lebens gibt G. A. Hückel, Bibl. de la Faeulte des Lettres de Paris 13, 58 ff. Ueber Adalberos Abstammung und Persönlichkeit im allgemeinen vgl. Guibertus de Novigento de vita sua 3,1 (Migne 156. 907 D) De Laudunensibas . . . iam modo tractaturi imo Laudunensium tragoedias actüri primum est dicere totius mali originem ex pontificum, ut nobis videtur, perversitatibus emersisse. Qu! cum diuturnior longe exstiterit, ab Ascelino qui etiam Adalbero vocatur huic operi attexenda putatur. Is, uti compertum nobis est, ex Lotharingia oriundus dives opum, possessiomim locuples cum distractis omnibus pretia ingentia ad sedem, cui praeerat, transtulisset ecclesiam suam . . . insignivit, elero ac pontiftcio plura auxit, sed cuncta illa beneficia quadam praestantissima iniquitate foedavit. Quid enim nequius . . . quam quod dominum sunm regem innocentem puerum, cui sacra- mentum fidelitatis ille praebuerat, prodidit et in exterum genus Magni Caroli cursum genea- logiae transfudit? Zu Gerbert als Lehrer vgl. Hückel p. 58 n. 47. Kanzler Lothars Gallia chiistiana 9, 521 C. Erhebung zum Bischof von Laon Flodoardi Annal. contin. 976 (MG. SS. 3,407,46) praesul Eorico s. Laudunensis ecclesiae . . . vita decessit; 977 p. 408, 3 Adalbero iuvenis qui erat ex Lotharii natus regno, Roriconi . . . successit toll modo. Septima decima Kai. Febr. .. . donum episcopii Laudunensis aecclesiae in ipsa accepit aecclesia Lotharii regis largüione. Deinde nonas Kai Apriles . . . presbiter est ordinatus . . . Denique postea Kai. Apriles episcopus est ordinatus. Zum Verdacht vgl. Fächer, Hist 3.66 (ed. Waitz p. 109) Ködern tempore Emma regina et Adalbero Laudunensis episcopus infames stupri incrimina- bantur. Id tarnen latenter intendebatur, nullius manifesto intentionis teste . . . episcopis visum est, id esse discutiendum . . . A supradicto ergo metropolitano collecta est episcoporum sinodus apud Sanctam Magram locum, Remorum dioecesaneum. Considentesque et quaeque utilia per- tractantes postquam metropolitanus , das übrige ist in Richers Autograph abgeschnitten. Wiederholung der Anklage vgl. Hückel p. 59 und Gerbert Ep. 94 (ed. Havet p. 86) Laudunensis episcopus consilio Ottonis et Heriberti sibi fcwentium ducem adiü eo loci quem (Ucunt Dordingum; hierzu gehören Gerberts Briefe 97 und 9S, in letzterem (p. 90) — er ist von Gerbert für Adalbero geschrieben — spricht Adalbero Quamvis regia potestate per quorumdam hominum factionem a proprio sede sim adpraesens exclusus, episcopali tarnen officio minime sum privatus, und verbietet dann jede geistliche, dem Bischof zustehende Handlung in seiner Diözese. Zum folgenden vgl. Hückel p. 60 f und Richer, Hist. 4, 16ff. öiir Flucht aus Laon Richer 4, 20, wo die Worte Qui susceptus a rege, utpote fidelitatis exsecutor, non minore gratia habitus est seine Aufnahme bei Hugo dartun. Zum Streit um das- Erzbistum vgl. Geiberts Brief 164 (p. 145 f.). Graf von Laon nach Richer 4, 15 p. 135 und Lot, Les derniers Carolingie'ns. Paris 1891. S. 182 n. 1. Die weitere Politik Adalberos bei Richer 4,96ff. p. 173ff. und bei Hückel p. 63 f. Belagerung von Laon Annal. Elnonenses 999 (MG. SS. 5, 19) Robertus rex et Balduinus comes Laudunum obsederunt. Der Brief ') Geschichte der Logik im Abendlande 2. 58. Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 34 530 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Silvesters II. (bei Havet p. 241) ist voll von Vorwürfen (quoniam sub pontificali nomine homo etiam moribus esse desiisti) und gebietet (p. 242) in hac proxima pascali epdomad« Romae te adesse praecipimus . . . Viarum excusatio nulla te premat. Zur späteren bischöflichen Tätigkeit vgl. Guibertus oben. Zur Usurpierung der Metropolitanrechte vgl. Fulberti, Carnot. Epist. 38 (Migne 141), wo Fulbert von ihm col. 222 A rühmt Quod ego te facere de- precor, magne pater, ein deus bene suadendi copiam incomparabilem dedit. Zur Unter- schreibung königlicher Urkunden vgl. Gallia christiana 9,521DE und 522 B, Hückel p. 67. Die Widmung von Dudos Normannengeschichte bei Migne 141, 609 A Inclyto et pie vene- rando, quem genus orat, sapientia decorat, Adalberoni episcopo . . . Laudunensis ecclesiae cathedra residenti. . . . Dudo super congregationem s. Quintini decanus; dann beginnen die entsetzlichsten Schmeicheleien, z. B. col. 614 A tuae maiestati mittere disposui ut falsa atnmi- tarentur. Zur Erhebung des Ebalus vgl. Pfister, Etudes sur le regne de Robert le Pieux p. 238 f. Die Briefe Geralds von Cambrai an Ebalus, Berold und Adalbero in den Gesta episcop. Cameracensium 3, 29 ff. (MG. SS. 7, 477). Charakteristisch ist auch das Epitaph Adal- beios, das keinerlei christliche Tugenden rühmt; es beginnt (Gallia chiistiana 9, 522D) Hit aevi plenus decessit Adalbero praesul. Summa fidei. Beginnt Begi Rotberto sie praesul Adalbero plaudit, Lauduntis tarn parva domus tua regna salutat. Bescheidenheitsphrase Vs. 5 Quodsi sermo labat, sanetum quoque pneuma rogabo: 1 ) Ulla melos lira non piosset ferre sonorum, Si bene corda manu doeta non perruter•etar; weitere Anrufung 18 Oro, ftdes non fieta, meo suecurre labori. Auf die Präge 72 Est aliud generare, quod est, aliudque creare erfolgt die Antwort 73 Est generare patris natum, deumque creare.') In dem Gedicht spielt die begriffliche Auseinandersetzung eine wichtige Rolle, vgl. 86 Servus habet dominum, domini substantia servum und 100 Omne quod est unum, quod et aeeidit est alienum, besonders aber 114 ff., 134 ff., 160 ff., 188 ff. Daß König Robert von dem Gedicht Nutzen haben kann, beweist Vs. 316 I cum pace, fides, regem per saecula servans, und aus 317 Qui super ardua nie coeli transire coegit, Inculcans heresim, quam nie tetigisse putavit ergibt sich, daß Robert bei Adalbero eine Häresie vermutet hatte, und vielleicht, daß der König den Bischof zu einer solchen Darstellung aufforderte. Einzige Hs. Valentian. 354 (früher 288) s. XI, die an der Spitze Boethius de consol. phil. enthält; bei der geringen Ausführlichkeit des alten Kataloges ist nicht mehr zu erkennen, zu welchem Boethius der vier erwähnten (Delisle, Le cabin. des mscr. 2,453 N. 164) sie gehörte. Einzige Ausgabe bei Hückel p. 169 —177. Die Prosodie ist oft schlecht, vgl. den Ausgang Vs. 103 et regnat unus (vielleicht regit). Carmen ad Rotbertum. Beginn: Regi Rotberto sie praesul Adalbero scribo, Presulis in senio. 3 ) Fratrum Laudunteus ordo, Flos iuvenum fruetusque senum, te mente salutat. Die Satire auf die Cluniacenser beginnt Vs. 96; hier finden sich die germanischen Worte 100 baldringns (von balteus) und 104 Ossa (Hosen). Sehr anschaulich wird die Schilderung Vs. 110 bis 181, die an Amarcius erinnert. Der Praesul gebraucht 183 die Worte Persius indignans promet: tu lusca sacerdos (Peis. 5, 186); schon dadurch gibt Adalbero den satirischen Grund- zug seines Gedichts zu erkennen, das ja auch sonst (vgl. oben) viel aus Persius entlehnt. Vs. 215. 219 ff. wird auf die echten Quellen christlicher Erkenntnis verwiesen, nämlich auf (Pseudo-)Dionysius Areopagita, Augustins de civit. dei und Gregors Moralia, Sermones und Ezechielhomilien. Auch dies Gedicht macht trotz seines satirischen Anstrichs öfters einen gelehrten Eindruck, vgl. 215—224 und 373—383 (dort wird auf Juristisches angespielt). Schluß: Gratia confirmet te, presul Adalbero, Christi, Nostra simul merito, regali munere dignus, Non quia deliras, sed nobis alleqorizas. Die Form des Gedichts ist lässig, besonders wegen der schlechten Piosodie, vgl. z. B. 121. 142. 170. 231. 240. 286. 325. 343 u. a., allerdings erscheint der Druck bei Hückel als nicht genau. 4 ) Einzige Hs.Paris. 14192 s. XI (früher Petau gehörig). Ausgaben von Hadr. Valesius'') in Carm. panegyr. de laud. Berengarii Augusti, Paris 1663. S. 239— 264, und besonders von G. A. Hückel, Bibl. de la Fac. des Lettres de Paris 13, 129—167 mit Uebeisetzung und Kommentar und ausführlicher Einleitung: Hückel läßt die Möglichkeit zu, daß das Gedicht in zwei verschiedenen Redaktionen existiert hat, was kaum anzunehmen ist, da die Korrekturen im Paris. 14192 doch zu geringfügig sind. Brief an Fulco. 6 j Der Brief beginnt mit einer Reihe von allgemeinen Bemerkungen, die Einkleidung der Sache selbst erfolgt unter scherzhaften Wendungen (Hückel p 180) Sed contra amorem non modice contristor, quod quietem me querere cognovisti et ad in- ') Vgl. Juvencus, Hist. evang. praef. 25 f. z ) Mit schlechter Metrik, wenn richtig überliefert. Uebrigens ist zu lesen Vs. 25 iuneta, 56 coneipitur, 62 sine, 177 muß das zweite semper als Glosse wegfallen, 287 heißt es non tempore, 322 muß ine wegfallen, 323 3 ) Vgl. 308 Iam caput ecce tuuni candens imitatur olorem. 4 ) 243 muß es heißen Format, 377 De- monstrativus; 325 ist als Veis unmöglich. 5 ) Schlechter Abdruck bei Migne 141. 772-786. heißt es laborant. s) Zu Fulco vgl. Gallia chiistiana 10, 1162 Gerhard von Seeon. — Cosmas Japygus. 531 qnietudinem perduxisti. Ad usus ergo nostre capelle in expeditionibus mulam erogasti . . . nugigeiiilam auribus mutilatam oculis privatem gressu debilem. Dies logische Kunststückchen muß später nicht wenig gefallen haben, denn Hück el konnte sechs Handschriften zu seiner Ausgabe benutzen; besonders wichtig Vat. reg. 596 s. XI, Valentin. 354 (früher 288) s. XI (danach ediert bei Mangeart, Catal. des mscr. de la bibl. de Valenciennes p. 659), Monac. 14272 s. XI—XII (darauf beruhen die Angaben bei Prantl. Geschichte d. Logik im Abendlande 2, 58). Hauptausgabe von Hückel, Bibl. de la Fac. des Lettres de Paris 13,180—184. — Vgl. hist. litt. 7, 293. Wattenbach 1, 472. 91. Gerhard von Seeon. Kurz nach der Stiftung des Bistums Bamberg hatte Heinrich II. dem Abt Gerhard von Seeon die Abfassung einer Handschrift aus Werken der Väter zum wissenschaftlichen Gebrauch in dem neuen Hochstifte aufgetragen. Gerhard kam diesem Wunsche nach und begleitete das schörie kalligraphische Werk mit einem Gedicht von 54 Hexametern an den König. Hier spricht er sich zunächst über den ihm gegebenen Auftrag aus und bittet Heinrieb, das Werk zu empfangen. Die Erwähnung des Namens Bamberg bringt ihn dazu, die kostbaren Reliquien aufzuzählen, die sich auf den Altären des Doms befanden, und die Schule Bambergs mit hohem Lobe zu bedenken, die er mit Athen vergleicht und deren Studium der freien Künste er preist; weder ein Maro noch ein Homer würden imstande sein, Bambergs Ruhm würdig zu besingen. Man sieht aus dem Gedicht, das schwerfällig und gespreizt genug ist, welche große Bedeutung man dem neuen Hochstifte schon sehr bald nach seiner Gründung beimaß. Zeugnisse. Das Gedicht findet sich im Bamberg. B. VI. 15 s. XI f. 4 1 '—5 (vgl. hierzu Vöge, Deutsche Malerschule (Trier 1891) S. 125) und ist gedruckt von S. Hirsch, Jahrb. d. deutsch. Reichs unter Heinrich II., Bd. 1, 554 und von Jaffa, Bibl. rer. Germ. 5, 482. Hier heißt es Vs. 5 Suscipe perscriptum te preeipiente libeüum, Plenum legiferis patrum fratrumque atatutis, Quem tibi non tardus mihi iardior abba Gerhardus Nomine non meritis Sewensis d altor orilis Exiguus tribuo magno pro munere voto . . . Pabunbergensis donando cacumina sedis. ... 52 Non Maro cum lepidus nee dicax posset Homerus Texere multiplices laudabilis urbis honores, Horum si vita potuisset surgere tanta 1 ) Die Entstehungszeit des Gedichts liegt zwischen 1012 und 1014, da Gerhard Vs. 21 Reliquien nennt, die am Weihetage von Bamberg (6. Mai 1012) dargebracht waren, und Vs. 1 von Heinrich pie rex Heinrice sagt; die Kaiserkrönung fand 1014 statt. Die Hs. enthält die Regel Benedikts, Columbans, Serapions und des Macharius und des Pafnutius. Hirsch 1,101 und 112 macht darauf aufmerksam, daß die Widmung der Hs. nur allgemein Bambergischen Zwecken diente und daß ihre Bestimmung für das Kloster Michelsberg dem Gerhard noch nicht bekannt war. 92. Cosmas Japygus. Zur Zeit der Königin Adelheid waren 911 die Leiber der heil. Senesius und Theopompus aus Treviso nach dem Kloster Nonantula bei Modena übergeführt worden, um hier gegen die Pest zu helfen. Ein Mönch des Klosters beschrieb die Überführung der Heiligen zur Zeit des Abtes Rudolf I. (1002—1035) und ungefähr zu derselben Zeit brachte ein Kleriker Cosmas aus Materia die jedenfalls griechisch geschriebene Passion der Heiligen in lateinische Verse. Da er sich Cosmas Japygus nennt, so stammt er wahrscheinlich aus dem südlichsten Apulien, und daher erklärt sich seine Kenntnis des Griechischen. Cosmas muß mit Nonantula in Beziehung gestanden haben, denn er äußert sich in dem poetischen Prologe, daß der ') Vgl. Sulp. Sev. Vita Martini 26, 3 (p. 136,12 ff. H.). 34* 532 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Mönch und Diakon Gregor, den er Ligurer nennt, 1 ) öfters seine Brüderschaft gebeten habe, daß er — Cosmas — das fromme Werk zu schreiben unternehme. So habe er es denn bald unternommen, auf daß die frommen Lateiner den heiligen Bericht aus griechischer Quelle möglichst bald lesen könnten. Cosmas hat den Stoff in vierzig Distichen gebracht, die nicht nur, wohl nach dem Vorbild von Sedulius' Hymnus I., epanaleptisch sind, sondern auch in Hexameter und Pentameter den gleichen Reim besitzen. Dadurch erhält das Gedicht einen metrisch spielenden Ausdruck. Und diese Gebundenheit zeigt sich auch in der Darstellung der erzählten Ereignisse; diese wird nämlich in ihrer Freiheit durch die Form insofern stark beeinflußt, als der Gedanke stets durch das Distichon abgeschlossen wird und die Wiederholung der Vershälften dem Dichter überhaupt nur wenig- erzählende Worte freiließ. Der Erfolg ist der, daß zum Verständnis des Gedichts die Prosadarstellung von der Passion der Heiligen, die unter Diokletian zu Nikomedia sich vollzog, unerläßlich notwendig ist: das Gedicht gibt nur einen kümmerlichen Auszug, der noch durch allerhand Beiwerk wesentlich beeinträchtigt wird. Der Ton ist nämlich durchaus emphatisch und die Ausdrucksweise wird vielfach durch griechische oder absonderliche lateinische Wörter oft unverständlich; wahrscheinlich hat der Dichter durch übel angebrachte glossographische Gelehrsamkeit sein Gedicht mit gelehrtem Aufputz schmücken wollen. Außerdem läßt die Form eine nicht gerade sorgsame prosodische Schulung erkennen. Zeugnisse. Zur Ueberfühiung der Heiligen s. die Translatio ss. Senesii et Theopompi bei Ughelli, Italia sacra 5,469ff. und bei Bortolotti, Vita di S. Anselmo abbate di Nonantola, Modena 1892; vgl. Wattenbach 1, 483 und n. 1. Wichtig ist für die Verhältnisse vom Kloster Nonantula die Publikation von Giorgi, Rivista d. biblioteche e degli archivi 6,54 ff., wo zueist über die Bibliothek gehandelt, dann das Verzeichnis der vom Mönch Petrus unter Abt Rudolf I. zusammengebrachten 39 Bücher, endlich der Katalog des Klosteis vom Jahre 1166 korrekter als in der Ausgabe bei Becker (Catal. bibl. ant. N. 101 p. 220ff.) abgedruckt wird; dieser Katalog enthält übrigens ausschließlich kirchliche Literatur, die übrigen Abteilungen fehlen. Cosmas nennt sich in der Aufschrift zum Prologe Cosmas Materiensis, in der Subskription Cosmas . . . Iapygus (Migne 133, 881A); Gregor heißt in der Aufschrift Gregorio Ligo. Beziehung zu Nonantula im Prol. 5 Saepius is celsam rogitacit natnque catervam Scribendi causam nos celebrare piam. Mox operam dedimus, graeco de fönte Latinus Murmwet ut citius gesta sacrata prius. Hieraus ergibt sich die Benutzung einer griechischen Quelle, wozu die Worte Vs 3 lipsana und 70 cataplastus stimmen. Seltsame oder seltene lateinische Worte 14 Bebriia dona. 47 senes amandus. 53 menfica. 59 ex- cidua. 61 affola (= offula). Zur schlechten Prosodie vgl. Vs. 3. 21. 47. 59. 63. Die Altersbestimmung richtet sich übrigens nicht nach Ughelli, Italia Sacra 2, 111, der die Hs. von Nonantula, in der er eine lateinische Passio der Märtyrer sowie das Gedicht fand, ins 10. Jahrhundert setzte (danach Migne 133, 879); vgl. die Worte bei Ughelli 2, 111 Porro in honorem ss. Synesii et Theopompi quidam Cosmas Materiensis ante 700 annos haec carmina cecinit in- scripsitque ad Gh-egorium Nonantulanum monachum, inepta quidem et sine sale sed Christiana antiquitate redolentia, quae ex eodem codice Nonantulano (vgl. p. 100) decerpsimus, dum ibidem abbatismunerefungeremur. AusgabeUghell i, Italia sacra 2,211 f., danach Migne 133,879—882. Ob aber der von Ughelli (und Migne) angehängte Hymnus auf die Heiligen auch von Cosmas stammt, dürfte zweifelhaft sein; wahrscheinlich ist er in Nonantula nach den Versen des Cosmas gedichtet, an die er sich mehrfach wörtlich anlehnt. Der Ausdruck Vs. 21 Nos ergo fratres supplices Poscamus dürfte für Entstehung in dem Kloster sprechen, wo die Reliquien der Märtyrer lagen. *) Er bezeichnet freilich auch die Be- j als Ligurici populi, und im Prolog Vs. 10 wohner der Umgegend von Nonantula Vs. 73 f. | nennt er die Mönche coetus ovans Li/geus. Angelrani von St. Riquier. 533 93. Angelram von St. Riquier. Angelram 1 ) stammte aus Ponthieu und trat ins Kloster St. Riquier ein, wo er seine Ausbildung erhielt. Trotz der großen dort befindlichen Bibliothek und einer nicht unbedeutenden literarischen Vergangenheit schienen die Studien im Kloster nicht recht gedeihen zu wollen, denn Angelram wurde von Abt Ingelard auf verschiedene Schulen und schließlich auch zu Bischof Fulbert nach Chartres geschickt, wo er in Grammatik, Dialektik und Musik tüchtige Fortschritte machte und auch schon zum Priester geweiht wurde. Und nun scheint er nach seinem Biographen Hariulf, nachdem er in die Heimat zurückgekehrt war, eine ausgebreitete Lehrtätigkeit in St. Riquier begonnen zu haben, wobei er sich namentlich auch der Bücherschätze annahm, indem er schadhaft gewordene Bücher erneuern und bisher fehlende abschreiben ließ. Im Jahre 1016 oder 1020 begleitete er den König Robert von Westfranken nach Italien, und als Ingelard starb, wurde er 1022 zum Abt erhoben und vom König bestätigt. In dieser Stellung verblieb er, bis er 1045 starb. Seine literarische Tätigkeit aber gehört in die Zeit seines Lehramtes im Kloster. Sein früherer Lehrer Fulbert nämlich hatte ihn aufgefordert, das Leben und die Wunder des hl. Richarius in Verse zu bringen, und er war dessen Wunsche gefolgt und versifizierte Alchvines Schrift über das Leben des Heiligen sowie die dem Leben angehängten zwei Bücher Miracula. 2 ) Dazu stellte er ein viertes Buch, das die im Jahr 981 geschehene Zurückführung des Heiligen von St. Bertin nach Riquier sowie die sich hierbei und später ereignenden Wunder in Versen behandelt. Hariulf, der hierüber berichtet, hält es für einen Vorzug der drei ersten Bücher des Gedichts, daß Angelram fast nichts zu seiner Vorlage hinzugefügt, sondern ihr dem Sinne nach stets treu geblieben sei. Wir können das auch heute noch bezeugen. Freilich hat diese wörtliche Treue dem Gedichte insofern geschadet, als erst ein Teil davon herausgegeben wurde, indem man es der Mühe nicht für wert hielt, das Ganze abzudrucken. Aber auch sonst beschäftigte sich Angelram mit dem Heiligen, wie er einige Gesänge zu dessen Ehren in gefälligerer Melodie komponierte, als sie die früheren besaßen. Außerdem dichtete er Hymnen auf den alten Abt Walericus von St. Valery und auf den Bischof Wulfram von Sens. Hariulf berichtet aber weiter, daß Angelram auch eine poetische Passio des Märtyrers Vincentius geschrieben habe, dem in St. Riquier eine kleine Kirche geweiht war, sowie daß er das Leben der hl. Austreberta versifiziert habe; diese beiden hagiographischen Gedichte scheinen verloren zu sein, doch besaß man im 14. Jahrhundert noch in Peterborough das Gedicht über Austreberta. 3 ). Die poetische Vita Richarii beginnt mit einer Captatio benevolentiae an den Leser in sechs Distichen: Werk und Verfasser stellen sich vor und der Verfasser erbittet für seine geringe Arbeit die geneigte Nachsicht 1 ) Er selbst nennt sich in der Widmung I 3 ) Vgl. Serapeum 12, Intelligenzblatt 140 der Vita Richarii Ingelramnus (Migne 141, Vita Austrobertae virginis versifice; daselbst 1423 A.) Vs. 1 und in der Briefaufschrift. j hatte man übrigens s. XIV (a. a. O. S. 148) 2 ) Verfaßt in der Mitte des 9. Jahrhunderts. | die Vita s. Wulf ran i episcopi. 534 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. des Lesers. Dann folgt der Brief Angelrams an Fulbert: Er habe Großes gewagt mit seinem Gedicht, allerdings an der Vorlage nichts geändert- bestimmend für ihn sei das Vorbild einiger Dichter gewesen, die die Gottheit besungen hätten und keinen neuen Stoff einführen wollten, sondern sich lediglich an den Wortlaut der Bibel hielten. 1 ) Und er habe den Anfängen der vier Bücher je einen Prolog vorangestellt, um hierin als Neuling auf dem Gebiet der Poesie die Verzeihung des Lesers für vielfache Fehler zu erbitten. Das Buch selbst bringe er dem Fulbert dar, damit dieser es einer Prüfung unterziehe, denn vor einer solchen solle es nicht veröffentlicht werden. Und Fulbert möge die Widmung annehmen, da ja sein Ruhm auch durch den Umstand wachse, daß er Schüler gehabt habe, die zu gutem Werke fähig seien. Hieran schließt sich ein Prolog von 41 Hexametern zu dem Gesamtwerke, worin der Dichter mit der Verdienstlichkeit der Heiligenbiographien anhebt und dann auf sein Gedicht zu sprechen kommt, das nicht nur die Wunder enthalte, die der Heilige im Leben gewirkt, sondern auch die späteren. Und da die Vorlagen ihm drei Bücher geboten, so habe er diese auch im Gedicht ausgeführt und ihnen ein viertes angeschlossen, das die Wunder des Heiligen aus der Gegenwart enthalte. Und damit ihm niemand den Vorwurf mache, das Werk sei nicht gut abgefaßt worden, so bekenne er, noch nicht drei Jahre 2 ) damit zugebracht zu haben. Dann beginnt der Prolog zum ersten Buche, Prologus invo- cationis genannt, da Angelram hier Gott anruft und seinen Segen zu dem Werke erfleht, da von seiner Allmacht alles zu erwarten ist und alles von ihr abhängt. 3 ) Es folgen nun die einzelnen Kapitel des ersten Buches, deren jedes, wie alle weiteren, einen den Inhalt kurz zusammenfassenden Hexameter als Überschrift erhalten hat. Angelram hält sich, wie schon gesagt, eng an den Prosatext und auch seine Sprache ist dem durchaus angemessen. Er zeigt zuweilen Bekanntschaft mit der älteren Poesie, besonders mit Vergil und Sedulius, aber doch nur selten, und er gebraucht keine hochtönenden poetischen Phrasen, sondern bleibt im Ausdruck stets schlicht und einfach. Und in bezug auf Prosodie und Metrik verrät das Gedicht eine tüchtige Schulung, indem sich im allgemeinen nur wenig Verstöße finden. Buch 2 und 3 (in neunzehn und sechzehn Kapiteln) sind bisher nicht herausgegeben. Dagegen scheint Buch 4 nur neun Kapitel zu umfassen und es fehlt ihm, wenigstens im Druck, ein Prolog, der doch für alle Bücher vom Autor angekündigt ist. Die Wunder, die hier erzählt werden, sind übrigens sehr geringfügiger Art und die Teilnahme des Heiligen an ihnen wird nur ganz leicht gestreift. Die Erzählung bleibt dieselbe einfache und anspruchslose der früheren Bücher. Nur die Zurückbringung des Heiligen in sein Kloster in c. 1 wird ausführlicher mit einigen geschichtlichen Einzelheiten berichtet, sonst ist nirgends Weitschweifigkeit zu bemerken. Zeugnisse. Sie finden sich besonders in dem Abschnitt von Hariulfs Chronicon Centulense 4, 1 —17, der sich mit dem Leben Angilrams beschäftigt und auch besonders ') Ob damit Dichter wie Juvencus und j Ternos annorum nondum implevisse durum, Sedulius gemeint sind? ! sie ist wahrscheinlich verderbt überliefert. 2 ) Die Stelle ist schwer zu verstehen, 3 ) Die Verse 24—31 sind nicht unpoetisch Vs. 40(Migne 141, 1426 A) meinet fateor ..'. , gehalten (1425C). Egbert von Lüttich. 535 herausgegeben -winde, Mabillon, Acta SS. ord. Bened. 6, 1.494 = Migne 141, 1405—1422. Zur Abstammung Vita 1 (Migne 141, 1405A) dulcis Pontiva provincia . . . beatum scilicel Blchariutn potulit. Eintritt ins Kloster 2 (1405B) monachüi auctus est torja intra s. Richarii monasterii clausfra. Zur Bibliothek von St. Riquier vgl. Becker N. 11 und Traube PL.3, 266 [de libris grammaticorum), zur früheren Literatur Bd. 1, 469 ff. Besuch mehrerer Schulen c.3 (1405 D) recepta a patre loci nomine Ingelardo . . . Hcentla longe seposita scrutalus est scho- larum maglsteria; Aufenthalt in Chartres c.3 (1406A) Denique ... civitatis Carnotenae tenerabilem episcopum . . . Fulbertum praeceptorem adeptus est otque didascalum . . . Tandem igitur grammatica musica atque dlalectlca optime instructitm Centulam remittit tlronem . . . iam tunc sacerdotlo ornatum. Tätigkeit nach der Rückkehr (1406 B) reparantur libri, con- scribuntur necdum conscripti, educantur pueri . . . circumquaque felix vocatur Centula. Die Romreise mit König Rotbert c. 4 (1406 B), die Wahl zum Abte und die königliche Bestätigung c.5 (1407 A). Abfassung der Vita Richarii c. 13 (1414A) Nam praeciplente sibl ... suo quondam magistro . . . Fulberto Carnotensi episcopo . . . Richarii vltum ab antiquis compendlose de- scriptam versu heroico lucundlorem fecit, nihil pene extrinsecus addens, sed eundem sensum per omnia repraesentans. Sane mlracnla quae dominus . . . per eiusdem sancti merita suo tempore exhibuit, i)i uno libello compingens antiquis eius mlraculis compaginavit, in quorum capite postea quae supra texuerat sie exorsus est fori: Nunc ea complectar proprius quae n'dit ocellus.*) Subsequenterque intexit illam s. Richarii relationem, quae in praecedenti libello a nobis plenius exposita est. Weiteres erwähnt Hariulf c. 15 (1415 B) Angelrannus . . . in sancti Richarii honore, quamvis antiqui abundarent, quosdam cantus dulciori composuit melodla, neenon sanetorum Walarici abbatis et Vulfranni archiepiscopi honori proprlos cantus coaptavit, beati quoque Vincentii martgrls 2 ) passionem metrice composuit sanetaeque virginis Austrebertae vltum melro subegit. Vita s. Richarii. Daß Angelram bei der Abfassung noch nicht Abt war, ergibt die Widmung an Fulbert (1423A) Fulberto praeeeptori et domlno Ingelramnus monachus ipsius scholastlcorum vllissimus; hier schreibt er über sein Werk (1424A) non parvae materiae mihi pondus imposui, vldelicet vitam s. Richarii describere metrice: in qua quomodo fuerat edita rhetorico stilo diligenter et lucide, nihil addere vel minuere decrevi metro dumtaxat scriptoris dieta rependens. Quod ut facerem, non me fingendi nova constrinxit impossibilitas, verum persuasit imitatio carminis quorundam venerabilium ex divinitate canentium, gut ■ ■ ■ merae scripturae simpliciter representavere sententias. Bezüglich der Prologe Singidis igitur prineipiis quattuor librorum quos edidi, singulos prologos inserui ob hoc solum ut in his postularem veniam mihi poetae novo, cum invenirentur multa, quae possent adnotarl vitio. Widmung und Bitte (1424B) Quod opusculum . . . tuae correctioni devovi, neqtie id passus sum proferre palam, donec tili favoris dignaretur dementia. Ergo munus oblatum susclpere ne renne . . . ut in hoc ettam laudis tuae cumulus aecreseat, dum fntura noverit aetas habuissc te diseipulos alieuius utilitatis idoneos. Begegnung des Vorwurfs im Prol. propositionis 39 Non bene compositos notet et ne forte quis tllos, In studio meinet fateor, cum fingere coepi, Ternos annorum nondum implevisse dierum. Anklänge an Vergil und Sedulius: Prol. invocat. 27 Omnia claudit hiems Georg. 2.317; 11,11 Xonque cadueorum gradibus gauderet honorum Pasch. C. 1, 306; 18, 25 exercere laboris Aen. 8, 378. Lib. 4,1,54 campus fiavescit aristis Verg. Ecl. 4, 28. — Uebrigens teilt Hariulf c. 23 (1420 D) ein Gedicht auf Angeli am mit, in dem dessen Verdienste um das Kloster einzeln gerühmt werden, wobei erwähnt wird, daß er ein Evangeliar und die Vita Richarii mit Silber habe schmücken lassen (Vs. 8 f.). Sein Schüler Guido, später Bischof von Amiens, setzte ihm eine kurze Grabschrift, die Hariulf ebenfalls (c.22 col. 1420D) mitteilt. Ausgaben: Mabillon. Acta SS. ord. s. Bened. 2,201 = Migne 141,1423—1438 (unvollständig). Vgl. Hist. litt. 7, 351 ff. 94. Egbert von Lüttich. Egbert stammte aus einer deutschen, adligen Familie und ist um 972 geboren. Er kam um 979 in die Lütticher Schule, die unter der vortrefflichen Oberleitung des Bischofs Notker stand, und hier genoß er mit dem etwa gleichaltrigen Adalbold. dem späteren Bischof von Utrecht, den ersten Unterricht wie die höhere Ausbildung; allerdings tritt in seinem Werke, der Fecunda ratis, die Kenntnis des Triviums durchaus in den Vorder- ') Vgl. Buch 4 c. 1 Vs. 3 (1434D). ! ) Zur ecclesiola s. Vincentii martyris vgl. c 14 (1415 A). Hier dichtete Angelram zwei Distichen auf das Grab des Dekans von St. Riquier Odelger (1415B). 536 Geschiebte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. o grund, während er sich in den Wissenschaften des Quadriviums nicht eben sehr unterrichtet zeigt. Schon in jungen Jahren wurde er selbst Lehrer und zwar an der gleichen Schule, an der er unterrichtet worden war nämlich an der Lütticher Domschule, und in dieser Stellung ist er bis in sein Alter geblieben. Freilich lehrte.er nur das Trivium, Grammatik, Rhetorik, Dialektik und las mit seinen Schülern die klassischen und die christlichen Autoren, aber er war durch und durch Lehrer, wie sein ganz für den Unterricht geschriebenes Buch deutlich zeigt, und besaß einen humanen und verständigen Sinn, der ihm sein schwieriges Amt wesentlich erleichterte. Bei seiner Sanftmut kam er aber nicht vorwärts, er blieb das, was er war, zumal ihn die neuen Ideen der cluniacensischen Reform nicht anzogen, und in seinem Alter ist er vereinsamt. Daher griff er zur Feder und verfaßte ein Lehr- und Lesebuch für die Trivialstufe. Er stellte eine Blütenlese aus der antiken Spruchpoesie, der Gnomik der Bibel und der Kirchenväter und vor allem aus der heimischen Spruch- und Beispielpoesie zusammen. Und diese letztere hat er besonders bevorzugt, daher ist sein Werk eine reiche Fundgrube von Sprüchen der Lebenswahrheit und Menschenkenntnis geworden, von Sprüchen, wie sie das Leben erzeugt. Die Fecunda ratis, das vollbeladene Schiff, zerfällt in zwei Bücher Prora und Puppis, Bug und Spiegel. Das Werk ist in zwei Rezensionen vorhanden, die auch von Sigebert erwähnt werden; die Überlieferung zeigt, daß die kürzere Urform in der ausführlicheren Überarbeitung aufgegangen ist. In dieser Dichtung schloß er sich, wie E. Voigt lichtvoll dargelegt hat, 1 ) durchaus der beim Unterricht gewöhnlichen Reihenfolge des Stoffes an. Gemäß dem Beginne der Schullektüre mit Catos Distichen stellte er in seiner älteren Prora eine große Reihe einzeiliger Sprüche zusammen, die er aus trivialen und quadrivialen Elementen sowie aus allerhand Formeln des Schullebens entnahm, wozu Gefühlsäußerungen, Gebete, Sentenzen aus dem Gebiete des gewöhnlichen Lebens und Sprichwörter in bildlicher Einkleidung treten; und zwar gestaltete er den ersten Teil bis Vs. 596 einzeilig, während er für die zweite Hälfte bis Vs. 1008 den zweizeiligen Spruch wählte. Hieran schloß sich nun die Puppis, die aus 61 Stücken von verschiedener Größe besteht und 605 Verse zählt. Hierher rechnen Versi- fikationen einzelner Abschnitte aus Gregors des Großen Evangelienhomilien und den Moralia, aus Augustins Predigten und Psalmenkommentar, sowie besonders Stücke, die aus biblischer und patristischer Unterlage zusammengesetzt sind. Diese erste Redaktion des Werkes erweiterte Egbert später durch Hinzufügung eines zweiten Hauptteils zur Prora. Indem er sich an Avians Verwendung zum Primärunterricht anschloß, gab er hier sprucli- artige Betrachtungen aus der Bibel, den Kirchenvätern, den Klassikern (Sallust, Horaz, Lucan, Persius, Juvenal) und aus dem heimischem Sprachschätze, ferner Stücke von individueller Empfindung gegenüber den Zuständen seiner Zeit, zuweilen im Anschluß an Horaz und Juvenal, endlich Fabeln und Fabelelemente nach dem Physiologus und nach Romulus, mittelalterliche Fabeln und lehrhafte Erzählungen und Schwanke, die gleichfalls ') Egberts von Lüttich Fecunda ratis p. XLV111 f. Egbert von Ltittich. 537 auf das Mittelalter zurückgehen; diese drei Elemente sind aber nicht gesondert, sondern die einzelnen Stücke sind bunt durcheinander geworfen. Formal besteht die jüngere Prora aus 23 Tristichen und aus 81 Gedichten von vier und mehr Versen. Sie hat auch insofern mit der Puppis gleiche Form erhalten, als die einzelnen Stücke wie einst die von den Angelsachsen gedichteten Rätsel Überschriften besitzen. Und unzweifelhaft hat Egbert diese Form des Rätsels gekannt, denn Sigebert nennt sein Werk de aenig- raatibus rusticanis librum und dieser Titel versteckt sich, wie E. Voigt darlegte, 1 ) ja auch in der Vorrede zu dem Werke. Die ältere Prora nun ist wegen ihres vorwiegend subjektiven Charakters hervorragend wichtig, da sie einen tiefen Einblick in die Weltanschauung des Dichters und seiner Zeit gewährt. Dagegen ist die jüngere Prora, literarhistorisch betrachtet, doch noch wertvoller, da sich in ihr die Fabel der Alten in der satirischhumoristischen Weiterentwicklung des deutschen Mittelalters zeigt. Sehr verschieden ist die Anlehnung des Dichters an seine Vorbilder. Zuweilen führt er deren genaue Wortfolge an, öfter aber benutzt er nur den Gedanken und zerdehnt die ursprünglich kurze Stelle durch Einfügung rhetorischen Zierats zu größerer Breite. Im allgemeinen hat er sich nicht an Florilegien, sondern an die älteren Schriftwerke selbst gehalten, 2 ) und es lassen sich bei Abzug aller entlehnten Elemente doch über 200 einheimische Sprichwörter und Beispiele in der Sammlung nachweisen. Die Überlieferung in der einzigen Handschrift bietet nun bis zur Prora Vs. 401 eine nicht geringe Menge von Scholien und Glossen zum Texte; sie gehören aber nicht einer späteren Zeit an, sondern sind durch zwei von den zwölf Schreibern des Werkes hinzugesetzt worden, wie Voigt angibt. 3 ) Also haben sie schon in der Vorlage gestanden; daß sie aber von Egbert selbst verfaßt worden seien, 4 ) hat Voigt mit großer Wahrscheinlichkeit zurückgewiesen, wie er auch darlegte, daß der Scholiast jedenfalls die ganze Dichtung gekannt hat. Es ist danach möglich, daß der Verfasser der Scholien seine Arbeit auf die ganze Dichtung erstreckte, daß aber diese wertvollen Erklärungen nur zum Teil abgeschrieben worden sind. Sie finden sich also nur im monostichischen Teil des Gedichts und geben hier regelmäßig eine ziemlich wortreiche Umschreibung des Sinns der einzelnen Verse. In den späteren Partien finden sich nur einige wenige Glossen. Die Scholien sind deshalb besonders wichtig, weil sie ungemein viel zum Verständnis der in die kurzen Monosticha gekleideten Sprüche beitragen, von denen manche ohne die Erklärungen unverständlich wären; 5 ) und es ist daher wohl möglich, daß diese Scholien von einem Schüler Egberts nach dessen mündlichem Vortrage aufgezeichnet wurden. E.Voigt hat sich nun mit der Anlehnung Egberts an antike, christliche und mittelalterliche Vorbilder und mit der Ausscheidung der be- . ') a. a. 0. p. XXI. Die Ueberschriften zu? Jüngeren Prora (p. 163 ed. E.Voigt) Modo sensus in tribus versibus und p. 1G8 De quat- Uwr versiculis et reliquis indifferenter positis lehnen sich wohl auch an die Disposition von Aldhelms Rätseln an, die sich nach der Verszahl richtet. ' benedictionum '-) Vgl. Voigt a. a. 0. p. LVII1. 3 ) a. a. 0. p. VII (vgl. p. VI). 4 ) R'. Peiper (Ztschr. f. deutsche Philo]. 25, 427) denkt an einen Schüler Egbeits als Verfasser. 5 ) Also ähnlich wie in Ekkehaits IV. Liber 538 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. nutzten Stellen sehr große Mühe gegeben und ist hier zu wichtigen, gesicherten Resultaten gelangt, wenn auch die Anlehnung an Dichter wie Plautus und Laberius kaum wirklich nachweisbar ist. Außer den geläufigen Schulschriftstellern des Altertums erscheinen aber doch noch Orientius 1 ) und Dracontius 2 ) unter den verwendeten Dichtern; besonders interessant aber ist, daß E. Voigt die Benutzung des für jene Zeiten noch selten bezeugten Curtius nachgewiesen hat, 3 ) den Egbert sogar häufig benutzte. Sehr häufig gehen Egberts Gedanken auf die Bibel zurück, besonders auf deren Spruchweisheit, und ebenfalls sind die Werke der Kirchenväter an vielen Stellen herangezogen; nicht zum wenigsten ist Isidor benutzt, hingegen erscheinen die Parallelstellen aus späteren Autoren, die von Voigt angeführt sind, nicht sehr beweiskräftig. Eine große Verbreitung dürfte das Werk nicht gehabt haben, obwohl es von Sigebert von Gembloux genannt wird. Die Ursache hierfür mag wohl darin liegen, daß viele Stücke nicht eben leicht verständlich sind; denn leicht flössen dem Egbert die Verse nicht aus der Feder, sie haben ihm augenscheinlich große Mühe gemacht und sie sind auch keineswegs immer einwandfrei, wie Voigt (S. 255) gezeigt hat. So gehörten sie formal keineswegs zu den besseren ihrer Gattung und das wird wohl für die geringe Verwendung des Gedichts in der Schule bestimmend gewesen sein. Indessen kann Egberts Werk immerhin auf weitere Gestaltung der Spruchpoesie eingewirkt haben, die ja im 11. Jahrhundert ein sehr wichtiger Zweig der didaktischen Dichtung wird. 4 ) Zeugnisse. Hier ist grundlegend die äußerst sorgfältige Zusammenstellung von E.Voigt in der Einleitung zur Ausgcibe (Egberts von Lüttich Fecunda ratis. Halle 1889, p. III —LXV). — Zur deutschen Abstammung vgl. das völkerpsychologische 1, 1068 perversa .. . Frantia,*) 1, 1538 die deutschen Namen Hie Durand, hie Guot, Vitalis dieitur, Hartman, 1, 342 das deutsche Wort uelupa und 1,1150 f. die Ableitung von Drogo. Zum Geschlecht vgl. 1,312 Libertas decet hos humeros, ubi nobilis ortus. Eintritt in die Lütticher Schule und Gemeinschaft mit Adalbold ergibt sich aus der Widmung an Adalbold p. 1, 8 Ambo olim a jmeris apud seolares alas in uno auditorio militavhmis. Zur Kenntnis in den quadrivialen Wissenschaften vgl. die Zusammenstellung bei Voigt p. XXIII n. 4. 6 ) Zur Arbeit in der Schule vgl. 1, 1678 Pro quibns aetatem trivi servilibus annis, Quando urebar sole gravi atque algore nivali Et trituranti ex oculis somnits fugiebat. Daß er Presbyter war, ergibt die Widmung p. 1,5 E. servorum dei humilUmus presbiter. Daß er Lehrer in Lüttich ■war. 7 ) geht aus den Angaben bei Sigebert (s. unten), aus der Widmung p. 2,1 formidolosis adhuc sub diseiplina pueris operam dedi und aus 1,1507 ff. (De debilitate evi nostri) Stamina qui quondam sciolis subtilia nevi . . . Prima elementa docens brüte pecuaria plebis, Archadicos iuvenes in rusticitate moratos. Bei Abfassung des Buches war er etwas über 50 Jahre alt, vgl. 1,1519 Preterütque et eo plus quinquagesimns anntis, also ist er etwa 972 geboren, da Voigt p. XI ff. aus 1,1746 ff. {De maus Francigenis) etwa 1023 als Entstehungsjahr des Gedichts richtig erschlossen hat; Angaben über des Alter auch 1, 1049 f. 1063 ff. 1682. 1200. 1497. 1508. Zur Art des Unterrichts vgl. Voigt p. XLI ff. Seine Uneigennützigkeit 1,1514 Teste deo num- quam exsecui pretinm artis arare; 1.1521 äußert er den Wunsch, Kustos zu werden Vnde ego rasorum fieri desidero custos. Erwähnung des Werkes bei Sigebert de Script, eccl. 146 (p. 153 ed. Miraeus) Egebertns cleriens Leodiensis scripsit metrico stilo de aenigmatibus rusticanis 1 ) Nachgewiesen von Man itius, Roman. [ 6 ) Die Beschäftigung mit dem Trivium ist Forschungen 4,426. p. XXXIX n.4 herausgehoben. 2 ) Nachgewiesen von R. Peiper, Zeitschr. ') Bartsch (Germania 18,310) hat ihn f. deutsche Piniol. 25. 429 f. nach 1,1166 (De sicca Ardenna) als Lehrer 3 ) a. a. O. p. LIII. in das Ardennengebiet versetzt; diese Ver- 4 ) Vgl. "Voigt a. a. O. p. LXII—LXV. i mutung hatte auch Wattenbach übernom- 5 ) Vgl. hiermit 1,1746 De maus Franci- men, später aber nach E. Voigt p. XXIV genis. . wieder fallen gelassen. Odo von Meung (Macer). 539 librum primo brevem, sed ampliaio rationis tenore scripsit de, eadem re metrice alterum librum maiusculum. Vorwort (zur Zweiteilung) p. 1,17 XJnde ego, quq comminisci per horas interdiu noctuque potui . . . in duobus tantum coacervavi libeüis; im Vorwort zur Prora n 1—4) 2 Lintris foeta iocis diversa aplustria portat, Cuius Prora nitet vario distincta colore. Der zweite Teil der älteren Prora hat die Ueberschrift (p. 595) Hie. sensus in duobus in- venitw versiculis; er endet Vs. 1004 und hat ein Nachwort 1005—1008 erhalten; die jüngere Prora erhält vor 1009 und vor 1075 Ueberschriften, die ebenfalls die Verszahl angeben (s. oben), sie besitzt aber kein Vor- und Nachwort. Die Puppis erhält als Aufschrift Incipit seeundus libellus puppis aeratq und als Vorwort Comminus aerate succedunt postera Puppis, Cuius non dolabro est sed cesa crepido securi. Der Schlußabschnitt (ohne Nachwort) zeigt deutlich, daß das Gedicht hier sein Ende hatte und also vollständig überliefert ist; denn Egbert denkt hier an sein Ende und bittet Gott um Aufnahme in das himmlische Reich. Die Ausscheidung der einzelnen Abschnitte nach ihren Elementen legte E.Voigt p. XLVIII—LH dar, um dann p. LIII—LVII eine Uebersicht der Abschnitte nach den Quellen angeordnet folgen zu lassen. Die römische Prosaliteratur ist der Sache nach wenig benutzt, wenn man von Boethius und den Grammatikern absieht. Ungemein stark aber treten die römischen Satiriker, besonders Horaz hervor, und man findet hier zuweilen ähnliche Partien wie in der Ecbasis captivi; nur weiß Egbert die gebrauchte Stelle besser zu verdecken als der Verfasser jenes Gedichts. Auch an die Fabeln Avians und des Romulus lehnt sich Egbert häufig an, und natürlich auch an Vergil und Ovid. 1 ) Seit dem Bekanntwerden mehrerer großer Spruchsammlungen ist auch die Frage nach der Benutzung der Fecunda ratis bei späteren Gnomikern leichter zu beantworten. Es hat sich herausgestellt, daß einige Verse Egberts wörtlich 2 ) und eine große Anzahl in mehr oder weniger deutlicher Umschreibung 3 ) von der Sammlung im Basil. A. XL 67 f.236—282 s. XV aufgenommen sind, wie aus dem Drucke bei J. Werner (Lat. Sprichwörter u. Sinnsprüche des MA., Heidelb. 1912) hervorgeht. Außerdem findet sich der Doppelvers M 88 (Werner p. 50) in der ersten Sammlung derselben Baseler Handschrift. — Die Ueberlieferung des Werkes ist äußerst spärlich, einzige Hs. ist Darmstad. 2440 (Colon. 196) s. XI f. l a —68 a , genau beschrieben von E.Voigt p. V — VIII; sonst finden sich nur zehn Verse als Proverbia Rustici 51—60 im Leid. Bonavent. Vulc. 48 s. XIII f. 42 a . Abdruck der Widmung bei Jaffe' und Wattenbach, Ecclesiae metropol. Coloniensis Codices manuscripti p.82f. Druck von 1007 Sprichwörtern bei Bartsch, Germania 18, 310—352 (mit Widmung); vgl. außerdem Neues Archiv 1,594ff., Ztschr. f. deutsch. Altertum 23, 309 ff. Vortreffliche Ausgabe von E. Voigt, Egberts von Lüttich Fecunda ratis, Halle 1889. 4 ) Kritische Bemerkungen zur Ausgabe von R. Peiper, Ztschr. f. deutsche Philo]. 25. 427—429; Nachträge zur Quellenanalyse ebenda S. 429 f. und von Manitius, Roman. Forschungen 4, 426. — Vgl. außerdem Wattenbach. Neues Archiv 15, 229. Wernsdorf, Poet. lat. min. 6,450. 95. Odo von Meung (Macer). Das bis in die letzten Zeiten des Mittelalters häufig abgeschriebene Gedicht des sogenannten Macer hat ein uns sonst unbekannter Kleriker und Arzt Odo von Meung verfaßt, wie sich aus zwar wenigen, aber kaum anfechtbaren Zeugnissen ergibt. Dieser Odo hat wohl in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts 5 ) gelebt, denn er kennt das Gedicht Walahfrids De cuitura hortorum und die älteste Handschrift seines Gedichts stammt aus dem 11. Jahrhundert. Außerdem wird das Werk schon in einem Katalog des ausgehenden 11. Jahrhunderts genannt und fast um die gleiche Zeit Weniger treten die Disticha Catonis 42—53. hervor, von denen 1,13, 2 quia multi multa locuntur in der Widmung p. 1,12 verwendet wird. 2 ) Nämlich A47 (Werner p. 3) = Fee. ratis 1,121. E 134 p. 30 = 1,130. N 242 5 ) Wenn H. Stadler (Archiv f. d. Gesch. d. Naturwissensch. u. d. Technik 1. 62 ff.) die Benutzung von Constantinus Africanus erwies und das Gedicht danach ans Ende des 11. Jahrhunderts setzte, so widerspricht das jenen P- 61 = 1,249. ! äußeren Zeugnissen. Der unbedingte Nach- ^ Diese ergab sich daher, weil die meisten j weis der Benutzung Konstantins ist allerdings nicht geführt worden, sondern 1618 — 1627 können auch aus einer Galenübersetzung stammen (vgl. unten). Verse leoninisch umgeändert wurden. 4 ) Manches aus Voigts Einleitung wird von ihm wiederholt Mitteil. d. Gesellsch. f. deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte 1, 540 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. von Sigebert von Gembloux erwähnt; hierzu kommt, daß Sprache und Verskunst des Gedichts noch auf frühe, gute Zeit hinweisen, was sich auch aus mancherlei Spuren von Kenntnis des Griechischen ergibt. Diese führen wohl darauf, daß Odo ein Schüler von Orleans oder von Fleury gewesen ist, in deren Nähe ja Meung liegt. Namentlich in Fleury wäre es ihm möglich gewesen, etwas Griechisch zu erlernen, allerdings bei weitem nicht in dem Maße, wie es ihm von E. Meyer beigelegt wird, der überhaupt über das Gedicht wie über den Verfasser seltsam urteilt. Die Frage nach dem Bildungszentrum, dem Odo seine Kenntnisse verdankt, würde sich freilich etwas sicherer beantworten lassen, wenn uns alte Bücherverzeichnisse aus Orleans und Fleury erhalten wären, die einigermaßen Anspruch auf Vollständigkeit machen könnten; wir würden darin mit großer Wahrscheinlichkeit die Hauptquellen Odos, nämlich Plinius, Gargilius Martialis, Oribasius und Dioskorides wiederfinden. Von diesen ist Gargilius eine handschriftliche Seltenheit, die ich bisher in keinem alten Bibliothekskataloge, auch nicht aus der Humanistenzeit entdecken konnte, während Oribasius und Diskorides zwar einzeln, aber doch nicht gerade selten in solchen alten Verzeichnissen angeführt werden. Auch möchte ich nicht daran denken, daß Odos literarische Beeinflussungen etwa aus England zu erklären wären, denn obwohl dort nach den alten Katalogen die Überlieferung des Oribasius und des Dioskorides besonders stark hervortritt, so nehmen doch hierin auch Murbach, St. Gallen, 1 ) Egmond und mehrere französische Klöster eine bevorzugte Stellung ein. De viribus herbarum. Da eine abschließende Ausgabe des Gedichts fehlt, so lege ich ihm den sich aus Vs. 1 ergebenden Titel bei, wie er auch in der ältesten Handschrift gelesen wird. Es besteht nach der letzten Ausgabe aus 2269 Hexametern, doch ist sein Inhalt nach der Verszahl wie nach der Reihenfolge der Kapitel in der Überlieferung sehr schwankend; schon der Stoff brachte es mit sich, daß einzelne Abschnitte der Erweiterung und Zudichtung ausgesetzt waren und die Zeit hat an dem umfänglichen Gedichte stark geändert. Ein späterer Dichter hat sogar zwanzig weitere Abschnitte, allerdings ganz im Geiste des Originals hinzugedichtet, Das Werk besteht aus 77 Abschnitten von sehr verschiedenem Umfang und Odo hat es in zwei ungleiche Hauptteile zerlegt. Der erste enthält 65 Abschnitte und behandelt allerlei offizineile Pflanzen, er beginnt mit der Einführung des Ganzen Vs. 1 Herbarum quasdam dicturus carmine vires. Der zweite Teil schließt sich mit Vs. 2056 unmittelbar an den zuletzt behandelten Schierling an Carmine iam dictis aliquot vulgaribus herbis Nunc species illas, quas cunctis iam prope notas Usus vendendi fecit, ten- tabo referre. Also es sind zwölf Spezereien, deren Heilkräfte hier vom Dichter aufgezeigt werdeD. Es fehlt dem Gedicht an einer Vorrede und einer eigentlichen Einführung und ebenso mangelt ein Rückblick auf den Stoff und seine Behandlung. So könnte es scheinen, als ob das persönliche Element ganz ausgeschaltet sei, doch ist das in Wirklichkeit nicht der *) Oribasius im Sangall. 761 s. VIII—IX und 762 s. IX. — Zu Plinius vgl. übrigens Stadler a. a. 0. S. 53 ff., zu Gargilius S. 56 ff., zu Dioskorides S. 57 ff. Nach Stadler S. 62 ff. hätte Odo besonders die Kapitel 67—77 (über die Species) aus Constantinus genommen. Odo von Meung (Macer). 541 Fall. Odo tritt nämlich achtmal in dem Gedicht mehr oder weniger ausführlich mit seiner eigenen Praxis hervor und spricht da aus Erfahrung. So unterrichtet er den Leser Vs. 631 ff. über die Nachgeburt, nachdem er sich über die günstige Wirkung der Polei hierfür geäußert hat. Ferner warnt er im Anschluß an die Vorschriften des Menemachus über das Senfpflaster Vs. 1175 seine Leser vor zu häufiger Anwendung dieses Mittels. Dann gibt er Vs. 1541 ff., nachdem er über die Heilwirkung der Haselwurz für das Zwerchfell gesprochen hat, längere kasuistische Vorschriften über Vomitive und schließt hieran ein eingehendes Rezept über die Haselwurz. Und bei Gelegenheit der weißen Nieswurz äußert er sich Vs. 1816 ff. darüber, daß er trotz langen Suchens in den medizinischen Werken keine Angaben über die zu verabreichende Menge dieses Heilmittels gefunden habe; an den andern Stellen 1 ) handelt es sich nur um kurze Angaben darüber, daß er das betreffende Rezept mit Erfolg ausprobiert habe oder um sonstige Kenntnisse. Man ersieht aus diesen Stellen, daß Odo medizinische Praxis ausübte und das Gedicht als Arzt zur Belehrung seiner Kollegen schrieb, wie das einst Q. Serenus getan hatte. 2 ) Den Walahfrid, dessen Gedicht De cultura hortorum Odo kennt und anführt, hatte entschieden ein ästhetisches Interesse zur Abfassung seines reizenden Gedichts geführt. Davon ist aber bei Odo nichts zu spüren, bei ihm zeigt sich nur der Drang zur Belehrung, und sein Werk kann daher mit dem Walahfrids keinen Vergleich aushalten. Als Gedicht betrachtet ist es bei aller formalen Reinheit trocken und nüchtern, es hätte ebensogut in Prosa geschrieben werden können und es ist vollkommen schulmäßig. Allerdings besitzt es kein geringes sachliches Interesse, da sich mehrere Fragen daran knüpfen, die für die Überlieferung der älteren medizinischen und botanischen Literatur von Wichtigkeit sind. Die Behandlung des Stoffes geschieht meist so, daß zuerst dem lateinischen Namen der Pflanze der griechische zur Seite gestellt wird; mehrfach gibt Odo auch den volkstümlichen, also romanischen Namen in latinisierter Fonn, wie er überhaupt öfter auf Volkstümliches eingeht. Vielfach verbindet er außerdem mit dem Namen dessen Etymologie, die zuweilen natürlich und ungesucht ist, zuweilen antiken Quellen entstammt, häufig aber von der gekünstelten und gequälten Art Isidors ist. Indes werden diese Etymologien meist gut vorgetragen, und man sieht, daß sich Odo stets etwas dabei gedacht hat; denn wenn sie auch noch so bedenklich erscheinen, so hängen sie doch stets mit gewissen Eigenschaften der betreffenden Pflanze zusammen. An zweiter Stelle erwähnt Odo fast durchgehend die Grade der Trockenheit und der Wärme der Pflanze, von denen die alte Medizin vier unterschied und ihnen nicht geringe Bedeutung beimaß. Darauf folgen nun meist vielfältige medizinische Rezepte, die allerdings der Mehrzahl nach insofern unbedeutend und unvollständig sind, als die Apothekergewichte nicht beigesetzt werden. Das geschieht nur aus- ') Nämlich Vs. 851.904. 2053. 2200 f.; vgl. I daß Odo den Serenus benutzt hätte; möglich auch 1175. ist, daß zu Vs.67 Seren. 1002 als Vorbild ge- 2 ) Vgl. Q. Sereni Lib. medicinalis 394. 401. dient hat. 472. Ich habe keinen Anhalt dafür gefunden, 542 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. nahmsweise und mit besondrer Hervorhebung. So sind die Rezepte eigentlich ganz allgemein gehalten und lassen Genauigkeit ganz vermissen, ein Mangel der allerdings weniger dem Odo als seinen Quellen zur Last fällt. Mehrfach werden erst die Arzneien aus der ganzen Pflanze oder aus der Blüte erwähnt, darauf folgen die Anwendungen der Wurzel oder auch die Erwähnung des aus der Pflanze herzustellenden Pflasters. Aber auch der angebliche Nutzen pflanzlicher Amulette wird nicht verschwiegen, 1 ) und so ergeben sich für die einzelnen Arten nicht wenig Nutzanwendungen. Freilich hängt die Zahl der Rezepte fast stets von Odos Quellen ab, denn das ganze Werk ist durchaus aus älteren Quellen zusammengestellt. Von seinen Hauptquellen nennt Odo nur den Plinius öfters, den er an zwanzig Stellen anführt, aber viel häufiger benutzt. Er zieht den kurzen und wortarmen Text des Plinius meist auseinander, hält sich auch nicht, wie er das übrigens auch sonst tut, an die Reihenfolge der Rezepte seines Vorbildes, sondern verstellt sie und arbeitet auch Stücke aus anderen Quellen dazwischen. Außerdem ist nicht immer mit Sicherheit zu entscheiden, ob Plinius selbst wirklich hierzu eingesehen ist, denn erstens kehren ja die Worte des Plinius bei Gargilius vielfach wieder, und zweitens ist die Anlage bei Odo derartig, daß dessen Benutzung eines den Plinius schon exzerpierenden Werkes nicht ausgeschlossen ist. Aus der Medicina des Gargilius Martialis stammen 26 Abschnitte fast ganz, wie schon von V. Rose nachgewiesen ist. 2 ) Doch erwähnt Odo diese Hauptquelle nirgends, 3 ) schreibt aber regelmäßig die von Gargilius angeführten Gewährsmänner mit ab. Bedeutend ist auch die Benutzung des lateinischen Dioskorides, aus dem 38 Abschnitte (mit den Spuria) ganz oder teilweise stammen, und zwar dann so, daß Plinius oder Gargilius oder auch beide mit Stücken aus Dioskorides zusammengearbeitet sind. Seltsam ist hier nur, daß die beiden Stellen, an denen Odo diesen Autor nennt, 4 ) sich im gedruckten lateinischen Dioskorides nicht finden, so daß man hier an eine reichere Vorlage denken müßte! Übrigens erstreckt sich die Benutzung nur auf Buch 1—4, das fünfte Buch hat Odo unberücksichtigt gelassen. Viel geringer ist die Verwendung des Oribasius, der Vs. 506 und 2255 angeführt wird; beide Stellen finden sich in- der lateinischen Übersetzung. Aus diesen Quellen hat nun Odo eine ganze Anzahl Autorennamen mit hinübergenommen, mit denen er seine Darstellung schmückt, ohne sie natürlich näher zu kennen. So werden Galen 5 ) und Hippokrates öfters genannt, nur je einmal aber erscheinen Philo, der Vs. 1812 aus Dioskorides genannt wird, 6 ) und Justus, der aus Marcellus Empiricus 7 ) und aus Oribasius 8 ) bekannt ist. Zweimal wird Mene- machus genannt, den auch Caelius Aurelianus acut. 2, 1,8 (ed. Amman p. 75) anführt; 9 ) doch habe ich die Quelle für beide Anführungen Odos ebenso- ') Nebenbei sei bemerkt, daß Vs. 1421 über [ 5 ) Natürlich in der Form Galienus. den Nutzen der Osterluzei für das Austreiben | 6 ) Nämlich aus 4 PMT', Romanische Forschungen 11, 66,1. 7 ) Nämlich de medic. 25, 32 ed. Helmreich p. 251,20. 8 ) Oribas. Eupor. ed. Bussemaker et Daremberg 6, 299. °) Diese wie die beiden Anführungen durch Oribasius(ed. Coussera. etc. 2,72 f. und 417 ff. > von Dämonen gehandelt wird. 2 ) Vgl. Plinii Secundi... una cum Gar- gilii Martialis medicina ... edita a V T al. Rose (Leipzig 1875) p. 131 f. 3 ) Vielleicht hatte die von ihm benutzte Hs. keinen Namen des Autors. 4 ) Vs. 1103 und 1628 Zwiebel und Päonie) Odo^von Meung (Macer). 545 wenig wie für Justus auffinden können. Daraus aber dürfte sich ergeben, daß Odo entweder eine reichere Dioskoridesübersetzung oder die lateinische Version einer andern umfänglichen griechischen Quelle gekannt hat; das geht besonders daraus hervor, daß er Vs. 1164—1174 die ziemlich umständliche Bereitung des Senfpflasters erzählt, die der bei den römischen Medizinern doch nur wenig bekannte Menemachus angeordnet hatte. Daß aber Odo, wie E. Meyer will, soweit Griechisch gekonnt, daß er die griechischen Mediziner selbst gelesen habe, ist ohne weiteres ausgeschlossen, selbst wenn man in Betracht zieht, daß der Verfasser der Carm. spuria 5 (Nymphaea) Vs. 122 die Worte radix nigra aus Dioskorides 3 PMF' (Romanische Forschungen 10 435) zu radix melaena gemacht, also tatsächlich gräzisiert hat, falls man nämlich annehmen wollte, daß Odo diese Abschnitte verfaßt hat; ohne Zweifel besaß Odo einige oberflächliche Kenntnisse im Griechischen, sie ergaben sich aber wohl aus den zu Rate gezogenen Quellen selbst, die ja viel Griechisches enthalten, sowie aus griechisch-lateinischen Glossaren. Hierbei entsteht nämlich die Frage, ob er den Pseudo-Apuleius de herbis und die sogenannten Dynamidia gekannt hat, denn beide Werke, und besonders das erste, enthalten eine große Anzahl griechischer Pflanzennamen neben den lateinischen Bezeichnungen und beide enthalten auch nicht wenig barbarische und volkstümliche Namen, was sich ja auch bei Odo findet. Der Vergleich hat nun ergeben, daß eine Benutzung beider Schriften durch Odo wenig wahrscheinlich ist, vielmehr ist anzunehmen, daß Odo seine griechischen Pflanzennamen irgendeinem botanischen Lexikon oder Glossenwerk zu verdanken hat, während er die volkstümlichen Bezeichnungen, die aus latinisierten romanischen Namen bestehen, wohl aus eigener Kenntnis hinzusetzt. Hierbei laufen, wie schon E. Meyer gesehen hat, 1 ) mehrere in früherer Zeit unbekannte Namen unter, die volkstümliche Formen darstellen. Daß Odo aber die Ausdrücke der medizinischen Terminologie beherrscht, die er übrigens vielfach in ihrer verderbten, spätrömischen Form verwendet, erklärt sich daraus, daß er, wie wir oben sahen, in der Spätmedizin durchaus zu Hause ist. Zu den genannten kommen noch einige andere Quellen hinzu. Vs. 789 ff. spricht Odo über das Rosenöl und bemerkt Vs. 802ff., was Palladius darüber sage; dies entspricht Pallad. 6, 15 (ed. Schmitt p. 168, 5—8). Und wenn er Vs. 775 sagt, daß die Rose mit Recht die Blume der Blumen genannt werde, so geht das auf Walahfrid De cultura hortorum 401. Außerdem nennt er bei Gelegenheit des Liebstöckels diesen Dichter. Er sagt nämlich Vs. 900, daß der Saft und der Geruch dieser Pflanze nach Strabus den iugen schädlich sei und daß man nach diesem Dichter nur den Samen der Pflanze zu Gegengiften benutze; er wisse übrigens nicht, ob Strabus dies aus eigner Kenntnis oder nach den Berichten andrer gesagt habe. Das aber sei ihm bekannt, daß die Alten jene Pflanze mit hohem Lob bedächten und nirgends habe er etwas Ähnliches wie bei Strabus gelesen. An andrer Stelle 2 ) nimmt er auf die antike Poesie Bezug, denn er bemerkt ergeben aber nichts für die beiden Stellen räum (elna), tnawella, paratella. bei Odo. 2 ) Vs. 549 f. spricht er von einem Asclepius ') a. a. 0. S. 433. Er nennt barrocus, eh- ; auctor, nämlich Anthemim tnagnis commendat 544 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Vs. 1034, daß die venerische Stimulanz der Rauke den Ärzten wie vielen Dichtern bekannt sei; das bezieht sich auf Horaz (Sat. 2,8,51), Martial (3,75,3) und Juvenal (9,134). Übrigens bezeugt jeder Abschnitt, daß das ganze Werk auf Quellenstudium beruht, denn überall liest man ein dicunt fertur und Ähnliches. Doch ist das Gedicht nicht nur sachlich, sondern auch sprachlich von Interesse, denn es besitzt eine große Anzahl seltener meist griechischer Ausdrücke, die in den Wörterbüchern der lateinischen Sprache fehlen. So hat man es denn auch bald häufig abgeschrieben und frühzeitig kommentiert, wenn nicht Odo selbst noch die erklärenden Zusätze verfaßt hat, die sich in der Dresdener Handschrift finden. 1 ) Außerdem hat das Gedicht in der Überlieferung mancherlei Zusätze und Aus- lassungan erfahren, ferner wurden manche seiner Abschnitte umgestellt und bei der weiten Verbreitung, die es erhielt, wurden einzelne Verse oder ganze Abschnitte nicht selten von späteren Autoren angeführt. Endlich wurde das Gedicht zum Ausgangspunkt für die Aufzählung von Benennungen der Pflanzennamen in den Volkssprachen und es hat auch zur Grundlage von Übersetzungen gedient. Mit der Erweiterung hängt nun aber noch ein Umstand zusammen. Es entzieht sich zunächst unsrer Kenntnis, warum Odo gerade die von ihm behandelten Pflanzen und Spezereien ausgewählt hat, denn es standen ihm in seinen Quellen viele andere zu Gebote. So konnte es kommen, daß von andrer Seite Abschnitte ähnlichen Inhalts hinzugefügt wurden, und eine solche Zudichtung in zwanzig Kapiteln hat sich erhalten. Hierin werden allerdings nur elf Pflanzen behandelt, die weiteren Abschnitte sind anderen Stoffen gewidmet. 2 ) Meiner Ansicht nach dürfte nun diese Erweiterung zeitlich ziemlich nahe an Odo heranzurücken sein. Denn erstens verwendet der Verfasser dieselben Quellen, indem er mehrfach Plinius benutzt und N. 7 ganz aus Gargilius und N. 4 und 5 bis zu Vs. 129 aus Dioskorides abschreibt. Hierzu kommt die große Übereinstimmung mit Odo im Wortschatze wie auch in der Metrik. Und ich möchte daher glauben, daß etwa ein Schüler Odos dessen Gedicht diese Erweiterung hinzugefügt hat, die er ganz und gar im Geiste des Arztes von Meung verfaßte und wobei er auch die Reihenfolge von dessen Darstellungsweise beibehält. Zeugnisse. Die Bezeichnung Macer ist dem Verfasser des Gedichts noch im 11. Jahrhundert beigelegt worden, wie sich aus Sigeberts Schriftstellerkatalog und aus dem Verzeichnis von Blaubeuren ergibt (vgl. unten); sie läßt daraufschließen, daß man damals noch eine Erinnerung an den alten Aemilius Macer besaß. Sigebert sagt nämlich de Script, eccl. 13 (ed. Miraeus, SS. eccles. p. 133) Macer scripsit metrico stilo librum de viribus herbarum. Mit Sigebert steht etwa auf gleicher Altersstufe der Vindob. 134 s. XI mit der Aufschrift f 3 opus Macri physici de viribus herbarum sowie die Aufschi ift aus Blaubeuren s. XI (Ende) bei Becker 74, 82 Nucer (lies Macer) de herbis. Die Bezeichnung Macer ist dem Verfasser jedenfalls nach Catonis Dist. 2 praef. 2 quodsi mage nosse laboras Herbarum vires, Macer haec tibi carmina dicit gegeben worden. Der wirkliche Name wird bezeugt durch Dresd. De 160 s. XII, wo das Gedicht (ohne Aufschrift) die Unterschrift hat Odonis Mag- dnnensis opusculum de naturis herbarum, sowie durch die Aufschrift aus Rievaux s. XIV laudibus nuetor Asclepius; es ist wohl der bei J. Schott, Physica s. Hildegardis etc. (Straßburg 1533) im Anhang p. I-LXX1X herausgegebene Esculapius medicus retustis- simus. ') Das ist aber nach dem Wortlaut einiger Scholien nicht wahrscheinlich. 2 ) Nämlich fei, fimus, caseus, araneae tela, Cochleae, cornu cervi, acetum, sulphur vivum, alumen. Odo von Meung (Macer). 545 (Edwards. Memoirs of libr. 1.338) Odo de virtutibus herbarum.?) Hierzu gehört auch die Aufschrift des Duac. 217 s. XIU, die nach Pansier (Archiv f. Gesch. d. Medizin 2, 29) heißt De viribus herbarum auctore Odone dicto Macro Floridio. Diese ist insofern interessant, weil sich hier der spätere Zuname Macer Floridus findet, den ich bisher in einer andern Hs. oder Katalogaufschrift nicht entdecken konnte, der also weder frühzeitig noch häufig ist. Was dagegen E. Meyer, Gesch. d. Botanik 3,428 über den Titel Odo einer bei Jaeck genannten Bamberger Hs. (N. 872) sagt, beruht jedenfalls auf einem Irrtum, da die betreffenden Worte bei Jaeck 1,1 ll 2 ) nur eine Wiederholung der von G. Merula (Graevii Thesaurus antiquit. et hist. Italiae 1,1,98B, Leiden 1704) über Macer gebrauchten Worte sind und in der Bamberger Hs. nicht stehen. Bezüglich der Metrik führt auf das 11. Jahrhundert der ziemlich häufige Gebrauch der VerSchleifung. Die Prosodie weist im ganzen wenig Verstöße auf. Wenn man nur die lateinischen Wörter berücksichtigt und von den allgemeinen Fehlern der Zeit absieht, so ergibt sich etwa auf 100 Verse ein Fehler; dagegen ist die Prosodie in den häufigen griechischen Worten wie gewöhnlich ganz frei und sehr fehlerhaft. Wenn E. Meyer a.a.O. S.431 den Dichter ans Ende des 9. Jahrhunderts und zwar nach Salerno setzt, weil er Griechisch gekonnt habe, so ist das ganz willkürlich, denn Spuren vom Griechischen hatten sich besonders in Westfranken noch ins 11. Jahrhundert erhalten und naräus gallica (Vs. 61. 74) sowie celtica spica (Vs. 2200) und derte (Vs. 299; frz. dartre) deuten doch wohl viel eher auf Westfranken, ganz abgesehen von den zahlreichen romanischen, latinisierten Pflanzennamen, 3 ) von denen einige im Französischen wiederkehren. Zu Oribasius und Diaskori des im Mittelalter. Von Uebersetzungen der Werke des Oribasius fand sich sein Kommentar zu des Hippokrates Aphorismen in Egmond s. XI (Archief v. Nederl. Kerkgesch. 2, 146) bei Richard von Fournival 1250 (Delisle, Le cab. des mser. 2, 535 N. 160), in reterborough s. XIV (Serapeum 12, Meli. 148 und 162), in Canterbury St. Augustin s. XV (M. R. James, The anc. libr. of Canterb. and Dover 337 N. 1206), sein Kommentar zu den Prognostica des Hippokrates (vgl. Bern. A 52 f. 68 b —84 b s. XII) mit den Erklärungen zum Liber urinarum Theophili und zum Liber pulsuum Philareti in Peterborough s. XIV (Serap. 12, Meli. 162); in Murbach hatte man s. IX (Straßburger Pliilolverslg. 271 N. 298) Libri octo Urvasii (also wohl die verkürzte Synopsis) und einen Liber lierbarius Urvasii; vielleicht fand sich dieser letztere auch in Canterbury St. Augustin (a. a. O. S. 345 N. 1261), wo Diascorides und Oribasius genannt werden. Oefter wird die Uebersetzung des Diaskorides, meist als D. de virtutibus herbarum, 4 ) erwähnt. Sie fand sich s. XII in St. Amand (B. 114.91), Peterborough (B. 116,57), Durham (B. 117,472; 1391 Surtees soc. publ. 7.33; 1416 ib. 7,111), s. XIII in Cluni (Delisle, Le cab. des mscr. 2,484 N. 43), bei Richard v. Fournival (Delisle a. a. O. 2, 533 N. 134) in Canterbury (Edwards, Memoirs etc. 1,161 N. 198 und 199), s. XV bei Amplonius (Seh um. Die amplon.Bibl. 829 N. 73, = Amplon. F41 s. XIV f. 1—62 b ), in Pavia (Indagini storiche 2, 69 N. 780). Oxford (Munimenta acad. 2,771). Canterbury St. Augustin (James, The anc. libr. of Canterb. etc. 345 N. 1261; p. 346 N. 1267; p. 348 N. 1275 de naturis animalium und de phisicis ligaturis), Urbino (Giorn. stör. d. arch. Tose. 7,131 N. 298) und in Blois 1518 (Omont, Anc.invent. et catal. 1, 93 N.655). Die Ueberlieferung weist also vorzugsweise nach England und Frankreich. Uebrigens ist Diaskorides schon dem Cassiodor bekannt, vgl. Instit. div. lect. 31 (Migne 70,1146). Zeugnisse. Zum Titel De viribus herbarum vgl. auch Sigebert De Script, eccl. 13 (s oben). Zur Verschiedenartigkeit der Ueberlieferung vgl. die Angaben über den Inhalt der Hss. in der Ausgabe von Choulant p. 22—26; die älteste Hs. Vindob. 134 s. XI hat nur 50 Kapitel. Zur Disposition: Der Stoff beginnt mit Vs. 2 Herbarum matrem, dedit Artemisia nomen Cui graecus sermo, iustum puto ponere primo und schließt im letzten Verse mit dem letzten Rezept zur Aloe Una diagrielii, sie apta sohltio fiet. Zur Nachgeburt 631 Hoc nomen qiwd non notum reor esse quibusdam, Exponat» tali quid nomine significetur; daraus geht hervor, daß er auch für Nichtärzte schrieb. Zur Nieswurz 1818 Non tarnen inveni, perplura «olurrima, volvens, Ullum, qui certum pondus donare. iuberet Illius. Zur griechischen Benennung vgl. Vs. 3. 115. 161. 196 f. 321. 338. 429. 492. 592 f. 678 f. 748. 843. 870 etc. Volkstümliche Benennung 200 [Plant ago laneeolota), 299 (scabies derte), 552 (Amarisca), 741 [Barba Iovis) 749 (Pes pnlli), 907 (Ostrntium), 992 (bona ulcera), 1642 (Barrbeus), 1763 (mula), 1766 (Gaisdo), 1993 {Paratella), 2015 (Nigella). Zur Etymologie der Namen vgl. 117 ff. ') Möglich ist auch, daß Canterbury 1285— qago. 1642 barroeus. 1766 gaisdo. 1919 mau- 1330 (Edwards, Mem. of libr. 1,160 N.195) rella. 1993 paratella. 2016 nigella. Antidotarium Odonis II hierher zu rechnen *) Auch de simplieibus medicinis. Bei ist, obwohl der Katalog später das Werk stets Richard de Fournival heifit der Titel Dy- Macer nennt. ascoridis liber de virtutibus herbarum, com- 2 ) Vollst. Beschreibung d. öff.Bibl. z. Bam- positionibus olerum neenon ex hystoria de berg. derum (ob antidotorum?) confectione et pyg- 3 ) 553 amarisca. 711 acidula. 1532 vul- mentorum virtute. ManHius. Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 35 546 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 332—337. 367. 553. 712. 866. 882. 1283. 1326 f. Zum Grad der Trockenheit und der Wärme 1 ) vgl.Vs. 31. 52. 116. 162. 202. 267. 339. 395. 493. 594. 631. 716. 750. 765. 844 etc. Zur Disposition der Rezepte vgl. 23. 89. 131. 234. 321 etc. Die Uebersetzung des Diaskorides ist herausgegeben Buch 1 von K. Hofmann undT. Aura eh er, Roman. Forschungen 1,53 und Buch 2—5 von Stadler, Roman. Forschungen Bd. 10. 11. 13. Aus dieser Quelle stammen fast ganz oder doch großenteils die Abschnitte 2. 9. 16. 18. 20. 22. 24. 25. 26. 38. 62. 69 (und Spurial.5), die übrigen 2 ) sind nur teilweise aus ihr entlehnt. Die Uebersetzung des Oribasius ist herausgegeben von A.Molinier in Oeuvres d'Oribase par Bussemaker et Ch. Daremberg Bd 6 (Paris 1876). Im Abschnitt Sabina hat Odo Vs. 492—497 aus Oribas. 6.444 2 —445 2 und Vs. 505 aus 6,445 2 genommen. Zur Barba lovis Vs. 741 vgl. Oribas. 6,428. Endlich geben sich Vs. 2255 bis 2263 als aus Oribasius genommen zu erkennen, vgl. damit Orib. 6,431. Viel näher aber klingt an diese Stelle an Oribasius de simplicibus 5, 5 p. 216 (ed. Schott, Strasburg 1533). Wahrscheinlich hat Odo auch eine Uebersetzung von Galen De simplic. facultatibus gehabt. denn die Erzählung Vs. 1618—1627 von einem achtjährigen Knaben, der epileptische Zufälle bekam, wenn ihm eine umgehängte Päonienwurzel abgenommen wurde, stammt daher (6 c. 3 sect. 10 .-reot ykvxvaidtjs, ed. Kühn 11, 859); wahlscheinlich kannte er den unter dem Namen Liber virtutes pigmentorum vel herbarum aromaticas gehenden Auszug aus Buch 6 jenes Werkes, der im Sangall. 762 s. IX p. 138—184 steht, vgl. Rose. Anecd. graeca et graeco- lat. 2,121 f. Zum Griechischen vgl. Vs. 275. 299. 300. 321. 616. 726. 752. 1697 etc. Zu den seltenen Worten vgl. tacrynmm 212. 364. 2220; commaatkare 584; exanthimata 588; cala- mentum (= nepeta) 593. 607; malefactio 753; acidula (= aizoon) 711; causon 753; digestivus 888. 1570; sclirosis 911; rheumatisma 1076; circumscalpere 1276; rho Syriacutn 1307: vul- gagolbS2; scotosis 1612; cacostomachus 1963; zerna 2019 und Spur. 198.449. 464; galanga 2125; zedoar 2131 Hieranschließe ich die betreffenden Worte in den Carm. spuiia: paracollesis 57: collyriolum 314; farsa 481. Ueberlieferung und Fortleben. Die älteste Benutzung vielleicht findet sich im 1101 veröffentlichten Regimen sanitatis Salerni (ed. J. C. G. Ackermann, Stendal 1790). wo in Vs. 173—238 meist vollständig und unverändeit 37 Verse (von 122 an bis 2067) ans Odo herübergenommen sind. 3 ) Matheus de Platea führt ihn in dem Werke Circa instans im Abschnitt Absinthium an. Vincenz von Beauvais schreibt im Speculum naturale Buch 9—15 (beginnend mit 9, 38; ed. Duac. 1624 tom. 1,579) mehr als zwei Drittel des ganzen Gedichts ab und zwar nach verhältnismäßig guter Ueberlieferung und nur mit Auslassung weniger Verse; diebetreffenden Stücke können daher als Handschrift dienen. Dagegen weiß Bartlio- lomaeus Anglicus im Lib. 17 (Botanik) der Proprietates rerum nichts von unserm Gedicht. Erwähnt wird Macer von Hugo von Trimberg im Registr. mult. auetorum 271—278 (ed. Huemer p. 167). Eine Uebersetzung in dänische Prosa gab Henrik Harpestreng 4 ) im 13. Jahrhundert. Ein deutscher Macer steht im Dresd. M 204 s. XV und zwei Handschriften in deutschen Reimen sind notiert im Serapeum 23. 7 ff. K. Sudhoff handelt im Archiv f. Gesch. d. Medizin 8, 223 (1914) über ein Fragment aus dem Vorwort der älteren deutschen Bearbeitung (s. XIII) des Macer (vgl. J. Haupt, Wiener SB. 71, 529 ff.), das sich im Lips. 1221 f. 165 s. XV findet, und druckt das Fragment S. 223 f. ab. Nämlich Haupt unterscheidet zwei deutsche Uebersetzungeu, eine des 13. und eine des 14. Jahrhundorts; von jener notiert er Vindob. 2524. 5305.2977, von dieser Vindob. 2962 und Monac. germ. 376. 433. 722 s. XV, vgl. außerdem C. Resak, Odo Magdunensis, d. Verf. des ,Macer Floridus', Borna 1917, S.20. Hierzu kommt eine weitere Uebersetzung. von der ein großes Fragment (Artemisia — Marrubium) im Lips. 1129 f. 37—50 s. XIV steht, das von Resak a. a. O. S. 22 — 44 herausgegeben worden ist. In London findet sich eine Handschrift Ayscough. 3468 m s. XIV, wo den einzelnen Pflanzentiteln die parallelen Stellen von zwei oder gelegentlich drei ähnlichen Gedichten zur Seite gestellt sind, außer Macer nämlich ein Henricus poeta und der spätere Robert Grosthede (Lincolniensis) und zwar in alphabetischer Folge von abrotonum bis ysopum. Und ähnlich ist das Gedicht zum Ausgangspunkt für die Aufzählung von Benennungen in der Volkssprache geworden im Amplon. F303 f. 83. 92 b . 95 b Nomina qüedam herbarum teutonice et latine seeundum Maerum. Arthemisia biwuos — virga pastoris ivildekarde. Daß schon im 12. Jahrhundert Exzerpte aus ') Diese Angaben muß Odo einer Quelle J Neapel 1852, Bd. 1, 445 ff.) viele Verse aus entlehnt haben, die darauf besonders einging; Macer genommen, vgl. hierzu die Noten bei in den mir bekannten und von ihm benutzten Renzi. Quellen finden sie sich nirgends so vollständig *) Danske Loegebog fra det trettende aar- und so genau. hundrede af Chr. Molbech, Kopenhagen 2 ) Nämlich 1. 4. 6. 7. 8. 10. 11. 14. 17. 21. 1826, wo S. 41—133 das dänische Pflanzen- 29. 34. 45. 46. 51. 53. 55. 56. 57. 60. 61. 64. I buch abgedruckt ist, in dem viele Abschnitte 68.77. aus Macer übersetzt sind; doch ist die Ueber- 3 ) Ebenso werden im Flosmedicinaescholae ! Setzung der Vorlage gegenüber sehr gekürzt. Salerni (ed.S.de Renzi, Collectio Salernitana, \ Euodlieb. 547 dem Gedicht hergestellt wurden, zeigt Vindob. 281 f. 45—47, sie sind ohne Ordnung und in willkürlicher Reihenfolge gegeben. Und mit jener Londoner Hs. besitzt eine gewisse Aehnlichkeit der Dresd. De 160 s. XII (ist die alte Hs. von Guenz). Hier werden nämlich zwischen die einzelnen Kapitel Odos 34 mehr oder minder große Stücke aus Gargilius Martialis gestellt, die von V. Rose in seiner Ausgabe (Leipzig 1875) als für die Ueber- lieferung wichtig in den Noten kollationiert werden. Diese Hs. besitzt aber daneben eine Menge Scholien am Rande und über dem Text, die nicht erst vom Schreiber hinzugesetzt sind, was sich aus Verweisungszeichen ergibt. 1 ) Diese Hs. selbst ist englischen Ursprungs und enthält in den Kapitelüberschriften mittelenglische Pflanzennamen, die Scholien 2 ) aber stammen jedenfalls aus Frankreich, da zu Vs. 68 {stier) die Bemerkung steht nascitur etiam in alpibus Burgondie. Schließlich sei eine französische Uebersetzung Odos erwähnt, die sich im Paris, fra'nc.' 2032. 2045 und 2046 findet und 1474 im Katalog von Gabrielle de la Tour (Ann. Bull, de la soc. de l'hist. de France 1880 p. 302) erwähnt wird als La propriitd des herbes; vielleicht fällt hiermit zusammen N. 305 Vng petit Ihre pour cognoistre la vertu des herbes. Außerdem erwähnt Pausier, Archiv f. Gesch. d. Medizin 2,396 französische Handschriften in Paris Ste. Genev. 2261 s. XV f. 13-30 und 3124 s. XV; Valenciennes 330 a. 1548 f. 41—65, 98—104; Lille 863 s. XV f. 4-31. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erfuhr Odo eine ausführliche Erklärung durch Guillermus Gueroaldus in Caen, gedruckt unter dem Titel Hrebarum (sie!) vires Macer tibi carmine dicet, ohne Ort und Jahr (1514?). 3 ) Auch hat Paracelsus Erklärungen und Bemerkungen zu dem Gedicht geschrieben, die sich vom Abschnitt Artemisia bis Pastinaca erstrecken. 4 ) Auch die Notizen aus alten Bibliothekskatalogen sind zahlreich. Dabei ergibt sich, daß das Heimatland Frankreich relativ die wenigsten Aufschriften liefert, nämlich Deutschland hat in sechzehn Katalogen 22 Aufschriften, Frankreich in sechs Bibliotheken 6, England in sieben 23, Italien in vier 6 Aufschriften aufzuweisen, das sind 57 Exemplare in mittelalterlichen Bibliotheken, deren Katalog bekannt ist. Von Hss. sind besonders anzuführen Vindob. 134 s. XI f. 3-29 (unvollständig); Dresd. De 160 s. XII; Amplon. O 62•' s.XIIf.l-24 b und 0 62 "'s. XII f. 1 - 36; Monac. 614 s.XIII f. 11-31,4320 s. XII—XIII, 4583 s. XII f. 47 b—77, 14597 s.XIII/XIV f. 55—89, 19461 s. XII/XIII (unvollständig, bis Vs. 913, aber mit Glossen; Mus. Brit.Royal 12. E. XXIII s. XIV, Paris, fonds Barrois 164 s. XIII f. 130-137; Tours 788 s.XH, 892 s.XlI-XIII; Arras 798 und 417 s. XIII; Rouen 979 s. XII—XIV; vgl. auch die bei Choulant p. 22—26 genannten Hss. Zu alten Ausgaben (Neapel 1477 von Arnold v. Brüssel, Mailand 1482 von A. Zarotus etc.) vgl. Choulant p. 15—21; Hauptausgabe Macer Floridus de viribus herbarum etc. rec. Ludov. Choulant, Leipzig 1832. Kritische Ausgabe sehr nötig. Vgl. L. Choulant, Geschichte und Literatur d. älteren Medizin 2 1, 233 ff. (Leipzig 1841). Ebert 3, 351 ff. E.Meyer, Gesch. d. Botanik 3, 426 ff. 96. Ruodlieb. Der älteste Roman des Mittelalters in lateinischen Versen, dem der erste Herausgeber nach der Hauptperson den Namen Ruodlieb gab, ist um das Jahr 1050 von einem Mönche in Tegernsee 5 ) und zwar nicht von Frou- mund verfaßt worden, dessen Reimgebrauch und dessen sprachlicher Ausdruck von unserem Dichter stark abweicht, wie J. Grimm und R. Seiler dargelegt haben. Dagegen steht es fest, daß beide Dichter derselben Schule und geistigen Atmosphäre entstammen, da sie in ihrer Verskunst und Ausdrucksweise auch manche Eigentümlichkeiten gemein haben. Der Ruodlieb aber erweist, daß sein Dichter auch das weltliche Leben genau gekannt hat, daß er den ritterlichen Kreisen durch seine Geburt wahrscheinlich 11 Vgl. die Zeichen zu Vs. 132 und 213. \ Dresdner Bibliothek besitzt. 2 ) Sie hören f. 6 b mit Vs. 309 auf und sind j 4 ) Opera ed. Huser 1,1070—1088. von der Hand des Schreibers geschrieben. I 5 ) Den unsinnigen Gedanken von M. Wil- Spätere Randbemerkungen, besonders auf : motte, den Dichter zu einem Franzosen zu f- 29b und 30", stammen von einem Benutzer stempeln (Romania 1916/17 p. 373 ff.) wies und geben nur die Unterteile einzelner Ab ' K. Strecker (Neue Jahrb. f. das klass. Alterschnitte an. tum 1921 S. 291-304) mit dem gebührenden 3 ) Diese Ergänzung gab f. 159b am Ende | Hohne zurück. Jo. Alb. Fabricius, dessen Exemplar die ! 35* 548 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. nahestand und daß er das Gedicht als gereifter Mann geschrieben hat. Jedenfalls verfügte er über eine nicht geringe Menschenkenntnis und seine Weltanschauung ist mild und abgeklärt. Er hält als Mönch nicht viel von Heldenmut und Tapferkeit, viel höher stehen ihm Weisheit, Mäßigung und Demut, und das Gesamtbild, das man aus seiner Dichtung von ihm gewinnt, ist nicht wenig sympathisch. Das eigentlich theologische Element läßt er, sehr zum Vorteil für sein Gedicht, durchaus zurücktreten, und er offenbart dadurch einen höheren künstlerischen Geschmack, als ihn die meisten seiner Zeitgenossen besaßen. Allerdings fehlt es seinem Werke durchaus nicht an lehrhaften Bestandteilen. Lehrhaft erscheint schon der ganze Zweck seiner Dichtung, wenn die Annahme richtig ist, daß ihr Hauptzweck war, an dem in ziemlicher Breite erzählten Leben eines Ritters die Richtigkeit von zwölf Lehren der Lebensklugheit zu erproben. Und im einzelnen hat er vielfach Gelegenheit genommen, sich über naturwissenschaftliche und medizinische Stoffe im Sinne der Zeit auszulassen, wobei der durch physiologische Literatur erzeugte und genährte Aberglauben eine große Rolle spielt; dergleichen Abschnitte fügen sich der Dichtung nicht immer organisch ein, sondern stehen zuweilen abseits vom Ganzen, so daß hier die persönliche Vorliebe des Dichters für solche Stoffe klar zum Ausdruck kommt. Allerdings spielt hier wohl nach Ehrismann (S. 402) mehr die Freude am Leben der Tiere und an der Beobachtung ihrer Gestalt und ihres Treibens eine Rolle, als die Lehrhaftigkeit. Und es ist kein geringes Lob für den Tegernseer Mönch, daß er, wie der etwa gleichzeitige Verfasser der Annalen von Quedlinburg, Stücke aus der alten Heldensage verwertet und das Andenken derselben also hochhält, mag er nun durch Spielleute, wie J. Kelle 1 ) vermutet, Kunde davon erhalten haben, oder mag er nach einer wenig glaubwürdigen Ansicht von L. Laistner 2 ) einen lateinischen Ruodlieb dafür benutzt haben. 3 ) Hierzu kommt aber bei dem Dichter noch ein anderer Umstand, der zwar nebensächlich ist, aber doch Erwähnung verdient, besonders weil er von Herausgebern wie Kritikern vernachlässigt wurde. Er verfügt nämlich nicht nur über ein Latein, das durch eigne Weiterbildungen der Sprache von ihm selbst bereichert worden zu sein scheint, sondern er zollt auch der Zeit ihren Tribut durch nicht gar seltene Anlehnung an frühere Dichter, besonders an Vergil, von dem er sogar einen Vers ganz verwendet, 4 ) nachdem er ihn umgereimt hat. Endlich hat R. Seiler auf eine ganze Reihe sprichwörtlicher Wendungen aufmerksam gemacht, die ebenfalls dem Sinne der Zeit gemäß dem Gedichte einverwebt sind. Aber bei all diesem gelehrten Rüstzeug, mit dem sich unser Dichter umgeben hat, ist doch sein Werk vollkommen weltlich geblieben und läßt eine freiere und heiterere Richtung des Geistes bei seinem Verfasser erkennen, als wir sie bei den Zeitgenossen 5 ) finden. Und seine Menschenkenntnis sowie sein nicht geringes Verständnis für die Regungen der mensch- 4 ) Nämlich 1,58 (ed. Seiler p.205)=Aen. 1,209. 6 ) Vgl. die anziehende Musterung bei Vgl.hierzuR. Seiler, Ztschr. f. deutsch. J Seiler, Ruodlieb S. 172 —178; bei Amarcius Altertum 27,338; dagegenLaistner daselbst i allein ist sie nicht ganz zutreffend. 29,17 f. ') Gesch. d. deutsch. Lit. bis z. Mitte des 11. Jahrhunderts S. 278. Anzeiger f. deutsch. Altertum 9, 72. Ruodlieb. 549 liehen Seele und seine hierauf bezügliche Darstellungskunst verdienen jedenfalls alles Lob und es ist entschieden wohltuend, daß man sich bei ihm in einer wirklich menschlichen Atmosphäre befindet, in der das schulmeisterliche und geistliche Element sehr zurücktritt. Er hat sein Werk um seiner selbst willen geschaffen, es dient keinem ausgesprochenen Zweck und es stellt ein frühes Vorbild der späteren Dorfgeschichte und der Familientragödie dar. Bei der mangelhaften Überlieferung des Romans — er ist nur in einzelnen, wenn auch umfänglichen Fragmenten erhalten — ist es nicht leicht zu entscheiden, ob der Dichter einem einheitlichen Plane folgte, der schon oben berührt worden ist; denn von den zwölf goldenen Lehren, die Ruodlieb von dem Könige empfängt, werden doch nur einige erprobt, während er in die Heimat zurückkehrt. Es möchte aber nach der Überlieferung scheinen, 1 ) daß nicht allzuviel verloren gegangen ist, sondern daß der weit angelegte Plan nicht zu völliger Durchführung kam 2 ) und der Dichter auf die Vollendung seines Werkes verzichtet hat. Auch das wird sich schwerlich ergründen lassen, ob man die Dichtung nur in zwei größere Teile — Ruodlieb in der Fremde und Ruodliebs Heimkehr — oder, wie Laistner aus der Beschaffenheit der St. Florianer Fragmente schließen zu können glaubte, in fünf Bücher zerfallen zu lassen hat, 3 ) die etwa die gleiche Ausdehnung wie die Bücher der antiken Epen gehabt haben. Stofflich aber setzt sie sich aus drei Bestandteilen zusammen, einem novellistischen, einem geschichtlichen und einem der Heldensage entnommenen. Bezüglich des novellistischen Teiles hat Laistner darauf aufmerksam gemacht, daß die Erzählung von den goldenen Lehren sich in Kalilah und Dimnah sowie in der Secundussage findet und daß dies ursprünglich orientalische Sagen- element im 11. Jahrhundert also in Deutschland bekannt gewesen sein muß; der Dichter wird es aus mündlicher Überlieferung kennen geleimt und die ursprüngliche Dreizahl der Lehren infolge der in den abgeleiteten Erzählungen laufenden Varianten auf zwölf gebracht haben. 1 ) Der geschichtliche Bestandteil schließt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit an die glänzende Zusammenkunft an, die Heinrich IL mit König Robert von Westfranken 1023 an der Maas abgehalten hat. Wenn man nun auch nicht mit Giese- brecht 5 ) eine poetische Reproduktion dieser Zusammenkunft bei unserem Dichter anzunehmen berechtigt ist, so sind doch manche einzelne Züge des Ereignisses, das von Rodulfus Glaber und in den Gesta episcoporum Cameracensium ausführlich dargestellt wird, mit solchen des Gedichts recht ähnlich, wenn sie auch dichterisch umgeändert erscheinen, und es ist daher möglich, daß ziemlich eingehende Kunde über dies Ereignis nach Tegernsee gedrungen ist und von unserm Dichter frei benutzt wurde. Das mythologische Element aus der Heldensage begegnet erst in den letzten beiden Fragmenten und wird wegen des plötzlichen Abbruchs des Gedichts nicht ') Vgl. R. Seiler, Ruodlieb S. 73 und 17 ff. I *) Vgl. Anz. f. deutsch. Altert. 9, 79—91. 2 ) Vgl. Seiler a. a. 0. S. 189 und Kelle, Seiler, Ruodlieb S. 51—74. Gesch. d. deutsch. Lit. S. 283. 6 ) Geschichte d. deutsch. Kaiserzeit 5 2, 3 ) Anzeiger f. deutsch. Altert. 9,76. 78. Ich möchte dieser Einteilung in fünf Bücher nicht ohne weiteres folgen. 625. — Rodulf. Glaber vgl. MG. SS. 7, 48 f.; die Gesta ep. Cameracensium vgl. MG. SS. 7, 393 f. 550 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. zu Ende geführt; es ist aber doch wahrscheinlich, 1 ) daß der in Strophe 82 des Eckenliedes-) genannte ßuodlieb mit unserm Helden identisch ist und daß diese Stelle eine Ergänzung zu der lateinischen Dichtung bietet. Der Inhalt der Dichtung ist in kurzem folgender. Ein edler Ritter der mehreren reichbegüterten Herren diente, wurde durch widrige Verhältnisse gezwungen, auszuwandern. Nur von seinem Schildträger begleitet und mit reicher Rüstung angetan nimmt er von der trauernden Mutter Abschied und zieht in die Fremde. Dort begegnet ihm der Jäger eines Königs, der ihn aufmuntert, in die Dienste seines Herrn zu treten. Beide schließen Freundschaft miteinander und der Ritter begibt sich mit dem Jäger in die Hauptstadt des Königs und nimmt bei ihm Dienste. Bald legt er merkwürdige Proben seiner Geschicklichkeit im Fischfang durch das Kraut Ochsenzunge ab, mit dessen Hilfe 3 ) es ihm auch gelingt, Wölfe zu blenden. Dadurch macht er sich sehr beliebt und er bleibt in dem Lande, das mit dem Nachbarreiche lange Jahre in Frieden und Freundschaft lebt. Doch der Frieden wird gebrochen und in dem Kriege siegt der König. Seine Gesandten verabreden mit dem minder mächtigen König des Nachbarreiches eine Zusammenkunft beider Herrscher wegen des Friedens. Diese wird auch an der Grenze beider Reiche abgehalten und der Frieden wird durch einen Eid der Könige bekräftigt. Unter den Geschenken, die der kleine König darauf dem großen Könige anbietet, befindet sich auch ein Luchs, aus dessen Urin der Sage nach ein sehr kostbarer Edelstein namens Li- gurius 1 ) entstand; die Gewinnung dieses Steines wird vom Dichter sehr ausführlich (5, 104—129) erzählt. Von den überaus reichen Geschenken nimmt aber der König nur ganz unbedeutende Dinge an. zwei Tanzbären und einen Star und eine Elster, die beide sprechen konnten. Als man nach dem großen Feste nach Hause zurückkehrt, erhält Ruodlieb, der hier (5, 223) zuerst diesen Namen erhält, Botschaft von seinen Herren und der Mutter mit der Bitte, in die Heimat zurückzukehren. Der König geht hierauf ein und läßt zum Lohne für Ruodlieb zwei große silberne Gefäße in Brotform herstellen, die mit Goldstücken und kostbarem Schmuck vollständig ausgefüllt und außen mit Brotüberzug bedeckt werden. Und beim Abschied fragt ihn der König, ob er zum Dank für seine Dienste Geld oder Weisheit nehmen wolle. Ruodlieb entscheidet sich für die Weisheit und erhält nun vom König insgeheim zwölf goldene Lehren mitgeteilt, während er ihm im Beisein der Großen die zwei Brote, deren Inhalt der Held nicht kennt, mit dem Befehl überreichen läßt, das kleinere, das nur mit Goldstücken gefüllt war, in Gegenwart seiner Mutter, das größere aber erst auf seiner Hochzeit anzuschneiden. Auf dem Heimwege verletzt der Ritter alsbald die erste ihm gegebene Lehre, näm- 1 ) Seiler, Ruodlieb S. 79 leugnet dies, macht aber darauf aufmerksam, daß Aehri- vgl. aber Kelle a. a. 0. S. 279. Hcb.es noch im Tegernseer Fischbüchlein 2 ) Deutsches Heldenbuch 5,234. s. XV— XVI erzählt wird. Auch Schepss. 3 ) Hier wird 2,27und 31 (S.210ed. Seiler) Ztschr. f. deutsche Philo]. 15,432 weiß nichts Plinius als Gewährsmann für die wunderbaren Sicheies anzugeben. Vgl. Ztschr. f. deutsch. Eigenschaften der buglossa angeführt. Die Altert. 23, 354. Münchner Museum 3, 153. Angaben steheu aber weder bei Plinius noch *) Vom h/ncurius erzählt Plinius, nat. hist. in der Medicina Plinii (ed. Rose Leipz. 1875), 8,137 und 37, 52, danach Isidor Et. 12. 2, 20 auch der Pseudo-Apuleius erwähnt nichts. (vgl. 14, 4,19. 16, 8, 8). Vgl. hierzu Schepss, Laistner (Anz. f. deutsch. Altert. 9, 102) Ztschr. f. deutsche Piniol. 15, 432 f. Ruodlieb. 551 lieh keinem Rotkopf zu trauen, und gleich darauf muß er erleben, wie der Rotkopf, der sich zu ihm gesellt, die zweite Lehre verletzte, nie einen schmutzigen Dorfweg zu verlassen, um durch die Saaten zu reiten. Im Dorfe erfragen nun beide die beste Unterkunft, und es wird ihnen auch Auskunft zuteil, die aber der Rote nicht annimmt, da es ihn danach, gelüstet, dort unterzukommen, wo ein alter Mann eine junge hübsche Frau hatte. Vor einer solchen Unterkunft war aber Ruodlieb in der dritten Lehre gewarnt worden, und er begibt sich daher dorthin, wo der Anstand herrscht, während der Rote die junge Frau des alten Bauern kirre macht und verführt und schließlich den darüber zornigen Alten erschlägt. Die Frau empfindet nun die tiefste Reue über die Untat, sie wird vom Richter freigesprochen und den lloten trifft jedoch die verdiente Strafe. Auf der weiteren Rückreise trifft der Ritter mit einem Neffen zusammen, 1 ) der auf der Brautfahrt begriffen ist und den Verwandten bittet, sich ihm anzuschließen. Sie gelangen dabei auf den Sitz einer Herrin, wo sie mit Hilfe der Ochsenzunge eine große Menge von Fischarten fangen und Ruodliebs ausgezeichneter Spürhund bei dem sich anschließenden Mahle eine Probe seines außerordentlichen Könnens gibt. Darauf besichtigt und füttert man die vielen zahmen Vögel, die in einem Käfig im Schlosse gehalten werden, und man hört dann den Harfenspielern zu, bis Ruodlieb selbst zu spielen anfängt und sein Neffe und die Tochter der Herrin einen graziösen Tanz dazu aufführen. Beide verlieben sich ineinander und verlieren beim darauffolgenden Würfelspiel ihren Ring gegenseitig aneinander. Es hat sich herausgestellt, daß die Herrin eine Gevatterin von Ruodliebs Mutter ist, und auf seine Befragung, wie das zugehe, berichtet sie ihm, daß seine Mutter die Patin ihrer Tochter sei; außerdem erfährt er, daß er schon morgen bei seiner Mutter sein könne. Unterdes ist die Liebe des jungen Paares schon weit gediehen, und die Tochter würde sich schon in der nächsten Nacht dem Jüngling hingegeben haben, wenn nicht die Mutter auf den guten Ruf Rücksicht nehmen müßte. Dann verabschieden sich Ruodlieb und -der Neffe und auf dem Heimritt werden sie von Abgesandten der Mutter angetroffen und die Mutter wird durch eine sprechende Dohle, die bei einem Knaben auf einer Warte sitzt, von der Ankunft des Sohnes unterrichtet. Dann sind Ruodlieb und der Neffe angekommen und es wird ein fröhliches Mahl abgehalten, nach dessen Verlauf der Sohn der Mutter seine Geschenke darbringt und schließlich die beiden Brote öffnet, aus denen ihnen so großer Reichtum hervorquellen sollte. Nach einer Lücke spricht wahrscheinlich Ruodliebs Mutter von den schlimmen Folgen des Alters für die Frauen und zwar in recht drastischer Weise, die sehr an die erste Elegie Maximians erinnert, 2 ) und es scheint dann eine ähnliche Rede auf die Folgen des Alters für den Mann gehalten zu werden. Nun soll die Hochzeit des Neffen mit der jungen Braut vollzogen werden und Ruodlieb bittet die eingeladenen Gäste und Freunde zu Zeugen für die ') Ich folge von hier ab der von Laist- , "-) Dagegen erinnert 14, 2 (p. 284 Seiler) ner, Anz. f. deutsch. Altert. 9, 79 gegebenen I an das bekannte Gedicht Anth. lat. 683, 1. Anordnung der Fragmente. 552 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, Eheschließung. Diese sind froh, daß der Jüngling dadurch den Verlockungen einer gemeinen Dirne entzogen wird, und der Bräutigam reicht der Braut am Schwertgriff den Ring und will sie zu ewiger Treue bei Strafe des Lebens verpflichten. Sie entgegnet aber, daß Gott für Adam auch nur eine Eva geschaffen habe und daß sie keine Lust habe, ihn zu heiraten wenn er ihr die Treue nicht ebenso halten wolle. Da er sofort einlenkt wird die Verlobung vollzogen und sie empfangen die Hochzeitsgeschenke und das Hochzeitlied ertönt; der Dichter schließt diese lebensvolle und pikante Szene mit den Worten: „Wie sie den Vertrag gehalten haben, geht mich nichts an." Nun will die Mutter den Ruodlieb selbst zur Ehe bewegen, auf daß es nicht an Nachwuchs fehle, wenn er sterbe. Es wird eine große Versammlung der Familie und der Freunde berufen und Ruodlieb eröffnet hier seinen Willen und bittet, ihm eine passende Gemahlin aussuchen zu helfen. Alsbald wird ihm eine Dame des Landes bezeichnet und er sendet später einen Brautwerber an sie ab, freilich nicht ohne argen Hohn. Nämlich in der Lücke zwischen Fragment 16 und 17 muß erzählt worden sein, daß der Ritter von den Sitten dieser Dame wenig Gutes erfahren hat und daß ihm sogar Kopfputz und Kniebänder eingehändigt wurden, die die Dame in einer Schäferstunde mit einem Kleriker verloren hatte. Der Brautwerber wird nun von der Dame bestens aufgenommen und empfängt von ihr einen reizenden Liebesgruß an seinen Herrn, übergibt ihr aber beim Abschied ein angeblich beinahe vergessenes Geschenk Ruodliebs, nämlich jene beiden Gegenstände, die jener sorgsam in eine Büchse gepackt hatte. Auf das entsetzlichste betroffen fragt sie den Boten, ob er um die Geschenke wisse, die er gebracht, und als dieser es verneint, sagt sie, sie werde seinen Herrn nie heiraten, auch wenn es außer ihm keinen Mann gäbe und er ihr die ganze Welt schenken wolle. Zu Ruodlieb zurückgekehrt berichtet der Bote treulich und haarklein sein Erlebnis. Die Mutter aber träumt eines Nachts, daß ihr Sohn, von zwei Ebern und einer Menge Säuen angefallen, die Tiere getötet habe und daß ihm, als er auf einer hohen Linde saß, eine weiße Taube eine kostbare Krone aufs Haupt gesetzt und ihn geküßt habe. Sie entnimmt daraus, daß er noch zu hohen Ehren bestimmt sei, ermahnt ihn aber, Gott allein die Ehre zu geben. Schon dieser Traum nähert sich der alten Heldensage, aber der nun folgende Schluß, das letzte Fragment, gehört dieser ganz an und in ihm bereitet sich jedenfalls die von der Mutter sehnlichst gewünschte Ehe Ruodliebs vor. Dieser hat nämlich vor einer Höhle einen Zwerg in einer Falle gefangen, der ihm für seine Befreiung die Schätze der beiden Könige Immunen und Hartunch zu zeigen verspricht; werde er die Könige überwinden, so bleibe Immunchs Tochter Heriburg übrig, die er, allerdings mit großem Blutvergießen, gewinnen werde, wenn er seinem Rate folge. Auf des Ritters Aussage, er traue ihm nicht, erwidert der Zwerg, daß sein Geschlecht nie treulos sei wie die Menschen, die darum so bald stürben. Wenn er ihm aber wirklich mißtraue, so möge er seine Gattin als Geisel nehmen. Er ruft die Gattin aus der Höhle, die alsbald zierlich geschmückt heraustritt und den Ruodlieb bittet, sie festzuhalten, bis ihr Gemahl alles vollführt haben werde. — Damit bricht das Gedicht ab. Ruodlieb. 553 Aber nicht nur die Dichtung als solche ist für uns wertvoll, auch ihr Inhalt birgt namentlich in kulturhistorischer Beziehung sehr Bedeutendes. Ist doch der Stoff dem realen Leben der Gegenwart entnommen und so wird dieses mit treuen Farben geschildert. Und es ist nicht nur das Leben der höheren Stände, das hier in den mannigfachsten Formen vor dem Leser sich abspielt, auch die Lebensgewohnheiten der einfacheren Stände, besonders der Bauern werden mit großer Treue dargestellt. Und die Begabung des Dichters zeigt sich auch darin, daß wir teilweise wirklich lebendige Charakteristiken erhalten, was ja in der von Geistlichen geschriebenen Dichtung der Zeit nicht eben häufig ist. In dieser Beziehung steht der Ruodlieb den Satiren des Amarcius nahe, nur mit dem Unterschiede, daß in diesen doch einseitig stark aufgetragen wird und Amarcius am Vorbild der römischen Satire festhält, während der Ruodlieb Bilder aus dem gesamten Leben der Zeit vorführt, ohne die karikierende Seite hervorzukehren und ohne jemals in den geistlich scharfen Ton zu verfallen, der bei Amarcius so oft hervortritt. Zu vermissen ist eigentlich nur, daß der Dichter nicht auf das kirchliche Leben der Zeit eingeht. Aber er gehörte ja selbst dem geistlichen Stande an und er wollte keine Satiren schreiben. Seine Kunst in der Darstellung ist aber jedenfalls derart, daß der Ruodlieb nicht seine erste Dichtung gewesen zu sein scheint, und der Ruodlieb steht als realistischer Zeitroman, der als ein ganz individuelles Erzeugnis und ohne irgendeiner Tradition zu folgen, gedichtet wurde, einzig da. Zeugnisse. Die Zeit des Gedichts ergibt sich daraus, daß Froumund und der Dichter derselben Schule entstammen und neben vielen gemeinsamen Eigentümlichkeiten auch durchgreifende Verschiedenheiten aufweisen, die den Ruodlieb in etwas spätere Zeit rücken, vgl. die Ausgabe von Seiler p. 160—168. Da sich Kenntnis der Zusammenkunft von 1023 zeigt und Chroust (Monum. palaeogr. 2 Lief. 2 Taf. 7) die Hs. nach 1050 ansetzt, so ist das Gedicht erst nach 1050 veifaßt. Schmellers Vermutung (Grimm und Schmeller, Lat. Ged. des 10. und 11. Jahrhundeits S.225), daß Froumund der Verfasser sei, ist von Grimm (Abhdl. d. Kgl. Preuß. Akad. d. Wiss. 1851 S. 668) widerlegt worden. Weiteres vgl. Seiler p. 164ff. Zur Kenntnis ritterlichen Wesens vgl. Seiler p. 87—90, zur Abstammung p. 185, zur Weltauffassung und Menschenkenntnis p. 182 ff., Stellung zu den Zeitgenossen p. 172 ff. Naturwissenschaftlich-medizinische Stellen sind 2,1 - 48 über die buglossa und ihre Wirkungen und 5,104—129 über den ligurius; hierher gehören auch 5,362 ff. über Edelsteine in Muscheln, und 13,39—47 über die eßbaren Fische (vgl. hierzu Laistner, Anz. f. d. A. 9, 102—105). Wortbildungen, die aus den Glossen und bei Ducange 1 ) nicht belegbar sind: 1,25 chalibinus. 3,28 finipolis (Grenzstadt); Epigr. 7,7 mercipolis (Handelsstadt). 3,36 oh- maculm-e. 4,132(17,54) demandamen. 4,226 lorifrangere (sichsträuben). 1,21 dextrim (11,12) und sinistrim; 5,72 neutrim. 5,81 decapenta (= 15). 5,128 digitalis (Ring). 5,163 cimphi- prehenstis. 5,362 cuncticolor. 15,88 enesis (= aiveais). Epigr. 7, 7 nummivorax; 8,1 efilattts (vgl. Loewe, Prodr. gloss. p. 270). Entlehnungen aus Dichtern. Mit 1,1 f. vgl. Fortunati C. 4, 8, 11 f. 9,11 f. (der Gedanke auch ähnlich in Heiligenleben). 1, 26 Verg. Aen. 10,536. 1,45 Aen. 6, 164. 1,49 Aen.12,65. 1,58 = Aen. 1, 209. l,85Horat, A. P. 333. 1,91 Cat.Dist. 3,10,1. 2, 13 Aen. 4,289. 2, 39 Verg. Ecl. 1,1. 3,37 Aen. 8,541. 3, 38 Aen. 12,149. 4, 234 Aen. 6,821. 237 Aen. 1, 605. 5,31 (ipsus) Terent. Hec. 3, 5, 5. 5,35 aus Augustin de civ. dei 5,26 oder aus Oros bist. 7, 35, 21. 5,234(1,17) Aen. 4,350. 5,235 Ovid Met. 8,500. 5,572 Aen. 9,167. 7, 10 Aen. 1,194. 14.2 Anth. lat. 683.1. 14, 5 Ovid. Met. 3, 276. 14, 7 Prudent. Peristeph. 2, 282. 17, 92 Aen. 10,414. Epigr. 7, 2 Sedul. Pasch, carm. 1, 132. Die Bezeichnung des Wolfes als hirpus ist gelehrten Ursprungs und stammt entweder aus Servius Aen. 11, 785 (ed. Thilo 2, 564,21) oder aus Pauli epit. Festi ed. Thewrewk p. 75,12. ') Für 4.113 inedkibilis und 143 invqui- 1, 69 rogat obnixe aus 1 Reg. 20, 28; 11,19 f. pm-aUUs gibt Ducange je einen Beleg. 1,21 aus2Reg. 12,3; 4,171 aus Coloss. 3,22. Einige *«/('««== Hörn im Corp. gloss. 5, 347,48. 401,21. Worterkläiungen gibt Schepss, Ztschr. f. 1,45 stammt Investigator aus Prov. 11, 27; j deutsche Philol. 15,431. 554 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Zu den Sprichwörtern vgl. Seiler p. 180ff.; auf Wortspiele macht Laistner, Anzeiger 9, 95ff. aufmerksam. Die zwölf Lehren finden sich 5, 451—526 p. 245ff. Zu dem novellistischen Teile vgl. Seilerp. 45—74 und Laistner, Anzeiger 9, 79—91 und 105f. Die von Laistner S. 72 angenommene Entstehung des Gedichts, daß es eine lateinische Heldensage Ruodliebus gegeben habe, die der Tegernseer Dichter mit seinem lateinischen Roman in Verbindung setzte und ihr den Namen für seinen Helden entlehnte, müßte erst noch weitere Beweisgründe erhalten, vgl. Seiler, Ztschr. f. deutsch. Altert. 27,338—342. —Von großer Bedeutung ist die Sprache des Gedichts. Der Dichter hat offenbar weite Umschau gehalten, um seinen Sprachschatz zu erweitern, und die im Kloster befindlichen Glossen mögen ihm dabei viel geholfen haben. Ohne Zweifel lassen sich noch manche Spuren auffinden, die dorthin führen. Aber es kommt noch anderes in Betracht. Es begegnet eine Menge gesucht vielsilbiger, zusammengesetzter Worte, 1 ) von denen manche singulär erscheinen; es begegnen seltsame, teilweise griechische Bildungen und außerdem Wörter, die das Romanische besitzt, neben rein germanischen, latinisierten Wörtern. So ist die Sprache, die ja häufig Ausdrücke des täglichen Lebens der Zeit verwenden muß, eigentümlich reich zu nennen, allerdings macht sich fort und fort ein gewisses Behagen an beinahe gelehrten und gesuchten Ausdrücken geltend. Aber es muß doch hervorgehoben werden, daß unser Dichter zu den Bildnern der poetischen Sprache gehört, wie wir sie in späteren Denkmälern der Dichtkunst antreffen. In dieser Beziehung nimmt der Ruodlieb in der Mitte des 11. Jahrhunderts eine ganz eigene Stellung ein, er hat sich von der herkömmlichen Sprache des Epos fast befreit, lehnt sich verhältnismäßig nur selten an alte Vorbilder an und bildet sich eine vielfach neue Ausdrucksweise, der in manchen Beziehungen die des Amarcius nicht fernsteht. Was die grammatische Seite aber betrifft, so ist ein stärker Niedergang zu konstatieren, der auf die hierauf bezügliche Seite der Tegernseer Schule kein besonders gutes Licht wirft. Seiler hat sich in der Ausgabe S. 112—142 der Mühe unterzogen, das Gedicht sorgfältig hierauf zu untersuchen. Dabei zeigt sich ein starkes Sinken des grammatischen Gefühls. Dieser Niedergang aber geht hauptsächlich aus der Überwucherung des Lateins durch das Deutsche hervor, denn unausgesetzt begegnen Germanismen, und wenn Seiler p. 136 sagt, 2 ) daß der Dichter nicht lateinisch, sondern deutsch denkt, so ist das entschieden richtig. Auch der Reim und die metrische Gestaltung ist von Seiler eingehend geprüft worden (p. 143—159), nachdem J. Grimm (Abhandl. d. Kgl. preuß. Akad. 1851 S. 663—668) vieles beigesteuert hatte. Der Reim ist großenteils einsilbig 3 ) und rein, doch finden sich auch viel unreine und viel zweisilbige Reime: eine Beeinflussung des Reimes durch die deutsche Poesie ist nicht anzunehmen (Seiler p. 148). Prosodische Fehler und zwar schlimmster Art sind ') Dazu verleitete allerdings der Hexa- inen aufgefülltt, freilich zu reichlich. meter, dessen Schluß besonders gern aus 3 ) Ungereimte Verse zählt Seiler p. 153f. langen Worten gebildet wird, vgl. 1, 1—8. nur vierzehn auf.—Nachträge zu Seiler gab 4.1—7. Laistner. Zeitschr. f. deutsch. Altert. 29, 2 ) Hier werden S. 136—140 die Germanis- 23—25. Heribert von Eiohstätt. 555 sehr zahlreich, was freilich im 11. Jahrhundert sehr gewöhnlich ist, vgl. Seiler p. 155—159. Sehr früh tritt im Ruodlieb die vollständige Vermeidung der Elision und des Hiatus •) auf, die seine Zeitgenossen noch nicht kennen. Aus alledem sieht man aber, daß der Dichter die alten Geleise der lateinischen Poesie mehr oder weniger zu verlassen strebte und neue Formen aufgebracht hat. Und da sein Gedicht Leben und nicht Schule atmet und nicht unbedeutende Begabung verrät, so werden wir lange in der Epik suchen müssen, bis wir wieder einem solchen Kunstwerk begegnen. — Bemerkt sei hier noch, daß der Dichter des Ruodlieb auch einige Epigramme und zwar wirkliche Aufschriften für Gegenstände verfaßt hat; diese kleinen Gedichte sind aber ohne besonderen Wert. Uebei'lieferung. Das Autograph des Dichters wurde in Tegernsee zum Einbinden von Handschriften später benutzt, und auf diese Weise haben sich noch 18 Pergament doppelblätter mit je vier Seiten Schrift in Münchner Hss. erhalten; sie bilden heute Monac. 19486. Und zwar war das Autograph nach Laistner, Anz. 9, 73 keine Reinschrift, sondern ein Konzeptbuch, es enthält sehr viel nachträgliche Aenderungen und Verbesserungen des Dichters. 2 ) Zur Anordnung der Blätter vgl. Seiler p. 15 — 21 und Laistner. Anz. 9, 73—79. Ergänzungen zui' Münchner Hs. liefert der einzige Rest der einzigen gegen Ende des 11. Jahrhundert genommenen Abschrift, nämlich ein Doppelblatt aus St. Florian, das als Umschlag eines Traditionenverzeichnisses diente (vgl. A. Czerny, Katalog der Stiftsbibl. von St.Florian, S.260), s.Seiler p. 14 f. und Laistner, Anz. 9, 76. Ueber die Lücken der Ueberlieferung handelte eingehend Laistner. Ztschr. f. deutsch. Altert. 29,1—23. Ausgaben: Grimm und Schmeller, Lat. Ged. des 10. und 11. Jahrhunderts S. 129—198; Fr. Seiler, Ruodlieb p. 203—304; übersetzt von M. Heyne, Rudlieb (Leipz. 1897) und v. Winterfeld, Deutsche Dichter d. lat. MA. S. 287, vgl. 110. 491. Zur Kritik und Erklärung: Laistner, Anz. f. deutsch. Altert. 9. 70—106 (hier S. S2—99 zum Text und zur Erklärung); Seiler, Ztschr. f. deutsch. Altert.27, 332—342; Laistner daselbst 29,1—25. J. Kelle, Gesch. d. deutsch. Lit. v. d. ältesten Zeit bis z. Mitte des 11. Jahrhunderts S. 277—283. Kögel, Gesch. d. deutsch. Lit. 1, 2.342-412. S. Hirsch, Jahrb. d. Deutsch. Reichs unter Heinrich 11.2,225. 3,261. Ehrismann, Gesch. d. deutschen Literatur bis zum Ausgang des Mittelalters 1,397—405 undZeitschr. für deutsche Piniol. 36,400. K. Strecker, Neue Jahrb. f. d. klass. Altertum 1921 S. 289-304. 97. Heribert von Eichstätt. Im Jahre 1021 wurde auf den bischöflichen Stuhl von Eichstätt durch Heinrich II. Heribert befördert, der vielleicht aus der Familie der Grafen von Rotenburg stammte und mit dem Erzbischof Heribert von Köln verwandt war. Ein Mönch des Klosters Herrieden an der Altmühl, dem wir allerhand Nachrichten über die Eichstätter Bischöfe verdanken, beklagt es, daß mit diesem neuen Herrn eine neue Zeit im Bistum angebrochen sei, indem eine große Zahl alter kirchlicher Gebäude Neubauten weichen mußten. Aber auch sonst verriet Heribert einen hochfahrenden Sinn, denn der Lehrer Gunderam an der Domschule galt ihm nichts, da er nur in der Heimat und nicht am Rheine oder in Gallien studiert hatte. Er glaubte ihn bei der Anwesenheit des Würzburger Lehrers Bernolf gehörig beschämen zu können, aber die Probe beim Vorlesen eines mathematischen Buches fiel sehr zugunsten Gunderams aus, so daß die heimische Bildung triumphieren konnte. Heribert hatte nämlich in Würzburg studiert und daher läßt sich seine Vorliebe für den Würzburger erklären. Jener Mönch rühmt aber von ihm ') Elision nur 9,22 (im Zitat notwendig) ■ 2 ) Vgl. Seiler p. 10 ff. und Hiat nur 5,82 und 17,15 (nur in derCaesur). 556 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. eine hervorragende Begabung in der Dichtkunst, in der er keinem Zeitgenossen nachstand, und erzählt von ihm, daß er sechs Hymnen verfaßt habe, deren Anfänge er mitteilt. Diese sechs Gedichte haben sich erhalten. Außerdem habe Heribert fünf Mariengebete, jedes mit dem Anfang Ave Maria gratia plena verfaßt und zwei modulaüones initiatae gedichtet, die den Anfang hatten Advertite omnes populi und Peccatores peccatrices quondam. Heribert starb im Jahre 1042 aus Gram, daß ihm das Kloster Neuburg an der Donau entging. Der hohe Herr scheint sich nämlich mit Heinrich III. nicht besonders gestanden zu haben. Doch sah er ein, daß er auf diesem Wege nicht weiterkam und der Kaiser wollte ihm jene Abtei schenken wenn er den Leib des hl. Willibald dorthin bringen und den Sitz des Bistums nach Neuburg verlegen wollte. Die Bedingung war schwer genu» aber Heribert wollte sie eingehen, doch der Kaiser hatte seine Absichten geändert. Heribert war auf der Reise begriffen, als er davon hörte, und er. war so erzürnt, daß er öffentlich erklärte, der hl. Willibald möge nicht dulden, daß er lebend nach Eichstätt zurückkehre. So geschah es auch, denn in Freising wurde er auf der Rückkehr krank und starb daselbst. Er wurde in Freising begraben und Abt Willeram, sein Verwandter, setzte ihm dort eine Grabschrift, von der jener Mönch den Anfang mitteilt: Ecce dei servus praesul iaceo hie Heribertns. Hymnen. Der erste -Hymnus ist ein Kreuzlied und besteht aus fünf Strophen zu vier Versen. Die Verse sind jambische Zwölfsilber und entbehren des Reimes der Ganzzeilen fast gänzlich, eine Erscheinung, die sich auch noch in den beiden nächsten Hymnen zeigt. Das Gedicht besingt das Kreuz und bittet Christus um Hilfe durch seinen Kreuzestod; 2, 4 findet sich die beliebte Gegenüberstellung, daß die Menschen durch das Holz Sklaven und durch das Kreuz Freie geworden seien. Die beiden nächsten Gedichte von je sieben und fünf Strophen zu je drei Versen zeigen phalä- cische Elfsilber. In dem ersten, das auf den hl. Willibald, den ersten Eich- stätter Bischof, gedichtet ist, geht der Dichter vom Meere aus und besingt Gott als den Herrn des Meeres und Christus als den lebendigen Quell. Er preist den Heiligen, der übers Meer gekommen ist, und bittet ihn, die Seinigen des lebendigen Wassers würdig zu machen, daß sie nicht von der Charybdis des Lasters ergriffen werden. Das zweite feiert Willibalds Schwester Walburgis als die Auserlesene unter den Scharen, die die Anglia mater gesendet und die Maria unter die heiligen Chöre aufgenommen habe. Die drei andern Gedichte bestehen aus acht, fünf und dreizehn vierzeiligen Strophen, deren Verse jambische Achtsilber darstellen. Das erste besingt die Auffindung des Protomartyrs Stephanus als den Anführer und Feldherrn der Märtyrerscharen und bittet ihn nebst dem Nikodemus, Gamaliel und Abibon um Fürsprache im Himmel. Das zweite rühmt den hl. Laurentius und erwähnt kurz sein Martyrium, woran sich die Bitte um seinen Schutz vor der Hölle und vor Dämonen anschließt. Das letzte Gedicht ist allen Heiligen geweiht, die in der Anzahl von tausend Millionen gebeten werden, mit ihrer Bitte die Menschen zu fördern, ihnen hold zu sein und die Scharen Christi zu unterstützen und ihnen die Sündenschuld zu erleichtern. Dabei mögen Abraham und David mit seinen Hymnenchören wie der hl. Geist Heribert von Eichstätt. 557 zugegen sein und Maria als Fürbitterin auftreten und Petrus als Christi Bannerträger seine Hilfe spenden und die gesamte Priesterschaft, voran die Bischöfe, möge die Tränen der Schuldigen trocknen. Von diesen Hymnen verrät der zweite und sechste eine entschiedene poetische Begabung, während die andern Stücke sich meist in den gewohnten Geleisen bewegen. Zeugnisse. Zum Leben Heriberts Anon. Haserensis 27 (MG. SS. 7, 261, 8) His tarn cito sublatis denuo ndbilitati cessit cura pastoralis. Heribertus namque nobilis genere hobiUor moribus vir eleganter literatus, saneti illius Heribert/' Coloniensis archiepiscopi cognatus et aeguivocus divina favente gratia factus est episcopus. Hie Herbipoli nutritus edoctus egregia dietandi dulcedine in tantum enituit, ut tunc temporis hac in arte nulli seenndus fuerit. Eic spiritu saneto af flatus sex hymnos pulcherrimos composuit, unum de s. cruce: Salve cnix saneta, alterum de s. Willibaldo: Mare fons host tum, tertium de s. Walpurga: Ave flos virginum, quartum de s. Stephani inventione: Deus deorum domine, quintum de s. Lau- rentio: Conscendat usque sydera, sextum de omnibus sanetis: Omnes superni ordines. De s. Maria vero fecit quinque intimas orationes, quarum omnium commune initium est: Ave Maria gratia plena. Fecit etiatn duas lias initiatas modulationes: Advertite omnes populi et Peccatores peccatrices quondam. Zu den Neubauten vgl. 29 p. 261,40 Sub hoc episcopo p-imitus apud nos coepit veterum aedifleiorum deiectio et novorum aedificatio, ihre Aufzählung bis Ende c. 30 p. 262,26; darin ein Horazzitat 30 p. 261,48 Qnod de nobis dico, satis notum tibi scio, quia Wirzeburgensibus, inter quos habitas, quodammodo naturale est destruere et aedifleare, quadrata rotundis mutare. 1 ) Zu Gunderam und Bernolf vgl. 28, wo Bernolf von Gunderam sagt (p. 261, 30) Domine . .. isle locus hoc superstite meliore non in- diget et doctiore magistro, et si ego conclaustralis eins essem, vellet nollet cottidie lectionem eins audire. Zum Ende Heriberts 32 p. 263, 15 Ad ultimum victtis imperator devotissima ser- vitute eins Nuenburgensem abbatiam Eystetensi episcopatui attribuere destinavit, ea scilicet lege, ut corpore s. Willibaldi illuc translato episcopalis sedes in eodem constitueretur. Quod quia sanetissimo patrono nostro hunc locum specialiter amanti non placuit, ad effectum ne- quaquam pervenire potuit ... 21 JSam .. . repente regis animus immutatur. Quo ille audito graviter consternatus in tantum aegre tulit ut . . .palam s. Willibaldmn rogaret, ne umquam vivus Eistatt rediret. Quod et proh dolor factum est, nam in redeundo aegritudinem ineidit et antequam Eistatt perveniret, inier vias defunetus a Frisingensi episcopo Egilberto . .. ucatratissime sepultus est. ... 30 Cuius sepulcro lale appositum est epitaphium ab egregio illo versificatore Willeramo abbate, consanguineo scilicet suo compositum: Ecce der servus praesul iaeeo hie Tleribertus et reliqua. Zum Tode vgl. Gundechari liber pont. Eichstet. (MG. 7, 245, 35) Heribertus obiit 1042 anno 0 Kai. Aug. sedit annos 20. Vgl. Wattenbach 2,181 und G. M. Dreves, Analecta hymuica medii aevi 50, 290. Hymnen. Im Kreuzliede heißt es 2, 4 Per lignum servi, per te, lignum, liberi. Während die Ganzzeilen nur zufällig aufeinander gereimt sind, läßt Heribert in diesem Gedichte wie in den beiden folgenden phaläcischen Elfsilbern die Halbzeilen reimen, was von W. Meyer, Münch. Sitzungsber. 1882 Bd. 1, 99 dargetan worden ist, der hier diese seltenen phaläcischen Rhythmen eingehend untersucht. Dreves macht S. 293 darauf aufmerksam, daß Melodie und Schema der beiden Rhythmen auf den Nikolaushymnus Plaudat laetitia hex hodierna zurückgehen, der allerdings metrisch gehalten ist. In N. 2 ist 2,1 pars bona wohl als Willibald zu verstehen. 3,2 ist das Subjekt nicht klar; zur Charybdis 6,1 omnes rogamus De saeva eripi noxa Charybdi. Durch das ganze Gedicht zieht sich der Gedanke des Wassers, da Willibald übers Meer gekommen war. Vgl. zum Gedicht Dreves, Anal, hymnica 4, 174. In N. 3 das Wortspiel 2, 2 misit Florem angelicum Anglia mater. In N. 4 heißt Stephanus 3, 4 Vcstri dux belli praevius. In N. 5 die Bitte an Laurentius 4, 3 Ut ab aeternis ignibus Nos sähet et daemonibus. In N. 6 werden alle Heiligen 2,-4 Sessiones dominicae genannt; hier Alliteration 3, 2 Et prineipes praecalidi Potentiaque praediti; der heilige Geist heißt hier 8,1 nur Sacer, Petrus 11,1 f. superne claviger und novae pacis legifer, der Gläubige 11, 3 Christi emeifer. Der Reim in den jambischen Achtsilbern ist in N. 4 und 5 fast durchgehend aa bb, in N. 6 ausschließlich aaaa. Zu den Schlüssen der Verse und zum Tonfall vgl. W.Meyer a. a. 0. S. 99. Uebrigens wird N. 1 im Carnot. 162 s. XII und im Alexandrin. 93 1 auf Hen- ricus imperator oder rex zurückgeführt, was von Dreves S. 292 gegen das Zeugnis des Anon. Haserensis mit Recht abgewiesen wird. Ueberlieferung. Die Hymnen Heriberts sind in einer großen Anzahl von Breviarien zu finden, besonders oberdeutschen und österreichischen, vgl. hierzu Dreves S. 291— 296. Ausgaben bei Migne 141, 1370 und besonders von G. M. Dreves, Anal. hymn. 50, 290—296. ') Hör. Ep. 1, 1,100. 558 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 98. Adelmann von Lüttich. Adelmann stammte wohl aus Lüttich und ist kurz vor dem Jahre 1000 geboren. Wahrscheinlich hat er seine Jugendbildung in Lüttich erhalten und er hat dann seine Studien zu Chartres unter dem ausgezeichneten Bischof Fulbert vollendet. Hier trat er in Verkehr mit einer großen Anzahl von jungen Klerikern, die wie er die Wissenschaften studierten und die er in einem später verfaßten Gedichte nennt. Es waren Baldiger, 1 ) später Kanzler der Kirche zu Chartres, der dem Fulbert am nächsten stand, sodann Radulf, der später in der Kirche zu Orleans angestellt wurde, Si»o, später Diakon und Lehrer in Chartres. Ferner die späteren Lehrer der Rhetorik Lambert in Paris und Engelbert in Orleans, der Grammatiker Reinbald, Lehrer und Schatzmeister zu St. Martin in Tours, Gerard, der später auf der Rückkehr von einer Pilgerreise aus Jerusalem in Verdun starb, ferner Walter aus Burgund, der später fast das ganze Abendland bereiste und sogar nach Spanien kam, aber in Besancon von seinen Nebenbuhlern getötet wurde. Dann Reinbald (Ragimbold) von Köln, der gelehrte Mathematiker, bekannt von Rom bis nach Padua, später Lehrer des Latein. der in Lüttich starb, wo Wazo und nach ihm Adelmann lehrten, ferner Odulf von Lüttich, der Bruder des Mathematikers Rodolf, der in Italien am Fieber starb und von vielen trefflichen Männern beweint wurde, Alestan von Lüttich, der mit seinem tiefen Wissen viel tüchtige Männer heranbildete, endlich Warin von Lüttich, dem der Bischof weder eine kirchliche Würde noch eine Pfründe gönnte und der daher nach Metz ging, wo er nach dem Erwerbe großer Reichtümer starb. Zu seinen Mitschülern in Chartres gehörte aber auch Berengar von Tours, der etwas jünger als Adelmann war uud auf den sich die auf uns gekommenen Schriften Adelmanns beziehen. Dieser blieb wohl länger in Chartres, als ihm gestattet war, denn Fulbert wendet sich in einem Briefe 2 ) an den Lütticher Bischof Reginard und bittet ihn, den Subdiakon A. nicht mehr als fahnenflüchtig zu bezeichnen, da er sich ernsten theologischen Studien bei ihm hingebe; und er werde auch sobald als möglich zurückkehren, aber der Bischof möge ihm zur Vollendung seiner Studien nach Chartres zurückzukehren erlauben. Jedenfalls weilte Adelmann später in Lüttich und wurde hier 1031 im Lehramte Wazos Nachfolger. Als solcher verfaßte er einen rhythmischen Abece- darius in dreiundzwanzig Strophen, worin er der schönen Zeiten bei Fulbert in Chartres gedenkt und die obengenannten Mitschüler erwähnt. Da Fulbert selbst im Eingange als verstorben beklagt wird und Adelmann gegen Ende erzählt, daß alle die aufgeführten Männer im Laufe von fünf Jahren gestorben seien, so muß das Gedicht zwischen 1028 und 1033 fallen; und dazu stimmt, daß von Lüttich 18, 3 in der ersten Fassung gesagt wird, daß dort jetzt das Geld, d. h. die Simonie herrsche, denn wir wissen, daß Bischof Reginard sein Amt durch Simonie erlangte. 3 ) Für die weiteren Lebens- ') Diese Personen mit'ihrer kurzen Cha- ! wurde und Fulbert 1028 starb, zwischen 1025 rakteristik sind alle genannt im Rhythmus | und 1028 geschrieben. Adelmanns ed. J. Havet. Notices et doc. publ. pour la soc. de l'hist. de France (Paris 1884) p. 81-86. *) Dieser ist, da Reginard 1025 Bischof 3 ) Reineri Vita Reginardi 3 (MG. 20, 572,8) obtiniiitque ab eo per pecuniam, quod fuisset öbtinendum a deo per gratiam. Adelmann von Lüttich. 559 Schicksale Adelmanns kommt nun sein Brief an Berenger in Betracht, und hier wird es entscheidend, wie man die Worte Teutonicas aures, iriter qnäs diu peregrinor 1 ) auffaßt. J. Havet meint, 2 ) daß er Lüttich verlassen habe und sich mehrere Jahre in Deutschland aufhielt; er vergißt aber dabei, daß Lüttich zum Deutschen Reiche gehörte und daß Adelmann selbst ein Deutscher war. Es ist also durchaus nicht nötig anzunehmen, daß er aus Lüttich fortgegangen war, als er diese Worte schrieb, um so mehr, als sie im Gegensatz zu seinem früheren Aufenthalt in Frankreich und aus dem bekannten, das eigne Vaterland geringschätzenden Sinne des Deutschen gegenüber dem romanischen Vaterlande Berengars gesagt sein können. Und wenn Adelmann den Primicerius Paulinus von Metz als dem Berengar etwas näher wohnend bezeichnet, 3 ) so kommt man damit nicht weiter, da die Zeit des Briefes und daher auch Berengars Aufenthaltsort nicht feststeht. Möglich ist es freilich, daß Adelmann Lüttich verlassen hatte, denn wir finden ihn ja später in Speier. Jedenfalls hatte er vernommen, daß sein Studiengenosse Berengar die Hostie und den Wein beim Abendmahl nicht für den wirklichen Leib und das Blut Christi, sondern nur für deren Bild und Gleichnis hielt, also die kirchliche Lehre der Transsubstantiation leugnete. Um den Freund auf den rechten Weg zu bringen, beschloß er die Vermittlung des Primicerius Paulinus von Metz 4 ) anzurufen, der ihm auch versprach, sich in einem warnenden Briefe an Berengar zu wenden. Er hielt aber sein Versprechen nicht, und nach dem Verlaufe zweier Jahre schrieb nun Adelmann selbst an Berengar. Er erinnert ihn an die gemeinsame Studienzeit bei Fulbert 5 ) und an die Abendgespräche im Gärtchen bei der Kapelle, wo Fulbert sie ermahnt habe, stets den Spuren der hl. Väter zu folgen und im Glauben auf keine Abwege zu geraten. Da er nun gehört habe, daß er in der Abendmahlslehre vom kirchlichen Dogma abweiche, und sein Versuch mit Paulinus fehlgeschlagen sei, so habe er sich ungemein gefreut, als der Kleriker G. ihm plötzlich Grüße von ihm brachte. Und so sende er ihm durch diesen die Warnung, im Andenken an Fulbert Jiicht vom rechten Wege abzuirren. Es sei die äußerste Torheit, in den Regeln des Glaubens und Lebens von einem Ambrosius, Augustin und Hieronymus abweichen zu wollen. Er erinnere ihn daran, was für Torheiten große heidnische Philosophen über Gott und Welt ausgesprochen hätten. Denn was könne Törichteres gesagt werden, als daß Himmel und Sterne feststünden, während die Erde in gewaltiger Drehung sich umherbewege? Und Gott hasse diejenigen, die zuviel untersuchen wollten. — Es fehlt also dem Briefe, den ich leider nur in fragmentarischer Gestalt benutzen kann, weder an menschlicher Wärme noch an der Weite des literarischen Blickes, aber er fußt ganz auf der üblichen Selbstbeschränkung des christlichen Standpunkts, daß es nämlich innerhalb des Christentums kein Problem und keine freie Forschung ') Migne 143,1290A. 5 ) Er nennt ihn (Migne 143,1289A) sub 2 ) a. a. 0. p. 74. nostro Mo venerabili Socrate, wie er auch im 3 ) Migne 143.1290B tibi propiorcm tibi- \ Rh3'tl]nius9,2 von Socratis sermonibitsspricht, que aliquanto viciniorem. Hauck 3,954 meint Außerdem sagt er (1289A) gloridbatUr Plato, auch, daß sich A. als Franzose zu erkennen gratias agens naturae eo quod in diebus Sn- gibt und Lüttich zu Deutschland rechnet. cratis sui hominem se non pecudem peperisset. 4 ) Er war wohl Kanzler der Metzer Kirche. 560 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. geben könne, da durch die hl. Väter alles fest geordnet und bestimmt sei.*) Berengar scheint die Antwort auf dies Schreiben nicht schuldig geblieben zu sein, denn die zweite Redaktion seines Rhythmus steht in der Brüsseler Handschrift unmittelbar nach kleinen Bruchstücken aus seinem Antwortschreiben. Er hielt sich nämlich später in Speier 2 ) auf und fand hier seinen in Lüttich verfaßten abecedarischen Rhythmus auf die Studiengenossen wieder. Er veränderte einiges darin, was für die Gegenwart nicht mehr zu passen schien, und ersetzte den Radult durch Sigo in einer ganz neuen Strophe. 3 ) Dann versah er den Rhythmus mit einem kleinen Vorwort an Berengar, den er hier über die frühere Abfassung aufklärt. Der Streit um das Abendmahl hatte also die Freunde nicht auseinandergebracht. Berengar allerdings urteilte geringschätzig genug über das Gedicht, denn er schrieb 4 ) unter das ihm gesandte Exemplar das Horazische Wort (A. P. 139): „Nas- cituf ridiculas mus". Und das ganze Stück schließt in der Brüsseler Handschrift mit den Worten: „Hier endet Berengar gegen Adelmann, den er ironisch Aulus Mannus nannte." Das Gedicht selbst ist übrigens unbedeutend und, verglichen mit dem gewandten und klaren Stil des Briefes, schwerfällig und dunkel; durch mehrfach eingestreute seltene Worte hat es einen gelehrten Aufputz erhalten, der gewiß nicht unbeabsichtigt war. Diese zweite Ausgabe des Gedichts hat Adelmann sicher vor seiner Erhebung zum Bischof von Brescia veranstaltet, die um 1057 erfolgte; als solcher ist er im Jahre 1061 gestorben. Zeugnisse. Zur Abstammung Rhytlim. 18,1 in urbe nostra ... Legia und Vorrede p. 81 cum adhuc Leodii essein. Zum Geburtsjahr vgl. Havet p. 72. Zu Chartres und zu Fulbert als Lehrer Rhythm. 3, 1 ff. und 5, 1 ff. sowie den Brief Migne 143, 1289AB und Havet p. 87 f. Zu Hildiger vgl.Haureau, Mem. de l'Institut, Acad. des inscript. 31, 2,64—77 und Havet p. 87 f. Zu Radulf von Orleans vgl. Havet p. 88; an seiner Stelle erscheint in der zweiten Ausgabe Sigo, erwähnt bei der Weihe der Trinitätskirche zu Vendöme 1040 bei Mansi, Collect, conciliorum 19,591A A civitate Cariwto . . . Sigo magister sckotarum. Zu Reiubald von Tours vgl. Havet p. 89. Zu Walter, der in Red. I wohl aus Versehen des Abschreibers Gerbert heißt, vgl. Havet p. 89 f. Zu Ragimbold von Köln vgl. den Abschnitt in diesem Bande und Havet p. 92, endlich zu Warin vgl. Havet p. 91. Zu Berengar vgl. den Eingang von Adelmanns Brief an ihn (Migne 143,1289 A) Collactanenm te meum vocavi propter dulcissimum illud contübernium, qnod cum te adolescenttdo ipse eqo maittsaihis') in academia Carnotensi sub nostro Mo venerabüi Socrate iucundissime duxi; aus diesen Worten ergibt sich auch der Altersunterschied. In dem Briefe Fulbevts heißt es (Migne 141, 225 B): De illa tarnen ove, quae in nostris pascuis observatur, fratrem A. subdiaconum Joquor, securus esto. . .. A'ec appelletis eum ultra militem fugitivum, quoniam accurate se praeparat ad debellanda coram deo et nobis agmina vitiorum. Veniet autem ad vos quan- tocius poierit, sed .. . exoramus ut nobis eum remitiere ac vestris litteris commendare dignemini. Aufenthalt in Lüttich vgl. Vorrede zur 2. Fassung des Rhythmus bei Havet p. 81 cum adhuc Leodii essem. Zum Lehramt vgl. dieselbe Fassung 18,2 Legia magnarum quondam artiüm nutricula, Sub Wathone subqne ipso cuius haec sunt rilhmica, zur Zeit Anselmi Gesta epp. Leod. 40 (MG. SS. 7, 210, 29) und 43 p. 216, 3. Fulberts Beklagung im Rhythmus 3,1 Cdr- notenae decus urbis memorande pontifex, Te primum, pater Fulberte, dum te conor dicere, Sermo fugit, cor liquescit, recrudescnnt lacrimae. Zur Zeitangabe vgl. Fassung 1 Str. 23,1 Yppogeis sub antique clausi matris gremio Omnes uno funerati dormiunt quinquennio. An- 1 ) Vgl. Hauck 3, 954 f. 2 ) Es ist übrigens denkbar, daß er auch schon den Brief an Berengar aus Speier gesendet hat. 4 ) Vielleicht hat er auch einige erklärende Glossen, die sich in der Hs. der zweiten Fassung finden, selbst hinzugesetzt (zu 16,1. 21,1.2. 23,2), vgl. Havet p.77; ich möchte ; ') Die Verschiedenheit andrer Namen in aber eher glauben, daß Adelmann selbst diese beiden Fassungen erklärt sich am besten Erklärungen beigeschrieben hatte, durch Mißverständnis der Abschreiber, vgl. 5 ) Vgl. Terent. Eun. 527. Havet p. 78.87—92. Ekkehart IV. von St Gallen. 561 spielung auf Reginards Simonie 18, 3 Non sie o nunc dominante virtuti peeunia. Das Gedicht enthält in beiden Fassungen 23 Strophen zu je drei Fünfzehnsilbern, zu dem Bau der Verse vgl. Havet p. 78 f., der auch bemerkt, daß Adelmann seine Strophen Verse nennt (erste Fassung 23. 3 quater senis minus uno versibus). Den Brief an Berengar setzt Hauck 3,954 n. 2 wohl richtig ins Jahr 1049. Zur Häresie Berengars (Migne 143, 1290A) ut non sohim Lntinas verum etiam Teutonicas aures, inter quas diu peregrinor repleverint, quasi U ab unitate . .. ecclesiae divulseris et de corpore et sanguine domini.. . aliter quam fides catholica teneat, sentire videaris: hoc est, ut illorum de te dictis utar, non esse verum corpus Christi neque verum sanguinem sed figuram quamdam et similitudinem. Zum Versuch mit Paulinus col. 1290 B Haec ante hoc biennium cum audissem, fraternitatem tuam per cpistolam convenire. .. decrevi. Sciens porro familiärem tuum dominum Paulinum Metensem primi- cerium tibi propiorem tibique aliquanto viciniorem esse, et mea petitione et sua pollicitatione delegavi sibi Jiuius negotii exsecutionem. At ille . . . negligens sive alterutrum sive utrumque nostrum usque adhuc me reliquit suspensum. Zum Kleriker G. col. 1290 C Optabam autem {»venire hominem peregrinandi usu exercitatum, regionis et linguae Francorum (des Französischen) non ignarum, et ecce stetit mihi e latere frater iste G. ex tuo nomine me salutans. Zu den heidnischen Philosophen 1291C Nam et gentiles magni quidam et nobiles philosophi multa falsa ... non solum de Creatore deo sed de hoc mundo et his quae in eo sunt, sensisse inveniuntur. Quid enim absurdius affirmari potest, quam caelum astraque omnia stare, terram vero rapida vertigine in medio circumferri; fall! vero eos, qui putent caelestia moveri, quemadmodutn falluntur navigantes, quibus turres atque arbores cum ipsis litoribus Mintür recedere? Soletn praeterea non calere, nivem nigratn esse, audire quis feratl Zur Antwort Berengars vgl. Havet p.75 Cette redaction dupohne nous est parvenue, dans le mscr. de Gemblonx, ä suite des fragments d'une riponse de Be'renger ä Adelman sur l'eucharistie, vgl. Martene, Thesaur. nov. aneedot. 4,109 —114. Zum Aufenthalt in Speier vgl. die zweite Fasssung des Gedichts 23, 2 Adehnanus haec deflebat in Nemeti litore, wo als Glosse übergesetzt ist id est Spirae. Das Vorwort zur neuen Fassung bei Havet p. 81 Aulus Mannus. Mitto etiam tibi rilmicos versiculos iuxta ordinem alfabeti digestos, quos ante annos aliquot cum adhuc Leodii essem, me ad 1 ) amicos quosdam meos, quorum plures ipse noveras, lamenta- biliter recensente, compositos repperi nuper et edidi. Unterschrift Berengars: Bespondit Beringerius: Nascitur ridiculus mus. Finit Beringerius contra Adelmannum quem yronice vocat Aiüum Mannum. Seltene Worte 8,3 communieeps ; 11,1 lucripeta; 21, 1 Xerampelinus f) 22,1 ypogeum. Daß Adelmann Bischof in Brescia wurde, bezeugt Gundechav im Lib. pontif. Eichstet. (MG. SS. 7,249,30) Adalman Prixiensis; die Zeit der Erhebung (vgl. Steindorff, Jahrb. d. Deutsch. Reichs unter Heinr. III. Bd. 2. 299 n. 5) ergeben die Ann. Altahenses, die zu 1054 (ed. Giesebrecht p. 58) den Tod Ulrichs und zu 1055 die Erhebung Ekkihards zum Bischof von Brescia melden und zu 1061 den Tod Adelmanns berichten, p. 68 Adalman Brixiae episcopus obiit. Die Erhebung zum Bischof meldet auch Sigebert de Script, eccl. 153 (ed. Miraeus p. 154). der den Brief an Berengar kennt und sagt Almannus grammaticus ex clei'ico Leodiensi episcopus Brixiensis scripsit ad Berengarium Turonensem epistolam arguens mm quod sc divulserit ab unitate cathölicae ecclesiae dogmatizando verbis et scriptis, quod corpus et sanguis Christi ... non sit verum corpus Christi nee verus sanguis Christi sed figitra et similitudo corporis et sanguinis Christi. Scripsit super eadem re epistolam ad Paulum Metensem primicerium, monens eum uti et ipse Berengarium communem amieuni smim revocaret ab hac prava intentione. Ueberlieferung. .Die erste Fassung des Rhythmus zu Kopenhagen Gl. Kgl.Saml. 1905 s. XII (aus Affiighem); die zweite Fassung im Bruxell. 5576-5604 (aus Gembloux) f. 163 ist früher allein gedruckt (Migne 143,1295). Einzige kritische Ausgabe von beiden gab J. Havet. Notices et documents publ. pour ja soc. de l'hist. de France (Paris 1884) S.81 ff., mit Einleitung und Erklärungen. Der Brief ist gedruckt bei Sudendorf, Berengar von Tours S. 8; Migne 143,1289, vollständig aber nur bei C. A. Schmid, Adelmannus episcopus, Biaunschweig 1770. Vgl. Hist. litt. 7,542 (teilweise irreführend). 99. Ekkehart IV. von St. Gallen. Ekkehart IV. ist um 980 vielleicht im Elsaß geboren und ist frühzeitig ins Kloster St. Gallen gekommen, da er dort den 990 verstorbenen Ekkehart II. noch gehört haben wilL Er wurde dort Schüler Notkers, der nach ') Dies Wort ist überflüssig und muß wegfallen. 2 ) Das Wort stammt wie die Erklärung MnnitiuB, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 36 (Havet p. 85 n. 1) aus Juvenal 6, 519, wo die interpolierten Hss. xerampelinas vestes haben. 562 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. einem langen Gelehrtenleben am 29. Juni 1022 starb. 1 ) Notker hatte nach Sitte der Zeit seinem Schüler häufig Übungsstücke in Versen über kirchliche Stoffe aufgegeben und Ekkehart eine Menge solcher Themen zur Zufriedenheit des Lehrers bearbeitet, so daß dieser sich die Arbeiten aufhob und sammelte. Die Sammlung fand Ekkehart nach Notkers Tode und versah sie zur Belehrung seiner eignen Schüler mit einer großen Menge von Erklärungen. Aber auch zu kritischer Tätigkeit forderte Notker seinen Schüler auf, wie aus der St. Gallener Orosiushandschrift 2 ) hervorgeht, zu deren Verbesserung Ekkehart zwei andre Exemplare gebrauchte; auch Notker selbst ist hierin kritisch tätig gewesen. Ekkeharts dichterische Gewandtheit benutzte ebenfalls der Abt Burkhard II. von St. Gallen, der ihm auftrug, für den im Kloster entworfenen Bilderzyklus zum Leben des hl. Gallus Verse zu schreiben. Nach Notkers Tode ging Ekkehart nach Mainz, wo er unter Erzbischof Aribo Vorsteher der Schule wurde. Hier wahrscheinlich befreundete er sich mit dem Mönch Johannes von St. Maximin bei Trier. 3 ) der ihn aufforderte, seinen Liber Benedictionum zusammenzustellen; als solche nämlich bezeichnete Ekkehart die obenerwähnten poetischen Übungsstücke. An die Spitze der Sammlung stellte Ekkehart eine kurze Szene aus einer Unterhaltung. Nämlich er wird in gelehrter Gesellschaft von Aribo gefragt, sich über die Bedeutung des Segensspruches Tube, domne, benedicere zu äußern, und trägt nach anfänglichem Zögern seine Meinung vor, indem er sich auf eine angebliche Stelle aus dem 29. Buch des Livius. sowie auf Servius und Pseudo-Amphilochius bezieht. Und in einem zweiten Prologe an Johannes spricht er in oft dunkler und abstrus-gelehrter Weise über seine Beziehungen zur Dichtkunst und über die Ausführung vom Wunsche des Freundes. Wohl auch in jene Zeit gehört die Erweiterung der Benediktionen. Nämlich Ekkehart war durch seinen Bruder Ymmo aufgefördert worden, seine Tischsegnungen zu sammeln, und diese übersandte auch Ekkehart dem Bruder, der damals Abt zu Münster im Gregoriental war. Aber auch zum Erzbischof Aribo trat er in ein engeres Verhältnis. Aribo betraute ihn nämlich damit, Verse für die Bilder zu schreiben, die in dem kürzlich begonnenen Mainzer Dome angebracht werden sollten. Ekkehart entledigte sich seiner Aufgabe, indem er für diese künftigen Malereien — so wie sie beabsichtigt waren, wurden sie nie ausgeführt — eine sehr große Anzahl von Distichen anfertigte, die er zur Auswahl stellte. Außerdem übertrug ihm der Erzbischof eine echt schulmeisterliche Arbeit. Er sollte nämlich das Epos Ekkeharts I. Waltharius manu fortis metrisch und stilistisch bessern, da jener das Gedicht geschrieben habe, als er zwar nicht an Jahren, wohl aber in seinen Bestrebungen noch ein Knabe war und den Deutschen zugunsten des Lateiners noch zu wenig ausgezogen hatte. Die Aufgabe zeigt jedenfalls, daß Aribos literarisches Verständnis nicht eben ') Vgl. Ann. Sangall. raai. 1022 (St. Galler | folgert Dümmler (Ztschr. f. deutsches Alter- Mitteilungen 19, 308). I tum 14, 5) aus der Anrufung von Trierer 2 ) Sangall. 621 s. IX p. 351, vgl. Du mm ler, Heiligen im Liber benedictionum 50, 6—14 Ztschr. f. deutsches Altertum 14, 2, außerdem (ed. Eg]i p. 254) und (Neues Archiv 11,405) S. 21 und Wattenbach, Schriftwesen im , aus Einträgen in die St. Gallener Adohand- Mittelalter 3 S. 336 und n. 1. | schrift (Sangall. 454). 3 ) Daß Ekkehart auch nach Trier kam, j Ekkehart IV. von St. Gallen. 563 sehr weit ging. Jedenfalls aber ist die Umarbeitung der prächtigen Dichtung nicht durchgreifend gewesen und hat das Original auch nicht verdrängen können; vielleicht ist sie in einer der beiden umgearbeiteten Handschriften 1 ) erhalten. Nachdem Aribo gestorben war (1031), dichtete ihm Ekkehart eine Grabschrift, 2 ) die übrigens nichtssagender als die meisten seiner Epitaphien ist und sich höchstens durch den gelehrten, aber wenig passenden Schmuck eines sehr inkorrekten griechischen Verses auszeichnet. Übrigens wurde Ekkehart zu Ostern 1030 der Ehre gewürdigt, zu Ingelheim vor Kaiser Konrad und seiner Gemahlin das Hochamt zu singen. Da nun Ekkehart an keiner Stelle Aribos Nachfolger Bardo erwähnt, so hat er wahrscheinlich bald nach dem Tode seines Gönners Mainz verlassen und sich nach St. Gallen zurückbegeben. Hier wurde 1034 Nortpert Abt, der aus. der Schule Poppos von Stablo stammte und die strengere cluniacensische Richtung nach St. Gallen brachte. Die älteren Mönche der Stiftung wollten aber von den Neuerungen nichts wissen, und Ekkehart klagt an verschiedenen Stellen in St. Gallener Handschriften s ) in heftiger Weise über die Neuerer. Aus diesem Geiste heraus aber schrieb er sein berühmtestes Werk, er setzte die von Ratpert bis 883 geführte Geschichte des Klosters St. Gallen fort, wobei er allerdings nicht bis zu seiner eignen Zeit, sondern nur bis auf den Abt Notker gekommen ist. Den Schlußabschnitt hat er wahrscheinlich im Jahre 1053 geschrieben, 4 ) und da er nach einer Glosse zum Orosius in der Handschrift 621 S. 279 den Tod des Papstes Viktor II. erlebte, 5 ) der 1057 eintrat, so hat er kaum in seinen letzten Lebensjahren noch an dem Werke geschrieben, sondern aus irgendwelchen Gründen die Arbeit liegen lassen. In diesem Werk hat er sich mehr Schweigen über die Neuerer auferlegt, und die Fortsetzung der Arbeit bis auf seine Zeit ist vielleicht deshalb unterblieben, weil er sich der Pflichten des Mönches gegenüber dem Abte wohl bewußt war und allzu große Schärfe vermeiden wollte. Gestorben ist Ekkehart wohl um das Jahr 1060. Zeugnisse. Zum Geburtsjahr vgl. Dümmler, Ztschr. f. deutsch. Altertum 14, 1, zur elsässischen Abkunft Egli, Der Liber benedictionum Ekkeharts IV S. I n. 2. Schüler Notkers Cas. s. Galli 80 (hrsg. von Meyer v. Knonau S. 290) Notkerum magistrum nostrum. Zu den poetischen Aufgaben, die Notker stellte, vgl. die Randbemerkungen Ekkeharts zu Bened. 38 (Sangall. 393 p. 136) ed. Egli p. 195 Dictamen diei Notkero magistro und p. 199 Item debitum diei magistro Notkero und vor allem zu Ben. 69 p. 279 Dictamen debitum magistro und die dazu gehörige Glosse hoc et cetera que scripsi, ipse scribi iussit in cartis suis, in quibus ea post inveniens in hac sceda pro locis ascripsi, ut iuvenes nostros in id ipsum adortarer. Zur kritischen Tätigkeit vgl. im Sangall. 621 p. 351 (Orosius) Vtilis multum liber, sed vitio scriptoris mendosus . .. Plura in hoc libro fatuitate cuiusdam ut sibi videbatur male sana asscripta domnus Notkerus abradi et utiliora iussit in locis asscribi. assnmptis ergo duobus exemplaribus que deo dante valuimus tanti viri iudicio fecimus, und p. 321 Has duas lineas nmandas domnus Notkerus scripsit, vivat anima eius in domino. Zum Gedichtzyklus für die' Gemälde zum Leben des hl. Gall vgl. die Ueberschrift (ed. Egli p. 369) Ad picturas claustri sancti Galli Purchardi abbatis iussu. Schulmeister in Mainz Cas. s. Galli 66 (p. 238 ed. Meyer v. Knonau) vidi egomet ipse, Chuonrado imperatore in Ingilinheim pascha agente, sancti I Nämlich Vindob. 289 s. XII und die Engel- 3 ) Vgl. Dümmler, Zeitschr. f. deutsches beiger Blätter, vgl. Bd. 1,613. 2 ) Auch für den Bischof Walther von Speier, der 1030 oder 1031 starb, hat er ein Epitaph gedichtet; beide stehen bei Egli, Altertum 14, 6 und Sackur, Die Cluniacenser 2,253 f. in den Noten. 4 ) Vgl. Meyer v. Knonau, St. Gallische Geschichtsquellen 3. X und 447 n. 1686. Der Liber benedictionum Ekkeharts IV (St. 5 ) Dümmler, Zeitschr. f. deutsches Alter- Gallen 1909) S. 397. 398. | tum 14,1. 36* 564 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Galli monacho scolas Magontiae cürante. Zu Johannes von St. Maximin') vgl. den Prolog II zum Lib. benedictionum (ed. Egli p. 3) lohanni diaconi monacho sancti Maximinipost eius coenobü abbat! und Vs. 26 (p. 5) Hoc exegisti formam dare quando petisti und 80 (p. 9) Exametros plures quam precipiendo rogares, nie dare suadebant ardoreqne perficiebant. Die gelehrte Unterhaltung bei Egli p. 1, wo es heißt Stetimus autem aliquando coram Aribone archiepiscopo . .. qui nos, suis quibusdam se stimulantibtis, quid in hoc nobis videretur pandere monuit; die Belegstellen für die Antwort Ekkeharts vgl. in den Noten Eglis. Der zweite Prolog bei Egli p. 4 f.; hier Vs. 10 ff. die gewöhnliche Zurückweisung antiker Poesieauffassung mit Benutzung der alten Dichter und des Scholiasten zu Germanici Aratea (im Sangall. 902 und 250 s. X). Ekkeharts Bruder Ymmo wird im Nekrologium von St. Gallen 2 ) (V non. Mart.) genannt Ymmo abbas de s. Gregorio diem obiit; die Aufschrift an ihn heißt (p. 281 ed. Egli) Benedictiones ad mensas. Ymmoni abbati de sancto Gregorio fratri ger- mano compacte roganti. Aribos Auftrag wegen der Bilderverse ergibt sich aus der Aufschrift (p. 316 ed. Egli) Versus ad picturas domus domini Mogontine veteris testamenti et novi Aribone archiepiscopo iubente modulati. eligantur qui picturis conveniant. Zur Verbesserung des Waltharius vgl. Gas. s. Galli 80 (ed. Meyer v. Knonau p. 284) et in scolis metrice magistro vacillanter quidem quia in affectione non in habitu erat puer, vitam Wal- tharii manu fortis, quam Magontiae positi Aribone archiepiscopo iubente pro posse et nasse nostro correximus; barbaries enim et idiomata eius Teutonem adhuc affectantem repente Latinum ßeri non patiuntur. Zur Anwesenheit Konrads II. in Ingelheim vgl. Cas. s. Galli 66 (oben). Zur Erhebung Nortperts vgl. Vita Popponis 19 (MG. SS. 11, 305,21 ingessü ... ad s. Gallum . . . Norbertum) und Cas. s. Galli cont. II c. 5 (MG. SS. 2, 155, 38 Mortuus est autem anno domini 1034. Post ipsum suscepit loci nosiri regimina . .. Norpertus de Stafile). Zur Fortsetzung der Casus sancti Galli wurde Ekkehart jedenfalls von seinen älteren Mitbrüderu aufgefordert, vgl. sein Praeloquium zu dem Werke (ed. Meyer v. Knonau) p. 1 Moniti a loci nostri fratribus id opere pretium putantibus, quaedam cenobii sanctorum Galli et Othmari cum infortuniis tradere fortunia, rem arduam aggressi sumus. Daß die Arbeit sich bis auf die eigne Zeit erstrecken sollte, geht daraus hervor, daß er im Praeloquium p. 2 sämtliche Aebte nennt, über deren Regierung er zu schreiben denkt und zwar von Salomo III. bis zu Nortpert. Die Orosiusglosse im Sangall. 621 p. 279 heißt ve ubertati terre eius, in qua tantum talis veneni colligi potest et solet, cum quali et abbas quidam papam ipsum Victorem quidem nuper vicarium Petri etiani martyrio fecit. Dümmler a. a. O. S. 2 und nach ihm Egli p. III setzen Ekkeharts Tod um das Jahr 1060 an. Der Liber benedictionum. Die hierin enthaltenen Gedichte sind nur zum Teil wirkliche benedictiones, denn der bei weitem größere erste Teil der Gedichte sind eigentlich Lob- und Preisgesänge für die Verherrlichung von Kirchenfesten und stofflich der Bibel und der Heiligenlegende entnommen. Diese Dichtungen sind, wie wir oben sahen, Schulübungen und nur dadurch erhalten geblieben, daß Notker sie gesammelt und aufbewahrt hat. Es sind im ganzen 59 Stücke, die dem Gange des Kirchenjahres folgen, dessen Feste sie preisen wollen; unterbrochen wird die Reihenfolge von den Confuta- tiones rhetorice dialectice grammatice in facie ecclesie et sanctorum in drei Stücken, die besonders auf Cicero, ßoethius und Priscian beruhen 3 ) und Widerlegungen der Rhetorik, Dialektik und Grammatik vom christlichen Standpunkte aus enthalten. Die Darstellungsweise in diesen kurzen Gedichten ist nun eine recht eigentümliche. Ekkehart hat nämlich zu den Dichtungen auf das Kirchenjahr einen großen Teil der in St. Gallen befindlichen hagiographischen Literatur benutzt 4 ) und ausgebeutet. Da er aber nur in ganz kurzen Sätzen schreibt, indem er wegen des fast ausnahmslos durchgeführten leoninischen Reims mit dem Hexameter auch meist den Ge- ] ) Vgl. über ihn Dümmler a. a. O. S.4f. I 4 ) z.B. zu XIII in natales. Gregorii, die von Er starb am 11. Juli 1035. : Johannes Diakonus verfaßte Vita s. Gregorii, 2 ) St. Galler Mitteilungen 11,35. ') Zu Ekkeharts Kenntnissen in Dialektik und Rhetorik s. Egli in der Einleitung zur Ausgabe p. XLV f. zu XIV in natale s. Benedicti das Leben Benedikts von Gregor, zu VII de aqua in vinum die Kenntnis der Hohlmaße aus Bedas Homilie in dominica secunda post Theophania usw. Ekkehart IV. von St. Gallen. 565 danken endigen läßt, so tritt die Seltsamkeit ein, daß zum vollen Verständnis der Verse neben diesen auch die Kenntnis der benutzten Vorlage nötig wird. Er hat aus dem Leben der Heiligen sowie aus Hymnen und Sequenzen eigentlich nur Stichworte ausgehoben und die Erzählung der Tatsachen auf das knappste Maß beschränkt. Und er selbst hat eingesehen, daß zum Verständnis allerhand Erläuterungen notwendig seien. Aus diesem Grunde begleitet er seinen Text mit einem sehr ausgiebigen Scholienmate- rial, in das er einen ziemlichen Teil der antiken Literatur hineinarbeitete, die ihm in St. Gallen vorlag; allerdings ist diese auch in den Gedichten selbst reichlich verwertet, wie er z. B. für VII in epiphania Hygin und die Scholien zu Germanicus' Aratea ausschreibt. Bei einigen Gedichten hat Ekkehart zur Belebung des Tons teilweise die Gesprächsform benutzt, 1 ) allerdings vergebens, denn wir lesen überall nur versifizierte Prosa, es waren und blieben eben nur Schulübungen. In den Scholien wird z. B. Cicero, Justin, Solin, Donats Vita Vergilii benutzt, im Texte selbst anscheinend eine Stelle aus Fredegar (XXXIII, 88 f. p. 175). 2 ) Zum Texte ist übrigens zu bemerken, daß Ekkehart die sämtlichen Gedichte einer sehr gründlichen Revision unterzogen und sehr viel darin korrigiert und verändert hat. Hierüber sowie über die benutzten Quellen ist Eglis Ausgabe zu vergleichen, die mit großer Sorgfalt das Nötige verzeichnet. Wenn nun der dichterische Gehalt dieser Poesien gleich Null ist und man aus ihnen eigentlich nur für die Geschichte der Wissenschaft manches entnehmen kann, so ist die zweite Sammlung, die Benedictiones ad mensas, die sich fast nur aus Mono- stichen zusammensetzt, ästhetisch ebenfalls wertlos, aber kulturhistorisch von hoher Bedeutung. Sie besteht aus lauter Segenssprüchen über die verschiedenen Speisen und Getränke, wobei freilich nicht anzunehmen ist, daß das alles im Kloster gegessen und getrunken wurde, was hier aufgezählt wird, die Auswahl wäre doch zu reichlich. Ekkehart geht hier vom Brot aus und wendet sich dann zum Salz, zu den Fischen — darunter Krebs und Biber, aber nicht der Fischotter —, dann zu den Vögeln, wo zuerst der Pfau erscheint, dessen Fleisch unverweslich sein sollte, :) ) daher er als christliches Symbol genommen wurde, 1 ) dann der Schwan; das Scholion zur Wachtel hat wohl seine Richtigkeit, da jeder Jäger vom Rebhuhn dasselbe weiß. Von den Vögeln gehen die Segensprüche zu Haussäugetieren und zum Wild über, worunter noch Wisent, Auerochs und Wildpferd erscheinen. Dann werden die verschiedenen Arten der Milchnahrung aufgeführt, ferner der Honig und die daraus bereiteten Getränke, die Gemüse, Obstarten, Wurzelgewächse, Arzneikräuter, endlich die Getränke, deren Schluß das Wasser bildet. Hiermit schließen die Benedictiones und es reihen sich nun in der Nämlich in I. VIII. XX, außerdem in dazu Manitius, Philol. a. alten Bibliotheks- den Versus ad pict. Mogont. novi testam. 575-598. 2 ) Zu XXV, 41 p. 139 bemerke ich, äa&pam- bizent aus den Voces animantium (Wacker katalogen S. 64 f. 8 ) Augustin civ. dei 21, 4, 1. Eugen. Toi. C. 48,2, Aldhelm aen. tetr. 16, 4. Die Glosse pavo albus zum Fasan kann nagel S. 69) stammt (bambvzare), die schon I insofern richtig gedacht sein, als es Silber- zu XXI, 164 (W. S. 70) benutzt sind. Eglis fasanen gibt. Note zu XXXIX, 43 ist nicht richtig, vgl. | 566 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. . Handschrift die Versus ad picturas an. An die Spitze stellte Ekkehart die Verse zu den Malereien im Mainzer Dom, die er auf den Wunsch Aribos dichtete. Die Sammlung begreift über vierhundert hexametrische Distichen, die Ekkehart hier zur Auswahl stellte, denn an die Ausführung einer so großen Zahl von Gemälden war in keiner Kirche zu denken, wenn auch stets eine ganze Reihe der Distichen für ein einziges größeres Bild gedacht werden sollte. Diese kurzen Gedichte aber sind derart, daß sich in der Handschrift weder eine Anleitung zur Bilderverteilung im Raum der Kirche noch auch zur Komposition der Bilder selbst findet; jedenfalls aber mußten doch solche und ähnliche Arbeiten dem malerischen Entwerfen und Schaffen vorausgehen, so daß die Sammlung trotz aller Dürftigkeit nicht ohne Wert ist. Nämlich man begegnet hier ähnlicher Darstellung wie bei den Segnungen. Ekkehart hatte die Bibel für alle diese kleinen Gedichte zu Rate gezogen und die historischen Bücher der Bibel lieferten ihm die Unterlagen und zwar so, daß die Gedichte ohne Hinzuziehung der Bibelstellen nicht recht verständlich sind. Auf ähnlicher Grundlage beruhen die Verse zu den Gemälden in St. Gallen, die auf Wunsch des Abtes Burkhard TL entstanden. Auch sie sind distichisch gehalten und sie beruhen sachlich auf der alten Vita Galli von Wetti und besonders auf deren Überarbeitung von Walahfrid Strabo. 1 ) Wir haben es hier mehr mit einem Textbuch zu den Gemälden zu tun und es lassen sich deren etwa 24 annehmen. Übrigens hat Ekkehart diese Verse in zwei St. Gallische Handschriften 2 ) eingetragen. Der nächste Bestandteil der Handschrift ist wieder ein ganz schulmeisterlicher Versuch. Nämlich Ratpert, ein Mitschüler des Notker Bal- bulus, Mönch in St. Gallen und Verfasser des ersten Teils der Klosterchronik, hatte in Anlehnung an Wettis Vita Galli und an die mündliche Tradition ein deutsches Gedicht auf den hl. Gall geschrieben. „Damit dies süße Lied auch lateinisch erklinge, habe ich es so treu als möglich aus der barbarischen Sprache übertragen", berichtet Ekkehart indem Vorwort. Auch hier gehört zum wirklichen Verständnis des Gedichts die von Ratpert benutzte Vorlage, und man muß also, da Ekkehart von möglichster Treue spricht, annehmen, daß Ratperts Gesang ganz ähnlich, wie wir es von Ekkehart kennen, sich mit der Erwähnung der Hauptmomente begnügt hatte, also etwa auch nur Stichworte gab. In gewisser Beziehung sticht aber dies Gedicht vorteilhaft von den übrigen darstellenden Poesien Ekke- harts ab, denn es wurde hier, trotz aller Knappheit im Ausdruck, der mono- oder distichische Charakter im allgemeinen verlassen und jedenfalls in Anlehnung an das deutsche Original die Gliederung in Strophen zu fünf Langzeilen gegeben. Die einzelnen Zeilen zerfallen in Halbzeilen, und zwar sind die vier ersten Ganzzeilen gleichmäßig gebaut, die fünfte aber abweichend. Die Halbzeilen sind vierhebig, und zwar hat die erste Hälfte sechs oder sieben, die zweite acht oder sieben Silben. Die erste Halbzeile in allen vier Langzeilen einer jeden Strophe beginnt mit einer Hebung, die zweite mit einer Senkung, die zweite Kurzzeile des fünften Strophenverses setzt 1 ) Vs. 12 ist Horaz Ep. 1, 11, 27 und 50 ist Verg. Aen. 1,174 zum Teil. 2 ) Nämlich außer Sang. 393 noch 168. Ekkehart IV. von St. Gallen. 567 aber auch mit Hebung ein. Die Gliederung der Langzeilen innerhalb, der Strophen ist stichisch gehalten, denn meist steht die erste Langzeile als Einleitung, und die zweite ist mit der dritten, die vierte mit der fünften verbunden. Für die meisten Zeilen ist trochäischer oder jambischer Rhythmus entstanden, da die Senkungen meist einsilbig sind. 1 ) In jeder Langzeile reimen die beiden Kurzzeilen miteinander, öfters in mehrsilbigem Reim. Ekkehart hat das Gedicht im ganzen in drei St. Gallische Handschriften eingeschrieben. Außer diesen Poesien stehen noch einige andere Gedichte in Ekke- harts Handschrift, eine Erklärung des Vaterunser, einige kurze Gedichte für christliche Feste und besonders, an Notker gerichtet, ein aus dem Schulleben genommener Stoff, wo Ekkehart für die Schulfreiheit am Tage nach Epiphanias eintritt und sowohl den Notker ermahnt, die gewohnte Lektüre 2 ) auszusetzen, als ihn auch um Spielfreiheit für die Jugend und um deren Befreiung von Strafen bittet. Eigentlich ist dies das hübschste aller Gedichte Ekkeharts, denn es behandelt den Stoff lebendig anziehend, freilich greift auch hier, wie überall, der leoninische Reim bestimmend und hemmend in die Freiheit des dichterischen Ausdrucks ein. 3 ) Am Ende stehen mehrere Epitaphien besonders auf St. Gallische Mönche, sie sind aber ganz nichtssagend und in Gedanken und Anlage sehr ähnlich; bezeichnend für diese Art und Weise der Dichtung ist der Umstand, daß Ekkehart das letzte Stück Epitaphium cuicumque volueris überschrieb. Alle diese Dichtungen stehen von Ekkeharts Hand im Sangall. 393, die Verse zu den St. Galler Malereien und Ratperts übersetztes Galluslied auch im Sangall. 168, das letztere außerdem im Sangall. 174. Vieles hatte schon Dümmler (Zeitschr. f. deutsch. Altertum 14,33—73) veröffentlicht; die gesamten Dichtungen gab heraus Joh. Egli, Der Liber benedictionum Ekkeharts IV (St. Gallen 1909) mit guter Einleitung und sorgfältiger Bearbeitung. 4 ) Zu dem sehr starken Reim vgl. Bened. XLV1I, 39 f. p. 248, zu der oft sehr fehlerhaften Prosodie z. B. Bened. II, 75. VIII, 12. 13. XX, 165. XXX, 15 usw. Casus sancti Galli. Mit dem Gedanken, Ratperts Werk fortzusetzen, hat sich Ekkehart schon lange getragen, denn die Glosse zu Bened. XLIV, 21 5 ) zeigt deutlich, daß er damals schon den Plan gefaßt hatte. Als Stoff erwählte er sich die im Präloquium dreimal erwähnten fortunia et infortunia loci nostri, die auch schon von anderen (veritati nihil parcentes) dargestellt worden seien. So wolle er auf die Bitten der Brüder das Werk übernehmen, obwohl es Widerspruch erwecken werde, da heute eine leichtsinnige Klosterzucht eingerissen sei. Von Salomo III. wolle er beginnen und die Geschichte bis auf Nortpert fortsetzen, unter dessen Regiment man heute lebe, nicht so wie er oder wie man wolle, sondern wie man eben könne. Ekkehart hat allerdings noch weniger Klostergeschichte geschrieben als sein Vorgänger Ratpert, sondern hat mehr Geschichten von den berühmtesten ') Ueber die rhythmische Anlage und die strophische Gliederung des Gedichts hat W. Meyer in den Nachrichten von der Göttinger Ges. d. Wiss. philol.-hist. Kl. Jahrgang 1908 S. 52 ff. vortrefflich gehandelt, der auch zu Str. 1, 2 eine Besserung vorschlägt. s ) Genannt werden der auch benutzte Per- sius, Vergil, Lucan, Statius, Horaz, Ovid, Juvenal. 3 ) N. 4 an Abt Burkhard ist so gehalten, daß alle Worte mit p beginnen, wohl in Anlehnung an Hukbalds Ecloga de calvis. 4 ) Doch ist S. 382 Ratpertus zu schreiben nach der auf p. 246 folgenden Wiedergabe von Sangall. 393 p. 247. 6 ) Batpertum Tuotilonem Isonem et alios multos scribenäos quidem (Egli p. 225). 568 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Klosterbrüdern dargestellt, wie man ja überhaupt in St. Gallen zur eigentlichen streng historiographischen Tätigkeit nie besonders neigte. Der erste Teil will von den Schicksalen des Klosters unter Salomo III., dem Abtbischof erzählen. Die Reichsstellung dieses Kirchenfürsten brachte es aber mit'sich daß Ekkehart weit über die Angelegenheiten des Klosters hinausgehen mußte, so daß Reichs- und Klostergeschichte vielfach miteinander verbunden wird. Dann J ) erzählt Ekkehart von Iso und seinen Schülern sehr ausführlich, um hierauf eigentlich zuerst unter den Äbten Hartmann und Engilbert zur Klostergeschichte zu gelangen, die sich dann, allerdings mit großen Unterbrechungen und Abschweifungen, in denen besonders wieder von berühmten Mönchen erzählt wird, bis zum Ende fortsetzt. So ist von einer strengeren Komposition des Werkes ganz abgesehen und ebenso ist die Chronologie der Ereignisse oft in arge Verwirrung geraten. Denn für die richtige Folge der Zeiten hat Ekkehart wenig Interesse, es kommt ihm besonders darauf an, die alten Zeiten in hellen Farben darzustellen, die Gegenwart aber düster zu schildern. Aus diesem Grunde bleibt sich Ekkehart auch in der Charakteristik der Personen oft nicht gleich, sein Urteil fällt nach den Verhältnissen aus, unter denen er schildert. Das liegt aber auch daran, daß er das Archiv des Klosters unberührt ließ, das ihm doch sehr viel geboten hätte. Er benutzte aber einige verlorene Schriftwerke 2 ) und als Hauptquelle wohl die mündliche Klostertradition, die sich in vielen Punkten nicht nur als ungenau, sondern auch als unglaubwürdig und zu gewissen Zwecken als gefälscht herausgestellt hat. 3 ) Außerdem verwendet er sagenhafte Züge und bezüglich der Reichsgeschichte laufen ihm wirklich grobe Irrtümer unter. Das Endurteil über das Werk muß daher lauten, daß Ekke- harts Casus s. Galli zwar nicht als eigentliche Geschichtsquelle betrachtet werden dürfen, daß sie aber einen großen Schatz von kulturgeschichtlichen Schilderungen bieten. Außerdem ist Ekkehart unstreitig einer der besten Erzähler des Mittelalters gewesen, und seine behagliche Breite, die ihn auch das Kleinste nicht übergehen läßt, erinnert oft an das Epos. Glücklich sind viele seiner Charakteristiken und von hohem Reiz sind die vielfach eingeflochtenen Einzelgeschichten, die häufig ein merkwürdig helles Licht auf Personen und Zustände werfen. So muß der Historiker in der Benutzung dieses Werkes sehr vorsichtig sein, aber einem Dichter wie Scheffel hat die Klostergeschichte Ekkeharts wunderbar ffein ausgeführte Einzelzüge geliefert, die er dem großen Gesamtbild, das er von der Zeit schuf, einverleiben konnte. Die Prosasprache Ekkeharts ist wie die seiner Verse nicht eben gewandt und klar zu nennen, sein Latein ist oft dunkel und gesucht und vielfach unbeholfen, jedenfalls nicht allseitig für den literarischen Gebrauch durchgebildet, 1 ) es macht einen fast volkstümlichen Eindruck. Einzige alte Handschrift: Sangall. 615 s. XII— XIII p. 51—307 (vorher Ratpert), von mehreren Händen geschrieben. Ausgaben: v. Arx, MG. SS. 2,74—147 und besonders von ') Kap. 30-46 S. 116-165 ed. Meyer i p. XLVIII—LVII. v. Knonau. 4 ) Auf einige Besonderheiten macht Meyer 2 ) Vgl. die Einleitung Meyers v. Knonau v. Knonau in der Einleitung p. LXXX1V p.XLIIl. aufmerksam. Jedenfalls bedarf diese volks- 3 ) Meyer v. Knonau in der Einleitung tiitnliche Sprache weiterer Untersuchung. Amarcius. 569 Meyer v. Knonau, St. Gallische Gesuhichtsquellen III, St. Gallen 1877 (= Mitteil. z. Vaterland. Geschichte, hrsg. vom Hist. Verein in St. Gallen, N. F. Heft 5 und 6) mit ausführlicher Einleitung und vortrefflichen Noten. Dümmler, Zeitschr. f. deutsch. Altertum 14, 1—73. Wattenbach 7 1,441 f. 100. Amarcius. Von den Lebensumständen dieses Dichters ist nur wenig bekannt. Er nennt sich in dem Widmungsgedicht Sextus Amarcius Gallus Piosistratus, mit welchen Pseudonymen aber ebensowenig anzufangen ist als mit den Namen des Mannes, an den die Widmung des Werkes gerichtet ist, Can- didus Theopystius Alchimus. Das Wort Amarcius 1 ) könnte man, da es wohl „der Unkriegerische" bedeutet, fast als Übersetzung von Friedrich auffassen. Das Wort Gallus bereitet Schwierigkeiten, wenn man nicht annehmen will, daß es „Westfranke" bedeutet. Dem widerspricht aber eigentlich die deutsche Nationalität des Verfassers. Mit den Angaben Hugos von Trimberg und des Theoderich Engelhuus, daß Amarcius aus Zürich oder aus dem Thurgau stamme, läßt sich freilich nicht viel anfangen, da sie wohl aus 1, 352 2 ) unrichtig erschlossen sind. Aber eine ziemlich ausgedehnte Erzählung über die Mildherzigkeit Heinrichs III. zur Zeit der großen Hungersnot von 1043—1044 und über die schrecklichen Schicksale, die ein gewisser Beradon zu Speier in derselben Zeit erlebte, führen uns in die rheinischen Gegenden und in die letzten Zeiten Heinrichs III. Ja Amarcius ist nach Traube vielleicht selbst ein Zögling der Speierer Schule gewesen; er stammte dann wohl aus den rheinischen Landen, wozu die große Beweglichkeit seines Geistes gut stimmen würde. Daß er Geistlicher 3 ) war, ergibt sich aus seinem Gedicht, und die lange Einschaltung eines von ihm früher nachgeschriebenen Vortrags seines Lehrers Eufronius — dieser Name ist unzweifelhaft auch Pseudonym — von Buch 3 Kap. 5 De Eufronio docente quod omnia in caritate condita sint bis 4, 1 Huc usque Eufronius, docto parete magistro beweist, daß er in seiner Jugend den gewohnten Unterricht genossen hat; er gibt sogar 3, 571 ff. und 578f. Einzelheiten aus diesem Unterrichte an. Es scheint aber, daß er Mönch war, denn einmal sagt er (3, 739 f.), daß die Mönche sich freiwillig von dem Glänze der Welt getrennt hätten, 4 ) sie zu beschuldigen komme ihm aber weder zu, noch habe er es im Sinne. Ob er selbst Lehrer war, bleibt durchaus zweifelhaft, da die Worte des Theoderich Engelhuus „er dichtete eine neue Sprachlehre für die Jugend und verfaßte auch ein schönes proso- disches Werk" sich auf das 11. Jahrhundert gar nicht beziehen können, indem von einem Doctrinale novum doch erst nach der Zeit Alexanders de Villa dei (1199) gesprochen werden kann; ts hat hier irgendeine Ver- ') Der Name Amarcius findet sich weder- 1 fiunt modo signa? (signa= Wunder), bei Förstemann (Altdeutsches Namenbuch) | 4 ) Das bezieht sich aber hier nicht auf noch bei Socin (Mittelhochdeutsches Namenbuch). J ) iVec tu luriacc labes deterrima penne (p. 13 ed. Manitius). ') Allerdings ziemlich freier Richtung, wie die Worte 3, 718 f. ergeben Quis nunc etiam prece curat Languentem quemquam? Curnon die Folgen der Cluniacenserreform. E.Voigt (Wochenschr. f. kl. Phil. 1889 Sp. 295) hält den Ämarcins nicht für einen Mönch, sondern für einen fahrenden Kleriker, der in der kaiserlichen Kapelle oder in einem Kapitel oder auf dem Katheder eine Lebensstellung suchte. 570 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wechselung Platz gegriffen. Nach Traube wäre es möglich, daß Amarcius noch zu der Zeit, als er sein Gedicht schrieb, der Speierer Schule angehörte; vielleicht hat er auch eine Zeitlang der näheren Umgebung Heinrichs III. angehört, da er sich über diesen Fürsten länger ausläßt. Und zwar führt jene Stelle in die Zeit nach Heinrichs Kaiserkrönung, also nach 1046, da er ihn 3, 141 Romane sceptriger arcis nennt. Aus dem Gedicht ergibt sich aber für die Persönlichkeit des Dichters zunächst, daß «r nicht geringe Kenntnisse in der Medizin besaß; er drängt dergleichen Dinge mit einer gewissen Absichtlichkeit hervor, und es ist danach vielleicht nicht abzuweisen, daß er die Medizin auch praktisch ausübte. Außerdem aber beweist sein Werk, daß er eine ungewöhnlich große Kenntnis der alten Literatur, besonders der Dichtung besaß und daß also seine Schulbildung eine sehr tüchtige gewesen ist; das ergibt sich aber auch aus den formalen Bedingungen seines Gedichts. Streitig ist, ob Amarcius schon früher Gedichte geschrieben hatte. Man könnte nämlich aus 1, 7 f. diese Frage bejahen, wenn ich auch zugebe, daß Traubes Interpretation der Stelle ebenso möglich ist. Doch beharre ich bei meiner früheren Ansicht, es scheint mir nämlich undenkbar, daß ein Mann, der das Leben so wie Amarcius kennt, sich als tenerr pubertatis alumnus bezeichnet. Zur Schöpfung eines solchen Werkes wie diese Sermones gehörte ein Mann, der nicht nur das Leben und die Welt vielfältig und eingehend beobachtet hatte, sondern auch langjährige Studien in der alten Literatur gemacht haben mußte. Ich glaube daher, daß Amarcius hier den älteren Freund darum bittet, er möge über der jetzigen Gabe die frühere vergessen, die er einst in früher Jugend im Vertrauen auf die göttliche Hilfe und Eingebung gewagt habe, und ich verstehe darunter ein Gedicht religiösen oder kirchlichen Inhalts. Amarcius schreibt nun dem Freunde, daß er habe sehen müssen, wie sich zu seiner Zeit die Sitten der Vorfahren ins Gegenteil verkehrt hätten, und er daher den Entschluß gefaßt habe, darüber zu schreiben, um die Jetztzeit zur Umkehr zu bewegen. Freilich habe er geschwankt, aber die Rücksicht auf das öffentliche Wohl habe ihm die Feder in die Hand gedrückt. 1 ) Mit der üblichen Bescheidenheitsphrase schließt die Widmung zu dem Gedicht, dem Amarcius wohl nach Horazens Vorgang den Titel „Sermones" gab. Sermones. Die Gesprächsform, in der Dialog und Monolog häufig abwechseln, hat dem Gedichte zu großer Lebendigkeit und Frische ver- holfen, doch ist der Stoff hierfür auch bedingend geworden. Der Grundgedanke des Ganzen ist die Darstellung der Gebrechen der modernen Menschheit, um zu heilen und zu kessern. Die Einteilung in vier räumlich sehr verschiedene Bücher entspricht mehr der Gewohnheit als einem inneren Zwange. Im ersten handelt der Dichter vom Geiz, von der Begierde, dem Stolz, der Üppigkeit und dem Neid, das zweite stellt den Unglauben der Juden sehr eingehend dar und schließt mit erneuter Behandlung des Neides sowie mit der Zwietracht; so weit erstreckt sich die Aufdeckung der menschlichen Fehler und Gebrechen, 2 ) während nun in der zweiten Hälfte des ') Also gewissermaßen ähnliche Gedanken I 2 ) Mit dem Tadel über die glänzende Auf- wie Juvenal Sat. 1,22—30. | nähme der Franzosen vgl. den Brief Sigifnds Amarcius. 571 Gedichts über die Tugenden gehandelt wird, die diese Gebrechen heilen können; das dritte Buch spricht von Mäßigkeit, Keuschheit und Demut und stellt in seiner zweiten Hälfte die Christenlehre des alten Lehrers Eufronius dar, den Amarcius in seiner Jugend gehört hatte. Das vierte Buch preist den Glauben, die Weltflucht und die Duldsamkeit und schließt nach Zeitsitte mit einem doxologischen Gebet. Nun sind solche Gedanken der christlichen Kirche immanent, aber besonders konnten sie sich offenbaren, als die Cluniacenserreform längst eingesetzt hatte und Rückkehr zur alten geistlichen Strenge verlangte. Außerdem aber war der berühmte Abt Odo von Cluni'mit ähnlichem Stoffe vorangegangen, der nämlich in seinen sieben Büchern Occupationes ein moralisches Lehrgedicht geschaffen hatte. Das Gedicht kennt Amarcius, erwähnt es allerdings nicht, trotzdem er sich ihm vielfach anschließt. 1 ) Aber der rheinische Dichter weiß aus seinem Stoffe doch etwas ganz anderes zu gestalten als der ernste Reformabt. Er schließt sich zwar auch wie dieser der Bibel und den Kirchenvätern an, doch weiß er durch Züge, die er dem wirklichen Leben ablauschte, seinem Werke eine wunderbare Frische und Lebendigkeit zu verleihen. Und da er die römischen Satiriker aufs genaueste kannte, gelang es ihm, durch Anwendung ihrer Kunstmittel, besonders des Gesprächstones, bei der Bekämpfung moderner Unsitten scharfe Schlaglichter auf das Leben der Großen, der Weltgeistlichen und der Emporkömmlinge zu werfen. Die satirische Behandlungsweise verleitet ihn wohl zu mancher Einseitigkeit, und man kann ihm den Vorwurf nicht ersparen, daß er einzelne Vorkommnisse typisch aufgebauscht hat, aber auf der andern Seite ist trotz der langen Exkurse über den Unglauben der Juden und über die Christenlehre des Eufronius eine solche Anschaulichkeit und Lebensfülle in seinem Werke vorhanden, daß es sich weit über die Dichtungen der Zeitgenossen erhebt. Mit dem Auge des Dichters hat Amarcius das Leben seiner Zeit betrachtet und von arm und reich, hoch und niedrig, von Geistlichen wie von Laien die deutlichsten Bilder in sich aufgenommen, die er mit einer gewissen kecken Anmut und oft mit scharfem Witz und sprühender Lebendigkeit in seiner Dichtung wiedergibt. Insofern steht er für lange Zeit einzig da, und man kann wohl sagen, daß er in seiner geistreichen Gedankenverbindung die römische Satire oft erreicht. Besonders war Horaz sein Vorbild, dem er in Ausdruck wie Stil treu folgt, obwohl er ihn nur an einer Stelle (4, 299) anführt. Seine Benutzung des großen Satirikers ist freilich eine ganz andere, viel mehr innerliche und geistvolle, als die unverarbeitete und zentonenhafte des Verfassers der Ecbasis captivi; und doch tritt sie so stark hervor, daß schon Hugo von Trimberg davon zu erzählen weiß. Amarcius ist also kein bloßer geistlicher Redner und Moralprediger, sondern ein wirklicher Dichter, er ist der älteste erhaltene große Satiriker des Mittelalters. Mit seiner geistigen Richtung hängt es aber wohl zusammen, daß man nicht viel von ihm wissen wollte, sein Werk war dazu angetan, die Bedeutung und die hohe Geltung des geistlichen Standes herabzusetzen. von Gorze (1043) bei Giesebrecht, Gesch. I bitter über die fremde Tracht beklagt. d. deutsch. Kaiserzeit 2,718 {Unum tarnen ' *) Vgl. Manitius, Mitteil. d. Instituts f. est — excogitare festinant), wo sich der Abt | österr. Geschichtsforschung 24, 1861 572 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Es ist daher nur wenig abgeschrieben worden, die spärliche Überlieferuno- weist nur nach Deutschland und eine einzige Handschrift hat sich von ihm erhalten, die im Peterskloster zu Merseburg entstand. Was das Äußere der Dichtung anlangt, so erklärt sich aus ihrem Wesen eine gewisse Dunkelheit in der Sprache und im Ausdruck, der oft sprunghafte Ton verträgt sich nicht mit glatter und wortreicher Darstellung. Dazu kommt die Vorliebe des Amarcius für seltsame und ungewöhnliche Wörter, auch finden sich mehrfach für uns unverständliche Anspielungen. 1 ) Prosodie und Metrik sind nach guten Mustern gebildet und zeugen von fleißigem Studium der alten Dichter, und der 3, 270 ff. gegen die christlichen Poeten ausgesprochene Tadel betreffs ihrer Form läßt erkennen, wie hoch Amarcius die klassische Poesie schätzte. Wie schon erwähnt, handelt er öfter über medizinische Dinge und dabei erwähnt er allerhand Pflanzen, spricht aber auch von Tieren, wobei er physiologische Literatur benutzt. Besonders gern führt er, gemäß dem Charakter seiner Dichtung, Sprichwörter an und er hat wahrscheinlich eine größere gnomische Verssammlung dazu benutzt, 2 ) da sich viele einzelne gnomische Verse bei ihm leoninisch gereimt finden, während er im allgemeinen den Reim nicht bevorzugt. Zeugnisse. Der Dresd. A 167 a beginnt f. 1* mit dem Widmungsgedicht, Aufschrift Incipit epistola Sexti Amarcii Galli Piosistrati ad Candidutn Theopystium Alchimum. Ich hatte in meiner Ausgabe p. IX f. (Lips. 1888) das Wort Gallus als Franzose gedeutet, mochte das aber nicht mehr aufrecht erhalten, da die deutsche Abkunft des Amarcius viel wahrscheinlicher ist. Hugo von Trimberg spricht von ihm im Registrum multorum autorum 3 ) (ed. J. Huemer, Wiener SB. 116,174 f.) 501 Sequi tur Amarcius doctor veritatis, Catholicus satiricus, amator Konestatis, Turiaca provincia secus Alpes natus, Horatium in satiris suis imitatus. Scripsit hie temporibus Cesaris Heinrici, Sed cuius, cum plures sint, nequit a me dici: Beor tarnen quod fuerit Ueinrictis ille pius, Qni verbis et operibus totus erat dius. Quatuor nominibus est auctor is vocatus Sextus et Amartius Gailus Piosistratus. Liber lue in quatuor iibros est divisus Et quisquis in varios sermones subdivisus. Hec de his sufficiant, ne velut ignarus Amartium pdsuerim, cum sit auctor rarus. Außerdem erwähnt ihn Hugo im Renner Vs. 9351 (ed. G. Ehrismann 1,389 = Bibliothek d. lit.Ver. zu Stuttgart Bd. 247) Amarcius und Ovidius (vorher Horaz und Vergil). Und Theuderich Engelhuus erwähnt ihn in seiner Chronik (Leibniz, Scriptores rer. Brunsvicensium 2,1092) Amarcius poeta damit in Turego, qui pulchrum doctrinale novum dietavit pro pueris qui etiam pulchrum Grecismum composuit. Die Stelle über Heinrich III. steht 3, 141 Tercius Henricus Romane seeptriger arcis „Frange tuum panem, deus hoc iubet, esurienti Et nudos operi" mira est pietate se- cuius ■. ■ Tempore quo multis spoliavit civibus orbem Inportuna fames et mille cadavera stravit; Nonnullosque malis marcentibus ipse paterno ... recreavit more pttsillos. Preterea innumeros nummis aluisse dhirnis Dicitur ille, niger donec discesserat annus. Die Stelle über Patricius und Beradon schließt sich an 3, 154 Patricii pia facta canäm, qui tempore eodem Permultos pulso leti precone refecit. Inier quos macrum decrassavit Beradontem, Qui languens Spire, gravis est ubi spiritus aure, Viginti exequiis, dictu miserabile, tandetti est Semianimis mixtns; die Geschichte setzt sich fort bis 3,179 Iluic predictus lierus mul- tisque stipendia fertur Suppeditasse aliis. Zu Traubes Vermutung vgl. Anzeiger f. deutsch. Altertum 15, 198, wo auch Büdingers Ansicht, Adelmann von Lüttich solle in seinem Rhythmus B 3 auf 3,157 anspielen können, zurückgewiesen wird. Die große Stelle über die Christenlehre des Eufronius beginnt 3, 571 Partus ego vidi, certa si mente recordor, Eufronium, de quo memorabant tunc quod in eius Pectore verus amor consisteret, illecebrosa Omnia respueret solitus sie dicere: „Fratres scismaticos fugite et vinetos anathemate sie ne Vel dicatis ave." Nimmt man hierzu 3, 578 Hec cum diseipulis iteraret sedulus, unus Ex Ulis ait: „Hoc nobis, pater optime, fedus exprime" . .. Et ille: „Hoc fedus deus est' etc., so wird doch klar, daß Amarcius von einer Tatsache spricht, die er selbst erlebt hat, und ') Vgl. 1, 352. 2,589. 4, 252. (dort muß es aber Amarc. 3, 762 heißen) und 2 ) Vgl. J. Werner, Lat. Sprichw. u. Sinn- , Mift. d. Inst, für österr. Gesch. 24, 191 f. Sprüche des Mittelalters S. 84 R5 und Ma- 3 ) Die Dichtung ist im Jahre 1288 ge- nitius, Deutsche Literaturzeitung 1912, 1958 schrieben. Amarcius. 573 danach kann Eufronius nicht der alte Bischof von Tours aus dem 6. Jahrhundert sein. 1 ) In die Christenlehre des Eufronius hat Amarcius aber wohl eigene Lehren vermischt, wie seine Stellung zum Möuchtum 3, 739 Monachris a pompis mundanis sponte recessit; Obiurgare illum hon multum pertinct ad me Nee cupio. Aus der oben gegebenen Stelle über Heinrich III. (3,141—150) geht aber nicht hervor, daß Amarcius alsbald nach dessen Kaiserkrönung schrieb, sondern das kann auch erst in den letzten Jahren von dessen Regierung geschehen sein; allerdings möchte ich diese Zeit und nicht die Heinrichs IV. als Entstehrrhgszeit festhalten, da der Dichter des Kaisers sonst wohl anders gedacht hätte. Medizinische Kenntnisse des Dichters ergeben sich aus 2,48. 75 f. 528 f. 571. 3,16. 70 f. 74. 79f. 139.214. 445 f. 4, 415 f.419. 463 f.; vgl. meine Ausgabe p. Xf. und Traube a. a. 0. S. 199, der nachweist, daß 3,573 f. auf Q. Serenus 795 zurückgeht. Zur Literaturkenntnis vgl. meine Ausgabe p. XV ff. und die Fußnoten, außerdem Traube S. 200 ff. Zu früherer Beschäftigung mit der Poesie vgl. 1, 5 hoc excipe Carmen Contextum crasso pectoris igniculo, Oblüus tenere qnod pubertatis alumnus Confisus domino cejitus ausus eram.' 1 ) Veranlassung zu dem Werke 1, 11 Perverti mores habitos maioribus hoc in Tempore pertraetans vir tenui lacrimas. Hinc carptim priscos intendi scribere ritus Uis, qui nunc degunt, ferre ' volens reduces. Sed cum taJis adhuc titubaret mente libido, Publicus herentem scribere iussit amor. Bescheidenheit 1, 17 Non ergo te rusticitas deterreat eins, Versibus altisonis non opus omne viget. Aus 1,1—5 aber dürfte hervorgehen, daß Theopystius ein bejahrter, höherer Geistlicher, wahrscheinlich ein Abt war. Sermones. Die Dresdner Hs. hat keine Aufschrift und nur die Subskription f. 37 a e.vplicit Über amarcii, doch gibt der alte Marienfelder Katalog (Kindlinger, Allgem. literar. Anzeiger 1800 S. 523) den wirklichen Titel Liber sermonum amarcii metrice, den Hugo von Trimberg mit in satiris suis umschrieben hat. Zur Würdigung des Werkes vgl. Manitius, Deutsche Rundschau 29, 120 f. Aus dem Inhalt nenne ich: 1,122 — 183 die Habsucht der Geistlichkeit, 1,228-248 die Wollust der Großen, 1,301—330 das Prahlen des Emporkömmlings, 1, 360—456 die Ueppigkeit der Reichen — hier sind interessant die 439 ff. berührten Stoffe der fahrenden Sänger: David und Goliath, 3 ) Sage vom Schneekind, Finden der acht Töne durch Pythagoras, Nachtigall —, 2. 517—540 der Neid des Emporkömmlings, 8,65—80 der Schlemmer, 3,90—102 der Geizige, 3, 103—123 der Verschwender u. a. Die einzelnen Szenen sind oft von überraschender Anschaulichkeit und dem Leben unmittelbar abgelauscht. Die Stelle über die heidnischen und christlichen Dichter (mit Traubes Verbesserung a.'a. O. S. 201) heißt Nunc, agc, Nasoni, nunc Gallo, nunc luvenali Et Parce par- cant et Gratia sit pia. Verum Alchimus, Arator, Sedulms atque luveneus Non bene tornatis apponunt regia vasis Fercula. Miror eos, non audeo vituperare. Pflanzennamen 4 ) wie 3,214 boglossnm, 4, 464 gamandrea, 4, 418 piponella, 2,528 saxifrica. Für die aufgeführte Tierwelt kommen physiologische Quellen in Betracht, vgl. Traube S. 199 und Manitius, Mitteil, d. Inst. f. österr. Gesch. 24, 188f.; daselbst S. 192 Benutzung von Phaedrus 4, 19,2 f., sowie S. 191 n. 1 und Ausgabe p. 105 Sprichwörter. Ueberlieferung. Die älteste Erwähnung geschieht im Katalog von Marienfelde s. XIII, vgl. oben, nämlich keine frühe mittelalterliche Literaturgeschichte, auch nicht die Sigeberts von Gembloux kennt den Dichter. Erst Hugo von Trimberg gedenkt seiner ausführlich im Registrum multorum auetorum 501 ff. (ed Huemer, Wiener SB. 116, 174 f.) und zwar so, daß er eine Handschrift des Dichters eingesehen haben muß (vgl. oben), außerdem im Renner Vs. 9350 f. Oracius und Virgilius, Amarcius und Ovidius, wo er also unter den giofäen römischen Dichtern erscheint. Hugo hat aber die uns erhaltene Hs. nicht gekannt, denn er führt am Ende seines Berichts Vs. 515 f. die Verse 1, 1 f. mit der Lesung Theopisti uud 1, 23—25 mit der Lesung et easdem spergere flüu an, was zum Dresdensis nicht stimmt. Eist im 15. Jahrhundert 5 ) wird Amarcius dann von Theoderich Engelhuus in seiner Weltgeschichte (Leibniz, Script, rer. Brunsv. 2, 1092) angeführt (vgl. oben); seine Angabe claruit in Turego ist aber wahrscheinlich dem Hugo entnommen, während alles übrige irrtümlich Vgl. auch Traube, Anz. f. deutsch. I 4 ) Vgl. meine Zusammenstellung für Tiere. Altert. 15,197. Die scismatici sind hier wohl die simonistischen Priester, die dem Bann vei fielen {vinetos anathemate). 2 ) Daß meine Auffassung gegenüber der Traubes die richtige ist, ergibt das Wort Oblitus, das nur mit Candidus, aber nicht mit Amarcius verbunden werden kann, außerdem spricht Vs. 8 eram deutlich für die Vergangenheit. 3 ) Traube a. a. O. S. 200 verknüpft hiermit die Bezeichnung Goliarden. Pflanzen und Steine u. dgl. Mitteil. d. Inst. f. österr. Gesch. 24, 188; Quellen für die botanischen Kenntnisse daselbst S. 190. 6 ) Bei Vincenz von Beauvais findet sich keine Erwähnung des Dichters. Auch Fa- bricius kennt ihn in seiner Bibl. Lat. med. et infimae aetatis nicht. Da auch Sigebert, der Anon. Mellicensis und Honorius Augusto- dunensis nichts von ihm wissen, so sind die Worte Hugos von Trimberg cum sit auetor rarus sachgemäß. 574 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. gesagt wird. Nun ist Theoderich 1419 zu Erfurt immatrikuliert worden und hätte vielleicht im Merseburger Peterskloster die Dresdner Hs., die von dort stammt, einsehen können. Das ist aber ganz unsicher, da in seinen Worten nichts darauf hinweist. Benutzt aber wird der Dichter noch im 11. Jahrhundert von dem Franzosen Eupolemius im Messias, wie ich in den Noten zu meiner Ausgabe (Romanische Forschungen 6,509—556) und Mitteil, des Inst f. Osten*. Gesch. 24, 195 nachwies. Möglich wäre auch, daß Galfredus de Vino salvo in seiner Nova poetria 624 ff. (ed. Leyser, Hist. poemat. et poet. p. 895 f) die Verse 3, 255 f. benutzt hat, die hier sehr ähnlich klingen. — Einzige Hs. Dresdensis A 167 a f. 1 a —37 :l ; daraus druckten Stücke ab Haupt, Der. über d. Verb. d. ßerl. Akad. 1854, 160 f.; Herschel im Seiapeum 16, 93-96. 110 f. 121 — 126; Büdinger, Aelteste Denkmale der Züricher Literatur 6 f. 25 f. (Nachträge in Anz. f. Schweiz. Gesch. u. Altertumskunde 1868, 89 f.); Steindorff, Jahrb. A. Deutsch. Reichs unt. Heinrich 111. Bd. 1,191 und n. 3. 4, S. 197 und n. 3. Vollständige Ausgabe von Manitius, Sexti Amarcii Galli Piosistrati sermonum libri IV, Lips. 1888; Rezensionen vonL. Traube, Anz. f. deutsch. Altertum 15,195—202; vonE. Voigt, Wochenschr. f. klass. Phil 1889,292; von Wattenbach, Deutsche Literaturzeitung 1889, 1382; von Petschenig^ Berl. phil. Wochenschr. 1889, 565 (alle mit kritischen Nachträgen). Kritische Nachlese aus der Hs.Manitius, Mitteil. d. Inst. f. österr. Gesch. 24,185 f. — Vgl. Schinz, Schweitzerisches Museum 1790, 745 f.; G. Morel, Neues Schweiz. Museum 1865, 49. Wattenbach 2,3. Bursian, Gesch. d. Philologie 1, 69 f. 101. Manfred von Magdeburg. Manfred oder Meginfrid war in den letzten Jahren Heinrichs II. Lehrer zu Magdeburg und ist wegen seiner Beziehungen zu dem Regensburger Mönche Arnold bekannt, auf dessen Bitte er das alte Leben des hl. Em- meram überarbeitete, 1 ) wozu er sich lange Zeit nahm. Es ist nun nicht unwahrscheinlich, daß dieser Meginfrid mit einem Manfred gleichzusetzen ist, 2 ) der ein längeres komputistisches Gedicht verfaßt hat. Denn erstens paßt eine solche Arbeit für den Lehrer an einer Domschule recht gut, und zweitens stimmt die Zeit beider insofern, als Meginfrid, der in einem kurzen Gedichte Arnolds als Manfred erscheint, diesem sein Leben Em- merams 1030 übersandte, und Manfred jenes Gedicht über den Komputus im Jahre 1050 verfaßte. Wenn er sich nun in dem Gedichte Vs. 347 f. darüber ausspricht, daß er über den Saltus lunae, wenn Gott wolle, ausführlicher handeln werde, und Vs. 451 sagt, daß er über die Zeiten der Sonnenfinsternisse anderwärts im Gedicht sprechen wolle, so scheint damit noch nicht gesagt zu sein, daß er damit nicht das vorliegende Gedicht meint, denn die erste Stelle findet wenigstens Vs. 396 ff. eine deutliche Anknüpfung, denn es heißt dort, daß er nun sein Versprechen über den Saltus lunae einlösen wolle. Das Gedicht faßt 901 Hexameter und zerfällt in eine große Anzahl Abschnitte, deren Inhalt sich nicht selten in anderen wiederholt. Es ist durchaus auf Bedas Werken de temporibus und de ratione temporum aufgebaut und bringt nichts Selbständiges. Die Hauptquelle wird aber nirgends genannt und nur Vs. 67 wird Macrobius aus Beda für die Behandlung des Tierkreises angeführt. Der Inhalt ist folgender. Manfred erläutert kurz die Begriffe des Sonnenjahrs und des Sonnenkursus wie des Mondjahrs und seines Kursus, spricht über die Jahreszeiten, ziemlich ausführlich über die Wochentage, über die Sternbilder des Zodiakus mit ihren Witterungserscheinungen für die Erde, über den Schalttag und eingehend über Herkunft und Bedeutung der Monatsnamen. Dann handelt er über ') Vgl. unter Arnold von St. Emmeram. 2 J Nach Val. Rose, Die Meermanhandschriften d. kgl. Bibl. zu Berlin S. 310. Manfred von Magdeburg. 575 die Regulären, deren Namen er stets wegen der metrischen Schwierigkeit in Redigularen verändert, 1 ) über die Epakten, den Saltus lunae, über Auf- und Untergang der Sonne und über Sonnen- und Mondfinsternisse.' Daran schließen sich Abschnitte über die Jahre seit Anfang der Welt, über die Zyklen, über die Auffindung des Inkarnationsjahres und der Indiktion, über die Epakten und Konkurrenten und endlich über Ostern. Zum Schluß kommen noch einige persönliche Verse: „Manfred wünscht nun auszuruhen und Plato befiehlt es ihm." Nach einer Anrufung der Maria werden die Brüder 2 ) aufgefordert, dem Dichter Dank abzustatten, der am Ende bemerkt, daß er den ersehnten Hafen nun erreicht habe. 3 ) Hieraus ergibt sich, daß man es in dem Gedicht nur mit einer metrischen Übung zu tun hat, die durchaus schulmäßig gehalten ist und zu der Manfred vielleicht durch seine Mitbrüder aufgefordert worden war. Der Stoff des Gedichts, das im ganzen ziemlich kurz gehalten ist, brachte es mit sich, daß poetische Ausmalungen fast ganz unterbleiben, und daher treten auch nur ganz selten Anlehnungen an die alte Dichtung, und zwar nur an Vergil, hervor. Übrigens stehen die prosodischen Kenntnisse Manfreds auf recht schwankenden Füßen, es zeigen sich recht viel Fehler. Dem Manfred wird unrichtigerweise außerdem ein kleines komputi- stisches Stück In primo igitur anno embolismi in endecade sunt epacte XX. etc. in alten Bedaausgaben beigelegt, das ihm aber nicht gehören kann, da sich dies Stück schon in einer alten Handschrift aus Fleury, dem jetzigen Berol. Meerm. 138 f. 22 b findet, 4 ) dort aber von einer Hand des 10. Jahrhunderts geschrieben ist, also auf Manfred unmöglich zurückgehen kann; die in den Ausgaben befindliche Überschrift eiusdem Manfredi embolismorum ratio ist danach irrtümlich. Zeugnisse. Zu Arnold und Meginfrid vgl. MG. SS. 4, 547, 13 Ibi simulando me scire quod nescio, Meginfredum Parthenopolitanum magistrumpauculis beneficiisparavimihiamicum. Hunc dum audirem frequenter disputare sapienier, mirabar eius ingenium, ex quo et ipse agnovit meum Studium. Intel' familiäres autem consermocinationes stilum eius agnoscens et propositutn fixum animo tenens postulavi ab eo quod pro pignore amicitiae novum patrono librum minus pigritraret cudere. Quod cum ille rentieret, quasi sitae non esset possibilitatis et ego opponerem debitum caritatis, ipse vero maiori excusatione nostris id melius assereret . . . convenire, tandem victus voluntati meae . . . animum substravit. Hac ut opinor occasione tribus annis opus mihi carissimum remansit imperfedum, dum temporibus Heinrici augu- stissimi imperatoris esset coeptum. Regressus ergo ad monasterium e Saxonia ferebam mecwn b. martiris ymnum, quem mihi pro arrabone libri saltim vel versiculum poscenti prefatus magister metro eomposuit Saphico. 5 ) Demum Chouonrado imperante et nihilominus filio eins regnante e ) Oebehardo autem secundo Ratisbonensem ecclesiam regente 7 ) in adventu restro- saepissime optatus atque diu expectatus venu Hbellus. In Arnolds Gedicht heißt es von Meginfrid MG. SS. 4, 545, 39 Menfredus docte quem Saxo dictat 6 ) et apte, Verbis ornator, sensu subtilis arator. Zum Datum des Komputusgedichts vgl. Vs. 669 (Migne 94, 651) Nunc millesimus est et quinquagesimus annus. Zum Saltus lunae sagt der Dichter Vs. 347 (col. 647) Philosoph! saltum quem lunae nomine dicunt, De quo, si deus annuerit, tractabimus alte und Vs. 396 Sed promissa tibi nunc disserere incipiamus, Mensibus et lunae saltum ') So Vs. 197. 206 f. und öfter. Aus demselben Grund ändert er Vs. 357 und 374 Em- bolismen in Endibolismen; 849 erscheint sogar das Wort endibolismalis. Das sind Veränderungen, wie sie der im Priscian bewandeite Schulmeister wohl vornehmen konnte. 2 ) Der Dichter war also Mönch. 3 ) Der letzte Vers 901 ist ein Pentameter. 4 ) Vgl. V.Rose a. a. 0. S. 310. 5 ) Meginfrid hatte also auf den hl. Em- meram einen sapphischen Hymnus gedichtet. 6 ) Seit 1028, vgl.Wipo vitaChuonradi c.23. 7 ) 1030 nach Annal. s. Emmerami min. (MG. SS. 1,94). 8 ) So ist wohl statt dictitat zu lesen. 576 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. pandamus ab istis; zur Sonnenfinsternis Vs. 451 Eclipsim aolis fieri quo tempore claret Ast ex hoc alibi Carmen dictabitur aptum. Zu Macrobius Vs. 67 Zodiacum vocitans signat in-' ■dagine mira, Quam bene declarat Macrobius ille sagaci Ingenio. Persönliches Vs. 894 -col. 654 Inde refert cursum per cunctos inviolatum, Hinc Manfredus avet, iubet et requlescere Plato; Schlufivers 901 Accessi portum, quo mihi cursus erat. Zu Vergil vgl. Vs. 77 dextro procumbit in anno Georg. 3, 86; 85 tauri bonmque labores Georg. 1, 118. 325; 196 Atque itiner coeptum Dario sermone levare Aen. 8, 309. Die einzelnen Abschnitte, die mit Ueber- schriften versehen sind, erhalten übrigens keinen Uebergang zueinander und verraten dadurch deutlich, daß sie nur Versifikationen der Bedakapitel im Auszuge darstellen. 1 ) Eine Hs. des Gedichts kenne ich nicht. Ausgabe in Bedae opera (ed. Basileae 1563) 1, 519-538 = Migne 94, 641—655. Vgl. Wattenbach 2, 64. 86. 102. Warnerius von Basel. Warnerius lebte wahrscheinlich um die Mitte des 11. Jahrhunderts als Kleriker in Basel. Daß er Abt gewesen ist, berichtet nur eine Handschrift des 15. Jahrhunderts und ist also wohl später erfunden. Von seinem Leben ist nichts bekannt, doch ist es möglich, daß er aus Frankreich stammte, wofür aus seinem Gedicht Synodicus Vs. 271 der Gebrauch des Wortes focus=ignis, sowie die Kenntnis der Vita s. Aegidii daselbst Vs. 502—508 sprechen könnte. Jedenfalls hat er später in Basel gelebt, wie das Akrostichon von Vs. 1—28 seines Paraclitus und Vs. 1 des Synodicus ergeben; daß er nach Deutschland gehört, geht auch aus Synod. 544—550 hervor, wo der Geschichte des Onias und Andronicus das Leben des hl. Adalbert gegenübergestellt wird. Aus diesem bisher allein ganz veröffentlichten Gedicht ergibt sich, daß Warnerius nicht nur das Alte und Neue Testament gut kannte, sondern daß er auch in der hagiographischen Literatur und in der Geschichte der Kirche gut zu Hause war. Seine beiden Gedichte müssen sich bald großer Wertschätzung erfreut haben, denn sie wurden, besonders der Paraclitus, bis ins 15. Jahrhundert häufig abgeschrieben und Eberhardus Alemannicus verzeichnet beide unter den in der Schule gelesenen Werken im Laborintus 3, 89—92. Desgleichen stellt Galfredus de Vino Salvo den Sidonius als Muster in seiner Poetria nova 1820—1828 auf und beide Gedichte erwähnt in gewohnter Weise mit ihren Anfängen Hugo von Trimberg im Registrum multorum auctorum 538—553. Synodicus. Das Gedicht ist eine innerliche und äußerliche Nachahmung von Theoduls Ekloge. Wie nämlich hier Pseustis und Alithia unter dem Vorsitz der Fronesis einen Wettgesang halten, in dem Pseustis kleine Abschnitte aus der antiken Mythologie vorträgt und Alithia mit ähnlichen biblischen Erzählungen antwortet, so fordert hier die Sophia den Thlepsis und den Neocosmus auf, Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament typologisch gegenüberzustellen, und am Schlüsse gibt sie die, natürlich günstige, Kritik über die Leistungen beider ab. Nur unterbricht Sophia mehrfach den Wettgesang, der von der einen der beiden Handschriften, die übrigens das Gedicht wohl richtig in zwei Bücher teilt, als Ekloge bezeichnet wird. Der Inhalt ist folgender. ') Auch die technischen Bezeichnungen I Uni Dicunt, quod pariter coniunctim cuirat nimmt der Dichter aus seiner Quelle, wie 449 I uterque und 470 Hi duo sunt tropica, quae Hanc horam Graeci vocitant coitumque La- conversiva dicuntur. Warnerius von Basel. 577 Es ist Ende August 1 ) und Sophia ladet Thlepsis 2 ) und Neocosmus ein, sich unter den Bäumen im Grünen an Speise und süßem Most zu ergötzen und sich darauf an heiligem Gespräch zu erfreuen. Thlepsis meint, daß Gott seinen Segen zu allem Beginnen geben müsse, und fordert den Jüngling Neocosmus zu einem Gespräche auf. Dieser glaubt, daß es besser sei zu reden, als untätig in der schönen Natur zu liegen, und erwartet die Rede des älteren Gefährten. Darauf gibt Sophia dem Thlepsis das Wort. Es folgt nun Rede und Gegenrede der beiden in je sieben Versen, 3 ) und da die Parallelisierung der dem Alten und Neuen Testament entnommenen Stellen nicht ohne Interesse ist, mögen einige der Stücke hier folgen. Thlepsis beginnt damit, daß Gott am sechsten Tage den Menschen und aus dessen Rippe Eva geschaffen habe und daß das erste Menschenpaar durch drei Dinge versucht und überwunden worden sei. Neocosmus erwidert, daß das sechste Zeitalter der Welt Christus hervorgebracht habe, den der Teufel dreimal vergeblich versuchte. Am Kreuz hat er den Tod besiegt und mit seinem Blut die Kirche besiegelt, die sich über die vier Himmelsrichtungen ausgedehnt habe. Thlepsis: Kain hat seinen Bruder aus Neid getötet, da dessen Gabe Gott mehr gefiel. Neocosmus: Die Juden vernachlässigten die heiligen Bücher und wurden Ackerbauer. Das tadelte Stephanus an ihnen und deshalb wurde er gesteinigt. Thlepsis erinnert an Enoch, der von Gott entführt wurde. 4 ) Neocosmus führt Maria 6 ) entgegen, die in den Himmel aufstieg; doch sei es töricht zu untersuchen, ob sie das körperlich getan, was viele glauben. Da mischt sich Sophia ein und lobt den Jüngling, daß er Richtiges gesprochen habe, denn Johannes der Täufer habe den Völkern den Weg zum Heile gebahnt, und es sei keine Sünde, an die körperliche Himmelfahrt Marias zu glauben; sie fordert die beiden auf, ihr Gespräch fortzusetzen. Thlepsis: Je sieben von allen Tieren hat Noah in die Arche aufgenommen. Neocosmus vergleicht mit der Arche die Kirche, die unter den Schutz Petri gestellt wurde, dem der Priesterstand mit seinen sieben Weihen hold ist. Thlepsis: Die Giganten fürchteten die Wiederkehr der Sündflut und erbauten daher den gewaltigen Turm; aber Gott verwirrte die Sprache der Werkmeister. 6 ) Neocosmus: Nachdem Christus den Tod erlitten, kam er als Heiliger Geist zu den trauernden Jüngern und beschenkte sie mit allerlei Sprache. Thlepsis: Abraham ai von der Speise, die ihm der König (Melchisedech) gegeben hatte, nahm die drei Männer bei sich auf, beschnitt seine Vorhaut, ward als Vater vieler Völker verkündet, wollte seines Sohnes Haupt Gott weihen und wurde in der Grube der Sara begraben. Neocosmus: Saulus ward zum Paulus und zum Gefäß des ewigen Heils; er erwarb die Menschen für den ') Bei Theodul findet der Wettgesang im heißen Sommer statt. 2 ) Der Name ist jedenfalls als MTytg zu fassen = Verfolgung, Bedrückung; das Wort ist neutestamentlich und mit Absicht als Gegensatz zu Neocosmus gewählt. 3 ) Bei Theodul sind es nur je vier Verse. 4 ) Vs. 62 vivaci erinnert an Sedul. P. C. 1,103. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. 5 ) Vs. 70 Dicta maris Stella aus dem Hymnus Ave maris Stella. 6 ) 109 superborum labra confudit laiho- morum findet zwar das sachliche Vorbild in Theodul 89—92, aber die Erwähnung der Giganten und die obigen Woite ergeben engen Anschluß an den Messias des Eupolemius 1, 666 gigantes und 668 superbos Confundens lathomas (Romanische Forschungen 6,533). II. 37 578 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Himmel und starb an gleicher Stelle wie Petrus. Thlepsis: Lot kommt glücklich aus Sodom, seine Frau wird zur Salzsäule. Neocosmus: Als Petrus das Ende der Welt voraussagte, ließen sich viele bekehren, aber Nicolaus verfiel in einen unsittlichen Irrtum. 1 ) Nach einigen weiteren, mehr oder weniger passenden Parallelen belobt Sophia Vs. 187 f. beide, daß sie das Alte gut dem Neuen zur Seite gestellt hätten. Gott spreche aus ihnen und sie seien heilig, da sie recht lehrten und das richtig durch die Tat bewiesen, wovon sie sängen. Darauf vergleichen sie Hiob mit Zaehäus, die Schriften und Großtaten des Moses mit Matthäus, Zambri mit Lucas, und während nun Thlepsis mit weiteren Beispielen des Alten Testaments fortfährt, verläßt Neocosmus mit Vs. 247 die evangelische Geschichte, um seine Beispiele aus den Lebensbeschreibungen der Märtyrer und Heiligen zu holen. So vergleicht er Balaam mit dem hl. Severinus (nach Eugippius), Dathan mit dem hl. Julianus, dem Bräutigam der Basilissa, Rahab mit der hl. Afra, Josua mit dem hl. Mucius, die drei Männer im Feuerofen mit Papst Alexander (L). Darauf fragt Sophia den Thlepsis, warum er in der Eile soviel ausgelassen habe, und erhält von ihm die Antwort, daß er müde geworden sei, aus der alten Zeit zu erzählen, denn er könne ja nur das vorbringen, was allen bekannt sei. Sophia befiehlt ihm aber, fortzufahren, da der junge Neocosmus ihm doch gut antworte und die Sonne selbst aus Dankbaikeit länger zu verweilen scheine. 2 ) Thlepsis erwidert, daß sie ein wenig innehalten wollten, um frische Kraft zu schöpfen. Hiermit schließt das erste Buch. Das zweite beginnt Sophia mit der Aufforderung, es sei nun der Ruhe genug und sie möchten mit ihrem Gesänge fortfahren. So stellt nun Neocosmus neben Judas den hl. Laurentius, neben Eglon Kaiser Konstantin, neben Gedeons Sieg über die Midianiter mit 300 Mann die Ketzerei des Arius, die durch 300 Väter zu Nicaea beschworen wurde, neben Samson den Papst Liberius, neben Samuel den hl. Martinus. Darauf spricht Sophia wieder ihre Anerkennung aus, denn beider Gesang sei besser als die Gedichte eines Vergil, Statius und Horaz, die nur von den Liebschaften der Götter handeln. Auf ihre Bitte, fortzufahren, erfolgt die Gegenüberstellung Davids und Nathans mit Theodosius und Ambrosius, des salomonischen Tempels mit Justinians Sophienkirche, Hieroboams Abgötterei und Strafe mit einer Erzählung aus Gregors Dialogen, der Verbesserung des Jordanwassers durch Heliseus mit der Heilung der pestis inguinaria durch Gregor L, des Endes von Ezechias mit dem Ende des hl. Egbert. Wieder unterbricht Sophia das Gespräch mit der Bitte, in den heiligen Dingen fortzufahren. Beide Sänger hätten Hoffnung auf die Freuden des ewigen Lebens und beide möchten sicher sein, daß sie im Herrn sterben würden. Sophia verkündet weiter, daß ihre Ritter wie ihr Fußvolk begierig dem Gesänge lauschten und keiner von beiden Sängern möchte aufhören, trotzdem das Ziel nahe sei. So vergleicht nun Neocosmus mit Daniel das Leben des hl. Aegidius, 3 ) mit der Geschichte Amans und Mardochais Karl den Großen, ') 145 delectata luto sus nach Horat. Ep. 1, 2. 26. 2 ) Auch dieser Zug ist dem Theodul entlehnt, vgl. Theod. 36 Sol augeat, obsecro, tem- pus mit Synod. 318 Sol, quasi gratetur vobis, tardare videtuv. 8 ) 502 totusque rotundus nach Horat. Sat. 2, 7, 86. Warnerius von Basel. 579 der über alle Könige gestellt und von dem erzählt wird, daß ihn heimlich zwei Männer zu verderben trachteten 1 ) und daß er die Römer vom bärtigen Langobardenherzog Desiderius befreite. 2 ) Hieran schließt sich der Vergleich der Tugenden des Judas Maccabäus mit dem friedlichen und kirchenfreundlichen Wirken Ludwigs des Frommen, das übrigens mit starken Farben aufgetragen wird, woraus hervorgeht, daß sich das Andenken Ludwigs in kirchlichen Kreisen doch viel zu günstig erhielt. Endlich erfolgt die Gegenüberstellung der Geschichte des Onias und Andronicus mit den Taten des hl. Adalbert und seinem Martyrium im heidnischen Lande. 3 ) Zuletzt gibt Sophia eine Art Kritik: „Ihr habt manches ausgelassen, was ihr hättet verbinden können. Ich weiß aber, warum ihr eine Person nicht wiederholt vorführtet, die für viele Vergleiche passend ist. Einzeln und reihenweise seid ihr vorgegangen und daher ist manches unterblieben." Sie macht dann auf eine Ähnlichkeit im Leben des hl. Conon mit Moses aufmerksam, spricht kurz über den hl. Benedikt und sagt, daß das Volk, das Columban einst verflucht habe, heute das Drüsenvolk genannt werde (566 hodie strumosa nntatur). Thlepsis bittet dann, die Königin Sophia möge das Gespräch sich enden lassen, denn der Tag neige sich und sie seien ermüdet. Dem schließt sich Neocosmus an und Sophia gewährt ihre Bitte. Sie belobt beide und verspricht ihnen Belohnung, wenn sie ins Paradies kämen. Mit dem Segen der hl. Dreieinigkeit entläßt sie dann die beiden Sänger. Die Einkleidung des Gespräches ist nicht ungeschickt gemacht und steht insofern über ihrem Vorbild, der Ekloge Theoduls, als Warnerius den eintönigen Fluß der Gegenüberstellungen vielfach durch Zwischenreden von seiten Sophias unterbricht. Dadurch kommt in das Wechselgespräch ein etwas erhöhtes Leben, das besonders auch wegen des Reimes notwendig wird, der entschieden das Leben des Gedichts ungünstig beeinflußt. Die Vorstellungen des Dichters bewegen sich also durchaus in biblischen und kirchlichen Kreisen, die nur ein einziges Mal bei Gelegenheit Karls des Großen durchbrochen werden. Als letztes Datum aber gewinnen wir das ins Jahr 997 fallende Martyrium des hl. Adalbert, das also noch verhältnismäßig frisch im Gedächtnis sein mußte. Wir werden daher als Abfassungszeit kaum die Mitte des 11. Jahrhunderts überschreiten dürfen. Von Interesse sind jedenfalls die wenn auch spärlichen Beziehungen zum Messias des Eupolemius, 4 ) der ja teilweise, wie unser Gedicht, sich auf der Ekloge Theoduls aufbaut. Die Sprache besitzt außer dem schon genannten focus nichts Auffälliges, da sie sich sehr stark an die Bibel anlehnt und die aus der Vulgata geschaffene Ausdrucksweise verwendet. Zeugnisse. Zum Namen des Verfassers und der Gedichte ist zu vergleichen die Aufschrift 5 ) im Vindob. 1147 f. 78 b A synodo bellus bene dicitur ille libellus, Propter Convention ') Ob das auf Karlmann und Desiderius j 3 ) Was bedeutet Vs. 545 Marharie gentl geht? | Etwa Masovien? 2 ) Vs. 521 Te duce barbato Desiderio su- ' 4 ) Vgl. auch noch 165 Mine caro nervosa perato Romanos Christi eultores eripuisti. i ludeis est odiosa mit Eupol. 2,619 Idcirco •^ 18 Rexisti gentes Rhenum Rhodanumque nervös Iudeus abhorret und Vs. 68 Ut pro Mbentes, Te timuit Rhetus, te numquam Saxo Messia pugnet comitatus Helga, quietus ist ähnlich mit Eupolemii Messias 2, 5 ) Sie steht im Valentian. 610 s. XIV—XV 495 und 499. Außerdem ist 509 ff. mit Eu- vor den vier letzten Versen des ganzen Ge- polem. 2,497 zu vergleichen. dichts. 37* 580 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. patet hoc animis sapientum. Prefatio Synodyei. Versibus emensis his auctor Basüiensis das Akrostich (Vs. 9 Ut nomen noris laudator conpositoris, 1 ) Sensim primarum seriem coniunge notarum) Uuarnerius und das Akrostich des Paraclitus ibei B. Haureau, Notices et extraits de quelques mscr. de la bibl. nat. 6, 79) uuarnerius Basüiensis me fecit. Abt wird er nur genannt im Monac. 19607 s. XIV/XV f 304 Warneri Basil. abbatis paraclitus. Zu focus vgl. Vs. 271 Non focus aut cedes Rahab veniebat ad edes. Zu Eberhard vgl. Labo- rintus3,89 (Leyser, Hist.poet. et. poem. med aevip.830) Hortatur propriaper scripta Paraclitus omnes Peccantes. Veniam Gratia donat eis. Per tot personas duo testamenta figurat Sidonius. Iudex philosophia sedet. 2 ) Galfredus Poetr. nova 1820 (Leyser p. 964) Bic est modus et mos Sidonianus, Et modus egregius. Ciausarum tantus acervus In duplici casit facit inculcatio versum, Et sunt hi casus laudes et crimina verum; 1825 Laudando cumu- lat haec inculcatio vlausum Et culpando. Frequens est malleus ad feriendum. Sydonii calamus magis nunc sibi deputat usum, Pluribus inductis clausis producere versum. Hugo von Trimberg im Registr. mult. auctorum 538 (ed. Huemer, Wiener SB. 116, 33) Basiliensis clerieus Warnerius vocatus Catholicis auctoribus Sit hie annumeratus. Qui duos egreqie libros compilavit, Unumque Sidonium ex his pretitulavit, Alterum Paracliturn, quod a multis scitur. Warnerius in frontibus horum invenitur, Sicut in Sidonio duo protestantur Versieuli lectoribus, qui per ipsum dantur, darauf folgen Synod. 9 f. 1 f. 11 f. und Paraclitus 1 f. Daß der Titel Synodicus heißt, ergeben die beiden obigen Verse, doch die Stellen aus Eberhard, Galfred und Hugo beweisen, daß das Gedicht, wohl auf dem Umwege von Sinodiua, bald Sidonius genannt wurde. 3 ) Die beiden Personen, die das Gespräch führen, aus Vs. 18 Tldepsi, vetustarum memoret, Neocosme, novarum und 571 Thlepsis ait verum; 310 Thlepsi pater und 29 Servo seni morem, minor exspeetans seniorem, während Neocosmus Vs. 26 pulcher ephebe genannt wird. Eingang des Gedichtes Iam calor estivus fervente Leone nocimis Transiit, Augusti finis dat pocula musti. Campis detectis et pomis arbore lectis Undique po- tatur contraetaque cura fugatur; es wird also durch Schilderung des Zustandes in der Natur eine behagliche, zum Führen eines Gespräches passende Stimmung vorbereitet. Weiter Nos quoque letantes dum sustinet herba cubantes Ramis protectos esca potuque refectos Condelec- iemur, verbis sacris recreemur. Aufforderung (Vs. 20) Dicite cantantes quae dicitis equi- perantes. Nach Vs.322 hat der Zwettl. 36 s.Xll (vgl. Huemer. Wiener Studien 14, 156) die Rubrik Explicit egloga prima. Incipit II. Die Stelle über die heidnischen Dichter heifit Vs. 401 Est merito pluris presentibus atque futuris Hoc quam quod Maro declamavit carmine raro, Quam quod tu, Stati, quam quod tu dicis, Horati; Stupra deos fatum fert horum pagina vaium, Omneque non certum dubia ratione repertum. Interessant sind die Verse über Karl den Großen 516 Karole, Francorum rex et prineeps Italorum, Mundus dum stabit, tibi quem regem similabit? Bexisti gentes Ehenum Rodanumque bibentes, Te timuit Retus, te numquam Saxo quietus. Te clam querebant duo perdere nee peragebant. Te duce barbato 4 ) Desiderio superato Romanos Christi eultores eripuisti, und die über Ludwig den Frommen 530 Qui meruit dici Pius, est nomen Ludowici Acceptum eunetis in Christi nomine iunetis, Hie for- midandus pravis, placidis venerandus, Leges et bannos sanxit domuitque tyrannos, Sacra frequentavit dilapsaque templa novavit. Normam vivendi clero dedit et mdriendi Sollicitus cura donavit predia plura.") Ueberlieferung im Vindob. 1147 s. XII f. 78 b —88 (unvollständig, reicht nur bis Vs. 439), danach gedruckt von J. Huemer, Romanische Forschungen 3. 319—330; Zwettlensis 36 s.XII f. 188a, danach das Fehlende gedruckt von J. Huemer, Wiener Studien 14, 157—160 (mit vielen Verbesserungen zum ersten Druck p. 160); eine dritte Hs notiert B. Haureau, Not. et extr. de quelques mscr. 6, 84, nämlich Valenciennes 610 s.XIV—XVf.121—133, vgl. Mangeart, Catal. des mscr. de Valenciennes p. 601; das Gedicht zählt hier 603 Verse, ist also noch umfassender als im Vindob. 1147. Die Aufschrift heifit Sinodius, hat also die Zwischenform zwischen Sinodicus und Sidonius. Neudruck des Gedichts zu wünschen. Paraclitus. 6 ) Von diesem Gedicht sind erst Bruchstücke durch B. Haureau herausgegeben worden. Aus ihnen und den Erwähnungen aus Hugo von Trimberg gibt vielleicht rieh- I s ) Es ist daher möglich, daß einzelne Auf tig Ut nomen foris laudetur compositoris, vgl Huemer, Wiener SB. 116,175 Vs.546. Nämlich auch Valentian. 610 überliefert den Vers wie Hugo nach Mangeart bei B. Hauräau, Not. et extr. de quelques mscr. 6,85. 2 ) Eine Glosse zu dieser Stelle gibt Fa Schriften Sidonius in alten Katalogen (vgl. Manitius, Rhein.Mus. 47 Supplem. S. 119 f.) sich auf unser Gedicht beziehen. 4 ) Erinnerung an den rex crinitusf 5 ) Diese ganze Charakteristik erscheint mehr als ein gedrängter Auszug aus E bricius, Bibl. lat. med. etinf. aet. 2,488 n.v , harts Vita Karoli, als daß sie auf Ludwig Sidonius poeta de duobus testamentis veter, et novo per duas personas scilicet Iudaeum et Christianum scripsit. paßt. 6 ) Ist die gewöhnliche Form für Paracletus mit dem spätgriechischen Jotacismus. "Warnerius v.on Basel. 581 dem Mittelalter entnehme ich die folgenden Notizen. Es ist ein Zwiegespräch zwischen einem reuigen Sünder und der göttlichen Gnade und zwar in durchgehend gereimten Distichen geschrieben. „Unter welchen Felsen soll ich fliehen," beginnt der Sünder, „wo soll ich mich verbergen, der ich vordem ein berühmter Mann war und nun allein sündhaft dastehe? Warum, o Gott, hast du mich zu diesem Leben aufbewahrt, dem Hoffnung und Trost gestorben sind? Trauer nur empfinde ich, daß ich in die Welt gekommen bin, da ich vom Bösen nicht lassen kann." So ruft er die göttliche Gnade an, die ihm von der Erbsünde berichtet: „Vor Gott sind alle gleich, aber er sieht auf den Willen; er gibt das Gute, läßt aber das Böse zu, und wer das Gute will, handelt in seinem Sinne. Der Sünder aber soll sich bekehren, dann nimmt ihn Gott an. So möge er auf das Wort Gottes über die Einwohner von Sodom achten und an ihre Strafe denken. Und er solle nicht denken, daß ein Geschick (fatum) den Menschen zum Sünder mache und daß er das Böse aus Notwendigkeit tue. Plato habe daher geirrt, als er alles vom Fatum beherrscht glaubte. Und wer glaubt, daß die Welt eine Seele habe, und den Timäus liest, der liebt Gott nicht. Wer meint, daß die Dinge für ihn nur uralte Erinnerungsbilder • sind, der entheiligt den Glauben. „So halte, was du durch die Diener Christi gelernt hast, und sei ein Anhänger der Apostel und nicht des Sokrates." Die Gnade rät dann davon ab, auf menschliche Vernunft und dialektisches Geschick allzusehr zu vertrauen, da Gott alles das zuschanden machen könne. Und es nütze dem Menschen nichts, die Nächte hindurch zu arbeiten, Himmel, Erde und Meer ermessen zu wollen und Mond, Sonne und Sterne in ihrem Kreislauf zu erkunden und dem menschlichen Geiste nachzuspüren; vergeblich sei das Verlangen des Menschen, die höchsten Dinge erforschen zu wollen, da er nicht einmal hinter das Geheimnis seines Lebens gelangen könne. Wohl stelle der Mensch die Tiere unter sich wegen seiner Vernunft, aber vor Gott sind alle Menschen dem Esel gleich zu achten. „Höre auf mit deiner Torheit und wende dich zur Einfalt. Über Gott denke nur mit zitterndem Herzen nach und glaube und hoffe in echter Frömmigkeit." — Also ein im christlichen Sinne stolzer und hoffärtiger Geist, über den die Reue gekommen war, wird hier in nachdrücklicher Weise vor der Beschäftigung mit weltlicher Wissenschaft gewarnt, und es ist nicht ohne Interesse, daß hierbei des platonischen Timäus, natürlich in der Bearbeitung des Chalcidius, ziemlich eingehend gedacht wird. Wahrscheinlich sucht sich nun der unglückliche Sünder vor der Gnade zu rechtfertigen. Doch die Gnade bringt ihn auf den rechten Weg und entläßt ihn als von seinem Irrtum geheilt. 1 ) Die Proben bei Haureau zeigen, daß Warnerius auch in diesem Gedicht sich als ein Kleriker offenbart, der die Bildung seiner Zeit sich zu eigen gemacht hatte. Und danach dürfte die vollständige Ausgabe des Paraclitus sehr zu wünschen sein, da sie manches Licht auf die Bildungsgeschichte werfen würde. Das Gedicht wird in alten Katalogen mehrfach erwähnt, vgl. Neues Archiv 32, 690. Es findet sich nicht selten überliefert, so im Paris. 18201 s. XII f. 59-65, Vindob. 277 (303) ') Der Schluß lautet im Amplon. Q 49 f. 110 Sanum te video. Gloria summa deo. Ex- plicit paraclitus correctus atque bonus. 582 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. s. XIV f. 64—71b, ßerol. 916 l ) s. XIV f. 20—33b un d 997 s. XV f. 194b -198, Prag . 547 g Xly f. 36b—52b ( m it Kommentar) und 282 s. XIV—XV f. 93a—116b (mitKommentar), Monac 19607 s. XIV/XV f. 304-321 und 19 667 s. XV f. 1—37, Amplon. Q 49 s. XIV f. 89—110. Fragmente aus Pai'is. 18201 veröffentlichte B. Haureau, Notices et extraits de quelques mscr de 1t Bibl. nat. 6, 79, 81 ff. 103. Embrichos von Mainz Vita Mahumeti. Embricho gehörte nach Mainz, woher auch seine Mutter stammte, und mag um 1010 geboren sein. Er war von vornehmem Geschlecht und zeichnete sich durch hohe Bildung und Gelehrsamkeit aus. Man rühmt von ihm daß er die Philosophen gelesen habe 2 ) und in der Ethik, Logik und Physik erfahren gewesen sei; die wichtigen wie die unbedeutenderen Autoren habe er gekannt und sie auch in geziemender Weise erklären können. Daraus geht unzweifelhaft hervor, daß er in Mainz an der Domschule Lehrer gewesen ist. Da nun auch seine hohe Stellung als Kleriker gerühmt wird und da wir wissen, daß im Jahre 1064 der Mainzer Propst Embricho zum Bischof in Augsburg erhoben wurde, so ist kaum zu bezweifeln, daß dieser Propst der Mainzer Lehrer gewesen ist. Dieser wurde, wie es scheint, noch in jüngeren Jahren von einem Godebald aufgefordert, die Ursachen und die Anfänge des Islam darzustellen, und schrieb daher ein längeres Gedicht von 571 Distichen über das Leben Mahomeds, in dem er die damals über den Stifter des Islam im Abendland verbreiteten Sagen in Verse brachte und vom christlichen Standpunkte aus beleuchtete und ausschmückte und wohl wesentlich erweiterte. Dies Gedicht wurde früher fälschlich dem Hildebert von Le Mans beigelegt. Im Prolog wendet sich Embricho gegen die Torheit derjenigen, die nicht an Christus glauben, und verheißt ihnen die Vs. 21—34 sehr ausführlich beschriebenen Qualen der Hölle. Das Volk, von dem er schreiben wolle, verachte nicht nur alle heidnischen Götter, 3 ) sondern halte auch Juden und Christen für Toren. Der Führer dieses Volkes sei Mahumet, und da Godebald ihn aufgefordert habe, über Grund und Anfang von dessen Ketzerei zu berichten, so gehorche er. Aber er bitte ihn, sein Werk nicht abzuschreiben oder vielen zu zeigen, da es zu gering sei, um das Urteil der. Öffentlichkeit zu vertragen. Der Inhalt des eigentlichen Gedichts ist folgender. Ein schlechter Mensch, der äußerlich ein scheinheiliger Christ war, hatte es schon längst auf den Untergang der Kirche abgesehen, und als der Patriarch von Jerusalem gestorben war, wollte er dessen hohe Stellung gewinnen. Damals regierte der Kaiser Theodosius und Ambrosius war Bischof von Mailand. Dieser Mensch nun wollte den Kaiser betrügen, aber er wurde erkannt und des Landes verwiesen und sprach bei seinem Weggange einen entsetzlichen Fluch über die Kirche aus. Er wandte sich nach Lybien, wo die Kirche damals noch blühte, und hier setzte er seinen Betrug fort. Es gelang ihm, ') Hier bedeuten die Worte am Schluß I christlichen Schriftsteller zu verstehen, wenn Wibrandi de Wide den Besitzer der Hs., vgl. | man nicht an Boethius denken will. E. Voigt, Ysengrimus p. CXX. 3 ) Aufzählung der heidnischen Götter Vs.47 2 ) Vita auctoris bei Wattenbach, Berl. —52 (Ipsa Iovis mundutn fratris negat esse SB. 1891, 113 Philosophos legit, anima sacra , profundum — Et negat esse dewm cum Pro- scripta subegit; danach sind hier wohl die J theo Nereum. Embrichos von Mainz Vita Mahumeti. 583 sich bei einem Herrscher 1 ) des Volkes einzuschmeicheln und er galt bald als der beste Mensch und Christ, da man nicht ahnte, daß er ein Zauberer war. Er wandte sich nun an einen Sklaven namens Mamutius, den er zur Ausführung seiner bösen Tat erwählte, Daher versprach er ihm alle Macht 2 ) und allen Reichtum, und als der Sklave nur die Freiheit begehrte, versprach er ihm sogar die Herrschaft über das Land. 3 ) Mamutius aber erwiderte, daß er nur sein Diener sein wolle, denn wenn er ihm diene, so sei er frei. Da ließ der Zauberer den Herrn der Stadt und des Sklaven in eine schwere Krankheit fallen, und als er nicht sterben wollte, begab er sich nachts zu ihm und tötete ihn. Alsbald erhob sich großes Klagen unter den Sklaven der ganzen Stadt und nach dem Begräbnis berückte der Zauberer die Witwe des Herrn, flößte ihr Liebe zu Mamutius ein und beredete sie dazu, ihn zu heiraten. Die Frau ging darauf ein, 4 ) schenkte dem Sklaven die Freiheit und erhob ihn zu ihrem Gemahl und zum Herrn der Stadt. Nun stellte ihm der Zauberer noch größere Macht in Aussicht unter der Bedingung, daß er ihm in allem gehorsam sei. Er solle nämlich ein eben geborenes Kalb geheim vor dem Volke aufziehen, und zu diesem Zwecke müsse das Kalb in eine sehr tiefe Grube gebracht werden, wo man seine Stimme nicht hören könne; sie beide allein nur dürften um das Geheimnis wissen. Alles geschah nach des Zauberers Willen und das Kalb wird großgezogen. Aber das Geschöpf wurde ein wunderbares Tier: es glich nicht einem Stier, sondern seine Hörner waren furchtbarer als das des Einhorns, seine Augen sprühten Feuer, sein Antlitz war mit Stacheln besetzt. Sein Rachen glich dem der Hölle, auf seinem Rücken hatte es eine Mähne wie das Pferd und die ganze Gestalt glich der des Elefanten. Inzwischen war der König von Lybien gestorben, ein treuer Sohn der Kirche und ein strenger Gesetzgeber, aber ein Freund der Armen und Waisen. Eine allgemeine Trauer erhob sich daher in Afrika, und als sich diese etwas gelegt hatte, wurde eine Versammlung der Großen abgehalten, um den Nachfolger zu wählen. Der Zauberer vermochte nun den Mamutius daran teilzunehmen, und dieser kam dahin, als eben Streit auszubrechen drohte. Es gelang ihm jedoch, die Streitenden zu beschwichtigen, und er stellte den Großen vor, daß er einen Mann kenne, der klüger als Salomo sei und ihnen jetzt den besten Rat zu geben vermöge. Die Versammelten gingen darauf ein und Mamutius begab sich zurück, erwählte sich aber zum Reisebegleiter einen törichen Menschen von hoher Geburt. Der Verstellung wegen weigerte sich der Zauberer erst lange, mitzukommen, doch ließ er sich endlich zum Aufbruch bewegen, verlangte aber einen Esel zur Reise, da er eines Pferdes nicht würdig sei. Vor der Abreise aber hatte er den Stier aus seinem Gefängnis befreit und ihm an die Stirn eine goldene Aufschrift gelegt. Durch die erhaltene Freiheit wurde der Stier nun wütend, verwüstete weithin das Land und tötete alle Menschen. Nun kam der Zauberer zu der Versamm- ') Vs. 199 Consulis aedes Hostis ut hospes I 4 ) 301 Tmpatiensque morae nach Juvenal. adit, consul eum recipit. i 6,238. 327; 306 quia depuduü wohl nach 2 ) Vs. 226 me tribuente feres nach Sedul. I Ovid. Ep. 4, 155. — Mit Vs. 123 vgl. Verg. P-C.2, 189. Ecl. 3, 93 und mit 187 {Causa mali tanti) 3 ) Vs. 241 Consul eris per me. | Aen. 6,93. 584 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. lung der lybischen Großen und gefiel allgemein wegen seiner Bescheidenheit. Als man ihn endlich fragte, wer König werden sollte, seufzte 1 ) er erst und weinte verstellte Tränen, berichtete dann aber, er kenne einen ihm von Gott eingegebenen Ausweg: König solle der sein, der einen bisher ungezähmten Stier bändigen könne. Und nachdem er die Gründe zu diesem Entscheid bekannt gegeben, vertrauten nun die jungen Leute auf ihre Kraft die Greise auf ihre Klugheit, ein solches Tier bezwingen zu können. So zog man hinaus und alles fürchtete sich vor dem entsetzlichen Stiere, den der Zauberer zu bändigen aufforderte. Ein junger Mann versuchte das Wa»- stück und griff das Ungeheuer an, 2 ) wurde aber bald von ihm bezwungen. Da eilte Mamutius aus der Menge hervor, und ihm kam der Stier entgegen, leckte ihm die Hände, gab sich ganz in seine Gewalt und ließ sich ruhig ein Joch von ihm auflegen. Erstaunt kamen die Lybier heran und lasen auf der goldenen Stirnzier die Aufschrift: Gott hat den erwählt, der mich bezwang. Mamutius wurde nun von den Lybiern zum König erwählt, obwohl er sich anfänglich heftig sträubte, die Herrschaft zu empfangen. Nach einiger Zeit kam der Zauberer zu ihm, um ihn zu mahnen, der großen empfangenen Wohltaten eingedenk zu sein, und um ihm die Herrschaft über die ganze Erde sowie eine gottähnliche Stellung zu versprechen, wenn er ihm weiter gehorchen wolle: vor allem müsse das Gesetz des Evangeliums fallen, das die Keuschheit gebiete und die Verwandtenehe untersage; die freie Liebe müsse er verkündigen und die Gesetze aufheben, damit jeder nach seinem Wunsche leben könne. Die alten Vorschriften über Sitte und Recht müßten fallen und nur noch das Gesetz gelten, daß alles erlaubt sei, was jedem einzelnen beliebe. Damit war der König ganz einverstanden und er stattete dem Zauberer großen Dank ab und bat ihn dringend, ihm stets zur Seite zu stehen. So wurden nun alle alten Vorschriften abgeschafft und auf die Übertretung des neuen Willkürgesetzes Strafen gelegt: die freie Liebe waltete fortan im Volke und zerstörte alle Familienbande und die fromme Scheu, die einst geherrscht hatte. Von diesem gottlosen Treiben hielten sich nur wenige fern, sie wurden dafür hart bestraft und mußten die schrecklichen Qualen erdulden, die einst über die christlichen Märtyrer verhängt worden waren. 3 ) Doch Gott legte bald auf Mamutius eine schwere Strafe, er verfiel nämlich in Epilepsie und tobte in diesem Zustand gegen alle Tugend. Der Zauberer wurde hierüber traurig und empfahl dem Volke, sich stets darüber zu freuen und zu jubeln, wenn der König von der Krankheit heimgesucht werde. Als nun Mamutius von einem Anfall genas, versammelte er das ganze Volk und verkündete ihm, wenn er in seiner Krankheit geistesabwesend erscheine, dann sei er in Wirklichkeit in den Himmel emporgetragen worden, und er leide in keiner Weise, sondern er spreche mit den Heiligen und erschaue das Paradies; aber Schmerz empfinde er, wenn er in die Welt zurückkehre, und wenn er sein Volk nicht so lieb hätte, so würde er gar nicht dahin zurückkehren. Er ') Vs. 527 suspi?-ia traxit ab imo Pectore nach Ovid. Met. 10,402. 2 ) 625 En alter Sceva nuda sine tegmine leva, wo Sceva für Scaevola steht. 3 ) Die Foltern vgl. Vs. 813—824. Hier heifit es 821 quia corvos in cruce pavit nach Horat. Ep. 1,16,48. Embrichos von Mainz Vita Mahumeti. 585 habe jetzt im Himmel mit den Göttern Rücksprache genommen und sie hätten ihm in allem zugestimmt. So verkünde er denn dem Volke, daß er Gott gleich sei und mit ihm zusammen die Herrschaft über alle Dinge angetreten habe. Und er könne seinem Volke das Versprechen geben, daß jeder durch Waschungen sich von seiner Sünde zu reinigen vermöge. Wer also schuldlos sein wolle, müsse sich fünf Waschungen unterziehen, um die Freuden des ewigen Lebens zu haben. Doch der Tag neige sich und er müsse seine Rede- abbrechen, ein jeder möge also von der Freiheit den richtigen Gebrauch machen, indem er nach seinem Willen lebe. Gewaltigen Beifall lösten diese Worte des Königs beim Volke aus und Freudengeschrei tönte bis zum Himmel. 1 ) „Aber wie wird es dir ergehen" — so wendet sich nun der Dichter in einer Apostrophe an Mamutius — „du grausamer und gottloser Räuber? Du wirst den Weg zur Hölle nehmen und als Glied des Satanas wirst du vom leeren Chaos verschlungen werden; 2 ) das Volk, das an dich glaubt, verfällt der ewigen Verdammnis!" 3 ) Als nun das schändliche Leben der Lybier kein Ende nahm, da beschloß Gott, die Übeltäter zu bestrafen. Eines Tages dachte Mamutius eben darüber nach, welches Gesetz er am nächsten Tage erlassen wolle. Da stürzte er plötzlich blutlos hin, sein Eingeweide wurde vom heftigsten Schmerze zerwühlt, seine Glieder versagten den Dienst, die Zunge wurde gelähmt, Schaum trat vor seinen Mund und der Atem setzte fast aus. Da der Zauberer nicht zugegen war, so konnte ihm niemand helfen, und schließlich fiel eine Herde von Schweinen über den König her, die ihn zerfleischte; seine Seele entfloh zur Hölle. Der Zauberer kam noch zu dem schrecklichen Anblick, wie die Säue am Leibe des Königs fraßen. Erst weinte er um ihn, doch seine Tränen versiegten schnell, als er sagte: „Als Priamus den Hector beweinte, haben ihm da seine Tränen etwas genützt? 4 ) Auch du machst den Toten dadurch nicht wieder lebendig!" Und er trug die Leiche auf ein Bett und rieb sie mit köstlichen Salben und Wohlgerüchen ein, hüllte sie in prächtige Gewänder und hielt eine Rede an das Volk: „Dieser Tag soll euch für alle Zeiten ein Feiertag sein, da an ihm euer König zum Himmel emporgestiegen ist. Glaubet aber nicht, daß er für euch verloren ist, denn er regiert seine Untertanen von dort oben. Und daß seine Glieder von Schweinen benagt sind, das will heißen, daß wir zwar äußerst gebrechlich sind; doch unser Tod bedeutet das Heil unsrer Seelen, und wir werden im Tode dem Mahumet folgen. Und ich füge zu dessen Gesetzen hinzu, daß ihr euch des Schweinefleisches enthalten sollt." Seit dieser Zeit betrachtet das Volk jeden als unrein, der vom Fleisch dieses Tieres genoß. Der Zauberer aber krönte sein Werk dadurch, daß er einen großen Tempel baute, an dessen Marmortür eine Aufschrift besagte:« „Hier wird dem durch Mahumet gegeben werden, der etwas Gutes erbittet." 5 ) Dieses ganze Gebäude bestand aus herrlichem Marmor. Aus der Ferne gesehen glich der Tempel einem goldenen Berge ') Vs. 979 Inque modum tonitrus tantits ferit aethera clamor (Verg. Aen. 5,140), Quantum Iunonis sub Iove nescit amor. a ) 993 chaos sorbebit inane. 3 ) 1001 Cumque tuo Mahumet Piatonis vidima fies. Vordem wird Mahumet 981 angeredet mit hostia Ditis. ■ 4 ) 1057 Quando pater Hectoraftebat, Num- quid ei lacrimae profuerunt? 5 ) 1112 Hie bene quod petitur, ■per Mahumet dabitur. 586 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, und im Innern erglänzte er in Gold und Edelsteinen wie der nächtliche Himmel im Sternenglanz. In der Mitte des Gebäudes war eine Kuppel eingebaut, worin die Leiche Mahumets bestattet wurde. Der Sarg aber wurde durch seine eigne Schwere in der Schwebe gehalten, während das törichte Volk glaubte, daß der Tote das Wunder bewirke. Zauberkunst also hat in Lybien die Verehrung Mahumets hervorgerufen. Der Dichter schließt mit den Worten: „So habe ich die Ursachen der Irrlehren aufgedeckt und wie die Muse jetzt schweige, so möge Mahumet dem Verderben geweiht sein.' 1 ) Zeugnisse. Was wir vom Dichter wissen, meldet ein kurzes Gedicht, das im Phillipp. 1694 nach p. 222 auf einem Pergamentblatt eingeheftet ist, vgl. V. Rose, die Meermanhss. der Kgl. Bibl. zu Berlin S. 402, während das Gedicht im Remensis civ. 1043 (743) der Vita Mahumeti vorausgeht, vgl. Wattenbach, Neues Archiv 17, 358. Es hat im Phillipp. die Ueberschrift Vita auctoris. Hier heißt es Vs. 3 Ergo sciant ?ioti 2 ) cnnctl pariterque remoti Hec quod composuit carmina, dum studuit, Embriclio, quem mores genus exaltant et hono- res ... (8) Mogontinus erat, mater ut eins erat. Von seiner Bildung 9 Noverat äuctores maiores atque minores, Et quibus hos voluit, legerat ut decuit. s ) Philosophos legit, anima sacra scripta subegit: Quicquid eiplacult, hoc satis exposuit. Quem si vidisset, quondam Naso coluisset, Prosa Sydonium, 4 ) carmine Virgiliwn . . . Hüne si cognoscere vultis, Aethicus et logicus extitit et phisicus. Der Schluß gibt vielleicht Beziehung zu dem Zauberer in der Vita Mahumeti, vgl. 18 Debent ergo senes cum puerls iuvenes Eius opus clare bene quod descripait amare, Ne magus utpereant vivere dum valeant, allerdings steht als Glosse über magus das Wort Symon mit biblischer Beziehung. Zum Mainzer Propst vgl. Lamperti Hersfeld, annales 1064 (ed. Pertz, Hannover 1874, p. 59) Heinricus Augustensis episcopus obiit ...Embriclio ei successit, praepositus Mogontinus, vir pontificalis modestiae et gravitatis. Das Gedieht über Mahumet würde dann wohl in Embricbos jüngere Jahre zu setzen sein, da der Verfasser der Vita auctoris nicht erwähnt, daß Embriclio Propst war, und sagt, daß er das Gedicht verfaßt habe dum studuit (Vs. 4). Zur Aufforderung durch Godebald vgl. Vita Mali. 71 At tu summorum speculum, Qodebalde, virorum, Quod fuerit, quaeris, prineipium sceleris Primaque tantorum fuerit quae causa malorum, Praecipis, expediam; praeeipis et facianr, hierzu die Ergänzung aus Phillipp. (bei Rose a. a. 0. S. 402) 76 precor, Ne trtinscribantw aut a multis videantur, Nostra timent vicia publica iudicia. Hec sed omittamus et ad ineeptum redeamus. Quod, rogo, iudicio perlege propitio. b ) Die sagenhaften Stoffe im Gedicht sind sehr zahlreich: Die Verlegung in die Zeit des Theodosius, die Zurückführung der Begründung dos Islam auf einen Zauberer, der einen Fluch auf die Kirche aussprach, die frühere Stellung Mahumets als Sklave, der furchtbare Stier, der König von Lybien, die epileptische Krankheit Mahumets und sein Tod, mit dem die eigentümliche Begründung des Verbots von Schweinefleisch verflochten wird. Christlich jedenfalls ist der Zug, daß sich der Zauberer weigert, bei seiner Reise ein Pferd zu besteigen. In der Apostrophe des Dichters an Mahumet 981 Quid facis his monitis scelerum caput, hostia Ditis und 983 Sed metuis credo. crudelis et impie latro ist die Apostrophe des Sedulius an Herodes zu erkennen, vgl. Pasch. Carm. 2, 83 und 127 ff. Die Form des Gedichtes sind also Distichen, deren Hexameter wie Pentameter mit ganz wenig Ausnahmen doppelsilbig gereint sind; ist das nicht der Fall, wie Vs. 549 und 977 f., so tritt an Stelle des Reimes der einzelnen Verse der Endreim im Distichon. Der poetische Ausdruck bietet nichts Bemerkenswertes, die wenigen Anklänge an die ältere Poesie sind in den Noten oben verzeichnet. Bemerkt sei noch, daß die Ver- schleifung in der poetischen Technik des Gedichts fehlt. Ueberlieferung. Das Gedicht ist frühzeitig Hildebert zugeschrieben worden, wie sich aus der doppelten Zusammenstellung mit dem Gedicht über die Maria Egyptiaca im Katalog von Schlettstadt 1296 erweist; vgl. Die Stadtbibl. v. Schlettstadt S. 6 N. 45 Vita Egyptiace et Macumeti, S. 7 N. 68 actus Machemeti Egyptiace. Und es steht auch in den heutigen Hss. unter Hildeberts Werken. Daß es von Embricho verfaßt ist, zeigte Wattenbach, Berl. SB. 1891 S. 113, vgl. V. Rose S. 402. Hauptis. Phillipp. 1694 (Meerman. 180) ') 1141 Hactenus errorum quia causas diximus horum, Musa manum teneat et Mahumet pereat. 2 ) So ist des Reimes wegen statt iuneti zu schreiben. 3 ) Ich verstehe Et hos legerat ut deeuit, quibus voluit. 4 ) Der Rem. 1043 gibt Suidonium und Wattenbach denkt daher an Sueton. Aber es ist natürlich an Sidonius festzuhalten, dessen Briefe als Muster galten. 6 ) Diese vier Verse fehlen in der nach einem Elnonensis, jetzt Paris. 274 gemachten Ausgabe bei Beaugendre; überhaupt hat der Phillipp. 1694 viele Verse, die im Paris, fehlen. Gedicht auf den hl. "Vincentius. 587 s. XII f. 105a—111b m it Schaltzettel (aus St. Arnulf in Metz) und der ähnliche Rem. civ. 1043 (743) v XIII; Paris. 274 s. XIII (aus St. Amand); außerdem die Hs in St. Omer civ. 115 s. XII— XIII, vgl. Arch. d. Gesellsch. f. alt. deutsche Geschichtskunde 8, 408 mit der Aufschrift Versus de Mahumeto ad Godeboldum. Ausgabe von Beaugendre, Hildeb. Cenom. opera col. 1277—1296. — Vgl. Wattenbach 2, 114. Hist. litt. 11, 380. 104. Gedicht auf den hl. Vincentius. Nicht lange vor dem Jahre 1052 brach zur Zeit der Quadragesima im Kloster St. Bertin ein Feuer aus, das aber, wie die Mönche glaubten, durch den Beistand der drei Ortsheiligen gelöscht werden konnte, und tags darauf hatte am Gregoriustage (12. März) der Bruder Rambert eine Erscheinung, die große Zufriedenheit unter den Mönchen auslösen mußte. Einer der Brüder brachte nun die hiermit im Zusammenhang stehenden Vorgänge in ein Gedicht, das eine gewisse metrische Kunstfertigkeit verrät. Der Dichter erzählt, daß im Kloster des hl. Bertinus Feuer entstand und daß der hl. Vincentius zu Hilfe kam, nachdem in der ganzen Stadt der Feuerlärm ertönte. Es erschienen drei weiße Tauben vom Himmel, die sich auf das Kreuz der Klosterkirche niederließen, und durch sie wurde das Feuer gelöscht. Später, am Gregoriustage hatte nun der Mönch Rambert eine Erscheinung des lil. Vincentius mit der Palme in der Hand. Der Heilige wandte sich an ihn und sagte, er wolle seine Brüder besuchen und deren Gelübde kennen lernen. Gott habe befohlen, das Kloster zu verbrennen, aber die hl. Bertinus und Audomarus hätten für das Kloster gebeten und er selbst habe sich ins Mittel gelegt und Gott habe Schonung versprochen. Die drei weißen Tauben seien er, Bertinus und Audomarus gewesen. Und Rambert möge den Brüdern sagen, daß sie die jährlichen Feste der drei Heiligen feiern und bewahren möchten. Die Erscheinung verschwand und die Mönche schwammen in Tränen der Rührung und vom Himmel begnadigt vermehren sie die Gesänge über die Heiligen. Das Gedicht besteht aus vierzehn fünfzeiligen Odenstrophen, deren erste vier Verse im allgemeinen regelmäßig gebaute Hendekasyllaben darstellen, 1 ) während die fünfte Zeile in zehn Strophen den pherekrateischen Vers, 2 ) in je einer den glykonischen 3 ) und den katalektischen daktylischen Trimeter mit dem Adonius') besitzt, Maße, die sämtlich aus Boethius genommen sind. Dagegen scheint 2, 5 ein daktylischer Trimeter zu sein, während 13, 5 Die metuant altitonantem einem mißglückten Asklepiadeus ähnlich sieht, falls die Überlieferung hier richtig ist. Der Dichter strebte also nach einer gewissen Polymetrie, wohl nach dem Vorbild des Boethius, aber seine metrischen Kenntnisse waren doch nicht ausreichend sowohl zu genügender Variierung als auch zur richtigen Anwendung der Maße. Zeugnisse. Zu der ganzen Erzählung vgl. des Ahtes Bovo von St. Bertin Relatio de invent et elevat. s. Bertini bei Mabillon, Acta SS. 3, 1, 156 und Holder-Egger, MG. SS. 15, 526 f. Daß das Gedicht kurz nach den Ereignissen verfaßt wurde, ergibt 1, 5 Tempestaic moderna. Bovo stimmt durch seine Worte quadragesimae observatione mit den Worten des >j Fehlerhaft sind 1, 4. 4, 3. 5, 2. 9, 3. | cons. phil. 2 metr. 6. 10, 3. 13, 2 gebaut, während 13, 3 zwei Silben \ 3 ) Strophe 4 nach Boeth. cons. phil. 1 fehlen, vielleicht infolge unvollkommener Ueberlieferung. 2 ) In Strophe 1. 3. 5. 7—12.14 nach Boeth metr. 6 etc. 4 ) Strophe 6 nach Boeth. cons. phil. 1 metr. 2. 588 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, Gedichts 2, 5 Tempus erat quadragesimae und spielt mit den Worten utque digestum penes nos invenüur in memoria s. Vincentii. martyris auf eine Schrift über Vincentius an, die man in St. Bertin verwahrte. Auch die Erscheinung des Heiligen, die Rambert hatte, wird von Bovo erwähnt. Bovos Worte, die zur Bestätigung des Gedichts dienen, sind c. 1 p. 526, 56 aedes dei subito igne liquantur . . . 527, 6 quod quadragesimae observatione fflud discrimen nobis acciderit; c. 2 His ita consumptis insecuta nocte cuidam nostrorum seni- orum, quem quia adhuc superest, nolo nominare, in somno viswm est videre quendam maqni- fiaim virum habitus candore niveum vultus splendore fulmineum; zur Löschung des Feuers 1 p 526, 41 Haud secus modernis temporibus . .. utque digestum penes non invenitw in memoria sancti Vincentii martyris ultio super nos divinae pendebat indignationis ... nisi idem sanctus martyr cum sanctis patronis nostris Audomaro videlicet atque Bevtino inter- cessores pro nobis coram domino assurrexissent. Da die von Lambert im Chron. Audomar. MG. SS. 5,65 gemeldete Feuersbrunst das ganze Kloster zerstört hatte, so macht Holder- Egger, MG. SS. 15, 517 n. 1 mit Recht darauf aufmerksam, daß das im Gedicht dargestellte Feuer nicht das des Jahres 1033 gewesen sein kann. Uebrigens besitzen wir für jenes noch eine dritte Quelle. Während nämlich Bovos Bericht sich durchaus nicht mit allen Einzelheiten des Gedichts deckt, ist dies tatsächlich der Fall mit den Mirac. s. Bertini contin. 1 (= c. 44) MG. SS. 15, 517 f., deren Verfasser die ganze Geschichte mit außerordentlich viel Worten erwähnt und auch den Rambert nennt; entweder sind die miracula vom Gedicht abhängig oder umgekehrt. Der Schluß des Gedichts lautet 14, 4 Sie Bertiniade gratificati Augent martyris odas. Ueberlieferung in der Hs. Mus. Brit. Kings libr. 13 A XXII f. 71b—72, von fjand s. XI—XII nachgetragen. Ausgabe von Dümmler, Neues Archiv 2, 228—30 mit Einführung S. 223. Vgl. Wattenbach 2, 170. 105. Arnulfs Delicie cleri. Ein Mönch Arnulf, der vielleicht aus Frankreich stammte und innerhalb der Jahre 1018 und 1020 geboren war, widmete zwischen 1054 und 1056 Heinrich III. und seiner Gemahlin Agnes ein Gedicht, das er Delicie cleri betitelt hatte und dessen Hauptinhalt aus 291 zweizeiligen Sprüchen besteht. Diese sind in zwölf Gruppen von je 24 Sprüchen angeordnet und zwar richten sie sich vom Vater an den Sohn, besitzen also eine ähnliche Einkleidung wie die im Ruodlieb gegebenen Lebensregeln — beides nach den Disticha Catonis. Je zwei Gruppen sind aber durch eine rhythmische Strophe getrennt, die aus vier jambischen Doppel-Achtsilbern besteht und die Zwischenreden des Sohnes auf die Lehren des Vaters enthält. Und da in den beiden Anfangsversen jeder Gruppe die Antwort des Vaters auf die Zwischenreden des Sohnes gegeben wird, so kommt jede Gruppe auf 25 Verspaare. Dies ist der Kern der Dichtung, der durch verschiedene kleine Gedichte umrahmt wird, nämlich im Anfang durch eine doppelte begrüßende Widmung 1 ) an den Kaiser und die Kaiserin, durch eine Darlegung des Themas und durch eine Anrufung Jesu, während am Ende ein Dialog zwischen Dichter und Gedicht erfolgt, der durch seine tetrastichische Anlage und distichische Einteilung dem ganzen Werke eng angepaßt ist und in drei Rätsel mit Lösung ausläuft. Den Schluß bilden mehrere kurze Gedichte, nämlich eine Empfehlung des Werkes an den Leser, wobei der Dichter seinen rückwärts gelesenen Namen verrät, eine Beichte, in der er sein Alter auf 36 Jahre angibt, ein Gebet an die Gottheit und endlich eine Danksagung an die Dreieinigkeit unter Anrufung einer Menge von ihren mystischen Benennungen. Da alle einzelnen Teile ohne Ausnahme ihre Überschriften erhalten, so sieht man deutlich, daß Arnulf von der schulmäßigeu *) Sie sind die einzigen Teile des Gedichts, die im elegischen Distichon verfaßt sind, Arnulfs Delicie cleri. 589 Ausgestaltung des Ganzen besonders viel hielt. Vielleicht ist er daher Lehrer in seinem Kloster gewesen, denn auf Belehrung in sittlicher Beziehung läuft das ganze Gedicht hinaus, dessen Form unzweifelhaft durch die Disticha Catonis bestimmt wurde, die neben den Sprüchen des Publilius Syrus die am meisten gekannte und gewürdigte gnomische Unterlage aus dem Altertum bildeten und auch von Arnulf hier und da benutzt wurden. Als Stoff für seine Sprüche wählte sich Arnulf die fünf Bücher des Alten Testaments, die im Mittelalter unter Salomos Namen gingen, nämlich die Sprüche, den Prediger, das Hohelied, die Weisheit Salomonis und das Buch Jesus Sirach. Daneben erscheinen auch andre biblische Quellen und Auszüge aus der alten gnomischen Poesie, nämlich die Disticha Catonis, die Publiliussprüche und die Sprüche der Sieben Weisen. 1 ) Außerdem wurden die Satiriker Horaz, Persius und Juvenal benutzt und zuweilen erscheint auch ein Gedanke aus Vergil, Sallust und aus den Epigrammen Prospers. Das hat im einzelnen E. Voigt nachgewiesen, 8 ) der sich der großen Mühe unterzog, die Quellen der distichischen Sprüche aufzudecken. Nun sind aber die wenigen Distichen, für die er eine Vorlage nicht ermitteln konnte, auch nicht aus den früheren oder zeitgenössischen Proverbiensammlungen nachzuweisen, 3 ) und wenn man Arnulfs Standpunkt zu seinen Quellen schärfer ins Auge faßt, so ergibt sich doch eine nicht geringe Selbständigkeit des Dichters. Diese bezeugt schon die Auswahl der Stellen aus den Vorlagen, denn da der Gedanke eines Bibelverses sich oft nicht auf ein ganzes Distichon verteilen ließ, so suchte der Dichter häufig nach einer ähnlichen Quellenstelle und verband diese geschickt mit der ersten zu dem Zweivers. Und da er die poetische Sprache völlig beherrschte, so sind nicht wenige unter seinen Distichen als völlig gelungen zu bezeichnen, d.h. Inhalt und Form decken sich vollkommen. Und das war insofern nicht leicht, als der durchgeführte leoninische Reim der Hexameter, der nur selten durch dreifachen Reim ersetzt wird, einer organischen Form spröde genug gegenüberstand. Hingegen kann man Arnulfs Verse nicht frei von einer gewissen Rhetorik nennen, denn die Alliteration drängt sich öfters stark hervor und Assonanzen und Wortspiele herrschen nicht selten in seinen Versen. Auch zeigt sich ein merkwürdig großer Reichtum an seltenen oder neugebildeten Wörtern, deren manche auf die Benutzung von Glossaren hinweisen. — Im Gegensatz zu den zwölf Gruppen der Sprüche, deren letzte mit einem Epilog und einem Gebete schließt, 4 ) stehen nun die zwölf Zwischenreden des Sohnes, die in die oben erwähnten, uns längst von den Angelsachsen bekannten Rhythmen 5 ) gekleidet sind. Der Sohn spricht sich in diesen ersten Zwischenreden über die Poesie und über die in ihr enthaltenen Lehren des Vaters in hohem Grade lobend aus, die späteren Stücke erhalten hingegen ein gelehrtes Gewand, wie Vs. 249 ff. von den Vertretern der freien Künste handelt, als deren Vertreter der Vater 465 f. hingestellt wird, während der ') So heißt es auch Vs. 170 Tene putas Gnomik gänzlich fehle. Septem sapientibus anteriorem. 4 ) Hier muß 689 geschrieben werden Suf- 2 ) Romanische Forschungen 2,385—389. fugii turris mihi sis grassamen ob hostis, denn 3 ) So sagte auch schon E.Voigt, Roma- grassamine ab hostis kann es nicht gut heißen, nische Forschungen 2, 389, daß dem Arnulf da Arnulf die Verschleifung meidet. der nationale Quellarm der mittelalterlichen 5 ) Vgl. Bd. 1, 140. 590 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Vater 357 if. nach seiner Kenntnis in der Musik gefragt wird. 1 ) Und dann erschallt das Lob des Vaters von neuem in allen Tonarten aus dem Munde des Sohnes, der die Töne seiner Melodien Vs. 520 f. höher stellt als die Lieder der Nachtigall und des Schwanes. Da aber mit Vs. 682 die väterlichen Sprüche ihr Ende erreicht haben, so verlangt der Sohn 683 f.: „Mein gleichsilbiger Rhythmus fordert nun, daß deine lieblichtönende Muse sich von ihrem Gesang erhole. Denn wer deine kunstreich gegliederten Ermahnungen befolgt, wird den Ruhm des Himmels in Ewigkeit genießen." Der Dialog zwischen Dichter und Gedicht stellt einen anfänglich sich an Horaz (Ep. 1, 20 und Carm. 2, 20) anlehnenden Streit dar, der mit allerhand Witzworten aus den römischen Satirikern reichlich gewürzt ist und mit der Bitte um Verzeihung von Seiten des Gedichts endet, nachdem der Dichter erklärt hat, sich mit solchen Größen wie Vergil und Horaz nicht in eine Linie zu stellen. Sodann aber geht der Dichter zum Angriff über und versucht das Gedicht mit drei Rätseln, 2 ) deren jedes in den zwei ersten Versen eine Aufforderung zum Raten enthält, während zwei weitere Verse ein Doppelrätsel von ähnlichen Elementen enthalten. Auf jedes Rätsel folgt die Lösung, die in gleicher Weise wie das Rätsel selbst disponiert ist. In der kurzen Fortsetzung des Dialogs benutzt der Dichter 3 ) den Vs. 80 aus dem Epithalamium Laurentii und das Gedicht nennt 791 seinen schon Vs. 11 angeführten Namen. Die kleinen Schlußgedichte sind ohne weitere Bedeutung, nur daß in der Commendatio 794 f. die hauptsächlichen Vorlagen angegeben werden. Diese letzten Gedichte enthalten übrigens, wie das ganze Werk, viel griechische Wörter, ohne daß man deshalb für den Verfasser die Kenntnis dieser Sprache anzunehmen brauchte. Zu erwähnen wäre noch, daß Arnulf in der Propositio Vs. 25 ausdrücklich auf Salomos Bücher als Quelle hinweist und, um dem gewählten Thema treu zu bleiben, in den beiden Widmungen Kaiser Heinrich mit Salomo und Agnes mit der Königin von Saba vergleicht. Das Gedicht scheint frühzeitig für den Unterricht verwendet worden zu sein, denn die beiden ältesten Handschriften sind glossiert; aber lange hat das Interesse für das Werk nicht vorgehalten, da die Überlieferung doch nur sehr beschränkt ist. Zeugnisse. Der Dichter kehrt seinen Namen Vs. 802 4 ) zu fusntdär um, heißt also Arnulf. Daß er Mönch war, ergibt 809 Ore tenus monachus und Sigebert von Gembloux, der de Script, eccl. 157 (ed. Miraeus p. 155) Arnulf erwähnt Arnulfus monachus excipiens de proverbiis Salomonis convenientiores sententias et litteram et allegoriam metrico lepore scripsit et digessit. Zur Abkunft vgl. die Einführung eines Schulmeisters im Harlei. 3222: Versificator iste Merocingus fertur fuisse und im Bruxell. 10719 sowie im Cantabr. univ. 1130: Versificator iste memoratur Galhts fuisse; Sicheres ergibt sich daraus allerdings nicht und bezüglich der sprachlichen Indizien, die nach Huemer S. 211 auf Frankreich hinzuweisen scheinen, ist mir nichts Besonderes aufgefallen: die große sprachliche Gewandtheit ') Zu den Fragen vgl. Boethius instit. mus. 3 ) Vs. 786 Duldet fraternis figantur basia ed. Friedlein p. 260, 24. 211,24. 20. 260,6 f. | labris. 2 ) N. 1 Vs. 761 ff. Jungfräulichkeit und I *) Daß die Verszahlen in der Ausgabe von Biene (auch schon bei Aldhelm Aen. 20, ed. , J.Huemer,RomaniscbeForschungen2,216— Ehwaldp. 106),N.2AdamundEnoch(Vs.772 ä | 244 von Vs. 474 an um eins, von 535 an um aus Sedul. P. C. 1, 106), N. 3 der Buchstabe L i zwei zu niedrig sind, bemerkte E. Voigt, und die dem L ähnliche Form des Kranich- | Kom. Forsch. 2, 388 n. 1. fiuges. Arnulfs Delioie cleri. 591 des Dichters und seine Fähigkeit in der Wortbildung scheinen mir, wenn man die eventuelle Benutzung von Aynards Glossar (s. unten) damit zusammenhält, eher auf lothringische Gegenden zu weisen. Die Zeit ergibt sich aus 805 f., wo der Dichter mit den Worten lam nunc sena mettm quinquennia conglobat evum, Tempus adhuc senos volitans annectü et annos auf 36 Jahre angibt und aus 21 Quod cum sceptrigeno solamen sit tibi gnato; diese Stelle erweist, daß Heim ich, der Sohn der Agnes, schon König war, als Arnulf die Widmung vornahm, also zwischen 1054—1056, daher ist der Dichter zwischen 1018—1020 geboren. Die Widmung an den Kaiser Vs. 1—12, an die Kaiserin Vs. 13—24; dort heißt es Vs. 24 Agnes, agna dei, daraus ergibt sich, daß Heinrich III. gemeint ist. Der Kern des Gedichts Vs. 37—682, zur Einteilung vgl. Voigt, Roman Forsch. 2. 385. Zu den von Voigt S. 385—389 nachgewiesenen Quellen sind einige Nachtläge zu machen. Vs. 146 2 ist Verg. Aen. 4, 116. Zu 202 vgl. Hör. Carm. 2, 10, 20. 238 2 ist Juven. 2, 8. 253 diuscule nach August, de trin. 11, 2. Zu 340 vgl. Odonis Clun. Occupatio 5, 526 f., Amarcii Seim. 4, 410, Eupolemii Messias 1, 286. Zu 367 orexi vgl. Juven 6, 428. 397 triscurria stammt aus Aynards Glossar bei Goetz, Corp. gl. lat. 5, 624, 26. 1 ) 399 Trina .. . macliina rerum aus Prudent. Cath. 9, 14,. Zu 438 vgl. Hör. Carm. 2, 18, 24 ff. 466 verbigena Prudent Cath. 3, 2. 475 Si sanum sapias aus Prudent. Peilst. 10, 247. 2 ) 489 Ampullaiur aus Hör. Ep. 1, 3, 14. 560 vapido sub corde nach Pers. 5. 117. 586 parvus parva loqueris (798 Parvi parva peiunt) nach Hör. Ep. 1, 7, 44. 640 forsit nach Hör. 1, 6, 49. 653 Indulgere mero nolins.ch Cat. Dist. 4, 10, 2. Das Vs. 656 von Voigt (S. 384) wohl richtig eingesetzte mutmut würde aus Charisius bei Keil, G. L. 1, 240, 28 stammen. 684 dulcimodus aus Prudent. Psych. 664; piplea (= Musa) aus Aynard bei Goetz, Corp. gl. lat. 5, 622, 40. 732 Ucuit semperque licebit aus Hör. A. P. 58. 736 nach Hör. A. P. 441. 744 Meonico . . . cigno nach Hör. Carm. 1, 6, 2. 747 nach Juven. 6, 165. 766 Carnis oirginitas aus Prosper Epigr. 76, 1. 772 mors miratur ademptum Sedul. P. C. 1, 106. 788 Nostre pars anime Hör. C. 2, 17, 5. Hierzu düiften noch einige Stellen kommen, wo Glossen benutzt worden sind, wie für 30 multicolus, 85 compransor, 97 siistollere, 199 surdaster, 815 baubando, 447 confanti, oll barbescentis (vgl. Corp. gl. lat. 5, 562, 55. 577, 2), 709 minitor- adtis [minitor ist bei Ducange zweimal belegt) und wohl auch noch anderwärts. 3 ) Verstechnik und Ausdruck. Einen sehr ausgiebigen Gebrauch macht Arnulf vom Reim, der sich manchmal fast auf zwei ganze Verse erstreckt, vgl. 473 f. 533 f. 543 f. 601 f. 607 f. 661 f. Nur ganz selten linden sich unreine Leoniner, und dreifach erscheint der Reim 244. 297. 481. 498. 576. 593. 671. 721—723. 777. 824. 833. Auffällig häufig ve-iwendet Arnulf monosyllabischen Ausgang 4 ) und zwar besonders im Anfang des Gedichts, vgl. 51. 129. 131. 186. 187. 319. 547. 671. 672. 813, außerdem vgl. 380. 763. 811. Zur Alliteration vgl. 180. 400. 613. 618. 621. 668. 700. 798. 803. 816, zur Assonanz und zum Wortspiel 8. 31 f. 61 f. 219. 340. 447. 660. Ein auffallend großer Reichtum an seltenen, meist wohl selbstgebildeten Wörtern findet sich, wie 20 sceptrigenus. 28 metricanus. 36 favoriflinis. 84 omnidatrix. 169 i/lorio. 230 penivomus. 259 monstrifluus. 279 cruorivorus. 285 cunctividens. 290 benedictiloquus 324 pravidicax. 346 cunctipater (392). 354 monefactare. 391 omnicreator. 430 horrißuax. 431 philopompus. 447 confans. 452 immersilis. 491 verbipotens. hcrbipotens. 508 pauciloquus. 518 comparamen. 520 sugganiens. 563 membelium. 643 lucridicus. 699 turmieomus. 709 mini- torculus. 733 faciecula. 742 pioesificus. 751 donax. 780 patramen. 802 doxifluus; hierzukommt 545 die Form locutu. Manche dieser Bildungen sind zwar nicht gerade geschmackvoll, aber es ergibt sich doch aus ihnen ein gewisses sprachliches Talent des Dichters. — Die Stelle über Musik lautet 357 Pape patris Terpsicore 5 ) cum diesi et limmate, Numquid nosti prosmelo- don, num nete iperboleon, Hiscine concinentibus constant proportionibus, Quas dicunt dia- tessaron diapente diapason. Zum überschwenglichen Lobe vgl. 520 Philomena sugganiens, oloris rostrum succinens Xtülo modo huiusmodi sufficiunt concentui. Bekanntschaft mit der antiken Fabelwelt ergibt sich aus 707 f. Dedalus Icareum despectat lugubris altum, Flesti . fidmineam Phaetontis, Fhebe, favillam. Der literarische Stieit hat den Wortlaut 743 {Li- bellus) jSoli bucolicen, noli fuscare Georgen, Cedere Meonico saltem dignabere cigno. (Poeta) Non, Maro, non vestra me iactito, Flacce, Thalia: Ungue tenus factum quem quis e ) educere catum? Rartor in toto quam Phenix unica mundo, Et quandoque bonus scriptor dorm Hat Homerus. Die Rätsel 7 ) heißen 763 Nascor per coitum, coitus et conscia non sum, Non sata conubio nascor de virgine virgo. 771 Cuius non nati subiit caro limina leti? Quemnam prognatum sibi mors miratur ademptum? 779 Cum caream lingua, bene possum promere ') Vgl. auch Remigius zu Priscian partit. I Quique lupum oivit. vers. Verg. (Keil, G. L. 3) 480,10 ed. Mani- \ 4 ) Wie Amarcius(Serm. 1,75. 91.127. 188. tius Münchener Museum 2,91. '■ 202 f. 223. 297 etc.). 2 ) Daß Arnulf dies Gedicht kannte, geht j 5 ) Terspicore ist wohl Druckfehler auch aus Vs. 88 edentulis hervor, denn das Wort stammt aus Perist. 10,305. 3 ) Zu 200 Quin asinum vivas vgl. den ähnlichen Ausdruck bei Amarcius Serm. 1, 77 Ich halte die Veränderung Voigts zu quit für unmöglich; quis = potes. 7 ) Die Lösungen siehe oben. 592 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. verba. Vidi litterulam volucris patramine pictam; die Rätsel schließen sich also ganz der alten Rätseldichtung an, nur daß sie ungewöhnlich kurz gehalten sind. Zur Erwähnung der Vorlagen vgl. 794 Numquid masloth hohes, num Continus ecclesiastes? Num tibi cunctorum Salomonis verba librorum und 25 f. Si Salomoniaci florem vis carpere libri, Hoc pete pra- tellum morali falce secandum. Die "Vergleiche in den Widmungen Vs. 7 pater auguste tum inferior Salomone und 18 Altera turegnisapiensregina Sabei, vgl.Huemer, Rom.Forsch.2,212 Ueberlieferung. Frühzeitige Benutzung ergibt sich aus einem Prosaargument und einem rhythmischen Vorwort, die sich in den Handschriften vor dem Gedichte finden. Das Argument, nach Art der späteren Accessus, führt das Gedicht mit vielen Worten ein, die außer der Heimatsangabe (s. oben) nichts Neues enthalten und sich besonders auf die Vorlage des Dichters wie auch auf die Form des Gedichts beziehen. Das rhythmische Vorwort besteht aus zehn Doppel-Achtsilbern und nimmt Bezug auf das Argument. Außerdem besitzen die beiden ältesten Handschriften Glossen, von denen die im Vindob. 388 mehrfach Verse aus Horaz, Persius und Juvenal anführen und zu 739 — Min. i. non, erva mortalis, hinc minerva immortalis — wörtlich die Remigiusglosse zu Martianus Capeila 3, 25 l ) wiedergeben. Arnulf erscheint dann im alten Katalog zu St. Amand (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 453) N. 148 und p. 454 N. 172, wo beidemal die Cleri delitiae angeführt werden. Im 15. Jahrhundert wird er im Breviloquus Benthemianus als Gewährsmann — Amulfus quidam ex- positor — zitiert, vgl. K. Hamann Mitteilungen aus dem Breviloquus Benthemianus, Hamburg 1879, S.V. Handschriften: Mus. Brit. Harlei. 3222 s. XI—XII f. 89 ff.; Vindob. 388 s. XII; Bruxell. 10719 s. XII f. 201 ff.; Cantabrig. univ. 1130 s. XV; unvollständig im Turic civ. 58/275 s. XII f. 17"—21»; ein Fragment in St. Omer 2 ) N. 115 s. XII f. 41a—42". Ausgaben: Anfang und Ende von Reiffenberg, Annuaire de la bibl. royale Belgique 4, 98—102 und von Wattenbach, Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1867 S. 1—4; vollständig von J. Huemer, Romanische Forschungen 2, 215—246. — Vgl. E. Voigt, Roman. Forsch.2. 383 —390 und 3, 461 f. (textkritische und zur Quellenbestimmung dienende Beiträge); Wattenba ch 2,2. J.Werner, Beiträge z. Kunde d. latein. Literatur des Mittelalters 2 , Aarau 1905, S. 62 f. 106. Williram von Ebersberg. Williram stammte von vornehmer fränkischer Familie ab und hat wohl seine Bildung in Bamberg erhalten. 3 ) Wir treffen ihn wenigstens später dort als Scholasticus und in dieser Stellung mag er sich seine ausgebreiteten Kenntnisse in der profanen wie in der kirchlichen Literatur angeeignet haben. Gehören ihm die in der Berliner Handschrift überlieferten kleineren Gedichte wirklich an, so wird uns sein Lehramt durch sie sofort verständlich. Denn sie handeln in recht schulmäßiger Weise über eine ganze Reihe von Fragen über biblische Stoffe und zwar meist in wenig geschickter, mehr gespreizter Art, zuweilen im Ton schulmeisterlicher Überlegenheit. Von Bamberg kam er später nach Fulda, wo er Mönch wurde. Die reiche Bibliothek, die er hier vorfand, ermöglichte ihm, sein Wissen zu vertiefen, obwohl die Wissenschaften selbst hier nicht mehr in der alten Weise betrieben wurden. Aber noch stand Fulda im Mittelpunkte des klösterlichen Lebens im Reiche und zugleich stand es in enger Verbindung mit der königlichen Familie. Vielleicht betrachtete Williram sein Mönchtum nur als Übergang zur Abtswürde, die ihm, dem Sproß eines hohen Geschlechts, wohl zufallen mußte, falls er sich darum bewarb. Aber es geht doch aus dem Prolog zum Hohenliede deutlich hervor, daß er auch auf Vervollkommnung im geistlichen Leben und auf die damit zusammenhängenden Übungen großen 1 ) Hrsg. von Manitius im Didaskaleion 2,70. 2 ) Vgl. Ch. Fierville, Notices et extraits 31, 1,88. 3 )H.Reichau, Williram (Magdeburg 1878) S. 19 hält es für wahrscheinlich, daß er in Frankreich oder wenigstens in Lothringen seine Ausbildung gewann. Es ist aber doch sehr fraglich, ob dies aus der Erwähnung Lanfranks geschlossen werden darf (ed. Seemüller 1,14 ff.). Williram von Ebersberg. . 593 Wert legte. Im Jahre 1048 wurde er dann zum Abte des Klosters Ebers- berg in Oberbayern durch Heinrich III. erhoben. Hier in Ebersberg wurde unter seinem Regiment 1 ) eine kurze Klosterchronik verfaßt, die bis zu seinem Vorgänger Ekkibert reicht. Der Verfasser dieser kleinen Schrift folgt vielfach sagenhafter Übei lieferung, er hat aber eine Menge alter Tatsachen aufbewahrt und auch eine große Zahl von Urkunden benutzt, wie sich aus den Traditiones Eberspergenses ergibt. Er beginnt mit der Zeit von Ludwigs des Deutschen Sohne Karlmann und setzt mit einer Sage vom Grafen Sigihard ein, der auf der Jagd auf einen ungeheuren Eber stieß; in der Nähe des Ortes, wo dieser Eber lag, wurde 934 eine Kirche errichtet. Weitere Sagen beziehen sich auf die Ungarnkriege und wie stark das persönliche Element in dieser Art von Geschichtschreibung oft waltet, ergibt sich daraus, daß unsre Chronik eigentlich mehr eine Chronik derjenigen Familien darstellt, aus denen die Äbte stammen, als daß sie die Geschichte des Klosters erzählt. Da sie nun verwirrt und unklar geschrieben ist, so ist kaum anzunehmen, daß ein so geistreicher und in schöner Sprache schreibender Mann wie Williram ihr Verfasser gewesen ist; dagegen ist wohl zuzugeben, daß sie durch Williram veranlaßt wurde, wie auf ihn ja wohl auch die Anlage des in der gleichen Handschrift überlieferten Char- tulars des Klosters zurückzuführen ist, 2 ) wo auch sein Name öfters genannt wird. Man ersieht aus diesem Chartular in seinen Traditionen und Konkambien deutlich die große Fürsorge, mit der sich Williram seines Klosters annahm. 3 ) Dabei vernachlässigte er aber die geistige Seite seines Berufes keineswegs, wovon sein Hauptwerk und die ihm vorangestellte Vorrede Zeugnis ablegt. Williram hatte nämlich den Plan gefaßt, das Verständnis des Hohen Liedes in weitere Kreise zu tragen und sogar den Laien zu übermitteln. Über Veranlassung und Entstehung des Buches klärt die Vorrede genügend auf. Hier heißt es: „Der früheren Zeiten Studien in der Bibel sind gewichen, Habsucht, Neid und Streit sind an ihre Stelle getreten. Und wer etwa noch die Schule besucht, glaubt mit Grammatik und Dialektik genug zu haben; die hl. Schrift gilt ihm nichts mehr, obwohl es doch den Christen nur darum erlaubt ist, heidnische Bücher zu lesen, um den Unterschied von Licht und Finsternis gewahren zu können. Wer aber in der Theologie erfahren ist, lacht hochmütig über die, die beim Lesen und Singen Fehler machen, und kommt deren Schwachheit nicht zu Hilfe, indem er sie auf den rechten Weg leitet oder die fehlerhaften Bücher korrigiert. Nur von Lantfrank in Frankreich habe ich erfahren, daß er früher in der Dialektik sehr Großes leistete und sich nun zu den kirchlichen Studien begeben hat; und zwar hat er durch seine Arbeiten über die paulinischen Briefe und über den Psalter*) den Geist vieler Schüler geschärft. Und da auch viele ') Daß die Chronik alt ist, erweist Hirsch, Jahrb. d. Deutschen Reichs unter Heinrich II. Bd.l S.151n. 2 ) Daß auf seine Veranlassung die Chronik wie auch der Liber traditionum entstanden ist, meint wohl richtig Fr. H. Graf Hundt, Münch. Abhdl. 14. 3, 117. Zur Chronik vgl. W. Scherer, Wiener SB. 53, 271 ff. 3 ) Vgl. W. Scherer a. a. 0. S. 274—281. 4 ) Die Schrift zu den paulinischen Briefen steht im Paris. 653 und im Brugensis 83 ; die über den Psalter scheint verloren zu sein. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 38 594 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Deutsche bei ihm hören, so hoffe ich, daß nach seinem Beispiel auch in unsern Ländern diese Beschäftigung Frucht bringen möge. So habe ich beschlossen, auch von meiner Seite eifrigen Lesern Stoff zu bieten und das Hohelied, das schon durch seinen Namen seine Bedeutung anzeigt, durch Verse und deutsche Bearbeitung zu erklären, so daß das Werk, in die Mitte von beiden gestellt, um so leichter verstanden werde. Von mir selbst habe ich nichts hinzugetan, sondern das ganze Werk aus verschiedenen Erklärungen der heiligen Väter zusammengestellt und bin sowohl bei dem Gedicht wie bei der deutschen Bearbeitung mehr dem Sinne als den Worten der Vorlage gefolgt. Zuweilen habe ich dieselben Verse gebraucht, da ich es nicht für unschicklich hielt, die Gedanken mit den gleichen Versen zu wiederholen, die der hl. Geist öfters mit denselben Worten aussprach. Ferner habe ich den Faden der Erklärung mit dem Namen des Bräutigams und der Braut bezeichnet, um seine Geltung zu erhöhen und um jeden Leser durch den Wechsel der Personen zu ergötzen. Vielleicht trügt mich ein liebenswürdiger Irrtum — oder hat die Gnade, die auf Salomo herabregnete, mir auch einen Tropfen geschenkt: wenn ich mein Werk lese, so gefällt es mir derart, als ob es von einem bewährten Verfasser stamme. Ich empfehle es aber, solange ich lebe, zur Verbesserung gelehrteren Leuten als ich bin; wenn ich irgendwo gefehlt habe, will ich dort auf ihren Wunsch ändern, und ich werde mich nicht schämen, dort hinzuzufügen, wo es jenen gefällt." Dies Vorwort zeichnet sich durch zweierlei aus. Einmal ist es klar und deutlich verfaßt, der Autor spricht offen aus, was er will. Und dann ist es nach seiner formalen Seite ein wahrer Genuß, mitten in den verschränkten und verschnörkelten Vorreden der Zeit, die von Wortschwall strotzen, einmal ein schönes, reines und einfaches Latein zu finden, das eigentlich nur durch seinen Endreim der Sätze die Zeit seiner Entstehung offenbart. Dies Vorwort gestattet aber auch, ungefähr wenigstens die Zeit der Abfassung des Werkes zu bestimmen. Da nämlich Lanfrank hier als berühmter Lehrer erscheint, als der er von 1059 bis zu seiner 1063 erfolgenden Erhebung zum Abte zu Caen bekannt ist, 1 ) so ergibt sich, daß Williram während dieser Zeit geschrieben hat. Das Vorwort verfaßte er aber, als seine Arbeit schon vollendet war, wie er selbst deutlich angibt. Er richtet sein Werk nun nicht an eine einzelne Person, sondern an alle Personen, die Interesse an der Sache haben. Und da er eine ausführliche deutsche Erklärung gibt, die er fast wörtlich lateinischen Quellen entnahm. so denkt er sich unter seinen studiosi lectores jedenfalls auch Laien. Und das wird dadurch zur Gewißheit erhoben, daß er sein Werk später König Heinrich IV. mit einem Gedicht übersandte. 2 ) In diesen elf Distichen klagt Williram über die Kleinheit und über den geringen Ertrag seiner Abtei; darüber hätten ihm nur Geschenke aus der Hand des königlichen Vaters hinweghelfen können, und daher sei auch mit dem Tode Heinrichs III. seine ganze Hoffnung erloschen. Denn von ihm, von dem neuen Könige, habe er bei dessen Jugend noch nichts hoffen können, aber er habe auf ihn ver- ') H. Reichau, Williram S. 7 und n. 3. 4. vgl. aber P. Pietsch, Ztschr. f. deutsche 2 ) H. Reichau, Williram S. 7-12 sucht Philol. 9, 229 f. und die Darstellung bei Hau ck die Unechtheit des Gedichts nachzuweisen; 3,969. Wüliram von Ebersberg. 595 traut für die Zeit, da er zum Manne reife.- Inzwischen habe er sich mit der Dichtkunst getröstet und er biete ihm hiermit sein geringes Werk an. Dies möge den König ermahnen, ihm beizuspringen, der vor Hoffnung dahinsieche, den das Alter und der Aufenthalt in der Fremde bedrücke. So möge er ihm beistehen und ihm wenigstens gestatten, in sein Kloster zurückzukehren. Aus dieser Widmung aber geht hervor, daß Williram, als er Fulda verlassen hatte, auf eine höhere Stellung rechnete, als sie ihm das kleine Kloster Ebersberg bot, dessen Geringfügigkeit er Heinrich IV. in dem Gedichte deutlich vor Augen stellte. Es scheint, daß er damals, als er das Gedicht schrieb, die Hoffnung auf ein Bistum noch nicht aufgegeben hatte. Das ergibt sich aus den Worten, der König möge ihn wenigstens in sein Kloster zurückkehren lassen. Diese Worte scheinen aber auch darauf zu deuten, daß Williram sich mindestens noch Hoffnung auf die Abtswürde in dem mächtigen Kloster Fulda machte. Die Widmung an Heinrich IV. hat man meist in das Jahr 1069 gesetzt; ich möchte mich aber hier der Anschauung Reichaus anschließen, 1 ) daß nämlich eher an 1065 zu denken ist, als die Schwertleite des jungen Königs erfolgte. Wenn nun auch Heinrich die Widmung des Gedichts angenommen hat, die Bitte Willirams hat er nicht erfüllt, denn dieser blieb bis an sein Lebensende Abt von Ebersberg. Schon für seinen 1042 gestorbenen Vetter Heribert, Bischof von Eich- stätt hatte er einst das Epitaph gedichtet und für sich selbst verfaßte er gleichfalls die Grabschrift in sieben Distichen. Sie ist nach ihrem Inhalte recht niederdrückend, denn es ist eigentlich bloß von der Sündhaftigkeit des Verstorbenen die Rede, der sich jede Art von Fehlern zuschreibt; als einziges positives Verdienst erwähnt er, daß er Bücher korrigiert habe, 2 ) aber er stellt das gleich wieder in den Schatten, indem er sagt, daß er nicht nach der in den Büchern enthaltenen Sittenlehre gelebt habe. Nach einer Abtszeit von 37 Jahren ist Williram 1085 gestorben. Jedenfalls war ihm der Aufstieg zum Bistum versagt geblieben, da er sich wohl mit den Machthabern nicht stellen konnte und er Heinrichs IV. Gunst nicht erlangte. Es ist auch für uns verschlossen, welche Partei er in dem großen Kampfe zwischen Staat und Kirche ergriff, 3 ) wir wissen nur, daß er stets darauf bedacht war, den Besitz und die Mittel seines Klosters zu mehren. Und auf dieses mehr persönliche Element ging wohl auch, wie wir schon oben sahen, das Hauptwerk seines Lebens zurück, das sich mehr an die Laien als an die Kleriker richtete. Wir erkennen in ihm einen formgewandten Schriftsteller, der sich lateinisch und deutsch gut auszudrücken wußte, der aber auf Selbständigkeit Verzicht leistete. Zeugnisse. Zur Abstammung vgl. W. Scherer, Wiener SB. 53, 261, wo besonders auf Lamberts von Deutz Worte in der Vita Heriberti (MG. SS. 4,741) clarissima Wormacensium ■progenie mundo editus hingewiesen wird, die von seinem Verwandten Heribert von Köln gesagt werden; auch Heribert von Eichstätt ist sein Verwandter, vgl. Anon. Haserensis 32 (MG. SS. 7, 260, 30). Die Stellung in Bamberg bezeugt die Aufschrift in der Breslauer Hs. ') a. a. O. S.9; allerdings läßt Reichau das Gedicht überhaupt nicht gelten. 2 ) Vgl. hierzu W. Scherer, Wiener SB. 53, 283 f. 3 ) Ich kann mich der Auffassung von H. Reichau a. a. 0. S. 4 nicht anschließen; die dort angeführten Stellen reichen keineswegs zur Begründung von Willirams Stellung auf Seiten des Papstes aus. Vor allem spricht schon die Widmung des Hohenliedes an den König dagegen. 38* 596 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. lncipit praefatio Wülirammi Babinbergensis scholastici Fuldensis monachi. In der Lambaclier jetzt Berliner Hs. folgen auf Willhams Werk fünfzehn kleinere Gedichte, vgl. Germania (hrsg. von F. H. v. d. Hagen) 5. 179—183 (Berlin 1843) und W. Scherer, Wiener SB. 53, 265—269. Die Stoffe für diese Gedichte entnahm Williram der Bibel, deren Worte er entweder in leoninische Hexameter umsetzte oder wesentlich erweiterte, indem er sie mit allegorischen Deutungen versah. Dabei zeigt sich nirgends eine besondere Selbständigkeit oder noch weniger eine individuelle Stimmung. Namentlich sind es alttestamentliche Stellen, die behandelt werden und zwar zuweilen mit Aufwendung vieler Rhetorik. Zwei dieser Gedichte sind aber persönlicher Natur und gehören viel späterer Zeit an, nämlich ein Gedicht an Heinrich IV. und Willirams von ihm selbst gedichtetes Epitaph (s. unten). W. Scherer hebt in diesen kleinen Stücken „eine ausgebildete Anschauung weltlicher Dinge, das Bedürfnis und die Fähigkeit politischer Erwägungen, auf wissenschaftlichem Gebiete einen Zug zu dem scheinbar Trockensten, der rechnenden Beschäftigung mit Zahlen" hervor und vermißt das lyrische Talent, den Aufschwung in Hymnen und Psalmen, den Ausdruck überzeugter Frömmigkeit und gottergebenen Sinnes. Ich kann mich dieser Charakteristik nach den gedruckten Proben nur anschließen, möchte aber die von Scherer S. 269 hervorgehobene große formelle Gewandtheit im lateinischen Ausdruck nicht besonders betonen, denn das auffällige Streben nach Kürze, das hier hervortritt, läßt sich mit ihr nicht gut vereinen. Die Gedichte stehen in der Berliner s. XII (früher Lambaclier) und in der Ebersberger (jetzt Monac. germ. 10 s. XI) Hs., ferner in der Hs. von Kremsmünster s. XI und teilweise im Vat. Pal. 73 s. XI —XU. Zur möglichen Anschauung über die Abtswürde vgl. das Gedicht an Heinrich IV. Vs. 15 cum res mm staret in arto und 17 Affuit interea solatriv parva camena. Die Hingabe an geistliche Uebungen ergibt sich aus dem Tadel im Prolog zum Hohenliede (ed. J. Seemüller p. 1, 6 divinae paginae omnino obliviscuntur, cum ob hoc solum ehristianis liceat gentiles libros legere und 11 caeteros qui in lectionibus et canticis peccant derident, nee imbecillitati eorum ... quiequam consulti exhibent. Zur Abtszeit Willirams vgl. Graf Hundt. Münch. Abhdl. 14, 3, 124 und den Catal. abb. Ebersperg. (MG. SS. 20, 15.21) WilH- rammus abbas 37 (seil, sedtt amws). — Das Chron. Eberspergense, das von Hirsch, Jahrbücher d. Deutschen Reichs unter Heinrich II. Bd. 1, 151 Anm. als alt erkannt wurde, findet sich im Münchner Archiv Ebersberg Cartul. B s. XI f. 1 — 6; dort f. 7—50 der Cod. traditionum Eberspergensium ; Ausgabe 1 ) von W.Arndt, MG. SS. 20,10—16, Verbesserung einer Stelle durch C. Hofmann, Münch. SB. 1871 S. 423, n. 3. In den Traditionen wird Williram oft genannt, vgl. die Ausgabe von Graf Hundt a a. O. N. 72. 74. 76. 100 etc. und in den Konkambien N. 12. 17. 21. 26. 124—126 etc. Ueber das Verhältnis Willirams zum Kloster vgl. Scherer S. 273 ff. Die Paraphrase des Hohenliedes. Der Prolog ist in seiner Sachlichkeit und in seiner einfachen Sprache für jene Zeit fast einzig zu nennen. Leider vermißt man allerdings darin die Angabe eines besonderen Zweckes der Schrift, sowie auch die Stellung des Verfassers zu den großen kirchlichen Fragen nicht hervortritt. Diese aber ist nach der späteren Widmung an Heinrich IV. noch durchaus königlich und entspricht also der der Mehrheit des deutschen Klerus. Das Werk selbst ist als eine Dreiheit oder als Zweiheit gedacht, je nachdem man den biblischen Text der Cantica mitrechnet oder nicht. Die Vorrede zeigt an, daß seine älteste Gestalt auf dreispaltiger Seite in der Mitte den Test der Cantica besaß, links von dem hexametrischen Gedicht und rechts von der ausführlichen deutschen Erklärung umgeben. Die eigentliche Arbeit Willirams hat nun darin bestanden, daß er nach den ihm vorliegenden Quellen, die ihm eine Erklärung des Textes boten, diese Erklärung einerseits in lateinische Verse umgoß und andrerseits ins Deutsche übersetzte, so aber, daß beidemal oft eine freie Übersetzung des biblischen Textes vorangestellt wurde, dem dann die Erklärung in lateinischen Versen und in deutscher Prosa folgte. Übrigens hat Williram, wie das auch schon Notker getan hatte, seiner deutschen ') Zu erwähnen sind hier die Ausdrücke p. 10, 18 arenatium lapidem (nach Isid. Et. 19.10,7) und 10, 22 Eruncari iube locum (vielleicht aus einer Glosse nach Columella 2, 11,5 herbas eruncato). Williram von Ebersberg. 597 Prosa eine große Menge lateinischer Sätze, Satzteile und Worte einverleibt. Das hat er, wie von J. Seemüller richtig hervorgehoben wurde, 1 ) deshalb getan, „um damit die Hauptbegriffe der Allegorie zu bezeichnen, an die man sich zu halten habe, um das ganze Gewebe von Symbolen und Auslegungen besser zu übersehen". Nach den Darlegungen von Scherer und Seemüller ist nun der Kommentar Haimos zum Hohenliede 2 ) die Grundlage für Willirams Erklärung gewesen. Diese Tatsache wird freilich von Hauck geleugnet, da Williram um 1060 schrieb und Haimo den Gegenpapst Wibert (Clemens III.) nennt, der 1080 als Gegner Gregors VII. aufgestellt wurde. Außer dem Werke Haimos lassen sich aber auch die Kommentare Bedas, Alchvines und von Angelomus als Quellen erkennen. Die Benutzung ist in stofflicher Beziehung eine sehr ausgedehnte, formal ist hingegen Williram sehr frei verfahren. Denn die schwierigen Stellen seiner Vorlagen sind meist weggelassen und öfters wird durch kleine Zusätze eine größere Deutlichkeit erzielt. Das Verhältnis des lateinischen Gedichtes aber, das für uns die größere Wichtigkeit besitzt, zur deutschen Prosa ist meist so gehalten, daß beide sich in der bedeutenden Erweiterung, die der biblische Text erfährt, decken, obwohl an manchen Stellen die deutsche Prosa noch reichhaltiger als das Gedicht ist. Die Einteilung des Gedichts erfolgt nach patristischem Vorgange, der von der späteren Zeit bezüglich der typo- logischen Bedeutung des Hohenliedes angenommen worden war. Es stellt sich nämlich dar als ein Gespräch, das zwischen der Synagoge, der Kirche und Christus geführt wird, wobei der Hauptanteil im Gespräche der Kirche zufällt. Allerdings sprechen die drei nicht nur zueinander, sondern auch übereinander, und es finden sich auch Stellen, wo die Bezugnahme überhaupt wegfällt. Eine besonders bedeutende Leistung ist das Gedicht nun nicht, denn Williram begnügte sich damit, den Wortlaut des biblischen Textes und die in der Vorlage gefundene Erklärung in Verse zu bringen und miteinander zu verbinden. Die poetische Sprache der Zeit ist ihm geläutig und er ist auch in der Metrik zu Hause, so daß seine leoninisch gereimten Verse meist richtig gebaut sind. Auch zeigen sich Spuren davon, daß Williram die üblichen Schuldichter gelesen hatte, 3 ) obwohl solche Stellen nicht irgendwie häufig sind. Daß einige Verse sich in dem Gedicht wiederholen, 4 ) entschuldigt er selbst in der Vorrede zum ganzen Werk mit dem Vorgang des hl. Geistes. Die Überlieferung des Gedichtes aber ist derartig, daß z. B. in der Dresdner und in der Breslauer Handschrift Verse stehen, die sich sonst nicht finden, und daher hat Pietsch jedenfalls mit Recht geschlossen, 5 ) daß wir zwei Redaktionen des Gedichts besitzen, die auf Williram selbst zurückgehen, der ohnehin in der Vorrede bemerkt, daß er nicht verfehlen werde, Nachträge anzubringen, falls solche nötig seien. 6 ) ') Quellen und Forschungen 28 S. IX. | lumine lumen Prud. Apoth. 278. 857 plenis 2 ) Vgl. Sigebert de Script, eccl. 135 (ed. Miraeus p. 151). 3 ) Vs. 296 Omnia vincit amor = Verg. Ecl. 10,69. 367 nichil omni parte beatumB.01: C 2, 16, 27 f. 784 fame ludicra ri'dens Ovid. Fast. 4, 311. 837 Equevum numen, verum de . j addere. nigredine corvis Aldhelmi Iaud. vhg. 491. 4 ) So 837 = 1418. 6 ) a. a. O. S. 238. 6 ) J. Seemaller, Quellen u. Forsch. 28, 2, 43 si quid Ulis placuerit, non pigritor 598 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Zeugnisse. Der Prolog ist gedruckt bei Schilter, Thes. ant. Teuton. 1, 3, IL, bei v. d. Hagen, Germania 5, 1S8 und (am besten) bei J. Seemüller, Quellen und Forsch. 28 lf Hier heißt es von Lanfrank S. 1,14 Unum in Francia comperi Lernt fran cum nomine, antea maxime valentem in dialectica, nunc ad ecclesiastica se contulisse studio et in epistolis Pauli et psalterio multorum sua subtilitate aeuisse ingenia. Ad quem audiendum cum multi nostratum confluant, spero quod eius exemplo etiam in nostris proyineiis ad multorum utili- tatem industriae suae fruetum producant. Ueber das Werk S. 2, 24 Itaque cantica canticorum . . . statui ... et versibus et teutonica planiora reddere, ut corpus in media positum Ms utrimque cingatur, et ita facilius intellectui oecurrat, quod investigatur. De meo nihil addieli sed omnia de sanetorum patrum diversis expositionibus eruta in unum compegi et magia sensui quam verbis tarn in versibus quam in teutonica operam dedi. FAsdem versibus interdum utor, quia quae spiritus sanetus eisdem verbis saepius repetivit, haec etiam nie eisdem versibus saepius repetere non indecens visum fuit. Daß das Werk beendet war, ergeben die Worte S. 2,40 interdum mea legem sie delectabiliter afficior, quasi haec probatus aliquis com- posuerit auetor. Das Gedicht an Heinrich IV. steht bei Schilter Praef. p. 2 und bei v. d. Hagen, Germania 5, 181; hier heißt es Vs. 5 Iussa tut patris subii iuvenilibus annis, Preditus exiguo pauper ego ipse loco . .. Nam vaeuis manibus numquam rediit mihi missus, Sed plus grata mihi gratia colloquii ... Mortem quando luit, spes mea tota mit. Ex hinc te parvo cum res mea staret in arto, Hec tarnen hec mea spes si iuvenis fieres. Affuit in- terea solatrix parva camena, Rex invicte, librum que tibi dat modicum. Sit mens hie monitor, qui spe languente fatigor, quem tardat Senium, quem gravat exilium. Si subducis opem, sattem preeide laborem, Meque monasterium da repedare meum. Zum Epitaph für Heribert vgl. Anon. Haser. 32 (MG. SS. 7, 263., 30) Cuius sepulcro tale appositum est epitaphium ab egregio illo versificatore Willerammo abbate consanguineo scilicel suo compositum: Eece dei servus praesul iaeeo hie Heribertus et reliqua. Die eigne Grabschrift bei Schilter Praef. p. 2 und bei v. d. Hagen 5, 182 N. 13; hier heißt es Vs. 1 Fuldensis monachus Wilram de fönte vocatus, 6 Nil ego preterii quidquid erat vitii. Correxi libros, neglexi moribus illos, Iusti supplicii conscius ipse mihi. Ueberlieferung. Sie ist, wie die Hss. und die Aufschriften in alten Katalogen erweisen, ziemlich mannigfaltig. Die ursprüngliche Anordnung (BCFGKN Seemüller) war die, daß auf der dreispaltigen Seite in der Mitte die Vulgata, links die metrische Paraphrase und rechts die deutsche Prosaauslegung steht. Diese Reihenfolge ist in andern Hss. gestört (EMAOP Seemüller) und einige Hss. überliefern nur das lateinische Gedicht. Zuerst wird das Werk in Egmond s. XI erwähnt (Arcbief vor Nederl. Kerkgeschiedenis 2. 149), heute Leid. 130.') Die wichtigsten Hss. sind Monac. germ. 10 s. XI, Leid. bibl. publ. 130 s. XI, die Breslauer s. XI und die Lambacher in Berlin s. XII; zu den von Seemüller, Quellen und Forsch. 28,10 f. (vgl. 24, 5 ff.) aufgeführten kommen hinzu Monac. 14514 s. XII und Vatic. 5096, sowie das Fragment Monac. 4622 f. 34—35 (aus Freising). Das lateinische Gedicht steht ohne deutsche Erklärung im Vindob. 1147 s. XII, im Dresd. A 167 a s. XII und mit einer lateinischen Uebersetzung der deutschen Auslegung im Guelferbyt.' Gud. 131 s. XII; verloren scheint der Claromontanus, den A. Beaugendre im Anhang zu Hildeberti opera benutzte. Ausgaben von P. Merula, Willerami abbatis in Canticum cantiorum parapbrasis gemina, Lugd. Bat. 1598 (ohne Vulgatatext) und besonders von J. Schilter im Thesaurus antiquitatum Teutonicarum 1, III (Ulm 1727); das lateinische Gedicht bei Beaugendre, Hildeberti Cenom. episc. opera, Addenda; die deutsche Erklärung von J. Seemüller, Quellen und Forsch. 28,1—67 (früher von H. Hoffmann, Williram's Uebersetzung und Auslegung des Hohenliedes, Breslau 1827, und von v. d. Hagen in dessen Germania4,153—173 und 5, 143—179 mit Anhang S. 179—183 über Willirams kleinere Gedichte und S. 187 f. über den Inhalt der Lambacher Hs.). Grundlegende Arbeit über Williram von W. Scherer, Wiener SB. 53, 197—303, und über sein Werk von J. Seemüller, Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgesch. d. germ. Völker Bd. 24. Vgl. auch P. Pietsch, Ztschr. f. deutsche Philologie 9,227—240. — Uebrigens erhielt die deutsche Auslegung im 12. Jahrhundert eine Umarbeitung durch die Aebtissinnen Rilindis und Herrat von Hohenburg, die sich im Vindob. 2719 erhielt; Ausgabe von J. Haupt, Das Hohe Lied, übersetzt von Willeram, erklärt von Rilindis und Herrat, Wien 1864. ') Dann s. XII in Oberaltaich (Mitt. d. Inst. I Bibliothekar. Unterhaltungen 2,40 unter G25) f. österr. Gesch. 4, 288), s. XIII in einer un- | und 1514 in Altzelle (Neues Arch. f. Sachs. bekannten deutschen Bibliothek (Wiener Stu- , Gesch. 18, 255 unter Q 7); die letzten drei dien 6,326) und 1265 in Passau (Serapeum . Stellen besaßen nur das lateinische Gedicht. 25,247), 1488 in Bordesholm (Mensdorf. Eupolemius. 599 107. Eupolemius. Wer sich hinter dem Pseudonym Eupolemius verbirgt, ist völlig unbekannt, vielleicht war es ein germanischer Name wie Wicpert oder Hartwich. Möglicherweise ist das Pseudonym durch den Namen Amarcius beeinflußt worden, denn Beziehungen beider Dichter zueinander, und wären sie auch nur literarischer Art, halte ich für sicher. Die Zeit des Dichters ergibt sich wenigstens ungefähr aus folgendem. An mehreren Stellen seines Gedichts 1 ) zeigt sich, daß er zur Zeit des beginnenden Rittertums lebte, da dort die Verachtung bäurischen Wesens durch den ritterlichen Stand deutlich zum Ausdruck kommt. Besonders aber fällt von der Form ins Gewicht, daß in dem 1463 Hexameter zählenden Gedicht die Verse nur selten und unauffällig gereimt sind, daß also der leoninische Reim fehlt, und daß an 186 Stellen Elision eintritt 2 ) und der Hiat mehrmals zugelassen ist. 3 ) Das spricht beides dafür, daß Eupolemius nicht erst im 12. Jahrhundert dichtete, wie ich früher annahm, 4 ) sondern daß er ins 11. Jahrhundert zu setzen ist. Auch die häufige Anwendung monosyllabischen Ausgangs der Verse, besonders mit vorhergehendem Monosyllabus dürfte für das 11. Jahrhundert sprechen, da sich bei Amarcius ähnliches beobachten läßt. 5 ) Der Dichter aber hat in Frankreich gelebt, denn in der großen Völkerkarte 2, 488—548 zählt er 534 ff. zehn gallische Völkerschaften auf, während aus Deutschland nur fünf genannt werden. Unter diesen Völkerschaften erscheinen Vs. 537 auch die Rotomer, die Bewohner von Rouen und Umgebung, und an einer, andern Stelle wird auf einen Ort in der Umgebung von Rouen angespielt. Nämlich 1, 679 heißt es lathomago, quod nomen huic dedit urbi und ich fasse dies als Caudebec, dessen alter Name Lcttomagus ist, auf den hier höchst wahrscheinlich Bezug genommen wird. So würden wir auf einen Dichter kommen, der vielleicht kurz nach der Zeit des Amarcius im nördlichen Frankreich gelebt hat und seinen eigentlichen, wohl fränkischen Namen nach der gräzisierenden Richtung seines Werkes in Eupolemius umänderte. Das Gedicht stellt eine der ältesten Messiaden des Mittelalters in lateinischer Form dar, die allerdings in der Namengebung stark mit griechischen Elementen durchsetzt ist. Der Dichter besingt in epischer Form die Befreiung des jüdischen Volkes aus unglückseliger Gefangenschaft, die erst durch Moses versucht und dann durch den sich dem Tode weihenden Messias vollbracht wird. Messias ist der Sohn des Agatus, d. i. Gottes, und er wird durch Judas, den Sohn des Antropus, d. i. des Menschen, der sich dem Cacus, d. i. dem Bösen, geweiht hat, tödlich verwundet und wird nach seinem Tode auf den Thron des Vaters erhöht. Diese Grundgedanken des Gedichts entstammen also der Verbindung von alt- und neutestamentlicher Überlieferung und sind mit einer gewissen Kühnheit und Tiefe durchgeführt, und ') Nämlich 2, 11'ff. 110—124. 667—673. , 5 ) Eupolemius hat auf 1463 Verse 18 wirk- 2 ) Unterlassen ist sie 1,672. i liehe Monosyllabi und 52 mit vorausgehendem 3 ) Nämlich 1,330.362. ' monosyllabischem Wort; Amarcius auf 2734 4 ) Romanische Forschungen 6,511. Mit- ' Verse 79 und 124. teihmgen d. Instituts für österr. Gesch. 24, 195. | 600 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. es ist möglich, daß die Psychomachie des Prudentius dafür vorbildlich war. 1 ) Die Ausführung selbst ist so gehalten, daß bei den gewaltigen Kämpfen die vorgeführt werden, das Vorbild des alten Epos, besonders Vergils und Lucans, unausgesetzt erkennbar wird. Die beiderseitigen Truppen stehen unter Führern, deren Namen allegorisch gewählt sind; meist sind es Personifikationen von Tugenden und Lastern und zwar in griechischer, allerdings reichlich verderbter Form und nur wenig Namen hebräischen und lateinischen 2 ) Ursprungs begegnen. Meist werden den betreffenden Führern die sich aus ihren Namen ergebenden Eigenschaften beigelegt. Die Darstellung vollzieht sich ganz im Sinne des alten Epos mit reichlicher Anwendung von Vergleichen, mit Einlegung von Schildbeschreibungen und von Schilderungen künstlich gearbeiteter Gefäße. Besonders aber tritt das rhetorische Element hervor, denn ein. großer Teil der zum Gange der epischen Erzählung notwendig gewordenen Vorereignisse beruht auf Erzählung des Moses und außerdem nehmen die Reden der handelnden Helden einen sehr breiten Raum ein. Häufig wird aber der epische Fluß in echt mittelalterlicher Weise durch eingestreute Sentenzen, Sinnsprüche und Sprichwörter gehemmt, und hierfür dienten Horaz und Amarcius als Fundgrube. Doch erleidet die Erzählung häufig auch noch eine andre Unterbrechung. Der Dichter hat nämlich mit Vorliebe bei einer Menge kurzer Schilderungen von alttestamentlichen Helden- und Wundertaten ein gewisses schulmeisterliches Element walten lassen, indem er diese Dinge in Verbindung mit Erzählungen aus der antiken Mythologie setzte und die antiken Mythen aus den jüdischen ohne weiteres ableitete, ein Verfahren, das auch schon früheren Dichtern nicht fremd ist und auf dem ja die Ekloge Theoduls gaDz beruht. Und bei der Gleichheit der Stoffe Theoduls mit den betreffenden Stellen des Eupolemius 3 ) muß man unbedingt auf Theodul als Vorlage für unsern Dichter schließen. Das Gedicht verdient eine knappe Inhaltsangabe. Nach kurzer Ankündigung des Stoffes und nach Abweisung der Musen erfolgt zum Beweise der Rechtgläubigkeit des Dichters eine kurze Doxologie, 4 ) worauf das eigentliche Epos beginnt. Antropus hatte zwei Söhne namens Judas und Ethnis. Ethnis fühlte sich ganz zu Cacus hingezogen, wollte von Agatus nichts wissen und lebte im Götzendienst, während Judas unter der Herrschaft des Tyrannen Tenebros von Cedar stand, im Herzen aber dem Agatus zugetan war. Diesen jammerte das Los des Unglücklichen, und da seine frühere Gesandtschaft des Amphicopas und Polipater an Cacus erfolglos verlaufen war, schickte er den Moses nach Babylon zu Judas, um ihm zu melden, daß er ihn und seine Mitgefangenen von der Herrschaft des Cacus mit Gewalt befreien wolle. Moses eröffnet nun dem Judas die ganze ^ or- geschichte seiner Gefangenschaft: „In der Stadt Jebus 5 ) herrschte, wie auch 1 ) Vgl. Gröber, Grundriß d.roman. Philo- I J ) Amarcius hat sie an den Schluß seines logie 2, 1,393. ( Werkes gestellt und Eupolemius hat sich an 2 ) So Fuscus, Omino und Bisus. j sie angelehnt. 3 ) Dieser hat allerdings drei Vergleiche, die sich bei Theodul nicht finden; vgl. zu dem Sachverhalt meine Bemerkungen in Bd. 1, 139. 574 n. 1 und Ztsclir. f. vergleichende Literaturgeschichte 15, 101 —158. 5 ) Vs. 1, 71 ff. heißt es, daß sie einst Salem geheißen habe und vom Volke Jerusalem, von den lateinischen Grammatikern Solima genannt werde. Eupolemius. 601 noch heute, König Agatus. Dieser übertrug dem Cacus so viel Macht, daß man ihn Phosphorus nannte. Doch er empörte sich gegen seinen Herrn und wurde abgesetzt und entwich erst nach Cedar, dann nach Ägypten und nahm Aphilus und Superifames 1 ) als Genossen an. Nachdem Agatus auch den Apolides entfernt hatte, ging er damit um, die hohe Stelle des Cacus deinem Vater Antropus zu übertragen. Davon hörte Cacus und feuerte den Aphilus an, Antropus zu töten oder in ein fernes Land zu schleppen; außerdem gewann er den verschlagenen Ophites, dem Antropus mit List in nahen. Ophites aber gewann zur Überlistung noch den Antifronon hinzu, vor dem Agatus den Antropus stets gewarnt hatte. Beide machten sich nun ans Werk und suchten Antropus in seinem herrlichen Garten auf. Ophites überzeugte den arglosen Jüngling, daß Antropus ihn nur deshalb vor Antifronon gewarnt habe, damit er durch dessen ausgezeichnete Gesellschaft ihm nicht ähnlich und den Göttern gleich werde. So ließ sich Antropus betören und ging mit ihnen. Alsbald aber fiel er in die Gewalt des furchtbaren Amartigenes, des Sohnes Antifronons und des innigsten Freundes von Apolides, und Cacus frohlockte, als er den Gefangenen sah, und schenkte dem Amartigenes das Königreich Babylon, wohin er Antropus entführen sollte. Agatus aber trauerte über den Verlust, der ihn betroffen hatte, und gab die hohe Stellung des Antropus an Plirisophus. Antropus nahm sich später ein Weib und zeugte mit ihr dich und deinen Bruder, die ihr so unähnliche Brüder seid wie Kain und Abel. Denn Ethnis hing sich ganz an Cacus und verfiel der Sünde. Um dich zu erlösen, sandte nun Agatus den Polipater und Amphicopas an Amartigenes und Cacus ab. Du nahmst Amphicopas gastlich auf, während dein Bruder ihn arg verhöhnte und Amartigenes den alten, würdigen Polipater mit dem ärgsten Spott übergoß, worauf dieser ihm seine früheren Heldentaten berichtete, bis der wilde Hiperefanes ihnen die Rede abschnitt und erklärte, daß er die Gesandten gefangen nehmen werde. Das geschah auch, aber Polipater starb schon nach wenig Jahren, und König Agatus erzürnte heftig über die Gewalttat und schickte mich nun als Gesandten ab, um dem Cacus den Krieg zu erklären. So wird sich dein Schicksal zum Guten wenden." Moses hatte diese Worte noch nicht vollendet, als Eleymon, der Rat des Agatus, meldete, daß Nomus mit starker Kriegsschar angelangt sei. Sofort eilte Moses dem befreundeten Führer entgegen, wunderte sich aber, daß der Messias zur Befreiung nicht selbst gekommen sei, worauf Eleymon prophetisch äußerte, daß Agatus die Dauer der Gefangenschaft auf 38 Jahre angegeben habe und daß nach der Hälfte dieser Zeit der Sonn des Königs als Friedebringer kommen werde; dann aber werde Judas dem Messias feind sein und Ethnis werde sich zu Gott wenden. Nun sammelte Cacus sein Heer und wandte sich an Aplestes und trug ihm auf, den Judas zu betören und ganz auf seine Seite zu ziehen. Aplestes brachte dem Jüngling ein goldnes Kalb und verführte sein Herz, so daß sich Judas wie sein Bruder Ethnis zum Bösen wandte. Schon rückte Nomus mit seinem Heere zum Kampfe heran, ') Die Grundform des Namens ist Hyperephanes (vgl. Amarcius 4, 296), die später in mehreren Abarten erscheint. C02 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. als Ektrifon die Kunde brachte, daß Judas im feindlichen Heere die Fahne trage und gesonnen sei, den König Agatus selbst zum Gefangenen des Amartigenes zu machen. Darauf riet der kluge Moses zur Vorsicht, aber Nomus stürmte voran und sie drangen siegreich ins Lager der Feinde ein und töteten eine Menge; auch Judas blutete aus vielen Wunden und bat um sein Leben. Und nach dem Siege kam Moses zu Judas und redete ihm eindringlich zu, vom Bösen abzulassen, und Eleymon verkündete ihm, daß der Messias kommen werde, um zu siegen. Und Omino, der vertraute Rat des Königs, freute sich, daß Judas Besserung versprach, und stieß gegen Cacus und seinen Anhang heftige Drohungen aus. 1 ) Kaum war die Sonne am andern Tage aufgegangen, als die Kunde zu Apolides drang, das Heer des Königs von Jerusalem sei vor die Tore der Stadt gerückt. Apolides sprach den Seinen sofort Mut ein, da man es nur mit einem bäurischen Gegner zu tun habe, und führte sein Heer vor die Tore. Die Schlacht begann und in dem mörderischen Kampfe, der viele Helden auf Cacus, Seite vernichtete, griff Moses den Aplestes an. Doch diesem eilte Amartigenes, der Sohn des Antifronon, zu Hilfe, der dem Moses eine tödliche Wunde beibrachte, so daß er tot hinsank, nachdem er dem Nomus seinen herrlichen Schild übergeben hatte. Moses' Nachfolger wurde Sother, der dem Feinde die größten Verluste zufügte und namentlich dem gewaltigen Seon, der gegen das Heer des Agatus beleidigende Reden geführt hatte, den Mund für immer schloß. Auf Sother aber warf sich wie ein wilder Löwe Amartigenes und tötete ihn im Kampfe, so daß im Heere des Cacus großer Jubel erscholl und die wilden Scharen nun immer stärker auf das Heer des Agatus einstürmten. Da brach hier Verwirrung aus und erst das mannhafte Auftreten Critos, des Sohnes von Moses, hob den gesunkenen Mut und stellte die Schlacht wieder her. In dem Kampfe aber zeichnete sich Doxius so aus, daß der entsetzliche Amartigenes endlich mit gezücktem Schwert auf ihn eindrang und ihn mit furchtbaren Hieben tötete. Und auch jetzt wieder wich das tapfere Heer vor dem stürmenden Angriff zurück und die Scharen des Apolides drangen vor und höhnten den Nomus und die Seinen und zogen endlich nach Überwindung der Feinde siegesfroh in ihre Stadt zurück. Aber der edle Eleymon eilte aus dem Gemetzel zu Agatus und verkündete ihm die Niederlage, und auf seinen Rat wurde Orontes mit sechzehn Fähnlein abgesandt, um den Kampf zu erneuern und die Gefangenen zu befreien. Als Orontes am Euphrat angelangt war, hielt Apolides wieder erhitzte Reden an die Seinen und Ethnis riet, man solle den schicksalskundigen Ermadolon die Zukunft aus allerhand Wahrzeichen befragen lassen. Das geschah auch am andern Tage und der Priester weissagte den Sieg. Und schon brach Cacus an der Spitze seines Heeres hervor und zog gegen den Feind. Gewaltig war das Morden auf beiden Seiten und trotz vieler Verluste trug Cacus den Sieg davon, wobei Judas den Oron. den man gefangen hatte, ums Leben brachte. Und nach diesem zweiten Siege opferten die Chaldäer den Göttern, Politeon war aber darüber unwillig, daß Judas zu keiner von beiden Seiten neigte, und benutzte die Gelegenheit, sich als Damit schließt das erste Buch. Eupolemius. ß03 den Herrn der Welt zu rühmen. 1 ) Und Judas wandte sich dadurch wieder ganz den Göttern zu. Als nun Agatus seinem Sohne Messias die Erneuerung des Kampfes übertragen wollte, sprach Eleymon dagegen; er verkündete den Sieg nur unter der Bedingung, daß Messias sich in die Kleider einer Alten aus Bethlehem 2 ) hülle und damit angetan in der Schlacht den Tod suche. So zog denn Messias an der Spitze von 12000 Mann in den Kampf, die Fürsten des Cacus aber zogen ihm entgegen bis Jericho in Judäa. Mitten in der Schlacht änderte Ethnis seine Gesinnung und ging zu Agatus über. In dem Kampfe wurden die meisten Führer auf seiten des Cacus getötet und sogar Amartigenes zum Tode verwundet aus der Schlacht gebracht. Cacus selbst griff den Messias an, der ihn waffenlos machte, und als Cacus den Judas zu Hilfe rief und dieser auf den Messias eindrang, flüchtete der Messias, um nicht von seinem eignen Verwandten getötet zu werden, bis zu den Toren von Jerusalem, wo er sich der Verkündigung Eleymons erinnerte und sich töten ließ. Da ergriff den Cacus bleiche Furcht und sein Heer wurde von Eutropius in die Flucht geschlagen. Darauf kehrten alle Gefangenen in das Land Sion zurück, aber die Mutter des Messias verfiel in untröstliche Klagen über den Tod des Sohnes. Sein Leib wurde in ein königliches Grab gelegt und drei Tage später soll er in Galiläa von glaubhaften Zeugen lebend gesehen worden sein. Sein frommer Vater aber holte ihn zu sich und ließ ihn neben sich auf dem Throne sitzen. Das ist lange vor der Zeit geschehen, da die Römer Jerusalem eroberten. Wer aber nachdenken will, fügt der Dichter hinzu, der wird leicht die Hülle zerbrechen können und auf den Kern des Gedichtes kommen. In dieser kurzen Inhaltsangabe habe ich natürlich darauf verzichtet, alle größeren Episoden, wie die Darstellung der Einzelkämpfe, die Beschreibungen von Schilden und Kunstwerken und die zahlreichen epischen Vergleiche wie die häufig eingestreuten Sentenzen zu berühren. Dieses ganze Beiwerk trägt aber entschieden zur größeren Lebendigkeit des Gedichtes bei und läßt, wie das ganze Gedicht, erkennen, daß Eupolemius einen gewissen Geschmack besessen hat und in der lateinischen Dichtung durchaus geübt gewesen ist. Ich schließe hier ein ähnliches Gedicht an, das aber aus etwas späterer Zeit stammen muß, da hier der leoninische Reim durchaus herrscht und die Elision völlig fehlt. Der Dichter hat den Stoff in die Vision eines Traumes gekleidet. Die Fürsten Fuscus von Jericho und Dicheophilus von Jerusalem sind mit ihren Mannen gegeneinander in den Kampf ausgerückt und Dicheophilus feuert die Seinen an, indem er ihnen Mut einspricht und sie auf das Beispiel von Jerobaal hinweist. 3 ) Schon tobte die Schlacht unter furchtbaren Verlusten für beide Seiten, als der einäugige Enoraienes aus M Hier werden von ihm eine Menge Völker Form, dei Welt von Indien bis zu den Aethiopen 2 ) Nämlich der Parthenia mit dem Beigenannt, die er alle unterworfen habe (2,488— namen Taumoto aus dem Stamme Davids 550). Diese Völkerkalte ist nach Lucan Buch 1. j (2, 580 ff.). 2 und 3 sowie nach Orosius 1,2 und nach 3 ) Vs. 26 (Romanische Forschungen 6,5) Plinius gegeben und dabei werden 2, 535 ff. ceu soptim paglna dicit beweist, daß der besonders gallische Stämme berücksichtigt. Dichter das Vorwort des Hieronymus zum Im allgemeinen werden nur antike Namen ' Alten Testament kannte. Das Gedicht be- vorgeführt, doch manche in mittelalterlicher \ steht übrigens aus 152 Versen. 604 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. dem Stamme Sauls den Bethlehemiten einen schrecklichen Hinterhalt bereitete. Und er hätte den Sieg errungen, wenn nicht Budochius dem Dicheo- philus mit aller Macht zu Hilfe geeilt wäre: er stellte mit Hilfe des schönen Candax die Schlacht wieder her. Da eilte Fuscus zu den Seinigen und feuerte ihren Mut an und zeigte ihnen seinen Schild, worauf der Künstler mit großer Naturtreue dargestellt hatte, wie Vulcan durch Mars und Venus hintergangen wurde. Von einem Hügel in der Nähe stürmte er herab und schmähte auf die Waffen des Candax, auf dessen Schild Zambri samt der Dirne von Phineas durchstochen wurde. Als nun Fuscus auf den Jüngling einen gewaltigen Angriff machte, traf er Roß und Reiter, so daß Candax halbtot hinsank. Da betete der kühne Fassor zu Gott, ihm gegen Fuscus beizustehen, und er schlug ihn auch wirklich nieder, so daß ihn die Seinen auf dem Schild aus der Schlacht trugen. Aber auch Candax wurde in sein Zelt getragen, als der Abend herannahte und der Schlacht ein Ende machte. Da weinte Simplicius, der Vater des Candax, über seinen Sohn, 1 ) und auch ich. fügt der Dichter hinzu, wälzte mich in Tränen und Schmerz und ich erwachte. Man sieht, dalä dies Gedicht viele Ähnlichkeit mit dem des Eupolemius hat. Die Namen der Kämpfenden sind ähnlich gewählt, wenn auch einige lateinische begegnen; die Örtlichkeiten sind fast die gleichen, längere Kampfszenen werden ausgeführt, Schildbeschreibungen fehlen nicht und auch die antike Mythologie spielt herein 2 ) und zwar wird sie auch hier in eine gewisse Beziehung zur jüdischen Heldenzeit gesetzt. Auch werden hier Vergil und Ovid benutzt. Aber die Ausführung steht doch ziemlich tief unter dem Eupolemius. Denn dessen Klarheit erreicht unser Dichter nicht, sein Gedicht hat eine Menge dunkle Stellen und die Gedanken werden oft gar nicht verknüpft. Auch fehlt die ruhige und sichere Schilderung des Eupolemius; besonders die Kampfszenen lassen bei weitem nicht die nötige Durcharbeitung erkennen, trotzdem Vergil oft zugrunde liegt. Allerdings sind manche Stellen in der Handschrift unleserlich geworden, wodurch das Verständnis unterbrochen wird. Zeugnisse. A. Eupolemius. Der Name Eupolemius beruht auf der Handschrift, die G. Fabricius, Antiquae scholae Christianae puerilis libri duo (Basil. 1564) p. 2 ff. benutzte, 3 ) feiner auf der Handschrift von P. Leyser nach A. Fabricius (Bibl. lat. med. et inf. aetatis, Florent 1858, 2, 535) Eupolemius sub quo nomine Über scriptus carmine fuit Ilelmstadii apud PoJycarpum Leijseritm zov naxagunr. Incipit: Contra mcssiam violentipraelia Caci, und endlich auf Dresd. De 171», wo f. 17 a oben eine Hand aus saec. XIV über das nicht überschriebene Gedicht setzte Eupolemius, korrigiert in Etipolomius, sowie auf Vesont. 536 f. 1 IAber Eupolemii. lieber Beziehungen des Messias zum Amarcius vgl. die Noten in meiner Ausgabe in Romanische Forschungen 6, 513—556 und Mitteil. d. Inst. f. österr. Gesch. 24. 195 f. Zu den Gründen für Abfassung im 11. Jahrhundert kommt außerdem, daß beide Hss. aus saec. Xll stammen, und daß in der Angabe für die Zeit der Handlung 2. 770 f. 4 ) die Einnahme Jerusalems durch die Kreuzfahrer unerwähnt bleibt, was sicher nicht geschehen wäre, wenn die Dichtung nach 1099 fiele. Zu Vergil, Lucan sowie Ovid, Hoiaz und Prudentius vgl. die Noten in meiner Ausgabe; außerdem suchte ich zu erweisen, daß sich Eupolemius häufig an die Occupationes Odos von Cuni anlehnt, vgl. Mitteil. d. Inst. f. östeir. Gesch. 24, 196. Als Nachträge gebe ich hier: 1, 20 vgl. Prudent. Apoth. 494: 5 ) 2, 65 Verg.Aen. 10, 783; 89 f. Hygin fab. 88; 94 f. Ovid. Amat. 2, 374; 181 ff. ') Vs. 150 Cur patretn deseris wie Sulpic. *) Her, longe sunt gesta prius quam Tusca Sev. epist. 3, 10 (p. 148, 11 Halm). iuventus Destrueret Solimam, que nunc habet 2 ) Vs. 74 ff. 102—107 über Asklepios (draco Helia notnen, Golgotheque locus muris in- Epidaurius). clusus habetur. ') Nach dem dem Werke vorangestellten 5 ) Mit dem seit 1,34 öfters begegnenden Autorenverzeichnis bedeutet Eupolemius hier Namen Amartigenes ist der Titel Hamarti- wie auch sonst den Dichter, nicht das Gedicht. , genia des Prudentius zu vergleichen. Eupolemius. 605 (181 ist Panotius zu schreiben) Isid. Et. 11, 3, 19; 184 ff. Isid. 11, 3, 23; 186 Isid. 11, 3, 17 der Form Lemnia liegt Blemmya zugiunde); 262 Verg. Aen.3, 468; 432 Aen. 9, 809; 449 f. Aen. 11,418; 547 Piudent. in Symm. 2, 809; 777 Amarc. 1, 217. Hierzu kommt die schon oben berühite starke Anlehnung an die Ekloge Theoduls und vielfältige Benutzung der Bibel. Eigentümlich sind dem Gedichte die griechischen Namen, wofür allerdings hei Pru- dentius, Theodulus, Odo (antropus Occup. 2, 125) und Amarcius schon manches Vorbild gegeben war. Ich erwähne hier 1 ) als besondere Bildungen Namen wie Antifronon, Diglossa, Politeon, Virtalmus, Amonosis, Linglaus, Seon, Ermadalon, Iereus und von der Seite des Agatus Plirisophus, Ektrifon, Omino, Crito, Irinews, Sarcodomas, Pistena, Leuconous, Pathon, Tapinus und Pasterias. Es zeigt sich übrigens bei der Deklination dieser Namen, daß der griechische Akkusativ bevorzugt wird, so 1, 148. 561. 588. 2, 44 f. 100. 182. 202. 419, und ebenso findet sich 2, 48 Anfiaraon, 2, 282 Aleiden, 2, 327 Eufraten und von Gedeon 2, 272 (jedeona. Die griechischen Namen sind wahrscheinlich einer Quelle, vielleicht einem Glossar entlehnt, während die griechische Deklination auf genauer Beobachtung solcher Formen in der lateinischen Poesie beruhen kann. Vergleiche sind häufig, s. Roman. Forsch. 6, 512, in ihnen findet sich, wie auch sonst, vielerlei antik-mythologisches Material verarbeitet. Für die Schildbeschreibungen 2, 65. 82. 271. 605 und zu den Beschreibungen von Trinkgefäßen dienten biblische Stoffe, die der Dichter der jüdischen Heldenzeit entnahm. Sentenzen, Sprichwörter u. dgl. 1, 78 f. 139 ff. 286. 290. 300 f. 303. 484 f. 666. 681. 2, 194 f. 224 f. Herleitung antiker Mythen aus jüdischen 1, 397—401 Joseph und Hippolytus, 410 f. Moses und Ammon, 500—505 goldnes Kalb und Jupiter als Stier, 666—674 Turmbau zu Babel und Gigantenkampf, 2, 44—48 Datan und Amphioraus. 72—75 Noah und die deukalionische Flut, 86—92 Josua und Juppiter, 275—287 Simson und Herkules, 407—410 Jesseus 5 ) und Achill, 606- 611 Elias und Phaethon, 616—622 Jakob und Diomedes. Die Ueberlieferung ist spärlich, doch muß es früher mehr Handschriften gegeben haben. Nämlich G. Fabricius teilte in Antiquae scholae Christianae puerilis libri duo (Basil. 1564) einige kleinere Stücke aus dem Gedichte mit (p. 2 ff.), die von der Dresdner Hs. nicht nur in der Orthographie abweichen. Die Hs. im Besitze von Leyser ist Besancon 536 (bis 1789 bei J.W. Huber in Basel). Erhalten ist das Werk im Dresd. De 171» s. XII 3 ) (aus dem Peterskloster in Merseburg) f. 17 a — 38b (ungenaue Abschrift von G. Klemm im Dresd. R 146 f. fol. 30a—48'>) und in der Hs. von Besancon 536 s. XII med. f. 1— 21. 4 ) Ausgabe von Manitius, Roman. Forschungen 6, 513—556 (nach der Dresdner Hs.); Berichtigungen aus der Hs. Neues Archiv 28, 737 f. Verbesserungen zum Texte Mitteil. d. Instit. f. österr. Gesch. 24, 193 f. Kollation der Hs. von Besancon mit der Ausgabe für 2,718—779 von Traube, Neues Archiv 26, 174. Vgl. Wattenbach 2, 3 n. 1 und Gröber, Grundriß d. roman. Philologie 2, 1, 393. B. Visionäre Messiade. Beginn (Roman. Forsch. 6, 4) JYo.r erat ... Tum mihi pre- clarum per visum cernere bellum Contigit. Der Name des einen Helden Fuscus (von Jericho) begegnet auch bei Eupolemius, Eudochius und Dikaeophilus (Dicheophilus) sind ebenfalls klar, desgleichen Candax und Fassor (Phassur), doch Enoraienes (Vs. 46. 56) ist mir unklar. Schildbeschreibungen vgl. Vs. 71—77 5 ) und 95—99. Von Interesse ist der Vergleich einer durch die Lüfte zischenden Lanze (Vs. 100 ff.) mit Draco sie Epidaurius antris Aureus exiliens cecis et in aere pendens Provolat intente pernicis more sagitte, Donec ad ignote regionis dnlcia Tempe Pervenit inque novis se colligat advena nidis; es scheint, daß hierzu Porphyrio in Horat. Sat. 1, 3, 27 benutzt ist. Zur Verwendung von Vergil und Ovid vgl. die Noten in meiner Ausgabe. Ueberlieferung im Dresd. A 167-i s. XII f. 37a—39 a , Ausgabe von Manitius, Romanische Forschungen 6, 4—8, wo sich aber einige falsche Lesungen finden, nämlich in der Hs. steht Vs. 59 »ineitque. 78 velans. 110 ferrum] tellum (sie!). 111 proturbare. 114 coxa. 117 capuluntve relinquere. 146 Que. Da beide Messiaden viele Aehnlichkeiten zeigen, so erscheint es nicht ausgeschlossen, daß auch die zweite französichen Urspiungs ist. Uebrigens scheint die Hs. des Eupolemius von Besancon mit der Dresdner in naher Beziehung zu stehen, da in beiden einige Gedichte auf den Tod Anselms von Laon (f 1117) folgen. Von beiden Messiaden waren schon kleine Stücke durch Herschel abgedruckt worden in Naumanns Serapeum 16, 141 f. und 171 f. (aus Eupolemius) und 175 f., aber mit vielen Lesefehlern und Aenderungen. ') Auf jeder von beiden Seiten erscheinen über dreißig meist griechische Namen. — Zum Wortschatz vgl. Roman. Forsch. 6, 512. (cristiger bifons. equisca. gulalus (rot), in- fortis). 2 ) Hier ist 2, 407 der Genetiv Jessen d. Hss. d. Kgl. off. Bibl. zu Dresden 1,330. 4 ) Vgl. Catal. general des mscr. Depart. (8°) 32,308 und hierzu Traube, Neues Archiv 26, 174. 5 ) Hier kommen die Worte divum vultus picior .. . Aptarat tales ut vivos esse pn- notieren. tares mit Eupol. 2,88 esse putares Veros qnos 3 ) Vgl. Schnorr v. Carolsfeld, Katal. ! pinxit radios manus nahe überein. 606 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 108. Gualdos Vita Anskarii. Im Jahre 1065 forderte Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen in einem Briefe das französische Kloster Corbie auf, mit Hamburg eine geistliche Brüderschaft einzugehen, und erbat sich im Laufe des Sommers Antwort durch einen Boten, dem er Reliquien von Anskar und die Translation dieses Heiligen, d. h. dessen Lebensbeschreibung mitgeben werde. Der HeüVe war nämlich einst Mönch in Corbie gewesen, hatte dann der Schule in Korvei vorgestanden und war schließlich der erste Erzbischof von Hamburg geworden, dessen Leben von seinem Nachfolger Rimbert dargestellt wurde; so erklären sich die näheren Beziehungen Hamburgs zu Corbie. Adalberts Plan gedieh jedenfalls zur Reife, denn etwas später sandte ihm der Corbier Mönch Gualdo mit den Grüßen des Klosters die von ihm in Hexameter umgesetzte Lebensbeschreibung des Heiligen. Ob eine Aufforderung hierzu von Adalbert ergangen ist, bleibe dahingestellt, denn gerade an der Stelle, wo Gualdo über sein Verhältnis zum Erzbischof berichtet, ist sein Gedicht schlecht überliefert. Wir wissen auch nicht, ob Gualdo im Sinne Adalberts gehandelt hatte, denn von literarischen Bestrebungen des mächtigen Mannes ist fast nichts bekannt. Aber man kann wohl annehmen, daß eine poetische Bearbeitung des Lebens eines seiner berühmtesten Vorgänger den Erzbischof interessiert haben mag, zu dessen letzten Zeiten der Domherr Adam seine Geschichte der Hamburger Erzbischöfe in ihrem ersten Teile ja hauptsächlich auf dem Leben Anskars gründete. Jedenfalls hatte ihm Gualdo sein Werk gewidmet. Solche episch geformte Heiligenleben waren aber seit der karolingischen Zeit gern gesehen, und der Bearbeiter einer Prosabiographie konnte hierin seine besondere Schulung in Metrik und Sprache aufweisen. Wahrscheinlich hat sich Adalbert übrigens dankbar gezeigt und Gualdo in die erzbischöfliche Kapelle aufgenommen, denn in den Urkunden des Erzstifts erscheint im Jahre 1069 ein Diakon Waldo und 1091 ein Waldo senex et vetidus ärchicancellarius; beide mögen dieselbe Person wie der Dichter sein. Die Widmung des Gedichtes ist nun sehr ausführlich, sie besteht aus 185 teils leoninischen teils paarweise am Ende gereimten Hexametern. Sie ist in ihrem Wortreichtum und ihrer Rhetorik ganz auf Adalbert berechnet, der nach Adams Bericht selbst eine großartige Rede liebte. 1 ) Adalbert möge annehmen, heißt es hier, was ihm Corbie biete und was das Kloster einst von seinen Vorgängern erhalten habe. Der Inhalt sei zwar alt, aber die Form neu und das Kloster sende ihm das Gedicht für die von ihm gespendeten Pfänder. 2 ) Der Dichter spricht dann von den früheren Corbier Äbten und preist Anskars Heidenmission mit hohem Lobe und rühmt mit blumenreicher Rhetorik dessen Tugenden unter lang ausgedehntem Beispiel edler Fruchtbäume und südlicher Pflanzen. Von Anskar wendet er sich zu Adalbert, dessen Abkunft, äußere Vorzüge, Tugenden'und Machtstellung auf das höchste erhoben werden, wobei Gualdo zuletzt auf die hohe Aus- ') Adami Biem. Gesta Hammaburg. eccl. I describens. pont. 3,15 amplifico sermone,ut solebat, omnia | 2 ) d. h. für die Reliquien Anskars. Gualdos Vita Anskarii. 607 Zeichnung zu sprechen kommt, die er als Legat und Vikar vom Papste erhalten habe. Und er bittet ihn, seiner alten Mutter Corbie eingedenk zu sein, deren Freiheit und Privilegien ausführlich dargelegt werden. Vierhundert Jahre habe Corbie seine Freiheit behauptet, doch jetzt sei das Kloster, das früher der Zeder auf dem Libanon glich, eine morsche Eiche geworden. Daher möge Adalbert beim Papste seiner alten Mutter Fürsprecher sein, nachdem er den Bund mit ihr durch Übersendung der heiligen Reliquien neu geschlossen habe. Er aber, Gualdo, der gegen seine Natur Dichter geworden, sei sein treuer Freund und er bitte ihn, das Gedicht zu verbessern, damit nicht dessen Stil und Wesen bei den Kennern Anstoß erregen könne. Im ersten Abschnitt des Gedichtes, das aus 2204 meist gereimten Versen besteht, spricht Gualdo über das Heidentum der Dänen und über die Heilstätigkeit Anskars, den er sich zum Patron für sein Werk erbittet; er wolle zum Leben des Heiligen einige Epigramme hinzufügen. Das zweite Kapitel 1 ) aber überbringt Grüße von den Corbier Brüdern, die zwar über den Tod des Heiligen traurig, doch über seinen Aufstieg zum Himmel freudig bewegt seien. Dann beginnt die Versifikation von Rimberts Werk, die in den ersten Abschnitten nur sehr kurz die Hauptereignisse der Vorlage berührt, während sie später ausführlicher wird und dem Dichter öfters Gelegenheit zu Ausmalungen des Textes und zu Abschweifungen gibt. Aber auch sonst hält sich Gualdo nicht streng an die Vorlage, deren 42 Kapitel er in 109 Abschnitte zerdehnt. Sachliche Erweiterungen finden sich nicht, man hat es eben nur mit einer Umarbeitung zu tun. Die Ausdrucksweise Gualdos ist im ganzen gewandt und selbständig, wenn er auch im Wortlaut oft von der Vorlage abhängig ist und nach gewohnter Weise öfters Anleihen bei den alten Dichtern macht; in der Metrik und Prosodie 2 ) werden gute Muster befolgt. So ist die Leistung formal im ganzen gut zu nennen, und man wird nicht behaupten wollen, daß sie die erste poetische Arbeit Gualdos darstellt. Zeugnisse. Der Brief Adalberts steht bei Lappenberg, Hamburg. Urkundenbuch 1, 95 N. 99; dort vgl. Igitur . . . rogantes ut nostri nostrorumque fraternitas et memoria vestro in loco habeatur; p. 96 Per ipsum (seil, nuntium) aufetn reliquias tibi eiusdem saneti patris nostriAnsgarii et translationem nrittemus. Zu Gualdo in Hamburg vgl. Lappenberg a.a.O. 1,97 N. 110 (Waldo diaconus im Jahr 1069) und 113 N.118 (Waldo senex et vetulus cancella- rius im Jahr 1091); der Waldo ecclesiae custos in N. 120 p. 115 ist wohl ein andrer. Zur Bitte in der Widmung vgl. Praef. 4 Quod tibi mater init (?) Corbeia, sume volumen, Id tarnen ante tui sibi direxere priores. Sed non illa suos aeuit scriptum tenores, Per planum diseurrit iter sermone pedestri, Non se per tumulos moderamine flectit equestri. r L\i den Pfändern 11 Haec pro pignoribus collatis dona rependit. Zur Stellung Adalberts (zeitgemäß klingt Vs. 121 Infula pontificis plus est quam purpura regis) 146 Haec super urbs Romana tibi sacravit honorem, Legatum terram gut fecit in ulteriorem Sedis apostolicae primaeque vicarius urbis .. . 154 Auspiciis patriarcha tuis ad regmina surgit. Bitte an ihn 155 Ergo Hute petimus memor esto senilis alumnae. Zu Corbie 167 Talibus auspiciis centum quater 3 ) hactenus annis .. . Corbeia .. . libera tnansit. Verum quae quondam viguit quasi Libana cedrus, Iam senio marcens dependet ut arida quercus . .. Ergo manum praetende, libenter episcopus urbis Romanae decernet ei, quodeunque rogabis. Zur Herstellung der Fraternität ') Es wird in den Ausgaben als das erste gerechnet, muß aber nach der Anlage des ersten als das zweite gelten. 2 ) Es scheint nämlich, daß manche Fehler nicht Gualdo, sondern schlechter Ueberliefe- rung zuzuschreiben sind. 3 ) So ist natürlich dem Verse und dem Sinne gemäß statt quatuor zu schreiben, denn Corbie ist um 657 von der Königin Balthildis gestiftet worden, die auch Vs. 158 erwähnt wird, vgl. Watten bach 1,131 n. 1. (308 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 177 Matemis laribus sacro de corpore pignus Transmission per ie foedns renovavit utrinque Verhältnis zum Erzbischot 181 Contra naturam quem compulit esse poetam Gualdo tibi fidus aanctissime praesul amicus. Die Stelle ist lückenhaft überlief'eit und schon Lambecius hat das bemerkt und zwischen beide Veise in den Proleg. in vitam s. Anscharii (p. 5) Anscharii meritis semper devota voluntas oder ähnliches einzuschieben geraten; doch fehlt hier immer noch ein Prädikat zu Gualdo und zudem ein Objekt und auch die anscheinend bessere Ueberlieferung in den Acta SS. Febr. 1, 429 läßt hier im Stiche. Schlußbitte 183 Tu na forte scaber stilus informisve character Irruget nares doctas (tut differat aures, Corrige trcins- ductis abolens erratet Jituris. 1 ) Zum eisten Abschnitt vgl. Vs. 20 Addere pauca tuis anwiest epigrammata gestis. Vela damus pelago, votis, pater atme, fareto. Giüße von Corbie Vs. 23 Corbeiae patres in primis rite salutant. Die Widmung beginnt mit dem Namen Albert, der noch an zwei Stellen begegnet (112. 122) Didce tuis, Alberte, decus, 2 ) iubar ignivaporum. 3 ) Zu den poetischen Erweiterungen vgl. c. 105 Vs. 2014 Egressus tropici de finibus Aegocerotix Phoebus ad imbrifluam currum raptarerat urnam Instabatque dies Hi/papante dictus Achivis, wozu vgl. Auson. 7, 17, 1 (Peiper) und Lucan B. C. 9, 537. Zur Benutzung älterer Literatur außer den bereits erwähnten Stellen vgl. Prol. 96 sub sidere cancri Verg. Ecl. 10, 68: Libana cedrus Sedul. P.C. 4, 55. Vita 49 Sperne roluptatem Hör. Ep. 1, 2. 55; 317 curisque ingentibus aegrum Aen. 1. 208; 491 Vt medium tenueie rates Aen. 5, 8; 1268 (vgl. 1494 per tot d. r.) per quot discrimina rerum Aen. 1, 204; 1309 et muros ariete pulsant Aen. 12. 706: 1330 miserabile vulgus Aen.2, 798; 1578 Felices animas Aen. 6. 669; 1826 hominesque baburri Tsid. Etym. 10, 31; 2035 Hoc erat in votis Hör. Sat. 2, 6, 1; 2068 rosea iam lampade Phoehm Terras lustrabat, tenebras Aurora fugarat Aen. 4, 6 f. Am meisten tritt also die Anlehnung an Vergil und Horaz hervor. Karolingisch 4 ) ist schon die Form induperator Vs. 433 und 592. Gesucht ist der Vs. 614 Assistentibus Otgarioque Maguntiacensi; sonst findet sich wenig Ungewöhnliches oder Seltenes, auch zeigt Gualdo einen gewissen Geschmack in der Veimeidung griechischer Wörter. — Zum Drucke benutzte Lambecius eine Pariser Hs. von St. Germain-des-Pres. eine andere Ueberlieferung haben die Bollandisten verwendet, die vielfach abweicht, aber besser war. Ausgaben von Petr. Lambecius, 5 ) Origines Hambur- genses (Hamburg 1652) p. 243—326 (mit unpaginierten Prolegomena vor p. 167 und mit Noten Sp. 347—364); Acta SS. Febr. 1. 427;Mabillon, Acta SS. ord. s. Ben.4, 2, 115; Langebek. Scriptores rerum Danicarum 1, 562—621 (ohne Benutzung hs.Ueberlieferung). — Vgl. Watten- bach 2, 79 und G. Dehio, Gesch. d. Erzb. Hamburg-Bremen 1, 244 6 ) und Anmerkungen S.43 (zu S. 242.4), wo das Jahr 1065 erwiesen wird (so auch schon Lambecius in den Noten p.352f.). 109. Gislebert von St. Amand. Im Jahre 1066 brach in St. Amand (St. EInon) ein Brand aus, der die Kirche des hl. Amandus nebst zwei andern Kirchen zerstörte. Zu dieser Zeit lebte im Kloster Gislebert, der frühere Dekan von St. Andreas, der in St. Amand als Mönch eingetreten war und hier Lehrer wurde. Er begab sich mit andern Mönchen nach jenem Ereignis mit dem Leibe des Heiligen auf eine Reise, um die Bewohner der benachbarten Städte um die Mittel zu bitten, mit denen der Neubau der Kirchen ausgeführt werden sollte. Und den Brand wie diese Reise hat er dann in einem längeren Gedicht beschrieben, das den Titel erhielt De incendio monasterii saneti Amandi. Es beginnt mit einem Prologe von 102 Versen, wo anfänglich die Passion Christi mit ihren näheren Umständen in monostichischer Weise und die Erscheinungen Christi behandelt werden, darauf meist distichisch der Tod der Apostel berichtet wird. Dies dient zur Einleitung für die Schicksale des hl. Amandus. Den eigentlichen Stoff behandelt der Verfasser in vier sehr kurzen Büchern, und hierbei stellt er den Wunsch an die Spitze, daß 1 ) Vgl. hiermit Macr. sat. 6, 3, 9 und Hoiat. Ep. 1,5,23. 2 ) Vgl. Hör. C. 1,1, 2. 3 ) Acta SS. Febr. 1, 427 igne vaporum (vielleicht richtig). 4 ) Auch das Wort toparches (1124) begegnet in der früheren Dichtung. b ) Die Ausgabe ist stellenweise inkorrekt. 6 ) Hier ist Adalberts Brief nur teilweise richtig vei wertet. Gislebert von St. Amand. 609 die Leser nach Art der Niniviten ermahnt und zerknirscht würden. Er erzählt dann von dem Anfange und vom Wachsen des Feuers mit mehrfacher Anlehnung an Horaz, sehr bald artet allerdings sein Bericht von der Ausbreitung des vernichtenden Elementes in steife Allegorie und gesuchte moralische Auslegung aus, die von hier an dem Gedicht als integrierender Bestandteil angehören. Die Nachbarschaft des Klosters wird aber wegen des Brandes von tiefem Mitleid ergriffen und die Mönche beschließen daher, mit ihrem Heiligen eine Bittfahrt in die Fremde zu machen. Man gelangt nach Cambrai, dann nach Verrulium, wo ein Wunder erzählt wird, von dort geht es nach Laon und nach dem Calneium castrum, wo sich ein Wunder ans andere reiht, so daß die ganze Erzählung aus lauter Mirakeln besteht, deren jedes seine moralische Deutung ans Ende gesetzt erhält und außerordentlich in die Länge gezogen wird. Das vierte Buch erzählt in fast unverständlicher allegorischer Weise das Aufräumen des Brandschuttes im Kloster und den Kirchenneubau und bringt am Ende eine allegorischmoralische Deutung dieser Tätigkeit. Auf solcher Deutung beruht überhaupt der Schwerpunkt des Gedichts und schon daraus läßt sich der Mangel an dichterischer Begabung bei Gislebert erkennen. Außerdem aber ist ihm der leoninische Reim — er ist stets zweisilbig — ungemein im Wege gewesen bei der Wahl des deutlichen Ausdrucks. Sein Werk ist daher schwer verständlich und dunkel und das mag er selbst eingesehen haben, denn er setzte des besseren Verständnisses wegen über manche Worte Glossen, während er bei seinen moralischen und allegorischen Deutungen die Worte Moralitäs und Ällegoria an den Rand schrieb. Auch leidet das Gedicht an dem Einschub von Episoden, wie am Ende des dritten Buches von den sieben hauptsächlichen Sünden und den sieben Tugenden in ihren wesentlichen Wirkungen gehandelt wird. Gislebert verfaßte außerdem in Prosa einen Bericht über die Reise mit dem Heiligen im Jahre 1066 mit drei Kapiteln in Gedichtform, doch bietet die Erzählung nichts anderes als eine recht schwerfällige Darstellung, die mit an die alten Dichter erinnernden Phrasen geschmückt ist, wie auch Horaz und Vergil in seinem großen Gedicht ausgeschrieben werden. Außerdem werden ihm eine Expositio in epistolas s. Pauli und Sermones beigelegt. Gislebert starb im Kloster St. Amand und wurde hier in der Peterskirche beerdigt, und seine sonst gänzlich inhaltlose Grabschrift gibt an, daß er zu St. Amand Seelsorger gewesen ist. Zeugnisse. Zum Brande Ann. Eluon. mai. 1066 (MG. SS. 5, 13, 28) Incendium mo- nasterii s. Amandi. Zu Gisleberts Persönlichkeit und Leben ib. 1095 (SS. 5, 13, 44) Oblit Gislebertns presbiter sowie die Aufschrift des Epitaphs Epitaphium Gilleberti sacerdotis et magistri und Catal. abbat, s. Amandi (MG. SS. 13, 38S, 7) Hains Hugonis tempore anno 1096 obiit venerabilis Gislebertus primo ecclesie s. Andree Elnonensis decanus, 1 ) post etiam mo- nachus, qui de incendio et miraculis b. Amandi scripsit 4 libellos . . . nunc vero eius seput- chrum cum cpitapliio'-) in cripta ante martyrum sacellum visüvr, feiner die Aufschrift des Gedichts Prologus magistri Gilleberti de incendio monasterii s. Amandi mit der Glosse Hie G. sacerdos renerabilis sepultus est in ecclesia s. Petri ante altare, endlich Hermannus Tornacensis de restaurat. s. Martini Tornac. 11 (MG. SS. 14, 279) episcopus . .. vidensqne se partim proficere quendam religiosum presbißerum Gislebertum accersit, qni in eadem regione ') So auch im Catal. abb. s. Amandi (MG. I Elnonensif. SS. 13,388) Gillebertus presbiter ac decanus »•) Gedruckt MG. SS. 11,413, 22 ff. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 39 610 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. tunc temporis acsi propheta quilibet honorabatur. Die Bücher des Gedichts enthalten 125 334, 198 und 248 Verse. Der Prolog beginnt (MG. SS. 11, 414) Qui nimium mestis afßicti casibus estis, Xe desperetis uti post tristia letis; hier Vs. 81 Uebergang zu den Schicksalen des hl. Amandus Sic praecurrentes planctus plaususque sequentes Hie sunt narrandi tle templo patris Amandi, Quod prius indignis disiectum casibus ignis Bis fundamentis manus inchoat omnipotentis und Anrufung Gottes Vs. 98 Sic, deus, haec praesta nobis intexere gesta, Ut modo morali sensu modo spirituaU lila subornemus et iunetim continuemus. Beginn des 1. Buches Ergo deus signis nostri nos corripit ignis, Ut sie contritis veniam det ceu Wnivitis, Simus et Helnone velud urbs bene credida Ione Solis rieta minis ut nos vel vineat hie ignis. — Zur Sprache des Gedichts: focus = Feuer 1, 33. 40. 89; Wortspiel 2, 235 coluil coluber. Selten begegnet der Vers von drei Reimen, 4,39.109.159.185. Daß die Prosadarstellung über die Reise des Heiligen von Gislebert stammt, ist nach meiner Ansicht nicht so sicher, wie Holder-Egger vor seiner Ausgabe der Exzerpte (MG. SS. 15, 848 n. 1) annimmt, denn die in Hexametern geschriebenen poetischen Teile der Miracula von Kap. 16 und 17 zeigen nicht den doppelsilbigen Leoninus, wie das große Gedicht, sondern den einsilbigen. Es ist daher immerhin möglich, daß ein späterer Mönch in St. Amand das Gedicht De incendio umgearbeitet und nicht unwesentlich verkürzt hat; auch im Prologe der Prosa deutet der Autor mit keinem Worte auf ein schon früher von ihm verfaßtes Werk hin, was man eigentlich nicht erwarten würde. In Versen sind Kap. 16. 17 und 19 geschrieben und zwar das letzte in Fünfzehnsilbern mit durchgehendem Reim beider Vershälften und mit häufiger Zulassung des Hiatus. Ueberlieferung. Das Gedicht De incendio befand sich s. J.II in St. Amand nach dem Kataloge bei Delisle, Le cab. des mscr. 2, 457 N. 274 Versus Gillebei-ti de miraculis sancü Amandi; wohl Abschrift davon ist Paris. 2093 s. XII (aus St. Amand). Ausgabe von L. Bethmann, MG. SS. 11, 414—432. Das Prosawerk steht im Valentian. 461 s. XII f. 126 und 459 bis s. X11I f. 130; Ausgabe Philippi abb. Bonae Spei opera p. 732 (Duaci 1621), Acta SS. Feb. 1, 895 und bei Ghesquiere, Acta s. Belgii 4, 272, Auszüge von Holder-Egger, MG. SS. 15, 848—851. Zur Benutzung alter Dichter De incendio 1, 33 Ne qua foeos tarda partes ubiproximus ardet Hör. Ep. 1, 18, 84; 1, 57 quis vidit lumine sicco Hör. Carm. 1, 3,18 f.; 2, 107 Matri lactiferae fastidia longa fuere Verg. Ecl. 4, 61. 110. Angebliches Gedicht des Winrich. Die berühmte DichterhandscTirift Bruxell. 10615—10729 aus Cues enthält ein seltsames, in seiner Komposition eigentlich abgeschmacktes und dem Sinne nach oft schwer verständliches Gedicht, das nach Pertz von einem Winrich in Metz verfaßt sein soll. Beide Angaben sind aber irrig und es läßt sich nur so viel erschließen, daß das Gedicht in Trier 1 ) entstanden ist, da der Trierer Hof mehrfach genannt wird und der Dichter den Erzbischof dieser Stadt als Helfer in seiner Not anruft. Leider erfahren wir aber den Namen des Kirchenfürsten nicht, und auch sonst lassen sich fast gar keine Anspielungen auf die Zeit gewinnen. Da nun der leoninische Reim in den 467 Versen des Gedichts wohl sehr häufig auftritt, aber doch keineswegs durchgeführt ist und F. X. Kraus aus den Urkunden des Hoch- stifts Trier einen archiscolasticus und bibliothecarius Winrich um 1075 nachgewiesen hat, so bin ich durchaus geneigt, das Gedicht ins 11. Jahrhundert zu setzen und Vs. 414 auf diesen Winrich zu beziehen und nicht mit Kraus an den späteren Domschullehrer Winrich im 12. Jahrhundert zu denken, da die Form des Gedichts dieser Zeit entgegensteht. Sehen wir uns aber den Inhalt der merkwürdigen Dichtung näher an, so werden wir kaum das herrschende Urteil bestätigt finden, daß nämlich der Dichter vom Schul- ') Vgl. Vs. 219—221. Auf Trier bezieht j 419 Verdun genannt; ' der lothringische Ursich außerdem 411—414; 416 wird Metz und j Sprung steht somit außer Zweifel. Angebliches Gedicht des Winrich. 611 zum Kirchendienst abberufen wurde, sondern daß man ihn zu Arbeiten in der Küche verwendete. „Niemand von den Gelehrten, sagt der Dichter, preist die Künste der Küche. Wenn die Weisheit des göttlichen Wortes sich zur Zurüstung des Tisches und die Gelehrsamkeit sich zur Küche wenden soll, wie wird sich dann der Koch zur Muse gesellen und wie wird er die Kriege Roms mit den Samniten, den caudinischen Engpaß, die Schlacht von Cannä und die Kämpfe mit den Cantabrern und Hiberern besingen? Was nützt es ihm zu wissen, wieviel Gallien Niederlagen erlitt, welche Völker Marius besiegte, wieviel Krieger auf den thessalischen Schlachtfeldern umkamen? Das alles ist unser Herrschaftsgebiet, aber jetzt soll nur der gelten, der den Kopf in die Küche steckt, und der Lehrer soll sein Wissen aufgeben und sich zu den kochenden Töpfen wenden und die Fleischpfanne abschäumen." Der Dichter schildert dann, wie man auf das Verdienst der Oberen bedacht sein müsse und wie die Köche die Fleischstücke nach der Reihe der Brüder auflegen müßten und die Diener die Schüsseln trügen und abtrügen, denn man sei mit seinem Stück nicht zufrieden, und wie jeder Mönch sein eignes Stück vorgesetzt haben wolle und das ihm vorgesetzte Stück zurückweise, und wie daraus ein wirklicher Kampf entstehe; diese Schilderung ist gewiß nach dem Leben gegeben und nicht ohne Interesse zu lesen. „Es geht doch nicht an," fährt der Dichter fort, „daß der Lehrer die Schule verläßt und in der Küche die Arbeit mit den Dienern teilt, denn er hat wohl die Fähigkeit, mit der Rute zu schlagen, aber nicht Frischlinge zu zerlegen. 1 ) Wenn aber aus solcher Ursache Streit erwächst, so wirst du, o Rom, zu glauben geneigt sein, daß das Studium am Boden liege und Willkür herrsche. Und was wird der Senat deiner Autoren 2 ) hierzu sagen? Wird er sagen, daß der Lehrer Küchendienst verrichten solle, da er doch vielmehr der Wissenschaft zu dienen hat? Wenn es keine Lehrer gibt, wer soll sie noch hoch halten? Zu welchem Zwecke haben dann Petrus, Paulus und Johannes, die Kirchenväter und die christlichen Dichter 3 ) geschrieben? Alle Schriften mögen in den Flammen und die Autoren in den Fluten umkommen, kein Buchstabe mag seine Form mehr erhalten, die ganze Schreibkunst wird der sicheren Zeichen entbehren müssen, wenn die Kochkunst vorgezogen wird. Wie der Hirt die Herde nicht verläßt, so ist die Entfernimg des Lehrers aus der Schule keinem Teil nützlich." Im weiteren Verlaufe des Gedichtes ruft der Dichter Rom zu: „Höre auf, die Herrin der Welt zu sein! Alle deine Tugend und Kraft gehe unter, durch die du den stolzen Völkern des Erdkreises voranstandest! Aber ihr, o Lehrer, richtet eure Gunst auf den Geist und erkennt mit mir das Rechte. Wer über die Jugend gesetzt ist, möge diese mit Strafe bessern und erziehen; die Züchtigung des Vaters möge den Kindern nicht fehlen, wie einst der Apostel gesagt hat. Und wir brauchen die Beispiele des als Leuchte angezündeten Wortes und die Schule ist nötig an Stelle der Eltern. Denn wer zuerst Milch als ') Vs. 74 Cedere friscingas, vgl. Du- Terenz genannt (Vs. 83—91). cange s. v. 3 ) Augustin, Gregor, Hieionymus, Piosper. 2 ) Hier werden Cato, Camillus, Tullius, Arator, Prudentius, Sedulius, Juvencus und ßoetius, Lucan, Vergil, Statins, Sallust und Eusebius werden Vs. 99 —119 genannt. 39* 6 ] 2 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Speise erhielt, wird bald stärkerer Nahrung bedürfen, und in diesen wächst die Gnade, so daß sie als Bischöfe die Kirche beherrschen und als Leuchten der Welt über alles gesetzt sind und den Glauben stärken. Und als heilige Hirten und Priester dem Volke eng verbunden, entreißen sie dem bösen Feinde ihren Raub, wenn es ihm gelang, falschen Glauben auszustreuen. Und endlich bieten sie als Leviten dem Volke die heilige Gabe im Abendmahl dar. Aber der Glaube trügt dich, wenn du meinst, daß es dem Knaben erlaubt ist, jemand als Lehrer zu hören und ihm später keine Treue bewahren zu brauchen; denn der Lehrer bildet Geist und Sinn des Schülers und lenkt ihn zu allem Höheren. Es ist unwürdig, den Lehrer herabzusetzen: er, der das Eisen in Stahl verwandelt und keineswegs ohnmächtig im Schneiden ist, soll nicht die ihm gebührende Ehre verlieren. Der römische Bürger hat einst im sarmatischen Norden oder auf marmarischem Boden es als einziger verstanden, unzählige Menschen in den Zwang der Gesetze zu bannen; niemand konnte ihm widerstehen. Und ich, der römische Fremdling, der ich durch Urteilsspruch niedergedrückt bin — möge das Rom verzeihen, zu welchem Zwecke ich dies Gedicht schrieb. Aber du, o Herr, der am Hofe von Trier herrscht, wende die mir aufgetragene Arbeit von mir ab! Jeder möge bei dem ihm zukommenden Amte bleiben, der Schulmeister beim Lehren und der Diener beim Aufstellen der Tische. Möge man mich aber auf meine Bitte hin nicht härter anfassen, sondern man wolle mit meinem Alter und meiner körperlichen Schwäche schonend verfahren! Nun aber sollen meine Verse aufhören und die Worte ihren Schritt einstellen; die Arznei des Himmels heile das, was meinen Sinn bedrückt!" Bis hierhin ist das Gedicht mit Ausnahme mancher Stellen verständlich. Es hat aber sein Ende noch nicht erreicht und der Dichter fährt in seinen Klagen fort; der Sinn seiner Worte ist allerdings vielfach recht dunkel. Zunächst spricht er wieder von der Unvereinbarkeit seines Berufs mit der Küche und berichtet daran anschließend über eine Anzahl biblischer Speisen und Speisungen. Dann bricht er in Klagen über sein jetziges Leben aus und beschwert sich bitter über den Klerus. Er erzählt, wie der Lehrer durch einen Priester in der Schule von seinem Amte entfernt und in die Küche zum Dienst befohlen worden sei, wovon er nichts verstanden habe. Dort habe man neun Tiere geschlachtet, während früher sechs genügt hätten. und niemand habe früher aus der Küche unbeschnittenes Fleisch herausgehen sehen, da früher alles Fleisch beschnitten wurde. Dann kommt er auf die Juden zu sprechen, die alles durchsetzen könnten, was sie wollten, um nun von neuem wieder von der Beschäftigung in der Küche mit ihrem Rauch und Dunst zu sprechen. Schließlich findet sich rein Persönliches: „Darüber mag Petrus 1 ) urteilen und der Bruder Winricus seine Meinung abgeben, der die turmgekrönte Simeonspforte bewohnt, und vielleicht, o Muse, wirst du den schnellfüßigen Gerland aus Metz holen wollen, dessen Schätze die französische Sprache aufspürt und der in den Künsten als Lateiner lernt, mit welchem Gebrauche auch Verdun übereinstimmt"; leider ') Der schon Vs. 7 und dann 420 erwähnte des Erzstifts Trier und kaum eine zeitgenös- Tetrus (vgl. 411) ist doch wohl der Patron < sische Persönlichkeit. Angebliches Gedicht des Winrich. 613 sind wir über die Beziehungen nicht unterrichtet. Am Schluß geht der Dichter auf seine Tätigkeit als Lehrer ein und erwähnt Vs. 435—445 die einzelnen Teile des niedern grammatischen Unterrichts, den er zu ceben hatte; zuletzt bittet er Gott, die Verwirrung zu lösen, in die er gekommen sei, und ersucht den Petrus um Beistand in den römischen Dingen. 1 ) Zeugnisse. Die Stelle, wo Winrich genannt wird, heißt (ed. Kraus, Jahrbücher d. Ver. von Alterthumsfreunden im Rheinlande L. LI, 245) Vs. 412 Quiqtie colit portam Symeonls tunibas altam, Intonet ex alto quo fit sententia pacto Frater Winricus, iustis qui rebus amicus; diese Worte kann der Dichter nicht von sich selbst gesagt haben und Winrich scheidet also als Dichter aus. Zum Trierer Hof vgl. Vs. 219 Treverica ... in aula und 422 huins Aulae und Kraus a. a. 0. S.231. Winrich rekognosziert 1075 eine Trierer Urkunde, vgl. H.Beyer, Mittelrhein. Urkundenbuch 1,433 Ego Winricus prim^ sedis s. Petri archiscola- sticus et bibliothecarius recognovi; zweifelhaft ist es aber, ob der im Güterverzeichnis von Trier (Beyer 1,352) genannte magister Winricus derselbe ist. Dagegen könnte der Trierer Scholasticus Wenrich. der im Namen des Bischofs Dietrich von Verdun ein Schreiben •} an Papst Gregor VII. richtete, mit dem in unserm Gedicht genannten Winrich identisch sein. — Die Erwähnung mancher Einzelheiten aus der römischen Geschichte geht auf die Kenntnis des Orosius zurück. Der Kampf der Kleriker (43 fratrum) um die besten Fleischstücke Vs. 41—69; hier dürfte 48 Omentum Et centipillii cibus auf einen Kommentar zu Lucan 3 ) zurückgehen, vgl. Lucan ed. Weber 3,98 zu Civ. bell. 1, 625 Omenta vocat centipellem und Omentum dicitur mappa ventris quod vulgus centipellem vocat. Die Hineinbeziehung Roms ist seltsam und wird eingeleitet 77 Si tarnen ex tanta tibi causa questio surgat, Cum tibi äoctorum maneant exempla tuorum Et dicant laudem tibi totum, Roma, per orbem . . . Aut si tractatus medio foret iste senatus, Quid referat nobis magni censura Catonis? Concedent Uli magni decreta Gamüli? DaßVs. 99 Petrus unter den christlichen Autoren voransteht, geschieht wohl aus Rücksicht auf den Trierer Schutzpatron; hier heißt es von Arator 109 Et bene tornatos versus qui scribit mit Anlehnung an Horaz A. P. 441 4 ) und von Sedulius 114 Signa salutiferi docuit desertbere Christi nach Sedul. P. C. 1, 26. Die zweite Anrede an Rom Vs 140 ff. Die Dreiteilung der Geistlichkeit 165 ecclesiarn divino more gubernant Pontifices sutnmi*) preclari Iwnina mundi, 170 Sancti pastores . .. presbiteri, 175 Levitas ergo dicamus in ordine terno. Die Worte über den Lehrer 198 Qui ferrum durum mulcendo reddit acutum, Nee tarnen in tantis est exsors ipse secandi nach Horaz A. P. 304 f. Was heißen aber die Worte 209 Ast ego Romanus et hospes alinus^ Vielleicht ist in dem ersten Romanus oder in alinus der Name des Dichters enthalten; oder sollen die Worte auf seine römische Abkunft gehen, oder etwa bedeuten, daß er sich als Lehrer mit römischen Dingen zu beschäftigen habe? Die Worte vorher 201 Sarmaticis ... in oris und 202 Marmarica .. . terra, 205 Tggrim deuten auf Kenntnis von Lucan B. C. 8, 369 f. und 6, 309. Die Bitte des Dichters 246 Suplico suplicio ne ledar amarius isto. Parcite iam nostris, quoniam bene parcere nostis, Annis et canis pedibusque dolore gravatis Ossibus atque cuti morbis precioque salutis. Darauf 250 Nunc taceant versus et sistat littera gressum, Quodque nocet inenti, sanet medicina perennis. Die ziemlich anschauliche Schilderung, wie der Lehrer zum Dienst in der Küche befohlen wird (Vs. 295 ff.) gibt offenbar das eigne Erlebnis des Verfassers wieder. Hier heißt es 307 peeudum cecidere novene; Sex equidem tantum faciebant antea, quantum Nunc fecere novem... 313 Nemo fuit, carnes qui tales viderit ante Incircumcisas licet has exire popina, Nam fuit usque manens mos circumeidere carnes ... 323 Iudeum cogant in lianc concedere legem, Sed iwlet Iudeus in hanc concedere legem, In solum nervum contentus mittere ferrum. Die Heraushebung der Juden 329 ff. vgl. mit Amarcius Serm. 1,108 ff. Spätere Anlehnungen: 374 Ei mihi talis eram Aen. 2, 274. 385 ceu silvis addere ligna Horat. Sat. 1, 10, 34; 387 Aut oleum ... miscere Camino Horat. Sat. 2, 3, 321; 409 Dum primum capiens .. . vas conservat odoj'em Horat. Ep. 1, 2, 69 f. Die Stelle mit den Beziehungen auf Personen und Orte 411 Iudicet hinc Petrus, Paulini quod videt equum, Quique colit portam Sgmeonis turribus altam, Intonat ex alto quo fit sententia pacto, Frater Winricus, iustis qui rebus amicus, Forsitan et magnum Geiiandum non pede tardum, Musa, venire voles Mediomatrica regione, Cuius opes dignas scrutatur Gallica lingua Magnificatque virum qui discit in arte Latinus; hoc et Virdunum ! ) Vs. 467 Romanis mecum defensor con- sule rebus. Ob er damit seine Beschäftigung mit der lateinischen Literatur meint? 2 ) Hrsg. von K. Franke, MG. Libelli de lite 1,280-299. 3 ) Lucan wird Vs. 88 genannt. 4 ) Vs. 160 Utimur exemplis stammt aus Juvenal 8, 184. 5 ) Dem Wortlaute nach müßten hierunter eigentlich die Päpste verstanden werden; der Ausdruck wird sich aber wohl auf die Bischöfe beziehen. 614 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. non discorddbitur usu. Zum grammatischen Unterricht vgl. 434—443. Schluß 466 Tu, Petre confer opem potioraque munera prebens Romanis mecum defensor consule rebus. Im großen und ganzen enthält das Gedicht also Seufzer und Klagen gegen den Trierer Klerus, Gemischt mit Stellen schulmeisterlicher Gelehrsamkeit; doch finden sich auch dem Leben abgelauschte Züge vor. Leider scheint die Ueberlieferung fehlerhaft zu sein und die einzige Ausgabe ist dermaßen mit Fehlern entstellt, daß ohne Zuhilfenahme der Handschrift ein Verständnis oft unmöglich ist. Jedenfalls besaß der Verfasser kein Talent zum Dichten, wovon schwerfällige Konstruktionen, prosaischer Ausdruck und schlechte Prosodie deutliches Zeugnis ablegen, woraus auch hervorgeht, daß er keine besonders gute Schule durchgemacht hatte. Ueberlieferung allein im Bruxell. 10615-10729 f. 173 s. XII. Einzige Ausgabe von F. X. Kraus, Jahrbücher d. Ver. d. Alterthumsfreunde im Rheinlande L. LI, 233—247. Einige Verbesserungen zu diesem schlechten Abdruck gaben L. Traube, Abhaudl. d. bayei-. Akad. 19, 358 und K. Hampe, Neues Archiv 23,663, völlige Neukollation der Hs. von Manitius, Neues Archiv 39, 158 f. Vgl. Pertz, Archiv 8, 529 f. Kraus a.a.O. S. 231 ff Wattenbach 2,122. Im Anhange zu Winrich betrachten wir ein kurzes Gedicht, das sich in einer wertvollen Handschrift zu Senecas Briefen aus Metz befindet, wo es auf der letzten Seite steht. Es gibt deutlich davon Kunde, daß Seneca dem Christentum im Mittelalter nahegerückt wurde. Und das hängt damit zusammen, daß Hieronymus den untergeschobenen Briefwechsel zwischen Paulus und Seneca in seinem Schriftstellerverzeichnis De vir. illustr. 12 für echt hielt. Dieser Briefwechsel ist daher nicht selten in den Senecahand- schriften zu finden und auch unsre Metzer Handschrift besitzt ihn. Hier finden sich nämlich l ) die Relatio Ieronimi de Seneca, Epistolae Seneeae ad Paulum et Pauli ad Senecam, Epytaphyum Seneeae und dann Senecas Briefe. Diesen hat der Schreiber auf der letzten Seite ein Gedicht angehängt, das sich erst in etwas ■ dunkler Weise über die Hauptschriftsteller ausspricht und dann zu Seneca übergeht: „Wer die vielen Bücher der Welt durchmustert hat, die nach ihrem Inhalt so verschieden benannt sind und große Lehrer zu Verfassern haben, so daß sie ihren Ruhm nicht verlieren können, der vergleiche sie und lese, wenn er kann, die besten aus. Er findet, daß viele Verfasser nicht Christen waren. Aber dennoch gelten viele Worte der Wahrheit. Und Griechenland, die Mutter der Philosophen, hat nicht an den Herrn geglaubt; deshalb hat Christus die ganze Macht der Welt an die Römer gegeben und Paulus hat, nachdem er die Heiden für das Heil gewonnen hat, die Stadt Rom betreten. Hier lebte ein Philosoph Seneca, der durch Paulus' Wort getroffen den Glauben annahm, weshalb ihn Paulus liebte. Seneca wurde allerdings der Taufe nicht teilhaftig, aber er ist durch seine Schriften verehrungswürdig geworden. Und ihm folge, o Leser, denn er ist von Gott erfüllt und daher ein Beispiel; Nero hat ihn auf grausame Art getötet." Solche deutliche Hinweise auf Senecas Christentum, die nur verbreiterte Inhaltsangaben von Hieronymus' Notiz sind, waren natürlich imstande, den Glauben an den persönlichen Verkehr zwischen den beiden Männern zu befestigen und zur Lektüre der Senecabriefe beizutragen. Die Überlieferung befindet sich im Met. 300 s. XI (aus St. Arnulf) f. 124 b und der Nachweis wie der Abdruck des Gedichts ist gegeben von 0. Roßbach, Breslauer philo!. Abhandlungen Bd. 2, 3, 63 Anm. 59. Vgl. O. Roßbach, Bresl. philol. Abhandl. 2, 3, 63 n. 59. Heinrich von Augsburg. 615 111. Heinrich von Augsburg. In der Mitte des 11. Jahrhunderts lebte in Augsburg ein Domherr Heinrich, der zugleich Lehrer an der Domschule war. Wir wissen nur, daß er später treu zu seinem kaiserlich gesinnten Bischof Wigold hielt, mit diesem im Jahre 1083 aus der Stadt vertrieben wurde und im Kloster des hl. Magnus zu Füssen starb. Von ihm hat sich ein ausführliches Gedicht erhalten, dem er den Namen Planctus Evae gab. Leider ist das Werk nur teilweise herausgegeben, 1 ) und die folgende Analyse kann sich daher nur auf das Fragment beziehen. Das Gedicht faßt nach J. Huemer etwa 2300 leoninische Hexameter, von denen 555 gedruckt sind. Hier handelt es sich um eine breite Zerdehnung des Schöpfungsberichtes, in den zugleich ein Kommentar verflochten wurde, und um eine ausführliche Auseinandersetzung darüber, was die einzelnen biblischen Worte des Berichtes für eine allegorische und mystische Bedeutung haben. Wir treffen also auf die gewöhnliche Behandlungsweise biblischer Stoffe im Mittelalter in Gedichtform: sie war durch Sedulius und Arator, teilweise auch durch Marius Victor und Avitus gegeben, und das Vorbild dieser Männer reizte immer wieder von neuem zu ähnlicher Behandlung und zu neuem Aufsuchen typologisch verwertbarer Stellen an der Hand der patristischen Kommentare. Es ist nun allerdings von J. Huemer richtig betont worden, daß weder einer der genannten Dichter — und zu ihnen gehören Cyprianus Gallus und Dracon- tius — für unsern Dichter das Vorbild abgegeben hat, noch daß dessen Erklärung durch Ambrosius oder Beda beeinflußt worden ist. Gewisse Ähnlichkeiten lassen sich freilich nicht ableugnen, aber es wird eingehender Untersuchung bedürfen, um die Quelle oder den Quellenkomplex, der hier benutzt wurde, sicherzustellen. Das Gedicht hat den üblichen doxologischen Anfang 2 ) und setzt dann mit dem Schöpfungsberichte ein, wobei die ersten Worte von Gen. 1, 1 ff. stark auseinandergezogen und gleich anfangs mit einem Kommentar verbunden werden. Merkwürdig ist, daß sich hieran Vs. 66—86 die ziemlich in Abstrakten gehaltene Schilderung des Paradieses anschließt, wie sie ja auch bei Dracontius 1, 180 ff. nach dem dritten Schöpfungstage zu lesen ist. 3 ) An den Schluß des vierten Tages hat Heinrich einen Ausfall gegen den astrologischen Glauben der Priscillianisten angeknüpft (Vs. 140—147). Doch erst nach der Erzählung von der Entstehung des Menschen erhält das Gedicht eine mehr persönliche Färbung, Heinrich philosophiert nämlich Vs. 188—207 über die Schöpfung Adams im Anschluß an Ovids Metamorphosen 1, 79—-86 4 ) und legt dann die biblischen Worte magnum quid faciamus und die Trinität nach Act. ap. 17, 28 aus. Es folgt dann Vs. 230 ff. eine breite Ausführung darüber, daß Eva vom Manne genommen ist. Der Zeit des Dichters aber entspricht es, wenn er sich Vs. 247—264 über die verbotenen Verwandtschaftsehen bis zum sechsten ') Eine Ausleihung der beiden Hss. nach Dresden konnte ich des Krieges wegen nicht erlangen. 2 ) Wie Sedul. P. C. 1, 30 ff.; Marius Victor Aleth. 1,1-47; Dracontius Satisf. 1-10. 3 ) Vs. 78 Ver ibi perpetuum entspricht der ersten Hälfte von Dracont. 1, 199. 4 ) Vgl. 188—190 und 200 mit Ovid. Met. 1, 84 ff. und 79. Zu 207 vgl. Sedul. P. C. 1.297 und 1,31. Sedulius (1,107 und 109) ist auch Vs. 302. 304 benutzt. 616 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Gfrade ausläßt. Nach langer Unterbrechung wird der biblische Bericht Vs. 270 wieder aufgenommen und Heinrich ergeht sich dann in dem Gedanken, daß es ohne Sündenfall kein wildes Tier geben würde. Das göttliche Wort crescite gibt ihm aber Veranlassung, wieder auf die Ehe und ihre Zulässigkeit zu kommen, und er meint, daß bei der heutigen großen Menschenzahl die Jungfräulichkeit vorgezogen werde. 1 ) Doch kommt er zu dem vernünftigen Urteil, daß eine demütige Frau besser ist als eine stolze Jungfrau. 2 ) Von der Ehe kommt er auf die Fruchtbarkeit der Erde, die vor dem Sündenfall natürlich außerordentlich gewesen sei. Aber Krieg Krankheit, Überschwemmung und reißende Tiere seien später gekommen während vordem die Erde nichts Unfruchtbares und Schädliches hervorgebracht und kein Geschöpf von Raub gelebt habe, sondern alles mit der natürlichen Nahrung zufrieden gewesen sei. Gott aber habe alles vorausgewußt, wie es kommen werde. Hiermit "berührt Heinrich die Prädestinationslehre, zu der er sich so stellt, daß er meint, Gott habe den Sündenfall vorausgewußt, aber nicht vorherbestimmt, und wenn er das Üble zulasse und das Gute vorherbestimme, müsse er beides vorauswissen. Nachdem er hiermit das eigentliche Hexaömeron beendet hat, faßt er als echter Schulmeister den Schöpfungsbericht in sechs Memorialverse kurz zusammen. Hierauf erfolgt eine Beurteilung der Schöpfung: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nützlich für den Menschen und gibt ihm alles Nötige, doch finden wir stets Gegensätze im Geschaffenen, wie Leben und Tod, und zwischen solchen bewegt sich das menschliche Leben, das Furcht und Hoffnung kennt und auf der Erde zwischen Himmel und Hölle steht. Sodann ruft Heinrich den hl. Geist an, er möge ihm enthüllen, was der schwache Buchstabe wirklich enthalte und bedeute, das heißt, er möge ihm zur richtigen Deutung des Wortes verhelfen. Und nun beginnt er unter Zugrundelegung von Joh. 1,1 die allegorische Deutung von Himmel und Erde, Licht und Finsternis, Tag und Nacht. Hierauf geht Heinrich auf die mystische Deutung von Himmel und Wasser und von ihrer Trennung ein und zwar in breitester Ausführung, wobei ihm Psal. 103, 9 als Stütze dient. Weiter wird besprochen, was die Worte zu bedeuten haben, daß die Erde Frucht bringen soll, ferner wird erklärt der mystische Sinn der beiden Himmelslichter, der Sterne, der Fische, der Vögel 3 ) und der Reptilien; 4 ) und zwar findet hier stets eine Doppeldeutung nach guten und bösen Eigenschaften und in der Beziehung zum Menschen statt. Daran schließt sich die Deutung der wilden Tiere, wobei Vs. 509 f. ein Vers der Disticha Gatonis (1, 27, 2) zur Charakterisierung des Fuchses 5 ) in Paraphrase gegeben wird. Endlich kommt die Deutung Adams an die Reihe und es wird der tiefere 4 ) Die Geizigen werden den Reptilien verglichen, vgl. 490 Signat avaritiae satagentes reptile terrae . .. Porro quod reptat, sitnul est et aquatile signat Adae stirpe satos sed aqua generante renatos. b j Vs. 509 Par et consimilis est aucupis aulica vulpis, Lingit adulando velut auceps dulce canendo. Der Ausdruck aulica vulpis setzt bei Heinrich Bekanntschaft mit der Tiersage voraus. ') Nämlich durch den Eintritt vieler ins Kloster. 2 ) 301 Ast humilis nupta prior est quam virgo superha. 3 ) Die Mönche bezeichnen hier alles, was fliegt, vgl. 485 At speculativam titulant voli- tantia vitam, Ceu geminis alis quo sustol- luntur amoris ... Sunt et adhuc ut aves nunc haec nunc illa sequentes, Doctrinae ventis circumvecti velut alis. Heinrich von Augsburg. 617 Sinn des ersten Menschenpaares und seiner Herrschaft über die Tiere dargelegt und die Bedeutung der sechs Tage erklärt. Hiermit schließt der gedruckte Teil des Gedichts, das nach dem Katalog von Denis außerdem den Sündenfall und die Erlösung behandelt und zwar wohl in derselben Weise, nämlich so, daß die moralische Erklärung des Textes, die seit den Schriften Gregors des Großen alle über die Bibel verfaßten Auslegungen beherrschte, den Hauptbestandteil bildet. Man sieht aus dieser Inhaltsanalyse, daß das Gedicht didaktische Zwecke verfolgt: einerseits will der Augsburger Lehrer über seine Fähigkeit, den Bibeltext nach bekannten Mustern zu interpretieren, Aufschluß geben, und andrerseits will er durch sein Gedicht moralischen Tendenzen huldigen. Das Gedicht besteht also aus einem fortlaufenden Kommentar zum Eingang der Genesis, er ist aber in zwei Teile zerspalten. Beide Teile ziehen mehrfach Vorkommnisse des Lebens, Lehrmeinungen der Theologie und zeitgenössische Dinge herbei, so daß sich nicht wenige Exkurse ergeben, wie überhaupt die ganze Darstellung viel Sprunghaftes besitzt. Die Dichtung selbst hat einen gedrungenen Stil, wozu der leoninische Reimzwang nicht wenig beitragen mag. Die moralische Tendenz verleiht ihr aber häufig etwas Spruchartiges und die Verse fließen in den Gedanken oft nicht weiter, sondern der Gedanke endet mit dem Vers. Wie das Ganze aber vielfach ein Spiel mit den Gedanken darstellt, so sind auch gesuchte Wortspiele nicht selten. Ungebräuchlichere Worte finden sich mehrfach, ebenso griechische Ausdrücke, auch läßt sich die Benutzung der gebräuchlichsten Dichter mehrfach erkennen. Zeugnisse. Heinrich wird erwähnt in den Annal. Augustani 1083 (MG. SS. 3, 130,47 f.) Magister Heinricus Augustensis canonicus cum Wigoldo episcopo expulsus in coenobio sanc/i Magni dbiit et sepultus est. Das stimmt zu der Bezeichnung in den zwei Hss., nämlich im Vindob. 1063 steht f. 124 Versus Heinricl Augustensis magistri und im Vindob. 388 f. 75 b ex- plicit libellus domni Heinrici Augustensis scolastici. Als Titel des Gedichtes erscheint iu der ersten Hs. der Vs. Hie Über est proprie ploratus carminis aevq und sicherer in der zweiten Hs. Iste Liber Intitulatur Planctus Evq und darauf folgen die Verse Lapsum primeve matris gemit hie Über eve, Quem luis atque doles male consors posthuma j)roles. Der doxo- logische Eingang Vs. 1—13. Der Kommentar beginnt alsbald Vs. 15 Quae Moyses siluit, caelo terraque notaoit, Seit dixit media, dum non taeuit mediata. Zur Schilderung des Paradieses vgl. 72 Anxietas curae labor et dolor exulat inde, Exulat inde fames suis algor eunetaque labes, Ira metus maeror, absistunt odia livor. Der Ausfall gegen die Priscilliauisten Vs. 140 Non hominum partus stellarum cohficü ortus, In quo nasvuntur signo non quique reguntur. Priscillianistae vineuntur in hac ratione, Exoriens astrum quod quemquam cogat ad ortum. Zur Zoologie bei Gelegenheit des fünften Tages vgl. 165 Quaedam per coitum promunt ani- malia partum, Quaedam nascendo procedunt, non coeundo; Spargit apis terrae seinen, proles ') legit ore. Zu den Folgen des Sündenfalles 283 SU fastus foveam sibi non effodei-et (vgl. Piov. 26, 27) Adam ... Laederet nunc minime fera eornu dente vel ungue. Zur Schätzung der Ehe vgl. 298 Terram coniugium repleat, caelebs paradisum, Virgo prior viduis, uxor imstponitur Ulis. Die Anrufung des hl. Geistes 374 Spiritus aspiret, textus et viscera nudet, Et large retegat, tenuis quod littera velat. Zum Wortspiel vgl. 65 (regis regia regurn). 112. 116. 187. 231 (virago viri vir). Seltene Worte 7 cosmigena. 137 equidium und libripens. 145 trapezita. 193 patrissare, griechische Ausdrücke 23 hyle. 65 empirium. 90 deutrus. 129 tritus. 174 eudemon und cacodemon. 188 antropodalis. Wortformen auf is 167 apis und 509 vulpis. Eigentümlich ist dem Verfasser die Vorliebe fürs Neutrum, 40 Nulluni ... virens... neque virens und für den substantivierten Infinitiv 5 in esse suo, 11 velle suum, 44 Eins et est esse patris admirabile velle, 219 contulit esse. Zum Texte bemerke ich, daß es vielleicht heißt 1 Prosator; 14 würde Caelum et terra den Worten Gen. 1, 1 mehr entsprechen, vgl. aber 380, und vor allem ist in dem Gedicht sonst keine Elision zu finden, also auch keine ') So lese ich den Vers. (518 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. hineinzutragen. 302 ist vetulae zu lesen, vgl. Sedul. P. C. 1,107. 382 ist unvollständig illlum provectum"}). 521 vielleicht habentl Aus Horaz stammt 226 regale numisma (Ep. 2, 1 234) aus Prudentius 245 tradux (Apoth. 915). Ueb erlief er ung im Vindob. 1063 s. XII >) f. l b —9* und 125—148 b und im Vindob. 388 s. XII f. 65 -75. Ausgabe (bis Vs. 555) von J. Huemer im Jahresbericht des k. k. Staatsgymnasiums im zweiten Bezirk, Wien 1891. Vgl. Wattenbach 2,62. 112. Gibuin von Langres. In einer reichhaltigen Berliner Dichterhandschrift findet sich ein rhythmisches Gedicht, das überschrieben ist Bithmus domini Gibuini Lingonensis episcopi de paradiso. Der Herausgeber Wattenbach hat darauf aufmerksam gemacht, daß es einen Bischof Gibuin von Langres nicht gegeben hat und daß daher die Angabe episcopi auf einer Nachlässigkeit des Abschreibers beruht. Gibuin war nämlich bis 1077 Archidiakonus zu Langres und wurde in diesem Jahre zum Erzbischof von Reims erhoben (bis 1082). Das Gedicht besteht aus zwölf Strophen von je drei — die erste enthält nur zwei Verse außer dem Kehrreim und ist daher wohl unvollständig überliefert — Versen und einem Kehrreim 2 ) und besingt die Schönheiten des Paradieses. Der Dichter spricht erst im allgemeinen von der lieblichen Gegend und rühmt, daß dort alles schön und heiter sei und herrliche Blumen duften und Flüsse von Honig das Land durchziehen und ein sanfter Wind dort wehe. Zwölf Edelsteine, die unvergänglich sind, schmücken die Tore. Eine hohe Mauer, nicht von Menschenhand geschaffen, umgibt den Ort, sie wurde aus lebendigen Steinen gebaut, Jaspis ist ihr Fundament, darauf Saphir usw. nach Apoc. 21, 19. Mit den Farben dieser Steine aber ist das Leben der Gläubigen bezeichnet, und es ist nicht leicht zu sagen, welche Ruhe und Süßigkeit die frommen Seelen hier genießen. Das Gedicht besitzt einen gewissen poetischen Schwung und läßt die Sehnsucht nach der Abkehr von der Welt recht deutlich erkennen. Die Verse selbst sind Zehnsilber mit Endreim der Zeilen, während der Kehrreim Vierzehnsilber darstellt, eine Strophenart, die sich nur selten findet. üeberlieferung im Berol. Meerm. 180 (Phillipp. 1694) s. XII—XIII f. 77 1 '. Ausgabe von W. Wattenbach, Berl. SB. philol. hist. Kl. 1891 S. 99. Der Khythmus wird nur von Du Cange im Autorenverzeichnis (danach bei Fabrieius 3, 53] erwähnt, wo Gibuin fragvveise auch Bischof von Chalons genannt wird, vgl. hierzu Wattenbach a. a. O. S. 98. — Vgl. Hist. litt. 8,104. 113. Alphanus I. von Salerno. Alphanus war von hoher Abkunft und mit dem langobardischen Fürstenhause in Salerno verwandt. Seine Ausbildung erhielt er wohl in seiner Vaterstadt, die damals schon als eine der ersten Stätten der medizinischen Wissenschaft galt. Und so zeichnete sich Alphanus nicht nur in Grammatik, Dichtung und Musik aus, sondern er eignete sich auch medizinische Kenntnisse an und erwarb eine größere Anzahl Bücher, die sich auf diese Wissenschaft bezogen. So widmete ihm auch später, als er schon Erzbischof geworden war, der berühmte Arzt und Übersetzer Constantinus l ) Nach Huemer ist das in der Mitte stehende Stück im Jahre 1134 beendet worden, vgl. die Ausgabe von Huem er S. 4 n. 2. Die Hs. stammt aus St. Florian, vgl. S. 4 n. 1. 2 ) Nämlich Quam pulcra es sanctis ani- mabus et requies. Gibuin von Langres. — Alphanus I. von Salerno. 619 Africanus ein Werk De stomachi affectionibus mit der Aufschrift Alfano reverendissimo Salemiianae ecclesiae archiepiscopo. 1 ) Im Jahre 1055 kam nun der Mönch Desiderius vom Sophienkloster zu Benevent nach Salerno, um seine Gesundheit wiederherzustellen, und dessen Bekanntschaft wurde für das weitere Leben des Alphanus von großer Bedeutung. Beide Männer schlössen nämlich Freundschaft miteinander und Desider überredete den Alphanus, Mönch zu werden, was dieser auch zu tun versprach, nachdem er eine Pilgerreise nach Jerusalem gemacht haben würde. Der Grund zu dieser Reise lag wohl darin, daß die Familie des Alphanus bei der Ermordung des Fürsten Waimar, des Vaters von Gisulf, beteiligt gewesen war. Desider ging dann nach Benevent zurück und ließ seinem neuen Freunde melden, er möge baldigst zu ihm kommen, doch Alphanus fürchtete sich, Salerno zu verlassen, und so kam Desider selbst zurück und führte den Freund in seinem Mönchsgewand bei Nacht mit sich nach Benevent. Hier blieben sie zusammen im Kloster, und Alphanus, der durch sein Wesen und seine Klugheit allgemein beliebt wurde, ließ den Gedanken einer Pilgerreise fallen und versprach, sich von Desider nicht mehr trennen zu wollen. Doch bald darauf wurde die Ankunft Heinrichs III. und Victors IL aus dem Norden gemeldet, und Alphanus, dessen Brüder ja stark kompromittiert waren, beschloß, dem Papste entgegenzueilen, und bat Desider mitzukommen: er vertraute dabei auf seine besondere Ausbildung im Gesang sowie auf eine Anzahl medizinischer Werke, die er nach Benevent mitgebracht hatte; außerdem aber bereitete er für den Papst vor seiner Abreise einige besonders gute Arzneien. Desider und der Erzbischof von Benevent begleiteten ihn und man traf den Papst zu Florenz. Alphanus hatte richtig gerechnet, der Papst würdigte sie seines vertrauten Umgangs, aber der schlichte Mönch Desider verlangte bald aus so vornehmer Umgebung nach der Stille seines Klosters zurück. Und der Fürspruch Victors IL scheint beim Fürsten von Salerno nicht vergeblich gewesen zu sein, denn nachdem Desider und Alphanus vom Papste, der seine Reise nach Süditalien aufgegeben hatte, die Erlaubnis zur Rückkehr erhalten, wurde Alphanus bald darauf durch Gisulf zum Abte des casinesischen Tochterklosters zu Salerno und 1058 zum Erzbischof daselbst erhoben. Mit dieser Würde aber hatte er eine dem Range seiner Familie entsprechende Stellung erhalten, und wenn er nun auf der einen Seite fortan mit der Ausübung des geistlichen Regiments beschäftigt war, so finden wir ihn andrerseits an der zeitgenössischen Literatur, besonders an der Dichtkunst auf das regste teilnehmen. Und er verfügte über keine geringe poetische Begabung, denn jeder Stoff, den er angriff, verwandelte sich unter seinen Händen zum Gedicht, so daß man ihn den Fortunatus Unteritaliens im 11. Jahrhundert nennen könnte. Dabei ist aber ein Umstand besonders zu berühren, nämlich seine große Fertigkeit in der Form. Er muß zu Salerno ehedem einen sehr gründlichen Unterricht in Metrik und Prosodik gehabt haben, denn er bevorzugt namentlich die doch schwerer zu handhabenden Odenmaße. In dieser Beziehung ') Vgl. MG. SS. 7,729 n. 50. — Daß AI- j nach 1285 (Edwards,Memoire oflibr. 1,162) phanus selbst auch medizinische Schriften N. 107 Tractatus Alfani Salernitanensis de verfaßte, ergibt der Katalog von Canterbury | quibusdam questionibks medicinalibus. 620 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ist er für seine Zeit Meister, und man wüßte nicht, wen man mit ihm vergleichen könnte. Selbstverständlich blieb Alphanus in regem Verkehr mit Monte Cassino, zu dessen Abt Desider 1058 erhoben wurde. Alphanus widmete Desider nicht nur ein Lobgedicht, sondern schrieb auch ein Gedicht auf die Tugend der Demut und auf das Laster des Stolzes, das in einen Triumphgesang auf die Äbte von Monte Cassino ausgeht (N. 18), und verherrlichte in einem weiteren Lobgesang dieses Kloster, seine Gründung und seine Schätze. Und besonders ergibt sich der bleibende nahe Zusammenhang zwischen ihm und dem Kloster daraus, daß man in Monte Cassino seine Gedichte aufbewahrt hat. Wie aber nun diese Gedichte einerseits persönlichen Inhalts sind und den Interessen des Tages dienen, andrerseits auf die Hebung des kirchlichen Sinnes gestellt sind, so steht es auch mit den zwei erhaltenen Prosawerken des Alphanus. Das eine ist erst seit kurzem näher bekannt geworden; es hängt mit den medizinischen Studien des Verfassers zusammen und gründet sich auf die in Unteritalien so häufige Kenntnis des Griechischen. Nämlich Alphanus übersetzte des Nemesius Schrift IJeqi cpvaemg ävfrgcöjrov ins Lateinische, eine Schrift medizinischphilosophischen Inhalts. Sie birgt in ihrer Anthropologie Elemente der griechischen und christlichen Anschauungen und wurde als Lehrbuch viel gelesen und erhielt teilweise auch den Autornamen Gregors von Nyssa. 1 ) Das andre Werk gehört unter die erbaulichen Schriften, es ist die Vita s. Christinae, einer Heiligen, die bei Bolsena das Martyrium erlitten haben soll; Alphanus hat ihrem Andenken außer dieser teilweise dramatisch-lebendigen Biographie auch vier Gedichte gewidmet und dadurch sein großes Interesse an ihr bekundet. Aber auch die Verehrung des Evangelisten Matthäus spielt im Leben des Alphanus keine geringe Rolle. Nachdem nämlich der Normannenherzog Robert Guiscard dem Matthäus zu Salerno eine Kirche erbaut hatte, gelang es dem Erzbischof, die Gebeine des Evangelisten aufzufinden, die er in der neuen Kirche bestatten ließ. Papst Gregor VII. beglückwünschte ihn hierzu in einem Briefe, und die Bedeutung, die Matthäus für das Leben des Erzbischofs gewann, zeigt sich auch darin, daß er diesem Evangelisten, Apostel und Märtyrer, wie er ihn wenigstens nennt, drei von seinen Gedichten widmet. Als dann Gregor VII. vor Heinrich IV. aus Rom entweichen mußte, wandte er sich nach Salerno und fand bei Alphanus in seinem Exil gastliche Unterkunft. Und nachdem der große Papst gestorben und von Alphanus in der Matthäuskirche beigesetzt war, starb der Erzbischof selbst 1085 im 29. Jahre seiner Amtsführung. Ob er die ihm später beigelegten Schriften, die Petrus von Monte Cassino nicht nennt, verfaßt hat, dürfte sehr zweifelhaft sein, da man ja in jenem Kloster über den einstigen Freund Desiders sehr gut Bescheid wußte und sich ein wesentlicher Teil seiner Schriften nur hier vorfindet, wie auch der alte Katalog des Klosters ausweist. Gedichte. Wir sahen schon oben, daß man hier zwischen persönlich gehaltenen und erbaulichen Gedichten zu unterscheiden hat. Die große Zahl !) Vgl. W. v. Christ, Gesch. d. griech. Baeumker, Wochenschi', f. klass. Philol. 13, Literatur 5 2, 1241 §1086; hierzu Dittmeyer, 1095 ff. Blätter f. d. bayer. Gymn. 24,454 f. und Ol. Alphanus I. von Salerno. 621 der letzteren läßt erkennen, daß ihr Verfasser sorglich bemüht gewesen ist, die Verehrung der Heiligen beim Klerus wie beim Volke zu erhalten und weiter auszubauen. Doch hat ihn zum Dichten nicht nur der eigne Antrieb bewogen, er wurde auch von andrer Seite dazu aufgefordert, wie er dem Bischof Pandulf von Marsicanum auf dessen Bitte zwei Hymnen auf die hl. Sabina mit einem Geleitgedicht übersandte, in dem er sich bei ihm entschuldigt, daß ihm das daktylische Metrum zu schwer gefallen sei, weshalb er diesen Gedichten ein Hymnenmaß gegeben habe. Da nun beide Hymnen in lyrischen Maßen verfaßt sind, so möchte man hier fast eine stolze Bescheidenheit des Dichters annehmen, der den geläufigen Hexameter zugunsten des schwierigeren Odenmaßes verschmähte. Doch können wir uns hier über diese Gedichte auf Heilige verhältnismäßig kurz fassen. Man macht fast bei allen die Beobachtung, daß sie, die entweder eine ganz zusammengedrängte Geschichte des Heiligen oder auch nur einen kleinen Ausschnitt aus seinem Leben geben, fast nur dann verständlich sind, wenn man daneben die Vita oder Passio des Heiligen gebraucht, aus "der sie nur kurze Auszüge darstellen, die sich zuweilen fast mit einzelnen Stichworten begnügen, als sollten sie Erklärungen für Bilder sein. Und das hat seinen Grund darin, daß man es meist nur mit Lokalheiligen von Salerno 1 ) oder Umgegend zu tun hat, deren Geschichte dort völlig bekannt war. Und schon oben machte ich darauf aufmerksam, daß Alphanus sich meist der aus Boethius und Prudentius bekannten lyrischen Maße und Strophen bedient: seine Gedichte sind metrisch gebaut und nicht rhythmisch und es zeigt sich in ihnen eine höchst beachtenswerte Kenntnis der Prosodie. Seine jambischen Senare neigen allerdings zuweilen zum Akzentuieren, besonders N. 18, wo schon Ughelli eine ähnliche Bemerkung gemacht hatte; 2 ) vielleicht hat man es hierbei wegen der geringeren prosodischen Strenge und wegen des auf Monte Cassino gehenden Inhalts mit einem Jugendgedicht zu tun. Und doch entrichtet auch Alphanus in seiner hagiographi- schen Lyrik seiner Zeit den ihr gebührenden Zoll, denn er sucht bei aller strophischen Gliederung den Reim zweier aufeinander folgenden Verse oder auch der ganzen Strophe. Allerdings hat man es häufig nicht mit reinem Keime zu tun, dieser wird oft durch einfache Assonanz der Endsilben ersetzt, eine Erscheinung, die auch sonst nicht selten ist. So verbindet sich in seinen Gedichten — denn an den berührten Erscheinungen nehmen alle seine poetischen Werke teil — die strengere antike Form mit den mittelalterlichen Bedürfnissen. Es folge nun hier eine kmze Inhaltsangabe und zwar nach der Reihenfolge des Druckes bei (Ughelli-)Migne, da eine genauere zeitliche Ansetzung bei den einzelnen Stücken erst nach eingehender Untersuchung möglich sein wird. An den Anfang aber stelleich ein Gedicht, das in den größeren Sammlungen von Alphanus' Werken überhaupt fehlt. Vielleicht stammt es aus seiner Jugendzeit, wohin sowohl seine Überlieferung weist und was sich auch aus der devoten Anrede an den Cassineser Mönch Roffrid ergibt, dem ! ) Vgl. 10,5, 1 (Migne 147,1227) Secura i 2 ) Vgl. die Üeberschrift bei Migne 147, tarn concivibits Sancti, Sahrne, dulcins, Praebe ' 1233 B. ■ ■ ■ praeconium. «92 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. er das Werk gewidmet hat. Es handelt sich um die Vita sanctorum duo- decim fratrum, die unter Maximian den Märtyrertod in Benevent erlitten haben sollen. „Wovon du mich, so heifit es in der poetischen Widmung, abgerufen hast, Roffrid, waren unbedeutende Dinge nach meinem und nach dem Urteil andrer, die bei meinem Gedicht oft durch scherzhaftes Lachen erheitert wurden. Freilich, was du mir auftrugst, ist fast zu schwer für mich, nämlich die Geschichte der zwölf heiligen Brüder in Hexametern zu behandeln, und zwar ihre Herkunft, ihren Stand, ihre ruhmvollen Glaubenstaten und ihre letzten Kämpfe sowie Orte und Zeit, wo sie die Märtyrerkrone erlangten, endlich wie Arichis, Fürst von Benevent, ihre zerstreuten Gebeine erhob und dort bestatten ließ, wo sie sich jetzt noch befinden. Doch ich werde gehorchen, dein Befehl wird meine Arbeit entschuldigen." Das lange Gedicht selbst hat insofern öfters Berührung mit der Vita Christinae, als Alphanus auch hier nicht wenig antike Gelehrsamkeit vorbringt und damit sein Werk aufputzt und vor allem in der ausführlichsten Weise seine Helden gegen die alten Götter und Heroen polemisieren läßt. Wo sich dazu nur irgend Gelegenheit gab, hat er das nicht versäumt und sein Gedicht wird dadurch abwechslungsreich und gewinnt an Lebendigkeit. In seiner Vorlage, dem Leben der zwölf Brüder in Prosa, fand er in dieser Beziehung so gut wie nichts vor, alle mythologischen, geographischen und astronomischen Exkurse sind auf Rechnung des Dichters zu setzen. Übrigens folgt er an manchen Stellen seiner Vorlage wörtlich und nur ganz selten läßt er irgendeinen ihrer Züge aus. Und doch steht er ihr ganz frei gegenüber, indem er auf ihrer Grundlage einen kulturhistorisch nicht uninteressanten Roman in Versen aufbaut, wobei er besonders die alte Dichtkunst häufig eingehend zu Rate zieht. Er beginnt sein Werk mit einer Betrachtung über die Wichtigkeit Afrikas und seiner bedeutenden Männer, deren Wirken das alte Rom oft spüren mußte. Er erwähnt dann die Eltern der heiligen Brüder, deren zwölf Namen er aber — ganz wie bei Desiderius — nicht alle im Hexameter unterbringen kann. Auf eine Polemik gegen die antiken Götter folgt Vs. 147—169 ein mythologischer Exkurs über Herkules sowie eine vom Dichter erfundene Ansprache Cyprians an die Brüder. Sodann trägt Alphanus aus den alten Dichtern Vs. 333—348 eine anschauliche Episode über den Götterkult zusammen, wozu die Vorlage (6 Lect. VJ, Acta SS. Sept. 1,140) nur die Worte bietet Sperans eram et ego aliquando in idolis. Ebenfalls auf Buchweisheit beruht Vs. 396 ff. die Aufzählung der Orte über die Heimat und hauptsächliche Verehrung der Götter. In ein viel betretenes Gebiet begibt sich dann der Dichter, als er Vs. 455 ff. eine ziemlich eingehende Belehrung des römischen Beamten Victor im Christentum erfolgen läßt, die von der Schöpfung und vom Sündenfall ausgeht, aus welchem alles Leid und Elend der Menschheit hergeleitet wird, woraus die vielfältige Göttei- verehrung und der mannigfache Aberglaube hervorging. Und so setzen sich die Erweiterungen fort, die oft nur auf wenigen Worten der Vorlage beruhen; Vs. 858 ff. gehen sie ins astronomische Gebiet, wo die mythischen Unterlagen des Tierkreises und andrer Sternbilder bekämpft werden. An diese Passion schließt sich nun eine Translatio von 101 Hexametern an, die wohl auch von Alphanus stammt. Nämlich die Worte des Prologs der Alphanus I. von Salerno. 623 Vita (Vs. 18 ff.) entsprechen fast genau denen der Transl. 1 f. und 7 ff. und GL Waitz hat mit Recht darauf hingewiesen (MG. SS. rer. Italic, p. 576 n. 1), daß der Transl. 99 genannte Abt Matthäus nicht als Veranlasser des Gedichts, sondern des Bandes zu gelten hat, aus dem der Verulensis abgeschrieben ist. Waitz glaubte allerdings nicht an Alphanus als Verfasser der Translation, sondern hält diese wegen der starken Lobsprüche auf Arichis Vs. 11—21 für dessen Zeit näherstehend; doch, wie schon gesagt, Alphanus weist im Prologe Vs. 18 ff. ganz deutlich auf die Fortsetzung seines Gedichts über die durch Arichis herbeigeführte Translation hin, und auch die Erwähnung des Schlosses von Justinian Vs. 72 f. spricht für Alphanus als Verfasser, der Carm. 31, 180 sich ähnlich ausläßt und dort 147 das seltene Wort pavitus gebraucht wie Transl. 59. Sonst ist aus der Translation nichts Wichtiges zu erwähnen, sie gleicht in Hinsicht auf breite Ausmalung durchaus der Vita. — N. 1 ist an Bischof Pandulf von Marsicanum als Geleitgedicht für zwei Hymnen auf die hl. Sabina gerichtet und besteht aus 41 Distichen. Alphanus sagt hier, daß er dem Wunsche des Freundes nachgekommen sei, die Heilige zu besingen, denn er könne nicht ohne seine Freundschaft leben. Als Geschenk erbitte er nur Pandulfs Verzeihung dafür, daß er seinen Wünschen nicht früher nachkam. Im daktylischen Metrum sei allerdings die Besingung zu schwer gewesen, und er überreiche ihm daher zwei Hymnen auf Sabina, bei deren Anfertigung ihm das Studium Cyprians geholfen habe. Er glaube nicht, daß er von andern angegriffen werde, wenn der Freund die Gedichte billige. Und auch seine Verwandten wie Oderisius, Theodin und Transmund würden ihm Schutz gewähren, und er möge an seinen Vater Pandulf denken, der fromme Bitten stets erhörte. Der erste Hymnus (2), der die Legende und den Tod der Sabina kurz behandelt und das Paradies in schönen Farben ausmalt, 1 ) besteht aus zehn Strophen mit abwechselnden Glykoneen und Asklepiadeen (Horaz Carm. 1, 3). Der zweite Hymnus (3) enthält zehn Strophen zu je vier Glykoneen; hier wird die Heilige Gott für die Freuden des Himmels empfohlen und um ihre Fürbitte ersucht. Die beiden nächsten Gedichte haben es mit dem hl. Maurus, dem Schüler von Benedikt zu tun. Das erste (4) besteht aus acht sapphischen Strophen und beschäftigt sich mit dem Leben des Heiligen und dessen Wundern und erbittet am Schluß seine Gnade. Im zweiten fordert der Dichter zur Freude auf, da es der Todestag des Maurus sei, der auf Erden viel Wundertaten verichtete, von denen fünf kurz erwähnt werden. Am Schlüsse erbittet er den Segen des Heiligen für Monte Cassino. Das Gedicht besteht aus sieben Strophen zu je vier elfsübigen alcäischen Versen und die letzte Strophe fehlt; vielleicht war hier auf Abt Desider hingewiesen, in dessen Auftrag der Hymnus wohl verfaßt worden ist. Mit der Auffindung des Leibes des Matthäus oder doch wenigstens mit dem Bau der Matthäuskirche in Salerno hängen die drei nächsten Gedichte zusammen, die sich auf den Evangelisten beziehen; die beiden ersten bestehen aus je acht Strophen von je fünf beziehungsweise vier jambischen Trimetern, das letzte enthält acht Strophen ) 7, 1 lllic purpureus rosae Flos et nav- dus inest, vevnat amaranthüs, Floret cum »lolis croeiis, Spirant thura thymns, lilia bal- sainum. Vgl. hierzu Fortunati C. 8, 3, 237 und 7,12,41. 10,1 ist falsch überliefert. 624 Geschiebte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. von je vier jambischen Dimetern. Das erste ist allgemeinen Inhalts: Zum Senat der Apostel im Himmel, der mit Christus beim jüngsten Gericht allen Samen Israels richten wird, gehört Matthäus, der Christus folgte und dessen Menschheit zuerst beschrieb und als der Mensch unter den Evangelisten galt. Er ist Evangelist, Apostel und Märtyrer zugleich und einzig, und er gewann die Völker des heißen Südens für das Heil. Mit einer Bitte an den Heiligen und mit der Versicherung der Orthodoxie schließt der Hymnus (6). Das zweite Gedicht (7) beginnt mit der Lobpreisung des Geburtsortes des Evangelisten und rühmt dessen Tag. Es hebt einige Wunder des Heiligen heraus 1 ) und endet mit einer Bitte an ihn. Das dritte (8) ist ein Gebet an den hl. Geist, denen zu nahen, die das Fest des Apostels feiern, dessen Bekehrung und christliche Taten gerühmt werden. Zwei weitere Gedichte feiern die Märtyrer Fortunat, Caius und Anthes in Um- brien. Das erste besitzt acht Strophen, die aus je drei Asklepiadeen und einem Glykoneus bestehen. Hier (9) wird das Martyrium der drei Glaubenszeugen kurz erwähnt und sie selbst werden um ihren Beistand angerufen. Das zweite Gedicht besteht wieder aus acht Strophen von je vier jambischen Dimetern und ist für den Todestag der Heiligen bestimmt, von denen ein Wunder erzählt wird, das sich nach ihrer Hinrichtung zutrug; Salerno wird glücklich gepriesen, daß es solche Heiligen besitze (10). Hieran schließt sich ein Gedicht auf den hl. Nicolaus von Myra in derselben Form wie der erste Hymnus auf Sabina. Es ist zum Tage des Heiligen verfaßt und bringt sein Leben und seine Taten kurz in Verse, wobei die Stadt Myra hoch gepriesen und Griechenland sowie Rom 2 ) zu seinen Verehrern gerechnet wird; es enthält achtzehn Strophen (11). Vier weitere Gedichte beziehen sich auf die hl. Christina, die Märtyrerin von Bolsena, deren Leben der Dichter auch beschrieben hat. Die beiden ersten bestehen aus zwölf und vierzehn gereimten Distichen. Das erste (12) ist für den Tag der Heiligen bestimmt und erzählt, ausführlicher wie sonst, deren Passion: das zweite (13) hat ähnlichen Inhalt, hebt aber besonders die Keuschheit Christinas hervor. Die beiden folgenden — das erste hat das Metrum von N. 9 und das zweite besteht aus Strophen von jambischen Dimetern, beide zu sechs Strophen — sind fast inhaltslos; nämlich 14 ist ein Lob- und Bittgedicht an die Heilige, die in N. 15 Christus empfohlen wird, für den sie gelitten hat. Hieran schließt sich ein Gedicht in dreißig Hexametern auf Petrus, in dem dessen Taten aus der Apostelgeschichte ganz kurz in Verse gebracht werden und zum Schluß seine Hinrichtung auf Neros Befehl erwähnt wird (16). In 24 sapphischen Strophen mit verhältnismäßig seltenem Reim und viel häufigerer Assonanz bringt dann Alphanus das Leben des hl. Benedikt in Verse (17) und gibt dabei sogar seinen Todestag an; zum Schlüsse wünscht er, daß sein Hymnus dem Heiligen stets gefallen möge. Ein Gedicht von 39 nur zufällig gereimten Hexametern (20) besingt die hl. Margarita und ihre Taten; es ist anschaulich und lebendig gehalten, sein Eingang (Vs. 1—3) ist dem Anfang von Sedulius ') 6,3 Post, Jiaec tyrannum dum refittas j fulgitis charactere. Irtacum Hinc marti/r astra scattdis hinc apo- 2 ) Hier ist 16,1 swfe statt tuis zu schreiben. stohis. 2. 3 die Form fulgis, so auch 18,9,3 | Alphanus I. von Salerno. 625 Carm. Pasch. 1, 1 ff. nachgebildet. Äußerst kurz halten sich die sieben- strophige sapphische Ode auf die Passion der hl. Ursula (21), sowie die drei Gedichte auf die hl. Katharina, deren erstes die Passion der Heiligen in 24 Hexametern darstellt (22), während das zweite (23) in 32 sapphischen nicht gereimten Hendekasyllaben (wie Boethius cons. phil. 2 metr. 3) neben der Passion auch die vorausgehende Lebenszeit berücksichtigt, 1 ) und das dritte (24) in 31 asklepiadeischen Versen zuerst nur allgemeine Lobeserhebungen bringt und dann erst vom Martyrium handelt. Auch das folgende Gedicht (25) dürfte hierher zu ziehen sein, in dem Maria eine Ansprache an das Jesuskind hält, allerdings unter der unmöglichen Voraussetzung, daß sie von der Sendung Christi vollständig unterrichtet ist. In den 27 Hexametern zum Lobe der hl. Lucia (26) handelt es sich um einen sehr kurzen Bericht über das Martyrium der Heiligen und dessen Ursachen. Stark rhetorisch mutet das folgende Gedicht an, das die Unschuldigen Kindlein in 26 Glykoneen besingt (27) und bezüglich der Apostrophe an Herodes 2 ) mit Anlehnung an Sedulius Pasch. Carm. 2, 83. 127 geschrieben ist. Drei weitere Gedichte befassen sich mit dem Martyrium der hl. Agnes; das erste (28) enthält in 68 Hexametern fast nur eine lange Anrede der Agnes an ihren Liebhaber, in der die Heilige aller Bedrängung spottet, das zweite und dritte (29) in je zehn sapphischen Strophen einen kurzen Bericht über das Martyrium mit angehängter Bitte. Alle diese Gedichte lassen eine nicht geringe Leichtigkeit in der Handhabung der Sprache und der poetischen Formen erkennen, wenn sich auch bei vielen ein ziemlich enger Anschluß an die hagiographische Vorlage unschwer zu erkennen gibt. Dieselbe Formgewandtheit überrascht bei den Gedichten persönlichen Inhalts, die sich an Fürsten, an Bischöfe und an andre zeitgenössische Kleriker wenden. An der Spitze steht ein Gedicht (34) an Fürst Gisulf von Salerno in acht Strophen zu vier Versen, die das dem Boethius eigentümliche Maß Consol. phil. 1, 2 besitzen. Es ist ein richtiges Loblied auf den Fürsten, der an Tapferkeit den alten Kaisern gleiche und von der übergroßen Strenge eines Cato nichts besitze. Der Dichter vergleicht ihn mit den großen römischen Heerführern, zuletzt mit Pyrrhus und Hannibal, die er alle überrage; fast hört man hier den Fortunat zu den Merowingerkönigen reden. In fünfzig Distichen feiert dann Alphanus des Gisulf Bruder Guido (35). Zuerst gedenkt der Dichter Waimars, des Vaters von Guido, dessen kriegerische Großtaten den Erdkreis erfüllten, so daß Salerno mächtiger als Rom wurde. Aber auch die Kunst der Medizin blühte in der Stadt, so daß hier keine Krankheit aufkam. Nach dem Tode des Vaters aber kamen schwere Zeiten für die Stadt, bis Guido selbst zu den Waffen gegriffen und die Feinde des Vaterlands mit furchtbaren Schlägen bedacht habe und wie ein Alexander auf das tapferste kämpfte. Am Schlüsse wünscht ihm der Dichter, er möge, wie einst Cäsar den Erdkreis, sich das griechische Reich Untertan machen. An den Bischof Gosfrit von Aversa wendet sich Alphanus in einem äußerst schmeichelhaften Gedicht (36). Er rühmt von ihm, daß sein Herz rein geblieben sei von Fehlern und Versuchungen und niemand könne ') Hier ist 23, 27 natürlich maniplum zu j 2 ) Vs. 18 Quid vis tigride äurior? Quid lesen. | saevis camibus canis Peior? Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 40 , 626 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. ihn der Habsucht und des Geizes zeihen. Und wie er sich äußerlich durch Schönheit auszeichne, so besitze er auch die hervorragendsten Eigenschaften des Geistes und er lasse alle andern Gelehrten hinter sich. Und Neapel müsse dem gallischen Lande danken, das ihn dahin geschenkt habe. Mit einer Empfehlung Gosfrits an Paulus schließt das Gedicht, das zwölf Strophen zu je drei Versen besitzt, deren beide erste Asklepiadeen darstellen, während der letzte ein Pherekrateus ist. 1 ) Zehn sapphische Strophen richtet Älphanus an den Bischof Atto von Teate. Er ermahnt ihn, andermal sein gegebenes Wort zu halten, und bringt ihm sein früheres Versprechen auf eine scherzhafte Weise bei (37). In einem Gedicht von gleichem Metrum wie N. 34 wendet sich Älphanus an die Musen mit der Bitte, den jungen Transmund 2 ) zu besingen, der die Irrtümer des Aristoteles und die stolze Sprache eines Plato fast in einem Monat durch seinen Fleiß widerlegte, „und er soll vierzig Homilien durch Lesen im Gedächtnis behalten haben, und er kennt das Epos Vergils seit seiner Kinderzeit besser, als die Sibylle ihre Bücher, die sie im Zorn verbrannte, als der Käufer sie zurückgewiesen hatte". Zum Schlüsse bittet der Dichter den Transmund, von solchen Studien abzulassen und Mönch zu werden, um die wahre Weisheit zu erlangen (38). Von größerem Interesse ist ein Gedicht an den Grammatiker Wilhelm, da es nämlich in seinen zwanzig sapphischen Strophen eine ausführlich erzählte Tierfabel enthält. „Ich habe dich früher als Knabe, sagt Älphanus, öfter nach cfer Tafel über das Mönehtum lachen sehen, das du nun so verteidigst, und du nanntest nur die Reichen glücklich, denen die Welt alles bietet. Aber zu diesen gehörtest du doch selber, da dir die Stadt Aversa hohe Einnahmen verschaffte. Nun sage mir, aus welchem Grunde du Mönch geworden bist. Die Welt umstrickt ihre Freunde mit Schlingen und beraubt diejenigen, die sie erst gehätschelt hat. in einem Augenblick ihres Glückes. Das kannst du schon in alten Fabeln lesen. Der Fuchs riet einst dem Löwen eine Reise übers Meer, um auch über die Ungeheuer des Wassers die Herrschaft zu gewinnen. Auf dem hohen Meer verspürt der Löwe Hunger und er tötet den Bären und darauf seine andern Begleiter. Der Fuchs aber, der noch allein übrig blieb, lügt ihm vor, er habe an der Küste tausend Hirsche gesehen. Da befiehlt der Löwe, dorthin zu steuern, und der Fuchs gelangt glücklich auf einen vorspringenden Felsen und ruft dem Löwen zu: Ich möchte nicht Begleiter des Schiffsherrn sein, der die Schiffer zum Frühstück verzehrt. So tötet die Welt ihre Anhänger; ihre stets zu fürchtenden Geschenke überliefern die mit dem königlichen Purpur Geschmückten der Armut." Dieses Gedicht zeichnet sich durch eine besonders poetische Sprache und lebendigen Ausdruck aus, freilich macht es hierbei besonders viel Anleihen an den Ausdruck von Horaz und Juvenal, wie sich das auch sonst bei Älphanus zeigt. Eines der bedeutendsten Gedichte unsres Verfassers überhaupt richtet sich an den Kardinal Hildebrand, es ist also vor 1073 verfaßt. Welcher Ruhm, heißt es hier, denen zufällt, die ihre Blicke nach der Staatslenkung richten, ist deiner Weisheit nicht ■) Wohl nach Boeth. cons. phil. 2,2. Grafen Oderisius, vgl. Giesebrecht, De s ) Transmund war wie Atto ein Soln des litteraram stndiis'apud Italos p. 44 f. Alphanus I. von Salerno. 627 bekannt. Davon weiß die Sacra Via und Latium, die Höhe des Kapitols und der kaiserliche Thron zu berichten. Aber warum verdrießt dich solch stolzes Beginnen und neidvoller Trug? Weil dies dem guten Manne mehr als die Pest schadet, denn ihm bringt das Gift des Neides Tod und Gefahren. Dir ziemt es, daß du beneidet wirst und nicht beneidest, denn die Kenntnis des Wahren und Guten allein gibt dir 1 ) das Bewußtsein deiner großen Verdienste. Alles Recht ergeht nach deinem Urteil, und durch die Künste des Rechtes ist Rom das Haupt aller Städte geworden und wurde die ganze Welt Rom Untertan und durch sie zerbrich mit dem Schwert des Erzapostels 2 ) Petrus alle feindliche Gewalt. Und wie gewaltig ist die Macht des Bannes! Was Marius und Cäsar nur mit ihren Heeren ausführen konnten, das vermagst du mit einem Wort. Und was verdankt Rom den Scipionen Größeres als dir, durch dessen Bemühungen es zu seiner hohen Macht gelangte? Jene aber werden trotz ihrer Großtaten vom ewigen Frieden und den Gefilden des Lichtes ausgeschlossen, dich erwartet der Glanz des ewigen Lebens, so daß du von deinen Mitbürgern den Aposteln verglichen wirst. Das Gedicht läßt in besonderem Maße erkennen, in welcher hohen persönlichen Achtung Hildebrand stand, sowie daß die Geschichte Roms in ununterbrochenem Zusammenhang mit dem Altertum sich darstellte; es besteht aus dreizehn fünfzeiligen Strophen von Glykoneen. Ein akrostichisches Gedicht widmete Alphanus seinem Freunde Desider von Monte Cassino. Es besteht aus 15 Strophen zu je vier katalektischen anapästischen Dimetern und hat als Akrostichon Desiderius abbas. Alphanus geht hier von Benedikts Klostergründung aus und wendet sich dann zur Lobpreisung Desiders. Er rühmt von ihm, was er alles für das Kloster getan hat. Heilige und kostbare Gefäße habe er gestiftet, während Griechenland schöne Gewänder und Künstler sandte und Rom seinen Marmor gab. Und das Kloster wurde durch seine vortrefflichen Männer berühmt, während Desider die christliche Heilsbotschaft nach dem Abend- und Morgenland sandte. Und er sammelte so viel Bücher aus den einzelnen Ländern, als der Nordwind Blätter über die hohen Gebirge verstreut. Mit dem Wunsche daß er, der heute im Kloster sei, morgen im Himmel weilen dürfe, schließt das Gedicht, das also Alphanus für einen Zeitpunkt dichtete, als er sich in Monte Cassino aufhielt. In neun sapphischen Strophen besang Alphanus den Sachwalter Romuald zu Salerno, dessen Dienste er vielleicht früher mit Erfolg für seine Kirche in Anspruch genommen und der, wie es scheint, die Welt verlassen hatte und Laienbruder geworden war. Der Dichter rühmt ihn als hochgeehrt und reich begütert und preist seine untadelige Lebensführung, so daß das Volk niemand für glücklicher habe halten können. Aber mitten in seinem Glück habe er der Welt und ihrem rosigen Glänze den Rücken gekehrt, was dem Volke zwar bitter erschienen sei, was er aber durchaus billige. Und er wünsche nur, daß Romuald nicht Reue über sein Vorhaben empfinde, wisse er doch, wie nützlich es sei, die Welt zu verachten. Endlich ist ein Gedicht in 54 Distichen zu erwähnen, das an den Mönch Theodin in Monte Cassino ge- ') Hier ist 40, 5, 3 quem statt quam zu lesen. 2 ) 9,1 His et archiapostoli ... gladio Petri. Das Wort ist sonst ungewöhnlich. Davon Weiterbildung 33,382 Archiapostolici ... honoris. 40* 628 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. richtet ist, den Sohn des Grafen Berard und Neffen des Grafen Oderisius. Alphanus rühmt hier die hohe Abstammung Theodins und hebt seine Geschicklichkeit in der poetischen Darstellung wie in der Prosa hervor und sagt, daß er Rechtskenntnis, Musik und Astronomie gering achte, da er höheres Wissen erstrebe und nach der Palme des Lebens greife. Diese werde er mit Hilfe des Petrus erlangen und dann zu dem herrlichen Gatten kommen, den Benedikt pflege und der mit Wohlgerüchen angefüllt sei. 1 ) Und hier werde er mit all den Brüdern von Monte Cassino zusammenkommen, die Alphanus am Ende des Gedichts aufzählt. 2 ) Außerdem hat Alphanus sich in mehreren Gedichten auch über christlich-dogmatische Stoffe ausgelassen. In diesen Lehrgedichten in Predigtform wendet er sich an seinen Klerus oder auch an seine Gemeinde. Bier ist zunächst ein längeres Stück über die Tugend der Demut und das Laster des Stolzes zu erwähnen (18). das 17 fünfzeilige Strophen in jambischen Senaren enthält, die zuweilen wegen ihrer lockeren Prosodie als Rhythmen erscheinen könnten, 3 ) aber jedenfalls metrisch gebaut sein sollen. Es stellt dar, daß die, welche mit Demut das Laster des Stolzes besiegt haben, in den Himmel eingehen und hier von den seligen Scharen begrüßt werden. Unter diesen wird auch Benedikt genannt, darauf dessen Schüler und Nachfolger, unter denen zuletzt Desider hervorgehoben wird. Die Sprache des Gedichts unterscheidet sich wesentlich von der Ausdrucksweise der früher besprochenen Stücke, sie ist ganz auf den kirchlichen Ton eingestimmt. In 168 Hexametern richtet sich ein Gedicht (31) an den Märtyrer Vincentius. Der erste Teil dieses Stückes verwendet den Predigtton und der Dichter spricht hier zu seiner Gemeinde, während er sich im weiteren Verlaufe mit dem hl. Vincentius beschäftigt und dessen Martyrium im Anschluß an Prudentius erzählt. Das folgende Gedicht in 28 katalektischen anapästischen Dimetern (nach Boethius Cons. phil. 2, 5 oder 3,5) nennt sich Oda excitatira militibus Christi und stellt eine Aufforderung an die Christgeweihten dar, sich in den Kampf gegen die Welt und gegen deren Versuchungen zu stürzen; der Ausdruck ist hier fast ganz der Bibel und ihren Auslegungen entnommen. Für den Rohm und Preis von Monte Cassino ist eins der wichtigsten Stücke der ganzen Sammlung gedichtet (19). Es beginnt mit vier einleitenden Hexametern, die ganz im allgemeinen den Ort des Klosters preisen. Niemand, so fängt das eigentliche Gedicht an, ist fähig, die Wohltaten zu rühmen, die der Mensch Christus verdankt; weder ein Rhetor noch ein Philosoph vermag das, sondern Gott allein. Als aber die Menschen der Sünde erlegen waren, hat ihnen Gott Stätten gegeben, das Unrecht zu sühnen. Eine solche ist Monte Cassino, dessen Schönheiten zu besingen dem Dichter vergönnt sein möge. So beschreibt er zunächst die Örtlichkeit. Wo früher ein Apollotempel stand, dort gründete Benedikt ein Kloster, und Alphanus geht nun besonders darauf aus, die Pracht der Kirche hervorzuheben, die besonders ') Aehnliche, aber erweiterte Anffzäkhing Giesebrecht S. 49. derselben wie Carm. 2,7,1 ff. Ys. 87 rUe rem i *) So 3,1 Inenarramtfa äomimti est pitta* narilus atmmmm deckt sich mit Fortunati I und 3 Spiritus mi emi^at imbitmemM. 16,* €. 4,26,125 und 8, E, 237. j Landaus estm im ehoro et iifmpmmo. *l Ys. 90—104, vgl. dazu die Noten von | Alphanus I. von Salerao. 629 auf Desider zurückgeht, dessen Namen er nur mit einem prosodischen Fehler im Gedichte anführen könne. 1 ) Aus Rom kamen die Säulen, und da die Künstler Italiens zu dem Werke nicht genügten, so wurden Baumeister aus Thrazien verschrieben, die einen Bau vollführten, wie ihn Rom nicht herrlicher aufweisen kann. Weder das goldne Haus des Cyrus noch der Tempel Salomos erglänzte so, und das Schloß Justinians hätte sich lieber diesen Ort gewählt, der das schöne Fenster Gottes ist und dem Himmelslicht benachbart. Mit dem Wunsche an Benedikt, den Mönchen des Klosters den Weg zum Himmel zu eröffnen, und mit der Bitte an Gott, die fromme Schar von heute ebenso zu lieben wie früher, schließt das Gedicht, das aus 43 fünfzeiligen Strophen von hyperkatalektischen daktylischen Trimetern besteht. Der hohe rhythmische Schwung, der in diesem Verse liegt, macht das Metrum besonders für ein stimmungsvolles Loblied auf das schöne alte Mutterkloster geeignet. Im Alter verfaßte Alphanus endlich ein polymetrisches Gedicht, eine Beichte in Gebetsform (33). Sie ist an Christus gerichtet und besteht der Reihe nach aus 54 Distichen, 31 Hexametern, 27 Distichen, 118 Hexametern und 52 Distichen, also aus 415 Versen. In der ersten Abteilung von Distichen wird der Ruhm Christi, teilweise mit Aufzählung einer Menge von typischen Beiwörtern, gesungen. 2 ) Nachdem der Dichter dann vom Eintritt der Sünde in die Welt gehandelt hat, kommt er Vs. 93 auf sich zu sprechen und bittet Christus, ihm den rechten Weg zu zeigen. Darauf führt er Christus Vs. 109 selbst als Ankläger gegen sich ein, der ihm Vorwürfe wegen seines Lebenswandels macht und ihn ermahnt, ein besseres Leben zu beginnen. 8 ) In den neuen Distichen richtet er sich wieder an Christus unter der Voraussetzung, daß dieser ihm seine Sünden vergeben habe, und erweist seine Heilstätigkeit an den Beispielen von Hiob und Salomo. Dann ergreift Vs. 194 Christus wieder das Wort in einer längeren Auseinandersetzung über die Sündhaftigkeit und Verderbnis der Menschen. Im letzten Teil des Gedichts finden wir wieder eine Apostrophe an Christus, mit dessen Namen die neunzehn ersten Distichen im Hexameter beginnen, wobei die einzelnen Eigenschaften der Gottheit Christi berührt werden. Das ganze Weitere besteht aus Anrufungen und Bitten an die göttliche Macht des Erlösers. Zuletzt bittet der Dichter für Desider und Monte Cassino und für alle Gläubigen. Das ganze Gedicht ist ein Gespräch zwischen dem Dichter und Christus, der um die Absolution gebeten wird, doch als Beichte betrachtet, ist es zu viel zu diffus und zu weit ausgesponnen und es macht einen stark rhetorischen Eindruck. Außer diesen größeren Poesien hat Alphanus mehrere kurze Gelegenheitsgedichte, Epitaphien, hinterlassen, nämlich auf den Kardinal Stephan, den Bischof Atto von Teate 4 ) und zwei vornehme Laien, nämlich den Römer ') 24,3 Nominis usus et utproprii Postulat, anterior poterit Syllaba longa brevis fieri. 2 ) Vs. 31 —40 und 45 f. stehen sechs epana- leptische Distichen. ') Vs. 110 cum primo semper ab aevo Usque senectutem tantis impune vacares Delictis beweist, daß das Gedicht im Alter verfaßt ist. Damit steht in merkwürdigem Gegensatz die einführende Anrede 109 Desidiose puer; dies setzt sich Vs. 194 mit den Worten Iam dedisce, puer, puerilia verba fort. *) Das Epitaph Attos ist nach Casin. 280 richtiger abgedruckt in Bibliotheca Casinensis 5,40 als bei Ughelli und Migne. ß30 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Leo und den Salernitaner Johannes. Auch hier zeigt sich ein gewisses Talent und eine gewisse Leichtigkeit in der Anwendung der dichterischen Sprache; allerdings scheinen die Epitaphien Fortunats mehrfach als Vorbild gedient zu haben. Diesen Grabgedichten gemeinsam ist übrigens die genaue Angabe des Todestages, mit Zugrundelegung der Zeitbestimmung nach dem antiken Kalender. Endlich besitzen wir von ihm eine Antiphon auf die hl. Sabina in 61 Hexametern und ein Gedicht auf die Vesper der Heiligen in vierzehn Versen. Alle diese Gedichte aber lassen außer einer tüchtigen metrischen und prosodischen Schulung auch eine nicht geringe Kenntnis der alten Poesie erkennen. Hauptsächlich kommt hier Horaz in Betracht, daneben Ovid, Vergil und Juvenal, wie schon Giesebrecht im einzelnen erörtert hat, und außerdem, wie oben dargelegt wurde, Fortunat, dessen unmittelbare Benutzung in jenen Zeiten sonst selten genug geworden war, und Sedulius. Vita s. Christinae. Daß Alphanus die hl. Christina, die Märtyrerin von Bolsena, besonders verehrte, läßt sich daraus entnehmen, daß er sie in vier Gedichten besungen hat. Und er unternahm es auch, das Leben und die Passion der Christina darzustellen. Er hatte hierfür keine andre Quelle als die alte Passion der Heiligen und er spricht sich auch darüber im Prologe gar nicht aus. Vielmehr handelt er in dem äußerst schwülstigen Vorwort vom Kampf und Sieg 1 ) der Heiligen im allgemeinen und sieht die Erzählung solcher Taten als eine Ehrung Gottes an. Da ihm nun andre Quellen fehlten und er eine ausführliche, mit vielen Einzelzügen ausgestattete Erzählung geben wollte, mußte er zur Erfindung greifen. Das zeigt sich gleich im Anfang. Da der Verfasser nämlich über die Jugend Christinas nichts in seiner Quelle vorfand, so übertrug er die gelehrte Heranbildung seiner eignen Zeit auf so frühe Jahrhunderte. Und so geht die glatte Erfindung weiter, besonders bei dem Gespräch Christinas mit den Dienerinnen, das entweder im mittelalterlichen Sinne ausgeschmückt oder ganz erfunden und mit novellistischen Zügen so reich ausgestattet ist, daß es einen äußerst lebendigen Eindruck auf den Leser macht. Höchst sonderbar berührt dann die große Gegenrede Christinas, wo sie ein längeres Stück angeblich aus Apuleius' Schrift De deo Socratis anbringt und über die Nichtigkeit der heidnischen Götter sich ausläßt. Gänzlich geändert ist dann die Stelle über die Götterbilder und ihre Entfernung durch die Heilige und alles Weitere ist durch Veränderungen und Anbringung von Visionen zu einem vollständigen Roman geworden, der durch Reden und Gegenreden allerdings ungemein belebt erscheint. So bringt Christina ihren Dienerinnen gegenüber eine ganze wohlgesetzte Christologie vor und der Vater Urbanus äußert sich im Zwiegespräch mit der Tochter eingehend über die Gottheit Jupiters, wobei die dialektische Gewandtheit des Verfassers in helles Licht tritt. Und nicht nur die antike Prosa, auch die Poesie muß dazu herhalten, der Erzählung einen alten Anstrich zu geben, wie berichtet wird, daß der neue ') Hier ist (Migne 147, 1269B) in con- I ii-e, vgl. Cat. 50,4. Vgl. 1277B reminiscitur ferttesimorum Jwstium cohortes insiliunf nach Sallust. Cat. 60, 7 gesagt. Aus Sallust stammt auch (1272 B) in auctoris sententiam pedibus Fulvii cuiiisdam senatoris filii quem retraetum ex itinere quicum Catilina coniuraverat pater necari inssit; das stammt aus Cat. 39,5. Alphanus I. von Salerno. 631 Prafekt Julianus die Christina in einen Sonnentempel bringen ließ, wo auf einem erhöhten Platze eine goldne Sonne sich um die Zeichen des Tierkreises bewegte, was der Verfasser dann mit drei Halbversen rekapituliert, die sich bei Ovid (Met. 2,107 ff.) finden und dort vom Sonnenwagen des Phoebus gebraucht werden. 1 ) Jedenfalls spielen sich in dieser zweiten Hälfte des Werkes die wunderbarsten Vorgänge ab, denn zunächst wird jenes Kunstwerk auf Befehl Christinas von einem feurigen Dämon zerstört und der Präfekt getötet. Als man sie darauf in einen feurigen Ofen wirft, bleibt sie natürlich unversehrt. Da befiehlt der Richter, daß ein Zauberer zwei Drachen auf sie loslasse, aber der Zauberer wird getötet, und damit das umstehende Volk an Christus glaube, wird er durch die Heilige wieder zum Leben erweckt. Endlich wird sie in den Hippodrom gebracht und dort durch Pfeilschüsse getötet. Im ganzen betrachtet, liest sich das Werk ganz gut, fällt aber doch ganz aus der Zeit heraus, die es darstellen will. Eine geringere Bedeutung für uns hat ein noch nicht besprochenes Werk des Alphanus, das aber nicht übergangen werden kann, da es das literarische Bild des Mannes vervollständigt. Es handelt sich um die Übersetzung der Schrift negl cpvoeuK ävdgomov des Nemesius Emesenus ins Lateinische. Diese Arbeit erklärt sich aus den medizinischen Studien des Alphanus und scheint einem Fürsten gewidmet zu sein, unter dem ich Gisulf von Salerno verstehen möchte. In der vor Schwulst oft kaum verständlichen Vorrede spricht der Verfasser zunächst von der Vernunft, die dem Menschen die Herrschaft über die andern Wesen gebe und die er gebrauchen müsse, und kommt dann auf sein Werk, das er Prepnon fisicon, lateinisch Stipes naturalium benennt und das vom Menschen seinen Ausgang nehme. Er bittet in gewohnter Weise den Adressaten, Fehlendes darin zu ergänzen, Überflüssiges auszuscheiden, Fehlerhaftes zu berichtigen und den Verfasser vor der Mißgunst von Neidern zu schützen. Die Übersetzung ist im allgemeinen genau und sicher und läßt erkennen, daß Alphanus das Griechische beherrschte. Sie ist übrigens wichtig für die Überlieferung des Nemesius. Die Sprache des Verfassers bewegt sich hier auf einem ganz andern Gebiet als sonst, sie enthält viel Fachausdrücke und gebraucht nicht wenig griechische Wörter in lateinischer Form, daneben auch eine Menge seltene lateinische Worte und Wortbedeutungen. Die abweichende Orthographie mag aber mehr späteren italienischen Abschreibern als dem Übersetzer selbst verdankt werden. Man hat also in Alphanus einen literarischen Charakter vor sich, der im Gegensatz zu früherer salernitanischer Schriftstellern den Zusammenhang mit dem griechischen und römischen Altertum keineswegs verloren hat, sondern bei allen mittelalterlichen Besonderheiten sowohl nach Inhalt wie nach Form seiner Werke sogar in sehr regen Beziehungen zu ihm steht. Zeugnisse. Die hohe Abstammung ergibt sich aus dem Bericht Leos von Monte Cassino in der Chronik des Klosters und aus der zeitigen Erhebung zum Erzbischof. Die wichtigsten Angaben über das Leben des Alphanus macht Leo im Chron. monast. Casin. 3, 7 (MG. SS. 7, 701, 29 ff.). Dort heißt es zum Jahre 1055 Desiderius . .. Salernum perrexit. lbiitaque illo aliquandiu remorante Alfanus quipostmodum eiusdem civitatis archiepiscopatum l ) 1280A ist rudern et indigestam materiem ebenfalls aus Ovid (Met. 1, 7) genommen. 632 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. adeptus est, prudentissimus et nöbüissimus clericus, maxima Uli est familiaritate coniunctus C'uius animum frequentibus monitis ad mundi contemptum exhortans sie tandem ab Mo contigit, ut monachus fieret, si prius ut iamdudum mente coneeperat, Ierosolimam ire per- »rissus fuisset. Iiac inter illos sponsione firmata Beneventum reversus Desiderius est, atque post non multos dies mandat Alfano ut ad se veniat. Benuente Mo ac potius pavitante Salernum egredi Herum Desiderius ad illum abiit eumque propter quorundam inimicantium Uli iimorem cuculla sua indutum noctu de civitate educens secum Beneventum adduxit. Cum vero coepissent Alfanum nobiles quique viri ac clerici frequentare eumque ob maximam eius prudentiam decenter excolere, propositum autem Ierusolimitani itineris paulatim coe- pisset in eius corde tepescere, seque a Desiderii latere nullo unquam modo nullo unquam tempore assereret velle clividere, tempus ab eis aliquanturn apud monasterium s. Sophiae exaetum est: cum ecce fama percrebruit, papam Tictorem ab ultramontaneis partibus Romain venisse eumque ad partes istas in proximo venturum fore. Territus Alfanus huiusmodi nuntio, quod fratres suos propter Guaimarii prineipis occisione insimulandos arbitraretur, adire ac praeoecupare statuit apostolicum secumque ire orat suppliciter Desiderium. Et quoniam mir am cantandi peritiam et medicinae artis scientiam non parvam habebat, eius- demque artis Codices nonnullos secum a domo detulerat, magni aliquid se habendum in summi pontificis curia omnimodis confidebat. Confectis igitur atque aptatis quotquot potuit medica- minibus una cum civitatis ipsius archiepiscopo ad Bomanum pontificem in Tusciam proficis- citur eumque ad Florentiam civitatem remorantem reperiunt. In brevi itaque maximam apud illam familiäritatem adepti et satis honorifice habiti sunt. (Desider erfährt hier, daß Victor nicht nach Süditalien kommen, sondern nach Deutschland gehen werde.) 702, 3 coepit omnimodis instare Alfano, ut iamiamque^peteret ab eo licentiam revertendi. ... Igitur Desiderius optata iamdudum oportunitate reperta accedit pariter cum Alfano ad Bomanum pontificem simulque pedibus illius se prosternentes orant recedendi licentiam .. . Annuit apostolicus atque ita sicut poposcerant cum fratribus illius ad hoc coenobium transmissi sunt. 3, 8 p. 702, 25 Xon multo post igitur a Gisulfo principe Alfanus expostulatus primo apud Salernum in monasterio s. Benedicti abbas effectus, demum vero eiusdem civitatis archiepiscopatum adeptus est. Zu den Werken vgl. unten. Petrus von Monte Cassino sagt von ihm in der Fortsetzung der Chronik 3, 35 p. 728, 30 Eo etiam tempore Alfanus Salernitanus archiepiscopus et huius coenobii monachus, cuius supra meminimus, vir in scripturis sanetis eruditissimus et notitia ecclesiasticorum dogmatum ad plenum instruetus composuit nitido et lucidissimo sermone passionem s. Christinae et librum ymnorum et versuum. Weit ausführlicher berichtet er über ihn De viris illustr. cenobii Casin. 19 (Migne 173, 1030 A) Composuit nitido 1 ) et lucidissimo sermone passionem s. Christinae, hymnos praeterea de eadem virgine duos, de s. Benedicto versus ad Pandulfuni Marsorum episcopum, cantus s. Sabinae, versus s. Christinae, s. Petri apostoli, in laudem monachorum Casinensium. De situ construetione ac renovatione eiusdem coenobii, metrum Saphicum hendecasillabum de s. Mauro, item eiusdem hymnos, de s. Matthaeo hymnos tres, de s. Forlunato duos, de s. Nicoiao ad Attonem episcopum Theatinum, ad Gisulfum prineipem Salemitanum, ad Sigismundum monachum Casinensem, ad Guillelmum eiusdem loci grammaticum, ad Guidonem fratrem prineipis Salernitani, ad Goffridum Atersanum episcopum, ad Hildebrandum archidiaconum Bomanum, ad Bomualdum causidi- cum Salernitanum, ad Boffridum monachum Casinensem metrum heroieum in honorem, sanetorum duodeeim fratrum, confessionem metricam eius, versus de ecclesia s. Ioannis Baptistae in Casino, epitaphia quaniplurima virorum insignium. Zur Auffindung der Gebeine des hl. Matthäus und zu Gregors Brief vgl. Gregorii epist. 8, 8 (18. Sept. 1080; bei Jaf f e, Bibl. rer. germ. 2,437) Gregorius episcopus ... fratri et coepiscopo Salernitano Alfano .■ ■ de tanti corporis inventione non solum ipsum b. Matheum apostolum verum etiam caeteros coapostolos . ,. mortalibus congaudere ... Quapropter de tanti thesauri revelatione tua fra- ternitas exultet in domino. Zum Tode Gregors Petri chron. mon. Cas. 3, 65 (a. a. 0. p. 747, 32) Anno autem dominicae incarnationis 1085 .. . cum .. . domnus Gregorius septimus papa apud Salernum infirmitate magna detineretur. ... Hoc statuto defunetus est ... et honorabihter intra ecclesiam b. Matthei apostoli et evangelistae sepultus. Zu den von Petrus von Monte Cassino nicht genannten Schriften vgl. die Ausgabe der Viri ill. Cas. durch Joh. Bapt. Marus (Rom 1655) in den Anmerkungen, wo ihm beigelegt werden De unione verbi dei et hominis librum unum, de unione corporis et animae librum unum, de quatuor humoribus corporis et animae librum unum.; extabant praedieta opuscula in Casinensi bibliotheca pluteo 8 ad sinistram. Passio sanetorum martyrum duodeeim fratrum Beneventanorum ad fratrem Ro- fridum Casinensem monachum; vgl. Ughelli, Italia sacra 7, 391 und Muratori, SS. rer. Italicarum 6, 35. Zur Teilnahme des Alphanus an Synoden und öffentlichen Urkunden vgl. Ughelli, Italia sacra 7, 382. 386 f. : ) So ist jedenfalls nach der oben erwähnten Stelle zu schreiben und nicht nudo, wie der Druck bietet. Alphanus I. von Salerno. 633 1. Gedichte. A. Hagiographisches. Das Gedicht über die zwölf Brüder hat im Cod. sem. Verulanensis die Ueberschrift metrum heroicum de XII fratribus ad d. Rotfvidum. Die Widmung an Roffrid beginnt Vs. 1 Unde nimis studuit tua nos revocare vohmtas, Res levis haec, Roffride, fuit contenta meoque Et paucorum iudicio qnos nostra iocoso Saepe Uvare solent multumque poemata risu. Hieraus geht aber hervor, daß Alphanus damals keineswegs am Anfang seiner dichterischen Tätigkeit stand. Auftrag Vs. 7 At quod ferre iubes non est tolerdbile pondus Viribus et nostris aequitm. ... 12 Praecipis historiam duo- denum scribere fratrum Versibus herois veterem, sint unde creati Et generis titulos fidei- que celebria facta, Inde tyrannorum cum quo fortissima bella Conseruere quibusque locis, quo tempore palmam Martyrü dignas et suscepere Coronas, Postque quod Arechis magnus princeps Beneventum Corpora diversis sparsimque iacentia terris Transtulerit nunc et qua sunt sepeliverit aede. Hiermit vgl. Transl. 1 Kam sacra temporibus sanctorum corpora multis Diversis iacuere locis ... 7 Munus, opima, tuo Benevento sompnia tantum Principis Ingenium ducis et sollertia summi Contulit Arechis. Prolog 25 Parebo, iussio tanta Excusabit opus, vel si non distet ab Ulis, Uni quae tantum Cicero vult esse legenda. Namen im Verse Vs. 54 duo sunt quos posse venire Lex pedis in Carmen prdhibet, vgl. Carm. 19, 24, 3. Wörtliche Benutzung der Vorlage z. B. Vs. 213 non hoc a vase recedam aus Lect. III (Acta. SS. Sept. 1, 139) numquam a vase isto recedam. 1 ) Die Aufzählung der Götterkulte stammt zum Teil wörtlich aus Ovids Fasten und Metamorphosen und aus Vergil, wie überhaupt fast alle gelehrten Erweiterungen der Vorlage von dort genommen sind; eine solche aus persönlicher Kenntnis 786 versus Ecanam Urbem, quam vulgus mutato nomine Troiam dicit. Beispiele der Entlehnung 90 octipedis ... Caneri vestigia Ov. Fast. 1, 313. 98 Türe . .. Sabaeo Verg. Ge. 1, 57. 333 Ianuni, Qui nunc Clusius est, nunc ipse Patulcius idem ... donavi cum sale farre Fast. 1, 127—130. 336 Et caricis Aristeum Georg. 4, 317. 388 Semicaprumque capro Faunum Fast. 5, 101. 341 racemifero feci sollemnia Baccho Met. 15, 413. 380 Ante pererrato Verg. Ecl. 1, 62. 385 Latium meritoque vocari Italiam cuius tutus latuisset in oris Aen. 8, 323. 450 Stellas velut inter luna minores Hör. C. 1, 12, 47 f. 627 turbidus auster Hör. C. 3, 3,4. 636 Ensifer Orion Ov. Amat. 2, 56. 643 superos Acherontaque poscit Aen. 7, 312. 2 ) — Schlußverse an der Translation 99 Hoc tibi, Christe deus, fieri iussitque Maiheus Abbas ob limien fidei faciendo volumen. Das Gedicht über das Leben der zwölf Brüder befand sich nach dem alten Katalog in Monte Cassino (Bibl. Casin. 1 p. LXXXVII) Vita XII fratrum in versibus ine. Unde nimis und steht im Casin. 280 s. XI p. 110 (mit dem Schluß milleno carmine clausum, woraus ebenfalls die Zugehörigkeit der Translation hervorgeht) und in einem Cod. semin. Verulanensis s. XII f. 25, die Translation daselbst f. 1. (Die Hs. stammt aus St. Sophia zu Benevent.) Ausgabe der Vita in Acta SS. Sept. 1, 144 (vgl. p. 132). der Translation daselbst p. 155 und von Waitz MG. SS. rer. Ital. p. 574 — 576. — Im Gedicht an Pandulf Vs. 5 (Migne 147, 1221) Vox tua me monuit pariterque monendo rogavit, Landes Sabinae martyris ut canerem und 19 Maxitna res erat atque meis non viribus apta, Ardua daetylicis pangere gesta meis, also er wollte kein Epos auf Sabina schreiben. Zu Cypiian vgl. 33 Profuerat Studium Cypriani saepe relectum, zu den Verwandten 55 Rursus et istä tui facient rata scripta propinqui, er nennt sie Vs. 61 f. und 73 und erwähnt auch Vs. 75 den jungen Leo, den späteren Geschichtschreiber von Monte Cassino Integra sit pueri bonitas tibi grata Leonis; Vs. 84 im Pentameteranfang die falsche Messung Onoma. 5, 7, 3 Deberes quemquam pro patria mori aus Horaz Carm. 3, 2, 13. 6. 5, 3 wird Matthäus genannt Evan- gelista martyr et apostolus; 7, 2,3 begegnet die Form fulgis für fulges, so auch 18, 9, 3 fulgitis. Zur Zusammendrängung der Daten in den Gedichten auf Christina vgl. 13, 9 Aestuat Urbanus, fremit Idion et Iulianus. 17,19, 3 meritis ab omni Parte beatum nach Hör. C. 2, 16, 27 f. und 20, 2 Hie ames dici pater nach Hör. C. 1, 2, 50; 22, 1 ist Sit statt Sic zu lesen. Der Anfang von 20 Si sua vaniloquo tumefactus carmine mundus Facta refert, num nostra manus torpere valebit .. . dum coelica narrat, vgl. Sedul. P. C. 1, 1 ff. 24, 1 ist promere statt promp- sisse und 18 Excellens statt Excellentibus zu lesen. In 25 vgl. zu den Worten der Maria an das Christuskind Vs. 8 Qui stans euneta movens venisti in carne movere und 16 Parva geret magnum genitrix fragilisque potentem, Factorem gestabit opus. B. Persönliches. Im Gedicht an Gisulf (34) heißt es 9 Tu virtute animi corporis et vi Augustos sequeris, nulla Catonis Te vincit gravitas, 25 Paulos et Fabios Corneliosque Gracchos Fabricios Roma Lucullos Te viso memorat. Im Gedicht 36 der medizinische Ruhm Salernos Vs. 21 Tum medicinali tantum florebat in arte, Posset ut hie nullus languor habere locum. Wunsch des Dichters wegen Konstantinopels Vs. 91 Quam cuperem posses — poteris puto — Caesar ut orbem Constantinopolis subdere regna tibi... 100 Evigilent Studium Graeca trophaea tuum. Die Schmeichelei an Gosfrit 36, 4 Nunquam livor edax ira superbia Foe- ') Gedenken der Karthager Vs. 35 quos in Cannensi certamine vidi Romani sensere duces und Vs. 299 Barchina propago. 2 ) Transl. 29 sind die Worte Illita . .. tela veneno aus Prud. Psych. 436 genommen. ß34 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Xavere tuum pectus, 10 Nemo te cupidum dixit episcopum, 16 Resplendes Pario marmore purius, Effulges roseo sole micantius, 25 studiis philosophos tuis In tantum reliquos vincis ut optimis Dispar non sis Athenis. Dank an Gallien 31 Grates, Parthenope, dirige Galliae Eius muneribus Jaeta quod obtines Tantum taleque lumen. Zum Gedicht an Atto (37) vgl. 5 Sacra mendacem canonum statuta Praesulem damnant und 37 Si potes noli mihi, praesul Atto, Vitro mentiri, edle sie, amietim Ut decet fidum. Zu Transmund vgl. 38, 5 Hie Ari- stotelis philosophi Versutas Jiaereses atque Piatonis Fastus eloquii mense per annum Uno pene studens arte refutat, 13 Fertur corde tenus sie homilias Quadraginta legens scire Versus tarn bene seit Virgilianos discens a puero, quam bene novit Quos irata libros iane Sibißla Combussit, quod eos rennuit, emptor; Wunsch 29 osse sceleribus apertius inflammatur. Nam cum iste vester omnipotens summae potestatis gloria Cretensium regno potiretur ■ — sie enim ibi aeeepimus — ascribatis filio magna vi multoque labore oppugnatus, dum resistere nequit, solio expulsus abscedit ... Et paulo post idem Apuleius de incestuosis eius facinoribus ita orditur: Expergiscimini-pulcherrimae matrum familias. Liberi quidem patris feriae mense sequenti subintrant, certe vicissim illius simulacrum per rura per compita imo per urbem (das Weitere fehlt). Darauf wird Varro angeführt (1272 D) Marcus etiam Varro quid de hac, cui supplicatis, Vesta in digestis suis affixerit, satis legentibus patet. Vesta, inquit, quae nuperrime virginitatis privilegio gloriabatur, Iovis adulterio incestata, cum de eius corrup- ') 140 wird spes o mea zu lesen sein statt spes mea, 166 und 356 etenim statt enim, 194 dedisce statt dedice. Vs. 227 endet mit timere, 228 beginnt mit Noli. 256 wird ftere statt flerique zu lesen sein; 338 ist quem statt quod zu schreiben. 2 ) Nach der Bibl. Casin. 5,40 hat die Beichte im Casin. 280 23 Verse mehr als im Druck. 3 ) 1272 A ist clavam statt clavem zu lesen. Herculea manus Hör. C. 2,12, 6 und Luc. B. C. 6, 348. (336 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Hone quaestio verteretur, comiptionis sitae instinctu cribrum de aqua impleuii Tiberis et quia non perfluit, facti abstulit controversiam. Diese Stelle erzählt auch Augustin Civ. dei 10 16 (ed. Dombart 1, 379, 5 ff.), aber weder nach Varro, Doch daß die Vestalin — denn 'um eine solche handelt es sich — von Jupiter gemifibraucht worden war; jedenfalls hat Al- phanus hier nicht aus Augustin geschöpft, und es wäre ja möglich, daß ihm, der zu Monte Oassino so rege Beziehungen unterhielt, mehrVarronisches zu Gebote stand, als wir besitzen ') Uebrigens die aus Apuleius angeführten Stücke enthält weder die Schrift De deo Socratis noch ein anderes Werk des Apuleius, und es ist dabei merkwürdig, daß Alphanus doch • vorgibt, viel in dieser Schuft gelesen zu haben. Dann wird das Verhältnis des Zeus zur Europa an den Pranger gestellt und die Rettung des Kapitols durch die Gänse spöttisch behandelt, worauf Christina eine geharnischte Christologie gegen die Dienerinnen richtet (1273 B—1274 B).' 2 ) Von Interesse ist auch die Beweisführung Christinas, daß Jupiter nicht Gott sei, da er nicht alles geschaffen habe, wie seinen Vater Saturn (1277 D); Tochter und Vater gehen hier gegenseitig mit schulmäßiger Logik aufeinander vor und der Vater wendet ein, daß auch Christus Gott nicht geschaffen habe. Der im höchsten Maße exaltierte Wunder- bericht endet mit einer anklagenden Apostrophe an die Peiniger der Heiligen und mit einem übermäßigen Lobliede auf Christina. 3 ) Ueberlieferung. Die Vita et passio Christinae findet sich im alten Katalog von Monte Cassino zusammen mit den Gedichten, vgl. Bibl. Casin. 1, LXXX Vita s. Cliristinae ine. in claro. Ausgabe von Ughelli, Italia Sacra 10, 80 = Migne 147, 1269. 3. Nemesiusübersetzung. Daß Alphanus diese Uebersetzung verfaßte, ergibt sich nach Dittmeyer, Blätter f. d. bayer. Gymnasialschulwesen 24, 368 ff. (vgl. auch 454 f.) aus einer Randbemerkung des cod. Abrinc. 221 f. 89", wo zur üeberschrift prennon fisicon nemesii episcopi gesetzt ist nemesius episcopus graece fecit librum quem voeavit prennon fisicon icl est stipes naturalium. hunc transiulit n. alfanus archiepiscopus salerni. Daß man es mit Alphanus I. und nicht mit seinem Nachfolger gleichen Namens zu tun hat, machte Cl. Baeumker wahrscheinlich Wochenschr. f. klass. Phil. 1896 Sp. 1096, der außerdem die Pariser Hs. nachwies, den Widmungsbrief des Alfanus abdruckte und daraus eine Kollation des Kap. I mit Holzingers Druck gab. Daß die Widmung an einen hochstehenden Herrn gerichtet ist, ergibt der Prolog (ed. Burkard, 1917), wo es p. 1, 8 heißt domine und 9 quanto ... liominibus quoqne ipsis imperare decevneris und p. 4, 9 tuum prudentem tueberis clientulum; und da Alphanus an Gisulf auch ein Gedicht, gerichtet hat, so liegt die Widmung an ihn besonders nahe. Titel in dem Prolog p. 3, 27 Eritque ei titulus Premnon fisicon*) hoc est Stipes naturalium, quia sicut ex imo stipite multi ramusculi pullulant, sie ex huius fönte doctrinae plurimi scientiae naturalium rivuli exuberabunt. Zur Bitte des Alphanus p. 4, 3 Nunc iffitur, precor, dignare siqua deerint dementia suppleas, supervacua aequitate reseces, erratet sapientia corrigas, forte dieta commode alacritate suseipias et suseepta beni- voleniia probes ... Sic equidem et aemulorum hiantia ora picea offa compesces et a virosis eorum morsibus tuum prudentem tueberis clientulum. .Zur Sprache des Werkes vgl. den Index von Burkhard p. 147 ff. Es befand sich s. XU in Beccum, vgl. B. 86, 34 Prennon fisicon. Ueberlieferungim Paris. 15078 s.XI-XII f. lll b —200, Abrinc. 221s. XII f.89"-114 b , Mus. Brit. Cotton. Galba E. IV s. XII f. 205a—214a, Bamberg. M. IV. 16 s. XIII f. 45 1 '—69*, zur Verwandtschaft der Hss. vgl. die Ausgabe von Burkhard p. VIII. Ausgabe (nach dem Bamberg.) von E. Holzinger, Nemesii Emeseni libri liegt cfvoeaig avöoümov versio latina, Leipzig u. Prag 1887, und besonders von C. Burkhard, Nemesii episcopi Premnon physicon sive .t«o( qn-oEois äv&gcö^ov liber a N. Alfano archiepiscopo Salerni translatus, Leipzig 1917 (mit unzureichender Vorrede, was Alfanus betrifft); dort p. X f. die Literatur zur Uebersetzung. Es würde vielleicht nicht zu viel behauptet sein, wenn man, einer Vermutung von L. Traube nachgehend, 5 ) endlich dem Alphanus die sieben sapphischen Gedichte beilegte, die gewöhnlich dem Bertharius von Monte Cassino zugeschrieben werden und die dem hl. Benedikt gewidmet sind. 6 ) Denn erstens schließen sie sich nach ihrem Inhalt der Dichtung des Al- l ) Ueber Varro zu Monte Cassino spricht [ pectus? ante ferae genuere tigrides, Gorgonci Amatus in honorem Petri apost. 4, 1, 18 Et rir mirificus Yaro, quem fovet iste Casinus, Etplures de te scripseruntplura poete (Bullet, deli' istit. stör, italiano 7, 82); also Gedicht auf Rom? -) 1276 D vulgare illttd proverbium: Quanto altior gloria post triumphum, tanto inferior ignominia post ruinam. Vnde tibi tarn ferreum aluere parentes, nach Verg. Aen. 4,366 f. 3 ) Hier begegnet das seltene Wort 1281 C metis nardostacheas spicas. 4 ) Von Burkhard unnötigerweise zuphy- sicon verändert. 5 ) PL. 3, 393. 6 ) Vgl. Bd. 1, 608 f. Alphanus I. von Salerno. 637 phanus an und dann zeugen sie von dessen gewandter Beherrschung der metrischen Formen und weisen auch die von diesem meist innegehaltene Form der Assonanz statt des Reimes auf. Es sind sieben Gedichte zwischen je 17 und 22 richtig gebauten Strophen, die sich im Inhalt an Gregors Dialoge anlehnen und für die Nokturn, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Completorium gedichtet sind. Sie handeln von Benedikts Erscheinen, seiner Jugend, dem Einsiedlerleben, den Versuchungen und der Askese, seiner scharfen Zucht im Kloster, seinen Jüngern, seiner Propheten- und Sehergabe und natürlich vor allem von seinen vielfachen Wundern. Mit einem Bittgedicht an den Heiligen um Schutz und Hilfe schließt der Verfasser diesen Kranz von Gedichten, die für die Verehrung Benedikts im Kloster geschrieben sind und an manchen Stellen, wie die des Alphanus, Kenntnis der alten Dichter verraten. 1 ) Der Herausgeber hat sie unter dem Titel Vita beati patris Benedicti in sapphicum esarata zusammengefaßt. Ausgabe von A. Wion, Lignum vitae 2,85—101. ') Wie 1, 5, 3 canis in trifaucis Ora de- liiscens, vgl. Verg. Aen. 6,417; 11,3 fugiens trisulcae Slbila linguae Verg. Georg. 3,435; 3,17, 3 Cur propinastis Stygie fereiltem Virus echidnae Ov. Met. 10, 313, vgl. 4, 501. Fünfter Abschnitt. Die Fächer des Triviums. Da der gelehrte Unterricht sich in die Fächer des Triviums schied, denen die des Quadriviums folgten, so möge diese Unterscheidung auch für die wissenschaftliche Produktion gelten. Wir beginnen also mit den Trivialfächern Grammatik, Dialektik und Rhetorik, freilich ohne hier eine völlig scharfe Unterscheidung vornehmen zu können, da manche von den in Betracht kommenden Werken diesen Teil der Artes liberales selbst miteinander vereinigen. Der vorige Zeitraum war für unsere Fächer ungemein fruchtbar gewesen. Auf allen Gebieten der Philologie hatte ein sehr reges Leben geherrscht. Vor allem waren mit Hilfe der alten grammatischen Literatur mehrere neue Erklärungen zu Donat entstanden, es waren neue grammatische sowie prosodische und metrische Werke geschrieben worden, die Kritik der alten Autoren war auf eine höhere Stufe gehoben und die Autoren selbst hatten durch Männer wie Johannes Scottus und Remigius Kommentare erhalten, die teilweise die philologische Tätigkeit des ganzen späteren Mittelalters noch befruchteten. Außerdem hatte die Florilegienliteratur eingesetzt, indem Auszüge aller Art aus heidnischen und christlichen Schriftstellern zu verschiedenartigen Zwecken veranstaltet wurden. Das alles kam der Grammatik zugute, die also in der karolingischen Zeit eine wirkliche Nachblute erlebt hat. Und wenn man noch das Abschreiben der alten Literatur in Betracht zieht, das damals mit verbesserten Mitteln der inneren und der äußeren Technik geschah, so kann man sich nicht wundern, daß eben die karolingische Zeit für die Erhaltung der römischen Literatur beinahe alles getan hat. Nur bei ganz wenig Schriftstellern sind wir imstande, in der Überlieferung auf eine noch frühere Zeit zu gelangen. Von diesen Schätzen hat natürlich unsere Periode reichlich gezehrt und da sie überhaupt solche vorfand, so hat sie sich vielfach der Mühe überhoben, eigne Untersuchungen anzustellen oder die Forschungen der Vergangenheit weiterzuführen und zu ergänzen. So sind die Arbeiten in der eigentlichen Grammatik sehr gering und von großen lexikographischen Werken ist nur eines zu erwähnen, da ein andres hier aufzuführendes noch der Vorzeit angehört. Abbo von Fleury schrieb ein kleines Buch Quaestiones grammaticae, in dem er einige wenige grammatische Fragen berührte. Der nicht näher bekannte Mönch Gautbert verfaßte eine kleine Schrift über die Herleitung der grammatischen Studien vom 7. bis zum 10. Jahrhundert, und das ist vielleicht der Gozbert gewesen, der einen ganz kurzen Auszug aus Priscian Die Fächer des Triviums. 639 im 10. Jahrhundert anfertigte. Aelfric von Winchester brachte den Priscian gleichfalls in einen Auszug, verband damit Stücke aus Donat und übersetzte das ins Angelsächsische und hing dieser Grammatik ein lateinischangelsächsisches Glossar an, das nach Kategorien geordnet ist. Ebarcius von St. Amand, der wohl noch ins 8. Jahrhundert gehört und eigentlich dem zweiten Buche anzugliedern war, verfaßte ein sehr umfängliches Werk Scripturarum claves, ein Lexikon, das besonders auf dem Liber glossarum aufgebaut ist und zum Verständnis der Bibel beitragen soll. Aynard von St. Evre in Toul verfaßte ein Glossar, in dem er alles mögliche Wissenswerte zusammentrug und dazu besonders den Liber glossarum, Servius, Remigiusglossen und Paulus' Auszug aus Festus benutzte. Ein bedeutendes Werk, das von der Nachwelt stark ausgebeutet wurde, lieferte der Italiener Papias in seinem Elementarium doctrinae rudimentum, einem Lexikon, welches dem Unterricht dienen sollte und neben dem Liber glossarum auch Isidor benutzt und besonders auf Gegenstände der Artes liberales aufmerksam macht. Auch von Kommentaren zur älteren Literatur ist nicht viel zu erwähnen. Sehr ausführliche und auf eine reiche Literaturkenntnis führende Erklärungen zu Bedas De natura rerum und De temporum ratione verfaßte der Angelsachse Byrhtferth. Der Abt Adso schrieb einen verlornen Kommentar zu den ambrosianischen Hymnen. Abbo von Fleury kommentierte den Calculus Victurii. Bedeutender aber wurde die Tätigkeit im Übersetzen, und hier regte es sich besonders in den germanischen Reichen Deutschland und England. Man empfand es jedenfalls oft recht störend, daß die gesamte kirchliche Literatur des Abendlandes lateinisch abgefaßt war. Das war einerseits für den Unterricht hemmend und andrerseits mochte doch in manchen geistlichen Kreisen die geringe Kenntnis des Latein fortwährend auf Schwierigkeiten bei der Lektüre stoßen. Daher entschlossen sich einige tüchtige Kenner des Latein, besonders häufig gebrauchte Werke in die Volkssprache zu übertragen. Zu solchen gehörte zunächst König Alfred der Große, der aber noch aus der vorigen Periode stammt. Alfred bediente sich freilich bei seinen Übersetzungen ins Angelsächsische vielfach fremder Hilfe, aber es ist geradezu erstaunlich, was dieser Fürst alles geleistet hat. Er begann mit den Dialogen Gregors des Großen und übertrug dann dessen Liber regulae pastoralis. Diesem Werke ließ er Orosius und Bedas Kirchengeschichte folgen. Dann übersetzte er Boethius' De consolatione philosophiae und endlich die zwei ersten Bücher von Augustins Soliloquien, denen er einiges Weitere aus Augustin, Gregor und Hieronymus als drittes Buch anfügte. Alfreds Arbeiten wurden hundert Jahre später würdig fortgesetzt durch Aelfric von Winchester, der mit zwei aus verschiedenen Autoren zusammengesetzten Homiliensammlungen den Anfang machte. Er übertrug dann aus den Vitae patrum die Passiones Sanctorum und den Heptateuch und schenkte seinem Volke, wie wir schon wissen, einen angelsächsischen Auszug aus Priscian mit einem Glossar. Ein angelsächsisches Lehrbuch über den Komputus und andres Wissenswerte gab Byrhtferth heraus. Diesen volkstümlichen Arbeiten auf der britannischen Insel haben wir in Deutschland die Werke Notkers des Deutschen gegenüberzustellen. Dieser St. Gallener fi40 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Klosterlehrer übersetzte nämlich von Boethius De consolatione philosophiae die Kategorien und Periermenias, sowie hiermit in Verbindung De partibus logicae, De syllogismis und De arte rhetorica, die beiden ersten Bücher des Martianus Capeila im Anschluß an die Erklärung des Remigius, den Psalter und einige kleine katechetische Schriften. Aber viele seiner Übertragungen sind verloren gegangen, nämlich die von Catos Distichen, der Bukolika Vergils, die Andria des Terenz, Gregors Moralia (jedenfalls nur ein Auszug), das Buch Hiob und der Anfang der Arithmetik des Boethius. Das ist eine außerordentliche Leistung gewesen und es ist jedenfalls sehr zu bedauern, daß solche Arbeiten in der Folgezeit nur vereinzelt fortgesetzt wurden, wie ja Williram von Ebersberg neben seine Versiüzierung des Hohenliedes auch eine deutsche Übersetzung stellte. — Endlich ist hier eines mytho- graphischen Versuches zu gedenken, der den Titel Mithologiarius führt und im ersten Teil über Götter, im zweiten über Menschen handelt und, falls er von Remigius oder aus seiner Umgebung stammt, noch in den vorhergehenden Zeitraum gehört. Sehr wenig Arbeiten hingegen sind aus dem eigentlichen Gebiete der Rhetorik und Dialektik zu nennen. Hierfür waren die alten Lehrbücher noch in voller Geltung und neue Bearbeitungen derselben hielt man wohl für überflüssig. Daß sie im Unterricht eine große Rolle spielten, ergibt sich sehr klar aus dem Stil und der Darstellungsweise vieler wissenschaftlichen Werke unsrer Zeit und daraus, daß Notker eine Rhetorik übersetzte. Abbo von Fleury verfaßte eine Schrift über die dialektischen Schlüsse. Eine Anweisung zur Rhetorik, die aus dem Auetor ad Herennium geschöpft ist, gab der Speierer Lehrer Onulf in seinen Rethorici colores. Und Anselm von Besäte schrieb De materia artis, ein rhetorisches Werk, das aber verloren ist. Von demselben hat sich aber die Retorimachia erhalten, ein Werk, das ruhmredig und geschmacklos ist und die stolze Überhebung des Italieners über die Deutschen deutlich verrät. An diese Arbeiten aus dem Gebiete des Triviums reihen sich die Briefe an. Sie sind nicht nur ein Spiegel ihrer Zeit, sondern tragen auch, wenigstens wenn sie sich in Mehrzahl erhalten haben, nicht wenig zur Kenntnis ihrer Absender bei. Schon in unserem Zeitraum wurden die Briefe bedeutender Persönlichkeiten gern gesammelt, sowohl als Muster, wie auch als literarische Dokumente. So besitzen wir kleinere oder größere Sammlungen der Briefe Abbos, Gerberts, Fulberts, sowie eine größere Menge von Briefen, die sich um Bischof Azechin von Worms gruppieren und jetzt die Wormser Briefe genannt werden, während man sie früher nach ihrem Erhaltungsort die Lorscher Sammlung genannt hat, ferner eine kleine Sammlung von Briefen des Abts Walo von St. Arnulf. Aber es haben sich von vielen Persönlichkeiten auch einzelne Stücke erhalten, die zuweilen wegen ihres Umfangs und Inhalts von großer Wichtigkeit sind, wie der Brief Adelmanns an Berengar oder der Gozechins an Walcher. Sonst sind zu nennen als Absender literarisch wertvollerer Stücke Rather von Verona, Atto von Vercelli, Bebo von Bamberg, Odilo von Cluni u. a. 1 ) *) Mehrere Briefe Aribos von Mainz bei Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit 2, 706 f. 709 ff. Ebarcius von St. Amand. 641 114. Ebarcius von St. Amand. Ebarcius, Diakon und Mönch in St. Amand, hat wohl in der zweiten Hälfte des 8. oder spätestens im 9. Jahrhundert gelebt; sein Name ist in den Totenbüchern von St. Peter zu Salzburg gebucht und nur aus St. Amand bekannt. Daß er germanischer Abkunft war, bezeugt sein Name und läßt sich aus allerdings sehr wenigen Stellen seines Werkes erschließen, wo auf nicht römische Worte angespielt wird; denn wenn Pitra meint, daß in dem Glossar eine Menge keltischer und germanischer Ausdrücke begegneten, so hat er sich insofern stark geirrt, als erstens die ihm unbekannten Worte fast alle auch in andern Glossaren begegnen, und zweitens eine Menge dieser Worte durch die Überlieferung fast zur Unkenntlichkeit entstellt sind, was aber weniger auf Rechnung des Ebarcius als seiner Quellen zu setzen ist. Er schrieb einen sehr umfänglichen „Schlüssel zur Schriftenerklärung nach der Überlieferung der Alten", oder Scripturarum claves iuxta traditionem seniorum. In einem kurzen Nachwort berichtet er in Anlehnung an eine Hieronymusstelle, daß er auf das Beispiel dieses Kirchenvaters gestützt kein Gold und Silber im Hause des Herrn niedergelegt habe, sondern nur das, was er könne. So habe er dem hl. Amandus zu Preis und Ehre und zu seinem eignen Seelenheil dies Buch verfaßt und er bitte alle Nachfolger im Abtsamte, daß sie ihm während seines Lebens sein Recht an dem Buche lassen mögen. Schließlich gibt er alle, die es wagen würden, sein Werk dem hl. Amandus zu entfremden, der ewigen Verdammnis anheim. Das Werk, das in der Handschrift 156 Blätter zu zwei Spalten mit je 36 Zeilen umfaßt, stellt sich dar als ein sehr umfängliches Lexikon, in das auch rein grammatische Abschnitte hineingearbeitet sind. 1 ) Die Anordnung ist im ganzen streng alphabetisch, da mindestens noch der dritte Buchstabe sich dieser Folge fügt; doch treten innerhalb dieses Buchstabens Abweichungen von der weiteren strengen Folge ein. Der Inhalt der Scripturarum claves ist ein sehr reicherund derartig gehalten, daß man eine sehr umfängliche Glossenliteratur im Besitze des Klosters St. Amand voraussetzen muß. Man kann nämlich nicht sagen, daß Ebarcius ein einziges Glossenwerk zugrunde legte und die diesem nach seiner Ansicht fehlenden Bestandteile ergänzte, sondern es ist eine ganze Anzahl weitschichtiger Glossare ineinandergearbeitet worden, so daß der Zusammensteller je nach der Reichhaltigkeit seiner Quellen bald dieser, bald jener für eine Reihe unmittelbar aufeinander folgenden Glossen folgt, aber auch in diesen Zusammenhang anderswoher entlehnte einzelne Glossen eingefügt hat. Ungemein häufig ist zunächst erkennbar die Benutzung desLiber glossarum, dessen breite Erklärungen von Ebarcius mit Vorliebe aufgenommen sind; und ohne Zweifel würden sich noch weit mehr einzelne Stücke aus dieser Quelle nachweisen lassen, wenn sie vollständig gedruckt wäre. Zuweilen scheint es, als ob Ebarcius eine etwas reichere und bessere Fassung, als sie uns vorliegt, benutzt hätte. So heißt es f. ll a2 Amurca fex olei vel hmnor sordidus qui in oleo subsidit sive postquam öleiis de oliva expressus est; 2 ) oder f. 62 al Fiscella vas viminis gracilis factum. 2 ) Verbesserungen des Textes finden sich unzweifelhaft f. 62 b 2 Guttat partim pluet quasi rorat,*) und f. 88 al Lilia non lillia; Virgilius: et grandia lilia quassant. b ) Sehr häufig ist dann benutzt das Glossar imVatic. 3321, wobei sich mehrfach die Lesarten im Paris. 2341 finden, nämlich f. 109 b l Pater fidem conficiendorum quando pax -fit cum barbaris und f. 113 b 2 Pictiones qui vincuntur in pictu- rarüfh certamine. 6 ) Eine sehr große Menge Stücke, zuweilen in ganzen Reihen, lieferte dem ') Wie f. 8t>2 Ai tandem dicis vero. Alt dicit vel dixit. Aisti dixisti. Ais dicis. Aio dico. Aiunt dicunt. 2 )Vgl. Goetz, Corp. gl. lat. 5,166,16. 3 ) Vgl. Goetz 5, 200, 29. 4 ) Vgl. Goetz 5,206, 24. 6 ) Vgl. Goetz 5, 218, 8. c ) Vgl. hierzu Goetz 4,138, 9 und 143,13. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 41 642 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Ebarcius das Glossar Abavus, und zwar in seiner kürzeren wie auch in der erweiterten Gestalt. Auch hier finden sich mehrfach Verbesserungen oder Ergänzungen zum Text, wie f.l04b 2 Officialis agaro minister lictor; 1 ) es zeigt sich Hinneigung zu Voss. 82 in f'.113a2 Pessimus verbosus KAK1CT0C und f. 113 bl Petitores uxorum proci MA'ETHPHC; 2 ) aus der Erweiterung führe ich an die Glossen zu Brabeuta,*) zu Glaro, Glarea, Glancos, Gloriosus Glossa, Ghdto. 4 ) Ungemein stark werden dann die Glossae Vergilianae benutzt, und zwar diese vielfach in äußerst korrumpierter meiovingiscber Schreibweise; für den Text wichtig erscheint die Ueberlieferung bei Ebarcius f. 13 b 1 Aquae mons fiuctuum mons (Goetz4,430, 9). Auch das Glossar Ab absens hat für das Werk sehr zahlreiche Bestandteile geliefert, die nur dort vorzukommen scheinen; ich erwähne daraus f. 62 al Flagias taurias, 65b 2 Fyliciium 90 al Lupercus, 94 a2 Michropsichns und Miseno h ) usw. Ebenfalls sehr häufig sind die Glossae Affatim benutzt, z.B. f. 4» 2 Ad culmina, 9b 1 Alnos, 10 a2 Ambrosio odore, 14ai Arcus camera Iris; 6 ) Ebarcius verbesseit durch, f. 14 6 a 1 Theorisma diligens verborum scriptio den Text von 4, 574, 16. Besonders wichtig aber ist, daß Ebarcius den Placidus ungemein stark ausschreibt. Er hält sich hierbei aber nicht ganz streng an eine der drei Ueberliefe- rungen, obwohl er regelmüßig die dritte bevorzugt und an den meisten Stellen den Wortlaut des Paris, nouv. acq. 1298 bringt (so z.B. f.104» 1 Obtonsa stulta quia acie sapientie caret); 1 ) es scheinen auch die andern Ueberlieferungen zuweilen durch, wie f. 27 a2 Choro's excitare cantos discere, Choros enim propriae multitudo est cantantiitm.*) Mehrfach gibt Ebarcius Ergänzung und Verbesserung des Placidustextes, wie f. 35 b 1 Conton cubicnlum 6?. 9 ) coicionem ergo quod Cartago habet, in quo naves clauduntur rede cubiculum dicimus, 10 ) wo in dem Worte coicionem das von Deuerling geforderte cotonem steckt. Oder f. 106» 4 Orion . . . vel nomen stellae sive nomen sideris vel sidus infestum navigantibus, 11 ) und f. 109 b 2 Patros vitricus id est secundus maritus matris.* 2 ) Zur Benutzung des Placidus hebe ich die Stelle heraus f. 110 b 2 Peltae Amazonum scutula parva 13 ) in modum lunae semis vel magis tertiae auf qnarte qnibus eadem Amazones utebantur in pugna. 1 *) Pentiselea erat Amazonum regina; Amazones vero erant feminas bellatrices ex genere Sextarum 15 ) discentes. Hanc ergo Homents introclucit tempore belli Troici in auxilium Priamo, quam Acilbis le ) unus Grecorum dumm fortissimus occidit. 17 ) Jedenfalls dürften die sehr zahlreichen Placidusexcerpte, die Ebarcius mehr in den späteren Teilen seines Weikes gibt, für die Kritik des Placidus wichtig sein. Außer diesen sehr stark benutzten Glossenwerken erscheinen aber nun auch noch andere der gleichen Literatur angehörende Werke als Quellen. So das Gloss. Amplonianum pri- mum und secundum. Das erstere f. 15b• Ascopam in similitudinem utri, 116b 2 Prancata- rius premtdcet plus lenit, 131 b2 Saraballa crura hominum vocant apud Chaldaeos, 154a 1 Uncialibus longis,* s ) das letztere f. 3» 2 Accidiatur stumacatur vel tristatur, 4b 2 Aditis hosteis sed melius secretis locis vel interioribus partibus, 128 aI liepulsam dicimus iniuriam, quam repelluntur homines ab honore.™) Ferner das Gloss. Leid. Voss. Q 69, nämlich f. 121a 1 Porusu lemboprorusu insula proprium lembum a quo ibi faciunt illa 20 ) vestimenta ferrugineas pallidas vel rubicundas und f. 123 a2 Quadrans; 21 ) das erste Scholion ergibt, daß Goetz 5, 416, 53 und 54 zusammengehören und nicht zu trennen sind. Aus der Benutzung des Gloss. AA hebe ich hervor f. 119 b2 Prodigium, f. 105 al Olympiacos diversa spectaculomm J ) Vgl. Goetz 4,371,37. 2 ) Vgl. Goetz 4, 376, 46 und 377,4. 3 ) f. löbs, vgl. Goetz 4,594,10. 4 ) f. 67bi.2, V gi. Qoetz 4, 597, 36-38. 597,47 + 48. 53 + 598,1.598,2. 6 ) Goetz 4,411,39. 412,3. 415,22. 416, 12. 20. 6 ) Goetz 4,486,22. 484.8. 483,20. 485,45. 7 ) Vgl. Goetz 5.124,44. 8 ) Goetz 5,12,37=59,8. Nur bei Ebarcius und Placidus z. B. f. 44bi Digamielue (5, 62, 3); f. 51 b2 Enigmaneum (5, 64. 18); f. 52 b 2 Epitimiticon (5, 65, 7); f. 67 a i Gergos (5,106,33); f. 68bi Gregosto (5,106,36) und Gregoras{5, 106.37); f.89^ Loculos(5, 113,26); 96 a i Moralis (5,117,39); 101 a Noverca (5, 122,17); \QV>2 Nundinae (5,122,36); 117bi Praelum (5, 135, 35); 123 a2 Qiiadrividum (5,139,27); f. 144 a 2 Tecindam (5,156,18); f. 146 a i Tfcatasa (5,155,26); f. 115a2p oema _ meum (5,93,16). s ) Das sehr häufig wiederkehrende Cr heißt Graecum. 10 ) Goetz 5,59,13. n ) Goetz 5,127,22. 12 ) Goetz 5,129,58. 13 ) Stammt aus Gloss. cod. Vat. 3321 bei Goetz 4,139,24. 14 ) Goetz 5,133,1. u ) = Scytharum. I6 ) = Achilles. ") Goetz 5, 132, 46. So verbindet hier Ebarcius die beiden Lemmata des Placidus peltae und Penthesilea. Beide Abschnitte finden sich auch in der andern Ueberlieferung bei Goetz 5,91,22 und 25, der Vergleich lehrt aber, daß Ebarcius sich hier an die angegebene Ueberlieferung der Placidusglossen anschließt. 18 ) G oetz 5,343,6. 383,16. 391,36. 393,23. ln ) Goetz 5,260,60. 261,63. 328,44. 20 ) Aus alla korrigiert. 21 ) Goetz 5,416,53.54; 416,23. Ebarcius von St. Amand. 643 luctamina ab Olimpio morde nomen trahens und 107 ■' Ostentum. 1 ) Wenigstens eine Spur scheint auf Benutzung einer Quelle der Gloss. Vatic. 1468 durch Ebarcius zu führen, da eine Erklärung am Oben and von f. 84 b 1 besagt Laguana panis est in prima plasma longas, postea curbatus finis ad finem, coquitur in aqua primitus, postea in sartagine et oleo fricatur; die entsprechende kurze Notiz in jenem Glossar 2 ) begnügt sich mit einem mageren Auszug aus der gemeinsamen Quelle. Auch zwei Notizen bei Ebarcius, die sich mit je einer Erklärung im Gloss. Casin. 99 und Casin. 439 decken, könnten auf Benutzung von Quellen schließen lassen, die jenen beiden Glossaren nahestehen. Nämlich f. 22 b i Cameleon similis lacerte tarnen sub aspectu mittat colores und f. 10b l Amello proprium nomen est loci. 3 ) Zu erwähnen sind ferner die Glossae Scaligeri, mit denen Ebarcius zuweilen allein Verwandtschaft zeigt, so f. 8a 1 Affostrata reditus, 10b 1 Arnims maleus*) usw., ferner das Gloss. Mai (Class. auct. 6) f. 14a 1 Archioridas conflictus und Arciva armaria, 14» 2 Ardulio actus cum malignitate?) die G loss. Sangall. 912 an diei Stellen, nämlich f. 5b ' Adonai = 4,203,13 mit Erweiterung, f. 72 b 2 Ieraticas sacerdotales litteras aput Aegyptios und f. 132 b 2 (mit besserer Uebeiliefeiung bei Ebarcius) Scarioth memoriale domini vel memoria mortis, hoc uro nomine appellatus est Iudas a vico in quo natus est, 6 ) und die Gloss. Salomonis f.9b 1 Allenae corrigia frenorum. 1 ) Hierzu kommen als weitere Quellen des Eucherius 8 ) Instructiones und I.sidor, die nicht selten in größeren Stücken ausgeschrieben wurden, Eucherius z. B. f. 20 b 2 Brucus — dolbiam vocant, f. 67 b 2 Gomer. In genest Galathae — Galathe vocantur, f. 68 a 1 Gomor, f. 115 a 2 Poderes, Isidor z. B. f. 31 » 2 Coneiliatrix (Etym. 10, 63). f. 37 b' Cretio certorum dierum spatium, quod datur instituta heredi ad deliberandum utrum adeat hereditatem necne (vgl. Et. 5, 24, 16). 37 b 2 Cromaticus (Et. 10, 45), 40 a ' Decrepitus (Et. 10,74), 41a 2 Delibutus (Et. 10, 70), f. 97 a 2 Maria (Et. 7, 10, 1), 125b 1 Raphael (Et. 7,15, 13). Vielleicht kommt zu diesen Quellen der Auszug des Paulus aus Festus hinzu, obwohl die Lebenszeit des Ebarcius dies ausschließen könnte. So heißt es f. 13 b 1 Ära Grece Latine putas ara cupressum®) funebrium cupressium senum inferis dicta est quae incisa non renascat (Pauli epit. p. 45, 5 ähnlich). Nun findet sich die Stelle bei Paulus allerdings nicht unter ara, sondern unter cupressus, und nur die vier letzten Worte der Ebarciuserklärung kommen den Worten des Paulus nahe. Da ich aber in dem umfänglichen Werk des Ebarcius keine einzige weitere Stelle auffinden konnte, die auf Paulus mit völliger Bestimmtheit hinweist, so ist wohl kaum an seiner Benutzung durch den Mönch vou St. Amand festzuhalten. Aehnlichkeiten mit Ebarcius bei späteren Lexikographen sind mir bis jetzt nur ganz vereinzelt aufgefallen. So f. 91 b 1 Mandragoras fructus similis pomi in illa herba nascuntur. Et dicilur ipsa duorum sexuum masculine et feminine, et in radicibus ostendit similiiudinem femina et ipsa femina fertilis est, et dicitur quicumque eradicaverit, non posse vivere.' 0 ) Einiges hieraus vergleicht sich mit dem Wortlaut bei Aynard im Met. 500 s. XI f. 145 a . Hingegen kommt mit Papias übeiein f. 38 al Crunicula quem accipiunt Uli qui vicem in bello senarunt. Beide Stellen mögen übrigens eher aus der Benutzung der gleichen oder einer ähnlichen Quelle stammen, da nach dem literarischen Befunde an eine größere Verbreitung von Ebarcius' Werk nicht zu denken ist. Wir kommen somit bei Ebarcius auf eine große Anzahl von Quellen. Dabei entsteht die Frage, ob er diese Vielheit von Schriften wirklich vor sich liegen gehabt bat, oder ob er nicht Quellen benutzt hat, die schon mehrere der oben aufgeführten Werke miteinander verbunden hatten. Eine wirkliche Beantwortung dieser Frage wird sich bei dem in dieser Hinsicht oft undurchdiinglichen Glossenmaterial kaum geben lassen. Nämlich es finden sich in dem Werke nicht so selten Bemerkungen, die durch Aufweisung synonymer Bedeutungen deutlich die Benutzung mehrerer Quellen erkennen lassen. So steht f. 13 b ' Arbe quae Arboc in nostris codicibus corrupte legimus; f. 50 b 2 Elyssa regina Tyria lingua virago, quo ideo nideo .dicta quia vicere virum ; f. 102 a l Nycticorax noctua, multi bubonem esse contendunt, sunt etiam qui asserunt esse orientalem avem; f. 110 b ' Pellaecanus aves parva, quae solitudine delectatur. Est et aliud pelecanorum genus in Nilo poenere et [c]ignis u ) simile; f. 139 a2 Statera est nummus, habet ut quidam affirmant unciam unam id est aureos sex, ut alii Goetz 5,476, 7. 471, 42. 71. ipse sequor und mit der Lesart a sextarios V). 156,10—12. 9 ) Korrigiert aus conpressum. 10 ) Das Stück kommt ziemlich nahe an Pseudo-Apuleius c. 129, kann aber kein unmittelbarer Auszug dieser Stelle sein. Bei 2 ) Goetz 5,505,21 Lagana farina pri »mm in aqua postea in oleo frigitur. 3 ) Goetz 5, 564,10 und 4.16,39. 4 ) Goetz 5,589,10. 591,36. 5 ) Mai, Classici auctores 6,509. ) Goetz 4,245,38. 282,38. I Aynard heißt es f. 145" Mandragora ...et Vgl.Loewe, Glossae nominum S. 163, Schlutter, Arch. f. lat. Lexikogr. 10,191. 8 ) Eucher. ed.Wotke p. 158,5 f. 150,2—5. 159,10—13 (mit Weglassung von quod etiam masculus et femina ... Eam si quis effo- derit et extraxerit statim moritur. ") Die Hs. liest ignis. 41" 644 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. putant III. f. 146 al Theos deus, theos aut, ut quorundam opinio habet, a spectando id est omnia prospiciendo vel contemplator. Kritik übt er, wie man sieht, an seinen Quellen fast gar nicht, nur einmal spricht er von seinem Standpunkt als Lehrer f. 13 b 1 Aquila a com- munione accepit nomen, sed hoc gratiae magisterio dictum amen, was allerdings so unverständlich bleibt, wie es barbarisch gesagt wird. Mit seiner eignen Meinung wagt er sich überhaupt nur ganz selten hervor, wie f. 97 b 1 Mytras et tgaras idem sunt ut estimo, und f. 4 b2 Aditis hosteis sed melius secretis locis vel interioribus partibus, und er bekennt an zwei Stellen seine Unkenntnis, f. 105 a2 Onycec calbanen pigmenta ignota nobis und f. 123 a 2 Pygargon et orten et camelo et pardulum 1 ) ignotae bestiae sunt. Selten auch läßt Ebarcius vom Sprachgehrauch seiner Zeit etwas hören, und auch da ist es noch unsicher, ob er wirklich spricht und nicht vielmehr seine Quelle. So f. 95 a 2 Moechonoth in liegnorum fulturae, quas bares appellamus und f. 113 b 2 Pignus latine interpres pro arrabone posuit hoc est ENEXIPON . . . quam nunc pro arrabonem p>ossessionem vel hereditatem ponimus. So ist es auch sehr zu bezweifeln, ob die persönliche Bemerkung am Schluß der Erklärung zu Colocintidas auf seine Rechnung oder nicht vielmehr auf seine Quelle kommt f. 30 a2 Colocintidas Cucurbitas agrestis minores quam Uli de quibus confxciunt, tarnen ipsi similis amarique ut fei; in Africa vidimus; es wäre jedenfalls sehr zu verwundere, wenn der Klosterlehrer von St. Amand jemals den Boden Afrikas betreten hätte. Außer den oben genannten läßt sich aber auch noch eine andere Quelle für Ebarcius festsetzen. Nämlich außer den sehr zahlreichen griechischen Wörtern, die er in seine lateinischen Vorlagen hineingearbeitet vorfand und abschrieb, muß er auch griechische Hilfsmittel, d. h. mindestens ein griechisch-lateinisches Lexikon benutzt haben. So begegnen nur in solchen Glossaren die Worte f. 7 bl Aercladiocten operis compulsorem, f. 7 6 a 2 Inf ans foetum BRE'POC und Infamie sine honore ATIMOC. Weiter erwähne ich f. 78 bl Innocentia bonitas AKÄKIA, f. 80 a 1 Insignae ovile ENÜPIMON, f. 81»' Intentus contemplatio 6EQPIA, f.112* 2 Peri tes zoes theoricas id est de activa contemplativa, f. 134 bl Semita via ATPAPOI'TPI- BOI- OAOI, f. 142 al Suggestum tribunal BHMA Ywso defenditur tegmine ut nee quidam contingere possit. Wie es freilich mit des Ebarcius wirklicher Kenntnis im Griechischen beschaffen war, ergibt die an unfreiwilligem Humor so reiche Erklärung f. 124b 1 Quinnici 2 ) philosofi sunt 3 ) a canibus vitam ducentes, philos enim Graece canis dicitur. Das Abschreiben von solchem Unsinn begegnet ihm freilich auch mit lateinischen Dingen, denn der Beginn von Ciceros Catil. 1, 1 heißt mit Erklärung f. 125 a2 Quo usque tandem ab utero canülena patientiae nostrae quam diu tarnen ab initio sermonis mansuetudini nostrae. In der Komposition der einzelnen Stücke bei Ebarcius fällt sofort die Häufung synonymer und überhaupt der Bedeutungen auf, die nach gewohnter Weise mit einem vel oder aut aneinandergereiht werden. Ich setze einige der Erklärungen hierher und stelle die betreffenden Quellen bei Goetz (Corp. gloss. lat.) dahinter. So heißt es f. 3 a2 Accola alienus cultor aut ricinus (5, 541, 3) vel cultor loci in quo natus est sive peregrinus, vel qui aliena terra colit (4, 203, 8) vel qui in eodem loco manet (4, 404, 16). Ferner f. 7 b ' 2 Aestus procella calor cauma (4. 306, 25) vapor anxietas (4, 474, 20) pavor turbines, maris accessus sive recessus (4,428, 31). Oder f. 13 a ' Apex summa pars capitis litterarum (4,19, 22) sive summa pars flamme (4,429, 51) aut summitas verticis vel montis (4,19, 29) aut interdum districtionis nota sive summa potestas aut cacumen vel cuiuscnmque rei (4, 476, 4 + 5, 267, 5). Öder f. 45 a2 Dirivat in aliam ducit partem (4, 504, 28) a sno convertit cursu (4, 331, 40) vel unamquamque rem in aliquid trans- ducit (4,409,44). Endlich f. 88 bl Linx lupus cervarius (5,534,30 mit Lesart von bc) rel bestia varii coloris id est leopardus, inde et vestis varia linx dicipotest (5, 307, 58 + 5,113,13). In diesem letzten Stück scheint ein Anlauf zur Verarbeitung mehrerer Quellen gemacht worden zu sein, doch das tritt nur ganz vereinzelt hervor. Wenn sich nun auch sehr viel Erklärungen auf die uns erhaltenen älteren Glossare zurückführen lassen, wie oben gezeigt worden ist, so bleibt doch eine recht große Menge übrig, für die die Quellen zu fehlen scheinen. Und es sind das nicht nur wertlose Stücke, 4 ) sondern bei manchen scheint der Kern auf ziemliches Alter zu weisen. Ich gebe hier eine kleine Auswahl. f. 33 a2 Conlibium genus peeuniae sive crematum. f. 54b l Eunuchus Grecum nomen est spado. Borum quidam coeunt sed tarnen virtm in semine nulla est, liquorem enim habent rf emiUunt, sed ad gignendum inane atque invalidum est, quod Hermlaneus dicitur. 63" Fraxineae gladius versatilis vel aste longissime sunt, quibus etiam Armorici utentes. hoc nomen tribuunt quidam ita etiam gladius significari putant. f. 73 bJ In acervo Mercurio. Con- suetudinem habent ambulantes in via, übt sepultus est Mercurius, lapidem iaetare in acervum ') Zu lesen ist wohl camelo pardalum. 2 ) Soll heißen Cynici. 3 ) philosofls Hs. 4 ) Sehr viele Lemmata sind nämlich der Bibel entlehnt und mit den Erklärungen des Hieronymus versehen. Ebarcius von St. Amand. 645 tosius unusquisque in honore. f. 86 b a Lenticus arbor est folia modica habet, fructus sine nrana, id est moros rubras. f. 93 b' Menticulare adtemptare dolis ac fallaciis vel divinare. f. 98 1 ' 1 Necromantia divinatio de mortuis infantibus per intestina, f. 118b 1 Praeteriola 1 ) domuncula vicina in nave unius cubiti, in quibus abscondent cibos snos. f. 131 a 2 Saliuncula salices quae velociter saliunt id est crescant (Goetz 4, 388, 33) vel herba medicinalis habens spicas miri odoris, crescit in montibus. f. 138 a2 Sorba Grecum est, Latine vero mespila dici- tu>: f. 139 a 2 Slafile uva Grecum, staßlius ergo quasi botrus. f. 139 b ' Stigma ornamenta regalis quasi bannum. f. 142 a2 Sulphw rata nutrire ignem, nam incenditw siprope fuerit. f. 144 a2 Tapinosis quae Latine humiliatio dicitur, quotiens magnitudo mirabilis rebus hutnilissimis eonparatur. f. 147 a2 Trabeae pinnae iuxta talos alligatae, quibus Mercurius 2 ) fertur per aera. f. 150 b 2 Vectigalia omnium negotiorum solutiones vel tributa navium a vehendis mercedis dicta vel a vehendis mercibus negotiatoris. f. 151b 2 Veredarii a vehendi qui festinanter in equis cur- runt. Jlabent pennas in capite ut inde intellegatur festinatio itineris. Daturque eis semper equus paratus. Non manducant nisi super equis, nee descendunt antequam deliberant responsa sua. Zeugnisse. Die Persönlichkeit des Ebarcius ergibt sich aus dem Nachwort der Scriptunirum claves im Valentian. 93 f. 156 a , wo Zeile lf. nur fragmentarisch vorhanden sind: Ergo ........ Ebarcius diaconu[s et S. Amandi mona]chus non meis meritis precedentibus eunetorum igitur servorum dei servus. Non omittere duxi quod sanetae recordacionis memoria beatissimus Hieronimus in quadam prefatione ita intulit dicens: Plurimi in domo dei offerunt mirum argentum munera quoque preciosa. Ego igitur adfero et offero in templo dei quod possum. Ac de causa ego enim illius exemplo duetus amore ad decorem et ornatum cenobii almi patris Amandi seil pro remedium animae hunc librum visus sum contulisse. Gratanter deniqne ego supplex deprecor omnium successornm dominorumque meorum in quorum ditione Über iste pervenerit, 3 ) ut dei nutu precedente in meo maneat iure vitae comite manente causa tuitionis atque oboedientiae. Sed et hoc quoque omnino nie placuit inferre, videlicet ut si quae extiterit persona, qui hanc codicem de potestate saneti Amandi auferre conaverit, fiat igitur idem ipse anathema maranatha, quod est etiam perditio in seeundo adventu domini. v ) Der Name Ebarcius ist für St. Amand bezeugt, vgl. E. Pörstemann, Altdeutsches Namenbuch 2 1, 448, nämlich in den Nekrologien von St. Peter in Salzburg, vgl. MG. Necrologia 2, 9, 14,37 (aus Congregacio S. Amandi) Ebarcius subdiaconus aus saec.VIH, und Necrol. 2, 29, 72,11 Ebarcius presbiter et monachus aus saec.VIII— IX. Es ist kaum zweifelhaft, daß einer der beiden Träger des Namens unser Ebarcius ist. Hierzu ist nun der Stil des Nachworts und die Handschrift zu vergleichen. Die Grammatik jener Nachschrift steht auf sehr niedriger Stufe und vergleicht sich durchaus der Schreibweise der frühkarolingischen Zeit, womit auch die Konstruktion visus sum contulisse übereinkommt. 5 ) Die Hs. bietet für die zeitliche Bestimmung insofern Schwierigkeiten, als sie mit der ausgebildeten karolingiseben Minuskel eine ganze Reihe von Ligaturen verbindet, die der römischen Halbkursive angehören, so die Ligaturen fi, ri, sp, it, ß ) dann das große C und E für die betreffenden kleinen Buchstaben (vgl. damit Steffens, Paläographie tab. 31 B Z. 11, 37B Z. 13, 23 Z. 17. 19. 20, 37 B Z.13. 22 aus saec.VII bis 800). Mangeart und Pitra setzen die Schrift ins 10. Jahrhundert und Pitra meint, daß der Schreiber diese älteren Schriftzeichen mit Absicht affektiere. Das ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Denn zunächst ist die Hs. nicht das Original, sondern Abschrift, da die Koirektorhand z. B. f. 142 b 2 sich aus dem nachträglich eingefügten Suppli- mentum fortitudinem ergibt und da sich eine ganze Reihe Hände unterscheiden lassen. 7 ) Namentlich sticht das Nachwort f. 156 a durch seine viel größere Schrift von der ganzen übrigen Hs. ab, doch sind hier, wie überall, dieselben halbkursiven Elemente vielfach zu erkennen. Alle einzelnen Hände zeigen die gleichen charakteristischen Merkmale, und es wäre doch seltsam, wenn bei mindestens sechs verschiedenen Schreibern derselbe Hang zur affektierten Halbkursive wiederkehrte. Zur endgültigen Lösung der Frage müßten daher alle in ähnlicher Schrift geschriebenen Hss. aus St. Amand verglichen werden. Stellt sich dabei nicht das gleiche Resultat ein, wie im Valentian. 93, so müßte man unbedingt au der Zeit um 800 für die Entstehung dieser Hs. festhalten und man würde dann auf den älteren Ebarcius als Verfasser kommen, dessen Werk um 800 im Kloster kopiert wurde. Daß ihm Fränkisch bekannt war, ergeben die Glossen f. 15 a 2 Arthemesia mens Maclius (= mensis Malus) ; f. 15 b» Anmdo canna quae et calamus et rausus; f. 39 a2 Danus fenerator ä fenus id est lucrum, sive quod rustici darnus appellatur; f. 60 al Faihhaina id est plaga auf meridiana auf occi- . dentalis; f. 65 b 2 Galea cassis id est helmus; f. 95 a2 Moechonoth in Begnorum fulturae quas ') Ursprünglich praeteridola Hs. 2 ) merturius Hs. 3 ) Hier scheint ein Wort (potestatem oder dgl.) zu fehlen. 4 ) Schon abgedruckt (aber fehlerhaft) bei Pitra, Spicileg. Solesmense 3, 420 f., besser bei Mangeart, Catal, des mscr. de la bibl. de Valenciennes p. 79. 5 ) Sie findet sich häufig im Urkundenlatein der Zeit, vgl. Manitius, Mitteil. d. Instit. f. österr. Geschichtsforschung 10, 422. 6 ) Dann et, ra, rs. ') So sind f. 99 a , 99 b un d 100 a von drei verschiedenen Händen geschrieben. 646 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. bares appellamus; f. 135 b 2 Seuulfum suscitatum und f. 137 a2 Snedil extale. Bezüglich der Glossenliteratur, die in St. Amand vorhanden war, gibt der alte Katalog nur einen einzigen Band, und das ist möglicherweise auf unsre Hs. selbst zu beziehen (vgl. Delisle, Le cab. des mscr. 2, 453 N, 153 Glosarius). Die Hs. ist Valentianensis 93, bestehend aus 156 Blättern, ohne wesentliche Spuren von späterer Benutzung. Bruchstücke aus ihr gab Pitra, Spicileg. Solesmense 3, 420 f., vgl. außerdem p. XXVI, LVII und 308, XX. Kurz beschrieben von Mangeart, Catal. des mscr. de la bibl. de Valenciennes p. 78 f. Die Behauptung von Pitra, daß der Physiologus in dem Werke häufig benutzt werde, wurde schon von Mangeart p. 79 abgewiesen, und auch ich konnte mich von ihrer Richtigkeit nicht überzeugen. 115. Asser Bischof von Sherborne und König Alfred der Große. Asser war jedenfalls westwallisischer Abkunft und war mit Nobis, dem Bischöfe von St. Davids, verwandt. Wahrscheinlich war er Presbyter im Kloster zu St. Davids in Pembroke und er mag sich hier durch Wissen und Gewandtheit im Ausdruck besonders ausgezeichnet haben, so daß König Alfred von Wessex ihn an seinen Hof berief. Er traf mit dem König zu Demi in Sussex zusammen und Alfred bat ihn, wenigstens die Hälfte des Jahres bei ihm zu verleben. Asser schützte jedoch vor, daß er darüber erst mit den Seinigen beraten müsse, und versprach, nach sechs Monaten wiederzukommen. Auf der Rückreise in die Heimat wurde er jedoch in Caerwent von einer heftigen Krankheit ergriffen, an der er ein Jahr und eine Woche zu leiden hatte. Dann begab er sich mit Wunsch und Willen seiner früheren Umgebung zu Alfred zurück, denn man hoffte in seinem Heimatlande, daß die Bedrückungen des Stiftes zu St. Davids durch den wallisischen König Hemeid nun aufhören würden. Asser verpflichtete sich, sechs Monate des Jahres fortan bei ihm zubringen zu wollen, und wurde nun Vorleser des Königs. Doch scheint ihn sein Versprechen bald gereut zu haben, und er wollte eben Alfred um tatsächliche Gewährung der Rückkehr in die Heimat bitten, als ihn dieser mit dem Geschenk zweier sächsischen Abteien überraschte, zu denen er bald eine dritte (Exeter) fügte wo er dem Asser sogar bischöfliche Rechte zugestanden zu haben scheint. König Alfred selbst war wohl 848 geboren. Seine Kindheit und Jugend fielen also in die Zeit, als auf dem Kontinent der politische Verfall der karolingischen Monarchie längst eingetreten war, während die Wissenschaft und die Bildung im Klerus festen Fuß gefaßt hatten, und besonders in manchen Teilen des Reiches irische Kolonien als wissenschaftliche Mittelpunkte sich Geltung erwarben. Die Bedeutung der Angelsachsen in der christlichen Missionstätigkeit hatte zwar in jenen Zeiten noch nicht ihr Ende erreicht, aber doch gegen früher stark abgenommen. Die Ursachen hierfür liegen in den englischen Verhältnissen der Zeit. Seitdem die heidnischen Dänen (Normannen) 789 zuerst sich an die englischen Küsten gewagt hatten, begannen für die kleinen Reiche auf der Insel schwere Zeiten, da Staat und Kirche gleichmäßig durch die Raubzüge der Fremden getroffen wurden. Der ehedem so blühende Zustand der Kirche schwand und Alfred mußte in jungen Jahren überhaupt auf den Unterricht in den Artes liberales verzichten, da es i n ganz We ssex keinen tüchtigen Lehrer hierfür gab. 1 ) So lernte Alfred ') Vgl. Alfreds Vorrede zur Uebersetzung I König Aelfred S. 314) und hierzu Asser'slife des Liber regulae pastoralis Gregors (Pauli, ' of King Alfred ed. by Stevenson p. 225. Asser Bischof v. Sherborne und König Alfred der Große. 647 in seiner Jugend außer den zum Cursus diurnus gehörigen Texten nur einige Psalmen und Gebete in der lateinischen Sprache kennen. Hingegen beschäftigte er sich frühzeitig mit der Dichtung in seiner Muttersprache, und Asser erzählt, daß er in dieser Beziehung seine Geschwister weit übertraf und hierbei von seiner Mutter unterstützt wurde. Seine lateinischen Kenntnisse trug er aber sämtlich in ein Handbuch ein, das er auch in späteren Jahren stets bei sich trug. Als er nun nach dem Tode seines Bruders Aethelred 871 zur Regierung gelangt war, war es sein Bestreben, wissenschaftlich gebildete Männer in sein Reich zu ziehen, 1 ) und da sich hierfür in Mercia die beste Gelegenheit bot, so berief er von dort zunächst Werfrith (oder Werfreth), den Bischof von Worcester, der auf sein Geheiß die erste Übersetzung der Dialoge Gregors des Großen ins Angelsächsische anfertigte. Sodann berief er Plegmund, der sich großen Wohlwollens beim König erfreute, so daß er 890 Erzbischof von Canterbury wurde. Außerdem zog Alfred die Presbyter Aethelstan und Werwulf aus Mercia an seinen Hof und erhob sie zu Kaplänen. Asser erzählt, daß einer dieser vier Männer beständig in der Nähe des Königs sein mußte, um ihm, wenn er freie Zeit hatte,' vorzulesen, denn allein lesen konnte Alfred in der früheren Zeit seiner Regierung nicht. Hierzu kommt die schon oben erwähnte Berufung Assers aus Wales, die nach dessen eigner Darstellung 884 erfolgte, falls sich in jenem Teile der Res gestae Alfredi nicht chronologische Irrtümer eingeschlichen haben. Aber auch ins Frankenreich sandte Alfred und ließ von dort einige tüchtige Geistliche kommen, die in den Wissenschaften unterrichtet waren. Schon sein Vater Aethelwulf hatte einen Notar Felix von fränkischer Abkunft 2 ) und in einer Urkunde dieses Königs vom Jahr 843 zeigt sich offenbar eine wohl von Felix herrührende deutsche Spur. 3 ) Alfred gewann zunächst den Mönch Grimbald, der nach Goscelin Presbyter in St. Bertin war und von Erzbischof Fulco von Reims in einem Briefe an den englischen König empfohlen wurde. 4 ) Grimbald mag vor 887 nach England gekommen sein und er hat dem Könige zweifellos nahegestanden und hat ihn jedenfalls bei der Übersetzung des Liber regulae pasto- ralis getreulich unterstützt, denn Alfred stattete ihm in der Vorrede dieses Werkes Dank ab; 5 ) so erhob ihn des Königs Sohn Edward später zum Abt von Newminster, als welcher er 902 gestorben ist. Außer Grimbald kam der Sachse Johannes aus dem Frankenreich nach England, der sich besonders durch literarische Kenntnisse auszeichnete und dem der König wie dem Grimbald, Asser und Plegmund in der Vorrede der Gregorübersetzung Dank abstattet. Er wurde von Alfred gleichfalls zum Abt (in Athelney) erhoben, wo der König nicht nur mehrere fränkische Presbyter und Mönche aufnahm, sondern auch einige fränkische Knaben zu Geistlichen erziehen ließ, um *) Zu diesen Berufungen s.Ch. Plummer, , von Stevenson (Asser's Life of King Alfred The life and timesof Alfred theGreatp. 136 ff. , p. 203 n. 1) gegebene Gleichsetzung von Theo- § 88 und die Noten zu Assers Vita 77 in Asser's doice mit Theodisce ist unzweifelhaft richtig. Life of King Alfred ed. by Stevenson p. 303 4 ) Gedruckt in Asserii De rebus Gestis —312. Alfredi regis rec. Franc. Wise p. 123. 2 ) Vgl. MG. Ep. 6,22f., wo je ein Brief des s ) Asser's Life ofKing Alfred by Steven- Lupus an den König und an Felix steht. son p. 310. 3 ) Cartul. Saxon. ed. Birch 2,18,16. Die 648 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. tüchtigen Nachwuchs für seinen Klerus zu gewinnen. Ohne Zweifel bediente sich nun Alfred in allen geistlichen und wissenschaftlichen Fragen unausgesetzt dieser von ihm ins Reich gezogenen Kleriker. So erzählt Asser c. 87—89 eine Episode aus dem Leben des Königs, aus der sein Einnuß in wissenschaftlichen Dingen auf Alfred klar hervorgeht. Er berichtet nämlich, daß er einst dem Könige eine Stelle aus einem Werke der Väter vorgetragen und daß dieser den Eintrag der Stelle in sein Handbuch gewünscht habe. Da dies aber bereits vollständig beschrieben war, habe er die Stelle mit Bewilligung Alfreds an den Anfang einer neuen Pergamentlage geschrieben, und diese Lage sei in kurzer Zeit mit andern wichtigen Väterstellen angefüllt worden. Aber von jenem Tage an 1 ) habe der König lateinisch lesen und einen lateinischen Test angelsächsisch erklären können, und aus jener Lage sei allmählich ein ganzes Buch Testimonien fast von der Größe eines Psalters entstanden, das der König sein Enchiridion nenne. In dies Buch scheint Alfred auch geschichtliche Ereignisse aufgenommen zu haben, denn Wilhelm, von Malmesbury erzählt an mehreren Stellen 2 ) von einem Buche des Königs, wo über Aldhelm gehandelt werde; und er nennt dies Buch den Manualis liber, der also damals in England noch wohlbekannt war, denn auch anderwärts finden sich Spuren von Kenntnis. Doch Alfreds literarische Tätigkeit gewann bald eine bedeutende Ausdehnung, nachdem die Dänen infolge des Seegefechts an der Mündung des Stour 3 ) für mehrere Jahre gezwungen waren, Frieden zu halten. In dieser Zeit zeigt sich Alfred als der große ßeorganisator seines Volkes auf politischem wie auf geistigem Gebiete. Vornehmlich war die englische Kirche, die vordem an den Kontinent so bedeutende Männer abgetreten hatte, von ihrem früheren geistigen Niveau, das ihr einst Theodor und Hadrian gegeben, tief herabgestiegen. Alfred selbst beklagt in der Vorrede zu seiner Übersetzung des Liber regulae pastoralis, daß es nur noch ganz wenig Geistliche gebe, die den Gottesdienst auf Englisch verstanden oder einen Brief aus dem Lateinischen englisch erklären konnten.* 1 ) Die Maßnahmen, die er ergriff, um diesem Übel zu steuern, zeugen von seinem klaren Laienverstande, und er erinnert in dieser Beziehung an Karl den Großen. Vor allem galt es, zur Hervorbringung tüchtiger Kleriker die Schulen zu heben, und man hat wohl nicht fehlgegriffen, wenn man aus den Worten Assers c. 75 5 ) geschlossen hat, daß er auch eine Hofschule begründete; denn Asser berichtet dort Ähnliches, wie Alfred selbst in der genannten Vorrede es ausspricht: Er wünsche, daß die gesamte freigeborne Jugend seines Volkes, welche die Mittel dazu habe, zum Lernen angehalten werden möge. 6 ) Und nach diesem Beispiel erstanden wohl auch die andern einst so berühmten Schulen *) Es war der 11. Nov. 887, s. Asser ed. Stevenson c. 89,14 p.75. Vgl. The Cambridge history of English litterature 1,91. 2 ) Gesta pontiflcum Anglorum 5 (= Vita Aldhelmi) 188 und 190 (ed. Hamilton p. 332 und 336). Ueber angebliche Kenntnis des Handbuchs bei Florentius v. Worcester s. Plummer, Thelife and times of Alfred the Great p. 143 und The Cambridge hist. of English | mera. a. 0. S. 136 literature 1,91; über Kenntnis bei Faritius, Abt v. Abingdon s. Asser's Life etc. ed. by Stevenson p. 326 n. 7. 3 ) Vgl. Plummer a. a. 0. p. 108 und Pauli. König Aelfred S. 144 ff. 4 ) Vgl. die Vorrede bei Pauli, König Aelfred S. 314 und 185. 5 )ed.Stevensonp.58,11-21. 60,32-36. 6 ) Vgl.Paulia.a.O.S.315und204;Plum- Asser Bischof v. Sherborne und König Alfred der Große. 649 des Reiches wieder von neuem und der König trug Sorge für die Anlegung neuer Klöster und Kirchen, damit das Volk von hier aus weiter belehrt werden könnte. Man sieht hier fast dieselbe Tätigkeit, wie sie einst Karl der Große für sein weites Reich begonnen und durchgeführt hatte, und wenn die englische Geistlichkeit in späteren Zeiten in bezug auf Wissen und Durchbildung sich kühn mit dem kontinentalen Klerus messen konnte, wenn die Schätze englischer Bibliotheken später den Vergleich mit denen Frankreichs und Deutschlands gut aushalten konnten, wenn die literarische Produktion Englands in späterer Zeit auf gewissen Gebieten sogar an der Spitze stand, so ist doch keineswegs hierfür allein die normannische Einwanderung des 11. Jahrhunderts als Ursache geltend zu machen, sondern hauptsächlich sind diese Verhältnisse auf die unermüdliche Fürsorge Alfreds zurückzuführen, die uns aus Assers Bericht so klar entgegentritt. Hatte man nun auf dem Kontinent schon seit längerer Zeit mit der Übersetzung kirchlicher profaner Literatur in die Volkssprache begonnen, so machte jetzt auch König Alfred den Anfang hiermit. Schon aus früher Jugend des Königs berichtet Asser von dessen großer Vorliebe für die heimische Sprache und die volkstümliche Dichtung, und da Alfred einsehen mochte, daß die fremde christliche Kulturwelt und deren literarische Erzeugnisse von den Angelsachsen leichter durch das Medium der heimischen Sprache begriffen würden, so machte er sich selbst hier ans Werk. Wahrscheinlich begann er damit, daß er dem Bischof Werfrith von Worcester auftrug, die Dialoge Gregors des Großen, der ja die englische Kirche begründet hatte und dessen Andenken hier in großem Ansehen stand, ins Angelsächsische zu übertragen. Alfred hatte keinen weiteren Anteil an der Arbeit, als daß er vielleicht selbst die kurze Einleitung hierzu schrieb oder in seinem Namen abzufassen befahl, denn er spricht hier selbst zum Leser. 1 ) Werfrith scheint bei der Übersetzung nur eine Auswahl der Legenden getroffen zu haben, so daß größere Teile des Originals un- übersetzt blieben. Als dieser Anfang gemacht worden war, mochte es dem König besonders wichtig erscheinen, den Liber'regulae pastoralis zu übertragen, da dies Buch der beste geistliche Führer für den verweltlichten Klerus abgab. Hierbei ging der König selbst an die Arbeit, allerdings ließ er sich durch Erzbischof Plegmund, 2 ) durch Asser, Grimbald und Johannes erst einführen, indem er bei diesen den genauen Sinn der Worte des Originals lernte und danach übersetzte. Wenn man nun freilich die große Ausdehnung nicht nur dieser Arbeit, sondern auch aller folgenden Übersetzungen des Königs bemißt, der hierfür im ganzen nicht mehr als höchstens zehn Jahre gebraucht haben kann, so möchte man bei der Beurteilung dieser Tätigkeit unbedingt der Ansicht Plummers 3 ) zustimmen, daß nämlich der Hauptteil der Arbeit von anderer Seite kam und der König wohl nur die endgültige Form der Übersetzung bestimmte. Und er übersetzte, wie er selbst- sagt, bald Wort für Wort, bald Sinn für Sinn, je nachdem es ihm seine Lehrer ') Vgl. Pauli a. a. 0. S.318 und 238). | 890 begonnen haben. -) Da er in der Vorrede (Pauli S. 316) j 3 ) The life and times of Alfred the great sagt ic hie geliornode aet Plegmwide minum . p. 143. 'tercebiscepe, so kann er die Arbeit erst nach j 650 Geechichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. angaben, 1 ) woraus deutlich auf den großen Anteil dieser geschlossen werden kann. Es finden sich nur ganz unbedeutende Auslassungen in Alfreds Werk gegenüber dem Original, dagegen nicht wenig erklärende und das Verständnis fördernde Zusätze. 2 ) Hiermit war zunächst den ersten Bedürfnissen des Klerus genügt und die große Vorrede, die Alfred dem Werke vorangestellt hatte, konnte gewissermaßen als Programm für die weiteren Arbeiten des Königs angesehen werden. Alfred ließ nämlich nun eine Übersetzung des Orosius folgen, dessen sieben Bücher Geschichte eine Verbindung der antiken und der christlichen Geschichtschreibung angestrebt hatten und neben den chronologischen Arbeiten von Eusebius-Hieronymus nicht nur ein historisches, sondern auch geographisches Hauptbuch des Klerus bildeten und sich auch schon großer Beliebtheit bei den Iren erfreuten. 3 ) Alfred zog den Bericht des Orosius von sieben Büchern und 236 Kapiteln in sechs Bücher mit 84 Kapiteln zusammen 4 ) und er hat demgemäß eine Menge Stoff unbearbeitet gelassen, und zwar gehören hierher nicht nur geschichtliche und mythologische, sondern auch geographische Berichte seiner Quelle, trotzdem ihn diese am meisten anzogen. Nämlich durch einen geographischen Exkurs über den weit gefaßten Begriff Germania hat er sich unsterblichen Ruhm erworben und gezeigt, daß er sich als echter Germane fühlte; in dieser Beziehung steht sein Werk weit über dem des Anonymus de situ orbis und ist mehr dem Dicuils an die Seite zu setzen, der ja ebenfalls Berichte der Zeitgenossen mit antiken Quellen verband. Den hauptsächlichen Stoff für seine Erzählung von Nordgermanien lieferte zunächst dem Alfred der Norweger Ohthere aus Helgoland, der um das Nordkap in das weiße Meer fuhr und dessen Küstenbewohner kennen lernte; später machte Ohthere eine Reise um das südliche Skandinavien herum und gelangte ins baltische Meer. Und ein zweiter Seefahrer Wulfstan nahm den Endpunkt dieser Reise zum Anfangspunkt und gelangte über Südschweden zur Weichselmündung und fuhr durch das Frische Haff über Elbing nach Truso. Beide Seefahrer müssen in näheren Beziehungen zu Alfred gestanden haben, denn nach ihrer Rückkehr erstatteten sie dem König Bericht über ihre Reisen 5 ) und diesen nahm Alfred in seinen Exkurs über Germanien auf. 6 ) Aber auch sonst ging er mit dem Texte des Orosius ziemlich frei um, wie er auch an andern Stellen nicht unerhebliche Zusätze und Erweiterungen macht, die nicht nur der Zeit, sondern auch dem Wesen des Königs entsprechen. 7 ) Jedenfalls aber ist diese Übersetzung eines der wichtigen Werke Alfreds und sie bedeutet nicht weniger als eine nationale Tat. Wenn Orosius eine allgemeine christliche Weltgeschichtschreibung bot. 1 ) Pauli p. 315 hirilum word be worcle. hwiltim andgit of andgite, sitae swae ic hie geliomode aet Plegmunde etc. 2 ) Vgl. Plummer a. a. 0. p. 152 ff. 3 ) Vgl. Bd. 1,209.490. Daß Alfreds Ueber- setzung den Titel Hormesta Orosii besitzt, Beglaubigung für Alfreds Autorschaft, denn das Werk betitelt sich ja Hormesta Orosii. 6 ) Abdruck der zwei Berichte z. B. bei Pauli, König Aelfred S. 308-313. ') Vgl. hierzu Pauli S.227f., Plummer p. 161 -165, The Cambr. hist. of Engl. lit. 1,95 f. zeugt für Benutzung irischer tleberlieferung. und besonders H. Schilling, König Aelfreds 4 ) Vgl. Plummer a. a. O. p. 160. I angelsächs. Bearbeitung d. Weltgeschich. des 5 ) Die Worte Ohthere saede his hlaforde Orosius (Halle 1886). Aelfrede hynincge sind die einzige, aber sicheie Asser Bischof v. Sherborne und König Alfred der Große. 651 so hatte Bedas Historia ecclesiastica einen unschätzbaren Wert für die britischen Inseln. Und diesen muß der König voll erkannt und geschätzt haben, denn er ging daran, das Werk in die Volkssprache zu übersetzen, um der englischen Geistlichkeit die Kenntnisnahme des Werkes zu erleichtern. Und zwar hat Alfred die Teile des Originals bevorzugt, die sich auf Südengland beziehen; das andere ist meist ausgelassen wie auch fast alle eingelegten Urkunden und Briefe und Gedichte. Hingegen sind die Zusätze zum Text des Originals unbedeutend. — Die wichtigste literarische Leistung aber liegt wohl in Alfreds Übersetzung von Boethius' De consolatione philosophiae, durch die er sein Volk mit dem Hauptbuche des ausgehenden Altertums über praktische und spekulative Philosophie bekannt machen wollte. Das Buch bot an sich für den König, der sich ja seine Kenntnisse in den Wissenschaften erst in späteren Jahren hatte erwerben können, sehr große Schwierigkeiten, und daher ist die Angabe Wilhelms von Malmesbury durchaus glaubhaft, daß ihm Asser erst den Urtext durch eine vereinfachende Übersetzung auslegen mußte. So ist Alfred mit dem Original auch ziemlich frei verfahren. Er hat nicht nur mancherlei ausgelassen, sondern auch selbständige Zusätze gemacht, 1 ) und vom dritten Buche an ist er völlig frei verfahren und spricht vielfach eigne Gedanken aus, die eines christlichen Königs höchst würdig sind. So wurde der Neuplatonismus des Boethius durch Alfred der christlichen Weltanschauung noch näher geführt, als er es schon im Originale ist, 2 ) und Alfred hat, im Sinne seiner Zeit sowohl als überhaupt, durch seine Arbeit dem Klerus der Heimat eine unberechenbar große Wohltat erwiesen. Allerdings ist er hierbei nicht ganz selbständig verfahren, denn es ist nachgewiesen, daß er sich in seinen Zusätzen und bei seinen eignen Gedanken häufig an einen ihm vorliegenden Boethius- kommentar anlehnte, 0 ) der auch von späteren Boethiuserklärern wie Wilhelm von Conches, Robert von Lincoln und Nikolaus Triveth benutzt wurde. Zuletzt bot Alfred seinem Volke noch eine Blumenlese aus Augustin, Gregor und Hieronymus, indem er die zwei ersten Bücher dieses Werkes aus Augustins Soliloquien übersetzte, während das dritte Buch Exzerpte aus Augustins Brief an Paulina (De videndo deo), aus dessen Gottesstaat, aus Gregors Dialogen und Moralia und aus Hieronymus' Lukaskommentar in Übersetzung zusammenstellte und hiermit eigne Gedanken des Übersetzers in Verbindung brachte. Hingegen sind dem Könige erst in späterer Zeit Lebenssprüche beigelegt worden, die nicht auf ihn zurückgehen. 1 ) Er starb nach einem äußerst tatenreichen Leben am 26. Oktober 900 (oder 901). Noch geraume Zeit vor dem Tode Alfreds verfaßte nun Asser eine Art Biographie seines königlichen Freundes. Sie fällt wohl ins Jahr 893, 5 ) obgleich die darin erzählten Tatsachen nicht über 887 hinausgehen. Für die früheren Zeiten stand ihm wahrscheinlich eine lateinische Übersetzung ') Vgl. hierzu Plummer p. 181—185 und The Cambr. bist, of Engl. lit. 1.100 f. 2 ) Vgl. Warwick Draper, Alfred the Great p. 73. 3 ) Vgl. G. Schepss im Archiv f. d. Studium d. neueren Sprachen und Litteraturen 95,149 -156. 4 ) Vgl. The Cambr. hist. of Engl. lit. 1,218 f. Ausgabe von W. W. Skeat, The proverbs of Alfred, Oxford 1907; vgl. p. XL1V ff. 5 ) Asserbestimmt 1,1 (ed.Plummer) das Geburtsjahr Alfreds auf 849 und sagt 91, 3 f., daß er im 45. Jahre Alfreds schreibe; vgl. Plummer p. LXXIV und LXXXII. 652 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. der alten angelsächsischen Chronik (Chronicon Saxonicum) zu Gebote, die auch später von Florentius von Worcester und vom Verfasser des Chronicon Fani sancti Neoti benutzt wurde. x ) Diese Quelle gab ihm das annalistische Schema, dem er im Anfang seiner Darstellung, wo er nach biblischem Vorgange das Geschlecht seines Helden bis auf Adam zurückführt, 2 ) ziemlich getreu folgt, indem er die Geschichte von Westengland erzählt; erst in Kap. 21,9 erinnert er sich seines eigentlichen Vorhabens 3 ) und setzt mit der Jugend Alfreds ein, um aber sehr bald (Kap. 26) wieder in die annalistische Form zu verfallen, die später von neuem verlassen wird. Man sieht hieraus, daß es dem Werke an einer festen Disposition fehlt; das annalistische Schema bot die Grundlage, es wechselt aber mit großen Stücken ab, die die persönlichen Partien enthalten, und die breite biographische Erzählung setzt eigentlich erst mit Kap. 72 ein. So ist, was wenigstens die Form anlangt, dies Leben Alfreds keineswegs mit dem kunstvollen Leben Karls von Einhart zu vergleichen, denn von dessen suetonischer Einteilung nach Kategorien ist hier nichts zu finden. Wenn aber Einhart seine berühmte Schrift kurz nach dem Tode des Kaisers verfaßte, so schrieb Asser noch bei Lebzeiten seines Helden, dem er auch, sein Werk gewidmet hat. Und daß er mit den Tatsachen gleichzeitig schrieb und das, was er erzählt, selbst erlebt und gesehen hat, geht aus einer großen Zahl von Stellen deutlich hervor. 4 ) So ist die Berichterstattung authentisch und der Zweifel an der Echtheit des Werkes, der mehrfach geäußert worden ist, fällt meines Er- achtens auch dadurch von selbst weg, daß eine solche Fälschung für so frühe Zeit gar nicht angenommen werden kann. Stofflich ist das Buch von höchstem Werte, da Asser in manchen Partien auch aufs historische Detail eingeht und sogar zuweilen Gespräche, die er mit dem König gehalten, ungefähr wörtlich wiedergibt. Hierzu kommt die Wärme in der Auffassung seines Helden und Gönners: Der Brite muß zu dem Angelsachsen hoch hinaufsehen und findet kaum Worte genug, die Tüchtigkeit des germanischen Königs, die sich auf allen Gebieten seiner Regierung zeigte, in gehöriger Weise zu preisen. Man darf allerdings hierbei nicht vergessen, daß Asser Geistlicher war und die Kirche dem König außerordentlichen Dank schuldete. Und wiederum ist ein eigener Umstand, daß der Bischof Asser für sein Leben Alfreds nicht im entferntesten eine so schöne lateinische Form fand, wie der Laie Einhart für das Leben Karls. Assers Sprache ist nämlich, wie auch häufig der Erzählungston, im allgemeinen geistlich, sie ist an derVulgata 5 ) und den Vätern gebildet und läßt den Reichtum der kontinentalen Schriftsteller vermissen; sie ist überhaupt wesentlich anders, als das kontinentale Latein und erscheint abgesondert und insular, und es würde eine lohnende Aufgabe sein, sie mit dem Latein der Briten und dem der Iren sorgsam zu vergleichen. Manches dürfte freilich nicht auf Asser selbst, ') Vgl. Plummer p. LXXX1II ff. Cambr. I 4 ) Vgl.Kap. 22,18 f. 37,13 f. 39,6. 75,26ff. bist, of Engl. lit. 1,90. I 79,1 ff. (ed. Plummer). 2 ) Das geschieht allerdings auf sehr schnei- 5 ) Vgl. zu 9, 7 f. Marc. 5, 13; zu 14,11 lern Wege, denn er zählt von Alfred bis Adam noch nicht fünfzig Generationen. 3 ) Ebenso im Jahre 884 in Kap. 73,1 ff. (p. 54). Eccli. 10,7; zu 75, 5 Sap.4, 7. Vgl. auch 14, 2 •universis . . . formidolosus rex und 14,20 sed rex praeoccnpavit. Zur Zitierung aus Itala und Vulgata vgl. Plummer p. LXXX1V. Asser Bischof v. Sherborne und König Alfred der Große. 653 sondern eher auf das Latein des von ihm benutzten Chronicon Saxonicum kommen. 1 ) Die Ausdrucksweise Assers ist oft schwerfällig und wenig abwechselungsreich, was in manchen Partien besonders auffällt, z. B. 77, 4 ff. bei der Charakteristik der von Alfred aus Mercia berufenen Lehrer und 78,5 ff. bei der Berufung von Klerikern aus Gallien. 2 ) Nicht selten begegnet auch wirklich ungrammatisches Latein, das sich bei einem in der Nähe des Königs befindlichen Bischof seltsam genug ausnimmt; 8 ) auch hat Asser eigentümliche Wortformen in seine Sprache aufgenommen. 4 ) Besondere Sorgfalt scheint er den geographischen Namen zu widmen, die er mehrfach in ihrem keltischen und angelsächsischen Wortlaut mit beigefügter lateinischer Übersetzung gibt, 5 ) so daß die urkundliche Genauigkeit erreicht wird. Es fehlt auch nicht ganz an Stellen, wo das Latein eine gewisse Eleganz und klassischen Anstrich gewinnt, sie sind aber verhältnismäßig selten; 6 ) auch erinnert die Sprache zuweilen an die frühere Dichtung, 7 ) wie auch Kap. 2, 2 f. ein Pentameter steht. 8 ) Für die Kenntnis früherer Dichter spricht das allerdings an sehr unrichtiger Stelle angebrachte Zitat aus Sedulius 1,24 ff. 9 ) und eine anonyme Anführung 90, l; 10 )aber auchVergil ist 16,19 f. und 74,37 f. erkennbar. Zweifellos ist aber die Benutzung vom Prologe Einharts 73, 4 f. und 8 f., 11 ) wie von Stevenson dargetan ist, der außerdem noch auf AId- helm, Beda und Nennius hinweist (p. XC V) und sprachlichen Zusammenhang mit den Hisperica famin a aufdeckt (p. XCII). Im allgemeinen aber dürfte feststehen, daß der Umkreis, der für Alfreds Leben von Asser benutzten Schriftwerke ein sehr kleiner und daß dessen literarische Kenntnis überhaupt merkwürdig beschränkt ist, wenn man ihn mit den bedeutenderen Autoren des Kontinents vergleicht. Sein Werk aber, das die älteste englische Lebensbeschreibung eines Laien darstellt, ist später von Florentius von Worcester zum großen Teile in seine Chronik aufgenommen worden, und zwar zu einer Zeit, als es noch von den großen heutigen Interpolationen frei war. Zeugnisse. Zum Namen Asser vgl. ed. Stevenson p. LXV und LXX f. Die Abkunft ergibt sich aus der Kenntnis keltischer Namen und aus der Verwandtschaft mit Bischof Nobis von St. Davids c. 79, 57 et Nobis archiepiscopum et propinquum meum, sein Aufenthalt aus c. 79, 1 advocatus de occiduis et ultimis Britanniae finibas, sowie aus Wilhelmi Malmesb. Gesta reg. Angl. 2, 122 (ed. Stubbs 1, 131) 'Habebat ex s. Dewi Asserionem quendam und Gesta pont. Angl. 2, 80 (ed. Hamilton p. 177) Asserus ex s. Dewi evocatus. Die Berufung Assers an den Hof nach c. 71. 81 (p. 63 — 68); zur Bedrückung St. Davids durch >) Wie schon Plummer p. LXXXIV bemerkte, der auf die häufig vorkommende Phrase (35,18. 36,11. 40,7) loco funeris domi- nati sunt aufmerksam machte. 2 ) Auch beim Regierungsantritt Arnulfs 85,1-14. 3 ) Vgl. Kap. 79,14. 88,3 f. 88,6. 89,29. 96,2. 4 ) Ich nenne hier 12, 28 principalior. 13,20 reginalis. 13, 21 subsequutrix, ferner das schon Stevenson p. LXXXIV (vgl. p.381) angeführte suatim utens. 6 ) Vgl. 30,3 f. 49,22 f. 55, 7 f.; auch angelsächsisch und lateinisch (35,13. 37,3) und angelsächsich und britisch (49,7. 57,4 f.). 6 ) Vgl. 27,22 irrumpunt caedunt fugant prosternunt. 42, 25 terga in fugam verterant. 56,6 maxima caede prostravit. 36,8 Ibique diu et atrociter ex utraque parte dimicatum est. 7 ) Vgl. 64,6 curvo poplite et supplicibus precibus. 8 ) Vgl. hierzu Fortunati Carm. 4,2,5 f. und 8,11 f. 9 ) Es fehlt bei Huemer, Sedulii opera p. 361 f. Die Lesarten sind gleich denen des Carnot. 58 s. IX—X. I0 ) Die von Stevenson p. 327 behauptete Herkunft aus einem karolingischen Dichter dürfte am wahrscheinlichsten sein. ") Auch 16,16 f. geht auf den Prolog Einharts zurück. 654 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Hemeid vgl. c. 79, 53 ff. Zu den bischöflichen Rechten s. 81, 28 dedit mihi Exanceastre cum omni parochia qitae ad se pertinebat in Saxonia et in Cornubia und Stevenson zu dieser Stelle p. 321 ff. Jedenfalls war er später Bischof von Sherborne, wie aus Urkunden und Bischofslisten hervorgeht, vgl. Stevenson p. LXVf.; Wright and Halliwell, Reliquiae antiquae 2, 170; The Hyde Liber vitae p. 20; Florence of Worcester ed. Thorpe 1, 237, iiuf3erdem Chron. Saxonicum 910. Das Geburtsjahr Alfreds nach der genealogischen Einleitung in einer Hs. des Chron. Saxon., vgl. Plummer p. 70 „took to. the kingdom when there were gone of his age three and twenty winters". Zum ersten Normanneneinfall vgl. Chron. Fani s. Neoti 789 et eo etiam tempore primum III naves Normannorum applicuerunt in insula quae dicitur Portland (Assers life~ of King Alfred ed. by Stevenson p. 128). Zum Mangel an Lehrern s. Asser 24, 7 quod maxime desiderabat liberalem scilicet artem desiderio suo non suppetebat eo quod, ut loquebatur, Mo tempore lectores boni in toto regno Occülentalium Saxonum non erant. Zur Jugendbildung Asser 24, 1 Post haec cursum diurnum id est celebrationes horxrum ac deinde psahnos quosdam et orationes multas didicit, quos in uno libro conyregatos in sinu suo die noctuque sicut ipsi vidimus . .. ubique circumdueebat, Beschäftigung mit sächsischer Dichtung Asser 22, 13 ff. und 23, 1—15. Zum Regierungsantritt Asser 35, 1 f. und 42, 1—5. Die Berufungen erzählt Asser 77, 3—18; dort heißt es 77, 19 Quoi um omnium doctrina regis indesinenter desiderium crescebat et implebatur. Nam die noctuque quandocunque al'iquam licentiam haberet, libros ante se recitare talibus imperabat — non enim unquum sine aliquo eorum se esse pateretur — quapropter pene omnium librorum notitia-m habebat, quamvis per se ipsum aliquid adhuc de libris intelligere non posset. Non enim adhuc aliquid legere inceperat. Zeit von Assers Berufung vgl. Asser 66, 1 und 79, 1. Beziehungen Alfreds zum Kontinent oder den Aufenthalt angelsächsischer Kleriker jener Zeit im Frankenreiche (Fleury?) beweisen zwei akrostichische Gedichte im Bern. 671 s. IX f. 74 ü (ed. Hagen, Carm.medii aevi p.ll N.9. 10, und Stevenson, Assers Life of King Alfred p. 307). Zu Grimbald ') (und seiner Biographie von Goscelin) s. Leland, Collectanea ed. Hearne 1, 18 und Mabillon, Acta. SS. 5, 3 ff., Liber vitae of Hyde Abbey ed. Birch p. 5. Zu Fulcos Brief vgl. Stevenson p. 308 und n. 1. Zum Tode Grimbalds vgl. Chron. Saxonicum 903 und Chron. Fani s. Neoti 902 (Stevenson p. 310). Zu Johannes s. Asser 78, 8ff. und 94,1 (Primitus Iohannem presbyterum et monachttm scilicet Eald-saxonum genere abbatem' 1 ) constituit); vgl. Willi. Malmesber. Gesta reg. Angl. ed. Stubbs 2, XLVUI und Plummer p. 137. Zur fränkischen Mönchskolonie in Athelney vgl. Asser 94, 3—11. Zur Reorganisation Englands auf politischem Gebiete vgl. Plummer p. 121 —129 und Warwick Draper, Alfred the Great p. 31—43; Pauli S. 149—182. Die Gründung neuer Klöster bei Asser 92—98. Bei den späteren Zeiten ist besonders an die rege Teilnahme Englands an der scholastischen Philosophie zu denken; Bücherschätze, wie sie Canterbury, Dover und Leicester im 14. und 15. Jahrhundert besaßen, sind ungewöhnlich groß, und die lateinische Literatur Englands in Prosa und Poesie (besonders Satire, Lehrgedicht) während des 11 —13. Jahrhunderts ist ungemein ausgedehnt. Vorliebe Alfreds für Angelsächsisch bei Asser 22, 13 ff. 23. 76, 6 ff. Besonders wichtig für Alfreds literarischen, wissenschaftlichen und kirchlichen Standpunkt ist die Vorrede zur Uebersetzung des Liber regulae pastoralis bei Pauli S. 313—316. Uebersetzungen. 1. Gregors Dialoge. Asser 3 ) sagt hierüber 77, 4 Werfrithum 1 ] scilicet Wigernensis ecclesiae episcopum ... qui imperio regis libros dialogorum Gregorii papae et Petri sui discipuli de Latinitate primus in Saxonicam linguam, aliquando sensum ex sensu ponens elucubratim et elegantissime interpretatus est. Die Uebersetzung ist nach H. Hecht im ganzen wortgetreu und lückenlos. Nach Cantabrig. Corp. Christi Coli. 322 s.XI, Mus. Brit. Cotton Otho C 1 s. XI und Oxon. Bodl. Hatton 76 s. XI — diese Hs. bietet eine Neubearbeitung mit beständiger Hinzuziehurjg des lateinischen Originals 5 ) — von H. Hecht, Bischofs Waerferth von Worcester Uebersetzung d. Dial. Gregors d. Großen, Leipz. 1900 (= Grein u. Wülker, Bibliothek der angelsächsischen Prosa Bd. 5). 2. Liber regulae pastoralis. In der Vorrede (Pauli S. 315) sagt Alfred, daß das Buch is genemned on Laeden Pastoralis and on Englisc Hierdeboc. An diese Vorrede, wo p. 316 die Lehrer und Helfer des Königs genannt werden, schließt sich ein Gedicht von sechzehn alliterierenden Versen. Hss.: Oxon. Bodl. Hatton 20, Mus. Brit. Cotton Tib. B. XI und Cotton Otho B. II (verbrannt). Ausgabe: H. Sweet, King Alfred's West Saxon Version of Gregory's Pastoral Care, 1871 (Early English Text Society). Vgl. G. Wack, Ueber das Verhältnis von König Aelfreds Uebers. der Cura Pastoralis zum Original, Kolberg 1889. ') Seine Berufung erzählt Asser 78, 6 ff., I 4 ) H.Hecht gibt in seiner Uebersetzung hierauf diejenige des Johannes. j die Namensform Waerferth. 2 ) Nämlich in Acthelney, s. Asser, 92,7 ff. 3 ) Vgl. auch Wilh. Malmesber. gesta reg. Angl. 2,122 (1,131 ed. Stubbs). 5 ) H. Johnson, Gab es zwei... altenglische Uebersetzungen der Dialoge Gregors? Berlin 1884. Vgl. Plummer p. 145. Asser Bischof v. Sherborne und König Alfred der Große. 655 3. Orosius. Daß diese Uebersetzung vor die des Beda fällt, hat Plummer S. 158 sehr wahrscheinlich gemacht, vgl. Cambridge hist. of Engl. lit. 1, 93. Es.: Mus. Brit. Cotton Tib. B. I s. XI. Ausgabe H. Sweet, King Alfred's Orosius, 1883 (Early English Text Society). Vgl. H. Schilling, König Aelfreds angels. Bearbeitung d. Weltgesch. d. Orosius, Halle 1886. H.Geidel, Alfred d. Große als Geograph, München 1904 (Münch.geogr. Studien 15). 4. Beda Hist. ecclesiastica. Das Werk trägt keine Aufschrift und kein Vorwort, aber Aelf'ric erwähnt es als Uebersetzung Alfreds in seiner Homilie über Gregor den Großen as does Historia Anglorum which King Alfred translated out of English into Latin (Ho- milies ed. Thorpe 2,116) und die Hs. Cambr. Univ. Libr. Kk. 3, 18 hat am Anfang das Distichon Ilistoricus quondatn fecit me Beda Latinum, Aelfred rex Saxo transtulit ille plus, 1 ) s. Plummer p. 167; dort p. 168 ff. über die Echtheit des Werkes, dessen letzte Revision Alfred nicht vorgenommen zu haben scheint (p. 171). Hss. (außer der genannten) Oxon. Corp. Christi Coli. 279 und Cambr. Corp. Christi Coli. 41. Mus. Brit. Otho B. 11 (nur Fragmente). Ausgaben; J. Schipper, König Alfreds Uebersetzung von Bedas Kirchengeschichte, Leipz. 1897. 1898 (= Grein u. Wülker, Bibl. d. angels. Prosa Bd. 4); T. Miller,.The Old English Versicn of Bede's Ecclesiastical History, 1890. 1898 (Early English Text Society). Vgl. Aug. Schmidt, Unters, über K.Alfreds Bedaübersetzung, 1889. 5. Boethius de consolatione philosophiae. Wilhelm von Malmesbury bemerkt zur Uebersetzung (Gesta reg. Angl. 2, 122 ed. Stubbs 1, 131) Habebat ex S.Dewi Asserlonem ... Hie sensum librorum Boetii de consolatione planioribus verbis enodavit quos rex ipse in Anglicam litteram vertit und (Gesta pont. Angl. 2, 80 ed. Hamilton p. 177) Asserus . . . librum Boetii de consolatione philosophiae planioribus verbis elucldavit, labore Ulis diebus necessario, nostris ridiculo. Scd enim iussu regls factum est ut levius ab eodem in Angllcum transferretur sermonem. Unentschieden ist die Streitfrage, ob die alliterierenden Gedichte, die im Mus. Brit. Cotton Otho A VI s. X, die Gedichte des Boethius wiedergeben, von Alfred oder von einem späteren Bearbeiter sind, vgl. Plummer p. 185 f. und Warwick H. Drap er, Alfred the Great p. 75; in der andern Hs. sind die Gedichte nämlich durch Prosa wiedergegeben. P. G. Thomas (Cambr. hist. of Engl. lit. 1, 102) läßt wohl mit Recht die Möglichkeit zu, daß die Verse wirklich dem Alfred angehören. 2 ) Der Kommentar des Boethius, der nach Schepss (Archiv f. d. Stud. d. neu. Sprachen u. Lit. 94, 149 ff.) von Alfred für seine Uebersetzung und namentlich für deren christianisierende Tendenz benutzt wurde, findet sich in der Maihinger (Wallersteiner) Boetbiushs. und im Monac. 19452 s. X — XI; die Stellen gibt Schepss S. 150—156. Hss.: Mus. Brit. Cotton Otho A. VI s. X, Oxon. Bodlei. 180 s. XII; Ausgaben: S. Fox, King Alfred's Anglo-Saxon Version of Boethius, 1864. W. J. Sedgefield , King Alfred's Old English Version of Boethius de Consolatione philosophiae, Oxford 1899. 6. Augustins Soliloquien. Die Vorrede zu diesen Plores kann als Epilog der Schriftstellerei Alfreds angesehen werden, vgl. Plummer p. 193. Dort wird p. 194 f. aus-, geführt, daß diese Flores vielleicht das reifste Werk Alfreds darstellen, der in ihnen den christlichen Gedanken noch bedeutender zum Ausdruck brachte als Augustin selbst. Hs. Mus. Brit. Cotton'Vitellius A. 15 s. XII; Vorrede bei Pauli p. 318f. und (neu) bei Plummer p. 192 f. Ausgabe von H. L. Hargrove, King Alfred's Old English version of St. Augustme's Soliloquies (Yale Studies in English 13. 22), New York 1902. 1904. Allerdings ist hiermit der ganze Umkreis von Alfreds Werken noch nicht umschrieben, denn Wilhelm v. Malmesbury berichtet bei der Aufzählung (Gesta reg. Angl. 2, 123, ed. Stubbs p. 132) Denique plurimath partem Eomanae bibliothecae Anglorum avribus dedit ... cuius praeeipui sunt libri Orosius, Pastoralis Gregorii, Gesta Anglorum Bedae, Boetius de consolatione philosophiae, liber proprius quem patria lingua Encheridion i. e. manualem librum appellavit ... Psalterkim transferre aggressus vix prima parte explicata vivendi finem fecit. Da nun im Paris. 8824 s. XI die ersten fünfzig Psalmen in angelsächsischer Prosa stehen, so vermutete R. Wülker (Grundriß d. angels. Literatur S. 436), daß wir hierin Alfreds Übersetzung haben (weitere Begründung durch J. Wich mann, Anglia 11, 39 ff., s. auch Plummer p. 149). Doch ist diese Frage noch ungelöst und ohne weiteres Material wohl un- ') Die Hss. Bund O, nach denen J.Schipper die Ausgabe veranstaltete, besitzen die Verse nicht. 2 ) Vgl. hierzu auch Schepss, Archiv f. d. Stud. d. neu. Sprachen u. Literaturen 94,157 f. 656 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil lösbar, vgl.Thomas in Cambr. hist.ofEngl. lit.l, 106 und Plummer p. 147ff. Zum Tode s. Plummer p. 197 und n. 1. Asserius de rebus gestis Alfredi. Das Hauptwerk hierfür ist Asser's Life of King Alfred ... edlted ... by William Henry Stevenson, Oxford 1904, das den Stoff nach allen Seiten hin durchdringt. Auch die sprachliche Seite wird hier p. LXXXIX ff. berücksichtigt und p.XCV—CXXVdie Echtheit des Werkes, die zweifellos ist, verteidigt. AuchCh. Plummer The life and times of Alfred the Great (Oxford 1902) gibt p. 14—52 viel gutes Material zur Beurtheilung der Schrift; vgl. hier p. 21 ff. zur Korruption des Textes und zu den Interpolationen. Diese (Kap. 50b -50d. 53b c. 106b—d) enthalten hauptsächlich die später in das Werk hineingefügten Fabeln, 1 ) an denen die Geschichte Alfreds reich ist. Die alte Hs. des Werkes Mus. Brit. Cotton Otho A XII ist bis auf unleserliche Reste 1731 verbrannt, vgl. ed. Stevenson p. XXXII; hiervon sind abgeschrieben Cotton Otho A.XII* s. XVI, Cantabrig. Corp. Christi Coli. 100 und Cantabr. bibl. univ. Add. 3825 s. XVI, vgl. ed. Stevenson p. LI—LIV. Frühere Ausgaben ed. Parker 1574, Camden 1602—1603, Wise 1722; Hauptausgabe ed. Stevenson, Oxford 1904. — Vgl. R.Pauli, König Aelfred u. seine Stelle i. d. Gesch. Englands, Berlin 1851. Ch. Plummer, The life and times of Alfred the Great, Oxford 1902; Warwick H. Draper, Alfred the Great. A sketch and seven studies, London 1901. Nützlich ist die Bibliographie von P. G. Thomas in The Cambridge history of English literature 1, 436—440. 116. Das Mythenbuch des Mythographus Vaticanus II. In einigen Handschriften hat sich mehr oder weniger vollständig ein umfängliches Mythenbuch erhalten, dessen Verfasser unbekannt ist. Das Werk besteht aus 230 Stücken von sehr verschiedenem Umfang und Wert. Es beginnt mit Saturn und den oberen Gottheiten und geht von da zu den niederen Göttern und Titanen und Giganten über, ohne aber den ganzen zu Gebote stehenden Stoff hier darzustellen, denn erst an späterer Stelle wird über ägyptische Gottheiten sowie über Proserpina und Ceres berichtet, wie auch an verschiedenen Stellen gleichsam ein neuer Abschnitt mit Erzählungen über Söhne des Zeus einsetzt. Viel umfassender ist dann der zweite Hauptteil, der im allgemeinen von Menschen handelt, aber stets wieder durch Erzählungen über die Götter durchbrochen wird. Wir finden hier Berichte über die Seher, über die Schicksale berühmter Männer und Frauen und über ihre Taten, über ausgezeichnete Beispiele von Frömmigkeit und Gottlosigkeit und Tapferkeit, von unerlaubter und von treuer Liebe, sowie über Verwandlung von Menschen, und dem Leser wird an einer Menge von Beispielen vorgeführt, wie das Verdienst guter Taten belohnt und das Böse bestraft wird. Zeigt schon die Einleitung, die fast ganz nach Isidor gegeben wird und sich über die heidnischen Götter in christlichem Sinne ausspricht, die bestimmte Tendenz, die Augustin in längeren Partien seines Werkes De civitate dei vertritt, so hat das ganze Mythenbuch eine ähnliche Richtung: Der Verfasser deckt nach dem Vorgange des Prudentius im Gedicht gegen Symmachus vielfach die Haltlosigkeit des antiken Götterglaubens auf und sucht durch seine ethischen Fingerzeige deutlich einen erzieherischen Einfluß auf den Leser ausüben zu wollen. Von der Schönheit der antiken Mythen empfindet er natürlich nichts, er zerstört sie sogar häufig durch seine moralisierende Tendenz und tritt eben ganz als Lehrer auf. Ja an manchen Stellen scheint es, als ob er sich hier eine bequeme Unterlage für Frage ') Ueber diese vgl. besonders die ausgezeichneten Noten von Stevenson zu den betreffenden Stellen p. 253. 256 ff. 344. Das Mythenbuch des Mythographus Vaticanus IL 657 und Antwort im Unterricht geschaffen habe, wie wenigstens F. Keseling meint; 1 ) ich glaube allerdings, daß dies eher auf einem Zufall beruht, da der Autor hier wie überall in seinem echt schulmäßigen Bestreben nach Erklärung der Dinge sich besonders durch den Stoff fortreißen ließ, in fast katechisierender Form zu schreiben. Doch bezeugen gerade diese Stellen, daß das Buch zu Unterrichtszwecken geschrieben wurde. Wohl aber ist die Möglichkeit zuzugeben, daß der Verfasser neben anderem eine Quelle benutzte, in der er bildliche Darstellungen aus der Welt der Götter und Heroen fand und von dieser Unterlage aus seine Darstellung bereicherte. 2 ) Das Buch ist, wenn man die Zeit seiner Entstehung und seinen Zweck bedenkt, nicht ungeschickt geschrieben, denn der Autor hat aus einer ziemlichen Anzahl von Quellen das, was ihm wissenswert dünkte, in leichtverständlicher Form zusammengestellt und nicht unbeträchtlichen Stoff zusammengebracht. Allerdings ist dieser Stoff sehr ungleichmäßig gegeben, denn über seine Quellen konnte der Autor nicht hinaus, er schließt sich ihnen sogar häufig ganz sklavisch an, so daß der Wortlaut nicht selten für deren Überlieferungsgeschichte zu verwenden ist. Dabei ist sein Bestreben nach rationalistischer Erklärung der Mythen so groß, daß er eine Erzählung, die er in einer Quelle vorfand, abschrieb und die Deutung nach ganz andrer Herkunft gab, wenn sie ihm nicht die erste Quelle 3 ) bot. Dies Bestreben ist ihm freilich nicht eigentümlich, er fand reichlichste Erklärung der Mythen schon in den von ihm sehr stark benutzten Mitologiae des Fulgentius; und wenn seit Gregors des Großen Zeit die christlichen Schriftsteller ganz allgemein sich auf die bekannte dreifache Erklärung eines Schrifttextes warfen, so ist die Übertragung dieses Gebrauches auf die von der Kirche so perhorreszierte antike Mythologie nicht zu verwundern, zumal wenn sich die Sache schon vielfach in älteren, in hohem Ansehen stehenden Quellen vorfand. Und so ist denn die Selbständigkeit des Verfassers auch in andrer Beziehung nicht eben groß. Es ist nämlich nach den Untersuchungen von Keseling 4 ) nicht zu bezweifeln, daß der Autor ein ähnliches Mythenbuch gekannt hat, das wir heute Mythographus Vaticanus primus nennen. Man hat früher angenommen, 5 ) daß er dieses für seine Darstellung sehr häufig benutzt hat; doch ergibt sich nach Keseling ein anderes Verhältnis, indem jene angeblichen Entlehnungen als unzweifelhafte Benutzung des Servius und Lactantius Placidus festgestellt wurden. Der Verfasser hat nun hiernach viele Stücke, die in dem früheren Mythenbuch stehen, nicht behandelt, besitzt aber andrerseits ein nicht geringes Mehr von Stücken und eine große Anzahl allegorische Erklärungen, die jenem fehlen. Beide haben viele Stücke aus gleicher Quelle oder aus andrer dargestellt und kommen dabei sachlich nicht selten überein. Und so hat das ältere Mythenbuch dem jüngeren nicht geradezu als Quelle gedient, es ist ') De Mythographi secundi fontibus (Halis Sax. 1908) p. 135. 2 ) Vgl. 32 (ed. Bode, Script, rer. mythi- carum Latini tres 1, 85) Veneris concha. Con- cham marinam portare pingitur. 35 p. 86, 6 Qui ... depingitur ; 36 p. 86,17 Quae .. . depin- guntur. 39 p.87,33 Quae pingitur; 13 p. 78, 24 nnde duplex effigies in his invenitur usw. 3 ) So 206, wo er die Deutung von 205 nach Fulgentius Mitol. 3, 7 gab. 4 ) De Mythographi Vatic. secundi fontibus p. 117—128. 5 ) Vgl. Keseling p. 116. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 42 658 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. aber sicher von dessen Verfasser für die Auswahl der Fabeln und für ihre Bearbeitung zu Rate gezogen worden. Es hängt nun mit der Natur seiner Vorlagen und seinem Mangel an Kritik zusammen, daß der Verfasser in der Auswahl des Stoffes nach unseren Begriffen oft recht unvernünftig verfahren ist, daß er ungeheuerliche Fabeleien vorbrachte, eine Menge unsinnige Etymologien aufstellte, sowie törichte allegorische Deutungen nicht nur abschrieb, sondern auch erfand. Dabei hat er den Wortlaut seiner Quelle nicht selten sprachlich verbessert, bei Oichterzitaten hingegen öfters den Namen des Autors weggelassen. Daß er etwas Griechisch verstand, ist sicher und doch ließ er mehrfach griechische Worte seiner Vorlage aus. In der Anlage des Werkes verfuhr er so, daß im allgemeinen jedes der Stücke für sich besteht, aber öfters hat er am Schluß einer Fabel einen Übergang zur folgenden gemacht und deren Inhalt in kurzen Worten schon angedeutet. Was die Quellen selbst anlangt, so boten ihm die breiten Erklärungen des Servius zu Vergil ausführlichen Stoff und reiche Belehrung, und so hat er daraus eine große Zahl Stücke ganz oder zum Teil wörtlich entlehnt. Und zwar hat er, wie Keseling nachwies, 1 ) die kürzere Fassung des Servius in einer Überlieferung benutzt, die dem Caroliruh. 116 sehr nahe stand. Allerdings benutzt der Verfasser nur selten ausschließlich den Wortlaut des Servius, er verbindet meist mit ihm kleine Zusätze, die anderswoher entlehnt sind. Die zweite, schon oben berührte Hauptquelle sind die Mitologiae des Fulgentius, die ja ein ähnliches Handbuch darstellen wie unser Mythenbuch. Die Gleichheit der Erzählung in beiden ist oft frappant, 2 ) so daß an der Benutzung nicht gezweifelt werden kann. Ja die Ähnlichkeit des Stoffes bewog in späterer Zeit sogar einen Abschreiber des Fulgentius, diesen aus dem Mythenbuch zu interpolieren. 3 ) Hieran reihen sich die reichen Erklärungen des Lactantius Placidus zu Statius' Thebais, die vom Verfasser ebenfalls stark ausgeplündert wurden, und zwar macht Keseling (p. 44 f.) die Bemerkung, daß der Wortlaut des Mythenbuches in der Wiener Handschrift sich häufig sehr eng mit der Überlieferung des Lactantius im Paris. 8064 berührt; dies kann auf das ursprüngliche Abhängigkeitsverhältnis hindeuten und einen Fingerzeig für die Überlieferungsgeschichte geben, doch ist auch das umgekehrte Verhältnis möglich, daß die späte Überlieferung der Wiener Handschrift erst nach jenem Pariser Kodex oder einem Verwandten desselben abkorrigiert wurde. Von erhaltenen Werken hat das Mythenbuch außerdem benutzt den schon genannten Isidor und die Erklärung des Pseudo-Acro zu Horaz, die erst im Ausgang des Mittelalters mit diesem Namen genannt wird und sich in alten Bibliothekskatalogen wohl mehrfach unter dem Namen Commentum Horatii u. dgl. verbirgt. Sind nun die Annahmen Keselings richtig, so würde der Verfasser des Mythenbuches auch eine mythographische Erklärung zu Vergil benutzt haben, die im erweiterten Servius sowie bei Philargyrius und Probus sichtbar M a. a. 0. p. 9 ff. und p. 8 n. 3. 2 ) Vgl. Fulg. ed. Helm 1, 6 p. 20 mit My- thogr.Vat. 2,11 p. 77. 3 ) Nämlich im Marcianus 94 Venetus s. XV, vgl. Fulg. ed. Helm 1,6 p. 20,15 ff. mit Myth. 11,27 f. und Helm p.XII. Das Mythenbuch. des Mytb.ograph.us Vaticanus II. 659 wird; ferner die Quelle der sogenannten Narrationes fabularum Ovidianarum, die an vielen Stellen erkennbar ist. Dagegen hat Hyginus als Quelle des Mythenbuches auszuscheiden, da alle in Betracht kommenden Stücke auf andere Vorlagen weisen. In der Anordnung seines Werkes ist der Verfasser übrigens keinem bekannten Buche gefolgt, nur im einzelnen hat er zuweilen dieselbe Reihenfolge innegehalten, die bei Servius ersichtlich wird; von der Anordnung der Stücke bei Fulgentius und bei Servius weicht die seinige hingegen vollständig ab. Hinsichtlich des Verfassers aber sei es erlaubt, auf Remigius von Auxerre hinzuweisen. Bekanntlich geht dessen ganze Schriftstellerei darauf aus, der Schule und dem Unterricht zu dienen, und seine zahlreichen Kommentare zu älteren Schriften lassen sowohl eine gewisse Kenntnis des Griechischen, wie auch die Vorliebe für gewagte Etymologien und für allegorische Deutung erkennen. Alles dies kehrt in unserm Mythenbuch wieder, wie auch bei Remigius sich häufige Benutzung von Servius und Fulgentius zeigt. Wenn nun auch in den Remigiuskommentaren sich viele Stellen mythographischen Inhalts finden, die dem Mythenbuche sehr ähnlich sind, so ließe sich immerhin daran denken, daß dieses von Remigius selbst oder aus seiner Umgebung stammen könnte. Das Buch hat noch spät im 13. Jahrhundert in hoher Geltung gestanden, denn es bildete die mythologische Hauptquelle für den Fabularius des Konrad von Mure. Allerdings war es hier nach den Forschungen von Ant. Mayer nicht mehr in seiner älteren Gestalt, sondern in Verbindung gebracht mit Mythogr.Vatic. I und mit Servius; Konrad benutzte aber in dem Handbuch eine bessere Überlieferung des Myth. II, als sie die Vaticani bieten. Zeugnisse. Einen übersichtlichen Blick über die Anordnung der 230 Stöcke gab Ferd. Keseling, De mythographi Vaticani secundi fontibus (Halis Sax. 1908) p. 140—143. Die Abschnitte über ägyptische Götter und über Ceres und Proserpina sind 89—100, die neuen Abschnitte über die Kinder des Zeus vgl. bei Keseling p. 143. Römisch sind unter allen 230 Stücken nur 183 Pilumnus et Pitumnns, 225 Apicius und 226 Opimius. Die Einleitung stammt (ed. Bode p. 74) 3—18 aus Isidor Etym. 8, 11, 1—4 {De diis gentium) und auch sonst ist Isidor benutzt, vgl. Keseling p. 65—67.') Die Hauptstelle, aus der sich Unterrichtszwecke ergeben, lautet 35 p. 86,6 Qui pharetratus nudus cum face pennatus puer depingitur. Pharetratus ideo quid, sicut sagittae corpus, ita mentem vulnerät amor. Nudus quia amoris iwpitudo semper manifesta est et nusquam occulta. Cum face autem quia turpis amor cum calore et fervore quodam accenditur. Pennatus quia amor cito pertransit et amantibus nee levius aliquid nee mutabilius invenitur. Puer etiam fingitur, quia sicut pueris per imperitiam faeundia, sie quoque nimium amantibus per uoluptatem deficit; andere Beispiele bei Keseling p. 135. Zur Verbesserung des Quellenwortlauts vgl. Keseling p. 131, zur Auslassung der Autorennamen daselbst p. 132 f., zur Auslassung griechischer Woite p. 134, zur Verbindung der folgenden Fabel mit der vorhergehenden p. 136. Die Quellennachweise im einzelnen vgl. bei Keseling p. 6—115. Zur Anordnung der Stücke vgl. Keseling p. 136—145. Zu Remigius als Verfasser. Vgl. mit c. 61 und dem angehängten Scholion p. 95 die Erklärung des Remigius zu Priscians Partit. XII vers. Aeneidos bei Keil, G. L. 3, 474, 7 (aus dem Rotomag. 1470 s. XI) Oscilla dieuntur larve ad similitudinem humani vultus vel membra virilia ex floribus facta que intercolumnis dependebant et ora ingredientium verberabant et inde cachinnum excitabant. Dieuntur autem a motione, quia cillere est movere, unde et forcille dieuntur quibus frumenta moventur vel ordea. Mit 155 vgl. daselbst Keil 3, 477, 31 Omfala regina fuit Egyptiorum que cum hospitio reeepisset Herculem, suo amore eum feeit nere. Hoc ideo fingitur quia Omfala Grece umbilicus dicitur latine et luxuria mulieris in umbilico. Hec igitur coegtt Herculem suo amore ut neret licet fingeret quia non solum medioeres viri sed ') Aber auch die Etymologien der Namen Vulcanus und Mercurius c. 40 f. stammen aus Isidor Etym. 8,11, 39.45. 42* 660 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. etiam fortissimi luxuria cinguntur. Mit 214 vgl. daselbst zu 3, 478,1 Filla regina fuit que adamavit quendam ducem ad prelium pergentem. Qui cum dixisset tunc non posse eam accipere, promisit se eam accepturutn cum reverteretur. Sed cum moraretur illa inpatientia amoris conversa est in amigdalinum truncum sine foliis. Quam cum amplexaretur dux rever- sus inruit et folia emisit. Mit 115 vgl. daselbst zu p. 481, 37 Marsia proprium nomen est nam ioculator quidam fuit, qui ausus est contendere cum Apolline in citharizando. Tunc iratus Apollo cepit cum illo canere lyra et Marsias tibiis. Quem [cum] non posset superare Apollo, cepit inversa lyra canere; tunc ille inversis tibiis volutt similiter cantare, sed non potuit. Tunc Apollo religavit eum ad arborem et gräviter cecidit. Aehnliche Uebereinstimmungen mit dem Mythenbuch im Kommentar des Remigius zuPhocas Keil 5, 424, 8. 424,13. 424,16 1 ) und im Kommentar zu Martianus Capella (ed. Ey ss.) 1,16. 2,26. 3,5 a ) u. a. Diese angegebenen Stellen besitzen sämtlich überraschende Aehnlichkeit mit dem Mythenbuch. Die hs. Ueberlieferung besteht aus Vatic. reg. 1401 s. X, 3 ) der nach Maass (Die Tagesgötter in Rom und in den Provinzen S. 256 n. 10) die Ueberschiift hat Inc. capitulatio mithologia- rii; außerdem eine zweite von Mai benutzte Hs. des Vatikan; Vindob. 3120 s. XVf. 217 — 245 (bis fab. 152, 27). Ausgaben: Mai, Class. auct. 3, G. H. Bode, Script, rer. mythicarum Latini tres Romae nuper reperti 1,74—151. (Neue Ausgabe dringend notwendig.) Vgl. besonders Ferd. Keseling, De Mythographi Vat. secundi fontibus, Halis Sax. 1908 Zur Benutzung durch Konrad von Mure vgl. Ant. Mayer, Die Quellen zum Fabularius des Konrad von Mure (Nürnberg 1916) S.71—97. 117. Aynard von St. Evre. Aynard war um die Mitte des 10. Jahrhunderts Klosterlehrer zu St. Evre in Toul, wo vor einigen Jahrzehnten wohl die Ecbasis captivi entstanden war und wo sich später eine sehr reichhaltige Büchersammlung befand, 4 ) die namentlich viele Schätze aus der alten Literatur besaß. So hatte man hier unter anderem auch fünf Bände mit Glossaren 5 ) und Aynard mag diese Werke seinem Unterricht vielfach zugrunde gelegt haben. Dabei kam ihm wohl der Wunsch, selbst ein solches Werk abzufassen, das sich nicht nur auf den alten einschlägigen Glossaren aufbauen sollte, sondern hiermit Etymologisches im Sinne Isidors, Notizen aus den Differentiae verborum, 6 ) Stücke aus Scholien zu alten Autoren, allerhand griechische Erklärungen und Übersetzungen lateinischer Wörter und endlich Bestandteile enthielt, die aus dem Sprachgebrauch der Gegenwart und aus deren Leben und Anschauungen stammten. So hatte ja auch schon Smaragd seine-Grammatik auf das Niveau der Gegenwart stellen wollen, indem er fränkische Zutaten machte. Außerdem hat Aynard aber, wie ich glaube, die abstruse Gelehrtensprache Südgalliens, die uns aus den Schriften des Virgilius Maro etwas bekannt ist, 7 ) oder eine ähnliche Geheimsprache in sein Werk hineingeschmuggelt, denn meines Erachtens lassen sich viele seiner Erklärungen und viele höchst merkwürdige Wörter nur so auffassen; allerdings werden, wie gewöhnlich, sehr viele Wörter in völlig korrupter Form gegeben. Das alphabetisch geordnete Glossar stellt daher eine seltsame Mischung von allerhand Wissenswürdigem zusammen, wobei allerdings der gewöhnliche glossographische Inhalt überwiegt. In einem kurzgehaltenen Vorwort be- J ) Nämlich mit Myth. 12. 90. 68. 2 ) Nämlich mit Myth. 36. 14. 90 f. s ) So nach Maass, Die Tagesgötter etc. S. 256, während P. Ehrle, Die Hs. saec. XII zuschreibt, vgl. Keseling p. 2 und 146. 4 ) Das beweist der Katalog aus dem 11. Jahrh. (Becker N. 68). Ferner kommt die Literaturkenntnis des Verfassers der Ecbasis captivi hinzu (Bd. 1,618), falls dieser wirklich nach St. Evre gehört. s ) Becker 68,264—268. 6 ) Die sogenannten Differentiae Ciceronis waren in der Bibliothek, s. Becker 68,211. ') Vgl. Bd. 1,123 f. Aynard von St. Evre. 661 richtet Aynard, daß er sein Werk im Jahre 969 dem Kloster St. Evre zum Nutzen der Schüler dargebracht habe; in zwei Schlußversen wünscht er dem Räuber des Buches höllische Strafen. Er schließt seine Arbeit mit kurzer Berührung der karolingischen Geheimschrift, die jeden Vokal mit dem auf ihn folgenden Konsonanten vertauschte, und erwähnt, daß er selbst eine andre Vertauschung x ) erfunden habe; er berichte das nicht, um sich zu rühmen, sondern sein System sei wirklich in Geltung. Am Schlüsse finden sich außer einer abergläubischen Bemerkung 2 ) noch einige grammatische Notizen, die, wenn sie wirklich hierher gehören, als Nachträge zum Glossar 3 ) angesehen werden können. Zeugnisse. Die Stellung Aynards ergibt sich aus dem kurzen Vorwoit im Mettensis 500 s. XI f. 9» Incipit glosar[i]um ordine elementorum agregatum ab Aynardo anno ab ine. domini DCCCCLXVIHI inclict. XII imperio magni Ottonis sepulchro diiudicatum Apri Leucho- rum quinti pontificis ad suplementum inibi degentium pusionum. Obsecro ne ab aliquo postero- rum destruatur ne ineurrat vindietam domini nostramque imprecationem. Utentl quo Sit venia et tollenti anathema Tenareis Erebi cum zabuli sotiis. Vgl. Catal. des mscr. des bibl. des departements (4°) 5, 187 und Goetz, Corpus glossar. lat. 5 p. XXXIV. Nur ganz Weniges bei Calmet, Bibliotheque Lorraine col. 68 und Hist. litt, de la France 6, 58. Wattenbach 1, 423. Der Epilog des Werkes fol. 160 a heißt He littere pro quinque vocalibus more avito- rum adhuc ponuntur, pro a b, pro e f, pro i k, pro o p, pro u x, sie enim in libris eorimi invenimus. Inveniuntur etiam quedam consonantes more Ainardico pro ipsis vocalibus appo- site, pro a d, pro e g, pro i l, pro o r, pro u z. Et quisquis hec Jegerit, sciat nos non causa tumoris hec dicere, sed auetoritatem habere. Es folgen dann einige zerstreute grammatische Bemerkungen, die bei ihrem Mangel an Zusammenhang aussehen, als ob sie aus Diktaten des Lehrers stammten. Glossar. Ohne Zweifel hat Aynard als Grundlage für sein Werk ein oder mehrere ältere Glossare benutzt. Als Quelle hebt sich unbedingt der Liber glossaium heraus, der sehr häufig erkennbar ist; ich führe nur f. 15 b Baxea*) (Corp. gloss. lat. 4, 252, 10) und f. 16» Bustiarius 5 ) (4, 173,14) sowie f. 140« Getrocomium 6 ) (4,241,35) hierfür an. Neben ausführlichen lateinischen Glossaren muß aber auch ein griechisch-lateinisches benutzt sein, denn die Zahl der lateinisch erkläiten griechischen Wörter ist sehr groß, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß Aynard im Griechischen etwas bewandert gewesen ist. Allerdings bezeugen manche Stellen, daß diese Kenntnis nur ganz oberflächlich gewesen sein kann, wie f. 10 a Artos grece latine panis, copos est labor inde dicltur artocöpos pistor; 15» Acrasia rel ausaria quoddam genus cecitatis, quo quedam videntur et quedam non; Alogotheta est senno divinw, f. 136» Erx estlis, itos terra, hinc Erictonius de Ute terre natus; Elementum dicitur quasi elevamentum eo quod inde cicncta sint elevata. Vel elementum 7 ) dicitur a greco quod est ilen id est materies eo quod inde sint condita; f. 141» Inponnestico accuso. s ) Aber es finden sich doch auch Wörter, die in den griechisch-lateinischen Glossaren überhaupt fehlen wie f. 136 » Excolopendria?) Ermologus, 10 ) f. 138» parafrastes, 11 ) f. 143b Lipsana, 1 *) f. 144» Macrocosmos,™) f. 147 b Olimpionices, Olimpiodorus, f. 150» Fhilautus, f. 154» Stra- togenia, f. 155» Stauroforia, f. 155 b Sennologia, f. 156» Sincategoro (Sincategoremata aus Prise. 2,15), f. 156b Scematismenos u. a. Und es ist nicht nur die Zahl der griechischen Wolter bei Aynard sehr groß, sondern es finden sich auch Stellen, die griechische Uebertragung seiner Quelle vermuten lassen; so heißt es bei Isidor Et. 16, 25, 26 Artaba mensura est apud Aegyptios sextariorum LXXII, bei Aynard f. 11» Artabelis metreta est genus mensure ') Nämlich d für a, g für e, l für i, r für o | 7 ) InderHandschriftzusammengeschrieben und z für n. 2 ) Si quis habuerit bebt fm in anulo, gratiosior omnibus se videntibus er it. 3 ) Freilich ist Assebes schon im Glossar enthalten, f. 10» Absebes est imipus vel [n]ul- lum colens. Aber es finden sich im Glossar nicht wenige Wörter doppelt verzeichnet. 4 ) Baxea sunt calciamenta mulierum. 5 ) Bustiarius est cremator corporum. 6 ) Uebergeschrieben vel gerotocomium. Die Glosse heißt est domus in qua pauperes ac propter senectutem infirmi homines curantur. als Uementum. 8 ) Wunderbar ist auch f. 16 b Bare grece latine vir fortis, inde barones. 9 ) E. est lingua cervi. 10 ) E. est interpres verborum. 11 ) Hinc p. est falsus loquitor. 12 ) L. sunt monumenta vel corporis reli- quiae. 13 ) M. minor mundus. Hieraus ergibt sich deutlich das Exzerpt aus einem vollständigeren Glossar. 662 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. continens septuaginta tres sextarios. % ) Außer dem Griechischen begegnen auch hebräische Lemmata, die aus Hieronymus erklärt werden, so f. 10 a Ariel, f. 17'«f Batdim, f. 157a Tera- fim, f. 157b Tectifim; hebräisch auch f. 156 Salamalac est ave. Von besonderer Bedeutung ist die Benutzung des Nonius Marcellus, auf die Goetz (Berl. philol. Wochenschr. 1889 Sp. 1331) aufmerksam machte, da Aynard zu vier Stellen diesen Schriftsteller anführt. Aynard verdankt wohl diese Kenntnis der im 11. Jahrhundert in Metz (Manitius, Philol. a. alt. Bibliothekskatalogen S. 83) 2 ) befindlichen Handschrift, 3 ) die wohl mit Voss. F73 (aus St. Martin in Tours) und mit der von Lupus verwendeten (vgl. Bd. 1, 488; zu Hincmar vgl. 1.349) j n Verbindung steht; übrigens verdankt er dem Nonius bedeutend mehr, als er angibt (s. unten). wie auch zu vermuten ist, daß er eine PJacidusüberlieferung gekannt hat, vgl. hierzu f. 101> archisterium est monasterium, f. 147 b Orchia u. a. Eine Hauptquelle aber bildet Servius für Aynard, sein Vergilkommentar wird ungemein häufig für Mythologisches und Sprachliches ausgeschrieben, wie das ja auch schon Remigius getan hat. Wie weit freilich Aynard den Servius selbst benutzt hat, wird sich erst nachweisen lassen, wenn die von Remigius verfaßten Kommentare in unverkürzter und unveränderter Gestalt vorliegen, denn Aynard hat den Remigius ungemein häufig benutzt. Das ist zunächst unbedingt sicher bei den Remigius- kommentaren zu Priscian de XII versibus Aeneidos und zu Phocas, die mir — allerdings wohl in vielfach' verkürzter Gestalt — im Rotomag. 1470 s. XI vorliegen. Ich gebe hier die Belege, indem ich die Stellen des Prisciankommentars mit den sie benutzenden Lemmata Aynards zusammenstelle: Priscian Keil, G. L. 3, 462, 32 dextrochirla; 463, 3 subero; 466, 33 Stratoria; 475, 7 Postica (vgl. die Glosse zu Phocas p. 418, 28); 478, 2 Libripens; 480,10 Tricurium; 482, 22 Kalo; 486, 4 Liceor; 495, 36 Philaxe; 497,1 Colobistae; 4 ) 508, 8 fartores. Phocas bei Keil, G. L. 5, 412,1 glis (vgl. die Glosse zu Eutvches Keil, G. L. 5, 449, 2); 412,20 Damma; 412,21 Colon. Calopoäia; 413,16 Latro; 428,6 Antes; 428,7 Pugillares. Aber auch der Remigiuskommentar zu Martianus Capella, von dem ich leider nur den Anfang vergleichen kann, ist durch Aynard benutzt, wie gleich eine seiner ersten Glossen allubesco consentio (Martian. p. 12, 2 oder 13, 25) ausweist. 5 ) Für manche Remigiusglosse dürfte übrigens bei Aynard der Ursprungsort nicht leicht zu bestimmen sein, da sich ja Remigius unausgesetzt selbst ausschreibt. Auf diesem Wege gelangte auch manches, was dem Johannes Scottus gehört, in Aynards Glossar. Nun werden bei Aynard nicht selten Erklärungen zu Juvenal, Persius und Horaz gegeben. Da wir wissen, daß Remigius den Juvenal kommentierte und daß sein Lehrer Heiiic sich mit Persius 6 ) und Horaz beschäftigte, so wird wohl auch dieser Teil der Erklärungen Aynards dem Remigius zuzuschreiben sein. Da ferner Remigius eine Erklärung zu Terenz verfaßt haben soll und bei Aynard die Worte cetarii und cupedenarii benachbart erklärt werden (aus Eun. 257 und 256), so könnten diese Erklärungen ebenfalls auf den gelehrten Mönch von Auxerre zurückgehen. Eine wichtige weitere Quelle für das Glossar ist der Auszug des Paulus aus Festus, der zuweilen wörtlich, öfters aber verkürzt und mißverstanden ausgeschrieben wird. Als verwendet kommen folgende Stellen in Betracht: Alpes (Festus ed Aein.Thew r rewk de Ponor) p. 3, 27ff.; Ämussis p.ö, 3f.; Camilhis p. 30, 30; Cicur p. 76, 27; Diwans p. 47, 12; Forum p. 59, 28 ff.; Iniugis (Seittgis) p.81,9; Lemniscep.82,3«.; Lucar$.85, 15; 0«'c&aZeu»»p.7.1ff.; Porcae p.77,1 f., 275,1 f., 306, lf.; Praeficae p. 280, 10; Querquera p. 343, 5. 9; Sarpo p. 473, 21'.: Sarta tecta p. 473, 5; Sceda p. 497, 8 f.; Sollum p. 413, 3 f.; Staltana p. 455, 1 f.; Stiria p. 515, 6 ff.; Sutela p. 449,14; Tun- süla p. 539, 9 f.; Vesticeps p. 560,15; Vinnulus p. 577, 5. Allerdings kann das eine oder andere hier erwähnte Wort auch auf ein Glossar zurückgehen, da ja Festus' Erklärungen vielfach in die Glossenliteratur übergegangen sind. Unsicher ist auch, ob drei Stellen aus Aldhelm — Pupupi, Aldh. praef. de laud. virg. 20; Toracicla Laud. virg 38 p. 51,9; Tippida aenig. hexast. 3 (Aufschrift und Vs. 6) — unmittelbar auf Aldhelm zurückgehen oder einem Glossar entnommen sind; denn wir wissen, daß Aldhelmglossen im Glossar. Amplonianum 2 stehen (s. Bd. 1, 135 n. 1). — Nonius wird von Aynard nur viermal genannt, nämlich zu Bidentes, ') Auch Neubildungen hybrider Art finden sich wie f. 147 b orthodocus recte docens. s ) Vgl. auch Centralblatt f. Bibliothekswesen 11,83 N.24. 3 ) Es ist nämlich kaum anzunehmen, daß seine Noniuszitate aus dem sonst so häufig von ihm gebrauchten Remigius stammen. 4 ) Aynard f. 18° Colobiste sunt qiä colobia vendunt id est vilia munüsetäa que et bel- laria vocantur und f. 157 b Tragemata vel bel- laria sunt vilia muniiscula. Die verderbte Remigiusstelle heißt Tragemata dicuntur vilia grece, colubida Hebrei, colobistas munusciila. '•>) So sind daher wohl genommen die Erklärungen zu Creagres (Mart. 9,997), zu Con- dilus (Mart. 1,88), corporeum — corporatum (Mart. 6, 607), farcino (Mart. 9, 998). Feiner AndolicJüa aus Mart. Cap. p. 4, 2, desgleichen f. 137 b die umfängliche Erklärung der Namen der Sonnenrosse aus Mart. p. 13,4 und Ful- gentius Mitol. 1,12. 6 ) Aynard scheint aber auch die älteren Scholien zu Persius benutzt zu haben, wie aus seiner Erklärung zu Citrec hervorgeht, s. Persius ed. F. Leo p. 9 (1910) zu 1, 52 und zu Balanatum gaiisape p. 40 zu 4, 37. Aynard von St. Evre. 663 Strophium, Silicernium und Vopiscus. Benutzt aber wird er häufig, nämlich zu Actuarie p. 535, 1; Ämotinus p. 557, 8; Anquina p. 536, 5; Gerritus p. 44, 20; Comvasso p. 87, 24: Continus p. 43, 21; Delirare (fol. 143a) p, 17, 31 f. ; Q esa p 555 ] 9. Silicernium — außer der bei Goetz 5, 623, 43 gedruckten Stelle steht fol. 154» Silicernium decreplta senectus et dicitur ■ eo quod cemat sillcem — p. 48, 3 ff. und an vielen anderen Orten. Weiteres Zurückgehen auf die Glossenliteratur hat ergeben, daß Aynards Erklärungen außer dem Liber glossarum auch den sog. Glossae Isidori, den Glossaren im Vatic. 1468 und 1469 sowie im Vatic. reg. 215 und dem Gloss. Amplonianum primum nahestehen, wofür ich hier unten noch einige Beispiele anführe: Alogia (Goetz, Corp. gloss. lat.) 5,583,4; Archi- pirata 5, 339, 30; Aberunco 5, 343.17; Anqnllla 5, 591, 20; Bauculus 5, 583, 9; Badanola 5, 583,12: Birotum 5, 583, 11; Batillum 5, 492, 47; Curagulus 5, 593, 25; Galerus 5, 522, 21; Lidia 5, 656,10; Orphanotrophium 5, 524, 27; Ptochotrofium 5, 525,12; Senofactoria (s. v. Scea) 5, 526, 21; Slnetie 5, 584,14 u. a. m. Hierneben wird Priscian und selbstverständlich Isidor reichlich verwertet, dessen Etymologien den Aynard wohl hier und da zu eignen Versuchen bewogen. 1 ) Von besonderem Interesse sind eine ganze Reihe längerer Auseinandersetzungen im Sinne der alten Synonyma und Differentiae, wie f. 23 * s. v. Driades über die Nymphen, 2 ) 20 a über Culleus mit völlig anderer Erklärung als bei Dunchad im Martiankommentar, f. 137 b (s. v. Eritreus) über die Namen der Sonnenrosse, wo erst Fulgentius und die Remigius- glosse zu Martian gegeben wird, der sich eine weitere anschließt, 3 ) ein Abschnitt über die drei Eigenschaften der cantilenae (s.v. Omnis f. 147 b ), f. 155^ über die Benennungen des Kopfes 4 ) und f. 15St> über die Formen von Vesper") und deren Bedeutung. Endlich haben manche Erklärungen oder Synonyma den Anschein, als ob sie auf der Geheimsprache eines Virgilius Maro oder dessen Mitgelehrten beruhten, wohin ja auch andere Glossenliteratur hinzuweisen scheint. Dahin scheinen mir Erklärungen zu gehören wie f. 14 b Artiplex est ingeniosus, f. 19 a Com pro mox diel solet, f. 22 a Beclo predo, Bldens est firmus, f. 23 a Dix est consecrator (vorher Dlco as consecro), f. 136b Ego egls vivo, preteritum egi, f. 144 b Monus nerls est monitlo, f. 154 b Sho as activum verbum est suadeo, f. 157 a Tridax est lactuca; andere Wörter, die zunächst unverständlich sind, mögen entweder korrumpiert sein oder aus dem Gallischen stammen, das ja auch zur Glossenliteratur beigetragen hat. Hierzu kommen nun noch einzelne Erkläiungen, durch die Aynard seiner Zeit Rechnung trug, indem er mittelalterliche Wörter und Bedeutungen aufführte und auch den Aberglauben der Zeit nicht vergaß. Ich verzeichne hierzu f. 10 a Armarium und Armamentarium (beides gleich Bibliothek), f. 12 a Anger est genus piscis gut etiam si vivus fuerit in carro XII boves nequeunt eum movere. f. 16 b Bare grece latine vir fortis inde barones. f. 17 b Camputta est baculus eplscoporum. f. 18 a Cefalargla mlgrania. f. 19 b Carexo as scribo. f. 142 a Lidus est libertus. Liguria est amoenus locus Logotheta est rationator vel dlscussor id est vicedominus. f. 145 a Mandragora est herba ad coneipiendum feminis apta, et est masculus et femina, quod st longe fuerint denuo iunguntur. 1 ') Eam si qnts effoderit et extraxerit statltn moritur. Unde iungitur ad eam canis extraensque mox deficit, f. 146 b Nomenculator comes palalit. f. 153 b Suber est genus ligni quod ponltur in retibus vel etiam cortex ligni. — Daß einige Wörter in dem bei Aynard gebrauchten Sinne sich bei Liutprand von Cremona finden, hat F. Köhler, Neues Archiv 8, 52. 57. 60. 68 7 ) gezeigt. Spuren von Benutzung scheint Papias zu besitzen, wozu die Worte Archimagirus und Capis zu vergleichen sind. Auch bei Osbern finden sich in der Panormia ähnliche Erklärungen (vgl. glls), sie scheinen aber hier unmittelbar auf Remigius zurückzugehen. Ueberlieferung. Das Werk findet sich allein im Metensis 500 s. XI, 8 ) wo es in zwei Teilen f. 9 a —24 b (bis Evtdens) und f. 136 a —160 b geschrieben ist. Teile des ziemlich umfänglichen Werkes veröffentlichte Goetz, Corp. gloss. lat. 5. 615—625, wozu der Index glossarum in Bd. 6 und 7 zu vergleichen ist; außerdem vgl. 5 p. XXXIV. — Archiv d. Gesellsch. f. ältere deutsche Geschichtskunde 7,1014 (ein Stück des Vorwortes). Weitere Auszüge von Manitius, Münchner Museum 1, 65—79. ') Vgl. Atefrici, Avarus, Boas, Elementum, Lira, Yperion. 2 ) Nach Serv. Aen. 1,500. Georg. 4,534. 3 ) Istl etiam dlcuntur equl solis: Xanteos Xantus Etheus Bios ; es folgt eine längere Erklärung der vier Namen. 4 ) Sinciput, aneiput, oeeiput. 5 ) Vesper vesperis. Vesperum vesperi. Vespere. Vespera. Der Abschnitt scheint auf Remigius zurückzugehen, vgl. Neues Archiv 36, 74. 6 ) iuniuntur Hs. ') Nämlich condilus, cernuus und Croesus. Außerdem führt er die zwei Verse vor dem Glossar an. s ) Die Handschrift konnte ich in Dresden benutzen. 664 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 118. Abbo von Fleury. Abbo ist wohl innerhalb der Jahre 945 und 950 im Gau von Orleans geboren. Seine Eltern hießen Laetus und Ermengardis und zwei Verwandte der Mutter, Gunbold und Christianus, befanden sich als Presbyter in angesehener Stellung im Kloster Fleury. Hier wurde schon im 8. Jahrhundert fleißig geschrieben und das Kloster hatte in seinem reichen Bestand an alten Handschriften noch Teile von den Historiae des Sallust; die Schätze von Fleury ermöglichten es ja auch, daß in der Folgezeit in Orleans sich die bedeutendste philologische Schule Westfrankens entwickeln konnte. Zuerst wurde nun Abbo in die Klosterschule zu Fleury geschickt und dann auf Betreiben jener beiden Verwandten dem hl. Benedikt dargebracht, dessen Leib 653 aus Monte Cassino nach Fleury gebracht worden war. Abt Wulfad nahm ihn in die Kongregation auf und er machte in der Schule solche Fortschritte, daß er schon in jungen Jahren das Lehramt erhielt, das er bis zu seiner Erhebung zum Abte behielt. Da sich seine Ausbildung in Fleury aber hauptsächlich nur auf Grammatik, Dialektik und Arithmetik erstreckt hatte, so ging er der weiteren Kenntnisse wegen nach Paris und nach Reims, wo damals wohl Gerbert Lehrer war. 1 ) Hier studierte er besonders Astronomie, doch wurde ihm nicht das geboten, was er wünschte. Nach seiner Rückkehr nach Orleans nahm er hier heimlich gegen hohe Bezahlung Unterricht in der Mbsik bei einem Kleriker. So fehlten ihm zur vollen Ausbildung nur noch Rhetorik und Geometrie, obwohl er den Victorinus (d. h. dessen Kommentar zu Cicero de inventione) gelesen hatte und in geometrischen Rechnungen erfahren war. Seine Kenntnisse aber legte er in einer Anzahl von Schriften nieder. Er verfaßte nämlich ein Werk über die Syllogismi dialectici, schrieb ein komputistisches Werk und gab seine Vorträge über den Lauf der Sonne, des Mondes und der Planeten heraus. Und dieser früheren Zeit gehört auch das Werk an, das er in seinen Quaestiones grammaticae erwähnt, nämlich De numero mensura et pondere super calculum Victorii. Inzwischen war auf den Abt Wulfad erst Richard gefolgt, der 979 starb, und als dessen Nachfolger Amalbert 985 oder 986 gestorben war, scheint man im Kloster an Abbo als Abt gedacht zu haben. Aber mit Hilfe des Königs Lothar wurde Oylbold zum Abt gewählt, und es mußte diesem ungemein gelegen kommen, daß bald darauf eine englische Gesandtschaft ins Kloster kam und sich vom Abt einen tüchtigen Lehrer für das Kloster Ramsey ausbat. In Fleury war nämlich früher der vornehme Angelsachse Oswald als Mönch eingetreten, und dieser hatte nach seiner Erhebung auf den erzbischöflichen Stuhl von York zu Ramsey ein Kloster gegründet. 2 ) So wurde jetzt Abbo vom Abte nach England gesendet und man erzählte sich in Fleury, daß Oylbold gerade ihn gewählt habe, um ihn nie wiederzusehen. Abbo erfreute sich in Ramsey großen Ansehens, war ja auch der Abt Germanus früher Mönch in Fleury gewesen. Er wurde hier mit dem Erzbischof Dunstan von Canterbury be- ') Vgl. Ch. Pfister, Etudes sur le regne de Robert le Pieux (Paris 1885) p. 10. 2 ) Die Bestätigungsiukunde vom 28. Dezember 974 bei Hart and Lyons, Chartular. monast. de Ramesia 2, 41. Abbo von Fleury. 665 kannt und befreundet. Er verfaßte hier die an die Mönche des Klosters gerichteten Quaestiones grammaticales. Nachdem er etwa zwei Jahre in Ramsey als Lehrer gewirkt hatte und von Oswald zum Presbyter geweiht war, berief ihn Oylbold zurück. Bald darauf starb Oylbold und nun wurde Abbo 988 zum Abt gewählt und von König Hugo bestätigt. Aber auch jetzt blieb er in lebhaftem Verkehr mit England, wie ein Brief Wulfrics von St. Augustin an ihn zeigt und besonders sein Verhältnis zu Dunstan beweist: denn er richtete an diesen nicht nur drei Gedichte, von denen zwei in der Art des Porfirius gehalten sind, 1 ) sondern er widmete ihm auch das Leben des hl. Eadmund, das er einst von Dunstan in England erzählen gehört hatte. Überhaupt war Abbo nunmehr unausgesetzt tätig, wie sein Biograph Aimoin berichtet, stets habe er gelesen, geschrieben oder diktiert. Allerdings kam er nur noch wenig zur Beschäftigung mit den freien Künsten, denn seitdem er Abt geworden war, galt es, wohlerworbenen Besitz und klösterliche Rechte gegenüber dem benachbarten Bischof Arnulf von Orleans zu verteidigen. So verfaßte er zunächst Auszüge aus den Schriften der Väter, die er für diesen Fall zusammenstellte, um sie stets gegen die Übergriffe des Bischofs bei der Hand zu haben. Aimoin sagt, daß dieses Werk infolge der Nachlässigkeit der Mönche im Kloster und infolge räuberischer Begier Fremder im Kloster nicht mehr vorhanden sei. 2 ) Die Feindschaft Arnulfs gegen den Abt wuchs schließlich so, daß Abbo, der eben zum Martinsfeste nach Tours reiste, von den Leuten des Bischofs überfallen und eine Anzahl seiner Begleiter tödlich verwundet wurden. Außerdem verwickelte sich Abbo mit dem französischen Episkopat in einen Streit über den Zehnten, der von den Bischöfen allein beansprucht wurde. Hierzu trat eine Synode in St. Denis zusammen, die aber äußerst tumultuarisch verlief, indem es zu Tätlichkeiten kam. Nun wurde Abbo für den Aufruhr verantwortlich gemacht und die Aufrührer wurden exkommuniziert. Trotzdem verkehrte Abbo weiter mit ihnen, denn er wußte das Königtum auf seiner Seite. Und in dieser Stimmung rechtfertigte sich Abbo bei den Königen durch eine Schrift. Der Apologeticus richtet sich an die Könige Hugo und Robert. Im Anfang ruft ihnen der Verfasser zu: „Haltet den Glauben rein." Er geht dann über zu den kanonischen Bestimmungen über die Ehe, spricht über Witwen und Jungfrauen, Ackerbauer und Krieger und über die Priester. Scharf verurteilt er die Simonie (nach Ambrosius de dignitate sacerdotali und Gregors Registrum 9, 110) und bittet die Könige, sich nach Sitte der Vorgänger an die Beschlüsse der Konzilien zu halten. Dann wendet er sich gegen seinen Ankläger, der nicht ihn, sondern in seiner Person die Könige selbst beschuldige und dessen Härte und Rücksichtslosigkeit durch die ') W. Stubbs, Memorials of Saint Dun- | wird in diesem Briefe mehr von den Privi- stan p. 410 ff. , legien der Bisehöfe als von den Rechten der 2 ) Ich glaube nicht, daß Sackur (Die I Klöster gehandelt. Allerdings setzt sich der Cluniacenser 1,288 n. 3) recht hat, wenn er Brief aus Väteistellen zusammen und es wäre damit die Ep. 14 (Mi gne 139,440—4C0) identi- höchstens anzunehmen, daß ein Stück des fixiert. Erstens gibt sich dies Schreiben doch Werkes zu dem Briefe benutzt wurde; aber als Brief, wovon Aimoin (Vita Abbonis 7 auch dies scheint mir gewagt, col. 394 A) gar nichts erwähnt, und zweitens (5(36 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Sache des Mönches Letald von Micy klar geworden sei. Bezüglich des ihm vorgeworfenen Umgangs mit Exkommunizierten müsse er aber erwidern, daß Arnulf dasselbe mit den Männern getan habe, die sich nächtlicherweile auf ihn gestürzt hatten und die von Erzbischof Sewin von Sens und von Bischof Odo von Chartres gebannt worden waren. Am Ende des Schreibens spricht er über Unterschiede im Glaubenssymbol, nachdem er bemerkt hat, daß er seiner Schrift einen aus den Schriften der Väter zusammengestellten Anhang geben werde, in dem er alles das aufzeichnen wolle, was in Frankreich durch bischöfliche Synoden gebessert werden könne. Dieser Anhang ist wahrscheinlich verloren, einen Ersatz dafür bietet die Kanonsammlung. Die Kanonsammlung nämlich ist keineswegs mit jenem Anhang gleichzusetzen, da der an beide Könige vorausgeschickte Widmungsbrief das verbietet. 1 ) Ihr Zweck ist eine auf das Kirchenrecht gegründete Klarlegung über Rechte und Pflichten der königlichen Gewalt und über den Schutz der Abteien und Mönche gegenüber bischöflicher Anmaßung. Wenn Abbo hier in Kap. 3 an die Zeiten Karls des Großen und Ludwigs des Frommen anknüpft, so erkennt man deutlich die Sehnsucht des Abtes nach der Wiederkehr der früheren sicheren Zeiten, in denen Recht und Gesetz herrschte. Er spricht sich klar darüber aus, daß die Großen den König durch Treue und Ehrfurcht zu unterstützen haben und daß es Pflicht des Herrschers sei, jede Empörung streng zu bestrafen. Die übrigen Kapitel handeln fast lediglich von kirchlichen Materien; sie beschäftigen sich mit der Geltung der Papstdekrete, mit der Verwaltung der Kirche und besonders mit der Stellung der Äbte und der Bischöfe sowie mit den Rechten der Klöster und Mönche gegenüber den Bischöfen. Der ganze Stoff wird aus Synodalbeschlüssen, Papstdekreten, Stellen des römischen Rechts und aus Briefen Gregors des Großen zusammengetragen, ohne daß der Wortlaut stets genau gewahrt wird. Wenn der Apologeticus ein wichtiges kirchenpolitisches Aktenstück darstellt, das den Stempel der Individualität Abbos an sich trägt, so ist diese Sammlung doch auch eine bedeutsame kirchengeschichtliche Urkunde, die aus der Not der Zeit hervorging, wenn sie auch nur im Anfang Abbos Geist erkennen läßt. Und seine Anschauung siegte. Wahrscheinlich noch im Jahr 995 ging Abbo als Unterhändler nach Rom in der Sache des abgesetzten Erzbischofs Arnulf von Reims und um die Privilegien seiner eignen Kirche bestätigen zu lassen. Da aber Papst Johann XV. nur mit Geld käuflich war, so kehrte Abbo bald wieder aus Rom zurück. Zwei Jahre später aber wurde er in königlicher Mission nach Rom geschickt. Nämlich der neue Papst Gregor V. nahm an der Ehe König Roberts II. mit seiner Verwandten Berta von Burgund Anstoß und forderte den König sowie alle Bischöfe, die der Ehe zugestimmt hatten, nach Rom vor. Der König wollte nun das seinem Reiche drohende Interdikt abwenden und sandte Abbo an den Papst. Abbo traf ') Im Apolog. col. 470 D heißt es Tandem capitulatim subtexam hnic indicido, quae ma- xime sunt corrigenda in vestro imperio und im Briefe (col. 473 B) capitula ... ex canonum legumve Ubris ... postquam contra aemulos Apologetico usus sum uno tomo breviter col- lecta explicui. Abbo von Fleury. 667 Gregor V. in Spoleto und dieser verlangte, daß Robert die unkanonische Ehe aufgebe, wofür der Abt zu wirken versprach. Außerdem aber bestätigte ihm Gregor alle Vorrechte seiner Kirche. Arnulf sollte aus seiner Haft befreit werden und Gregor gab dem Abbo das Pallium für den Erzbischof mit. Beide waren in ein ausgezeichnetes Verhältnis getreten, und dadurch hatte sich Abbos Stellung so geändert, daß er, der als Agent des Königs nach Rom gegangen war, als Anwalt Roms zurückkehrte. So war Robert mit ihm nicht zufrieden, da aber Abbo sich dann heftig gegen die Ehe des Königs wendete, so erklärte dieser endlich, dem Willen der Kurie nachgeben zu wollen. Über diese Sache entspann sich zwischen dem Papst und dem Abt eine Korrespondenz, die von der hohen Wertschätzung zeugt, in der Abbo bei Gregor stand. Vielleicht hängt es mit Arnulfs Sache zusammen, daß Abbo auch an Otto III. geschrieben hat. Aus dieser Korrespondenz ist uns wenigstens ein Brief in Hexametern erhalten, der in der Art des Porfirius in bestimmter Form verfaßt ist und zum Grundschema den Vers hat Otto Valens Caesar nostro tu cede cothurno; das Gedicht ist in hohem Grade paränetisch gehalten und beweist, daß auch andre westfränkische Kirchenfürsten außer Gerbert mit besonderer Untertänigkeit sich dem römischen Kaiser näherten. Desgleichen trat Abbo in Briefwechsel mit Odilo von Cluni sowie mit mehreren gelehrten Mönchen, denen er mathematische Belehrungen gab. Als er sechzehn Jahre Abt von Fleury gewesen war, unternahm er eine Reise in die Gascogne. Nämlich Herzog Wilhelm von Gascogne hatte die Leitung des hiesigen Klosters La Reole dem Abte von Fleury unterstellt, aber weder Richard noch seine Nachfolger Amalbert und Oylbold waren imstande gewesen, die Klosterzucht herzustellen, da die Basken beständige Feinde der Franzosen blieben. Abbo wollte sich jetzt der Sache annehmen und es gelang ihm, Wilhelms Söhne Bernhard und Sancho hierfür zu gewinnen. Doch diese Bestrebungen blieben erfolglos und Abbo mußte sich nun zu einer zweiten Reise entschließen. Auf der Reise begleitete ihn außer andern Mönchen auch Aimoin, der bald nach seinem Tode sein Leben beschrieb. Abbo nahm seinen Weg über Poitiers, wo er im Kloster zu St. Cyprian, das Cluni unterstand, Gelegenheit hatte, in innere Streitigkeiten einzugreifen und darüber an Abt Odilo brieflich zu berichten. Als er nach La Reole gekommen war, fand er die Verhältnisse schlecht genug und schon nach wenigen Tagen starb er am 13. November 1004 an einer tödlichen Wunde, nachdem er eben noch einige Regeln zum Komputus abgefaßt hatte. Seine Persönlichkeit muß eine bedeutende gewesen sein: nachdem er in jüngeren Jahren die freien Künste studiert hatte, war er ein tüchtiger Lehrer geworden, um schließlich als praktischer Politiker im Dienste des Königs große Erfolge zu haben. Besondere Rechtskenntnisse hat er nicht besessen, er hat nur durch seine Persönlichkeit gewirkt. Und in der ganzen späteren Zeit seines Lebens haben ihn mathematische und astronomische Fragen beschäftigt, ja er hat sogar an die Mönche von Ramsey ein grammatisches Werkchen gerichtet. Quaestiones grammaticae. Während Abbo in Ramsey Lehrer war, richteten einige Mönche grammatische und kritische Fragen an ihn, die 668 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. er in einem Schriftchen beantwortete, das er wahrscheinlich Dicta benannte. Er verbreitet sich in der Vorrede ausführlich über die widrigen Schicksale die er vor seiner Ankunft nach England erleiden mußte, und geht dann auf die Beantwortung der Fragen ein. Diese sind anfänglich nur prosodi- scher Natur und decken sich öfters mit den Materien, die Micon in seiner Schrift De primis syllabis behandelt hatte. 1 ) Spätere Fragen beziehen sich auf die zu seiner Zeit geltende Aussprache von lateinischen Buchstaben und auf orthographische Dinge, wobei des angelsächsischen th besonders gedacht wird und das Griechische Berücksichtigung erfährt. Abbo geht dann wieder auf Prosodisches ein und kommt endlich auf kritische Fragen und Dialektisches zu sprechen; er schließt in Anlehnung an die Dreiheit der Gottheit mit einer mathematischen Belehrung und erwähnt dabei, daß er früher in seiner Arbeit über den Calculus des Victorius über Zahl, Mai und Gewicht geschrieben habe. Dem Schriftchen ist ein Gedicht angehängt, in dem sich Abbo über die Gegend ausläßt, in der Ramsey liegt. 2 ) Seine Belehrungen in der Schrift entnahm Abbo vor allem Donat und Priscian, er führt aber auch den Servius, Martianus und Phocas an; die zum Beweisen angeführten Dichterstellen sind hauptsächlich aus Horaz genommen, daneben aus Terenz, Vergil und Lucan und den Satirikern sowie aus Pru- dentius. Nirgends zeigt sich besonders tiefes Eingehen oder etwa besondere Gelehrsamkeit. Zeugnisse. Die wichtigste Quelle für das Leben Abbos bildet die von Aimoin von Fleury geschriebene Vita Abbonis (Migue 139, 387—414); sie ist an Herveus von St Martin zuTouis gerichtet und erzählt nach Autopsie und nach anderen Zeugen. Zur Abstammung und zu den Verwandten vgl. Vita Abbonis 1 col. 387—389. Zur Tätigkeit in Fleury vgl. Delisle, Catal. des mscr. des fonds Libri et Barrois p. 30 ff. und Bibl. des ec. des chartes45, 178; zur Anwesenheit von Sallusts Historien in Fleury vgl. E. Hauler, Wiener Studien 9, 25 und 8, 315, 3 ) von Cicero de republica aber findet sich auch im Katalog von 1552 keine Spur, vgl. auch L. Ffavet, Lettres de Gerbert p. 78. Dieser Katalog von 1552 stellt das Verzeichnis der Handschriften des Klosters dar, die seit dem 11. Jahrhundert keine irgendwie bedeutende Vermehrung erhalten haben; gedruckt ist das wichtige Stück von L. Delisle, Notices et extraits 31, 1, 426—439. Dieser Katalog zählt ziemlich viel philosophische Schriften auf, die Philologie ist hingegen nicht eben sehr stark vertreten und zwar besonders die mittelalterliche, desgleichen Mathematik und Astronomie. Jedenfalls entspricht der Katalog nicht den Erwartungen, 4 ) die man von der Bibliothek von Fleury hegen könnte, und er lehrt deutlich, daß das Interesse an der Vermehrung der Sammlung frühzeitig erlahmte; diese Beobachtung wird bestätigt durch die Zeitansätze der von L. Delisle, Not. et extr. 31, 1, 360—420 beschriebenen 32 Handschriften von Orleans, die fast sämtlich aus Fleury stammen. Ueber die Schule von Fleury vgl. Cuissard, Mömoires de la soc. arckeol. de l'Orleanais 14,551—717 und L. Traube, Vorlesungen und Abhandlungen (hrsg. von S. Brandt) 3, 11 ff. Zum Eintritt ins Kloster unter Wulfad vgl. Vita 1 f. Zur Lehrtätigkeit Vita 3 col. 390 B imbuendis praeficitur scholasticis, quos ille per aliquot annorum curricula lectione simul et cantilena cum tanta erudivit cura. Wenn Pf ist er, Etudes sur le regne de Robert le Pieux p. 10 bezweifelt, daß er die in seinen Quaestiones grammaticne angeführten klassischen Autoren gelesen habe, und meint, daß er alle diese Stellen aus Priscian genommen habe, so ist diese Ansicht entschieden unrichtig, denn in den Worten lectione . .. erudivit liegt doch nicht nur das eigentliche Lesen, sondern vielmehr das Lesen N. 22 (Delisle, Notices et extraits 31,1,427) verzeichnet sind. *) Allerdings scheint der Katalog sehr summarisch abgefaßt zu sein, vgl. Delisle a. a. O. p. 358. — Das üotationsedikt für die Bibliothek von Seiten des Abts Macarius aus Paris. 7696 hrsg. von Delisle, Le cab. des mscr. 2, 365). ') Vgl. meine Ausgabe im Münchner Museum 1,127,11 f. mit Abbo c. 16; 128. 12 ff. mit c.6; 132,20f. mit c. 4; 134,4—10 mit c. 6; 139,17 ff. mit c. 6. 2 ) Es wird im Amplon. Q 53 s. XIV GOI7Q- FPA4>YA genannt und hat dort einen andern Schluß als im Druck bei Migne 139,5340. 3 ) Im Jahr 1552 waren wohl nur noch acht Blätter davon übrig, die im Katalog unter Abbo von Fleury. 669 der üblichen Autoren; 1 ) und wenn er p. 9 n. 2 sich darauf stützt, daß Cuissard p. 551 in den 72 Hss., die aus Fleury aus dem 10. Jahrhundert stammen, fast keine profanen Autoren fand, so ist das doch kein Beweis für seine Ansicht, da der Katalog von 1552 doch genug klassische Autoren aufführt. 2 ) Zu den Studien in Paris und Reims Vita 3 Quapropter Parisius atque Remis ad eos qui philosophiam profitebantur profectus aliquantulum quidem in astronomia, sed non quantum cupierat apud eos profecvt. Inde Aurelianis regressus musicae artis dulcedlnem quamvis occulte propter invidos a quodam clerico non paucis redemit nwnmis. Zur Rhetorik und Geometrie vgl. Vita c. 3 col. 390 C; daselbst 390 D die Schriften aus jüngeren Jahren Denlque quosdam dialecticorum nodos syllogismorum enucleatissime enodavit, compotique varias et delectabiles saecularium in modum tdbularum texuü calcu- lationes. De sohs quoque ac lunae seil planetarum cursu a se edüas disputationes seripto posterorum mandavit notitiae. Die Schrift über die dialektischen Schlüsse scheint verloren zu sein, hingegen bewahrt der Cod. Mus. Brit. Addit. 10972 f. 46 b ein Werkchen auf, in dem Abbo mit Anwendung von acht kategorischen Syllogismeu beweist, daß der Körper nicht Substanz sei. Die Schrift über den Computus steht im Bern. 250 s.X f. 12a—20» unter der Bezeichnung Compotus vulgaris qui dicitur Ephemerida Abbonis de feria de luna et his quae ad htnam pertinent, id est aepactis mensibus signis terminis annis cicli decemnovenalis, 3 ) vgl. Bist. litt, de la France VII, 180 N. 14. Die weitere astronomische Schrift enthält die Hs.im Mus. Brit. Add. 10972 f. 48 De duppHci ortu signorum dubitantes aliquando hac ratione conveni, worin Abbo über den doppelten Auf- und Untergang einiger Sternbilder handelt. Eine weitere Arbeit über den Unterschied von Kreis und Kugel, über Zonen, Zodiakus und Sternbilder (ehedem zu Canter- bury, s. Neues Archiv 32, 687) steht im Mus. Brit. Cotton. Vitell. A. 12 f. 8 und betitelt sich Sententia Abbonis de differentia circuli vesperi... quid distat inter circulum et speram ... (f. 9) De carsu VII planetarum per zodiacum circulum. Auch in chronologischen Arbeiten war Abbo erfahren, wie er als Abt an seine Mönche ein Schreiben über das Jahr von Christi Geburt richtete, das im Bern. 306 s. X f. S b erhalten ist Epistola Ab\bonis\ de anno dominicae passionis (Humilis Floriacensium rector Ab[bo] suis fratribus et filiis pusillis et magnis*) — porro quoniam deo iuvante invenimus concordiam). Ferner finden sich Quaestiones de magni cycli natura im Vat. reg. 1573 s. XI, wo nach dem Computus des Helpericus steht: Epistola Abbonis abbatis Floriacensis monasterii. Amatorum Christi amator Abbo Floriacensium rector fratribus et filiis G. et U. b ) [S]epe memini plus vobis voluisse prodesse quam potuisse, quos viros desideriorum intueor. Idcirco magni cycli naturam et de eo obscurissimam guaestionem enodare gestiens. Außerdem gab Abbo eine Berechnung der Osterfeste nach dem neunzehnjährigen Zyklus vom Jahre 1 bis 1595 in seinen Cicli decemnovenales, vorhanden im Berol. Meerm. 138 s. X f. 46—53, und eine kurze Einführung in die Zyklen des Cyrillus und Dionysius, im Berol. Meerm. 138 f. 45 a —46. Viele dieser kleinen Schriften sind früher für solche des Beda gehalten worden und daher auch unter diesem Namen gedruckt, vgl. Migne 90,727—878, wo sich auch einiges andere findet, was d§r Berol. Meerm. 138 enthält und was jedenfalls auch Abbo zuzuschreiben ist. Explanatio in calculo Victorii. Daß Abbo einen Kommentar zum Calculus desVicturius Aquitanus geschrieben hat, sagt er selbst im 23. Kap. seiner Quaestiones grammaticales 6 ) und wird sowohl von Sigebert von Gembloux 7 ) als auch von den Überschriften der Handschriften bezeugt. 8 ) Er berichtet in der Vorrede (Migne 139, 569 f. A), daß ihn seine Schüler, denen er das Werk erklärt habe, inständig gebeten hätten, eine Schrift darüber zu verfassen; sie ist vielleicht noch vor 980 geschrieben. 9 ) Durch seinen Kommentar ist überhaupt das Werk desVicturius erhalten geblieben, 1 ) Das ergeben auch die Worte Vita 3 quid grammaticae ... ad plenum indaginem atti- gerat. 2 ) Außerdem gehören ja Bern. 172 und 351 der klassischen Literatur an und sind s. X in Fleury geschrieben. 3 ) Bern, hat decemnovenales; den Fehler verbessert die Aufschrift im Berol. Meerm. 138 s. X f. 33b, s.V.Rose, Verz. d.Meerman- hss. d. Kgl. Bibl. zu Berlin S. 311 N. 15. 4 ) Besonders an Gerald und Vitalis, vgl. Berol. Meerm. 138 f. 58, V. Rose, Verz. d. Meermanhss. S. 314 N. 20. Eine Hs. war in Chartres, Montfaucon 2,1246B. 5 ) Die Namen sind am Rande zu Gof- fridus und Umbertus ergänzt. Daß die Ergänzung falsch ist (Girardum et Vitalem ist einzusetzen), zeigt Berol. Meerm. 138 (Phillipp. 1832) s. X (vgl. Rose, Die lat. Meermanhss. d. Kgl. Bibl. zu Berlin S. 313 N. 19. 6 ) Migne 139.534B quem precibus fra- trum coactus de numero mensura et pondere olim edidi super calculum Victorii. 7 ) Chronicon a. 994 (MG. SS. 6,353, 38). 8 ) Vgl. Bubnov, Gerberti op. mathem. p. 199 n. 2. 9 ) Vgl. Bubnov a. a O. p. 197 n. 1. (J70 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil, das aus einer Reihe von Tabellen für die praktische Multiplikation und Division besteht. Abbo begnügt sich nun, in seiner Erklärung eine höchst umfängliche Auseinandersetzung der Vorrede des Victurius zu geben, worauf Bemerkungen über den Calculus selbst folgen, denen sich eine Abhandlung über das spezifische Gewicht anschließt. Seine Erklärung aber fußt durchaus auf der damaligen Schulpraxis, wie sie • durch Martianus Capeila, Boethius und Cassiodor bedingt war. Außer Boethius und Martian benutzt er besonders Chalcidius und Macrobius' Erklärung zum Somnium Scipionis sowie Isidor und Priscians Schrift de figuris numerorum. Von Interesse ist, daß Abbo zwei Verse aus dem Carmen de ponderibus et mensuris (11 f.) anführt, wo seine Überlieferung mit den beiden Gudiani stimmt. 1 ) Ferner ist hervorzuheben, daß, wie schon früher 1,120 f. gesagt wurde, Abbo aus einem unbekannten Werke des Grammatikers Virgilius Maro eine Stelle zitiert, wo dieser über den scHpulus und die siliqua handelte. Sonst benutzt er Ciceros Topik, den Sallust, Livius und Plinius und gibt Anführungen aus Terenz, Vergil, Horaz und Persius. 2 ) Selbständig scheint allein der Teil über das spezifische Gewicht zu sein, wie W.Christ S.120 meint; aber auch das ist kaum anzunehmen, eher dürften uns die darin benutzten Quellen fehlen. Abgeschrieben wurde Abbos Arbeit nicht selten, da sie im Bamberg. H. J. IV. 24 s. X, Bruxell. 10094 s. XII, Vindob. 2269 s. XIII und besonders im Berol. Meerm. 138 s. X vorliegt, wo sich fast alle mathematischen und astronomischen Arbeiten Abbos vereinigt finden; sicher befand sich das Werk auch in Lobbes, vgl. Neues Archiv 32, 687. Größere Auszüge gaben heraus W. Christ, Münchener SB. 1863 S. 132—152 und N. Bubnov, Gerberti op. math. p.199—203 und 299. Zu Richard, Amalbeit und Oylbold vgl. Sackur, Die Cluniacenser I, 275 f. und (anders in der Chronologie) N. Bubnov, Gerberti op. math. p. 197 n. 1. Die Abfahrt nach England bei Aimoin in der Vita Abb. 4 (Migne 139, 390 D). Zu Oswald und Germanus Vita Abb. 5 col. 392-B, daselbst über seinen Aufenthalt in England, c. 6 col.393 über seine Priesterweihe und Rückkehr (col. 392 D ein Stück des Briefes von Oylbold an ihn). Lebhaften Verkehr mit England zeigt ein Brief Abbos an Dunstan (vor seiner Abtswahl in Fleury), wo er Dunstan bittet, ihm den Kommentar des Florus (zu den Briefen des Paulus) und andere Bücher, die Fleury gehörten, zurückzusenden, aus Cotton. Tib. A 15 fol. 168 hrsg. von W. Stubbs, Memorials of Saint Dunstan p. 376 f. Wahrscheinlich noch in England 3 ) verfaßte Abbo auf den Wunsch der Mönche von Ramsey das Leben des hl. Eadmund, des königlichen Märtyrers, das er Dunstan widmete. Abbo war zugegen gewesen, als Dunstan in einer Versammlung von Klerikern die Schicksale des Königs ausführlich erzählt hatte. Dunstan hatte in seiner Jugend die Erzählung von einem alten Manne, dem einstigen Waffenträger Eadmunds, mit angehört, als sie dieser dem König Aethelstane vortrug. Auf Dunstans Bericht baut nun Abbo seine Vita s. Eadmundi auf und fügt am Schlüsse nur noch ein Wunder hinzu. 4 ) Er beginnt das Leben des Heiligen als Historiker, indem er auf die Eroberung Britanniens durch Sachsen, Angeln und Juten zurückgeht, von dem künftigen Schauplatz seiner Darstellung berichtet und die ') Bei Riese, Anthol. lat. 2 II, 31 fehlt der Hinweis darauf ebenso wie auf die Anführung von Vs. 68 und 80 in den Exempla diversorum auctorum Vs. 187 f. 2 ) Diese Angaben aus W. Christ, Münchner SB. 1863 S. 121 ff. und 142 ff. 3 ) hospitando hactenus degi heißt es im Widmungsbrief (Migne 139,507B). 4 ) Vgl. col. 508 C quoniam ex oretuopraeter seriem Ultimi miraculi omnia ... digessi. Abbo von Fleury. 671 Vorgeschichte Eadmunds erzählt. Die Darstellung des Martyriums selbst ist verhältnismäßig kurz, während vorher die unvermeidlichen langen Reden deutlich zeigen, daß sie zu bestimmtem Zweck von Abbo selbst ersonnen sind. Diese Reden, wie auch die ganze Schrift, zeichnen sich durch viel Anklänge an die alte Dichtung aus; namentlich wird Horaz darin stark verwertet. 1 ) Die Erzählung ist gewandt und mit Geschick durchgeführt, nur stören die Wunder am Schluß. Hss. des Werkes Bodlei. 1710 (Montfaucon 1, 655 E), Fairfax 12, Rawlinson C. 440, Digby 109, Carnbr. Corp. Chri. Coli. 42 f. 19 s. XII, vgl. T. Hardy, Catal. of Materials 1, 526. Ausgabe bei Migne 139, 507—520, der Widmungsbrief allein bei Stubbs, Memor. of Saint Dunstan 378 ff. Mit seinen Beziehungen zu England hängen auch die meisten dichterischen Versuche Abbos zusammen. Das erste der an Dunstan gerichteten Gedichte besitzt als Akrostich, Telestich und doppeltes Mesostich den Vers Summe sacer, te summa salus tueatur amicis, und Abbo erzählt hier, daß er gelobt habe, für den Erzbischof (Dunstan) das zu verfassen, was dieser einst dem Lehrer des Griechischen in seiner Hauptstadt aufgetragen habe. Auch das zweite Gedicht hat solch künstlichen Bau, der dem Porfirius entlehnt ist; es hat aber fast keinen Inhalt, da es nur von Ruhm und Preis Dunstans überfließt. Diese, wie ein drittes, nur aus vier Versen bestehendes Stück aus Mus.Brit.Nero E I f. 14 hrsg. von Stubbs, Memor. of Saint Dunstan p. 410 ff. Aus späterer Zeit besitzen wir einen Brief des Abtes Wulfric in Canterbury 2 ) an Abbo, worin dieser vom Absender gebeten wird, aus Liebe zu Dunstan ein Buch in Verse zu bringen. Vielleicht handelt es sich dabei um die Vita Edmundi; hrsg. von W. Stubbs, Memor. of Saint Dunstan p.409. Abbo wirkte in dieser Beziehung übrigens auch auf andre ein, denn in den Miracula s. Bercharii c. 11 (MG. SS. 4, 488) steht, daß er den ihm befreundeten Abt Adso von Montierender bewogen habe, das zweite Buch der Dialoge Gregors des Großen, das über die Jünger des hl. Benedikt handelt, in Verse zu bringen. Überaus gekünstelt und dunkel ist hingegen Abbos Gedicht an Otto III., das ganz in der Manier des Porfirius gehalten ist und deshalb die Bewunderung Aimoins erregt hat, vgl. Vita Abbonis 13 (Migne 139, 403 C), die Ausgabe col. 519 f. Die Quaestiones grammaticae werden von einer sehr schwülstigen Vorrede an die Ramseyer Mönche eingeleitet. Die Materies, über die in der Schrift gehandelt wird, entbehren jeder sachlichen Anordnung und diese Fragen, die man Abbo vorgelegt hatte, gehen wohl auf Anregungen zurück, die Abbo als Lehrer in Ramsey gegeben hatte. Zur Aussprache von Buchstaben bemerkt O. Funke, Die gelehrten lat. Lehn- u. Fremdwörter i. d. altengl. Sprache, Halle 1914, S. 8—41 (S. 9 Akzent und Quantität. 19 Konsonantismus), daß sie stark von der franz. Aussprache beeinflußt ist. Die Autorität Donats und Priscians überwiegt vollständig gegen alles Neuere (vgl. c. 4, Migne 139, 525 A). Die Schrift gab aus einem Vaticanus 3 ) heraus A. Mai, Classici auctores 5, 329 = Migne 139,521—534. Vgl. H. Bradley, On the text of Abbo of Fleury's Quaest. gramm. Proceedings of the British Academy X. (London 1922). ') Vgl. col. 50SC sieut tuus mos est Sat. 1, 9,1: 509 B nix capitis C. 4,13,12; 509 D atavis regibus editus; 512 B dimidium animae meae C. I, 3, 8; 514 D Ille quidem purus sceleris . .. llle integer vitae C. 1, 22. 1. Ein Persiusvers (3,80) 512 A obstipo capite defigens lumina terrae. Sonst findet sich Vergil und Sedulius nnd Sulpicius Severus (510 A quantae fuerit... benignitatis ... non est nostrae facultatis evol- vere Vita Mart. 10,1). 2 ) Er wurde im Jahre 1000 Abt von St. Augustin. 3 ) In alten Katalogen erscheint sie zu Göttweih s. XII, zu Canterbury s. XV und bei Amplonius 1412, wahrscheinlich auch zu An- chin s. XII, vgl. Neues Archiv 32, 687. 672 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Zu den Auszügen aus den Vätern vgl. Vita Abb. 7 col. 394A assumptisque expluri- morum patrum auctoritatibus sententüs ... mellitum defloravit opus. Quod licet ad praesens non reperiatur, partim nostrorum negligentia partim exiraneorum subtractum cupiditate, certum tarnen est idcirco eum excerpsisse, quo haberet ad manum defensiones contra pontificem ecclesiae Aurelianensis non recta quaedam ab eo exigentem. Die Erhebung zum Abt in der Vita Abb. 7 col 393 C und Arnulfs Uebergriffe c. 8 col. 394BC. Zur Synode von St. Denis vgl. Vita Abb. 9 col. 396 und Sackur, Die Cluniacenser 1, 285 f. Zum Apologeticus vgl. Sackur 1, 287. In dieser Schrift besitzen wir ein Werk, das von Abbos Charakter vielleicht die unmittelbarste Vorstellung gibt. Indem er hierin den Vorkämpfer des Mönchtums gegen den Episkopat spielt, wird er lediglich von praktischen Gesichtspunkten geleitet und mit Schärfe und Heftigkeit tritt er seinen Feinden entgegen. Hier verläßt ihn die sonst gern zur Schau getragene Gelehrsamkeit, 1 ) wohl aber gewinnen Gedanken und Entscheide des großen Politikers Gregor I. Einfluß auf ihn. Auch gewinnt hier die Sprache an Deutlichkeit gegenüber andern Schriften. Er erwähnt übrigens, daß er auf Befehl seines Abtes Richard (f 979) auf Briefe geantwortet habe, die dem Richard aus Lothringen über das nahe Ende der Welt geschrieben wurden. Ausgabe' Migne 139,461—472. Den Zweck der Collectio canonum spricht Abbo in dem Briefe an die Könige klar und scharf aus (Migne 139, 473B) In quibus et vestri ministerii summam expressi et qualiter vobis fidem servare debeant opthnates regni non tacui. Ad defensionem quoque monastici ordinis plura congessi. Die Stelle über die Frankenkönige 2 ) heifit c. 3 (col.477 C) Sed de externis quid loquor . .. cum ad dispensationem rei publicae et utilitatem ecclesiarum tanta fuerit pietas ac prudentia Caroli et filii eins Ludovici? Certe utrique pro tempore ac ratione noverant parcere subiectis et debellare superbos; dieser Vergilvers (Aen. 6, 853) ist bei Abbo sehr beliebt und kehrt in den meisten seiner Schriften wieder. Ausgabe: Migne 139, 473—508. Hs. in Paris, Montfaucon 2, 1036 C N. 64, 5. Zur ersten Romreise vgl. (Sackur 1, 292) Vita Abb. 11 col. 401 A und Epist. 15 col. 460C, sowie Epist. Gerberti 191. Die zweite Romreise sehr ausführlich in Vita Abb. 12. 13 col. 401 B—403 A, Sackur 1. 293 f.; bald nach der Rückkehr schrieb Abbo die Epist. 1 (col. 419 ff.) an Gregor V., die Antwort des Papstes ist Greg. Epist. 11 bei Migne 137, 107. Das Verhältnis beider erhellt besonders aus Brief 3 col. 421 f., in dem Abbo eine vornehme Dame namens Hildegard dem Papst empfiehlt und um dessen Schutz für die beiden von ihr gegründeten Klöster bittet. Einen weiteren Brief (4 col. 422) gab er einem gewissen Humbold mit. der dem Papste berichten sollte, wie der Leib des hl. Benedikt nach Gallien (Fleury) gekommen sei und was er dort gewirkt habe. Diesem Brief ist ein kurzes Gedicht an den Papst angehängt. Der Brief au Odilo von Cluni ist Ep. 7 col. 425, 3 ) zu den Briefen mathematischen Inhalts vgl. oben. Hs. der Briefe in der Bibl. Petaviana, Montfaucon 1, 61 C. Zu den beiden Reisen nach La Reole vgl. Vita Abb. 16—20, wo 20 col. 411 B sein Tod erzählt wird, Sackur 1, 296 f. Mit Abbos Aufenthalt in Rom hängt vielleicht sein Excerptum de gestis Romanoram pontificum zusammen, das von Jean Busöe 1602 in Mainz herausgegeben wurde. L. Duchesne (Le Liber Pontificalis 1, CCIV) kennt keine Hs. mehr, doch hat Traube (Hieronymi Chroni- corum cod. Floriac. fragmenta etc. phototypice edita, Lugd. Bat. 1902, p. XIII und n. 5) festgestellt, daß sich je eine Hs. in Bern (Bibl. Bongars. 120 s. XI) und in Leiden (Voss, lat. F 96) befindet. Die Auszüge gingen nach Duchesne nur bis Gregor IL, von da an waren noch 22 Päpste (bis Formosus) behandelt, aber so kurz, daß Busee die Abschrift nicht der Mühe für wert hielt; übrigens gehört die Nachricht über Gregor I. der Familie B an, während alle übrigen Stücke aus einer Hs. A stammen. Abdruck des Exzerpts nach der Mainzer Ausgabe bei Migne 139, 535—570. Ehedem gab es von dem Werke Hss. in der Bibl. Petavii (bei Montfaucon 1, 72 B) als N. 1560. 191. 192 und zu St. Peter in York (Montfaucon 1, 678 E) als N. 2355. J ) Nur führt er col. 470 C Terenz And. 1, 1, 41 an und verwendet Horaz Carm. 1,1,1. 2 ) Das Interesse Abbos an der Vorzeit zeigt sich auch darin, daß ihm der Mönch Aimoin in Fleury seine Historia Francorum mit einem Briefe gewidmet hat (Migne 139, 627 ff.); Aimoin erwähnt in dem Briefe, daß er von Abbo aufgefordert worden sei, das Geschichtswerk abzufassen (col. 627 B). 3 ) Die hier dem Odilo übersandten besonderen Bezeichnungen für die Evangelienstellen stehen vielleicht in Zusammenhang mit seiner Kenntnis der Tachygraphie, die sich im Kommentar zu Victorius (bei Christ S. 140 f.) kundgibt; dort wird agut = acutum uaApres = pressum gebraucht und der Unterschied der tironis eben Noten für ab und quid deutlich gemacht; vgl. W. Schmitz, Neues Archiv 23, 261 f., der Bern. 358. 611. 668 und Vat. reg. 846 Fleury zuweist. Der Grammatiker Gautbert (Gozbert?). 673 119. Der Grammatiker Gautbert (Gozbert?). Frühestens in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts hat ein Mönch Gautbert, unter dessen Namen sich vielleicht die spätere Form Gozbert verbirgt, es unternommen, die Herleitung der grammatischen Studien im Abendlande von Aldhelms Lehrern Theodor und Hadrian an bis auf seine Zeit in einer kurzen Schrift darzustellen, die gewöhnlich als Grammati- corum diado'/i] bezeichnet wird. Sie ist für die Geschichte der Wissenschaft von großem Wert, da sich ihre Angaben als richtig herausgestellt haben, wenn auch Verschiebungen der Namen eingetreten sind. Die Darstellung ist derartig, daß der Verfasser, der sich gegen den Schluß hin selbst nennt, von jenen beiden Griechen an die Vererbung des grammatischen Wissens auf alle späteren Franken und Iren berichtet, die sich hierin ausgezeichnet haben. Die zuletzt genannten Lehrer sind Ambrosius 1 ) und sein Schüler Israel, der im Leben Bruns von Köln eine große Rolle spielte, wenn man nicht schließlich einen augenscheinlich verderbten Namen — Delisle liest Egroalis Gonno, L. Müller egroalis gontio und korrigiert Gallicae gentis — gelten lassen will. Gautbert berichtet, daß aus den reichen Quellen der Gelehrsamkeit, die von allen Erwähnten ausgegangen seien, die Wissensdurstigen der Gegenwart tränken; zu diesen aber gehöre er selbst, der nur dem Namen, aber nicht dem Werke nach Mönch sei. Am Schluß folgt eine kurzgedrängte Wiederholung der vorher aufgeführten Namen. Daß wir diese kleine Geschichte der Grammatik vom 7. bis 10. Jahrhundert besitzen, verdanken wir dem gelehrten Ademar von Chabannes, der sie nicht nur unter seine Papiere 2 ) aufnahm, sondern auch anderwärts Auszüge daraus bot. Es wäre nun zeitlich nicht ausgeschlossen, daß dieser Gautbert identisch ist mit dem Gauzbert, dessen Tod die Kleriker von St. Martial zu Limoges um 970—975 durch einen Rotulus angezeigt haben, 3 ) obwohl es mir scheint, daß der Grammatiker vielleicht in etwas spätere Zeit gehören könnte. Eher würde ich daher der Identifizierung unsres Gautbert mit dem ebenfalls französischen Grammatiker Gozbert zustimmen, dessen Werk sich erhalten hat, wie es auch mehrmals in mittelalterlichen Katalogen erscheint. Es betitelt sich Epitoma Prisciani und wird eingeleitet durch einen Brief des Verfassers an die beiden Pariser Kleriker Gozhelm und Walther. Er spricht sich hier über den Niedergang der Studien aus und erzählt, daß man in Italien sich von der Mathematik und in Gallien von der Grammatik verächtlich wegwende, kaum daß die Franzosen den Priscian noch zu sehen vermöchten. Ihn habe das grammatikfreundliche Italien lange Zeit gelehrt, und er wünsche, daß sich die Franzosen in dieser Wissenschaft Italiens auszeichneten. Darum habe er den Priscian für sie umgearbeitet, der sich nun durch seine bewundernswerte Nützlichkeit wie durch seine Gewissenhaftigkeit ihnen empfehlen möge. Die in ihm enthaltenen Regeln habe er nur summarisch ausgezogen und von den Lehren ') Der vor ihm genannte Daoch quoque Brütigena ist nach Mabillon (Ann. Benedict. 3, 332 zum Jahr 914) Daocius ahbas Beu- visii seu Ruyensis in Armorica. Manitius, Lateinische Literatur dea Mittelalters. II. 43 2 ) Nämlich im Leid.Voss.oct. 15 s.(X—)XI. 3 ) Collection de la societe de l'hist. de France, Rouleaux des morts p. 9. 674 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und Beispielen nur das Notwendige zusammengestellt. Und sein Auszug wie er das Werk nenne, stelle eine für Lernbegierige höchst nützliche Sammlung dar, von der Priscian den Ruhm ernte, während sie ihm, der viel Schweiß dabei vergossen, nur Neid und Mißgunst einbringen werde. Diese Hervorkehrung des Gegensatzes zwischen Frankreich und Italien scheint mir in die Zeit zu gehören, als Gerbert die mathematischen Wissenschaften so stark bevorzugte, und es wäre möglich, daß Gozbert, ein französischer Kleriker, der in Italien studiert hatte, in diesem Briefe eine persönliche Invektive gegen Gerbert und dessen Arbeiten gerichtet hat, da er vielleicht durch ihn eine Kränkung oder Zurücksetzung erfahren hatte. So ist es immerhin möglich, daß Gautbert und Gozbert dieselbe Person sind. Der Gedanke, den Priscian zu exzerpieren, war jedenfalls nicht neu, wie er auch noch später durch Petrus Helie 1 ) allerdings in viel umfassenderem Maße ausgeführt worden ist. Denn Gozberts Auszug ist nur sehr dürftig, er begreift in der Pariser Handschrift nur 14 Blätter und wird in einem Verzeichnis des hessischen Klosters Lippoldsberg von 1151 nur als Brief bezeichnet. Der Auszug wird aber in Frankreich, Deutschland und England genannt, er muß also doch eine gewisse Verbreitung erlangt haben. Er ist noch ungedruckt. Zeugnisse. Quelle für die grammaticorum ätadoxy ist Leid. Voss. oct. 15 (s. X— )Xi f.147, hrsg. von L. Müller, Rhein. Museum.22, 634ff. 2 ) und (besser) von L. Delisle, Notices et extr. 35, 1, 311. Nennung seines Namens (Delisle p. 312) Quorum ciatos, quia fialas ne- quaquam assequi valet, quidam non modo opere verum monacus Gautbertus sola professione guttatim sitiens exsorbet, scutellarum nihilominus mensis illorum sublatarum reliquias lingendo adlambit, infelix prorsus qui sensus acumine hebetatus exsaturarl nequit famelicus. Israel wird erwähnt Ambrosius quoque Hisraelis praeceptor auditoris e gram maticis Egroalis Gonno (?) nihüo minus, quorum alter Britanniam alter Italiam septemplici Minerva 3 ) celebrem reddidit. Da dies die letztgenannten Personen sind, so dürfte Gautberts Kenntnis italienischer Verhältnisse wohl in Italien selbt erworben sein, die ziemlich einseitige Bevorzugung Westfrankens läßt aber wohl auf französische Herkunft schließen. Und damit stimmt übeiein, daß der Leid. Voss. oct. 15 zu den von Ademar von Chabannes gesammelten Papieren zählt, vgl. Holder-Egger, Neues Archiv 7, 631;.'') das Stück findet sich auch in der Chronik Ademars, überarbeitet (Chron. 3, 5 bei Migne 141, 30 ß). — Der Brief des Grammatikers Gozbert an die Pariser Kleriker steht im Paris. 7521 s. XII f. 31, hrsg. von Dümmler, Neues Archiv 3, 410 f. Ueberschrift Epistola Gosberti ad Parisienses Goselmum et Gualterum sibi suimet anima cariores. Hier heißt es 5 ) Grammaticam namqiie simulantes brevitatis vix visu patiuntur Francigene volumina Prisciani, Hoc ergo attendens . . . quod amica grammatice Italia me diu diuque insudantem docuerat 6 ) vestreque communi utilitati ascribere non fuit invidia quatinus non minus quam in ceteris Francigenas et ex hac sua Italos vestri excellat prttdentia. Vobis itaque Priscianum competenter transformatum non magis verum ipsa commendet uli- Utas quam materne brevitatis accurata diligentia. Regnlas quippe summatim decerpsimus, ratiomim quoque et exemplorum necessaria perstrinximus . . . ilaec igiiur epithonia quod est adbreviatio studiosis quidem summa est utilitatum collectio . . . Eum quidem totius operis sequitur gloria, me autem Gosbertum sudor et garrula quorundam invidia. Unterschrift des Werkes Explicit epithonia Prisciani quod est adbreviatio. Der Auszug im Paris. 7521 f. 31—44; *> das in der Hs. vorausgehende MartyrologWandalberts stammt aus Orleans oder aus St. Mesmin; vielleicht hat daher die Gozbertabschrift 7 ) denselben Ursprung. Etwa aus gleicher Zeit ') Vgl. über ihn Thurot, Notices et extr. 22,2,18 f. 2 ) Früher von Bethmann, Archiv d. Ges. f. alt. deutsche Geschichtskunde 10, 33. In L. Müllers Ausgabe fehlt ein ganzes Stück. 3 )Vgl.Martian.Capella7,738p.262,7—18. *) Ueber Ademais Hss. handelt eingehend Delisle, Not. et extr.35,1,241—358. '") Der Stil ist teilweise in hohem Grade verkünstelt und dunkel. 6 ) Damit stimmt der Beiname Ytalims bei Richard von Fournival, vgl. unten. Beide Gozbert sind also Franzosen, die in Italien studiert haben. ') Daß es natürlich nicht das Original ist, ergibt sich aus dem zweifachen Fehler epithonia statt epithonia. Aetlielwold. Aelfric. 675 stammt die Aufschrift in Lippoldsberg 1151 (Becker 88, 50) Epistola Gpzberti de voce de littera de flguris litterarum*) et de reliquis ad eas pertinentibus, sie gibt die Anfangskapitel, wie auch Paris.7521 diese nach dem Briefe überliefert (Dümmler, Neues Archiv 3, 411). 0m 1250 schrieb Richard von Fournival seine Biblonomia. wo er (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 524, 5) erwähnt Ihosberti Ytalici epythoma maioris Prisciani in uno volumine. 2 ) Und im großen Katalog von St. Augustin zu Canterbury s. XV (M. R.James, The anc. libr. of Cant. and Dover p. 360) N. 1411 erscheint Epithoma Bresciani secundum Gosbertum. Eine ganz kurze Erwähnung der Epitome Priscians bringt Fabricius unter Gozberts Namen (3,71). L.Traube (Abh. d. bayer. Akad. Philos.philol. Kl. 19, 373) meinte, daß der Auszug Gozberts vielleicht in dem von Hervieux (Les fabulistes latins 1, 236) notierten Werk im Leid. Voss. oct. 15 f. 107k—112 stehe, aber dort finden sich Prisciani praeexercitamina, was docb wohl auf die Hermogenis praeexercitamenta geht; außerdem dürfte der Raum für Gozberts Werk etwas zu klein sein, vgl. auch Delisle, Not. et extr. 35, 1, 306. 120. Aethelwold. Aelfric. Über den Angelsachsen Aethelwold, dessen Leben von Aelfric dargestellt wurde, hat erst kürzlich H.W. Keim helleres Licht verbreitet. Nach der alten Auffassung in den Acta San'ctorum ist er 908 geboreu, nach VVright und Tupper aber erst 925. An Aethelstans Hof traf er mit Dunstan zusammen und beide wurden vom Bischof Aelfheah unterrichtet, der sie auch zu Priestern weihte. Nachdem Dunstan zweimal verbannt worden war, erhielt er das Kloster Glastonbury, wo er alsbald eine Schule begründete, die später zu einer der wichtigsten Bildungsstätten Englands wurde. Hierher wandte sich nun auch Aethelwold, den Dunstan zum Mönch weihte, doch wurde Dunstan nach Keim (S.410) nicht sein Lehrer, sondern sein kirchlicher Vorgesetzter. Darauf wurde Aethelwold Prior in Glastonbury und König Eadred erhob ihn zum Abt des kleinen und verfallenen Klosters Abingdon. Im Jahre 954 kam Eadred selbst ins Kloster, kurz vorher muß Aethelwold Abt geworden sein. Dunstan aber wurde 958 Bischof von Worcester und 961 zum Erzbischof von Canterbury erhoben, Aethelwold erhielt 963 das Bistum Winchester. In dieser neuen Stellung wandte er die strengen Grundsätze der Reform an und zeichnete sich durch Begünstigung kirchlicher Baukunst aus. Am 1. August 984 ist er gestorben. — Keim legt ihm drei Schriften bei, nämlich eine Übersetzung der Benediktinerregel, die ihm von König Eadgar zur Pflicht gemacht wurde, als ihm dieser eine Schenkung zuwies; sie ist in fünf Handschriften und in einem Fragment überliefert, vgl. Schröer bei Grein-Wülker, Angelsächs. Sprachschatz II 2. Hälfte p. XIX ff. Zweitens De consuetudine monachorum 8 ) oder Regularis concordia genannt, ein Handbuch für Mönche, das früher als eine Arbeit Dunstans galt, bis Tupper (History of texts of the Benedict, reform of the 10. Century. Modern Language Notes VIII [Baltimore 1893] S.356 ff.) die Verfasserschaft Aethelwolds nachwies. Endlich ein historischer Traktat, der den Gang der Reform unter Eadgars Regierung schildert, 4 ) und zwar ist er nach Keim S. 438 in der Zeit nach Aethelwolds ') So folgen sich die ersten drei Kapitel 3 ) Man besaß diese Schrift in Peterbo- von Priscians Buch 1. rough s. XIV (Serapeum 12 Intelligenzblatt 2 ) Die hierauf folgende Aufschrift (a. a. O. 2,524N.6) Andree abbreviatio utriusque operis Prisciani in uno volumine habe ich bisher noch nicht unterbringen können. S. 148) unter der Bezeichnung Edilnulphus de monachis. 4 ) Daß er von Aethelwold stammt, hat Keim S. 429—438 erwiesen. 43* (37ß Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Erhebung zum Bischof geschrieben; Ausgabe Rerum Britannicarum medii aevi Scriptores 35 III 440 ff. So finden wir, daß Aethelwold der Vorläufer seines Schülers Aelfric gewesen ist, und daß der Schüler sich in seinen schriftstellerischen Versuchen der Art seines Lehrers anpaßte und diese fortsetzte, indem er sie wesentlich den Bedürfnissen des angelsächsischen Klerus belehrend und fördernd anpaßte, wird sich alsbald zeigen. Aelfric mag um 955 geboren sein und seit 971 die Schule zu Winchester unter der Leitung des Bischofs Aethelwold besucht haben, nach dessen Tode er von Aethelwolds Nachfolger Aelfheah ins Kloster Gernel gesandt wurde, um dort als Lehrer die Mönche zu unterrichten. Hier entstand in ihm der Gedanke, zu besserer Belehrung der Geistlichkeit christliche Schriften aus dem Latein ins Angelsächsische zu übersetzen und diese Aufgabe scheint er fortan als den Hauptzweck seines Lebens betrachtet zu haben. So übertrug er zuerst um 989 eine nach dem Kirchenjahr geordnete Sammlung von Homilien Augustins, von Hieronymus, Beda, Gregor, Smaragdus und Haimo in vierzig Stücken 1 ) und widmete sie dem Erzbischof Sigeric von Canterbury (989—995). In der Widmung spricht er sich über mehrere Dinge aus, die für seine ganze Übersetzertätigkeit gelten. Er sagt nämlich, daß er nicht dunkle Worte, sondern die einfache englische Volkssprache gewählt habe und daß er nicht stets Wort für Wort, sonderndem Sinne gemäß übersetzt habe, und zwar so, daß er sich von allen Irrtümern im Texte freigehalten habe, die man ihm etwa für Häresie auslegen könne. Und es seien von ihm nicht nur Predigten über Evangelien, sondern auch solche über Leiden und Leben von Heiligen übertragen worden. Und er bearbeite eben eine zweite Sammlung von ebenfalls vierzig Stücken, in die er die in der ersten Sammlung ausgelassenen Stücke aufnehmen wolle. Da Sigeric Aelfrics Arbeit mit hohem Lobe bedachte, so widmete dieser einige Jahre später dem Erzbischof auch die zweite Sammlung und betonte auch hier, daß er nicht zu dunkler Redeweise gegriffen, sondern die reine und verständliche Sprache des Volkes angewendet habe. Bald darauf entstand Aelfrics für uns wichtigstes Werk: Grammatik und Glossar. Die Vorrede richtet sich an die Schüler, und Aelfric sagt hier, daß er diese Auszüge aus dem kleinen und großen Priscian 2 ) zum Nutzen der zarten Knaben in deren Muttersprache übertragen habe, damit sie nach der Lektüre Donats aus dem neuen Buche Latein und Englisch lernen könnten, bis sie zu den höheren Studien gelangten. Den Tadlern seines Werkes aber halte er entgegen, daß er das Buch ja für unwissende Knaben und nicht für alte Leute geschrieben habe. Er wisse zwar, daß man die Wörter auf vielfache Weise übersetzen könne, aber er habe die einfachste gewählt. Und wem auch das nicht gefalle, der möge die Übersetzung nennen, wie er wolle; er selbst begnüge sich ') Die Sammlung enthält nach H.Wanley, [ sächs. Litt. S. 459 §529. Ein ähnliches Ver- Antiquae litteraturae septentrionalis über alter I hältnis findet bei der zweiten Sammlung statt, (Oxon. 1705) p. 153ff. 43 Stücke, die Ausgabe vgl. Dietrich S.507 und Wülker S. 460. für Aethelwerd (B. Thorpe, The homilies of I 2 ) So unterschied man bekanntlich im the Anglo-Saxon church 1,8) 44 Stücke: vgl. I Mittelalter Buch 17.18 und Buch 1 — 16 von- E. Dietrich, Ztschr. f.d. hist. Theol. 25, 507 I einander, und R. Wülker, Grundriß z. Gesch. d.angel- j Aethelwold. Aelfric. 677 mit der Weise, die er in der Schule des Bischofs Aethelwold gelernt hahe, der seine Schüler stets zum Guten geführt habe. Er wisse auch, daß manche Teile der lateinischen Grammatik die Übersetzung ins Englische nicht vertrügen, wie der Abschnitt über die Versfüße und Versmaße, weshalb er diesen hier ausgelassen habe. Aus alledem spricht der erfahrene Schulmann. Von größerem Interesse aber sind die letzten Bemerkungen der Vorrede. Ich wundere mich, heißt es hier, daß viele die Silben in Prosa kurz gebrauchen, die metrisch kurz sind, da doch die Prosa von den metrischen Gesetzen frei ist; wie man z. B. die Worte pater und malus auf keltische Weise 1 ) ausspricht, die doch metrisch kurz sind. Mir scheint es aber besser, deum pätrem mit langer Silbe anzurufen, als pätrem keltisch kurz zu gebrauchen, denn Gott ist den Gesetzen der Grammatik nicht zu unterwerfen. Der Inhalt des Buches, in dem Donats Regeln mit Priscian verbunden und ins Angelsächsische übertragen werden, ist folgender. Aelfric beginnt mit den Buchstaben, Silben und Diphthongen und geht dann zu den acht Redeteilen über. Beim Nomen spricht er über die Geschlechter und geht dann in breitester Weise auf die Deklination ein, wobei er durch die Übersetzung einer großen Anzahl von Wörtern, kleinen Sätzen oder Satzteilen belehren will und bei der eigentlichen Deklination durch die Mitbeugung von hie — haec — hoc, das hier gewissermaßen den Artikel ersetzt, 2 ) das Geschlecht anzeigt. Auf die Abschnitte De numero und De figura folgt das Pronomen, dann das Verbum. Hier gibt er sehr ausführliche Mitteilungen über das a verbo und die einzelnen Konjugationen werden der Reihe nach im Aktiv und Passiv vorgeführt, das Passiv aber meist ohne die betreffenden angelsächsischen Formen. Nach Vorführung der fünf letzten Redeteile vom Adverb bis zur Interjektion werden die englischen Zahlwörter gegeben und zwar nicht nur die eigentlichen, sondern auch sehr viele Wörter, in denen irgendeine Zahlbezeichnung enthalten ist. Daran schließen sich dreißig kleine Abschnitte Divisiones graminaticae artis, in denen allerhand grammatische Kunstausdrücke erläutert werden. Hiermit schließt die Grammatik und das Glossar beginnt: Jncipiunt nomina multarum verum. Nomina anglice. Das Glossar ist sachlich geordnet und enthält zunächst die Begriffe von Gott, Himmel, Mensch, Körper, Kirche, Verwandtschaft, Staat, Haus, Handwerk, Gewerbe, Gelehrsamkeit. Es folgt dann die Natur mit den Begriffen Vögel, Insekten, Fische, Wild, Haustiere, Amphibien, Insekten, Bäume, Wald, Weg, Feld, Wasser. Den Beschluß machen die Notnina domorum mit den Begriffen Haus, Geräte, Kleider, Stoffe, Werkzeuge, Waffen, Krieg, Metalle und Steine. So hat Aelfric eine ganze Menge von Begriffen zusammengebracht, die zwar im allgemeinen nach Kategorien angeordnet sind, aber doch in anderer Reihenfolge als bei Isidor in den Etymologien. Wahrscheinlich hat er nach einem ihm vorliegenden lateinischen Glossar gearbeitet und die angelsächsische Übertragung beigefügt. Bald nach dem Jahre 996 verfaßte Aelfric ein neues großes Werk, 3 ) seine Passiones Sanctorum. Sie beruhen hauptsächlich auf den alten Vitae *) brütemice heißt es bei Aelfric. 2 ) Auch im Angelsächsisch wird das Demonstrativpronomen mitdekliniert. 3 ) Zur Chronologie vgl. Wülker, Grundriß S. 463 § 537. 678 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. patrum, sind aber auch teilweise aus den Kirchenvätern geschöpft und benutzen in der Vita Eadmundi als Vorlage die lateinische Biographie dieses Heiligen von Abbo von Fleury, die dem Aelfric wenige Jahre nach ihrer Entstehung bekannt geworden war, woraus sich wieder die Verbindung Fleurys mit englischen Klöstern oder doch wenigstens die frühe Verbreitung von Werken Abbos in diesen ergibt. Aelfric spricht sich hier ebenso wie in der Vorrede zu den Homilien über seine mehr sinngetreue als wortgetreue Übersetzung aus und daß es ihm darauf angekommen sei, durch einfache und klare Ausdrucksweise dem Hörer zu nützen. Gerichtet ist das Werk an den Ealdorman Aethelweard, der wie der Than Aethelmaer die Übersetzung dieser Heiligenleben gewünscht hatte. Es besteht wie die beiden Homiliensammlungen aus vierzig Stücken, die ebenfalls nach dem Kirchenjahre geordnet sind, und bildet in gewisser Weise eine Ergänzung jener Sammlungen, da sich außer einer größeren Anzahl von Leben angelsächsischer und besonders älterer Heiliger auch sechs Predigten auf biblische Texte und allgemeine Kirchenfeste finden. Interessant ist, daß das dritte Stück des Anhangs eine angelsächsische Bearbeitung von Pseudo-Gyprian de XII abusivis saeculi darstellt, einer Schrift, deren Kenntnis Abbo 1 ) vielleicht seinem englischen Aufenthalt verdankte. Etwa in den Jahren 997 und 998 verfaßte Aelfric auf Bitten Aethel- weards seinen Heptateuch oder vielmehr den Pentateuch mit den Büchern Josua und der Richter. Auch dieses Werk richtete er an Aethelweard zugleich mit der Bitte, ihn nicht zu weiteren Übersetzungen aufzufordern. Der Heptateuch ist noch weniger als die andern Schriften Aelfrics eine wörtliche Übertragung, denn viele Stellen der Vorlage sind überhaupt ganz ausgelassen und das Ganze gleicht eher einem Auszuge aus den biblischen Büchern; nur die Genesis ist fast wörtlich wiedergegeben. Vielleicht sind aber einzelne Teile von andrer Hand bearbeitet und Aelfric hat sie in seine Bearbeitung aufgenommen. Hieran schließt sich das Buch Josua und das wohl ursprünglich für die Homilien bestimmte Buch der Richter, und später bearbeitete Aelfric auch die Bücher Hiob und Esther, deren erstes aber nur einzelne Stücke der Vorlage wiedergibt. Noch ist Aelfric Mönch, als er etwa 998 an den Bischof Wulfsine von Shireburne seine Canones richtete, die vom vorbildlichen Leben und den Pflichten des Priesters handeln. Als aber der Than Aethelmaer zu Egnesham ein Kloster gestiftet hatte, berief er 1005 Aelfric als Abt in die neue Stiftung. Von dieser Zeit an ist Aelfric besonders für seine eignen Mönche tätig gewesen und er hat unablässig sein Lebenswerk fortgesetzt. So gab er zunächst einen angelsächsischen Auszug aus dem Werke Aethel- wolds De consuetudine monachorum unter Hinzufügung einiger Stellen aus Amalarius de offieiis ecclesiasticis. Dann verfaßte er Sendschreiben und Hirtenbriefe und schrieb eine lateinische Vita Aethelwoldi. Längst aber hatte er damit begonnen, Werke angelsächsischer Schriftsteller in seiner Weise zu bearbeiten, wie er eine kurze Schrift Alchvines Interrogationes ad Sigulfum in Genesi übersetzte und aus Bedas Werken De temporibus, ') Vgl. Collect, canon.3 (Migne 139,477). Aethelwold. Aelfric. 679 De temporum ratione und De natura rerum 991 einen Auszug von vierzehn Kapiteln übertrug. Vita Aethelwoldi. Im Jahre 1006, reichlich zwanzig Jahre nach dem Tode seines Lehrers Aethelwold verfaßte Aelfric dessen Leben in lateinischer Sprache. Vieles davon hatte er selbst in Erfahrung gebracht und manches hatte er von andrer Seite gehört, vielleicht auch selbst darüber in Winchester angefragt, doch benutzte er als Hauptquelle das wenig Jahre früher entstandene Leben Aethelwolds vonWulstan. Da er schon in seinen Schriften eine große Anzahl von Heiligen behandelt hatte, so hielt er es für angemessen, auch eine Darstellung über das Leben seines Lehrers zu geben, die er dem Bischof Kenulf 1 ) und den Brüdern zu Winchester mit einem sehr schlichten und bescheidenen Briefe widmete. Auch die ganze Darstellung zeichnet sich durch eine vergleichsweise einfache und ungekünstelte Sprache aus. Freilich fehlen gleich im Anfang nicht die üblichen Visionen mit wunderbarer Deutung, namentlich aber weiß Aelfric von der engen Verbindung Aethelwolds mit der Königsfamilie zu erzählen und mehr eine wirkliche Lebensgeschichte seines Helden zu geben, als es den meisten Heiligenbiographen der Zeit gelang. Das hängt aber damit zusammen, daß ihm die gewöhnliche geistliche Phrase fernbleibt und er sogar an einigen Stellen sich bescheidet, 2 ) lieber nicht zum Lobe des Heiligen zu schreiben. So beschränkt er sich auch sehr bei der Aufzählung von dessen Tugenden und sowohl die aus seinem Leben wie aus der Zeit nach seinem Tode berichteten Wunder sind recht einfacher Art: in dem ganzen Schriftchen findet sich fast keine Spur von Ruhmredigkeit. Von Interesse ist die Angabe Aelfrics, daß Aethelwold unablässig in der Belehrung der jüngeren und älteren Mönche tätig gewesen sei und ihnen die lateinischen Bücher englisch erklärt habe; so dürfte Aelfrics spätere Hauptbeschäftigung auf das Beispiel seines Lehrers zurückzuführen sein. — Das Leben Aethelwolds ist also nicht, wie man früher annahm, von dem darin genannten (Kap. 27) Kantor Wulstan zu Winchester überarbeitet und in manchen Stücken erweitert worden und zwar auf Grund persönlicher Erinnerungen, sondern Wulstans Schrift hat Aelfric als Quelle gedient. Aelfric hat noch im Jahre 1020 wahrscheinlich gelebt, er mag bald darauf zu Egnesham gestorben sein. Ein großer schöpferischer Geist ist er zwar nicht gewesen, aber in stiller, unermüdlicher Gelehrtenarbeit hat er unablässig für die Bildung seines Volkes gearbeitet, um ihm die Wissenschaft der christlich-lateinischen Welt zu assimilieren. Und in dieser Beziehung ist er der berufenste Fortsetzer der Tätigkeit König Alfreds des Großen gewesen. Zeugn sse. Da schon vierzig Jahre nach Aelfrics Tode die normannisch-französische Kultur ihren Einzug in England gehalten hat, so wurden die Lebensdaten Aelfrics bald vergessen oder gerieten wenigstens in Verwirrung, so daß der gelehrte Wilhelm von Malmes- bury ihn zum Abt seines Klosters machen konnte, vgl. Willelmi Malmesb. Gesta pont. Angl. 5, 253 und 254 (ed. Hamilton p. 405 f.). Später sah man in ihm den Erzbischof von Canterbury (995—1006) oder den Erzbischof von York (1023—1051) namens Aelfric. Daß beide Ansichten unmöglich sind, hat E. Dietrich (Zeitschr. f. d. hist.Theologie 26, 202—206 und ') Bischof 1006—1009, vgl. Chron. monast. I 2 ) Kap. 19 und 26 (Chronicon monasterii de de Abingdon ed. Stevenson 2,253. | Abingdon ed. by J. Stevenson 2, 263. 265). 680 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. 206—209) sicher nachgewiesen, der überhaupt die vom Leben Aelfrics auffindbaren Nachrichten (daselbst S. 199—248) einer scharfen Kritik unterzog und zuerst die richtigen Aufstellungen gemacht hat. Daß er Schüler Aethelwolds war, sagt er selbst (Aelfrics Grammatik u. Glossar, hrsg. von Zupitza, Berlin 1880) 1,1 nos contenti sumus, sicut didicimus in scola Atheliroldi venerabilis praesulis qui multos ad bonum imbuit, auch nennt er ihn im Vorwort seines Lebens (ed. J. Stevenson, Chron. monast. de Abingdon 2, 255) patris nostri et magni- fici doctoris Athelwoldi. 1 ) Der Aufenthalt in Cernel 2 ) ergibt sich aus dem Vorworte zu den Homilien, vgl. E. Dietrich a. a. 0. S. 217. 224 und R. Wülker, Grundriß S.455. Zu den Homilien vgl. E. Dietrich a. a. O. 25, 506—515 und R. Wülker, Grundriß S. 457—461. In der Widmung heißt es (EL Wanley, Antiquae litteraturae septentr. liber alter p. 1) Eqo Aelfricus alumnus Athelwoldi . . . praesulis salutem exopto domino archiepiscopo Sigerko . . . Licet temere vel praesumptuose tarnen transtulimus hunc eodicem ex libris Latinorum scilicet sanctae scripturae in nostram consuetam sermocinationem . . . Ideoque nee obscura posuimus verba sed simpHcem Anglicam . . . Nee ubique transtulimus verbum ex verbo, sed sensum ex sensu, cavendo tarnen . . . deeeptivos errores, ne inveniremur aliqua haeresi sedueti . . . Hos namque auetores in hac explanatione sumus sequuti, videlicet Augustinum Hippo- nensem, Hieronimum, Bedam, G-regorium, Smaragdum et aliquando Hagmonem 3 ) . . . Nee solum evangeliorum traetatus in isto libello exposuimus, verum etiam sanetorum passiones vel vitas . . . Quadraginta sententias in isto libro posuimus . . . Alterum vero librum modo dietando . . . habemus in manibus, qui illos traetatus vel passiones continet, -quos iste omisit. Das erste Stück De initio creaturae, das letzte In adventum domini. In der Widmung zur zweiten Sammlung heißt es (H. Wanley p. 156) Aelfricus . . . servulus Christi . . . archiepiscopo Sigerico . . . Fatcor . . . nie indignum . . . qiwd praesumpsi tibi alloqui divinis ser- mocinationibus videlicet per codicellum quem nuper tuae auetoritati direximus.*) Sed quia nostrum Studium nimium laudasti . . . festinavimus hunc sequentem librum sicuti . . . dei gratia nobis dietavit interpretare. Non garrula verbositate aut ignotis sermonibus, sed puris et apertis verbis linguae huius gentis . . . (p. 157) Igitur in anteriore opere ordinavimus XL sermones, in isto vero non minor numerus sententiarum invenitur. Diese Vorreden (ed.B.Thorpe 1,1 f. und 2,1 f.) sind für die ganze Schriftstellerei Aelfrics typisch, ihre Kenntnis erschien hier daher notwendig. Zu den zahlreichen Hss. vgl. Wülker, Grundriß S. 458 f., besonders Mus. Brit. Reg.7 C XII und Cant. Corp. Chr. Coli. S7. Ausgabe: B.Thorpe, The Homilies of the Anglo-Saxon Church. 2 Bde., London 1844. 1846. Grammatik und Glossar. 5 ) Auch hier dürfte es von Vorteil sein, die für das Wesen Aelfrics sehr instruktive Vorrede näher kennen zu lernen. Es heißt hier (Aelfrics Gramm, u. Glossar, hrsg. von Zupitza) S. 1, 3 Ego Aelfricus ut minus sapiens has excerptiones de Pris- ciano minore vel maiore vobis puerulis tenellis ad vestram linguam transferre studui, quati- nus perlectis octo partibus Donati in isto libello potestis utramque linguam videlicet Latinam et Anglicam vestrae teneritndini inserere interim usque quo ad perfectiora perveniatis studia. Novi namque multos me reprehensuros, quod talibus studiis meum ingenium oecupare voluissem, scilicet grammaticam artem ad Anglicam linguam vertendo. Sed ego deputo hanc lectioneiu inscientibus puerulis, non senibus aptandam fore. Scio multimodis verba posse interpretari, sed ego simplicem interpretationem sequor fastidii vitandi causa. Si alicui tarnen displicuerit, nostram interpretationem dicat quomodo vult: nos contenti sumus, sicut didicimus in scola Athelivoldi venerabilis praesulis, qui multos ad bonum imbuif. (S. 2, 1) Sciendum tarnen quod ars grammatica multis in locis non facile Anglicae linguae capit interpretationem, sicut de pedihus vel metris de quibus hie reticemus, sed aestimamus ad inchoationem tarnen hanc interpretationem parvulis prodesse posse, sicut iam diximus. Miror valde quare miüti corri- piunt- sillabas in prosa, quae in metro breves sunt, cum prosa absoluta sit a lege metri; sicut pronuntiant pater brittonice et malus et similia, quae in metro habentur breves. Mihi tarnen videtur melius invocare deum patrem honorifice producta sillaba quam brittonice corri- *) Vgl. auch das Vorwort zur ersten Ho- miliensammlung. 2 ) Das Leben des Bischofs Aelfheah oder Elpheg wird genannt in Glastonbury (Joh. Glaston. chron. ed. Hearne 2,437), dreimal in Canterbury (Edwards, Memoirs of libr. 1,152) N. 151 und N. 156 (versifice), 215 N. 583, und in Dover 1389 (M. R. James, The anc. libr. of Canterb. and Dover p. 460) N. 167 Vita S. Ealphegi martiris. Translacio eiusdem Eal- ^e nicht abgeschlossen ist. sondern f. 74—76 weitergeführt sei. Danach hat Piper das in seiner Ausgabe (Die Schriften Notkers 1, 623—684) Fehlende ergänzt Zeitschr. f. deutsche Philol. 22, 278—286;') er notiert hier S. 277, daß die Rhetorik nur noch f. 74 fülle, während auf f. 75 zwei Briefe des Grammatikers Paulin von Aquileja stehen. Der Abschnitt aus der Rhetorik De syllogismis ist gesondert erhalten im Turic. C 121'462 f. 28—49 (Piper 1,596—622), ob er aber in dieser Gestalt, wie er vorliegt, zu dem Werke gehört, dürfte fraglich erscheinen, denn während Notker in seiner Rhetorik zusammenhängenden lateinischen Text gibt, bietet jenes Bruchstück lateinische Textstellen mit deutscher Uebersetzung und Erklärung. 2 ) Endlich wird ein Fragment De partibus logicae zur Rhetorik Notkers gerechnet, das sich im Turic. C. 121/462 p. 51—54 und im Vindob. 275 p. 91 findet. Zum Schlüsse sei hier erwähnt, daß Notker auch über Musik und zwar in engem Anschluß an Boethius geschrieben hat, doch sind die kleinen Stücke, die auf ihn zurückgehen, nur deutsch geschrieben, vgl. J.Kelle a.a.O. S.259ff., wo der von Piper festgehaltene Gedanke, daß Notker in seinen Verdeutschungen durch andere Mönche in St. Gallen unterstützt worden sei, mit Recht zurückgewiesen wird. Sehr verdienstliche Gesamtausgabe von P.Piper, Die Schriften Notkers und seiner Schule, Freiburg u.Tüb. 1882—1883, 3 Bde. H. Naumann stellt (Notkers Boethius S. 62—65) die aus klassischen und christlichen Autoren entlehnten Zusätze Notkers zusammen. P. Th. Hoff mann. Der mittelalt. Mensch gesehen a. d.Welt und Umwelt Notkers des Deutschen, 1922. 123. Byrhtferth. Der Angelsachse Byrhtferth — so lautet sein Name ursprünglich, Bride- ferthus ist die latinisierte Form — ist vielleicht um die Mitte des 10. Jahrhunderts geboren und scheint erst im Kloster Thorney geweilt zu haben, um dann nach dem Jahre 970 in das neugegründete Kloster Ramsey überzusiedeln. Da sich nun Abbo hier zwei Jahre aufhielt, nachdem er seinen Kommentar zum Calculus Victorii längst verfaßt hatte, so läßt es sich denken, daß sich der lernbegierige Byrhtferth an den gelehrten Mönch aus Fleury eng anschloß und sich von ihm in mathematisch-naturwissenschaftlichen Dingen unterrichten ließ. Vielleicht hat auch die dadurch angebahnte Verbindung mit Fleury dazu beigetragen, daß Byrhtferth auf den Kontinent kam. Er erzählt nämlich in dem groß angelegten Kommentar 3 ) zu Bedas Werk De temporum ratione Kap. 29, daß er einst in Gallien 4 ) zu Dieden- hofen seinen Schatten auf 19 l /2 Fuß gemessen habe. Und im Enchiridion erwähnt er an einer Stelle den Abbo ausführlich und preist seine Bedeutung als Gelehrter; daß er dabei auch der Wunder gedenkt, die Abbo nach seinem Tode gewirkt habe, erklärt sich wohl am leichtesten daraus, daß er das von Aimoin bald nach 1004 geschriebene Leben Abbos kannte, eine Schrift, die man sich wohl bald in Ramsey zu verschaffen gewußt hat. Aber Abbo hatte ja auch dort ein grammatisches Werk verfaßt, und wir 1 ) Dieser Teil ist fast völlig grammatischen Inhalts, er behandelt die Patronymica, die Possessiva und gibt dann für den Redner wichtige Darlegungen aus der Etymologie und Semasiologie. 2 ) Vgl. J.Kelle a.a O. S.256f. Die Rhetorik Notkers bedarf einer zusammenfassenden, gründlichen Untersuchung. 3 ) In der Ausgabe Bedas (Basel 1688) Bd. 2,103. 4 ) Wenn K.M. Classen (Ueber das Leben und die Schriften Byrhtferths, Dresden 1896), S. 14 f.) den Aufenthalt in Gallien für die französische Herkunft des Verfassers in Anspruch nimmt, so kann ich ihm nach dem Wortlaut der Stelle nicht folgen. 700 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. finden in jenem Enchiridion reichliche Beschäftigung mit grammatischen Dingen wieder. Aus zwei Stellen im Enchiridion ergibt sich aber, wie K. M. Classen ausführte, 1 ) daß dies Werk im Jahre 1011 verfaßt ist. Außer diesem Werke werden aber dem Byrhtferth noch vier Kommentare zu Schriften Bedas beigelegt, von denen die wichtigsten die zu De natura rerum und zu De temporum ratione sind. K.M.Classen hat nun zwar viel Mühe darauf verwendet, um nachzuweisen, daß der Verfasser dieser Glossen nicht derjenige des Handbuchs ist. Aber zunächst ist seine Aufstellung 2 ) über die Zeit der Entstehung der Glossen — spätestens Anfang des 10. Jahrhunderts — willkürlich zu nennen, denn man schrieb auch noch nach dieser Zeit eine korrekte Sprache und einen gewandten Stil. Und daß er aus der Benutzung von Haimo und Remigius den Verfasser der Glossen als Franzosen erweisen will (S. 13 ff.), ist bei dem nahen Zusammenhang Ramseys mit Fleury 3 ) bedenklich genug. Und daß im Kommentar zu De temporum ratione auf Bedas Kirchengeschichte hingewiesen wird, bezeugt doch auf keinen Fall den Verfasser als Nichtengländer (S. 15). Bevor also keine wichtigeren Argumente gegen Byrhtferths Autorschaft vorgebracht werden, müssen wir die Kommentare diesem Gelehrten beilegen. Kommentar zu De natura rerum. Bekanntlich hatte Beda in diesem Werke die gleichnamige Schrift Isidors zugrunde gelegt und große Erweiterungen aus Plinius dazu gegeben. Die Erklärungen Byrhtferths zu den ersten Kapiteln bewegen sich gemäß des zu behandelnden Stoffes ganz in der christlichen Vorstellungsweise und sind Augustin und Hieronymus entnommen, und es wird demgemäß auch gegen die Wiedergeburtstheorie der Neuplatoniker polemisiert. 4 ) Erst mit den Scholien zu Kap. 4 beginnen die technischen Erklärungen und zwar mit der Etymologie von elementum, die nicht aus Isidorl3,3,1 abgeschrieben ist, sondern wohl aus dem Martian- kommentar des Remigius stammt; nämlich gleich das nächste Scholion zu dem Wort Syzygiae ist diesem Kommentar 5 ) entnommen und zwar zunächst als Exzerpt und dann als wörtliche Wiedergabe. Von Wichtigkeit aber ist das Verhältnis der von Byrhtferth gegebenen Etymologie von elementum zu der Glosse des sog. Incertus audor. 6 ) Diese nämlich erklärt das Wort aus Isidor und aus Ambrosius, während Byrhtferth den Wortlaut dieser Glosse getreu wiedergibt, aber die Autorennamen ausläßt. Es ist danach sehr wahrscheinlich, daß hier bei ihm ein Exzerpt aus dem Incertus audor vorliegt, und dieser ist wohl kein andrer als Remigius, aus dessen Martian- kommentar vielleicht einzelne Stellen in eine Handschrift Bedas De natura rerum hineingearbeitet worden und von den alten Herausgebern als eigner Kommentar aufgefaßt worden sind; Byrhtferth aber hat diesen Kommentar sicher benutzt, und es ist nur zu bedauern, daß erst kleine Stücke von ihm gedruckt sind. Und es hat in Ramsey mehrere Remigiuskommentare gegeben, der zu Martian scheint sich allerdings nur in Glastonbury befunden >) a. a. 0. S. 19 aus Anglia 8,327,10 und 304, 25. ') a. a. 0. S. 18. 3 ) Vgl. über Remigius in Ramsey Neues Archiv 32, 683 und 36, 771. 4 ) Vgl. zu c. 2 p. 3 unter f Philosophi tarnen Tia^.iyyevtjoi'av dicebant fiei'i — de nihilo esse credere debemus. 5 ) Zu Mait. Cap. p. 1, 6 (Eyss.) ed. Mani- tius, Didaskaleion 2, 64 f. 6 ) Bei Beda 2, 5. Byrhtferth. 701 zu haben. 1 ) Die Erklärungen zu den nächsten Kapiteln entstammen fast sämtlich Isidor, erst mit Kap. 15 2 ) setzt die Benutzung des Plinius ein, obwohl schon vorher mehrfach von Plinius die Rede war; so soll nach Kap. 9 (gl. i) Plinius von den Bewohnern Thules berichtet haben, daß sie im Winter von Milch lebten, während sie im Sommer mit ihrem Vieh zusammen Gras und Kräuter abfräßen, und nach Kap. 10 (gl. c) stammt die Angabe, daß im nördlichen Britannien der längste Tag achtzehn Tage und die längste Nacht ebenso viele Nächte dauere, aus demselben Autor. 3 ) Unter den aus Isidor gebrachten Erklärungen findet sich aber auch ein größeres Stück aus dem Gromatiker Hygin, das ich diesem aus der Ars geometrica zugewiesen habe; 4 ) es behandelt die Planetenabstände, wie sie von Pytha- goras berechnet wurden. 6 ) Wo aber Byrhtferth wirklich auf Plinius zu sprechen kommt, steht er auf sicherer Grundlage, denn er führt zu Kap. 15 dreimal die handschriftliche Überlieferung dieses Autors gegen die abweichenden Lesarten bei Beda auf. Auf ein anderes Quellengebiet stößt man dann in den Schoben zu Kap. 17 p. 22, wo Byrhtferth die mythischen Grundlagen der Benennungen für die Zodiakalbilder anführt. Hier ist der Wortlaut des Scholions b (zu Hammon) aus Lactantius zu Stat.Theb.3, 476 genommen, desgleichen dasScholioni (zu Capricömus) zu Stat.Theb. 6,401 ; G ) und gl. h (zu SagittaHus) erscheint als Exzerpt aus dem Mythogr.Vatic.2,62 (ed. Bode 1,96). Und das Scholion a zu Kap.18 (p. 23) für die Milchstraße ist anfänglich wohl Exzerpt aus den Schoben zu Germanici Aratea, 7 ) während dann der auch sonst stark benutzte Macrobius sogar unter mehrfacher Nennung seines Namens verwendet wird. Später tritt wieder Martianus Capeila als Quelle ein, wie denn in Kap. 22 der Bericht über Sonnen- und Mondfinsternisse nach Mart. 8, 859 gegeben wird. Von hier an verschwinden die Schoben beinahe, bis sie mit Kap. 36 ganz aufhören. Schon aus den Quellen, unter denen Martian und Macrobius hervorragen, kann man einen Schluß auf das Wesen des ganzen Werkes ziehen: bei Byrhtferth überwiegt durchaus das sachliche Interesse. Christliche Dinge werden zwar anfänglich berührt, scheiden aber später fast gänzlich aus, wie etwa noch zu Kap. II 8 ) durch Vergleichung der Sterne mit den Heiligen mystische Beziehungen zu christlichen Dingen gesponnen werden. Kommentar zu De temporum ratione. Zu diesem chronologischen Hauptwerk Bedas hat Byrhtferth eine höchst ausführliche Erklärung verfaßt, in der breite Stücke aus Isidor, Martian und Macrobius sowie aus Plinius besonders hervortreten. Außerdem, werden die christlichen Chronologen Anatolius, 9 ) Dionysius und Victorius stark ausgeschrieben und Augustin, Gregor und Hieronymus sowie Bedas Kirchengeschichte herangezogen. Auch und p. 320. 6. — Dagegen kann ich für Scholion c den Auftrag des Aristäus an Herkules nicht nachweisen, der Name ist wohl mitEury- stheus verwechselt. 7 ) Hrsg. von Breyssig p. 186, 25ff. ') Vgl. Manitius, Neues Archiv 32, 682 f. und 36,771. s ) Bedae op. p. 21. 3 ) Beide Angaben aber finden sich nicht bei Plinius. Auch daß Horaz Britannien di- vitem lucis genannt habe (c. 9 gl. c), ist nicht i 8 ) Nämlich p. 10 gl. a. zu erweisen. 4 ) Vgl. Hermes 41,286. 5 ) Nämlich Kap. 12 p.ll gl. a. ") Hrsg. von Jahnke p. 167,24—168,5 9 ) Anatolius de pascha wird benutzt zu Kap. 12 p. 68 {Quibus etiam Über s. patris Anatolii, quem de pasclia composuit, asti- pulatur, ubi scriptum est etc.). 702 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Haimo wird mehrmals genannt, so zu Kap. 8 p. 60, wo seine Angaben über die Größe Babylons wiedergegeben werden, und zu Kap. 25 p. 95, wo sein Vergleich von Christus mit der Sonne angeführt wird. Von Wichtigkeit ist daß in der äußerst umfänglichen Erklärung zu Kap. 14 das ganze sogenannte Fragment Hygins und zwar unter der Aufschrift Descriptio poli erscheint; 1 ) daran schließt sich das Gedicht Anth. lat. 679 mit den beiden sonst anscheinend nicht überlieferten Versen am Schluß Iii bis sex versus signant caeli regiones, Fistula quos finxit Prisciahi docta magistri, die von einem Abschreiber nach der gewohnten Aufschrift gefertigt worden sind. Aber auch das astronomische Werk Hygins wird benutzt und angeführt; so ist der Abschnitt zu Kap. 23 (p. 91) Lunam per alios ortus teilweise ein Exzerpt aus Hygin 4,14. 2 ) Große Stücke seiner Darstellung verdankt Byrhtferth dem Hexaemeron des Ambrosius, aber Macrobius und Martian 3 ) werden so stark und ausführlich von ihm benutzt, daß sein Text als Handschrift für beide Autoren gelten könnte, wenn er nicht stets Kürzungen und kleine Änderungen zuließe. Und Byrhtferth schreibt keineswegs kritiklos seine Gewährsmänner ab, wie er z. B. zu Kap. 25 (p. 94) gegen Martian polemisiert, indem er dessen Argumente für die bedeutendere Größe der Erde als des Mondes für unsicher hält. Jedenfalls erhalten wir in diesem wie in dem früheren Kommentare Arbeiten, die für ihre Zeit als ungemein selbständig und bedeutend zu gelten haben, wie ja auch der Verfasser zu Kap. 29 die eigene Messung seines Schattens gebucht hat. Und wenn auch an manchen Stellen eine gewisse Polemik gegen die heidnische Literatur sich offenbart, so baut sich doch schließlich der größere Teil des Werkes auf ihr auf; und es würde eine dankbare Aufgabe sein, eine eingehende Quellenuntersuchung über Byrhtferth anzustellen; die Überlieferungsgeschichte der einschlagenden Autoren würde dabei nicht wenig gewinnen. Und was die Ausführlichkeit in der Darstellung und Beweisführung betrifft, so geht Byrhtferth weit über Beda hinaus. Diese Ausführlichkeit bleibt bis zum 49. Kap., die weiteren Abschnitte werden nur kurz kommentiert und mit Kap. 62 erreicht die Erklärung des Werkes ihr Ende. Enchiridion. Der Titel Compotus hat nur beschränkte Berechtigung, denn die Handschrift, die das Werk überliefert, stellt wohl den Compotus Latinorum ac Grecorum Hebreorumque et Egiptiorum neenon et Anglorum an die Spitze, besitzt aber eine ganze Menge andrer Abschnitte, so daß man das Ganze Byrhtferths Handboc oder Enchiridion genannt hat. 4 ) Der Inhalt dieser Handschrift wird als aus folgenden Stücken bestehend angegeben: 5 ) Compotus. De mensibus anni. De alphabeto. De notis a librariis usurpatis. De ponderibus. De numeris. Alphabeta Anglo-Saxonum Latinorum Graecorum et Hebraeorum. Numeri Latine et Saxonice. De aetatibus mundi Latine et Saxonice. ') Und zwar mit Hinneigung zu DL (vgl. Manitius, Rhein. Mus. 53,393f.). 2 ) Nämlich ed. Bunte p. 115,4ff. 3 ) Außerdem" zitiert er Terenz, Vergil, Horaz, Lucan, Persius und Juvenal (außer den Dichterstellen, die er aus seinen Quellen mit abschreibt, wie er z. B. c. 6 p. 56 einen Vers Terentians aus Augustin und c. 32 p. 112 einige Hexameter Varros aus Augutin übernimmt). So wird zu c. 30 p. 107 auch Lucan 10.199 f. (cursti) aus Isidor De natura rerum 12,6 mit übernommen. 4 ) Vgl. F. Kluge, AngliaS, 298, vgl. unten. 5 ) H. Wanley. Antiquae litterat. septentr. über alter (Oxon. 1705) p. 103. Byrhtferth. 703 ])e solutione Satanae post mitte annos Laune et Saxonice. De septem peccatis. Ammonitio amici. Homilia de quatuor virtutibus. Diese Überschriften zeigen, daß der Inhalt durchaus lehrhafter Natur ist und von einem Lehrer stammt, der in der antiken wie christlichen Chronologie durchaus Bescheid wußte und durch Übersetzung der von ihm verfaßten lateinischen Schriften in die Volkssprache seine Nation in weiteren Kreisen belehren wollte. Von diesen Schriften stimmen nun mehrere im Titel mit dem uns von Byrhtferth bekannten Wissensgebiete überein, und wenn nun mehrmals dessen Name selbst als der des Lehrers genannt wird, 1 ) so dürfte es kaum zu bezweifeln sein, daß er der Verfasser des Ganzen ist. Nämlich p. 96 lesen wir Byrht- ferthus ipse scripsit bene beneque docet ille suis discipulis', p.100 Swylce Byrht- ferththus cwethe Semper principium sceptrum iuge gloria Concors;*) p.152 Oratio patris Bijrhtferthi: Spiritus ahne veni, sine te non diceris unquam, Munera da linguae, qui das in imitiere Unguas. 3 ) Diese beiden Verse Arators hat Byrhtferth dann angelsächsisch wiedergegeben, und da er sie im ursprünglichen Metrum übersetzt hat, so finden wir hier vielleicht den ältesten Versuch englischer Hexameter vor. Das Sammelwerk gewährt aber auch deutliche Anhaltspunkte für seine zeitliche Festsetzung. Nämlich p. 240 liest man Ratio huius numeri, quam dignae memoriae Abbo super hunc invexit, libetlibari. Iste vero quantae dignitatis refulsit in vita, ostendunt post mortem miraculaA) Da Abbo 1004 starb, kann jenes Stück erst nach diesem Jahre geschrieben sein. Etwas weiter noch führt die Notiz p.168 Byrhtferth maesse preost steut on tham twelftan stech aefter tham biscope Eadnoilie oththe he sitt. 6 ) Eadnoth war der erste Abt von Ramsey und wurde 1006 Bischof von Dorchester, also würde die Abfassung allerfrühestens 1006 erfolgt sein. Nun sind die angelsächsisch geschriebenen Teile der Handschrift herausgegeben worden, 6 ) aber die lateinischen sind noch ungedruckt, doch lassen sich auch aus jenen einige Quellendaten gewinnen. So erscheint (Anglia 8) p. 332,18 der Vers Persius 3, 83, p. 332,17 Sedulius Pasch, carm. 1,139; Priscian wird erwähnt p.321, 28, Isidor p.334, 24 und Hraban p.317, 26 und 327, 20. Aus p. 321,33 läßt sich auch der Titel des Miszellanwerkes feststellen, denn dort heißt es on thissum enchiridion thaet ys manualis on lyden and handboc. Die einzelnen Teile des Handbuchs sind von sehr verschiedenem Umfang, bei weitem den größten Umfang besitzt das Stück De mensibus anni, das neben dem Compotus ja ganz in das eigentliche Gebiet Byrhtferths fällt. Hingegen kann das ebenfalls beträchtliche Stück Numeri Lcdine et Saxonice (p. 205 —240) mit dem von Baleus 7 ) genannten Werk De principiis mathematicis lib. I vielleicht identisch sein, und die dort ebenfalls genannte Schrift De- institutione monachorum fällt möglicherweise mit einem der im Enchiridion an letzterStelle stehenden christlichen Werke zusammen. Sehr zweifelhaft ist es indessen, ob Byrhtferth an der Hagiographie seiner Zeit teilgenommen ') Vgl. Anglia 8,313,8; 314,4 und W. Stubbs, Memorials of Saint Dunstan p. XX. -) Sedulius Pasch, carm. 1,34. 3 ) Ist Arator Act. apost. 1,226f.; vgl. W. Stubbs a. a. O. p. XX; außerdem die Verse unvollständig p. 134 (Anglia 8, 321,47). Vgl. Classen a. a. O. S. 37/ 4 ) Vgl. W. Stubbs a. a. 0. p. XXI. 5 ) Vgl.W.Stubbsa.a.O.p.XXIundXX (Anglia 8, 328, 41). 6 ) Von F. Kluge, Anglia8,298-337. 7 ) Script, illustr. maioris Brytannie . . . catalogus, Cent. 2 c. 35 p. 138. 704 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. hat. Nämlich der Verfasser der ältesten Vita Dunstani, der sich im Widmungsbriefe mit B. bezeichnet, ist von Mabillon 1 ) für Byrhtferth gehalten worden, was von W. Stubbs 2 ) für unrichtig erklärt wurde. Vita s. Dunstani. Das Werk ist von einem angelsächsischen Presbyter B. an Erzbischof Aelfric von Canterbury gerichtet worden, also in der Zeit zwischen 995 und 1006 entstanden. In der Vorrede, die in der seit Aldhelms Prosa bekannten, unerträglich schwülstigen Weise geschrieben ist und besonderes Gefallen des Verfassers an seltsamen Wörtern 3 ) bezeugt, wird vor dem Leser eigentlich nichts als eine ungeheuerlich ausgedehnte Bescheidenheitsphrase entrollt und die Bitte an Aelfric wiederholt ausgesprochen, das Werk auf seine Fehler zu revidieren. Die Erzählung beginnt mit dem hl. Augustin von Canterbury, kommt aber schnell auf Dunstan zu sprechen, und der Verfasser berichtet, daß er zu Glastonbury als Schüler die heiligen Schriften, aber auch die dort befindlichen Werke irischer Mönche gelesen habe. Die Jugenderlebnisse bewegen sich in den gewöhnlichen Bahnen, Versuchungen des Teufels spielen dabei eine große Rolle, Visionen und Wunder werden berichtet, wobei besonders die wunderbare Erhebung zum Abt von Glastonbury in Kap. 14 hervorzuheben ist; allerdings klingen die folgenden Worte in Kap. 15 merkwürdig genug: „Er wurde der erste Abt unter der englischen Nation." Und der Biograph gefällt sich auch im weiteren Verlaufe seiner Erzählung fast nur in Wunderberichten und Teufelserscheinungen. Nur der Wechsel der Könige zieht am Leser vorüber, und es ist ziemlich gleichgültig, ob Dunstan die Gunst des Königs Eadwig verliert und dafür in der Verbannung die Gunst eines gälischen Fürsten gewinnt. Endlich wird er zum Bischof von Worcester erhoben, gewinnt das Bistum London und wird schließlich vom König Eadgar zum Erzbischof in Canterbury eingesetzt. Doch von seiner Wirksamkeit in diesen Ämtern erfahren wir nichts, Teufelsspuk, Visionen, ßevelationen und andre Wunderdinge verdecken den völligen Mangel an Tatsachen. Erst im vorletzten Kapitel wird gleichsam im Vorbeigehen der geistlichen Wirksamkeit Dunstans gedacht. Das Werk ist also keine eigentliche Biographie, sondern besitzt ausschließlich erbaulichen Charakter. Wenn sich nun in ihm ein ins Maßlose gesteigerter Wortschwulst breit macht, so möchte ich deshalb die Vita Dunstani dem Byrhtferth doch nicht ohne weiteres aberkennen. Denn dessen sicher beglaubigte Schriften gehören einem ganz andern Gebiete an, und dazu bestehen sie, was von W. Stubbs zu wenig gewürdigt worden ist, fast ganz aus Flicken und Stücken früherer Schriftsteller, können also ihrem Stile nach mit der Biographie gar nicht verglichen werden. Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, daß, wie Stubbs p. XXII ff. darlegte, dem Verfasser des Lebens des hl. Dunstan drei Briefe 4 ) beizulegen sind, pinatti; p. 19 ictuantibus pennis; 15 p. 25 angoreas .. . semitas; dogmatizator; 16 p. 26 monstrum ... inimicale. 19 p. 29 ab hiiquo cleptore; 20 p. 31 augmentabilis. 21 p. 32 deci- biles . . . consessiones (31 p. 44); 32 moeehali genearum occubitu; 29 p. 41 murmur gema- bile. 31 p.45 (33 p.46) inimicabilis. 36 p.48 *) Acta SS. ord. s. Benedicti 5, 640. 2 ) Memorials of Saint Dunstan p. XIX— XXVI. 3 ) Vgl. ed. Stubbs p. 4 crisMineoschemate. gemmatim; p. 5 horum apicellorum ... ebinina titulatione. favoreus. Diese Vorliebe setzt sich in der Vita selbst fort, vgl. c. 4 p. 9 acuitatis ingenio; c. 6 p. 12 quasi depicatus; c. 7 p. 13 j sonoritarum voces. bidentinis . . . panniculis; 11 p. 18 primo pro- \ 4 ) W. Stubbs a. a. O. p. 374. 385. 390. Byrhtferth. 705 die in dessen Umgebung gehören. Diese Briefe haben in ihrem Stil viel Ähnlichkeit mit der Biographie und gehören vielleicht zusammen, obwohl die gleiche Schreibweise und ähnlicher Wortschatz aus gleicher Schulung erklärt werden können. Vor allem kennzeichnet den Verfasser der Biographie die Neigung zur Alliteration, zu auffälligen Wortformen, zu seltsamer Stilistik und zum Gebrauch griechischer Wörter, und dazu stimmt allerdings das ganze Äußere jener Briefe. Somit ist die Möglichkeit der gleichen Verfasserschaft gegeben, aber diejenige Byrhtferths ist nicht ausgeschlossen. Zeugnisse. Zur Namensform Byrhtferth vgl. Anglia 8, 313, 8. 314, 5 und W. Stubbs. Memorials of Saint Dunstan p. XX; latinisiert Bridefertus bei Beda ed Colon. 1688, Bd.2,1 ff. Die Lebenszeit ist unsicher, doch ist das Enchiridion nach 1006 verfaßt (s. oben), und wenn der Eintritt ins Kloster Ramsey um" 970 erfolgte, würde das Geburtsjahr vielleicht vor 950 liegen. Leland (Comment. de Script. Brit. p. 171 N. 136) erwähnt, daß Byrhtferth von einigen Schriftstellern Thorneganus genannt wird, daraus folgerte Th. Wright (Biographia Britannica literaria. Anglo-Saxon period p. 474), daß er erst dem Kloster Tliorney angehörte und dann nach Ramsey ging, vgl. H. Bradley in Dictionary of National Biography 8, 126. Verbindung mit Abbo (vgl. dessen Brief an Dunstan bei Stubbs p. 378)') ergibt sich aus dem Enchiridion p. 240 (Stubbs p. XXI) Batio huins numeri, quam dignae memoriae Abbo super hunc invexit, Übet libari. Iste vero quontae dignitatis refulsit in vita, ostendunl post mortem mira- cula. Erat enim in doctrinali scientia peritus et in pliilosopnia perfeetus. Aufenthalt auf dem Kontinent im Kommentar zu Beda De temporum ratione 29 (ed. Colon. 1688, Bd. 2,103) Ego autem in Gallia in loeo, qui Teotonis villa dicitur, constitutus status mei umbram metiens novendecim pedes et semis inveni. Zum Inhalt des Enchiridion vgl. oben. — Der Kommentar zu De loquela digitorum ist gedruckt Bedae op. ed. Colon. 1688. Bd. 1, 128 ff., genannt werden col. 129 Hieronymus, Augustin und Eusebius, dazu 135 f. Eucherius und Gregor. Genauere Kenntnis der griechischen Zahlen und ihrer Ziffern 139 f. Der kleine Kommentar zu De latione unciarum steht daselbst col. 142 f. Kommentar zu De natura rerum.. Er ist abgedruckt in der Ausgabe Bedas (Colon. 1688) Bd. 2 p. 1—32. Die Etymologie von elementum zu 4 p. 5 Dicimus autem elemcnta et elimenta et hylementa. Elementa quasi ehvamenta, eo quod ex elementis omnia constent. Eli- menta ab elimo id est formo, quia inde cuncta sunt formata. Hylementa ab hyle id est in- fqrmi materia de qua facta sunt omnia in species suas. Die Glosse des Incertus auctor zu elementum p. 5 besagt, daß elementum nach lsidor griechisch, nach Ambrosius lateinisch sei. Das Scholion zu syzygiae (p. 5 gl. b) ist bis de terra sumit Exzerpt, von Sex igitur an wörtliche Uebernahmo aus Remigius zu Mart. Cap. 1, 6. Das Scholion i zu Kap. 9 steht p. 6 und heißt ... Hnius insulae habitatores dicit Flinius liieme lacte vesci, aestate vero inter sua pecora herbas ore carpere, das Scholion c zu 10 steht p. 7 Denique apud Britanniam insulam septentrional em decem et octo dies sunt continui singulis annis sine nocte tempore noctis. Hinc Horatius divitem lucis eam esse dicit; ob dieser Horaz der beim Grammatiker Virgilius (vgl. Bd. 1, 122) genannte ist? Das Stück aus Hygin beginnt (p. 11 zu c. 12 a) Pythagoras ... dicens a terra ad lunam spacium esse CXXV stadiorum, a luna ad solem duplum, inde ad firmamen- tum triplum. Macrobius und Martian — dabei ist der Remigiuskommentar mitzuverstehen — werden in den späteren Kapiteln öfter genannt. Kommentar zu De temporum ratione. Gleich im eisten Stück zu c. 1 p. 45 findet sich eine Etymologie, die gewiß auf Remigius weist, nämlich Sectda clicta a Secu deo, a quo gentlles philosophi secuta esse putabant; secus autem Graecum nomen est et interpretaiur forma. Es folgen Stücke aus lsidor und Macrobius (zu nundina Sat. 1,16, 36). Ebenfalls remigianisch erscheint weiter unten Barbarae genfes dicuntur a barba et rure. Die drei Chr onologen werden zu c. 9 p. 63 genannt ut nonnumquam eodem die hie scilicet Anatholius deeimam guürtam, ille id est Dionysius deeimam quintam, aliusid est deeimam sextam asseverent lunam esse putandam. Die Herleitung des römischen Jahres zu c 65 stammt aus Macrob. Sat. 1, 15, 10. 12. 17. Bezüglich der Quellen ist noch zu bemerken, daß zu c. 32 p 111 lsidor de natura rerum angeführt 2 ) wird (Isidorus in minori libello quem scripsit ad Sisebuiwn regem), zu c. 13 liedas Kirchengeschichte 1,15 (Lege hisforiam ecclesiasticam gentis Anglorum, ibi enim in libro I cap. XV qualiter praedieta gens anno ab incarnatione domini 449 in Britanniam primo advenit, per ordinem invenies); zu c. 25 p. 96 Terenz (Unde Terentius: Replevi omnia (lolia, omnes serias — Heaut. 460) und Prudentius (Ende Prudentius. Seria ludicra verba iocos, ') Wilfric von St. Augustin bat ihn in einem Briefe, das Leben Dunstans in Veise zu bringen, vgl. Stubbs p. 409. Manitius, Lateinische Literatur dos Mittelalters. II. 45 2 ) Das Werk wird aber oft benutzt, ohne genannt zu werden. 706 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Cathem. 3, 18). — Das Werk ist abgedruckt in der Ausgabe von Beda (Köln 1688) Bd. 2 45—99); es verdiente eine Neuausgabe. Enchiridion. Diese Sammlung steht im Oxon. Bodl. Ashmole 328 und der Titel begegnet (Anglia 8, 321, 33) p. 133 on thissum enchiridion thaet ys manualis. Die mit Oratio patris Byrthferthi bezeichneten Aratorverse (Act. ap. 1, 226 f.) heißen nach W. Stubbs (Memorials etc. p. XX) angelsächsich Cum nu haiig gast butan the ne bise thu gewurthod, Gi/f thine gyfe thaere thungan the thu gyfst on gereorde. 1 ) Der größte Abschnitt, der in der Hs. p. 59—187 einnimmt und De mensibus anni 2 ) betitelt ist, stammt nach der häufigen Namensnennung sicher von Byrhtferth; ob diesem aber die andern Teile beizulegen sind, darüber müßte erst eine genaue Untersuchung angestellt werden. Die angelsächsischen Stücke begreifen in der Hs. übrigens zumeist den Compotus und die Abhandlung De mensibus anni, während die späteren Schriften nur zum kleinen Teil übersetzt sein können, wie sich aus dem Abdruck von F. Kluge (Anglia 8,298—337) ergibt. Kluge versprach S. 337 eine Ergänzung seines Abdrucks durch weitere Mitteilungen, aber diese scheinen unterblieben zu sein. Zu wirklicher Klarheit über den Inhalt der Hs. tfnd über die Autorschaft ihrer einzelnen Teile sind weitere Mitteilungen unumgänglich nötig. Vita s. Dunstani. Widmung (ed. Stubbs, Memorials of Saint Dunstan p. 3) Per- prudenti domino archonti Älbrico omnium extimus sacerdotum B. vilisque Saxonum indigena alta polorum gaudia. Der unerträgliche Schwulst setzt sich übrigens von der Vorrede in das Werk selbst fort, vgl. c. 2 p. 6 Mox igitur ut vix dei inter insciae nationis vepres sul- cum saluberrimae doctrinae vomeremque dei visitationis infixit et triticeum sanetae trinitatis seinen inseruit, sie vipereum pereuntis lolii germen ab hac extirpavit, ut ulterius dumosi ruris rudera in ea pullulare prohiberet.') Bitte an Aelfric 1 p. 4 ut quiequid in hac editione contra orthographiae normam compositoris vitio usurpatum inveneris, imperial! potentia abradere ac ploranti pinnicula profluentis incausti ... emendare praeeipias. Ueber das Lesen der Schriften von Iren vgl. c. 5 p. 10 Porro Hibernensium peregrini locum, quem dixi, Glestoniae .. . magno colebant affectu . . ■ Horum etiam libros reetae fidei tramitem phylosophantes dili- genter exeoluit. Die Worte in c. 15 heißen (p. 25) prinms abbas Anglicae nationis enituit. Zur Sprache vgl. 16 p. 27 fuleitus; 20 p. 31 acro ... ictu; ferner 21 p. 32 natione praecelsa; 22 p. 33 ad incolatum calamitatis ... praescripsit. Griechisch: 1 p. 3 archonti und 16 p. 27 chyra dextra. Angelsächsisch 12 p. 21 quam lingua paterna hearpam vocamus. Die Sprache der Vita mit der jener drei Briefe (Stubbs p. 374. 385. 390) hat W. Stubbs p. XXIV verglichen und allerdings nicht gewöhnliche Aehnlichkeiten aufgefunden. Zu bemerken ist aber, daß das in c. 4 p. 8 f. enthaltene Gedicht den Reim selten zuläßt, während das an den Brief p. 375 angehängte ihn offenbar bevorzugt. Vergil (Georg. 2, 43 f.) findet sich benutzt c. 29 p. 40 si ... millenos sonos ferrea lingua . .. emitterem. Der Hymnus des Sedulius Cantemus, socii, domino cantemus honorem c. 36 p. 48 f. Die Vita Martini des Sulpicius Severus wird benutzt c. 37 p. 50 more b. Martini. .. numquam ab oratione spiritum relaxans (26, 3 p. 136, 17) und c. 10 p. 17 Non est autem nostrae possibilitatis enarrare . .. qualem vel quantam se ■in divinis praepararet obseqaiis (10, 1 p. 119, 26 f.). — In alten Katalogen wird die Vita s. Dunstani nur in St. Vaast zu Arras s. XI genannt, vgl. Becker 58,19. Und dorther stammt auch die beste Hs. des Werkes, nämlich Arras 1029, 4 ) das sonst sich findet im Mus. Brit. Cotton Cleop. B 13 und im Sangall. 337 s. XI (dessen Kollation bei Stubbs p. 458-472). Hauptausgabe von W. Stubbs, Memorials of Saint Dunstan p.3—52 mit Einleitung p.X— XXX; vgl. Potthast, Bibl. historica p. 1277. 124. Bebo von Bamberg. Der Bamberger Diakon Bebo richtete im Jahre 1021 einen langen Brief an Heinrich IL Der Kaiser hatte ihm Abschriften von Büchern aufgetragen und Bebo stellte den Brief der von ihm gefertigten Abschrift voran. Aus dem Schreiben ergibt sich, daß Bebo im Jahre 1020, als Heinrich in Bamberg anwesend war und den Papst Benedikt VIII. dort als seinen Gast ') Werden sie als Hexameter gelesen, so muß das ausgehende e mehrfach stumm bleiben. • *) Er wird stofflich sich einigen Partien des Kommentars zu De temporum ratione sehr nähern. 3 ) Gleich diese Probe enthält auch mehrere Alliterationen, vgl. hierzu 5 p. 10 vigoribus virtututn; 6 p. 11 vineae vitem; 11 p. 19 intra suorum septa velaminum seriis sermonibus; 23 p.34 velificata veloci; 31 p.44 Signa ergo salubri sanetae enteis sigillo. *) Es ist aber fraglich ob beide Handschriften identisch sind. Bebo von Bamberg. 707 empfing, in der Umgebung des Kaisers geweilt hatte. Wahrscheinlich hatte er damals den Auftrag zur Abfassung der Handschrift erhalten, und daran hatten sich wohl Versprechungen geknüpft. Wenigstens trug sich Bebo mit solchen Hoffnungen, wie der Brief deutlich zeigt. Er beginnt mit einer Unzahl geistlicher Phrasen, die mit Bibelstellen durchsetzt sind und zunächst fast gar keine Beziehungen zum Schreiber wie zum Empfänger besitzen. Dann aber wird er deutlicher und erklärt, daß es Leute gebe, welche die Rechte der Diakonen zu schmäleril wagten, obwohl die Diakonenwürde im geistlichen Amte eine gewisse Gleichberechtigung mit der priesterlichen besitze; es möchten also die Angriffe seinem Stande gegenüber aufhören. Er werde sich aber um nichts besorgen, wenn er durch die Gnade Gottes eine Erhöhung seines Standes erhalten sollte. Des weiteren spricht Bebo von den vielfachen Anstrengungen, denen sich der Kaiser im Kriege aussetze, und ruft ihm das terenzische Wort fiat ne quid nimis zu. Später gibt er eine ausführliche Auseinandersetzung über die sieben Tugenden, die er mit der Furcht des Herrn beginnt, und kommt dann wieder auf persönliche Dinge zu sprechen: Wenn er den Kaiser als Schützer habe, so werde er sich wenig darum kümmern, mehr zu erlangen, als er besitze, und eine höhere Würde zu erreichen. Der Kaiser aber möge seine Gabe empfangen und darin eine Erinnerung an die festlichen Tage vom Ostern vorigen Jahres sehen, da es ihm vergönnt gewesen sei, an der Feier teilzunehmen, als der Papst des Kaisers Gast war. Dies gibt Bebo die Veranlassung, am Ende des Briefes von den feierlichen Veranstaltungen zu sprechen, die damals zu Ehren des Papstes gemacht wurden. An den Schluß stellt er neun Hexameter, in denen er dem Kaiser langes Leben und lange Herrschaft wünscht. In einem zweiten Gedicht von vierzehn Versen, das er an das Ende seiner Abschrift des Jesaiaskommentars gestellt hat (f. 233), preist Bebo den Kaiser als Schützer des Friedens und als Bestrafer der Räuber und Friedensbrecher. Bebo hat Heinrich II. aber noch eine Handschrift gewidmet und zwar den 6. Band von Gregors Moralia, an deren Schluß er einen kurzen Brief stellt: Hier hast du den Teil der Moralia, um den du mich batest. Eine Belohnung dafür begehre ich nicht, da mir deine Gnade genug ist. Aber beim Lesen des herrlichen Buches möge dir die Erinnerung an dessen Schreiber emporsteigen. Zeugnisse. Der große Brief steht im Bamberg. B. IV. 18 s. XI f. 1—7 vor dem Hiero- aymuskommentar in Esaiam und ist gedruckt bei S. Hirsch, Jahrb. d. deutsch. Reichs unter Heinrich II. Bd. 1, 547—553, von Gutenäcker im 25. Bericht des hist".Vereins f. Oberfranken zu Bamberg S. 138 ff., von Jaffe, Bibl. rer. Germ. 5, 484-497; vgl. Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 2, 580 n. 1 und F. Leitschuh, Verz. d. Hss. d. kgl. Bibl. zu Bamberg 1, 1,466. Der Brief beginnt Divo H. claritate virtutum clarissimo augustorum Bebo suus. (Hirsch S. 548) Quidam .. . preiudiciis suis diaconibus audent officio, concessa negare .. . Eniuscembdi officium quamvis .. . prespiteralis dignitas etatis atque scientie merito teneat, tarnen, leviticam dignitatem evangeiice legationis ') necessaria cooperatio inde non separat ... Cessent igitur ordini levitico officia concessa negare . .. Ex cuius ordinatione si umqiiam mereb'or altioris ordinis gradu sublimari .. . (549) En movet nie caritativa sollicitudine multum, qiiod cum proprii corporis periclo temptare non dubitas omne periclum et pergis vincere hello .. . fiat ne quid nimis . . . (551) Si mererer te iocundissimum defensorem habere, parum curarem plus acquisitis acquirere seu altioris dignitatis gradunx ascendere. Ad manum antem gratanter accipito munus presens .. . unde huiusmodi promissionis partem ex parte ') legatio hier = Amt, wie häufig bei Adam von Bremen. v 45* 70g Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. iam videtur exigere digna recordatio paschalis festi, guod iocundissime tecum celebravimus in anno 'priori. Die Verse vgl. S. 553; 1 lautet Landern scribo tuam, tua laus ne vesperet umquam. Der kürzere Brief steht im Bamberg. B. V. 6 s. XI f. 172 b , gedruckt bei Hirsch S. 553. Hier heißt es Ecce partem morulium quam petisti, Cesar, tibi carissime tribuo . Premium inde non appeto . . . Sufficit enim mihi gratia tua . . . (554) Interim tarnen in hac parte Moralium fiat tibi . . . duice colloquium, ut per dulcedinem lectionis memoria fiat didcorata scriptoris; die Hs. enthält die letzten acht Bücher von Gregors Moralia. Das Gedicht auch bei Jaffa, Bibl. rer. Germ. 5, 496 f. 125. Anselm von Besäte. Anselm stammte aus dem Dorf Besäte bei Pavia und mag bald nach 1000 geboren sein. Sein Geschlecht war ein sehr vornehmes, denn sein Vater Rozo zählte zu seinen Verwandten den Erzbischof Johannes von Ravenna und die Bischöfe Sigefred von Piacenza, Kunibert von Turin und Johannes von Lucca, während seine Mutter eine Tochter des Lanfrank von Arzago war und unter ihren Vorfahren den Erzbischof Arnulf von Mailand und Bischof Landulf von Brescia aufweisen konnte. Anselm wurde Kleriker und gehörte dann zu der hochgebildeten Mailänder Geistlichkeit. Als seine Lehrer nennt er den Philosophen Drogo in Parma, einen sonst unbekannten Aldeprand und den von ihm besonders gerühmten Sichelm von Reggio, der vielleicht dort später Archidiakon gewesen ist. Bei Drogo mag er die Werke des Aristoteles in der Übersetzung des Boethius studiert, bei Aldeprand Rhetorik getrieben haben, während ihn Sichelm in diese wie in die übrigen freien Künste einführte. Außerdem hat sich Anselm im Anschluß an die Rhetorik mit Jurisprudenz beschäftigt, 1 ) wie schon in älteren Zeiten die im Unterricht der Rhetorik betriebenen Suasoriae und Controversiae dem Gebiete gerichtlicher Verhandlungen entnommen worden waren; auch von Anselms späteren Zeitgenossen Lanfrank von Pavia 2 ) und Petrus Damiani 3 ) wissen wir, daß in Pavia und Ravenna Redekunst und Rechtsunterricht miteinander verbunden wurden. Den größten Wert scheint aber Anselm auf seine dialektische Schulung gelegt zu haben, denn er nennt sich selbst den Peripatetiker und läßt in einem angeblichen Traume sich von der Dialektik inständig bitten, doch ja auf die Erde zurückzukehren, da es ohne ihn kein Wissen gebe. Er erzählt nun, daß er früher selbst ein Werk über Rhetorik geschrieben habe, dem er den Titel De materia artis gab. Die hier vorgebrachten Regeln sowie diejenigen, die Hermagoras, Cicero, Servius, Quintilian, Victorinus, Grillius und Boethius 4 ) gegeben hatten, wollte er nun an einem praktischen Beispiele in Anwendung bringen und für die ganze gelehrte Welt erläutern. Er zog sich deshalb in die Einsamkeit zurück, um sich ganz der Arbeit hingeben zu können, und die Menschen, die er dort traf, hielten ihn eher für einen Ketzer als für einen Einsiedler. Die Unterlage für das zu verfassende Werk scheint ihm, wenn man seinen Worten trauen mag, der Briefwechsel mit seinem Vetter Roti- ') Vgl. DU mm ler, Anselm der Peripatetiker S. 6 und n. 1. 2 ) Savigny, Gesch. d. röm. Rechts im Mittelalter 1,466. 3 ) M. Conrat, Geschichte und Quellen des röm. Rechts 1, 601 ff. 4 ) Aus der Aufzählung scheint hervorzugehen, daß die Schrift De materia artis vorzugsweise auf Martianus Capella beruhte. Daß der Titel aus Cicero De invent. 1,5, 7 genommen ist, zeigte Dum ml er a. a. 0. S. 6 n. 4. Anselm von Besäte. 709 land, dem Sohne seines Oheims Robert, gegeben zu haben. In der Widmung des Werkes an seinen Lehrer Drogo erfährt man folgendes. Anselm berichtet hier, daß er sich nach dem Studium der Dialektik im Winter zur Rhetorik habe wenden wollen. Da man ihn aber wegen der Schwierigkeit davor gewarnt habe, sei er_zu seinem Lehrer Sichelm, dem Schüler Drogos, nach Reggio gegangen, um darin Unterricht zu erhalten. Dann sei in ihm der Gedanke entstanden, ein Werk zu verfassen, in dem Beispiele für die Regeln der Rhetorik gesammelt würden, die sich in den rhetorischen Schriften 1 ) fänden. Als Gegner in diesem Werke habe er seinen Vetter Rotiland gewählt und in dem Streite allerhand Unwahres über ihn behauptet, um ihn als schuldig hinzustellen. Drogo dürfe aber die Schrift keineswegs als Verwegenheit auffassen, denn er sei unter seiner Aufsicht groß geworden, und als er sich dann von ihm gelöst habe, sei er durch Sichelm doch gewissermaßen dem Drogo adoptiert worden, und "in der Schule Drogos sei für Verwegenheit kein Raum gewesen. Auch weise er die Vorwürfe zurück, die man seinem Werke etwa machen könne, nämlich daß es unselbständig und überflüssig sei oder daß er damit etwa nur Ruhm gesucht habe. Es ergibt sich nun aus dem ersten Buche des „Rednerkampfes" — Anselm nannte nämlich sein Werk Retorimachia 2 ) —, daß Anselm früher in einem Briefe an Rotiland bemüht gewesen war, seinen Vetter in die Gesetzte der Rhetorik einzuführen; außerdem aber hatte er ihm Vorwürfe über seinen Lebenswandel gemacht. Rotilands Antwort war sehr gegen den Wunsch Anselms ausgefallen, nämlich Rotiland hatte die Regeln der Rhetorik gröblich mißverstanden, hatte sogar dem Anselm den Titel Rhetor abgesprochen, ihm ein lasterhaftes Leben vorgeworfen und die ganze Mailänder Geistlichkeit der größten sinnlichen Ausschweifungen beschuldigt. Mag nun dieser frühere Briefwechsel ganz oder teilweise fingiert sein, Anselm wollte jetzt jedenfalls zeigen, daß er in der Rhetorik dem Vetter weitaus überlegen sei, und so schrieb er nun, indem er sich mit voller Wucht der schwersten, wenn auch unwahren Anklagen auf ihn stürzte, seine Retorimachia. Glücklich gewählt ist der Titel nicht, denn wenn auch Anselm die (wirklichen oder fingierten) Klagpunkte Rotilands gegen ihn erwähnt und mit allen der alten Rhetorik abgelauschten Kunstgriffen ins Nichts zerückwirft, so finden wir doch keinen eigentlichen Rednerkampf in dem Werke, da Rotiland selbst nicht auf den Plan tritt und doch von Anselm eine völlige Niederlage erleidet. Aber das Werk hat doch eine gewisse Bedeutung und B. Haureau hat mit Recht hervorgehoben, 3 ) daß wir in ihm die ältesten Spuren von dem Wiedererstehen der philosophischen Studien in Ralien vorfinden. Es beginnt mit einer Fabel, die dem zwischen Anselm und Rotiland tatsächlich bestehenden Verhältnis nachgebildet ist. Nämlich Rotiland hatte auf ein Schreiben Anselms diesem einen Brief mit schweren Anschuldigungen geschrieben und diese will nun Anselm nicht nur entkräften, sondern in erhöhtem Maße auf den Ankläger zurückschieben. Er gibt zunächst die ') Hier werden die obengenannten Werke aus dem Altertum namhaft gemacht. 2 ) Wohl nach der Psychomachia des Prüden tius. 3 ) Singularites historiques et litteraires (Paris 1861) S. 200. 710 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Partition seiner Gegenklage 1 ) und bemerkt, daß Rotiland überhaupt nicht zum Stande der Rhetoren gehöre, an dem er selber doch teilnehme, wozu zwei Verse aus Horaz (Sat. 2, 1, 45) angezogen werden. Darauf schickt sich Anselm an, die Fehler, die der Vetter in seinem Schreiben gemacht hatte, vom Standpunkt der Rhetorik zurückzuweisen. Dann widerlegt er die Vorwürfe, die Anselm ihm gegenüber gemacht hatte, und beantwortet zuerst die Frage: Tullianum principium posuerisne, wobei Sedulius P. C. 2, 68 2 ) und Avianus Fab. 5, 1 f. 15—18 3 ) gebraucht wird. Es folgt die Zurückweisung der einzelnen Vorwürfe und bei deren Entkräftung verwendet Anselm die zweite und fünfte Elegie Maximians. 4 ) Vor allem wird zurückgewiesen, daß Rotiland nach den sittlichen Grundsätzen seiner Eltern gelebt habe, und dabei wird unter großer Ruhmredigkeit der Stammbaum von Anselms und Rotilands Verwandten dargelegt und der Einwand entkräftet, daß Rotiland schon wegen der Lage seines elterlichen Hauses kein unsittliches Leben habe führen können 5 ) und daß er nicht soviel Bücher hätte schreiben können, wenn er ein liederlicher Mensch gewesen wäre. Hier verfährt Anselm in Anlehnung an die hypothetischen Schlüsse des Aristoteles (nach Boethius) und bringt auch aus Servius (Keil, G. L. 4, 449) und aus Priscian (Keil 2, 69) dem logischen Beweise dienliche Stellen herbei. Er wendet sich dann gegen Rotilands Aussage, daß sein Name Rol- landus zu sprechen sei, und handelt über die volkstümliche Aussprache von io = zo (Zollamtes). Das zweite Buch setzt mit einem visionären Traum ein. Anselm sieht seinen Oheim Robert, der ihn fragt, wer er sei und ob er ihm. eine geheime Botschaft an seine einstige Frau anvertrauen könne; dieser Eingang besteht im Gegensatz zu der dem ganzen Werke eigentümlichen Reimprosa aus wirklichen Rhythmen, 0 ) die aber im Druck nicht als solche erscheinen. Anselm sagt, daß er aus Besäte stamme, und er führt dem Oheim seine zahlreiche Verwandtschaft von väterlicher und mütterlicher Seite auf. Der Oheim erzählt ihm von seinem Sohne und bittet ihn, diesem verkommenen Menschen beizustehen. Dieser nämlich hatte einen verbrecherischen Liebeszauber mit Hilfe eines Knaben ausgeübt und dabei hebräische Worte ausgesprochen und sich durch Zauberei 7 ) und Aberglauben einem abscheulichen Lebenswandel ergeben. Aber auch andere Geister erscheinen dem Anselm in seiner Vision und schließlich kommen drei Jungfrauen auf ihn zu, deren erste Anrede aus Sulpicius Severus stammt (p. 40, 6 f. Cur — relinquis = Sulp. Sev. epist. 3, 10, Halm p. 148, 11 f.): Die Dialektik gießt überschwengliches Lob über ihn aus und bittet ihn, auf die Erde zurückzukehren, da ohne ihn kein Wissen möglich sei; die Rhetorik und die Grammatik schließen sich an und alle drei suchen ihn auf die Erde zurückzuführen. Da mischen sich ') Nach Cicero De invent. 1,11—17. 2 ) Dümmler p. 26,16f. nee puto habet similem nee visus est habere sequentem. 3 ) Dümmler p. 26, 27 cave exuas cum asello, qui te induisti cum Mo, ut quod male indueras tandem exutus sis semper ut quon- dam asellus. 4 ) Dümmler p. 29,27 f. = Maxim. El. 5,27. 34 = Maxim. 2,57 ;mit29,35 vgl. Maxim. 5,54. 5 ) Hier (p. 32,15) erfolgt der Vorwurf, daß Rotiland seiner Mutter Pulver von Krötenlunge beigebracht habe, eibares matrem ipso pulmone rubete. °) Nämlich" p. 36,1—9 sind acht, 12-16 sechs Fünfzehnsilber. ') Was ist p. 39,27 gratia bicordulil Anselm von Besäte. 711 die Heiligen darein und erklären Anselm für ihr Eigentum. Anselm aber erwacht in dem Kampfe, der nun entsteht, und wendet sich dann zum Angriffe gegen Rotiland zurück, wobei er sich in außerordentlicher Weise selbst rühmt, 1 ) in seiner Rhetorik allerlei logische Kunstgriffe zeigt und besonders das Argument verwendet, daß er, wie sein ganzes Leben bezeuge, von allen gegen ihn erhobenen Anschuldigungen rein sei. Übrigens ergeben seine Aussagen, daß er damals im Begriff stand, über die Alpen nach Deutschland zu gehen und in die königliche Kapelle einzutreten, 2 ) was ja später auch erfolgte. Im dritten Buche wendet sich Anselm zu den schwersten Anschuldigungen gegen den Vetter. Dieser habe sich zur Zeit der Quadragesima mit einem Mädchen ein Stelldichein gegeben, dessen einzelne Stadien Anselm merkwürdig genau darstellt, um daraus einen kräftigen Strick zur Anklage zu winden. Rotiland habe sich dem Pluto, d. h. dem Teufel, ergeben, damit er den Frauen Liebe abzwingen könne, und er habe seinem Bruder Ado Bücher gestohlen, um die Kosten für seine Liebschaften bestreiten zu können. Eins dieser Bücher habe ihm selbst später ein Weib verkauft, nämlich die Phylippica; 3 ) dies Buch sei von Ados Hand als sein Eigentum bezeichnet und auch verbessert worden, und wenn Rotiland wolle, könne er ihm den Band noch heute zeigen. 4 ) Dann deckt er eine noch größere Schandtat auf, indem er erzählt, daß Rotiland einen Knaben, den eine seiner Geliebten erziehen sollte, ums Leben gebracht habe, wodurch jener sich als Bundesgenosse und Untertan des Teufels ausweise. 6 ) Und um die Schuld des Vetters zu vergrößern, werden schließlich alle erdenklichen Anschuldigungen und Beteuerungen hervorgebracht. So wird der Vetter moralisch vernichtet, seine eigne Arbeit aber stellt Anselm am Schlüsse ins hellste Licht und hebt ihre Bedeutung in den Himmel. Er beendet sein Werk damit, daß er nicht nur über ihr Verhältnis zu den Quellen spricht, sondern sich auch über die Art und Weise der Technik seiner Invektive ausläßt. Zuletzt verspricht er noch ein viertes Buch zu schreiben, wenn er aus der königlichen Kapelle und vom Hofe zurückgekehrt sein werde. Dies Versprechen scheint er allerdings nicht erfüllt zu haben. Daß das Werk ganz nach den Regeln der rhetorischen Kunst geschrieben ist, ergibt sich aus den Randbemerkungen, die aus Ciceros Schrift De inventione und aus der an Heren- nius gerichteten Rhetorik stammen und den ganzen Aufbau einer solchen Abwehr und Klage verdeutlichen; Anselm hat diese Bemerkungen an den Rand gesetzt, um, wie er sagt, weniger Kundigen die Richtung anzugeben, vielleicht aber doch mehr um damit zu glänzen. Als das Werk vollendet war, widmete er es seinem Lehrer Drogo und dann scheint er sich auf die Reise nach Deutschland gemacht zu haben, die er in dem Buche schon ankündigt. 6 ) Er sollte sich wohl einer bestimmten Arbeit in der könig- ') Vgl. p. 48,1 den Ausdruck Anselmina cloquentia. 2 ) Vgl. p. 43,19 regia nie iamdiu presto- lans capella. 3 ) Also Ciceros orationes Philippicae; sie waren von Sedulius Scottus exzerpiert worden, erscheinen aber bis saec. XI sonst höchst selten. *) Vgl. p. 51,10—19. 5 ) Vgl. auch p. 54,16 Erisque bestia tnter bestias. 6 ) Vgl. p. 43,18 Non meo adventu resul- tavet Frantia, non vero Alemannia. 712 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. liehen Kapelle unterziehen, denn er spricht, wie oben erwähnt, von seiner künftigen Rückkehr von der Kapelle. l ) Als er nach Deutschland kam, widmete er Kaiser Heinrich III. sein Werk mit einem Briefe, in dem er zunächst über die Pflicht des Kaisers spricht, das Gesetz kennen zu lernen; er vergleicht sich dann mit Vergil, der sich dem Augustus durch ein Werk empfahl, um sich dann an die große Aeneis zu machen. Hierauf verspricht er ein Werk über die Ruhmestaten des Kaisers zu schreiben und gedenkt dann der großen Taten Heinrichs im Kriege wie im Frieden und deckt die Bedeutung seines gegenwärtigen Werkes mit dem Ruhm seiner Lehrer Drogo, Aldeprand und Sichelm, von denen namentlich der letzte hochgepriesen wird. So möge der Kaiser sein Werk annehmen und Gallien und Ale- mannien möge es nicht ablehnen. Schließlich stellte Anselm der Schrift noch ein Gedicht von 22 Hexametern voran, worin er von seiner Reise Fruttuaria, Parma, Piacenza und Lucea hervorhebt und auf die deutschen Städte Basel, Augsburg, Bamberg und Mainz, das Diadem des Reiches, zu sprechen kommt, die sämtlich seinem Werke die gebührende Anerkennung zuteil werden ließen. So hatte er den Rat seines Lehrers Drogo befolgt, die Retorimachia in allen den Städten, die er berührte, mit Drogos approbierendem Briefe aufzuzeigen, und nach seiner Aussage war er gewissermaßen wie im Triumphzuge durch Deutschland geeilt, um seine Stelle als kaiserlicher Kapellan anzutreten. Hierüber schreibt er nämlich in stolzem Selbstbewußtsein an Drogo und macht ihm Mitteilung, daß man in Mainz die Drogonica seeta und überhaupt die italienische Wissenschaft nur mit Neid empfangen und daß er erst spät dort Lob erlangt habe. Als man sich nämlich in Mainz über sein Werk ausschwieg, habe er endlich darum gebeten, es zu loben oder zu tadeln. Darauf sei man nicht eingegangen und daher habe er es zu einer Disputation 2 ) darüber gebracht, ob es zwischen Bejahung und Verneinung, überhaupt zwischen zwei Gegensätzen ein Neutrum, ein Mittleres gebe, und in diesem Streite, dessen Hauptpunkte er im Briefe an Drogo darstellt, habe er den Sieg mit seiner Meinung davongetragen, daß bei Gegensätzen ein Mittleres unmöglich sei. — Ohne Zweifel gewinnt man von Anselm den Eindruck eines in den Wissenschaften und in der Literatur gereiften Geistes, der freilich an bedenklicher Ruhmsucht und Prahlerei litt. Das Ziel dieses Italieners, der wie Gunzo und Stephan von Novara und wie Liudprand von Cremona als Vermittler des literarischen Verkehrs zwischen seinem Heimatlande und Deutschland gelten kann, 3 ) war eine Anstellung in der Kapelle Heinrichs III. Nachdem er sie erlangt hatte, hören wir nichts weiter von ihm. Zeugnisse. Zum Heimatsort Besäte vgl. die Ausgabe von Diimmler p. 31, 3 Nee hqc degenerat, quam diva Bisatis honorat und 31, 4 Bisatis diva, und p. 37, 2 Est Bisate nobis ampla quidem domus. Zum Alter vgl. Diimmler p. 10 f., wo ausgeführt wird, daß die Zeit der Abfassung zwischen 1049 und 1056 liegt; denn es kann nach dem Briefe an ] ) Vgl. p. 56,22 dum redeam a capella ut I verständlich (vgl. Diimmler p. 57,15). Daß cum a curte regia. 2 ) Den lateinischen Wortlaut mit französischer Uebersetzung gibt Hauröau, Singu- larites etc. p. 195—198; der Lesefehler p. 195 nostratn statt vestram im Anfang macht freilich dort die persönlichen Beziehungen unParis (Haureau p. 194) nicht der Ort der Disputation war, sondern Mainz, geht aus dem Wortlaut deutlich hervor, vgl. Dümmler p. 9 n. 4. 3 ) Wie Dümmler p. 11 richtig bemerkt. Anselm von Besäte. 713 den Kaiser p. 16, 22—31 nur Heinrich III. gemeint sein. Die Stelle im zweiten Brief an Drogo p. 57, 9 iuventutem nostram retractans et adolescentiam erweist, daß Anselm nicht mehr jung war, also etwa in der Mitte der Vierziger stand. Zur väterlichen Abstammung vgl. p. 31, 6—13, zur mütterlichen und zur Verwandtschaft überhaupt p. 37, 2—35, hierzu die Stammbäume bei Dümmlerp. 13 f. H. Bresslau weist Neues Archiv 3, 419 aus Morbio, Storie dei municipj Italiani 2, 50ff. aus einer Urkunde vom 13. August 1031 Nachrichten über den mütterlichen Grof3vater Lanfrank von Arzago und vom väterlichen Großvater Gottefredus von Besäte nach. Daß er zum Mailänder Klerus gehörte, erweist p. 25, 3 in tnatrem meam, Mediolanensem aecclesiam und p. 36, 1 Anselmi .. . sanetae Mediolanensis ecclesiae, das Verhältnis zu Drogo aus p. 18, 3 epistola .. . ad Drogonem phglosophum. Vene- rabili suo Droconi magistro und p. 56, 24 epistola ... ad Droconem magistrum et condiseipulos. Drogoni magistrissimo. Zu seinen Lehrern überhaupt p. 17, 6 Talium enim doctorum mihi fuit doctrina . . . tum quidem Droco phylosophus, flos et Halle decus, tum Aldeprandus ipse faeundissimus, tum Sichelmus liberalium artium peritissimus. Qui ut pre Omnibus in suis rähoricis noster habetur Tullius, sie Iustinlaniis pre omnibus in imperialibus suis edictis . .. inestimabilis autem Droconis enutritus doemate. Zur Kenntnis des römischen Rechts bemerkt Dümmler p. 16 zu 3 ein Zitat aus dem Vorwort der Institutionen und p. 48 zu 12 und p. 50 zu 11 Benutzung von Iuliani epitome novellarum Const. 67, 4 und 36, 7. Zum Beinamen Peripatetiker vgl. p. 16, 1. 18, 3. 5. 20, 30. 36, 1. Die Bitte der Dialektik an ihn im Traume vgl. p.'40, 9—27. Zu seinem früheren Werke vgl. p. 19, 2 hec fuit etiam cura, ut quod de hac arte Hermagoras Tullius Servius Quintilianus Victorinus Grillius Boetius nosque etiam in alio nostro opere, cui titulus est „De materia artis" preeipiendo conscripsimus, in hoc brevl 1 ) opusculo exemplificare satagerem ex arte. Hieraus und aus den Worten p. 18, 34 fuit michi velle et exempla (vgl. p. 18, 32 f.) invenire et stilo mandare ergibt sich der Zweck des zweiten Werkes. Zum Aufsuchen der Einsamkeit vgl. p. 19, 25—31. Die Veranlassung zu dem zweiten Werke erzählt er p. 18, 19—32, die Anlage und Form p. 19, 6 Ubi inter nie et consanguineum meum Rotilandum, z ) virum sue etatis Optimum, quandam constitui controversiam. In qua quidem plurima de eo non vera admiscui et cum culpabilem veri- similitudine quam veritate detexi. Ueber die Vorwürfe gegen das Werk p. 19, 11—34. Der Name des Werkes steht p. 20, 31 und 36, 2. Daß Rotiland früher in der Rhetorik unterwiesen wurde, ergibt sich aus p. 24. 15 ff., das Verhältnis beider geht aus dem Bericht Anselms p. 22, 6—25, 11 hervor; zum Unterricht in der Rhetorik vgl. auch p. 23, 14ff., wonach das dort erwähnte Schreiben Anselms hauptsächlich rhetorischen, nebenbei aber auch moralischen Inhalts war. Rotilands Vorwurf gegen den Mailänder Klerus p. 25, 4 cum universos eins filios turpissima Venere notasti et illud tibi notissimum Ulis ascripseras: Seimus enim quid cum viris in latebris faciant. Bezüglich der von Rotiland geschriebenen Bücher vgl. p. 32, 24 Ad hec vero dixisti: Si te vagacio delectaret, non essent tot libri perscripti. Dies wendet Anselm (p. 32) 26 multos oportet libros scriberes, ut inde precium sumeres, quo a tuis lenonibus te demum redimeres; vgl. damit p. 51, 10 Unde factum est, ut fratris et domini tu! Adonis libros surriperes, quos in devastatione urbis cum aliis suis perditos putaret, tu vero meretrieibus traderes. Quorum Metrum quedam post michi unum venderet, Phylippicam scilicet, quem ab ipso domino Adhone notatum habemus et in plerisque emendatum, ut si negare velis adhuc monstrare possum. Die Schrift des Servius de finalibns syllabis wird p. 33, 23 eingeführt In libro igitur Servil ad Aquilinum de prineipalibus sißlabis est invenire, Priscian p. 33, 29 Priscianus autem in suo libro cum de formis scriberet possessivis. Zur volkstümlichen Aussprache von io vgl. p. 35, 17 In Iohanne enim recte scribendo i iungimus ad o et faeimus io, populus vero z ad o et faciunt zo, ut si tandem ita scriberetur non Iohannes potius vero Zöhannes . . . essetque inconveniens nobis: Sancte Zohannes, ora pro nobis, und vorher p. 35, 11 non Rotilandum, potius vocabidum dixisti esse Rollandum. Die Oertlichkeiten, die im zweiten Buche genannt werden — p. 38, 13 ad pratum quod s. Iohannis dieimus und 39, 15 Ad s. igitur Bartholomeum ... partes templi scissus est —, versetzt Dümmler p. 9 und n. 2 wohl richtig nach Mailand. Der Liebeszauber mit dem Knaben gipfelt in den Worten p. 38, 19 Ut est fixus adolescentulus in loco isto, sie puelle in amore meo; ut est precinetus muro et fossa, sie et illa 3 ) dilectione mea; et ut oculi consumunhir fumo, ita puellule abscessu meo. Die verba .. . hebraica vel potius diabolica bestehen aber nicht aus hebräischen, sondern aus griechischen und lateinischen Unzialbuchstaben (p. 38, 23). Das Stelldichein im Anfang des dritten Buches hat novellistischen Anstrich; übrigens scheint Rotiland (etwa nach Maximiani El. 5) nicht gut bestanden zu haben, denn es heißt p. 48, 23 Venus in pigris ossibus pocius iacet torpida, nee Venus l ) Daraus ergibt sich, daß das Werk De Robertumpatremvideram quiescere steht, richtig aber p. 42, 8 a patre tuo. 3 ) So ist statt (p. 38, 20) ille zu schreiben. materia artis größeren Umfang hatte. 2 ) Ungenau p. 21, 9 als frater Rotilande angeredet, wie Rotilands Vater Robert p. 38,8 714 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. quidem Veneri arrigere potuit, ut ante focum ligna tantum iacv.it (vgl. Maximian 5, 60 Per- stitit in medio frigus ut ante foco). Pulsatus et calcitratus a lecto miser es eiectvs. Zu Pluto vgl. p. 50, 25 Te Plutoni autem inquit mancipare pro feminarvm dilectione und 51, 20. Die wunderbar erzählte Tötung des Knaben p. 52, 16—53, 6. Verhältnis zu den Quellen p. 55, 6 ff.. Darlegung seiner Technik p. 55, 11 — 56, 5; zuletzt entschuldigt er sich wegen seiner Ueber- treibungen p 56, 6—14. Versprechen des 4. Buches p.-56, 20 Sicque de tali homine post in quarto libro sit deliberare. De hac vero causa praestolare, frater, dum redeam a capella ut cum a curte regia accepti tunc operis habeas promissa. Der Brief an Heinrich III. steht bei Dümmler p. 16 —18. Die Erwähnung Vergils p. 16, 14 Virgilius quidem Maro suo quodam opusculo est Cesari commendatus Augusto linde in maiori opere post sudavit Aeneidae. Nostro igitur hoc opusculo, ut ipse Cesari Augusto, sie et nos Cesari commendemus Heinrico, ut sicut ipse heroum sacra sie et bellicas tuas laudes aliud nostrum ojms indicet. Aus diesen Worten geht aber hervor, daß er ein Werk über die Kriegstaten Heinrichs III. schreiben wollte. Und indem er diese dann kurz resümiert, scheint es fast, als habe er hier die Disposition zu dem künftigen Werke gegeben; hier ist 16, 27 mit der üblichen Verwechslung Carmania statt Germania zu lesen und 16, 30 cuius Constantinopolis ultra solvit debita mit Dümmler p. 11 und n. 1 auf die von Adam von Bremen 3, 31 (MG. SS. 7, 347) und von Jocundus in der Transl. s. Servatii (MG. SS. 12, 90) erwähnte Gesandtschaft vom Jahre 1049 zu beziehen. Was hingegen p. 16, 29 ünde tibi spontanea Babylo nuper direxit mandata bedeutet, ist nicht klar; wahrscheinlich ist an eine Gesandtschaft des Kalifen zu denken, da das Kalifat oft mit diesem Namen belegt wird. Wenn er dann sagt (p. 17, 4) Laudes tue itaque cum non minus sint Augusti, sed plurime, eritmihi cum Marone describere, so verspricht er damit ein episches Gedicht über Heinrich III. üb er dies Versprechen eingelöst hat, wissen wir nicht, da kein solches Werk erhalten ist. Das kurze Gedicht 1 ) mit den Angaben über seine Reise steht bei Dümmler p. 15; hier werden noch zwei Gelehrte genannt, denen er seine Schrift vorgelegt hat, nämlich Vs. 13 Geizo nee inßrmat, quod vera probatio firmat: ,Annuo, confirmo, laudo laudandaque dico; Aptius ut dicam, Iove sunt et Caesare digna', und 16 Et favor Azonis donat dignissiina laude: „Hoc opus ex nostra dignamur Cesaris aula Curritur a nobis, laudantes scribimux omnes", womit wohl die Lobsprüche Geizos und Azos gemeint sind; ob freilich diese beiden Gelehrten nach Deutschland gehören, wie Dümmler p. 9 anzunehmen scheint, ist zweifelhaft, da sie nach der Stellung jener Verse ebensogut nach Lucca gehören können. Der Rat Drogos ergibt sich aus dem zweiten Briefe Anselms p. 57, 1 A liberalibus enim vestris diseiplinis cum ad capellam nie contuli imperatoris ... opus quod apud vos edidi, mecum, ut preeepistis, detuli et universis civitatibus, quas in eundo perambulavimus, vestris literis aprobatum representavimus. Von Mainz spricht er im Gedicht 21 Litoribus Beni diadema Maguntia regni Digna laude probat quod tellus Italia 2 ) donat, in dem Briefe aber p. 57, 7 Ex quis Maguntia tandem laudavit ingrata, Droconicam quidem seetam et penitus Italiacam invidens diseiplinam. Alles Folgende bezieht sich auf Mainz, und Anselm sagt selbst im Titel des Briefes, daß er eine Disputation über Logik bestanden habe (p. 56, 24 Epistola . . . de logica disputatione in Gallia habita). Der Grund war (p. 57, 15) (Worte Anselms) ,Singu- larem vestram taciturnitatem in opere nostro adhuc tulisse molestum est; quam si placet ultra ferre non est. Laudare enim vel vituperare necesse est.' ,Non laudabo' inquid (nämlich Maguntia) ,nec vituperabo, cum medium faciam, quod nee laus est nee vituperatio. Est igitur possibile, utrum non facere, ubi aliquod neutrum est invenire.' .Schlußbehauptung Anselms p. 58, 4 Utrum ergo facere necesse est, utrumque enim vel neutrum inpossibile vel nichü est. Daß er Kapellan bei Heinrich III. geworden war, erweist die Aufschrift des Briefes Drogoni magistrissimo et eius diseipulissimis Anseimus gratia dei et vestra imperatorius capellanus. Die Schreibweise des Werkes ist nicht wenig geziert, was sich besonders in der höchst aufdringlichen Reimprosa zeigt, stellenweise ist sie überladen. Dabei ist das Latein Anselms keineswegs fehlerfrei, denn es begegnen Formen wie praeclua (p. 31, 16) und degui (p. 19, 27), doch bemerkt man sofort die tüchtige grammatische Schulung, die sich besonders auch in der häufigen Anwendung von Figuren geltend macht. 3 ) Kulturhistorisch interessant ist das Werk, da mehrfach von Beschwörungen (vgl. p. 32, 13 f.), von Liebeszauber (30, 11 — 15), zauberischen Heilmitteln (31. 16) und von Resten des Heidentums (28, 25) die Rede ist, und diese Dinge einen tieferen Blick in den Aberglauben der Zeit gewähren. Anselms Kenntnisse in der klassischen Literatur sind schon oben dargelegt worden; daß er sehr viel biblische Worte (vielfach ungenau) anführt, hat Dümmler in den Noten meist bemerkt. Handschriften. Das Werk steht mit den zwei Briefen an Anselm im Paris. 7761 f. 1—34 s. XI (vielleicht das Autograph) und im Cusanus 52 s. XII f. 226—230 (Abschrift ] ) Hier wird Vs. 6 sed non iam rudis et expers zu lesen sein. Muß wohl Italica heißen. 3 ) Ein Sprichwort wird erwähnt p. 24,26 omnia membra seeuntur caput. Onulf von Speier. 715 des Parisinus, aber mit dem Gedicht und mit dem Briefe an den Kaiser). Ausgabe von E. Dümmler, Anselm der Peripatetiker (Halle 1872) S. 15—58 mit guter Einleitung. Vgl. B. Haureau, Singularites historiques et litteraires p. 179—200. Fitting, Zur Gesch. d. Rechtswissenschaft S. 9. Poole, Illustr. of the history of medieval thought p. 82. Wattenbach 2, 2. Ueber die Retorimachia handelt J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. d. friihmittel- alterl. Philosophie (Münster 1915) S. 33—37. 126. Onulf von Speier. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts lebte Onulf als Lehrer an der Speierer Schule. Was uns von diesem Manne bekannt ist, wissen wir einzig aus einem von ihm verfaßten Werkchen, dem er den Titel Rethorici colores gab. Nämlich ein jüngerer Mönch, mit dem er befreundet war, hatte ihn um eine Anweisung über Rhetorik mit beigefügten Stellen aus den alten Autoren J ) gebeten. Der Freund war in seinem Kloster zugleich Lehrer, und da er das Kloster nicht verlassen durfte und den Onulf allerhand Pflichten 2 ) davon abhielten, den jedenfalls in einiger Entfernung von Speier wohnenden Freund zu besuchen, so verfaßte er selbst eine solche Anweisung, um sich aus der Entfernung mit ihm zu unterhalten; seine Sendung Werkchen oder Schrift oder Brief zu nennen, überläßt er dem Adressaten, dessen Name uns nicht bekannt ist, da der Eingang der kleinen Schrift nicht erhalten blieb. Sie ist wahrscheinlich für den Unterricht bestellt und auch geschrieben worden, wenn auch ihr Inhalt seltsam genug ist. Denn wir finden hier eine Auseinandersetzung über die dem Redner notwendigen Exornationes verborum an der Hand der im Mittelalter dem Cicero zugeschriebenen Rhetorica ad Herennium 4, 13, 19 bis 4, 29, 40 und zwar in Verbindung mit einer kurzgefaßten christlichen Ethik für den Kleriker. Onulf entwickelt nämlich die sittlichen und intellektuellen Bedürfnisse des Klerikers, indem er an die rednerischen Forderungen seiner Quelle sittliche Postulate anfügt und aus der antiken rednerischen Theorie gewissermaßen die praktischen Konsequenzen für die christliche Moral folgen läßt. Kaum findet man auf einem andern Gebiete eine so merkwürdige innige Verbindung der alten Bildung mit christlichem Gehalte vor. Und dieser Umstand macht sich nicht nur in der ganzen Anlage, sondern auch in der Ausführung geltend, da neben einer großen Zahl von biblischen Aussprüchen allerhand Reminiszenzen aus der alten Prosa und Poesie stehen. Der Ton ist durchaus lehrhaft, aber doch lebendig und infolge der benutzten rhetorischen Formen auch eindrucksvoll. Auch greift der Gang der Auseinandersetzung in das Leben der Gegenwart insofern ein, als eine Menge einzelne Züge aus dem Wirken verworfner Kleriker mit ziemlicher Anschaulichkeit vorgeführt werden und unter anderem auch über die Simonie ') So verstehe ich 2,12. 13,11 (Berliner SB. 1894, XX S. 23) Forsitan auctores tibi rcthoricosque colores Idcirco quen's; 1,13 S.14 et his quos requiris colovibus. 2 ) Sie bestanden wohl im Amte des Lehrers, da ja auch Onulf nach der Subskription der Schrift Lehrer war. — Uebrigens bemerke ich, daß die von mir Neues Archiv 32,691 unter Onulf untergebrachten Aufschriften jedenfalls richtig mit dem Fragezeichen versehen wurden; sie gehören kaum zu Onulf. Hierzu gehören noch Canterbury s. XV (James, The anclibr. of Cant. and Dover p. 366) N. 1456 et in eoclem libro de coloribus rethoricis und Dover 1389 (daselbst p. 487) N. 392 Colores quidam re- torice. Incipit: Hactenus o muse. Das ist weder Onulf noch steht der Abschnitt im Doctrinale des Alexander. 716 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und ihre Anhänger geurteilt wird; das geschieht allerdings noch durchaus in der Weise der vorgregorianischen Zeit, und es ergibt sich daraus deutlich daß die kleine Schrift etwa noch in der Mitte des 11. Jahrhunderts entstanden ist. Und es ist doch zu bedenken, daß der sittliche Ton des Werkchens sich mehrfach mit den Satiren des Amarcius berührt, die ja auch mit Speier in Zusammenhang stehen und wohl aus gleicher Zeit stammen. Freilich sind die Einzelheiten bei weitem nicht so klar herausgearbeitet wie bei Amarcius, aber manches aus dem Leben der Zeit steht doch leibhaft vor den Augen des Lesers. Mit dieser Darstellung begnügte sich Onulf aber nicht, vielmehr wandte er sich in einem zweiten Teile auch zur poetischen Bearbeitung des Stoffes, die bedeutend kürzer als die Prosa öfter als ein Auszug aus ihr erscheint. Sie enthält aber auch selbständige Gedanken und ist unter Wahrung der Form der Anrede an den Freund vielfach in monostichischen Sentenzen abgefaßt. Einige Abwechselung in den verhältnismäßig trockenen Ton des Gedichts hat der Verfasser durch häufige Anwendung der rhetorischen Frage zu bringen gesucht. Onulfs Sprache in der Prosa ist im ganzen gewandt, freilich fehlt es ihr nicht an der Künstelei und Überladenheit der Zeit, zumal sich Onulf durch sehr starke Anwendung der Reimprosa sprachlich vielfach die Hände bindet; übrigens sind die antiken Muster auch außerhalb der aus der Rhetorica ad Herennium genommenen Stellen vielfach zu erkennen. Die Hexameter des zweiten Teils sind meist korrekt gebaut, zeigen aber durch die asyndetische Häufung und Gegenüberstellung der Subjekte und Prädikate x ) deutlich die Spuren der späteren Verskünstelei; an einer Stelle 2 ) sind sie sogar anazyklisch gebaut, was mit der dort vorgeführten Conduplicatio zusammenhängt. So legt das kleine Werk deutlich Zeugnis von den tüchtigen Studien der Speierer Schule ab. Zeugnisse. Nur die Subskription ergibt den Verfasser und den Titel Finiunt rethorici colores ab Onulfo Spirensi magistro beatae memoria« editi; aus dem Wortlaut geht aber hervor, daß die Handschrift an einem Orte geschrieben wurde, wo Onulf bekannt war, d.h. wohl aus Speier selbst stammte. Die Zeit ergibt sich einerseits aus dem Alter der Handschrift— nach Wattenbach S. 8 Beginn des 12. Jahrhunderts — und andererseits daraus, daß der Streit zwischen Kaiser und Papst noch nicht entbrannt war; so kommt man etwa in die Mitte des 11. Jahrhunderts oder wenig später. Zur Bitte des Freundes vgl. 1, 13 S. 14 exerceri laboras faciendis versibus et prosis 3 ) et his quos requiris coloribus; das Wort his zeigt, daß der Freund ihn darum ersucht hatte, und nicht, wie Wattenbach S. 3 meint, um eine Schrift, die Onulf ihm nicht verschaffen konnte; vgl. auch 2, 12. 13, 11 auctoris tibi rethoricosque colores Idcirco queris. Daß der Freund Lehrer war, 4 ) bezeugen mehrere Stellen, 1, 2 S. 9 pueros tuae diligentiae commissos ... studiose adiflea; 15 S. 14 Cum ergo in pueris erndiendis .. . duram ceperis provinciam 5 ) und S. 15 adeo ut pueros .. . non tantum ■moribus habitu et scientia devote instruas, ferner 2, 3, 4 Ergo stude pueros commissos iusta docere. Hinderungsgründe für persönliches Zusammentreffen 1, 26 S. 20 sed michi ut ad te veniam et tecam fruar collocutionis gratia, denegant multa quibus impedior negotiorum incommoda. Tibi autem ad nie veniendi non est copia, quem non leviter exire permittit claustralis obedientia; Ersatz 1, 25 S. 20 hoc sattem colloquendi genere decrevi tuam habere presentiam. Benennung der Schrift 1, 25 hoc inquam opasculum seu cartam seu dici mavis epistolam ... perlege. Gleich im Anfang weist Onulf auf den geringen Wert der Rhetorik *) Besonders 2,11,7—10. 2 ) Nämlich 2, 21,8—10. Die Hexameter sind vielfach leoninisch geieimt und zwar durchaus nicht bloß im Similiter desinens, wie Wattenbach S. 9 bemerkt. 3 ) d. h. nach dem Sprachgebrauch der Zeit so viel wie Rhythmen. 4 ) Das gleiche für Onulf ergibt sich aus dem Worte der Subskription magistro. 6 ) So ist statt providentiam zu schreiben, wofür Ter. Phorm. 72 f. das Vorbild ist. Papias. 717 für das Leben des Christen hin, und da er hier von der niornm elegantia, compositio Habitus, vitae dlgnitas spricht, so ist es wohl möglich, daf3 er überhaupt mit Auct. ad Herenn. 4, 12, 17 seine Erklärungen begann. An den Anfang jeder einzelnen exornatio verborum setzt er die allerdings oft abgeänderten Worte seiner Quelle, so z. B. zur traductio (Auct. ad Her. 4, 14 21) qttae cum idem verbum saepius in eadem significatione seu in diversis dispersim nonitur, orationem multo concinniorem reddere videtur; in der christlichen Nutzanwendung fährt er dann dort fort, wo er im vorigen Kapitel (complexio) stehen geblieben war. So »eht er bis c. 23 zur commutacio 1 ) und schließt Hae sunt exornationum rethoricarum diffinitiones, diversitates et nomina, hat aber in c. 17 bei der diffinitio die Definitionen der vier Kardinaltugenden nach Ciceros De invent. 2, 160—164 eingefügt. Als Schluß hängt er noch kurze Stücke über die permissio, dubüacio und expeditio an (Auct. ad Herenn. 4. 29, 39.40). Zu den Anführungen aus klassischen Autoren gab ich Einiges Neues Archiv 20, 442f.; hier 2 ) könnte noch erwähnt werden 1, 15 sine commendaticiis litteris aus Cic. ad Farn. 5. 5, 1 und daß 2, 10, 1 Qui cupit esse boni (19, 3 esse bonus dum quis cupit) aus den Vers. Cat. contra luxur. 3 ) 1 stammt. Biblische Stellen z. B. 1 S. 9 TJt enim inhabitem — ut videas coluptatem*) — ut visites aus Psal. 26, 4; 2 S. 9 Deo enim — vivat aus Ezech. 33, 11; 2 quibus est gaudium — agente Luc. 15, 7; 3 S. 10 quo ex toto — diligas Marc. 12, 33; 9 S. 12 scientia — aedificat 1 Kor. 8, 1; 9 qui erudit — accipere Piov. 9, 7—9. Zum Eindringen schlechter Priester ins Amt vgl. 19—21. Zur Simonie vgl. 15 S. 15 und die Lehre Vivat igitw in loco suo sub iustae preceptionis obedientiq, fretus superni iudicis '... in- effabili misericordia, also ohne Gedenken des Papstes. — Handschrift: Vindob. 2521 s. XII f.48. Ausgabe von Wattenbach, Beil. SB. 1894, 361—386 mit Einleitung. Vgl. Manitius, Neues Archiv 20, 441 ff. Endlicher, Die philol. Hss. der Wiener Hofbibliothek S. 170 vergleicht die Schrift mit Marbods De ornamentis verborum, wo dieselben Redefiguren aus derselben Quelle erörtert werden. 127. Papias. Nach alter Überlieferung ist Papias ein Lpmbarde gewesen, als sicher aber kann gelten, daß er Italiener war. Denn er berührt in seinem Lexikon außerordentlich viele italienische Ortschaften und Öitlichkeiten, während ihn Frankreich und Deutschland bei weitem weniger interessieren. Doch fehlt in dem großen Werke ein sicherer Hinweis auf seinen Aufenthaltsort gänzlich und auch aus den zahlreichen benutzten Quellen läßt sich in dieser Beziehung nichts entnehmen. 5 ) Aber auch die genaue Bestimmung der Zeit unterliegt Schwierigkeiten. Den einzigen Anhaltspunkt gewährt hier eine Angabe aus der deutschen Königsreihe unter Aetas (f. 7 al ) Otto maior IL Otto minor XXII. Otto puer sex. Henricus maior XXIII. Conradus XVI. Henricus minor XIII. Hierbei wechseln Kaiser- mit Königsjahren und die Zahl bei Otto dem Großen ist überhaupt falsch, doch geht daraus deutlich hervor, daß das Werk zur Zeit Heinrichs III. geschrieben wurde. Aus den dreizehn Jahren aber, die diesem Herrscher beigelegt werden, hat nun schon Alberich von Trois-Fontaines, der um 1240 schrieb, geschlossen, daß Papias sein Werk 1053 herausgab. Auf diesem Jahre fußte die Angabe von ö. Goetz, der zwar nach Papias' eigenen Worten in der Vorrede zehn Jahre hinzuzählt und als Jahr der Fertigstellung 1063 annehmen möchte, aber sich bei 1053 bescheidet. 6 ) Mit dieser Zählung Alberichs läßt sich aber der Umstand nicht vereinen, daß Bischof Bruno von Würzburg, der zwischen 1034 und 1045 einen Psalmenkommentar schrieb, in der Vorrede zu seinem ') Also nach Auct. ad Herenn. 4,28,39. 2 ) 2, 5, 5 ist canentibus zu schreiben. 3 ) Hrsg. von Er. Vollmer, Auct. antiq. 14,237 app. crit. 4 ) So ist nach Psal. 26,4 zu schreiben. 5 ) Möglicherweise steckt in f. 13 al Apo- danea dictaecclesia s. Michaelis a pedis vestigio ibi impresso ein Hinweis. Ich benutze die mir aus München gütigst geliehene Inkunabel Venedig 1496 per Philippum de Pincis Man- tuanum. u ) Münchner SB. 1903 S. 274. 718 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Werke Papias anführt. Darauf hat schon Denzinger in seiner Ausgabe von Bruno aufmerksam gemacht und jedenfalls mit Recht angenommen, daß bei Heinrich III. (wie bei Otto IL) nicht die Regierungsjahre, sondern die Jahre seit seiner Königskrönung (1028) zu zählen sind. So würde sich für Papias das Jahr 1040/41 als Beginn seiner Arbeit ergeben. Da er aber zehn Jahre hierzu brauchte, so würde man für die Ausgabe auf 1050/51 kommen; doch kann Bruno diese nicht benutzt haben, da er schon 1015 starb. Entweder hat daher Bruno eine frühere Redaktion des Lexikons benutzen können, oder Papias hat die kritischen Zeichen in einer andern vor das Lexikon fallenden Schrift behandelt, die dem Bruno vorgelegen hat und für uns verloren ist. Ich möchte beinahe den ersten Fall annehmen. Da Papias in der Vorrede selbst sagt, daß er an der Vollendung seines Werkes, soweit ihm Gott Zeit gebe, weiterarbeiten werde, so ist es nicht ausgeschlossen, daß er schon eine frühere Ausgabe veranstaltet hat. 1 ) Man würde also mit der im Druck 2 ) vorliegenden Gestalt des Werkes etwa auf die Mitte des 11. Jahrhunderts als Zeit der Beendigung des Lexikons kommen. Papias war selbst Kleriker, das geht aus der zweiten Hälfte der Vorrede deutlich hervor und ergibt sich auch daraus, daß er sagt, Väter und Brüder hätten ihn um die Abfassung des Werkes gebeten; außerdem aber bezeugen das die sehr zahlreichen theologischen Quellen, die er für sein Werk benutzte, sowie das große Interesse, das er für die hebräische Sprache gehabt haben muß, denn er erklärt allerorten biblische Ausdrücke und Namen. Dem steht in keiner Weise entgegen, daß er zwei Söhne hatte, denn der italienische Klerus war im ersten Drittel des 11. Jahrhunderts großenteils verheiratet. Vielleicht hängt damit sogar seine Verbannung zusammen, denn er schreibt in der Widmung an seine Söhne, daß er sie eigentlich persönlich habe unterrichten wollen, er habe das aber nicht gekonnt, da er seiner Sünde wegen für eine Zeit entfernt von ihnen leben müsse. So habe er die Grundbegriffe des Wissens zu ihrer Bildung zusammenzustellen sich entschlossen und zwar auf ihre und einiger Väter und Brüder Bitten und auf den Wunsch anderer hin. Sein Werk sei längst von vielen anderen vorbereitet und von ihm selbst in etwa zehn Jahren vollendet worden, und er werde mit Gottes Hilfe weiter an seiner Verbesserung und Vollendung arbeiten. Im zweiten Teil der Vorrede wird mit außerordentlich schwülstigen Worten denen, die gut über sein Werk dächten, Lohn, den Tadlern aber die göttliche Strafe verheißen. Am Schluß bittet der Verfasser, daß alle seine Leser seiner in Liebe eingedenk sein und Gott um Verzeihung für seine Sünden bitten möchten. Elementarium doctrinae rudimentum. Mit diesem Titel hat Papias sein Werk bezeichnet. Er scheint in den Handschriften nicht häufig zu begegnen, da ich ihn in einer großen Zahl Aufschriften aus mittelalterlichen ') Diese würde dann eine andere Zahl von Heinrichs III. Jahren tragen. Es wäre daher von Interesse, daß die sämtlichen Handschriften hierauf untersucht würden. Uebrigens liegt der Fall ähnlich bei Gerard von Czanäd, der kurz nach 1040 den Papias benutzt hat (s. unter Gerard). Vielleicht ist aber bei Papias statt XIII nur III zu lesen. 2 ) Daß die drei Venediger Drucke aus der Mailänder Ausgabe (ed. princ.) stammen, hat Goetz, Münchner SB. 1903 S. 268 dargelegt. Papias. 719 Katalogen nur zweimal gefunden habe; dagegen findet sich Älp>habetumPapie, Papie de significatis vocabulorum, de significatione vocabulorum und de ex- positionibus vocabulorum, auch Papias vocabulista und Breviarium Papie sowie materia verborum und dies verkürzt zu tnater verborum. Das Werk besteht aus einem groß angelegten Lexikon, das im allgemeinen alphabetisch angeordnet ist, diese Ordnung aber innerhalb der einzelnen Buchstaben und zwar besonders wegen der mittelalterlichen Orthographie häufig verläßt. Nicht wenig Artikel schwellen zu kleinen Abhandlungen an, wie Aetas, Carminum varietates, wo erst 27 verschiedene Metra des Boethius mit den Anfängen der Gedichte nach der Schrift des Lupus von Ferneres aufgeführt, 1 ) dann 19 Metra des Horaz nach Servius de metris Horatii aufgezählt werden, denen sich die Hymnenmetra des Ambrosius, die Metra des Prudentius und die beiden Hymnenmaße des Sedulius anschließen und wo als letztes Glied der Anfang von Prospers Carmen ad uxorem erscheint. Ferner der Artikel Corpus, wo des Macrobius Darlegung über den mathematischen Begriff des Körpers erscheint, De divisione diffinitionum ex Marii Victorini libro abbreviata in fünfzehn kleinen Abschnitten, Derivatio, wo im allgemeinen über die Derivation gehandelt wird, während sich besondere Abschnitte über Derivation von Wörtern über das ganze Buch hin verteilt in großer Anzahl finden, 2 ) Formatae epistolae mit einer größeren Anleitung zur Abfassung von Briefen, die, wie schon Goetz bemerkte, 3 ) in dem Werke des Albericus de dictamine vorkommt, der zur Zeit Gregors VII. in Monte Cassino lebte und also von Papias nicht benutzt sein kann; 4 ) hier erscheint die Stelle f. 63 ll1 von Wichtigkeit Henricus cancellarius u[ice] reg. Vercellensis episcopi recognovi factum anno dominicae incarnationis M incüctione VI anno vero eins imperatoris regno XII. Ferner Italia, wobei die achtzehn Provinzen Italiens nach Paulus Diaconus hist.Langob.2,14 ff. aufgezählt werden, Lapis, wo die zwölf Edelsteine nach älterem Vorbilde mystisch gedeutet werden, 5 ) Mediana aus Isidor geschöpft, Notatio, wo erst über die kritischen Zeichen nach Isidor Et. 1,19—25 und dann ziemlich ausführlich über Abkürzungen gehandelt wird, 6 ) Panis mit Aufzählung einer Menge Brotsorten, Praeceptiun mit längerer Auslegung über den Dekalog, Begnum mit historischer Darlegung, Begulae, wo die regulae Tichonii in verkürzter Gestalt gegeben werden, Sibyllae, wo einem Abschnitt über die Sibyllen das Gedicht bei Augustin Iudicii signum in 27 Versen beigegeben wird, endlich Vox mit den Voces animantium. Das Lexikon selbst stammt zum größten Teile aus dem Liber glossarum, wie G. Goetz festgestellt hat; dies Werk bildet seine Grundlage. Aber dazu ist vieles andere gekommen, denn da Papias das Werk für die Belehrung seiner Söhne zusammenstellte, ergab sich aus diesem Zweck neben der sachlichen Belehrung, die die unzähligen Artikel aus Isidor zu vermitteln hatten, vor allen Dingen die grammatische Tendenz. ') Vgl. auch Boethius de cons. phil. ed. Peiper p.XXIIII. 2 ) Vgl. hierzu G. Loewe, Prodr. glossar. lat. p. 237 und G. Goetz, Münchner SB. 1903 S. 282 f. 3 ) a. a. 0. S. 282. 4 ) Goetz meint S. 283, daß die vollständige Fassung des Artikels erst später in das Lexikon gekommen zu sein scheine. 5 ) Vgl. Prudentius ed. Dressel p. 209 adn. Vgl. außerdem Amarcii Sermon. 4, 87—131 undMarbodiliberlapidumillustr.aJoh. Beckmann (Göttingen 1799) p. 138 ff. c ) Vgl. Goetz a. a. 0. S. 281 f. 720 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Diese ist in hohem Grade bevorzugt und daher ist kein geringer Teil Pris- cians in das Werk hineingearbeitet worden und zwar mit häufiger Namensnennung der Quelle. 1 ) Die benutzten Abschnitte aus Priscian sind in kleine Stücke zerlegt und dabei sind auch, wie Goetz nachwies, 2 ) Schoben benutzt worden und Papias hat seine Artikel aus Priscian öfter mit Notizen aus dem Liber glossarum kompiliert. Doch hat sich Papias weder in den eigentlichen Glossen mit dem Liber glossarum noch in seinen grammatischen Bemerkungen mit Priscian begnügt. Vor allem scheint er eine Placidus- überlieferung selbständig benutzt zu haben, da sich viele seiner Stellen, die hiervon abhängig sind, nicht im Liber glossarum zu finden scheinen. Ich erwähne hier Bollona 21 b2 , Cetarii 31 bl , Conclassare 37 a2 , Ilasena 70 bl , Magmentum 95 bl , Plotus 128« \ Poemaneum 128 a2 , Polyloquus 128 bl , Po- ■mones 128 b 2 , Prolicta 135 b 1 , Eedimiae 144 a 1 , Regumen 146 a 2 , Somptophanech 164 b2 , Soristica 165 al . Aber auch andre Grammatiker werden angeführt, wie Donatus 178 ba Transtra, Charisius 24 il1 Cambio (bis campsi ponit Cari- sius), s ) Diomedes 135 bl Prolepsis, und Caper 146 bl Bemedior. Auch Servius wird zitiert, so 33 b2 Classes, 47 al Dies, 165 b2 Messis; benutzt wird er aber auch 26 bl Carminum für die Versmale bei Horaz, und 149 al Ropalicus hexa- meter (Centimeter). Weniger treten bei Papias Dialektik und Rhetorik hervor, obwohl die Artikel zu beiden Disziplinen einen ziemlichen Raum einnehmen. Dagegen ist das Quadrivium in manchen Beziehungen reichlicher vertreten, wenn man von der Musik absieht. Aus dem Gebiete der Geometrie sind geographische Abschnitte und Artikel sehr zahlreich, wobei besonders Italien behandelt wird; 4 ) nur selten wird Deutschlands gedacht, wie etwa in der falschen Erklärung 149 bl Ruteni flavi i. e.Flandrenses po- puli. Sehr groß aber ist das Interesse des Papias für Medizin, und im Zusammenhang damit erscheinen sehr viele Pflanzennamen mit Angabe der betreffenden Heilkräfte. Reich ist auch die Zoologie vertreten, freilich neigt hier der Verfasser durchaus zu der christlichen Mystik des Physiologus, aus dem eine ganze Menge angeführt wird. Kirchliche Dinge erfreuen sich auch großen Interesses, und ebenso stark berücksichtigt er die antike Mythologie, die namentlich aus dem 4. Buche von Augustins de civitate dei vorgetragen wird. So setzt sich das ganze Lexikon aus Artikeln zusammen, die auf die Artes liberales und auf weitere Disciplinen Rücksicht nehmen, welche zum Unterricht in der Schule gehörten. Dabei spielt aber auch das Griechische keine geringe Rolle, denn Papias hat aus einem lateinischgriechischen oder aus mehreren solchen Glossaren eine sehr große Menge Lemmata mit Erklärung ausgezogen und in seinem Werke untergebracht. Er selbst konnte jedenfalls nicht Griechisch, denn in diesen Erklärungen steckt eine Menge Unsinn und seine angeblichen Zitate aus Hesiod und Theokrit haben sich als späte Interpolationen erwiesen. 6 ) Aber auch sonst ') So Calchas f.23 bl , Cah/bs2S h2 , Campester 24", Poemaneum 128 a2 , Rito 148t>', SlipsWl* 2 . To agatmiVn**. 2 ) a. a. 0. S.278. 3 ) Benutzt wird er auch 156 al Sed per d scribi debent, antiquitus enim sedum dice- batur und 75 a 2 Jbus antiqui dicebant pro Ins Ulis. 4 ) Außerdem namentlich die aus Vergil und andern Dichtern bekannten Namen. 6 ) Dies wird wohl auch der Fall sein mit dem Zitat aus Diodor bist. VI s. v. Cures f. 42» 1 und mit der Anführung aus Catull s. v. Hymen 73 a2 (Cat. 62,5). Papias. 721 findet sich allerlei Bedenkliches. Papias übernahm nämlich aus dem Liber glossarum und anderen ähnlichen Quellen eine große Menge verderbter und unverständlicher Glossen, die baren Unsinn boten, und er hat vielleicht auch selbst hin und wieder dazu gefabelt. Schlimmer aber ist der Umstand, daß er oft dasselbe Lemma zwei- oder dreimal wiederholt und jedesmal eine andre Erklärung hinzusetzt, wie er sie in seinen verschiedenen Quellen fand. Er muß nämlich außer seiner Hauptquelle noch ein oder mehrere Glossare benutzt haben, da sich sehr viele seiner Angaben nur so erklären lassen. Außerdem hat er aber noch eine Menge Autoren zu Rate gezogen, die er meist selbst an Ort und Stelle nennt oder in seinem am Anfange stehenden Quellenverzeichnis angibt. Dabei scheiden Varro und Plinius aus, deren Namen er meist aus Augustin und Isidor übernommen hat. So kennt er natürlich Boethius wie schon oben und auch von Goetz bereits bemerkt wurde. 1 ) Ferner verdankt er dem Fulgentius manches, wie von P. Wessner dargelegt worden ist. 2 ) Macrobius wird außer der oben notierten Stelle benutzt zu Fabricor f. 58 a 2 , für Indictio 78 lj l , Praecox 3 ) 132 b 1 , Stadios*) (für Sadioa) 166 b 2 , die Hist. ecclesiastica für Corculus 39 a l , Eusebius zu Stila 5 ) 167 b 2 . Viel aber verdankt Papias dem Remigius, aber nicht nur dessen Donatkommentar, wie Goetz "(S. 279) anzunehmen scheint, da damals nur dieser im Druck bekannt war, sondern überhaupt den zahlreichen Kommentaren des berühmten Mönches von Auxerre. So f. 52 a ' Electri tria sunt genera — asmaltum dicitur aus Remig. in Mart. Cap. 7,15 (vgl. meine Ausgabe Didaskaleion 2,71). Ferner 68 bl zu Glis, Gliris und Glis glissis aus Rem. in Eutych. 449, 2 und in Phoc. 412,1 (meine Ausgaben Münch. Museum 2,103 und Didaskal. 2,77). 120 bl Oseillum und Oscilli aus Rem. in Prise, partit. XII vers. Aen. 474,7 (Münch. Mus. 2, 86); 121 bl Pallas aus Rem. in Mart. 3, 25 (Didask. 2,70); 130 al Portvnus aus Rem. in Mart. 2, 29 (Didask. 2,68): 177*1 Tüulus aus Rem. in Phoc. 410,18 (Didask. 2,75) und 177 b2 Toi/ mit Nennung des Namens. So wird auch 17 b 2 Attis und Atys aus Rem. in Mart. 48, 30 stammen, wozu Remigius höchstwahrscheinlich den Kommentar Dunchads benutzte (vgl.Didask. 1,147) und den des Johannes Scottus (vgl. Didask. 2, 47) damit verband. Endlich stammt 52 a2 Entölechia wörtlich ohne jeden Zusatz aus Rem. in Mart. 4, 2 (Didask. 2,70). Von andern gelegentlichen Quellen seien genannt Cicero zu 38 bl Controversia und 93 al Logice, Quintilian (Inst. 1,7, 9) zu 3 a2 Äbstemius, Sueton (Ner. 39) zu 182 bl Veii. Ganz selten nur wird aber die Quelle genannt, die neben dem Liber glossarum am häufigsten benutzt wird, nämlich Isidor, z. B. 128 al Pliio. Stellen aus Dichtern finden sich natürlich in großer Zahl und zwar mit und ohne Namen. Dabei treten die christlichen Dichter fast ganz zurück, die alten überwiegen durchaus. Vergil wird häufig angeführt, aber mehr als Autorität, denn dem Wortlaut nach, während von Ovid mehrfach größere ') a. a. O. S.278f. Außerdem 52a* Ele- giacum, wo Cons. phi]. 1 metr. 1,1 angeführt wird. 2 ) Commentat. philol. Jenenses 6, 2, 107 —128. 3 ) Saturn. 6, 8,13. 4 ) Somn. Scip. 1,15,18. 5 ) Quare Palemon Vincentinusgrammaticus ut est apud Eusebium Caesariensem a quo- dam interrogatus quid inter stillam et guttam interesset, gutta, inquit, stat, et stilla cadit. Die Stelle (viel kürzer bei Isid. different. 534) aus Hier, cliron. a. 2064. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 46 722 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Stellen ausgehoben werden. Juvenal wird mehrfach angeführt und zwar werden hierzu auch Scholien benutzt. Seltener erscheinen Horaz, Lucan Persius, Martial und Terenz, einmal als einzelne Seltenheit auch Senecas 1 ) Tragödien (Herc. 173—175). Von christlichen Dichtern wird Prudentius neben der Nennung seines Dittochaeon zweimal angeführt, Sedulius einmal. __ Wenn nun auch bei weitem die meisten Artikel auf ihre Quellen zurückgeführt werden können, so bleiben doch nicht wenige übrig, für die uns wenigstens die gedruckte Quelle bisher fehlt. Goetz hat daher im Thesaurus glossarum nicht selten auf Papias aufmerksam gemacht und später noch eine kleine Anzahl Orte zusammengestellt. 2 ) Hier ließe sich aber noch manches hinzufügen, was mindestens für die Geschichte der Glossographie von Wichtigkeit sein könnte, vielleicht aber auch an sich von einigem Interesse wäre; freilich liegt die Gefahr immer nahe, daß das eine oder andere Stück schon im Liber glossarum enthalten ist. Ohne Zweifel ist das Lexikon, das Papias zusammengestellt hat, eine für ihre Zeit beträchtliche Arbeit gewesen. Besonders aber wurde das Werk für die Zukunft wichtig, denn es ist eine Hauptquelle für die spätere Lexikographie gewesen, ist sehr häutig abgeschrieben worden und hat Jahrhunderte in hohem Ansehen gestanden. Daher wurde es auch Veränderungen unterworfen, wie sich eine verkürzte Bearbeitung erhielt, die die Erklärungen lateinisch und deutsch gibt. Und im englischen Kloster Peterborough besaß man sogar eine poetische Bearbeitung des Werkes, also ein sprachliches Lehrgedicht. Grammatik. Mit dieser Arbeit hat sich aber Papias nicht begnügt. In dem ihr angehängten Nachwort dankt er nämlich zunächst Gott, daß er ihn die große Arbeit, habe vollenden lassen, und sagt, daß er, um die Vollendung zu krönen, einen notwendigen und möglichst kurzen Auszug aus der ganzen Grammatik zum schnellen Gebrauch des Lesers hinzugefügt habe. Aus dem Vorwort der Grammatik aber geht hervor, daß seine Söhne ihn auch um Abfassung dieses Werkes gebeten hatten. „ Weil wir aber, heißt es, hierin die Geltung vieler, besonders Priscians besitzen, so will ich mir nicht gewaltsam das anmaßen, was von anderen stammt. Ich folge also der Anordnung und dem Inhalt von Priscians Werk und verschmähe auch das nicht, was andere vorgebracht haben. So habe ich für euch in aller Kürze ein Buch zusammengestellt, in dem das Wichtige nirgends übergangen und das Nützliche hineingemischt worden ist." —Die von Hagen aus der Grammatik gegebenen Auszüge lassen erkennen, daß sich Papias fast nur mit einem sehr kurzen Auszug aus Priscian begnügt hat und seinem Vorbilde sowohl nach Inhalt wie Stoff getreu folgt. Nur selten weicht er in nebensächlichen Dingen von ihm ab und er wird hierzu die nämlichen Quellen gebrauchen, die oben neben Priscian für das Lexikon namhaft gemacht sind, zu dem die Grammatik jedenfalls als eine Ergänzung für den Unterricht anzusehen ist. Man findet also weder hier wie dort den Verfasser selbständig vorgehen, aber beide Werke bezeugen doch, daß Papias eine nicht geringe Summe von Wissen seiner Zeit umfaßte und in ') 142 b2 Rabula etiam patronus causarum de quo Seneca in prima tragoedia hie clamosi rabiosa feri iwgia vendens improbus iras et verbo (!) locat. 2 ) Miinch. SB. 1903 S. 284 f. Papias. 723 einer der Zeit angepaßten Form auf die Nachwelt zu übertragen bestrebt gewesen ist. Zeugnisse. Zur lombardischen Abkunft vgl. Berger, De glossar. et compend. exeget. p. 11 und Goetz a. a. 0. S. 271. Die Person selbst steht in ihrem Namen fest nach dem Vorwort zum Lexikon bei Goetz S. 273 et pro me Papia multiplicibus öbsito peccatis ... deum exorent. Die Stelle bei Alberich heißt in dessen Chron. 1053 (MG. SS. 23, 790) Anno 1053,13 imperdtoris Senrici filii Conradi, Papias librum suum scilicet Elementarium doctrinae rudi- mentum edidit, quod probatur de numero annorum, ubi agit de aetatibus saeculi in prima littera et enumerando pertingit nsque ad hunc annum, vgl. hierzu Goetz S. 274. Bruno von Würzburg schreibt (Migne 142, 41B) Quae signa scilicet obeli asteriscique sive ut Papias dicit asterisci dum per scriptorum negliqentiam a phrisque quasi superflua relinquuntur, und zwar stammen die Worte aus Hieronymus (vorher addidit b. Hieronymus in eadem epistola), doch hat Bruno hier des Papias Autorität eingeschoben. Zu Papias über den asteriscus vgl. f. 17" 2 Asteriscus und 112" * Notatio. Vgl. hierzu Denzinger in den Proleg. 3,15 col. 28 und col.41 n. 103. Die nötigen Stücke aus der Vorrede heißen (nach Goetz S. 272 f., der hier den Text ,der Ed. princ. nach der Ueberlieferung im Paris. Arsenal 1225 s. XIII und im Darmstad. 909 s. XII berichtigte) Fili uterque carissime, dehn si potuissem ... litterarum disciplinas in pre- sentia vos edocuisse. At quia aut nostri causa peccati ... ad presens sumus remoti, ne non videamini filii . . . Interim quedam discipline elementa ad oestra erudimenta invenire disposui: nee vobis solum filiis sed, si arrogantie non detur, patribus vel fratribus quibusdam tarn satis olim a me petentibus, quibusdam autem etsi non petentibus tarnen cupientibus . .. talen- tum .. . usuris erogandum suseepi. Opus quidem a multis aliis iam pridem elaboratum a me qitoque nuper per spatium circiter decem annorum prout potui adauetum et aecumulatum, ad confertum igitur ... eiusdem ... perfectionis cumulum quantum deus donaverit adhuc super- addere pet tentabo ... Qui si malivoli non fuerint, leni ... docente magistro per hanc ad verain poterunt provehi sapientiam . . . volentes per Christum obnixius omnes rogo ut . . . aut ad idem pertraetandum ne aspirent aut in Christo id habere nitantur posteaquam suseeperint. Contra id vero qui fecerit aut alteri faciendi occasionem dederit, ipse quidem exterior homo ad presens sit anathema . .. Insuper autem id solum ab Omnibus peto remunerationis, ut cum ad leyendum hunc librum suseeperint, nostri quoque cum caritate meminerint et pro me Papia multiplicibus obsito peccatis .. . pro nobis deum exorent. Den richtigen Titel — auch zu er- S3hen aus den Worten elementa ad vestra erudimenta — geben Alberich (vgl. oben) sowie die Aufschriften von Crepy s. XII (Bibl. de l'ec. des chartes 63, 484 N. 70) In elementario doc- ti-ine rwlimentum 1 ) und von John Hamundson 1472 (Surtees society publications 45,199) librum qui dicitur Papias in elimentar. Ueber die Hauptquelle, den Liber glossarum, vgl. Usener, Rhein. Mus. 24, 390, Loe we, Prodr. gloss. lat. p. 236, Goetz, Abh. d. Sachs. Ges. d.Wiss. Phil.hist. Gl. 13, 248 und Münch. SB. 1903 S. 276 f., und zwar diente ihm die Vaticanus-Klasse dieses Werkes als Vorlage. Physiologischen Ursprungs sind die Artikel 16b' 2 Asida, 19"' Autolops, 20"' Basiliscus, 28=ii Castor, 31" 2 Cervus, 41»' Crocodilus, 123" 1 Panther, 157" 1 Sena, 158b' 1 Serpentem, 163"' Sirenas (die letzten drei mit Angabe der Quelle) u. a. Augustin wird benutzt zu 107 " 2 Murcia, 1201> 2 Ostilinam, 125" 2 Patellana, 149b 1 Runcinam, 156" 2 Seiam, 159b 1 Sibtßlae, 173b 1 Tellumo. Dasselbe Lemma steht dreimal z. ß.170" 1 Subuctda. Zur Benutzung anderer Glossare vgl. 5b 1 Aegylopium (Goetz, Corp. gl. lat. 3, 520, 17); 130" 1 Portuosus 4,146, 23; 18» 1 Aucilla 4, 312, 1; 19b 1 Bactroperitae 5, 416, 29; 128b 1 Polymitarius 5, 576, 21; 138" 1 Publipor 5, 577, 4 u. a. 2 ) — Zu Vergil bemerke ich die schnell aufeinanderfolgenden Stellen Cyclops 32»'. Cfasses33" 2 , Cloantuste* 1 , zu Ovid Hymen!?,* 2 , Reperire 147" 1 , SerralhS* 2 (mit Met. 8, 244—250), Tages 172"'; zu Lucan Charta und Comes, zu Horaz Apella, Sagas und Toralia, zu Juvenal Attegiae, Codrus, Cuticula, Resinatus und Sarcon, zu Persius Arto- ei-ea, Cuticula, Vibice, zu Martial ßosphorum mare (Mart. 8, 21, lf.) und Popisma (wohl Schol. zu Mart. 7, 18, 11), zu Terenz Inque und Synapothnescontes, zu Sedulius Probra, zu Pmdentius Chirocleus, lambica metra (Psych, praef. 1) und Sardonicen pingunt (Psych. 860). Von Erklärungen, die sich im Corpus gloss. lat. und bei Isidor nicht finden, nenne ich Arviragus, Cijmedia, Lugdunum, Popisma (vgl. oben), Prometheus, Raganae, Schoenobatoria, Semus, Semicu- pium, Somatopeia, Sosia, Spatulae, Talassius, Tenesmon, Torquati, Trinundinae,Velaber,Verres. Fortleben und Ueberlieferung. Die älteste Erwähnung bei Bruno von Würzburg vgl. oben. Auf das Jahr 1173 führt ein Gedicht aus der Hs. von Anchin bei Oudinus, Com- ment. de script. eccles. 2, 621, vgl. Goetz S. 274. Benutzt ist Papias von Hugucio im Liber derivacionum und von Johannes de Janua im Catholicon, wie Goetz nachwies Berichte d. n , Ist vielleicht Paris. Mazarin 3790, der nach Goetz (S. 269) N. 34 allerdings s. XII— XIII geschrieben ist. 2 ) Manches hiervon kann allerdings schon im Lib. glossarum stehen. 46< 724 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Sachs. Ges. d. Wiss. Phil.hist. Cl. 1903 S. 131f. und 153. Anderes vgl. bei Wilmanns, Rhein. Mus. 24, 379. Sehr groß ist die Zahl von Aufschriften in mittelalterlichen Katalogen, ich zählte in 55 Bibliotheken 73 Exemplare des Werkes, also nicht viel weniger, als Goetz S. 269 ff. heutige Hss. namhaft macht; die ältesten Erwähnungen stammen aus s. XII (Crepy Bibl. de V6c. des cbartes 63, 484 N. 70 und Ona, Wiener SB. 128 XII N. 107). Am meisten war das Werk vertreten in den päpstlichen Bibliotheken (achtmal) und in Canterbury (fünfmal). Die älteren Aufschriften geben meist nur den Namen Papias, im 13. Jahrhundert begegnet schon mater verborum und s. XIV — XV kommen die verschiedenartigsten Namen vor. Hss. gibt es gegen neunzig nach Goetz S. 268 ff., ihre Scheidung ist noch nicht vorgenommen worden; die meisten enthalten auch die Grammatik, die übrigens in den alten Aufschriften nur einmal erwähnt wird (Clairvaux 1472 bei Arb. de Jubainville, Abb. Cisterc. p.446). Die mittelalterlichen Bearbeitungen finden sich bei Amplonius 1412 (Schum, Die amplonian. Hss. S. 785) N. 1 Primo siquidem vocabularium secundum ordinem alphabeti sequens Papiam et breviter exponens vocabula latine et vulgariter 1 ) und in Peterborough s. XIV (Serapeum 13, Intelligenzblatt 33) Papias versifice. Ausgaben: Mailand 1476 (ed. pr.) per Dominicum de Vespolate, daraus Venedig 1485 per Andream deBonetis dePapia, 1491 per Theodorum de rega- zionibus de asula, und 1496 per Philippum de pincis Mantuanum; vgl. Goetz S. 267f. « Grammatik. Im Nachwort zum Lexikon heißt es f. 191a 2 gratias iam deo referimus qui . . . nostrum opus . . . licet per multorum annorum curricula ad finem tarnen usque per- duxit. Si tarnen adhuc ad eiusdem perfectionis cumulum 2 ) ex totius artis grammaticae utilitate valde necessarium et ex compendio quam poterimus brevissimum apposuerimus libellum . .. Pro quibus omnibus vos invito exoro etiam adiuro fratres mei ... hoc solum ... mihi rependatis ... quatenus ...ad aetema valeam pervenire gaudia. Vorwort zur Grammatik bei H. Hagen, Anecdota Helvetica CLXXX (aus Bern. 2 s. XIII f. 136 a2 ) Petistis a me, karissimi, ex arte grammatica vobis competentes regulas dari aut componi. Sed quia multorum maximeque ipslus Prisciani habeamus auctoritatem, non violenter 3 ) mihi arrogo, quod ab aliis inventum approbo. Ipsius igitur Prisciani dispositionem summamque sequens alio- rumque, si quid dictum est, non rennuens, quam brevius potero, opus vestrae eruditioni componam, necessaria non pretermittendo, siquid vero utile vobis et compendiosum mihi visum fuerit, intermiscendo. Isla vos ergo memoriae commendetis mentisque receptacülo quam firmiter teneatis ut ad vestri desiderii perfectum perfeclum i ) pervenire valeatis. Die Auszüge, die Hagen, Anecd. Helv. CLXXIXf. gab, sind aus Bern. 1 und 2 (s. XIII) sowie aus Bern.276 s. XIII genommen. Vgl. auch Wilmanns, Rhein. Mus. 24, 362, wo S. 380 auch die Widmung gedruckt ist. Die Grammatik wird in der Mehrzahl der Hss. des Lexikons mit überliefert, so im Bern. 1 (aus Reims) s. XIII f. 175b—195b UI ,d 2 s. XIII f. 136a-152b. Vgl. Goetz S. 275. — Die früher dem Papias beigelegten Briefe (Eckstein, Allgem. Eucyclopädie) hat Goetz S. 275 jedenfalls mit Recht ihm abgesprochen, da hierunter entweder die Briefe in seinem Artikel Formatae epistolae f. 62b 1 oder die seinen beiden Werken vorangestellten Widmungen zu verstehen sind. Hauptschrift von G. Goetz, Papias und seine Quellen in Münch. SB. Philos.Philol. u. hist. Klasse 1903 S. 267—286. 128. Walo von St. Arnulfs Briefe. Schon ganz am Ende unsres Zeitraums steht der Abt Walo von St. Arnulf, der im Jahre 1073 Gregor VII. zu seiner Erhebung zum Papste in einem längeren Briefe beglückwünschte, wobei er wichtige, für jene sonderbare Wahl bezeichnende Tatsachen anführt und dem Papste das Horazwort ,«o» sine gloria militastx' entgegenruft. 5 ) Später geriet er in Streit mit dem Erzbischof Manasse von Reims, der ihm die Abtei St. ßemi übertragen hatte, die Walo aber nicht annahm. In einem Briefe, der eine sehr deutliche Sprache redet, läßt er ihn das wissen und deutlicher wird er noch in einem zweiten Schreiben, wo er dem Erzbischof wegen der Wildheit seines Geistes und wegen seiner tierischen Sitten äußerst heftige Vorwürfe macht und ihm mit dem im Mittelalter oft gebrauchten scharfen Juvenalwort ,phis *) Ist Amplonian. Q 28 vom Jahr 1383. " 2 ) So statt tumulum zu lesen. 3 ) So statt violentiam (bei Hagen) zu lesen. 4 ) Ist jedenfalls ein Versehen. 5 ) Carm. 3,26.2. In diesem Schreiben benutzt er auch einen Vergilvers (Mabillon, Vetera analecta 2 1,455) revocaregradum supe- 1-asque adauraspossim emergere = Aen. 6,128. Walo von St. Arnulfs Briefe. 725 aloes quam, mellis habend (Juv. 6, 181) aufwartet und ihm sagt, daß man glaube, in ihm lebe, wie einst Euphorbus in Pythagoras, 1 ) Gervasius fort. Mit fast demselben Gegenstand befaßt sich ein vierter Brief, der an einen Abt gerichtet ist; auch hier läßt sich Walo schonungslos über den Erzbischof aus und karikiert besonders dessen äußere Erscheinung. In einem weiteren Schreiben wendet er sich an einen Mönch, den er ermahnt, Gott zu suchen, und kommt am Ende des Briefes wieder auf die Gründe zu sprechen, warum er die Abtei St. Remi abgelehnt habe, und er bedenkt in seiner leidenschaftlichen Aufwallung den Manasse mit den Horazworten ,llle pestilens truncus ficulnus inutite lignum 1, (Sat. 1, 8, 1). Derselbe Mönch erhält von ihm einen zweiten Brief, wo ihm, der von seinem früheren Eifer abgelassen hatte, Walo die geheimen Gerichte Gottes auseinandersetzt und ihm das Leben im Kloster in den anziehendsten Farben schildert, die er zum Teil aus der Vita Martini des Sulpicius Severus erborgt. Ein siebenter Brief gehört jedenfalls in frühere Zeit, denn er ist an Walos früheren Lehrer gerichtet, der nicht damit einverstanden gewesen war, daß Walo sich dem Klosterleben zugewandt hatte. Walo richtet deshalb an den Lehrer ein Schreiben, das die Gefahren der Welt fast im Stile einer Predigt schildert und ihn zur Verachtung der Welt auffordert; zur deutlichen Ausmalung gebraucht er je einen Vers aus Persius (1, 1) und aus Juvenal (14, 139). Aus diesem kleinen Briefwechsel erkennt man, daß Walo ein sehr streitbarer Herr war, dem es nicht darauf ankam, auch einem Erzbischof die derbsten Wahrheiten zu sagen, und daß die gebildete Geistlichkeit des 11. Jahrhunderts sich doch ganz in den Ton der römischen Satire eingelebt hatte, so daß sie in ihren Schriften häufig anzügliche Verse daraus erborgte. Walo gehörte übrigens später nicht zu den Anhängern Gregors VII. und der leidenschaftliche Mann scheint also die Partei gewechselt zu haben, denn er wurde 1085 nach Absetzung Hermanns Bischof von Metz. Zeugnisse. Daß die sieben Briefe nicht einem Wilhelm, sondern dem Walo von St. Arnulf in Metz gehören, zeigte J. Pflugk-Harttung Neues Archiv 7, 222. Die Anhänglichkeit an Gregor VII. erweist der erste Brief sehr deutlich (p. 455 Unde et ille diabolus Ver- cellensis cum suis complicibus elaborat ut tu . .. non debeas confirmari). Im zweiten Brief p. 456 weiß ich die Stelle si te nobis exhibueris Luscium (?) Lavinium nicht zu erklären. 2 ) In 3 p. 456 heißt die Stelle von Pythagoras Gerte, olim apud quosdam philosophos de revo- lutionibus animarum grandis erat opinio, quae per te non inaniter confirmatur, dum sicut Uli Euphorbum in Pythagoram sie in te Gervasium putent nostri temporis homines esse transfusum. Am Schluß des vierten Briefes heißt es p. 457 mit kräftigem Hohne quae ex quadam mentis ovilitate contractu est. Zur Erhebung zum Bischof von Metz vgl. Gesta abbat. Trudonensium 3, 1 (MG. SS. 10, 240, 31) Herimannum Mettensem episcopum hostem imperii puplieum adiueatum . .. abbate quodam s. Arnulfi Mettis Gualone dicto episcopo eo supposito; Bernoldi Chron. 1088 (MG. 5, 448), Sigeberti Chron. 1085 (MG. 6, 365). Ausgabe der Briefe von Mabillon, Vetera analecta 1, 247 ff. und zweite Ausgabe 1, 455 ff. N. 1 auch bei Watterich, Pontificum Romanorum .. . vitae 1, 740. Vgl. Wattenbach 2, 124. ') Vgl. Hieron. adv. Rufin. 3,40 (Tertull. I ' 2 ) Die Worte der Fortsetzung cogamur in resurr. carn. 1). In diesem Briefe braucht er | te nostrum acutissimum infigere genuinum eine Stelle aus Ciceros Offizien (1,22, 77) Unde non immerito ille ille insignis orator arma togae cedere persuadet subtiliter. sind in Beziehung mit Juven. 5, 69 oder Pers. 1,115 zu setzen. Sechster Abschnitt. Die Fächer des Quadriviums. Wir hatten oben schon gesehen, daß bei der hohen autoritativen Geltung der überlieferten Schriften des Altertums in betreff der Fächer des Quadriviums und bei dem Mangel an wirklicher Berührung mit der griechischen Wissenschaft an eine tiefer gehende, selbständige Beschäftigung mit diesen Fächern nicht zu denken war. Erst hochgebildete Geister wie Gerbert, Fulbert und Hermann von Reichenau haben hier durch ihr wissenschaftliches Eindringen in die zur Mathematik gehörigen Fächer, das durch reichere, ihnen zu Gebote stehende Bücherschätze ermöglicht wurde, einen Wandel geschaffen, aber doch mehr für ihre eigne Person und für ihre engsten Kreise, als daß ihre Forschungen von vielen hätten verstanden werden können. Die Mathematik und die von ihr abhängenden Wissenschaften sind wohl für die meisten Kleriker ein Buch mit sieben Siegeln geblieben, wenn man von der praktisch notwendigen Kenntnis des Kom- putus und von den Elementen der Musik absieht. Daher kommt es, daß diese wissenschaftliche Literatur überhaupt nicht viel Verbreitung und noch weniger Pflege fand. Und so ist die Ausbeute in unserem Zeitraum gering genug. Und dasselbe gilt von den eigentlichen Naturwissenschaften und in noch höherem Grade von der Philosophie. Die Beschäftigung mit jenen war ja ganz von den dilettantischen und mit Aberglauben erfüllten Schriften der Römer abhängig und konnte wegen des dem mittelalterlichen Menschen fehlenden Sinnes für exakte Beobachtung nicht gedeihen. Und mit der Philosophie war doch damals stets der Gedanke an Häresie verbunden, da sie zu sehr in heidnischen Stiefeln steckte und das christliche Gewissen beunruhigte. Damit hängt es zusammen, daß doch auch die philosophischen Schriften des vielbewunderten Cicero erst sehr spät sich einer eigentlichen Verbreitung erfreuen konnten. Etwas anderes war es mit Boethius, er war Christ und sein Buch De consolatione philosophiae konnte in vielen Stücken christlich aufgefaßt werden und wurde auch in diesem Sinne erklärt. Und der gefälschte Briefwechsel mit Paulus brachte auch dem Seneca einen gewissen christlichen Schein. Sonst begnügte man sich mit dem, was Augustin im Gottesstaat für und wider die Philosophie geschrieben hatte; an eine Weiterbildung dieser Disziplin war vor dem Bekanntwerden des Aristoteles nicht zu denken. Wir übersehen hier also zunächst die mathematischen Fächer und die Musik, sodann das wenige, was in den Naturwissenschaften und der Philosophie (einschließlich Pädagogik) geleistet wurde. Einen kurzen Abriß des Die Fächer des Quadriviuma. — Wichram von St. Gallen. 727 Komputus aus Schriften des Beda verfaßte der St.Gallener Mönch Wichram, der aber noch in den früheren Zeitraum gehört. Bedeutendes leistete Gerbert in der Praxis und Theorie der Mathematik, indem er mehrere Schriften über den Abacus (Rechentisch) verfaßte und über den Inhalt der Kugel sowie ein geometrisches Lehrbuch schrieb. Vor Gerbert noch waren zwei andre solche Lehrbücher entstanden und zwar die Ars geometrica wohl im 9. und die Geometria incerti auctoris wohl im 10. Jahrhundert; diese ist von Gerbert benutzt worden. Abbo von Fleury verfaßte einen Komputus und einen Kommentar zum CalculusVicturii. Notker von Lüttich gab einen Kommentar zu Boethius Arithm. 2,1, Heriger von Laubach verfaßte eine Schrift über den Abacus und schrieb über die Verschiedenheit der Adventsberechnung in der Kirche. Adalbold von Utrecht richtete an Gerbert einen Brief mit geometrischem Inhalt, Fulbert von Chartres schrieb ein Gedicht De divisione Hbrae et partibus eius. Ragimbold und Rodolf setzten durch einen erhaltenen mathematischen Briefwechsel die Belehrung fort, die sie in der Schule von Chartres erhalten hatten. Besonders aber wirkte fördernd auf dem mathematischen und astronomischen Gebiete Hermann von Reichenau. In mehreren Schriften verbreitete er sich über das Astrolabium und schrieb einen Komputus. Ferner gab er eine Schrift De divisione heraus, sodann stellte er den Confüctus rithmimachie dar und verbesserte Bedas Berechnungen über den Mondmonat. Der Lütticher Lehrer Franco schrieb über die Quadratur des Kreises und der Konstanzer Lehrer Meinzo suchte den Kreisdurchmesser aus dem Umfang zu gewinnen. Abt Bern von Reichenau war besonders in der Musik tätig und verfaßte einen Tonarius und die Abhandlungen De varia psalmorum et cantuum modulatione und De consona tonorum diversitate. Hermann von Reichenau gab eine Theorie der Musik heraus und vertonte mehrere Dichtungen. Guido von Arezzo endlich verfaßte einen Micrologus und schrieb mehrere musikalische Abhandlungen, auch hat er die Vorstufe zu unsern heutigen Notenzeichen erfunden. In den Naturwissenschaften dichtete, wie schon erwähnt, Odo von Meung ein umfängliches Werk De viribus herbarum und Byrhtferth schrieb gelehrte Kommentare zu Bedas chronologischen Schriften. Von der Philosophie ist nur zu erwähnen, daß Rather von Verona in seinen Praeloquia eine Art Weltspiegel gab und daß König Stephan von Ungarn für seinen Sohn Emerich ein kleines Erziehungsbuch schreiben ließ. 129. Wichram von St. Gallen. Der Mönch Wichram von St. Gallen ist uns nicht weiter bekannt, denn es dürfte nicht leicht zu entscheiden sein, ob dieser Wichram, der Verfasser eines katechetischen Komputus, mit dem in St. Gallischen Urkunden von 860 bis 895 genannten Wichram ein und dieselbe Person ist, und ob der in jenen Urkunden erwähnte Name Wichram sich auf eine einzelne oder auf mehrere gleichnamige Personen bezieht. Braumüller hatte den im Sangall. 260 p. 390 in einer Aufschrift Hartperts erwähnten Wichram mit dem Schreiber der Urkunde 860/61 gleichgesetzt und diesen als den Korn- 728 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. putisten beansprucht. 1 ) Und das hat auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich. Man müßte dann annehmen, daß der 860/61 als einfacher Mönch erscheinende Wichram 866 als Subdiakon, 872 als Diakon und 890 als Propst erscheint und vor 895 die Presbyterwürde erhielt; allerdings sind diese Zeiten ziemlich auseinandergezogen. Hartpert ist durch eine Urkunde des Jahres 866/67 nachweisbar und diese Zeit würde mit der des Mönches Wichram gut stimmen. Allerdings kannte Braumüller nur den Anfang des Werkes und weiß nichts von der in Kap. 20 erscheinenden Jahreszahl der Gegenwart. Da hier als Inkarnationsjahr 903 genannt wird, so würden wir bei Wichram auf ein recht langes Leben schließen müssen. Aber der Komputus kann auch einige Jahrzehnte früher verfaßt sein und das Jahr Christi 903 wurde von einem in chronologischen Dingen wenig achtsamen Schreiber des 11. Jahrhunderts einfach mit übernommen, statt daß dieser das gegenwärtige Jahr der Indiktionenberechnung zugrunde legte, wie es bei den Abschriften von Helperics Komputus meist der Brauch war. Vielleicht aber ist 903 überhaupt das Abfassungsjahr, das in den Abschriften nicht geändert wurde. Wichram verfaßte also einen Komputus, ein kurzes Lehrbuch der christlichen Zeitrechnung, und hielt sich dabei natürlich eng an Beda, dessen Werke De temporibus und De temporum ratione er ausschreibt, wozu er vielleicht Bedas Schrift De computo benutzt, in der ja der reiche Stoff in einen kurzen Auszug gebracht ist. Da nun Wichram selbst sich meist großer Kürze befleißigt und die katechetische Form gewählt hat, so ist die Meinung berechtigt, daß er sein Werkchen als Unterlage für den Schulunterricht bestimmt hat; er ist daher vielleicht selbst Lehrer gewesen. Weiteres über Entstehung und Zweck der Schrift ist nicht bekannt, da kein Vorwort überliefert wird. Sie beschäftigt sich zuerst mit der Entstehung der Monate bei den Römern, über ihre Zahl, ihre Länge und Bedeutung ihrer Namen. Dann handelt sie über Kaienden, Nonen und Iden und über die Hinzufügung von Januar und Februar und die Verlängerung des Januar, über Cäsars Kalenderverbesserung und den Schalttag sowie über die Einrichtung des cäsarischen Jahres. Die Schrift wendet sich dann zur Bestimmung der Feriae, der Konkurrenten, Lunaren und Epakten und schließt hieran die Bestimmung der Indiktionen. Nach Erörterung des Jahresbegriffs wird über Sonnen- und Mondjahr und den neunzehnjährigen Zyklus gehandelt sowie Schaltjahr und Schalttage bestimmt. Die nächsten Abschnitte beschäftigen sich mit dem Laufe des Mondes und seiner Bedeutung für die Chronologie und nachdem kurz über Solstitien und Äquinoktien gesprochen ist, wendet sich die Darstellung in ihrem letzten Teile der Bestimmung des Osterfestes zu, die für die christliche Chronologie die Hauptsache war. Mit der Berechnung der Wochen von Pfingsten bis Weihnachten und von Weihnachten bis zur Quadragesima schließt die in fünfundvierzig Abschnitte zerfallende Schrift. Einzelne Abschnitte hat Wichram mit verhältnismäßiger Ausführlichkeit gegeben, aus denen hervorgeht, welchen Wert diese alte Zeit auf klare Darstellung der umständlichen Berechnung ') Studien und Mitteil. a. d. Benediktiner- und Cisterz.-Orden 4, 2,367. Gerbert von Reims. 729 legte. Anderes wiederum ist nur kurz angedeutet und läßt die Flüchtigkeit im Ausziehen der Vorlage erkennen. Übrigens hat sich der Verfasser durchaus nicht an die stoffliche Disposition seiner Vorlagen gehalten, wahrscheinlich weil er einige Werke Bedas benutzte und diese, wenigstens De temporum ratione, einen zuweilen höchst ausführlichen Stoff boten. Insofern ist er allerdings mit seinen Quellen ziemlich frei verfahren. Den Komputus Helperics kennt Wichram nicht, wenigstens hat er ihn nicht benutzt; da aber dessen älteste Abschriften das Inkarnationsjahr 903 (und 900) angeben, das wir auch bei Wichram fanden, so ist wohl anzunehmen, daß beide Schriften, wie im Monac. 9560, zusammen abgeschrieben worden, sind, wenn man nicht 903 als Entstehungsjahr von Wichrams Werk gelten lassen will. Zeugnisse. Bei Wartmann, Urkundenbuch d. Abtei St. Gallen erscheint 860/61 in N. 475 (2, 91) als Schreiber und Zeuge Ego itaque Wichram indignus monachus rogatus scripsi et subscripsi, ebenso 2, 99 N. 483 (861), 2, 132 N. 518 (866) ein subdiaconus, 2, 145 N. 532 (868) ein monachus, 2, 170 N. 556 (872) diaconus atque monachus Wichram; 2, 278 N. 676 (890) schreibt Ratpeit ad vicem Wichrammi prepositi und 895 2, 299 N. 697 der Zeuge Wichram presbyter. Die Stelle im Sang. 260 p. 390 lautet nach Braumüller: Mo- nachi Wichrammi monitis Hartpertus ecce diaconus omavit thecam harte. Tu precor, o lector, cum scripseris ipse libellum hunc, Time tu his ambobus die miserere deus. Hartpert erscheint in der Urkunde 866/67 bei Wartmann 2, 135; in den Casus s. Galli wird Wichram nicht genannt. Das Jahr 903 steht in Kap. 20 über die Indiktionen, wo es im Monac. 9560 f. 27 •' heißt Que indiccio (27 b ) est presentis anni? VI. Unde hoc approbas? Ab annis • incarnationis domini. Quomodo? Ad annos domini nongentos III utpnta in presenti tribus adiectis .. . fiunt nongenti VI. Zur Veränderung des Inkarnationsjahres bei Abschriften von Helpeiics Komputus vgl. Traube, Neues Archiv 18, 77 ff.; also auch bei Wichrams Arbeit ist ein früheres Abfassungsjahr möglich. Die Aufschrift des Werkes lautet in der einzigen bekannten vollständigen Handschrift Monac. 9560 f. 24 b Incipit compotus Wicrammi de Beda excerptus, während das von Braumüller veröffentlichte Fragment die Aufschrift hat In Christi nomine ineipiunt interrogationes et responsiones Wichrammi cenobite saneti Galli de compoto Bede presbüeri, von welcher die erstere nur als ein Auszug erscheint. Die ersten zehn Kapitel sind aus Beda de temp. 6 und de rat. temp. 12. 13 genommen, ohne daß sich Wichram an die bei Beda innegehaltene Reihenfolge hielte. Kap. 21 stammt aus Beda de rat. computi 11, spätere Abschnitte aus de temp. rat. 42—49. 30 und de temp. 11. In der vollständigen Hs. geht dem Werk eine Uebersicht der Kapitel voraus, die mit leichter Umformung der in den Kapitelüberschriften enthaltenen Fragen verfaßt ist. Die katechetische Form mag Wichram Bedas Werke de ratione computi entlehnt haben. Oeberlieferung. Vollständig im Monac. 9560 s. XI f.24 a -31 b (aus OberaltaichV) Fragment (Kap. 1—9) im Monac. 14221 s. X f. 20 b —22 il mitten in Hraban de computo von Hand s. XI eingetragen. Dies Fragment ist gedruckt von Braumüller, Stud. u. Mitt. a. d. Benediktiner- u. Cisterzienserorden 4, 2, 367—371. 130. Gerbert von Reims. Gerbert stammte aus Aquitanien und ist wohl wenig später als 940 geboren. Frühzeitig wurde er dem Kloster Aurillac übergeben, mit dessen Abt Gerald wie mit seinem Nachfolger Raimund er auch* später in engem Verhältnis geblieben ist. 2 ) Wie es scheint, war es im Jahr 967, als der spanische Herzog Borell bei seiner Anwesenheit in Aurillac durch Abt Gerald bewogen wurde, Gerbert nach Spanien mitzunehmen, um dort Unterricht zu erlangen. Borell geleitete Gerbert zum Bischof Hatto von Vieh in Kata- ') Hinter Helperics Komputus wie im alten Katalog von Prüfening s. XII (Monum. Boica 13,138). Meine Bemerkung (Neues Archiv 36, 772), daß diese Hs. heute Monac. 9560 sei, ist unrichtig. Uebiigens wird Monac. 9560 in den zwei von mir herausgegebenen Katalogen von Oberaltaich nicht genannt. 2 ) Vgl. hierzu Gerberti ep. 194 (p. 185 ed. Havet). 730 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. lonien, der ihm bedeutende Kenntnisse in der Mathematik beibrachte, was wohl in Bezug zur arabischen Nachbarschaft zu setzen ist. Gerbert trat hier mit mehreren Gelehrten in nähere Verbindung, wie aus einigen seiner späteren Briefe hervorgeht. So mit dem Abt Guarin von Cuxa, auf dessen Bitte er gegen Ende 984 oder zu Anfang 985 sogar nach Spanien zurückkehren wollte, wenn ihn nicht Theophano abgehalten hätte. Dieser Guarin ist vielleicht identisch mit dem Abte Warnerius, der etwa ein Jahr zuvor nach Aurillac gekommen war und dort ein Werk des Spaniers Joseph über Multiplikation und Division der Zahlen zurückgelassen hatte, das Gerbert bald darauf vom Abt Gerald von Aurillac sich in Abschrift erbat. Außerdem hatte er Freundschaft mit Bonifilius, dem späteren Bischof von Gerona, geschlossen, den er ebenfalls bei seiner Rückkehr nach Spanien aufsuchen wollte. Aber weder scheint Gerald jene Abschrift geschickt zu haben, noch konnte Gerbert seine Reise ausführen; so wandte sich Gerbert im Frühjahr 984 an Bonifilius und bat ihn brieflich um Übersendung jenes mathematischen Werkes. Daß Gerbert es erhalten hat, ist nicht recht wahrscheinlich, da sich sonst vielleicht eine Spur des Werkes hätte auffinden lassen. 1 ) Flüchtige Bekanntschaft scheint er damals auch mit dem späteren Bischof Lupitus von Barcelona gemacht zu haben, denn 984 bittet er ihn brieflich, ihm ein Werk über Astronomie zu übersenden, das Lupitus übersetzt hatte. 2 ) So führt Gerberts Aufenthalt in Spanien zwar nicht in die arabische Welt selbst hinein, wie man in späteren Jahrhunderten geglaubt hat, sondern nur bis an deren Grenzen; aber es ist nicht zu leugnen, daß die Wissenschaft der Araber Einfluß auf Gerbert ausgeübt hat, obwohl die Quellen seiner mathematischen Schriften wohl sämtlich auf die griechischlateinische Wissenschaft führen. Im Jahre 970 unternahmen Herzog Borell und Bischof Hatto eine Reise nach Rom in Begleitung Gerberts. Dieser wurde mit dem Papste bekannt, und Johann XIII. , der die zu jener Zeit in Italien höchst seltenen Kenntnisse des jungen Klerikers in Mathematik, Musik und Astronomie schätzen gelernt hatte, empfahl ihn an Kaiser Otto I. als Lehrer. Als Gerbert vor den Kaiser kam, fragte ihn dieser nach seiner Wissenschaft und erhielt zur Antwort, daß er in der Mathematik erfahren sei, in der Logik (Dialektik) aber noch lernen müsse. Da nun zu gleicher Zeit König Lothar von Westfranken an Otto den Reimser Archidiakon Gerannus gesandt hatte, der damals der gewiegteste Dialektiker war, so erbat Gerbert vom Kaiser die Erlaubnis, mit Gerannus nach Reims gehen zu dürfen. Er machte nun dort unter Gera*nhus' Leitung große Fortschritte, so daß der Erzbischof Adalbero bald auf ihn aufmerksam wurde und ihn zum Lehrer an der Domschule bestimmte. Richer von St. Remi, der seinem Lehrer Gerbert besonders nahe stand, hat in seinem Geschichtswerk ziemlich eingehend Bericht über die Ökonomie von Gerberts Lehrtätigkeit gegeben. Der Bericht ') M. Cantor, Vorlesungen üb. d. Gesch. d. Math. 2 1,806 leugnet mit Recht, daß das Werk arabisch geschrieben gewesen sei. Es kann sich aber doch um die Uebersetzung einer Schrift eines Arabers Jussuf handeln, obwohl der Woitlaut (Gerb, epistolae ed. Ha- vet N. 17 p. 14 und N. 25 p. 20) das nicht ergibt. 2 ) Hier handelt es sich ohne Zweifel um eine Uebersetzung aus dem Arabischen. Gerbert von Reims. 7'31 hat ein gewisses literarhistorisches Interesse, da er den Umkreis der von Gerbert in der Schule gelesenen und erklärten Schriftsteller angibt, wobei die Grammatik, als in die Vorschule gehörig, weggeblieben ist. Zu seinen Vorträgen über Dialektik verwendete er die Isagoge des Porphyrius in den Übersetzungen von Victorinus und Boethius. Ferner erklärte er die Kategorien des Aristoteles und desselben Periermenien in der Übertragung von Boethius sowie die Topik Ciceros und die Erklärung des Boethius hierzu, dann desselben Bücher de differentiis topicis, de syllo- gismis categoricis und hypotheticis, die definitiones und die divisiones. Zur Einführung in die Rhetorik 1 ) las er mit seinen Schülern Vergil, Statius, Terenz, ferner die Satiriker Juvenal, Persius und Horaz 2 ) und den Lucan. Für die Behandlung von Rechtsfällen aber, für die die Kontroversien Senecas und die Deklamationen Quintilians wohl die Materien ergaben, 3 ) zog Gerbert einen eigenen Disputator hinzu. Aber auch die Fächer des Quadriviums wurden mit großer Sorgfalt gelehrt. Während Gerbert die Arithmetik, jedenfalls mit Hilfe der Rechentafel (des Abacus), besonders den Auserwählten beibrachte, führte er die Musik als Unterrichtsgegenstand ein, die nach Richer in Gallien seit langer Zeit unbekannt war. 4 ) Das tat er an der Hand von Boethius' Musik und zwar gab er auf dem Monochord die verschiedenen Töne an und zeigte ihre Konsonanz oder Harmonie in Tonen, Doppel-, Halb- und Vierteltönen und setzte die Töne kunstmäßig zu Akkorden zusammen. Wenn er nun hier lediglich der antiken Überlieferung folgte, so verwandte er außerordentliche Mühe auf die Anschaulichmachung der Astronomie, wie er ja auch für die praktische Ausübung der Musik sorgte, indem er 986 dem Abt Gerald von Aurillac auf dessen Bitte eine Orgel aus Italien versprach, die allerdings noch nach drei Jahren in Italien war. Für die astronomische Belehrung fertigte er nach kleinerem vorhandenen Vorbilde 5 ) eine große Himmelskugel mit aufgezeichneten Sternbildern und drehbarem Horizontring, um die zurzeit sichtbaren Sternbilder von den unsichtbaren zu trennen und deren Auf- und Untergang zu zeigen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine solche Himmelskugel, wie sie der Mönch Remigius von Trier 988 von Gerbert erbat, wofür dieser von ihm eine vollständige Abschrift von Statius'Achilleis verlangte; Remigius übersandte ihm alsbald die Abschrift, doch scheint die Kugel trotz seiner wiederholten Bitten gegen Ende 989 noch nicht in seinen Händen gewesen zu sein. Durch ein anderes Instrument wollte Gerbert die Parallelkreise am ') Ueber eine graphische Darstellung zur Rhetorik auf 26 Blättern in Form eines Rechtecks s. ep.92 p. 85 ed. Havet. 2 ) Also wohl nicht die Oden und Epoden. Doch kennt Gerbert die Oden, vgl. ep. 88 p. 79 (Havet) integer vitae actus quam purum elo- quium mit Carm. 1,22,1. 3 ) Genannt werden diese Autoren allerdings hier nicht; da aber von beiden eine Reihe von Hss. dem 10. Jahrhundert entstammt, so ist ihre Verwendung in der Schule jener Zeit nicht zu bezweifeln. Hierfür spricht auch die Interpolation in den Exzerpten aus Senecas Kontroversien. 4 ) Aber doch wohl nur insoweit, als in Westfranken seit Aurelian v. Moutier-Saint- Jean kein Schriftsteller über Musik aufgetreten war. 5 ) Richeri Histor. über 3,50 (p. 102 ed. Waitz) mundi speram .. . minoris simili- tudine maiorem expressiv. Diese Worte übersah Büdinger S. 38 wie auch K. Schul- tess S. 21. Auch Werner S. 75 sagt nichts davon und führt das Instrument auf Bekanntschaft mit Cicero de republ. 1,14 zurück. 732 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Himmel für seine Schüler verständlich machen, und ein ähnliches, aber weit komplizierteres, hat er als Papst seinem Freunde Konstantin, dem Abt von Micy, brieflich sehr ausführlich beschrieben. 1 ) Doch verfertigte Gerbert auch ein Instrument zur Veranschaulichung der Planetenbahnen mit Parallelkreisen und mit dem Tierkreise, und endlich ein solches zur Kenntnis und Auffindung der Sternbilder. Mit Hilfe dieses Instruments konnte zur Nachtzeit die Stunde bestimmt werden, und daß solche „Uhren" auch anderwärts verwendet wurden, ergibt eine Notiz bei Thietmar von Merseburg, der zu Magdeburg eine solche sah. Jedenfalls gehörten zur Herstellung dieser Apparate, auch wenn sie auf älteren Arbeiten fußten Kenntnisse, die für jene Zeit ungewöhnliche waren, und die spätere Zeit hat daher in Gerbert einen Mann gesehen, der dem Verkehr mit den Arabern sein tiefes Wissen verdankt haben soll. So wurde später bestimmt behauptet, daß Gerbert den Gebrauch des Abacus oder der Rechentafel den Arabern durch Raub genommen habe; es steht aber nur fest, daß auch hierfür Boethius die Quelle nicht ist. 2 ) Nur insofern unterschied sich sein Abacus von den früher gebräuchlichen, als er statt der umständlichen römischen Zahlzeichen Ziffern verwendete, die den arabischen Ziffern ähnlich sind, wie er sich auch beim Kopieren seiner Briefe zuweilen einer Geheimschrift in Chiffern bediente, die eine gewisse Verwandtschaft mit den tironischen Noten besitzen. Auch in seinem Briefwechsel mit Remigius von Trier kommt Gerbert einmal auf die Teilbarkeit der Zehn zu sprechen und später hat er eine kurze Schrift über die Division der Zahlen verfaßt, die er seinem Freund Konstantin widmete; dagegen gehört ihm ein Lehrbuch über den Gebrauch des Abacus nicht an, da sich hierin ein Stück des Kommentars zu seiner Schrift über die Division findet. Gerbert betrachtete das Rechnen als Vorstufe zur Geometrie, über die er später in Bobbio ein Lehrbuch geschrieben hat, das nur unvollständig erhalten ist. Man sieht hieraus deutlich, daß Gerbert als Lehrer einen systematischen Unterricht in den freien Künsten wohl geben konnte, da er selbst an die alten Quellen herangegangen ist. Und so ist die Bemerkung Richers (3, 55) kaum übertrieben, nämlich daß die Zahl von Gerberts Schülern täglich gewachsen sei und daß sich sein Ruhm über Frankreich, Deutschland und Italien ausgebreitet habe. Das bedingte aber selbstverständlich eine erhöhte Wichtigkeit des Gelehrten auch für Reims, 3 ) und damit hängt es wohl zusammen, daß Gerbert im Jahre 980 zu Ravenna in Gegenwart des Kaisers mit dem philosophisch hochgebildeten Magdeburger Lehrer Ohtric 4 ) eine große Disputation über die Einteilung der Philosophie hielt. Ohtric hatte längst von Gerbert gehört und 979 einen Sachsen nach Reims geschickt, um die Gerbertsche Einteilung der Philosophie kennen zu lernen. Doch mußte jener Sachse bei der Niederschrift ') Opera ed. Olleris p. 479 f. 2 ) Vgl. Bubno v. Gerberti op. mathematica p.IX und p. 155.188 n. 23. (Vgl. K. Werner, Gerbert v. Aurillac S. 59.) 3 ) Ueber die politische Stellung Gerberts zu jener Zeit s. Carl Lux, Papst Silvesters IL Einfluß auf die Politik Ottos III. (Bresl.1898) S. 10 f. 4 ) Da Ohtric der präsumtive 'Nachfolger im Erzbistum Magdeburg war, so hatte die Disputation eine erhöhte Bedeutung; vgl. Büdinger, Ueber Gerberts wissenschaftliche und politische Stellung S. 54 —60. Gerbert von Reims. 733 von Gerberts Vorträgen einen Fehler begangen haben, denn Ohtric fand hier, daß Gerbert die Physik der Mathematik untergeordnet habe, und griff ihn deshalb in seinen Vorträgen öffentlich an. Als nun Gerbert 980 im Gefolge seines Erzbischofs nach Italien gekommen war, trafen sie in Pavia mit Otto IL und Ohtric zusammen und fuhren mit dem Hof nach Ravenna, wo der Kaiser eine große Disputation der beiden Gelehrten veranstaltete, zu der sich eine Menge wißbegierige Kleriker einfanden, unter ihnen Erzbischof Adalbero und der gelehrte Abt Adso von Montier-en-Der, der später dem Gerbert durch Vermittlung Adalberos den Caesar zur Abschrift schicken sollte und den Gerbert einige Jahre darauf wieder um Bücher bat. 1 ) Der Kaiser war von der verschiedenen Auffassung der beiden Gelehrten über die Philosophie längst in Kenntnis gesetzt und eröffnete die Disputation mit einer Ansprache, in der er Ohtric aufforderte, die Gerbertsche Einteilung der Philosophie vorzulegen. Das geschah und Gerbert erklärte nun, daß jene Niederschrift nicht korrekt sei, und beide Gelehrte offenbarten dann ihre Ansichten über die Einteilung der Philosophie, wobei Gerbert sich als Anhänger Piatos auswies und Ansichten vorbrachte, die sich auf Victorinus und Boethius gründeten, 2 ) während Ohtric mehr eine freie Stellung einnahm. Der Kampf beider soll beinahe einen ganzen Tag gewährt haben, und da der Kaiser sah, daß die Anwesenden ermüdeten, so machte er dem Streit ein Ende. Gesiegt hatte jedenfalls keine Partei, doch zeigte sich Otto erkenntlich und beschenkte wahrscheinlich beide Gelehrte. 3 ) Gerbert scheint sich dann längere Zeit in der Umgebung des Kaisers befunden zu haben, bis er zur Anerkennung für seine wissenschaftlichen Leistungen die wichtige Abtei Bobbio von ihm erhielt. Die hervorragende Büchersammlung dieses Klosters setzte ihn in den Stand, besonders mathematische Studien zu treiben, befand sich doch wohl damals dort der berühmte Cod. Arcerianus, dessen vielseitigen Inhalt der neue Abt für seine mathematischen Schriften verwertet zu haben scheint. Doch die neue Stellung bereitete ihm in andrer Beziehung so viel Sorgen 1 ) und Mißgeschick, daß er Ende 983 Bobbio verließ und über Pavia nach B,eims zurückkehrte. Jedenfalls war die deutschfeindliche Politik der italienischen Großen ein Hauptgrund für diesen Entschluß, und Gerbert war, wie sein Erzbischof Adalbero, ein unbedingter Anhänger des Kaisers geworden: der Tod Ottos IL am 7. Dezember 983 hat den Entschluß nur bekräftigt, denn Gerbert konnte damals noch nicht wissen, daß ihn bald die engsten Bande an den jungen König und an Italien fesseln würden. So kehrte er jetzt zu der früheren Tätigkeit in Reims zurück und war unausgesetzt beflissen, zu lehren, was er wußte, und zu lernen, was er nicht wußte. 5 ) Aber die längste Zeit seiner Lehrtätigkeit war vorbei, die Politik stand bald im Vordergrund. Während nämlich Willigis von Mainz und Adalbero von Reims im Verein mit Gerbert für die Regentschaft der Kaiserin Theophano eintraten, be- ') Vgl. ep. 8 p. 6 und ep. 81 p. 75 (Havet). 2 ) Vgl.besonders K.Werner, Gerbertvon Aurillac S. 50 f. 3 ) Richer Hist. 3, 65 p. 109 erzählt das zwar nur von Gerbert, aber er hat ja auch nur für Gerbert Interesse, wie aus seinem Bericht klar hervorgeht. 4 ) Vgl. K. Werner, Gerbert S. 80 und Hauck, Prot. Realencycl. 18,340. Schul- tess, Papst Silvester IL S. 27. 5 ) Vgl. ep. 44 p.42 ed. Havet. 734 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. mächtigte sich Heinrich von Bayern des königlichen Kindes, und auf der andern Seite suchte Lothar von Westfranken zum mindesten die Vormundschaft in Lothringen an sich zu reißen. So erhielt jetzt Reims für Deutschland eine erhöhte Wichtigkeit, und Gerbert wurde seitdem so stark von der Politik eingenommen, 1 ) daß er an Abt Eberhard von Tours sehrieb er sammle eine recht große Bibliothek, um durch deren Schätze die Möglichkeit zu gewinnen, sich eine bedeutende Redefähigkeit anzueignen. Mit der Reichsregentin Theophano wußte er sich hinfort gut zu stellen, schon im Jahre 988 bewarb er sich bei ihr brieflich um ein Bistum. Damals war schon der Thronwechsel in Frankreich eingetreten, und zwar hatte das Reimser Erzbistum nicht wenig Anteil an der Erhebung des neuen Köni»s Hugo Capet. In einer solchen Mittelstellung zwischen beiden Reichen hatte Gerbert gehofft, daß er Adalberos Nachfolger in Reims werden würde, wozu ihn dieser auch bestimmt hatte. König Hugo erhob aber den Arnulf zum Erzbischof, einen Seitenverwandten des karolingischen Hauses. 2 ) Da dieser Reims in die Hände seines bei der letzten Wahl übergangenen Verwandten Karl von Niederlothringen spielte, so wurde er 991 auf der Synode von St. Basle, deren Akten Gerbert redigierte, zur Entsagung gezwungen. Nun erhielt Gerbert das Erzbistum Reims, aber er blieb in dieser hohen Stellung nicht unangefochten, besonders weil der Spruch der Synode ohne päpstliche Autorität erfolgt war. Indes fand er bald bei der Kaiserin Adelheid, die nach Theophanos Tode (991) die Regentschaft führte, einen starken Rückhalt und frühzeitig näherte er sich dem jungen Otto III. 8 ) Ohne Zweifel mußte der im Griechischen wie im Lateinischen gleich bewanderte hohe Geistliche einen bedingenden Einfluß auf den jungen König ausüben, dessen jugendlich romantische Ideen so bald festere Gestalt gewinnen sollten. Gerbert übersandte ihm 997 vielleicht eine Handschrift von Boethius' Arithmetik, worauf Otto ihm in einem phrasenreichen Briefe antwortet und ihn bittet, ihn in der Arithmetik weiter zu lehren und ihm in der Politik mit Treue zu helfen, besonders aber seine „griechische Feinheit" auszubilden und seine „sächsische Roheit" zu verschmähen. 4 ) Und bald darauf sandte Gerbert dem Kaiser (Winter 997/998) eine im Anschluß an Boethius' Kommentar zu Porphyrius verfaßte Schrift über den Unterschied von Rationale und Ratione uti, wozu einige Fragen des Kaisers im letzten Sommer Veranlassung gegeben hatten. Der Widmungsbrief besagt, daß keiner der damals anwesenden Bischöfe und Gelehrten habe Antwort geben können, und im vollen Bewußtsein seiner geistigen Überlegenheit teilt Gerbert dem Kaiser mit, daß er nun aufgeschrieben habe, was er über jene Fragen denke: „Italien soll nicht glauben, daß der kaiserliche Hof in Stumpfsinn lebe, und Griechenland soll sich nicht allein mit der kaiserlichen Philosophie und römischen Macht brüsten dürfen. Unser, unser ist das Römische Reich, wir ziehen unsre Kraft aus Italien, Gallien und Germanien und auch die ') Ep. 44 p. 42 At nobis in re publica oc- cupatis. ■') Vgl. hierzu K. Th. Schlockwerder, Das Konzil zu St. Basle (1906) S. 5 f. 3 ) Vgl. hierzu C. Lux, Papst Silvesters II. Einfluß auf die Politik Kaisei Ottos III. (1898) S. 19-23. 4 ) Hauck 3, 258 und n. 4 sieht wohl mit Recht in diesen Worten Ironie. Gerbert von Reims. 735 Slaven sind uns Untertan."') Man sieht aus solchen Äußerungen, wie die jugendliche Romantik des Kaisers mit dem schwärmerischen Idealismus des den Staatsmann unterdrückenden Gelehrten sich die Wage hielt. Solche Worte mögen zur Zeit Karls des Großen nie gefallen sein, aber der junge Herrscher, dessen Mutter eine Griechin gewesen, und der Gelehrte, der an eine völlige Wiedererneuerung der griechischen Studien glauben mochte, sprachen sie jetzt aus, trotzdem die große Staatenschöpfung Ottos I. wenigstens an ihrer Peripherie schon in den Fugen zitterte. Gerbert befand sich damals beim Kaiser in Italien auf dessen zweitem Römerzuge und da hierbei Papst Gregor V. dem früher entsetzten Arnulf das Erzbistum Reims zurückgab, so wurde Gerbert 998 zum Erzbischof von Ravenna erhoben. Und nachdem Gregor V. am 18. Februar 999 gestorben war, erfolgte unter Anwesenheit Ottos am 2. April die Inthronisation Gerberts als Silvester IL Der bedeutendste Gelehrte der Zeit war vom Kaiser aus Dankbarkeit und wegen der Gleichheit seiner politischen Anschauungen zum Papste erhoben worden. Freilich sind die politischen Ideale der beiden Häupter der Christenheit nicht verwirklicht worden: der Wiederherstellung des christlichen, römischen Kaiserreichs und der Erhebung Roms zu dessen Mittelpunkt widersprach die seit Jahrhunderten hiervon völlig divergierende Entwicklung der Geschichte unsres Erdteils. Schon die Loslösung Polens und Ungarns in kirchlicher Beziehung war ein schwerer politischer Fehler gegen den Einheitsgedanken. Und als Rom selbst dem Kaiser untreu wurde, starb dieser schon am 23. Januar 1002, und am 12. Mai 1003 folgte Silvester IL seinem kaiserlicher Schüler ins Grab. Zeugnisse. Die Zeugnisse für Gerbert hat Bubnov, Gerberti op. math. p. 376—393 bequem zusammengestellt, während A. Graf, Miti, Leggende e Superstizioni del medio evo 2, 51—72 die legendenhaften Berichte des Mittelalters als Anhang zu La leggenda di un ponti- fice übersichtlich abgedruckt hat. Die wichtigste Quelle für Gerberts Leben bis 980 ist Riebet- histor. üb. 3, 43—65 (ed. Waitz p. 99 — 109), wo in einem Zuge zusammenhängend über ihn berichtet wird; und zwar ist Richers Werk dem Gerbert gewidmet, als er Erzbischof von Reims war. Eingeführt wird Gerbert 3, 43 p. 99 Cui etiam ... ab ipsa divinitate directus est Gerbertus, magnl ingenii ac miri eloquii vir, quo postmoduni tota Gallia aesi lucerna ardente vlbrabunda refuhit. Das Geburtsjahr steht nicht fest, da Richers chronologische Angaben unsicher sind, vgl. K. Schultess, Papst Silvester II. S. 9; erschlossen werden kann es aus ep. 197 (p. 185 H.), wo Gerbert 997 von sich als Greis spricht (et quae iuvenis Kmcupivi, senex contempsi) und ep. 208 (p. 196), wo er die Beschwerden seines Alters anführt Senectus mea michi diem minatur ultimum. Zur Chronologie für die Reise Borells s. M. Büdinger, Ueber Gerbeits wissenschaftl. u. polit. Stellung S. 18, dort auch S. 19ff. über Hatto v. Vieh. Zu Guarin v. Cuxa s. ep. 45 p. 43 (984/985) Nunc Hispaniae prineipes adimus, fanüliaris nostri ubbatis Guarini adhortatione commoti; Havet p. 22 n. 3 hält es für möglich, daß Gerbert den Brief 28 zur Unterstützung der Christen in Jerusalem 2 ) auf die Bitte Guarins geschrieben habe. Zu Warnerius s. ep. 17 p. 14 De multiplicatione et divisione numerorum libellum a Ioseph Ispano 3 ) editum abbas Warnerius penes vos (nämlich Gerald v. Aurillac) reliquit, eins exemplar in commune rogamus (Anfang 984); jedenfalls war Warnerius hiernach Spanier, und da er auch Abt war, so wäre die Identität mit Guarin möglich. Zu Bonifilius s. ep. 25 p. 19 (Anfang 984) auetoritas vestri nominis me movet, cum ad videndum et alloquendum . .. et hoc diu negatum distiüit negata libertas. Ea cum dolore concessa . .. De multiplicatione et divisione numerorum Ioseph sapiens sententias quasdam edidit, eas pater meus Adalbero . . . vestro studio habere cupit. Zu Lupitus v. Barcelona s. ep. 24 p. 19 ') Nach C. Lux a a. O. S. 34—37 enthalten diese hochtönenden Worte das politische Programm Gerberts. *) p. 23 et quod armis nequis, consilio et opum auxilio subveni. Gerichtet ist das Schreiben an die universalis aecclesia. 3 ) Zur Wichtigkeit dieses Werkes s. M. Cantor, Vorlesungen üb. Gesch. d. Math. 2 1, 806 f. 736 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Itaque librum de astrologia translatum a te michi petenti dirige et siquid mei voles in reconpensationem Indubitate reposce (Anfang 984). Daß Gerbeit nicht im arabischen Spanien war, wie Ademar v.Chabannes (Cantor a.a. 0. S. 798) angibt, zeigt Büdinger a.a.O. S. 10—15 vgl. Havet p. VII n. 1. Zur Reise nach Rom s. Richer 3, 43 p. 100; daß die Musik, wie Rieh er 3, 44 sagt, in Italien damals fast unbekannt war, ergibt sich auch aus dem Mangel musikwissenschaftlicher Literatur 1 ) in Italien bis auf Guido. Der Q. Bemensium archidiaconus in logica clarissiniüs (Richer 3, 45) ist ohne Zweifel Geranuus, s. Büdinger S. 44 n. 119, Havet p. VIII n. 1 und Schultess p. 53 n. 18; Sendun°- des Gerannus an Otto I. bei Richer 3,45 p. 101. Daselbst 3,45 zur Anstellung Gerberts als Lehrer in Reims. Der ausführliche Bericht über Gerberts Lehrtätigkeit und die hierbei von ihm konstruierten Figuren 2 ) und Tafeln bei Richer 3, 46 — 54. Gerbert hat nicht zum erstenmal den Rechentisch oder Abacus gebraucht, 3 ) trotz M. Cantor, Voiles, üb. Gesch d. Math. 2 1, 800-803 und S. Günther, Gesch. d. math. Unterr. S.92L; denn Bernelin schreibt in der Vorrede seines Liber Abaci an Amelius (Olleris p. 357, 6) Cogis enim et crebris pulsas preeibus ut tibi multiformes abaci rationes persequar diligenter negligentia quidem apied nos iam pene demersas, sed a domino papa Gerberto quasi quaedam seminaria breviter et subtilissime seminatas Beschreibung des Abacus Gerberts bei Richer Hist. 3, 54 p. 104, vgl. hierzu Cantor S. 816 f. Die von Gerbert verwendeten Ziffern s. bei Günther a.a.O. S. 96. Zu der Geheimschrift Gerberts im Konzeptbuch seiner Briefe s. "Oeuvres de Julien Havet 2, 469—482, wo PI. 1 (S. 472) die Kryptographie Silvesters II. in vier Bullen, PI. 2 (S. 476) in dreizehn Briefen zur Anschauung kommt; dieselbe Geheimschrift fand Havet (a. a. O. S. 483 ff., besonders S. 490—495) auf Notariatsinstrumenten aus Asti, Calliano und Pavia aus den Jahren 967 bis 996, wo sich auf der Rückseite kurze Notate befinden, s. das Faksimile S. 484 aus Asti 11. März 996. Der Brief an Remigius ist N. 134 p. 120 f. (Havet), übersetzt von Cantor S. 804 f. Das Lehrbuch über den Gebrauch des Abacus steht bei Olleris p. 311—348 4 ) und die Schrift über die Division der Zahlen an Constantin bei Bubnov, Gerberti opera mathematica p. 6—22 in genuiner und interpolierter Fassung. Zur Geometrie s. unten (Bubnov p. 48—97). Die Vorgeschichte der Disputation mit Ohtric s. bei Richer Hist. 3, 55 f. p. 104 f., die Disputation selbst 3, 57—65 p. 105—109. Ohtric war Lehrer in Magdeburg 5 ) und hatte zu Schülern z. B. die Bischöfe Adalbert v. Prag und Wigbert v. Merseburg (Thietmari Chron. 4, 28 p. 80 und 6, 36 p. 155); über Ohtric als präsumtiven Nachfolger im Erzbistum s. Thietmar 3, 12 p. 55. Zum Abt Adso s. Richer Hist. 3, 57 p. 105 Affuit et Adso abbas Dervensis; Gerbeit bittet ep. 8 p. 6 Istoriam Iulii Caesaris a domno Azone abbate Dervensi ad rescribendum nobis adquirite (nämlich Adalbero) und schreibt ep. 81 p. 75 an Adso: Carissima vobis ac. nobis librorum volumina vestrum iter sint comitantia, jedenfalls um Kopie davon zu nehmen. Uebrigens fehlt Caesar in dem Bücherverzeichnis, das nach Adsos Tode im Kloster aus seinem Besitz aufgenommen wurde, s. Becker N. 41 p. 126 f.; das Verzeichnis ist reich an philosophischen und grammatischen Titeln; unbekannt ist mir N. 16 quidam libellus quem Martinellum nominant, da sich der Titel kaum auf Martian oder Martial beziehen kann. 6 ) Adso verfaßte eine Schrift De ortu et tempore Antichristi, die er der Königin Gerberga von Westfranken widmete. Sie wurde von Albuin v. Gorze in seiner moralisch theologischen Kompilation stark ausgeschrieben,') die dieser dem Erzbischof Heribert v. Köln (999—1021) und dem Pariser Kanonikus Arnald übersandte; die Ausgabe an Heribert findet sich im Berol. Meerm. 351 s. XII—XIII, Monac. 7797 s. XII (De virtutibus). im Paris. 18201 s. XII (Alquiminus servus; s. Haureau, Not. et extr. de quelques mscr. 6, 86 ff.) und im Amplon. Q 324, die Ausgabe an Arnald im Berol. Meerm. 58 s. XV f. 1—60. Albuin benutzt außerdem im Anfang seines Werkes die Schrift des (Augsburger Bischofs?) Adaiger Admonitio ad Nonsvindam reclusam, die sich im Monac. 18537 s. XV und 14789 s. XIII—XIV, im Paris. 2867 s. XIV und im Vindob. 428 s. XIII findet, vgl. Haureau, Journ. des Savants 1886 p. 684. 8 ) Zu Adso und Albuin vgl. W. Meyer, Münch. Sitzber. 1882 S. 3 und Sackur, x ) Denn so ist das Wort Musik hier aufzufassen, nicht etwa im praktischen Sinne. '-) Die Stelle bei Thietmar ist 7, 40 (ed. F. Kurze p. 191) in Magadaburg oralogium fecit illud rede constituens considerata per fistulam quadam Stella nautarum duce. 3 ) Vgl. Wilhelm v.Malmesbury Gestaregum Anglorum 2,167 bei A. Graf, Miti, leggende e superstizioni del niedio evo 2, 17 und 54; daselbst S. 51—75 Zusammenstellung der höchst wunderbaren Sagen und Fabeln über Gerbert. <) Ein Teil (p. 324 ff.) erscheint in den Commentarii zu Gerberts Abacus bei Bubnov p. 246 ff. B ) Thietmari Chron. 3, 12 p. 55 ed. Kurze. 6 ) Da das Buch jedenfalls ein grammatisches war, könnte man an Martianellum (nach Analogie von Priscianellus) denken, doch vgl. S. 436. ') Das Kapitel De Antichristo hrsg. von Floss, Ztschr. f. dtsch. Alteit. 10,265. 8 ) Sie steht auch in einem alten deutschen Verzeichnis s. XIII, Wiener Studien 6, 326 Adalgerus ad Nonsvindam. Gerbert von Reims. 737 SibyllinischeTexte S. 99 ff. (undSackur, Die Cluniacenser 1,176 ff.; 2,362), ediert wurde Adsos Schrift von Sackur, Sibyll. Texte S. 104—113. Außerdem verfaßte Adso das Leben des Bischofs Frodobert, des hl. Mansuetus, des hl. Basoius und des hl. Bercharius, vgl. Wattenbach 1, 421 f. und Potthast 2 S. 16; die Heiligenleben sind aber wertlos; vgl. S. 432—442. Zum Erfolg der Disputation s. Richer 3, 65 p. 109 Augusti nutu disputationi finis iniectus est eo quocl et diem pene in his totum consumserant et audientes prolixa atgiie continua disputatio iam fatigabat. Ab Augusto itaque Gerbertus egregie donatus est. Die Berufung nach Bobbio s.bei Havet p. XI f. und 1 n. 1, zur Zeit der Abtswürde ib. p. 15 n. 4 und Schultess, Papst Silvester IL S. 53 N. 37. Die Bibliothek Bobbios ist bekanntlich in Hinsicht ihrer Schätze aus dem Altertum unvergleichlich gewesen, ihr Bestand ergibt sich aus dem Katalog s. X — XI bei Becker N. 32; der Cod. Arcerianus läßt sich zwar in diesem Verzeichnis nicht nachweisen, aber da er bis ins 15. Jahrhundert in Bobbio war (Blume, Die Schriften d. röm. Feldmesser 2, 6. 11. 470), so ist mit Havet p. 7 n. 1 seine dortige Anwesenheit für damals anzunehmen, zumal Gerbert in seiner Geometrie den Baibus, Nipsus und Epafroditus mehrfach benutzt hat, vgl. Cantor, Vorlesungen 2 1, 811. 814, Bubnov p. 48 n. 3; allerdings hat sich Bubnov p. 78 n. 16 gegen Gerberts Benutzung dieser Hs. ausgesprochen. Jedenfalls fand Gerbert in Bobbio keine besonders hohe geistige Atmosphäre, denn in den aus Bobbio geschriebenen Briefen (ep. 1—10) ist davon nichts zu verspüren. Einige literarische Seltenheiten, die hier berührt werden, finden sich im Katalog von Bobbio, wie der Ophthalmicus des Demosthenes (ep. 9 und B. 32, 399) und die Astronomie des Boethius (ep. 8 und B. 32, 387); später ließ Gerbert diese beiden Werke für sich in Bobbio abschreiben (ep. 130 p. 117 f.). 1 ) In einem späteren Briefe führt Gerbert eine Stelle (4, 15 p. 140, 31 f. D.) aus Celsus an; es ist das einzige Zitat, das aus so früher Zeit bekannt ist. Daß Celsus um diese Zeit im Frankenreiche war, ergibt Paris. 7028 s. XI, in alten Katalogen ist er in humanistischer Zeit in Monte Cassino, bei Cosimo de' Medici, bei Sixtus IV. und in Paris anzutreffen. Scharfe Auseinandersetzung mit den Mönchen von Bobbio in ep. 18 p. 14 f. Zur Rückkehr nach Reims und zu den Studien s. ep. 15 und 16 p. 12 f. Heber die politischen Verhältnisse vgl. K.Werner, Gerbert S. 80 ff., Schultess, Papst Silvester IL S. 28 ff. und Lux a. a. O. S. 14 ff. In diese Zeit fällt sein Plan, nach Spanien zurückzukehren, s. ep. 45 p. 43. Verhältnis zu Theophano ep. 45 p. 44, 10 ff., Bewerbung bei ihr um ein Bistum ep. 117 p. 107. Zum Tode Adalberos (23. Jan. 989) 2 ) s. Havet p. 105 n. 1, zur Designierung Gerberts als Nachfolger ep. 152 p. 134. Ueber die Synode von St. Basle handelt ausführlich K. Th. Schlock- werder, Das Konzil v. St. Basle (Magdeb. 1906) S. 14—34. Gerbert rechtfertigt seine Erhebung zum Erzbischof in dem ausführlichen Schreiben an Bischof Wilderod v. Straßburg (ep. 217 p. 203—230), wo er erst eine geschichtliche Darlegung der Sache gibt und dann ihre rechtlichen Gründe vorbringt. Die Boethiushs. Bamberg. H. J. IV. 12 mit Versen ist an Karl d. Kahlen gerichtet (die Verse bei Bubnov p. 148—50), F. Leitschuh, Gesch. d. kaiol. Malerei S. 84; 3 ) dagegen hat Gerbert Verse auf ein Bild des Boethius gedichtet, das sich im Palast Ottos III. befand, s. Olleris p. 294 und Bubnov p. 150 f. (aus Abrinc. 240 s. XI und Vindocin. 127 f. 67 b ). Der Brief des Kaisers 4 ) (Gerberti ep. 186 p. 171 f.) besagt volumus vos Saxonicam rusticitatem abhorrere, sed Greciscam nostram subtilitatem ad id studii magis vos provocare, quoniam si est qui suscitet illam, apud nos invenietw Gi-ecorum industriae aliqua scintilla. Die Schrift Gerberts De rationali et ratione uti steht im Monac. 14735 und im Paris. 14193, 6 ) danach hrsg. von Olleris, Oeuvres de Gerbert p. 297—310. An der Spitze überliefert Monac. 14735 ein Gedicht von sechs Distichen, das aber nicht von Gerbert zu sein scheint. Den Eingang bildet die hochtönende Anrede an den Kaiser und ähnlich ist der Schluß, aus dem hervorgeht, daß sich Otto damals mit Mathematik beschäftigte (c. 17 ') Unter M. Manlius de astrologia ist somit unbedingt Boethius und nicht Manilius zu verstehen, wie ich früher (Philol. a. alt. Bibl- kat. S. 36) annahm. Ein Brief von Traube vom 23. Oktober 1905 hatte mich schon über den Sachverhalt aufgeklärt. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß der Name M. Man(i)lius von Boethius' Werk auf den sog. Manilius übertragen worden ist. Möglicherweise ist das in der Sorbonne 1338 (Delisle, Le cab. des mscr. 3, 9 ff. N. LDL 9) Sex librl commentarii annui genannte Werk ein unvollständiger Boethius. Die einzige wirkliche Aufschrift des Manilius begegnet in Urbino (vor 1482) (Giorn. stör. d. arch. Tose. 7,142,482), sie ist heute entweder Urb. 668 oder 667. z ) Vgl. Sickel, Mitteilungen d. Instituts f. österr. Geschichtsforsch. 12,236. 3 ) Doch stammen die Verse im Bamberg. H. J. IV. 17 f. l a {Otto vir invictus laetetw Cesar amatus) wahrscheinlich von Gerbert. *) Havet p. 171 n. 5 bemerkt, daß der Stil von dem Gerberts sehr verschieden ist. 5 ) Verloren ist eine Hs. aus Tegernsee, aus der Pez (Thes. aneed. 1,2,147 ff.) die Schrift herausgab. Außerdem gab es eine Hs. in Fulda nach dem Katalog s. XVI, s. Beilage z. Zbl. f. Biblwes. 26, 98 Rep. 5 ord. 4, 2 Item Gerbertus de rationabili. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 47 738 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. p. 130 Oll.). Das Thema der Schrift ist, „wie von den beiden Differenzmeikmalen nationale und Ratione uti das letztere als Prädikat des ersteren gebraucht werden könne, da doch der Prädikatsbegriff wohl weiter, nicht aber, wie im gegebenen Falle, enger als der Subjektsbegriff sein könne" (K. Werner a. a. 0. S. 52); zum Inhalt der Schrift s. Prantl, Gesch. d. Logik 2, 54 und Werner S. 52—55. Zur Erhebung Gerberts zum Erzbischof von Ravenna s. Richer Hist. 4, 101 p. 180 und die Bulle Gregors V. bei Olleris p. 547 ff. Ueber Intervention des neuen Papstes in den Kaiserurkunden s. C. Lux a. a. 0. S. 45, daselbst S. 47__ 61 über das gemeinsame Wirken von Papst und Kaiser. Briefe. Gerberts Korrespondenz ist eine wichtige historische und literarhistorische Quelle des 10. Jahrhunderts. Und zwar gehen ep. 1—180 in sämtlichen Handschriften auf das Konzeptbuch Gerberts zurück, in das sie in der Reihenfolge ihrer Entstehung eingetragen wurden. 1 ) Im Jahre 999 wurde für Constantin, den Abt von Saint-Mesmin in Micy, der Leidensis aus diesem Buche abgeschrieben, und dabei konnte die Korrespondenz von 996—999 berücksichtigt werden, so daß die Briefe 181—212 aufgenommen wurden. Doch schon 998 hatte Gerbert eine Ausgabe erscheinen lassen, der er aus den letzten zwei Jahren nur seine mit Otto III. gewechselten Briefe 2 ) als Anhang hinzufügte (Überlieferung P); indes scheint er in diesen Jahren die Briefe' nicht mehr in der chronologischen Folge ins Konzeptbuch eingetragen zu haben, wie Th. Sickel nachgewiesen hat. 3 ) Die Briefsammlung Gerberts ist nun aus verschiedenen Gründen von besonderem Interesse. Einerseits nämlich veranschaulicht sie das Wirken des Gelehrten und Politikers und anderseits gestattet sie einen tiefen Einblick in das Wesen der Epistolographie der mittelalterlichen Großen. Es ist ja auch schon aus früherer Zeit bekannt, daß sich Fürsten und hohe Kleriker zur Abfassung ihrer Briefe fremder Hilfe bedienten. Das tritt aber nirgends so klar hervor wie in Gerberts Sammlung, die aus 220 Stücken besteht, von denen aber mindestens 53 für andere Personen geschrieben sind. Gerbert trug nämlich in sein Konzeptbuch beim Titel der Briefe, die er für west- und ostfränkische Große schrieb, meist den Namen des Auftraggebers ein. Und aus diesen Angaben sieht man, ein wie begehrter Briefschreiber er war. Namentlich war er für die Erzbischöfe Adalbero und Arnulf von Reims tätig und er hat allein für Adalbero sechzehn Briefe an Egbert von Trier verfaßt, während er im ganzen für diesen Kirchenfürsten 36 Briefe schrieb. Aber auch die Königin Emma und König Hugo von Westfranken, Kaiser Otto III., Karl von Lothringen und die Reimser Suffraganbischöfe bedienten sich seiner, und er trat hierdurch mit den bedeutendsten Persönlichkeiten der Zeit in nahe Berührung. Zugleich aber sind seine Briefe eine Fundgrube für literarische Dinge, da er nicht nur vielfache Anführungen aus der alten Literatur 4 ) gibt, sondern auch seine gelehrten Korrespondenten unausgesetzt um die Übersendung seltener Bücher aus dem Altertum ersucht. 5 ) , *) Vgl. Sicke I, Mitteilungen des Instituts j p. 32 ignavumpecusVerg. Georg.4,168. 37p.36 f. österr. Geschichtsforschung 12,413. velut miles succenturiatuslerent. Phorm. 239 f. 2 Nämlich Havet N. 186.187. 213-216. j 77,3 p.71 Lucan. bell. civ. 1,70 f. 88 p. 79 218—220. Die drei letzten sind nur aus der ; quam integer vitae actus quam purum elo- Bibl. histor. von Vignier (1587) bekannt. ' qttium Hör. C. 1,22, 1. 3 ) a.a.O. S. 416. 431. ») Vgl. ep. 7 p. 6; 8 p. 6; 9 p. 7; 17 p. 14 4 ) Zu den Nachweisen von Havet fol- (25 p. 20); 24 p. 19; 40 p.38; 44 p. 42; 86 gende Nachträge: 15 p. 12 In danclis et ac- ' p. 78; 96 p. 89; 123 p. 112; 130 p. 117; 134 cipiendis Boeth. arithm. praef. p. 1,2 (Fr.). 33 p. 121 (148 p. 131). Gerbert von Reims. 739 In dieser Beziehung lassen ihn seine Briefe als eine ähnlich humanistisch veranlagte Persönlichkeit erscheinen, wie Lupus von Ferneres eine war. Ueberlieferung. Leid. Voss. Q. 54 a. 999') für Constantin geschrieben, vgl. Havet p. XLIII. Verloren ist der alte Cod. P, daraus die Schedae Fabri (davon Kopie Rom.Vallicell. 6 94 s. XVI ex.) und die Vorlage der Ausgabe von Jo. Masson (Paris 1611) 2 ) flössen, während die Schedae Fabri neben Masson und L von Du Chesne (Hist. Franc. SS. 2, 789) benutzt sind. Wahrscheinlich befand sich P früher in Cluni, denn dort gab es s. XII (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 469, 289) Eplstole plurime ad diversos G-ivberti, und dies ist die einzige Spur vom Vorhandensein der Briefe in früher Zeit (vgl. auch Havet p. LIV n. 4). Zum Vergleich von L und P s. Havet p. LVI ff. Ausgaben: Olleris p. 2—154 und besonders von Havet, Lettres de Gerbert, Paris 1889. Zwei neue Briefe Silvesters II. (an den Dogen von Venedig und an den Patriarchen von Grado) s. in Bibl. de l'ec. des chartes 50, 567 ff. ; N. 153 H. in verbessertem Text hrsg. von Astier, Bull. hist. et philol. du com. des trav. hist. et scientif. 1901, 185—190. Zur Chronologie der Briefe Th. v. Sickel, Mitteil. d. Inst. f. österr. Gesch. 12, 234 ff. 413 ff.; Schlockwerder, Unters, z. Chronol. d. Briefe Gerberts, Halle 1893. J. Lair, Etud. crit. sur div. textes des X. et XL siecles 1, 89 ff. Vgl. Oeuvres de Jul. Havet 2, 469 ff. und Cipolla, Mel. Havet p. 87 ff. Mathematische Schriften. Was Gerbert von den ihm zugeschriebenen mathematischen Schriften gehört, ist erst durch Bubnov in seiner Ausgabe festgestellt worden. Es sind folgende Werke. Zunächst die schon oben berührten Regulae de numerorum abaci rationibus mit Widmungsbrief an den späteren Abt Constantin von St. Mesmin (989—995), der damals (um 980) noch Mönch in Fleury war. An denselben richtete Gerbert etwas später eine Schrift De norma rationis abaci, von der sich nur ein kleines Fragment erhalten hat, 3 ) ferner einen Brief, 4 ) in dem er seinem Freund auf dessen Bitte das Instrument beschreibt, mit dessen Hilfe man sich Parallelkreise verständlich machen konnte und das ungefähr dem von Richer Hist. 3, 51 erläuterten entspricht. Außerdem sandte er an Constantin mehrere kleine Schoben zu Boethius' Musik und Arithmetik. 5 ) Hierzu kommt der Brief (ep. 134) an Remigius von Trier über die Teilbarkeit der Zehn und ein anderer (ep. 153) an einen Mönch Adam über die Bestimmung der Differenzen von Tages- und Nachtlänge. Eine weitere kurze Schrift sandte Gerbert um 998 an den gelehrten Adalbold von Lüttich, mit dem ihn gleiche wissenschaftliche Interessen verbanden und der ihm später, als er schon Papst war, den Libellus de ratione inveniendi crassitudinem sphaerae widmete; in dem Brief an Adalbold untersucht Gerbert die Gründe, warum die geometrische und die arithmetische Berechnung der Fläche eines gleichseitigen Dreiecks verschieden ausfalle. Das bedeutendste Werk aber ist die Isagoge geometriae, über deren Umfang und Inhalt erst Bubnov 6 ) Klarheit geschaffen hat. Er wies nämlich nach, daß nur c. 1—13 7 ) von dem früher Gerbert zugeschriebenen Werke diesem wirklich zukomme. Gerberts Geometrie gibt in der Einleitung die Worterklärung des Begriffs, die Ur- ') Hat früher noch etwas mehr enthalten, s. Havet p. LI. 2 ) Aufserdem die Noten von Pithou in L, vgl. Havet p. LH (L'). Die Noten von Ba- luze in einem Exemplar der Ausgabe von Masson (Paris, mscr. de Baluze 129 f. 76 ff.) gehen auf die Schedae Fabri zurück. 3 ) Nämlich im Vatic. 3123 f.40 b s. XII, hrsg. von Bubnov p. 23 f. 4 ) Die Hss. bei Bubnov p.24f.; daselbst p. 25 —28 die Ausgabe. 5 ) Hss. und Ausgaben bei Bubnov p. 28 —35. 6 ) Gerberti opera mathematica p. 46 n. 2. 97 n.2 und 310 n. 1. 7 ) Bei Bubnov p. 48—97 in neuer Zählung c. 1—7. Drei Teile (1—13. 14-40. 41—92) unterscheidet P. Tannery, Not. et extr. 36,2,504 ff. und läßt p. 504 die drei Teile in Bayern zusammengeschrieben werden. 47* 740 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. sprünge, die Definition und den Nutzen der Geometrie. In dem Werke selbst das nach Bubnov 1 ) vor 983 geschrieben ist, geht der Verfasser vom Körper aus und von hier zur Fläche, zur Linie und zum Punkte über, wobei er außer den lateinischen auch die griechischen Benennungen gibt. Dann handelt er über die benannten Größen der Länge und Fläche, 2 ) über die Figuren und Winkel, die Arten der Dreiecke, die Bestimmung der Winkel, über die Bestimmung der Seiten im rechtwinkligen Dreieck und seiner Fläche, endlich über die Bestimmung des Rechtecks; hier bricht die Überlieferung ab. Benutzt sind Baibus, Nipsus, Epafroditus und die dem Boethius beigelegte Geometrie N. 1, die Ars geometrica und wahrscheinlich die Geo- metria incerti auctoris, außerdem Martianus Capella, Chalcidius, Boethius' Arithmetik und Kommentar zu Aristoteles' Kategorien. Vielleicht gehört dem Gerbert auch der Liber de astrolabio an, der sicher vor Hermann von Reichenau verfaßt ist und vielleicht stofflich auf den Liber de astrologia zurückgeht, den Gerbert vom Übersetzer, dem Bischof Lupitus von Barcelona, erbat (ep. 24); 3 ) allerdings müßte man annehmen, daß sich Gerbert dann sehr eng an seine Quelle gehalten hat, da der sprachliche Ausdruck des Werkes nicht wenig von dem seinigen abweicht. Auf keinen Fall aber stammt die Geometria incerti auctoris von Gerbert, namentlich da sie an vielen Stellen von ihm benutzt worden ist. Sie wurde früher als Gerberts Geometrie c. 14—94 herausgegeben und ist anfänglich hinter der echten Geometrie Gerberts in kurzem Abstand geschrieben worden; das wurde von den Abschreibern nicht beachtet und somit wurde beides als ein Werk angesehen. Der Verfasser des Werkes, ■der im (9. oder) 10. Jahrhundert lebte, hat seine Quellen vielfach auseinandergerissen und daher an manchen Stellen dasselbe vorgetragen. Vielleicht hat Gerbert diese von ihm benutzte Geometrie 4 ) an Adalbold von Lüttich gesandt, bevor er ihm über das gleichseitige Dreieck schrieb. 5 ) Sie bestand aus vier Büchern, von denen die beiden letzten noch vorliegen. Buch 3 enthält Messungen der Höhe, Tiefe, Fläche und Breite mit verschiedenen Instrumenten, unter denen das Astrolabium eine große Rolle spielt. Buch 4 ist aus einer sehr reichhaltigen Gromatikerhandschrift genommen und enthält Berechnungen von Linien, ebenen Flächen und Durchmessern von Körpern. 6 ) Einige Stellen (wie 4,25. 29. 41. 43. 51. 52. 54. 59) sind wahrscheinlich aus einer reichhaltigeren Epafroditusüberlieferung genommen, als sie im Arcerianus und in den betreffenden Teilen der Ars geometrica 7 ) vorliegt. In 4, 60 findet sich derselbe Abschnitt über die Gradmessung des Eratosthenes 8 ) wie in der Ars geometrica c. 34. Das Werk ist wichtig wegen der darin benutzten alten Quellen und läßt besonders die Anlage des Epafroditus erkennen. 9 ) ') a. a. 0. S. 46 n. 1. 2 ) Es fehlt nicht an Erklärungen, so c. 3,21 p. 62,18 Dicta quoque leuua a levando id est rele- vando pöst tantum iter corpore. TJnde et apud Teutonicos rasta a requiescendo appellatur. 3 ) Vgl. Bubnov p. 109 n. 1. 4 ) Nämlich 4,2. 7 und öfter. 5 ) Bubnov, Gerb, opera raath. p. 43,16 In his geometricis figuris, quas a nobis sump- sisti; vgl. Geom. ine. auctoris ib. 348,12 ff. 6 ) Ueber die Quellen s. M. Cantor, Die röm. Agrimensoren (Leipzig 1865) S. 229 n. 304. ') Im Monac. 13084 und 14836. 8 ) Aus Monac. 13084 und 14836 kollationiert von Manitius, Hermes 41,290f. 9 ) Vgl. Bubnov p. 311 ff. n. Gerbert von Reims, 741 Ueberlieferung. Die Regulae') stehen in genuinem Texte im Paris. 8663 s. XI f. 47, 6620 s. X—XI f. 57, Carnot. 41 s. XI f. 87, Monac. 14436 s. XII, Bruxell. 10095 s. XII, in interpolierter Fassung 2 ) z. B. im Vatic. 3123 s. XII, Monac. 14689 s. XII, Leid. Seal. 38 s. XI (Tgl. Bubnov p. 1 f.). Einzige kritische Ausgabe mit Unterscheidung des echten und unechten Textes bei Bubnov p. 8—22. Der Brief an Adalbold steht im Cantabr. Corp. Chri. Coli. 71 n. 9 s. XII, Mus. Brit. Royal 15 B IX f. 70 s. XI, Vat, reg. 1661 f. 66 s. XI—XII, Paris. 7377 C f. 12 s. XI—XII, im Bruxell. 4500 f. 14 s. XI (vgl. Bubnov p. 42 f.). Kritische Ausgabe bei Bubnov p. 43—45. Die Geometrie Gerberts findet sich im Monac. 14836 s. XI f. 24, Paris. 7377 C s. XI—XII f. 35, Bruxell. 4499 -4503 s. XI f. 15, Salisb. a. V. 7 s. XII f. 39, Monac. 13021 s. XII f. 188 s. Bubnov p. 47. In alten Katalogen wird das Werk erwähnt in Bec s. XII und bei Amplonius 1412, s. Neues Archiv 32, 687. Einzige kritische Ausgabe bei Bubnov p. 48—97 (früher bei Pez, Thesaur. aneed. 3, 2, 7—37 = Migne 139, 91—115, bei Olleris 401—427). Der Liber de astrolabio wird meist anonym und zwar besonders mit dem Werke Hermanns v. Reichenau und einer anonymen Schrift überliefert; 3 ) wichtigste Hss.: Monac. 14689 s. XII f. 73, Salisb. a. V. 7 s. XII f. 1 und Paris. 15 078 s. XII f. 33; kritische Ausgabe von Bubnov p. 114—147, vgl. p. 109 n. 1 und 124 n. 1 (früher Pez 3, 2, 109—130 = Migne 143, 389—404). Geometria incerti auctoris. Die Hss. überliefern nur Buch 3 und 4 und zwar häufig nur lückenhaft und in gestörter Reihenfolge: Berol. 307 s. XIII f. 12 (bei V. Rose N. 956 s. XII), Mus. Brit. Royal 15 B IX s. XI f. 61, Monac. 14836 s. XI f. 53, Paris. 11248 s. XI f. 28, Salisb. a. V. 7 s. XII f. 63 (s."Bubnov p. 313—316). Wahrscheinlich gehören hierher viele von den in alten Katalogen als Geometrie benannten Werken (s. IX Reichenau und Oviedo, s. XI Gorze und Puy, s. XII Anchin s. XIII Wessobrunn, Neumünster b. Würz- buig, Passau, Cuenca, s. XIV Palermo, Sorbonne, Ramsey, Chartres uud Durham). Kritische Ausgabe von Bubnov p. 317—364. Vgl. zu dem Werke M. Cantor, Math. Beitr. z. Cultur- leben S. 303—329, Die röm. Agrimensoren 150—176. 229, Vorlesungen üb. Gesch. d. Math. 2 S. 809—816; Eriedlein, Ztschr. f. Math. Litterarhist. Abt. 10, 246. 12, 69. Weissenborn, Gerbert. Beitr. z. Kenntnis d. Math, im MA. (1888) S. 1—168. Die Ars geometrica. Mit diesem Titel benenne ich ein geometrisches Werk in 34 Kapiteln, das sich in mehreren wichtigen und alten Mathematikhandschriften findet und aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt ist. Da der Eingang mit einem Stück aus der sog. Demonstratio artis geometricae 4 ) einsetzt und die eine Handschrift (Monac. 13048) aus s. IX — X stammt, so ist es also nicht möglich, daß diese angebliche Geometrie des Boethius N.2 erst aus dem 11. Jahrhundert stammt, wie Bubnov p. 188 n. 23 erwiesen zu haben glaubt. Es folgen Stücke aus Cassiodor, Censorinus, aus der Demonstratio (aber in erweiterter') Gestalt), aus Boethius-Euclides, Baibus, Epafroditus, Hygin mit Erweiterungen. G ) Die vier letzten Kapitel stammen mittelbar aus Macrobius und Martianus Capeila (hier mit vollständig andrer Überlieferung), unmittelbar aber sind sie, wie ihre Überschriftenerweisen, ausder großen astronomisch-komputistischenEnzyklopädie genommen, die bei den Angelsachsen entstand. So ist auch dieses geometrische Werk hauptsächlich wegen der benutzten Quellen von Wert, namentlich enthält es Teile aus Epafroditus, die in den Gromatikerhand- schriften fehlen. Das Alter 7 ) bestimmt sich nach dem Prolog und der ältesten Handschrift auf das 9. Jahrhundert. Zu den Quellen des Werkes s. Manitius, Hermes 39,293—300.41,280—292; dort war mir aber die Beziehung zu jener Enzyklopädie entgangen. Das Verhältnis der Ars geom. zur Enzyklopädie ergibt sich aus den Kapitelüberschriften 31 —34 (Hermes 39, 292) und den ') Hierauf bezieht sich wohl die Aufschrift in Peterborough s. XIV (Serap. 12,173) Epi- stola Gerberti ad Constantinum de propor- tionibus. 2 ) Aus dieser Fassung wurde s. XI der Abacus in Boethii geometria N. 2 genommen, s. Bubnov p. 155—161. s ) Mit Namen befand er sich in Toul s. XI (B. 68,210 et Girberto de astrolapsu). 4 ) Kritisch hrsg. von Bubnov p. 191—196 als Boeth. geometria subditicia N. 2. 5 ) Vgl. Manitius, Hermes 39, 294 f. 6 ) Vgl. Manitius, Hermes 41,286. 7 ) Vgl. Hermes 41,278. 742 Geschichte der lateinischen Literatm- des Mittelalters. Zweiter Teil. Ueberschriften der Enzyklopädie Lib. 6, 4—7 im Montepessul. H 334 s. IX, s. Rück, Auszüge a. d. Naturgesch. d. Plinius etc., München 1888, S. 21 und Vitruv. ed. Rose 2 p. XXVII. Danach muß die Demonstratio artis geom. spätestens ins 9. Jahrhundert fallen. Hss.: Monac 13084 s. IX—X f. 48—69, 6406 s. XI f. 61—68, 14836 s. XI f. 96—107, Vindob. 51 s. XII f. 136-145. Die vier letzten Kapitel (ob aus der Ars oder aus der Enzyklopädie?) im Einsidl. 266 s X p. 188—196 und im Paris. Fonds Libri L. Nouv. acq. lat. 456 s. XII f. 184—189 und Fonds Libri XLVI. Nouv. acq. lat. 1615 s. IX f. 165. 166. 1 ) Einzelne Teile hrsg. von M. Curtze Abh. z. Gesch. d. Math. 7, 75 ff. und von V. Mortet, Not. et. extr. 35, 2, 525 ff., vgl. Cantor' Die röm. Agrimensoren S. 208ff. Vollständige Kollation mit den gedruckten Quellen Manitius' Hermes 39, 291-300. 41, 278—292. Kommentare zu Gerberts Regulae. Zu Ende des 10. oder zu Anfang des 11. Jahrhunderts wurden Gerberts Regulae de numerorum abaci rationibus und zwar in ihrer ursprünglichen Gestalt zum Gegenstand eines ziemlich ausführlichen Kommentars gemacht, in dem übrigens an zwei Stellen statt des Gerbertschen Textes der Text der Regeln Herigers behandelt wird. 2 ) Der unbekannte Autor hatte hierfür zur Verfügung die Arithmetik des Boethius, dessen angebliche Geometrie N. l, s ) sowie die Texte der Regeln Gerberts und Herigers. Drei kurze Kommentare (bei Bubnov p. 269—284 N. 2—4) haben in ihrer fragmentarischen Gestalt keinen selbständigen Wert. Hss. (von 1): Paris. Baluze 129 s. XVII (Abschrift einer Hs. von St. Victor), Monac. 14689 s. XII, Bern. 2S9 u.a., s. Bubnov p. 245; (von 2—4) Oxon. St. John's Coli. XVII a. 1110 und Paris. Baluze 129. Einzige Ausgabe: Bubnov p. 246—284. Auch zwei andere Schriften sind Gerbert mit Unrecht beigelegt worden. Nämlich zunächst der Traktat De corpore et sanguine domini, der von einer Ambrosiusstelle bei Radbert ausgeht und dann in langer Reihe die Ansichten der Väter vorstellt und Hrabans sowie Ratrams abweichende Meinung registriert. Vgl. hierzu Köpke, MG. SS. 7, 145. Ausgabe: Pez, Thes. anecd. 1, 2, 131 = Olleris p. 279—291. Und zweitens der Sermo de informatione episcoporum, der nur von einer einzigen unter vierzehn Handschriften dem Gilbertus philosophus papa urbis Romae gegeben wird. 4 ) Die Handschriften und Zitate — die Schrift wird angeführt von Abbo im Apologeticus Migne 139, 465, von Kardinal Humbert Migne 143, 1045 und von Gilles Charlier, Martene et Durand, Ampi. coli. 8, 460 — sind unsicher. Da nun Harttung erwiesen hat, daß die kleine Schrift von einem Bischof und nicht von einem Papste verfaßt ist, so ist des Ambrosius Autorschaft durchaus wahrscheinlich. Vielleicht aber ist sie von Gerbert überarbeitet worden und auf solche Weise der Titel in jenem aus Limoges stammenden Vaticanus zu erklären. Ausgaben: Mabillon, Anal. vet. 102 und Olleris p. 269—278. Vgl. J. Harttung, Neues Archiv 1, 587—593. ') In beiden Pariser Hss. geht der Ab- ! leicht zu erklären. schnitt De ratione unciarum vorher, der in der Enzyklopädie als Lib. 6,1 erscheint. 2 ) Da die Hss. der Regeln Herigers fast alle auch die Gerberts enthalten (außer Jo., Bern, und Par. J.), vgl. Bubnov p. 1 ff. und 205 ff., so ist das oben angegebene Verhältnis s ) Der Verfasser hatte also eine Hs. vorliegen, die dem Bern. 299 s. IX—XI nahestand; vielleicht war es diese Hs. selbst, die aus Fleury stammt. 4 ) S.J. Harttung, Neues Archiv 1,588ff. Adalbold von Utrecht. 743 131. Adalbold von Utrecht. Adalbold, dessen Heimat und Geburtsjahr — es fällt wohl um 970 — unbekannt sind, erhielt seine Ausbildung in Lüttich. als die dortige Schule zur Zeit Notkers in hoher Blüte stand. Er schloß sich hier wohl eng an Heriger an, und vielleicht ist dessen Erhebung zum Abte in Laubach auch für ihn maßgebend gewesen, Lüttich zu verlassen und nach Laubach überzusiedeln; denn wir finden ihn später dort als Kleriker, und wahrscheinlich in diese Zeit gehört der Dialog Herigers über die Verschiedenheit der Adventszeit, in dem Heriger selbst und er als die Personen auftreten. Da nämlich Adalbold erst drei Jahre nach Herigers Tode Bischof wurde, so ist Sigeberts Angabe, 1 ) nach der Adalbold in jener Schrift Herigers schon als Bischof auftrat, nicht richtig. Da Notker in enger Verbindung mit Gerbert stand und die mathematischen Studien durch ihn und Heriger in Lüttich gepflegt wurden, so ist es nicht zu verwundern, daß Adalbold ebenfalls zu Gerbert in Beziehungen trat. So wandte er sich während der Jahre 997 und 999 an Gerbert mit der Frage, wie es möglich sei, daß das Dreieck in seiner Fläche zwei Ausmessungen besitze, nämlich ein gleichseitiges Dreieck mit der Länge 7 sowohl 28 als 21 als Fläche besitze. Außerdem hatte Adalbold um die Übersendung ihm noch unbekannter geometrischer Konstruktionen 2 ) gebeten und zu solchen, die ihm Gerbert schon übermittelt hatte, 3 ) Erklärungen verlangt. Gerbert antwortet auf diesen (verlornen) Brief, indem er ihm trotz seiner Überladung mit weltlichen Geschäften die nötigen Erläuterungen gibt. Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, daß Adalbold bei seinem Aufenthalt in Italien jenen Brief an Gerbert schrieb, der damals Erzbischof von Ravenna war. Denn Bern von Reichenau schreibt in einem Briefe an Aribo von Mainz 4 ) nach dem Jahre 1026, 5 ) daß Adalbold durch seine Aufzeichnungen veranlaßt worden sei, sich in Rom selbst nach der Geltung der Adventsbestimmungen Bedas zu erkundigen; und er (Bern) habe durch ihn erfahren, daß sie dort in unangefochtener Geltung stünden. Bei dieser Gelegenheit mag sich Adalbold an Gerbert gewendet haben, und seine Reise nach Italien wird durch Abt Heriger veranlaßt worden sein, der wohl daraufhin jenen oben berührten Dialog abfaßte. Als dann Gerbeft Papst geworden war, widmete ihm Adalbold, der in Laubach das Lehreramt begleitete, eine mathematische Schrift, in deren Vorwort er sich entschuldigt, daß er dem Papste wie einem Kollegen im Lehramte nahe. Außerdem berichtet er hier, daß er ihm schon mehrere Fragen vorgelegt, aber noch keine Antwort darauf empfangen habe; er fürchte daher, daß er Anstoß bei ihm erregt habe, oder er könne wohl aus der Verzögerung auf etwas Großes hoffen. Man sieht hieraus, in welchem regen Verkehr über mathematische Dinge Adalbold mit dem ') De Script. ecc].137(ed. Miraeusp. 151) scripsit sub sua et Adelboldi episcopi persona dialogum etc. 2 ) Vgl. Tan n er y, Notices et extraits36,2, 505 f. 3 ) Die Zahlen in der Aufgabe in Gerberts Antwort (Bubnov, Gerberti opera mathe- matica p.43,16 ff.) begegnen in der sogenannten GeonietriaBoethii(ed.Friedleinp.404,14 ff.). 4 ) Jaffe, Bibliotheca rerumGermanicarum 3,368. 5 ) Das ergibt sich aus den Worten sanctae recordationis, vgl. unten. 744 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. großen Gelehrten stand. In der Schrift selbst 1 ) sucht er zur Berechnung der Fläche eines Kreises und des Inhalts einer Kugel zu gelangen und zwar mit Benutzung von Macrobius' Kommentar zum Somnium Scipionis (Buch 1 Kap. 20, 32. 16). Er berechnet die Kreisfläche als das Produkt des halben Durchmessers mit dem halben Umfang und den Kugelinhalt als n /2i des Kubus vom Durchmesser und bittet am Schlüsse seiner Darlegung den Papst, ihm in jedem Falle seine Beurteilung nicht vorzuenthalten. Aber auch von andrer Seite erfahren wir, daß Adalbold zu den tüchtigsten Mathematikern der Zeit gehörte. Nämlich der Kölner Scholastikus Ragim- bold, der ehedem bei Fulbert von Chartres mathematischen Studien obgelegen hatte, 2 ) erzählt, daß Bischof Adalbold von Utrecht eine mathematische Frage genau so gelöst habe wie Wazo (Lehrer und später Bischof in Lüttich), und daß er ihm das mündlich mitgeteilt habe. Jedenfalls gehörte Adalbold zu den gebildetsten Männern in dem Lütticher Kreise; auch aus der Ferne entlieh er Bücher, wie er z. B. im Ausleihverzeichnis des Petersklosters in Köln als Entleiher eingetragen ist. 3 ) — Nachdem er 1010 zum Bischof von Utrecht erhoben war, mußte er an der großen Politik teilnehmen. Es heißt, daß er in der Verwaltung seiner Kirche ebenso hoch dastand, wie er am kaiserlichen Hofe hohe Achtung genoß. Als Bischof in den Grenzlanden Lothringens mußte er natürlich oft in die kriegerischen Verwicklungen des Landes eingreifen und hatte manchen harten Strauß mit den lothringischen Großen auszufechten und häufig die Gnade des Kaisers im Interesse der Friedensbrecher anzugehen, wie Alpert und der Verfasser der Cambraier Bistumschronik erzählen. Daß er aber dabei stets die Macht und den Glanz seines Bistums im Auge behielt, ergibt sich aus einem Briefe des Kustos des Chorherrenstiftes zu Tiel an Adalbold;*) hier erfahren wir von den großen baulichen Veränderungen, die er zu Utrecht hatte vornehmen lassen. Und die Wissenschaft fand an ihm stets eine Stütze. So widmete ihm sein bejahrter Mitschüler Egbert, der in Lüttich Lehrer war, ein größeres Lehrgedicht in zwei Büchern, die Fecunda ratis. Und er selbst verfaßte in diesen späteren Jahren einen ausführlichen Kommentar zum Gedichte des Boethius De consol. philos. 3, 9, das früher schon -Bovo von Korvei behandelt hatte. 5 ) Gegen Ende seines Lebens verfaßte er dann sein wichtigstes Werk, ein Leben Kaiser Heinrichs II., das er innerhalb der Jahre 1024 und 1026 — in diesem Jahre starb Adalbold 0 ) — geschrieben hat. Von diesem Werke berichtet Sigebert an zwei Stellen, sowohl in seiner Literaturgeschichte wie in der Chronik; die Erwähnung an letzterem Orte beweist, daß es zu den bedeutendsten Erscheinungen der Zeit gehört hat. Alpert rühmt diese Biographie ungemein und sagt, daß er die Ereignisse, die mit ') Sie heißt in den Hss. mehrfach De crassi- tndine spherae. 2 ) Vgl. dessen Brief (N. VIII im Briefwechsel mit Rodolf) ed. Tannery, Not. et castris imperialibus praestantissimi et soller- tissimi hominis officia exercere comprobaris. 5 ) Vgl. Bd. 1,526 ff. Dieses Jahr zieht H. Bresslau (Jahr- extr. 36, 2, 532. hücher d. Deutschen Reichs unter Konrad II. 3 ) Hrsg.vonDümmler, Ztschr.f. deutsch. ! Bd. 1,204 n. 5) dem Jahr 1025 vor; vgl. auch Altertum 19,467. I Sackur, Die Cluniacenser 2, 179, wo über 4 ) Hrsg. in Acta SS. Febr. 3, 346 ff.; hier I Adalbold als Mönch gehandelt wird, heißt es p. 346 non solum dornt sed etiam in \ Adalbold von Utrecht. 745 der Belagerung von Metz zusammenhingen, in seinem eignen Werke übergehen wolle, da sie von Adalbold lichtvoll und sachgemäß dargestellt worden seien. Da wir nun den Anfang einer sehr ausführlich angelegten Biographie Heinrichs IL besitzen — sie reicht bis zum Jahre 1004 — und da hier mehr Gewicht auf die stilistische Seite der Darstellung gelegt wird, was ganz dem Wesen der Lütticher Gelehrtenschule entspricht, so liegt kein Grund vor, an Adalbolds Autorschaft hinsichtlich der Vita Heinrici II. zu zweifeln. Übrigens hat Adalbold in den letzten Jahren seines Lebens sich der mönchischen Zurückgezogenheit hingegeben. 1 ) Dazu hatte ihn der Abt Poppo von Stablo bewogen, dem er nun die Verwaltung des Bistums übertrug; und es ist nicht unmöglich, daß Adalbold damals den Kommentar zu dem Boethiusgedicht verfaßt hat, wie Moll 2 ) annimmt. Allerdings dauerte seine Weltflucht nicht lange, denn Poppo vermochte ihn dazu, das bischöfliche Amt wieder zu übernehmen, trotzdem er die Einkleidung als Mönch empfangen hatte. Er starb am 27. November 1026. 3 ) Zeugnisse. Zur Ausbildung Anselm gesta episc. Leod. 29 (MG. SS. 7, 205, 25) Multi- qiie tantam apud euni (seil. Nöticerum) .. . asseenti sunt perfectionem ut idonei rectores fierent animarum. Ex Ulis . .. Traiectensis Adeboldum. Das enge Verhältnis zu Heriger ergibt sich aus dessen Dialog (Sigebert c. 137) Scripsit sub sua et Adelboldi episcopi persona dialogum de dissonantia ecclesiae de adventn domini. Kleriker in Laubach Sigebert de Script, eccl. 138 (p. 151 ed. Miraeus) Adelboldus ex clerico Lobiensi*) episcopus Ultraiectensis. Die enge Verbindung Gerberts und Notkers bezeugen die für Adalbero von Reims an Notker geschriebenen Briefe bei Havet, Lettres de Gerbert N. 30. 39. 42 f. 49. 65f. und Gerberts eigner Brief N. 193. Zu den mathematischen Studien Notkers und Herigers vgl. unter diesen. Die Zeitbestimmung von Gerberts Brief an Adalbold bei Bubnov, Gerberti opera mathematica p. 41 n. 1, dort p. 43 ff. die Ausgabe des Briefes und p. 487 (unter N. 14) eine wichtige Ergänzung aus Rom. Barberin. VIII. 92 s. XII f. 31». Die früheren Bitten Adalbolds ergeben sich aus Gerberts Brief p. 487 De figuris geometricis mandasti, ut, siqua, quae needum audi- res, höherem tibi transmittam und p. 43, 16 In his geometricis figuris, quas a nobis sumpsisti; Schwierigkeit der Antwort für Gerbert p. 487 et possem quidem, sed sie et temporis brevitate coartor et instantia saecularium negotiorum opprimor, ut vix vel aliquid tibi rescribere jwsssim. Zum Aufenthalt in Italien: Bern (epist. ad Aribonem bei Jaffe, Bibl. rer. Germ. 3, 368) schreibt, nachdem er Bedas Weihnachtsbestimmung für richtig befunden Rune morem tota pene ut fertur obsei'vat Gallia ac ipsa civitas Romana . . . ut per veracissimos relatores ac praeeipue sanetae recordationis Adalboldum episcopum, qui Scriptis nostris pulsatns Eome positus hoc requisivit didieimus. Die Widmung Adalbolds an Gerbert (Bubnov p. 302, 9) Domino Silvestro summo et pontifici et philosopho Adelboldus scolasticus; hier heißt es p. 302, 14 Et tarnen fernere ago et non ignoranter peeco, quod tantum virum quasi conscolasticum iuvenis convenio. Aus dieser Alteisangabe ergibt sich, wenn man das Schreiben um 1000 und Adalbolds Alter auf etwa dreißig Jahre ansetzt, dessen Geburtsjahr um 970. Möglicherweise fällt nach Bubnov p.485 (n. 11) in die Korrespondenz Adalbolds mit Silvester noch ein andrer Brief, den Bubnov p. 485ff. zuerst veröffentlicht hat; Zeiten, Verhältnisse und Absender wie Adressat stimmen sehr gut hierzu (vgl. Bubnov p. 486 n. 3—5); der Absender verlangt Auskunft über eine philosophische Diskrepanz zwischen Aristoteles und Boethius, mit deren Werken Adalbold bekannt war, wie sich aus seinem Boethiuskommentar ergibt. Ueber die früheren Fragen vgl. Bubnov p. 303, 4 Quaestiones, quas iam auetoritati vestrae transmisi, quia non resolvuntur, me in eis aut vos offendisse timeo aut pro dilatione solutionis aliquid grande futurum spero; Schlußwort p. 309, 21 In his Omnibus si erro, ut ad viam veritatis reducar, si viam teneo, nihilominus peto, ut via, quae me dubitantem tenet in tenebris, vestri assensus auetoritate illustrata reluceat. Zu Ragimbolds Aeußerung (an Rodulf von Lüttich) vgl. P.Tannery, Notices et extraits 36,2,522 Admodum subtiliter et profunde dilectus noster dominus Guazzo traetavit super hac questione, cui, quia mihi non scripsit, non meum arbitror respondere. Hoc autem novi, Traiectensem episcopum Adelboldum eius questionis nodum eodem *) Vgl. hierzu Hauck, 3,486. 4 ) Allerdings bestreitet E.Voigt (Egberts 2 ) Kerkhist. Archief 3,177. I von Lüttich Fecundaratisp. XIV f.) die Richtig- 3 ) Das Chron. Egmundanum erzählt den ] keit von Lobiensi und schreibt dafür Leo- Tod zu 1027. • I dienst. 746 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. sensu quo et Guazzo fere enodasse mihique dixisse. 1 ) Im Ausleihverzeichnis von Köln (ed Dümmler, Ztschr. f. deutsch. Altert. 19, 467) steht Aclelboldus episcopus librum super psalte- rium optime scriptum ad manum Wanizonis de sancto Gereone scriptoris. Die Erhebung zum Bischof Ann. Hildesheim. 1010 (MG. SS. 3, 93, 39) Ansfridus Traiectensis ecclesiae antistes obiit, ciäiis loco Adelboldus successit. 2 ) Zur Teilnahme an Kriegen und Fehden vgl.Thietmar Chron. 6, 50 (MG. SS. 3, 830, 23); 8, 13 p. 869, 21; 8,15 p. 870, 22 und sonst 7, 53 p. 860 7 und Alpert de diversitate temporum 2, 3—7 (MG. SS. 4, 710ff.), und 10—21 p.714—720; zur Intervention Adalbolds beim Kaiser Gesta episc. Camerac. 10 (MG. SS. 7, 469, 1) Gerardus . . . sibique coepiscopis Albaldo videlicet et Haimone adhibltis gratiam imperativ ipsis male- factoribus optinuit und c. 19 p. 471, 11 imperator Heinricus ... maxime Albaldi episcopl . .. monitione conpulsus. Auch bei der Wahl Konrads IL (1024) war Adalbold anwesend, vgl. daselbst c. 50 p. 485, 3 episcoposque Coloniae . .. Leodii allocultts. Der Kustos des Chorherren- stiftes zu Tiel schreibt an Adalbold (bei Gelegenheit eines Wunderberichts über die hl. Wal- burga zu Tiel) 3 ) allerdings etwas paränetisch (Acta SS. Febr. 3, 546) Cum scribere cogitarem quaedam miracula qitae dominus ... per merita S. Walburgae ecclesiam . .. illustrare dignatus est, tu praesulum spectatissime Adalbolde menti mee occurrebas dignus eo munere ut tuo nomini scripta sacrarem .. . non solum domi sed etiam in castris imperial'ibus praestantissimi et sollertissimi hominis officia exercere comprobaris . . . respiciat Traiectum diversis operibus a te auctum et ornatum ibidemque novum monasterium S. Martini .. . a te fundatum et ordina- tum et mira celeritate paucis annis pene ad perfectionem perductum ... rideat etiam locum nostrum in Tiele iam divinis rebus florentem . .. p. 547 E Maec ab Mo custode et a muttis visa tibi, illustrissime praesulum, descripta sunt;*) die Erwerbung neuer Grafschaften für Utrecht (Thrente und Teisterbant) vgl. bei Stumpf, Reichskanzler N. 1819 und 1916. Widmung der Fecunda ratis (oder Prora et puppis) ed. E.Voigt p. 1, 4 A(delboldo) gratia dei episcopo litterarum studiis admodum instituto E. servorum dei humillimus presbiter ... Ambo olim a pueris apud scolares alas in uno auditorio militavimus, quo magis novimus nos inter nos, et ideo conpZdentius privatumque magis alloqui te, quia fretus de te hoc rustici sermonis opusculum emendandum audeo commendare. Die Echtheit des Boethiuskommentars ergibt sich aus der Aufschrift des Werkes bei Moll (Kerkhist. Archief 3, 191 und 198) Incipit opusculum Adalbaldi episcopi Traiectensis super illud Boecii: o qui perpetua mundum racione gubernciK aus Paris. 7361 s. XII — XIII und den beiden Aufschriften aus den Katalogen von Egmond und Puy (vgl. Neues Archiv 32, 686), beide aus saec. XI. Zur Vita Heinrici II. vgl. Sigebert de scr. eccl. 138 (p. 151 ed. Miraeus) Adelboldus ex clerico Lobiensi episcopus Ultraiectensis scripsit vitam secundi Henrici imperatoris et in utraque litteratura plura sni monumenta reliquit posteris (mit diesen letzten Worten sind die kirchlichen und profanen Schriften gemeint; Sigebert kannte sie wohl bloß vom Hörensagen) und Chron. 1024 (MG. SS. 6, 356,1) Heinricus imperator . . . moritur. Huius vitam Adelboldus episcopus Traiectinus scripsit. Alpert bemerkt de divers, temp. 1, 5 (MG. SS. 4,704, 2) et Mettim in Belgis diu contra sc male cogitantem et pluribus annis obsessam pene ad internitionem vastaverit et tandem multis incommodis illatis sibi subegerit; sed quia domnus Adelboldus haec omnia pleniter in uno volumine luculento sermone comprehendit, a nobis pars, quae aliquando nostris scriptis ne- cessario occurrit, praetereunda visa est, ne historia tantis et tarn venustis documentis edita a nobis tamquam ab insipientis latratu obfuscaretur. Zum Eintritt ins Kloster vgl. Vita Popponis c. 19 (MG. SS. 11, 305, 31) Sed et apud Traiectum quod Fresiam respicit, ab Adal- boldo eiusdem civitatis episcopo coenobium s. Pauli regendum suscepit ibique Herigerum tarn prodesse quam praeesse praecepit ... Non multo post vero memoratus antistes Adalboldus hortatu beati viri ad monastica instituta aspiravit omnemque Uli in pastoralibus pontificii sni administrationem commendavit; quam tarnen ex praescripto b. Popponis Herum recepit et in ea quo advixit sub monachili tunica non defecit. Zum Tode meldet das Chron. Egmunda- num für 1027 Adalboldus episcopus obiit. Bernolfus successit (vgl. Kluit, Hist. crit. comit. Holland, et Zeeland. 1, 1 p. 45). Uebrigens schreibt man Adalbold das Leben der hl. Walburga und ein musikalisches Werk zu. die ihm aber wahrscheinlich beide nicht angehören. Brief an Silvester II. Pez hat das Werk unter der Bezeichnung Libellus de ratione inveniendi crassitudinem sphaerae; diesen Namen erfand ein Abschreiber aus dem Schlußabschnitt, wo es c. 8 (Bubnov p. 309, 12) heißt Iam nunc quidem nihil dubitarem, quin haec esset ratio sphaericam crassitudinem inveniendi, denn Monac. 14272 und 14689 geben dem Werke diesen Titel. Bubnov p. 300 n. 1 und besonders p. 304—307 n. 8—11 hat erwiesen, daß Adalbold außer Macrobius auch entweder den Epafroditus oder die Geometria ') Vielleicht ist hiernach Adalbold der Lehrer Ragimbolds gewesen. 2 ) Sigebert verfährt daher nicht chronologisch, wenn er im Chron. 1004 (MG. SS. 6, 354.25) meldet et Adelboldus Ultraiectinus episcopus magni in aecclesia et in palatio habentur. 3 ) Holder-Egger, MG. SS. 15,764ff. 4 ) Ein kurzes Gesamtbild von Adalbolds Wirken gibt Hauck 3, 485 f. • Adalbold von Utrecht. 747 incerti auctoris benutzt hat, und wahrscheinlich gemacht, daß Adalbold eins dieser Werke früher durch Gerbert erhalten hatte. Die Schrift fand sich s. XI zu Puy') (et geometria Adal- halcli ad Gerbertum) und ist häufig abgeschrieben worden, so daß Bubnov p. 300f. 22 Hss. aufzählt. Die besten Hss. sind Monac. 14836 s. XI, 14689 s. XII und 18914 s. XI—XII, Cambr. Corp. Chr. Coli. 71 f. 150—151 s. XII (mit Gerberts Brief); frühzeitig wurde die Schrift mehrfach verkürzt, vgl. Bubnov p. 301 f. unter Gt und Ga. Ausgaben von Pez, Thesaur. anecd. noviss. 3, 2, 87—92 nach Monac. 18914 und Salisburg. S.Petri a. V.7; von Olleris, Oeuvres de Gerbert p. 471 ff. (vgl. Bubnov p. 302) und von M. Curtze, Abhdl. z. Gesch. d. Math. 7,132ff. Hauptausgabe von Bubnov, Gerberti opera mathematica p. 302—309. Vgl. Cantor, Voiles, z. Gesch. d. Math. 3 1, 859. 865. Kommentar zu Boethius. Das schwungvolle und sich in seinem Inhalte vielfach mit christlichen Ideen berührende Gedicht des Boethius de consol. philos. 3, 9 hatte schon Bovo von Korvei mit einem Kommentar versehen. Während aber der Korveier Abt davon ausging, daß das Gedicht aus dem Bereiche der alten Philosophie zu erklären ist, setzt Adalbold gleich anfangs auseinander, daß Boethius hier im Gegensatz zu Plato und Hermes als Christ spricht, dem das Licht der Wahrheit aufgegangen sei. Ein späterer Abschreiber hat von diesen Worten in der Aufschrift des Paris. 7361 und des Vindob. 388 Gebrauch gemacht, er setzte sie gleichsam als Motto zum Titel. 2 ) Die Erklärung, soweit sie nicht, wie sehr häufig, bloße Worterklärung ist, bewegt sich denn auch meist in den christlichen Bahnen und Ausdrücken, 3 ) allerdings wird der Kommentar des Chalcidius zu Piatos Timäus mehrfach verwertet, 4 ) und neben Boethius' Kommentar zu den Isagogae des Porphyrius erscheinen Macrobius und Martianus Capella mehrfach als Quellen. Die ganze Erklärungsweise ist schulmäßig gehalten und geht doch nicht über das in der Schule gewohnte Maß hinaus; der Schlußteil des Gedichts wird nur noch obenhin erläutert. Jedenfalls zeigt aber die Arbeit, daß Bischof Adalbold philosophische Studien nicht fremd waren und daß er auch als Kirchenfürst mit Interesse darauf zurückkam. Das Werk befand sich saec. XI in Egmond und Puy (hier mit Adalbolds Brief an Silvester). Hss. Paris. 7361 s. XII—XIII und 6770 s. XUI, Vindob. 388 s. XIII. Aus Paris. 7361 hrsg. (mit Einleitung) von Moll in Kerkhistor. Archief 3, 198—213. Vgl. Boethius ed. Peiper p. XXXXI und G. Schepss, Neues Archiv 11,140. Leben Kaiser Heinrichs II. Das Werk muß sehr umfänglich gewesen sein, da das noch vorhandene Bruchstück bis 1004 ansehnlich genug ist. Auch mag die Darstellung der kriegerischen Ereignisse in dem verlornen Teil recht ausführlich gegeben worden sein, da ja Alpert, wie oben erzählt ist, deshalb in seiner Geschichte von den Kämpfen um Metz (1012) schweigt. Freilich das Lob, das Alpert dem Werke spendet, ist, soweit wir heute noch sehen können, unverdient, denn Adalbold ist hier stofflich völlig von Thietmar abhängig und wird dies wohl auch in bezug auf eine andere Quelle von dem Zeitpunkte an gewesen sein, da Thietmar aufhört (1018). In der Vorrede, die sentenziös und stark mit Antithesen durchsetzt ist, tritt er dafür ein, daß auch die Zeitgeschichte ein Recht auf Darstellung habe J ) Vgl. Delisle, Le cabinet des mscr. 2, 444,35, wo der Boethiuskommentar vorausging. 2 ) Vgl. Moll im Kerkhist. Archief 3,198 Incipit opusculum Adalbaldi .. . super illud Boecii: o qui perpetua mundum racione gu- berrias, quod nee Hermes nee Plato dissol- oere quivit, qui nimium philosophi erant. Unter Hermes ist wohl der dem Apulejus beigelegte Hermes Trismegistus zu verstehen. 3 ) Vgl. p. 210 (ed. Moll) Ego cum Hiero- nimo et Augustino malo inscius haberi quam erroris fiJius scius videri. *) So p. 199 und 200 ed. Moll. 748 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und nicht nur die alte Vergangenheit, ein Gedanke, der in ziemlich breiter Weise auseinandergesetzt wird. 1 ) Auch die ganze Darstellung ist wortreich und stark macht sich die Vorliebe des Verfassers für Sprichwörter geltend die aber nicht in kurzer Gestalt gegeben, sondern mit viel Worten umschrieben werden. Daß der Verfasser so viel Selbstbewußtsein hatte, daß er mehrmals von sich selbst spricht, 2 ) läßt übrigens deutlich auf den hohen Rang schließen, den Adalbold einnahm. Hinsichtlich der sprachlichen Form tritt in dem Werke die Reimprosa sehr hervor, die für die Lütticher Schule bekannt ist. Die Vita Heinrici ist AJpert bekannt und wird später vom Annalista Saxo benutzt der aber auch nicht mehr davon gehabt haben mag, als heute vorliegt. Die Ueberlieferung ist sehr dürftig und spät, nämlich nur in Vindoh. 9020 s. XVI — XVII und in einer Hs. in Halle (vgl. Neues Archiv 8, 382) s. XVI, die aber beide aus gleicher Vorlage stammen und daher an derselben Stelle aufhören; doch ist die Hs. in Halle besser als die Wiener. Beste Ausgabe von G.Waitz, MG. SS. 4, 679—695. Vgl. Wattenbach 1, 438. Daß man dem Adalbold zwei Traktate über Musik beigelegt hat Quemad- modum indubitanter musicae consonantiae iudicari possint und Monochordi netarum per tria genera partitio, 3 ) erklärt sich wohl daraus, daß Pez im Monac. 18914 f. 31 unmittelbar nach Adalbolds Brief an Silvester II. diese Traktate mit der allerdings viel jüngeren Aufschrift Adelboldi Musica ad Silvestrum papam auffand. Doch haben beide Traktate, die von Gerbert (SS. eccl. de musica 1, 303 f. und 304—312) herausgegeben wurden (= Migne 140, 1109—1120) nichts mit Adalbold zu tun. Vgl. Bubnov p. XCVIII. Und die Vita Walburgae wurde Adalbold wohl deshalb zugeschrieben, weil man aus dem oben angeführten Briefe des Kustos von Tiel ein lebhaftes Interesse Adalbolds an jener Tieler Heiligen erschlossen hat. In den Bibliotheken von Gorze und Egmond befand sich im 11. Jahrhundert eine Vita s. Uualtburgis virginis, 4 ) ob dies aber die Adalbold zugeschriebene oder die von Wolf hart von Herrieden 8 ) verfaßte gewesen ist, ist nicht mehr zu ermitteln. Auf Wolf harts ältere Darstellung stützt sich aber besonders Adalbolds angebliches Werk. Dies ist nun freilich keine Lebensbeschreibung, sondern lediglich eine Anhäufung von Wundern, die die Heilige im Leben oder nach dem Tode gewirkt haben soll; und um so weniger wird der Leser davon befriedigt, als der Anfang der Erzählung sich in geschichtlichen Bahnen bewegt. Ausgaben Acta SS. Febr. 3, 542. Migne 140, 1091—1102. — Gesamtausgabe (aber ohne die Vita Heinrici I und den Brief an Silvester) Migne 140, 1085 — 1120. 132. Guido von Arezzo. Die Lebensumstände Guidos, des musikalischen Schriftstellers, auf den unser heutiges Notensystem zurückgeführt wird, sind sehr umstritten, und es scheint fast, als ob der Name dieses Mannes in späterer Zeit für musi- ') Ein Zitat aus Terenz (Phorm. 3, 4, 53) I 3 ) Nämlich Pez, Thesaurus anecdot. 3, erscheint (MG. SS. 4) p. 682, 44 f. und c. 31 I 2,86. p. 691, 17 sub alieno pane vioere ist nach Juvenal. 5, 2 gesagt. 2 ) Cap. 1 p. 684, 3 In culus gestis satis avidus essem, si mit memoriter teuerem ... Hoc tanturn scio ... *) Vgl. Revue Benedictine 22, 7 N. 119. Archief voor Nederl. Kerkgeschiedenis 2,146. 5 ) Hrsg. von Htflder-Egger MG. SS. 15, 535. Guido von Arezzo. 749 kaiische Neuerungen typisch geworden sei. Sigebert nennt ihn Mönch in Arezzo, der Anonymus von Melk dagegen ohne jede Gewähr Abt, 1 ) und neuerdings ist G. Morin für seine Abstammung aus Frankreich und seine Zugehörigkeit zum Kloster St. Maur des Fosses eingetreten. Wenn nun R. Thaner 2 ) sich auf die Aussage von F. J. Fetis 3 ) stützt, daß 53 Handschriften den Guido mit der Bezeichnung Aretinus belegen, so scheint mir diese Aussage auf recht schwachen Füßen zu stehen, denn ich kenne weder eine Handschrift, die ihm diese Bezeichnung gibt, noch wird er in einem einzigen der 34 alten Bibliothekskataloge so genannt, die eines oder mehrere seiner Werke mit dem Namen des Verfassers anführen. Freilich gehen die Angaben recht auseinander. Während nämlich Sigebert den Guido sowohl in seiner Chronik zu 1028 als auch im Werke De scriptoribus ecclesiasticis 144 Aretinus nennt, wird er in einer Handschrift Mus. Brit. Landsdowne 763 als Guido de s. Mauro bezeichnet und mit demselben Namen als Verfasser des Micrologus genannt, und in einem Gedicht des 12. Jahrhunderts aus St. Maur des Fosses heißt es, daß Guido seit seinen Kinderjahren diesem Kloster angehörte und dort ausgezeichneten Gesangunterricht erteilte. Wenn nun aber G. Morin aus dem Harlei. 281 zur weiteren Unterstützung seiner Ansicht einige kurze Vorworte zum Micrologus und zu dem rhythmischen Werke anführt und dort die Abfassung des Micrologus in das Greisenalter Guidos verlegt wird, so tritt das in scharfen Widerspruch mit der Angabe des Baronius, daß nämlich jenes Werk im 34. Jahre Guidos unter der Regierung Johanns XX. 4 ) entstand. Das paßt allerdings nicht zum Jahre 1022, wohin Baronius die Entstehung des Werkes zu verlegen scheint, und man wird sich daher vielleicht eher an die Zeitangabe Sigeberts (1028) halten müssen, wenn sie wohl auch etwas zu früh angesetzt ist. Und da der Micrologus dem Bischof Theodald von Arezzo gewidmet ist. so möchte ich auch an Sigeberts Worten Guido Aretinus monachus festhalten und würde eher glauben, daß die Verlegung Guidos nach St. Maur auf einer späteren Verwechslung vielleicht mit einem anderen Guido beruht. 5 ) Und ebenso dürfte die Angabe Adams von Bremen, Erzbischof Hermann habe sofort den Guido musicus nach Bremen kommen lassen, sich nicht mit den Lebensdaten unsres Mönches vereinigen lassen, da Hermann 1032 Erzbischof wurde und die Worte Guidos an Bruder Michael von Pom- posa „Du siehst mich also als in die Ferne verbannt" nur für die Zeit Geltung haben könnten, die zwischen dem Antritt Hermanns und dem Tode Johanns XIX. liegt; da aber außerdem in diese Zeit der Aufenthalt Guidos beim Papste fallen müßte, so dürfte für die durch Guido in Bremen eingeführte Verbesserung des Kirchengesanges kaum genügend Zeit übrig bleiben. Jedenfalls könnten alle diese Zweifel nur durch Auffindung neuer und sicherer Dokumente gehoben werden, und wir müssen uns einstweilen ') Dies beruht auf Verwechslung mit dem Abt Guido von Pomposa. Vgl. Anon. Mellic. 80 (S. 81 ed. Ettlinger) mit Herimanni Contr. chron. 1047 (MG. SS. 5,127.7 ff). 2 ) MG. Libelli de lite 1,2. 3 ) Biogr. univers. des musiciens 2 4, 146. 4 ) Gemeint ist Johann XIX. (1024—1033), der auf seinen Bruder Benedikt VIII. folgte. 5 ) Höchstens wäre an einen späteren Aufenthalt in diesem Kloster zu denken. Aber ich möchte mich hier überhaupt R. Schmids Ansicht anschließen (Herzog, Protest. Real- encyclopädie 3 7,230), der Morins Aufstellungen doch für zu unsicher hält. 750 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. mit den Angaben begnügen, die aus Guidos Schriften an Bischof Theodald und an den Mönch Michael hervorgehen. Danach war Guido Mönch im Kloster Pomposa unter dem Abt Guido. Er unterrichtete hier als Lehrer der Musik und hatte eine neue Gesan»- methode aufgebracht, durch deren Anwendung seine Schüler so schnell singen lernten, daß der Lehrer allgemein bewundert wurde. Während nach der üblichen Methode, wie er sagt, die Schüler in zehn Jahren noch nicht singen lernten, habe er in einem oder höchstens zwei Jahren vollkommene Sänger ausgebildet. Die von ihm angewandte Methode ist uns übrigens unbekannt, später schrieb man seine großen Erfolge nach dem Zeugnis Sige- berts der Benennung der einzelnen Töne der Tonleiter nach den an wesentlicher Versstelle stehenden Worten der ersten Strophe von Paulus Diakonus' Hymnus 1 ) auf Johannes den Täufer (tit re mi fa sol la) sowie der Aufzeichnung der Intervalle auf die linke Hand 2 ) (sogenannte guidonische Hand) zu. Diese Erfolge zogen ihm die Aufmerksamkeit des Bischofs Theodald von Arezzo zu und dieser bat ihn, ein Werk über Musik zu schreiben. Guido gab dem Wunsche nach und verfaßte den Micrologus, ein Lehrbuch der Musik. Wahrscheinlich schrieb er dies Werk fern von seinem Kloster, denn bei seiner großen Einbildung auf seine Verdienste und bei seinen bedeutenden Erfolgen hatte er sich im Kloster Feinde gemacht, so daß er es verließ und in der Fremde weilte. Jedenfalls verfaßte er den Micrologus im Alter von 33 Jahren. Sein Ruhm wurde aber auch in Rom bekannt und dreimal lud ihn Papst Johann XIX., der seit 1024 den Stuhl Petri innehatte, zu sich ein. Erst auf die dritte Einladung ließ sich Guido bewegen, nach Rom zu gehen. Er scheint sich damals im Kloster Arezzo aufgehalten zu haben, denn seine nahen Beziehungen zu diesem Kloster ergeben sich einerseits daraus, daß er dem Bischof Theodald den Micrologus gewidmet hatte, sowie andrerseits aus dem Umstände, daß er auf seiner Romreise von Abt Grunwald s ) von Arezzo und vom dortigen Kanoniker und Propst Petrus begleitet wurde. Guido erzählt, daß der Papst sein Antiphonar — die einzelnen Gesänge darin waren jedenfalls von Tonsätzen in der neuen Notenschrift begleitet — wie ein Wunder anstaunte und die vorgesetzten Regeln immer von neuem durchlas und nicht eher ruhte, bis er eine neue Melodie daraus gelernt hatte. Aber Guido wurde infolge der römischen Sommerhitze krank und verließ die ewige Stadt mit dem Versprechen, im Winter zurückzukehren. Wenige Tage nach seiner Abreise kam er mit seinem früheren Abt Guido von Pomposa zusammen. Auch dieser bewunderte das Antiphonar und bedauerte, dem Rate der dem berühmten Musiker feindlichen Brüder einst gefolgt zu sein. Außerdem forderte er ihn auf, nach Pomposa zurückzukehren, da es für ihn als Mönch besser sei, im Kloster Pomposa*) zu verweilen als an Bischofssitzen. Guido beschloß daher, dem Rufe des Abtes Folge zu leisten; er wollte, wie er sich in einem Briefe 1 ) Vielleicht stammen diese Silben aber aus dem Arabischen, vgl. Vierteljahrsschr. f. Musikwissenschaft 1894 S. 433 f. 2 ) Abbildung bei H. Riemann, Musiklexikon 7 S. 544. 3 ) F. J. Fetis, Biogr. univ. des musiciens 2, 148 nennt ihn Grimoald oder Grimaldi. 4 ) Die wissenschaftliche Bedeutung dieses Klosters erhellt aus dem ausführlichen Katalog der Bücher, die AbtHieronymushatteschreiben lassen, abgedruckt bei Becker N. 70 p. 157 -171. Guido von Arezzo. 751 an seinen Mitbruder Michael ausdrückte, sein früheres Kloster durch seine Anwesenheit berühmt machen und wieder als Mönch mit Mönchen leben, zumal da fast alle Bischöfe wegen Simonie verurteilt seien und er den Verkehr mit ihnen fürchten müsse. Vielleicht richtete er in dieser Zeit an den Erzbischof Heribert II. von Mailand (1018—1045) ein kurzes Schreiben, worin er unter Berufung auf Gregor 1 ) und Augustin 2 ) dem Erzbischof Vorwürfe wegen seines simonistischen Lebenswandels macht und ihn ermahnt, von dieser Sünde zu lassen. Doch seinen Vorsatz, nach Pomposa zurückzukehren, führte Guido noch nicht aus, und es ist sehr fraglich, ob er es überhaupt getan hat. 3 ) Er richtete nämlich an seinen Mitbruder Michael in Pomposa ein längeres Schreiben, das er De ignoto cantu betitelte. Hier spricht er sich eingehend über seine Lebensverhältnisse in der oben dargelegten Weise aus und schreibt, daß er jetzt nicht nach Pomposa zurückkehren könne; aus diesem Grunde übersende er ihm ein Werk über die Auffindung des unbekannten Gesanges, die ihm von Gott kürzlich eingegeben worden sei, und er bitte ihn, den Prior Martin und den Mönch Petrus zu grüßen. Aus dem weiteren Leben des berühmten Mannes ist Sicheres nicht bekannt. Aber es ist möglich, daß er später ins Camaldulenserkloster Avellana ging und dort als Prior 1050 starb; wenn aber Aufzeichnungen dieses Klosters berichten, daß er schon 1025 oder doch 1030 hier eingetreten sei, so läßt sich das mit den oben mitgeteilten sicheren Lebensdaten Guidos nicht vereinigen. Auch kann man mit dem vorhandenen biographischen Material nicht erweisen, in welcher Zeit zwei weitere von ihm herrührende Werke verfaßt sind, nämlich die Regulae rhythmicae und die Regulae de ignoto cantu; beide sind Einleitungen zu Guidos mit Linien notiertem Antiphonar. Ob ihm dagegen das von Bottee de Toulmon aufgefundene Werk Demodo- rum formulis et cantuum qualitatibus angehört, dürfte sehr zweifelhaft sein, und auch der Correctorius multorum errorum, der sich gegen die fehlerhafte Ausführung des gregorianischen Kirchengesanges richtet, dürfte kaum auf ihn zurückzuführen sein, obwohl sich im Eingange dieser Schrift die hohe Anmaßung sehr breit macht, die in seinen sicher beglaubigten Werken oft störend hervortritt. Die Bedeutung des Mannes für die Entwicklung der Musik ist nach R. Schmid und H. Riemann so zusammenzufassen, daß er zunächst eine leichtere, uns allerdings unbekannte Gesangsmethode einführte und die bekannten sechs Silben zur Kennzeichnung der Töne der Tonleiter benutzte. Außerdem hat er zwar nicht unsre Notenschrift mit dem Liniensystem erfunden, aber er hat das vorgefundene System durch Einführung zweier weiterer Linien unter Benutzung der Zwischenräume erweitert; die Zeichen, die er auf und zwischen die Linien setzte, waren die üblichen Tonzeichen, die Neuffien, und nicht unsere Noten. Alles was ihm sonst zugeschrieben wird, gehört ins Reich der Fabel. Als Schriftsteller in seinem Fache ist ') Die Stelle ist aus Gregorii Registr. 12,29 I 3 ) Fetis hat a. a. O. S. 148 mit Recht genommen. bemerkt, daß die musikalische Belehrung 2 ) Die betreifenden Worte stammen aber aus der Schrift des Fulgentius de fide ad Petr. 39 (Migne 64,704). Michaels durch De ignoto cantu eigentlich überflüssig gewesen sei, wenn Guido wirklich den Vorsatz gehabt hätte, zurückzukehren. 752 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. er jedenfalls trotz aller Anmaßung und Polemik nicht niedrig einzuschätzen denn sein Stil ist eigentümlich belebt und hat ein stark subjektives Element und seine Darstellungsweise in den eigentlich musikalischen Partien ist klar und übersichtlich. Zeugnisse. Sigeberts Worte De script. eccl. 144 (p. 152 ed. Miraeus) Guido Areti- nus monachus post omnes pene musicos in ecclesia claruit, in hoc prioribus praeferendus quod ignotos cantus etiam pueri et puellae facilius discant vel doceant per eins regulam, quam per vocem magistri auf -per usum *) alicuius instrumenti dummodo sex litteris vel syllabis modulatim appositis ad sex voces, quas sola musica recipit, hisque vocibus per flexuras digito- rum laevae maniis distinctis per integrum diaposon se oculis et auribus ingerunt intentae et remissae elevationes vel depositiones earumdem vocum, und mit fast denselben Worten in der Chronik zu 1028 (MG. SS. 6, 356, 28 ff.). Der Anon. Mellic. 80 (S. 81 Ettl.) sagt Guido abbas fide ac scientia incomparabilis fuit, qui et multis in liac vita virtutibus floruit. Nam humanis rebus exemptus Sutrie est sepultus, sed postmodum per Heinricum imperatorem Spiram translatus. Hie in diebus suis utilitatibus ecclesiarum scribendo ac docendo pluri- mum contulit atque inter alia nonnulla, que scripsit, opus eximium de musica edidit, in qua eiusdem artis Inquisitor ibus sue subtilitatis evidens indicium dedit. Der Aufsatz von G.Morin steht Revue de l'art chretien (Lille) 1888 Heft 3, im wesentlichen wiedergegeben von P. Ambros. Kienle, Vierteljahrsschr. f. Musikwissenschaft 5, 490—493 (Leipz. 1889). Zu den Angaben des Mus. Brit. Landsdowne 763 vgl. Kienle a. a. 0. S. 492. In dem Gedicht aus St. Maur (Kienle S. 490 f.) heißt es Vs. 7 Tu nosti modulos musicus organicus, 9 Cantor es et ler.tor, scriptor simul atque notator, 39 Haec ut dixi stiperius, Antiquos dm latuit, Donec Guido Oacriics 2 ) Nobis eam aperuit, Bunc autem ab infantia Nutrivit haec ecclesia. Nam canendi scientiae Plenam satis notitiam Commendavit memoriae Infra adolescentiam, 47 Adhuc autem ipse Guido Non ignarus grammaticae Hausit de fönte liquido Ad plenum artis musicae. Im Harlei. 281 heißt es in einem Vorwort zum Micrologus (Kienle S. 493) Cum iam aetatis nostrae cana series multis anfractibus laborata requiei tempus exposceret. Und der Beginn des andern Vorworts lautet Prologus in quo Guido musae ipsum alloquenti respondet, es folgt als Prolog ein kurzes Gespräch zwischen Muse und Autor; das ist aber, wie ich bestimmt glaube, ein späterer Zusatz zu dem Werke, den ein Schreiber vor das Gedicht stellte, aus dem er die Angaben dazu schöpfte, und der dort genannte Leo Papiae decanus dürfte Italien als Heimat des Interpoiators ergeben. Der alte Vindob. 51 s. XII hat fol. 41 nur die Inskription Iteratur Guidonis prolegumena de camene sue munusculis suique mentione nomi- nis 3 ) und Darmstad. 1988 f. 87 gleicht dem Druck bei Gerbert p. 25. Die Notiz bei Baro- nius, Annal. Ecclesiast. (Colon. 1609) 11, 76 n. 20 lautet His postremis temporibus Benedicts oetavi papae sedis Guido Aretinus professione monachus musicus insignis innotnit und p. 78 n. 25 Cui subicitur ipse micrologus eo titulo scriptus Über in cuius fine sie perorat auetor: Explicit Micrologus Guidonis suae aetatis anno trigesimo quarto Joanne vigesimo Bomanam gubernante ecclesiam. Die Worte Adams von Bremen Gesta Hammaburg. eccl. pont. 2, 66 (ed. Waitz, Hannov. 1876, p. 86) lauten Pontifex (nämlich Hermannus) igitur parvipendens om- nia quae in episcopatu invenit, primo quidem musicum Guidonem adduxit Bremam, cuius instancia correxit melodiam et claustralem diseiplinam. Quod solum ex operibus eius prospere cessit; die Zeitverhältnisse stehen der Richtigkeit dieser Angabe entgegen, und daß ein entlaufener Mönch wie Guido die klösterliche Zucht gebessert habe, ist doch sehr unwahrscheinlich. Guidos Worte an Michael lauten De ignoto cantu (ed. Gerbert 2, 43) Inde est quod me vides prolixis fmibus exulatum. Zu den großen Erfolgen in der Gesangskunst vgl. Sigebert (s. oben) und Guidos Worte im Prolog zum Briefe an Michael (ed. Gerbert p.43) Nam si Uli pro suis apud deum devotissime intercedunt magistris, qui hactenus ab eis vix decennio cantandi imperfeetam scientiam consequi potuerunt, quid putas de nobis nostrisque adiutoribus fiet, qui annali spatio auf si multum biennioperfectum cantorem effieimus? Aehn- lich im Prolog zum Micrologus (ed. Gerbert 2, 3) Tandem adfuit mihi divina gratia et quidam eorum (nämlich imerorum) imitatione chordae nostrarum notarum usu exercitati ante unius mensis spatium invisos et inauditos cantus ita primo intuitu ita indubitanter canta- bant, ut maximum speetaculum plurimis praeberetur .. . Maxime itaque dolui de nostris can- toribus, qui etsi centum annis in canendi studio perseverent, numquam tarnen vel minimam *) So im Chronicon 1028 (MG. SS. 6, 356, 30). 2 ) Ist nach G. Morin = Oeagrius, dem Orpheus ähnlich (von Oeagrus), vgl. Verg. Georg. 4, 524. Das Gedicht besteht aus jambischen rhythmischen Achtsilbern mit gekreuztem Reim. Die ersten zehn Verse sind Hexameter und Distichen. In Vs. 11 fehlt ein dreisilbiges Wort, das auf -iens reimt. 3 ) Die gleichen Worte hat Monac. 13021 s. XII-XIII. Guido von Arezzo. 753 antiphonam per se valent efferre und im Eingang zu den Regulae de ignoto cantu ed. Gerbert p. 34. Daß er Mönch in Pomposa war, ergibt der Prolog zum Briefe an Michael (s. unten). Aufforderung durch Bischof Theodald vgl. die Widmung (ed. Gerbert p. 2) Qua de re cum de ecclesiasticis utilitatibus ageretur, exercitiwn musicae artis, pro quo favente deo non incassum desudasse me memini, vestra iussit auctoritas proferre in publicum . . . Itaque quid vestro tarn commodo praecepto nee volui contraire nee valui, offero . .. patemitati vestrae musicae artis regidas quanto lucidius et brevius potui a philosophis explicatas; Widmung Domino Theodaldo sacerdotum ac praesulum dignissimo Guido suorum ') monachorum utinam minimus. Alle übrigen Lebensdaten aus dem Prolog zum Briefe an Michael Gerbert 2, 44 Summae sedis apostolicae Iohannes ... audiens famam nostrae scholae .. . tribus nuntiis me ad se invitavit. Adii igitur JRomam cum domno Grunvaldo .. . abbate et domno Petro Aretinae ecclesiae canonicorum praeposito .. . Multum itaque pontifex meo gratulatus est ad- tentu . ■ ■ nostrumque velut quoddam prodigium saepe revolvens antiphonarium praefixasque ruminans regulas non prius destitit . . . donec unum versiculum inauditum sui voti comp>os edisceret .. . Infirmitate cogente Eomae morari non poteram ... aestivo fervore . . . Tandem condiximus mox htjeme redeunte me illuc debere reverti . .. Post paueos dehinc dies patrem vestrum atque meum T). Guidonem Pomposiae abbatem . .. videre cupiens visitavi, qui et ipse ... nostrum antiphonarium ut vidit, extemplo probavit et credidit, nostrisque aemulis se quon- dam conse?isisse poenituit et ut Pomposiam veniam postulavit suadenT mihi mondcho esse prueferenda monasteria episcopatibus, maxime Pomposiam propter Studium, quod modo est per ... reverentissimi Guidonis industriam nunc primum in Ttalia repertum. Tanti itaque patris orationibus flexus et praeeeptis obediens, prius auxiliante deo volo hoc opere tantum et tale monasterium illustrare meque monachum monachis praestare, cum praesertim Simo- niaca haeresl modo prope euneiis damnatis episcopis timeam in aliqno communicari. Sed quia ad praesens venire non possum, Interim tibi de inveniendo ignoto cantu Optimum dirigo argumentum ... De reliquo D. Martinum priorem sacrae congregationis nostrumque maximum adiutorem plurimum saluto . . . Fratrem quoque Petrum memorem memoris esse commoneo. Zum Aufenthalt in Avellana (vgl. F. J. Fetis a. a. 0. 2, 148) vgl. G. Grandi, Dissertat. Camaldul. 1, 4, 8 p. 70; 4,2,4 p. 14 und 6,1 p. 69 und Ziegelbauer, Centifolium Camal- dulense N. XXXVIII. Ueber die Bedeutung Guidos für die Musik vgl. R. Schmid in Protestant. Realencyclop. 3 7, 230 und H. Riemann, Musiklexikon' S. 543f. Zum Leben im allgemeinen F. J. Fetis, Bibl.univ. des musiciens 2 4,146—149 und Grove's Lictionary of Music and Musicians ed.by Füller Maitland (Lond. 1906) 2, 256, wo Morins Annahmen über den Aufenthalt in St. Maur gleichfalls nicht akzeptiert sind. A. Brandi, Guidone Aretino monaco di San Benedetto, 1882. 1. Micrologus. Diese Schrift, die an Theodald von Arezzo gerichtet ist, leitet Guido mit einem Akrostichon von fünf Hexametern auf seinen Namen ein. Sie beginnt nach einigen einführenden Bemerkungen mit der Beschaffenheit und Zahl der Noten und ihrer Anordnung auf dem Monochord, handelt von der Oktave, den Tönen und den Tonarten, über die Kennzeichen der Töne, über die Tropen, über das Ebenmaß der Melodie, über die Mannigfaltigkeit der Töne und Tongruppen und über die Möglichkeit der gesanglichen Vertonung der Worte und endlich über die Diaphonie. Den Beschluß macht die Darlegung, wie die Musik aus dem Klange der Hämmer erfunden worden ist und zwar mit Hinweis auf Boethius, der die Übereinstimmung der Musik mit den Verhältnissen der Zahlen nachgewiesen habe. Dieses Lehrgebäude der Musik — der erweiterte Titel heißt De disciplina artis musicae — hat also nicht nur theoretische Bedeutung, sondern verfolgt auch, wie alle andern Schriften Guidos, praktische Zwecke, indem sie Fingerzeige für den Kirchengesang gibt. Die Ueberlieferung ist sehr reichhaltig und die Schrift wird auch in einer Menge alter Kataloge genannt, zuerst in Egmond um 1105 (Arch. voor Nederl. Kerkgeschied. 2,154), außerdem im 12. Jahrhundert in Beze (Becker 78,12), Wessobrunn (Becker 113, 123), Salzburg (Becker 115, 208), Limoges (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 502, 274), Cluni (ib. 2, 475, 421), Angers (ib. 2, 486, 87), unbekannte deutsche Bibliothek (Cod. Berol. theol. qu. 140 f. I). 2 ) Hand- ') Dies Wort läßt doch auf enge Verbindung mit dem Bischof schließen. Wahrscheinlich hielt sich Guido längere Zeit in Arezzo auf. 2 ) Hierzu kommen acht Kataloge des 13., zehn Kataloge des 14., vier des 15. und zwei des 16. Jahrhunderts. Hierbei ist Italien nur Manitins, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 48 754 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Schriften: Caroliruh. 504 s. XI—XII f. 59—69. Vindob. 51 s. XII f. 36. Monac. 9921 s XII f. 14; 14523 s. XII f. 118; 13021 s. XII—XIII f. 150b ; U663 s. XII—XIII. Paris. 10508 Darrastad. 1988 s. XI—XIV f. 71. Amplon. 0 93 s. XIV f. 48. Monac. 5539 s. XIV—XV f. 12o! Ausgaben von M. Gerbert, Script, eccl. de musica 2, 1—24 (= Migne 141, 379) und von M. Hermesdorff, Trier 1876 (mit Uebersetzung); rec. A. Amelli, Rom 1904. Ein anonymer Kommentar zum Micrologus steht im Vindob. 2502 s. XI ex. f. 1 —19, er wird von C. Vivell in Studien u. Mitteil. z. Gesch. des Benediktinerordens 35, 56—80 (1915) besprochen. Es ergibt sich nun, daß dem Kommentator nicht die aus Gerberts Druck bekannte Ueberlieferung des Micrologus vorlag, sondern eine ältere, wahrscheinlich Guidos Konzept in Buchform oder sein Kollegienheft. Es finden sich nämlich viel Abweichungen von der gedruckten Form (vgl. Vivell S. 61), und es ist sogar nachzuweisen, daß auch die Disposition des Werkes in der für die Veröffentlichung bestimmten Form abgeändert worden ist. Der Kommentar ist also vor der Veröffentlichung des Micrologus verfaßt, und der Verfasser war jedenfalls ein Schüler Guidos, der die Erklärungen seines Lehrers nachgeschrieben hatte. Doch ist Aribo, der Scholastikus von Freising, nicht der Verfasser, vgl. S. 68 ff. Die Abfassung fällt nach Vivell vor das Jahr 1033 und gehört vielleicht ins Jakobskloster nach Lüttich; dies Kloster stand nämlich in engen Beziehungen zu Johannes de Muris, der in seinem Speculum musicae (ed. CoussemakerJ!, 241) lib. VI sich oft auf den Kommentar beruht, wie Vivell S. 75 darlegt. Dieser deckt S. 75 ff. neue musikalische Bezeichnungen des Verfassers auf und gibt S. 77 ff. wichtigere Stücke aus dem Inhalt seines Werkes. Ueber Varianten aus dem Kommentar zum Texte Guidos vgl. S. 79. Epistola ad Heribertum episcopum. Bernold von Reichenau spricht an zwei Stellen von einem Schreiben Guidos, an der ersten, daß es gegen die Simonisten gerichtet sei, und an einer zweiten, daß jener Brief nicht vom Papste, sondern von Wido dem Musiker verfaßt sei. Und da Guido selbst sagt, daß er sich mit theologischer Literatur abgegeben habe und da die Anredeformel in dem Briefe mit der Anrede an Bischof Theodald übereinstimmt und er im Schreiben an Theodald ausdrücklich von den simonistischen Bischöfen Italiens berichtet, deren Verkehr er scheue, so hat R. Thaner ihm jedenfalls mit Recht den Brief an Heribert II. beigelegt und die Abfassung des Schreibens in die Zeit von 1031 —1032 gesetzt. Bernoldus de sacram. excommun. 8 (Opusc. 8 in Ussermanni Germaniae sacrae prodromus 2, 234) Sunt antem multa sanctorum patrum statutis falso adscripta ut scriptum Widonis musici de simoniacis und in der Bemerkung zu dem Briefe Bernards von Konstanz de damnat. scismat. 31 (Ussermann, Germ, sacrae prodr. 2, 204 n. 34) llanc epistolam ad Mc- diolanensem ecclesiam non Paschalis fecit sed quidam Wido, qui et musicam composuit; sie oiim viri religiosissimi asserunt, qui hoc ex diseipulis eiusdem diligentissime cxploraverunt. Im Brief an Theodald heißt es (Gerbert p. 2) vestrae benignitatis dignatio ad sacri verbi Studium meam sibi sociari voluit parvüatem; dort p. 2 die Anrede vestrae excellentiae, s. auch MG. Lib. de lite 1, 7, 11. Handschriften: Sangall. 676 s. XI—XII f. 91. Barberin. XII. 24 s. XI—XII. Paris. 4281 A s. XI—XII und andere, doch scheint keine vollständig zu sein. Kritische Ausgabe von R. Thaner, MG. Libelli de lite 1,5-8; vgl. Thaner vor seiner Ausgabe p. 1—4. De ignoto cantu. So betitelte Guido ein längeres Schreiben an den Mönch Michael in Pomposa. Im Beginn der Schrift spricht er sich über persönliche Verhältnisse aus und erzählt (aus Petron. Sat. 51) die Geschichte von dem unzerbrechlichen Glase und am Schlüsse bezeichnet er sie gewissermaßen als einen Prolog zum Antiphonar. Wer aber mehr verlange, der möge seinen Micrologus zur Hand nehmen 1 ) sowie das Enchiridion des Abtes Odo (von Cluni). Mit den Schlußworten, daß er hier dem Boethius nicht gefolgt sei, der mehr für Gelehrte, aber nicht für Sänger passe, deutet er auf die praktische Bedeutung seines Werkes hin. Es handelt haupt- durch Pistoia (L. Zdekauer, Un invent. d. I ') Gerbert p.50 Qui autem curiosus fue- libr. capit. di Pistoia, 1902, p. 15 N. 78 = Cod. I rit, libellum nostrum cui nomen micrologus Pistor. 100) vertreten. j est quaerat. Guido von Arezzo. 755 sächlich von den Tönen*) und Intervallen und richtet sich an Sänger und Lehrer der Gesangskunst. Da Guidos Schriften meist zusammen und nur selten einzeln überliefert werden, so dürften die meisten der oben genannten alten Kataloge auch hierher zu ziehen sein. Handschriften: Vindob. 51 s. XII. Monac. 14523 s. XII, 13021 s. XII—XIII, 14663 s. XII-XIII. Caroliruh. 504 s. XI—XII f. 73b—77. Darmstad. 1988 s. XI—XIV. Monac. 5539 s. XIV-XV. Ausgabe bei Gerbert (s. oben) 2, 43—50. Regulae rhytmicae. Das Gedicht beginnt mit einem Akrostichon auf Guidos Namen, das in sehr ruhmrediger Weise die Verdienste des Verfassers um die Musik preist und in der Anlage einem Rätsel gleicht. Hierauf folgt das Gedicht in 259 Fünfzehnsilbern, also rhythmischen Trochäen. Es beginnt mit einer Definition der Musiker und der Sänger und geht dann auf die neuen Bezeichnungen der Noten ein und bespricht die Intervalle, um dann ausführlich über die Töne zu handeln. Hierauf wird der Leser in die Einrichtung des Antiphonars eingeführt, als dessen Erklärung sich das ganze Werk nach seinem Nebentitel ausweist. Am Ende sagt der Verfasser, daß er die Regeln der Musik geoffenbart und den Sängern ein Anti- phonar nach den Regeln der Kunst gegeben habe, wie es in früheren Zeiten nicht möglich gewesen sei. Und unter Nennung seines Namens bittet er die Brüder, 2 ) die Gnade des Himmels auf ihn, seine Helfer und auf den Schreiber herabzuflehen. 3 ) Angehängt sind 38 Hexameter, die in Kürze den Inhalt des Werkes wiederholen und sich durch ihre gedrängte Form als Memorialverse darstellen. Im Akrostichon (Gerbert 2, 25) heißt es G-liscunt eorda meis hominum mollita Came- nis, Una mihi virtus numeratos contulit ictus, In caelis suntmo gratissima carniina fundo. Mehrmals kommt Guido auf Gregor den Großen zu sprechen, vgl. Vs. 68 und 164. lieber sein Gedicht und seine Kunst Vs. 251 Feci regulas apertas et antiphonarium Regulariter per- fectum contuli cantoribus, Quäle numquam habuerunt reliquis temporibus. Zur Bitte vgl. 254 Precor vos, beati fratres, pro tantis laboribus Pro nie nüsero Ouidone meisque adiutoribus Pium denm exorate, nobis sit propitius. Operis quoque scriptorem adiuvate precibus, Pro magistro exorate cuius adiutorio Auetor indiget et seriptor. Handschriften: Monac. 13021 s. XII—XIII f. 157. Vindob. 51 s. XII f.41. 4 ) Darmstad. 1988 s. XI—XIV f. 87. Ausgabe bei Gerbert 2, 25—34. Mit 259 gloria sit domino schließt das Gedicht, die angehängten Hexameter beginnen (p. 34) Omnibus ecce modis descripta relatio vocis. Regulae de ignoto cantu. Im Eingange wendet sich Guido gegen die törichten Sänger und gegen ihre Schüler, die ohne einen wirklichen Lehrer auch nicht eine Antiphon singen könnten, sowie gegen Kleriker und Mönche, die die Psalmen und Lektionen und die Nokturn vernachlässigten und sich auf die törichtste Weise mit Singen abgäben. Und es sei in der Kirche ein wahrer Mißbrauch eingetreten, denn es gebe jetzt so viele Antiphonare wie Lehrer und man nenne das Ä.ntiphonar nicht mehr nach Gregor, sondern nach Leo oder Albert oder nach irgendwem. Und er bitte die Lehrer alles Ernstes, ein Antiphonar nicht eher mit Neumen zu versehen, als bis sie die unten aufgeführten Regeln wirklich gelernt ') Gerbert p. 49 Septem sunt voces sieut et Septem dies unde et prudentissimus poeta- rum Septem eecinit discrimina vocum (Verg. Aen. 6, 646). Vgl. hiermit Regula rhythm. 15 Qiu'a vocum ut dierum aequa fit hebdomada und in dem angehängten Gedicht in Hexametern Vs. 25. *) Da eine Widmung fehlt, so ist es nicht sicher, ob hier bestimmte Mönche-einesKlosters oder schlechthin die Sänger gemeint sind, in deren Hände das Buch kommen wird. 3 ) F. J. Fetis a. a. 0. p. 156 notiert, daß Paris. 7211 zwanzig Verse mehr enthalte als Gerberts Druck. *) Beginnt Incipiunt item musice Chiidonis regulc rithmice in antiphonarü sui prologum prolate und schließt Explicit Über seeundus regularum Guidonis in musicam. 48* 756 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. hätten. So ist die kleine Schrift dann der Intonierung gewidmet und sie handelt von den verschiedenen Arten der Stimmen und des Gesanges. Vier metrisch sehr anfechtbare Hexameter als Merkverse bilden ihren Schluß. Handschriften: Monac. 9921 s. XII—XIII. Vindob. 51 s.XII f. 43. Darmstad. 1988 f 93 Caroliruh. 504 s. XI—XII f. 72. Ausgabe bei Gerbert 2, 34—42 (mit zwei Tabellen). De modorum formulis et cantuum qualitatibus. Daß die Schrift nicht von Guido herrührt, beweist der Umstand, daß der ganze Eingang aus den Regulae de ignoto cantu genommen ist (Gerbert2,37—41). Vor den einzelnen Abschnitten oder an ihrem Ende finden sich kleine metrische Stücke, deren Hexameter aber so schlechte Metrik und Prosodie verraten, daß sie nicht von Guido verfaßt sein können. Das kleine Werk handelt ausschließlich vom Gesang. Ueberlieferung im Paris. 10508; über diese sowie andre Hss. vgl. Coussemaker, Script, de musica medii aevi 2, VII f. Ausgabe von Coussemaker a. a. 0. 2, 78—109. Daran schließt sich ein Epilogus rhytmicits in modorum formulis, der in 100 jambischen Achtsilbern und in 147 trochäischen Fünfzehnsilbern einen ähnlichen Stoff behandelt, endlich ein Gedicht in 37 Hexametern De sex motibus vocum. Ausgabe bei Coussemaker p. 110 — 115 und 115 f. Endlich macht Richard de Fournival um 1250 in seiner Biblionomia (Delisle. Le cab. des mscr. 2, 527 N. 51) namhaft Guidonis Äugensis (wohl in Verwechslung mit Berno Augiensis) über de musica ad Willermum Rievallis (d. h. von Rievaux) abbatem; daß er unsorn Guido meint, ergibt die sich anschließende Notiz Item cinsdem micrologus ad Theobaldum Arethiane civitatis episcopum. 133. Hermann von Reichenau. Hermann, einer der größten Gelehrten des Mittelalters, stammte aus dem Hause der Grafen von Aishausen und war der Sohn Graf Wolverads (Wolfrats) II. Er wurde am 18. Juli 1013 geboren. Nach Vollendung seines siebenten Jahres wurde er vielleicht wegen seiner Kränklichkeit am 15. September 1020 der Klosterschule in Reichenau übergeben. Nämlich sein Freund Berthold, der seine Chronik fortsetzte, erzählt von ihm, daß er seit frühester Jugend vollständig kontrakt war und sich ohne Hilfe nicht vom Ort, ja nicht einmal auf die andere Seite bewegen konnte und stets in einem Tragsessel getragen werden mußte. Auch sein Mund, seine Lippen und seine Zunge waren zum gewohnten Gebrauch unfähig und er konnte daher nur gebrochne und halbverständliche Laute hervorbringen. Also äußerlich ein Bild des Jammers! Aber in ihm lebte ein ungemein reger Geist, und der gebrechliche Mensch brachte es nicht nur dahin, daß er als Lehrer im Kloster für seine Schüler zu geistigen Übungen stets bereit war, sondern auch daß er bei seinen Schülern allgemein Staunen und Bewunderung erregte und daß er auf mehreren Gebieten die Wissenschaft selbständig förderte. Aus diesem stillen Gelehrtenleben ist nur wenig mitzuteilen. Im 30. Lebensjahr wurde Hermann vom Abt Bern unter die Mönche des Klosters aufgenommen und ohne Zweifel hat er 1048 bei dem Besuche Heinrichs III. und 1049 beim Besuche Leos IX. im Kloster eine hervorragende Rolle gespielt, da Kaiser wie Papst einen Gelehrten wie Hermann zu schätzen wußten. Zu den unter seiner Leitung herangebildeten Klerikern zählten Benno, nachmals Bischof von Osnabrück, 1 ) und sein Lieblingsschüler und ') Vita Bennonis ep. Osnabr. 3 (MG. SS. 12, 62,10) Iam vero adolescens Hermannum quendam contractu»! . . . qui liberalium stu- diorum eo tempore eximius ferebatur, cuius etiam egregia nunc extant opuscula, expetere studuit, apud quem ut ipse fatebatur, ralde pn-oficiens multa de illo praeclara narrarc solebat. Hermann von Reichenau. 757 Freund Berthold. Kurz vor seinem Tode wurde er von schwerer Krankheit befallen, und er machte dem Berthold in dieser Zeit die Mitteilung, daß er in der vorhergehenden Nacht in Verzückung gelegen und daß es ihm dabei geschienen habe, als ob er den Hortensius des Cicero mit vollem Bewußtsein wachend gelesen und wieder durchgelesen habe, sowie als ob er sein von ihm beabsichtigtes Werk über die Laster durchgegangen habe. Diese Aussage hat eine gewisse Wichtigkeit, denn nur aus den Exzerpten Hado- ards ist der Lucullus Ciceros — um diesen*) handelt es sich natürlich — aus noch früherer Zeit bekannt, so daß man das Werk zur Zeit Hermanns als eine große Seltenheit anzusehen hat. Außerdem aber führt die Angabe auf die Absicht Hermanns, eine Schrift De vitiis und zwar wohl in Prosa abzufassen, denn er hatte schon ein längeres Gedicht De octo vitiis capitalibus geschrieben. Am 24. September 1054 ist er zum großen Schmerze seiner Mitbrüder gestorben. Er hatte sein" ganzes Leben lernend und lehrend zugebracht und er hat der Nachwelt eine ganze Reihe wichtiger Werke geschenkt. Ueber seine wissenschaftlichen Arbeiten klärt uns sein Schüler Berthold auf, der an den Anfang der von ihm gearbeiteten Fortsetzung von Hermanns Weltchronik seinem Lehrer und Freunde einen warmen Nachruf gestellt hat; dieser hat von andrer Seite, nämlich durch einen Prüfeninger Mönch, eine allerdings wohl nicht ganz einwandfreie Ergänzung erhalten. Berthold berichtet folgendes: Für die Zeitrechnung (den Komputus) stellte er Regeln und Erklärungen zusammen, durch die er alle seine Vorgänger übertraf, und er gab außer anderem ausgezeichnete Kunde über die natürliche Erleuchtung des Mondes, so daß man nun mit völliger Klarheit wissen kann, zu welcher Stunde tags oder nachts der Mond von der Sonne beleuchtet wird. Ebenso stellte er die sichersten Angaben über die Mondfinsternisse auf. Auch verfaßte er ein Lehrbuch über Geometrie von nicht geringem Nutzen, da keiner seiner Vorgänger hierin eine ähnliche wissenschaftliche Gründlichkeit besaß; und zwar stellte er es in der notwendigen natürlichen Anlage und Ordnung mit Berechnungen und Figuren zusammen. Und da er auch in der Musik alle Zeitgenossen übertraf, so schrieb und komponierte er vollständige Werke für den Kirchengesang auf den hl. Georg, den hl. Gordian und Epimachus, die hl. Afra, den hl. Magnus und den hl. Wolfgang in feinen und lieblichen Weisen. Und zu seiner Chronik von der Geburt Christi bis auf seine Zeit sammelte er von überallher mit großem Fleiße und stellte auch die Taten der Kaiser Konrad und Heinrich vortrefflich dar. Dazu dichtete er ein Buch über die acht Hauptlaster, das sich wegen seiner verschiedenen lyrischen Versmaße angenehm liest. Und in der Herstellung von astronomischen, musikalischen und mechanischen Instrumenten kam ihm niemand gleich. Berthold berichtet weiter, daß ihn Hermann kurz vor dem Tode gebeten habe, seine Schreibtafeln zu nehmen ! ) Dieser Rest der ersten Bearbeitung der Academica wird in alten Katalogen nicht oft angeführt, nämlich s. XII in Bec und 1250 bei Richard von Fournival; alle folgenden Angaben führen in die Zeit des Humanismus: 1337 bei Petrarca, 1375 in Avignon, s. XIV" in Peterborough, 1412 bei Amplonius in Erfurt, 1426 in Pavia und s. XV in Canterbury (St. Augustin). 758 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. und alles Nötige, was in ihnen fehle, zu ergänzen 1 ) und seine Schriften denen zu überreichen, die sie zu würdigen wüßten; das bezieht sich vielleicht auf sein Prosawerk über die Laster. Ergänzt wird diese Aufzählun« seiner Werke von andrer Seite und zwar durch den Anonymus Mellicensis der nach den Untersuchungen von Ettlinger kurz nach 1130 in Prüfenino- bei Regensburg schrieb. Dieser Gewährsmann zeigt sich zwar im allgemeinen gut unterrichtet, aber es scheint doch bedenklich, ihm bei dem Schweigen Bertholds zu viel zu trauen. Er erzählt, daß Hermann ein Buch über die Hauptregeln des Komputus geschrieben habe, was mit Berthold stimmt. Anders verhält es sich mit den dem Hermann beigelegten Gedichten: Er schrieb ein Gedicht über den Streit des Schafes mit dem Lein, ein zweites verfaßte er nach der Art des Theodulus, und endlich ein drittes über die Verachtung der Welt. Das zweite ist auf keine Weise unterzubringen, denn das polymetrische Gedicht De vitiis hat ja nur mit Theoduls Ekloge die entfernte Ähnlichkeit, daß mehrere Personen (bei Theodul sind es nur zwei) das Gespräch führen. Aber ein Gedicht De contemptu mundi hat Hermann verfaßt, es betitelt sich De octo vitiis capitalibus. 2 ) Nun sind zwar Beziehungen des Gedichts De confiictu ovis et lini zu Schwaben festgestellt und auch die Zeitumstände würden zu Hermann stimmen; doch hat sich H. Bloch entschieden gegen dessen Verfasserschaft ausgesprochen, und so wird es erst der genauen metrischen und sprachlichen Analyse bedürfen, ehe die Frage entschieden werden kann. Merkwürdig ist jedenfalls, daß ein so berühmter Gelehrter wie Hermann einem Sigebert von Gembloux entgangen ist, während ihn Honorius Augustodunensis mit wenigen Worten abtut. Allerdings hat mit Ausnahme seiner Schrift über das Astrolabium kein einziges Werk Hermanns eine größere Verbreitung erlangt, auch ist die Überlieferung vorwiegend lokal süddeutsch geblieben. Zeugnisse. Zur Geburt und Abstammung Herimanni Chron. 1013 (MG. SS. 5.119, 26) Herimannus ego 15 Kai. Augusti natus sum und Bertholdi Chron. 1054 (MG. SS. 5, 267, 1) Herimannus qui et heros magnus religiosi comitis Wolveradi 3 ) filius und Herim. chron. 1009 p. 119 Wolferadus comes Siltrudem ... uxorem duxit, ex qua postea me annumerato 15 libe- ros procreavit sowie 1020 p. 120 Ego Herimannus litteris traditus sum 17 Kai. Octobris; daß er nach Reichenau kam, beweist Hansjakob a. a. O. S. 13ff. Zur körperlichen Schwäche vgl. Berthold 1054 p. 267, 1 ab ineunte aetate in exteriori nomine passione paralytica Omnibus memoria dissolutorie contractus*) und 7ff. Zur geistigen Anlage daselbst 267, 3 in interiori autem ingenii vena h ) prae cunctis sui seculi viris mirabiliter dilatatus artium om- nium perplexitates metrorumgue stibtilitates (bezieht sich wohl auf das Gedicht De octo vitiis) per semet ipsum suo sensu fere comprehendit. Tottis semper a primis amiis huiusmodi studio et otiis vacanter contraditus et in tarn plenaria divinarum et secularium litterarum peritia magnus effectus est, ut ab omnibus ad magisterium et doctrinam eins undique con- fluentibus stupori et admirationi haberetur. Zur Mönchwerdung vgl. Berthold p. 267, 24 et ante et post clericatum susceptum, quem Bern abbate Augiensi viro sancto et sapiente adhor- tante circa annum trigesimum subierat. Zu den Besuchen Heinrichs III. und Leos IX. in Reichenau vgl. Hermanns Cbron. 1048 und 1049 und Hansjakob S. 30 und 47 f. Zur Krankheit vgl. Berthold p. 268, 19 Tum quadam die . . . cum . .. ad lectum aegrotantis accessissem ... re- x ) Wahrscheinlich bezieht sich dies auf der Lahme (Mainz 1875) S. 4 ff. Hermanns Chronik und zwar auf den Bericht *) Diesen Beinamen hat er seitdeml2.Jahr- zu 1054. Berthold ist dem AVunsche so nach- hundert, so beim Anon. Mellic. 91 (ed. Ett- gekommen, daß er das Werk Hermanns über- linger S. 85) Herimannus Contractus Sue- liaupt fortsetzte. vigena; im Katalog von St. Emmeram 1347 2 ) Vgl. Ztschr. f. deutsch. Altertum 13,398 (Centralbl. f. Biblwesen 20,10 N. 132) Cronica nach Vs. 492. I Hermanni Contractu s ) Zu ihm vgl. H. Hansjak ob, Herimann 5 ) Aus Horat. Carm. 2,18, 9 f. Hermann von Keicnenau. 759 spondit. ■ . (25) Per totarn qnippe noctem hanc in extasi quadam raptus fueram et videbar mihi ea memoria et scientia, qua orationem solemus dominicain, Hortensium Tullii Ciceronis lectitando d mox relectitando vigilanter percursitare et remanentis adhuc sensum et scripturam niate- riae, quam proposui de vitiis dietandam, quasi iam perscripserim similiter lectitare et id genus multa . .. (269, 4) Accipe, quaeso, tabulas meas et quaecumque adhuc scribenda restant. in eis, inprimis tu diligenter emenda, demum scripta eis, qui ea dignentur, commenda; zum Tode daselbst (269, 14) 8 Kai. Octobris feliciler omnino exspiravit . .. in praedio suo apud Alleshusan . .. tumulatus in pace requievit. Die Aufzählung der Werke bei Berthold p. 267, 32 Compoti igitur rationem, regulas et nonnulla argumenta, in quo prioribus eunetis non parum praecelluit, satis luculenter com- posuit et ordinavit, et praeter cetera de natwali lunae incensione reguläres experientissimos adinvenit, per quos evidentissime sciatur, in qualibet hora diei sive noctis a sole incendatur. Ad inveniendam quoque lunae eclgpsin regulas experientissimas exeogitavit. Gemetriam quan- (lam non parvae profecto, quantum ad artem illam, utilitatis, sicuti in hac nemo maiorum tanta scientia et subtilitate praedüus fuit, ipse quoque natural! ratione et ordine per numeros et figuras conscripsit. Cantus item historiales plenarios utpote quo musicus peritior non erat, de s. Georgio, sanetis Gordiano et Epimacho, s. Afra martyre, s. Magno confessore et de s. Wolfgango episcopo mira suavitate et elegantia euphonicos praeter alia huismodi perplura neumatizavit l ) et composuit. Libelluni hunc chronicorum ab incarnatione domini usque ad annum suum 2 ) undecumqne laboriosa diligentia collegit, gesta quoque Chounradi et Heinrici imperatorum pulcherrime descripsit. Libellum ad haec de octo vitiis principalibus ioeundidum metrica diversitate h/ricum poetice satis elaboravit. In horologicis et musicis instrumentis et mechanicis mdli 3 ) par erat componendis. Hiergegen berichtet der Anonj'mus Mellicensis 91 (ed. Ettlinger S. 85) Herimannus Contractus Suevigena philosophus*) in computatione sub- tilissimüs extitit, qui librum de principalibus computi regidis scripsit. Scripsit et metrice librum qui inscribitur de conflictu Ovis et Uni. Scripsit item metrice alium in modum Theodoli. Scripsit et tercium nichilominus metrice de contemptu mundi. In musica sane pene modernis omnibus subtilior extitit et cantilenas plurimas de musica cantusque de sanetis satis auetora- biles edidit. Cronicam quoque et gesta Chuonradi et Heinrici composuit, in quibus Omnibus virtus Witts satis enituit. Honorius Augustod. weiß nur wenig zu berichten: De Script, eccl. 4,12 Hermannus monachus cognomento Contractus quaedam scripsit et dulcisonum cantum composuit. Sub eodem Henrico floruit. Die Nekrologien von Ottenbeuern 5 ) und St. Gallen 6 ) rühmen ihn als weise und gelehrt und die Annalen von Augsburg, die um 1090 entstanden sind, nennen ihn das Wunder des Jahrhunderts. 7 ) Zu Hermanns Schriften in alten Bibliotheks- katidogen vgl. meine Zusammenstellungen Neues Archiv 32, 691 f. und 36, 772. Es werden im ganzen 30 Aufschriften überliefert, von denn sich 21 auf seine Schrift über das Astrolabium, drei auf den Komputus, drei auf andre mathematische Schriften und eine auf die Chronik beziehen; die zwei andern sind unbestimmt. Hermann scheint ein universal angelegter Geist gewesen zu sein. Denn obgleich er von den Welthändeln wegen seines körperlichen Siechtums persönlich nichts mit ansehen konnte, hat er eine der besten Weltchroniken des Mittelalters geschrieben. Ferner hat er selbständige Studien in der Astronomie und Mathematik gemacht, hat Schriften über Musik verfaßt und Gesänge komponiert, und endlich hat er, gestützt auf seine metrischen Kenntnisse, ein vielbewundertes polymetrisches Gedicht geschrieben. 1. Hermanns Weltchronik. Ähnlich wie Regino unternahm es Hermann, eine Chronik von Christi Geburt bis auf seine Zeit zu verfassen. Er hatte sich dazu allerdings viel besser vorbereitet als sein Vorgänger, Denn während bei Regino die Chronologie noch ganz im argen liegt, hat Hermann in der Gewinnung der richtigen Zeitfolge der Ereignisse sein x ) d. h. mit Neumen, Notenzeichen versehen. 2 ) Das kann im Zusammenhange nurheifien: bis in sein Todesjahr. 3 ) Soviel als nnllus ei par erat. 4 ) Bedeutet hier, wieso oftin jenen Zeiten, „Gelehrter". 5 ) MG. Necrol. 1, 113 zu VIII Kai. Oct. Herimannus sapiens clericus. 6 ) MG. Necrol. 1,481 Et Ileremanni claudi viri doctissimi et benignissimi. ') Zu 1054 (MG. 3,126,47) Herimannus Contractus . ■ . nostri miraculum seeli eunetis inacumine ingenii praeminebat, cantica mirae modulationis et dulcedinis plura composuit, vocis etiam fere carens officio. 760 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. wesentliches Ziel gesucht. Dabei kam es aber namentlich auf die richtige Benutzung wertvoller Quellen an, und hierin ist ihm das Glück günsti» gewesen. Denn zunächst besaß sein Kloster ungemein reiche Schätze von historischer Literatur aus alter Zeit, und es lassen sich aus seiner Arbeit eine große Zahl wichtiger Quellenwerke gewinnen. Hier sind zu nennen als eigentliche Chroniken aus älterer Zeit die des Eusebius in der Bearbeitung des Hieronymus, des Prosper, Marcellinus, Cassiodor, Isidor und Beda (die kleinere Chronik und die Chronik der sechs Weltalter), die Kirchengeschichten des Eusebius (in Rufins Bearbeitung) und Bedas, von historischen Einzel werken der Liber historiae Francorum, die Summa temporum von Jordanis, der Planctus de calamitate Augiae sub Immone vom Mönch Ruod- pert, der Liber pontificalis, Gregor von Tours' Frankengeschichte, die Geschichte des sogenannten Fredegarius, die Langobardengeschichte des Paulus, Einharts Leben Karls und die Historia miscella, von historischen Gelegenheitsschriften die verlornen Hodoporica des Heito und des Amalharius über ihre Gesandtschaftsreisen nach Konstantinopel. Von kirchlichen Biographien benutzte er das Leben des Johannes Anachoreta von Hieronymus, das des ßemigius von Hincmar, des Columban von Jona, des Gallus von Walahfrid, ferner das Leben des Maurus und wohl auch Ruotgers Leben Brunos. Unter den Annalen sind namentlich die Ann. Fuldenses zu nennen, deren Bericht sehr stark ausgeschrieben wird. Aus der chronologisch-komputistischen Literatur erscheinen als Quellen die Cycli paschales des Theophilus Alexan- drinus, des Victurius (allerdings nur aus Beda) und des Dionysius, sowie der Brief des Proterius. und Paschasius an Leo I. (de paschate anni 444), aus der theologischen das Poenitentiale des Erzbischofs Theodor von Canterbury, die Visiones Wettini und die Historia translationis sanguinis domini Augiam. Hierzu kommt die Benutzung päpstlicher Privilegien. Man sieht also, daß ein großer Umkreis in das allgemein geschichtliche Gebiet gehörender Quellen in dem Werke benutzt ist. Die neueren Forschungen haben nun allerdings ergeben, 1 ) daß Hermanns Werk bis zum Jahre 1039 auf einer kurz nach diesem Jahre verfaßten Weltchronik beruht und also nur zum Teil original ist. Und erst kürzlich ist von R. Holtzmann der Nachweis gegen J. R. Dieterich geführt worden, daß diese verlorne schwäbische Weltchronik von Wipo und Hermann, von den Annales Sangallenses und von der Epitome Sangallensis unmittelbar benutzt worden ist und daß Hermann ihr besseren Bericht entnahm als Wipo. Außerdem scheint R. Holtzmann der Nachweis geglückt zu sein, daß jene schwäbische Weltchronik 2 ) im Kloster Hermanns entstanden ist und daß man sie daher besser die Reichenauer Weltchronik nennt. 3 ) Wenn nun aber auch Hermann nicht geringen Nutzen aus diesem Werk für seine Arbeit gezogen hat, so bleibt doch jedenfalls noch erheblich viel von dieser bestehen. Besonders erkennt man aber natürlich seine eigne Arbeit aus der Fortsetzung seit 1040, *) Vgl. besonders H. Bresslau, Neues Bertholds befindet sich in einer Hs. von Gött- Archiv 2, 566- 576. weih. vgl. MG. SS. 13, 62. 2 ) Eine weitere Kompilation aus ihr, aus *) Zum Texte vgl. auch den Cod. Colon. 103 einer fast wörtlichen Abschrift von Hermanns (aus Reichenau) in Wattenbach und Jaffe, Chronik 1044—1054 und aus einer gleichfalls Ecclesiae Coloniensis Codices p. 131; hierzu nicht sehr gekürzten Kopie der Portsetzung Br. Krusch, Neues Archiv 11, 633. Hermann von Reichenau. 761 wo er aus eigner Kenntnis schreibt. Es dürfte schwer fallen, sich als Verfasser dieses letzten Teiles einen kontrakten Mönch vorzustellen, der die Schwelle seines Klosters gar nicht verlassen konnte. Denn wenn auch zuweilen die oder jene Zeile an den Kleriker erinnert, so gibt es doch wenig Geschichtswerke des 11. Jahrhunderts, in denen das Politische so im Vordergrund steht wie hier. In den ersten Jahresberichten seit 1040 überwiegen die Nachrichten aus dem Süden des Reiches und den dortigen Grenzländern, besonders über Böhmen und Ungarn, wohin der Schwerpunkt der äußeren Reichspolitik damals fiel. Dann stehen zwar natürlich die römischen Verhältnisse und die Synode von Sutri im Vordergrunde, aber der Bericht erweitert sich stets unter Wahrung der aus früheren Zeiten überkommenen annalistischen Form zur wirklichen Reichsgeschichte. Und zwar hätte das, was Hermann hier bietet, kaum jemand besser darstellen können. Denn in der eigentlichen Geschichtserzählung tritt die Person Hermanns ganz zurück, und seine Beurteilung der Dinge ist vom deutschen Standpunkt gerecht und maßvoll. Aber er läßt meist die Ereignisse sprechen und enthält sich des Urteils, so daß wir in seinem Werk eine objektive Darstellung finden, die mit großer Zuverlässigkeit und Umsicht abgefaßt ist. Die Sprache Hermanns ist stets klar und sein Stil ist einfach und ungekünstelt. Gebildet hat er den Stil nach guten historischen Mustern der früheren Zeit, aber ohne daß sich unmittelbare Anlehnungen daran finden. 1 ) Die Chronik wurde später von Berthold fortgesetzt und von Bernold und Ekkehard ausgezogen. Später wurde sie im 12. Jahrhundert mit den Chroniken Bertholds und Bernolds zusammen abgeschrieben, wie sie in den Handschriften von Göttweih, Muri und Engelberg vorliegt. Und so ging sie in die Annalen von St. Blasien und Melk und in österreichische Jahrbücher über. Sie hat also besonders für Süddeutschland Bedeutung gehabt. Zeugnisse. Benutzung des Eusebius zum Jahre 378, des Prosper zu 384 und 454, Cassiodor zu 513, Isidor zu 616 (temporum abbreviatio), Beda zu 703 (chronica minoris libri de lemporibus), Eusebius-Rufins Kirchengeschichte zu 395, Jordanis zu 551 (chronica sua de gestis Romanorum abbreviata), Ruodpert zu 1006 (sienti Ruodpertus monachus nobilis et docte facetus, matris meae patruus prosa rhythmo metroque flebiliter deplangit), Heito zu 811 (odo- poricum suum scripsit), Amalharius zu 813 (quorum odoporicum item scriptum habetur), Vita Johannis anachoretae zu 394, Vita Brunonis zu 965 (cuius vita litteris edita a quibusdam habetur), Theophilus zu 380 (vgl. Gennadius vir. ill. 88), Victurius zu 456 und 550, Proterius zu 444, Theodor zu 690, Visiones Wettini zu 824 (cuius visiones Heito episcopus prosa et Walahfridus heroico metro scripsit), die Translatio sanguinis zu 923, päpstliche Privilegien zu 759. 997 Alawic von Reichenau). 1032 (Bern) und 1049; die übrigen oben angeführten Quellen sind im Text nicht benannt, werden aber vielfach benutzt. 2 ) Die Benutzung der schwäbischen Weltchronik wies R. Holtzmann, Neues Archiv 35, 70—77 nach, und daß sie in Reichenau entstand S. 102ff.; die Schriften von J. R. Dieterich sind „Die Geschichtsquellen des Klosters Reichenau" (1897) und „Streitfragen der Schrift- und Quellenkunde des deutschen Mittelalters" (1900). Erwähnt wird die Chronik nur in St. Emmeram 1347 (Centralbl. f. Biblwesen 20, 10 N. 132) cronica Hermanni Contractu dies ist heute Monac. 14613 s. XI. Die Haupths. ist aber Caroliruh. Aug. CX1I s. XI, der, obwohl der Schluß fehlt, den originalen Wortlaut bietet, während die Hs. von St. Emmeram öfters den Wortlaut verkürzt und bayerische Nachricht statt schwäbischer aufnimmt. Hauptausgabe von Pertz, MG. SS. 5, 67—133, wo die Hss. aufgezählt sind; zur Hs. aus Villingen vgl. May, Neues Archiv 12, 226ff. Vgl. Hansjakob a. a. O. S. 51—59. Chr. Volkmar, Forschungen z. deutsch. Gesch. 24, 83 ff. — ') 1043 heißt es utile eunetis exemplum ... 2 ) Die meisten dieser Quellen begegnen proposuit nach Horat. Ep. 1,2,18. Am meisten erinneit seine Schreibweise an den reinen Ausdruck Cäsars. in den reichhaltigen Reichenauer Katalogen bei Becker N. 6.8.9. 10. 33. 762 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Beithold berichtet von Hermann (MG. SS. 5, 268, 12) gesta quoqne Chounradi.et Semriciimpe- ratorum pulchevrime descripsit und damit scheint zu stimmen die Notiz bei Otto von Freisinn im Chronicon 6, 33 über Heinrich III. (MG. SS. 20, 245, 42) Tarn eins quam patris sui actui et virtutes Herimannus Contractus in libello quodam, quem ipsi destinavit, luculenter satia disseruit. Da Otto aber wohl das Werk Wipos mit diesen Worten meint, so ist auch nicht an ein eignes Werk Hermanns zu denken, sondern Berthold hat nur an die Fortsetzung von Hermanns Chronik für dessen eigene Lebenszeit gedacht, vgl. Wattenbach 2, 16. 47 n. 2. Zur Chronik im allgemeinen vgl. Giesebrecht, Gesch. d. deutsch. Kaiserzeit 2, 562f R Baxmann, Theol. Studien u. Kritiken 1869 S. 105—108. 2. De astrolabio. Hermann verfaßte zunächst eine Schrift De men- sura astrolabii, die er einem Kleriker B. widmete. Er sagt imWidmungs- briefe, daß die Konstruktion des Astrolabiums hierzulande in Verwirrung geraten und daher dunkel und unvollkommen geworden sei. Deshalb hätten ihn viele seiner Freunde schon oft darum gebeten, eine klare Darstellung davon zu geben. Endlich habe er den Bitten von B. nachgegeben und sei ans Werk gegangen, das er aber nicht in schönen Worten, sondern in der Entwirrung der Unklarheiten sehe. Und er werde, wenn B. über die Anwendung des Astrolabs einiges erfahren wolle, diese mit ihm zusammen untersuchen. Darauf folgt die kleine Schrift über die Konstruktion des Astrolabs, das aber hier nicht den bei Astronomen gebräuchlichen Ring darstellt, sondern wir haben es hier zu tun mit einer Übertragung der Himmelskugel und ihrer Kreise sowie der wichtigsten Fixsterne (der Zodiakal- gestirne) auf eine Ebene, eine plana sphaera, 1 ) welche Konstruktion auf Ptolemäus zurückgeführt wird und den Namen Walzachora erhält, der mit Astrolabium übertragen wird. Über dieser Himmelsprojektion befand sich ein beweglicher Horizont, aus dessen veränderter Stellung zu jener Ebene astronomische Fragen durch Ablesen gelöst werden konnten, wie die Berechnung der Zwischenräume der Sternbilder und die Stellung der Sterne. Am Schlüsse der kleinen Schrift verweist Hermann die, welche sich über die gesamten nützlichen Anwendungen des Astrolabiums unterrichten wollen, auf ein anderes Werk. Das ist ohne Zweifel die etwas umfangreichere Schrift, der er den Namen De utilitatibus astrolabii gab. 2 ) In der Einleitung hierzu spricht er sich im allgemeinen über den Wert und Nutzen des Instrumentes aus, das für die Astronomie und Geometrie eine große Bedeutung habe. Denn mit seiner Hilfe finde man die Stunde des Auf- und Niedergangs der Gestirne, dann auch die Bewegung der Gestirne durch alle Himmelsräume und die Lage der Himmelszeichen, die Grade der Sonne, ihre tägliche und monatliche Höhe und die Anzahl der Erdstadien, die sie durchlaufe, desgleichen die Zeichen und die Höhe der Fixsterne, außerdem die sicheren Stunden der Tage und Nächte. Und deren Kenntnis sei doch ungemein nötig für den Gottesdienst und nützlich für die Schärfung des Verstandes wie für die Zurückweisung von allerhand Pseudoinstrumenten. Und der Leser werde sich nicht nur über den Inhalt wundern, sondern auch darüber freuen. Das Werk hat Hermann in zwei Bücher geteilt, in deren erstem ') Daß diese Ebene mit Reliefarbeit versehen war, ergibt sich aus dem Vorwort zu De utilitatibus astrolabii (Migne 143, 389B) cum quaslibet perigraphias pai-titionesques anaglypharias in ea seriptas et inscnlptas cognoverit. 2 ) Das 3. Kapitel der Schrift wird von Meinzo von Konstanz einem Brief an Hermann vorangestellt. Aus dem Brief ergibt sich, daß die Schrift spätestens 1048 verfaßt ist. Vgl. unter Meinzo. Hermann von Reichenau. 763 Fragen behandelt werden wie über die Auffindung der Sonne in der Ekliptik an bestimmtem Tage, Angabe der Sonnenhöhe zu bestimmter Stunde an bestimmtem Tage, Auffindung der Höhe beliebiger Sterne zu bestimmter Nachtstunde und Zeitbestimmung für den Eintritt der Morgen- und Abenddämmerung; auch werden einige Sternbilder aufgezeichnet und ihre arabischen Benennungen gegeben, und es wird ausführlicher über die sieben Himmelsklimata aus Martianus Capella x ) und nach der benutzten lateinischen Vorlage aus dem Arabischen gehandelt. Im zweiten Buche geht Hermann von einem horologischen Instrumente aus, dessen Anwendung er einem Bruder Werinher erklärt; daraus geht aber hervor, daß in diesem Teile eine Schrift vorliegt, die nur in losem Zusammenhange mit dem ersten Buche steht. Das ergibt auch der weitere wesentlich verschiedene Inhalt. Denn die nächsten Abschnitte handeln von der Größe der Welt und der Erde nach Eratosthenes und Macrobius. 2 ) Andere Stücke beschäftigen sich mit der Schattenmessung und stammen aus der sogenannten Geometria Gerberti. Übrigens scheint die Salzburger Handschrift, aus der Pez den Druck gab, nicht vollständig zu sein, da das Ende fehlt. Es hat nun den Anschein, als ob Hermann nach Ausgabe der einzelnen Teile des zweiten Werkes eine Gesamtausgabe veranstaltet habe. Nämlich im Monac. 14689 s. XI, in dem sich außer De astrolabio auch eine Schrift Hermanns De divisione und sein Gedicht über die acht Hauptlaster befinden, geht dem ersten Buche De utilitatibus astrolabii 3 ) eine sehr ausführliche Einleitung voran. Hier wird die Astronomie mit hohem Lobe bedacht und über alle andern freien Künste gestellt. Dann verbreitet sich der Verfasser mit dichterischem Schwünge (Vergil ist darin erkennbar) über die Schönheit und die Segnungen der Nacht und preist dann den Tag 1 ) als Erwecker aller Tätigkeit, wobei er Nacht und Tag in Beziehung zur Astronomie setzt und astronomische Dinge in Verbindung mit Christi Leben bringt und auch der Astrologie der Chaldäer gedenkt. Auf dieses allgemeine Loblied über die Astronomie folgt der Hinweis auf die praktische Bedeutung dieser Wissenschaft für den Kleriker, und man sieht also, daß diese breiten Ausführungen eine Erweiterung der einleitenden Worte zum ersten Buche De utilitatibus astrolabii darstellen. Der Verfasser erzählt dann von Abraham und geht endlich auf Ptolemäus ein, der das Astrolabium erfunden habe, über dessen Nutzen er besonders schreiben wolle. Er wolle nichts Neues vorbringen aus seiner arabischen Quelle, denn das könne er nicht, sondern er wolle nur den Sinn auf Vernachlässigtes und Vergessenes hinlenken. Und so wolle er seine Vorlage, die aus dem Arabischen stamme, einfach verdeutlichen und am Ende seines Buches über die Konstruktion des Astrolabiums sprechen. Sein Werk aber, das man mit den Canones des Ptolemäus oder mit dem Vitruvius zusammenbringen möge, empfehle er den Gelehrten zur Durchsicht, nachdem 1 ) Martian 8,876 (p. 325,29 ff.) zählt aller- , vis Macrobius idem diametrum... esse fateatur. dings acht Klimata auf, während Hermann ! 3 ) Es steht an erster Stelle f. 73—80, darauf 1,18 und 19 deren sieben erwähnt; auch ihre folgt De horologio secundum uuazachorura Abgrenzung ist verschieden. und f. 81—84 De mensura astrolabii ohne 2 ) Kap. 3 (Migne 143.408D) quamvis Ma- Vorwort. cröbius super somnium Scipionis idem dia- ') Hier ist (Anzeiger! Kunde d. deutschen metrum . .. dicat habere. 4 (col. 409 A) quam- Vorzeit 16,137, 3) facibus für focibus zu lesen. 764 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. er es der Kirche vorgelegt habe. 1 ) So scheint es, daß Hermann dieser Gesamtausgabe auch die Schrift De mensura astrolabii anschloß. Daß nämlich diese breite und lesenswerte Einführung von ihm stammt, möchte ich mit Dümmler 2 ) bestimmt glauben, denn aus ihr spricht ganz sein klarer und geschulter Geist; was Hansjakob dagegen vorbringt, 3 ) ist mir unverständlich, denn in der Einführung wird doch deutlich genug auf beide Teile des kommenden Werkes hingewiesen. Ich glaube danach, daß Hermann eine zweite Ausgabe veranstaltet hat, was auch insofern wahrscheinlich ist, als im Berol. 956 das Kapitelverzeichnis 4 ) ohne Scheidung beide Einzelschriften begreift und die Titel vom Druck dort teilweise abweichen. Aus der kurzen Widmung De mensura astrolabii und jener breiteren Einführung ergibt sich aber über die Selbständigkeit von Hermanns Arbeit folgendes. Daß Hermann selbst Arabisch verstanden und die beiden Schriften aus dieser Sprache übersetzt hätte, ist eine der ungeheuerlichen Behauptungen früherer Zeiten, die aber schon von Jourdain 6 ) in ihrer ganzen Haltlosigkeit erkannt worden ist. Jourdain hat mit vollem Recht betont, daß Hermann unmöglich Arabisch verstand, daß er also beide Schriften nach der lateinischen Übersetzung eines arabischen Textes bearbeitet hat. Das arabische Original muß Stücke aus Eratosthenes enthalten haben, da nämlich die (De utilit. astrolabii 2, 3. 4) aus Eratosthenes angeführten Angaben nicht aus Martian oder Macrobius stammen, sondern teilweise, wie auch die Abschnitte über Schattenmessungen, in der Geometria Gerberti wiederkehren, die ebenso wie die Ars geometrica Stücke aus Eratosthenes enthält. Daß das Original arabisch abgefaßt war, lesen wir in jener breiten Einführung zum Gesamtwerke und ergibt sich auch aus den zahlreichen arabischen Bezeichnungen bei Hermann, die nach Jourdain schon bedeutende Veränderungen ihres arabischen Wortlautes zeigen, also nicht unmittelbar aus der fremden Sprache stammen können. Ob allerdings Hermanns Vorlage das einst von Gerbert begehrte Werk des Lupitus von Barcelona gewesen ist, worauf M. Cantor hinweist, 6 ) ist sehr fraglich, da von den Schicksalen dieses Buches im Abendlande nichts bekannt ist. Übrigens macht Cantor 7 ) auf eine Rechnung Hermanns aufmerksam, die aus dem Erdumfang den Durchmesser der Erde gewinnen will und die sich auch in Gerberts Geometrie findet. Zeugnisse. Die Widmung De mensura lautet (Migne 143, 381), Herimannus Christi ■pauperum peripsima et Philosophie tironum asello immo Kmace tardior assecla B. suo iiigem in domino sahitem. Cum a plurimis saepe amicis rogarer, ut mensuram astrolabii, quae apud nostrates confusa et ideo obscura et passim mutilata invenitur, lucidius pleniusque seribere tentarem ... operi cunctabundam deses manum applicui .. . non eleganti veriorutn compo- sitioni sed intricatae rei studens explicationi. . .. Tu igitur . . . quomodocunque descriptam simplicem praefati instrumenti accipe mensuram*) .. . ut si te postmodum de eius ratione ') Die folgenden Worte a. a. 0. S. 138 und 139 gehören kaum mehr in diesen Zusammenhang. 2 ) Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 16,135. 3 ) a. a. 0. S.63n. 1. 4 ) Abgedruckt bei Rose, Verz. d. Hss. d. Kgl. Bibl. zu Berlin 2,3,1179 Anm. 5 ) Recherches critiques surl'age etl'origine des traductions latines d'Aristote p. 146. 6 ) Vorlesungen über Geschichte der Mathematik l 3 , 889. 7 ) Die römischen Agriraensoren S. 177 und Vorlesungen l 3 , 887. Vgl. Olleris, Oeuvres de Gerbert p. 453. 8 ) Aus diesen letzten, wie auch aus den früheren Worten ergibt sich deutlich, daß Hermann das Werk einer lateinischen Quelle entnahm und daß er die mensura astrolabii als besonderes Werk einzeln herausgab, zunächst also ohne die zweite Schrift De uti- litatibus. Hermann von Reichenau. 765 allqua cognovero permovere, ea tecum alacris suppetente alias otlo pro posse studeam vestigare. Definition in Kap. 1 (col. 381 B) In metienda igitur subtilissimae inventionis Ptolomaei walza- ctiora id est plana sphaera, quam astroldbium vocitamus. Die Schrift De utilitatibus zeigt keine Widmung, vielleicht gilt die des zweiten Buches — col. 405 A Cuius mensuram . . . sind iussisti, carissime frater Werinheri, dilucide ut possum tentabo describere — auch für das erste Buch, doch bei dem abweichenden Inhalt beider ist möglicherweise bei dem zweiten Buche wieder an eine selbständige Arbeit zu denken. Das scheint auch aus der Anordnung im Paris, nouv. acq. 229 s.XII hervorzugehen, wo p. 282 das zweite Buch zuerst steht und p. 290 das erste Buch .folgt, vgl. Delisle, Melanges de paleographie (Paris 1880) p. 457. In dem Vorwort zu Buch 1 heißt es nach der Aufzählung der durch das Astrolab zu gewinnenden Kenntnisse (390 B) Quarum cognitio quam necessaria sit in divinis ministeriis quam ad exercitandum utilis et ad evacuanda et irrita facienda falsidica quorundam et pseudohorologia, prudens animus scire, imprudens discere potest ... linde non tantum lae- tahilur lector, quantum mirabitur. Ueber die Quellen zu c. 18 und 19 spricht Hermann folgendes (402 c) de quornm (seil, climatum) mutationibus Ptolomaeus et Eratosthenes satis lucide trac- tant. Marcianus quoque non solnm de mutationibus climatum sed etiam de singulorum meridie et attitudine seu horis aequinoctialibus satis expedit. In dem Vorwort zum zweiten Buche heißt es (405 Aj Cuius mensuram proiU astrolab ii ratione potui invenire, sicut iussisti carissime frater Werinheri, dilucide ut possum tentabo describere. Im zweiten Abschnitt vermißt Hermann bei Macrobius die Methode, wie der Erdumfang zu gewinnen sei (408 A) Quamvis Ambrosii Theodosii auetoritate universi orbis ambitus notabilis habeatur, quid ab illo auetoritatis ratio quasi praetermissa est. Die Gesamteinführung gab aus Monac. 14689 f. 71—72 heraus Dum mler, Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 16, 135—139. Hier heißt es p. 138 nun quasi novnm aliquid ostendendo sed quasi neglectum aut oblitum commonendo. 1 ) Qui hec legit, inventa priscorum relegit: nequeo modo nova invenire studia. Dehinc nolui fidi interpretis officium preeavere, sed potius, ut in Arabico habetur, simpliciter interpretari... . in calce autem huius libri de eius construetione, eo quod maioris sit studii et quod apertior sit construetionis ratio post pereeptam scientiam. 2 ) Quod opusaüum cuilibet velit compUcare libro sive canonibus Phtolomei sive Vitruvio, quia ipse affluenter descriptiones horologiorum assequitur, sapientum commendo censure, dum illud sanetq ecclesie representare sufficiat. Es folgt hierauf eine ganz kurze Inhaltsangabe über die Astronomie und ein Abschnitt Formatio mundi, der mit den Worten beginnt, die dem Anfang von Excerptum de astrologia (vgl. Jlanitius, Rhein. Museum 53, 394, 2—4) sehr ähnlich sind; also dürfte dieses Stück der Vorrede nicht original, sondern Interpolation sein. Der Nachweis, daß Hermann aus einer vom Arabischen erst abgeleiteten Quelle arbeitete, bei Jourdain, Recherches critiques sur l'äge et l'origine des traduetions latines d'Aristote (Paris 1843) S. 135—147 (vgl. M. Cantor, Vorles. üb. Gesch. d. Math. I 3 , 888f. u. Hansjakob a.a.O. S.85—39); Jourdain führt die angebliche Kenntnis des Arabischen 3 ) bei Hermann auf eine Verwechslung mit dem um 1250 lebenden Aristotelesübersetzer Hermannus Alemannus zurück. Zu jener Gesamtvorrede bemerkt übrigens Dümmler (a. a. O. S. 135) den gesuchten Ausdruck und den Schwulst des Stiles. Das ist ohne weiteres zuzugeben, aber man darf in solchen Arbeiten nicht den durch vielfache annalistische Vorbilder festgewordenen Annalenstil suchen. Denn das Werk gehört zu den Altes liberales und deren Hauptvertreter Martianus hat zu dem allerdings wortreichen Stil und zu der oft verkünstelten Ausdrucksweise das Vorbild abgegeben, das mit großer Genauigkeit kopiert worden ist. 4 ) Ueberlief erung. Das ganze Werk steht im Monac. 14689 s.XII f.71—85, Monac. 13021 s.XII f.72—89, 14836 s. XI f.!44t>—159* und 160 (ein Teil Cilindrus f. 1—3). Amplon. Q 351 s.XIII f.24—33b, Q 357 s.XIII f. 101—113b, Q 363 s.XIU f.97—98 (unvollständig) und Q 369 s.XIV f.231—239; Teile imßerol.956 s.XII f. 11 undLuxem- burg. 27 s. XII f. 150—156. Ausgabe (aus einer Salzburger 5 ) Hs.) von Pez, Thesaur. aneedot. noviss. 3, 2, 94 und 107 = Migne 143,381 und 389. Vgl. Wattenbach 2, 42 n. 4. M. Cantor a.a.O. I 3 , 886—889. 3. Mathematische Schriften. Viel weniger verbreitet als die Schriften über das Astrolabiuni war Hermanns Compotus, eine Zusammenfassung J ) Also ganz ähnlich wie De mensura (col. 381A) confusa et ideo obscura et passim mutilata. 2 ) Also in der Gesamtausgabe stellte er De mensura hinter De utilitatibus. 3 ) Von Trithemius (Annal. Hirsaugienses 1, 148) und von anderen behauptet. 4 ) Auf Martian weist sicher ein Ausdruck wie S. 136,48 avidis allubescant nisibus hin, vgl. Mart. 1,31 Vs.ll nostrisque . .. allubescat nisibus (p. 13, 25 Eyss.); 136,40 noctivide findet sich bei Martian 6,571 Vs.3 (p. 194,25). Verse: 136,37 Nocte — membra,pigris — sua- vis. Hervorzuheben sind Worte wie S. 137,4 auetumnatibus, 5 alligiditatibus, 7 viduatione, 11 letacula. 5 ) Ist jedenfalls die Aufschrift aus Salzburg s. XIII (Becker 115,36) = Salisb. a.V. 7. 766 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. über die kirchliche Zeitrechnung, wohl besonders auf Bedas Werken beruhend und einen Auszug aus ihnen darstellend. Darauf geht der Titel abbreviatus cuiusdam idiote compotus. Genannt wird das Werk nur in den Katalogen von Urbino 1483 und von Altzelle 1514 (zweimal), vgl. Neues Archiv 32, 692 und 36, 772. Es liegt handschriftlich vor im Fuldensis B 2 4° s. XI—XII, im Darmstad. 815 s. XII f. 110 b , Caroliruh. 504 s. XI—XII f. 35 und im Berol. 955 s. XII f. 101—104 b , wo der Text aber abgekürzt wird und Auslassungen zeigt, vgl. V. Rose, Die Hss. der Kgl. Bibl. zu Berlin 2, 3, 1177. Ferner schrieb Hermann einen Traktat De divisione, der Multiplikation und Division auf dem Abacus darstellt und zwar mit kurzer Angabe des Verfahrens. M. Cantor äußert sich darüber wie folgt: „Des Abacus vier wagrechte Zeilen werden unterschieden, während von einer gruppenweisen Vereinigung der Kolumnen zu je dreien Abstand genommen ist, auch eine Beschränkung der Anzahl dieser Kolumnen nicht stattfindet, von denen vielmehr gesagt ist, daß sie jede die vorhergehende um das Zehnfache übersteigend in das Unendliche sich erstrecken. Das Dividieren ist einfach oder zusammengesetzt und kann in beiden Fällen mit oder ohne Differenz vollzogen werden." Erwähnt wird die Schrift bei Richard von Fournival um 1250 l ) und in Fulda s. XVI, 2 ) herausgegeben ist sie von Treutlein aus Caroliruh. 504 f. 50 im Bulletino Boncompagni 10, 643—647 (1877). Außerdem verfaßte Hermann die Schrift De conflictu rithmimachie, in der er Anweisungen über dies Zahlenspiel gab, das eigentlich arithmo- machia (vgl. Isidor Et. 3, 1, 1) heißen müßte und auf den von Boethius in der Arithmetik besprochenen Verhältnissen der multiplices, superparticu- lares und superpartientes beruht und auf zwei Spielbrettern von je achtmal acht Feldern gespielt wurde. Im ersten Abschnitt spricht sich Hermann darüber aus, daß die Rithmimachie (in der Hs. von Libri heißt sie Rithmachia) zur Arithmetik gehöre, wie Cithara und Orgel zur Musik, der Abacus zur Geometrie, Horoskop und Astrolabium zur Astronomie; der Erfinder dieses Spieles bei den Römern sei Boethius gewesen, wie bei den Griechen die Erfinder der Arithmetik Pythagoras und Nikomachus. Überliefert ist die Schrift im Monac. 14836 s. XI f. 3 und 4, in der Hs. von Libri N. 483 s. XII 3 ) und vielleicht im Vatic. 3101 s. XI. Benutzt wurde Hermann durch Frutolf, der um 1100 eine Rithminachie schrieb. 4 ) Ausgabe von Wappler, Ztschr. f. Math. u. Physik. Litterarhist. Abteilung 37,1 ff. Was es für eine Bewandtnis mit dem weiteren, Hermann von Richard de Fournival (Delisle, Le cab.des mscr. 2, 526 N. 37) beigelegten mathematischen Werke Euclidis geometria arithmetica et stereometria ex commentario Hermanni se- cundi hat, weiß ich nicht zu sagen; jedenfalls aber bestimmen sich die von Hansjakob a.a.O. S. 66f. aus einer Karlsruher Handschrift aufgeführten Regulae Herimanni Suevi in computum und Regulae Herimanni qualiter multi- ') Delisle, Le cabinet des mscr. 2,526 N. 45 Item liber de invenienda radice et alius Hermanni secnndi de opere numeri et operis materia. 2 ) Beihefte z. Centralbl. f. Biblwesen 26, 109 N. X, 3, 39 Calculatio Hermanni. ') Catal. of the extr. collection of splendid mscr. by G. Libri p. 103 (dort p. 104 ein Stück aus Kap. 1 abgedruckt). <) Aus Wratisl. civ. 54 s. XII f.86a-94t> hrsg. von P ei per, Abh. z. Gesch. d. Math. 3, 167—197. Vgl. daselbst S. 198-227. Hermann von Reichenan. 767 plicationes fiant in abbaco als die oben angeführten Werke Compotus und De divisione. Endlich ist noch eine kleine Schrift De mense lunari zu erwähnen, die Hermann einem Mönche Herrand widmete. Aus den Worten der Widmung ergibt sich, daß Hermann diesen Freund lange nicht gesehen hatte und ihm daher die Schrift zusendet. Er hatte gefunden, daß keiner der früheren Komputisten die Länge des Mondmonats sicher ausgerechnet habe und daß Beda ihr etwas von den 29 Tagen und 12 Stunden abgezogen habe, während sie doch noch etwas mehr betragen müsste. Während der Arbeit sei ihm der Komputus des St. Gallener Lehrers Notker zugekommen, 1 ) der hier aussage, daß Columban dem Mondmonat über jene Länge noch eine halbe Stunde und beinahe zehn Minuten gegeben habe. Hermann berechnet nun selbst den Mondmonat auf 29 Tage, 12 Stunden, 29 Minuten und 348 Atome und macht auch die Probe darauf. Am Schlüsse bittet er den Freund, ihm sein Urteil über die Schrift nicht vorzuenthalten, und wünscht ihm alles Glück und begehrt mit ihm noch häufig auf dieser Welt zusammenzukommen. Daß Hermann der Verfasser des Schriftchens ist, hat G. Meier festgestellt; besonders ergibt sich das aus der Bescheidenheitsphrase in der Widmung H. pauperum Christi abortioum vile, die mit anderen von Hermann gebrauchten Ausdrücken sehr große Ähnlichkeit hat. 2 ) Handschrift Paris, nouv. acq. 229 s.XII f. 17—19; 8 ) Ausgabe von G. Meier, Die sieben freien Künste im Mittelalter II (Einsiedeln 1887) p. 34—36, vgl. hierzu p. 10. — Zu erwähnen ist noch, daß Bernold in der Chronik 1093 (MG. SS. 5, 457,9) schreibt Nam egregius calculator doninus Beremanmts etiam in vigesima septima luna eclipsin accidisse scribit anno domini 1033. Da nun in diesem Jahre in Hermanns Chronik (MG. SS. 5, 121, 39) zu lesen ist Eclipsis solis 3 kal. Iul. circa septimam diei horam facta, so ist das Zitat wohl dem Komputus entnommen. Im Caroliruh. 504 s. XI — XII f. 45 b —49 steht eine kleine Schrift Prognostica Herimanni de defectu solis et lune. 4. Gedichte. 1. De octo vitiis principalibus. Das Gedicht ist nur das erste Buch oder die erste Hälfte eines umfänglichen Werkes, das nach der einzigen Handschrift betitelt war Opusculum Herimanni diverso metro conpositum ad amiculas suas quasdam sanctimoniales feminas. Da sich aber in der Briefsammlung Udalrichs von Bamberg 4 ) ein Zitat vorfindet Hermannus Contrarius in libro de virtutibus und die einzige Handschrift des Gedichts mit Finit prior libellus schließt und die Muse am Ende dieses Buches 1707—1722 die Fortsetzung des Gedichts über den Weg zum Heile in Aussicht stellt, so glaube ich trotz Bertholds Angabe, daß sein Lehrer ein Gedicht De octo vitiis capitalibus verfaßt habe, daß Hermann wirklich jene Fortsetzung verfaßt hat und daß sie verloren ist; wir haben ja gesehen, daß der Anon. Mellicensis, der einzige Zeuge außer Berthold, das Werk De contemptu mundi benannt hat, daß also die Benennung durchaus nicht einheitlich war. Der Inhalt des merkwürdigen Gedichtes ist folgender. ') G. Meier, Die sieben freien Künste im Mittelalter II (Einsiedeln 1887) S. 35 Interea compotus Nofhgeri novelli de coenoblo s. Galli tUdascali mihi advenit, qni de eadem aliquid questione breviter tangit. 2 ) Vgl.Migne 143,381A Christi pauperum peri-psima. 3 ) Delisle, Melanges de paleographie p. 456 notiert p. 265—269. Die Hs. ist deutscher Abkunft. 4 ) Jaf f 3, Bibl. rerum Germanicarum 5, 38. 768 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Hermann wendet sich an die Muse und bittet sie um ein Lied für die ihm befreundeten Nonnen. Als Melpomene ihn fragt, was er im Gedicht hören wolle, weiß der Dichter nicht, was für ein Lied jene wünschen; doch sei ihnen ein lustiges lieber als ein ernstes, 1 ) und die Muse möge sie daher selbst befragen. So berichtet nun die Muse den Nonnen, ihr gemeinsamer Freund Hermann habe sie geschickt, um ihnen, seinen lieben Schwestern, ein Lied vorzutragen; sie möchten es ihr sagen, ob sie Ernst oder Scherz wollten. 2 ) Die Nonnen sind darüber entzückt, fragen sie aber gleich, in welchem Verhältnis sie zu Hermann stehe und ob sie seine Geliebte sei. 3 ) Melpomene wendet sich darauf an Engila, die Vorsteherin der Nonnen: Sie sei in ihrem Verhältnis zu Hermann völlig verkannt, denn sie sei eine der Musen, die ehedem bei den Heiden verehrt wurden, nun aber christlich geworden seien, nur die Keuschheit liebten und alles Unreine verabscheuten. Sie verzeihe ihnen den gegen sie erhobenen Verdacht, denn sie seien vielleicht selbst schuldbewußt. Nämlich auch Hermann glaube das von ihnen und er wünsche doch, daß sie keusch lebten. Aber er habe erfahren, daß der Sinn des Weibes unbeständig sei, 4 ) und er glaube, daß sie sich unerlaubten Freuden hingäben, durch die sie sich dem Bösen verschrieben. Und diese Besorgnis des Freundes teile auch sie. Sie möchten ein neues Leben anfangen, um nicht der Strafe des Orcus zu verfallen. Schließlich erschrickt aber Melpomene über ihre eigenen Worte und fragt die Nonnen, was für ein Lied sie ihnen singen solle. Doch sie überlassen ihr das selbst und bitten sie, Hermann darüber um Entscheidung anzugehen. Hermann bittet sie aber, ihm zuerst mitzuteilen, warum sie solange bei den Nonnen verweilt habe und so spät zu ihm zurückgekehrt sei. Da berichtet die Muse treulich, wovon sie gesprochen, und Hermann zürnt ihr, da er glaubt, daß sie ihm die Nonnen zu Feinden gemacht habe, während sie sie doch ihm und sich durch Vortrag von Liedern günstig stimmen sollte. Und er schilt auf sich selbst, daß er sie zu den Nonnen geschickt habe. Melpomene verweist ihm das aber mit scharfen Worten und spricht sich sehr deutlich über die eventuellen Folgen des geschlechtlichen Verkehrs der Nonnen aus. Doch sucht sie die Nonnen von diesem Vorwurf überhaupt zu befreien und fordert Hermann auf, ihr ein Lied zu nennen, das sie singen solle. Jener aber bittet die Muse, ihm die Nonnen nicht zu erzürnen, und verlangt dann von ihr ein Gedicht über die Lockungen und Versuchungen der Welt und über den Weg, das ewige Heil zu erwerben. 5 ) Melpomene hüllt sich zwar in Bescheidenheit einer so großen Aufgabe gegenüber, sie ersucht aber dann Hermann, die Hilfe des hl. Geistes für sie zu erbitten, und verkündet dann den Nonnen, daß sie ihr bescheidenes Gedicht vortragen wolle. Diese jubeln ihr zu und bitten sie anzufangen. Bis hierhin (Vs. 492) reicht die ') Vs. 20 Novi ludicra crebro, Mahint seria raro. 2 ) Vs. 38 Vultis, concino seria, Sin, can- trix ero ludia. 3 ) Vs. 50 Tu forsan eins conscia lectuli Complexa dtdcis munia savii Furare. *) Vs. 104 Sed quoniam novit saepeque legit, Mentern femineam mobile quoddam nach Verg. Aen. 4,569. 5 ) Schon in diesen Worten (393 Die aetemi maxima regni Gaudia ... Suade talem car- pere callem, Qui nos gaudia ducat ad ista) liegt ausgesprochen, daß das Gedicht aus zwei Teilen bestehen soll und daß die Muse auch als Sprecherin des zweiten Teiles gedacht ist. Hermann von Reichenau. 769 Einleitung, die, wie man sieht, zwar an manchen Stellen etwas breit gehalten, aber doch nicht ungeschickt gemacht ist. Jedenfalls wollte Hermann die anstößigen Verhältnisse, in denen sich manche Nonnenklöster der Zeit befanden, zu bessern suchen, und er hat daher nicht gezögert, die Dinge bei ihrem rechten Namen zu nennen und unverblümt vorzugehen. So hat er ein ganz artiges Geschichtchen erfunden, in dem er jene bedenklichen Dinge die Muse sagen läßt, um sich gewissermaßen selbst davon zu befreien. Bezeichnend für den Geist der Kleriker jener Zeit ist es nun, daß gefade eine Muse zur Sprecherin wird und diese wohl von ihrer antiken Herkunft redet, sich aber sogleich mit Christlichkeit verbrämt. 1 ) Und es ist von Dümmler richtig hervorgehoben worden, daß uns der Dichter einen tiefen Blick in seine der Welt zwar abgestorbene, doch mit der Welt keineswegs unbekannte Seele tun last. Dann beginnt das eigentliche Thema mit der Überschrift Musae Carmen exortatorium ad sorores de contemptu mundi. Melpomene beginnt mit der Kürze und Vergänglichkeit des Lebens und sucht zu zeigen, daß man alles Glück im irdischen Leben verachten müsse. Die Welt ist voll von Elend, 2 ) und allen irdischen Gütern und Schätzen droht das Verderben. Alle irdische Gewalt und Macht ist vergänglich, wie das Beispiel vieler Könige und Kaiser aus der Geschichte der Vorzeit zeigt, zu denen aus der Gegenwart die Ungarnkönige Peter und Ovo gestellt werden. Weltliche Ehrenstellen bringen dem Inhaber nur Sorgen, und aller Ruhm und alles Lob dieser Welt ist eitel. Alle irdische Lust birgt Bitternis in sich, und fortwährend hat der Mensch den Tod zu fürchten. Wo sind jetzt die Großen der alten Welt, wo ist unser berühmter Karl? Indes der Tod des Leibes ist ja nicht zu fürchten, sondern der Tod der Seele, denn der Teufel bereitet dem Menschen Nachstellungen durch die Laster. Die Königin der Laster ist die Hoffart, die sieben Töchter aufgezogen hat, die sieben Hauptsünden. Diese 3 ) werden nun der Reihe nach in ihrem Werken vorgeführt und zwar im Anschluß an die Psychomachie des Prudentius. Bei der Luxuria verweilt die Muse am längsten und knüpft hieran Ausführungen über Priesterehen und über unrechtmäßige Laienehen (bis Vs. 1330). Dann spricht die Muse von der beschämenden Tatsache, daß die Heiden von den Christen durch die Zahl ihrer Sünden übertreffen werden, sowie von der Gewalt des Teufels über die sündhaften Menschen, die in ihrer Sünde wohl zeitliche Freude haben, bis ihnen der Tod diese benimmt und sie von Teufeln in die Hölle gezogen werden. Dort erleiden sie entsetzliche Qualen und zwar bis zum letzten Tage, da das Jüngste Gericht eintritt, wo die Sünder ihre ewige Strafe erhalten, die man als ihren zweiten Tod auffassen kann. Hierauf endet die Muse. Aber die Nonnen äußern ihre lebhafte Bestürzung darüber, daß das Leben des Menschen nur aus Elend und Übeln besteht, und sie bitten die Muse, ihnen aus dieser iVs. 67 Sumtertemarumunasororum ... I körperlich so unglückliche Hermann sagen. Idolatrae fatui numina vulgi Olim falsiloquis grata poetis, Nuiic tarn christicolac noseimur 2 ) Vgl. 559 Dolore matris nascinuir, Dolore parvi paseimur, Nutrimnr ac tenellulam Ac/imus dolendo infantiam. So konnte wohl der Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. 49 3 ) Vana glorla, invidia, ira, tristicia, ava- ricia, gula, luxuria sive libido. Vgl. hierzu Baxmann, Theol. Studien und Krit. 1869, 114 ff., wo aber der Hinweis auf Prudentius fehlt. 770 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Gefahr einen Ausweg zu zeigen, auf daß sie das ewige Leben gewönnen. Die Muse berichtet, daß sie auch von Hermann gebeten worden sei, ihnen in rhythmischen Gedichten den Weg des Heils zu zeigen. Sie sei aber jetzt durch das jambische Gedicht erschöpft und wolle sich ein wenig erholen um dann mit geändertem Rhythmus ihrem Wunsche nachzukommen. Damit schließt das Gedicht. Ich glaube nun allerdings nicht, daß auf die Worte rithmicis . . . odis (1712 f.) sehr viel Gewicht zu legen und daran zu denken ist, daß der zweite Teil etwa nur aus Rhythmen bestanden habe. Das schließt schon das bei Udalrich von Bamberg überlieferte Distichon x ) aus. Vielmehr wird auch hier an Polymetrie wie im ersten Teile zu denken sein, doch so vielleicht, daß nach kurzer Einleitung das eigentliche Gedicht De virtutibus erfolgte, das dann durch einen Epilog geschlossen wurde, an dem Hermann und die Nonnen teilnahmen. Das Gedicht De vitiis besteht aus zwanzig größeren oder kleineren Teilen, deren jeder in einem anderen Metrum gedichtet ist. Das Hauptvorbild für diese Polymetrie lieferte Boethius, aber auch Horaz ist z. B. für den lonicus a minore im 16. Metrum benutzt. Diese Vielseitigkeit bezeugt, daß Hermann gründliche metrische Studien gemacht hatte, und er weiß die einzelnen Versarten auch frei zu gebrauchen, indem er mancherlei Abwechslungen zuläßt. 2 ) Übrigens steht beim Eintritt eines jeden neuen Versmaßes dessen Namen und Zusammensetzung mit den zulässigen Freiheiten am Rande vermerkt, wie auch die Abschnitte des Hauptteils De contemptu mundi ihre Überschriften empfangen. Beides geht sicher auf Hermann selbst zurück, der dadurch den Leser über Versmaß und Inhalt unterrichten wollte. Dieser Gebrauch ist nicht so selten gewesen, wie die Gedichte Wandalberts erweisen, und die metrischen Anweisungen gehen in der Hauptsache auf die Bearbeitung der Boethiusmetra durch Lupus zurück. Einiges Seltsame weist die Form auf: namentlich gern gebraucht Hermann Archaismen, und es finden sich mehrere seltene Diminutive und auch sonst ungewöhnliche Worte. Griechisches findet sich zwar oft, aber eine solche Form wie Vs. 537 chüe für yjfaoi erweist ohne weiteres, daß Hermann diese Sprache nicht verstand; hingegen sind an drei Stellen deutsche Worte gebraucht. Sehr merkwürdig berührt es aber, daß Hermann seine antiken Metra mit durchgehendem Reim ausgestattet hat, so daß sich seine Verse hierdurch den volkstümlichen Rhythmen nähern. Und zwar hat er in den längeren Maßen den Reim der beiden Ver'shälften angewendet,, während sich bei der kürzeren den Endreim zeigt, der an manchen Stellen tiradenförmig auftritt. Hiatus ist fast stets vermieden und die Elision wird meist richtig angewendet. Trotzdem die Bibel natürlich öfters benutzt wird, geschieht ihrer nur an einer Stelle Erwähnung; sonst wird Terenz, Vergil und Horaz verwertet. Die Sprache ist übrigens meist klar und verständlich und zeigt nicht geringe Schulung im poetischen Ausdruck. Ver- J ) Jaf f e, Bibl. rerum Germanicarum 5,38 Hermannus Contractu.? in libro de virtutibus; Si non sufficiant tibi res, tu suffice rebus: Sufficiens fueris nil cupiendo magis. Vgl. auch Eccard, Corp. hist. med. aevi 2,6 N. XIX. 2 ) Zuweilen wird das Versmaß sehr frei gehandhabt, wie Vs. 375—411, wo die vier Versfüße sowohl Spondeus wie Anapäst wie* Daktylus sein können. Hermann von Reichenalt. 77 J faßt ist das Gedicht, da Vs. 625 die erste Entthronung König Peters von Ungarn und 626 der Tod des Königs Ovo angeführt wird, innerhalb der Jahre 1044 und 1046. Zeugnisse. Zur Ueberschrift und zur Subskription vgl. die Ausgabe von Dümmler, Ztschr. f. deutsches Altertum 13, 385 und 431. Die Schlußverse inssit ... ipse Cantare .. . nie amicus, Ut allicere ego rithmicis studerem Odis perennem vosmet ad solidem .. . ipsa namque ■Defessa eisdem de metris anhelo Iam iambicis nunc recreabo flatum Spirando paulum postque muto rithmum Et qaod petistis anxie studebo Pro viribus pio iuvante Christo Cantare vestri prompta caritati. Zur Sittlichkeit in den Nonnenklöstern vgl. Herimanni Chron. 1021 und 1051 sowie Berns Brief an Heinrich III (Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen 20, 202). Die Arbeit des Lupus über die Metra des Boethius steht bei P e i p e r p. XXV—XX Villi. Archaismen: mis. 3.7. 184. 1707. mi 7. psallier 15. cantarier 18. interfariernii. ollislb. 239. Seltne Worte homullus 154. homullulus 665.') agariens 668. 2 ) popeUulusQ '45. homuncuhcs 1246. 1364. baburrus 1371.') telleus 1624. Deutche Worte Hup 41. Heriman 197. speccum 1110. Zum Tiradenreim vgl. 42ff. 48ff. 703 ff. 715 ff. 767-774. 795 ff. 813-818. Unterlassene Elision 1326. 1423. Zur Bibel vgl. 1467 Nam Iacobns doemonicam Fidem hanc vocat vel mortuam (= Jak. 2, 20. 26). Aus Terenz stammt 92 attat (Andr. 125), 287 Demens nescieras, quod mera veritas Gignat sepe odinm (Andr. 68), aus Horaz 381 linguae verbere saevae (Carm. 3, 12, 3), 719 venena Thessala (Carm. 1, 27, 21 f.) und 1326 sponsas cum eins permolet (Sat. 1, 2, 34f.) sowie 47 die age (Carm 2, 11, 22), aus Vergil 5 Auribus haust (Aen. 4, 359), 17 Et mi maxima cura (Aen. 1, 678), 246 quae tibi tanta Fuit Wie causa morandi (Aen. 4, 51), 837 Hanc mille fallendi artibus (Aen. 7, 338). Zur Zeit der Abfassung vgl. Dümmler a. a. O. S. 432f. und Baxmann, Theol. Stud.u. Krit. 1869 S. 110 f. Einzige Handschrift Monac. 14689 s. XII (aus St. Emmeram) f. 25—37. Ausgabe von E. Dümmler, Ztschr. f. deutsch. Altertum 13, 385—431. Vgl. R. Baxmann, Theol. Stud. u. Krit. 1869 S. 103—118. Analyse des Inhalts bei Hansjakob a. a. O. S. 82-92. Wattenbach 2, 43 f. 2. Conflictus ovis et lini. Dies Gedicht wird vom Anon. Mellicensis dem Hermann beigelegt, während Hugo von Trimberg es ohne Namen des Verfassers anführt. E. Dümmler wies auf Flandern als auf das wahrscheinliche Entstehungsland hin, doch hat F. Keutgen unverkennbare Beziehungen des Gedichts zu Schwaben nachgewiesen. Und trotzdem meint H. Bloch es Hermann absprechen zu müssen. Es hat folgenden Inhalt. Der Dichter erzählt, daß er einst an einem Felde gestanden und an dem dort reifenden Flachs seine Freude gehabt habe. Da sei ein Streit ausgebrochen, und diesen wolle er wiedererzählen. Nämlich ein Schaf, das sich von der Herde entfernt hatte, bearbeitete das Feld in tollen Sprüngen mit seinen Füßen und legte sich dann zum Wiederkäuen nieder. Da fing der Flachs an zu reden und beschwerte sich über das Gebaren des Tieres. Das Schaf entgegnete, der Lein müsse doch froh sein, wenigstens dazu gebraucht zu werden, da er sonst keinen Nutzen habe. „Du hast dich durch deine Worte als dummes Tier erwiesen," erwiderte der Lein, „befreie mich von deinem Fell, das gar bald unter die Schere kommt." Darauf hält das Schaf dem Lein vor, wie viele und unangenehme Arbeiten er über sich ergehen lassen müsse, bis er dann endlich zur Flocke und zum Spiel der Winde werde. Der Lein wiederum sagt, daß erst durch viele Arbeit etwas zu erlangen sei, und führt dazu das Getreide, den Wein, die Bausteine und das Holz an. 4 ) Und wie viele Qualen müsse die Wolle erdulden, ehe sie vom Färber komme. Dagegen rühmt das Schaf von sich, daß seine Milch und der aus ihm bereitete Käse sowie die Butter dem ') Aus Priscian Inst. 3,34. 2 ) AusMartianus Cap. 1,2 (p. 1,22 Eyss.) 3 ) Isid. Et. 10, 71 (Placidi gl. 13,5). 4 ) Zuletzt Vs. 71 Vis pressura cruces tor- menta pericula mortes Praemia promeritas purificant animas. 49* 772 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Menschen außerordentlichen Nutzen bereiten. 1 ) Der Lein meint hierzu, daß die Welt auch ohne die Nahrung und Kleidung, die das Schaf biete, bestehen könne, aber ohne Leinwand könne kein Mensch sein. Und das Leinen trage der Mensch unmittelbar am Körper, während er seine Kleidung aus Wolle allem Wetter und der Kälte wie der Glut des Sommers aussetze; so könne sich der Lein den Herrn des Schafes nennen. Das Schaf macht hiergegen geltend, daß es allein unter den Tieren ein Vließ besitze und daß der Nutzen der Wolle außerordentlich groß sei; es zählt darauf eine ganze Reihe von Zubereitungsweisen der Wolle in den verschiedenen Ländern auf, wobei es auf Britannien, Gallien, 2 ) Flandern und Deutschland kommt, wo die rheinischen und schwäbischen Landschaften sowie besonders das Donaugebiet genannt werden. Der Lein wiederum ist stolz auf die eine Farbe des Linnens und rühmt dessen verschiedenartigen Gebrauch, 3 ) wobei am Ende des Zwirnes gedacht wird, mit dem die Stücke wollenen Stoffes vernäht und alle Risse in den Wollkleidern ausgebessert werden. Hierauf erwidert das Schaf, daß die Geistlichkeit nicht leinene, sondern wollene Unterkleider trage. Und wenn es keine Bücher gebe — zum Pergament wurde nämlich auch Schafleder zubereitet —,.so müsse die Kirche aufhören, und es würde dann weder Taufe noch Begräbnis, weder Bischöfe noch Papst, weder Synode noch kirchliche Stände geben. Und nur das Schaf trage dazu bei, 4 ) daß man von griechischer Wissenschaft, von Ägyptern und Assyriern und von der Geschichte seit Adam etwas wisse, daß man etwas davon erfahre, was Phöbus die Musen und was die Musen die Dichter lehren, und nach welchen Gesetzen die Sterne und der Himmel sich bewegen, ja was Gott selbst sei. Das alles wisse die Menschheit nur durch das Schaf, dem sogar die Geheimnisse Gottes bekannt seien. Und welche Freuden brächten die Därme des Schafes dem Menschen als Saiten! Denn die Musik vertreibt die Sorgen und sänftigt den Zorn und erleichtert das betrübte Herz. Und dabei ist nicht nur an Orpheus, Amphion, an die Musen und Phöbus und Arion zu denken, denn auch die Heiligen lieben die Musik, wie von dem bekannt ist, der den Goliath erschlug. 5 ) Der Lein zieht dies etwas ins Lächerliche, indem er fragt, ob etwa die Stimme des Schafes schön klinge. Außerdem sei das Fell von Kälbern und Böcken für das Pergament dienlicher, und man brauche nur in den Büchern Mosis zu lesen, um zu sehen, zu wie vielfachem Gebrauche Gott das Linnen fordere. Hieran schließt sich die Aufzählung der einzelnen linnenen Gewandstücke des jüdischen Priesters, wobei Isidor Et. 19, 21 stark benutzt wird. Aber das Schaf weiß die Vorschriften Gottes aus den Büchern Mosis auch für sich geltend zu machen und ergeht sich dann in langer Ausführung über die zehn ägyptischen Plagen nach Exod. 8 ff. und über das daran anknüpfende Osterlamm. Doch der Lein hebt die größere Heiligkeit des Neuen Bundes gegen das Alte Testament hervor und beruft sich schlagen von Polstermöbeln, zu Bettvorhängen und Zelten, zum Kopfputz für die Frauen und besonders zum Zwirn. 4 ) Nämlich vermittels des Pergaments. 5 ) Aehnlich Amarcius 1,439 Straverit ut r/r andern pastoris funda Goliath. *) Hier heißt es Vs. 121 Quas ovis et quales mundo ferat utilitates, Nostra nee enumerat Flandria, si cupiat. 2 ) 179 quam quondam reteres dixere co- matam nach Oros. 6, 7, 1. 3 ) Zum Handtuch und Tischtuch, zum Ein- Hermann von Reichenau. 773 auf die Wichtigkeit des Linnens in der bischöflichen Kleidung und bei der Taufe und führt auf das Leinen bezügliche kirchliche Gewohnheiten an. Das Schaf setzt dem das aus seiner Wolle gewebte Pallium als kostbarstes Stück bischöflicher Kleidung entgegen und macht auf die bei hohen Festen gebrauchten Prunkdecken und Vorhänge aufmerksam. Besonders aber spricht es vom Lamm der Apokalypse und bei dieser Gelegenheit .wird Apok. 5 in Verse umgesetzt. Der Abschnitt schließt mit dem Ruhm und Preis des Lammes, das für Gott erklärt wird, und das Schaf macht sich verbindlich, dem Lein Verzeihung für sein ruhmrediges Prahlen auszuwirken. Der Lein wiederum entgegnet, daß die hl. Schrift falsch ausgelegt werde, wenn man glaube, daß ein Lamm im Himmel sei, denn Gott könne doch unmöglich den Tieren das himmlische Reich eröffnet haben, das doch allein für die Menschen da sei. Christus habe sich zwar als ein Lamm bezeichnet, aber er habe doch kein Vließ getragen, ebenso wie er keine Schlange und kein Löwe sei, obwohl wir ihm beide vergleichen. Dann ergeht sich der Lein in breiten Ausführungen über die mystische Bedeutung des Blutes und Leibes Christi beim Abendmahl und scheint hierbei theologische Streitfragen der Zeit zu berühren, 1 ) um schließlich über die Wichtigkeit des Linnens für gottesdienstliche Handlungen zu sprechen. Da verläßt das Schaf das Flachsfeld mit dem Bemerken, daß es sich keineswegs für besiegt halte und führt ein Sprichwort an: Was das Schaf weiß, das schreibt die Feder des Vogels. 2 ) Schließlich rät der Lein, da beide Gegner den Streit nicht zum Austrag bringen können, die Entscheidung einem Mönche anzuvertrauen. Das Schaf aber will die Ruhe des heiligen Mannes nicht stören und rät, die Sache vor den König zu bringen, während der Lein bei der kirchlichen Entscheidung beharrt, da der Streit mystische Dinge berühre. Das Schaf meint, weder König noch Abt könnten die Frage lösen, da ihm der Hof und dem Lein das Kloster verdächtig sei; es schlage daher als Richter die Priester vor. Dieser Vorschlag wird vom Lein angenommen unter der Bedingung, daß man zuerst die Metropoliten befrage. Hiermit schließt das Gedicht, indem dem Leser überlassen bleibt, sich die priesterliche Entscheidung auszudenken. — Der Inhalt ist durchaus didaktisch, denn in den ersten Abschnitten wird über die verschiedene Zubereitung der Wolle und des Leinens sowie über den Gebrauch beider gehandelt, während in der zweiten Hälfte geistliches und biblisches Element überwiegt, biblische Stellen sogar in Verse umgesetzt werden. So hat das Gedicht für seine Zeit einen gewissen kulturhistorischen Wert. Das Ganze sieht wie ein Schulthema aus; freilich hat es die stattliche Länge von 335 Distichen und die poetische Form läßt erkennen, daß der Verfasser sowohl in der Metrik wie auch im poetischen Ausdruck geübt war. Das didaktische Element würde sich mit Hermann als Verfasser ganz gut vereinigen lassen, und die durchgängig gereimte Form der Distichen würde durchaus zu der ') Vs. 695 Bis tarnen in verbis ridet sa- pientia carnis Et divina suis subdere vult re- gulis. Dicunt 'quae ratio, quis in his depren- ditür ordo?' Ore volunt Uli claudere iura dei. 2 ) Nach der Lambacher Hs. gehören diese Worte dem Schafe an, vgl. Müllenbach, Comoediae elegiacae p. 43. Wortlaut: Quic- quid novit ovis, penna ministrat Ovis; ich beziehe diese Worte auf das Pergament und die Schreibfeder. 774 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Form passen, die wir von dem prächtigen Grabgedicht kennen, das Hermann seiner Mutter Hiltrudis gedichtet und zum Jahre 1052 in seine Chronik aufgenommen hat. 1 ) Bedenklich ist allerdings das Schweigen des Katalogs von ßleubeuern und der zwei erhaltenen Handschriften. So dürfte die wirkliche Entscheidung über die Autorschaft erst von einer gründlichen Untersuchung der Metrik und der Sprache abhängen. Zeugnisse. Zum Anon. Mellic. 91 p. 85 s. oben. Die Notiz bei Hugo von Trimber» (Reg. mult. auct. Vs. 865, ed. Huemer. Wiener SB. 116,185) heißt Adiciamus reliquis quendam hie libellum, Qui Uni simul et ovis continet duellum. In quo Jini dignitas pariter ac lane Metrico litigio denumeratur plane, es folgen Vs. 1—3. 2 ) Zu Dumm ler vgl. Ztschr. f. deutsch. Altertum 13, 434, zu H. Bloch, Neues Archiv 28, 789. W. Keutgen, Hansische Geschichtsblätter Bd. 9 (1902) S. 134 ff. führt mit Recht aus, daß sich doch nur Vs. 189—194 auf die flandrische Wollbereitung beziehen, 3 ) während die deutsche Vs. 195—208 dargestellt wird und hier Vs. 206 mit Keutgen vielleicht Hister amandc zu lesen ist; besonders wird hier Vs. 201—206 Schwabens gedacht. Dem steht allerdings Vs. 115 Flandria sollers und 122 nostra nee enumerat Flandria entgegen, wo zuerst von der Milchverwendung und dann vom Nutzen des Schafes im allgemeinen gesprochen wird. Bei der Aufzählung dessen, was man auf Pergament aufschreibt, könnte Vs. 298 ff. qnod dedit Aeggptus, quod docet Assyrius, Omnes postremo res gestas a patre primo ganz gut auf Hermann als Geschichtschreiber passen und Vs. 302 Quae ratio Stellas quaeve polos moveat auf Hermanns Beschäftigung mit astronomischen Dingen gehen. Vs. 300 Quod fuit ante chaos, seria sive iocos fasse ich als aus Genes. 1 und Ovid Met. 1, 1 ff. genommen. Benutzung der Apokalypse (4,4) schon Vs.319f. Zur Stimme des Schafes Vs. 323 ovium balatibus ipsis Quäle melos fiat, neseio quem lateat. Cum pastac redeunt, tremulo Stridore requirunt Quos lactenl foetus: quam placet ille sonus. Nicht recht verständlich ist mir am Schluß des Gedichts, was über die Priester gesagt wird 763 Quid sit mensa dei norunt, quid Sit pecus, ipsi, Oscula saepe mihi corde ferunt humili. Dinumerent ergo, quid agant sine munere nostro, Omnes si nostras tollimus exuvias. Soll hier auf die Habsucht der Priester angespielt werden? Zum kulturhistorischen Wert vgl. besonders Keutgen a. a. O. S. 134ff. Im Katalog von Blaubeuern s. XI heißt es (Becker 74, 88) Ma- crobius. ovis in Uno, wo die zweite Aufschrift sicher zu unserm Gedicht gehört. Ueber- lieferung im Lambac.,100 s. XII f. 12-22 und im Bruxell. 10046 s. XII. Ausgabe nach dieser letzten Hs. 4 ) von Ed. duMeril, Poes, popul. latines anter. au Xlle siecle (Paris 1843) S. 379—399 (unvollständig, nur bis Vs. 699), nach beiden Hss. von M.Haupt, Ztschr. f. deutsches Altertum 11, 215—237. Verbesseiungen hierzu von Wattenbach 2,44 n. 3 und bedeutende kritische Nachträge 5 ) aus der Lambacher Hs. von Muellenbach, Comoediae elegiacae p.42f.; wichtig ist daraus, daß Vs. 730—742 dem Schaf, 743—750 dem Lein, 751—756 dem Schaf, 757 f. dem Lein, 759—766 dem Schaf und 767 ff. dem Lein gehören, was bei Haupt unrichtig aufgefaßt ist. Eine neue kritische Ausgabe des Gedichts mit Kommentar wäre sehr zu erwünschen, da Haupt nur einige Isidorstellen vermerkte. 5. Musikalische Werke. 1. Musica. Hermann verfaßte, wie sein Abt Bern, eine Theorie der Musik, in der er sich von Boethius mehr emanzipierte als seine Vorgänger. Am Schlüsse seines Werkes, das weder Vorrede noch Widmung enthält, meint er, daß er den Tadlern, die alles ohne Wissen zu wissen glaubten, vielleicht zu wortreich gewesen sei. Aber die möchten verstehen, daß er die kleine Schrift nicht für sie als für die Gelehrten/') sondern für die Einfältigen, ihm ähnlichen, geschrieben habe, um sie da- ') Nämlich auch hier sind die Distichen | *) Vgl. Reiffenberg, Bulletin de l'acad. durchgehend gereimt, d.h. also stets die beiden | de Brux. 1842 S. 144. 223. Hälften des Hexameters und die des Penta- , 5 ) Ich bemerke außerdem, daß 96 famem meters. i zu lesen ist. Vs. 30. 60. 92 erscheint Ulterius In 3 liest Hugo 'positus', was des man- I nolimultiplicare loqui beinahe als Refrainvers 21 gelnden Reimes wegen falsch ist. Wenn das nicht ein Versehen Hugos ist, so war seine Hs. von den beiden erhaltenen verschieden. 3 ) Da die vlämische Weberei hier noch nicht auf der Höhe steht, weist Keutgen das Gedicht dem 11. Jahrhundert zu, welche Zeitbestimmung sich ja auch sonst ergibt. 6 ) Herjuianni Contracti Musica ed. W. Brambach(Leipz.l884)p.21,18»tf2>ojTov. 1073 Marianus Scotus, Chronicon. 1073 Annales Altahenses. 1073 Theoderich von Tholey, Vita Conradi martyris. 1075 Walo von St. Arnulf, Briefe. 1075 Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. 1075 Waifar von Salerno, Gedichte, Vita s. Seeundini, Vita s. Lucii papae et martyris. 1076 Guitmund von Aversa, De corporis et sanguinis Christi veritate in eucharistia. 1077 Wolfhelm von Brauweiler, Epistola de sacramento eucharistiae. 1088 Bernold von Konstanz, De Beringerii haeresiarchae damnatione multiplici. 1120 Gilo von Cluni, Vita Hugonis abbatis Cluniacensis. 1121 Hildehert von Le Mans, Vita Hugonis abbatis Cluniacensis. 1124 Rainald von Vezelay, Vita Hugonis abbatis Cluniacensis. Nachträge zum ersten Bande. 8.5 (Sprache). Vgl. Carl C. Rice, The Phonology of Gallic clerical Latin after the sixth Century. Harvard University, 1909. J. Pirson, Le Latin des formules melovingiennes et carolingiennes in Roman. Forschungen 26, 837—844. S. 7 (Vita Genovevae). C. Künstle, Vita Genovevae, Leipzig 1910, gibt den schlechten Auszug (C) wieder und setzt die Schrift ins 6. und nicht ins 8. Jahrhundert; er -wird daher von Br. Krusch, Neues Archiv36, 569 ff. (N. 225) scharf angegriffen. G. Kurth, Etüde crit. sur la vie de sainte Genevieve (Rev. d'hist. ecclesiastique), Louvain 1913, p. 5—80 erklärt sich für den von Krusch aufgestellten ältesten Text (A), läßt aber dennoch die Legende für eine glaubwürdige Quelle aus dem 18. Jahre nach dem Tode der Heiligen gelten, vgl. Krusch, Neues Archiv 39, 215 N. 26. S. 9 (Iren). Zur Bedeutung der Iren vgl. L. Gougaud, Revue d'hist. eccWs. 9,22 ff. und 255 ff. und Les Chr6tientes Celtiques, 1911. M. Esposito, A bibliography of the Latin writers of mediaeval Ireland, Studies 2, 495—509 (1913). S. 10 (Aileranus). Nach D. de Bruyne (Rev. Benedictine 29, 339 f.) ist der Ire Aileranus (f 664) der Verfasser des Gedichts Quam in primo speciosa. S. 13. H. van der Linden handelt Bull, de l'Acau. roy. de Belgique Cl. des lettres 1914 S. 163—187 über die kosmographischen Anschauungen Fergils von Salzburg in Epist. Bonifatii 80 (Briefe des hl. Bonifatius und Lullus S. 178 f.). — n. 4 (scriptwa tunsn) G. Gundermann (Beil. phil. Wochenschr. 1903, 1454 f.) sieht in dem von Petrus Diaconus geschriebenen Frontincodex das erste Beispiel der litt, tunsae. S. 21 (Akrostichis). Vgl. Graf bei Pauly-Wissowa 1.1205 ff. S. 25 f. Zu Boethius im MA. vgl. A. Graf, Roma nella memoria .. . del medio evo 2, 322 -367. S. 29 ff. (Boethius philos. Schriften). Vgl. im allgemeinen M. Grabmann, Gesch. d. scholast. Methode 1, 148 ff. Mc Kinley, Harvard Studies in Class. phil. 19,123—156. S. 29 n. 2 (Dialog zur Nachtzeit). C. Weyman (Berl. philol. Wochenschr. 1908,76) läßt die Anregung zur Einkleidung des Dialogs von Augustins Dialog De ordine ausgehen. S. 31 (Zu De divisione). Die Erklärung zu dieser Schrift von Albertus Magnus ist zum erstenmal herausgegeben in Alberti Magni commentar. in librum Boethii de divisione rec. P.M. de Loe, Bonn 1913. S. 31 (zurTopik) vgl. Boethiana vel Boethii commentariorum in Ciceronis Topica emendationes ex octo codicibus haustas ... composuit Th. Stangl, Gotha 1882. S. 32 (De definitionibus). Vgl. Tulliana et Mario-Victoriana von Th. Stangl (1887), dies ist die erste kritische Ausgabe des Liber de definitionibus. S. 32 (De consolatione). Vgl. G. Misch, Geschichte der Autobiographie 1,463 ff. S. 33 (De consolatione). Vgl. E. Urseolo, La theodicea di S. Boezio. Napoli 1910. Grammatische und stilistische Besprechung einzelner Stellen durch A. Engelbrecht, Wiener Studien39,22—28. Fr. Klingner, DeBoeth. consol.philosophiae, 1921; vgl. E. K.Rand, Americ. Journ. of Philol. 44, 86 f. — F. di Capua, Didaskaleion 3, 269 ff. (1915). S. 36 (Kommentare zu De disciplina scholarium) vgl. Paris. 16089 s. XIII. XIV f. 39—50- S. 36 (Cassiodor). P.Lehmann hat in seinen Cassiodorstudien, Philol.71, 278 ff. 73,253 ff. vortreffliche Beiträge zur Beurteilung und zur Chronologie der Schriften dieses bedeutenden Mannes geliefert. Er stellt zunächst fest, daß auf das saec. IX in Reichenau vorhandene Exemplar der Chronik unsre ganze Ueberlieferung zurückgeht. Abschriften davon sind der Paris. 4860 aus Mainz, benutzt von Marianus Scottus und den Disi- bodenberger Annalen, sowie Monac. 14613. Zu den Institutiones bemerkt er, daß in einigen Worten der Vorrede Junilius (nicht vor 551 herausgegeben) benutzt ist, und da ein Computus paschalis für 562, der in Cassiodors Umgebung entstand (Augiens. 171 f. 49b s . IX. Ambros. D. 17 inf. f. 52 von 1462. Paris. 2200 f. 70b s . IX. Wirzib. M. p. misc. F 5a f. 30b s . VIII), mit der Ueberlieferung des 2. Buches verbunden ist, so sind die Institutionen zwischen 551 und 562 verfaßt. Die Instit. div. litt, haben nur sehr wenig Einfluß auf die Handbücher des geistlichen Unterrichts ausgeübt, denn sie werden nicht von Hraban (De cleric. institutione) und von Notker Nachträge zum ersten Bande. 795 (Notatio) und auch nicht von Hugo von St. Victor (Libri VI erud. didascalicae) benutzt. Dagegen werden sie verwendet in einer Schrift im Vatic. 4955 s. XI f. 140—143 De expositoribus divinae legis et de auctoribus a Christianis perlegendis libri III (Auszug bei Migne76, 1421—1424). Die dort gegebenen Stücke über Octateuch, Regum, Psalter, Salomon, de agiographis, de evangeliis, de epistolis sind alle genommen aus Cass. Inst. div. litt. 1—9. 16 f. 22 f. 25. 30. 28; der Verfasser bietet aber auch eigene Ergänzungen. Da er Beda und Alchvine erwähnt, so mag er in karolingischer Zeit gelebt haben und zwar im Sophienkloster zu Benevent, woher die Hs. stammt. Ausgabe der Schrift Phil. 73,255—271. Vielleicht hieß der Verfasser Landulf, denn am Schluß der Hs. f. 209b -wird ein solcher erwähnt. — P. Lehmann handelt außerdem Philol. 72, 504—517 über die Abhängigkeit Isidors von Cassiodor. S. 41 (Handschriften der Variae). Die Stiftsbibliothek zu Linkjöping besitzt eine Hs. s. XII. B. Hägg, Linköpingshandskriften af Cassiodorus'Variae, Göteborg 1911. S. 42 (Hist. Gothica). Der Titel (nach Anecd. Hold. p. 4) ist wohl nach dem Titel der Germania des Tacitus (im Leidensis) formuliert, vgl. Schanz, Gesch. d. röm. Lit. II 2 , 2,226. S. 44 n.2. ZudenBibelhss.Cassiodorsvgl.S. Berger, Hist.delaVulgate S.302f. P. Corssen, Jahresber. über d. Fortschr. d. kla?s. Altertumswissenschaft 101, 56 f. S. 44 n. 3. Marcellinus ist Marcellinus Comes. S. 46 f. P.Lehmann zeigt Philol. 72, 503 f., daß fälschlich von verlorenen Schiiften Cas- siodors gesprochen ist. S. 48. Ueber die Bibliothek Cassiodors s. H. Leclercq im Dictionn. d'archeol. ehret, et de liturgie 2, 2359 ff. (1910); E. Beer im Anzeiger d. philos.-hist. Kl. der Wiener Akad. 1911 und in Monumenta palaeogr. Vindob. 2 (1913); G. Hörle, Frühmittelalterl. Mönchs- u. Klosterbildung in Italien (Presburg i. B. 1914) S. 11 ff. S. 50 (Commenta psalterii). Das Werk wurde im 11. Jahrhundert besonders benutzt von Bruno von Würzburg in der Expositio psalmorum. S. 50 (Complexiones). Das Werk heißt nach Stangl Complexiones in epistulis apostolorum et actibus apostolorum et apocalypsi. Zum Text und zur Sprache vgl. Stangl, Blätter f. d. Gymnasialschulwesen 34, 249 ff. u. 545 ff. Wochenschr. f. klass.Phil. 1915, 203—214. 228—240. Die Veroneser Hs. verglichen von Stangl, Wiener SB. 114,405 ff. S. 50. H. Erdbruegger, Cassiodorus unde etymologias in psalt. commentario prolatas petivisse putandus sit. Jena 1912. S. 51 (Hist. tripartita). Die Bedeutung des Werkes für die Textkritik Theodorets stellt fest L. Parmentier. Kirchengeschichte (Leipzig 1911) p. LI f. (Die griech. christl. Schriftsteller XIX). J. Bidez, La tradition manuscrite de Sozomene et la tripartite de Theodor le lecteur, Leipzig 1908. S. 51 (Iosephi antiquitates). Ueber das Werk hat C. Boysen eine Untersuchung in Aussicht gestellt, vgl. Corp. Script, eccl. Vind. 37, VI. S. 54. A.E. Anspach veröffentlicht Rhein. Mus. 67, 556 ff. eine kleine Erziehungsschrift Isidors „Institutiones diseiplinae" aus einer Pariser Hs. s. VIII. S.56 (De nat. rerum). Zum Basil. F. III. 15a vgl. A.Mace, Melanges Chatelain (1910) S. 383 ff. S. 57 (Braulio). Von ihm hatte man in Stablo 1105 (Gottlieb, Ueber mittelalt. Bibliotheken S. 286 N. 72) Braulion. super psalterium. Davon scheint nichts erhalten zu sein. S. 57. W. Smidt, Neues Archiv 44, 125 ff. (altes Hs.Fragment der Viri ill.). S. 60 (Isidor). Die gründlichste Uebersicht über die gesamte ältere Ueberlieferung Isidors außer den wenigen Hss. Spaniens gibt jetzt Ch.H. Beeson, Isidorstudien, München 1913. Dies Werk stellt in Regestform alle bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts kopierten Isidorhss. nach Ländern und Bibliotheken zusammen und zwar nicht nur die vollständigen, sondern auch die, welche Auszüge enthalten, wobei sich die Tatsache ergibt, daß die drei letzten Bücher der Etymologien in Exzerpten sich nicht vorfinden. Hieran schließt Beeson die hauptsächlichen handschriftlichen und literarischen Zeugnisse für die Benutzung Isidors im 7. und 8. Jahrhundert. Zuletzt gibt Beeson eine kritische Uebersicht über die Ueberlieferung der Versus Isidori titulis bibliothecae und veranstaltet eine treffliche Ausgabe des Gedichts, das er für Isidor festhält. Besonders interessant ist hierbei der Nachweis sehr starker Benutzung von Martials Gedichten. Außerdem weist Beeson nach (Classical Philology (1913) 8,93—98), daß Isidor den Paneayricus des Plinius auf Trajan benutzt hat. S. 63 (Medizin). O. Probst beschäftigt sich (Archiv f. Gesch. d. Medizin (1914) 8,24—38) mit Buch 4 der Etymologien und erweist, daß Isidor nur spätlateinische Uebevtragungen der griechisch-medizinischen Literatur und nicht diese selbst ausgebeutet hat, nämlich die Isagoge des Caelius Aurelianus, Cassius Felix de medicina und die Vorlage von Pseudo-Soranus Quaestiones medicinales. S. 63 (De libris et offieiis eccl.). Hier ist nachzutragen F. Wiegand, Die Stellung des apostol. Symbols im kirchl. Leben des Mittelalters 1,185 ff. A. Franz, Die Messe im deutschen Mittelalter S. 339 f. Archiv f. lat. Lexikographie 14, 482. 794 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. S. 64 (Quellen für Buch 14). Vgl. HansPh ilip p, Die historisch-geographischen Quellen in den Etymologiae Isidors, 2 Teile in Quellen u. Forsch, z. alt. Gesch. u.Geogr., hrsg. von W.Sieglin. S. 65 (Terenz). Trivialscholien aus halbbarbarischer Zeit sind gesammelt im Monac. 14420 (aus Verona). S. 66 (Hss. der Etymologiae). Guelf. Weissenburg. 64 ist s. VIII wohl zu Bobbio in norditalienischer Kursive geschrieben (vgl. Beeson, Isidorstudien S. 17 f.). Wichtig ist Caroliruh. Aug.LVlI s.VIII (norditalienische Buchschrift), vgl.Holder, Melanges Chate- lain S. 634ff. und Beeson S. 15. Matrit. 15,8 (Toletanus) s.VIII in westgotischer Schrift, hrsg. von R. Beer, Isidori Etymol. codex Tolet. nunc Matrit. phototypice editus (= Codd. graeci et latini tom. XIII). Ausgabe von W. M. Lindsay, Oxon. 1910. S. 68 (Libri differentiarum). Fragmente aus der alten Hs. von Bobbio (s. VIII) gab heraus A. Ratti in Miscellanea Ceriani (Mailand 1910) S. 789 ff. S. 69 (Versus in bibliotheca). Vgl. A. Riese, Rhein. Mus. 65,486 ff. und C.Weyman, Historisches Jahrbuch 32, 66ff. Außerdem das Buch von Ch. H. Beeson, Isidorstudien S. 135 — 166. — Zu Isidor überhaupt, besonders aber über die Quellen der Etymologiae vgl. A. Schmekel, Isidorus von Sevilla (1915), wo eine systematische Untersuchung über das Isidor vorliegende Material gegeben wird, aber der Verf. sich einer Hypothese wegen in künstliche Konstruktionen verliert. Er behauptet nämlich, den Origines liege ein großes System zugrunde, das sich über Buch 6—20 erstrecke; die Einleitung hierzu bildeten Buch 1—3 (über die Artes liberales), an die sich 4 (Medizin) und 5 (Jurisprudenz) leicht anschlössen. Buch 10 falle als lexikographische Arbeit aus dem Ganzen heraus. Das große System habe drei Hauptteile: 6—8 Theologie, Staatswissenschaft 9. 16. 17—20, Naturwissenschaft 11—14. 16. 17, 6 ff. Isidor habe für sein Werk eine große Grundlage benutzt und zwar für die Haupt- wie für die Untergliederung; diese Grundlage sei sprachlich-etymologischer Natur gewesen und nach sachlichen Gesichtspunkten geordnet. Und zwar sei der Verfasser dieses groß angelegten Werkes Sueton gewesen. — Hiergegen wendet sich nun in ausführlicher Darstellung P. Wessner (Isidor und Sueton. Hermes 52,200—292), indem er zunächst die auf Sueton wirklich zurückzuführenden Stellen bei Isidor ausscheidet und das ganze künstliche Gebäude Schmekels zerstört. Die von ihm in sorgsamer Untersuchung gewonnenen Resultate (S. 291 f.) sind folgende: Isidor hat seine Origines wie ein großes Mosaik zusammengestellt. Seine Quellen sind in der Hauptsache Kirchenväter, Schollen und Handbücher aus verschiedenen Gebieten. Er hat eine sehr große Sammlung von Auszügen unter bestimmten Stichworten angelegt, an die er sich in den kleineren Schriften mehrfach enger anschließt als in den Origines. Auszüge über denselben Gegenstand hat er besonders in den Origines gern ineinander- gearbeitet und dabei auch die Verwendung kleiner Teilchen nicht gescheut. Dadurch hat er seine Vorlagen verschleiert und seine Quellen hat er nur selten genannt, die am meisten benutzten in der Regel gar nicht. Zitate aus älteren Autoren hat er meist aus zweiter oder dritter Hand und zu ihnen gehören die Suetonzitate. Von Sueton hat er keine Schrift in Händen gehabt als vielleicht nur die Vitae Caesarum (wegen Orig. 9, 3, 17 = Suet. Aug. 53). Also nirgends darf man mit Hilfe Isidors suetonisches Gut nachweisen, wie Schmekel getan hat. Vgl. Wellmann in Berl. phil. Wochen- schr. 1916, 827 ff. S. 70 (Anhang zu Isidor). Hierher gehört das älteste mittelalterliche Gesprächsbüchlein, dessen Schlußhälfte E. Wölfflin, Monatsberichte d. kgl. Preufi. Akad. 1873 S. 116ff. herausgab. Ueber seinen Inhalt handelte M. Förster, Archiv f. Religionswissenschaft 11,477—529. Es ist herausgegeben von M.Förster, Romanische Forschungen 29,343 — 348 aus Schlettstad. 1093 ca. 700 f. 71a—78b (in Unziale) und aus Vatic. reg. 846 f. 106b—107» s. IX (unvollständig, reicht nur bis 34 Mitte; diese Hs. hat übrigens den Text nach dem Schriftlatein abkorrigiert). Das kleine Werk ist lautlich wie flexivisch durchaus in der Volkssprache geschrieben. Das späteste chronologische Datum steht 40 p. 348 Fuit autem ad principium mundi usque quod Langobardi in Ita.Ua praesiderunt VdCCLXX et II anni tempore Iustiniano imperatore, aber Isidor ist vielfach darin benutzt, wie M. Förster nachwies. Nämlich 29 Etym. 1,4, 1; 40 Chron. Isidori 402 (Auct. ant. 11, 476); 26 Et. 1,3,5; 39 Chron. 350 p. 469; 38 Chron. 326 p. 465; 13 Chron. 14 p. 428. 27 Chron. 74 p. 436. 28 Chron. 78 p. 437. Das ganze Werkchen ist aus der Bibel und aus Isidor zusammengesetzt, außer dem Teile, auf den M. Förster Archiv f. Religionswissensch. 11. 494—497 aufmerksam machte. S. 71 (Ceolfrid). In St. Oyan s. XI (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 386 N.95) besaß man von dem berühmten Abte (f 716) Item insignis epistola Teolfridi (!) abbatis de pascha. Dies ist der Brief an den Piktenkönig Naitan (Migne 89, 349—358), von Beda Hist. eccl. 5, 21 erhalten und nach C.Plummer (Baedae- opera historica 2, 332) sogar von Beda verfaßt. — Zu Beda vgl. J. Hoops, Reallexikon d. germ. Altertumskunde 1, 189 —203 (Straßburg 1911/13). Nachträge zum ersten Bande. 795 S. 72 (Ecgbert von York). Das Poenitentiale Ecberts besaß man in Würzburg s. IX (Becker 18, 41) Liber Ecberti archiepiscopi de poenitentia. S. 76 (Beda de orthographia). Manches in dieser Schrift stammt aus Fronto de nominum ver- borumque differentiis; der Montepess. 306 s. IX enthält einiges aus Frontos Werkchen. S. 79. De natura rerum und als zweites Buch De temporibus steht im Sangall. 248 s. IX p. 83, daselbst p. 183 die Chronik aus dem Lib. de ratione temporum. — Br. Krusch (Me- langes Chatelain p. 232—242) macht auf einen fränkischen Komputus vom Jahre 737 im Berol. Phillipp. 1831 s.VIII ex. aufmerksam. Der Komputist schließt sich als erster im Frankenreiche der dionysischen Aera an und verwirft die Osterrechnung des Victorius. Er geht dabei dieselben Wege wie Beda, dessen etwas älteres Werk er nicht kennt. Schluß des Komputus mit dem Todesjahr Theuderichs IV.; Krusch hat das Schriftchen abgedruckt. — Uebrigens steht im Sangall. 248 s. IX p.59—82 ein ganz anderer Komputus als in Bedae op. 1,169—214. S. 81. Die beiden Schriftchen De loquela digitorum und De ratione unciarum sind ebenfalls durch Byrhtferth kommentiert worden, vgl. Bedae op. ed. Basil. (1688) 1, 128 ff. und 1,142 f. Zu den naturwissenschaftlich-mathematischen Werken ist auch der Katalog von Fleury 1552 zu vergleichen und zwar (Notices et extraits 31, 1, 429) N. 61, p. 437 N. 254 und p. 439 N. 296. ;S. 83 (Kirchengeschichte). Zu beachten ist hier auch Sangall. 247 s. IX. ;S. 83 n. 1. Daß die alte Vita Gregorii von Beda nicht benutzt ist, wie H. Moretus meint, wird von W. Stuhlfath, Gregor I. der Große (Heidelberg 1913) S. 63—89 erwiesen; Beda wie der alte Biograph haben unabhängig voneinander mündliche Tradition aufgezeichnet. — Neue Ausgabe: The venerable Bede Ecclesiastical history of England, ed. A. M. Seelar, New York 1912. S. 86 (De locis sanctis). Eine Hs. s. XI ist in Namur (Seminar), vgl. G. Morin, Rev. Bened. 16, 210 f. (De die iudicii). Ausgabe von Dreves, Analecta hymnica 50, 96 ff. (Hymnus auf Aedilthryd). In der Fortsetzung der Virtutes Geretrudis c. 3 (MG. SS. rer. Merov. 2, 473, 2—6.10) wird der Hymnus Vs.27. 32. 38.49. 53. 33. 50 benutzt, vgl. v. Winterfeld, Neues Archiv 33, 558 f. — Der Rhythmus Annus solis continetur, der ohne Grund Beda zugeschrieben wird, steht in der Hs. der Augsburger Stadtbibl. 8 s. XII f. 101 *>, vgl. Strecker, Neues Archiv 36, 319. 321. — Die Oratio Bedae ad deum hat Willi. Meyer, (Göttinger Nachr. 1912 S. 228—235) zum ersten Male aus 13 Hexametern und aus der gleichen Zahl Pentameter im Aurelian. 184 s. X richtig zu Distichen zusammengestellt und sie im Zusammenhang mit weiteren ähnlichen Gebeten an Gott besprochen. S. 86. P. Lehmann, Die Veröffentl. v. Bedas Psalmengedichten, Zs. f. kath. Theol. 34, 89 ff. S. 87 (Beda). Zur ursprünglichen Sammlung derEvangelienhomilien vgl. G. Morin, Rev. Benedict. 9,316 ff. Ueber das Epistelhomiliar (fehlt bei Giles und bei Migne) s.J. Schlecht, Doctrina XII apostolorum, Freibuig 1901, S. VI ff. — Mit dem Wert und der Echtheit des Liber quaestionum (Migne93,455 ff.) beschäftigt sich P.Lehmann,Münch.SB.1919 Abh. IV. — Von Beda stammen die Excerpta ex commentario Hieronymi in Iesaiam im Sangall. 254 s. IX p. 2—252, der Autor wird nämlich genannt in Bedas eignem Schriftenausweis im Sangall. 247 p. 301 col. 1 (unten); kurze metrische Einleitung zu dem Werke gedruckt bei Gerbert, Iter Alemannicum ed.2 p.109. — Anhangsweise sei hier genannt das Werk eines Eadbert in St. Gallen s. IX (Becker 22, 240) Collectio Eadberti de diversis opusculis sanctorum palrum vol. I. ■S. 89. Von Traubes Ueberlieferungsgeschichte der Regula Benedicti ist eine zweite Auflage in den Abh. d. bayer. Akad. 3. Klasse Bd. 25 Heft 2 erschienen, ebenfalls von der Ausgabe von Edm. Schmidt, Regensburg 1911. M.Rothenhäusler handelt in Studien u. Mitteil. z. Gesch. des Benediktinerordens 38,1 — 17 über Anlage und Quellen der Regula Benedicti und gibt daselbst 39, 167—170 eine systematische Darstellung über das Werk. S. 90. Zu Benedikt vgl. Cl. Blume, Der Kursus S. Benedictini Nursini und die liturgischen Hymnen des 6. bis 9. Jahrhunderts, Leipzig 1908. — Daß Bened. regula 4 auf eine Spruchsammlung zurückgeht, leugnet E.C.Butler, Journ. of Theolog. Studies 12, 261 ff. — Sallustianisch ist in der Regel auch die Verbindung malus vel (et) pi-avus, vgl. C. Weyman, Hist. Jahrbuch 32,339 (vgl. Plin. epist. 3, 9, 32 und Archiv f. lat. Lexikographie 15, 212). Erklärungen zur Regula schrieben z. B. Bernardus Ayglerius, Edmer Prior, Hildemar von Civate, Hugo de S.Victore, Johannes Slitpacher, Johannes de Turrecremata (beide im Monac. 18148 s. XV), Johannes Keck (Autograph im Monac. 18150 s. XV), Paulus diaconus, Petrus Boerius (im Monac. 18151 s. XV), Smaragdus von St.Mihiel. — Ueber wirtschaftliche Anschauungen in der Regula handelt A. Werming- hoff, Historische Aufsätze Karl Zeumer dargebracht, Weimar 1910. Ausgabe von B. Linderbauer, Metten 1922. S. 90. Zu Benedikt vgl. H. Schrörs, Zs. f. kath. Theol. 45, 169 ff. S. 92ff. (Leben Gregors). W. Stuhlfath, Gregor I. der Große. Sein Leben bis zu seiner Wahl zum Papste, Heidelberg 1913, beschäftigt sich S. 63—89 mit den ältesten Lebens- 796 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. beschreibungen Gregors, nämlich der von Ewald behandelten Vita aus Witby, dem Abschnitt Bedas (2, 1), den Schriften des Paulus diaconus und Johannes diaconus und der interpolierten Paulusvita. Alle diese Leben treten aber gegen die Briefe und die übrigen Geschichtsquellen durchaus zurück; vgl. zu dieser Schrift F. Schneider Hist. Zeitschr. 118, 507—510. S. 93 (Augustin von St. Andreas). Der Paris. 3437 s.XIII f. 50 enthält Interrogationes Augustini minoris ad beatum Gregorium; sie sind mehrfach gedruckt. S. 96 (zum Briefe an Desider von Vienne). Vgl. Th. Zielinski, Cicero im Wandel der Jahrhunderte 2 S.448. S. 98 (Paterius). Von ihm hatte man in Fleury 1552 (Notices et Extr. 31, 1, 434) N. 193 Paterius in genesim cuius initium est: Incipit prologus sancti Eleuiherii. S. 100. Zu Lathcen und seiner Egloga vgl. L. Gougaud, Revue celtique 1909 S. 37 ff. M. Esposito, Hermathena 17, 104 ff. (1913); für die Zeitbestimmung dieses Iren ist wichtig, daß er (Esposito p. 106) das Werk Isidors De ortu et obitu patrum benutzt. Uebrigens gehört Becker N. 15 nicht nach Konstanz, sondern nach P. Lehmann nach Reichenau. — (Adalbertus diaconus). Er schrieb nach 968 und starb 980. Sein Werk steht unvollständig in der Hs. Genf lat. 20 s. XII (= Petavianus 246) f. 1 Incipit prologus Adalberti levite ad Hairmannum presbäerum. Vorrede gedruckt bei Martene et Durand, Thesaurus nov. anecdotorum 1, 84 f. = Migne 136, 1310. S. 103 (Dialogi). Adso von Montier-en-Der hat das 2. Buch in Verse gebracht, vgl. Miracula s. Bercharii 11 (M a b i 11 o n, Acta SS. 2,814). Die altfranzösische Uebersetzung der Dialoge gab heraus Wend. Förster, Li dialoge Gregoire lo Pape, Halle 1876. Eine italienische Uebersetzung fand sich in Pavia 1426 (Indagini storiche etc. 2, 29) N. 310 Qregorii dialogus in vulgari. Incipit Questo libro, et finitur in secuta seculorum. amen. S. 105 (Liber reg. pastoralis). Zum Trecensis 504 vgl. A. Ernout, Mel. Chatelain (1910) p. 83-91. S. 106 (Hymnen Gregors). Gegen die Autorschaft ist M. Dreves, Theo]. Quartalschrift 89, 548—562, dafür ist C. Blume, Stimmen aus Maria Laach 74, 269—278 (1908). S. 107 (Irischer Literaturkreis). Vg). L. Gougaud. The Irish theological Quarterly4, 57ff. und Mario Esposito, Hermathena Bd. 14—16 (Notes on mediaeval Hiberno-latin and Hiberno-french literature), s. zu S. 9. S. 108. Uebersetzung' der Abusiva von Aelfric in den Passiones sanctorum in der 3. Homilie des Anhangs, vgl. E. Dietrich, Ztschr. f. hist. Theologie 25,518 und R. Wülker, Grundriß z. Gesch. d. angels. Lit. S.464. Erwähnung der Abusiva in Limoges s. XIII (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 503) N. 282 Duodecim abusiones und s. XII in Heiligenkreuz (Mittelalt. Bibliothekskataloge Oesterreichs hrsg. von Th. Gottlteb 1,21 N.32 et quedam abusiva seculi. Varianten aus einem Cracoviensis von J. Säidak, Stromata in honorem Casimiri Morawski (Krakau) 1908 S. 1 —11. S. 113 (Martinus de trinitate). Monac. 6326 enthält das unter dem Titel S.Martini (Turonen- sis) trinae unitatis et unius trinitatis confessio bei Migne 18,11 ff. gedruckte Stück und den wohl noch ungedruckten Bericht über ein vom hl. Martin bewirktes Wunder. S. 113. Als Anhang zu Martinus ist zu bemerken, daß im Berol.493 s. XV f.324-326 das Werk eines Spaniers Valerius steht De novae vitae institutione (Migne 87, 457), zusammengearbeitet und erweitert mit der Norma vivendi des Isidor (Migne 83,1247) mit einem besonders christlichen Schluß über die Vita contemplativa in Fasten und Gebet. Dies Werk wird gewöhnlich dem Isidor beigelegt, vgl.Florez bei Migne 87,419, Ueberschrift im Berol.493 Ysidorus de institucione laudabilis vite sive de norma vivendi. S. 113. Es fehlt hier (und bei Migne 72) die Epistola ad Bonifacium episcopum de trina mersione, hrsg. von Florez, Espaiia sagrada 15, 422 ff. S. 122 (Terrentius grammaticus). Dieser ist wohl derselbe, der im Einsidl. 32 s. X — XI vor einigen Glossen zur Synonymik genannt wird (Teuffei 5 §352,2). Zu Virgilius vgl. M. Esposito in Hermathena N. 36. S. 122 (Cicero grammaticus). Vielleicht ist es derselbe Cicero, der im Glossar des Vatic. 1469 begegnet, vgl. Götz, Corp. gloss. lat. 5,521,48 Eresim Cicero sine aspiratione scribi debere aü. S. 131 (Grammatik). Vgl. Funaioli. Rivista di filologia 39,42ff. (1911). S. 131. W.M.Lindsay, Julian of Toledo, De vitiis et flguris, Oxon. 1922 (St. Andrews Uni- versity publications N. 15), kritische erste Ausgabe nach den Hss. von Erfurt, Bern, Gotha und Rom. Enthält 116 kleine Abschnitte. S. 132 (Theologische Schriften). Die verloren geglaubte Schrift De remediis blasphemiae ist bei Migne 96,1379 ff. gedruckt; vgl. dazu G.Morin, Rev. Benedictine 24, 407 ff. S. 133 (Glossare). Vgl. J. Stalzer, Zu den Reichenauer Glossen, Graz 1908. — J.H.Hessels, A late eighth Century Latin Anglo-Saxon Glossary, Cambridge 1906. S. 133 n.l. Zu den Bemerkungen von G. Goetz (vgl. jetzt auch Pauly-Wissowa 7,1448) gab Nachträge L.Traube, Berliner philol. Wochenschrift 1892 Sp. 175 ff. S. 134 (Aldhelm). Vgl. G. F. Browne, Aldhelm, London 1902. Nachträge zum ersten Bande. 797 S. 134 (Theodor). In Lorsch s. IX besaß man von ihm (Becker 37, 159) et symbolum guod composuit Theodorus archiepiscopus Britanniae insulae. Sein Poenitentiale wird genannt von Hermannus Contractus im Chron.690 Theodorus .. . qui inter alia bona librum poenüentialem magna discretione conscripsit. Hiernach hat der Anon. Mellic. 27 ed. Bttlinger S. 58) seinen Bericht über Theodor gefaßt. S. 134 (Hadrian). Auf ein Schriftstück, das Abt Hadrian von Nisida (bei Neapel) 668 mit nach England brachte, gehen höchstwahrscheinlich zwei Stücke zurück, die Edm. Bishop aus Mus. Biit. Cotton Nero D IV und Mus. Brit. Reg. L. B. VII (beide s. VII) in der Rev. Benedictine 1892 'La liturgie de Naples au temps de St. Gregoire' veröffentlichte. S. 136. L. Duchesne hat in den metrischen Inschriften Aldhelms für die Altäre der zwölf Apostel Benutzung der unter dem Namen des Abdias gehenden und im Mittelalter sehr verbreiteten Sammlung apokrypher Apostelgeschichten nachgewiesen, vgl. Th. Schermann , Texte u. Unters. 31, 3, 171 und 220. S. 136 (Rätsel). Die neue Ausgabe Aldhelms von R. Ehwald (MG. Auct. ant. 15) bietet zum ersten Male die Rätsel in der Anordnung, wie sie in den Hss. steht; wichtig ist in der neuen Ausgabe die Benutzung der Hss. Augiens. LXXXV u.Valentian.376 u. 378. S. 138 n. 3. Ueber die Jungfräulichkeit handelte vor Aldhelm auch Damasus versu prosaque und A. hat das verlorene Werk des Damasus wohl benutzt, wenigstens sind dessen Epigramme .von ihm verweitet, vgl. Rev. d'hist. et. de litt, rölig. 1. 73. Doppelte Behandlung in Versen und Prosa findet sich bei Sedulius, Beda und Thiofrid von Echter- nach (vgl. Ed. Roßberg p.VIII). S. 140 (De virginitate). Die neue Ausgabe Ehwalds beruht für die Prosa besonders auf Wircib. M. th. f. 21, für das Gedicht namentlich auf Gothanus I 75. Vom Gedichte wurden Vs. 842 —880 (über Benedikt) und 2024—2050 (über Scholastica) von Aimoin ganz aufgenommen in dessen Sermo de sancto Benedicto (Migne 139,866—868). S. 141 (Aethilwald). Als Anhang erscheinen bei Ehwald p.519—537 auch diese rhythmischen Gedichte in vortrefflicher neuer Ausgabe und mit ausgezeichneter Erklärung. S. 142 ff. Zum Leben des Bonifatius vgl. Schnürer, Hist. Jahrbuch 31, 851 und H. Böhmer, Ztschr. d. Vereins f. hess. Geschichte 50, 171—215. M. Tangl, Bonifatiusfiagen in Ab- handl. d. Berl. Akademie phil.-hist. Kl. 1919 N. 2. S. 147. Daß Bonifaz die Itala kennt, ergibt sich aus mehreren Briefen, vgl. Epist. 78 (MG. Epist. 3, 352. 17 und 353. 27) und Epist. 80 (p. 358, 2 ff.). S. 151 (Akrosticha zu den Rätseln). Aehnlich später bei Arnulf in der Deliciae cleri 761—784.— Zu den Versen des Bonifaz von Nithard (MG. PL. 1, 18) fordert M.R.James eine Umstellung, Engl. hist. rev. 29, 94. S. 152. Zu den Predigten von Bonifaz vgl. Schlecht, Doctrina XII apostolorum (Freiburg 1901) S. 75ff.; dort S. 124ff. Ausgabe der 15. Predigt mit dem Titel Admonitio s. Petri sive praedictio s. Bonifatii (vgl. hierzu Bardenhe wer, Theol. Revue 1902 N. 3 Sp. 87) aus Monac. 6254. S. 155 (De resurrectionemortuorum). Vs. 185 solusagios sanctusque deus ist vielleicht gallisches Symptom nach A. Harnack, Texte und Untersuchungen, N. P. IV, 3b. 28 (1899). S. 159 (Hymnus lorica). Er gehört dem Gildas nicht an, vgl. K. Strecker, PL. 4. 618. Ausgabe von C.Blume, Analectahymnica 51,358 ff. (1908). Hs. in Cambridge, s. R. Thurn- eysen, Ztschr. für deutsche Philol.28.111. S. 161 (Hymnar von Bangor). Ausgabe bei Blume, Anal, hymnica 51, 259 ff. — N. 1 gehört nach W. Meyer (Göttinger Nachrichten 1909. 423) dem Hilarius von Poitiers nicht an. S. 162. Ueber den Hymnus des Secundinus auf den hl. Patricius vgl. J. B. Bury. The life of St.Patrik and his place in the history (London 1905) S. 117 f. 246 T. S. 166 (Sprache Arators). Zu Vergil vgl. J. Schrödinger, Das Epos des Arator De actibus apostolorum in seinem Verhältnis zu Vergil, Weiden 1911. S. 167 (zu Accessus ad poetas). Vgl. G. Przychocki, Anz. d. Akad. d.Wiss. zu Krakau. Philos.-hist. Kl. 1910 N. 7/8 S. 96 f. — Neue Ausgabe des Epos mit Einleitung über Arators Leben, seinen Stil und sein Gedicht von G. L. Perugi, Aratore. Contributo allo studio della letteratura latina nel medio evo, Venezia 1909. S. 172. Zu Fortunat vgl. R. Koebner, Venantius Fortunatus, seine Persönlichkeit und seine Stellung in d. geistigen Kultur des Merowingerreicb.es (Beitr. z. Kulturgesch. des Mittelalters u. d. Renaissance Bd. 22). S- 175 (zuEpithalamium). Besprechung der früheren Formen dieser Dichtart von C. Morelli, Studi Italiani di filologia classica 18,398 ff. S. 175 f. A. Meneghetti, La latinita di Venanzio Fortunato, Turin 1917. S. 179 (zum Leid. Voss. Q 12). Einige Glossen aus dieser Hs. bei L. Delisle, Literature latine et hist. du moyen äge (Paris 1890) S. 4 f. — Zur Textkritik E. Rey, Rev. de philol. 31, 190—198 (1907). S. 180 (zu den Heiligenleben). Vgl. C. A.Bernoulli, Die Heiligenleben der Merowinger (1900) S. 75 ff. 798 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. S. 180. H. Brewer macht sehr wahrscheinlich, daß die von Mone aus einem Reichenauer Palimpsest gedruckten Messen von Fortunat stammen, vgl. Zs. f. kath. Theol. 42, 693 ff. S. 181 (Hymnus auf Poitiers). Ausgabe der Hymnen von Dreves, Analecta hymnica 50, 77 ff. S. 182 (Ionae vita Columbani). Handausgabe von Br. Krusch, Hannover 1905. —Jonas war Abt eines gallischen Klosters, aber nicht zu St. Amand (und auch nicht in Bobbio). Zur Vita Iohannis Reomaensis weist F. Stob er (Wiener SB. 109, 319—398) nach, daß Paris. 11748 das ursprüngliche Werk (aber nicht vollständig erhalten) darbietet. Mabillons Text ist Ueberarbeitung und der Text in Acta SS. Ian. 2, 854 ist nur eine spätere zweite Ueberarbeitung. — Die Vita Columbani (mit Vita Hilarii Fortunats, Re- migii Hincmars, Galli Walahfrids) findet sich in der großen Hs. von Heiligenleben Volterra 6775—6777 s. XII und XIII. S. 184 (Kenntnis Vergils). Eine Vita Vergilii, von einem Iren geschrieben, steht im Cod XXVd/65 s. VIII—IX des Klosters St.Paul in Kärnten, vgl. M. Petschenig, Wiener Studien 4,168. Neueste Ausgabe bei J. Brummer, Vitae Vergilianae p. 54 f. (Leipzig 1912). S. 185 (Praecepta vivendi). Das Gedicht gehört nach A.Streib, MünchenerMuseum 2,343—364 nicht dem Columban, sondern ist von Alchvine verfaßt. Zu Columban s. Laux, Job.. Jos., der hl. Kolumban, Freiburg 1919; G. Metlage, The life and writings of Saint Columban, Philadelphia 1914. S. 188 (Gedicht Sisebuts). Bekanntschaft mit älterer Literatur in Vs. 55 {vagans errore rato) vgl. C. Weyman, Compte rendu du quatr. congr. scientif. internat. des cathol. (Freiburg i. d. Schweiz) 1898. VI (Sciences philol.), S. 147 f. — Neue Ausgabe bei Riese Anth. lat. 2 N. 483. S. 189 (Exhortatio poenitendi). Neue Ausgabe mit Benutzung des Andecavensis 275 von K.Strecker, MG. PL. 4,762—768. (Lamentum poenitentiae). Mit Benutzung von c __ \q Andecav. 275, Monza capit. ——— s. IX, Oxon. Laud 508 s. XII und Scorial. b. III. 14 s. XVI neu herausgegeben von K.Strecker, MG. PL. 4,771—783. S. 192 (Berner Rätsel). Zur Metrik vgl. J. Cornu, Wiener SB. 159, III S. 69 ff. Neue Ausgabe von K.Strecker, MG. PL. 4,732—759. S. 195 (Ausgabe des Dracontius). Ausführlich handelt hierüber inhaltlich, sprachlich und metrisch das Programm von K. Reinwald, Die Ausgabe des ersten Buches der Laudes dei und der Satisfactio des Dracontius durch Eugenius von Toledo. Speyer 1913. S. 199 (Stefanus magister). Neu herausgegeben von K. Strecker, MG. PL. 4,728—731. S. 201 (Versus de sex etatibus mundi). Neue Ausgabe von K. Strecker, MG. PL. 4,559—564. S. 201 (Versus de Asia). K. Strecker ist in seiner neuen Ausgabe (MG. PL. 4,549—559) der Ansicht von K. Pertz wieder beigetreten, die Hss. ]'zugrunde zu legen und die in Y fehlenden Strophen aus der Handschriftenklasse X zu ergänzen. Vgl. Krusch, Neues Archiv 35, 318. S. 209 (Gildas). Zur Vita Winwaloei vgl. C. de Smedt, Anal. Bollandiana 7,175 (legat sanctum Gildam etc.). A.O.Anderson legt Celtic Review 8,149—165 dar, daß die Worte De excidio 32 (Auct. ant. 13,44) aurigaque currns receptaculi Ursi, mit denen Cune- glasus angeredet wird, unter der Bedeutung Arcturus auf König Arthur gehen können; vielleicht hieß Arthur danach Arturus Cuneglasus. — Gildae oratio (Vs. 12 verbessert von G. Weyman, Münchner Museum 2, 3, 334 ff.) ist neu herausgegeben mit umfänglichem Kommentar und mit andern Reisegebeten von W. Meyer, Göttinger Nachrichten 1912,48—108 und von K.Strecker, MG. PL. 4. 618f. S. 210. Zu den komputistischen Kenntnissen der Iren macht G. Schepss (Die ältesten Evangelienhandschriften der Würzburger Universitätsbibliothek, Würzburg 1887, S. 27) aufmerksam auf die Worte im Wircib. M. th. f. 61 s. IX f. 29 des eingehefteten Kommentars Mosinu Macumin scriba et abbas Benncuir primus Hebernensium com- potem (= computum) a Greco quodam sapiente memorialiter dedicit. Deinde Mocuoros Maccumhi Semon, quem Bomani doctorem. totius mundi nominabant, alumnusque praefati scribae in insola, quae dicitur Crannach Duinlethglaisse, haue scientiam literis fixit, ne memoria laberetur; Mosinu Mac Cumin war Schreiber und Abt zu Bangor und starb 610; vgl. Zimmer, Pelagius in Irland S. 5 und Preuß. Jahrb. 59, 28. S. 212. A. Kappelmacher bestreitet Wiener Studien 36 (1914) 185 ff., daß Jordanis Bischof gewesen ist. Engl. Jordanisübersetzung von C. C. Mierow, Princeton 1908. S. 214. M. Besson, L'art barbare dans l'ancien diocese de Lausanne (Lausanne 1909) berichtet über ein halbes Blatt aus den Getica des Jordanis s. VIII — IX 1 in fuldischer Schrift geschrieben; er sieht darin einen Rest des im Heidelb.921 fehlenden Schlusses. S. 216 (Victor Tonnennensis). Vgl. F. Görres, Theo!. Studien und Kritiken 1895, 103 ff. S. 217. Zu Gregor von Tours vgl. S. Hellmann, HistorischeZeitschr. 107 Heft I. — Ueber das religiöse Leben in Lyon zur Zeit Gregors vgl. Coville, L'ev§que Nizier et Gregoire Nachträge zum ersten Bande. 799 de Tours ä L3'on, Lyon 1907. Ueber die klassische Bildung Gregors vgl. P. d'Herou- ville, Etudes des peres de la compagnie de Jesus 126, 787—804. V. F. Büchner, Merowingica, Amstelod. 1913, liefert einiges für die Kritik von Fortunat und Gregor von Tours. Zu Glor. mart. Vorrede (Krusch p. 488 n. 7) ist an Claudian De raptu Proserpinae zu denken und der Verweis auf Ovid zu streichen. S. 219. Zur Passion der Siebenschläfer vgl. M. Huber, Die Wanderlegende v. d. Siebenschläfern (1910) S. 59 ff. und 571. S. 219 ff. Neue Ausgabe der Siebenschläferlegenden von Krusch, MG.SS. rer.Merov.7,757ff., der Libri VIII miraculorum daselbst 707—756, der Schrift De cursu stellarum daselbst S. 770 ff. S. 221. Die Uebersetzung der Hist. Francorum von W. v. Giesebrecht ist in 4. Auflage erschienen von S. Hellmann, Zehn Bücher fränkischer Geschichte. Neue Ausgabe der Hist. Franc, von R. Poupardin. S. 223 (Heiligenleben Gregors). Hierzu vgl. Bern oulli, Die Heiligen der Merowinger S. 88. DerHagensisMeerm.-Westrenian. 10 s. IX enthält f. 1 —19 dieVirtutes luliani (Krusch 1,562—584), f. 19—43 dieVirtutes Martini bis 2,31 (Krusch p. 620,15). Zu Taurin. A 216 s. X vgl. Studij romanzi pubblicati della soc. filol. Romana a cura di E. Monaci N. 6 p. 177 ff. S. 225 (Trojanersage). Vgl. O. Dippe, Die fränkische Trojanersage, Vvandsbeck 1896. F. Pfister, Reliquienkult im Altertum 1, 145 und Wochenschr. f. kl. Philol. 1911 Sp. 333 f. S. 226 (Erläuterungen zu Fredegar). Vgl. F. Lot, Revue historique 115,305—337. S. 227 (Dritte Fortsetzung Fredegars). Sie wird mit dem Liber historiae Francorum und den Annales Laurissenses maiores von Ademar von Chabannes in der Chronik benutzt. S.229 ff. Br. Krusch meint (MG.SS. rer.Merov. 7, 517), data Aethicus Ister im frühen 8. Jahrhundert geschrieben hat. S. 234. Zur Erhaltung des Aethicus in einem Korpus vgl. R. Neher, Der Anon. de rebus bel- licis S. 10—14. S. 236. Der Hymnus Dens a quo facta fuit (Ztschr. f. deutsches Altertum 22, 426) steht im Matrit. 16 A und wird von Neff (Die Gedichte d. Paulus Diaconus S. 7 ff.) als Vorlage des Rhythmus von Paulus A principio saeculorum angesehen. Dies wird von K.Strecker (Neues Archiv 36, 336—342) bestritten, der überdies S. 342 darlegt, daß der Dichter jenes Hymnus wohl ein älterer Zeitgenosse Adamnans war. Neue Ausgabe von Strecker, PL. 4, 695 ff.; dort p. 697 n. 15,1 die Angabe, daß der Dichter nicht lange nach 647 tätig gewesen ist. S. 238. De locis sanctis ist übersetzt v. P. Mickley, Eines Pilgers Reise nach dem heil. Land. Zur Visio Adamnani vgl. C. Boswell, An irish precursor of Dante, London 1908. Die Schrift bietet eine englische Uebersetzung der Vision, ein Leben Adamnans und eine literarische Studie. S. 239 (Vita Columhae). Br. Albers untersucht (Studien und Mitteil. z. Gesch. d. Benediktinerordens 33. N. F. 2, 405—420) das Verhältnis der großen von Adamnan verfaßten Vita Columbae zu der kleineren Vita, in der man meist die von Adamnan 3,5 angeführte Schrift seines Vorgängers Cummeneus de virtutibus s. Columbae sieht und darin eine Hauptquelle Adamnans zu erkennen glaubt. Albers stellt fest, daß die Schrift des Cummeneus verschollen ist und daß die sonst ihm zugeschriebene Vita keine Quelle oder ältere Fassung Adamnans darstellt, sondern einen Auszug aus dessen Werk bedeutet. — (Vergilkommentar). Vgl. C. Barwick, De Iunio Philargyrio Vergilii inter- prete und Deutsche Literaturzeitung 1911, 487 f.: vgl. außerdem Funaioli bei Pauly- Wissowa 7, 857 f. s. v. Gaüdentius 1). Ueber die Vita Columbae und ihre Ableitungen handelt G. Brüning, Ztschr. f. kelt. Philol. 11, 213—304. Hss. der längeren Fassung sind Schaffhausen 1 s. VIII und drei Londoner, der kürzeren Fassung Sangall. 555 s. VIII «nd Monac. 6341 s. X, Ausgabe der kürzeren Fassung ist Migne 88, 725—776, der längeren W. Reeves, The life of St. Columba. Hier wird weiter über Sprache und Stil, Quellen und Vorbilder gehandelt und (S. 291—304) die Vita Columbae des sogenannten Cummeneus herausgegeben. S.240 (Hist. Britonum).Vgl.Traube, Neues Archiv 24,721 ff. —S.241 n.2 (Beulan). R.Thurn- eysen bemerkt, daß Zimmers Ansicht von Loth (Revue Celtique 16, 238) als irrig erwiesen wurde. Vgl. zur Hist. Britonum auch R. Thurneysen, Ztschr. f. kelt. Philol. 1,157 ff. S. 242. Zu Nennius vgl. Thurneysen, Ztschr. f. kelt. Philol. 1,157 und Englische Studien 22, 169 f. Zu Beulan vgl. Loth, Rev. Celtique 16, 238. S. 243 ff. Für diese Uebersicht vgl. M. Grabmann, Gesch. d. scholast. Methode 1, 178 ff. S. 245 n.2. Zur Sprache vgl. das zu S. 5 oben genannte Buch von Rice und die Arbeit von Pirson. S. 246 (Winidharius). Vgl. D. de Bruyne, Revue Benedictine 24, 526 ff. gOO Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. S. 248 (Wigbod). Das Werk steht im Paris, nouv. acq.762 s. X, vgl. Omont, Not. et Extr 38,1, 359 f. S. 249 n. 9 (Jesse). Jesse war nicht Bischof von Orleans, sondern von Amiens; er ist Verfasser einer Epist.de baptismo, vgl. Wiegand, Die Stellung des apostolischen Symbols 1, 211 ff. und 333 n. 1. Ueber eine ihm gewidmete Hs. in Bamberg mit Hieronymus Contra Iovin. und Rufinus Expos, symboli vgl. H. Fisöher, Zentralbl. f. Bibliothekswesen 24, 388 ff. Jesses Schrift steht im Sangall. 124 s. IX p. 310—326 Iesse Ambianensis episcopi de ordine baptismi ad sacerdotes epistola. Fraglich ist, ob ihm die Schrift angehört, die erwähnt wird zu Canterbury nach 1285 (Edwards. Memoire of libraries 1, 176) N. 289 Libellus Iesse de ethimologia verborum. — Neben Jesses Brief ist die gleichfalls durch ein Rundschreiben Karls veranlafite Schrift Odilos von Mailand zu erwähnen, die herausgegeben ist von Wiegand, Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche 4, 1 (1899). S. 250 (Iren). Zu den Iren mag gehören Grimlaic, der am Ende des 9. Jahrhunderts lebte vgl. MG. SS. 13, 560, 33. Seine Regula steht im Berol. Meerm. 110 s. X—XI (aus Reims). .S. 260 (Hildemar). Im Monac. 14581 s. XI f. 135 Beginn 'Primo viro pacifico Vironensi scilicet archictiacono Hildemarus . . . presbyter salutem. Cum beatus Augustinus'; dies dürfte danach eine andre Schrift als die Regula sein, die sich s. XII in Cluni fand (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 472) N. 350 Volumen in quo continetur Hildemarus super regulam sancti Benedicti. Ein Brief Hildemars an Bischof Ursus von Benevent bei Migne 106, 395. S.262 (Leben Gregors I.). Zuletzt gedruckt bei W.Stuhlfath, Gregor I. der Große S.98—108. S. 262 n. 2 (Origo gentis Romanae). Vgl. C. Frick, Berliner philol. Wochenschrift 1911, 254 f. S. 263 (Hist. miscella). Vat. Pal. 909 ist die Originalhs. des Werkes, aber nicht das Autograph Landolfs. Sie ist durch einen Schreiber, wohl größtenteils nach Diktat, gefertigt. Sie besitzt Randbemerkungen, die an einen Fürsten gerichtet und vom Schreiber selbst angebracht worden sind. Die Hs. sollte in ihrer Gesamtheit der Erziehung eines Fürsten dienen und ist wohl in Benevent zusammengestellt. Dort hat ihr Empfänger, ein beneventanischer Fürst s. XI 1 , gelebt und auch der Verfasser, der Laie, kein Geistlicher war. — Die Hist. miscella ist ein wichtiges Hilfsmittel für die Textkritik des Nepotianus, des Epitomators von Valerius Maximus, vgl. Schnetz, Blätter f. d. Gymnasialschulwesen 47, 112. 114. — Hs. auch Hagensis Meerm. Westrenian. 59 s. XHI. S. 266 (Egino). Er hielt sich zu Reichenau auf, vgl. Mirac. s. Marci 3 (Mone, Quellensammlung z. badischen Landesgeschichte 1, 62). Vielleicht war seine Sammlung 984 zu Cremona (Becker 36, 61) partis Aglmonis (Aginonisl) super evangelia id est a prima dominica adventus domini usque octava pasche volumen unum. 68 aliae partis Agimonis volumen unum. S. 267 (Homilien von Heiric). Die Homilien eines Heric, durch welche die des Paulus Diaconus in der Ausgabe vermehrt wurden, stammen nicht von Heiric, ihr Verfasser ist nach Zeit und Ort unbekannt. Die älteste Ueberlieferung ist Monac. 6217 s. XI f. 28 (aus Freising; 20 Stücke unter dem Namen Bedas); dann Monac. 9504 s. XII (aus Ober- altaich; 127 Stücke); Berol. 352 s. XV. Monac. 16207 s. XIV. Mellicensis F 34 s. XIII. Paris. 14302 s. XII (St. Victor) enthält unter der falschen Aufschrift Omelie Alcuini die elf Homiliae Herici, durch die Paulus später erweitert wurde. Vgl. G.Mo rin, Revue Bönedictine 9, 497. Diese Homilien werden auch genannt in Cluni s. XII (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 475) N. 425 Erricus in evangelia totius anni und in Amelungsborn 1412 (H. Dürre, Beitr.z.Gesch. d.Cisterzienserabtei Amelungsborn S.21) N. 171 Omelie dominicales Herici hyemales; N. 172 Omelie Hei-ici estivales. S. 268 (Hist. Lang.). Verbesserungen zum Texte gab J. Dräseke. Wochenschr. f. klass. Phil. 1916 Sp. 377—383. S. 270 (Gedichte). Das Gedicht auf Benedikt (Ordiar unde tuos) hat Aimoin vollständig aufgenommen in den Sermo de s. Benedicto, Migne 139, 861—864. — Die Ausgabe der Gedichte von K. Neff rezensiert A. Crivellucci (Studi storici 19, 89—98) mit viel Vorschlägen zur Verbesserung. S. 273 (Aelbert). Vielleicht stammen von Alchvines Lehrer Aelbert die Pliniusexzerpte im Paris. 4860 s. X f. 93—98, vgl. G. Rück, Die Nat. Hist. des Plinius im Mittelalter, München 1898, S.46ff. Dieselben Exzerpte stehen im Leid.Voss. Q 69 s.IX f.39 1 '—46'. Zur Stellung Alchvines zu den freien Künsten vgl. J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. d. frühmittelalterl. Philosophie (Münster 1915) S. 1 ff. Zur Grammatik vgl. W. Schmitz, Alcuins Ars grammatica. Diss. 1908. — Im Anhang zu dieser katechetischen Grammatik seien genannt die in dialogischer Form gegebenen Auszüge aus Grammatikern im Valentian. 376 s. VIII f. 77—112 De partibus orationis diversorum auctorum, die durch ihren Quellenreichtum überraschen. Es sind benutzt für dies Gespräch zwischen Lehrer und Schüler Donat. Isidor, Augustin, Priscian, Pompejus, Consentius, Valerius Probus, Sergius. Die Fortsetzung erfolgt durch Glose de libris grammaticorum de Nachträge zum ersten Bande. 801 litteia et syllaba et accentu et posituris diversorum auctorum und zwar aus den genannten Quellen und aus Flavianus, Victorinus, Varro, Paperinus, Agroecius, Virgilius Maio und Hieronymus. S. 273 fF. Zu Alchvines Leben und Werken vgl. jetzt Moncelle, Dictionn. d'histoire et de geographie ecclesiastique fasc. 7 (1912) col. 30 ff. S. 283 (Rethorica). Das von Endlicher S. 13 im Vindob. 116 s. X f. 1—5 (aus Salzburg) als Incerti sciagraphia Rhetoricae bezeichnete Stück 'TuUius erexit Romane insignia lingue — cum periculo capitis non dubitavit occidere' stammt aus Alchvines Dialog de rethorica. S. 284 (Altercatio Hadriani et Epicteti). Hierzu ist zu vgl. A. Hilka, Das Leben u. d. Sentenzen des Philosophen Secundus des Schweigsamen etc. Abdruck a. d. 88. Jahresbericht d. Schles. Gesellsch. f. vaterl. Kultur. IV. Abt. S. 5—23; Fr. Pf ister, Wochen- schr. f. klass. Phil. 1911, 539—548. W. Suchier, L'enfant sage (Dresden 1910) S.5 ff. 66 ff. 265 ff. Danach besteht die Altercatio ursprünglich aus zwei völlig getrennten Teilen, deren erster dort endet, wo Wilhelm von St. Denis, der Uebersetzer des Se- cundus (um 1180), aufhört. Der erste Teil der Altercatio (aber ohne die Secundus- sentenzen) stammt aus Alchvine. doch nicht unmittelbar, sondern durch eine Ableitung. Der zweite Teil der Altercatio ist von Alchvine benutzt, vgl. Pfister Sp. 541 ff. — Ueber den lateinischen Secundus vgl. A. Hilka. Historisches Jahrbuch 31, 904 f. S. 285 (Mathematisch-Astronomisches). Hier war als mit Alchvine gleichzeitiger Lehrer der Mathematik Harduin von St. Wandrille zu nennen, von dem (unter Abt Gervold 787 — 806) die Gesta abb. Fontanellensium 15 (ed. Löwenfeld p. 47) berichten Sub hulus tempore .. . presbiter egregius nomine Harduinus florebat qui . .. plurimos arith- meticae artis disciplina alumnos imbnit ac arte scriptoria erudivit; erat enim in liac arte non mediocriter doctus. Unde plurima aecclesiae nostrae proprio sudore con- scripta reliquid volumina, id est... librum de arithmetica (d.h. Boethius) cum epistolis de ratione paschali volumen unum . . . librum Bedae de naturis verum, ac temporibus volwnen unum. — Anzuschließen wäre hier vielleicht ein Brief astronomischen Inhalts aus dem 9. Jahrhundert, hrsg. aus Sangall. 831 s. XI in MG. Ep. 6,197 N. 32. Er beschäftigt sich zunächst sehr ausführlich mit den Intervallen von Sternen, vgl. Plin. 2, 21 f.; G. Rück, Auszüge a. d. Nat. hist. des Plinius S. 36 und Die Nat. bist, des Plinius im Mittelalter, Münchener SB. 1898 1, 263; außerdem könnten hier Martian und die Ars geometrica als Quellen in Betracht kommen. Es folgen dann astrologische Abschnitte aus Servius. der hier p. 199, 14 und 200, 19 Sergius genannt wird, und aus Plin. 2,16. S. 285 n. 2 (Ambrosii versus). Diese Verse werden für echt gehalten von G. Mercati, Studi e Testi 12, 17 ff.; vgl. aber hierzu Diekamp, Theolog. Revue 1904, 464. S. 287 n. 3 (Ambrosius Autbertus). G. Morin zeigt Revue Benedictine 27, 204-212, daß eine unter verschiedenen Namen gehende und unter Ambrosius, Augustin und Isidor gedruckte Schrift Conflictus vitiorum atque virtutum vom Abt Ambrosius Autpertus von St.Vincenz am Volturno verfaßt und dem Lantfrid, erstem Abt von Benedikt- beuern, gewidmet worden ist. Hss. z.B. Monac.6010 s.X f. 65 —128, 14500 s.IX f. 100 — 120. Berol.424 s. XIV f. 133—141. (Paris. 12312 f. 119—122?). Sein Sermo de lect. evang. im Colon. 35 und Darmstad. 2031 s.IX f. 215—224. — Aus dem Brief Hadrians I. an Karl (MG. Ep. 3, 595, 8 ff.) geht hervor, daß er nach dem 13. April 781 starb; vgl. über ihn Abel-Simson, Jahrb. unter Karl d. Gr. 1, 466 n. 1; Sigeberti Gembl. de sciipt. eccl. 91, Anon. Mellic. 51. Sein Sermo de cupiditate war vorhanden in Cluni s. XII (Delisle, Le cab. des mscr. 2, 462) N. 104 et sermone Autperti presbiteri de cupiditate. Vielleicht verfaßte er auch eine Erklärung der ersten 70 Psalmen, die sich erhielt im Einsidl. 18 s. VIII—IX; die Vorrede gab heraus G. Morin, Rev.Benäd. 25,88-94(1908). Der Verfasser heißt dort Adalbert, Morin hält ihn für identisch mit Autpert. — Zu Alchvine und den freien Künsten sowie über seine Antwort auf eine philosophische Frage (wohl des Elisaeus) vgl. J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. d. frühmittelalterl. Philosophie (Münster 1915) S. 1 f. u. 3 f. S. 288 (Theolog. Werke). Zum Kommentar über den Hebräerbrief vgl. E. Riggenbach, Forsch, z. Gesch. d. neutestam. Kanons etc. hrsg. von Th. Zahn Bd. 8 (1907). — Ob Alchvine eine Homiliensammlung herausgab, war zweifelhaft, da sich seit s. IX oder X jede Spur davon verlor und die ihm seit s. XVI zugeschriebene Sammlung dem Paulus diaconus gehört. Auch Pertz hat im Archiv 9, 469 eine Hs. der Prager Universitätsbibliothek als Alcuini homiliae ausgegeben; doch auch hierin hat G. Morin nur Paulus gefunden. Die echte Sammlung hat sich aber nach G. Morin im Paris. 14302 s. XII erhalten, woraus charakteristische Stellen mitgeteilt werden, Revue Bened. 9, 491 ff. (1892). — Eine Hs. mit De fide s. et individuae trinitatis und De animae ratione u. a. ist Monac. 28140. Manitius, Lateinische Literatur dos Mittelalters. II. 51 802 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. S. 290 n. 3. Gegen die Benutzung des Claudius ist J. B.Hablitzel, Histor. Jahrbuch 37,74ff., doch hat er daselbst 38, 538—552 Schönbach recht gegeben, vgl. die Benutzung von Claudius S. 549 f., allerdings hat Hraban nicht gerade seine Vorlage abgeschrieben. Zum Jeremiaskommentar vgl. Hablitzel, Stud. u. Mitt. z. Gesch. d. Benediktinerordens 40,243 fT. — A.Wilmart, Rev. B<§ned. 32,47 ff. S. 293. Homilien Hrabans hatte man in Mainz zu St. Jakob 1186 (Beihefte z. Zbl. f. Bibl- wes. 43, 26). S. 295 Z. 3 lies Scherer statt Schneller. S. 296 (De instit. clericorum). Vgl. Wiegand, Die Stellung des apostol. Symbols S. 283 ff. u. 348 ff., und Franz, Die Messe im deutschen Mittelalter S. 399 ff. S. 299 (De magicis artibus). G.L. Hamilton (Cornell Univ., Ithaca) bemerkt in einem Briefe (23. 6. 1914), daß Hraban hier (Migne 110, 1101 C bis 1107 B) auch Augustin und zwar De divinat. daemonum 3--10 (Corp. SS. eccl» 41, 603—618) und zwar mit der Zusatzvariante zu p. 610, 14 abgeschrieben hat. S. 301 (Glossen). Zu den hrabanisch-keronischen Glossen vgl. Stalzer in SzQw/.iaz£Xs, Grazer Festgabe zur 50. Philologenversammlung. S. 302 ff. (Walahfrids Leben). Vgl. A. Jundt, Walahfrid Strabon. L'homme et le theologien, Cahors 1907. P. Eigl, Walahfrid Strabo in Stud. u. Mitteilungen aus dem kirchen- geschichtl. Seminar d. theol. Fakultät, Wien 1908. S. 302 ff. Zu Walahfrids Gedichten vgl. E. Madeja, Stud. u. Mitt. z. Gesch. d. Benediktinerordens 40,251 ff. S. 305 n. 1 (Glossa ordinaria). Vgl. S. Berger, Histoire de la Vulgate S. 132—136. S. 306 (Hermannus Contractus). Seine Worte sind Heito abbas Angiae et episcopus Basileae cum Hugone et Haione comitibus Constantinopolim missus odoporicum suum scripsit. S. 312 (Libellus de exordiis etc). Vgl. Franz, Die Messe im deutschen Mittelalter S. 399 ff. S. 317 (Collect, in Matheum). Das Werk befand sich s. XI in St. Symphorian zu Metz, vgl. Catal. gen. des mscr. Depart. (4°) 5, 97 Sedulius Scottus in Matheum. Ueber die Quellen des Pauluskollektaneums vgl. A. Souter, Journal of Theological Studies 18, 184—228. Hs. Hamburg theol. 1046 s. XII1/XIV (aus Trier). — Die Expositio in X canones Eusebii gedruckt bei Migne, Patr. lat. 103, 271—290. 331—352, besprochen und zum Teil hrsg. von M. Esposito, Proceedings of the Roy. Irish Academy 28 Sect. C N. 3 p. 63 ff. 83 ff. S. 318. Die von Ussher und Thurot erwähnte Hs. des Eutycheskommentars ist Paris. 7830- S. 319. Ein Fragment des Prisciankommentars steht vielleicht im Reichenauer Fragment 124, das aus Aug. L1X abgelöst ist, vgl. A. Holder, Die Reichenauer Handschriften 2, 576. P. Lehmann hält die Zuweisung für unbegründet. Derselbe bereitet eine Ausgabe dieser Priscianerklärungen vor. S. 319 (Donatkommentar). Mario Esposito teilt mit (18. 11. 1913), daß er im Britischen Museum eine Hs. (80 Bll. s. XIII) entdeckt habe, die des Sedulius Kommentar zur Ars minor und maior enthält. Hs. auch in London Arundel 43 s. XIII. — P. Lehmann, Die Parodie im MA. (1922) S. 30 f. 229. S. 319 n. 1. Die Hs. des Prisciankommentars ist Voss. fol. 67, die Dubthachhandschrift Leid. bibl. publ. 67. S. 320 Z. 23. Vgl. H. Tiralla, Das augustin. Idealbild d. christl. Obrigkeit als Quelle der Fürstenspiegel d. Sedulius Scottus und Hincmars v. Reims, Anklam 1916. S. 320 ff. Ueber Reste einer Hs. desKollektaneums in Paris vgl. E. Hohl, Rhein. Mus. 69, 580 ff. S. 323 f. (Johannes Scottus). Vgl. M. Grabmann, Gesch. d. scholastischen Methode 1, 202 ff. und Cl. Baeumker, Geschichte der Scholastik in „Kultur der Gegenwart" 1, 5. S. 324 (Griechisch). Außer den Iren und Süditalienern haben nach E. Dum ml er (Berliner SB. 1890 S. 940 und Mitteil. d. antiquar. Gesellsch. v. Zürich 12,6) nur Walahfrid, Heiric und Christian von Stavelot im 9. Jahrhundert Griechisch gekonnt. Ich stelle hier einiges aus der hs. Ueberlieferung zusammen, was auf Kenntnis des Griechischen schließen läßt. In St. Riquier hatte man 831 (Becker 11, 204) Über logon id est sermonum Oraecorum vel Latinorum. Im Paris. 11505 s. IX vgl. f. 205 die Unterschrift des Schreibers in griechischer Unziale Obsecro te lector ne laborem manuum mearum displcias, sed quaeso deprecor mellifluam caritatem tuam ut pro ine domini mlsericordiam exores. Ego idem fero laborem, alius tulit honorem (vgl. hierzu Anthol. lat. 257, 1). Der Bern. 83 s. X enthält f. 103^ ein Fragment eines griechisch-lateinischen Lexikons mit tüchtigen Kenntnissen des Griechischen, hrsg. von Hagen, Anecdota Helvetica p. C ff.; hier wird C, 23 Amartigenea (Prudentius) erklärt und CI, 13 azymos übersetzt; die übrigen Stücke können einer polemisch-apologetischen Schrift entnommen sein. Der Monac. 6411 s. X bietet f. 42 ein Fragment einer griechischen Grammatik. In St. Em- meram hatte man s. X (Becker 42, 400) eine Glosa greca, in Peterborough s. X (Dugdale, Monast. Anglicanum 1, 382) eine Schrift De literis Graecorum. Aber auch andre Hss. nach Aufschriften aus späterer Zeit können gut noch ins 9. Jahrhundert zurückgehen, wie Corbie s.XII (Becker 79, 240j und 1200 (Becker 136, 247. 248. 250). Nachträge zum ersten Bande. 803 Bamberg s. XII (Becker 80, 161). Fulda s. XII (Becker 128, 25. 26). Cluni s. XII (Delisle, Le cab. des mscr.2, 480 N. 556). Ripoll s. XII (Wiener SB. 128, XII, 48 f. N. 84 u. 129, wo sogar ein Plutarc/us erscheint). Pendzig, Neue Jahrbb. f. d. klass. Alt. 1918. S. 326. Durch den Vergleich von Stellen aus Hildvins Vita Dionysii. aus Hincmars De prae- destinatione und aus Johannes Scottus' Dionysiusübersetzung erweist P.Lehmann (Rev. Bened. 1923 S. 81—90), daß es eine solche Uebersetzung schon vor der des Johannes gab; sie liegt 835 vor und ist vermutlich nach 825 entstanden. S. 327 (Maximus). Ueber Maximus Confessor und Scotus Erigena vgl. J. Dräseke, Theologische Studien und Kritiken 1910 S. 530 ff.; 1911 S. 20 ff. u. 204 ff. S. 328 (De divis. naturae). Die eignen Glossen des Johannes in Hss. von Reims, Laon, Paris ' , und Bamberg gibt in photographischer Nachbildung E. K. Rand, Abh. d. Bayer. Akad. d.Wiss. Bd. 25. Doch hat Rand in Publicat. in classical philol. (Univ. of California) V N. 8 (1920) schwere Bedenken gegen die Autographa des Johannes erhoben. S. 330 Z. 2. Johannes führt in De praedestinatione (Migne 122, 415C) Cicero pro Ligario an. S. 331 (Briefe Nicolaus' I.). Vgl. die Voruntersuchung zur Ausgabe der Briefe von E. Per eis, Neues Archiv 39, 43—153; die Ausgabe in MG. Ep. 6, IL 1. S. 331. Wichtige Aufschlüsse zu Joh. Scottus gibt P. Lehmann, Hermes 52, 113 ff. Die Disputatio Iohannis cum Theodoro Graeco ist die Clavis physicae des Honorius Augusto- dunensis (s. Grabmann, Gesch. d. scholast. Methode 2, 136 und J. A. Endres, Honorius S. 64 ff. 140 ff.). Hss. Cues 202 s. XV, Lips. civ. rep. I 4.75 s. XIII, Paris. 6734 s. XII. — S. 115 ff. (zu De egressu et regressu animae ad deum, De visione dei und zur Uebersetzung der Ambigua des Maximus). C. Greith gab Spicileg.Vaticanum S.81 f. (Frauenfeld 1838) ein Stück aus einem römischen Kodex, das nach seiner Meinung aus dem Liber de egressu stammte und G. Floss fügte dem hinzu, daß Mabillon eine Hs. dieses Buches gesehen habe (Mabillon, Acta SS. 4, II, XLV). Seither nahm man an, daß De visione dei mit dem Liber de egressu identisch sei. Doch ist dies Stück, das G. Floss (Migne 122, 1023) wieder abdruckte, nicht ein Bruchstück einer sonst unbekannten Schrift des Johannes, sondern ein Stück seiner Uebersetzung der Ambigua des Maximus, vgl. Lehmanns Zusammenstellung S. 116—118. Von dieser Uebersetzung ist nur ein kleiner Teil gedruckt. Der Text ist sehr unvollständig herausgegeben von Th. Gale im Anhang zu De divisione naturae nach einer ihm durch Mabillon bekannt gewordenen Hs., wiederholt von Floss bei Migne 122, 1193—1222. Traube kannte zwei Hss., Paris. Mazar. 561 s. IX (aus Gorze) und Paris. Arsenal 237 (aus St. Martin des Champs); weitere: Paris, nation. 2203 s. XIV und Vatic. reg. 569 s. X f. 9 (nur ein Blatt). Mabillons Hs. stammte aus Reims. — Lehmann zeigt ferner, daß der bei Becker N.21 abgedruckte Katalog nicht mit einer Biblia Wulfadi beginnt, sondern daß dort zu lesen ist Bibli Wvlfdäi, also daß er die Bücher Wulfhads, des Freundes von Johannes Scottus enthält; daher finden sich hier Libri perifiseon II und Scoliarum Maximi. — Die Vita Boecii III des Johannes druckt Oxon. Corp. Christi Coli. 74 s. XI mit anderen Leben des Boethius ab M. Es- posito, Hermathena 17, 110—113 (1913). P. Lehmann weist ferner nach, daß die von M. Esposito (Proceedings of the Royal Irish acad. Sect. C 28, 75) beregten Worte aus Sangall. 274 s. IX aus De divis. naturae stammen (Berliner philol. Wochenschr. 41, 670). Die Uebersetzung des Priscianus Lydus ist stark benutzt von Vincentius Bellovacensis (Spec. doctr. 15, 9. 175. Spec. nat. 16, 4. 20, 10 f. 23, 68. 26, 8. 10. 32). Ein Fragment aus Johannes, das sich auf das Leben Vergils bezieht, steht nach J. Brummer (Philol. 72, 288 f.) im Gud. lat. 70 s. IX (also wohl fast gleichzeitig). A. Schneider, Die Erkenntnislehre des Joh. Eriugena. S. 331 (Piisciankommentar). Im Monac. 561 s. XIII steht Priscianus minor cum expositione Iohannis; das ist wahrscheinlich die Arbeit des Johannes zu Priscian. S. 334 (Johanneskommentar). Steht auch im Vindob. 679 und im Paris. 2950 s. XII f. 179. Die Hs. zur Homilie ist Alencon N. 149. Die Homilie steht anonym auch im Paris. 2950, s. Haureau, Not. et Extr. 38, 15 ff. und verbirgt sich im Trecens. 890 s. XII unter dem Namen des Origenes, vgl. E. Bratke, Ztschr. f. Kirchengeschichte 21, 445 ff., wo die Abweichungen von Ravaissons Ausgabe mitgeteilt werden; diese steht in Rapports sur les bibl. des depart. de l'Ouest. Berichtigungen für Ravaissons Text gab Haureau, Not. et Extr. 38,1, 412 f. S. 335 (Dunchad). Sein Martiankommentar steht zum Teil (p. 44, 17—153, 23 Eyss. mit Auslassung des 3. Buches) im Paris. 12960 s. IX—X f. 25—30, vgl. Manitius, Neues Archiv 36, 57 f.; zum größten Teil hrsg. von Manitius im Didaskaleion 1, 139—156. Vgl. auch M. Esposito, Ztschr. f. celt. Philol. 7, 499 (1910); 9/160-162 (1913) und Studies 1, 682 (1912). S. 337 (Johannes'Martiankommentar). Vgl. Manitius, Neues Archiv 36, 57—60. Abdruck 51* 804 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. eines Teils durch Manitius, Didaskaleion 1, 157—172 u. 2, 43—61. — Im Mythogr. Vatic. 111 Kap. 2, 4 (Bode, Script, rer. myth. lat. 2, 159, 4) heißt es Iohannes tarnen Scotns Atin puerum impetum sive proximum dicit interpretari. Dies stammt aber aus dem Remigiuskommentar zu Maitian p. 48, 30 Eyss. (vgl. Didaskaleion 2, 47), woher auch das Vorhergehende p. 158, 46 ff. genommen ist. Also an direkte Benutzung des Johaunes durch Albericus ist nicht zu denken. — Die Schrift im Monac. 21566 s. XIII ist nach Ant. Mayer, Die Quellen zum Fabulaiius des Konrad v. Mure S.70 n.14 nur eine Redaktion des Mythogr.Vatic. III. M. Esposito zeigt, daß Leid. 167 den Remigiuskommentar enthält iZtschr. f. celt. Philol. 9,160 n. 1). S. 340 (Amulo). Amulonis Lugd. archiepiscopi epist. ad Theotboldum Lingon. ep. de falsitate miraculorum in Castro Divionensi perfectorum u. a. in Agobardi op. ed. Baluze 2 135. 149. S. 347 (Pseudoisidorische Dekretalen). Hincmar von Laon hat 869 eine Auslese aus den Dekretalen, den Capitula Angelramni und aus Briefen Nikolaus I. zusammengestellt, die sich im Mett. 351 s. IX findet (f. 79»—101»). Kollation von W. Meyer, Göttinger Nachr. 1912, 221—226. S. 347 (Hincmar). Das Gedicht Hincmars auf Remigius (16 Distichen) hat Flodoard, Hist. Rem. eccl. 1, 21 aufbewahrt, desgleichen 3, 5 u. 3, 9 vier poetische Aufschriften des Erzbischofs; seine Grabschrift bei Flodoard 3, 30. — (Halitgar.) Ein Brief Halitgars bei Flodoard 2, 19. — (Ebo.) Ein Brief Ebos bei Flodoard 2, 19, daselbst ein Brief Ludwigs des Frommen an Ebo und das Epitaph von Ebos Mutter Himiltrud. — Den Prolog der Vita Remigii benutzt der Verfasser der Miracula s. Liutwini (11. Jahrh.) c. 2 (Acta SS. Sept. 8,177) quamvis Hincmarus Remorum episcopus perversorem eum episcopatus sui describit (nämlich Liutwins Sohn Milo). S. 351 (Johannes Chrysostomus). Vgl. Chr. Baur, Jean Chrysostome et ses oeuvres dans l'histoire litteraire, Löwen 1907, S. 73 f. S. 355 (Iso). Ob ihm die Glossen zu Prudentius im Valentian. 394 s. X f. 1—47 angehören? S. 355 (Notker). Vgl. über ihn Ekkeharti IV lib. benedictionum 44,15 (ed. Egli, St. Gallen 1909, S. 225) Pneumate flaute sacer parat orbi carmina Notker. Seine Sequenzen sind jetzt hrsg. von Blume und Bannister. Analecta hymnica 53 (1911); dort betont Blume p. XX, daß es sehr schwer festzustellen ist, welche Sequenzen dem Notker wirklich angehören. S. 361 n 6 (Martyrol. Usuardi). Es fand sich 1515 zu Mainz in St. Jakob (Beihefte z. Zentralblatt f. Bibliothekswesen 43,131) Iswardus martyrologium; Hs. im Hagensis Meerm.- Westrenianus 42 s. XII f. 8—55b. S. 362 n. 3. Die Komputusschrift gehört dem Notker,Labeo (Teutonicus) an, die Hs. s. XI nicht IX. S. 363. Ein Epitaph Notkers dichtete Ekkehart IV. im Lib. bened. Varia N. 8 (ed. Egli, St. Gallen 1909, S. 399). S. 364 (Sequenzen). Ein Fragment von einer deutschen Uebersetzung der Sequenzen Notkers findet sich im Erlangensis 2113, vgl. Neues Archiv 39, 537 f. S. 366. Zu Notker und den Gesta Karoli vgl. L. Halphen, Revue hist. 128,260—298. S. 367 (Martyrologium). Das Werk Notkers ist aus Ado und aus Hraban geschöpft, vgl. H. Quentin, Les martyrologes historiques du moyen äge (Paris 1908) S. 681 ff. Die Gesta Karoli sind neu hrsg. von Meyer v.Knonau, St. Gallische Geschichtsquellen Bd.6. S. 369 (Elipandus). Zu ihm vgl. Grössler, Die Ausrottung des Adoptianismus im Reiche Karls d. Gr., Eisleben 1879. — Schriften von ihm besaß man in Oviedo 882 (B. 26, 22) liber Elipandi. S. 372. Die Bezeichnung Priscians mit lumen Rom. facundiae ist schon seit Eutyches (Keil, GL. 5,456) gebraucht worden (bei Aldhelm ed. Ehwald, MG. auct. ant. 15.203,22).- S. 378 (Jonas' Schrift gegen Claudius). Man besaß dies Werk s. X in St. Mesmin de Micy, wie Letald v. Micy in der Vita Maximini 2, 14 (Migne 137, 803) sagt. Er spricht dort ausführlich über Jonas und seine Schrift und fährt fort Libellns autem ipse penes nos habetur, qul in quadam domo igne pervasa incaute derelictus et post ignem integer inventus est. S. 379. Durch die Väter und spätere Autoren sind manche Sprüche des Sextus überliefert. So schreibt Jonas in der Instit. laicalis 2, 7 (Migne 106,183) Est et cuiusdam sapientis sententia a b. Hieronymo approbata hunc habens modum: Adulter est, inquit, suatn uxorem amator ardentior. — Sextussprüche finden sich in den Collectanea des Sedulius Scottus und zwar in der Sammlung K, vgl. S. Hellmann, Sedulius Scottus S. 101 und n. 1. 2. S. 380. Agobards Stellung in der Theologie schildert R. Jud, Festgabe f. A. Knöpfler (München 1907) S. 126 ff. — (Leidrat.) Ueber seinen Liber de sacramento baptismatis vgl. Wiegand, Die Stellung des apostolischen Symbols S. 334 ff. S. 389. Zur Schrift gegen Fridugis vgl. J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. d. mittelalterl. Philosophie (Münster 1915) S. 10 ff. Nachträge zum ersten Bande. 805 S. 390 (Claudius'Matthäuskommentar). Inhaltsangabe nach Meerm. Phillip. 1708 bei J. B. Hab- litzel, Hist. Jahrbuch 38,539—548. S. 391 (Kommentar zum Hebräerbrief). Hierzu vgl. E. Riggenbach, Forsch, z. Gesch. d. neu- testam. Kanons etc., hrsg. von Th. Zahn, VIII (Leipzig 1907). — (Theudemir.) Eine Hs. Theutmin abbatis XXX quaestiones super libros Regum mit Praef. ad Claudium Turi- nensem befindet sich aus s. X in der Kapitelsbibliothek zu Pistoja, vgl. Archiv d. Gesellsch. etc. 12, 754. S. 393 (Auszug aus dem Apologeticum). Vgl. hierzu Letaldi Mirac. Maximini 2, 14 (Migne 137, 803 A). S. 396. Zu Amalar vgl. Franz, Die Messe im deutschen Mittelalter S. 351 ff. (Frothar von Toul.) Seine Briefe sind hrsg. MG. Ep. 6, II. — (Eclogae de officio missae.) Sie finden sich teilweise imTuricensis 102, vgl. F1 i c o t e a ux,Revue Benedictine25,304—320 (1908). S. 398. Der Paris. 2400 s. XI ist auf Befehl Ademars v. Chabannes geschrieben. — (Amalars Beantwortung). Vgl. hierzu Wiegand, Die Stellung des apostol. Symbols 338 ff. — (Sendung Amalars nach Konstantinopel.) Vgl. auch Herimanni Conti 1 . Chron.813 Carolus Imperator Amalharium Treverensem archiepiscopum et Petrum Nonantulanum ab- batem item Constantinopolim misit, quorum odoporicum item scriptum habetur. S. 400 (Liber de ord. antiphonarii). Vgl. P. Batiffol, Hist. du breviaire Romain 3 (Paris 1911) S. 104 ff. S. 400 (Brief an Jeremias). Zu dieser Frage vgl. L. Traube, Nomina sacra S. 5 ff. S. 403. Der Hesy chiuskommentar zum Leviticus ist gedruckt Migne, Patrologia graeca 93,787 ff. S. 410 (Radbert De corp. et sang, domini). Ist fast unverkürzt aufgenommen worden als Kap. 14—35 in das gleichnamige Werk Gezos von Tortona (um 980) bei Migne 137, 387, wo auch vor Kap. 1 (col. 376) das einleitende Gedicht an Placidius (Traube, PL. 3,44) übernommen wurde. Doch ist der Wortlaut von Radberts Werk nicht abgedruckt worden, so daß dessen Ueberlieferung bei Gezo nicht klar ist. — Benutzt ist das Werk durch Petrus Damiani im Lib. gratissimus 9 (Lib. de lite 1, 27, 34= c.12 [Migne 120,1310 ff.]. — Zu Radberts Schriften ist wohl auch das Werk De benedictionibus patri- archarum zu rechnen nach der Untersuchung Revue Benedictine 1911, 425—432. S. 416. Die anonyme Schrift De corp. et sang, domini (Migne 139, 179) stammt nicht von Heriger, vgl. O. Hirzel, Abt Heriger von Lobbes (1910). Dagegen sind bei Heriger zwei Schriften über die Eucharistie zu unterscheiden, vgl. G. M o r i n, Revue Benedictine 25,1 ff. S. 416 (Contra opposita Graecorum). Hierzu vgl. J. Dräseke, Byzantinische Zeitschr. 18,396ff. S. 421. Angelomus in cant. canticorum wird in dem kürzlich gedruckten Katalog von St. Jakob zu Mainz 1186 erwähnt (Beihefte z. Zentralbl. f. Bibliothekswesen 43, 26) et Angelomus super cantica canticorum. In Heiligenkreuz vor 1381 (Mittelalterl. Bibliothekskataloge Oesterreichs hrsg. von Th. Gottlieb 1,60) erscheint Anglomi. Super minores et maiores proplietas. Das Werk ist sonst nicht bekannt. S. 422 n. 1. Auch hrsg. von F. Bücheier, Carmina latina epigraphica N. 727. S. 423 n. 1. Der Liber scintillarum fand sich s. XI in Metz St. Symphorian (Catal. gen. mscr. Depart. [4°] 5, 97 und 1186 in Mainz St. Jakob (Beihefte z. Zentralbl. f. Bibliothekswesen 43, 26). Er findet sich auch in tironischen Noten im Vat. reg. 846, vgl. W. Schmitz, Miscellanea Tironiana. S. 425. Der spanische Presbyter Beatus hinterließ außerdem einen Kommentar zur Apokalypse, für dessen Herausgabe H. L. Ramsay in der Revue d'hist. et de litt, relig. 7, 419 ff. und in der Revue des bibliotheques 12, 74 ff. (1904) wichtige Vorarbeiten gab. S. 433. Zur Kenntnis des Griechischen bei Christian vgl. L. Traube, Nomina sacra S. 5 ff. — Christian führt auch aus Ignatius an, vgl. J. Lebon, Revue d'hist. eccles.'9, 491 ff. (Histor. Jahrbuch 11, 805 f.). S. 436. Zur Kenntnis von Senecas Tragödien vgl. die Ausgabe von G.Richter 2 (Leipzig 1902) Praef. Kap. II und C. Weyman, Literarisches Zentralblatt 1903 Sp. 880 f. S.436. Zu Bamberg. P. III. 20 vgl. H. Fischer, Zentralbl. f. Bibliothekswesen 24, 378 ff. S. 436. Ein Petrus grammaticus subdiaconns Neapolitanus erscheint im Spicilegium Casi- nense I aus Casin. 439 s. IX — X (in Sipontum geschrieben). S. 437 (Guiselgardus). Eine Epistola domni Gniselgardi grammatiei missa domini Eusebii inclausi aus demselben Casin. 439 s. IX — X im Spicilegium Casinense I. S. 438. Außerdem verfaßte Auxilius eine Schrift Flosculi (Exzerpte), die im Casin. 90 s. X erhalten ist unter dem Titel Incip. Flosculi ethimologum breviter ablati ab Auxilio presbitero, vgl. Spicil. Casin. II. Sie befand sich in Rom zu St. Andrea s. XIII (Zentralbl. f. Bibliothekswesen 4, 41) Flosculi Auxilii presbiteri. Im Casin. 29 s. XI steht Auxilii presbyteri ethimologicon linguae latinae. S.442. Ueber den Anteil der Frauen an Bildung und Literatur vgl. F. Specht, Gesch. d. Erziehungswesens S. 255 ff. S.444. Die Rhythmen bei Dhuoda ed. Bondurand p. 146. 147, 20 ff. u. 161, 8 ff. sind von 806 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. Traube, Karoling. Dichtungen S.138 ff. verbessert und anders eingeteilt worden. Er betrachtet diese Fragmente rhythmischer Dichtung als Fünfsilber mit Silbenaufschlag. — Bondurand p. 156 Ama puer castitatem Mundas eris de peccato sind die Anfangsverse eines alten Rhythmus bei Strecker, MG. PL. 4, 573 aus Veron. capit. 90 s. IX f. 23b. — Die Hs., welche die Fragmente des Lib. Manualis enthält, ist Nimes bibl civ. 393 s. IX—X. S. 449. Aelteste Benutzung von Helperic bei Notker dem Deutschen im Computus, vgl. Piper, Nachträge z. alt. deutschen Lit. S. 318 (zu S. 182 1 ', 14 f.). — Zu Philipp v.Thaun vgl. P. Meyer, Romania 40, 70—76, wo ein Fragment des Komput aus Cantabrig. Add.4166 s. XII — XIII gedruckt wird, das lateinische Scholien besitzt, die wohl von Philipp selbst sind; unter den benutzten Autoren nennt Philipp auch den Helperic Vs. 1249. 1366. 1400. 1409. 1463. 2361. 2497. — Die Hs. Augsburg Stadtbibl. 8 s. XI f. 102—109 enthält Helperics Werk mit Datum 969 der Vorlage und 1044 der Abschrift; vgl. Strecker, Neues Archiv 36, 320. S. 453 Z. 1. Cheltenham. 12362 + 12458, jetzt Bruxell. II 2572. S. 454. Zum einleitenden Gedicht vgl. Histor. Jahrbuch 32, 65 f. S.455 n. 2. Ist zu ändern nach J. Tolkiehn, Berl. phil. Wochenschr. 1908, 1165 f. und Cominianus S. 6 n. 2. — Die Grammatik auch im Oxon. Bodl. C 144 s. XL S. 456 (Petrus). Weiteres gab aus Bern. 522 heraus Manitius, Münchener Museum 1,178—184. S. 456 (Adeloldus). Das Gedicht bezieht sich auf die Bestattung des Remigius und besteht aus vierzehn Fünfzehnsilbern, Vs. 14 Adeloldi quoque tut miserere fanuüi. S. 457 n. 1 (Thomas Scottus). Vielleicht gehört ihm das Gedicht Quadam nocte niger, das im Paris. 8091 s. XII die Unterschrift hat Thomas Scotns hos versus composuit. Diese Rätselaufgabe (Baehrens, PL. M. 5, 370) gehört danach ins Mittelalter und wir wissen, daß Thomas einen Liber aenigmatum an Hildvin gesandt hat. Vgl. hierzu Manitius, Neues Archiv 36, 68—72, wo das Gedicht mit zwei Lösungen aus Paris. 13029 s. IX — X f. 2» u. 11 b neu hrsg. ist; am Schlüsse finden sich die irischen Namen Dub = niger (auch Vs. 1) und Find = candidus. S. 458. Aus Clemens De partibus orationis gab den Abschnitt De coniunctione heraus M. Esposito, Proceed. of the Roy. Irish Acad. Sect. C Bd. 30,11—14 aus Bern. 123. S. 461 (Fridugis). Ueber ihn s. J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. d. frühmittelalterl. Philosophie S. 6 ff. Endres bemerkt S. 12, daß er in der positiven Bewertung des Negativen Vorläufer des Johannes Eriugena ist. S. 462 (Lectiones). Hierauf bezieht sich wohl die Aufschrift aus Mainz St. Jakob 1186 (Beihefte z. Zentralbl. f. Biblwes. 43, 26) Liber Smaragdi und die aus Metz St. Symphorian s. XI (Catal. gen. mscr. Depart. [4°] 5, 97) Liber Smaracdi. Zum kompilatorischen Charakter des Liber Comitis vgl. Riggenbach, Forsch, z. Gesch. d. neutest. Kanons, hrsg. v. Th. Zahn 8, 7 ff. 39 ff. Zum Text vgl. A. Souter, Journal of Theolog. Studies 9, 584 ff.; 21, 73 ff. Gelesen wurde das Werk von Johann von Gorze, vgl. Iohannis Vita loh. Gorz. 18 (MG. SS. 4,342, 20) lectiones libri qui Comitis dicitur . .. memoriae commendavit. Benutzt, d. h. teilweise übersetzt von Aelfric im Liber homiliarum, vgl. die Widmung an Sigeric von Canterbury (bei H. Wanley, Antiquae litteraturae septen- trionalis liber alter p. 153) sequuti Smaragdum et . . . Haymonem. S. 463. Das Gedicht Smaragds vor der Expositio in regula s. Benedicti hat Aimoin in seinen Sermo de s. Benedicto aufgenommen, Migne 139,8651'.; zu den alten Katalogen kommt Fleury 1552 (Not. et Extr. 31, 1, 426) N. 6. S. 466. Die kymrischen Glossen aus Paris. 13029 mitgeteilt von Manitius, Neues Archiv 36, 66; daselbst S. 61 f. Kollation der Gedichte aus Paris. 13029 zu PL. 1, 608 ff. Ob die im Katalog von Melk 1483 (Mittelalt. Bibliothekskataloge Oesterreichs hrsg. von Th. Gottlieb 1, 183, 28) C 88 quedam metra Smaragdi abbatis Casinensis hierher gehören? —Vgl. H. Robas, Etüde sur Smaragde, Annales de l'Est 12, 266— 280 (1898). S. 469 (Ars gramm. Bern.). Zu Opilius vgl. Teuf fei 6 § 159,4. Die Stelle bezieht sich auf das Partizip. S. 473. Das Werk De primis syllabis nach Bruxell. und Rotomag. hrsg. von Manitius, Münchener Museum 1, 124—176; benutzt sind außer den Hauptquellen Placidus, Chari- sius, Maximus Victorinus, Papirius und Paulus' Auszug aus Festus; zu den angeführten Dichtern gehören auch Lucretius, Martial und Avian. Bemerkt sei, daß Abbo in den Quaest. grammaticae manches aus Micon übernimmt, nämlich (Münch. Mus. 1) 127, 11 ff. in Kap. 16; 128,12—14 c. 6; 132, 20 f. c. 4; 134, 4—8 c. 6; 134, 9 —12 c. 6; 139, 17 ff. c. 6. Also befand sich Micons Werk s. X in Fleury. — Neue Aufschlüsse bietet K. Strecker, Neues Archiv 43,479 ff. S. 474. Das andre prosodisch-grammatische Werk Micons gehört nach der Ueberlieferung im Bruxell. zu De primis syllabis, vgl. meine Ausgabe S. 130, 3. S. 481. Die Einzelüberlieferung der Topica wird nur Boethius verdankt (Mitteilung von Nachträge zum ersten Bande. 807 E.K.Rand). Zu Cicero s.VII— X vgl. E. Norden, Antike Kunstprosa S. 708 n. 1. üeber Hadoards Exzerpte und ihre Bedeutung für die Textkritik handelt (mit falscher Datierung) Moll weide, Wiener Studien 33—37. S. 482. Zu Johannes Scottus und Cicero vgl. Traubes Quellen u. Untersuchungen 1, 2 S. 6. S. 483. Vor Lupus ist einzuschalten: Ursus von Benevent. Ursus, Nachfolger des Guttus, wurde um 833 Bischof in Benevent. Er stand in Briefwechsel mit Hildemar von Civate, der an ihn eine Schrift De ratione bene legendi richtete, um die Ursus ihn gebeten hatte, vgl. das Vorwort bei Migne 106, 395. Von Ursus findet sich nun im Casanat. 1086 s. IX eine Adbreviatio artis grammatice ex diversis doctoribus (f.l—53»). Diese Bezeichnung ist insofern nicht genau, als CJrsus fast nur Auszüge aus Priscian gibt, wie C. Morelli nachwies; es kommen nur einzelne Ergänzungen aus Donat und seinem Erklärer Pompejus hinzu, sowie Stücke aus Consentius und Isidor und aus dem in karolingischer Zeit so verbreiteten Virgilius Maro; vgl. Morelli a.a.O. p. 302. 306. Die Benutzung Priscians erstreckt sich bis zum Ende von Lib. 16 und geht auf einen Verwandten der besten Hss.klasse (R B) zurück. Auch gibt er zuweilen eigne etymologische Versuche und läßt eine gewisse Kenntnis des Griechischen durchblicken. Die Beispiele für die Regeln schreibt er meist aus seinen Quellen ab, nur wenig setzt er aus eigner Kenntnis hinzu wie aus Sulpicius Severus und Sedulius und aus der Bibel. Zu Ursus vgl. Ughelli, Italia sacra* 8, 40—44 und C. Morelli a. a. O. S. 288 f. Kollation und Ausgabe einiger Stücke von C. Morelli, Rendiconti della Reale Accademia dei Lincei 19, 287—312. — Zu Aldric. Diesem Abte legt M. Buchner (Stud. u. Mitt. z. Gesch. d. Benediktinerordens N. P. 4 (1914) S. 201—15 den Brief MG. Formulae 5, 509 f. (ed.Zeumer) bei; er ist an die Mönche von Ferneres 829 geschrieben. S. 485. Die Vita Maximini fand sich 1186 in Mainz (St. Jakob), vgl. Beihefte z. Zentralb], f. Biblwesen 43, 26. S. 487 (Gellius). Einhart besaß ein Exemplar des Gellius, vgl. die Briefe des Lupus 1 u. 5; aus diesem flössen Abschriften nach Frankreich, und eine derselben ist vielleicht durch Aldricus nach Sens gekommen. Uebrigens stehen Exzerpte (14, 5 u. 14, 3, 7) am Schluß des Bruxell. 10729 s. XII f. 223. S. 489. Zur Textkritik desValerius Maximus vgl.W. M. Lindsay, Observat. philol. 4,113 ff. (nach Mitteilung von E. K. Rand). Vgl. auch Bibl. de l'ec. des chartes 16,499 f. — Vinzenz von Beauvais benutzt eine vollständige Hs. des Valerius, benutzt aber daneben auch die Exzerpte von Lupus-Heiric. Das Inhaltsverzeichnis vor Valerius ist mittelalterlichen Ursprungs, denn es fehlen darin die Bezeichnungen der Kapitel, die durch Blattausfall verloren gegangen waren; es wurde hinzugesetzt, als man sich mit Valeriuskritik zu beschäftigen anfing. S. 490. Der Traktat des Lupus über die Versmaße bei Boethius steht mit Aufschrift im Amplon. F 35 s. XIV f. 113 b (vgl. den Katalog des Amplonius bei W. Schum, Die Amplonian. Hss. S. 820, 6) und ohne Aufschrift im Paris. 6401 s. XI und Vindob. 271 s. X f. 78. — Mit Lupus ist Petrus von St. Mesmin zu vergleichen, auf den oder auf dessen Veranlassung die Kollation der Chronik des Hieronymus zurückgeht, die in das uralte Exemplar von Fleury (erhalten 22 Blätter in Paris, Leiden und Rom) eingetragen wurde, das nach L. Traube (Die Chronik des Hieronymus, Leiden 1902) ins 5. Jahrhundert gehört; dort auch Zusammenstellung der aus St. Mesmin stammenden Hss.; die alten Miciacenses in Paris bei Delisle, Le cab. des mscr. 2, 408. wo auch über ein besonderes Kennzeichen dieser Hss., nämlich die Aufschrift ganzer Seiten Über sancti Maximim Miciacensis tnonasterii (ähnlich wie im Paris. 7193 aus Fleury). S. 490 (Erchanbert). Prof. S. Lurz zweifelt nach brieflicher Mitteilung an der Identität des Magisters mit dem Bischof Erchanbert, und diese dürfte allerdings unter Hinzunahme des MG. SS. 5, 338 abgedruckten Briefes nicht mit unserm Material zu erweisen sein. S. 499. Zur Dialektik Ermenrichs vgl. J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. d. frühmittelalterl. Philosophie S. 19 f. S. 501 (Suetonexzerpte). Heiric verdankte seine Suetonhs. dem Lupus und Lupus hatte die seinige aus Fulda kommen lassen. Dorthin leitet also die Ueberlieferung Suetons, denn diesem Kloster verdankt auch Einhart sein Exemplar. Heirics Exzerpte beginnen Ex libris Suetonii Tranquilli de vita Cesarum. Iulius Cesar questor adlmc gades hispaniarum cum venisset. Dieselben Auszüge enthält Lips. civ. I. 4. 48 s. XIV (vgl. Mo ebius, Philol. 1,636), aber nicht vollständig. Ein zweites Florileg aus Sueton gibt Paris. Nostrad. 188 s. XIII, dessen Verfasser eine in zwölf Bücher eingeteilte Hs. verwandte. Heirics Exzerpte sind übrigens später von Johannes Saresberiensis benutzt worden, während Vinzenz von Beauvais die Hälfte der andern Exzerptsammlung im Speculum hist.VI— X verwendet hat; beiden galten übrigens die betreffenden Exzerpte als der ganze Sueton. Vgl. Roths Ausgabe p. XXXIV n. 24. S.501. Das Gastmahl des Cicero bespricht anders als Traube auf Grund der Hs. von 808 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. La Cava 3 s. XI R. Reitzenstein im Philol. 57, 52; er nennt es das Gastmahl des Metellus und setzt es s. III — IV. S. 502. Vielleicht geht auf Heiric die Erklärung in Syri Vita Maioli 5 (Migne 137, 748 B) zu Juvenal 1, 44 zurück (die Vita Maioli ist nur interpoliert vorhanden). Heiric verfaßte auch Noten zu den astronomischen Schriften Bedas im Mellic. G 32 s. IX (dort auch kurze Notizen Heirics über sein Leben), vgl. Sickel, Bibl. de l'ec. des chartes, Ser. 5 tom. 3, 35 ff. — Sigebert führt Heiric in der Vita Deoderici Mettensis 17 (MG. SS. 4, 477, 30) unter der Bezeichnung quidam de neutericis an und zitiert aus dessen Vita s. Germani 1, 349. 352 f. S. 505. Traubes Ansicht, daß die Einleitungen des Remigius zu seinen Kommentaren das Vorbild zu den späteren Accessus abgegeben hätten, wird durch G. Przychocki an der Hand der Monacensis- und Noricensisvita zu Vergil widerlegt Wochenschr. f. klass. Phil. 1912, 990 f. S. 506. Der Donatkommentar ed. Fox 64, 10 wird benutzt von Konrad v. Mure im Fabu- larius. vgl. Ant. Mayer, Die Quellen des Konrad v. M. im Fabularius S. 12 f. — Daselbst S. 26 f. u. 34—38 der Nachweis, daß Remigius' Martiankommentar durch Konrad benutzt wird. Ein Fragment dieses Kommentars ist das Reichenauer Fragment 138 s. X (abgelöst von Aug. LXXX, vgl. A. Holder, Die Reichenauer Handschriften 2, 586). S. 508. Der Prisciankommentar des Remigius war wohl auch in Melk 1483 vorhanden, vgl. Mittelalt. Biblkat. Oesterr. ed. Gottlieb 1, 251, 2 unter F 14 Notule super Priscianum magistri R. in pergameno. Von der Erklärung zu den Partitiones XII versuum Aeneidos (allerdings vielleicht nur Auszüge daraus) im Rotomag. 1470 s. X — XI f. 4 a —38b gab die wichtigeren Stücke heraus xManitius, Münchener Museum 2,79—98; benutzt zeigen sich hier auchVegetius und Johannes Scottus und es erscheinen viele Ueberein- stimmungen mit, andern Remigiuskommentaren. Verwertet wird der Kommentar von Aynard von St. Evre, von Albericus im Poetarius und im Vokabular des Turic. civ. 58/275 s. XII f. 51b—62a ( V gl. J.Werner, Beitr. z. Kunde d. lat. Lit. d. Mittelalters 2 S. 100, wo sich findet Torreuma est vas eelatum vel lectus tornatilis vel secundiim Remigium fervor maris, vgl. Remig. zu Prise, p. 490, 22 und zu Phocas p. 425,16), endlich, wie auch der Martiankommentar und der zu Phocas, von Papias in dessen Lexikon (vgl. unten). S. 510. Auch die Glossen zu Phocas werden von Aynard und Albericus benutzt und sie weisen, wie auch der Prisciankommentar, ähnliche Stellen mit demMythogr.Vatic.il auf, der wohl selbst auf Remigius zurückgeht. Nach Rotomag. 1470 s. X — XI f. 54b —72b hrsg. von Manitius im Didaskaleion 2,73—88. Hierzu ist wohl Monac. 19454 s. XI f. 145 ff. u. 248 ff. zu ziehen. Die Glossen zu Eutyches aus derselben Hs. f. 80b —97b hrsg. von Manitius, Münchener Museum 2, 101—108, desgleichen einige zu Beda de arte metrica f. 38 a—54 b daselbst S. 98 ff. S. 512. Die stark gekürzten Erklärungen zu den Disticha Catonis aus derselben Hs. f. 73a —79» hrsg. von Manitius daselbst S.109—113; vgl. M. Boas, Phil.Wochenschr.1915, 1166 n. 3. Der Kommentar auch im Vat. reg. 1560 s. X, vgl. Baehrens, PLM. 3,210. S. 513. Hier ist nachzutragen, daß der von J. M. Burnam aus Valentian. 413 s. X veröffentlichte Kommentar zu Prudentius (Commentaire anonyme sur Prudence d'apres le mscr.413 deValenciennes, Paris 1910) vom Herausgeber wohl mit Recht dem Remigius beigelegt wird. Das geschieht allerdings nur vermutungsweise, doch läßt sich aus der Benutzung des Martiankornmentars von Johannes Scottus (vgl. zu Cathem. 9, 56 Joh. zu Mart. 1, 3, Didaskaleion 1 p. 158) wie aus vielen Stücken, die mit andern Re- migiusscholien übereinstimmen (vgl. zu Praef. 8. 30. Cathem. 1, 14. 5, 94. 9, 81. Apoth. praef. 3.195 c. In Sym. 1, 204 b), fast zur Gewißheit nachweisen, daß Remigius der Verfasser war. E. K. Rand hält das Werk als von Heiric verfaßt. — Remigius hat auch eine Vita Persii verfaßt, sie ist aus Vatic. reg. 1560 s. XI f. 141 gedruckt von C. Marchesi in Rivista di filologia 40, 1 ff. — (Martiankommentar.) Ueber das Verhältnis der Iren zu Martian vgl. M. Esposito , Hermathena 36, 71 f. S. 514. Zur Benutzung durch Notker vgl. K. Schulte, Das Verhältnis von Notkers Nuptiae Philologiae et Mercurii zum Kommentar des Remigius Autissiodorensis, Münster 1912. Zur Benutzung durch Albericus im Poetarius vgl. die Ausgabe von Bode, Rer. myth. Script. 1, 289 (Index); besonders 8, 18 (Bode 1,211), wo auf die Maitianerklärung deutlich Bezug genommen wird. Die Glossen bis zu p. 9, 11 aus Paris. 12960 s. IX — X f. 39.a_4ßb hrsg. von Manitius, Didaskaleion 2, 62 — 73, wo aus den Noten die enge Anlehnung an den Kommentar des Johannes und au Fulgentius' Mitologiae hervorgeht. Der Kommentar wird benutzt von Konrad von Mure im Fabularius, vgl. Ant. Mayer, Die Quellen zum Fabularius des Konrad von Mure S. 26 f. 34—38. S. 516 (Hemmo). Nach E.Riggenbach,Forsch.z. Gesch. d.neutest.Kanons, hrsg. v.Th. Zahn, 8, 41 ff. ist der Verfasser des Kommentars zu den Paulusbriefen Haimo von Auxerre, Nachträge zum ersten Bande. 809 der Lehrer Heirics. — In der Homil. domin. XVIII post pentecosten domini Aimonis aus-Berol. theol. lat. fol. 595 (Phillipp. 12270) finden sich nach Val. Rose, Verz. d. Hss. d. Kgl. Bibl. zu Berlin 2, 3, 1382 mehrere Verse, es sind Juven. 14, 139. Caton. Dist. 4,1,1 f. 4, 2, 1 f. 4, 3,1 f. 4, 4,1 f. 4, 5,1 f. u. p. 1335 Caton. Dist. 1, 6,1. 3, 24.1 f. S. 517. Ueber das Werk zur Messe vgl. Franz, Die Messe im deutschen Mittelalter S. 404 ff. S. 519 (Kommentar zu Boet. cons. philos.). Im Trevir. 1093 s. XI steht zu p. 85, 98 (Peiper) auf f. 146 a am Rand secundum commentum Remigii explanalio graeci versus deest, quid penitus corruptus est. Der Abschreiber bezeugt also hierdurch, daß der Kommentar von Remigius stammt. Derselbe Kommentar steht im Maihing. I 2 lat. 4 N. 3 s. X—XI f. 60» — H2b und im Monac. 19452 s. XI (aus Tegernsee). Die Gleichheit dieser Hss. erwies an den Glossen zu I, 1 Carm. 1 H. Naumann, Notkers Boethius (Straßburg 1913) S. 2 ff., und zwar gehen Maihing. u. Monach. auf die gleiche Abschrift des Kommentars zurück; Trevir. u. Monach. haben ihre Glossen interlinear und marginal, Maihing, als fortlaufenden Kommentar geschrieben. Der Trevir. kommt dem Original am nächsten und ist die beste Ueberlieferung. Bern. 179 f. la—63 b s. XI gibt einen Auszug aus dem Kommentar, ebenso Vindob. 242 s. XII, wo aber mit III carm. 9 ein andrer Kommentar einsetzt. Außer diesem Remigiuskommentar existiert noch ein zweiter (X), der sich aber nur in Kompilation mit Remigius erhielt. Eine solche ist im Maihing. I 2 lat. 4 N. 3 s. XI f. 4a—57^ (Text und Kommentar) ; hier steht auf dem dritten Vorsetzblatt Rune ego Froumundus librum eece Coloniae scripsi Atque hue devexi, tibi, sanete Quirine, decrevi, also diese Kompilation hat Froumund gemacht. Zwei andre Vertreter dieser Gruppe sind Sangall. 845 s. X und Binsidl, 302 s. X —XL Weitere Kompilationen dieses zweiten Kommentars mit Remigius stehen im Sangall. 844 s. IX—X, Monac. 18765 s. X, Einsidl. 322 s. X—XI und 149 s. X — XI, Bonn. 175 s. X — XI. Aus den Abweichungen dieser Glossen von Remigius hat Naumann S. 18 das Eigentum des zweiten Kommentar für I Carm. 1 etwa festgestellt. Danach ist dieser Kommentar gehaltreicher als Remigius, und Sangall. 845 scheint ihn nahezu vollständig wiederzugeben. Doch sind alle diese Kompilationen unabhängig voneinander gemacht, und es scheint s. X u. XI üblich gewesen zu sein, die Consolatio nach Remigius und X zu kommentieren. Der Verfasser von X ist kaum in Prankreich zu suchen, Johannes Scottus war es wenigstens nicht. Auch Notkers Kommentar in seiner Uebersetzung beruht auf einer solchen Kompilation. Doch hat Notker nicht aus Froumund geschöpft, da dieser um 987 seine Kompilation verfaßte und Notker wohl eher schrieb; außerdem nimmt Notker viel aus Remigius und Froumund nur wenig. S. 519 (Interpretationes nom. hebr.). Diese Schrift ist nach Berger (Quam notitiam linguae hebraicae habuerint Christiani medii aevi temporibus in Gallia, Nancy 1893) wohl identisch mit den Interpretationes nominum sacrae scripturae Parisienses, die sehr wahrscheinlich in den Kreisen der Pariser Universität zusammengestellt sind und fast regelmäßig eine Zugabe der späteren mittelalterlichen Bibelhss. bilden; vgl. Berl. phil. Wochenschr. 1897, 14 f. —Vgl. außerdem O. Bardenhewer, Biblische Studien 1, 83 ff. S. 523 (Malsachanus). Vielleicht verbirgt sich das Werk hinter der sonst unverständlichen Aufschrift in Glastonbury 1247 (loh. Glaston. ed. Hearne 2, 443) Sancate grammatica cum barbarismo. Diese Bibliothek war auch sonst reich an seltenen Grammatikern. S. 525. Zu Dunchad vgl. M. Esposito, The knowledge of Greek in Ireland during the middle ages in Studies 1, 682 (1912). Der Kommentar ist nach der Ueberlieferung im Paris. 12960 f. 25—30 (Buch 2.4.5) fast vollständig gedruckt von Manitius im Didaskaleion 1,139—156. Der Kommentar steht außerdem im Paris. 8786 s. X u. 14754 s. XII (ohne Namen des Verfassers). S. 529. Bovos Kommentar auch gedruckt bei Migne 64,1239. Vgl. J. A. Endres, Philos. Jahrbuch 25,364—367. S. 529 (Leo). Einen orientierenden Ueberblick zur Geschichte der Alexandertradition und des Alexanderromans gab Fr. Pfister, Wochenschr. f. klass. Phil. 1911 N. 42. Derselbe veranstaltete eine neue Ausgabe Leos: Der Alexanderroman des Archipresbyters Leo, hrsg. von Fr. Pfister, Heidelberg 1913. Hier stellt er in der Einleitung S. 7 fest, daß Leos Gesandtschaftsreise zwischen 944 u. 959 fiel, und S. 8. daß die Uebersetzung zwischen 951 und 969 gemacht wurde; als mutmaßlicher Titel der Schrift wird Liber de nativitate vita et morte omnium gestorum Alexandri festgestellt (S. 9). Auf der Fassung im Bamberg. E III 14 beruhen Monac. 23489 s. XII—XIII, Paris, nouv. acq. 310 s. XII und Ekkehard von Auras Excerptum de vita Alexandri Magni. Die Rezension I 1 stammt aus s. XI, I 2 spätestens aus s. XII, P ist vor 1236 entstanden, da sie um diese Zeit von Quilichinus in Distichen umgesetzt wurde. Die Schrift Leos gehört nach Pfister S. 19 ff. den älteren Rezensionen des Alexanderromans an und zwar steht sie der syrischen nahe, besitzt aber eine Menge Ab- 810 Geschichte der lateinischen Literatm- des Mittelalters. Zweiter Teil. weichungen von allen andern Rezensionen. Ueber das Verhältnis der Hss. einiger interpolierter Fassungen Leos (Vita Alexandri Magni und Historia de preliis) handelt Pfister, Rivista di Filologia 42, 104—113 (1914). Derselbe bespricht das Verhältnis der Hist. de preliis zu dem Alexanderepos des Quilichinus im Münchener Museum 1, 249—301 und A. Hilka druckt Roman. Forschungen 29,1 ff. aus der Hs. Liegnitz Petro-Paulina N. 51 eine Version des Alexanderromans ab, auf die er schon früher aufmerksam machte; daran schließt er den Abdruck der erweiterten Epitome des Julius Valerius aus einer Hs. von Montpellier. Zu erwähnen ist endlich der Berol. lat. 1028 (= lat. oct. 49) s. XV, der f. 1 ff. die Hist. de preliis mit einer Vorrede enthält, sowie einen Anhang besitzt, der eine Vorrede und Verse des Ptolomeus und des Demosthenes auf Alexander besitzt, die den Schluß der metrischen Hist. de preliis im Berol. Phillipp. 9346 s. XV bilden (vgl. Rose, Die Hss. d. Kgl. Bibl z Berlin 2, 3, 1320 f.). S. 532. Atto von Vercelli ist Verfasser eines Kommentars zum Hebräerbrief, vgl. Riggen- bach, Forsch, z. Gesch. d. neutestam. Kanons, hrsg. von Th. Zahn, Bd. 8 (1907). S. 532 n. 2. Zu Stephan von Novara vgl. L. F. Benedeto in Studi medievali 3,499—508. Otto I. und Poppo von Würzburg beriefen ihn nach Deutschland. Benedeto sucht das bisher von ihm gekannte Material (zwei Epitaphien, eine Unterschrift und einige Stellen der Vita Wolfkangi) zu erweitern, indem er die bisher für Stephans Vater Leo geltenden Verse in der Hs. Novara 66 für Stephan selbst in Anspruch nimmt, allerdings nicht überzeugend. Die von Wattenbach 1, 353 gegebene Einteilung der zwei Novareser Epitaphien ist nach Benedeto, der an der früheren Auffassung festhält, kaum richtig, und der Vers Insuper — finem gehört zu keiner der zwei Grabschriften, er enthält eine Anweisung für Ausführung der ersten. S. 532 n. 3. Das Epitaph Ekkeharts IL von Ekkehart IV. steht in dessen Liber benedictionum Varia N. 11 (hrsg. von E. Egli, St. Gallen 1909, S. 402). S. 535. Den Vers aus den Proverbia Aristotelis bei Gunzo (Martene et Durand, Vet. Script, ampl. coli. 1, 306 C) verbessert J. Ha vet (Oeuvres 2, 67) zu Limax in conclia sibi cornupeta esse videtur; Gerbert gebraucht in Ep. 32 (984 im Namen Karls von Lothringen an Bischof Dietrich von Metz geschrieben) denselben Vers Ut limax in siio conclavi cornupeta tibi videris (aus Leid. Voss. Q 54 f. 58 b ). Das (verlorene) Werk des Aristoteles sind die Ilagoi/iiat, von denen in später Zeit eine Uebersetzung ins Lateinische vielleicht in je zwei Distichen angefertigt wurde. S. 537 (vor Theodulf). Hirenicus. Die Augsburger Stadtbibliothek besitzt in N. 8 f. 110 a s. XII den Rhythmus eines noch unbekannten Dichters Hirenicus. Er ist schon bei Beda (Basil. 1563 und Colon. 1612) gedruckt, aber ohne die beiden ersten und beiden letzten Strophen, doch hat das Gedicht dort die Ueberschrift De ratione duodecim signorum. Es ist aus der Hs. gedruckt von K. Strecker, Neues Archiv 36, 322 f. (mit Varianten der Bedaausgabe) und zählt dort 21 Strophen von je 3 Fünfzehnsilbern. Der Dichter ärgert sich mit Isidor Et. 3, 17, 22 ff., daß der Tierkreis, den die Heiden mit ihren Bildern ausgeschmückt haben, auch jetzt noch diesen unchristlichen Charakter trägt, und er will die Mythen durch christliche Deutungen ersetzen. Strecker erweist, daß Strophe 5 vor 4 zu treten hat und daß 1 und 21 zum ursprünglichen Bestand gehören, dagegen sind 2 und 20 zu streichen, da sie dem Rhythmus De annis [Anni domini notantur in praesenti linea) angehören. Die Schlußstrophe heißt: Post novenos atque denos annos luna circuli Ad priorem redit cursum: totidem versiculos Humilis levita Christi edidit Hirenicus. Da der Reim des Gedichts noch völlig in der Entwicklung begriffen ist, so stammt Hirenicus wohl aus der frühen karolingischen Zeit. Die Frage nach dem Entstehungsort führt nicht nach Monte Cassino, wo man allerdings für lehrhafte Rhythmen empfänglich war, aber doch vielleicht nur eine Sammlung von solchen anlegte. S. 538. Theodulfs Vorliebe für die Antike wird von S. Tafel insofern weiter bestimmt, als er glaubt, daß jener der Sammler oder der geistige Urheber der christlichen Dichterhs. gewesen ist, deren zweite Hälfte der Vossianus des Ausonius darstellt, während die erste Hälfte (Quat. 1—4 u. 10 teilweise) von Tafel im Paris. 8093 entdeckt wurde, Rhein. Mus. 69, 530-641. — Das Gedicht Theodulfs über den Tafelaufsatz (PL. 1,547 f.) ist mit Benutzung einer vatikanischen Hs. aus Ripoll neu behandelt von Vidier, Bull, de geographie hist. et descriptive 1911 S. 285 ff.; Vidier meint, daß das Gedicht für eine Erdkarte der bischöflichen Palastwand verfaßt sei, während P. Lehmann an einen bemalten Tisch denkt. Ueber Theodulfs Verhältnis zur bildenden Kunst vgl. J. v. Schlosser, Schriftquellen z. Gesch. d. karoling. Kunst,Wien 1892, und Quellenbuch z. Kunstgesch. d. abendländ. MA., Wien 1896. S. 540. Zur Kirche in Germigny vgl. Letaldi Mirac. s. Maximini 2, 13 (Migne 137, 802 C). wo ein Distichon als Aufschrift angeführt wird, das in PL. 1 fehlt: Haec in honore dei Theodulfus ternpla sacravi, Quae dum quisquis adis, oro memento mei. — Zur Nachträge zum ersten Bande. 811 Kenntnis Ovids vgl. S. Tafel, Die Ueberlieferungsgesch. von Ovids Carolina ama- toria (Tübingen 1910) S. 67 ff., der auf die Möglichkeit hinweist, daß der Spanier Theodulf den Ovid aus Spanien mitgebracht habe und daß Paris. 7311 als Abschrift davon erhalten ist. S. 543. Zu den Hss. Theodulfs De ord. baptismi gehört Berol. Meerm. 93 (Phillipp. 1664) s. XI f. 64—78, der von Ademar von Chabannes geschrieben ist. S. 544 Z. 3. Die Schrift Angilberts über die Pflichten sind die Officia divina. Das Werk Institutio de diversitate officiorum ist gedruckt von F. Lot in App. VI der Hariulf- ausgabe in Collection des textes pour servir a l'etude et ä l'enseign. de l'histoire (1894), von E. Bishop. Downside Review, März 1895, und Liturgica historica, Oxford 1918. S. 547. Zu den Vorbildern des Epos Karolus Magnus et Leo papa gehören auch die Cyne- getica des Grattius (Vs. 174 [PL. 1, 370] = Grattius Cyneg. 26 f.), die sich nach F.Vollmer (bei Pauly-Wissowa 7. 1845) dadurch erhielten, daß zur Merowingerzeit einmal vielleicht für einen Fürsten oder einen Großen Gedichte gesammelt worden sind, die von Tieren und von der Jagd handelten; Vindob. 277 ist davon Abschrift. S. 548 n. 1. Vgl. hierzu C.Weyman, Archiv f. latein. Lexikographie 14, 481. S. 549. Bei der Absetzung Ebos von Reims wird Modoin in der Professio Ebonis erwähnt bei Flodoard, Hist. Rem. eccl. 2, 20 (Migne 135, 136 B) confessores meos Aiulfum videlicet archiepiscopurh et Baclaradum episcopum necnon et Modoinum episcopum. S. 552. Die Anlehnung Aedilvnlfs an Aldhelm ist besonders in Aldhelms Ausgabe von Ehwald in den Noten erwiesen worden. S. 553. M. Buchner sucht Hist. Jahrbuch 35, 1—25 den Formulae Merow. et Karol. aevi ed. Zeumer p. 505 N. 18 abgedruckten Brief an einen König Pippin dem Ermold zuzuweisen und also an Ludwigs Sohn Pippin gerichtet sein, während Zeumer ihn dem Fardulf von St. Denis beilegte. Buchner sieht in den dort genannten cusini Ermolds beide Lobgedichte auf Pippin und das Schreiben würde dann den Geleitbrief für die beiden Gedichte darstellen. Gegen diese Auffassung wandte sich W. Levison, Neues Archiv 40. 465, worauf Buchner eine Erwiderung Hist. Jahrb. 37, 221 ff. und Levison eine Entgegnung Hist. Jahrb. 37. 683 —692 schrieb. Levison hält an Zeumers Ansicht fest, daß der Adressat Karls des Großen Sohn Pippin, König von Italien, ist. — Aus der Zeit Ermolds vielleicht stammt das Bruchstück eines größeren karolingischen Gedichtes, das Willi. Meyer, Göttinger Nachr. phil.- hist. Klasse 1917 S. 589 f. aus Oxon. Bodlei. Laud. misc. 252 s. IX f. 10 herausgab. Mir scheint das Gedicht aus einer Ekloge in der Art Modoins zu stammen. Die ersten 26 Verse handeln von Erde, Himmel und Meer, die letzten zehn führen eine Gegenrede hierauf ein, in der der Sprechende dem Dichter vorhält, daß er in die gelehrte Weise des Vorredners nicht einstimmen könne, da er nur von ganz geringer Herkunft sei und die Bücher verachtet habe. Am Schluß wird Vergil genannt und Meyer zeigt, daß sich Vs. 34 recht gut als eine Art Publiliusvers (Bos lassus fortius figit pedem) auffassen lasse. Die Verse sind nach guten Mustern gebildet und pro- sodisch fast korrekt. S. 554 n. 5 würde ich jetzt die Worte: „Es dürfte aber — zu glauben" lieber streichen, da ich die karolingische Existenz des Aemilius Macer nicht mehr bezweifeln möchte. S. 557. Zum Martyrologium vgl. H. Quentin, Les martyrologes hist. du moyen äge (Paris 1908) S. 396 ff. S. 560. Genaue Kollation des Martyrologs in Dümmlers Ausgabe mit Bruxell. 10615—10729 s. XII von Manitius, Neues Archiv 39, 166—172 (die Hs. stammt aus dem Trierischen oder aus Lüttich). S. 561. Zum Martyrolog des Florus vgl. H. Quentin, Les martyrol. hist. du moyen fige S. 222, und zur Auslegung der Messe durch Florus vgl. Franz, Die Messe im deutschen Mittelalter S. 359 ff. S. 570, 21 lies „Pseustis, der Vertreter" statt „Pseustis. die Vertreterin". — P. Lehmann, Die Parodie im MA. S. 128. S. 571. Zu Godescalc ist zu vergleichen C.L.Perugi, Gottschalc, Roma 1911. — Godescalcs Autorschaft der Ecloga Theoduli bestreitet K. Strecker, Neues Archiv 45,18 ff.; P. Lehmann stimmt ihm bei. S. 573,37 lies „glossierte s. XI Adalbold von Utrecht die Ekloge" (statt Bernhard von Utrecht). S. 574. Zu den Aufschriften für die Ecloga kommen Melk 1483 und Wien Dominikaner 1513 (Mittelalt. Biblkat. Oesterreichs ed. Gottlieb 1, 252.11 [F 131] und 1. 412, 2 [U 20]); ferner Frenswegen (Marienwald) und Utrecht (Nieuwlicht), s.M e i n s m a, Middeleeuwsche Bibliotheken, Zütphen 1903, S. 255 N. 50 u. 279 N. 100 (292). Die Ausgabe des Gedichts in MG. PL. 4 ist zu erwarten von Osternacher. — Zu Theodulus in Frankreich vgl. G. L. Hamilton. Modern Philology 8, 4, 611 f. (1911). — Die gesamte Ueber- lieferung der Ekloge stellt Osternacher, Neues Archiv 40, 331—376 zusammen 812 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. (176 Hss. u. 96 Drucke). Am Schluß handelt er nach M.Boas (Mnemosyne 1914 5. 17 ff.) über die enge Verbindung Theoduls in den Hss. mit Cato und Avian. S. 575. Für die alte Datierung von Graff für den Abschluß von Otfrids Werk im Jahre 868 tritt ein E. Schröder, Zeitschr. f. deutsches Altertum 45, 377 ff. S. 580. Zum Carm. de sobrietate vgl. Zöckler, Die Tugendlehre des Christentums geschichtl. dargestellt (Gütersloh 1904) S. 257 ff. Quellennachweise gibt C. Weyman, Compte rendu du quatr. congres scientifique internat. des catholiques, Freiburg i. d. Schweiz 6, 158 f. S. 581. Zu Agius vgl. P. Lehmann, Corveyer Studien, München 1919, und K. Strecker Neues"Archiv43,490ff. S. 583. Das Leben der Hathumod ist übersetzt von Fr. Rückert, Stuttgart 1845. S. 587. Das dritte Buch der Bella Paris, urbis kennt auch der Verfasser der Sprichwörtersammlung im Basil. A XI 67 s. XV, vgl. J.Werner, Lateinische Sprichwörter und Sinnsprüche S. 9, wo als C 46, 1 erscheint Clerice, dipticam lateri ne dempseris um- qwxm (Abbo 3, 1). S. 588. Zum Distichon Vulneribus predis etc. vgl. die ähnliche Bildung schon bei Paulinus Petricord. Vita s. Martini 4, 187 f. und Archiv f. latein. Lexikographie 14, 50. S. 589. Dem Hucbald schreibt H. Omont (Not. et Extr. 38, 1, 342) einen Kommentar über die Regula s. Benedict! zu. der im Paris, nouv. acq. 763 s. IX und im Valentian. 288 s. IX steht. Beide Kopien müßten dann allerdings sehr bald nach der Entstehung des Werkes geschrieben sein. S. 591. Die Ecloga de calvis fand sich auch in Mainz St. Jakob 1515 (Zentralbl. f. Bibl- wesen. Beihefte 43, 118) Ilugbaldus de laude calvorum. S. 592. Den Widmungsbrief zurV. Lebuini an Balderich gibt heraus A. Hofmeister in Geschichtl. Studien Alb. Hauck zum 70 Geburtstage dargebracht, Leipzig 1916, S. 89 ff. Die Quelle von Hucbalds Vita Lebuini hat M. J. A. Moltzer in einer neuen Vita Lebuini entdeckt (Nederl. arch. voor kerkgeschied. Nieuwe serie 6, 221—235), und zwar findet sie sich in zwei Hss. im Haag und in Brüssel s. XV; zu zwei andern Hss. vgl. A. Poncelet, Anal. Bollandiana 28, 328 n. 1. Verfaßt ist die Schrift nach Altfrids Vita s. Liudgeri, die stark darin ausgeschrieben wird, und vor Hucbald, also sicher zwischen 840 und 930. Sie stammt nach Levison (Neues Archiv 37, 288) vielleicht aus Deventer: daselbst handelt Levison über Autoren, die von Hucbald benutzt sind, nämlich Boethius. Isidor, Bedas bist, eccl., Radbod, eine Vita Gregorii I., Willibalds Vita Bonifatii, das Chron. Laurissense, Alchvines Vita Willibvordi, Bedas größere Chronik und Nithard. S. 595. Zu Salomo vgl. U. Zeller, Bischof Salomo III. von Konstanz. Abt von St. Gallen, Leipzig 1910. dessen letztes Kapitel hier wichtig ist, da hier über die literarische Tätigkeit Salomos gehandelt wird. S. 597. Die Aufschrift zu den Glossae Salomonis heißt im Monac. 17152 s. XII f. 1—179 Ulosae a Salomone Constantiensis ecclesiae episcopo ex diversis auctoribus collectae. In einer Aufschrift aus Wien Dominikaner 1513 (Mittelalt. Biblkat. Oesterr. 1, 401, 25) S 29 erscheint Salemonis Constantiensis episcopi vocabularius, ineipit A in aliquibus gentibus. S. 598 (Carm. de Timone). J.Brummer vermutet (Hist. Vierteljahrschr. 18,1. 2 (1916), daß das Gedicht während der Reise des Bischofs Hitto von Freising nach Rom entstanden und von Erchambert verfaßt ist. S. 601 n. 4. lar — ignis auch bei Beda (Anal, hymnica 50, 97) und im Tropus (Anal. hymn. 49.121) N. 270,1,2. S. 603. RadbodsVita Bonifatii hrsg. von Levison,Vitae s. Bonifatii p.62—78, vgl. p. XLVIII —LVI. S. 604. Kirchliche Gedichte auf den hl. Martin erwähnt Guitbert von Gembloux in derEpist. de S. Martino unter dem falschen Namen des Adelbaudus Uitraiect. episcopus (Anal. Bollandiana 7, 286) cantum nocturnalem in eius laude composuit, triumphum quoquc ipsius de Danis et Suedis urbem Turonicam infringere et spoliare conantibus ... conscripsit. Daraus wird p. 287 ein Stück angeführt; vgl. hierzu p. 276 ff. und Moll, Kerkhist. Archief 3,214 ff. S. 610. Ekkeharts I. Epitaph von Ekkehart IV. imLiber benedictionum, Varia N. 10 (ed. Egli, St. Gallen 1909) S. 401. S. 612. Ueber die Komposition des Waltharius vgl. Fr. Novati. Studi di filologia. Milano 1913. — Ueber das Verhältnis von Nibelungenlied und Waltharius sucht Droege (Ztschr. f. deutsches Altertum 52,153ff.) zu anderem Resultat als Roethc zu gelangen. Er nimmt drei Stufen des Nibelungenliedes an. Die erste baut sich auf einer Grundlage auf, deren Dichter wohl durch den Waltharius angeregt war. Ebenso wirkte der Waltharius auf die in Worms weiter gepflegte Dichtung. Ekkehart aber habe andrerseits schon eine ausführliche Nibelungendichtung benutzt. Als sehr wahrscheinlich kann man freilich diese höchst komplizierte Ansicht nicht bezeichnen. — L. Simons Nachträge zum ersten Bande. 813 behauptet (Verslagen e mededeelingen d. kon. Vlaamschen Acad. voor Taal en Letterkunde 1907, 520—565), daß der vorliegende Text des Waltharius nicht der Ekkeharts I., sondern der verbesserte Ekkeharts IV. sei. Erchambald, dem der Mönch Gerald eine Hs. schenkte, sei nicht der Bischof von Straßburg, sondern Erzbischof Erkanbald von Mainz, auf dessen Geheiß Ekkehart IV. das Gedicht verbesserte. S. 613. Für den Waltharius wichtig sind G. Neckeis Aufsätze in German.-roman. Monatsschrift 9,139ff. 209 ff. — Vgl. K. Strecker gegen Wilm otte, Zs. f.d. Altert. 57,185 ff. S. 614. H. Lebegue veröffentlicht (Melanges offerts ä M.Emile Chatelain S. 585—587) die Varianten der Pariser Walthariushs. (Paris. 8488") mit der Ausgabe von Strecker. — W. Ta vern ier weist in sorgfältigen Untersuchungen (Ztschr. f. franz. Sprache u. Lit.42 (1914), 44—59 und 59—81) nach, daß sowohl der Verfasser des Carmen de prodicione Guenonis (hrsg. von G. Paris, Romania 11, 466 ff.) als auch der Verfasser des französischen Rolandsepos in vielen Stücken vom Waltharius abhängig sind. Zu L. Simons, Waltharius en de Walthersage (1914) vgl. Neues Archiv 39, 591. S. 614 (Gesta Apollonii). Das angebliche Zitat aus Walahfiid läßt sich nach P. Lehmann nicht auffinden, und derselbe glaubt, daß der Dichter nicht Walahfiid zitiert hat. S. 616. Auszüge aus den Gesta Apollonii gibt Lambert von St. Omer im Liber floridus, vgl. L. Delisle, Notices et extraits 38, 722 N. 315 'Inclita gesta pii regis Apollonii ex Antiochiis. S. 619. Die von Thietmar benutzte Stelle der Ecbasis captivi ist 8. 30 p. 210 (Kurze) velud in- felici vituloper latum liberos wirrereplacuit. Die Außenfabel übersetzt von E. Gressler, Jubiläumsfestschr. d. Kgl. Realgymnas. zu Erfurt 1894, und vollständig übersetzt von demselben (Ecbasis captivi. Die Flucht eines Gefangenen ... übers, v. E. Gressler, Dresden 1910.) S. 619 ff. Vgl. J. Schneiderhan, Roswitha von Gandersheim, Paderborn 1912. S. 623 ff. Vgl. Bernarda Trumper, Hrotsvithas Frauengestalten, Münster 1908. Die Dramen Gallicanus, Dulcitius, Calimachus und Abraham ohne Vorreden, Verfasserangaben und Titel stehen im Colon, arch. civ. W 101 * s. XII (vielleicht aus dem Pantaleonskloster in Köln) f. 1—16 b . Kollation von G. Frenken, Neues Archiv 44,109—114. S. 634. Zum Homerus latinus vgl. J. Stiglmaier in Prager Studien a. d. Gebiet d. klass. Altertumswissensch. 3.50 ff., wo über eine alte Regensburger Hs. s. XI gehandelt wird, die vor EFN entstanden zu sein scheint und sich besonders LL nähert. S. 636. O Roma nobilis ist jetzt gedruckt bei Blume, Anal. hymn. 51,219f. N. 189 vgl. K. Breul, The Cambridge Songs p. 92—94; dort p. 65 Ausgabe von O admirabile. Vgl. zu dem Gedicht P. Wagner, Kirchenmusikalisches Jahrbuch 22 (1909). 1 ff. S. 638. G. W.Robinson, The life of Boniface by Willibald, Cambridge 1916, liefert die erste englische Uebersetzung der Vita Bonifatii. S. 641. Zu den Gesta abb. Fontanell. vgl. F. Lohier, Revue Mabillon 7 (1912). 393—420, wo über die Hss. des Werkes gehandelt wird und neue Pariser Hss. vorgebracht werden. S. 641. Zu St. Wandrille vgl. Neues Archiv 37,862 und 38, 333. S. 642. P.Lehmann bemerkt (nach G. Morin), daß sich die Schrift De psalmis in einer Hs. zu Vercelli befindet. M. Vatasso hat wohl in seinem Aufsatz Del libellus de psalmis di Einardo felicemente ritrovato (Bessarione 19, 92—104) diese Hs. benutzt. S. 643. Zu den Gesta abb. Fontan. vgl. A. Rosenkranz. Beitr. z. Kenntnis d. Gesta abb. Fontan., Bonn 1911. S. 643 (Vita Karoli). Die Vorrede ist 893 ausgeschrieben von Asser de rebus gestis Aelfredi c. 73 (ed. Stevenson p. 54, vgl. p. 294). — Zu den alten Aufschriften kommen hinzu Mainz St. Jakob 1186 und zwei aus Heiligenkreuz 1381 (Mittelalt. Biblkat. Oesterr. 1,50,3. 74, 15). Neue Ausgabe der Vita Karoli von Holder-Egger, Hannover und Leipzig 1911. lieber Einharts Stellung zum Kunstgewerbe handelt M. Büchner, Zeitschr. d. Aachener Geschichtsvereins 40,1 ff. Vgl. L. Halphen, Einhard. historien de Charlemagne, Rev. histor. 126, 271—314. S. 645. M. Bondois hat sich gegen die Echtheit der poetischen Passio Marc, et Petri ausgesprochen. S. 646. Zu den Ostertafeln vgl. M. Bannister, Melanges offerts ä Emile Chatelain (Paris 1910) 141. S. 649. De ymno per rythmum facto ist gedruckt bei Strecker, MG. PL. 4, 2,659 N. 101. — Einiges von Dicuil steht nach E. K. Rand im Turon. 803 s. IX. S. 651. Das astronomische Werk Dicuils gab heraus Mario Esposito, Proceedings of the Royal lrish Academy 26, C, 378—446; vgl. Hermathena 16 (1911) 329 (früher 14,523). S. 652. Die Schreiberverse derMensuratio orbis sind auch gedruckt Anth. lat. ed. Riese N. 724. S. 652 n. 2. Zur via Moysi vgl. auch P. Geyer, Itinera Hierosolymitana p. 373 im Index s. v. Pharao, wo die Räderspuren auch erwähnt werden. S. 657. Das 2. Kap. des sog. Astronomus (MG. SS. 2. 607,44) wird unter Einharts Namen bei Aimoin Vita Abbonis 20 (Migne 139, 409D) angeführt Cassinogilum ... in quo 814 Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Zweiter Teil. idem imperator uxorem suam gravidam reliquit . .. Quocl et Heinardus vitae illius relator scribit. S. 660. Die Stelle, wo Nithard über die Translation von Reliquien ins Medarduskloster nach Soissons spricht, ist nach E. Müller, Neues Archiv 34,687 f. Ueber die Sprache Nithards handelt H. Prümm. Sprachliche Untersuchungen zu Nithard, Greifswald 1910, wo die neue Ausgabe von 1907 vielfach kritisiert wird. S. 662. Zu Candidus vgl. J. A. Endres, Forsch, z. Gesch. der frühmittelalt. Philosophie S. 15 ff. S. 667. Die ältesteVegetiushs., die den Biief Frechulphs von Lisieux enthält, ist Paris. 7383 s. X. S. 673 n. 1. Die kleine Lorscher Frankenchronik neu herausgegeben Neues Archiv 36, 23—29. S. 673 ff. Gegen die Aufstellungen Hellmanns über die Ann. Fuldenses wenden sich F.Kurze, Neues Archiv 36,343—393 (Duplik 37, 778-785) und M. Jansen, Hist. Jahrbuch 33,101 —103. Gegen Jansen wendet sich Hellmann, Hist. Jahrbuch 34, 40—64: Weder Einhart noch Rudolf noch Meginhart haben teil an dem Werke. Aber es ist zu bedenken, daß Hellrnanns Aufstellungen doch nicht sicher bewiesen sind, vgl. E. E.Stengel, Archiv f. Urkundenforschung 5,151 f. S. 677 Z. 6 lies C. Wagener statt C. Weyman. S. 678. E. Pereis. Papst Nikolaus I. und Anastasius Bibliothecarius (Berlin 1920) handelt im 2. Teil über Anastasius' Leben und über seinen Anteil an Nikolaus 1. Briefen und Politik. S. 682. Ueber Karls Bitte wegen des Dionysius schrieb Hincmar einen Brief, vgl. Flodoard, Hist. Remensis ecclesiae 3,18 (Migne 135, 194D). S. 684. Die Uebersetzung der Vita loh. Eleemosynarii wird charakterisiert von H. Geizer in seiner Ausgabe des griechischen Originals des Leontius (Freiburg und Leipzig 1893) p. XXXV ff. Fast auswendig konnte diese Uebersetzung Johann von Gorze, vgl. loh. de s. Arnulfo vita loh. Gorz. 84 (MG. SS. 4, 361,11) Iohannes cuiusdam Alexandrini patriarchae, quem Eleimonem cognominant, actus pene memoriae retinens; sie befand sich im Besitze von Adso 992 (Becker 41, XI) und in Mainz St. Jakob 1186 (Beihefte z. Zentralbl. f. Bibliothekswesen 43, 25); Hs. Escurial. R. IL 7 s.XIII. S. 688. Zu erwähnen sind des Anastasius Uebersetzungen von liturgischen Traktaten des Maximus Confessor'und des Germanus von Konstantinopel, vgl. hierzu S. Petrides, Revue de l'Orient chretien 10 (1905), 289 ff. und 350 ff. S. 694 n. 2. Zu Johanns VIII. Literaturkenntnis ist zu erwähnen, daß er in einem Briefe an Kaiser Ludwig (Deusdedit, Collectio canonum p. 417 can. 103) Cicero anführt und in einem andern Briefe an die Bischöfe Ludwigs (Migne 126, 670 A, ep. 22) Terenz zitiert. S. 695. Die Vita Gregorii befand sich z. B. in Mainz St. Jakob 1186 (Beihefte z. Zentralbl. f. Bibliothekswesen 43,26) und 1444 (daselbst S. 28) und in Klosterneuburg 1330 (Mittelalt. Biblkat. Oesterr. 1,110.39). Diepseudocyprianische Cena ist neu hrsg. von A. Harnack, Texte und Untersuchungen 19, 3 b (1899); vgl. M. Schanz, Rom. Literaturgesch. 3 2 ,409. Neuausgabe derVersiculi de cena Cypriani des Johannes von K. Strecker, MG. PL. 4, 2,857—900 mit umfassender Kritik der Aufstellungen von A. Lapötre; dort auch Ausgabe der pseudocyprianischen Cena. P. Lehmann, Die Parodie im MA. S. 19. 25 ff. S. 699. Hs. von Reginos De ecclesiast. disciplinis außerdem Luxemburg. 29 s. XII f. 25—283. S. 700. Die Chronik Reginos läßt auch bis 908 reichen Anselm von Lüttich, der in den Gesta episc. Leodiensium 8 (MG. SS. 7,195,2—9) ein Stück Regino (aus 635—641 p. 34 Kurze) abschreibt und zwar unter Nennung des Namens und mit der Einführung in chronicis suis, guae a primo incarnationis anno usque in nongentesium octavum annum extendit. S. 704. Neue Carmina de s. Quintino wurden gedruckt Anal. Bollandiana 20, 5 ff. (1901). S. 707. Rimberts Vita Anskarii wird außerdem von Helmold benutzt, vgl. B. Schmeidler, Neues Archiv 36.541 f.; eine Hs. aus Nordhorn wird erwähnt von F. Kampers, Hist. Jahrbuch 15, 373 f. — W. Peitz, Ztschr. f. hamburg. Gesch. 22,135 ff., will nachweisen, daß die kürzere Fassung in C der ursprüngliche Text ist, was aber abzulehnen ist (die Vorlage für den Druck Cäsars wäre dann die echte und älteste Form). S. 710. Erchemperts Verse zum Martyrologium Bedas sind eine Erweiterung des von d'Achery veröffentlichten Martyrologiums und nicht ungedruckt, vgl. H. Quentin, Les martyro- loges historiques du moyen äge S. 121 ff. S. 711. F. Savio, Atti della R. Accad. delle scienze di Torino 50,974—988 (1914/15) will nachweisen, daß Johannes Diaconus Neapol. zwischen 900 und 910 schrieb. S. 712. Ueber den Liber pontiflcalis des Agnellus handelt A. Testi-Raspone in Atti e memorie della R. deputazione di storia pattia per le provincie di Romagna, Ser. 3 Bd. 27, 86—104. 225—346. Er bespricht die Chronologie, die Quellen und die verlornen Partien des Werkes, sowie das Leben des Autors; S. 259 erwähnt er eine andre Arbeit über Agnellus, nämlich Lanzoni, II liber Pontificalis di Agnello, Rivista di Nachträge zum ersten Bande. — Nachträge zum zweiten Bande. 815 scienze storiche 1909. Vgl. auch P. Sinthern, Zum Lib. Pont, des Agnellus, Ztschr. f. kath. Theol. 34,726—729. S. 717. Zur Sprache Widukinds: Max Herrmann, Die Latinität Widukinds von Korvei, Greifswald 1907, und W.Norden, Das Schlußproblem bei Widukind und Helmold, Neues Archiv 37, 791. Eine völlig unbegründete Ansicht verteidigt G. Krabbel (Abhdl. über Corveyer Geschichtschreibung, 2. Reihe, Münster 1916, hrsg. von F. Philippi, S. 171 —197), nämlich daß Widukinds Werk vom Verfasser unvollendet hinterlassen sei und nur in einer entwurfähnlichen Form vorliege und daß die C-Klasse die älteste Redaktion enthalte. S. 718. Zwei neue Hss. von Widukind sind aufgetaucht, nämlich eine Berliner s. XIII, früher im Besitz von Trithemius, die 1909 in London gekauft wurde und dem Casin. nahe steht, vgl. Holder-Egger, Neues Archiv 35,776—788, und Monac. 4029 s. XVI f. 92—151 h , die nicht Abschrift aus der edit. princeps ist, aber ihr sehr nahe steht, vgl. Holder-Egger, Neues Archiv 36,521—537. Zu bemerken ist, daß Holder- Egger daselbst 35, 787 f. die beiden von Manitius, Neues Archiv 32,685 notierten Aufschriften aus Monte Cassino übersehen hat. Nachträge zum zweiten Bande. S. 30ff. Eine Neuausgabe des Polipticum von G. Goetz steht in M>hdl. d. phil.hist. Kl. d. Sachs. Akad. d. Wiss. 37, 2 S. 14—54 (1922) in beiden Fassungen; dazu Uebersetzung der ersten Fassung S. 55—68. Titel: Polipticum quod appellatur perpendiculum. Goetz verneint Attos Autorschaft und nimmt einen Verfasser an, „der nach dem Tode Attos schrieb, aber für Atto gelten wollte". S. 493 Z. 33 lies Adalberos für Adalberts. Alphabetische Register. I. Geographische Namen. 1 ) Aachen I 90. 303 f. 350 f. 384. 392.538.542.546. (Romanova 550). 553 ff. 559. 641. 658. II 231. 249. 279. 380 f. 428. Abingdon, Kl. II 444. 675. Aborigines II 339. Achaia I 232. Achivi II 264. | AddaI708. Adescancastre, Kl. I 143. 146. Ad-Francos II 244. 339. Adiutorii vicus s. Halfandorf. Aecani (Ecana) II 489. Aefternacae s. Ecliternacli. Aegypter. Aegypten I 212. 233. 241.651. II 237.239.259.343. 601. 772. 774. Aeseenednnum II 330. Aestland s. Esthland. Aethiopen, Aetliiopia 1 116.651. II 603. Aetna I 55. II 528. Afflighem II 152. Africa I 8. 12.15. 57.121 f. 125. 155. 166. 168 f. 191. 202. 211. 215.244.361.651. 676. II 237. 349. 583. 622. 644. AgareniI391. II 200. Agaunum, Iü. 1 303. II 197. 205. Agli, Kl. bei Toledo I 234. Agout, Muß I 657. Agrippinas = Kölner II 779. Ahalaspach, beiReiehenaul 357. Alamannen, Alamannien I 144. 548. 594. II 446. 711 f. Alanen 1210 f. 232. II 260. Albaner II 406. Albanien 1230 f. II 394. Albaterra II 244. Albnla, alter Name des Tiber 1519. Alderspach I 628. 631. Alexandria I 38. 44. 85. 237. 624.685. II 180 f. 516. Allesliusan (Alshausen) II 759. Allobroger II 472. Allstedt II 267. Alna. Kl. II 42. Alpen, Alpes I 171. 532. II 222. 472. Alpes luliae II 452. Altaich. Kl. II 394 ff. Altinumll 250 f. Altmühl II 555. Altomünster, Kl. II 101. Altrip, Alta ripa. Altrepium I 659 f. Alshausen, Grafen von II 756. AltumviUare (Hautvilliers), Kl. 1477. Altzelle, Kl. II 70. Amalfi, AmaMtanerlT197. 200. 202. 422. 424. Amazonen II 406. 411. Ameria, Bm. II 170. Amersfoort.Kl.II282. Amiens. Bm. II 535. Amorbach, Kl. II 85. 87. 96 f. 450 ff. Anchin, Kl. 1 179. Andiacum, Pfalz I 555. Angeln II 670. Angelsachsen 1 11—15. 18—21. 71 ff. 74. 79. 93. 95 f. 108.124. 127. 140. 143 ff. 147 f. 151. 166. 179. 191. 236. 238. 240. 244 ff. 260. 253. 256. 264.274. 277. 284. 287 f. 349. 365. 374. 460.549. 552. 589. 637 f. 690 f. 699. 705. II 3. 9.13.276. 386. 443 f. 537. 589. 646. 649. 652. 675—682. 699 ff. Angers, Kl. 1 538. 540 f. II 112. 120.150. 152. 216. 289. 461 f. Anglesey. Insel 1 241 f. Angli II 702. Anglia = England II 556. Angouleme. Bm. II 284. 286— 288. 290—293. Aniane, Kl. I 90. 467. AnioI88. AnisolaKl. 1605. i Anjou II 461 f. AutiochiaII157. 516. 813. Antiphoneteskii'che II 423. Aosta II 64. Apennin I 88. Apri Leucorum (St. Evre) II 661. ApulienI435. 11200.486. Aquileja, Patriarchati 199.368. 370. II 141. 247 ff. 251 f. Aquitanieu I 202.374.390.431 f. 552 f. 555. 612. 656. II 126. 225. 285 ff. 289. 292. 336. 354. 437. 439. 682. 729. Araber, Arabien 1 122.191.245. 708. 711. II 3. 90. 168. 199. 200. 348. 411. 511. 730. 732. Archadici iuvenes II 538. Ardennen II 538. Aremorici II 644. Arethusa II 525. Arezzo. Bm. II 303. 749 ff. 753. 756. Argyra. Insel I 540. Arles, Ebm. I 220. II 27. 687. Armagh II 239. Armorica II 673. Arras,Bm.I445.577.II 339.686. Artmacham II 237. 239. Asien I 201 f. 232 f. 651. 676. II 237. Assyrer, Assyrien 139.212.665. II 343. 772. 774. Asti II 736. Astigis, Bm. 1 53. Astilia, Insel 114381. Asturien I 375. 378. Athelney, K1.II647. 654. Athen 112.573. II 463.474.485. 489. 531. 634. Athenienses II 203. Atrebates, Atrebatum II 339.342. AtticaI232. Attigny I 352. 383. 388. Augia(Reichenau)Il510f.802. Augsburg. Bm. I 254. II 129. 203 ff. 265. 267. 472. 518.582. 586. 615 ff. 712. Aulne, Kl. 1149. 51. Kl.: ') Die Zablen beziehen sich auf Band und Seite. Die Namen des I. Bandes sind hier mit aufgenommen. Kloster, Bm. = Bistum, Ebm. = Erzbistum. Alphabetische Register. 817 Aurillac, Kl. II 24.27.508.729 f. Ausonia II 249. 369. Austrasien I 4. 171 ff. 182. 224. 226. 228. II 348. 480. Austri-Francia II 452. Autun, Bm. I 549 f. 704. II 163. Auvergne I 220. 390 f. Auxerre, Bm. I 267. 445—448. 484.499—502.504 ff. 588.599. 677. II 347 721. Avaren I 359. 541. 545. 716. II 307. Avellana, K1.II751. 753. Avenches, Kl. I 240. Aventin II 229. 231. 274. Aversa II 117. 123. 626. Avranches, Kl. I 481. II 22. 25. B. Babylon II 439. 516. 600. 702. 714. Badonicus mons (Bath) I 208. Baetica I 52. Balearen II 237. Balearisches Meer II 237. Baltisches Meer II 406. 411. Baluldi II 422. Bamberg, Bm. I 67. 254. 434. 436. 529. II 4. 217. 265. 268. 491. 531.592.595. 706 ff. 712. Bangor, Kl. (Benchuir) I 160 ff. 181. 354. II 239. Bar II 335. Barcelona I 216. 554. Basel, Bm. II 491. 576. 712. 802. Basken II 667. Baume, Kl. II 20. 25 f. 132. Bavaria II 222. Bayeux, Bm. II 114. 116. Bayerische Ostmark I 596. Bayern 1 143.148. 254.539.548. 596.615.652.11186.306.311. 373. 394. 396. 492.513. 518 f. 523. 739. 761. 775. Beauvais, Bm. I 414. II 15. Bec, Kl. I 481. II 117. Behemoth I 424. Bei, Kl. II 75. 79. Belgica II 458. Belgien II 746. Bellethor II 237. 239. Bellilocus II 361. Benchor (Bangor, Benchuir) II 237. 239. Benediktbeuem, Kl. II 801. Benevent, Bm. I 243. 257. 387. 436—439.683.709 f. II 199 ff. 234.515. 619 ff. 632 f. 807. Benno(a)polis (Hildesheim) II 275. Bergamo I 708. Berking, Kl. I 138. Berlin II 592. Bern II 216. Besancon, Bm. 1 89.182 f. II 558. Manitius, Lateinische Literatu Besäte (Bisatis) II 708.710. 712. Bethlehem I 181. II 74.80. 603. Bethlehemitae II 604. Beze, KL II 347. 350 ff. Biclarum Kl. I 216. Bigorre I 120. Bisatis s. Besäte. Bischofsheim, Kl. I 660. 669. Bizas, Insel I 232. Blandigny, Kl. I 641. II 129. 362 ff. Blaubeuem, Kl. II 15. 772. Bleidenstadt I 672. Blois, Grafen von II 217. Bobbio, Kl. I 5 f. 13. 76. 94. 160. 182 f. 193. 199. 244. 264. 319. 321. 374. 405. 458. 460. 519 ff. 708. II 5. 15. 159. 212. 732 f. 737. 798. Böhmen II 182 f. 186. 229. 277. 305 f. 395 f. 469. 761. Böhmerwald, Boemicus saltus II 317 f. Bologna I 440. II 74. 80. Bolsena II 620. 624. 630. Bonn I 695. II 219. Bordeaux I 616. II 114. Boulogne II 238. Bourges, Ebm. II 692. Brabant II 458. Bracara, Ebm. I 109. Bragmani I 248. Braina II 495 f. Braine-sur-Vesle II 496 f. Brandenburg, Bm. II 317. Brauweiler, Kl. II 125. 386 ff. Bregenz I 182. Breme, Kl. II 146 f. Bremen, Ebm. I 253. 414. 417. 705. II 398—413. 749. 752. Bremeti, Kl. II 294. 297 ff. Brescia, Brixia, Bm. I 25. 708. II 559. 561. Breslau II 595. Bretagne I 208. 700. Bretonen I 553 ff. Bridinno I 232. Brinnaco I 172. Brione II 106. 117. Britannia, Britannien, Briten I 9 f. 12. 21. 135. 156. 159 f. 181.197.208f. 232.237. 240ff. 244. 279. 447. 547. 592. 647 f. 652.670.672.699. II 652.670. 674. 701. 705. 772. Britannisches Meer II 401. 410. Briudun (Bredon), Kl. I 203 f. Brixen, Bm. II 366. Brixia s. Brescia. Brogne, Kl. II 129. 370 f. 415 ff. Brokenborough I 134. Bruttium I 43. Buchoniawald I 145. Bulgaren, Bulgarien I 688. II 159. 171. r des Mittelalters. II. Buraburg, Bm. I 144. Burdigalenses (Bordeaux) II 245. Burgund,Burgundia 1 164 f. 197. 202. 223 f. 381. 387. 484. 612. II 39.126.168.318f. 322.326 f. 336. 347. 441. 547. 558. Byzacene I 153. 155. Byzanz I 24. 172. C. Caen, Kl. II 594. Caerwent II 646. Cagliari I 94. Cahors I 542. Calliano II 736. Calneium castrum II 609. Cambrai, Bm. I 592. II 126.153. 337—347. 609. 686. Cambridge II 443. Campi Catonis I 169. Cana I 691. II 122. Cannae II 611. Cantabrer II 611. Canterbury, Ebm. I 12. 71 f. 81. 147.151.203.450f. 455.11497. 654. 675. 704. Capua I 709 f. Carisiacus I 477. Carriceia II 298. Cartagena I 52 f. Castellio, Kl. I 461. Castrum Lucullanum I 711. Caudebec II 599. Caudinischer Engpaß II 611. Cedar II 600 f. Celdar II 237. 239. Centula (St. Riquier), Kl. I 543 f. II 535. Cemel, Kl. II 676. 680. Chabannes II 284. Chalcedon I 153. 210. II 33. Chaldaea II 238. Chalons s. Marne, Bm. I 527 f. 657. II 618. Chananaea terra II 502. Charente I 555. Charlieu II 22. Charroux II 429. 432. Chartres, Camotum, Carnoteha urbs, Bm. I 450. II 12 f. 74. 103.106.108.115. 117.121 ff. 215—218. 457 f. 461 f. 533. 535. 558 ff. 682 ff. 688. 690— 694. 727. 778 ff. 783. Chasseneuil I 390. 394. Chatillon sur Loire II 336. Cherubin I 401. Chorischia II 237. 239. Choriscos (Corycos) II 237. Chryse I 540. Chrysopolis (Besancon) II 386. Cilicien I 12. Civate,Kl.189.257.260.265.270. Clabi = Bewohner von Verdun II 361. 52 818 Alphabetische Register. Clabia, Clabonia, Volksname für Verdun II 361. Clavorum urbs = Verdun II 355. 359. 361. Cleopatra I 212. Clermont-Ferrand, Bm. I 216. Cloin II 237. 239. Clonmacnoise I 547. Cluni, Kl. I 389. 445. 616. II 6. 15. 21—26. 128. 130—155. 347.349ff. 352.488f. 667.688. Clusa I 292. ComoII38f. 51. Compiegne I 325. 383. 385. 388. Conques II 461 f. Corach II 237. 239. Corbeia Saxonum = Korvei II 468. Corbie, Corbeia I 141.200f. 331. 334.397.400ff.403. 405—412. 415.477.528.568 ff. 693.705 ff. 714. II 416. 465 ff. 498. 606 ff. Corcia II 238. Cornubia II 654. Cornwallis I 142. Cotrone II 387. CremonaII169f. 172 f. Cretenses II 635. Crisolida I 232. La Croix-Samt-Leufroi, Kl. II 117. Cruachan feli II 237. Culmisciacum II 164. Cynocephalen II 406. Czänad, Bm. II 74 ff. Datier II 260. 264. Dänen, Dänemark I 457. 555. 586. 603. 648. 706. II 3. 186. 260. 264. 329 ff. 340. 399 f. 404. 406. 409 ff. 466. 646. 648. 802. Dalmatien, Dalmatiner I 163 ff. Damaskus I 85. Danaer II 260. 264. Dani (Dänen) I 115. 232. 303. Deutsche, Deutschland I 26.106. 214. 239. 253. 412. 532. 535. 569. 576. 598. II 60. 77.127. 156. 167 f. 231 ff. 269 f. 276. 286. 321. 327. 338. 380. 384. 396. 398. 401. 406. 449 f. 454. 513. 547. 559. 562. 572. 576. 599. 639. 649.674. 711 f. 714. 717. 720. 732. 772. 783. 785. Deutsches Reich II 246. Deutz, Kl. II 129. 364 ff. Deventer I 603. II 812. Diedenhofen (Theotonis villa) I 561. 565. II 699. 705. Dijon,Kl.I677. II 115.164. 347. 3501437. Dillingen, Grafen von II 204.208. Doccum I 703. Donau I 171. II 556. 772. Donaustrudel II 307. Donegal, Grafschaft I 236. Dorchester, Bm. II 703. Dording II 529. Dordogne II 239. Dortmund II 372. Douvigny II 142. Douzy II 352. Dover II 654. Dresden I 268. 270. Drontheim II 401. 406. Drusilatium, Stadt auf dem Berg Speciosus II 472. Dumio, Kl. I 109 f. Dyrrachium I 399. E. Eald-Saxones II 654. Ebersberg, Kl. II 593—596. Ebrach II 74. Ebreuil I 390. Ebusum, Insel I 237. Ecana = Troia in Apulien II 486. 489. 633. Echternach, Kl. I 158. 273. 279. II 425 f. 478—481. Egmond, Kl. II 15. 204. 415. 424 ff. 540. Egnesham, Kl. II 678 f. 681. Eicbstätt, Bm. I 145. 148. 638. II 492. 555 ff. Ekmunda s. Egmond. Elbe I 670. 707. Elbing II 650. Ella II 244. Elhvangen II 493 ff. Elo II 410. Elsaß I 556. II 136. 139. 561. Eltville II 378. Engelberg, Kl. II 761. Engländer, England I 12. 81 ff. 134.143—146. 208. 239. 244. 251. 253. 273. 282. 284. 331. 540.592.629. II 3.9.117.154. 243. 245. 330. 336. 393. 401. 404. 406. 425. 444. 480. 540. 547. 639. 646—651. 664. 668. 670. 675 ff. 683. Enterhof (Veneni atrium et curtis vel Spes aetheris) II 312. Epernay I 348. II 155. 163. Eptaticus, Ort einer Kirche des hl. Magnus II 102. Erfurt (Bm.) I 144.147. II 574. Eine, irischer See II 237. Essen, Kl. II 469. Essex I 72. Esthland II 406. 411. Ethioch, irischer See II 237. Etsch II 636. Eudoldi curtis II 419. Euphrat II 602. Europa I 202. 232.244.361. 385. 651. 676. II 167. 172. 237. Evea, Insel (Jona) II 237. 239 Evodia, Insel I 269. Exanceastre, Kl. II 654. Exeterl 646. F. Fär Öer I 652 f. Fano I 64. Farfa, Kl. I 266. 2, 7. Fan-ia (Heiligland, Fosetisland) II 406. Fe~camp, Kl. II 116. 123. 262. Fermo s. Firmana civitas. Ferneres, Kl. I 274. 4fc3. 485. 489. 499. 505. 569. II 807. Feuchtwangen, Kl. II 518 f. 522 ff. Fileta, Insel I 519. Finnen, Finnland I 232. Firmana civitas (Fermo) II 450. Flandern II 223.330.467f. 7711 Flandronsis populus II 720. Flavigny, Kl. I 80, Fleury,'Kl. I 66. 88. 201. 253. 338. 469. 487. 489. 501. 503. 538.541. 119.15.62ff. 67.125. 128 f. 132. 238—245. 331- 337.367—370.415 f. 431.444. 449. 451. 454. 506—509. 540. 654.664—672.678. 693.6991 742. 807. Florennes, Kl. II 463 ff. Florenz II 619. 632. Fontanetum, Fontenoy I 342. 442. 657—660. 713. II 297. Fosetisland II 406. 411. Franci, Francia, Franken, Frankenreich I 4.7.9.13ff. 21.25. 108.11411431146.148.150. 166.172.179. 182.1971 217. 224—228. 232 f. 239. 244— 248.250. 2531258.2681 271. 273 f. 280 f. 287 f. 293. 296. 304.315.3701382.396.4211 424. 426. 428. 434. 437. 453. 457.476.5201523.537. 5401 543.547—550. 5531 560.563. 612 f. 618. 634. 639. 647 f. 650ff. 654.659.6641667.676. 6911 703. 7071 716. II 132. 200. 237. 240 f. 244. 246. 248. 258. 260. 264. 283. 286. 348. 355. 410. 433. 441. 443. 466. 501. 547. 580. 592. 598. 647. 673. 687. 692. 737. 795. Franci = Franzosen II 561. Francia = Westfranken II 3.458. Franci Karolini II 234. Franci latini = Franzosen II 325. Frankfurt 1 368. II 167.173.269. Frankreich I 67. 174. 214. 224. 253.331.349.3891595.677. II 9. 60. 741 80. 1001 110. 127. 156. 217. 219. 272. 289. 295. 335. 338. 384. 396. 420. Alphabetische Register. 819 426. 440. 449. 451. 454. 526 ff. 559. 576. 588. 590. 592. 599. 649. 674. 683. 711. 717. 732. 734. 749. 807. Franzosen II 325.487.667.673 f. 700. Freising, Bm. I 144. 490. 576 f. 594. 598 f. 1184.86.306. 311. 556 f. Friaull 257 f. 369. Friesen, Friesland I 143. 146. 148. 232. 273. 548. 555 f. 603. 702. II 282.342.403.407.410. 746. Fritzlar, Kl. I 144 f. 147 f. 203. Fruttuaria, Kl. II 712. Fünfkirchen II 75. 80. Füssen II 615. Fulda, Kl. I 145.148 f. 167. 251. 253. 288 f. 290 ff. 294 ff. 298. 300. 302 ff. 307. 309 f. 378. 483 f. 487. 489. 493. 498. 501. 568. 575. 639 f. 654. 660 f. 663. 668 ff. 671 ff. II 9 f. 50. 85. 87.90.92.94.96.130. 268. 278. 377 ff. 388. 390 f. 393. 451 f. 460.470. 476.592.595 f. 598. 807. G. Gadaronten, Inseln I 232. Gades II 237. Galen II 704. Galater II 29. Galiläa II 603. Galli, Gallia, Gallien, Gallier I 4.6. 7. 20 f. 115. 119 ff. 124 f. 131. 159. 181, 183. 186. 196. 202. 217 f. 237. 244. 250. 352. 383. 388.404.431 f. 443.484 f. 559. 599. 665. 667. 675 f. 692. II 29. 40. 66 f. 80. 146. 151. 219. 225. 239 ff. 242. 244 f. 296. 310. 339. 354. 429. 434. 437. 451 f. 456. 458. 472. 474. 555.590.611.634. 653. 672 f. 693.699.703. 712. 731. 734 f. 745. 772. 783. Gallia Belgica I 202. 565. Gallica lingua II 613. Gallicienl 109 f. 232. Gallograeker II 29. Gandersheim, Kl. I 253. 581 ff. 619 ff. 628. 630f. II 126.269 f. 276. 469. Garde-Frainet II 168. Gascogne II 667. Gembloux, Kl. I 470. II 216. 457 ff. Genf I 224. Gent, Kl. 1615 f. 641. 644. II 220 f. 223. 228. 456. Germanen, Germania I 4. 13 f. 18.36.119.138.183.202.221. 232 f. 269. 352. 415.459. 652. 665. 669. 672. 676. 715. 718. II 40. 185 f. 234. 240 f. 244. 305. 409. 411. 452. 458. 472. 650. 697. 714. 734. 783. 785. Germigny I 538.540. II 428.810. Gerona, Bm. I 216. Geten I 42. 115. 423. Gildas-de-Ruis, Kl. I 208. Gironde I 616. Glastonbury, Kl. (Glastonia, Gle- stonia) II 15. 675. 679. 681. 700. 704. 706. Gnesen, Bm. II 229. Göttweih, Kl. II 761. Gog II 116. Gorgonen I 519. Gorze, Kl. I 319. 378. 508. 547. 659 f. II 128. 189 ff. 193 ff. 196 f. 238. 253. 256. 364. 416. 440. 784. Goslar II 72 f. 376.378.398.409. Goslarii II 375. Goten T 37. 52. 210—214. 216. 220. 537 f. 699. II 268. 260. Grado, Patriarchat (Nova Aqui- leja) II 126. 247—252. Grandval, Kl. I 446 ff. Grenoble I 222. Griechen, Griechenland, Graeci, Graecia I 232. 243. 358. 413. 431. 633. 665. 683. 687. 699. 715.113.102.166.170 ff. 198. 200. 221. 248. 394. 406. 411. 424. 516. 614. 627. 689. 702. 734. 737. 798. Griechenkolonie in Rom I 11. Griphen I 232. Grönland II 406. Gurgitensis, Wasserleitung II 196. Haff, frisches II 650. Hagustald I 71. Halagland II 406. Halberstadt, Bm. I 583. II 267. 276. Halfandorf (Adiutorii vicus) II 312. Hamburg, Hamburg - Bremen, Ebm. I 253, 396. 398. 705 ff. 713. II 126. 164. 398 ff. 403. 410. 412. 606 ff. Hassegau II 231. Haumont, Kl. II 49. Hautmont, Kl.II 129. 363 f. Hautvilliers, Kl. II 476. 569. Hebräer, Hebraei I 294.-699. II 74. 80. 702. Hebriden I 653. Heiligland (Helgoland) II 406. 411. Helgoland II 650. Helno s. St. Elnon. Hennegau II 450. 589. 2, 371. Herbipolis s. Würzburg. Hermon II 326. Hero, Insel I- 407. Herrieden, Kl. II 555. Hersfeld, Kl. I 483. 583. 671. II 83. 86. 91. 313. 317. 375 f. 378 f. Hesperia I 538. II 635. Hessen I 143 f. 146. 148. Hiatospolis = Regensburg II 308. 311. 313. Hiberer II 6 11. Hibernia, Hibernenses I 208. 232. 236. 332. 495. 648. II 239. 256. 798. Hildesheim, Bm. I 26. II 91. 126. 129. 268 ff. 283 f. 313 ff. 416. Domtüren 2, 269. 515. Hildini curtis I 590. Hirschau, Kl. I 84. Hister (Donau) I 230 f. II 774. Holland II 426. Hornbach, Kl. II 415 f. 446 1 Hornud, Kl. II 43. Huguard, Kastell II 379 f. Humblieres II 415. 417—420. Hunnen I 36. 232. 612. II 251. 296. 307. 361. 458. Hy, Kl. I 140. 236—239. 307. 648. 2, 239. KJ). Jarrow, Kl. I 70. 83 f. 147. 205. Jason II 202 f. Jebus II 600. Jericho II 603. Jerosolima, Jerusalem 1 85.237 f. 441. 665. 680. 685. II 75. 146. 157. 285 f. 292. 348. 362. 433. 438 ff. 558. 582. 600. 602 ff. 632. 735. Ilion I 495. Illyrici II 264. Illyrici sinus II 466. Imbripolis - Regensburg II 308. Inclyta II 238. Inda, Kl. I 555. Inder, Indien, Indi, India I 122. 233.404. 11339.343.411.603. Ingelheim 1 555. II 16.164.203. 205. 208. 563 f. In valle Badonisca, Kl. II 298. Jona, Kl. (Hy) I 236. II 237.239. Jonswil I 354. Jordan II 578. Iren, Irland I 8—14. 21. 75. 94. 99. 107 f. 114.124.127.134 f. 139 ff. 143. 156 ff. 159 ff. 182. 184. 187. 191 ff. 201. 208 ff. 236 ff. 239 f. 242. 244. 246. 250. 252 f. 256.274.292.302 f. 315 f. 318 f. 321 ff. 331. 335. 338.349.358 f. 365. 370 f. 374. 377. 393. 414. 456. 461 f. 466. 484. 495. 498—504. 509. 513. . 52* 820 Alphabetische Register. 519ff. 523.525f. 547.564.568. 571.647. 649 f. 652. 677 f. 687. 703.708. II 17. 178.195. 219. 236 ff. 256. 274. 356 f. 388— 394. 492 f. 501. 646. 650. 673. 696. 704. 706. 792 ff. 802. Irischer Ursprung von Aeneas II 237. Isere II 214. Islam I 8. 15. 245. 421 f. 424. 426. 428 f. II 3. Island I 420. 652. II 406 f. 409. Isle II, 239. IstrienI229ff. 233. II 251 f. Italien, Italiener I 4—7.20. 25 f. 31.49.114.117.126.131.159. 166 ff. 171.182 f. 196.200.202. 214.233. 243 f. 246. 250.253 f. 257. 261. 265. 267. 269. 342. 346. 357. 368. 374. 385. 391. 399. 433 f. 436. 449. 452. 506. 530ff. 535.543.568.571 ff. 594. 596.632f. 665.701.707ff. 716. II 5 f. 35.40.46. 79.118.131 ff. 135 f. 139.157.174.180.196— 199. 201. 220. 231. 247. 321. 350. 354. 358. 366. 383 f. 396. 422 ff. 450. 452. 454. 488.494. 498. 510. 513—516. 533. 547. 558. 580. 628. 634. 673 f. 694. 708 ff. 717. 719 f. 730—736. 743.752ff. 782f. 785. 794.802. Judäa II 603. Juden 1 130.201.241.244f. 290. 294.382f. 387f. 413.421. 423. 560. 562 f. 565. 665. II 253. 282. 308. 312.326. 378 f. 570 f. 577. 582. 599.612 f. 688. 692. Juten II 670. Jumieges, Kl. I 355. II 261. Junca, Bm. I 153. Jura II 439. Kalabresen, Kalabrien II 200. 206. 219. 221. 279. 528. Kamba II 57. 65. 71. 319. 326. Kampanien I 88. Karlinge II 396 f. Karthago, Karthager I 168. 191. 546. II 472. 487. 489. 502. Karus, Fluß II 345. Kastei I 672. Katalonien II 729 f. Kelten, keltisch I 158.165. 208. 503. 600. II 641. 653. 663. Kempten II 320. Kent II 497. 500. Kiersi I 348. 397 f. 401. 561. 565. 569. Kiew II 232. Kitzingen, Kl. I 144. Koblenz II 56 f. Köln, Ebm. I 145.148.171. 557. 559. 717 f. II 35. 69.129.175. —178. 211 f. 275. 355. 364 ff. 372. 374. 393. 401. 410. 469. 483. 518. 521. 523. 558. 746. 778. 783. 809. Kolmar I 375. Komer See II 257, 270. Konstantinopel I 8. 85. 93. 95 ff. 153.168 210 ff. 216. 238. 244. 258. 302. 396. 398 f. 413. 529. 679. 683. 685. 687 f. II 167. 170. 172 ff. 199 f. 286. 384 f. 422. 424. 633. 714. 760. 778 ff. 802. 805. Konstanz, Bm. I 356. 364 f. 575. 594—597. 607. II 321. 786. Kordova, Bm. I 421. 423. 426 f. 429 f. 620. II 190. 195. Korfu II 171. Korvei, Kl. (Corbeia nova) I 253. 339. 402 f. 405.409.426 ff. 581. 583.628.671.706f.714.716ff. II 176. 267 f. 276. 278. 402. 410. 467. 606. Kroaten II 248. Kroton, Bm. I 210 f. Kurland I 706. 2, 406. 411. Kyklopen II 407. L. Lagenii, irischer Volksstamm II 394. Langobarden,Langobardenreich, Lombarden, Lombardei I 89. 93.168.171. 179.182 f. 198 f. 231. 243. 250. 257. 259. 264. 267fi.271. 441.452. 664. 690. 699. 707—711. II 172. 179 f. 197. 199. 202. 247. 251. 258. 289. 292 f. 295. 298. 384. 396. 484. 513 ff. 579. 618 ff. 717. 794. Langres, Bm. I 216. 445. 545. II 115. 120. 122. 618. Laon, Bm. I 324. 334 f. 341.470. 499. 502. 509. 525. 545. 603. 641. 703 f. II 40. 479. 491. 526—530. 609. La Reole, Kl. II 240, 243. 667. 672. Lastingham, Kl. I 72 f. Lateiner, Latini, Latiner I 39. 225. II 562. 702. Latinae aures II 561. Latium II 627. 782. Latomagus (Caudebec) II 599. Laubach s. Lobbes. Lecenna, Wald II 240. Lech I 171. Lechfeld II 177. 205. Lederna villa II 457 f. Legia (Lüttich) II 476. 560. 779. Leicester, Bm. II 654. Leiden I 615. Leinster I 181. Le Mans, Bm. I 542. 604 f. II 20. 112. 155. 429 ff. 684. Lembaidis villa II 419. Lembec, Dorf in Brabant II 458. Leodium s. Lüttich. Leonina civitas (in Rom) II 181 Lerins, Kl. II 137. 139. Leuci, Leucorum urbs (Toul) II 385. 434. 440 f. Leviathan I 116. 424. Leyre, Kl. 1, 427. LibyenI194.238. II 582 ff. 585 ff. Ligurer, Ligurien 1 162. 164. II 532 663. Ligurici populi II 532. Limoges, Kl. II 25. 284—288. 290. 292 f. 742. 784. Lindisfarne, Kl. I 11. 72 f. 84 f. 552. Lindsey. Bm. I 72. Lipara I 683. Lippe I 648. Lippoldsberg, KL II 674 f. Lisieux, Bm. I 663 f. 666. Liutizen II 233. 236. 320. Namensetymologie 352. Lobbes (Laubach), Kl. I 647. 1115.34 f. 39 ff. 43. 49.51.56. 125.210 ff. 219—225.300.338. 374.457ff. 686.692.743ff. 748. Loire I 552. 554. 659. II 163. 286. 354. 528. London, Bm. I 71. II 704. Longpont. Kl. II 148. Lorsch, Kl. II 302 f. Lothringen, Lotharingia I 254. 341.615f. 618. II 75.196.210. 219.222f.227.252.256.260ff. 357. 382. 416. 448. 480. 525. 529. 591 f. 672. 734. 744. Lucca, Bm. II 714. Lügenfeld (bei Kolmar) I 375. 385. 549. Lüneburg II 268. Lüttich, Leodium, Bm. I 254. 315 f. 322. 375. 668. 704 f. II 14 f. 33 ff. 41 f. 51. 108. 116. 118.125. 147. 216. 219-228. 236.338.341 f. 358.370-373. 379—382. 457 f. 470 ff. 474. 476 ff. 491. 535 f. 538. 558— 561. 743 ff. 778 ff. 781—784. Lugdunensis I 202. 565. Lusitania I 216. Luxeuil, Kl. I 13. 182. 200 f. 224. 244. 418 f. 702. II 432. 435 f. 438 f. 441. Lyon, Ebm. I 359. 362. 380- 386.390.397. 401. 541. 549 f. 560—563. 565. 567. 659. II 153. 156. 163. M. Maas II 549. Macedonia I 232. 2, 343. Alphabetische Register. 821 Macon II 21. Maeotides paludes, Mitotischer See II 406. 466. Magdeburg, Ebm. I 696. 701. II 231 f. 265—268. 307. 398. 574 f. 686. 692. 732. 736. Magog I 519. Magonia, Zauberland I 381. 387. Magyaren II 3. Mailand, Ebm. I 24. 162 f. 183. 197. 200. 202. 260f. 317. 708. II 27. 35. 39. 472. 516. 582. 708 f. 713. 754. Maingau I 639 f. Mainz, Ebm. I 145 f. 171. 212. 251. 253.288.293 f. 303f. 356. 483. 5681'. 571.575. 594. 611. 637 f. 670 f. 698. 700. 714. 718. II 41. 56 f. 129 f. 173. 269 f. 274. 284. 303 f. 315.319. 324. 326.328 f. 375-378.388.390 f. 393 f. 415.459 f. 471-474.511. 562. 563 f. 566. 582. 586. 712. 714. Makkabäer I 665. Malaga I 430. Malamocco, Insel II 250. Malmedy, Kl. I 431. II 362 f. Malmesbury, Kl. I 12. 134 ff. Man, Insel I 240. Mantua I 197. II 182. 252. Marchiennes, Kl. I 589. 592. Marcigny, Kl. II 153. Marharia gens (Masovien?) II 579 Marienfeld, Kl. II 573. Markomannen I 299. Marmarica terra II 612 f. Maroilles II 338. 340. 343. Marseille, Massilia II 354 f. 687. Masmünster, Kl. I 264. Materia II 531 f. Maubeuge I 589. 592. Mauren I 168 f. 200. 245. 391. 428. Meaux, Bm. II 358. 360. 684. Meder, Media I 212.665.2,202 f. Mediomatrica (Metz) II 212. 375 ff. 613. Namensetymologie II 196 ff. Meißen, Bm. II 268. Meoparonitae, Inseln I 232. Mercia I 72. 141. 203. 647. 653. Merseburg. Bm. II 126. 231. 265 ff. 268. Meseritz II 229. Mettlack, Kl. II 424 ff. 479 ff. Metz (Mettis), Bm. I 89. 171. 173. 212. 224. 258. 261. 266. 349. 361. 397. 412. 508. 584. 604. II 105. 107 f. 115. 126. 129.189.192—197. 212. 236. 238.253 ff. 257.278—283.287. 357. 375. 384. 415. 446. 460. 491. 558. 610. 612. 745. 746 f. Meung II 539 f. 544. Micbelsberg, Kl. I 331.338.349. II 70. 217. 219. 508. 531. Michelstadt I 640 f. Micy, Kl. II 426—429. 507 f. Midianiter II 578. Mimigernaeford (Münster), Bm. 1702. Modena, Bm. I 199. 2, 531. Mons II 49. 457 f. Monss.Iohannis, Kastell II 163. Mont d'Or lez Rheims, Kl. I 588, 591. Monte Cassino(MonsCasinensis), Kl. 14. 88 f. 92. 243. 257. 259. —262.264 f. 267 f. 434 ff. 439. 608 f. 689. 700. 702.708—710. II 4 f. 10. 13. 15. 129. 234. 304 ff. 449 f. 452 f. 466. 484 —487. 620 f. 623. 627 ff. 633 f. 636. 664. 719. 810. Monte Gargano 1 445. Montier-en-Der, Kl. II 432 ff. 437 ff. 442. Montpellier I 245. II 164. Monza I 257. Morisena civitas Ungariae II 80. Mosel 1 171 ff. 258. 260. 498. Mousson, Kl. II 371. Moutier-la-Celle, Kl. II 434.436. Moutiers, Kl. II 347. 351. Moutier-Saint-Jean (Reome), Kl. 1144. Mülheim I 640. München I 613. Münster, Bm. I 273. 702. Münstereifel I 653. Münster im Gregoriental, Kl. II 562. 564. Muminenses, Volksstamm in Irland II 239. Munitia, Insel I 232. Murbach, Kl. I 273. 296. 304. 308.498. II 136.139. 446.540. Muri, Kl. I 593. II 70. 761. Murten II 320. Myra II 624. N. Namur I 603. II 49. 416. Nantes, Bm. I 182 f. Narbonensis I 387. 538. Narbonne I 538. Narnia, Bm. II 170. Neapel I 12. 433—437. 439. 529 f. 709 ff. 2,198. 626. Nemeta urbs, Nemetum (Speier) II 503. 560. Neuburg (Nuenburgensis ab- batia), (Bm.u.) Kl.I 145. 148. II 265. 267. 556. Neustrien I 171. 202. 227 f. 544. 585. II 242. 245. 336. 348. Nevers I 589. 591. II 51. Newminster, Kl. II 647. Nhutscelle, Kl. I 143.146.149 f. Nicaea I 51. 370. 685. II 578. Niederaltaich, Kl. II 313 f. 316 f. 394 ff. Niederlande I 506. II 127. 279 f. 282. Nienburg, Kl. II 316. Nikomedia II 532. Nil I 55. 78. 652. II 259. Nimes I 442. II 687. Nisibis I 38 f. Nobiliacum(NoailW), Kl. II 432. Nonantula, Kl. II 531 f. Nordalbingien, Nordalbingier I 396. II 401. 410. Norden (Kreis Emden) I 707. Nordhausen, Kl. II 128. 184 ff. 188. 276. Nordsee I 676. Nordwidi, Friesengau I 528. Noricum, Norici II 311,378. 525. Normandie, Normannen I 253. 279. 293. 295. 299. 316. 348. 528. 585 f. 589. 604. 652. 663. 667.675.695ff.703.707.II3f. 10. 123. 126. 219. 242. 248. 258—264. 349. 359. 385. 421. 428. 431. 441. 454. 458. 480. 526. 530. 620. 646. 648. 654. Namensetymologie II 349. Northumbria I 72. 81. 84. 136. 236 f. 273. 275. II 497. 500. Norwegen, Norweger II 404.406. 408.411. Bestattungsfeier412. Nova Aquileja s. Grado. Novalese, Kl. II 126. 146. 294 __ 299. Novara, Bm. I 531—535. II 350. Noyon, Bm. II 152 f. 160. 164. 343. 418. Nuenburgensis abbatia s. Neuburg. Numantia II 487. 489. Nursia (Norcia) I 88. O. Oberaltaich, Kl. II 127. Oberbayern II 593. Obermühlheim, Kl. I 641. Ochsenfurt, Kl. I 144. Oelberg II 433. 440. Oeren, Kl. II 125. 328 f. Oglio I 708. Oise I 214. Oliveti mons s. Oelberg. Olivolo, Bm. II 250. Orbais, Kl. I 568. 571 f. Ordruff, Kl. I 144.146. Orkaden II 401. 406. 410. Orkneys I 653. Orleans, Bm. I 89.253. 374. 411. 537 ff. 542. II 9.62.64.67.117. 333. 352. 367 f. 426. 428. 508. 540. 558. 664. 668 f. 687. Orta, Bm. I 678. 822 Alphabetische Register. Osnabrück, Bm. II 175. Ostangeln I 72. Ostfranken I 13 f. 144 ff. 233. 244. 252 ff. 290. 292 ff. 301 f. 317. 346. 401. 459. 483. 491. 519. 588. 619. 640. 667 f. 673. 699.701. II 156.348.398.409. Ostgoten, Ostgotenreich I 15. 24. 37 ff. 40. 42 f. 88. 94. 162. II 247. 251. Ostia I 624. 2,148. Ostrom I 93. 168. 214. 243. 269. 396. 398. II 246. 248. 385. Ostthüringische Marken II 396. Ottenbeuern, Kl. II 205. Oviedo, Kl. I 170. 245. 421. Oxford II 15. 443. Paderborn, Bm. I 546. 583. II 378. 388. Padua, Bm. I 558. Paktolus II 237. Palästina I 85.109.238. II 156f. 180. 286. 343. Palermo I 92. Pampelona I 421. 427. Panagia, Kl. in Balukli II 422 f. Pannonien I 109. II 142. 311. Paris, Bm. I 171. 173. 178. 224. 227.325.376 f. 398.412.505 f. 585 ff. 603. 683. II 9. 20. 25. 100. 104. 106. 108. 117. 121. 133.148. 216 f. 222. 233.341. 457 f. 498. 558. 664. 668 f. 712. Parium marmor II 634. Parma, Bm. I 273. II 64. 712. Parthenope (Neapel) I 435. II 424. 634. Parthenopolis (Magdeburg) II 311. 313. 575. Parther I 212. II 502. Passau, Bm. I 144. 496. 548. 559. II 394. Paterno, Burg II 249. 366. Pavia, Bm. I 6. 13. 24 f. 162. 198 f. 243. 257. 259. 273. 374. 4521712.1127.33. 37.140 f. 145 f. 166.172. 269.513.515 f. 708. 733. 736. 752. Paxos, Insel II 173. Peliacus rex II 202. Penna II 515. Pereum, Insel II 231 f. 234. Perigord II 239. 430. Perigueux II 286. Peronne, Irenkolonie I 11. 141. II 237. Perser I 125. 212. 331. 665. Pest II 76. Peterborough, Kl. II 722. Peterlingen II 140 f. 145. Petersberg bei Fulda, Kl. I 292. 668. Petschenegen II 232. 235. Pfalzel, Kl. II 125. 328 f. Phrygier I 225. Piacenza, Bm. II 66. 712. Pikten I 208. 240. 279. II 239. 794. Pilanum, Festung I 709 f. Pinnamellaria I 429 f. Pirchinwanch curtis II 312. Pisa, Bm. I 452. Pogen II 307. Pogica caribdis (Donaustrudel) II 311. Poitiers, Bm. I 171 f. 174. 181. 217.220.258.702. II 104.286. 667. 685. Polenll 229.231—235.265.267. 387. 735. Pollentia II 298. Pomposa, Kl. I 436. II 750 f. 753. Ponthieu (Pontiva) II 533. 535. Pontiva provincia (Ponthieu) II 535. Populonium I 94. Portland, Insel II 654. Porto, Bm. I 437. Potentia, Kastell II 291. Poussay, Kl. II 385. Prag II 183. 229. 233 f. 304 f. Pratum s. Iohannis (Mailand) II 713. Preaux, Kl. II 106. 116 f. 123. Preußen II 229 f. 232. 235 f. 306. 511. Provence I 383. II 39. 51.138. Pruel, Kl. I 559. Prüfening, Kl. I 67. 100. II 72. 757 f. Prüm, Kl. II 62. 64. 71. Puy, Kl. II 15. Pyramiden I 652. Q- Quedlinburg, Kl. I 715. II 185 f. 265. 267. 276—278. 469. 501. 503. Querfurt II 231 f. R. Ramesloh II 409. Ramsey.Kl.I511. II333.664f. 667 f. 670 f. 699 f. 703. 705. Ravenna, Ebm. I 162 ff. 170 f. 173. 178. 181. 242. 247. 304. 678.688.712ff. II47.64.170f. 173. 217. 231. 249 f. 293. 349. 363. 432. 708. 732 f. 735. 738. 743. Regensburg, Bm. I 144. 253 f. 559. 595. 620. 629. 632. II 15. 83 ff. 87. 183. 306—313. 315. 416. 491. 517. 523. 574. Reggio II 709. Regnum Lotharii II 211. Regmim Teutonicum II 3. Reichenau (Augia), Kl. I 90.192. 266 f. 296.302. 304.306 f. 309 345. 357. 361. 364 f. 415. 455 470. 493. 495. 497 ff. 531 f 534 f. 549. 551. 568. 643. 647 653 f. II 9 f. 62 ff. 71. 86. 210 323. 326. 384. 446. 491. 494 509—511. 756—761. 786. Reims, Ebm. I 171. 253. 335 339 f. 346 ff. 413. 466. 477 505 f. 525. 538.555. 568—571 588.590 f. 654.713.1141.125 155ff. 159—163.165.211.218 318. 352. 368. 419. 442. 479. 481.506 f. 529.618.664.668 f. 730. 732—737. Remi, gallisches Volk II 160. Remiremont I 224. Reomö s. Moutier-Saint-Jean. Rhäter, Rhätien I 495. II 579 f. Rhein I 495. 498. 556. 559. 613. II 367. 472. 555. 579 f. 714. Rhodez, Bm. II 287. Rhone I 542. 658. II 240. 579 f. Rialto, Insel II 250. Rievaux, Kl. II 756. Rifarrica, Insel I 232. Rigmonath II 237. 239. Riphiier I 232. Ripon, Kl. II 497. 499 ff. Rolduc, Kl. II 70. Rom, Römer, Römisches Reich I 3. 5 f. 10. 12 f. 17. 38 f. 43. 51. 71. 73 f. 83. 89. 92 f. 95. 99. 101. 105. 120. 130. 135. 142-145. 147 f. 163 ff. 168. 183. 198. 200. 203. 206. 211. 220 f. 242. 244. 247. 253. 264. 273. 285. 326. 331. 346 f. 386. 393. 397 f. 400. 407. 433 f. 439 f. 452. 484 f. 537. 543 f. 559. 568. 576. 601 ff. 609 ff. 627. 630. 633. 652. 671. 678 f. 682—685. 689 ff. 694. 699. 706f.709.712. 115. 8.14. 24. 46. 66. 93. 106. 108 f. 112 ff. 119. 121 f. 130 f. 135. 142. 145. 148 f. 157—160. 164 f. 167.169 f. 173.181.200.205— 209. 217. 222. 228. 230—233. 243. 249. 255. 269. 277. 296. 309 f. 312. 321. 325. 343. 355. 362.366. 377. 383 ff. 394. 410. 417.419. 422. 449 f. 452 f. 460. 463. 466 f. 472. 477. 487. 489. 510. 512. 522. 526. 528. 558. 579. 603. 607. 611—614. 620. 622.625. 629.632 f. 666 f. 672. 687. 728. 730. 735 f. 743. 745. 750. 753. 775. 778 f. 782. 812. Romainmoutier II 138. 140. Romana potentia II 343. Romanae acies II 343. Romanum imperium II 440. Romanus (Wortgebrauch) I 262. Romensis für Romanus II 196. Alphabetische Register. 823 Romenum, Kl. I 163. Romuleus, Berg II 296. Bonceval I 360. 656. Ros, Fluß II 237. 239. Rossano II 279. Rossia (Grafschaft Ross) II 237. 239. Rotenburg, Grafen von II 555. Rotes Meer I 652. Rotomi II 599. Rouen.Ebm. I 227. II 258. 263. 495 ff. 599. Russen II 232. 235. Rußland I 701. II 232. 421. Ruteni II 720. S. Saar II 479. Sachsen, Saxonia, Saxones 1 146. 241. 253 f. 279 ff. 285. 359. 374. 555. 568. 573. 581. 583 f. 592. 645 ff. 652. 660. 671 f. 701 f. 707.714—718. II 170. 173.176.182. 184 ff. 258. 265. 267—270.273. 277.307. 311 f. 316. 320. 327. 339. 343. 397 —400. 402 ff. 411. 460. 523. 575. 579. Säkkingen II 502 f. Sagan II 74. Sainte-Macre II 526. 529. Saintes, Bm. II 386. Salem II 600. Salerno, Salernitani I 245. 270. 115. 10. 13. 131.134 f. 197 f. 200—203.356.358.484—490. 545. 618—627. 632 f. Salinarum urbs (Salzburg) II 504. Salisbury, Bm. I 134. Salz I 584. Salzburg, Ebm. I 13. 144. 248. 317. 374. 391. II 503 f. Sambregau (Sambrensis pagus) II 457 f. Samland II 406. Samniter II 611. Saöne I 542. II 240. Saragossa I 99. 194. 196 f. 539. Sarazenen I 253. II 136—139. 233. 248. 294. 297. 341. 348. 350. 352. 387. Sardinien II 237. Sarmaticae orae II 612 f. Saturnia (Italien) I 519. Saxonicum idioma II 312. Saxonicus ensis II 525. Scepei II 330. Schaffhausen I 307. Schonen II 406. Schotten, Schottland, Scotti, Scottia I 9 f. 241. 250. 253. 317. 648. 677. II 239. 401. Schottenklöster II 278. Schwaben 1 254.302.539. II 318. 326. 492. 523. 761. 771. 775. Schwabengau, sächsischer II 277. Schweden 1 706. II 236.398.404. 406. 409. 650. 812. Sclavonia II 305. Scoten I 208. 240. Scyllacium I 38. Seligenstadt I 640. II 63. Seltz, Kl. II 140 f. Senlis I 351. II 120. Sens, Ebm. 1 171.173. 273. 601. 603. 807. Septimanien 1 129.131.202.383. 387. 539. II 428. Seraphim I 401. Sevilla, Bm. I 52 f. 93. 95. 99. 245. Sherborne, Bm. I 134. II 654. Simoeis II 485 f. 488. Sion II 603. Sirenen II 232. Sithiu, Kl. I 588. 590. II 115. 212 Sizilien II 198 f. Skandinavien I 706. II 404.409. 650. Skythen I 43. 230 f. 241. 700. Slaven I 359. 687. II 182. 186. 229. 234 ff. 248.266.284. 305. 320. 325 f. 400.404.411.735. Sodom II 578. 581. Soissons, Bm. I 171. 240. 380. 385. 390. 401. 404. 407. 411. 500. 502.568.589.592. II 162 —164. 472.477.495.497. 528. 814. Solenhofen I 493. Solima (Hierosolyma) II 600. Solothurn II 448. Sorakte II 126. 179 ff. Souvigny II 142. 144. 146 f. Spanien, Spanier I 8 f. 15. 20 f. 52 ff. 59. 69 f. 99. 125. 127 f. 130 f. 133.167.188.196 f. 235. 242. 245. 250. 308. 344 f. 348. 368 f. 378.380.383.386 f. 390. 394.421-426.428 f. 516.537 f. 540.542. 554. 656 f. 113.151. 174.336.348.487 f. 558.729 ff. 735 ff. 793. 811. Spanische Kleriker. in Fleury II 333. Sparnacus (Epernay) I 477. Speciosus, Berg II 472. Speier, Bm. (Spira) I 304. 308. II 284. 304. 440. 491. 501 ff. 559 ff. 569 f. 572. 715 f. 752. Spoleto, Bm. II 667. Klöster, Kirchen: St. Aciscli in Kordova I 430. St. Afra in Augsburg II 68.103. 210. St. Aignan in Orleans und Pleury II 367. 369. 454. St. Alban in Mainz II 284. 376. 393 f. St. Amand I 282.362.378.450 f. 483. 485. 505 f. 577 f. 588— 591. II 240. 49. 52. 608 f. 641 —644. 646. 798. St. Andreas in St. Amand II 608 f. St. Andreas in Ravenna I 173. St. Andreas auf dem Scaurus in Rom I 92 f. St. Andreas auf dem Sorakte II 126. 179—181. St. Arnulf in Metz 1 258. 397 f. II 128. 189 f. 194. 724 f. St. Aubain in Angers I 540. St. Augustin in Canterbury II 671. St. Avold im Metzer Sprengel II 255 f. St. Barthele'my bei Grenoble I 222. St. Bartholomaei in Ravenna I 712 f. St. Bartholomei in Mailand II 713. St.Basle 11734.737. St.Bavo in Gent I 641. 644. II 220—223. St. Benedikt in Salerno II 126. 197. St. Benigne in Dijon II 347.350f. 437. St. Benoit-sur-Loire I 88. St. Bertin I 160. 344. 460 f. II 210-213.329 f. 494.533.587 f. 647. St. Bonifacius und Alexius auf dem Aventin II 230 f. 233. St. Caecilia in Köln II 372. 374. St. Calais bei Le Mans I 605. St Cibard in Angouleme II 284 ff. 291. 294. St. Cloud bei Paris I 641. 657. St. Cosmas bei Tours II 114. St. Cyprian in Poitiers II 667. St. Cyr in Nevers II 51. St. Davids (Dewi) in Pembroke II 646. 653. St. Denis bei Paris I 148. 227. 289.295. 325 f. 339.370.373 f. II 82. lOOf. 233. 272.353.371. 416. 665. 672. St. Denis in Reims II 360. St. Dionysius bei Mons II 49. St. Dionysius in Mettlach II 480. St. Elnon (St. Amand) II 608 f. St. Emmeram in Regensburg I 611. 620. II 15. 84—86. 89. 91f.95ff. lOOff. 306-313.503. St. Etival I 616. St. Eucharius in Trier II 456. St. Eufemia in Grado II 251. St. Evre (S. Apri) in Toul I 616. 619. II 385. 432.436.439.639. 660 f. 824 Alphabetische Register. St. Felix und Clemens in Metz II 236. 238. 356. St. Gallen I 13. 181. 200. 202. 244. 251. 254. 301 ff. 311. 314. 354-359.361 f. 364-367. 493. 495.497 ff. 532 f. 535.575.594 —597. 605ff.609ff. 654. II 9f. 204 f. 208. 219.221.503.540. 561-568.639.694ff. 698 f. 767. St. Gangeric in Cambrai II 341. St-Genovefa in Paris II 222. St. Georg in Lyon II 549. St. Gereon in Köln II 746. St. Germain-des-Pre's I 585. II 457 f. St. Germain d'Auxerre I 504. II 347. 351. 353. 361. St.Ghislain II 371. 462 f. St. Gildas II 15. St. Giorgio in Venedig II 74. 79. St. Glosside in Metz II 193. 415. St.Hieronymus in Bethlehem II 80. St.Hilaire inPoiticrs II 104.684. St.HubertII239. St. Jago de Compostella II 489. St. Jakob in Regensburg I 253. St. Jakob in Lüttich II 379. 381. 457 ff. 754. 784. St. Johann in Augsburg II 205. St. Johann in Magdeburg II 265. 267 f. St. Johann in Trier II 481. St. Julien in Tours II 26 f. St. Kilian in Würzburg II 388. St. Lambert in Lüttich II 372. 380—385. St. Leger de Champeaux II 347. 351. St. Leo in Rom II 169. St. Lorenz in Lüttich II 358 ff. 365. 784. St. Lupus in Troyes I 274. St. Maria in Augsburg II 203. St. Maria ad Blachernas I 712 f. St. Maria in Cambrai II 341 f. St. Maria und St. Peter in Fleury II 369. St. Maria in Köln II 469. St. Maria in Neapel I 437. St. Maria in Reims II 159. 164. 418. 508. St. Maria in Soissons I 404. 407. II 496 f. St. Maria in Worms II 301. St. Martha in Cambrai II 341. St. Martial in Limoges II 125. 284 ff. 288. 291 f. 294. 673. St. Martian, Stift in Tortona II 53. St. Martin in Köln II 388. St. Martin in Mainz II 390. St. Martin a. d. Mosel II 483 f. St. Martin in Tours I 250. 274. 537. 601. II 25.107.114.133. 160. 164. 243. 558. 668. St. Martin in Trier I 696 f. St. Martin in Ungarn II 80. St. Martin in Utrecht II 746. St. Mathias in Trier II 456. St.Matthaeus in Salerno II 623. St. Maur des Fossös II 749.752 f. St. Mauricius in Magdeburg II 232. 265. 267. St.Maxentius in Poitiers I 702. St. Maximinus in Micy II 807. St. Maximin in Trier I 696 f. 701. II 175. 178. 309. 362. 416. 420 ff. 562 f. St. Medardus zu Soissons I 385. 589. 660. II 164. 495 f. 814. St. Mesmin de Micy I 375. II 426 ff. 506. 508. 807. St. Michael in Hildesheim II 268. 271 f. 274 f. 283. 316. St. Mihiel-sur-Meuse I 461. 467. 505 f. 508. 2,189 f. 193. St. Omer I 160. 460 f. II 128. 329 f St.PanLaleoninKöln II 176.272. 518. 523. 744. 746. St. Paul in Rom II 131.133.135. 776. St. Paul in Utrecht II 746. St. Pelagius in Reichenau II 510. St. Peter in Chartres II 684.691. St. Peter in Erfurt II 574. St. Peter in Merseburg II 572. St. Peter in Orleans II 369. St. Peter in Pavia II 130. St. Peter in Reims II 162. St. Peter in Rom I 601. 678. II 450. 452. 776. St. Peter in Salerno II 131. St. Peter in Salzburg II 641.645. 763. St. Peter in Verona II 52. St.PeterinWormsII301. St. Peter ad vincula in Rom I 164. St. Peter und Paul zu Winchester II 445. St. Pierre-sur-Dive II 117. St.Quentinll 126.257-264.418. St. Quentin in Autun I 704. St.Remi in Reims II 214. 218. 384. 417 f. 606 ff. 724 f. St. Riquier I 141. 406 f. 411. 469 ff. 475. 543 ff. 547. 657. 659 f. 663. II 216. 533—535. St. Sabina in Rom (Türen) II 269. St.Servatius in Maastricht I 641. St. Severin in Bordeaux I 616. St.Severin in Neapel I 711. St. Sophia in Benevent II 619. 632 f. 793. St. Stephan in Limoges II 288. 293. St. Stephan in Lyon I 386. St. Swithun in Winchester II 442 —445. St. Symphorian in Metz II 129 253—256. 278. 281. 356 f. St.Trond II 363. St.VaastinArras 1577 f. II 686. St.VannesinVerdun II 75.126 164. 195. 228. 355 ff. 360 f. St. Victor in Mainz II 56 f. 300 415. 459 f. St.Vincenz in Laon I 335. St. Vincenz in Metz 1 266. II 52 279. 281. 441. St. Vincenz am Volturno II 801 St. Wandrille I 641. II 801.813 St. Wendel 1482. St. Zacharias in Pampelona 1426 428. St. Zoylus in Cordova I 426.429 f. Stablo (Stavelot), Kl. I 405.431 f. 501. II 117 f. 123. 362 ff. Stour, Fluß II 648. Straßburg, Bm. 1 553 f. 556.658 f. Streoneshalch, Kl. I 83. Subiaco, Kl. I 88. Suburra I 689. Sueven, Suevenreich I 59. 109 f. 245. Suevi, Schwaben II 525. Susa I 294. 350 f. Sussex II 646. Sutri, Bm. II 752. 761. Syna, Fluß II 237. 239. Tanais I 232. Taprobane I 232. 540. Tarragona I 197. Tarsus I 12. Tauberbischofsheim, Kl. I 144. Teano I 710. Tegernsee. Kl. I 614 f. II 74. 83. 229. 313. 317. 494. 517— 525. 547 ff. 554 f. Teisterbant II 746. Tempe II 605. Tenedos II 485 f. 489. Teutonicae aures II 559. 561. Thanet, Kl. I 144. 147. Theologia, Kl. s. Tholey. Theotonis villa (Diedenhofen) I 80. II 705. Therouanne, Bm. II 210 f. 415. Thessalia II 202. 611. Thionville s. Theotonis villa. Tholey, Kl. (Theologia) II 358. 361. 482 ff. Thorney, Kl. II 699. 705. Thouars I 430. Thrazien II 628. 635. Thrente II 746. Thüringen, Thüringer, Thüringerreich I 143 f. 146. 148. 171. 716. II 398. 409. 460. Thurgau I 569. 572 f. 694. 697. Alphabetische Register. 825 Thyle (Thule) 1 263.652. II 237. 406. 701. Tiber I 102. 519. II 687. Tibur II 131. Ticinum (P.ivia) I 199. Tiel, Stift II 744. 746. 748. Tigris II 289. 528. 619. Todi II 220. 222. 269. Toledo, Ebm. I 52. 129 f. 194 f. 234 f. 421. 427. II 228. Tolosa (Toulouse) I 119. 122. 125. 542. Tomitaner I 306. Tongern, Bm. II 372. Tonnenna I 215. Torcello, Bm. II 250. 252. Tortona II 53. 56. Toul, Bm. I 331. 338. 535. 616. II 15. 189. 382—386. 432 ff. 439. 441. Tournai, Bm. I 577. Tours, Bm. I 171 f. 178. 181. 217 f. 241. 250 f. 288 f. 294. 389. 396. 398. 506. 537. 603. 639. 663. II 20. 24 f. 26 ff. 103. 106 ff. 112.114.121.133. 160. 164. 216. 243. 272. 478. 665. 685. 812. Traiectum s. Utrecht. Transalbiani II 403. 410. Trecas, Trecassina civitas s. • Troyes. Treviso, Bm. 1 170. 172. II 531. Trient I 268. Trier, Ebm. I 171. 396. 653 f. 696 f. 701. II 159. 253. 328 f. 415. 420. 422. 456 f. 472. 478 —482. 491. 562. 610—614. Troarn, Kl. II 116. 123. Troglodyten I 293. Troia, Troiani I 225. 231. 634. II 240. 264. 339. 466. 486. 488 f. Troia, Bm. in Apulien II 415. 485 f. 488 f. 633. Troia (Troyes) I 477. Trois-Pontaines, Kl. I 335. II 72. Troyes, Bm. I 339. 345. 348. II 162. 438. 457 f. Truso II 650. Trutmonia s. Dortmund. Türken I 230 ff. Tülle II 24. 27. Tungri II 224. 458. Turholt I 705. Turiaca penna II 569. Turiaca provincia II 572. Turin, Bm. I 372. 391—394. Tuscia 1 632. Tyrus I 237. U. Ullidia (Ulster) II 239. Umbrien II 624. Ungarn I 519. 586.596.612.700. 716. II 27. 72. 74 f. 77 f. 80. 82 f. 96. 142. 144 ff. 173. 177. 196.204 f. 232.235.248.306— 309. 311. 340. 355. 395—398. 416. 593. 735. 761. 769. 771. Ungarn, schwarze II 231 f. Upsalall 401.406.410. Uritborpl'e I 640. Utrecht, Bm. I 254. 589. 603. 702. II 178, 225. 279. 282 f. 535. 744 ff. 779. Uuangia (Worms) II 525. Uxellodunum II 359. Uzes I 387. 442. 561. Vaccina (Speier) II 503. Valenciennes I 362. 590. Vandalen, Vandalrenreich,Wan- dalen I 8. 36. 59. 155. 168. 211. 223. 244. II 458. 472. Vangionum urbs (Worms) II 458. Vendiere II 189. Vendöme, Bm. II 560. Venedig, Venetia, Venetianer II 74.79.126.167.170.246—249. 250—252. Vercelli,Bm.I415. II 106 f. 117. 119. 121. 294. 298. 512—516. 719. 725. Verdun, Bm. I 171. 506. 657. II 75. 126. 175. 178. 195. 225. 228. 246. 248 f. 353—362. 482 ff. 511.558.610. 612 f. Vermandinensis pagus,Verman- dois I 590. II 417. 419. Verneuil I 378. Verodunum (Verdun) II 359.361. Verona, Bm. I 24. 200. 212. 261. 266. 440 f. 632. 635 f. 708. II 35. 39 f. 43—48. 52. 222. 296. 298. 415. 513. 515 f. Verroniwaida (Longinqua pas- cua) II 312. Verrulium I 609. - Vesuvius II 349. Vezelay II 153 f. Via sacra II 627. Viarce, Insel I 232. Vienne, Ebm. I 217. 388. Vidula (Vesle) II 496. Vilich, Kl. II 415. 469 f. Vivarium, Kl. I 4. 38. 43. 47 f. Vosagus mons, Vogesen I 616. II 439. W. Walbeck II 265. 267. Wales I 141. 242. Wasconia I 202. Wasgau I 556. Wasgenstein I 612. Wasgenwald I 613. Waulsort, Kl. II 129. 236. 238. Wearmouth, Kl. I 70. 73. 75. 83 f. 147. 205. Weichsel II 650. Weihenstephan, Kl. I 598. Weifäenburg, Kl. I 303. 575 ff. 701. II 111. Wenden I 224. II 327. Wendhausen, Kl. II 185 f. Weuta, Wentana s. Winchester. Werden, Kl. I 450. 702. II 203. 205. 375 f. 378 f. Weser I 671. Wessex I 12. 134. II 646. Wessobrunn, Kl. I 349. II 696. Westfranken I 145. 202. 244. 252. 296. 317. 323. 343. 345. 401. 413. 476. 478 f. 493. 504. 538. 557. 601. 656. 659. 664. 667. 699. 700. 704. II 233 f. 260 f. 348.396.428.507.533. 545. 569. 664. Westgoten.Westgotenreich I 9. 11. 15. 19. 21. 52. 59. 95. 129. 164. 171. 187. 195. 216. 224. 245. 251. 664. Wight, Insel I 72. Wildeshausen, Kl. I 669 f. Winchester, Bm. I 72 f. 442 ff. 445. 675 f. 679. Winland II 401. 407. 410. Wintoniensis ecclesia (Winchester) II 681. Wirraha (Weser) II 411. Wizzi II 406. Wolfenbüttel II 111. Worcester, Worcestershire I 203 f. II 647. 675. 704. Worms, Bm. I 252. 264. 539. 1156—61.300—304.329. 364. 384. 457. 522 f. 525. 595.- Würzburg, (Herbipolis)Bm. 1 13. 144.202.493.532. II 72 ff. 83. 86.91.304.388.393.450.452. 491. 518. 522 f. 525. 555. 557. X. Xanthus II 486. Y. York. Ebm. I 12. 72, 74. 147 f. 273 275. 279. .702. Z. Zara II 74. Zürich I 606. II 255 f. 569. 826 Alphabetische Register. II. Eigennamen- und Sachverzeichnis. 1 ) Aaron s. Harun. Aba (Ovo) König von Ungarn 63. 80. 769. 771. Abacus, Rechentisch 146 f. 226. 727. 731 f. 736. 766. Abbo Abt von Fleury 125. 129. 226.239 f. 242. 244 f. 332. 426. 430 ff. 438 f. 442. 450. 454. 507 f. 527 f. 664—672. 683. 691.693.699.703.705. Dedia- lecticis syllogismis 640. 664. 669. Komputistisches Werk {Ephemerida) 664. 669. 727. Astronomische Vorträge 664. 669. Quaestionesgrammaticae (Dicta) 638. 664 f. 667 ff. 671. 699. De numero mensura et pondere664. Vitas. Eadmundi 415.665.670f.;beiAelfric678. Auszüge aus den Schriften der Väter 665. 672. Apologeticus 243. 429. 665 f. 672. Collectio canonum 666.672. Regeln zum Komputus 667. Explanatio in «alculoVictorii639.664.668 ff. 672. 699. 727; in der Vita Burchardi Wormatiensis299 f. Sententia de differentia circuli vesperi 669. De anno domi- nicae passionis 669. Quae stiones de magni cycli natura 669. De cursu VII planetarum 669. Ciclidecemnovenales669. Einführung in die Zyklen des Cyrillus und Dionysius 669. Excerptum de gestis Romanorum pontificum 672. Briefe 640. 667. 670. 672. Verse 333. Gedichte an Dunstan von Canterbury 671. Gedicht an Otto III. 667. 671. Gedicht an Wulfric von Canterbury 665. Abbo von St. Germain 408. 498 f. Bella Paris, urbis in einer Sprichwörtersammlung 812. Abbo, Vater Odos von Cluni 20. 133. Abderrahman III. Kalif von Kor- dova 167. 190. Abdias angeblicherVerfasser von Apostelgeschichten, bei Ald- helm 797. Abecedarien 443 f. 558 ff. Abel 601. Abendmahlslelire I 403 f. 407. 409 f. 413. 415 f. 475. 561. Abibon 556. Abraham 556. 763. Abraham Bischof von Freising 174. Absalom 82. Abundius Heiliger 205. AccaBischof vonHagustald 497. 500. Accessus ad poetas 797. 808. Achilles 605. Achtsilber, jambische I 140. 141 f. 649 (doppelte). II 257. 298 f. 344. 492. 556 f. 588. 690. 752. 756. Acta Gundeberti et Berthae bei Plodoard 163. Acta Theodardi bei Anselm von Lüttich 373. Acta Timothei et Apollinaris bei Plodoard 161. Actus fundatorum Brunwilaren- sis monasterii 386—388. Actus Petri et Pauli bei Lant- bert von Deutz 365. Adalbero Erzbischof von Reims 211 f. 214.216.218.220.341. 432.526.730. 733 ff. 7371745. Briefe 220. 222. Adalbero Bischof von Augsburg 204 f. 209. Adalbero Bischof von Laon 258 f. 263. 342. 493. 525—531. 682. 691 f. Summa fidei 527. 530. Carmen ad Rotbertum 493. 527—530. Brief an Fulco von Amiens 529 ff. Adalbero I. Bischof von Metz 195. 238. 281. 357. Adalbero IL Bischof von Metz 253—256. 278 f. 357. 693. Adalbero II. Bischof von Verdun 356. Adalbero Pfalzgraf von Sachsen 271. 274. Adalbert (Albert) Erzbischof von Hamburg-Bremen 7. 126. 398 —411. 606 f. Geschichte der Schwedenmission 398. Brief 607 f. Adalbert Erzbischof von Magdeburg 421 f. Adalbert Bischof von Prag 129. 220. 222. 229 ff. 306. 517.576. 579. 736. Adalbert Abt von Echternach 425 f. Adalbert Abt von St. Michael in Hildesheim 316. 318. Adalbert Abt von Hornbach 447 f. Adalbert Dekan zu St. Martial in Limoges 284. 286. 291 f. Adalbert Mönch in Fleury 242. 251. Translatio s. Benedicti 242. Adalbert Mönch in Regensburg, Bericht über seine Reise nach Palästina 308. 311. Adalbert, Diakon, Ad Hairman- num presbiterum 796. Adalbert, SohnBerengars, Markgraf in Italien 169. 173. Adalbert Graf von Vermandois 257. 263. • Adalbert, Vater Adalberts von Magdeburg 421 f. Adalbert (= Autpert?) Psalmenerklärung 801. Adalbold (Albald) Bischof von Utrecht 66. 219 ff. 223. 225 227. 267. 535. 538. 743—748. 779. 783. 785. Geometrische Anfragen an Gerbert 727. 739 f. 743. Briefe 743. 745. Libellus de ratione inveni- endi crassitudinem sphaerae 743—748. Kommentar zu Boeth. de consol. 3 metr. 9 744—746.811.VitaHeinriciII. 128. 220. 222. 744. 7471; bei Alpert279f.282. 747 f.; beim Annalista Saxo 748. — Ausleiher von Büchern aus St. Pantaleon in Köln 744. — Angeblich von ihm verfafät Vita Walburgae 746. 748 und die musikalischenTraktate Q uem- admodum indubitanter musi- cae consonantiae iudicari pos- sint sowie Monochordi neta- rum per tria genera partitio (Adelboldi musica ad Silve- strum papam) 716.748. Adaldag Erzbischof' von Hamburg-Bremen 160. 164. 403. 410. Adaiger Bischof (vonAugsburg?) 52f. Admonitio adNonsvindam 19.52f.; bei Albvin vonGorze 53. 736. Adalgis iangobardischer Fürst 295. Adalhalm Abt von St. Afra in Augsburg 102 f. Adalhard Abt von Corbie 465 —468. Liberde dispositionibus ordinationis in der Vita Adal- hardi 466. 468. Briefe 466- 468. Adalolf Abt von St. Bertin 211 f. Adalram bayerischer Adliger 306. 311 f. Adalward Schwedenbischof 398. 409. 411. Adalward der Jüngere, Kleriker in Bremen 406. 412. Adam 82. 615 f. 672. 772. l ) Einzelnes zum Sachverzeichnis ist aus Bd. I mit aufgenommen und dann mit I bezeichnet worden. Alphabetische Register. 827 Adam, Lehrer und Domherr in Bremen 126. 398—413. 606. 707.714.749.752. GestaHam- maburgensis ecclesiae ponti- ficum 398—413; Ueberarbei- tung 405.408 f. 412. Poetischer Epilog 407. Descriptio insu- larum aquilonis 407. Beim Annalista Saxo 409. 412; bei Helmold 409. 412; bei Albert Ton Stade 409. 412; in der Vita Meinwerci 409; in der Hist. archiepiscoporum Bre- mensium 409. 412; in den Annales Lundenses 412. Adam westfränkischer Mönch, Korrespondent Gerberts 739. Adamnanus von Hy 799. Adela Aebtissin von Pfalzel 328 f. Adela Markgräfin von Flandern 467 f. Adelbaudus Bischof von Utrecht 812. Adelburg 388. Adelchis Herzog von Salerno 198. Adelelmus Bischof von Verdun 361. Adelerius von Fleury, Miracula s. Benedicti 242. 245; bei Ai- moin 245. Adelferius Salemitaner 200. Adelheid Kaiserin, Gemahlin Ottos I. 48. 137. 140 f. 171. 186. 236. 238. 297. 734. Adelheid Aebtissin von Quedlinburg 276. Adelheid Aebtissin von Vilich 469. Adelmann von Lüttich, Bischof vonBrescia 103 ff. 115. 120. 122. 216.364.366.457.558— 561. 572. 682. 683. 691. 694. 778ff. 781. 783f.; Rhythmus (Abecedarius) 122.494.558 ff.; Umarbeitung 560. Briefe 122. 559 f. 640 f. Adelold,RhythmischeFünfzehn- silber auf die Bestattung des Remigius, bei Flodoard 161. 165. 806. Adeloxanus (?) (statt Adelman- jius?) 783. 785. Adehvoldus s. Ethehvold. Ademar von Chabannes, Mönch in St. Cibard 27. 125 f. 284— 294. 515. 673 f. 684.691.736. 805. 811. Predigten 285. 290. 294. Konzüsakten 285. Gedichte auf den hl. Eparchius 285.290.293 f. 492.494. Chro- nicon 285 ff. 292; indenGesta episc. Engolismensium 292, im Chron. Malleacense 292. Epistola de apostolatu s. Mar- tialis 287. 291 ff. Geschichte der Aebte von St. Martial 287. Sermo des. Austricliniano290, de s.Valeria 290. Commemo- ratio abbatum Lemovicensium 292. Adeodadus Korrespondent Ful- berts 684. Adeodatus Bischof von Parma32. Adhegrin Mönch, Freund Odos von Cluni 20. 25. 132. Adhelaidis Königin von Frankreich 369. Adhelrad Mönch 131. Adilbert Prior, Verfasser der deutschen Uebersetzung von Berns Vita Udalrici (?) 68. Admonitio synodalis bei Rather 46. Ado Erzbischof von Vienne, Martyrolog bei Marianus Scot- tus392; bei Notker Balbulus 804. St. Gallener Adohand- schrift 562. Ado Bruder Roülands 711. 713. Adonische Verse I 313 f. 370. 496. 557. 571. 605. 662. 669. 713. II259.261. 290. 514.517. 587. Rhythmische Adonier I 443. Adrald Mönch 146. Adrebald(Adalbertus) Mönch in Fleury, Miracula s. Benedicti 242. 244 f. 331. 334 ff; bei Aimoin 245. Adso Abt von Montier-en-Der 18. 415. 432—442. 671. 733. 736. Vita s. Frodoberti 415. 433 ff. 436. 737. Vita s.Walde- berti 415. 435 f. 439. Vita s. Bercharii 415.437 ff. 442.737; Fortsetzung 439. 442. Vita s. Mansueti 415.434 f. 440 f. 737; in denGesta episc. Tullensium 435. Vita s. Basoli 415. 436 f. 441 f. 737. Miracula s. Apri 415.436. 441. De ortu et tempore Antichristi 432 f. 439 f.; bei Gerhoh von Reichersberg 433. Gregorii I. Dialogorum Lib. II metrificatus 432. 438 f. 671. 796. Gebete .und Psalm- odien 438. 442. Hymnen 442. Kommentar zu den Ambrosianischen Hymnen 438. 442. 639. Grabschrift auf Adso von Basle 438. 442. Adso Abt von St. Basle 436.438. 442. Adventius Bischof von Metz 193.195. Aedde von Kent (Stephanus), Vita Wilfridi 497—500, metrische Behandlung durch Fridegod von Canterbury 491. 498. Aedilvulf angelsächs. Dichter 811. Aegidius Bischof von Reims 437. Aegidius (Egidius) Heiliger 687. 692. Aegidius von Orval, Gesta episc. Leodiensium 219. 221 ff. 371. 381. 784. Aegoceros (Steinbock) 608. Aelbert Erzbischof von York, vielleicht Verfasser der Pli- niusexzerpte im Paris. 4860 800. Aelfegus, Aelfheg s. Aelfheah. AelfheahBischof von Winchester 443. 675. 680 f. Aelfred Sohn Richards von Nor- mandie 329 f. Aelfric (Albricus) Erzbischof von Canterbury 679. 704. 706.. Aelfric Erzbischof von York 679. Aelfric Abt von Egnesham 444 f. 639.675-682. Angelsächs.Be- arbeitung von Homilien 639. 655.676.680. ags. Grammatik und Glossar 639. 676 f. 680 f. ags. Passiones sanctorum 639. 677 f. 681. ags. Heptateuch (Pentateuch) 639. 678. 681. ags. Bearbeitung von Esther und Hiob 678. 681. ags. Ca- nones 678. 681. ags. Auszug aus Aethehvolds De consuetu- dine monachorum 678. 681. Vita Aethelwoldi 444 f. 679. 681. ags. Uebersetzung von Alchvines Interrogationes ad Sigulfum in Genesi 678.681 f. ags. Auszug aus Bedas De tempore, De temporum ra- tione, De natura rerum, De computo, De primo die seculi, De epactis 678 f. 682. ags. und latein. Hirtenbriefe 678. 682. Kleines Werk über Grammatik (?) 680. Aemilius Macer im Frankenreich 544. 811. Aemilius Probus 173. Aeneas 14.129. 201. 237 f. 326 f. 352. 363 f. 486. Aeneas Lacedämonier 237. 239. Aeneia signa 466. Aeneis 331. 712. 782 f. 785. Aeolus 477. Aera spanische 174. 334. Aescolapius (s. Asclepius), Chronica (Medizin) 218. Aesculapius 689. 693. Aesop, bildliche Darstellung von Fabeln in Fleury 333. Aetates mundi Latine et Saxo- nice 702. Aethelmaer Than 678. AethelredKönig vonWessex 647. 828 Alphabetische Register. Aethelstan Presbyter ausMercia 647. Aethelstane König von England 670. 675. AethelweardEaldorman678.681. Aethelwerd Kleriker 676. Aethehvold (Ethelwold) Abt von Abingdon, Bischof von Winchester 675 ff. 679 f. Angel- sächs. Uebersetzung der Regula Benedicti 675. De con- suetudine monachorum (Re- gularis concordia) 675. ags. Auszug von Aelfric 678. Historischer Traktat 675 f. Aethehvulf König von Wessex 647. Aethicus Ister 165. 799; bei Dudo 260. Aethilwald 797. Af ker Abt von St. Johannes in Magdeburg 268. Afra Heilige 578. 757. 759. 775. Agapetus IL Papst 36. 40. Agatus 599—603. 605. Agenald Abt von Gorze 238. Agenor 316. Agericus Bischof von Verdun 354 f. Agerucia Korrespondentin des Hieronymus 472. Agimo (= Egino?), Super evan- gelia 800. Agius Bischof von Orleans 428. Agius Mönch in Korvei 812. Agnellus, Liber pontificalis 814 f. Agnes Kaiserin, Gemahlin Heinrichs III. 7. 63.483.588.590 f. 635. Agobard Erzbischof von Lyon, Schreiben gegen Fridugis 804. Epitaph Karls des Großen im Chron. Novaliciense (?) 296. Agricius Erzbischof von Trier 422. Agrippa praefectus 441. Agroecius Grammatiker, in De libris grammaticorum 801. Aileranus, Gedicht Quam in pri- mo speciosa 792. Aimo Abt in Limoges, Bruder Turpios 22. 24. 27. Aimoin Abt von Fleury 239— 246.331 f. 334 f. HistoriaFran- corum 126. 2401'. 244. 246. 672; Fortsetzungen 241.246. Miracula s. Benedicti 240. 242 ff. 336.416. Sermo in laude s. Benedicti 241 f. 244. 806. Gesta abbatum Floriacensium 242 f. 334. Vita AbbonisFloria- censis 125. 243 ff. 334. 665. 667 f. 670 ff. 813; bei Byrht- ferth 699. Ainard Abt von St. Pierre-sur- Dive 117. Ainardicus mos (Aynard von St. Evre) 661. Aiulf Erzbischof 811. Akrosticha I 21. 143. 151. 155. 196. 199. 247. 262. 308. 313. 381.386 f. 426.495. 554.575 f. II 256 f. 290 f. 293. 313. 435. 521. 627. 634. 654. 671. 753. 755. 792. 797. AI. Abt (Albert von Marmou- tier?) 147. Alawic von Reichenau 761. Albanus Heiliger 472 f. 476 f. Albarus (Paulus) 306. Alberich Bischof von Como 298. Alberich Abt von Montier-en- Der 433. 439. Alberich Mönch in Monte Cas- sino 485. De dictamine 719. Alberich von Trois-Fontaines, Chronicon 72. 74. 226. 228. 462. 717. 723. Alberich FürstvonRom 130.135. Albericus, Mythogr. Vatic. III (Poetarius) 803. Albericus Presbyter in Fleury 368. 370. Albero Bischof von Lüttich 147. 358 ff. Albert s. Adalbert von Hamburg-Bremen. Albert Abt von Marmoutier 147. Albert von Gembloux 223. Albert von Schiriinge 53. Albert von Stade 409. 412. Albert italienischer Musiker 755. Albert Graf von Vermandois 342. Albertus Magnus, Kommentar zu Boethius de divisione 792. Albinus, geometrisches Werk in Chartres 778, in Köln 780, bei Boethius 780 f. Albvin Mönch in Gorze, Plagiat von Adsos Werk über den Antichrist 19. 53. 433. 440. 736. Albwin, Lehrer in Hersfeld, Abt von Nienburg 313 f. 316. 318. Alcäische Verse 623. Alchemie 1480. Alchvine, Alcuinus Abt von St. Martin in Tours 138. 440. 793. 800 f. Bearbeitung der Vita s.Martini 138. 140. Vita s. Willibrordi im Libell. de rebus Trevirensibus 328; bei Adam von Bremen 406; bei Ruopert von Mettlach 425. Vita s. Vedasti in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita Richarii, metrisch bearbeitet von Angelram von St. Riquier 533 ff. Interroga- tiones ad Sigulfum in Genesi. angels. Uebertragung durch Aelfric 678. 681 f. Homilien- sammlung(?) 801. Praecepta vivendi 798. A. bei Adso 432- bei Williram 597. Alcimus (Alchimus) Avitus, Bischof von Vienne, biblische Gedichte bei Flodoard 159; bei Amarcius 573. Aldbercht s. Adalbert. Aldeardis (Hildegardis) Mutter Ademars 292. Aldebald von Lerins, Ueber- arbeitung der Vita Maioli des Syrus 137 f. 139 f. Aldeprand Lehrer Anselms von Besäte 708. 712 f. Aldhelm von Sherborne 291. 333. 497. 500. 502. 537. 565. 590.673. 704. 796 f. Bei Aedil- vulf 811; bei Aimoin 241.797. 804; bei Fridegod 498; im Gedichtauf den MönchBovo(V) 508; bei Williram (?) 597; bei Alfred dem Großen 648; bei Asser von Sherborne 653. Glossen zu A. 662. Aldrad Mönch in Novalese 296. 298. Aldric Abt von Ferneres 807. Alebrand Erzbischof von Hamburg-Bremen 398. 404. 407. 409. 411. Alestan Kleriker in Lüttich 558. 778 f. Alexander der Große 44.50.365. 625. Alexander römischer Kaiser 200. Alexander I. Papst 158. 578. Alexander IL Papst 110. 119. 397. Brief 408. Alexander de Villa dei, Doctri- nale 569.715. Alexanderroman 809 f. Alfanus, Alphanus Abt in Sa- lerno 198. 201. Alfons 151. Alfred (Aelfred) der Große, König von England 3.128.497. 639. 646—656. 679. Angels. Uebersetzung der Dialoge Gregors I. (von Werfrith) 639.647. 649. 654. ags. Uebersetzung des Liber regulae pastoralis Gregors 1.639.646.648 f. 654 f. ags. Uebersetzung des Orosius (Hormesta Orosii) 639. 650. 655; bei Aelfric 655. ags. Uebersetzung von Bedas Hist. ecclesiastica 639.651.655. ags. Uebersetzung von Boethius_de consol. philosophiae 639. 651. 655; von Augustins Soliloquia 639. 651, Zusätze aus Au- Alphabetische Register. 829 gustin, Gregorius.Hieronymus 639. 651. Enchiridion (Manu- alis über) 647 f. 655; bei Wilhelm von Malmesbury 648, bei Florentius von Worcester 648, bei Faritius 648. Beginn einer Psalterübersetzung 655. Lebenssprüche angeblich von Alfred 655. Alger Kanonikus von Lüttich, Vita Notkeri(?) 222. Alithia Person in Theoduls Ek- loge 576. Alkmanische Verse 1, 585. Alliteration 149 f. 654 f. 705 f. Almannus Mönch in Cluni 138. 142 ff. Almerich Abt in Pavia 7. Alpert Mönch zu St. Symphorian in Metz 126 f. 248. 278—283. 744. 746. De diversitate tem- porum 279—283.299: in der Vita Burchardi Wormat. 300 ff. Libellus de episcopis Mettensi- bus 257. 279—283; bei Hugo von Flavigny 279. Alphabeta Anglo-Saxonum, Lati- norum, Graecorum et Hebrae- orum bei Byrhtferth 702. Alphanus I. Bischof von Salerno 415. 487 f. 490. 492. 494. 618 —637. Medizinische Schrift 619. Uebersetzung von Neme- sius rrFol cpvoeiog ardodmov 620.631. Gedicht auf Roffrid von Monte Cassino 621 f. 632. Vita et passio s. Christinae 492.620. 622.630—633. 635 f. Vita ss. duodecim fratrum 492. 622. 632 f.; Translatio 622 f. Geleitgedicht an Bischof Pan- dulf von Marsicanum 623. Hymnen auf die hl. Sabina 623 f. Gedichte auf den hl. Maurus 623.632. Gedicht auf Matthaeus Evangelista 623 f. 632. Gedichte auf die Märtyrer Anthes, Fortunat, Caius 624. Gedicht auf den hl. Nikolaus von Myra 624. 632. Gedicht auf Christina von Bol- sena 624. Gedicht auf den Apostel Petras 624. Gedicht auf den hl. Benedikt 624. 632. Gedicht auf die hl. Margarita 624. Gedicht auf die Passion der hl. Ursula 625. Gedicht auf die hl. Katharina 625. Gedicht auf die hl. Lucia 625. Gedicht auf die Innocentes pueri 625. Gedichte auf die hl. Agnes 625. Gedicht an Gos- frid von Aversa 626. 633. Gedicht an Atto von Teate 626. 634. Gedicht auf Transmund von Salerno 626.634. Gedicht auf den Grammatiker Wilhelm 626.632. 634. Gedicht an Kardinal Hildebrand 626.632.634. Gedicht an den Mönch Theo- din 627 f. 634. Gedichte über christliche Stoffe 628. Gedicht auf den Märtyrer Vincentius 628. Gedicht auf Monte Cassino 628. 632. Beichte 629. 632.635. Epitaphien 629 f. 632. Antiphon auf die hl. Sabina 630. 632. Versus s. Christinae 632. Gedicht an Sigismund von Monte Cassino 632. Gedicht an Gisulf von Salerno 632 f. Gedicht auf Romuald von Monte Cassino 627 f. 634. Gedichte des Bertharius von Monte Cassino auf den hl. Benedikt von Alphanus ? 636 f. Alphanus IL Bischof von Salerno 636. Alquiminus s. Albvin. Altercatio Hadriani et Epicteti 801: bei Alchvine 801. Altfrid Bischof von Münster 162. Vita s. Liudgeri in der Vita Lebuini 812. Altmann Mönch vonHautvilliers 162. Vita s. Nivardi und Translatio s. Sindulfl bei Flodoard 162. Alto angeblicher Stifter von Alto- münster 101. Ama puer castitatem Rhythmus 806. Amalarius Bischof von Trier 291. 805. De ecclesiasticis officiis bei Bern 65 ff.: bei Durand von Troam 116; bei Aelfric 678; bei Fulbert 685. Amalbert Abt von Fleury 239. 244. 664. 667. 670. Amalharius, Hodoporicum bei Hermann vonReichenau 760f. Amalricus Abt von St. Mesmin in Micy 428. Aman 578. Amandus Heiliger 463. 608 ff. 641. 645. Amarcius, Sextus Gallus Pio- sistratus. satirischer Dichter 16. 23. 312.319.463.475.493. 530.548.553 f. 569—574.613. 716. 719. 772. Sermones 570 —574. 591; angeblich Verfasser eines Doctrinale novum und eines Grecismus 569.572. Sermones bei Eupolemius 574. 600. 604 f.; bei Galfredus de Vino salvo (?) 574: bei Hugo von Trimberg 569. 572 f.; bei Theoderich Engelhuus 569. 572 f. Amartigenes 601—604. Amatus von Monte Cassino 484 f. 636. Amblulf Abt von Novalese 299. Ambrosius Bischof von Mailand 115. 438. 472. 559. 578. 582. 615. 801. Bei Odo von Cluni 22. 24; bei Atto 32; bei Gezo 54 ff.; bei Gerard von Czanäd 78.81; bei Berengar von Tours 106. 112; bei Lanfranc 111 bei Durand von Troam 116 bei Guitmund von Aversa 119 bei Hugo von Langres 129 bei Johannes von St. Arnulf 191; bei Helgaud von Fleury 368 f.; bei Marianus Scottus 392; bei Abbo 665: bei Fulbert 686; bei Remigius (?) 700; bei Byrhtferth 702; bei In- certus scholiasta zu Beda De natura rerum 705; bei Radbert von Corbie 742. Hymnen bei Flodoard 159, bei Andreas von Fleury 333. Kommentar zu den Hymnen von Adso 438. 442. 639. Metra der Hymnen bei Papias 719. Versus de ter- narii numeri excellentia 801. Ambrosius Kanzler Ottos I. 47 f. 52. Ambrosius Presbyter in Mailand 30. 32 f. Ambrosius Lehrer der Grammatik 175.178. 673 f. Ambrosius Autpertus Abt von St.Vinzenz am Volturno 801. Conflictus vitiorum atque vir- tutum 801. Sermo de cupidi- tate 801. Psalmenerklärung (?) 801. Ambrosius Theodosius s. Macro- bius. Amelius Korrespondent Berne- lins 736. Ammianus Marcellinus in Hersfeld 376. Amnion 605. Ammonicius 309 f. 312. Amon Bischof von Toul 434 f. 441. Amonosis 605. Amphicopas 600 f. Amphion 772. Amphioraus 316. 605. Amulette 542. Amulo Erzbischof von Lyon, Epist. ad Theotboldum Lingo- nensem 804. AnakreontischeVerse I 313.572. Anamot Presbyter in Augsburg 203. 208. Anastasius III. Papst 27; Schreiben an Eagembert von Ver- celli 27. 830 Alphabetische Register. Anastasius Erzbischof von Gran 307. 811. Anastasius Bibliothecarius 814; De exilio et morte Martini papae bei Theoderich von Fleury 453. Vita Iohannis Elee- mosynarii bei Johannes von St. Arnulf 191. Anastasius Monachus,Vision des Taxeotes bei Johannes von Amalfi 423. Anastasius oströmischer Kaiser 247. Anatolius Chronolog, bei Byrht- ferth 701.705. Ancus (Martius) 327. Andrea Dandolo, Chronicon Ve- netum 248 f. 251. Andreas Abt in Pavia 140 f. Andreas Mönch in Fleury 241 —244. Vita Gauzlini Floria- censis 242—245. 508. Mira- cula s. Benedicti 245. 416. Andreas Mönch in Cluni 142 ff. Andreas ungarischer (?) Presbyter 75. 80. Andreas Schreiber in St. Mesmin de Micy 683. Andree abbreviatio utriusque operis Prisciani bei Richard von Foumival 675. Andronicus 576. 579. Anecdotum Fulgentianum 314. Angelomus Mönch in Luxeuil. Super cantica canticorum 805; bei Williram 597. Super pro- phetas 805. Angelram (Ingelramnus) Abt von St.Riquier216.491.533—535. 682. Vita et miracula s. Ri- charü 491. 533 ff. 602. Gesänge auf Richarius533. Hymnen auf Abt Walericus von St. Valery und auf Bischof Wulfram von Sens 533. 535. Passio s. Vincentii 533. 535. Vita s. Austrebertae 533.535. Brief an Fulbert von Chartres 534. Distichen auf Odelger Dekan von St. Riquier 535. Gedicht auf ihn 535. Epitaph 535. Angelramnus Bischof von Metz. Collectio canonum bei Hinc- mar 804. Angelsächsisch bei Byrhtferth 702 f. 706. Ins Latein übertragen 330. 653. Latein ins Angelsächsische übertragen 639.647—656.675—682; ags. Aratorverse bei Byrhtferth 706; ags. Erklärung lateinischer Werke 444 f. Angelsächsische Glossen 499. 501. Angelsächsisches th 668. Angilbert Abt von St. Riquier, Gedichte 500. Officia divina 811. Anglica littera = Angelsächsisch 655. Anianus Heiliger 367 ff. Animchad irischer Inkluse in Fulda 388. 393. Annalen I 16. Annales s. Alhani 284; in der Fortsetzung der Ann. Hildesheimenses 284; in der Fortsetzung des Marianus Scottus 391. 394. Annales Altahenses 127. 316. 394—398. 561; bei Hermann von Altaich 397; bei Simon de Keza 397; in der ungarischen Bilderchronik 397; bei Johann von Thurcocz 398. Annales Asserii 263. Annales Augienses in den Ann. Quedlinburgenses 276; bei Mai-ianus Scottus 392. Annales Augustani 7. 617. 659. Aunales Bertiniani 127.155.162. Annales Blandinienses 213. Annales Corbeienses in den Ann. Quedlinburgenses 276; bei Adam von Bremen 402. 410. Annales Disibodenbergenses 393 f. 792. Annales q. d. Einharti in den Ann. Quedlinburgenses 276 f.; in den Gesta episc. Camera- censium 338. 343. Annales Elnonenses 529; Ein. maiores 609. Annales s. Emmerammi minores 311. 575. Annales Fuldenses 814; bei Adam von Bremen (Hist. Fran- corum) 402.410; beiHermann von Reichenau 760. Annales s. Gisleni in den Gesta episc. Cameracensium 338. Annales Hersfeldenses 276; in denAnn.Hildesheimenses 283; in den Ann. Quedlinburgenses 392; in den Ann. Altahenses 395. 397. Annales Hildesheimenses 72 f. 127. 221. 275. 283 f. 316; in den Annales Altahenses 283. 395. 397'; bei Wolfhere 283; im Chronicon Sueviae universale 283; beim Annalista Saxo 283; beim Chronogra- phus Saxo 284. Fortsetzung 284; bei Wolfhere (?) 315. Annales s. Iacobi Leodienses 459. Annales Laubienses 220—223. 227. Annales Laurissenses maiores 126. 430; bei Benedikt von St. Andrea 179 f.; bei Ademar 285 f. 292. 799. Annales Leodienses 221 f. 227. Annales Lundenses 412. Annales Magdeburgenses 268 278. Annales s. Maximini 420. 422. Annales Mosomenses 371. Annales Nienburgenses in den Ann. Hildesheimenses (?) 284. Annales Patherbrunnenses in der Fortsetzung der Ann. Hildesheimenses 284. Annales Quedlinburgenses 127. 232. 276—278. 283. 548; bei Thietmar266.278; indenAnn. Magdeburgenses 278; beim Annalista Saxo 278. Annales Sangallenses maiores 324. 327. 516. 697 f. 760. Annales Senonenses in den Ann. Maximini. 421. Annales Trevirenses 159. Annales Vedastini in den Gesta episc. Cameracensium 338. Annales Venetici breves 251. Annales Wirziburgenses 393. Annales Zwetlenses, contin. Mellicensis 327 f. Annalista Saxo 234. 267. 283. 409. 412. Anno Erzbischof von Köln 7.224. 227. 372 ff. 386 f. 397 f. 408. 469 f. 483. Anno Abt von St. Mesmin de Micy 426. 428. 430. Anonymus Carnotensis 690. Anonymus Hamerslebensis 73. Anonymus Haserensis 9. 557. 595. 598. Anonymus Mellicensis 64. 69. 71 ff. 117. 123. 311.313.573. 687. 689.691 ff. 749.752.758 f. 767. 771. 775. 797. 801. Anonymus Neveleti 336. Anonymus de situ orbis 650. Ansbert Bischof von Cambrai 340. 343. Ansbert Bischof von Rouen,. Verse auf Audoenus 496. Ansegis Abt von Luxeuil 435. 441. Anselm Erzbischof von Canter- bury 148. 152. 154. Anselm Bischof von Laon 605. Anselm Bischof von Orleans 428. Anselm Abt von St.Remi 385. Anselm Domherr von Lüttich 125.212 f. 372-375. Gesta epi- scoporum Leodiensium 212 f. 222. 224. 227. 372—375. 381. 459. 560. 745. 814. Anselm Heiliger von Nonantula 198. Alphabetische Register. 831 Anselm von Besäte, Lehrer der Rhetorik 640. 708—715. De materia artis 640. 708. 718. Retorimachia 709—715. Briefe 712.714. Gedieht 712.714. Geplantes Epos auf Heinrich III. 712. 714. Anselmina eloquentia 711. Ansfrid Bischofvon Utrecht 279. 281 ff. 746. Ansfrid Abt von Preaux 106. 116 f. 121. 123. Ansfrid niederländischer Graf 281. Ansk ar Erzbischof von Hamburg 401. 407. 410. 466. 606. 608. Anso Abt von Lobbes 39. 211 f. Vita s. Ursmari und Vita s. Erminonis bei Polcvin 211 f. Ansteus Abt von St. Arnulf in Metz 194 f. Antenor 260. 264. 466. 508 f. Antenorida ruina 507. 509. Anthes Märtyrer 624. Anthimus 209. Anthimus Märtyrer 452. Anthologia latina (Riese) 691. 693.802. N. 256 in den Gesta Cnutonis 330. 331. N. 683 im Ruodlieb 551. N. 682 beiLiud- prand 173. N. 679 bei Byrht- ferth 702. Anthropomorphiten, Sekte 44. Antichrist 435.441. Werk Adsos 432 f. 440. Antidotar 682. 691. Antifronon 601 f. 605. Antiphonar, Erklärung durch Hermann von Reichenau 755. Antiphonen 133. 227.429 ff. 457. 459. Antiphoneteslegende bei Johannes von Amalfi 424. Antonini Itinerarium 161. 165; bei Laurentius von Lüttich 359. 361. Antoninus Patriarch von Grado 247. 252. Antonius Presbyter, Gesandter des hl. Dionysius 355. Aper Heiliger 436. 439. Aphilus fiOl. Apicms, Abschnitt im Mythogr. Vatic. II 659. Aplestes 601 f. Apolides 601 f. Apollinaris Heiliger 158. Apollo 660. Apollonius König von Tyrus 813. Apolloniusroman im Chronicon Novaliciense 296 ff. Apollotempel 628. Apuleius 10.747; in Monte Cas- sino 5. Florida bei Waifar von Salerno 486. 489. De deo So- cratis (?) bei Alphanus von Salerno 630. 635 f. I Arabische Sprache 1 443. II 750. 762—765.Uebersetzungen aus dem Arabischen 750. 762 ff. Arabische Wissenschaft 730. Aratea, Scholiast zu den A. Ger- manici bei Ekkehart IV. 564 f. Arator Bischof von Verdun 360. Arator christlicher Dichter 516. 611.613.615.797. De actibus apostolorumbeiWolfhere317; bei Amarcius 573; in der Vita Mathildispriorl84.186; in der Vita Mathildis post. 187; bei Byrhtferth 703. Angelsächsische Aratorverse bei Byrhtferth 706. Arator (Arrator) 251. Aratus Astronom 13. Archaismen bei Hermann von Reichenau 770 f. Archembold Abt in Toul 435. Archilochische Verse 290. Ardericus Bischof von Vercelli 310. 313. Ardericus, Gedicht auf Graf Ro- frid 203. Arduin Markgraf von Ivrea 513. Arianer 472. Aribo Erzbischof von Mainz 226. 228. 270. 272. 275. 317. 375. 378 f. 562 ff. 566. 743. 745. Aribo (Cirinus) Bischof von Freising 306 ff. 31.1. Aribo Scholasticus von Freising 754. Arichis langobardischer Herzog 198 f. 201. ArichisFürstvonBenevent622 f. 633. Arion 772. Aristaeus (Eurystheus?) 701. Aristoteles 10 f. 79.81.88 f. 133. 364. 366. 478. 626. 634. 695. 708. 710. 731. 745. 781.783 ff. Proverbia = riugoifäai 810. Uebersetzer Hermannus Ale- mannus 765. Arius 251. 578. Arkadius oströmischer Kaiser 250. 472. Arnald AbtvonFleury 332 f. 335. Arnald Kanonikus in Paris 433. 440. 736. Arnold Erzbischof von Trier 389. 393. Arnold Bischofvon Speier, Brief an Honorius II. 327. Arnold Propst von St. Emmeram 84. 95.125. 306—313. 574 f. Antiphonen und Responsorien auf den hl. Emmeram 307. Wunder zu Meginfrids Umarbeitung der Vita s. Emme- rammi 307 (De miraculis s. Emmerammi) 311 f. Homilie 313. De memoria b. Emmerammi et eius cultorum 308 f. 310 ff. Gedicht 313. A. beim Anon. Mellicensis 313; bei Ot- loh 313. Arnold Herzog von Bayern 36. Arnold bayerischer Adliger 306. 311. Arnolf Abt von Hersfeld 316. Arnulf Erzbischof von Mailand 708. Arnulf Erzbischof von Reims 216. 526. 666 f. 734 f. 738. Arnulf Erzbischof von Tours 105. Arnulf Bischof von Orleans 428 f. 506. 508. 665 f. Arnulf Mönch in Novalese 296. 298. Arnulf französischer Kleriker 7. 493. 588—592. 797. Delicie cleri 7.493.588—592. Glossen hierzu 592. Arnulf Lehrer des Johannes Romanus 131.135. Arnulf Kaiser 100 f. 173. 195. 308. 311.420.422.480.653. Arnulf Graf von Hennegau 464. Arnulf Graf von Los 381. Arnulf westfränkischerGraf 261. Ars geometrica 727. 741 f. 787. 801; bei Gerbert 740. Ars grammatica Bernensis 806. Artold Erzbischof von Reimsl 56. 160. 163. Arturus (Cuneglasus?) König der Briten 798. Ascelin Kanonikus von Chartres 106. Asceric 458 f. Asclepius (Aescolapius, Escula- pius) Mediziner bei Odo von Meung 543 f. Asinarius Mönch in Novalese 296. 298. AsklepiadeischeVerseI307.313. •422. 426. 496. 557. 600. 661. II 261.587 (?). 623-626. Zwölfsilber I 636. Asprand Oheim des Königs De- sider 27. Asser (Asserio) Bischof von Sherborne 128.646—656. Res gestae Alfredi regis 128. 497. 647.651 f. 656; bei Florentius von Worcester 653. Asteriscus kritisches Zeichen 72. 74. 723. Astrolabium astronomisches Instrument 740.758 f.762ff.779f. Astrologie der Priscillianisten 615; der Chaldäer 763. Astronomie I 221. 371. 373 f. II 622.731 f. 801. Astronomische 832 Alphabetische Register. Instrumente Gerberts 731.736. 739; Hermanns von Reiclienau 757. 762 ff. Astronomus, Vita Ludovici Pii bei Aimoin 243 f. 813. Athanasius 73. Attala Abt von Bobbio 159. Attalus Gegenkaiser 43. Epitaph 161. Attepert Mönch in Novalese 297 ff. Attila 210. 251. 361. 472. Atto Bischof von Teate 626.629. 634. Atto Bischof von Vercelli 18.19. 27—34. 38.78.494.498 f. 815. De pressims ecclesiasticis 28. 32. Kommentar zu den Paulusbriefen 28. 32. Erklärung zum Hebräerbrief 810. Predigten und Briefe 19. 29 f. 32 f. 640. Kanonistisches Kapitular 30. Polipticum (kaum von Atto) 27. 29 f. 30 ff. 815. Auetor ad Heremiium 11; bei Onulf von »Speier 640. 715 ff.; bei Anselm von Besäte 711. Audoenus Heiliger 495 f. 501. Audomarus Heiliger 330 f. 587. Augustin Bischof von Hippo Re- gius 11. 25. 29. 50. 115. 440. 489. 559. 565. 611. 636. 656. Bei Odo von Cluni 24.133; bei Atto 28.32; bei Rather 35. 42. 44; bei Gezo 54 ff.; bei Bern 65. 67; bei Bruno von Würzburg 73; bei Gerard von Czanad 78; bei Otloh 89 f.; bei Beren- gar 106. 107 f. 112. 121; bei Lanfranc 111; bei Durand 116; bei Guitmund 119; bei Hugo von Langres 122; bei Ruotger 178: im Chron. Salernitanum 198. 200 f.; bei Heriger von Lobbes 224; beiThietmar267; bei Marianus 391 f.; bei Adal- bero von Laon 530: bei Egbert 536; im Ruodlieb (?) 553; in Arnulfs Delicie cleri 591; bei Fulbert 686. 692; bei Not- ker 695.698: bei Byrhtferth 700 ff. 705; (Gedicht über die Sibylle) bei Papias 719 ff. 723; bei Adalbold 747: bei Guido 751. — Soliloquia und Stücke aus dem Brief an Paulina von König Alfred übersetzt 639. 651; Homilien durch Aelfric übersetzt 676. 680. Augustin von St. Andreas, Erzbischof von Canterbury 704. °796. Augustus 145. 712. 714. 782 f. 785. Aulularia bei Liudprand 174. Aulus Mannus (Adelmann) 560 f. Aunenrudis Mutter Aimoins 239. 244. Aurelian Bischof von Limoges 287. Aurelian von Moutier-Saint-Jean 731. Aurelius, Oxea 218. Aurelius Presbyter 164. Aurelius Victor bei Helgaud von Fleury 368. Ausonius 267. 525. 608. 693. Handschrift 810. Austreberta Heilige 533. 535. Austriclinian Heiliger 290. Autbert Bischof von Cambrai 686. 692. Autographen 219. 296. 299. 313. 443. 555. AuxiliusPresbyter,Flosculiethi- mologum 8Ö5. Avesgaud (Avisgaudus) Bischof von Le Mans 429. 431. 684. Avianus Fabeldichter 11. 172. 634.792.801; bei Rather 50; bei Otloh 83.86.94 f.; beiFrou- mund 520; in einem Würzburger Gedicht 523. 525. Avitus (s. Alciraus) Bischof von Vienne, christlicher Dichter 427. 430. 615. Appendix car- minum 525. Aynard von St. Evre 639. 643. 660—663. Glossarium ordine elementorum agregatum 660 —663; in Arnulfs Delicie cleri 591; bei Papias 663; bei Os- bern (?) 663. Azecho (Azechin) Bischof von Worms 303. 640. Azo s. Adso. Azo Bischof von Como 29 f. 33. Azo italienischer Gelehrter 714. B. B. Kleriker, Adressat von Hermanns von Reichenan De men- sura astrolabii 762. 764. Bachiarius bei Fulbert 692. Badaradus Bischof 811. Balaam 578. Baibus Gromatiker, bei Gerbert 737.740: in der Arsgeometrica 741. Balderich II. Bischof von Lüttich 41 f. 57. 59.129. 222. 379 —382. 457 ff. Balderich (Baldo, Palzo) Bischof von Speier 501—504. Balderich Bischof von Utrecht 175.178. 812. Balderich angeblicher Verfasser der Gesta episc. Cameracen- sium 337. 342. Baldo s. Balderich. Balduin Abt von St. Paul in Rom 22. 133. Balduin Kleriker in Canterbury 153 f. Balduin Markgraf von Flandern 467 f. 529. Balduin lothringischer Graf 357. Balthildis Frankenkönigin 440. 607. Bania Mutter Kaddroes 237. Barchinona propago (Hannibal) 633. Bardo Erzbischof von Mainz 129. 317.375—379.470f. 476.563. Predigten 376-379. Brief 376. Bardo A bt von St. Alban in Mainz 470 ff. 476 f. Barnoin (Bemoin) Bischof von Verdun 355 ff. 359. Bartholomaeus Anglicus, Liber de proprietatibus rerum 546. Basilissa Heilige 578. Basilius oströmischer Kaiser 200. Basilius, Psalmenkommentar in Rufins Uebersetzung bei Bruno von Würzburg 73. Basinus Erzbischof von Trier 478 ff. 481 f. Basolus Heiliger 436 f. 441. Baudemund, Vita Amandi bei Heriger 224. Bayerische Uebersetzung des Psalters 696. 698. Beatus spanischer Presbyter, Kommentar zur Apokalypse 805. Bebo Diakon von Bamberg 640. 706-708. Brief an Heinrich IL 680.706—708. Gedichte 707 f. Beda (Venerabilis) Mönch in Jar- row und Wearmouth 13. 497. 500. 516. 793 ff. Hist. eccle- siastica übersetzt von König Alfred 639. 650. 655; ags. Uebersetzung von Homilien durch Aelfric 676. 680; ags. Auszüge aus De temporibus, de temporum ratione und de natura rerum von A elfric 678 f. 682; Kommentar zu De temporum ratione und de natura rerum von Byrhtferth 639.699 —705; Glosse des Incertus auetor (ob Remigius?) zu De natura rerum 700. 705; Kommentar zu De loquela digi- torum und zu de ratione un- ciarum von Byrhtferth 705; Berechnung des Mondmonats verbessert durch Herrn ann von Reichenau 727; Kommentar zu De arte metrica von Remigius 808: Verse Erchem- perts zum Martyrologium 814. Beda bei Odo von Cluni 21; Alphabetische Register. 833 bei Gezo 54 ff.; bei Bern 66; bei Gerard von Czanäd 79.81; bei Otloh 91. 101 f.; bei Durand 116; bei Benedikt von St. Andrea 179 f.; bei Jobannes von St. Arnulf 193. 195; bei Heriger225.228; bei Johannes Diaconus von Venedig 247. 249; in den Ann. Quedlin- burgenses 276; in den Ann. Hildesheimenses 283; bei Ade- mar 289; bei Rodulfus Glaber 348; bei Marianus 391 f.; bei Adam von Bremen 406 ff. 412 bei Ruopert v. Mettlach 425 f. bei Ekkehart IV. 564; bei Man fred von Magdeburg 574 ff. bei Williram 597; bei Asser von Sherborne 653; bei Ful- bert 692; bei Notker dem Deutschen 698; beiByrhtferth 701.705; bei Wichram 727 ff.; bei Hermann von Reichenau 760 f. 766. Hymnus auf Aedil- thiyd in der Fortsetzung der Virtutes s. Geretrudis 795. Ex- cerpta ex commentario Hiero- nymi in Iesaiam 795. Belegrimmus s. Pilgrim. Benedictus V. Papst 169.173.401. Benedictus VIII. Papst 513. 706. 749. 752. Benedictus Mönch von St. Andrea 126.179—181.198. Chro- nicon monasterii s. Andreae in Soracte 179—181; bei Mar- tinus Polonus 181. Benedictus von Aniane (Euticius) 20. 25.131. Benedictus Mönch von Clusa 287 ff. 292 f. Benedictus Levita. Collectio ca- pitularium bei Burchard von Worms 58. Benedictus Mönch in Monte Cas- sino 306. Benedictus von Nursia, Regula 20. 25.67.147 f. 159. 204. 230. 240 f. 242 ff. 304. 306. 332. 334 ff 368. 370. 383. 416.438. 442.444.449.451 f. 454 f. 469. 508.531.579. 623 f. 627 f. 629. 632. 634.636 f. 664.671 f. 795. Erklärer der Regula 795. Benedictus Eremit in Pereum 231 f. 234. Benedictus (?) Salgionius Kanoniker in Angers 289. 293. Benedictus römischer Sänger 286. Benedictus kirchlicher Name- Waifars von Salerno 484 f. Benignus Heiliger 350. Benno Bischof von Meißen 268. 273. Benno Bischof von Osnabrück 175. 756. Benzo Bischof von Alba 513.515. Benzo Abt von Montier-en-Der 439. Benzo Salzburger Kleriker 503 f. Beradon Einwohner in Speier 569. 572. Berard italienischer Graf 628. Bercharius Abt von Montier-en- Der 433. 437. Bercharius s. Bertarius. Berchtold bayerischer Markgraf (Perahtoldus) 311. Berengar Erzbischof von Be- sancon 21. Berengar Bischof von Verdun 356 f. Berengar von Tours 8 f. 18 f. 103 —124. 216. 475. 478. 558— 561. 682. 691. 694. De sacra coena 103 f. 106. 111 f. 120 f. Gebet 113.122. Epist. ad Ere- mitas 120; ad Ioscelinum' 120 ff.; ad Lanfrancum 120; ad Ansfridum 121; ad Gau- fridum 121; ad Richardum Paris. 121; ad Hermannum Met. 121; ad Gregorium VII. 121. Berengarii panegyricus 408. Berengar König von Italien 27. 32. 166—169. 172 f. 297. 350. Berhard Bischof von Verdun 353. 355. 361. Bern (Berno) Abt von Reichenau 61—71. 207 f. 226. 228. 415. 743. 745. 756. 758. 761. 786 f. Briefe 62 f. 71. 771. Schrift über die Quatemberfasten 18. 63. 65. Schriften über die Adventszeit 18.63.66. Predigten 63. Ueber die Messe 18. 67 f. Vita s. Udalrici 68.71. 207 f.; deutsche Uebersetzung vom Prior Adilbert (?) 68; bei Ekkehart IV. 208. 210. De con- sona tonorum diversitate 64 f. 71. Tonarius 63. 64. 69 f. De varia psalmorum et cantuum modulatione 70. Musikalische Schriften 727. 774. Officium auf den hl. Udalrich und Meinrad 71. Tropen, Hymnen, Sequenzen 71. Bernardus Iterii Chronist von St. Martial 285. 291. Bernelinus, Liber abaci 736. Berner von St. Renn, Abt von Humblieres, Vita et translatio s. Hunegundis 415.417—420. Berner Diakon in Toul 189. 191. 194. Bemer Rätsel 798. Bernhard von Angers 461 f. Mi- Manitiua, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. racula s. Fidis 416.422.461 f. 692. Bernhard Mönch in Cluni 143 f. 153. Bernhard Mönch in Fleury 337. Bernhard Mönch und Arzt aus Ravenna 289. 393. Bernhard von Utrecht 811. Bernhard Sohn Wilhelms von Gascogne 667. Berno Bischof von Orleans 428. Berno Abt von Baume und von Cluni 20 f. 25. 133 f. 138. Bernold von Konstanz 19. 109. Schrift gegen Berengar 119. 121. 124. Chronicon 725. De sacramentis excommunicato- rum 754. De damnatione scis- maticorum 754. Bemolf Bischof von Utrecht 746. Bernolf Lehrer in Würzburg 555. 557. Bernward Bischof von Hildesheim 126.129. 268—275. 313 —317.515. Dotationsurkunde für St. Michael 272. Liber mathematicalis von B. kor- rigiert273.Bernwardsäule274. Bernward Bischof von Würzburg 449. 451. Berold Erzbischof von Sens 527. 530. Berold Bischof von Soissons 342. Bertarius Presbyter von Verdun 126. 195. Gesta episcoporum Virdunensium 353—361; bei Hugo von Flavigny 354. 358 ; in der Vita Pauli Virdunensis 354 f. Bertha Aebtissin von Humblieres 418 f. Bertha von Vilich, Vita Adel- heidis Vilicensis 415. 469 f. Bertha angebliche Gemahlin Karls des Großen 295. Berta Gemahlin Roberts von Frankreich 666. Bertharius von Monte Cassino, Gedichte auf den hl. Benedikt, vielleicht von Alphanus I. verfaßt 636. Berthold von Reichenau, Chronicon 756—759.762.767.775. Berthrada Aebtissin vonSt. Maria zu Köln 469. Bertmus Heiliger 587 f. Betacismus I 188. Beulan britischer Presbyter 799. Bibelversifikation des Alten Testaments bei Rather 43. Bibliotheken 1 485.543.545.608. 641.698. 708. II 14. 220. 222. 403. 436. 438. 459. 532. 535. Bibliothekskataloge mittelalterliche I 17 ff. 23. 25—36. 40 f. . 53 834 Alphabetische Register. 45. 48 f. 51.54—57.66 ff. 74 ff. 80 f. 83. 85 f. 98—103.105 f. 108:illff.ll6ff. 130 ff. 135 f. 138. 140. 149—151. 153. 158. 160.165 ff. 169.177.179.182 f. 203f. 210ff. 216.219.221.226. 229 f. 233 ff. 238 f. 251 f. 260 f. 263.265.267 f. 270 ff. 277.279 —282. 284 f. 287 f. 291.294— 299. 304. 306—310. 312. 315. 317.319 f. 322.329.331—334. 337 f. 347—350. 352 ff. 357 ff. 361 f. 364.369 f. 378. 380. 386. 389. 394 f. 399 ff. 403. 407— 411. 415 f. 420.422 f. 428.435. 445 f. 449. 462 f. 467 f. 471 ff. 478—482. 488. 490. 493. 499. 501. 506—512. 515 ff. 523 ff. 540. 542 f. 547—551. 560. 564 f. 567. 573 f. 580 f. 591. 593. 596. 608. 613. 615. 618. 632. 634 f. 638. 641 ff. 652. 654. 664. 666. 668. 677. 686 f. 695. 698. 700. 707. 714. 718. II 14 ff. 21. 25. 26. 39. 43. 49 —52. 60.70. 74. 96.141 f. 163. 166 f. 172 f. 179. 183 f. 189. 191 f. 194. 203. 210. 215.218. 223 f. 226 ff. 231. 243. 264. 268. 281 ff. 293. 302.318.331. 335. 347. 354. 356. 366. 373. 381. 386. 394. 412. 419. 432. 438—441.462.490.500 f. 504. 522. 530.532 f. 539. 544 f. 547. 573.580 f. 598.619. 635 f. 646. 658. 668—671. 673. 675. 681. 688. 692 f. 695. 697 f. 700 f. 706.715. 718 f. 723 f. 729. 737. 739. 741. 746. 749 f. 753. 755. 757 ff. 761.765 f. 774.784.786. Bilder in Handschriften I 81. 483 f.; als literarische Quelle I 116. 118. Bilderzyklen 562; vgl. Kunstgeschichtliches. Billunger, sächsisches Herzogshaus 400. Birinus Bischof von Dorchester 443. Bischofskatalog, Bremer, in Versen 401. Blutregen 332. 684. 692. Boethius 10 ff. 69.169.259.261 f. 273. 492. 530. 582.611. 708. 745. 765. 780. 792. 806. Bei Odo 22.26; bei Atto 29; bei Rather 42. 50; bei Bern 69; bei Otloh 89 f.; bei Berengar 104. 120; bei Guitmund 118; bei Flodoard 158. 165; in der Vita Mathildis prior 184. 186; bei Johannes von St. Arnulf 191; bei Burchard 280. 282; bei Ebbo von Worms 303; bei Wolfhere314;bei01bert458f.; in der Vita Adalhardi posterior 467 f.; bei Theoderich von Tho- ley 482; beiWalther von Speier 505; bei Fromnund 523 f.; bei Adalbero von Laon 529; bei Egbert 538; bei EkkehartIV. 564; im Gedicht auf den hl Vincentius587; in Arnulfs De licie cleri 590; bei Alphanus I 621. 624 ff. 628; bei Abbo 670 beiFulbert 685. 688. 690; bei Byrhtferth 700; bei Anselm von Besäte 708. 710. 713; bei Papias 719. 721. 726; bei Gerbert 731—734. 737 f. 740, (Geometrie N. 1740.743); Geo- metria subditicia N. 2 (= De- monstr. artis geometr.) in der Ars geometrica 741; Euklidübersetzung in der Ars geometrica 741; Arithmetik und Geometrie N. 1 im Kommentar zu Gerberts Regulae de num. abacirationibus 742; bei Guido ■ von Arezzo 753 f.; bei Hermann vonReichenau770. 774; bei Radolf und Raginibold 780; bei Franco von Lüttich 782 f. 785. — De consolat. philo- sophiae übersetzt von König Alfred 639. 651. 655; Kommentar zu De cons. phil. benutzt von König Alfred, Nikolaus Triveth. Robert von Lincoln und Wilhelm de Conchis 671; De cons. phil. und christliche Schriften deutsch übersetzt von Notker dem Deutschen 695. 697; Periermenien und Kategorien von Notker übersetzt 695. 698 f. Kommentar zu De instit. arithmetica 2, 1 von Notker von Lüttich 221. 223. 727. Kommentar zu Cons. phil. 3 carm. 9 von Adal- bold von Utrecht 744—747, von Bovo II. von Korvei 744. 747. —Boethiusmetra des Lupus von Ferneres 770 f. Boe- thiushandschriften von Frou- mund geschrieben 518 f. 523. 696; Hs. der Arithmetik in Augsburg 519. Boleslav I. Böhmenherzog 234. BoleslavII. Böhmenherzogl82ff. 304. Boleslav Polenherzog 232. 234 ff. Bonibert, Bonipertes Ungarnbischof 80. 692. Bonifacius kirchlicher Name Bruns von Querfurt 231 f. 235. Bonifatius Erzbischof von Mainz 85. 91 ff. 101. 184. 317. 328. 377.447 f. 459 f. 472.477. 792. 797. Briefe 85; bei Otloh 91 ff. Vitae Bonifatii 85. Bonifilius Bischof von Gerona 730. 735. Borell Herzog in Spanien 729 f 735. Boso Bischof und Kanzler in Italien 32. Boso Abt von Fleury 336. Boso Mönch 145 f. Boso westfränkischerGroßer361 Botanik 13. 215. 218. Boto Kanoniker in Hildesheim 86. 313. Bovo Abt von St. Bertin, Relatio de inventione et elevatione s. Bertini 587 f. Bovo IL Abt von Korvei, Acta sui temporis (verloren) bei Adam von Bremen 402 f. Kommentar zu Boeth. cons. phil. 3 metr. 9 744. 747. 809. Bovo Mönch; Gedicht auf ihn 494. 508. Braulio Bischof von Saragossa 793. Brideferthus s. Byrhtferth. Briefe, Briefsammlungen 640. Briefe Abbos 640.649 f.; Adal- bolds von Utrecht 727. 743, Adalhards von Corbie 466. Adelmanns 559 f. 640. An- selms von Besäte 712. 714. Astronomischer Brief 801. At- tos vonVercelli 29 f. 32 f. 640. Azechins 303.640. Bebos640. 706 ff. Berns 62 f. 743. 745. Froumunds 519—525. Ful- berts 640.683 ff. Gerhards von Cambrai 342. Gozechins 640. 473—478.Hildegars 692. Hinc- mars 340 f. Hugos von Cluni 148. Leos IX. 385. Der Mönche vonLobbes341. Lorscher302f. 640. Nikolaus' I. 803. Odilos 640. Ragimbolds und Radolfs 694. 727. 778 ff. Rathers 35. 40. 43. 50. 640. Speierer Brief 440. Des Touler Klerus 383. 385. Walos von St.Arnulf 640. 724. Wigos von Feuchtwangen 523. Wolf heims 388. Wormser Briefe 640. Wulfrics von Can- terbury 671. AngeblicherBrief- wechsel zwischen Seneca und Paulus 614. 726. Brigita Heilige 388. 390. Brun (Bruno) Erzbischof von Köln 39. 41 ff. 45. 51 f. 129. 164. 175 ff. 205.372. 401. 410. 420. 493. 518. 673. Brun Bischof von Augsburg 235. Brun von Querfurt 129. 229— 236. Vita Adalberti 230—235. 515; in den Gesta archiepisc. Magdeburgensium 234; im Chron. Montis Sereni 234; beim Alphabetische Register, 835 Annalista Saxo 234; in der Legenda de s. Adalberto 234. Vita quinque fratrum 231 ff. 234. BriefanHeinrichII.232. 235 f. Brun Vater Bruns von Querfurt 232. Brunicliildis Frankenkönigin 240. Brunicho Propst von Worms 58. 60, Bruning Italiener 294. Bruno Erzbischof von Trier 481. Bruno (Eusebius) Bischof von Angers 108. 123. Bruno Bischof von Segni 72.176. Bruno Bischof von Toul (Papst Leo IX.) 382—386. Aufzeichnung über St. Evre 385. Re- sponsorien 386. Bruno Bischof von Würzburg 19. 71—74. Schrift gegen die Simonisten 72 f. Commenta- rius in psalmos 72 ff. 7171'. 723. 793. Carmen erga pa- pam (?) 72. Bruno Abt von Montier-en-Der 442. Bruno Abt von Nienburg 316. Bucco Graf von Verona 44 f. Buchschrift, norditalienische 794. Buciowald Bischof von Verdun 355. Buglossa (Anchusa italica) Fischköder 550. 553. Burchard Bischof von Cambrai 344. Burchard Bischof von Worms 19. 56—61. 67. 129. 223. 279 f. 282. 299—302. 457 ff. Fasten des Moses und Elias 57 f.; in der Vita Burchardi 58. Decre- torumlibriviginti57—60.282. 379. Wormser Hofrecht 61. Burchard Bischof von Würzburg 302. Burchard Abt 64. Burchard Abt von St. Emmeram 84. 86. 307. 311 f. Burchard Lehrer inReichenau 71. Burchard Mönch in Reichenau 64 f. Burkhard I. Abt von St. Gallen 694. 697. Burkhard IL (Purchard) Abt von St. Gallen 562. 566 f. 694. 697. Byrhtferth (Brideferthus) Mönch in Ramsey (Thorneganus ?) 639. 699—706. 727. Kommentar zu Beda De ratione tem- porum 639. 699—702. 705 f. 727. Kommentar zu Beda De natura remm 639. 700 ff. 705. 727. Enchiridion, Handboc (Compotus)699f. 702ff. 705 f.; Teile davon (?) De principiis mathematicis 703 und De in- stitutione monachorum 703. Vita s. Dunstani (?) 704 ff. Briefe (?) 704 ff. Kommentare zu Bedas De loquela digitorum und De ratione unciarum 705. Byzantinische Historiographie bei Liudprand 169. C. Cacus 599—604. Caddroe s. Kaddroe. Caecilia lex 478. Caelius Aurelianus 542; bei Isi- dor 793. Caesar 238 ff. 472. 625. 627. 634. 728. 761. 783. Bellum Galli- cum bei Flodoard 160. 165; bei Johannes von St. Arnulf 192; beiRicher219; bei Heriger 225; bei Aimoin 240 f. 244. 246; bei Al P ert281. 283; bei Wipo 326; in den Gesta episc. Cameracensium 339. 343 f.; bei Orosius 359; bei Adso 733. 736, Hs. in seinem Besitz (?) 432. 439; in St. Evre 439. Caesarius Bischof von Arles 687. Caesarius vonHeisterbach, Kommentar zur Sequenz Ave prae- clara maris Stella 775 f. Caius Märtyrer 624. Calixtus IL Papst 148. 150.154. Calliopius 782. 785. Calpurnius bei Fridegod (?) 500. Camillus 611. 613. Candax604f. Candidus Mönch in Fulda 814. Candidus Theopystius Alchimus Adressat von Amarcius Ser- mones 569. 572 f. Cannense certamen 633. Cantica biblische 73. Cantilena in Heribertum archi- episcopum 366 f. 492. Caper Grammatiker, bei Papias 720. CaritasRekluse imMarienkloster zu Worms 301. Carmen Brunonis episcopi erga papam72; deincendio monast. s. Amandi608—610; deincendio s. Bertini494; de ponde- ribus et mensuris bei Abbo 670, in den Exempla diversorum auctorum 670; de Timone co- mite 812; (Prosperi?) ad uxo- rem bei Papias 719. Carmina figurata I 548. 577. 579. 605. Carmina de s. Quintino 814. Carneades 478. Cassianus, Collationes 21. 231; bei Bern 62. 65; bei Otloh98. 100; in Gerhards Vita Udal- rici 204. Cassiodor 670. 792f.; bei Bern 62. 65; bei Bruno von Würzburg 73. 793; bei Gerard von Czanäd 77. 79.81; bei Durand 117; bei Flodoard 158. 165; in den Miracula Gorgonii 196; bei Marianus 392. 792; bei Notker 698; in der Ars geo- metrica 741; bei Hermann von Reichenau 760 f.; in den Ann. Disibodenbergenses 792; in De expositoribus divinae legis 793. Cassius Felix, De medicina bei Isidor793. Castrensis Bischof von Volturno 304. 306. Casus s. Galli 210. 303. 503. 563 f. 729. Catalogus abbatum s. Amandi Elnonensis 52. 609. Catalogus abbatum et fratrum Corbeiensium 176. Catalogus abbatum Luxovien- sium bei Adso 441. Catalogus episcoporum Bremen- sium metrice bei Adam von Bremen 410. Cato 119. 123. 259. 478. 611. 613. 625. 633. Catonis Disticha 11. 536. 544. Uebersetzung von Notker 695. Kommentar vonRemigius525. 808. — Bei Atto 29; bei Otloh 83. 86. 94 f.; bei Liudprand 169; bei Brun von Querfurt 233; bei Thietmar 268; bei Azecho von Worms 303; in den Ann. Altahenses 397; bei Theoderich von Fleury 455; bei Froumund 525; im Ruod- lieb 553. 588; in Arnulfs De- licie cleri 588—591; bei Heinrich von Augsburg 616; bei Hildegar 692; in Hemmos Homilien 809. Catonis versus contra luxuriam bei Johannes Romanus 134; bei Onulf 717. Catiül bei Rather 35. 45. 51; angebliches Zitat bei Papias 720. Celsus 15; bei Gerbert 215. 218. 737; in alten Katalogen 737. Celsus Heiliger 415. 456 f. CenaCypriani814. Versiculides Johannes Diaconus 814. Censorinus in der Ars geome- trica 741. Centuriatoren, Magdeburger I 294. 53* 836 Alphabetische Register. Ceolfrid, Epist. de pascha 794. Ceres 656. 659. Chalcidius, Uebersetzung und Kommentar zu Piatos Timaeus 10; bei Gerard von Czanäd 76. 79. 80 f.; bei Warner von Basel 581; bei Abbo 670; bei Gerbert 740; bei Adalbold 747. Chaldäer 602. 763. Cbarisius in Arnulfs Delicie cleri 591; beiPapias 720; beiMicon 806. Chartular von Worms 61. Charybdis 556 f. Chatmus 316. Ohiffern, den Tironischen Noten ähnlich, bei Gerbert 732. 736. Childebert Frankenkönig 355. 427. 430. 479. 481. Childerich Frankenkönig 193. 195. Chiliasmus 348. 351. Chirurgie 215. 218. Chlodowech Frankenkönig 427. 430. Chlotarius Frankenkönig 440. ChristianPresbyterinFleury664. Christian Lehrer in Stablo 802. 805. Christianus s. Guitmund von Christina Märtyrerin 624. 630 f. 633. Christophorus Heiliger 502 ff. Chrodegang Bischof von Metz 196 f. 460. Chronica de gestis consulum Andegavensium 25. Chronica episcoporum Hildes- heimensium 275. 318. Chronica Venetorum (Giustini- ano?) 251. Chronicon monasterii de Abing- don 679. Chronicon Altinate 127. 249 ff., Dresdner Handschrift 251; hei Johannes Diaconus 247. 249 f.; im Chron. Gradense 250. 252; bei Martino da Canale 251; bei Marcus im Chron. Venetum 251; bei Andrea Dan- dolo 251; in der Chronica Venetorum (Giustiniano?)251. Chronicon de S. Andrea 4. 179 ff. Chronicon s. Benedicti im Chron. Salernitanum 198. Chronicon s.Benigni Divionensis 115. 122. 439. Chronicon Eberspergense 593. 596. Chronicon Egmundanum 745 f. Chronicon Fani s.Neoti652.654. Chronicon Gozecense 8. Chronicon Gradense 252; hei Johannes Diaconus 247. 249. Chronicon Halberstadense in den Ann. Quedlinburgenses 276. Chronicon episcoporum Hildes- heimensium 318. Chronicon Hirsaugiense 219.366. 389. 394. Chronicon s. Huberti Andaginen- sis 463. Chronicon Malleacense 292. Chronicon Montis Sereni 234. Chronicon s. Michaelis Hildes- heimensis 273. Chronicon Novaliciense 126.294 —299. Chronicon de singulis patriarchis Novae Aquileiae bei Johannes Diaconus 247.251 f.; im Chron. Gradense 252 f. Chronicon Salernitanum 4. 197 —203; bei Leo von Ostia 203; in Romualdi Annales 203; im Chron. Amalfitanum 203. Chronicon Saxonicum (lat.Ueher- setzung einer ags. Chronik) 652 ff.; bei Asser, Florentius von Worcester, im Chron. Fani s. Neoti 652. Chronicon Sueviae universale 283. 760 f. Chronicon Turonense 120. Chronicon Venetum des Johannes Diaconus 246. 249; des Andrea Dandolo 251. Chronicon Wirziburgense 73.278; in den Annales s. Albani 284; in den Ann. Wirziburgenses 393. Chronicon Wormatiense 301 f. Chronographus Saxo 283. Chronologia abbatum Lemovi- censium 27. Chrysippus 79. 81. 478. Chuno Herzog von Franken 320. Cicero (M. Tullius) 11. 50. 64. 88. 102. 177. 184. 323. 502. 504. 611. 633. 695. 713. 715. 726. 731. 808. Hs. der Briefe bei Froumund 522. 525; der Philippicao bei Ado, dem Bruder Rotilands 711. 713; Exzerpte der Philippicae bei Se- dulius Scottus 711. Ueber- lieferungderTopica806. Gastmahl Ciceros 808. De re publica nicht in Fleury 668. Invectivae in Sallustium in Augsburg 519. 523. — Cicero bei Liudprand (Paradoxa und Briefe) 173; bei Rather 42. 49f.; bei Ebrachar 48f.; bei Hermann von Reichenau 62. 64 f. 757. 759 (Hortensius); bei Gerard von Czanäd 79. 81; hei Odilo 141; beiRuotgerl78; bei Folcvin 213; bei Richer 218; bei Heriger 223 f. 227; bei Brun von Querfurt 233; bei Alpert 283; in den Epist. Wormatienses 303 f.; beiWolf- here 318; in den Gesta episc. Cameracensium 338 f. 343; in der FuldaerVita Bardonis 379; in der Vita Balderici Leodiensis 380. 382; bei Adam von Bremen 399. 407.410; inSigehards Vita s. Maximini 420 f.; bei Olbert 459; bei Gozwin von Mainz 471. 474 f. 477; bei Waifar485. 487ff.; bei Konstantin von Fleury 506. 508; bei Ekkehart IV. 564 f.; bei Abbo 670; Philippicae aus Reichenau vonNotkergeliehen und Rhetorik als Pfand dorthin gegeben 695; bei Notker 698 (De inventione); bei An- selm von Besäte 708. 710 f.; beiOnulf717f.;beiPapias721; bei Walo von St. Arnulf 725; bei Hadoardus 757; beiFranco von Lüttich (Topik) 782. 785; bei Johannes Scottus 803. (pro Ligario) 807; bei Johann VIII. 814. Cicero grammaticus bei Virgi- lius Maro 796. Cirinus (Cyrinus) Bischof von Freising 306 f. 311. Cita et vera divisio monochordi bei Bern 69. Claudianus, Dichter, bei Rather 52; bei Notker von Lüttich (Heriger) 223; beiHeriger 224; bei Wipo(?) 326; bei Gozwin von Mainz (?) 477; bei Gregor von Tours 799. Claudius Bischof von Turin 428.805; bei Atto 28. 32; bei Hraban 802. Clemens I. Papst 158. 355; s. Pseudo- Clemens. Clemens IL Papst 142. Clemens III. (Wibert, Gegenpapst) 144. 483 f. 597. Clemens Bischof von Metz 357. Clemens Heiliger 429. 431 (ob Clemens L?) Clemens Scottus Grammatiker 806. Clodio Frankenkönig 340. Cluniacenser 128 ff. 526. 530. Cluniacenseräbte 128—155. Lebensbeschreibungen 130—155. Cluniacenserreform 350. 356. 536. 563. 569. 571. Cnuto s. Knud. Codex Arcerianus 12; in Bobbio 733. 737. 740. Collecticius 309 f. 312 f. Alphabetische Register. 837 Collectio Anselmo dedicata bei Burchard von Worms 58. Columban Abt von Luxeuil und Bobbio 159.432.438.579. 798. Regula 531. — BeiNotkerdem Deutseben 698. 737. Columella 596; bei Andreas von Fleury (?) 333. Comeus s. Commius. Commemoratio abbatum Lemo- vicensium 291. Commentum Horatii in alten Katalogen 658. Commius Herzog oder König der Atrebaten 339. Compilatio Fuklensis bei Marianus 392. Compotus Latinorum Grecorum Hebreorum Egiptiorum Ang- lorum beiByrhtferth 702. Vgl. Komputus. De concordia Hippocratis Galieni et Surani in Chartres und St. Gallen 215. Conflictus ovis et lini (von Hermann von Reichenau (?) 758. 771—774. Conon Heiliger 579. Consentius in De partibus ora- tionis 800: bei Ursus von Benevent 807. Constantinus Africanus 618. De stomachi affectionibus 619. — Angeblich bei Odo von Meung 539 f. Controversiae im Rhetorikunterricht 708. Coribantes 316. Cornelii (= Scipiones) 633. Cornelius Papst 487. Cornelius Nepos 173. Cosmas Japygus491. 531 f. Pas- sio Senesii etTheopompi531 f. Cosmas von Prag 781. 784. Chronicon Boemorum 231. Cosmographia Aethici 161; vgl. Aethicus. Crantor 478. Crassus 238. Crisostomus Beiname Bardos von Mainz 376. Crito 602. 605. Crotoniates (Odilo von Cluni?) 527. Cnmmeneus. De virtutibus s. Co- lumbae 799. Cuonrad s. Konrad. Cuono s. Konrad. Curtius in der Translatio s. Epi- phanii (?) 273; bei Andreas von Fleury (?) 337; bei Egbert von Lüttich 538. Cyprianus Bischof vonKarthago, bei Odo von Cluni 22; bei Gezo 54. 56; beiBerengar 112.121; bei Guitmund 119; bei Al- phanus 623. 633; bei Fulbert 685. Cyprianus Heiliger 622. Cyprianus Gallus, Bibeldichter 43. 615. Cyriacus Heiliger 386. Cyrillus, Zyklen 669; bei Durand 116. Cyrinus s. Cirinus. Cyrus 629. 635. Cyselprand Kanzler in Italien 32. D. Dado Bischof von Verdun 195. 353 ff. 359. 361. Daedalus 260. 591. Dänischer Macer 546. Dagobert I. Frankenkönig 328. Dakhan 578. Damasippus 478. Damasus I. Papst 180. Gedichte bei Aldhelm 797; beiBenedikt von St. Andrea 180 f.; bei Flodoard 158. Damasus IL Papst 250. Danae 259. Daniel 578; Erklärung zu 77 ff. Daniel von Skete, Erzählungen, bei Johannes von Amalfi 423. Daoch Brittigena = Daocius ab- bas Reuvisii seu Ruyensis 673. Dardanus 686. Datan 605. Dauferanda Salernitanerin 200. Dauferius Beneventaner 199. David 98. 157. 556. 573. 578. 634. Carmina= Psalter 165. Decius Kaiser 429. Deklamationen in der Schule über antike Stoffe 520. Delicie cleri von Arnulf 588 ff. Demiphon 316. Demosthenes Redner 306. Verse auf Alexander den Grofaen in einer Hist. de preliis 810. Demosthenes Arzt, Ophthalmien bei Gerbert 215. 218. 737. Denu König von Sussex 646. Deodatus Sohn Augustins 25. Deodericus s. Theodericus. Deoduin s. Dietwin. Derivationes bei Papias 719. Descriptio super mutatione corporis s. Hunegundis 418 ff. Desideratus Bischof von Verdun 355. Desiderius Bischof von Vienne 796. Desiderius Abt von Monte Cas- sino 10. 485. 488. 619—623. 627 f. 631 f. 634 f. Desiderius König der Langobarden 27. 295. 297. 579. Deukalionische Flut 605. Deus a quo facta fuit, Hymnus bei Paulus Diaconus (?) 799. Deutsch (Sprache und Worte) I 303. 305. 307.360. 492.574 ff. 606 f. II 167. 169. 467. 476. 482. 484. 538; bei Otloh 100; bei Gerhard von Augsburg 207 ff.; bei Arnold von St. Em- meram 312; bei Rodulfus Gla- ber 349; bei Leo LS. 385 f.; in den Actus fundat. Brumvila- rensis monast. 388; bei Sige- hard421; bei Leo von Ver- celli 515 (Hildesheimer Sächsisch) ; bei Adalbero von Laon 530; im Ruodlieb 554; bei Rat- pert von St. Gallen 566; bei Gerbert 740; bei Hermann von Reichenau 770 f. — Deutsche Bearbeitung des Macer (Odo) 546, Macer in deutschen Rei- men546. DasHohelieddeutsch von Williram 593—598. Anführung deutscher Gedichte und Sprichwörter bei Notker 697. Deutsche Uebersetzungen aus dem Latein 452.469. 480.482. 493.566.639 f. 694—699.722. 804. Dhageno s. Tagino. Dhuoda, Rhythmen bei 805 f. Diapsalma 73. Diarmait König der Lagenier 394. Dicheophilus (Dikaeophilus) Fürst von Jerusalem 603 ff. Dicuil 650. 813. Dido 201. Dies Aegyptiaci 589. 591. Dietrich Bischof von Minden 271. Dietrich I. Graf von Holland 426. Dietrich IL Graf von Holland 424. 426. Dietrich von Niem 174. Dietrich s. auch Deodericus, Theodericus. Dietwin (Deoduin) Bischof von Lüttich 108.116 f. 784 ff. Brief an Heinrich I. von Frankreich 118. 121 ff. Differentiae Ciceronis 660. Differentiae verborum 660. Diglossa 605. Dimeter, anapästische katalek- tische 627 f.; jambische 1 196. 313. 496. 566. II 159. 290. 623 f., katalektische 262; trochäische I 196, katalektische II 262. Diodor, angebliche Zitate bei Papias 720. Diogenes 474. Diokletian Kaiser 532. Diomedes 605. 838 Alphabetische Register. Diomedes, Grammatiker, bei Pa- pias 720. Dionysische Aera 795. Dionysius Papst 340. Dionysius Areopagita s. Pseudo- Dionysius. Dionysius Exiguusl30.225.228. 389 f. 393.669; bei Byrlitferth 701. 705; bei Hermann von Reichenau 760. Dionysii et Theophili epistolae de ratione paschali bei Marianus 392. Dioskorides (Diaskoridos, Dyas- korides) Liber de virtutibus herbarum 545. De naturis ani- malium und De phisicis liga- turis 545. Bei Odo von Meung 540. 542 f. 544. 546; im Mittelalter 545. Disticha 608; trochäische 1572. Dobrawa 267. Doctrinale novum, angebliches Werk des Amarcius 569. 572. Dodo ungarischer Presbyter 75. 80. Dominicus kaiserlicher Gesandter 170. DomnivertAbtvonNovalese297. Domnus Mönch in Montmajour- les-Arles 682. Donatus Grammatiker 11. 189. 638.676 f. 680 f.; bei Berengar 104. 120; bei Guitmund 119; bei Johannes von St. Arnulf 194; bei Pulbert 685; bei Frou- mundölS; bei Abbo 668.671; beiPapias 720; inDepartibus orationis 800; bei Ursus von Benevent807. VitaVergili 782, bei Ekkehart IV. 565. Donat- kommentarHildegars 692, Re- migius' 808. Doxius 602. Dracontius christlicher Dichter 615. 798; bei Egbert von Lüttich 538. Satisfactio im Chron. Salernitanum 198. 201. Droco s. Drogo. Drogo Bischof von Paris 475. Drogo Bischof von Toul 434. 441. Drogo Archidiaconus in Paris 104. 107 ff. 119. 121. Drogo (Droco) Lehrer der Philosophie in Parma 708—714. Drogo, Ableitung des Namens 538. Drogonica secta 712. 714. Dructesindus Mönch in St. Mes- min 427. 430. Drüsenvolk (gens strumosa) 579. Drusing 472. Drusinger 472. Drusus 472. Dub Ire (= Niger) 806. Dudo Dekan in St. Quentin 126. 257—265. 526. 530. Historia Normannorum 257—265; bei Wilhelm von Jumieges 263; bei Wilhelm von Poitiers 263; bei Ordericus Vitalis 263; in den Annales Asserii 263. Dunchad, Martiankommentar 663. 803. 809; bei Remigius 721. Dunstan Erzbischof von Canter- bury 415. 664 f. 670 f. 675. 679. 681. Duodecim abusiva seculi bei Rodulfus Glaber 348. 351; s. Pseudo-Cyprian. Durand Bischof von Lüttich 222. Durand Abt von Troarn 18. 106. 109. 116 f. 121. Liber de corpore et sanguine Christi 116. 123. Gedichte 117. Durand deutscher Name 538. Dynamidia Hippocratis 215; bei Odo von Meung (?) 543. E. Eadbert, Collectio de diversis opusculis sanctorum patrum 795. Eadgar König von England 675. 681. 704. Eadmer, Vita Oswaldi Ebora- censis 497. 500. Eadmund König von England 665. 670 f. Eadnoth Bischof von Dorchester 703. Eadred angelsächsischer König 444. 675. Eadwig angelsächsischer König 704. Ebalus Erzbischof von Reims 526. 530. 682. 684. Ebarcius Mönch in St. Amand 641—646. Claves scriptura- rum iuxta traditionem seni- orum641—646; beiAynardf?) 643; beiPapis(?) 643. Ebbo (Eppo) Lehrer und Kustos in Worms 129. 299. 303; ob Verfasser der Vita Burchardi Wormatiensis? 299. 301. Ebo von Michelsberg, Vita Otto- nis Bamberg. 7. Ebergis Bischof von Lüttich 372. Eberhard AbtvonTegernsee519. Eberhard Abt in Tours 734. Eberhardus Alemannicus, Labo- rintus 576. 580. Ebioniten Häretiker 293. Ebo Erzbischof von Reims 162. 402.811; Brief 162; bei Flodo- ard 804. Restitutionsurkunde 162. Ebrachar (Everaclus, Evracrus) Bischof von Lüttich 48 f. 50 211 f. 219. 221. 372. 375. Ebulo Erzbischof von Reims 342. Eburnant Mönch in Hornbach 448. Ecbasis captivi 539. 571. 660- bei Thietmar 813. Ecgbert Erzbischof von York 795. Eckenlied 550. Edelsteine I 336. II 204. 618 719. Edicta regum Langobardorum bei Benedikt von St. Andrea 180. Edilnulphus s. Aethelwold. Edippus (Oedipus) 314. 316. Edilthryd Heilige 193. Eduard I. König von England 647. Eduard II. König von England 329 ff. Egbert (Ecbert) Erzbischof von Trier 424 ff. 456 f. 738. Egbert (Ekbert) Abt von Fulda 92 f. 376 f. 379. 388. Egbert Lehrer in Lüttich 319. 535—539. Fecunda ratis (Liber • de aenigmatibus rusticanis) 94. 319. 493. 535—539. 744. 746. Egbert Heiliger 578. Eggehard Bischof von Schleswig 269. 271. Eggo fingierte Person 425. Egilbert Erzbischof von Trier 483 f. Egino (= Agimo?) Homilien- sammlung 800. Eginold Archidiakonus in Toul, Abt von Gorze 189. 191.194 f. Eglon 578. Egroalis Gonno? 673 f. Eigil Abt von Fulda.Vita Sturmi in der Passio s. Bonifatii 459; bei Otloh 92. Eilbert Graf 238. Eilbert Berichterstatter Onulfs von Blandigny 363. Eileivin Bischof vonCambrai 222. Einard Korrespondent Fulberts 684. Einhart 16. 177. 192. 197. 244. Vita Karoli 244.580. 652. 807. 813f.; bei Benedikt von St. Andrea 180f.; beiFolcvin 213; bei Heriger 224; bei Thang- mar 271.275; in den Ann. Quedlinburgenses 276; bei Marianus 392; bei Adam von Bremen 401 f. 406; bei Bertha von Vilich 470; bei Asser 653. 813; bei Hermann von Reichenau 760. De psalmis 813. Passio ss. Marcellini et Petri 813. Suetonhandschrift 807. Alphabetische Register. 839 Einold s. Eginold. Eipenno Mönch in Reiclienau (?) 370. Ekbert s. Egbert. Ekkebard von Aura 8. Ekkehart I. von St. Gallen 295. 694. 697. 813; Waltharius manu fortisdurch Ekkehart IV. bearbeitet 562. Ekkehart II. von St. Gallen 561. 694. Ekkehart III. von St. Gallen 694. Ekkehart IV. von St. Gallen 7. 208. 303. 561—569. Casus s. Galli 208.210.303. 504. 563 f. 567 ff. 694 ff. 804. 810. 812 f. Benedictiones 493. 537. 562. 564—567. Kritische Tätigkeit für Orosius 562 f. Bearbeitung des Waltharius 562. 564. Uebersetzung von Ratperts Galluslied 566 f. Ekkibert Abt von Ebersberg 593. Ekkihard Bischof von Brescia 561. Eklogen I 278 f. 311. 323. 403. 407.409. 549f. 566.570.572 ff. 614 ff. 632. 712 f. II 143 f. 576 ff. 811. Ektrifon 602. 605. Eidrad Heiliger von Novalese 296 f. 299. Eidrad Abt von Breme 146. Eleutherius Heiliger 369. Eleymon 601—603. Elfeg (Aelf heah, Elpheg) Bischof von Winchester 443 f. 445 f. Elfsilber, rhythmische 492. 556. Elias 56. 58. 138. 140. 301. 605. Eligius Bischof von Noyon 419. Elipandus von Toledo, LiberEli- pandi 804. Elisaeus 801. Elision vermieden im Ruodlieb 555. Ellinger Abt von Tegemsee 524 f. Elpheg s. Aelfheah. Elstan Mönch in St. Ethelwold 445. Embricho Propst von Mainz, Bischof von Augsburg 494. 582—587. Vita Machometi 494. 582—587. Emma Königin von Dänemark 329 ff. Emma (Hemma) Gemahlin Bole- slavs II. von Böhmen 184.304. Emma sächsische Fürstin 408. Emma Gemahlin Lothars von Westfranken 526. 529. 738. Emmeram Heiliger 100. 306— 310. Emmerich Sohn Stephans von Ungarn 75. 80. 82. 737. Emnilde Aebtissin von Quedlinburg 265. 267. Encomium Emmae reginae (Ge- sta Cnutonis) 329. 331. Engelbert Lehrer in Orleans 558. Engeramnus Presbyter in Brogne (?) 417. Engila Aebtissin 768. Engilbert Abt von St. Gallen 568. Engilmar Bischof von Parenzo 311. Engilrad Kammerfrau der Aebtissin Adelheid von Vilich 469 f. Englisc = angelsächsisch 654. Englisch 648. 676 f. 679 f. Englische Pflanzennamen 547. Enoch 577. 590. Enoraienes 603. 605. Entdeckungsfahrten 406. 411. Enzyklopädie, astronomisch- komputistische, bei den Angelsachsen entstanden, in der Ars geometrica 741. Eonan Kantor in Northumbrien 500. Epafroditus römischer Gro- matiker, bei Gerbert 737.740; in der Geometria incerti auctoris 740; in der Ars geometrica 741; bei Adalbold(?) 746. Epanalepsis I 21. 86.196. 257. 632. II 259.290.293.333.443. 522. 532. 629. Eparchius Heiliger (St. Cibard) 284—287. 290 f. 492. Epidaurius draco 605. Epigramme, auf eine Weltkarte 1 471. Mortvini epigrammata 1 551; Epigrammata scolastici auf die Mrracula s. Maximini II 422; vom Dichter des Ruodlieb 555. Epikur 455. Epimachus Heiliger 757.759.775. Epiphanius Heiliger 269. 273. Epiphanius,Panarion,lateinische Uebersetzung bei Gerard von Czanäd 79. Episkopalbuch von Lüttich 221. Epistolae formatae- bei Papias 719. 724. Epitaphia I 471. 539. 541. 544. 546. II 58. 140 f. 145. 158 f. 164. 200. 230. 255. 275. 298. 329. 361. 520. 523. 530. 535. 563.595 f. 609.614.629 f. 691. 810.812. Epit. Adalheidae von Jotsald 140 f. 145; Gregors V. 58; Papst Sabinians bei Jotsald 145: der Päpste 158 f. 164; Rainalds von Cluni 153; des Attalus bei Flodoard 161; Pulcos von Reims 163; Flo- doards 163. 165; Arichis' und GrimoaldsvonBeneventl98f.; Gauzlins von Odo von Pleury 334; Mathildens, Ottos I. Tochter 387; Adsos von Basle 438. 442; Graf Sendebalds 441; des hl. Eucharius 456; Walthers von Speier von Ekkehart IV. 504; Ellingers von Tegernsee 523. 525; Adal- beros von Laon 530; Angel- rams von Guido 535; Heriberts von Williram 557. 595. 598; Aribos von Ekkehart IV. 563; St. Gallener Mönche von Ekkehart IV. 567; eigenes Epitaph Willirams 595 f. 598; Gisleberts von St. Amand 609; Senecas 614; Kardinal Stephans 629; Attos vonTeate 629; des Römers Leo 630; des Salernitaners Johannes 630; Fulberts 691; Himil- truds, Ebos Mutter 804; des Nolker Balbulus 804; Ekke- kartsl. 812; EkkehartsII. 810. Epithalamien 466.468.797; Epit. Laurentii in Arnulfs Delicie cleri 590. Epitome Sangallensis 760. Epoden, trimetrische I 176. Eppo s. Ebbo. Eratosthenes' Gradmessung bei Hermann von Reichenau 763; in der Geometrie Gerberts 764; in der Ars geometrica 740. 763; bei Meinzo von Konstanz 787. Erchambald Bischof von Straßburg 813. Erchanbert Bischof von Freising 807. Erchanbert Lehrer, Grammatik 807. 812. Erchembald Abt vonFleury 238 f. Erchempert. Hist. Langobardo- rum im Chron. Salernitanum 198.200; Verse zu Bedas Mar- tyrologium 814. Erdscheibe, künstliche 368 f. Erich König von Schweden 401. Erkanbald Erzbischof von Mainz 268. 270. 275. 813. Erkenbald fränkischer Graf 376. Ermadolon 602. 605. Ermanarich Ostgotenkönig 276. Ermendrud Aebtissin in Zürich 255. Ermengardis Mutter Abbos von Fleury 664. Ermenrich von Elhvangen 807. Ermenrich angeblicherVerfasser der Vita s. Magni 102. ErmenthaeusBischofvonOrleans 428. Ermino Heiliger 212 f. 840 Alphabetische Register. Ermiona (Hermione) 316. Ermoklus Nigellus, Dichter 811. Ernst Herzog von Schwaben 320. Ernst Graf 52. Eschatologie beiRoduIfusGlaber 351; in Briefen aus Lothringen 672. Esculapius s. Asclepius. Esdras Einteiler des Alten Testaments 70. Esther, biblisches Buch, angelsächsische Uebertragung durch Aelfric 681. Ethelred II. König von England 329. Ethelwold (Aethehvold) Bischof von Winchester 442—446. Hymnus auf ihn von Wulstan 492. Ethnis 600—602. Etymologien I 465. 513. 515. 634.676. II 349.352.377.425. 443. 445. 472. 480. 482. 545 f. 658. 700. 705. Euander 339. Eucharistie 229. Eucharius Heiliger (Trier) 456. Eucherius, Instructiones bei Ebarcius 643; bei Byrhtferth 705. Ad Salonium bei Gerard von Czanäd 75. 79. 81. Euclides in Boethius Ueber- setzung in der Ars geometrica 741. Eudald Verlobter der Hunegun- dis 417. Eudochius 604 f. Eufronius Lehrer des Amarcius 569. 571 ff. Eufronius Bischof von Tours 573. Eugenius I. Erzbischof von Toledo 416 f. Eugenius IL Erzbischof von Toledo 201. Eugenius III. Erzbischof von Toledo 181. 565. Eugippius, Vita s. Severini 578. Euphorbus Trojaner 725. Eupolemius (Wicpert? Hartwic ?) Dichter. Messias 339.463.494. 571. 577. 579. 591. 599—605. Europe 316. 636. Eurydice 520. 524. Eurystheus 701. Eusebius von Caesarea 394. 611. 705.721; Chronik durch Hie- ronymus übersetzt 244. 429. 650, bei Marianus 391. Hist. ecclesiastica durch Rufin übersetzt bei Gezo 55; bei Otloh 100; bei Flodoard 157; bei Marianus 391; bei Hermann von Reichenau 760 f. Eusebius (Bruno) Bisehof von Angers 105. 108. 110. 116. 120 f. Eusebius Emissenus bei Durand 116. Eusebius Pamphilus 360. Eustasius Heiliger (Luxeuil) 435. 441. Eustochium Korrespondentin des Hieronymüs 72. 157. Euticius s. Benedikt von Aniane. Eutropius, Historiker bei Flodoard 162. Eutropius 603. Eutyches Grammatiker 804; Kommentar desRemigius 808. Eva 577. 615. Evangeliar Atteperts von Novalese 297. Evergisil Bischof von Köln 372. Everhelm Abt von Hantmont und Blandigny 129. 362 ff. Evracrus, Everacrus s. Ebrachar. Excerptum de astrologia bei Hermann von Reichenau (?) 765. Exempla diversorum auctorum 670. Exhortatio poenitendi 798. De expositionibus divinae legis a Christianis perlegendis 793. Ezechias 346. 578. Ezechiel 81.191. 782. Ezo Pfalzgraf von Sachsen 386 f. Fabeln 494. 514. 517. Fabii, römische Gens 633. Fabricii 633. Faitnach Ire, Vater Kaddroes 237. Falchaln Lehrer in Lüttich 784 f. Fardulf Abt von St. Denis 811. Faritius Abt von Abingdon 648. Fassor (Phassur) 604 f. Fastrada Gemahlin Karls des Großen 473. Faustus Bischof von Reii 241. Fecunda ratis (Prora et puppis) von Egbert von Lüttich 746. Felix Capella s. Martianus Ca- pella. Felix fränkisch er Notar beiKönig Alfred 647. Fergil Bischof von Salzburg 792. Fermentacei Häretiker 384. Festus Grammatiker, Auszug des Paulus Diaconus 467.639. 643. 662. Fides Heilige (Conques) 461 f. Fimbria 486. 489. Find (Candidus) irischer Name 806. Fingenius Abt von St.Vannes und von St. Symphorian, St. Felix und St. Clemens in Metz 256. 356 f. Firmanus Heiliger (Fermo) 450 452 ff. Firminus Bischof von Verdun 355. 360. Fischbüchlein, Tegernseer 550. Fischfang mit Buglossa 550 f. Flaccus s. Horatius. Flavianus Grammatiker in De libris grammaticorum 801. Flodegarius (Flodoard?) super barbarismum 163. Flodoard Archivar der Reimser Kirche 32.41.125 ff. 155-166 497. 529. 811. 814. Annales 155 f. 163 f. 178.496; bei Hugo von Flavigny 164; bei Richer 216. 218 f. De triumphis Christi sanctorumque Palaestinae 156 ff. 165. De triumphis Christi Antiochenae gentis 157. Historia Remensis ec- clesiae 159—166; bei Richer 165 f. 218; in den Gesta episc. Cameracensium 166.338.340; bei Sigebert von Gembloux 166; bei Udalrich von Bamberg 166; im Libellus de rebus Trevirensibus 328; in den Miracula s. Bercharii 442. Miracula sanctorum Remen- sium(?)159. Grabschrift 165. Flodoard Oheim Flodoards von Reims 163. Florentius Nursinus 133. Florentius von Worcester (Wi- gomensis) 393 f. 648. 652 f. Florilegien 638. Florus von Lyon, Pauluskommentar bei Abbo 670. Martyro- logium 811. Flos medicinae scholae Salemi 546. FolcheriusVaterdesMaiolus 138. Folcmar Erzbischof von Köln 176.178. Folcmar (Poppo) Bischof von Utrecht 190. 194. Folcvin Bischof von Therouanne 210 f. Folcvin (Fulcuin) Abt von Laubach (Lobbes) und St. Bertin 39 f. 48 f. 52. 210—214. 227. Gesta abbatum Sithiensium 211 ff. Vita Folquini 211 ff. 415. Gesta abbatum Lobien- sium 39. 41. 48—52. 57. 60. 125.164.178 f. 211. 213 f. 220. 222; bei Anselm von Lüttich 214. 372 f. Grabschrift 212. Folcvin Vater Folcvins von Laubach 210. Folcvin Oheim Folcvins von Laubach 210. Folcward Bischof von Brandenburg 317 f. Alphabetische Register. 841 Formosus Papst 159.672; Briefe bei Flodoard 162. Fortunatus Dichter s.Venantius Fortunatus. Fortunatus Patriarch von Grado 252. Fortunatus Märtyrer 624. Fränkisch I 485. 554. 576. 659. Fränkische Grammatik Karls des Großen I 576; Namen und Sprache bei Smaragdus 1 466; bei Ebarcius II 645 f. Franco Bischof von Lüttich 373. Franco Bischof von Worms 57. 300. Franco Lehrer in Lüttich 364. 727.781—786. De quadratura circuli 727. 778 f. 781—785. De ratione computi 784. 786. De ieiunio quatuor temporum 194. 784. 786. De ligno trium foliorum(?) 784.786. Französisch I 480. 659. II 467. 545.561.612: frz.Uebersetzung des Macer (Odo) 547. Frechulph von Lisieux 125. 814. Fredegar 799; bei Johannes von St. Arnulf (?) 195; bei Aimoin 241; bei Ademar 285.799: bei Ekkehart IV. (?) 565; bei Hermann von Reichenau 760; Con- tinuatio 430; bei Johannes von St. Arnulf 193. Fretela Korrespondentin des Hieronymus 73. Fridebold Abt von St. Afra in Augsburg 68. 207. 210. Fridegod (Frithegod) von Canter- bury 491.497—501. Metrische Bearbeitung von AeddisVita Wilfridi 491. 497—501. Vita Audoeni 501. Fridugis Abt in Tours 804. 806. Friedrich als Papst Stephan X. 385. Friedrich Erzbischof von Salzburg 503. Friedrich Salzburger Kleriker 503. Friedrich Herzog von Lothringen 239. Friedrich lothringischer Graf 357 f. FriedrichPfalzgraf vonSachsen 8. Friedrich Pfalzgraf 62. 65. Friedrich 569. Frodobert Heiliger 415. 433 ff. 436. 440. Frodoin Abt von Novalese 296 ff. Frollant Bischof von Senlis 105. 120. Frontin, Hs. von Petrus Diaconus geschrieben 792. Fronto bei BedaDe orthographia 795. Froumund von Tegernsee 420. 494. 517—525. 547. 543. 809. Gedichte494.518-522. Briefe 519. 522; von ihm geschriebene Handschriften: Boethius 518f. 521. 523. 696; Juvenal 518. 523; Persius 518. 523; Priscian 518 f.; Griechische Grammatik 518.521.523; Re- migiuskommentar zu Sedulius 522; Remigiuskommentar zu Catonis Disticha 525. Frutolf Mönch in Michelsberg, Chronik 74. 174. Rhythmi- machie 340. Fünfsilber 806. Fünfzehnsilber I 568. 645. 692. 695. II 290. 418 f. 440. 444. 492. 516. 561. 610. 689. 710. 755 f. 810. Fürstenspiegel I 255. 316. 319. 341.352f. 369.375 f. 379.461f. II 187. Fulanus Freund Attos vonVer- celli 30. 33. Fulbert Bischof von Chartres 12. 14. 74. 80. 103. 115.120. 122 f. 141.215 f. 242.332.341. 416. 4611494. 526. 528. 530 —533 ff. 558 ff. 682-694.726 f. 744. 778 ff. Briefe 215. 218. 640.682 f. 685 f. 688.692. Vita s. Autberti 415.686 f. 692 f.Vita s. Aegidii (?) 415.687.689.693. Sermones und Traktate 19. 687 f. 693. Gedichte 492.688 f. 693 f. 727. De provectu fide- lium 694; bei Berengar 112. De divisione librae et partibus eius und De computo 493. Anonymus Camotensis auf Fulberts Anregung entstanden (?) 690 f. Fulbert bei Durand 116. Fulbert Abt von Luxeuil 441. Fulbert von Cambrai, Vita s. Autberti (?) 341. Fulcharius Bischof von Noyon 160.164. Fulcherius Vater der Officia 291. Fulco Erzbischof von Reims 155. 163.166. 647. Fulco Bischof von Amiens 342. 467. 529 f. Fulco Bischof von Orleans 597 f. Fulco Abt von Corbie 466 ff. Fulco Graf von Anjou 112. Fulco burgundischer Graf 132. 159. Fuldische Schrift 798. Fulgentius Grammatiker, bei Atto 31; bei Rather 42; bei Dudo 259; bei Walther von Speier 505; bei Froumund 520. 525; im Mythogr. Vatic. II 657 ff.; bei Remigius 659.808 ; bei Aynard 662 f.; bei Fulbert 692; bei Papias 721; bei Guido von Arezzo 751. Fulgentius Abt von Affiighem 152. Furcaeus Heiliger 429. 431. Fuscus 599. Fuscus Fürst von Jericho 603 ff. G. G. (Gerheb?) 299. 301. G. unbekannter Kleriker 559. 561. G. unbekannter Mönch 115.120. # Gabriel 775. Galenus (Galienus) 79. 81; bei Odo von Meung(?) 539. 542; De simplicibus facultatibus bei Odo 546. Galen mit Hippo- krates und Soranus kompiliert 215. 218. Galfredus de Vino salvo, Nova poetria 574. 576. 580. Galienus s. Galenus. Galla Tochter des Symmachus 180. Gallisch s. Keltisch; Provinzialismen I 177. Gallus, Gall Heiliger 501. 562 ff. 566. 697. 729. Gallus römischer Dichter 573. Gallus Beiname des Amarcius 572. Gamaliel 556. Gandersheimer Kirchenstreit 269. 272. 315 ff. Ganuz Wolf nordischer Ritter 406. 411. Garemann Abt von Hornbach (ob Bischof Warmann von Konstanz?) 446 ff. Gargilius Martialis bei Odo von Meung 540. 542. 544. 547. Gartenbau I 309. 311. Gaudentius Mönch im Aventin- kloster 229 ff. Gaufred Martellus Graf von Angers 150.152. Gaufrid (Gaufred) Graf von Anjou 105.107—110.121. Gaufrid Vicecomes von Chartres 684. Gaufrid Barbatus Graf von Anj ou 110.122. Gaugericus Heiliger (Cambrai) 341. 345 ff. 686. 692. Gausbert Mönch in Fleury, metrischer Prolog zur Vita s. Be- nedicti bei Aimoin 241. 244. Gauslin Bischof von Bergamo 52. Gautbert (Gozbert?) westfränkischer Grammatiker, Gram- maticorum ötaboyj) 175. 178. 193. 294. 638. 673—675. 842 Alphabetische Register. Gauzbert von St. Martial 673. Gauzfred Mönch in Flemy 243. Gauzlin Abt von Fleury und Erzbischof von Bourges 241 f. 245. 331 f. 367 ff. 508. 692. Brief an Robert von Frankreich 332. 335. Gauzlin Bischof von Toul 432. 434 f. 441. Gebhard, Gebehard Bischof von Augsburg 207-210. Vita Udal- rici 207. 209 f.; bei Bern 68; bei Ekkehart IV. 208. 210; bei Ekkehard von Aura 210. Gebhard IL Bischof von Regensburg 307. 311. 575. Gebuin Bischof von Laon 527. Geddo Lehrer in Magdeburg 231. Gedeon 578. Gedichte auf Kaddroe undFinge- nius 357; auf Gerberga 440; an Heribert von Köln 440; auf die Kirche von St. Swithun zu Winchester 444; auf Konstantin von Fleury 506—509; auf den Mönch Bovo 508 f.; auf Angelram 535; auf Bilder in St. Gallen 562 f. 566 f. und in Mainz 566; auf den hl. Vincentius aus St. Bertin 587 f.; auf den Tod Anselms von Laon 605; auf den Brand in St. Amand 608 ff.; angebliches von Winrich von Trier 610 —614; in einer Hs. von Seneca- briefen 614; auf den hl. Aegi- dius von Fulbert 689; aus der Hs. von Anchin 723 (Papias); aus St. Maur-des-Fosses 749. 752; auf den hl.Martinus 812. Geheimschrift, karolingische 661; Gerberts 732.736. Geheimsprache in Südgallien 660.663; Attos vonVercelli 27. Geizo italienischer Gelehrter 714. Gelasius IL Papst 154. Gellius bei Gozwin von Mainz (?) 478; bei Einhart 807. Genealogia domus Carolingicae in den Ann. Altahenses 395. Gengulf Heiliger (Florennes) 463 ff. Gennadius 316. 761. Genovefasage bei Fulbert 687. Genulph Abt von St. Amand 52. Geographie I 648. 651 ff. 675 —678. II 402. 404. 407. Geometria incerti auctoris 727. 740 f. 764; bei Gerbert 727.740; bei Adalbold von Utrecht (?) 746. Geometrie I 27. II 726 f. 732. 739—742 f. 745 f. 7 78 ff. 783 f. Georgios, Drachemvunder 424. Georgius Heiliger 757. 759. 775. Georgius Mönch von Tegernsee 520. Gerald Abt von Aurillac 729 ff. 735. Gerald (Gerard) Mönch in Corbie 465 ff. Gerald (Girard) Mönch in Fleury 669. Gerald Mönch in St. Gallen 813. Gerald Graf von Aurillac 24. 27. Gerannus Archidiakonus in Reims 730. 736. Gerard s. Gerald. Gerard Mitschüler Adelmanns 558. Gerard von Czanad 19. 74—83. 718. Schrift über Zahlensymbolik (?) 75. Deliberatio 74.80. De divino patrimonio75. Erklärung zum Hebräerbrief 76.80. Stephani regisdemorum insti- tutione ad Emericum ducem (?) 82 f. 727. De laudibus b. Ma- riae(?) 79. Sermonum Hb. I (?) 79. Homeliarum lib. I(?) 79. Gerasimus Heiliger 140. Gerberga Königin von West- franken 432 f. 440. 736. Gerbert (Girbertus) von Aurillac (Papst Silvester IL) 4. 12. 13. 15. 183. 214 ff. 217 f. 220 f. 226. 340. 368. 425. 432. 436. 439.442.506ff.511f. 515.526. 529. 664. 667. 674. 682. 691. 726 f. 729—747.779.783. 810. Briefe 218. 640. 672. 735 f. 738 f. Regulae de numerorum abaci rationibus = De numerorum divisione 226. 228.506. 508. 727. 736. 739. lieber den Inhalt der Kugel 727. De norma rationibus abaci 739. Isagoge geometriae 727. 732. 736 f. 739 ff. 764. 783; bei Hermann von Reichenau 763 f.; bei Franco von Lüttich 783. 785. Lehrmethode an der Reimser Domschule 731 f. De rationali et ratione uti 734. 737 f. Gedicht auf ein Bild des Boethius 737. Scholien zu Boethius' Musik und Arithmetik 739. Liber de astro- labio (?) 740 f. Epistola ad Con- stantinum de proportionibus (= Regulae de numerorum abaci etc.?) 741. Kommentar zu Gerberts Regulae de numerorum abaci etc. 742. — Untergeschobene Schriften: De corpore et sanguine domini 742. Sermo de informatione epi- scoporum 742; bei Abbo 742; beim Kardinal Humbert 742; bei Gilles Charlier 742. Gerbert fälschlich für Walter aus Burgund 560. Gerbirg Gemahlin des Grafen Megingoz 469. Gerdag Bischof von Hildesheim 275. Gerhard I. Bischof von Cambrai 337—347. 463. 465. 527. 530. 686.692.746. Briefe 338.342. Gerhard II. Bischof von Cambrai 339. 344. Gerhard Bischof von Toul 434 440 f. Gerhard Abt von Brogne 129. 370 ff. 416 f. Gerhard Abt von Seeon 531. Gedicht an Heinrich II. 494. 531. Gerhard Propst zu St. Maria in Augsburg 129.203—210. Vita Udalrici 203—210; bei Hartmann von St. Gallen 208; bei Ekkehart IV. 208; bei Thiet- mar 210. 266; bei Hermann von Reichenau 210; bei Oudal- scalc von Augsburg 210. Gerhard Dekan in St. Medardus zu Soissons 491. 495 ff. Vita s. Romani 491. 495 ff. Gerhard Mönch in Tegernsee 520. Gerhard Heiliger (Toul) 384. 434 f. Geriprand s. Giseprand. Gerland von Besauen, Koni- putist 786. Gerland Kleriker in Metz 612 f. Germanici Aratea, Scholiast zu, bei Byrhtferth 701; bei Ekkehart IV. 564 f. Germanismen im Ruodlieb 554. Germanus Abt von Ramsey 664. 670. Germanus von Konstantinopel, Uebersetzung durch Ana- stasius Bibliothecarius 814. Gero Erzbischof von Köln 172. 219. 221. Gero (Jero) Erzbischof von Magdeburg 62.64. Gerold Bischof von Mainz 460. Gerung (Kerung) Lehrer in Reichenau 65. 71. Gervasius Heiliger 725. Gervold Abt von St. Wandrille 801. Gerward Bibliothekar Ludwigs des Frommen 180 f. Gesprächsbüchlein 794. Gesta abbatum Fontanellensium 801.813; abb. Gemblacensium 227.459.691; abb. Lobiensium 212 ff. 222. 225—228; abb. Sithiensium211ff.; abb.Tru- donensium 725. Alphabetische Register. 843 Gesta Anglorum bei Adam von Bremen 402. Gesta Apollonii 813; bei Frou- mund 518. 523; bei Lambert von St. Omer 813. Gesta archiepiscoporum Magde- burgensium 232. 234. Gesta Berengarii 168. 499. Gesta Brandani bei Rodulfus Glaber 349. Gesta Burchardi Cameracensis rhythmica 344. Gesta Cnutonis 128. 329 ff. Gesta Dagoberti bei Aimoin 241. 246; im Libellus de rebus Trevirensibus 328. Gesta episcoporum Autissio- dorensium 353. Gesta episcoporum Cameracen- sium 126. 166. 222. 227. 337 —347. 465. 549. 686. 692 f. 746; in einer Urkunde des Bischofs Lambert von Arras 344; bei Sigebert 344; bei Rodulf in der Vita Lietberti 344. Fortsetzungen: Gesta Lietberti 339; Gerardi II. 339; von 1092 339; von 1191 339. Französische Uebersetzung 339. 344. Gesta episcoporum Engolismen- sium 292. Gesta episcoporum Hamma- burgensium 126. Gesta episcoporum Leodiensium von Heriger 221. 223. 227; von Anselm 219. 227. 372— 375; von Aegidius 219. 222. 784. Gesta episcoporum Mettensium des Paulus Diaconus 195.278. Gesta episcoporum Tullensium 434; verlorene von Adso benutzt 434 f. Gesta episcoporum Virdunen- sium 126.195. 353—361; von Bertarius von Verdun 353— 361; Fortsetzung aus St. Van- nes 356—358; von Laurentius zu St. Lorenz in Lüttich 358 —361. Gesta Francorum (= Liber histo- riae Francorum) bei Folcvin 213. Gesta Francorum (= Reginonis Chronicon) 472. 477. Gesta regum Francorum in den Ann. Quedlinburgenses 276; in Ademars Chronik 285; in den Gesta episc. Cameracen- sium 340. Gesta s. Frontonis Petrigorici bei Ademar 289. Gesta Gerardi IL Cameracensis 343. Gesta s. Iuliani 429. Gesta Lietberti Cameracensis 339. 343; Bearbeitung durch Rudolf von Cambrai 344. Gesta Liethardi Cameracensis rhythmica 344. Gesta Manassis et "VValcheri Cameracensium 343. Gesta s. Mansueti Tullensis an- tiqua bei Adso 434. Gesta s. Mauri bei Rodulfus Glaber 349. Gesta Nicholai Cameracensis rhythmica 344. Gesta Normannorum 264. Gesta Odonis Cameracensis rhythmica 344. Gesta pontificum Tungrensium 374. Gesta Treverorum 328 f. 484. Gesta Walcheri Cameracensis rhythmica 344. Gesta Witigowonis Augiensis von Purchard von Reichenau 509—511. Getränke 565. Gewelib Bischof von Mainz 460. Gezo Bischof von Tortona 18. 53 —56. De corpore et sanguine domini 54—56. Gezo Abt von Bremeti 294.297 f. Gibardus Abt von Luxeuil 441. Gibrianus Heiliger 163. Gibuin,ArchidiakonvonLangres, Erzbischof von Reims, Rhythmus auf das Paradies 492.618. Giganten 577. Gigantenkampf 605. Gildas irischer Schriftsteller 797 f. Gillebertus s. Gislebertus. Gilo von Cluni (Longpont) 128. 147 ff. Vita Hugonis Clunia- censis 147—152.154. Giraldus Verwandter Aimoins von Fleury 239. 244. Girald von Fleury, Translatio s. Benedicti et s. Scholasticae, Versus de s. Maria 491. Girard s. Gerald. Gisela (Kisila) Gemahlin Konrads IL 7. 321. 696. 698. Giselbert Herzog von Lothringen 216. 420. 422. Giselbert VicegrafvonVerona48. Giseprand (Giselprand) Bischof von Tortona 53 f. 56. Gislebertus Dekan von St. Andreas zu St. Amand 608—610. Carmen de incendio monasterii s. Amandi 608—610. Prosa 609 f. Expositio in epistolas Pauli und Sermones 609. Epitaph 609. Gislenus Heiliger (St. Ghislain) 462 f. Gislenus Grieche 686. Giso Mönch in St. Quentin 418 f. Gisprand Kanzler in Italien 32. Gisulf Fürst von Salerno 484. 619 ff. 625. 631 f. Gitto Mönch in Tegernsee 520. Giustiniano? Chronicon Vene- torum 251. Glodesindis Heilige (Metz) 194 f. Glossa ordinariaWalahfrids 802. Glossare: Ab absens bei Ebar- cius 642. Abavus 499; bei Ebarcius 642. Affatim bei Ebarcius 632. Zu Aldhelm bei Aynard 662. Amplonianum I 499. 501; bei Ebarcius 642; hei Aynard 663. Amplonianum II 662; bei Ebarcius 642. Angelsächsisch - lateinisches von Aelfric 639. 677. 680 f. Bern. 688 499. Casin. 99 und 439 bei Ebarcius (?) 643. Graeco-latina 194. 499. 518; bei Aynard 661; bei Ebarcius 644. Hrabano-Keronicae 802. Isidori bei Aynard 663. Leid. Voss. Q 69.499; bei Ebarcius 642. Salomonis 812; bei Ebarcius 643. Sangall. 912 499; bei Ebarcius 643. Scaligeri 499; bei Ebarcius 643. Vatic. 1468 bei Ebarcius 643; bei Aynard 663. Vatic. 1469 500; bei Aynard 663. Vatic. 3321 499 f.; bei Ebarcius 641. Vatic. reg. 215 bei Aynard 663. Vergilianum bei Ebarcius 642. Glossen 1 11.19. 133. 157. 231. 256. 266. 301. 475. 503. 509. 513. 522. 586 ff. 591. 595. 615. 633 ff. 638. II 12. 16 f. 293. 347. 438. 505. 518. 523 f. 537. 543. 565. 589. 591. 596. Bei Odo von Cluni 23; bei Atto 27 f.; im Polipticum 31 f. 34; bei Liudprand 173; bei Gerhard von Augsburg 209; bei Andreas von Fleury 335.337; in den Gesta episc. Cameracensium 346 f.; beiTheoderich von Fleury 455; in St. Evre 660; in der Vita Adalhardi post. 466; in Fridegods Vita Wilfridi 498—500; bei Cos- mas Japygus 532; im Ruodlieb 553 f.; von Amulf in den Delicie cleri 591; im Chron. Eberspergense (?) 596; bei Papias 719 ff. 723. — Liber glossarum s. Liber. Altdeutsche Glossen 1 102.104 f. 322. 490. 492 f. Angelsächsische I 587. Keltische I 466. 600. II 806. 844 Alphabetische Register. Glykoneen I 313. II 259. 261. 587. 623 f. 627. Godebald Adressat von Em- brichos Vita Mahumeti 582. 586. ■ Godefrid Abt von Novalese 298. Godehard Bischof von Hildesheim 86.129. 269. 313—318. Godehard Abt von Altaich 310. Goderamnus Abt von St. Michael in Hildesheim 275. Goderamnus Abt von St.Panta- leon in Köln 272. Godescalc Dompropst in Lüttich 381. Godescalc Kanonikus von Lattich, Vita s. Lamberti Leodien- sis bei Anselm 373; Bearbeitung durch Bischof Stephan von Lüttich 373. Godescalc Presbyter (?) 164. Godescalc Mönch in Orbais 811. Godescalc s. Gottschalk. Goffridus falsch ergänzt für Ge- raldus 669. Goldschrift 285. 403. Goliarden 573. Goliath 772. Gonzo (Goniso) Abt von Floren- nes463—465.Miraculas. Gen- "gulphi 416. 463—465. Gordianus Heiliger 757.759.775. Gorgonius Heiliger (Metz) 195. 384. 386. Gorlantius Abt von Sens 26. Goscelin, Vita s. Grimbaldi 654. Goselm s. Gozhelm. Gosfrit Bischof von Aversa 625 f. 633. Goslinns s. Gauzlin. Gotfried Sohn des Grafen Me- gingoz 469. Gothard Abt von Tegernsee 519. 524. Gotherius Abt zu St. Eucharius in Trier 456. Gotisch I 306; gotische Namen bei Smaragd I 466; gotisches Alphabet I 196. Gottefredus von Besäte, Großvater Anselms 713. Gottesurteile I 381. 387. Gottfrid Herzog von Lothringen 357. Gottschalk von Limburg 777. Gozbert Abt von Tegernsee 517 ff. Gozbert westfränkischer Grammatiker 673 ff. Epitoma Pris- ciani 673 ff. 688. Gozbert s. auch Gautbert. Gozechin s. Gozwin. Gozhelm (Goselmus) Pariser Kleriker 673 f. Gozilo Herzog von Lothringen 385. Gozo Schüler 14. Gozwin, Gozechin Lehrer in Lüttich und Mainz 109.121. 470 —478. Passio s. Albani 415. 471 ff. 476. Epistola ad Wal- cherum 109. 121. 472—478. 640. Gracchi 663. Grammatik I 11. 18. 20. 119 —152.452—536. II 638—725. 807. Grammaticorum Siaöopj Gaut- berts 673 f. Graphia aureae urbisRomaeölö. Gratianus Kaiser 180. Grattius, Cynegetica im Epos Karolus Magnus et Leo papa 811. Grecisca subtilitas Ottos III. 734. 737. Grecismus angebliches Werk des Amarcius 569. 572. Gregor I. Papst 79. 81.119. 247. 414. 564. 611. 617. 657. 672. 688.795 f. (Vitae). Auszug der Moralia durch Odo 20—25. 133. Bei Atto 28.30: bei Rather 35. 42; bei Adaiger 53; bei Gezo 54 ff.: bei Burchard 58. 301; bei Bern 66 ff. 70; bei Bruno 73; bei Otloh 90 f. 98.100; bei Durand 116; bei Guitmund 119; bei Berengar 122; bei Johannes Romanus 133; beiFlodoard 158 f.; bei Johannes von St. Arnulf 191. 194; im Chron. Salernitanum 201; Dialoge in Augsburg 205. 209; bei Aimoin 241 f.; in Zürich 255; bei Thietmar 267; im Chron. Novaliciense 296; bei Wolfgang 309; bei Onulf in der Vita Popponis 362; bei Helgaud von Fleury 368 f.; bei Anselm 375; bei Marianus 391 f.; bei Adam von Bremen 403; Versiflzierung von Dial. lib. II durch Adso 438 f. 442. 671: in Solothurn 448; bei Theoderich von Tholey 483; bei Adalbero von Laon 530; bei Egbert 536; bei Ekke- hartlV. 564; bei Warner 578; Dialoge, Lib. reg. pastoralis, Stücke aus Moralia übersetzt von König Alfred 639. 647. 649.651.654; bei Abbo 431. 665 f. 672; Homilien übertragen von Aelfric 676.680; bei Fulbert 686, Fiüberts Exemplar der Cura pastoralis 462; Moralia übersetzt durch Notker 695 f.: bei Byrhtferth 701.705; bei Guido von Arezzo 751. Hs. der Moralia 707 f. Gregor IL Papst 480.672. Briefe 247 ff. 252. Gregor III. Papst 252. Gregor V. Papst 58.71. 230. 494 512.516.661 f. 735. Brief 672 Gregor VII. Papst 103. Ulf. 114 117.119.121 ff. 135.153 f. 359 483 f. 489. 597. 613. 620. 635 719. 724 f. 738. Brief 632. Gregor Erzbischof von Canter- bury 386. Gregor Bischof von Tours bei Odo von Cluni 22; bei Flodo- ard 157.161; bei Aimoin 241; bei Johannes Diaconus 249; bei Ademar 290. 293; im Li- bellus de rebus Trevirensibus 328; in den Gesta episcoporum Cameracensium 338; bei Ro- dulfus Glaber 350. 352; bei Bertarius 354 f.; bei Lantbert 365; bei Adam von Bremen 402; bei Letald von Micy 427 ff. 431; bei Fulbert 684. 692; bei Hermann von Reichenau 760. — 798 f. Gregor Bischof von Langres 352. Gregor von Catina, Hist. Farfen- sis 7.172.174. Gregor von St. Maximin (?) 421 f. Gregor von Nazianz bei Odo 22. Gregor von Nyssa 620. Gregorius Ligus Mönch in No- nantula 531 f. Gregorianischer Kirchengesang 751. Griechisch I 6 f. 9. 11 f. 14. 19. 65.72. 90. 94.124.129.134 f. 140. 148. 157. 160. 162. 170. 177.192. 236. 239. 243. 252. 257 ff. 261. 272. 277. 299.302. 305 f. 313 f. 316 ff. 321 ff. 325 ff. 331—334.337 f. 350.363.408. 416. 433. 444. 453. 460. 472. 488. 491 f. 496 f. 500. 503 f. 511—517.527—530.570.588. 615.632 f. 662.678—688.711. II 10.17. 194. 713. 802. Bei Atto 27. 29. 32; bei Olbert und Burchard 59; bei Liud- prand 166—169. 172. 174^1'.; bei Brun von Köln 176. 178; im Chron. Salernitanum 198. 202; bei Gerhard in der Vita s. Udalrici 207.209; im Chron. Altinate 251; bei Dudo 262. 264; bei Ademar 291. 293; in der Vita Bardonis aus Fulda 379; bei Wulstan 446; bei Theoderich von Trier 456; bei Fridegod 498'f.; bei Walther von Speier 505; im Gedicht auf Konstantin von Fleury 507. 509; im Gedicht auf den Mönch Bovo 509; bei Frou- Alphabetische Register. 845 mund 518. 521; bei Cosmas Japygus 532; bei Odo von Meung 540 f. 543—546; bei Ekkehart IV. 563; in Arnulfs Delicie cleri 590; bei Eupo- lemius 509 f. 605; bei Alpha- nus I. 620. 631; bei Ebarcius 644f.; beim Mythogr.Vat.il 658; bei Aynard 661 f.; bei Abbo 667f.; bei Fulbert 688; bei Byrhtferth (?) 705 f.; bei Papias 720; bei Hermann von Reichenau 770.776; beiWa- lahfrid, Heirich und Christian von Stablo 802. — Griechisch in Lüttich (?) 219. Griechische Lehrer in Canterbury 671. Griechenkolonie in Rom 1 11. Griech. Evangeliar 431. 433. Erlernung durch Leo IX. 385. Wortbildungen 554. Lexikon, Grammatik 518. 802. Gräci- sierung von Namen 308. — Uebersetzungen aus dem Griechischen I 7. 22 f. 25. 50 ff. 85. 90. 96.124. 325 f. 529 ff. 620.678—681.683—687.690. 708. 711. II 384. 620. Grillius bei Anselm von Besäte 708. 713. Grimaldi s. Grunwald. Grimbald von St. Bertin, Abt von Newminster 647.649.654. Grimlaic, Regula 800. Grimoald Fürst von Benevent 199. Epitaph 199. Grimoald langobardischer Store- saiz 199. 202. Grimoald s. Grunwald. Grunwald Abt in Arezzo 750.753. Guaiferius s. Waifarius. Guaimarius s. Waimar. Gualdo (Waldo) Mönch in Corbie. Diakon in Hamburg (?) 491. 606—608. Vita Anskarii 606 —608. Gualo s. Walo. Gualterus s. Walther. Guarin Abt von Cuxa(=War- nerius von Aurillac ?) 730.735. Guazzo s. Wazo. Guibertus de Novigento 529 f. Guido Bischof von Amiens 535. Epitaph auf Angelram 535. Guido Abt von Pomposa 749 f. 753. Guido Mönch in Arezzo 13. 411. 727.736.748—756. Micrologus (De disciplina artis musicae) 727.749f.752ff.; Kommentar dazu 754. Regulae rhythmicae 749.751.755. Benennung der Töne der Tonleiter 750. Anti- phonar750f. Briefe 751.753. De ignoto cantu 751. 753 f. Regulae de ignoto cantu 751. 755; in De modorum formulis etc. 756. Angeblich von ihm: De modorum formulis et can- tuum qualitatibus 751. 756. Liber de musica ad Willermum Rievallis 756. Angebliche Erfindung der Notenschrift 751. Guido de s. Mauro s. Guido von Arezzo. Guido Bruder Gisulfs von Salerno 625. Guidonische Hand 750. Guilelmus Reisebegleiter Abbos 244. Guilelmus s. Wilhelm. Guiselgardus Diakon in Benevent, Epistola missa domini Eusebii inclausi 805. Guitbert von Gembloux 25. Epistola de s. Martino 812. Guitmund (Christianus) Erzbischof von Aversa 18.104. 109. 117 f. 120. Erklärung zu Matthäus 118.123; zu Johannes und Lukas 118. 123. De corporis et sanguinis Christi veritate 118 f. 123. Gumpold Bischof von Mantua 129.182—184. PassioWencez- lavi ducis 182—184.206.209. 304; in der Vita Mathildis post. 184.188 f.; in der Vita Adalberti archiepiscopi 184; bei Sigebert, bei Cosmas von Prag und bei Karl IV. 184. Gunbold Vater Abbos von Fleury 664. Gundacrus Vater Flodoards 155. Gundechar, Liber pontificalis Eichstetensis 557. 561. Gunderam Domlehrer in Eich- stätt 9. 555. 557. Gunhild Gemahlin Heinrichs III. 320. Guntard Mönch in Fleury 369. Guntharius (Günther) Einsiedler in Altaich 310. 312. 317 f. Günther Erzbischof von Salzburg 222. Günther Bischof von Bamberg 396. Günther Abt von Brogne 370 f. Guntrannus 'westfränkischer Großer 361. Gunzo von Novara 712. 810. Brief an Atto 30. 33. Guot deutscher Name 538. GuttusBischofvonBenevent807. H. H.Bischof (Heinrich vonParma?) 64 f. Hadoardus, Ciceroexzerpte 757. 807. Hadrian I. Papst, Briefe 801; bei Flodoard 162. Hadrian IL Papst 159.175. Hadrian Abt von Nisida 648. 673. 797. Hadwig Gemahlin Hugos von Francien 186. Haimo Bischof von Halberstadt bei Atto 28; bei Adso 432; bei Fulbert 686; bei Byrhtferth 700; angelsäehs. Ueber- tragung von Homilien durch Aelfric 676. 680. Haimo, Kommentar zum Hohenlied bei Williram 597. Haimo von Auxerre, Kommentar zu den Paulusbriefen 808. Haio schwäbischer Graf 802. Halitgarius Bischof von Cambrai 162; Brief bei Flodoard 804. Hamartigenia des Prudentius 604. Hannibal 625. Hardiknud Dänenkönig 330. Hardocnuto s. Hardiknud. Hardol[fus?] Abt 256 f. Harduin Presbyter in St. Wandrille 801. Hariulf, Chron. Centulense 533 ff. 692. Harold Dänenkönig 330. Harold Norwegerkönig 406.408. 411. Hartbert Bischof von Chnr 205. Hartman 538. Hartmann Abt von St. Gallen 208. Vita Wiboradae 208.210. 568. Hartpert Diakon in St. Gallen 727—729. Hartunch sagenhafter König552. Hartwic ob wirklicher Name des Eupolemius? 599. Hartwich Abt vonTegernsee 524. Harun (Aaron) Kalif 180 f. Hasting Dänenführer 260. 264. Hatto Bischof von Verdun 353. 355. 361. Hatto Bischof von Vieh 729 f. 737. Hatto miser 256 ff. Haymo Mönch in St. Mesmin 428. 430. Hazecha Schatzmeisterin von Quedlinburg 501—504. Libel- lus de virtutibus s. Christo- phori 502 ff. Hebert Bischof von Le Maus 684. Hebräerbrief 76. 80. Hebraei I 294. 699. II 352. Hebräisch I 124.134 f. 157.160. 166.192. 261. 299. 408. 424. 466. 521(?). 562.565. II 600. 603. 710. 713; bei Aynard 661. 846 Alphabetische Register. Hebräische Bücher I 565. Hector 585. 686. Hegesippus bei Odo von Cluni 22. Heimo (Heymo) Bischof von Verdun 222. 356. Heimrammns (= St. Emmeram) 313. Heinardus s. Einhart. Heinrich Bischof von Augsburg 203. 205—208. 209. 586. Heinrich Bischof von Lausanne 324. 326. Heinrich Bischof von Parma 64. Heinrich Kanzler von Italien 719. Heinrich Domherr von Augsburg 615 ff. Planctus Evae 493.615 —618. Heinrich AbtvonReichenau 448. Heinrich Mönch inReichenau 62. 85 ff. 89 f. Heinrich von Gent 693. Heinrich Kleriker, Widerlegung der Schrift Wecelins bei Al- pert 281 ff. Heinrich I. von Deutschland 176. 182.184—188.209 f. 216.276. 387. 400. 422. 432. Heinrich IL von Deutschland 4. 17. 57 f. 61 f. 64.71. 74.127 f. 149.183.186 ff. 189. 217. 220. 222. 231. 235 f. 242. 249. 252. 254.256 f. 265.267.271 f. 275. 277 f. 280 f. 300 f. 307. 311. 315.322.324 f. 327.341 f. 348. 351. 357. 359. 361 f. 365. 387. 448.458.469 f. 494. 513.515 f. 519. 522. 531. 549. 555. 575. 685. 693. 697. 706 ff. 712. 717. 744. 746. Heinrich III. von Deutschland 6. 7. 63. 65. 72. 74. 141. 149. 307.318—323.325-328.342. 350 ff. 364. 366. 387. 395 ff. 475 f. 478. 556 f. 569 f. 572 f. 574 f. 588. 590 f. 593 f. 619. 698.712 ff. 717 f. 723. 752. 756 —759. 762. 781. Heinrich IV. von Deutschland 7. 153 f. 250. 284. 388. 394. 396 f. 403.482.573.594 ff. 598. 620. Heinrich V. vonDeutschland 360. Heinrich I. König von Frankreich 105.106.116 ff. 122. 334. 336. 362. 419. 467 f. Heinrich (der Zänker) Herzog von Bayern 205. 315.317.734. Heinrich Herzog von Bayern (= Heinrich IL) 519 f. Heinrich Bruder Ottos I. 187 ff. Heinrich Person in Berns Vita s.Udalrici 68. Heiric von Auxerre 26.408.800. 802. 805. 809. Exzerpte aus ValeriusMaximus807.Sueton- hs. 807. Suetonexzerpte bei Johannes Saresberiensis 807. Juvenalerklärung bei Syrus Vita Maioli 807. Noten über astronomischeSchriftenBedas 808. Notizen über das eigne Leben 808. Vita s. Germani bei Syrus 137.139; bei Alde- bald 137 f.; bei Sigebert 808. Heito von Reichenau 802; Vi- sionesWettini beiFolcvin 213. Hodoporicon bei Hermann von Reichenau 760 f. Heldensage in den Ann. Qued- linburgenses 276. 278; im Ruodlieb 548 ff. 552. Helgaud (Helgald) Mönch in Fleury 128.335.367-370.508. Vita Roberti regis 367—370. Helias Patriarch von Aquileja 251 f. Heliseus 578. Helmold, Chron. Slavorum 409 f. 412. Helperic, Compotus 669. 728 f. 806; bei Notker 698. 806; bei Philipp von Thaun 806. Hemeid König von Wales 646. 653. Hemma s. Emma. Hemmo 808; Homilien 809. Hendekasyllaben 1303.307.313. 495.557.566.11261.290.587. Henricus poeta in einer Macer- hs. 546. Henricus s. Heinrich. Henrik Harpestreng, dänische Macerübersetzung 546. Heptateuch, angelsächsischer, von Aelfric 678. 681. Herbert Graf von Vermandois 156. 160. Herefrid, Vita Cuthberti bei Aedde in der Vita Wilfridi 497. 500. Herewig Kaplan in Augsburg 205. 209. Heribert Erzbischof von Köln 53.58.129.364—367.433.440. 469. 492. 513. 515. 529. 555. 557. 736. Heribert IL Erzbischof von Mailand 751. 754. Heribert von Eichstätt 9. 492. 555—557. 595. 598. Hymnen 556 f. Märiengebete 556 f. Modulationes initiatae 556 f. Heribert Graf in Reims 163. Heribrand Kleriker in Chartres 215.218.691. Heriburg Tochter des Königs Immunen 552. Hericius (Erricus) Homilien 800. Heriger Abt von Laubach (Lob- bes) 66. 125. 219—228. 374. 457 f. 466. 468. 743. 745. Vita s. Landoaldi 220 ff. 225. 227 f. Gesta episc. Leodiensium 221 223 ff. 227; in den Gesta Tre- verorum, in der Vita s. Servatii, in der Vita s. Lamberti von Nikolaus, bei Anselm von Lattich 372 f. Vita s.Remacli 220 223 f. 227 f. Vita s. Ursmari 224 f. 227 f. 492. Mathematisch-chronologischer Traktat 225. 727. Dialog mit Adalbold von Utrecht 225.227.743. Re- gulae super abacum 226.228. 727; teilweise im Kommentar zu Gerberts Regulae de nume- rorum abaci rationibus erklärt 742. Antiphonen 226. Quae- stiones ad Hugonem 227 f. Angeblich De corpore et san- guine domini 228. 805. Heriold Dänenkönig 466. Heriricus Abt von St. Mesmin in Micy 431. Heriveus Erzbischof von Reims 156. 163. 166. Herkenbert Abt von St. Maximin 420. Herkules 605. 622. 659. 701. Hermagoras 708. 713. Hermann Erzbischof von Hamburg-Bremen 411. 749. 752. Hermann Erzbischof von Köln 212 f. 364.366.373.375.385 f. 781 f. 784. 786. Hermann Erzbischof von Reims 475. Hermann Bischof von Metz 112. 121. 725. Hermann Bischof von Toul 383. Hermann Domscholaster von Worms 61. Hermann der Lahme (Contrac- tus) Mönch und Lehrer in Reichenau 8.13. 63 ff. 73. 340. 511.698. 726 f. 740.756—777. 786 f. 802. De vitiis in Prosa beabsichtigt 757 f. De octo vitiis capitalibus (= De contemp- tumundi) 493.757 ff.763.767 ff. Liber de virtutibus 770. Kom- putus 727. 757 ff. 765 ff. Geometrie 757. Cantus historiales plenarii auf den hl. Georg, Gordian und Epimachus, Afra, Magnus und Wolfgang 757. 759.775. Chronik 87.130.757 —762.767.771; bei Bernold 761.767; in den Actus fundat. monast. Brunwilarensis 387; in den Ann. Altahenses 395; bei Ekkehard von Aura 761; in den Ann. Sanblasienses und Mellicenses 761; Portsetzung durch Berthold 760 f. De con- Alphabetische Register. 847 flictu ovis et lini (?) 493. 758 f. Gedicht in modum Theoduli 758 f. De astrolabio 727.758 f. 762 ff. De mensura astrolabii 762—765; deutilitatibusastro- labii762—765.786 f.; Gesamtausgabe 763 f. De divisione 727. 763. 766 f. De conflictu rithmimachie 727. 766; bei Frutolf 766. Euclidis geo- metria arithmetica et stereo- metria ex commentario Her- manni secundi (?) 766. De mensura lunari 727. 767. Pro- gnostica de defectu solis et lunae 767. Epitaph auf seine MutterHimiltrud 774. Musica 727.774 f. Sequenzen 492.727. Ave praeclara 775 f.; — de s. cruce 776 f.; — Rex regum dei agne 777; — de sanctis- sima trinitate 777. Antiphonen 777. Responsorium 777. Angebliche Dichtungen Simon Barjona, 0 gloriosum lumen und Alma redemptoris mater 775 f. Zusatz zu Notkers Mar- tyrologium 208. 210. Hermann Herzog von Schwaben 71. 320. Hermannus Alemannus, Aristotelesübersetzer 765. Hermannus Tornacensis, De re- stauratione s. Martini Tornacensis 609. Hermes Trismegistus bei Adal- bold von Utrecht 747. Hermogenis praeexercitamenta 675. Hermolaus presbiter 689. Herodes 586. 626. Herrand Mönch, Adressat von Hermanns De mense lunari 767. Herrand Aebtissin von Hohen- burg, Ueberarbeitung von Wil- lirams Hohenliede 598. Hersindis Gemahlin des Grafen Eübert 238. Herveus (Heriveus) Schatzmeister zu St. Martin in Tours 243 ff. 668. Hesiod, angebliches Zitat bei Papias 720. Hesychius bei Gezo 54. 56. Hexameter, angelsächsische bei Byrhtferth 703. Heymo s. Heimo. Hezelo Bischof von Toul 222. Hezelo Lehrer in Cluni 128.147 —152. Vita Hugonis Clunia- censis 147—152. 154 f. Hiat, Vermeidung im Ruodlieb 555. Hidulf Erzbischof von Trier 386. Hierdeboc angelsächs. Name für Gregors Liber regulae pasto- ralis 654. Hieroboam 578. Hieronymus Abt von Pomposa 750. Hieronymus von Stridon 66.115. 133.140 f. 559. 611. 614. Hs. des Jesaiaskommentars 707. Kollation der Chronik durch Petrus von St. Mesmin 807; Bearbeitung der Chronik des Eusebius 760. Bei Atto 28. 32; bei Rather 42; bei Gezo 54. 56; bei Bern 67. 70; bei Bruno von Würzburg 72 f.723; bei Otloh 90.100; hei Berengar 106; bei Johannes in der Vita Odonis; bei Odilo 141; bei Jotsald 145; bei Plodoard 157. 161. 165; bei Johannes von St. Arnulf 191; beiRicher 219; bei Aimoin 244; bei Lauren- tius von Monte Cassino 305; bei Arnold von Regensburg 309; bei Andreas von Fleury 336; bei Onulf in der Vita Popponis 362; bei Marianus 392.394; bei Letald 429; bei Adso 432; in einer Messiade 603; Stücke übersetzt durch König Alfred 639. 651. 662; bei Ebarcius 641. 644 f.; Ho- milienübersetzung durch Ael- fric 676.680; bei Fulbert 686; bei Byrhtferth 700 f.; bei Isi- dor 721; bei Papias 721; bei Walo von St. Arnulf 725; bei Adalbold 747; bei Hermann von Reichenau 760; in De libris grammaticorum 801. Hilarius von Poitiers 691. Bei Gezo 54. 56; bei Bern 66 f.; bei Durand 116; bei Guitmund 119; bei Berengar 112. 121. Hildebald Erzbischof von Köln 220. Hildebald Bischof von Worms 300. Hildebert Bischof von Le Mans 122.128.147—154. 449. 582. 586. Vita Hugonis Cluniacen- sis 147—153. Hildebold Bischof von Chalon, Gedicht auf Odo von Cluni 134 f. Hildebold Lehrer zu St. Mihiel 189.193. HildebrandKardinal(GregorVIL) 7. 103. 108 ff. 121. 151. 154. 484. 626 f. 634. Hildebrand Propst von Cluni 130.135. Hildegard westfränkische Dame 672. Hildegardis Mutter Ademars 291. Hildegarius (Hildierus) Schüler Pulberts 682 f. 685 f. 689.691 f. Hildegundis Gemahlin Walthers von Aquitanien 296. Hildemar von Civate, Kommentar zur Regula Benedicti 800. Brief an Ursus von Benevent 800. 807. De ratione bene legendi 807. Hilderich Mönch in Benevent 200. Hildeward (Hilliward) Bischof von Zeitz 268. Hildierus s. Hildegarius. Hildiger Kanzler von Chartres 558. 560. Hildin Bischof von Verdun 354. 359. 361. Hildiward Bischof von Halberstadt. Brief 257. Hildulf Erzbischof von Köln 387. Hildvin Erzbischof von Mailand 35 f. 50. Hildvin Abt von St. Denis, Pas- sio s. Dionysii 224. 227. 803. 806. Bei Bern 68; bei Otloh 85. 87.100. Hildvin ungarischer Kleriker 80. Hildvin Bruder des Manasse von Troyes 438 f. Hiltine Bischof von Augsburg 204. 209. Hiltrud Mutter Hermanns von Reichenau 758. Himiltrudis Mutter Ebos von Reims 162. Epitaph 804. Himmelserscheinungen 335.348. 352. Himmelskugel Gerberts 731. Hincmar Erzbischof von Reims 155 ff. 161. 218.480.662.798. 803. 814. Vita s. Remigii 480; bei Heriger 224.227; bei Flo- doard 161; im Libellus de rebus Trevirensibus 328; in den Gesta episc. Cameracensium 340 f.; bei Hermann von Reichenau 760. Ferculum Salo- monis bei Durand 117. Briefe beiFlodoard 162.165. Gedicht auf Remisius bei Flodoard 804. Hincmar Bischof von Laon 162. Hiob 629. Uebersetzung Notkers 695 f. Hippokrates 79.81.542.689.693; mit Galen und Soranus kompiliert 215. BeiRicher 215.218. Hippokrene 508. 691. Hippolytus 605. Hirenicus, Gedicht De ratione XII signorum 810. Hirmingart Aebtissin von Zürich 63. 848 Alphabetische Register. Hisimbert Mönch in Fleury, Sum- mum memoriale 332.336.368. 370. Hisperica famina 23; bei Asser 653. Hisrael s. Israel. Historia archiepiscoporum Bre- mensium 409. 412. Historia s. Arnulfl Mettensis 194. Historia Britonum 799. Historia ecclesiastica des Eu- sebius in Rufins Uebersetzung bei Gonzo 465; bei Papias 721. Historia dncumVeneticorum251. Historia Francorum s. Ann. Ful- denses. Historia Langobardorum (nicht Paulus) bei Fulbert 692. Historia Lausiaca des Palladius 131. Historia miscella 800; bei Hermann von Reichenau 760. Historia monasterii de Abingdon 445. Historia monasterii Walciodoren- sis 463. Historia Normannorum 264. Historia regum Francorum bei Folcvin 213. Historia Romana im Chronicon Novaliciense 296. 298. Historia translationis sanguinis domini Augiam bei Hermann von Reichenau 760 f. Historia translationis et ele- vationis s.Landoaldi 222.227. Historia tripartita 21; bei Adaiger 53; bei Marianus 392; bei Adam von Bremen 410; bei Gozwin von Mainz 473. Historia s. Venceslai 304.306. Hitto Bischof von Freising 312. Hochschulen in Alexandria und Nisibis, geplant in Rom I 38. 44. Hoellus Bischof von Le Mans 150—152. Hofrecht. Wormser 61. Hofschule Alfreds des Großen 648. Hoger Erzbischof von Hamburg- Bremen 410. Hohes Lied, deutsch von Williram von Ebersberg 593—598. 640. Homer 454 f. 531. 591. Homerus latinus 813; bei Walther von Speier 505. Honorius IL Papst 327. Honorius Augustodunensis 573. 758 f. Honorius römischer Kaiser 472. Horatius 11.567.720. Hs. Frou- munds 522.525; Kommentar desRemigius (?) 662. Bei Amar- cius 16. 570ff.; bei Odo 23; bei Rather 36. 42. 44 f.; bei Bern 71; bei Otloh 88. 94 f.; bei Berengar 111. 122. 560; bei Wolf heim von Brauweiler 119.124; bei Bernold von Konstanz 119; bei Hildebert von Le Mans 150 f.; bei Liudprand 169; bei Gumpold von Man- tua 182 f.; bei Johannes von St. Arnulf 192; bei Gebehard 207; bei Notker von Lüttich (Heriger) 223; bei Johannes Canaparius 230; bei Dudo 259. 264; bei Thietmar 268; in der Vita Burchardi Wormat. 301; bei Azecho von Worms 303; bei Laurentius von Monte- cassino 304 f.; bei Wolf here 314.316; beiWipo321. 326; in den Gesta episc. Camera- censium 339; bei Vilgard von Ravenna 349.352; bei Anselm von Lüttich 374 f.; in der Vita BaldericiLeodiensis 381 f.; bei Wibert von Toul 385; in den Ann.Altahenses397; bei Adam von Bremen 407.411; bei Theoderich von Fleury 452. 455; bei Gonzo von Florennes 464; in der Vita Adalhardi post. 466 ff.; bei Gozwin von Mainz 471. 474 ff. 477 f.; bei Theoderich von Tholey 482; bei Gerhard von Soissons 496; bei Walther von Speier 502. 505 f.; im Gedicht auf den Mönch Bovo 508 f.; im Gedicht aufKonstantinvonFleury509 bei Adalbero von Laon 526 bei Egbert 536. 538 f.: bei Odo von Meung 544; im Ruod- lieb 553; beim Anon. Hase- rensis 557; bei Ekkehart IV. 566; in der Ecbasis captivi 571; bei Hugo von Trimberg 572 f.; bei Warner von Basel 578. 580; bei Embricho von Mainz 584; in Arnulfs Delicie cleri 589 ff. und in den Glossen hierzu 592; bei Williram 597; bei Eupolemius 600. 604; bei Waldo von Corbie 608; bei Gislebert von St. Amand 609 f.; im sog. Carmen Winrici 613; bei Heinrich von Augsburg 618; bei Alphanus 626.633. 635; bei Abbo 668.670 ff.; bei Fulbert 689; bei Hildegar 692; bei Byrhtf erth 702; bei Anselm vonBesate710;beiPapias719. 722 f.; bei Wal o von St. Arnulf 724 f.; bei Gerbert 731.738; bei Berthold von Reichenau 758; bei Hermann von Reichenau 761. 770 f.; bei Radolf 779; bei Franco von Lüttich 782. 785. Horatius (ob der von Virgilius Maro genannte Grammatiker?) 705. Hrabanus Maurus Erzbischof von Mainz 13. 28 f. 440. 729. 792. 802. De laude s. crucis in Fleury 333. Bei Bruno von Würzburg 73; bei Adam von Bremen 402; bei Fulbert 692; bei Byrhtferth 703; in Gerberts angeblicher Schrift De corpore et sanguine domini 742; bei Notker Balbulus 804. Homilien 802. Glossen 802. Hrotsvit von Gandersheim 174. 176. 198. Neue Hs. 813. Hubald s. Hucbald. Hubaldus angeblicher Verfasser von Responsorien 213. Hubert Bischof von Parma 44. Hubert Heiliger (Lüttich) 373. Hucbald von St. Amand 155.163. 373. 375. Vita Rietrudis 373. Ecloga de calvis 812; nachgeahmt von Ekkehart IV. 567. Vita Lebuini 812. Kommentar zur Regula s. Benedicti (?) 812. Hucbert Bischof von Tibur 131. 135. Hugo Erzbischof von Besancon 386. Hugo Erzbischof von Reims 160. 163. 170. Hugo IL Erzbischof von Rouen 495 f. Hugo III. Erzbischof von Rouen 496. Hugo Erzbischof von Vienne 163. Hugo Bischof von Langres 18. Schrift De corpore et sanguine domini 105.115 f. 120.122. Hugo II. Bischof von Sitten 694 f. 697 f. Hugo Abt 225. 227. Hugo Abt von St. Amand 609. Hugo I. Abt von Cluni 14.113. 121.134 f. 138 f. 142.144-155. 488. Briefe 148. Sequenz auf ihn 148. Hugo IL Abt von Cluni 135. Hugo Abt von Flavigny 219.353. 357. Zusätze zu Bertar von Verdun 354. 361. Hugo Abt von Fleury 331. 334. 336. 692. Hugo Prior von St. Jakob in Lüttich 381. Hugo Mönch in St. Cibard 294. Hugo Mönch in Cluni 148.154. Hugo von Lobbes 222 f. 227 f. Vita Notkeri(?) 222. Alphabetische Register. 849 Hugo von Trimberg, Registrum multorum auctorum 546.569. 571ff.576.580.771.774. Renner 572 f. Hugo Mönch in St.Vannes 358 ff. 361. Hugo von St. Viktor 793. Hugo König von Italien 27 f. 31 f. 35 f. 38. 40. 50.131.135.166. 172. 297. Hugo Capet König von Frankreich 216. 263. 430. 734. 738. Hugo von Francien 186. Hugo angeblicher Sohn Karls des Großen 297. 299. Hugo Sohn König Roberts von Frankreich 353. 684. Hugo Herzog von Provence 156. Hugo (Ugo) Markgraf von Tus- cien 514 f. 517. Hugo schwäbischer Graf 802. Hugo Pfalzgraf von Beauvais 528. Hugo Sohn Herberts von Ver- mandois 156. Hugucio, Liber derivacionum 723. Humbert, Kardinal, Bischof von Silva Candida 110 f. 121. 384. Uebersetzung von griechischen Streitschriften 384. Humbert Abt von St.Vannes 357. Humbold Westfranke 672. Hunald Abt von Moissac 148. Hunegundis Heilige 415. 417 —420. Hunerich Wandalenkönig 472. Huormann Bischof von Speier 475. Hupald Kanonikus von St. Geno- vefa 222. Hyginus astronomischer Schriftsteller und Mythograph 13. 291. In der Vita Kaddroae 238; bei Wolfhere 314; bei Ekke- hart IV. 564; bei Eupolemius 604; bei Byrhtferth 702,705. Hyginus Gromatiker in der Ars geometrica701.741;beiByrht- ferth 701. Hymerius Heiliger 170. Hymnarium 438; von Bangor 797. Hymnen 67.71.88.227.290.297. 299. 307. 311. 438. 442—445. 457. 459. 492. 532. 565. 577. 621.623.689 f. 693.797—800. Hyperefanes (Hiperefanes, Su- perifames) 601 f. KJ). Jacobus apostolus 484. 487 ff. Jacobus de Guisia, Chronicon Hannoniense 338. Jafeth 257. Jakob 605.688. Jambische Achtsilber 257.298 f. 344. 492. 556 f. 588.690. 752. 756. Jambische Dimeter I 180. 196. 313. 496. II 290. 624. Jambische Trimeter (Senare) I 201.271.313.370.11157.159. 261. 353. 621. 623. 628. 690. Jambische Zwölfsilber 556. Icareum altum 591. Icarus 260. Ida Aebtissin von St. Cäcilia in Köln 372. 374. Idelricus langobardischer Fürst 202. Jera (Hiera ?) Heilmittel 689.691. Jeremias 25. Jereus 605. Jero s. Gero. Jerobaal 603. Jesse Bischof von Amiens, Epist. de baptismo 800; De ethimo- logia verborum 800. Ignatius bei Christian von Stablo 805. Ihosbertus Ytalicus s. Gozbert. Illatio s. Benedicti von Theoderich von Fleury 415. 451 f. 454. Illisa Mutter Froumunds- von Tegernsee 524. Immo Abt von Gorze 239. 253. Immo Abt von Reichenau 62. Immo (Ousmannus) Abt von Waulsort 236. 238 f. Immo Diakon in Worms, Bischof von Arezzo 279.282.299.302 f. ImmunchsagenhafterKönig552. Incertus auctor scholiasta (ob Remigius ?) zu Beda De natura rerum 700. 705. Ingelard Abt von St. Riquier 533. 535. Ingelramnus s. Angelram. Ingo Schüler in Reims 368. Ingram Bischof von Cambrai 211 f. Inschriften 161. Invectivae Ciceronis in Sal- lustium und Sallustii in Tul- lium bei Rather 50. Inventio corporis s. Philippi 448. Job 378 f.: angelsächsische Bearbeitung durch Aelfric 678. Jocundus Presbyter, Translatio s. Servatii 714. Johann VIII. Papst, Briefe 814. Johann X. Papst 159. Johann XL Papst 36. 419. Johann XII. Papst 44.167.169. 181. 390. Johann XIII. Papst 170. 730. Johann XV. Papst 207. 209.666. Johann XIX. Papst 350. 749 f. Manitius, Lateinische Literatur des Mittelalters. II. Johann XX. Papst 467.749.752 f. Johann von Bersen 26. Johann von Beze 462. Johannes Baptista 23.138. 140. 157. 251. 268. 577. 750. Johannes Evangelista 191. 304. 309. 465. 611. Johannes Chrysostomus Patriarch von Konstantinopel 376. 804. Johannis Crisostomi dicta (Phy- siologus) 308. 455. Johannes Erzbischof von Ra- venna 708. Johannes irischer Bischof in Mecklenburg 404. Johannes italienischer Bischof 380 f. Johannes Bischof von Lucca 708. Johannes Bischof von Salisbury 807. Johannes Abt von Athelney 647. 649. 654. Johannes Abt von Gorze 128. 189—195. 806. 814. Johannes Abt von St. Arnulf in Metz 128.189—196. Vita Johannis Gorziensis 189—194. 196. 806. 814. Vita et mira- cula s. Glodesindis 193 ff. 415. Johannes Abt von Monte Cassino 450. 452. Johannes von Amalfl 415. 422 —424. Liber de miraculis 415. 422—424. De obitu s. Nicolai 423 f. Vitae s. Irenae 423 f. Johannes Abt (Vitae patrum), Gedicht auf ihn von Fulbert 690. 693. Johannes Canaparius Mönch im Aventinkloster 129.229—234. VitaAdalbertiPragensis229ff.; bei Leo von Ostia 231; in der Translatio s. Abundii et Abun- dantii 231; bei Cosmas von Prag 231. Johannes Diaconus 814.VitaGre- gorii I. bei Gezo 54 ff.; bei Bem67; bei EkkehartIV. 564. Cena Cypriani, Verse 814. Johannes Diaconus Neapolita- nus 814. Johannes Diaconus Venetianus 126. 246—249. 251 f. Chronicon Venetum 246—249; beim Annalista Saxo 248 f.; bei Andrea Dandolo 248 f.; in den Libri de vitis patriarcharum Aquilegensium 248. Johannes Eleemosynarius 814. Johannes de Janua, Catholicon 723. Johannes Propst von Lüttich 374 f. 54 850 Alphabetische Register. Johannes Mönch von St. Maximin in Trier 562. 564. Johannes Moschos, Pratum spiri- tuale bei Johannes von Amalfi 415. 423 f. Johannes de Muris, Speculum musicae 754. Johannes von Neapel, Vita s. Nicolai bei Johannes von Amalfi 423 f. Johannes Prior von St. Paul in Rom 14.20.22.130—135. Vita Odonis Cluniacensis 128.130 —136. 149. Johannes Salernitaner 630. Johannes Sarracenus 336. Johannes Scottus 11. 29. 238. 638.663.802 ff. Fälschlich genannt bei Berengar (statt Ratram) 106 ff. 111 f. 117. 121. Uebersetzung desPseudo-Dio- nysius 803. Disputatio cum Theodoro Graeco (= Honorii Augustodun. Clavis physicae) 803. Ambigua des Maximus 803. Vita Boetii 803. Uebersetzung des Priscianus Lydus 803.VitaVergili 803. Priscian- kommentar 803. Kommentar zum Evangelium Johannis 803. Martiankommentar 803 f.; bei Remigius 721. 808; im Pru- dentiuskommentar 808. Johannes Tsimiscas griechischer Kaiser 172. Johannes Orseolo 247. Johannes Finanzbeamter in Sa- lerno 131. Johannes gesprochen Zohannes 710. 713. Jonas Bischof von Orleans, Contra Claudium Taurinensem bei Letald von Micy 428. 804; in Micy 428. 430. Jonas Mönch in Bobbio, Vita s. Eustasii Luxoviensis 435. Vita s. Columbani 798; bei Hermann von Reichenau 760. Jonas Prophet 610. lonicus a minori 770. Ionisches System I 196. Jordanis 11. 298. 390. 798. Bei Liudprand 173; bei Benedikt von St. Andrea (?) 180; bei Dudo 260; bei Marianus 392; bei Hermann von Reichenau 760 f. Jordanus Bischof von Limoges 287. Josbertus Mönch in St. Martin zu Tours 109. JoscelinErzbischofvonBordeaux 112.114.121 f. Joscelin Schatzmeister zu St. Hi- laire in Poitiers 104.120. Joseph 605. Joseph Spanier, Werk über Multiplikation undDivision730.735; Abschrift verlangt von Gerbert 730. 735. Joseph von Arimathia 109. Josephus 499. 793; bei Odo von Cluni 22; bei Adaiger 53; bei Lantbert von Deutz 365; bei Marianus 391. Josua 578.605; angelsächsische Uebertragung des biblischen Buches durch Aelfric 678. Jotsald Mönch in Cluni 128.138. 140.142—147. Vita Odilonis 142-146. Rhythmus auf Odilo 142 f. 492. Distichen 142. Epitaph auf Odilo 142.144. Schrift gegenBerengarvon Tours 142. Laus de sanctis patribus 142. Planctus auf Odilo 138.142 f. Gedicht auf Souvigny 142.144. Iovinus magister militum 161. Irineus 605. Isaak polnischer Novize 234. Isembert Bischof von Poitiers 104. Isenbard Mönch in Fleury, Speculum puerorum 332. 335. Isicius s. Hesychius. Isidor Bischof von Sevilla 13. 22. 51. 450. 508. 541. 550. 660 f. 677. 691. 766. 7931'. 796. Bei Odo 21; bei Atto 28f. 30 f.; bei Adaiger 53; bei Gezo 54 f.; bei Bern 70; bei Gerard von Czanäd 78.81; bei Guitmund 119.123; bei Berengar 122; bei Flodoard 161; im Chron. Salernitanum 198.200. 202; beiRicher219; beiThiet- mar 267; in den Ann. Hildesheimenses 283; beiLaurentius von Monte Cassino 305; bei Arnold von St. Emmeram 309; bei Marianus 392; beiWulstan 443. 445; in der Vita Adal- hardi post. 466 f.; bei Egbert 538; im Chron. Eberspergense 596; bei Eupolemius 605; bei Gualdo von Corbie 608; bei Papias 639. 719. 721. 723; bei Ebarcius 643; beim Mythogr. Vaticanus II 656—659; bei Aynard 663; bei Abbo 670; bei Beda 700; bei Byrhtferth 701 ff.; beim Incertus auctor scholiasta zu Beda De natura rerum 705; bei Hermann von Reichenau 760 f.; bei Lathcen 796; in De partibus orationis 800; bei Ursus von Benevent 807; bei Hirenicus 810. Isingrim ungarischer Kleriker 75. 77. 80 f. Islam 180. 352. 582—586. Iso Mönch in St. Gallen 567 f.; Glossen zu Prudentius (?) 804' Israel 624. Israel Ire, Mönch in St. Maximin und Lehrer Bruns von Köln 175. 178. Gedicht De arte metrica super nomen et verbum 175. 178. 493. 673 f. Zusatz zu Remigius' Donat- kommentar 175. 178. Israel von Limoges, französisches Gedicht De vita Christi 493. Iswardus s. Usuard. Itala 652; bei Bonifatius 797. Italianismen beim Archipres- byter Leo I 530 f.; im Chron. Salernitanum II 201; im Chron. Novaliciense 298. Itinerarium Antonini bei Flodoard 161. Jubal 634. Judas apostolus 578. Judas Maccabaeus 579. Judas 600—603. Juden 55. 253. 282. 308. 312. 326.378 f. 570 f. 577.582.599. 612 f. 688. 692 f. Iudicum liber, angelsächsische Uebertragung durch Aelfric 678. Julianus Erzbischof von Toledo 143. 796. Julianus Bischof von Le Mans 429—432. Julianus Heiliger 578. Julianus Apostata, Kaiser 180 f. 465. Julianus Präfekt 631. 633. Julianus, Epitome novellarum bei Anselm von Besäte 713. Julianus Pomerius bei Atto 28. Julius Caesar s. Caesar. Julius Honorius, Kosmographie 240. Julius Valerius, erweiterte Epitome 810. Junianus Heiliger 149; Bericht Letalds über seinen Transport 428. 430. Junilius bei Cassiodor 792. Junius Nipsus s. Nipsus. Jupiter 411. 486. 605. 630. 636. Jussuf (Joseph) Spanier 730. Justin II. Kaiser 181. Justin Historiker, im Chron. Salernitanum 198. 200. 202; bei Ekkehart IV. 565. Justinian Kaiser 578. 623. 629. 635.713.794. Institutiones bei Atto 30; bei Anselm von Besäte 713. Novellae bei Abbo dem Vater Odos von Cluni 20. 24.133; bei Atto 30. Alphabetische Register. 851 Iustiniani chronicon s. Giusti- niano. Justus Müncli in In valle Bado- nisca 298. Justus medizinischer Autor 542 f. Juvenalis 11. 31. 567. 570. Hs. von Froumund geschrieben 518.523 f. Kommentar des Re- migius662. Erklärung Heirics in derVitaMajoli desSyiiis(?) 808. Bei Odo 23; beiBoethius 29; bei Rather 36. 50; bei Ot- loh 88. 94 f. 96; bei Bernold von Konstanz 119; bei Liud- prand 169. 174; bei Ruotger 177; bei Johann von St. Arnulf 192; beiFolcvin 213; beiKon- rad von St. Avold 255; bei Thietmar 268; in den Epist. Wormatienses 303; bei Lau- rentius von Monte Cassino 305; bei Andreas von Fleury 336; bei Vilgard von Ravenna 349. 352; bei Adam von Bremen 402.407.412; bei Bernhard von Angers 461; bei Walther von Speier 504 ff.; im Gedicht auf den Mönch Bovo 508 f.; bei Adalbero von Laon 526; bei Egbert 536; bei Odo von Meung 544; bei Adelmann 571; bei Amarcius 573; bei Em- bricho 583; in Arnulfs Delicie cleri 589. 591, in den Glossen hierzu 592; im angeblichen Carmen Winrici 613; bei Al- phanus 626. 630; bei Fulbert 690.692; bei Byrhtferth 702; bei Papias 122 f.; bei Walo von St. Arnulf 724 f.; bei Gerbert 731; in Adalbolds Vita Heinrici II. 748: in den Ho- milien Hemmos 809. Juvencus christlicher Dichter 157. 520. 530. 534. 611. 692. Bei Flodoard 157; bei Pur- chard von Reichenau (?) 510; bei Amarcius 573. K. Kaddroe (Caddroe) Abt von Waulsort und von St. Felix und St. Clemens in Metz 129. 236—239. 356 f. Kam 577. 601. Kalendarium 228. Kalender 728. Kalenderillustration I 558. Kalif, Kalifat 714. Kaliiah und Dimnah 549, Kanonessammlimgen I 210. II 440. Kapetinger 7. Karl der Einfältige, König von Westfranken 163. 216 f. 219. 261. 264. Karl König der Franken (?) 687. 692. Karl der Große 17. 125. 140. 158. 180 f. 184. 186.199. 240. 248 ff. 252. 285 f. 292. 295— 299. 312. 319. 321 f. 324. 326. 328. 404. 410. 435. 477. 511 f. 515. 529. 578 ff. 648 f. 652. 666. 672. 734. 769. Karl (IL) der Kahle 228.248.361. 368 f. 737. 814. Urkunde bei Flodoard 162. Gefälschte Urkunde 683. Karl III. 514. Karl von Lothringen, Oheim Ludwigs V. 526. 734.738. 810. Karl Martell 210f. 328.460.687. Karlmann Frankenfürst 199.454. Karlmann Bruder Karls des Großen 579. Karlmann Sohn Ludwigs des Deutschen 593. Karlsage 295. 297 f. 579. Karolinger 7. 327. Karolus Magnus et Leo papa, Epos 811. Katharina Heilige 625. Keltisch 641. 653. 663. Keltische Aussprache des Latein 677. Kenulf Bischof von Winchester 679. 681. Kerung s. Gerung. Ketzerverfolgungen 374. Kilian Heiliger (Würzburg) 72. 74. 393. 525. Kisila s. Gisela. Klage auf die Ermordung des Herzogs WilhelmLangschwert von der Normandie 492. Klio 261. Knud, Knut (Cnuto) Dänenkönig 128. Komputus 290. 298. 447 ff. 727. Notkers 695. Komputus, fränkischer von 737 795. Komputusgedichte 574 ff. 688. 693. Komputus paschalis für 562 792. Konrad Erzbischof von Trier 482—484. Konrad Archidiakon von Metz 255 f. Konrad Lehrer in St. Avold 255 ff. Epitaph auf Adalbero IL von Metz 255 ff. Konrad von Brauweiler, Vita Wolfhelmi 119. Konrad von Mure, Fabularius 659 ff. fe Konrad I. deutscher König 186 f. 189. Konrad IL Kaiser 6 f. 57 f. 64. 72. 74. 87.127 f. 284.287.289. 311. 315. 318-328. 342. 351. 362.378.383 ff. 494.514.563 f. 575. 717.723.746. 757 ff. 762. Konrad III. König 360. Konrad I. Herzog von Kärnthen 71. Konrad Herzog von Lothringen 177. 281. Konrad (Gerhardus?) 43. Konstantin Papst 247. Konstantin von Fleury. Abt von St. Mesmin de Micy 221. 226. 228.369.506—509. 731 f. 736. 738 f. Hymnus auf den hl. Benedikt" 507. Gedicht auf Konstantin 494. 506—509. Konstantin Abt von Noaille 429. 432. Konstantin Abt von St. Sym- phorian in Metz 129. 253— 257. 278 f. 281 f. KonstantinDekari(obKonslaulin von Fleury?) 507. Konstantin der Große 212. 512. 578. Donatio Constantini 512. 515. Konstantin griechischer Kaiser 166 f. Konzilien von Laodicea und Chal- cedon 35. Kreuzzüge 180. Kritische Zeichen bei Papias 719. Krötenlunge, Pulver von 710. Kryptographie Gerberts 736. Kugelgestalt der Erde bei Adam von Bremen 406. 411. Kulturgeschichtliches bei Ekke- hart IV. 565. 568. Kunibert Bischof von Turin 708. Kunia;unde Gemahlin Kaiser Heinrichs IL 265. 287. Kunigunde Gräfin von Stade 265. 267. Kuno Kleriker (?) 62. 65. Kunstgeschichtliches 1471. 538. 555.558.661.714.11200.271. 274 f. 311. 333.336.369. 380 f. 421. 509 f. 562. 566. 810. Kuono Lehrer in St. Avold 255 ff. Kursive norditalienische 794. Kymrische Glossen bei Smaragd 806. Labeo 478. 523. 525. Laberius 538. Lactantius bei Adso 432. Lactantius Placidus. Kommentar zu Statius ThebaisbeimMytho- graphus Vatic. II 657 f.; bei Byrhtferth 701. Laeden angelsächsisch für Latein 654. 54* 852 jjj [{Alphabetische Register. Laetus Vater Abbos von Eleury 664. Lambert Bischof und Heiliger vonLüttich 212 f. 363.373.779. Lambert von Lütticb, Schüler Fulberts 216. 223. 682. Lambert von St. Omer, Liber floridus 813; Chronica 588. Lambert Lehrer in Paris 558. Lambert Graf in Lothringen 364. Lambert Graf von Löwen 380 ff. Lambertus s. Lantbert. Lampert von Hersfeld 74. 586. Lampertus s. Lantbert. Landelinus Begründer des Klosters Laubach 686. Landgüterordnung Karls des Großen 309. Landoald erfundener Heiliger von St. Bavo 220—223. Landohard Bischof von Minden 173. Landrada Heilige 223. Landric Mönch in Rom 131.135. Landricus Architriclinus von Nevers 528. Landulf Bischof von Brescia708. Landulf, Historia Mediolanen- sis 5. Landulf, Historia Romana 298. 360. 800. De expositoribus divinae legis (?) 793. Landward Bischof von Minden 273. Lanfrancvon Arzago, Großvater Anselms von Besäte 708. Lanfranc von Bec, Erzbischof von Canterbury 18. 89. 105 ff. 113.117 f. 120—124.592.708. De corpore et sanguine do- mini 110. 112. De dialectica 439. Kommentare zu den Paulusbriefen und zum Psalter 593. 598. Langobardisch im Chron. Salemi- tanum 202. Lantbert Erzbischof von Mailand 36. Lantbert Bischof von Konstanz 62. 71. Lantbert (Lantbertus, Lambertus) Mönch in Deutz, Abt von St. Lorenz in Lüttich 129.364 —366. Vita Heriberti Colo- niensis 363—366. 595. 783. Miracula Heriberti 364—366. Komposition auf Heribert 365 f. Lantfrid Abt von Benediktbeuern 801. Latein I 5. 7 f. 11. 19. 65. 76. 90. 139. 159. 188. 202. 215. 221. 225. 231. 299. 305. 360. 426. 443. 466.530. 534 f. 545. 556. 638. 658 f. 705. 708. 717. II 467. Uebersetzung des Lateinin die Volkssprachen 1 33 f. 47. 52. 83. 91.102 f. 108.256. 613. 643. Uebersetzung aus der Volkssprache ins Latein I 606 f. Uebersetzung ins Griechische 1 103 f. 691. Italismen II 74. Ungarismen II 78. Zur Aussprache des Latein II 668. Latein im Chron. Salernitanum 11198.202. 209; in der Vita Kaddroae 236; bei Johannes im Chron. Venetum 249; im Chron. Altinate 251; bei Dudo 264; in den Annal. Hildesheimenses 284; im Chron. No- valiciense 294. 298 f.; bei Ar- noldvonSt.Emmeram313; bei Wolfbere 314; beiWipo 324 f.; in den Gesta Cnutonis 331; bei Andreas von Eleury 336; in den Gesta episc. Camera- censium 338. 342f.; in der Vita Gaugerici 344. 346; bei RodulfusGlaber349. 352; bei Onulf von Blandigny 363; bei Wibert 385; in den Actus fundat. Brumvilarensis mo- nast. 388; bei Adam von Bremen 408. 412; im Liber de virtutibus s. Eugenii 417; in den Epigrammata scolastici 422; bei Johannes von Amalfi 423 f.; bei Theoderich von Pleury .455 ; in der Passio s. Bonifatii 460; bei Gonzo von Plorennes 464 f.; in der Vita Adalhardi post. 468; bei Goz- win von Mainz 478; bei Gerhard von Soissons 496; bei Fridegod 498; bei Odo von Canterbury 500; bei Walther von Speier 506; bei Proumund 525; bei Cosmas Japygus 532; bei Odo von Meung 544. 546; im Ruodlieb 548. 553. 561; bei Ekkehart IV. 568; bei Amarcius 572; in Arnulfs Delicie cleri 591; bei Eupo- lemius 605; bei Heinrich von Augsburg 617; bei Al- phanus 631; bei Asser 652; bei den Briten und Iren 652; in der Vita Dunstani Byrht- ferths (?) 704; bei Anselm von Besäte 714. Lathcen Ire 796. Launomarus (Laudomarus) Abt 427. 430. LaurentiusHeiligerl4.556 f. 578. Laurentius von Lüttich 126. Gesta episc.Virdunensium 358 —361; bei Alberich von Trois- Eontaines 361. Laurentius von Monte Cassino 129. 304—306. Vita s. Mauri 304. Passio s. Castrensis 304. Passio s. Venceslai 304—306. Sermo de vigilia s. Benedicti 304. Lebenssprüche angeblich Alfreds des Großen 651. Legenda de s. Adalberto 234. Legenda Gerardi maior 74; minor 74. Legenda s. Irenes bei Johann von Amalfi 423. Legendarien 414. Leges barbarorum I 438 f. II 30. 209. 218. Lehrgedicht 493. Leidrat Bischof von Lyon 804. Leo I. Papst, Briefe bei Bern 67; bei Guitmund 119; bei Marianus 392. Leo III. Papst 158. 165. 252. Leo IV. Papst 159. 162. Leo VII. Papst 157 ff. 160.164 f. Leo VIII. Papst 169 f. 173. Leo IX. Papst 92 f. 105 f. 108. 117. 119. 123. 130. 135. 142. 377. 379. 386—388. 463. 756. Briefe 385. 387. Schrift gegen die griechische Häresie 386. Leo Bischof von Vercelli 297. 351 f. 356f. 511—517. Rhythmus, auf Otto III. und Gregor V. 512.515 f. Urkimde Silvesters II. 512 f. Versus de Ottone et Heinrico (Planctus Leonis episcopi) 513.516 f.; in den Gesta episc. Virdunensium 356 f.; Briefe an Heinrich IL 513. Elegie auf Petrus von Vercelli514.516. Metrum Leonis 494. 514. 517. Leo Abt im Aventink]oster229 ff. 233. Leo archipresbyter, Alexanderroman 809 f.; Exzerpt bei Ek- kehard von Aura 809; Umsetzung in Distichen durch Quilichinus 809; Ableitungen: Vita Alexandri Magni und Historia de preliis 810. Leo Dekan in Pavia 752. Leopresbyter,Repiciciititularius 452 f. Leo von Ostia (Casinensis), Chron. monast. Casinensis 231. 631 ff. Leo italienischer Musiker 755. Leo von Kalabrien 219. 221. Leo sagenhafter König in Toul 435. Leo Kuropalates 171. Leo Vater Stephans von Novara 810. Leo Römer 630. Leodebodus Gründer von Fleury 241. 367. 369. Alphabetische Register. 853 Leodegar Erzbischof von Vienne, Gesta arcliiepisc.Viennensium 298 f. Leodegarius Heiliger 351. Leontius, Vita Iohannis Elee- mosynarii, Uebersetzung 814; bei Johann von Gorze 814. Letald Abt von St. Mesmin in Micy 428. Letald Mönch von St. Mesmin in Micy 426—432. 666. 804, Miracula s. Maximini 416.427. 804 f. 810. Vita s. Juliani415. 429 ff. Bericht über den Transport des hl. Julianus 432. Leuconous 605. Leunculus (Leo Casinensis) 634. Leutheric Erzbischof von Sens 682. 684 f. 691. Lex Baiuvariorum 209. Lex Langobardorum bei Atto 30. Lex Romana Visigothorum bei Atto 30. LexSalica 218; bei Atto 30; bei Richer 218. Lexica641ff. 660 ff. Libanon 607. Libellus (Liber) de rebus Tre- verensibus 125. 328 f.: in den Gesta Trevirorum 328. Libellus de virtutibus s. Christo- phori vonHazechavonQuedlin- burg 502. 504. Liber Comitis des Smaragdus 806. Liber Geronticon bei Odo von Cluni 22. Liber glossarum 499; bei Ebar- cius 639.641; bei Aynard 639. 661. 663; bei Papias 639. 719 ff. 723. Liber historiae Francorum bei Johann von St. Arnulf 193. 195; bei Ademar 799; bei Hermann von Reichenau 760. Liber mathematicalis 273. Liber pontificalis 58. 130: Abschrift 291; Auszug 291; bei Elodoard 158 f. 175; beiWido von Osnabrück 175; bei Benedikt von St. Andrea 180; in der Vita s. Chrodegangi 197; im Chron. Salernitanum 198 f.; bei Johannes im Chron. Ve- netum 249; bei Marianus 392; in den Ann. Altahenses(?) 395; beiTheoderich von Fleury 453; in Adalhards De dispositioni- bus ordinationis 466. 468; bei Hermann von Reichenau 760. Liber pontificalis Eichstetensis von Gundechar 561. Liber scintillarum 805. Liber de virtutibus s. Eugenii 416 f.; in der Ueberarbeitung der Vita s. Gerardi Broniensis 417; bei Aegidius von Orval 417. Liberius Papst 578. Libri donationum et traditionum von Bremen 401. Libri de vitis patriarcharum Aquilegensium 248. Liemar Erzbischof von Hamburg- Bremen 399 f. 405.407. 409— 412. Lietald Abt von Tin und Mousson 371. 416. Lietbert Bischof von Cambrai 339. 344. Liethard Bischof von Cambrai 344. Liethard Abt von Lobbes 459. Ligurius (lyncurius) Edelstein 550. 553. Limes Saxonicus 404. Linglaus 605. Lisiardus Bischof von Meaux 684. Ijiudolf (Liutolf) Erzbischof von Trier 44614561 Liudolf Sohn Ottos L, Herzog von Schwaben 40.51.68.177. 179. 205. Liudprand (Liuzo) Bischof von Cremona 32. 36. 127. 166— 175. 663. 712. Antapodosis (Gesta regum et principum Europae) 166—169.172—175. bei Gregor von Catina 172, 174; in der Vita Gerardi Broniensis 174. 371; bei Sigebert 174; beiFrutolf 174; bei Alberich vonTrois-Fontainesl74; bei Dietrich von Niem 174. Liber de rebus gestis Ottonis 169. 173. Relatio de legatione Constantinopolitana 170 ff. 1731— Angebliche Schriften: Adversaria 174, Chronicon 1741, Liber pontificalis (Opus- culum de vitis Romanorum pontificum) 175. Liupold Erzbischof von Mainz 3761471.4751478. Liutfred Kleriker .und Lehrer in Salzburg 5031 Liutold Bischof von Augsburg 207. 209. 518 f. 524. Liutward Bischof von Vercelli 514. Liutwin (Lutwin) Erzbischof von Trier und Reims, Bischof von Laon, Herzog von Franken 478—482. Liuzo s. Liudprand. Livius 21; bei Flodoard 161; angeblich bei Ekkehart IV. 562; bei Abbo 670; bei Ful- bert 684. Longinus Präfekt in Ravenna 250. Lorica Hymnus 797. Lorsch er Briefsammlung 302. Lorscher Frank enchronik,kleine, in den Annal. Hildesheimenses 283. Lot 578. Lothar I. Kaiser 193.195. Brief 162. Lothar II. Kaiser 193. 195. Lothar König von Italien 32. 40. 186. 297. Lothar König von Westfranken 49. 216. 279. 355. 526. 529. 730. 734. Lucanus 11. 255. 339. 524. 611. Handschrift 255 f. Bei Otloh 84. 86. 95; bei Boethius 89; bei Berengar 112; bei Flodoard 160; im Chron. Salernitanum 198. 2001; beiFolcvin 214; bei Thietmar 268; bei Wulfhere 314; bei Wipo 321. 326; bei Rodulfus Glaber 349. 352; in der Vita Balderici Leo- diensis 382; bei Adam von Bremen 407 f. 412; bei Wal- ther von Speier 505 f.: bei Egbert 536; bei Eupolemius 600. 6031; im angeblichen Carmen Winrici (mit Kommentar) 613; bei Abbo 668; beiByrht- ferth 702; bei Papias 722 f.; bei Gerbert 731. 738. Lucas 578. Lucia Heilige 194. 625. Luciani epistola bei Marianus 392. Lucilius genannt bei Rather 50. Lucius I. Papst 484. 486 f. 489. Lucius IL Papst 360. Lucretia 21. Lucretius bei Micon 806; bei Berengar (?) 122; bei Liudprand (?) 173. Luculli 633. Ludwig der Fromme 68.85.100. 162. 180. 193. 243. 283.317. 466. 579. 666. 672. 811. Brief an Ebo 804. Ludwig IL Kaiser 200. 814. Ludwig der Deutsche 161. 593. Ludwig das Kind 410. Ludwig IV. König von "Westfranken 214. 2161219. Ludwig V. König von Westfranken 216. 419. 526. Ludwig (statt Lothar) König von Italien 186. Ludmila böhm. Herzogin 183. Lukians Gallus bei Liudprand 168 1 Lul Erzbischof von Mainz 328 f. 425 1 460. 854 Alphabetische Register. Lupambulus (Wolfgang) 312. Lupitus Bischof von Barcelona, Uebersetzer eines arabischen astronomischen Werkes 730. 735 f. 740; bei Hermann von Eeichenau (?) 764. Lupus angeblicher Bischof von Regensburg 309. Lupus Abt von Ferneres 508. 662. 739. Briefe 647. 807. Ueberarbeitung der Vita s. Maximini 420 ff. De metris Boetii 518.807; beiPapias719; bei Hermann von Reichenau770f. Exzerpte aus Valerius Maximus vonHeiric und Lupus 807. Suetonhandschrift 807. Lupus Korrespondent Gregors I. 441. Luscius Lavinius (?) 725. Lutwin s. Liutwin. Luydnandus Mönch in Fulda 378 f. Lyncurius s. Ligurius. Lyrische Versmaße 1 503. II 621. M. Mabilia Gemahlin des Grafen Robert von Montgomery, Gedicht von Durand 117. Macarms Abt von Fleury 668. Macarius Abt von Humblieres 420. Macedonius Adressat vom Paschale Carmen des Sedulius 102: Brief an ihn in der Vita Mathildis post. 188 f. Macer mittelalterliche Benennung von De viribus herbarum Odos vonMeung 13.539.544 f. Machalan Ire, Abt von Wauls- ort 238. Macharii regula, Hs. 531. Macrobius 608. 764. Bei Gerard von Czanad 79. 81; bei Thiet- mar 267 f.; bei Wipo 322.327; in Onulfs Vita Popponis 362; bei Adam von Bremen 407; in der Vita Adalhardi post. 466 f.; bei Gozwin von Mainz 478; bei Beda 574; bei Manfred von Magdeburg 576; bei Abbo 670; bei Byrhtferth 701 f. 705; bei Papias 719; in der Ars geometrica 741; bei Adal- bold 744. 746 f.; bei Hermann von Reichenau 763. 765; bei Meinzo 787. Madelveus Bischof von Verdun 354 f. 361. Madius = Maius 645. Maecenas 326. 482. 782 f. 785. Magenard Abt von Chartres 215. Magener Ritter 419. Magnus Heiliger 615. 759. 775. Mahildis Königin von Frankreich 335. Mahomed (Mahumet) 348. 352. 582—586. Mahumet s. Mahomed. Maifeld I 650. Mainhard Bischof von Würzburg 522. Maiolus Abt von Cluni 14. 128. 136—139. 142—146. Briefbei Rodulfus Glaber 350. 352. Malsachanus irischer Grammatiker 809. Mamutius (Mahumetus; Mahomed) 583—586. Manasse Erzbischof von Reims 724 f. Manasse Bischof von Troyes 438. Manasse Abt von St. Benigne zu Dijon 439. Manasses Erzbischof von Arles, Mailand, Bischof von Verona 27. 32. 40. Manfred (Meginfrid, Menfredus) Lehrer in Magdeburg 493. 574 ff. Gedicht über den Kom- putus 493. 574 ff. Sapphischer Hymnus auf St.Emmeram 575. Manfred Sohn Herzog Wilhelms von Aquitanien 513. 515. Manichäer 375. Manilius einzige Aufschrift in alten Katalogen 737. Manlius de astrologia --= Boe- thius (nicht Manilius) 737. Mansuetus Heiliger, Missionar in Toul 434 f. Mantuanus comicus (Vergil) 484. Mappa terre Saxonie 412. Marahense bellum 312. Marbod von Rennes, De orna- mentis verborum 714. Liber lapidum 719. Marcellinus, Chronik 793; bei Hermann von Reichenau 760. Marcellinus Heiliger 158. Marcellus Enrpiricus 542. Marcus Evangelist 511. Marcus von Montecassino, Gedicht auf den hl. Benedikt bei Aimoin 241. Marcus, Chronicon Venetum 251. Mardochai 578. Margarita Heilige 624. Maria 100. 143. 157. 200. 227. 299. 360 f. 418. 488. 556 f. 575. 577. 625.635 f. 688. 693. 775 f. Maria Gemahlin des Johannes Orseolo 247. Marianer 486. Marianus Scottus Mönch in Köln, Fulda und Mainz 8. 130. 388 —394. Briefe (?) 389. Chronik 389—394. Fortsetzung der Chronik 391. Zweite (und dritte ?) Rezension der Chronik 391. BeiSigebert 392 ff.; in den Annal. Wirziburgenses 393; in den Annal. Disiboden- bergenses 393; bei Florentius Wigornensis393; bei Wilhelm von Malmesbury 393; bei Matthäus von Westminster 393; Auszug durch Robert von Herford 393 f. Marianus von Regensburg, Psalmenkommentar 389. Hs. der Paulinischen Briefe mit Kommentar 389. Brief an Arnold von Trier (?) 389. 393. Marimari s. Marianus Scottus. Marinianus s. Marianus Scottus. Marinus Papst 68.164. 204.208 f. Marius 611. 627. 634. Marius Victor christlicher Dichter 615. Marius Victorinus 291 (s. Victo- rinus). Markward Abt von Deutz 365 f. Maro s. Vergilius. Mars 411. 604. Marsias 660. Martialis bei Heriger 224; bei Thietmar 268; bei Odo von Meung 544; bei Papias 722 f. bei Isidor 793; bei Micon 803. Martialis Heiliger 285. 287 f. 290. 292. Martianus Kaiser 360. Martianus Capeila 9—13. 20. 169. 172. 314. 674. 736. 764. Maitian und die Iren 808. Kommentar des Dunchad 663. Kommentar des Remigius 660. 663. 808. Andrer Kommentar 809. Uebersetzung von Notker 695. 697. Martian bei Rather 42. 44. 47. 52; bei Odo von Cluni 133; bei Liudprand 173; bei Dudo 260; bei Wolfkere 314; bei Adam von Bremen 406 ff.: in Sigehards Vita s. Maximini 420; bei Gonzo 465; bei Gozwin 477; bei Walther von Speier 505; im Gedicht auf den Mönch Bovo 5081'.; bei Abbo 668. 670; bei Notker 698; bei Byrhtfert 701 f. 705: bei Anselm von Besäte 708; bei Gerbert 740; in der Ars geometrica 741; bei Adalbold 747; bei Hermann von Reichenau 763. 765. 771; in einem astronomischen Briefe (?)801. Martianus Heiliger (Toitona) 53. 56. Martin I. Papst 419. 450. 452 f. Martin Erzbischof von Bracara 796. Epistola de trina mer- sione 796. Alphabetische Register. 855 Martin Bischof von Tours 20. 25. 132 f. 416. 422. 431. 490. 578. 690. Martin Prior von Pomposa 751. 753. Martinellus = Schriften des Sul- picius Severus über Martin von Tours 436. 736. Martinellus in Adsos Besitz, vielleicht gleich dem vorigen 736. Martino da Canale, Cronaca dei Veneziani 251. Materia — Mater verborum s. Pa- pias. Maternus Bischof von Lüttich 374. Mathematik I 17. 26 f. 76 ff. II 726 f. 730. 739. 778—787. Mathematisches Gedicht Ful- berts 690 f. 693 f. Matheus de Platea 546. Mathilde Aebtissin von Quedlinburg 186. 276 f. Mathilde Aebtissin von St. Maria zu Worms 301. Mathilde Gemahlin Heinrichs I. von Deutschland 128.182.184 —189. 276. Mathilde Tochter Ottos IL, Gemahlin des Pfalzgrafen Ezo 386 ff. Epitaph 387. Mathilde Mutter Bruns von Würzburg 73. Matthaeus Evangelist 201. 352. 578. 620. 623 f. 782. Matthaeus Abt 623. Matthaeus Westmonasteriensis 393. Matthaeus polnischerNovize 234. Matthaeus polnischer Diener 234. Mauritius oströmischer Kaiser 283. Mauritius Doge von Venedig 247 f. Maurus Heiliger 304. 306. 428. 430. Maurus Bischof von Fünf kirchen 75. 80. Maurus Bischof von Verdun 360. Maximianus Elegiendichter 551. 713 f.; bei Anselm von Besäte 710. Maximin Heiliger (Micy) 427 ff. Maximin Heiliger (Trier) 420 ff. Maximus Confessor 803. Ueber- setzung durch Anastasius Bi- bliothecarius 814. Maximus Taurinensis bei Rather 50; bei Marianus 392. Maximus Victorinus beiMico 806. Mechanische Instrumente 757. Medicina Plinii 550. Medizin I 18. 20. II 214 ff. 346. 540—545. 572 f. 618 ff. 632 f. 635. 682. 689 ff. 719 f. Medizinische Handschriften aus Chartres 216. 218. 682. Medizinische Kompilation aus Hippokrates, Galen und So- ranus 215. Medus König von Athen 203. Megenard Abt von St. Peter zu Chartres 684. Meginfrid Domlehrer in Magdeburg (vgl. Manfred) 307. 311. Hymnus auf den hl. Emmeram 307.311. Umarbeitung der Vita s. Emmerammi 307. 311 f. MeginfridMönch in Reich enau (?) 70. Megingaud Graf in Lothringen 420 ff. Megingoz Graf, Vater Adelheids von Vilich 469. Meginhalm Mönch in Tegernsee 520. Meginhard Bischof von Würzburg 73. 83. 86. Meginhard Mönch in Fulda 814. Fortsetzung von Rudolf sTrans- latio s. Alexandri 402. Meginhard Abt von Gladbach 123. Meinhard Bischof von Bamberg 475. Meinrad Heiliger 71. Meinwerk Bischof von Paderborn 267. Meinzo Lehrer inReichenau 727. 786 f. Mathematischer Brief an Hermann von Reichenau 787. Melchisedech 257. 577. Melinus Abt von Luxeuil 441. Melpomene 768 f. Memento mori, Spruchsammlung 95. Menander 79. Menemachus Mediziner 541 ff. Menfredus s. Manfred. Mensuratio orbis Schreiberverse 813. Mercurius 420 f. 644 f. 659. Merovingus = Gallofrancus 590. Merowingerkönige 625. Mesosticha 521. 671. Messiaden 599—605. Messias Sohn des Agatus 599. 601—604. Messias des Eupolemius 494.579. 599 ff. Metellus, Gastmahl des (= Gastmahl Ciceros) 808. Metra des Boethius, Horaz, Am- brosius, Prudentius und Sedu- lius bei Papias 719. Metro Heiliger 43. Michael Erzengel 100. Michael Patriarch von Konstantinopel 386. Michael Bischof von Regensburg 308. 311. Michael Mönch in Pomposa 749 —754. Micon von St. Riquier, prosodi- sche Werke 668. 806. Milo Erzbischof von Reims 480 f. 804. Milo Bischof von Verona 40. 45. 51. Milo von St. Amand, Carmen de sobrietate 812. Milo Crispinus, Vita Lanfranci 105. Milo Graf von Verona 40. Minerva 478. Minuskel, griechische 174. Miracula s. Adalhardi 467 f. Miracula s. Adelheidis 141. Miracula s. Agerici 354 f. Miracula s. Alexii 230. Miracula s. Apri 436. 441. Miracula s. Benedicti von Ade- lerius 242. 245; von Adrevald 331. 334 f.; von Aimoin 331. 334 f. 416; von Andreas 331. 334 ff. 416. Miracula s. Bercharii 438 f. 442. 671. 796. Miracula s. Bertini continuata 588. Miracula s. Fidis 416. 422. Miracula s. Gengulphi 463 ff. Miracula s. Gorgonii 194 ff.; bei Johannes von St. Arnulf 192. 196. Miracula s. Liutwini 425 f. 480. 804. Miracula s. Marci 511. Miracula s. Maximini Miciacensis 416. 427 ff. Miracula s. Maximini Trevirensis 416. 420 ff. Miracula s. Pirminii 416. 447 f. Miraculas.Waldeberti415. 435f. 439. 441. Missale Hispauum bei Guitmund 119. Mithologiarius (von Remigius?) 640. 656—660. Modesta Aebtissin in Oeren 328. Modoin Bischof von Autun 811. Modulus Armoricus 264. Moelbrigte irischer Name des Marianus Scottus 388. 393. Mohamed 494, s. Mahomed. Monachus Kirschgartensis, Chron. Wormatiense 301 f. Monatszyklus, bildlicher 558. Monosticha I 579. 587. II 520. 565. 580. Monosyllabi 591. Moriuht Gegner des Warner von Ouen 493. Mosaiken 271. 856 Alphabetische Register. Moses (Gesetzgeber) 56. 58. 301. 494. 578 f. 605. 617. 772. 782. Moses Person in Eupolemius' Messias 599 ff. Mosinu Mac Cumin Abt in Ban- gor 798. Moslemin 352. Mucius Heiliger 578. Musik I 27. - 444—446. 449 ff. 581. 589. 593 f. 696 ff. II 411. 430 f. 533. 690. 726 f. 731. 735. 748—756. 774. Musikalische Instrumente 757. Musonius 474. 478. Mythen, antike aus jüdischen hergeleitet 600. 605; rationalistische Deutung 657. Mythenbuch des Mythographus Vaticanus II (von Remigius?) 656—660. 808. Mythographische Erklärung zu Vergil beim Mythogr.Vatic. II, bei Servius, Philargyrius und Probus 658. Mythograpbus Vaticanus I beim Mythogr. Vatic. II 657 f. Mythographus Vaticanus II 656 —660; bei Konrad von Mure 659 f.; bei Byrhtferth 701. Mythographus Vaticanus III (Al- bericus) 804. Mythologie I 139; bei Papias II 720. N. Nabor Heiliger 255. Nachtigall 573; Gedicht auf sie 690. 693. Naitan Piktenkönig 794. Nalgod (Nagold) Mönch in Cluni 134 ff. Vita Odonis Clunia- censis 24 f. 134 ff. 139 f. De sacerdotio 136. Nanno Graf von Verona 47 f. Narrationes fabularum Ovidia- narum beim Mythogr. Vatic. II 659. Narses 247. Naso s. Ovidius. Nathan 578. Naturwissenschaften 1 17 f. 76 ff. 114—118. 154. II 540—547. 553. 726 f. Nekrologien 265.342; von Monza 32; von Reims 164; von St. Maximin 178; von Merseburg 178; von Echternach 178; von S. Sepulcri in Cambrai 344; von St. Gallen 564. 697. 759; von St. Peter in Salzburg 645; von Ottenbeuern 759; von Magdeburg, Merseburg und Lüneburg bei Thietmar 268. Nelus irischer Anführer 237.239. NemesiusEmesenus,/Z££>< tpvoecog avÜQcöjTov übersetzt von Al- phanus von Salerno 631. Nennius 799; bei Asser 653. Neocosmus allegorische Person 576—580. Nepotianus Epitomator des Va- lerius Maximus 800. Neptanabus (= Odilo von Cluni ?) 527. Nereus 582. Nero 42.158.430. 441. 614. 624. Neumen 751. 759. Neuplatoniker, Neuplatonismus 262. 651. 700. Nibelungenlied 812. Nikephoros griechischer Kaiser 170 ff. Nikodemus 556. Nikolaus I. Papst 159. 162. 359. 361. Briefe 803.814; beiHinc- mar 804. Nikolaus IL Papst 109.111. 119. Nikolaus Bischof von Cambrai 344. Nikolaus Bischof von Myra und Heiliger 101 f. 423. 624. Nikolaus Triveth 651. Nikolaushymnus ,Plaudat lae- titia' 557. Nikomachus Mathematiker 766. Nilus Mönch und Eremit 230. Ninivitae 609 f. Nipsus Gromatiker bei Gerbert 737; bei Ragimbold von Köln 780. Nithard Sohn Angilberts 813. Nithard, Verse des Bonifatius auf 797. Nithardus (Nizo) Abt von Mett- lach 479. 481. Niulus irischer Anführer 237. 239. Nivardus langobardischer Maler in Fleury 333. Nizo s. Nithardus. Noah 577. 605. Nobis Bischof von St. Davids 646. 653. Nomus 601 f. Nonius Grammatiker 50; bei Aynard 662 f. Nonsvinda Rekluse 52. 736. Normannengymnasien 259. 264. Nortpert Abt von St. Gall en 563 f. 567. Notariatsinstrumente aus Asti, Calliano und Pavia mit Geheimschrift 736. Noten, tironische 732. 805; bei Abbo 672. Notitia Galliarum 240. Notker (Notger, Nothgerus, Noh- gerus Nokerus) Bischof von Lüttich 49. 211 f. 219—228. 380. 475. 535. 596. 743. 745. Briefe 220 f. 223. Heiligenleben von Heriger verfaßt 220: Vita s. Landoaldi 220—223; Vitas.Remach' 221.223. Kommentar zu Boethius De consol phil. 2, 1 221. 223. 227. 727. Notker Balbulus von St. Gallen 561—564. 566. 792. 804. Ge- sta Karoli 804. Sequenzen, deutsche Uebersetzung 804. Martyrologium 208. 210. 804. Notker Labeo, der Deutsche (Teutonicus), Lehrer in St. Gallen 693 f. 694—699.804.806. 809. Brief an Hugo von Sitten 694 f. 697 f. Uebersetzungen: von Boethius De consol. phil. und christliche Schriften, Anfang der Arithmetik (ob nach Martian ?) 640.695 ff. 698; von Periermenias und Kategorien 640.695.698; von Catonis Di- sticha 640. 695: von Vergils Bucolica 640.695; von Terenz' Andria 640. 695; von Gregors Moralia 640. 695 f. 698; von Martianus Capella 640. 695 —698; vom Buch Hiob 640. 695 f. 698; vom Psalter 640. 695. 698 (lateinische Erklärung benutzt in der Wesso- brunnerUmschreibunginbaye- rischem Dialekt 696. 698; Psalter und Hiob von der Kaiserin Gisela in Abschrift erbeten 696.698). Rhetorik 640. 695 ff. 699. De partibus logi- cae 640.696.697.699. Desyl- logismis 696.698 f. Kleine katechetische Schriften 640. Musik 699. Komputus (gehört dem Notker Balbulus) 695. 697 f. 804; bei Hermann von Reichenau 767. Numeri Latine et Saxonice bei Byrhtferth 702. 0. 0 admirabile Veneris idolum Rhythmus 813. Oacrius (= Oeacrius, Oeagrius) von Orpheus auf Guido von Arezzo übertragen 752. Obelos kritisches Zeichen 72. OdelgerDekan inSt.Riquier535. Odelric Bischof von Cremona 172. 174. Odelrich Bischof von Bergamo 52. Odenmasse 26. 619. 621. Oderisius Graf, Verwandter des Bischofs Pandulf von Marsi- canum 623. 626. 628. Odilia Heilige 386. Odilo Abt von Bremeti 297. Alphabetische Register. 857 Odilo Abt von Cluni 128. 136 ff. 145ff.149.243.347f.351.527f. 667. 672. Vita Maioli 138 ff. 143. Epitaphium Adelheidae 140 f. Briefe 141. 640. Predigten 141. Medicina spiritua- lis 141. Rhythmen auf ihn von Jotsald 142 f. 492. Odilo von Mailand, Schrift über die Taufe 800. Odinkar Dänenbischof 401. 410. Odo Erzbischof von Canterbury 497 f. 500. Vorrede zu Fride- gods Vita Wilfridi 498. 500 f. Odo Bischof vonBayeux 114.122. Odo Bischof von Cambrai 344. Odo Bischof von Chartres 666. Odo Bischof von Paris 163. Odo Abt von Cluni 14.19—27. 128.130—138.140. 287. 292. 428.463. Auszug aus Gregors Moralia 20.25.695. Liber Reg- norum 20. 25. Collationes 21 —26. Occupatio(nes) 22. 26. 493; bei Amarcius 23.571; bei Eupolemius(?) 604; in Arnulfs Delicie cleri 591. Vita s. Geraldi 24. 27. Predigten 24. 27. De musica (?) 24.27 .Verse über das Abendmahl bei Gezo 54; bei Guido von Arezzo 754: Ana- litica (?) 27. Antiphonen und Hymnen 133. Odo Abt von Moutiör-la-Celle 434. 440. Odo Mönch in Fleury, Epitaph Gauzlins 333. Odo von Meung (Magdunensis) = Macer 493. 539—547. De viribus berbarum 493. 539— 547. Erweiterung 540. Odonis antidotarium (?) 545. Odo im Regimen sanitatisSalerni 546; im Flos medicinae scholae Sa- lerni 546; bei Matheus de Platea 546; bei Vincenz von Beauvais 546; bei Hugo von Trimberg546; bei Paracelsus 547. Dänische Uebersetzung von Henrik Harpestreng 546. Deutsche Uebersetzungen 546. Benennungen aus ihm in der Volkssprache 546. Exzerpte 546 f. In Verbindung mitHen- ricus poeta und Robert Gros- thede 546, mit Gargilius Mar- tialis 546. Scholien 547. Französische Uebersetzung 547. Erklärung durch Guillermus Gueroaldus 547. Odo Verfasser einer Rhythmi- machie 340. Odo König von Westfranken 217. 244. Odo Graf von Champagne 319. Odo Graf von Reims 684. Odolf Bruder des Mathematikers Radolf 778 f. . Odolric Abt in Limoges 287 f. Odolricus s. Udalrich. Odovakar 276. Odulf Kaplan in Lüttich 363 f. 558. Odulf s. Odolf. Oedipus 314. Officia Nichte Bischof Turpios 291. Offizien Berns auf den hl. Udalrich und den hl. Meinrad 71. Og von Basan I 116. Ohthere norwegischer Seefahrer 650. Ohtric (Otric) Magdeburger Lehrer 183.233.432.439.732 f.736. Oilbold Abt von Fleury 508. Oktavian 330. Olbert Abt von Gembloux und von St. Jakob in Lüttich 56 f. 59 f. 216. 227. 301 f. 379. 457 —459.682.691. Vita s. Veroni 415. 457 ff. Hymnus in s. Ve- ronum 457.459. Antiphon auf die hl.Waldetrudis 457. 459. Omfala 659. Omino 599. 602. 605. Onias 576. 579. Onulf Mönch in Blandigny 129. 361-364Vita Popponis Stabu- lensis 361—364. Onulf Lehrer in Speier 715 ff. Rhetorici colores 640. 715 ff.; poetische Bearbeitung 716. Ophites 601. Opimius 659. Orcus 768. Ordericus Vitalis, Historia ec- clesiastica 117.123. 263. 389. 393. 443. 445. Orgel 731. Oribasius, Kommentare zuHippo- krates' Aphorismen und Pro- gnostica 545. De simplicibus 546. Im Mittelalter 545; bei Odo vonMeung 540.*542.545 f. Orientius christlicher Dichter 134; bei Egbert von Lüttich 538. Origenes 73. 803. Bei Atto 29; bei Fulbert 686. Oron 602. Orontes 602. Orosius 11. 21. Bei Odo von Cluni 22; bei Rather 43; bei- Richer 219; bei Aimoin 240 f. 244; bei Wolf here 316; bei Laurentius von Lüttich 359 f.; bei Marianus 392; bei Adam von Bremen 402.404.407; bei Waifar 489; im Ruodlieb (?) 553; Textverbesserung und Glossen von Ekkehart IV. 562ff.; bei Eupolemius 603; im angeblichen Carmen Win- rici 613; übersetzt von König Alfred (Hormesta Orosii) 639. 650. 655; bei Fulbert 684; bei Hermann von Reichenau 772. Orpheus 520. 524. 752. 772. Orthographie 1 11.49.75 f. 114 f. 209.281 f. 426.466. 476. 521 f. 638.703. II 74. 201. 229. 249. 394. 397. Osbern, Panormia 663. Osdag Bischof von Hildesheim 269. 271. 273 f. Osgar Mönch in Winchester 444. Osmar Mönch in Florennes 465. Ostertafeln 813. Osterzyklus 391. Oswald Erzbischof von York 497. 500. 664 f. 670. Otfried von Weißenburg 812. OtgarErzbiscbof von Mainz 608. Otger Bischof von Speier 170. Othegarius Mönch 22. Othmar Abt von St. Gallen 309. 312. 564. Otloh Mönch und Lehrer in St. Emmeram 83—103. 313. 493. Vita Wolf kangi 84. 95 f. 102. Dialog mit Heinrich von Reichenau 85. Vita s. Bonifatii 84 f. 87. 92 f. 379. 415. Vita S.Nicolai 85. 101 f. 415. Liber proverbiorum 11.83.85 ff. 94 f. 319. 493; in der Vita Hein- rici IV. 95. Quomodo legen- dum sit in rebus visibilibus . 85.96 f. Liber de temptationi- bus 84—91. 93. 97—101.103. De doctrina spirituali 86 ff. Liber visionum 86. 90. 313. Liber manualis 19.87.92. Predigten 19. Sermo ad avaros vel superbos 88. Hymnen 88. 415. Sequenz auf Dionysius Areopagita 85. Translatio s. Dionysii 85. 416. De tribus quaestionibus 18. 89 f. 95. Oratio ad deum 96. De re- surrectione domini 96. Versus de die iudicii 96. De cursu spirituali 19. 97 ff. 493. Oratio teutonice 100. Vita s. Altonis 100. 415. Vita s. Magni 102 f. 415. Otric s. Ohtric. Otto I. der Große 3 ff. 17. 30 f. 39 ff. 43.47 ff. 52.56.68.127 f. 141. 167—178. 181 f. 185 f. 188 f. 205.211.238.276.297. 311. 341. 356. 387. 420. 422. 447. 661. 686. 717. 730. 734. 736. 810. 858 Alphabetische Register. Otto IL 17. 47. 74. 137. 182 f. 184 ff. 199. 206.220. 222.233 f. 246. 248. 279. 308. 341. 356 f. 387.432.447. 456. 516. 717 f. 733. Otto III. 4. 56 ff. 74. 217. 220 ff. 230 f. 234.243.246-249.271 f. 275 f. 297. 300. 309. 329. 341. 356 f. 364 ff. 380.387.410.449. 451. 460. 469 f. 494. 502 f. 509 f. 511 ff. 515 f. 526. 529. 667. 717. 732.734 f. 737 f. 781. Brief 734. Otto Bischof von Bamberg, Leben von Ebo 7. Otto Bischof von Freising 327. Chronicon 762. Otto der Erlauchte, Herzog von Sachsen 184. Otto Graf von Lomellina 297. Otto von Nordheim 395. 397. Otto Graf von Vermandois 342. Ottonen 4. 127. 246. 248. 276 f. 317. 322. 327. 329. 356. 386. 782. 785. Otwin Bischof von Hildesheim 269! 273. Oudalscalc von Augsburg, Vita Adalberonis 210. Ovidius 21. 352. 567. 586. 799. Mittelalt. Zudichtung (bei Ful- bert) 688. Bei Atto 29; bei Rather 42; bei Otloh 88; bei Berengar 120; bei Gilo von Cluni 148; bei Liudprancl 173; in der VitaMathildis post. 188; bei Johann von St. Arnulf 192; bei Dudo 259 f.; bei Thietmar 268; bei Wipo 321. 326; bei Andreas von Eleury 335 f.; in der Vita s. Gaugerici 345; in der Vita Bardonis aus Fulda 378 f.; in der Vita Balderici Leodiensis 381; bei Wibert 385; beiAdam vonBremen 408. 412; bei Rainer von St. Ghis- lain 463; bei Gozwin 475.477; bei Walther von Speier 506; im Ruodlieb 543; bei Hugo vonTrimberg 572 f.; bei Amar- cius 573; bei Embricho 583 f.; bei Williram 597; in einer Messiade 604 f.; bei Eupo- lemius 604; bei Heinrich von Augsburg 615; bei Alphanus 630 f. 633. 637; bei Papias 721. 723; bei Hermann von Reichenau774; bei Theodulf 811. Ovis in lino (Conflictus ovis et lini) 774. Ovo s. Aba. Oylbold Abt von Fleury 245. 336. 664 f. 667. 670. Brief an Abbo 670. Pabo Vestiarius in Tegernsee (?) 524. Pädagogik 82 f. 726 f. Päonie 546. Pafnutii regula 531. Paläographisches 645. Palastbeschreibungen 518. Palämon Grammatiker 721. Palladius, Opus agriculturae bei Odo von Meung 543. Palladius. Vitae monachorum 131. Panaetius 478. Pandulf Bischof von Marsicanum 621. 623. 632 f. Pandulf Vater des vorigen Pandulf 623. Pandulf der Eisenkopf, Herzog von Salerno 198. 200 f. 203. Pantaleon Heiliger 177; Hymnus auf ihn von Fulbert 492. Pantaleon Graf von Amalfi 422. 424. 689. 693. Paperinus (Papirius) Grammatiker, bei Micon 806; in De libris grammaticorum 801. Papias Lehrer 717—724. _ Ele- mentarium doctrinaerudimen- tum (= Materia — Mater ver- borum) 639. 643. 663. 718— 724; bei Bruno von Würzburg 72ff.717; bei Gerard von Cza- näd 79.718; beiHugucio 723; bei Johannes de Janua 723. Kurze Bearbeitung lateinisch und deutsch 722. 724. Poe- tischeBearbeitung (?) in Peter- borough 722.724. Paraclitus Gedicht Werners von Basel 576. 580 ff. Parnassus 508. Parthenia Taumoto 603. De partibus orationis diversorum auctorum 800. Pascasius,Paschasius s.Radbert. Paschalis I. Papst, Briefe bei Flodoard 163. Paschalis' IL Papst 154. 360 f. 754 (?_). Paschasini epistola bei Marianus 392. Paschasiüs (und Proterius) Brief an Leo I. bei Hermann von Reichenau 760. Passahfest 228. Passio s. Abundii 205. Passio s. Adalberti Pragensis 229 f. Passio s. Afrae in Gerhards Vita s. Udalrici 205. Passio s. Albani von Gozwin 415. 471 ff. 476 ff. Passio s. Anthimi et sociorum vonTheoderich vonFleury 450. Passio s. Benedictae 501. Passio s. Benedicti et Joliannis et sociorum von Brun von Querfurt 235. Passio s. Benigni Divionensis 350. 352. Passio s. Bonifatii 415. 459 f.; bei Otloh 460; bei Lampert 460. Passio s. Castrensis episcopi 304 306. Passio s. Christophori prior 502; bei Ratram von Corbie 504. Walthers von Speier 491.502 —506. Passio s. Dionysii von Hildvin bei Heriger 224. 227; mit dem Briefe Papst Stephans bei Folcvin 213. Passio s. Laurentii bei Lantbert von Deutz 365. Passio ss. Marcellini et Petri 813. Passio ss. Nicasii et Eutropiae bei Flodoard 161. Passio s. Pygmenii 181. Passio s. Respicii 452. Passio ss. Senesii et Theopompi von Cosmas 491. 531 f.; griechisch 531. Passio ss. Septem dormientium 799. Passio s. Theonesti in der Vita s. Albani Gozwins 473. Passio ss. Tryphonis et Respicii von Theoderich von Fleury 415. 450. 452 ff. Passio prior 450. Passio s.Valentini bei Marianus 392. Passio s. Vincentii bei Angelram von St. Riquier 533. 535. Passio Wencezlai ducis 129. Pasterias 605. Paterius Schüler Gregors I. 796. Paternus irischer Heiliger 388. Pathon 605. Patricius (Patrick) irischer Heiliger 390. 797. Patricius in Speier 572. Patricus Korrespondent Rathers 43. Patrick s. Patricius. Paula Korrespondentin des Hie- ronymus 72. 157. Pauli 633 (= Männer wie Aemi- lius Paulus). Paulinus Patriarch von Aquileja 248. 699. Paulinus Bischof von Nola, Car- mina bei Flodoard 159; bei Wipo 322. Paulinus Bischof von Pengueux 812. Paulinus Bischof von Trier 472. Alphabetische Register. 859 Paulmus (Paulus) Primicerius von Metz 105.107 f. 115.117. 559. 561. Paulmus, Vita Ambrosii bei Flo- doard 159. Paulinus Begleiter des hl. Maximin 422. Paulus Apostel 28. 78.150. 209. 288. 577. 598. 611. 614. 625. 670. Angeblicher Briefwechsel mit Seneca 614. 726. Paulus Bischof von Verdun 355. PaulusDiaconusMönchinMonte- cassino 11. 51. 199. 202. 278. 298. 553.692.799 ff. Schriften bei Odo 22; bei Gezo 55; in den Mirac. s. Gorgonii 195; in der Vita s. Chrodegangi 197; bei Johannes Diaconus 247. 249; im Chron. Salernitanum 198 f.; bei Aimoin 241. 800; im Chron. Novaliciense 296; bei Laurentius von Monte Cas- sino 305; bei Gauzlin 332; bei Rodulfus Glaber 348; bei Hel- gaud 368. 370; bei Marianus 392; bei Adam 408.12; in der Vita Adalhardi post. 467 f.; bei Egbert 539; bei Aynard 639. 662; bei Ebarcius (?) 643; bei Papias 719; bei Hermann von Reichenau 760; bei Micon 806. Auszug aus Festus 553; in Adsos Bibliothek 438. Gedicht auf Johannes Baptista 750. Homilien 801. Grabschrift 199. Paulus s. Paulinus Primicerius. Pelagius Papst 247. Pergament 772 f. Peringer Abt von Tegernsee 519. 524. Permutation von Worten in Versen I 649. Persius 11.31.192. Hs.vonFrou- mund geschrieben 518. 522. Kommentar des Remigius(?) 662. Bei Rather 36.39.42.50; bei Ebrachar 48; bei Ruotger 177; beiThietmar267f.; bei Bernward von Hildesheim 273; bei Alpert 281; in der Vita Burchardi "Wormat. 302; bei Laurentius Casin. 305; bei Wolf here 314; bei Adam 407. 412; in der Vita Pirminii 446; bei Gozwin von Mainz 471. 477 f.; bei Walther von Speier 505 f.; im Gedicht auf Mönch Bovo 508 f.; bei Froumund 523 ff.; bei Adalbero von Laon 525.530; bei Egbert 536; bei EkkehartIV. 567; bei Arnulf 589. 591, in den Glossen hierzu 592; bei Abbo670f.; bei Byrhtferth 702 f.; bei Papias 722 f.; beiWalo von St. Arnulf 725; bei Gerbert 731. Petronius 524. Bei Guido von Arezzo 754. Petrus Apostel 69.135.142.150. 158. 164. 209. 224. 234. 261. 296. 357. 385. 434. 448. 462 f. 489.512 f. 515.557.564. 577 f. 611—614. 624. 628. 634. 692. 697. 750. Petrus Heiliger 158. Petrus Damiani 128. 232 f. 708. Vita Odilonis 146 f. Vita Ro- mualdi 232 f. Petrus Patriarch von Grado 248. Petrus Erzbischof von Ravenna 350. Petrus Bischof von Salerno 201. Petrus Bischof von Vercelli 514. 516. Petrus Abt von Gembloux 459. Petrus Abt von Nonantula 805. Petrus Propst in Arezzo 750.753. Petrus Abt von Cluni 147 f. 160. 153. Petrus Diaconus 792. Petrus Schüler Gregors I. 654. Petrus Helie Grammatiker, Ex- zerptor Priscians 674. Petrus von St. Mesmin in Micy 427. 430. 508. Kollation der Chronik des Hieronymus 807. Petrus Diaconus Adressat Au- gustins 107. Petrus Diakon in Monte Cassino, Liber illustr. virorum Casin. archisteriiö. 304.306.450.452. 484 f. 620. 632. 634. Petrus subdiaconus Neapolita- nus, Grammatiker 805. Petrus Mönch in Nonantula 532. Petrus Prior von Pavia 145 f. Petrus von Pisa Grammatiker 294. 806. Petrus Rabbus Notar 32. Petrus Mönch in Pomposa 751. 753. Petrus Priester in Verona 296. 298. Petrus (Peter) König von Ungarn 769.771. Petrus II. Orseolo Doge von Venedig 246 f. 249. 252. Pflanzen 540—544. 573. Phädrus 634; bei Amarcius 573. Exzerpte Ademars 291. Phäton 591. 605. Pheton 316. Phaläcische Elfsilber 556 f. Pharisaei 459. Pharmaceutisches 215. 218. Phassur (Fassor) 605. Pherekrateen 1 559.599. II 261. 587. 626. Philadelfus (Ptolemaeus) 459. Philaretus, Liber pulsuum 545. Philargyrius 658. Philipp I. König von Frankreich 112. 121. 148. 420. 467. Philipp von Thaun, Komputus 806. Philippicus römischer Kaiser 247. Philo griechischer Arzt 542. Philologie und Grammatik 1 119 —152.452—536.11638—725. Philosophie 726 f. Einteilung 733. Phineas 604. Phoeas Grammatiker, bei Abbo 668. Kommentar des Remigius 660. 808. Phoebus 591. 631. 772. Phosphorus 601. Photinus Heiliger (Lyon) 431. Physiologus 646. Bei Odo 22. 24; bei Atto 31; bei Rather 50; bei Otloh 97; bei Arnold von St. Emmeram 302 f.; bei Theoderich von Fleury 455; bei Egbert 536; bei Amarcius 572 f.; bei Papias 720. 723. Piatus Heiliger (Tournai). Hymnus auf ihn von Fulbert 492. 689. Pigmenta, Anskars Gebete zu den Psalmen I 706. Pilatus 109. Pilgrim (Belegrimmus) Abt von Bremeti 297. 299. Piligrim Erzbischof von Köln 63. 65. 69. Piligrim Bischof von Passau 308. 328. Pilumnus 659. Pippin Frankenkönig 93. 101. 213. 240 f. 285. 454. 460. 472. 477. 480. 515. Pippin König von Italien 248. 811. Pippin fränkischer Majordomus 328. 425. Pippin Sohn Ludwigs des Frommen 811. Pirminius Heiliger (Reichenau) 416. 446—449. Pirtalmus 605. Pisonianum vitium 306. Pistena 605. Pitumnus 659. Placidius = Warmus, Abt von Korvei, Schüler Radberts 56. 805. Placidus Grammatiker, bei Ebarcius 642; bei Aynard 662; bei Papias 720; bei Micon 806. Planctus Evae Gedicht Heinrichs von Augsburg 615. Plato 10. 74. 76. 79 f. 88 f. 112. 118.169. 237. 239. 350 f. 474. 482. 523. 525. 559. 5751581. 626. 634. 733. 747. 780. 860 Alphabetische Register. Plautus 538; bei Rather 35. 45. 51: bei Gozwin von Mainz 476. 478; bei Wilhelm von Malmes- bury 500. Plegmund Erzbischof von Canter- bury 647. 649. Plinius der Aeltere, Naturalis historia 13.22. 489.721; bei Heriger 224.228; bei Aimoin 240 f. 244; bei Odo von Meung 540. 542. 544; im Ruodlieb 550; bei Eupolemius 603; bei Abbo670; beiBeda700; bei Byrhtferth 701. 705. Plinius der Jüngere, Briefe 158; bei Rather 42; bei Flodoard 158.165; bei Laurentius von Lüttich (?) 360. Panegyricus bei Isidor 793. Plirisophus 601. 605. Plotius (ob Plotius Sacerdos oder Plotinus?) 79. 81. Plutargus (?) in Ripoll 803. Pluto (= Teufel) 711. 714. Podhhven Diener Wenzeslavs von Böhmen 183. Podismus des Nipsus 780 f. Poenitentiale 60. Polipater 600 f. Polipticum (nichtvon Atto ?) 815. Politeon 602. 605. Pollio 782. 785. Polymetrische Gedichte 629. 759. 769 ff. Pompeius Grammatiker, in De partibus orationis 800; bei Ursus von Benevent 807. Pompeius Festus in Cluni und Glastonbury 15. Pompeius Magnus 238. 259. Pontius Abt von Cluni 148.150. 152 ff. Poppo Erzbischof von Trier 384. Poppo (Folcmar) Bischof von Utrecht 194. Poppo Bischof von Würzburg 810. Poppo Abt von Stablo 361—364. 374. 563. 745 f. Porflrius Dichter 665; nachgeahmt von Abbo 665. 671. Porcarius Abt von Lerins 139. Porphyrides (Lucius papa) 489. PorphyrioHorazerklarer, in einer Messiade 605. Porphyrius, Isagoge übersetzt von Victorinus und Boethius 10 f. 77. 79. 81.191. 280. 303. 685. 731. 734. Possessor Bischof von Verdun 355. 360. Praecepta vivendi von Alchvine 798. Prädestination I 412. 415. 564. 568 f. 571. II 616. Praxedis Gemahlin Heinrichs IV. 359. Priamus 555. Primus angeblicher Bischof von Eegensburg 309. Priscian Grammatiker 417.575. 673 f. 804. Hs. mit Glossen von Froumund geschrieben 518 f. 523 f. Auszug Gozberts 638. 673 ff. Angelsächs. Auszug des Priscianus maior und. minor durch Aelfric 639.676 f. 680 f. Andreeabbreviatio675.Hs.aus Chartres beim Ungarnbischof Bonibert 692. Kommentar des Remigius 659. 808. Bei Laurentius von Monte Cassino 305; in den Gesta episc. Camera- censium 343; beiEkkehartIV. 564; beiAynard663; beiAbbo 668.670 f.; bei Froumund 525; bei Anselm von Besäte 710. 713; bei Papias 720.722.724; bei Hermann von Reichenau 771 f.; in De partibus orationis 800. Gedichte 291. Pris- ciani praeexercitamina 675. Anthol. lat. 679 bei Byrhtferth 702 f. Priscianus Lydus; Uebersetzung von Johannes Scottus 803; bei Vincenz von Beauvais 803. Priscillianisten 615. 617. Privilegien, päpstliche, bei Hermann von Reichenau 761. Probus Grammatiker 658; in De partibus orationis 800. Proserpina 656. 659. Prosper, Chronik bei Marianus 392; bei Hermann von Reichenau 760 f. Epigramme 291. 611; bei Laurentius 305; bei Helgaud 368. 370; bei Gozwin 475. 478; in Arnulfs De- licie cleri 589. 591. Carmen ad uxorem bei Papias 719. Proterii et Paschasii epist. ad Leonem I. bei Hermann von Reichenau 760 f. Proteus 582. Proverbia Aristotelis (IIagoi/.uai) bei Gunzo 810; bei Gerbert 810. Proverbia Rustici (aus Egberts Fecunda ratis) 539. Prüfeninger Mönch =Anonymus Mellicensis 757. Prudentius christlicher Dichter 14. 259. 290. 492. 509. 611. 656.719.802. Kommentar (ob von Heiric oder Remigius?) 808. Bei Liudprand 168; in Gerhards Vita Udalrici 205; in der Passio s. Adalberti 229; bei Johannes Canaparius 230; bei Dudo 260 ff. 264; bei Thiet- mar268; bei Ademar 290 f.- im Chron. Novaliciense 298- bei Adam 408; bei Gerhard von Soissons 496; bei Walther von Speier 506; bei Adalbero von Laon 526; im Ruodlieb 553; in Arnulfs Delicie cleri 591; bei Williram 597; bei Eupolemius 600. 604 f.; bei Heinrich von Augsburg 618; bei Alphanus 621. 628. 633; bei Abbo 668; bei Byrhtferth 705; bei Anselm von Besäte 709; bei Papias 719. 722 f.; bei Hermann von Reichenau 769. Handschrift 255. Prudentius Bischof von Troyes 434. 440. Psalmenparaphrasen I 86. Psalter übersetzt von Notker 695 f.; Umschreibung in den bayerischen Dialekt 696. Psalterium Gallicanum und Ro- manum. 70. 73. Psalterium Scoticum 195. Pseudo-Acro beim Mythogr.Va- tic. II 658. Pseudo-Amphilochius bei Ekke- hart IV. 662. Pseudo-Apuleius de herbis 550; bei Odo von Meung (?) 543; bei Ebarcius(?) 643. • Pseudo-Augustin, Dialektik 20. Pseudo-Beda, Psalmenkommentar bei Bruno von Würzburg 73. Pseudo-Cyprian de XII abusivis seculi bei Aelfric 678. 796; beiFulbert686. CenaCypriani 814. Pseudo-Dionysius Areopagita 68. 85. 87. 100 f. 233. 355. 358. 360. 369. 429. 473. 803. 814. Caelestis hierarchia 85. 87. 238; bei Adalbero von Laon 527. 530. Uebersetzung vor Hildvin 803. Uebersetzung des Johannes Scottus 803. Trans- latio Otlohs 100 f. Pseudo-Hieronymus bei Bruno von Würzburg 73. Pseudo-Isidor 30; bei Burchard von Worms 58 f.; bei Bern 67; bei Marianus 392; bei Hinc- mar 804. Pseudo-Methodius 432. Pseudo-Primasius bei Atto 32. Pseudo-Soranus.Quaestionesme- dicinales; Vorlage bei Isidor 793. Pseustis 576. 811. Ptolemäer I 665. II 77. Ptolemäus Astronom 762 f. 765. Canones 763. Ptolemäus Philadelphus 360. Alphabetische Register. 861 ptolemäus, Verse auf Alexander den Großen in einer Hist. de preliis 810. Publilius Syrus 589. 811; bei Arnulf in denDelicie cleri 589. Pulcronius Bischof von Verdun 355. 360 f. Purcbard Mönch in Reichenau 509—511. Gesta Witigowonis 494. 509—511. Pygmenius Heiliger 180 f. Pyrrhus 625. Pytbagoras 701.725.766. Finden der acht Töne 573. Pythagoreae fides 691. Pythagorica littera (Y) I 95. II 313. 439. Pythagoricum 480. Pythagoricum bivium 483 f. Pythagorici mallei 692. Q. Quadam nocte niger, Rätselge- dicht(ob vonThoinasScottus?) 806. Quadratur des Kreises 781 ff. QuadriviumI26.534.627.II12f. 505. 536. 538. 638. 720. 726 —787. Quilichiuus, poetische Bearbeitung des Alexanderromans 8091 Quintilianus, Institutiones 177; bei Folcvin(?) 213; bei An- selm von Besäte 708.713; bei Papias721.Declamationes731. Quintinus Heiliger 259.419.530. 814. Quiriacus Heiliger 420. 422. Quiriacus Bischof von Nantes 112.121. Quirinus Heiliger (Tegernsee) 518. 523. 809. Quirites 486. R. R. Bischof 160. R. Mainzer Kleriker 303. Racechinus s. Razechin. Radbert s. Ratbert. Radbod Bischof von Utrecht, Vita s. Bonifatii 812. Radelchis Fürst von Benevent 199. Radelgar Fürst von Salerno 200. Radoalt s. Rodoalt. Radolf (Radulf) Lehrer in Lüttich 690.694. Mathematischer Briefwechsel mit Ragimbold von Köln 727. 745. 778—781. 783. Radulf Bischof von Noyon 160. Radulf Kleriker in Orleans 558. 560. Radulf s. Radolf. Rätsel 537. 588. 590. 806. Berner Rätsel 798. Raganfredus (ob Fredegar oder der Liber historiae Franco- rum?) 195. Ragembert Bischof von Vercelli 27. Brief an Erzbischof Andreas von Mailand 27. 32. Ragenard Häretiker 684. Ragenold westfränkischer Graf 496. Ragimbold Kölner Lehrer und Mathematiker 558. 560. 690. 693. 778—781. 783. 785. Mathematischer Briefwechselmit Radolf 690. 694. 727. 744 f. 778—781. Raginer (Raginar) IL Graf von Hennegau 41. 42. 371. Raginer (Raginar) IV. Graf von Hennegau 457 ff\ Raginer s. Rainer. Rahab 578. 580. Rahard Propst in Orleans 112. 121. Kehewin, Fortsetzung der Gesta Friderici Ottos von Freising 174. Rahing Prior in Flavigny, Gedicht 357. Raimbald Verfasser eines Gedichts zu Aldebalds Vita Maioli 137. 139. Raimbert Bischof von Verdun 357. Raimund Abt von Aurillac 429. Raimund Vater Ademars 291. Raimund aus Chartres (?) 461 f. Rainald Abt vonVezelay 128.148. 153 f. Vita Hugonis Cluniac. 152—155. Rainald Normannenherzog 242. Rainer von St. Ghislain, Vita s. Gisleni 371. 415. 462 f.; in der Vita Gerardi Broniensis 370 f. Rainer (Raginer) Kleriker in Reims 508. Rambert Mönch in St. Bertin 587 f. Rambert in Berns Vita s. Udal- rici 68. RamwoldMönch in St. -Maximin, Abt von St. Emmeram 309 f. Rasina Abt von St. Martin in Ungarn 75. 80. Ratbert (Rotbert) Erzbischof von Trier 35. 39. 42. 159 f. 164 f. 259. Ratald Neffe Walthers von Aqui- tanien 295. Ratbert (Radbert) Abt von Corbie 18. 226 f. Vita Adalhardi 416. 465—468. De corpore et san- guine domini 103; bei Odo 22; bei Rather 43. 51; bei Gezo 54 ff. 805; bei Berengar 105 f. 110.112.121; bei Durand 116; in Gei'berts angeblicher Schrift De corpore et sanguine domini 742; bei Petrus Damiani 805. De benedictionibuspatriarcha- rum 805. Ratbod Abt von St. Ghislain (?) 462 f. Ratechitius s. Razechin. Ratharius angeblicher Bischof von Regensburg 309. Ratherius von Lüttich, Bischof von Verona 4.34—52.78.158. 160. 164. 178. 211 f. 313. 372. Beichte 42 f. 49. Briefe 35. 40. 43. 50. Grammatik Sparador- sum 39. 51. Conclusio deli- berativa 41 f. De contemptu canonum 44. 51. De s. Metrone 43. 415. Phrenesis 41 f. 50f. Praeloquia(Agonisticum) 35—42. 50. 160. 164. 727. Predigten 19. 43 ff. 51. De otioso sermone 44. 51. De proprio lapsu 44. 51. Qualitatis coniectura cuiusdam 45. 51. Synodica 46. 51. De nuptu illicito 19. 46. 51. Itinerarium 46. 51. Iudicatum 47 f. De clericis sibi rebellibus 47. 52. Liber apologeticus 47 f. 52. Discordia 47. 51 f. Conflictus duorum 48. 52. Vita Ursmari 39. 50 f. Ratmund Abt von Altaich 310. 314. 316. Ratpert von St. Gallen 729. Casus s. Galli 563. Deutsches Gedicht auf den hl. Gall 566, lateinisch von Ekkehart 566 ff. Ratram Abt von St. Avold 255 f. Ratram Abt von Corbie, De prae- destinatione 226. Brief über die Cynocephalen 504. De corpore et sanguine domini 106 f. Ulf. 117; in Gerberts angeblicher Schrift De corpore et sanguine domini 742. Razechin Mathematiker 778 f. 783. Recemund Bischof von Elvira 167 f. 172. Regimen sanitatis Salerni 546. Reginald von Angers, Schüler Fulberts 216. 682. Reginard Bischof von Lüttich 558. 561. Reginbald Mönch von St. Emmeram 522. Reginboldus s. Ragimbold. Regino von Prüm 30. Chronicon 170.174; im Libellus de rebus Trevirensibus328; beiAnselm von Lüttich 372 f. 814; bei Marianus 392; in den Annal. 862 Alphabetische Register. Altahenses (?) 397; bei Gozwin 472.477.759; Continuatio 174. 420 f. De synodalibus causis bei Burchard von Worms 58. De ecclesiasticis disciplinis 814. Regimvard Abt von St. Emmeram 85. Regula s. Benedicti, Kommentar von Smaragd 241. Regulus römisch er Feldherr 502. Reichenauer Weltchronik (= Schwäbische Weltchronik, Chronicon Sueviae universale) 130. 760. Reim 16. 88 f. 448 f. 554. 556 f. 591. 603. 609 f.; in antiken Versmaßen bei Hermann von Reichenau 770 f. Reimprosa 16. 33. 96. 137. 139. 141. 149 f. 182. 188.196. 271. 277. 301. 307. 313. 325. 327. 331. 337. 339. 351. 362 f. 377. 395. 397.417.447 f. 458. 463 f. 476. 511. 710. 714. 716. 748. Reinbald Lehrer zu St. Martin in Tours 558. 560. Reinbald s. Ragimbold. Reiner von St. Jakob in Liittich, De ineptiis cuiusdam idiotae 366. 784 f. Vita Reginardi 459. 558. Palmarium virg. 14. Relatio leronimi de Seneca 614. Remaclus Heiliger, Bischof von Lüttich 221. 223. 227. 234. Remigius Bischof von Reims 161. 178. 338. Gefälschtes Testament bei Flodoard 161. 163. Verse bei Flodoard 161. 165. Remigius Lehrer in Auxerre 638. 662. Martiankommentar 660. 698; bei Wolfhere (?) 314; bei Walther von Speier 505; in der Bibliothek Adsos 438 ; in den Glossen zu Arnulfs De- licie cleri 592; bei Aynard 639; bei Notker 640. 696 ff. 808; bei Byrhtferth 700. 705; in einer Hs. von Beda de natura rerum 700. 705; beim Mytkographus Vatic. III (Al- bericus) 804.808 f.: bei Konrad von Mure 808; bei Papias 808. Seduliuskoihmentar bei Frou- mund 522. Kommentar zu Ca- tos Distichen 698. 808; bei Froumund 525. Prisciankom- mentar 591. 659.808; bei Aynard 662. 808; bei Albericus 808; im Vokabular des Turic. civ. 58/275. 808; bei Papias 808. Phokaskommentar 452. 660; bei Aynard 662. 808; bei Papias 808; bei Albericus 808. Eutycheskommentar 808; bei Aynard 662. Juvenalkommen- tar 662. Persiuskommentar 662. Horazkommentar bei Aynard 662. Terenzkommentar 662. 698. Kommentar zu Boe- thius De consol. philos. 698. 809. Kommentar zu Boe- thius Opuscula Sacra 698. Kommentare zu Martian Eu- tyches Phokas Priscian bei Papias 721. Donatkommentar 175; bei Konrad von Mure 808. Kommentar zu Beda De arte metrica 808. Ob Verfasser eines Prudentiuskommentars ? 808. Kommentar zu den Paulusbriefen (?) bei Atto 28. Vita Persii 808. Ob Verfasser des Mithologiarius? 640. 659 f. Remigiusglossen bei Osbern 663. Interpretationes nominum Hebraicorum 809. Remigius Mönch in Trier 731 f. 736. 739. Remigius Reisebegleiter Abbos 244. Remus 169. Respicii titularius 452. Responsorien 194. 373. 375. 384. 386. 429 ff. Rhetorica ad Herennium s. Auetor ad Herennium. Rhetorik I 107. II 640. 708— 715. 725 ff. Rhythmen 1 126. II 51.113. 142. 161 f. 257. 290. 298 f. 320.325. 344. 352. 374. 418. 492. 512. 516. 528. 556 f. 566. 588 ff. 689 f. 710. 770. 805 f. 810. Rhythmimachien 338. 340. 343. RhythmischeHexameter5.295 f. Richar Bischof von Lüttich 373. 375. Richar Abt von Lobbes 40. Richard Bischof von Verdun 145 f. 357. Richard Abt von Amorbach 451 f. 454. Richard Abt von Corbie 468. Richard Abt von Fleury 245. 664. 667. 670. 672. Richard Abt von St. Mathias zu Trier 456. Richard Abt von St. Vannes in Verdun 75. 78. 80.356 f. 362 ff. 463. Richard von Fournival, Kanzler von Amiens, Biblionomia 674 f. 756. 766. Richard I. Graf von Normandie 257 ff. 261 ff. 329. Richard II. Graf von Normandie 257 ff. 262 ff. Richarius Heiliger 535. Richer von St. Remi 11.127.156. 164 f. 214—219. 506.508.596 529.691.730—733.735 ff. 739' Historiae 215—219; Auto- graph in Bamberg 219; Abschrift in Michelsberg 219- bei Hugo von Flavigny 219 •' bei Frutolf 219; bei Trithe- mius 219. Richer Mönch in St. Peter zu Chartres (ob = Richer von St * Remi?) 691. Richer burgundischer Vasall 22 25. Richeza Königin von Polen 386 f. Richolf Erzbischof von Mainz 473. Richwin Mönch in St. Maximin 421 f. Rihker Mönch in Tegernsee 524. Rikburg Aebtissin von Nordhausen 185 f. Rikdag Abt von St. Johannes in Magdeburg 265. 267. Rilindis Aebtissin von Hohen- burg, Umarbeitung von "Willirains Hohenlied 598. Rimbert Erzbischof von Hamburg-Bremen 410. 606 f. Vita Anskarii814: beiHelmold814. Rimopert Mönch in St. Maximin 421 f. Risus 599. Rittertum 548 ff. 599 ff. Rivallon miles 336. Roaldus Franzose 336. Robert Erzbischof von Rouen 493. Robert (Grosthede) Bischof von Lincoln 651. Verse in einer Macerhs. 546. Robert Bischof von Metz (Ruot- bert, vgl. Rotpert, Ropert) 212. 373. 375. Robert Abt von St. Mesmin in Micy 429. 431. Robert von Herford 393 f. Robert de Monte 263. Robert I. König von Frankreich 128. 220. 222. 242. 244. 332. 342. 348. 351 ff. 367 ff. 493. 526—530. 533. 535. 649. 665. 683 ff. 692 f. Brief an Gauzlin 332 f. 337. Robert IL König von Frankreich 666 f. Robert Guiscard Normannenherzog 620. Robert Markgraf von Flandern 467. Robert Oheim Anselms von Besäte 709 f. 713. Rocstagnus 39. 51. Rodbert Abt von Cbanteuil461. Rodoalt (Radoalt) Salernitaner 198. Alphabetische Register. 863 Eodolf s. Radolf. Rodulf Bischof von Noyon 419. Rodulf von Cambrai, Yita Liet- berti 339. Rodulf Schreiber des Paris. 15392 356. Rodulf Graf, Sohn des Normannenherzogs Richard I. 258 f. 263. Rodulf westfränkischer Vasall, Vater Richers von St. Remi 214. 218. Rodulf Erzgießer in Fleury 333. Rodulfus Glaber, Mönch in Au- xen'e, Dijon, Cluni u. a. 127. 245. 347—353. 363. 549. Vita Wilhelmi Divionensis 348— 352. 516. Gedichte 353. Histo- riae 347—353; in den Gesta episc. Autissiodorensium 353; bei Hugo von Flavigny 353; in der Hist. comitum Ande- gavensium des Thomas 353; in den Gesta consulum Ande- gavensium 353. Rofrit (Rofrid)Langobarde 199 f. 203. Roffrid (Rotfrid) Mönch in Monte Cassino621f. 632 f. Roger IL Bischof von Chalons 374. Roger Lehrer in St. Martial zu Limoges 285 f. 291. Roger Freund Guitmunds von Aversa 118. 123. Roger Graf von Montgomery 116 f. Roho Bischof von Angouleme 291. 293. Rolandsepos französisches 813. Rollandus vulgäre Aussprache von Rotilandus 710. 713. Rollo Normannenherzog 257. 260 f. 263 f. Roman 547 ff. Romanische Pflanzennamen 541. 543. 545. Romanische Volkssprache I 5 ff. 659. Romanismen im Latein I 202. 426.444.598.702.11349.554. Romanus Heiliger (Spanien) 157. Romanus Heiliger (Rouen) 495 ff. Romuald Mönch und Asket 76. 231 f. 234. Romuald Sachwalter in Salerno 627. 632. 634. Romulus 296. 339. 782. Romulus, Fabelsammlung, bei Rather 50. 52; bei Egbert 536. 539. Rorico Bischof von Laon 160. 433. 440. 526. 529. Rostagnus Abt von Nevers (?) 39. 51. Rotbert Erzbischof von Rouen 258 f. 262 ff. 684. Rotbert Mönch von St. Quentin 418 f. Rotbert s. Ratbert. Rotger Oheim Ademars 291. Rothildis Aebtissin von Pfalzel 329. Rotiland Vetter Anselms von Besäte 708 ff. 713. Rotpert s. Robert. Rozo Vater Anselms von Besäte 708. Rudolf I. Abt von Nonantula 531 f. Rudolf von Fulda 814. Trans- latio s. Alexandri 402. Rudolf von St. Trond, Gesta ab- batum Trudonensium 784.786. Rudolf König von Hochburgund 31. 156. Rudolf Graf von Ivry 257. Ruflnus 73: bei Bruno von Würzburg 73; Uebersetzung von Eusebius' Kirchengeschichte bei Marianus 391; bei Gonzo 465. Rukgerus (ob Ruotger?) 176. Rumold Lehrer Godehards von Hildesheim 314. 316. Runen I 299. Ruodlieb Roman in Versen 494. 521. 547—555. Lateinischer Ruodliebus (?) 548. 554. Ruodmann Abt von Reichenau 509 ff. Ruodpert, Planctus de calami- tate Augiae bei Hermann von Reichenau 760 f. Ruodvolt Graf 42. Ruopert von Mettlach, VitaThe- derici Egmondani 415. 424— 426; im Liber traditionum s. Adalberti 426; im Chron. Hol- landiae426; bei Johannes Gerbrand in den Annales Egmondani 426; in De adventu s. Adalberti426. Fortsetzung der Miracula 426. Ruopert, Ruotbert s. Robert. Ruotger Erzbischof von Trier 159. 178. Ruotger von Köln, Vita Brunonis 43. 95. 129. 175—179. 206. 211; bei Sigebert 178; bei Thietmar 179. 266; in der Vita s. Macharii 179; in der Vita Brunonis secunda 179; bei Bolcvin in der Vita Fol- quini und in den Gesta abb. Lobiensium 179. 211 ff.; bei Hermann von Reichenau 760 f. Ruothard Biscliof von Cambrai 222 f. 227. Rupert von Deutz, Chronicon s. Laurentii Leodiensis 221. 300 f. 366. Vita Heriberti Co- loniensis 365 f.; bei Reiner von St. Jakob 366. Rusticius Heiliger 369. Rutulus 327. 686. S. Sabaea regina 590. Sabina Heilige 621. 623 f. 630. 632. Sächsisch bei Leo von Vercelli 515. Sagen 199. 217. 549. 582 ff. 687. Sakramental' Gregors des Großen in Solothurn 448. Salamis 448. Salgionius (Benedictus ?) Kanoniker in Angers 289. Salier 127. Salisches Haus 7. 469. Sallustius 11. 16. 324. 482. 611. Historiae in Fleury 664. 668. Bei Rather 45. 47; bei Otloh 95; bei Berengar 112; bei Guit- mund 123; bei Flodoard 161; bei Liudprand 173; bei Gum- pold 182 f.; in der Vita Mathil- dis prior 185; bei Johannes von St. Arnulf 192; in den Miracula s. Gorgonii 196; bei Folc- vin 214; bei Richer 214.217 f.; bei Notker v. Lüttich (Heriger) 223 f.; bei Aimoin 241; bei Konstantin von Metz 255 f.; bei Thangmar 274; bei Alpert 281. 283; in den Annal. Hildes- heimenses 284; bei Wolfhere 314. 318; bei Wipo 324; in den Gesta Cnutonis 330 f.; in den Gesta episcoporum Ca- meracensium 343: beiRodulfus Glaber 349.352; bei Onulf von Blandigny 363 f.; bei Anselm von Lüttich 374 f.; in der Vita Balderici Leod. 380 ff.; in den Actus fundat. Brmrwila- rensismonast. 387 f.; bei Adam von Bremen 404. 407 f. 412; bei Letald von St. Mesmin 429; in der Vita Adalhardi poster. 468; bei Waifar 489; bei Egbert 536; in Arnulfs Delicie cleri 589; bei Alphanus 630; bei Abbo 670; in der Regula s. Benedicti 795. Invectivae in Tullium s. Invectivae. Salomo 386. 583. 589 f. 592. 629. 635. 782. SalomoIII. Bischof von Konstanz 564. 567. 812. Glossae Salo- monis 812. Salomonischer Tempel 578. Salvinus Bischof von Verdun 360. Samson 578. 864 Alphabetische Register. Samuel 578. Sancate, ob = Malsachanus 809. Sancho Sohn Wilhelms von Gas- cogne 667. Sanctinus Bischof von Meaux, Bericht über ihn aus St. Denis bei Bertar von Verdun 364 f. 358. 360. Santulus (Sancio) 151. Sapientia 237. Sapphische Hendekasyllaben 625. Sapphische Strophen I 196. 313. 375. 378. 381. 386. 538. 558. 571. 606. 608 f. II 88 f. 157. 261. 290. 307. 311. 444 f. 488. 490. 575. 623—626. 636 f. Rhythmen 690. Sara 577. Sarabert Presbyter zu St. Bavo in Gent 220 ff. Sarcodomas 605. Satire 493. Saturnalien 517. Saturnus 316. 636. Saulus 577. Saxonica lingua = Angelsächsisch 654. Saxonica rusticitas bei Otto III. 734. 737. Schattenmessung Byrhtferths 699. 705. Schildbeschreibungen 605. Schneekind 573. Scholiast zu Germanici Aratea bei Ekkehart IV. 564 f. Schreibwesen 273. Schrift: angelsächsische I 13. 251; insulare I 251; irische I 13. 251: kapitale I 251; karolingische Minuskel I 250. 274; langobardische 1 251.407; römische I 247; turonische Halbunciale I 251; Unciale 1251. II "713. Schwäbische Weltchronik bei Hermann von Reichenau 760. Scipio 259. Scipionen 627. 634. Scotta sagenhafte Aegypterin 237. 239. Secundinus, Rhythmus auf Pa- tricius 797. Secundus 801. Uebersetzung durch Wilhelm von St. Denis 801. Secundussage 549. Sedulius christlicherDichterl02. 386. 502. 522. 534. 611. 615. 692.' 797. Umdichtung des Paschale Carmen in vierzeilige rhythmische Strophen 492. Kommentar des Remigius bei Froumund 522. 525. Bei Odo 23. 35; bei Rather 50; bei Ot- loh 88; bei Jotsald 142 ff.; in der Vita Mathildas prior 185; in der Vita Mathildis post. 188 f.; bei Johannes Cana- parius 230; in der Vita Kad- droae 237; bei Aimoin 241. 243; bei Dudo 259. 264; bei Bemward von Hildesheim 273; bei Ademar 289. 293; bei Arnold von St. Emmeram 310; bei Andreas von Pleury 334; bei Letald 430; bei Wulstan 444 f.; bei Theoderich von Fleury454; bei Olbert 458f.; bei Gonzo 465; bei Fridegod 498. 500; bei Walther von Speier 506; bei Purchard 510; beiFroumund(?)522; bei Adal- bero von Laon 526 f.; bei Angelram 534f.; im Ruodlieb 553: bei Amarcius 573: bei Warner 577; bei Embricho 583. 586. 590; in Arnulfs Delicie cleri 591; bei Gualdo 608; im sog. Carmen Winrici 613; bei Heinrich von Augsburg 615; bei Alphanus 624 f. 630. 633; bei Asser 653; bei Abbo 671; bei Fulbert 690; bei Byrhtferth 703; bei Anselm von Besäte 710: bei Papias 719. 722f.; bei Ursus von Benevent 807. Sedulius Scottus 804. Exzerpte der Orationes Philippicae 711. Matthäuskommentar802. Pau- 'luskollektaneum 802. Kommentare zu Eutyches, Priscian und Donat 802. Expositio in canones Eusebii 802. Sendebald Graf von Toul, Epitaph 441. Seneca der Aeltere, Controver- siae 11. 383. 731. Seneca der Jüngere 176. 614. 726.805; bei Rather 42.50; bei Otloh 94 f. (Proverbia Sen.); bei Berengar 120; bei Waifar 487; bei Papias 722 (Tragödien). Gedicht in einer Hs. der Senecabriefe (Metens. 300) 614. Angeblicher Briefwechsel mit Paulus 614. 726. Senesius Heiliger 531 f. Sententie VII sapientum in Arnulfs Delicie cleri 589. Seon 605. Septuaginta I 562. II 70. 499. Sequenzen 71. 148. 325. 328. 367. 443. 445. 492. 565. 775 ff. Serapionis regula 531. Q. Serenus, medizinisches Gedicht 540; bei Odo vonMeung (?) 540; bei Amarcius 573. Serenus Patriarch von Aquileja 248. 252. Sergius Grammatiker, in De par- tibus orationis 800. Sergius = Servius 801. Sergius IL Papst 204. Sermo de XL martyribus Theoderichs von Pleury 450. Servius, Kommentar zur Aeneis, bei Adam von Bremen (?) 411; in der Bibliothek Adsos 438; bei Walther von Speier 505; bei Purchard (?) 510; im Ruodlieb (?) 553: bei Ekkehart IV. 562; bei Aynard 639. 662 f.; bei Remigius 659; bei Abbo 668; bei Anselm von Besäte 708. 710. 713; in einem astronomischen Briefe 801; kürzere Passung beim Mythogr. Vatic. II 657 ff. De metris Horatii bei Papias 719 f. Seulf Erzbischof von Reims 156. 159. 163. Severinus Heiliger 578. Severus Patriarch von Aquileja 252. Sewin Erzbischof von Sens 666. Sextus Amarcius Gallus Piosi- stratus 569. 572. Sextussprüche bei Jonas von Orleans 804; bei Sedulius Scottus 804. Sibyllen 433. 440. 600. 626. 719. Sicard Fürst von Benevent 199. Siebard Herzog von Salerno 198. Sichelm von Reggio, Lehrer Anselms von Besäte 708 f. 712 f. Sico Beneventaner 199. Sidonius(stattSinodicus)Gediclit Warners von Basel 580. Sidonius Apollinaris 586; bei Flodoard 161; in der Vita Mathildis post. 188; bei Bur- chard von Worms 280. Siebod Graf von Alby 146. Siegfried Graf von Walbeck 265. 267. Sifrid n. Bischof von Hildesheim 275. Sigebert von Gembloux Geschichtschreiber 44. 51 f. 56 f. 60. 65 f. 69. 124. 166 f. 172. 174.178. 226 ff. 244. 281.283. 302.353.369.392 ff. 412.457 ff. 536 ff. 540.544. 561.573. 590. 669. 693. 725. 743 ff. 749. 752. 758. 781. 784. 786. 801. 808. Sigebert Frankenkönig 727. Sige bert lothringischer Graf 356. Sigefred Bischof von Piacenza 708. Sigefrid (Sigfrid) Abt von Fulda, Erzbischof von Mainz 388. 392 f. 471. 476. Alphabetische Begister. 865 Sigehard von St. Maximin 462; Miracula s. Maximini lib. II 416.420 ff.; in Verse gebracht (Epigrammatascolastici)421f. Sigeric Erzbischof von Canter- bury 676. 680. Sigfrid (Sigifi'id) Abt von Gorze 384. 386. 570. Sigfrid Abt zu St. Johannes in Magdeburg 267 f. Sigibald Regensburger Kleriker (?) 312. Sigibert Mönch in Regensburg (?) 308. 312. Sigihard Mönch von Tegernsee 520. Sigihard Mönch (?) 420. Sigihard bayrischer Graf 593. Sigimarwestfränkischer Kleriker 291. 293. Sigismund Allobrogerkönig 472. Sigo Lehrer in Chartres 558. 560. 683. 691. Sigo Bücherschenkgeber 462. Silius Italicus 504 f. Silvester I. Papst 158. 180 f. Silvesterll. Papst (Gerbert) 512 f. 515. 526. 539. 735 f. 739. 745. Silvester opilio 33. Simon Abt von St. Ghislain 462 f. Simon magus 435. 441. Simonie, Simonisten 72.320.350. 383 f. 396.558. 573.665. 683 f. 751. 754. Simplicius 604. Simson 295. 605. Sintlaz Alemannenfürst 446 f. Sion 326. Sirdianus Mönch von S. Giorigio in Venedig 80. Siriaudus Abt von St. Symphorian zu Metz 256. Sisebutus Westgotenkönig, Gedicht 798. Slavische Sprache 267; beiThiet- mar 266; bei Laurentius von Montecassino 305. Smaragdus Abt von St. Mihiel, Einleitungsgedicht zum Kommentar der Regula s. Bene- dicti bei Aimoin 241. Donat- kommentar in Adsos Bibliothek 438. Grammatik 660. Liber Comitis 806; bei Johann von St. Arnulf 191; beiBern 66; bei Johann von Gorze 806; bei ■ Aimoin 806. Lectiones 806. AngelsächsischeUebersetzung der Homilien durch Aelfric 676. 680. 806. Sobbo Erzbischof von Reims 38. 164. Sokrates 88. 112. 301. 327. 364. 366. 455. 485. 489. 559. 581. Manitius, Lateinische Literatur 591; fürFulbert von Chartres 103. 559 f. Solinus 13. 22; bei Rather 50; in der Vita Kaddroae 2371; in den Gesta Cnutonis 331; bei Adam von Bremen 402. 406 ff. 412; bei Ekkehart IV. 565. Somnatius Erzbischof von Reims 162 (s. Sobbo). Sophia Aebtissin von Ganders- heim 269. Sophia Person im Synodicus Warners von Basel 576—579. Sophienkirche 578. Soranus mit Hippokrates und Galen kompiliert 215. 218. Sother 602. Spezereien 540. 544. Speisen 565. Spermologus (= Hieronymi Ep. 89) 309. Spinx (Sphinx) 314. 316. Sprichwörter 65. 112. 179. 188. 202. 301. 308. 325. 332. 352. 371. 375. 410. 455. 463. 483. 539. 548. 554. 572. 589. 600. 605. 636. 714. 748. Sprachpoesie 94 f. 319. 326. 536 ff. Stabreim 298. Statius 11. 267. 322. 567. 611. Papinius Statius Sursulus bei Franco von Lüttich 783. 785. Hs. der Achilleis von Gerbert verlangt 731. Bei Rather 50; beiWolfhere 314; bei Wipo 321. 326; bei Gozwin 477; bei Walther 504 ff.; bei Frou- mund 522. 525; bei Warner 578. 580; bei Gerbert 731. Stenogaudus Mönch in St. Mes- min 427. 430. Stefanus magister, De synodo Ticinensi 798. Stephan II. Papst 213. Leben im Liber pontificalis 198. Stephan III. Papst 460. Stephan VII. Papst, Briefe an Fulco von Reims 163. Stephan VIII. Papst 371. Stephan X. Papst 382. 385. Stephan Kardinal 112. 121. Stephan Bischof von Clermont 142. 144. Stephan Bischof von Lüttich 34. 212 f. 373 ff. Passio Lamberti 212. 373. 375; De divinis of- flciis 212; Hymnen 212; sämtlich bei Sigebert 212; de div. off. bei Anselm von Lüttich 212. 373. Responsorium de s. trinitate bei Anselm von Lüttich 213. 372. 375. Stephan Bischof von Troja 484 f. des Mittelalters. II. Stephan von Novara 712. 810. Verse 810. Stephan König von Ungarn 75 f. 80. 82 f. 727. Stephan Vater des Andreas von Fleury 331. 335. Stephanus protomartyr 212. 373. 427. 430. 556 f. 577. Stephanus s. Aeddi. Stercoranisten Sekte 118. Storesaiz (Stoleseyz) langobar- discher Beamter 199. 202. Strabus s. Walahfrid. Suasoriae im Rhetorikunterricht 708. Suetonius 145.586. Auszüge 807; beiVincenzvonBeauvais 807. Sueton in Fulda, bei Lupus und Heiric807; bei Atto29; bei Rather 42; bei Gauzlin 333; bei Einhart 652. 807; bei Pa- pias 721. Angebliche Hauptquelle für Isidors Etymologiae 794. Sulla 486. Sulpicius Severus 22. 133. 296. 414.422.531. Bearbeitung der Dialoge durch Odo von Cluni 133. Vita s. Martini und Dia- logi in der Vita Burchardi Wor- mat 57. 300. 302; bei Bern 68; bei Johannes Romanus 133; bei Alchvine 140; bei Jotsald 144; bei Gilo von Cluni 149: bei Ruotger 177; bei Benedikt von St. Andrea 180; in der Vita Mathildis prior 184 ff.; in derVitaMathildispost. 189: bei Johann von St. Arnulf 191; bei Richer 219; in der Vita Kaddroae 238 f.; bei Johannes im Chron. Venetum 248; bei Thangmar 271; in den Annal. Quedlinburgenses 277; beiAl- pert 281. 283; bei Godehard 315 f.; in den Gesta Cnutonis 331; in den Gesta episc. Ca- meracensium 337. 343; in der Vita Gaugerici post. 346; bei Lantbert 365; bei Anselm von Lüttich 374 f.; in der Vita Bar- donis aus Fulda 378 f.; bei Marianus 392; bei Letald 431; bei Adso 436; bei Theoderich von Fleury 455; in der Vita Adalhardi post. 466 ff.; bei Bertha von Vilich 469; bei Theoderich von Tholey 484; bei Waifar 488; bei Abbo 670; bei Fulbert 686; bei Byrht- ferth 706; bei Anselm von Besäte 710; beiWalo von St. Arnulf 725; bei Ursus von Benevent 807. Superifames s. Hyperefanes. 55 866 Alphabetische Register. Sursulus (Surculus) mittelalterlicher Beiname des Statius 314. 316. 783. 785. _ Sunnia Korrespondentin des Hie- ronymus 73. Svein s. Sven. Sven Dänenkönig 330 f. 399 ff. 401. 406 f. 409 f. 412. Swithun Heiliger 443. Hymnus auf ihn von Wulstan 492. Symeonis porta in Trier 612 f. Symmachus 158. 165. 180. 656. 782. 785. Symphosius Rätseldichter 291. Syrus Abt 145 f. Syrus Mönch in Cluni 128.136— 139. Vita Maioli 136—139. 145. 808. T. Tachygraphie 672. 732. 805. Tacitus bei Cassiodor 793; in Hersfeld 376; bei Adam von Bremen (?) 407 f. 411. Tadilo Dekan in Hildesheim 275. Tagino (Dhageno) Erzbischof von Magdeburg 232. 265—268. Tapinus 605. Tarquinius (Superbus) 327. Tathbert (Tatbreht) Bischof von Riga 497. 500. Telestichon I 554. II 521. 671. Tenebros 600. Terentianus philosophus 35. Terentianus Maurus bei Atto 28; bei Byrhtferth 702. Terentius 11. 14. 611. Kommentar des Remigius 662. Trivialscholien im Monac. 14420 794. Kommentar in Adsos Bibliothek (?) 438. An- dria übersetzt von Notker 695. Terenz bei Odo 22; bei Rather 42. 50. 52; bei Ebrachar 48; bei Bern 71; bei Gerhard von Czancäd 76 f. 79. 81; bei Ot- loh 88; bei Berengar 122; bei Liudprand 169.173; beiRuot- ger 177; in der Vita Mathildis prior 184. 186; bei Johann von St. Arnulf 195; beiHeriger224; bei Aimoin 241; bei Thietmar 268; bei Thangmar 271 f.; bei Alpert281; bei Ademar 289; im Chron. Novaliciense 296; in der Vita Burchardi Wormat. 301; in den Epist. Wormatien- ses 304; in den Gesta episc. Cameracensium 343; bei Ro- dulfus Glaber 349; in der Vita Balderici Leodiensis 382; bei Letald 430; bei Bernhard von Angers 461; bei Gonzo 465; in der Vita Adalhardi post. 466 ff.; bei Gozwin 475. 478; bei Odo von Canterbury 500; bei Walther von Speier 505; im Ruodlieb 553; bei Adelmann 560; bei Abbo 668. 670. 672; bei Byrhtferth 702. 705; bei Bebo 707; bei Onulf von Speier 716; bei Papias 722 f.; bei Gerbert 731. 738; in Adal- bolds Vita Heinrici IL 748; bei Hermann von Reichenau 770 f.; bei Pranco von Lüttich 782. 785; bei Johann VIII. 814. Terpsicore 591. Terrentius grammaticus bei Vir- gilius Maro 796. Tertullian 725. Tetragrammaton I 573. Tetrameter, katalektische daktylische I 557. II 261. Tetrasticha I 570. Teucer 478. Teutonica lingua II 386. Teutberga Gemahlin Lothars IL 193. Thangmar Domdechant inHildes- heim 126. 129. Thangmar Presbyter in Hildesheim 220. 222. 268—275. Vita Bernwardi 220.222.268—275. 314 f.; in den Annal. Hildesheimenses 275. 284; bei Wolf- here 275.315; in der Chronica episc. Hildesheimensium 275; in der Translatio s. Bernwardi 275; in den Annal. Altahenses 395. Fortsetzungen 275. Ueber den Gandersheimer Kirchenstreit 269—273 f. Translatio s. Epiphanii (?) 269. 273. 416; beiVincenz von Beauvais und bei Hermann von Lebeke 273. Thangwardo Presbyter in Hildesheim 273. Thebais des Statius 783. 785. Thebani iuvenes 326. Thegan, Vita Ludovici Pii bei Elodoard 162; bei Marianus 392 Theobald s. Theodald. Theodald Bischof von Arezzo 749 ff. 753 f. 756. Theodard Bischof von Lüttich 372. 374. Theoderich I. Bischof von Metz 52.190. 193 ff. 238. 278 f. 281. 441. Theoderich II. Bischof von Metz 253 f. 256 f. 279. 810. Theoderich Bischof von Orleans 428. 683 f. Theoderich Bischof von Verdun 357. 359. 361. 482. 484. 613. Theoderich Engelhuus, Chroni- con 569. Theoderich Mönch in Pleury (Dietrich von Amorbach) 19. 415. 449—455. De consuetu- dinibus et statutis monast. Floriacensis libri duo 449.451. Vita Martini papae I. 415.450. 452 f. Sermo de XL martyri- bus 450. 452. Passio s. An- thimi et sociorum 450. 452. Translatio capitis s. Damiani 450. 452. Translatio ss. Basi- lidis Tripodis et Magdalis 450. 452. Illatio s.BenedictiFloria- cum 415. 451 f. 454. Vita s. Firmani 415. 450 f. 453. Passio ss. Tryphonis et Respicü 415.450.452 f. Kommentar zu den katholischen Briefen 451 f. 454 f. De locis terrae sanctae liberf?) 451. Epistolae (?) 451. Carmina (?) 451. Hymnus in s. Maurum 452. Theoderich von St. Ouen, Vita s. Audoeni 496. Theoderich Mönch in Tholey 415. 482 ff. Vita Konradi 415.482 ff. Werk über Gregor VII. 483 f. Theoderich von Trier 415. 456 f. Translatio s. Celsi 415. 456 f. Theoderich der Große, Ostgoten- könig 276. 278. 296. Theoderich Frankenkönig 446 f. Theoderich Stiftsvogt in Trier 482 f. Theoderich Italiener 29. Theodin Mönch in Montecassino 623. 627 f. 634. Theodisca lingua I 299. 301. Theodoice = Theodisce 647. Theodor Erzbischof von Canterbury 648. 673. 797. Poeniten- tiale bei Hermann von Reichenau 760 f. Theodor Bischof von Pavia 30. Theodor römischer Sänger 286. Theodoret 793. Theodosius der Große, Kaiser 131. 250. 578. 582. 586. Theodosius der Jüngere, Kaiser 472. Theoduin Bischof von Metz 194. Theoduin s. Dietwin. Theodul, Ekloge 11. 758. 811 f.; bei Warner von Basel 494. 576 ff.; bei Eupolemius 494. 600; bei Hermann von Reichenau 758. Theodulf Bischof von Orleans 30.161. 336. 427 f. 430. 810: Christliche Dichterhs. 810. Ovidüberlieferung 811. Vita Theodulfi 161. Theokrit, angebliches Zitat bei Papias 720. Theologie I 50. 88—108. 368 —441. II 18—124. Alphabetische Register. 867 Theonestus Heiliger 472 f. Theophano Gemahlin Ottos III. 17.91.141.271.274.730.733 f. 737. Theophilus, Liber urinarum 545. Theophilus Alexandrinus, Cycli paschales bei Hermann von Reichenau 760 f. Theopompus Heiliger 531. Theopystius s. Candidus. Thespis angeblicher Dichter 464 f. Thendelinde Langobardenköni- gin I 103. Theudemir Abt von Psalmody 805. Theuderich IV. Frankenkönig 795. Thideric von Berne s. Theoderich d. Gr. Thietbert Mönch in St. Maximin 421. Thietled Einwohner im Henne- gau 459. Thietmar Bischof von Merseburg 126.186. 248. 265—268. 311. 314. 732. 736. 746. 813. Chronicon 265—268; bei Adal- bold in der Vita Heinrici IL 267.747; in der Vita Mein- werci Patherbrunn. 267; Kor- veier Abschrift beim Anna- lista Saxo 267. Thietwin Bischof von Lüttich 373 f. Thiofrid von Echternach 478 —482. 797. Vita s. Liutwini 415.478—481. Vita s. Basini 415. 480 ff. Flores epitaphii sanctorum 479. Vita s.Willi- brordi 479. 481. Miracula s. Liutwini 480. Thlepsis (dlhpig) Person im Syno- dicus Warners von Basel 576 —590. Thomas, Hist. comitum Ande- gavensium 353. Thomas Scottus, ob Verfasser vonQuadamnocte niger? 806. Liber aenigmatum an Hildvin 806. Thor mit Jupiter gleichgestellt 411. Thomeganus Beiname Byrht- ferths 705. Threni des Jeremias I 404. 407. 410. Tibullus, Freisinger Exzerpte 224. Bei Heriger von Laubach 224.374. Bei Anselm von Lüttich (?) 374. Tichonii regulae bei Papias 719. Tiere, sprechende 384. Tierkreis I 123. 704. Tiersage und Tierfabel 616.626. 634. Tierwelt, arktische 406. Tigernach Borchecb Lehrer des Marianus Scottus 388. Tilpinus Erzbischof von Reims 162. Timäusd.Plato (Chalcidius) 581. Timo ostfränkischer Pfalzgraf 812. Tiradenreim I 155. II 256. 440. 690. 770 f. Tironische Noten 672. 732. Titus 29.158. 320. 326. Todesca lingua (deutsch) 202. Töne der Tonleiter bezeichnet durch Guido von Arezzo 750. Tractatus de XII lapidibus 204. Traditiones Eberspergenses 593. 596. Trajanssäule 269. Traianus 158.165. 429. Translatio ss. Abundii et Abun- dantii 231. Translatio s. Alexandri Rudolfs von Fulda 402. Translatio s. Autberti Camera- censis 692. Translatio s. Bartholomaei bei Benedikt von St. Andrea 180. Translatio ss. Basilidis Tripodis et Magdalis Theoderichs von Fleury 450. Translatio s. Benedicti Adalberts von Fleury 242. 451. Translatio ss. Benedicti et Scho- lasticae Giralds von Fleury 491; bei Andreas in der Vita Gauzlini 492. Translatio s. Bernwardi 275. Translatio s. Celsi Theoderichs von Trier 415. 456 f. Translatio capitis s. Damiani Theoderichs von Fleury 450. Translatio s. Dionysii Otlohs 100 f. Translatio s. Ealphegi Winton. 680. Translatio s. Epiphanii 269.273. 416. Translatio s. Gaugerici 692. Translatio et miracula s. Helenae bei Flodoard 162. Translatio s. Hymerii 171. Translatio s. Remigii bei Flodoard 161. Translatio s. Ricberti archiep. Rem. bei Flodoard 162. Translatio sanguinis domini 511. 760 f. Translatio ss. Senesii et Theo- pompi 532. Translatio s. Servatii 714. Translatio s. Sinduln Altmanns bei Flodoard 162. Translatio s. Trophimenae im Chron. Salernitanum 198. Translatio s.Viti 466.468. Transmund Verwandter Pan- dulfs von Marsicanum 623. 626. 634. Transsubstantiation I 404. 409. 413. II 103. 559. Trimeter daktylische, katalek- tische 259. 261. 587; hyper- katalektische 259. 290. 629; jambische 157.159. Trithemius Abt von Sponheim 364 ff. 389. 393 f. 451. Chronicon Hirsaugiense 389. Ann. Hirsaugienses 765. Trivium I 533. II 12. 80. 104. 505. 535 f. 638—725. Trochäische Achtsilber 320; Di- meter 1 196. II 113. Siebensilber 257; Tetrameter 1 196. 202 Trohannus Bischof von Orleans 428. Trojanerkrieg 251. Trojanersage der Franken 129. 339. 799; bei Aimoin241; bei Wipo 325: in der Vita Adal- hardi post. 466. Troparium von St.Martial 291. 294. Tropen Berns von Reichenau 71. Trophimena Heilige 198. Tschechische Sprache 306. Tucca Herausgeber der Aeneis 782. 785. Tullius s. Cicero. Tullus (Servius Tullius) 327. Tuotilo Mönch in St. Gallen 567. Turmbau zu Babel 605. Turnus 14. 326. 352. 363 f. Turpio Bischof von Limoges 284. 287. 291. Tuto Bischof von Regensburg 183. 308. U. Udalrich (Oudalricus, Udalricus) Bischof von Augsburg 68. 71. 129.203-210. Synodalpredigt 203. Briefe 203. Udalrich (Odolricus) Bischof von Orleans 350. 352. 685. Udalrich Abt von St. Emmeram 310 f. Udalrich von Bamberg, Briefsammlung 166. 203.767.770. Udo Erzbischof von Trier 479. 481. Udo Graf in Burgund 319. Ugo s. Hugo. Ulixes s. Ulysses. Ulrich Bischof von Brescia 561. Ulysses 237 f. 474. 55* 868 Alphabetische Register. Umbertus falsch ergänzt fürVi- talis 669. Uncialschrift, lateinische I 251. II 713; griechische 802. Unni Erzbischof von Hamburg- Bremen 403. 410. Unwan Erzbischof von Hamburg- Bremen 403. 410. Urban IL Papst 117. 148. Urbanus Vater der* hl. Christina 630. 633. Ursio Bischof von Verdun 360. Ursmar Heiliger, erster Abt von Laubach 39. 212 f. 225. 686. 692. Urso Diakonus in Verona 38 f. 50. Ursula Heilige 625. Ursus Heiliger 62. 64 f. Ursus Bischof von Metz 257. Ursus Patriarch von Grado 248. 252. Ursus Bischof von Benevent 807. Adbreviatio artis grammati- cao 807. Urvasius s. Oribasius. Ustiure slavischer Name bei Thietmar 267. Usuard (Iswardus), Martyrolo- gium 804. Uto s. Udo. Valens Kaiser 180. Valeria Heilige 290. Valerius, De novae vitae institu- tione 796. Valerius Maximus 21. 807. In- haltsverzeichnis807. Exzerpte von Lupus und Heiric beiVin- cenz von Beauvais 807. Bei Gauzlin von Fleury (als Valerius Rufus) 332; bei Fulbert 684. 692. Varro in Monte Cassino 5. 10. 485.488; in Oxford 15; bei Atto (nach Isidor) 29; bei Al- phanus (?) 635 f.; bei Byrht- ferth (nach Augustin) 702; bei Papias (aus Augustin) 720; in De libris grammaticorum 801. Varus (für Varius) Herausgeber der Aeneis 782. 785. Vedastus Heiliger 338. 340. 343. 686. Vegetius, Handschrift 814; im Prisciankommentar des Re- migius 808. Venantius Fortunatus 102.195. 386. 443. 496. 619. 625. 628. 653. 797 f. Bei Odo 24; bei Plodoard 161.165; in der Vita Mathildis prior 184 f.: in der Vita Mathildis post. 188; bei Dudo 259. 261. 264; im Epitaphium Warendrudis 329; bei Bertar 354 f.; bei Adso 437; bei Wulstan 445 f.; bei Gerhard von Soissons 496; bei Eroumund 525; im Ruodlieb 553; bei Alphanus 630. VenetianischeGeschichtsquellen des X. und XL Jahrhunderts 246 ff. Venus 604. 713 f. Verena Heilige 71. Vergilius 11. 14. 296. 364. 502. 504. 531. 567. 586. 611. 641. 798. Hs. Rahings von Flavigny 357. Notkers Uebersetzung der Bucolica 695. Irische Vita Vergilii798. Bei Odo 20 f. 23. 25. 133; bei Atto 28 f.; bei Rather 42; bei Bern 68; bei Otloh 88; bei Syrus von Cluni 137; bei Maiolus von Cluni 137; bei Jotsald von Cluni 145. 149; bei Flodoard 159; bei Liudprand 169.173; bei Ruot- ger 177; bei Gumpold 183; in der Vita Mathildis prior 185; in der Vita Mathildis post. 188; bei Johann von St. Arnulf 199 ; in den Miracula s. Gorgonii 196; im Chron. Salernitanum 198. 201 f.; beiFolcvin 213; hei Heriger 224; in der Pas- sio s. Adalberti Prag. 229; bei Johannes Canaparius 230; bei Brun von Querfurt 233; in der Vita Kaddroae 238 f.; bei Aimoin 241; bei Dudo 259 f. 264; bei Thietmar 268; in der Translatio s. Epiphanii 273; in den Ann. Quedlinburgenses 277; bei Ademar 2891; bei Ebbo von Worms 303; bei Laurentius von Montecassino 305; bei Meginfrid 307; bei Arnold von St. Emmeram 310; bei Wolfhere 316. 318; bei Wipo 321. 326; in den Gesta Cnutonis 330 f.; bei Andreas von Fleury 333.335 f.; bei Rodulf us Glaber 349. 352; bei Vilgard von Ravenna 349.352; hei Onulf von Blandigny 363 f.; bei Anselm von Lüttich 374 f.; in der Vita Bardonis aus Fulda 378 f.; in der Vita Balderici Leod. 381 f.; in den Ann. Alta- henses 397; bei Adam von Bremen 407 f. 410. 412; bei Adso 436 f.; bei Wulstan 444 j in der Vita s. Pirminii 446; bei Theoderich von Fleury 454 f. bei Olbert 458 f.; bei Bernhard von Angers 461; bei Rainer von St. Ghislain 463; bei Gonzo 465; in der Vita Adal- hardi post. 467 f.; bei Gozwin 471. 477; bei Gerhard von Soissons 496; beiFridegod 498. 500; bei Walther von Speier 505 f.; bei Froumund 525; bei Adalbero von Laon 526; bei Angelram 534 f.; bei Egbert 539; im Ruodlieb 548.553; bei Ekkehart IV. 566; bei Hugo von Trimberg 572 f.; bei Manfred von Magdeburg 575 f.; bei Warner 578. 580; bei Em- bricho 583; in Arnulfs Delicie cleri 589 ff.; bei Williram 597; bei Eupolemius 600. 604 f.; beim Dichter einer Messiade 604 f.; bei Gualdo 608; bei Gislebert 609 f.; im sog. Carmen Winrici 613; bei Transmund von Salerno 626; bei Alphanus 630. 633. 636 f.; bei Asser653;beiAbbo668.670ff.; bei Fulbert 686. 688. 690; bei Byrhtferth 702. 706; bei Anselm von Besäte 712.714; bei Papias 720 f. 723; bei Walo von St. Arnulf 724; bei Gerbert 731. 738; in einem Gedicht aus St. Maur des Fosses 752; bei Guido von Arezzo 755; bei Hermann von Reichenau 763.768.770 f.; bei Franco von Lüttich 782. 785; bei Cosmas von Prag 784. Veronus Heiliger 457—459. Versus anacyclici bei Ouulf 716. Versus de Asia 798. Versus de s. Maria von Girald von Fleury 491. Versus adpicturas Ekkeharts IV. 566. Versus de provintiis parcium mundi 508. Versus de sexetatibus mundi 798. Versus, unbekannt 692. Vespasianus 320. 326. Vesta 635. Victor IL Papst 119. 382. 385. 563 f. 619. 632. Victor Martyritanus 65. Victor Tonnennensis 798. Victor Vitensis bei Theodericli von Fleury 455. Victor römischer Beamter 622. Victoricus Heiliger 419. Victorinus Grammatiker 158. 165. Kommentar zu Cicero De inventione 664; von Not- ker als Pfand gegeben 695; bei Notker 698; bei Anselm von Besäte 713; bei Papias 719; in De libris grammaticorum 801. Bearbeitung von Porphyrius Isagoge 11. 191. 733; bei Gerbert 731. Alphabetische Register. 869 Victorius (Victurius). Calculus 299 f. 795. Epistola bei Marianus 392. Bei Byhrtferth 701; bei Hermann von Reichenau 760 f. Kommentar von Abbo 639. 669 f. Videnus = Vitonus 360. Vilgard von Ravenna Grammatiker 349 f. 352. 363; bei Rodulf 349 f. 352. Vincentius Heiliger 494.533.535. 587 f. 628. Vincenz von Beauvais 546. 573. 803. 807. Virgiliani versus 634. Virgilius Maro, Grammatiker 705. 796. Bei Avnard (?) 660. 663; bei Abbo 670; in De libris grammaticorum 801; bei Ursus von Benevent 807. Virtutes s. Eugenii 416. In der Vita s. Gerhardi Broniensis 371. Virtutes s. Geretrudis 795. Visiones 14. 68. 90 f. 144. 149. 205. 277. 297. 301. 309 f. 313. 315. 317. 350 ff. 362 ff. 376. 383. 443 f. Adamnani 799. Taxeotis des Anastasius Mon- achus 423. Vilgardi 349 f. 352. WettiniHeitosbeiFolcvin 213; bei Hermann von Reichenau 760 f. Vita Abbonis Floriacensis von Aimoin 125. 243 f. 668. Vita Adalberonis II. Metensis von Konstantin von Metz 129. 255—259. Vita Adalberti Pragensis von Johannes Canaparius 129.220. 222. 229 ff. Bruns von Querfurt 230—235. 515. Vita Adalberti Pragensis post. 229. Vita Adalberti archiep. Magde- burgensis 184. Vita Adalberti Egmondani von Ruopert von Mettlach 415. Vita s. Adalhardi Corbei. von Ratbert von Corbie 416; Vita post. von einem CorbierMönche 465—468. Vita s. Adelheidis Vilicensis von Bertha 415. 469 f. Vita s. Aegidii von Fulbert 415. 576. 578. 687. 689. 693. Vita s. Aichadri in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita s. Aldegundis in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita Alfredi regis Anglorum von Asser 128. 497. 651. 656. Vita s. Altonis von Otloh 101 f. 415. Vita s. Amandi im Libellus de rebus Trevirensibus 328. Vita s. Amati in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita s. Ambrosii des Paulinus bei Flodoard 159. Vita s. Ammonis in Jobanns Vita Odonis 133. Vita Andreae Floriacensis von Gauzlin 129. 242. Vita s. Anselmi abbat. Nonan- tulani im Chron. Salernitanum 198. Vita s. Anskarii von Rimbert 814; bei Adam von Bremen 402. 407.410. Von Gualdo 492.606 —608. Vita s. Apri Tullensis episcopi 441. Vita s. Arnulfi Metensis episcopi bei Johann von St. Arnulf 193. 195; im Libellus de rebus Trevirensibus 328; in der Vita s. Chrodegangi 197. Vita s. Audoeni prior 501; von Fridegod 501; metrica von Theoderich von St. Ouen 496. Vita s. Austrebertae von Angil- ram 533. 535. Vita s. Autberti von Fulbert (Car- notensis?Cameracensis?)338. 341.686.692. Vita Balderici episc. Leodiensis 129.379—382; bei Anselm von Lüttich 381; bei Aegidius von Orval 381; in der Vita Wol- bodonis Leodiensis 381. Vita s. Barbati episc. Beneven- tani bei Benedikt von St. Andrea 180. Vitae Bardonis archiep. Moguntini 129. 375—379. Vita Basini archiep. Trevirensis von Thiofrid von Echternach 415. 478—482. Vita s. Basoli prior 442; bei Flodoard 162. Von Adso 415. 436 f. 441 f.; bei Lanrentius von Lüttich 359. 361. Vita s. Benedicti 241; bei Ekke- hart IV. 564; metrischer Prolog von Gauslin 241. Vita Bennonis episc. Osnabru- gensis 756. Vita Bernwardi episc. Hildes- heimensis von Thangmar 126. 129. 220. 222. 268 ff. Vita Bercharii prior bei Adso 437. Von Adso 415.433.437 f. 442. Vita Boethii 518. Vita Bonifacii III. papae bei Johannes Diaconus 247. Vita Bonifatii IV. papae bei Johannes Diaconus 247. Vita s. Bonifatii archiep. Moguntini von Willibald 85.87.92 f. 395.813; in der Vitas. Chrodegangi 197; bei Arnold von St.Emmeram 312; bei Wolf- here 317: im Libellus de rebus Trevirensibus 328 f.; bei Adam von Bremen 402. Von Otloh 92 f. 415. Mainzer Vita bei Otloh 92 f. Vita Brunonis archiep. Colonien- sis von Ruotger 43.175—179. 206; bei Thietmar 265. Vita post. 42.179. Vita Burchardi episc. Wircibur- gensis 302. Vita Burchardi episc. Worma- tiensis 57—60.299—303; bei Rupert von Deutz 300 f.; im Chron. Wormatiense 301. Vita et passio s. Christinae von Alphanus 415. 630 ff. Vita et passio s. Christophori Walthers vouSpeier 502—506. Vita s. Chrodegangi episc. Metensis 194. 196 f. 415. Vita s. Clementis papae 429. 431. Vita s. Columbae 799. Vita s. Columbani bei Marianus 392; bei Adso 437. 441; bei Fridegod 501. Vita s. Cuthberti von Beda 193. Vita s. Deoderici (Theoderici) I. episc. Metensis von Sigebert 808. Vita s. Dionj r sii Areopagitae von Hildvin 429. 431; bei Otloh 100. Vita s. Dunstani archiep. Canta- brig. von Byrhtferth (?) 704 ff. Vita ss. duodecim fratrum prior 622. Von Alphanus 622. Vita s. Eadmundi regis von Abbo 415. 665. 670 f.; bei Aelfric 678. Vita Eldradi abb. Novaliciensis 294. 298. Vita s. Elifii bei Marianus 392. Vita s. Elphegi (Ealphegi) episc. Wintoniensis680; metrica680 Vita s. EmmerammiRatisbonen- sis von Cirinus von Freising 306.311.574 f. VonMeginfrid von Magdeburg 574 f. Vita s. Ermini Laubiensis in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita s. Ethehvoldi von Wulstan 415. 442 ff. Vita ss. Eucharii, Valerii et Ma- terni episc. Trevirensium bei Heriger 224. Vita s. Fides Agennensis 461 f. 492. 870 Alphabetische Register. Vita s. Firmani (in Fermo) prior 450. 452 ff. Von Theoderich von Fleury 415. 450. 453 f. Vita s.Folquini vonFolcvin 211 ff. 415. Vita s. Frodoberti Cellensis von Adso 415. 433 ff. 436. 440. Vita s. Furcaei (Fursei) confessoria 429. 431. Vita s.Galli vonWetti beiEkke- hart IV. 566. Von Walahfrid 798. Vitae s. Gaugerici priores 345. Von einem Cambraier Kleriker 341—347; in den Gesta episc. Cameracensium 338. 343 f. Vita Gauzlini von Andreas von Fleury 242 ff. 331 ff. 335. 492. Vita s. Genovevae 792. Vita s. Geraldi abbatis 467. Vita s. Geraldi comitis Odos 23 f. 27. Vita Gerardi Czanadensis 74 f. 79 f. 82. Vita s. Gerardi Tullensis von Widerich von St. Evre 384; bei Wibert 385 f. Vita s. Gerhardi Broniacensis prior 371; post. 129.174.370ff. Vita s. Germani Autisiodorensis bei Johann von St. Arnulf 191; bei Rodulfus 349. Vita s. Gertrudis in der Vita Ma- thildis prior 185; im Lib. de rebus Trevir. 328. Vita s. Gisleni von Rainer von St. Ghislain 415.462 f.; in der Vita s. Gerardi Broniac. 370 f. Vita s. Glodesindis von Johannes von St. Arnulf 193 ff. 415; im Libellus de rebus Trevirensi- bus 328. Vitae s. Godehardi von Wolfhere 86.129. 275. 283. 313 ff. 376. Vita s. Gregorii I. papae anti- quissima 795. Von Johannes Diaconus bei Odo von Cluni 21; bei Ekkehart IV. 564. Vita s. Grimbaldi von Goscelin 654. Vita s. Gudilae in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita s. Guntheri eremitae 318. Vita s. Hadalini Cellensis von Heriger (?) 224. 228. Vita s. Hathumodae 811. Vita Heinrici IL von Adalbold 128. 220. 222. 267. 281 f. 744. 747 f. Vita Heinrici IV 95. 513. Vita Heriberti archiep. Colonien- sis58.129.364—367.595.783. Vita s. Hieronymi 140. Vita s. Hilarii von Fortunatus 798. Vita Hilarionis von Hieronymus 157. Vita s. Huberti episc. Leodiensis 373. Vita Hugonis abb. Cluniacensis 14.128.147—155. Vita Hugonis Rotomagensis in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita s. Hunegundis von Bemer 415. 417—420. Vita Johannis anachoretae von Hieronymus bei Hermann von Reichenau 760 f. Vita Johannis eleemosynarii bei Johann von St. Arnulf 101. Vita Johannis abb. Gorziensis von Johann von St. Arnulf 128. 172. 190 ff. 806. Vita Johannis Reomaensis 798. Vita s. Juliani von Letald 415. 429 ff. Vita Kaddroae abbatis 129. 236 —239. Vita Karoli Magni von Einhart 195. 244. 271. 580. Vita Konradi archiep. Treviren- sis 415. 482—484. Vita s. Lamberti s.Vita s. Landeberti. Vita s. Landeberti (Lamberti) Leodiensis in der Vita s. Chro- degangi 197. Von Stephan von Lüttich 212 f. 373. 375. Vita metria 213. Vita s. Landelini abb. Laubien- sis in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita s. Landoaldi Traiectensis von Heriger 220 ff. 224 f. Vita b. Lanfranci archiep. Can- tuarensis von Milo Crispinus 105. 120. Vita s. Lebuini von Hucbald 812. Andere Vita 812. Vita Liutwini archiep. Treviren- sis von Thiofrid 415. 478— 481. Vita et passio Lucii papae von Waifar 415. 484. 486 f. 489. Vita Ludovici Pii vom Astrono- mus bei Aimoin 243 f. Vita s. Lupi episc. Trecensis bei Heriger 224; bei Bertar 354 f.; bei Laurentius von Lüttich 359. 361. Vita s. Madelvei (verloren) bei Laurentius von Lüttich 359. Vita s. Magni Campidonensis von Otloh 102 f. 415. Vita Mahumeti von Embricho von Mainz 494. 582—587. Vitae s. Maioli abb. Cluniacensis 14.128.136—141.145. 808. Vita Malchi des Hieronymus 157. Vita s. Mansueti prior 441. Von Adso 415. 434 f. Vita s. Mariae Aegyptiacae bei Otloh 98. 100. Vita s. Martialis 285. 287. Vita s. Martini papae von Theoderich vonFleury 415.450.453. Vita s. Martini episc. Turonensis 22. 316, s. Sulpicius Severus. Vita s. Martini ep. Turonensis von Fortunatus 261. 354. Vita s. Materni s.Vita s. Eucharii. VitaeMathildisreginael28.182f Prior 184—186; in der Pöhl- der Chronik 186. Vita posterior 186—189; bei Thietmar 186. 188; bei Ekkehard von Aura 189; beim Annalista Saxo 189. Vita s. Mauri von Faustus Re- iensis(?) bei Aimoin 241; bei Marianus 392; bei Hermann von Reichenau 760. Von Laurentius Casin. 304. 306. Vita s. Maxellendis in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita s. Maximini Miciacensis bei Bertar 354 f. 427. 430. Vita s. Maximini Trevirensis von Lupus 420. 807; von Sigehard 422 ff. Vita Meimverci episc. Pather- brunnensis 267. 318. 409. Vita s. Metronis Veronensis von Rather 415. Vita s. Nicolai von Otloh 85. 101 f. 415. Vita s. Nivardi von Altmann bei Flodoard 162. Vita Notkeri episc. Leodiensis (verloren) 222; bei Aegidius von Orval 222. Vitae Odilonis abb. Cluniacensis 128.142—147. 528. Vitae Odonis abb. Cluniacensis 20.22.24 f. 128-136.149.155. Vitae patrum 205.301.310.312; bei Adelger 53; bei Gezo 55; bei Otloh 98. 100; bei Guit- mund 119; bei Aelfric 677 f.; bei Fulbert 685. 690. Vita S.Pauli des Hieronymus 133. Vita s.Pauli Aureliani vonHues- sant bei Aimoin 241. Vita s. Pauli Virdunensis 354 f. Vita s. Pirminii prior 446 f.; post. 446—449; metrica 448 f. Vita Popponis abb. Stabulensis 14. 129. 352. 361—364. 564. 746. Vita s. Pygmenii bei Benedikt von St. Andrea 180. Vita ss. quinque fratrum Polo- niae 128. Vita s. Radegundis reginae Thu- ringorumFortunats in der Vita Alphabetische Register. 871 Mathildis reginae prior 185 f., post. 189. Vita s. Ragoberti (Ragnoberti) bei Plodoard 162. Vita s. Reginardi von Reiner 459. Vita s. Remacli prior bei Heriger 224. Von Notker (Heriger) 221. 223 ff. 227; in der Vita Hada- lini 225. Vita s. Remigii Remensis von Fortunat 161. Von Hincmar 161.481.798; bei Heriger 224. 227; im Prolog der Miracula s. Liutwim 804. Vita s. Richarii metrica von Angelram 491. 533 ff. 692. Vita s. Rigoberti archiep. Remensis im Libell. de rebus Trevirensibus (?) 328. Vita Rimberti archiep. Bremen- sis bei Adam von Bremen 402 f. Vita Roberti regis von Helgaud von Pleury 128. 367 ff. Vita s.Romani von Gerhard 491. 495 ff. Vita s. Salvii in den Gesta epi- scoporumCameracensium 338. 341. Vitae sanctorum 158. Vita s. Seeundini episc. Troien- sis von Waifar 415. Vita s. Servatii antiqua bei Heriger 224; bei Bertar 354 f. Vita Servatii 355. Vita Stephani regis Ungarorum 79 f. Vita Sturmi abb. Fuldensis von Eigil 459. Vita s. Swithuni von Wulstan 443 f. 446. 491. Vita s. Syri 55. Vita s. Theoderici Andaginensis 375. 463. 693. Vitae s. Theoderici von Reims 161. Vita Theodulfi bei Plodoard 161. Vita Udalrici episc. Augustani von Bern 68.71.415. Von Gerhard 68. 129. 203—210; bei Tbietmar 266. Von Gebhard 68. 207. 209 f. Vita s. Ursmari von Heriger 39. 227 f. 492. 686; bei Anselm von Lüttich 224; in den Gesta episc. Cameracensium 338. Vita s. Valerii bei Heriger 224. Vita s. Vedasti Alchvines in den Gesta episc. Cameracensium 338. 340. VitaVencezlavi ducis von Gum- pold 129.189. 206. 209. Vita s.Veroni Olberts 415.457 ff. Vita s. Vitaliani bei Beda 500. Vita s. Vitoni 354 f. Vita s. Walburgis (Walburgae, Waltburgis) 55. 746. 748. Vita s. Waideberti Luxoviensis prior 441. Von Adso 415. 435 f. 439. Vita s. Wiboradae 208. Vita s.Wilfridi Aeddis metrisch bearbeitet von Pridegod 491. 497-501. Vita s.WilhelmiDivionensis von Rodulf 348. 352. 516. Vita s. Willehadi bei Adam von Bremen 402. Vita s. Willibrordi 406; in der Vita s. Chrodegangi 197; im Libellus de rebus Trevirensibus 328; bei Adam von Bremen 406. 411. Vita s.Winnoci bei Polcvin 213. Vita s. Winwaloei 798. Vita s. Wolf helmi Brumvilaren- sis vonKonrad vonBrauweiler 123 f. Vita s. Wolfkangi Ratisbonensis 810. Otlohs 84. 95 f. Vita s. Wulfrani episcopi 533. Vitalis 538. Vitalis Heiliger (Verona) 43. Vitalis Mönch in Pleury 669. VitonusHeiliger(St.Vannes) 356. 358. 360 f. Vitruvius 499; in Hildesheim 274; in Köln 275; in den Epi- stolae Worin atienses 303; bei Hermann von Reichenau 763. 765. Vivianus Abt von St. Denis 369. Vivianus Dekan in St. Quentin 257. 263. Voces animantium bei Ekke- hart IV. 565; bei Papias 719. Vögelschlacht I 542. Völkerpsychologie 149.198.378. 396. 538. Volksgesänge 280. 298. Volkslatein I 443. 530. Volkslieder I 584. Volkssprache 370. 546. Volkstümliche Pflanzennamen 545. VolkstümlicheLateinaussprache 710. 713. Vulcanus 604. 659. Vulculd(Wlculd) Kaplan inMainz 129.376 ff. Vita Bardonis archiep. Moguntini 376 ff. Vulfrannus s. Wulfrain. W. Waerfrith s. Werfrith. Waifarius (Guaiferius) Abt von Salerno, Mönch in Monte Cas- sino 484—490. Vita Seeundini Trojensis episcopi 415. 484 —489. Gedicht auf Secundi- nus 484 f. Hymnus auf Se- eundinus 484 f. 488. Elegie auf Salemitaner 484 f. 488. Elegie auf den hl. Martinus 484 f. 488. Gedicht auf den Psalter 484 f. 487. Vita et pas- sioLucii papae 484.486 f. 489. Adventhomilie 485. Sermones 485. Gedicht auf das Wunder des hl. Jakobus 484 f. 492. Waimar Purst vonSalerno 619ff. 625. 632. Waiofar Herzog von Aquitanien 430. Wala Mönch in Corbie 466. Walahfrid Abt von Reichenau 510. 566. 761. 798. 802. 813. De eultura hortorum bei Odo von Meung 539. 541. 543. Vita s. Galli bei Hermann von Reichenau 760. Walburga Heilige 746. 748. Walburgis (Walpurga) Schwester des hl. Willibald 556 f. Walcher Bischof von Cambrai 344. Walcher Lebrer in Lüttich 109. 121. 470—478. 640. Waidebert Abt von Luxeuil 415. 435 f. 441. WaldetrudisHeilige(Mons)457 ff. Waldo Bischof von Como 33. Waldrada Gemahlin Lothars II. 193. Waleramus westfränkisch. Graf 684. Walerannus Bischof von Verdun 356 f. Walericus Heiliger (St. Valery) 533. 535. Walo Bischof von Metz 193.195. Walo von St. Arnulf in Metz 724 f. Briefe 724 f. Walpurga s. Walburgis. Walter Bischof von Orleans 428. Walter Abt von St. Bertin 211 ff. Walter Dekan in Toul 384. 386. Walter (Gerbert?) aus Burgund, Mitschüler Adelmanns 558. 560. Walter westfränkischerGraf 684. Waltharius Ekkeharts I. 298. 537. 562. 564. 812 f. Im Chro- nicon Novaliciense 295 f.; im Carmen de prodicione Gueno- nis 813; im französischen Rolandsepos 813. Walther Bischof von Speier 59 f. 226. 300. 302. 491. Passio s. Christophori (?) 491. Walther Subdiakon und vielleicht Bischof von Speier 501—506. Vita et passio s. Christophori 502—506. Gedicht auf Bai- 872 Alphabetische Register. derich von Speier 502 ff. Brief an Hazecha 503. Epitaph 563. "Walther Mönch in Novalese 295 —298. Lobgedichtauf ihn 296. Walther Kleriker in Paris 673. Walther von Aquitanien (Sage) 294 ff. Walthersage 296 f. Walzachora Uebertragung des Himmels auf eineplanasphaera 762. Wandalbert von Prüm 26. 157. Martyrologium 574. 770. Waning Lehrer in St. Gallen 204. 208. Wanizo Schreiber zu St. Gereon in Köln 746. Warendrudis Aebtissin von Pfal- zel, Epitaph 389. Warin Kleriker in Metz 558. 560. Warmann Bischof von Konstanz 64. 447. Warneher Kleriker in Toul 384. 386. Warnerius Abt 730. 735 % Warnerius Prior in Cluni 136.139. Warnerius von Basel 576—582. Synodicus (Sinodius, Sidonius) 494. 576—582. Paraclitus576. Bei Eberhardus Alemannicus 576; bei Galfred deVino Salvo 576; bei Hugo von Trimberg 576. Warnerius von Ouen, Gedichte 493. Watho s. Wazo. Wazo (Watho, Wazzo) Bischof vonLüttich 126. 223. 227. 372 —375. 458 ff. 463. 558. 682. 744 ff. 778 ff. 783 ff. Wecelin jüdischer Konvertit, Kleriker Herzog Konrads von Lothringen 281 ff. Weltchronik, schwäbische (Rei- chenauer) bei Wipo 323. 326; bei Hermann von Reichenau, in den Annal. Sangallensesund in der Epitome Sangallensis 760 f. Wenceslav 234. Wenceslaus Heiliger 304 ff. Wenilo Mönch in St. Maximin 421 f. Wenrich Scholasticus in Trier 613. Brief an Gregor VII. 613. Wenzeslaus Heiliger, Herzog von Böhmen 182 ff. Wenzeslaus Abt von Altaich 396. Werembold(Werinbold?) Mathematiker 783. 785. Werfrith (Waerferth, Werfreth) Bischof von Worcester 647. 654. Angelsächs.Uebersetzung von Gregors Dialogen 647. 649. Werinbold (Werembold?) Abt in Deutz 364. 366. 783. Werinfrid Abt von Stablo 221. 223 f. 227. Werinher Abt von Fulda 206. 209. Werinher Adressat des 2. Buches von Hermanns De utilitatibus astrolabii 763. 765. Werinher Franke 446. Werwulf Presbyter aus Mercia 647. Westgotische Schrift 794. Wetti Mönch in Reichenau,Vita s. Galli bei Ekkehart IV. 566; bearbeitet von Walahfrid Stra- bo 566. WibertGegenpapst(ClemensIIL) 597. Wibert Archidiakonus in Toul 382-386. VitaLeonisIX. 382 —386. Wibold Bischof von Cambrai, De alea (Rby tmimachia) in den Gesta episc. Cameracensium 338. 340. 343. Wiborad Rekluse von St. Gallen 204. 208 ff. Wibrandus de Wide 582. Wicfrid Bischof von Therouanne 212 f. Wicfrid Bischof von Verdun 356. 358. Wichard Abt vonBlandigny362f. Wichram von St. Gallen, Kom- putus 727—729. Wichmann Graf von Hamalant 280. 282. Wicpert ob wirklicher Name des Eupolemius? 599. Widerich von St. Evre, Vita s. Gerardi Tullensis 384. Wido Erzbischof von Reims 350. 352. Wido Bischof von Osnabrück 155 Wido Abt von St. Evre 439. Wido französischer Kleriker 527. Widukmd von Korvei, Res gestae Saxonicae 177. 179. 198. 205. 219. 276. 815; in Monte Cas- sino 5; bei Thietmar 266. 268. Neue Handschriften 815. Wigbert Bischof von Merseburg 265. 267. 736. Wigbod Kommentar zum Okta- teuch 800. Wigger Propst in Hildesheim 275. Wigneric Bischof von Metz 196. Wigo Mönch in Tegernsee, Dekan in Feuchtwangen 518 f. 523. Briefe 420. 523. Wigold Bischof von Augsburg 615. 617. WikerAbtvonSt.Maximin420if Wild bei Ekkehart IV. 565. Wilderod Bischof von Strafsburg 737. Wilfric von St. Augustin 705. Wilfrid Erzbischof von York 497 —501. Wilhelm Abt von St. Benigne zu Dijon347.349—352. Brief bei Rodulfus Glaber 350. 352. 515 f. Wilhelm Abt von Hirschau 84 ff. 102 f. Astronomie 85. Musik85. Wilhelm Abt von Malmesbury, Geschichtschreiber 122. 389. 393.442 f. 445.497—500.506. 508. 648. 651.653 ff. 679. 685. 688. 691. Wilhelm Dekan in Verdun 360 f. Wilhelm de Conchis 151. 651. Wilhelm von St. Denis, Ueber- setzer des Secundus 801. Wilhelm Mönch in Di.jon 143. Wilhelm angeblich Verfasser der Briefe Walos von St. Arnulf 725. Wilhelm von Jumieges 263. Wilhelm von Poitiers 263. Wilhelm von Salerno, Grammatiker 626. Wilhelm I. König von England 117. 148. 152. Wilhelm IL König von England 149. 151. Wilhelm Herzog von Aquitanien 287. 289. 332. 513 ff. 682. 684. 688. 691. Wilhelm Herzog von Gascogne 667. Wilhelm Herzog von Normandie 261. 263 f. Rhythmus über seinen Tod 492. Wilhelm Graf von Bordeaux 245. Willa Königin von Italien 166. 168. 173. Willehad Bischof von Bremen 400. 410. Willer Abt von St. Maximin 422. Willeram Abt von Freising 556 f. Willermus Rievallis 756. Willibald Heiliger 556 f. Willibald 85. 92. 459. Vita s. Bonifatii archiep. Moguntinen- sis in den Annal. Altahenses 395; in der Passio s. Bonifatii 459 f. Willibrord Heiliger 425 f. Willico Dompropst in Prag 233. Willigis (Willegis) Erzbischof von Mainz 220. 269 ff. 272. 274. 300. 329. 459 f. 733. Willimann Abt von Hornbach 448. Williram Abt von Ebersberg 7. 493. 592—598. Hohes Lied in Alphabetische Register. 873 lateinischem Gedicht und deutscher Paraphrase 592—598. 640. Epitaph auf Heribert von Eichstätt 595. Eignes Epitaph 595. Kleine Gedichte 592.596. 598. Lateinisches Gedicht über das Hohelied 597 f., zweite Redaktion 597. Umarbeitung der deutschen Paraphrase durch die Aebtissinnen Rilindis und Herrat von Hohenburg 598. Winchester tropers 443. Winidharius 799. Winrich Archischolasticus und BibliothekarinTrier610—614. Sogenanntes Carmen Winrici 493. 610—614. Winrich Domschullehrer in Trier 610. 613. Wipo Presbyter und Kapellan 5. 284. 318—328. Gesta Chuon- radi IL 128. 318—325. 327. 516. 575. 760. 762; bei Arnold von Speier 327; bei Otto von Freising 327; in der Conti- nuatio annal.Zwetlensium aus Melk 327. Proverbia 7.94.319. 326. 493: bei Otloh 95. Galli- narius 319. 326. 494 De ni- mietate frigoris319. 326. 494. Breviarium 320. 326. Versus pro obitu Chuonradi impera- toris 320 f. 492. Tetralogus 7. 321. 326 f. 493. Ad mensam regis 322. 326. Sequentia pa- schalis 325. 328. Wirin Priester in Lüttich 373 f. Witigowo Abt von Reichenau 494. 509—511. Wladimir russischer Großfürst 235. Wodan mit Mars gleichgestellt 411. Wolbodo Bischof von Lüttich 373 f. 381. Wolcwardus s. Folcward. Wolfgang Bischof von Regensburg 84. 95 f. 205. 308 f. 312. 757. 759. 775. Ein Vers bei Otloh 96. Wolf hart von Herrieden, Vita s.Walburgis 748; bei Gezo 55. Wolfhelm Abt von Brauweiler 119. 123. 386 ff. 469 f. Brief an Meginhard von Gladbach 119. 123 f. Brief an Heinrich IV. 388. Wolfhere Kanonikus in Hildesheim 86. 129. 313—318. 376 f. 395.397. Vitae Godehardi 275. 283. 315 ff. 376 f. 504; in den Annal. Hildesheimenses 284; in der Vita Guntheri 318; im Chron. episc. Hildesheimen- sium 318; beim Annalista Saxo 318; in der Vita Mein- werci 318. Bearbeitung von Thangmars Vita Bemwardi 314 ff. Wolfrat, Wolveradus s. Wol- verat. Wolverat (Wolfrat) II. Graf von Aishausen 756. 758. Wolzo Lehrer in Worms 303. Womar Abt von St. Bavo in Gent 221. 223. 225. 228. Womar Abt von St. Bertin 211. Wratislav Herzog von Böhmen 126. Wulfad Abt von Flemy 664.668. Wulfad = Wulfhad, Freund des Johannes Scottus, Bücher 803. Wulfram(Vulfrannus)Erzbischof von Sens 533. 535. Wulfric Abt von St. Augustin in Canterbury 665. 671. Brief an Abbo 671. Wulfsine Bischof von Shire- bume 678. Wulfstan Seefahrer .650. Wulstan (Uulfstanus) Kantor vonWinchester442—446.679. 681. Vita s. Ethelwoldi 415. 442—446; bei Aelfric 444.679. 681. Vita s. Swithuni 443 f. 491. 681. Hymnen 443 f. 492; überarbeitet von Ordericus Vitalis 443. Tropen (?) 443. De tonorum harmonia 443. Xistus Papst 429. Ymmo Abt zu Münster im Gre- goriental 562. 564. De ymno per rhythmum facto 813. Z. Zachaeus 578. Zacharias Papst 328. 472. 477. Leben im Liber pontiflcalis 198 f. Zahlensymbolik I 50. 56 f. 137. 166. 354. 465. 576. II 258. 348. 522. 525. 688. Zahlzeichen, römische 732. Zambri 578. 604. Zauberei 710. 714. Zenocrates (Xenokrates) 478. Zeus 636. 656. 659. Ziffern, den arabischen ähnliche, bei Gerbert 732 736. Zoliannes volkstümliche italienische Aussprache für Johannes 710. 713. Zotto Fürst von Benevent 199. Zwerge 552. Zwölfsilber, asklepiadeische I 636; jambische II 556. HANDBUCH DER ALTERTUMSWISSENSCHAFT in systematischer Darstellung Begründet von IWAN v. MÜLLER, fortgesetzt von ROBERT v. PÖHLMANN In neuer Bearbeitung herausgegeben von WALTER OTTO o. Professor der alten Geschichte an der Universität München Das von Iwan von Müller vor etwa 50 Jahren als „Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft" begründete große wissenschaftliche Sammelwerk wird seit 1922 von Dr. Walter Otto, ord.Professor der alten Geschichte an der Universität München, herausgegeben. Auf Grund der Forschungen der letzten Jahrzehnte hat unsere Kenntnis des Altertums und vornehmlich unsere Kenntnis der Verknüpfung all seiner Teilgebiete untereinander eine ungeahnte Erweiterung und Vertiefung erfahren; es erschien dem neuen Herausgeber daher notwendig, die Grundlagen des Handbuches zu erweitern und dies auch in seinem Gesamttitel zum Ausdruck zu bringen. Dieser wird von nun an lauten: „HANDBUCH DER ALTERTUMSWISSENSCHAFT". Trotz der schwierigen und gefahrvollen Zeitlage übernimmt die Verlagsbuchhandlung bereitwilligst die große Aufgabe, nicht nur den früheren, von der Wissenschaft allgemein anerkannten Gesamtplan des Handbuchs, dessen Ausführung durch den Krieg und seine Folgen ins Stocken geraten war, durchzuführen, sondern ihn sogar auszudehnen. Über die Erweiterung hinaus hat es sich sodann der Herausgeber angelegen sein lassen, einzelne Teile des Werkes erneuernd umzugestalten; er hat sich hierbei entsprechend den heutigen wissenschaftlichen Anschauungen bemüht, soweit dies nur der verlegerische Standpunkt zuließ, die frühere oft mehr antiquarische Form ganz auszuschalten. Verlag und Herausgeber hoffen, daß das Ganze in der neuen Form noch stärker den Zwecken dienen wird, für die das Handbuch bestimmt ist: dem Studierenden soll es ein Arbeitsbuch sein, das er seinen Studien auf den einschlägigen Gebieten zugrunde legen kann; der Lehrer soll aus ihm den jeweiligen Stand der Forschung schnell und leicht ersehen, und der Fachmann soll hier alle Hilfsmittel vereinigt finden, die sein Weiterforschen erleichtern. Der unten folgende Gesamtplan des Handbuchs wird über alle einzelnen Fragen unterrichten. DIE VERLAGSBUCHHANDLUNG DER HERAUSGEBER INHALT DER EINZELNEN BÄNDE: [Die mit * versehenen Bände sind erschienen] I. Band: Einleitende und Hilfsdisziplinen. Dritte, vollkommen neu bearbeitete Auflage. 1. und 2. Abteilung: Geschichte der Altertumswissenschaft. Mit einem Anhang über „Philologische Bücherkunde". Bearbeitung durch Professor Dr. Rudolf Pf eiff er (Berlin), Dr. Albert Hartmann (München) u. a. in Aussicht genommen. * 3. Abteilung: Kritik und Hermeneutik. Abriß des antiken Buchwesens von Professor Dr. Theodor Birt (Marburg). 1913. 25 1 /! Bogen Lex.8°. Geh. M 7.50, geb. M 10.50 4. Abteilung: Griechische und lateinische Palaeographie von Professor Dr. Wilh. Schubart (Berlin). * 5. Abteilung: Griechische Epigraphik von Professor Dr. Wilhelm Larfeld (Remscheid). Drilte völlig neubearbeitete Auflage. 1913. 34' 4 Bogen Lex. 8". Geh. M 10.—, geb. M 13.50 6. Abteilung: Römische Epigraphik von Professor Dr. Christian Hülsen (Florenz). 7. Abteilung: Zeitrechnung- des Altertums von Professor Dr. Wilhelm Kubilschek (Wien). 8. Abteilung: Münzkunde des Altertums von Professor Dr. BehrendtPick (Gotha) und Maß- und Gewichtswesen des Altertums von Dr. Oskar Viedebantt (Berlin). C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck in München HANDBUCH DER ALTERTUMSWISSENSCHAFT MI. Band, 1. Abtig.: Griechische Grammatik (Lautlehre, Stammbildungs- und Flexionslehre und Syntax) von Professor Dr. Karl Brugmann (Leipzig). 4., vermehrte Auflage bearbeitet von Dr. Albert Thumb. Mit einem Anhang über griechische Lexikographie von Dr. L. Cohn. Mit alphabetischem Register. 1913. 49'/ 2 Bogen Lex.8°. Geheftet M 14.50, geb. M 18.50 IL Band, 2. Abtig.: Lateinische Grammatik (Laut- und Formenlehre, Syntax und Stilistik von Professor Dr. Friedrich Stolz (Innsbruck) und Gymnasialdirektor J. H. Schmalz (Freiburg). 5. Auflage von Priv.Doz. Dr. Manu Leumann (München) und Dr. Johannes Baptist Hofmann (München). IL Band, 3. Abtig.: Rhetorik und Stillehre der Griechen und Römer. Bearbeitung durch Professor Dr. Christian Jensen (Kiel) in Aussicht genommen. Anstatt der vergriffenen 3. Auflage der „Rhetorik" von Dr. Richard Volkmann (Jauer). II. Band, 4. Abtig.: Metrik der Griechen und Römer. In Vorbereitung. Musik der Griechen und Römer von Dr. Rudolf Wagner (Fürth). Anstatt der vergriffenen 3. Auflage der „Metrik" nebst einem Anhang über die Musik der Griechen von Professor Dr. H. Gleditsch (Berlin). III. Band, 1. Abtig., 1. Teil -Ethnologie und Geographie des altenOrientsvonProf.Dr.Fritz Hommel (München). Anstatt des vergriffenen „Abriß der Geschichte des alten Orients". * 1. Hälfte: Ethnologie des alten Orients. Babylonien und Chaldäa. Nebst provisorischem Register. 2. Auflage. 1904. 25 Bogen Lex. 8° mit Abbildungen und 1 Karte. Geh. M 7.50. 2. (abschließende) Hälfte im Druck. III. Band, 1. Abtig., 2. Teil: Grundriß der politischen Geschichte des alten Orients. In Vorbereitung. III. Band, 1. Abtig., 3. Teil: Kulturgeschichte des alten Orients von Prof. Prof. Dr. Dr. Wilhelm Geiger (München), Hugo G reßm ann (Berlin), Gustav Herbig (München), Bruno Meissner (Berlin), Walter Otto (München), Hermann Ranke (Heidelberg). III. Band, 2. Abtlg., 1. Teil: Hellenische Landeskunde. Mit einem Anhang über die Geographie des Pontus. Bearbeitung in Aussicht genommen von Professor Dr. Ernst v. Stern (Halle) u.a. Anstatt der vergriffenen „Hellenischen Landeskunde und Topographie" von Dr. H. G. Lolling. * III. Band, 2. Abtlg., 2. Teil: Topographie von Athen von Professor Dr. Walter Judeich (Jena). 26 l jl Bogen Lex. 8° mit 48Textabbildungen, einem Stadtplan im Maßstab von 1:5000, einem Plan der Akropolis im Maßstab von 1: 1000 und einem Plan des Peiraieus im Maßstab von 1 : 15000. 1905. Geh. M 18.-, geb. M 21.50 * III. Band, 3. Abtlg., 1. Teil: Grundriß der Geographie von Italien und dem Orbis Romanus von Professor Dr. J. Jung (Prag). 2., umgearbeitete und vermehrte Auflage mit alphabetischem Register. 1897. II'/j Bogen Lex. 8°. Geh. M 3.50 III. Band, 3. Abtlg., 2. und 3. Teil: Topographie der Stadt Rom von Gymnasialdirektor Professor Dr. Otto Richter (Berlin). 2. Auflage. 1901. 26 Bogen Lex.8°. Mit 32 Abbildungen, 18 Tafeln und 2 Plänen des antiken und des modernen Rom. Vergriffen. III. Band, 4.Abtlg.: Griechische Geschichte nebst Quellenkunde von Professor Dr.Robert von Pöhlmann (München). 6. Auflage von Professor Dr. Walter Otto (München). * III. Band, 5. Abtlg.: Grundriß der römischen Geschichte nebst Quellenkunde von Professor Dr. Benedictus Niese. 29 1 /« Bogen. 5. Auflage, neubearbeitet von Professor Dr. E. Hohl (Rostock). 1923. Geh. M 9.—, geb. M 12.— Die mit * versehenen Bände sind erschienen C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck in München HANDBUCH DER ALTERTUMSWISSENSCHAFT *IV. Band, 1. Abtig., I.Teil: Griechische Staatskunde von Prof. Dr. G. Busolt (Göitingen). 3., neugestaltete Auflage. Erster Hauptteil: Allgemeine Darstellung des griechischen Staates. 1920. 40 5 /s Bogen Lex. 8°. Geh. M 12.—, geb. M 16.—. Zweiter Hauptteil: Darstellung einzelner Staaten. Durchgesehen von Professor Dr. Heinrich Swoboda (Prag). Im Druck. IV. Band, 1. Abtig., 2.Teil: Griechisches Privatleben im Altertum von Professor Dr. Erich Pernice (Greifswald). Anstatt der „Griechischen Privataltertümer" von Professor Dr. Iwan von Müller (München). IV. Band, 2. Abtig., 1. Teil: Römische Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte von Professor Dr. Eugen Täubler (Zürich). In 2 Hälften. Anstatt der vergriffenen 2. Auflage der „Römischen Staatsaltertümer" von Professor Dr. Hermann Schiller (Gießen). * IV. Band, 2. Abtig., 2. Teil: Die Römischen Privataltertümer von Professor Dr. Hugo Blümner (Zürich). Mit 86 Abbildungen und Register. 1911. 43 Bogen Lex.8°. Geh. M 12.—, geb. M 16.— IV. Band, 3. Abtig., 1. Teil: Das Recht der Griechen und Römer von Professor Dr. Leopold Wenger (München). Anstatt der vergriffenen 2. Auflage der „Griechischen" bezw. „Römischen Rechtsalteitümer" von Professor Dr. G. Busolt (Göttingen) und Professor Dr. Hermann Schiller (Gießen). IV. Band, 3. Abtlg., 2. Teil: Militärwesen und Kriegführung der Griechen und Römer. In Verbindung mit Dr. Köster (Berlin), Generalleutnant a.D. Schramm (Dresden) und Oberst Georg Veith (Wien) herausgegeben von Professor Dr. Johannes Kromayer (Leipzig). Anstatt der vergriffenen 2. Auflage der „Griechischen" bezw. „Römischen Kriegsaltcrtümer" von Professor Dr. Adolf Bauer (Wien) bezw. Professor Dr. Hermann Schiller (Gießen). IV. Band, 3. Abtlg., 3. Teil: Das Theater der Griechen und Römer. In Verbindung mit Dr. Fensterbusch (Gelsenkirchen), Professor Dr. Ernst Fiechter (Stuttgart), Dr. Andreas Rumpf (Leipzig) herausgegeben von Professor Dr. Erich Bethe (Leipzig). * V.Band, 1. Abtlg., 1. Teil: Geschichte der abendländischen Philosophie im Altertum von Professor Dr. Windelband (Heidelberg). 20 Bogen. 4. Auflage von Professor Dr. Albert Goedeckemeyer (Königsberg). 1923. Geh. M 7.—, geb. M 10.—. (Soeben erschienen) V.Band, 1. Abtlg., 2. Teil: Geschichte der Mathematik und Naturwissenschaften im Altertum von Professor Dr. J. L. Heiberg (Kopenhagen). Anstatt der vergriffenen 2. Auflage der „Mathematik und der Naturwissenschaften im Altertum und im Mittelalter" von Professor Dr. Siegmund Günther (München). V.Band, 2. Abtlg.: Die Religion der Griechen von Professor Dr. Otto Weinreich (Tübingen). Anstatt der vergriffenen „Griechischen Mythologie und Religionsgeschichte" von Professor Dr. O. Gruppe (Berlin). 2 Bände in 2 Hälften. *V. Band, 3. Abtlg.: Die Griechischen Kultusaltertümer von Prof. Dr. P. Stengel (Berlin). 3. Aufl. Mit 5 Tafeln. 1920. 17 6 / 3 Bogen Lex. 8°. Geh. M 6.—, geb. M 8.50 •V. Band, 4. Abtlg.: Religion und Kultus der Römer, von Professor Dr. G.Wissowa (Halle). 2. Auflage. 1912. 39 Bogen Lex. 8°. Geh. M IL—, geb. M 14.50 Die mit * versehenen Bände sind erschienen C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck in München HANDBUCH DER ALTERTUMSWISSENSCHAFT VI. Band: Handbuch der Archäologie. In Verbindung mit Prof. Prof. Dr. Dr. Friedrich Wilhelm v. Bissing (Utrecht), Gustav Herbig (München), Ernst Herzfeld (München), Georg Karo (Halle), Georg Lippold (Erlangen), Kurt Regling (Berlin), Albert Rehm (München), Gerhart Rodenwald (Berlin), Bruno Sauer (Kiel), Hubert Schmidt (Berlin), Johannes Sieveking (München), Karl Weickert (München), Theodor Wiegand (Berlin), Paul Wolters (München), Ernst Zahn (Berlin) herausgegeben von Professor Dr. Heinrich Bulle (Würzburg). In 2 Hälften. * 1. Lieferung: A. Wesen und Methode der Archäologie (von Dr. Heinrich Bulle). B.Geschichte der Archäologie (von Dr. Bruno Sauer). C. Untergang und Wiedergewinnung der antiken Denkmäler (von Dr. Theodor Wiegand). 184 Seiten Lex.8° mit 8 Abbildungen. Geh. M 4.— VII. Band: Griechische Litteraturgeschichte von Wilhelm von Christ. In Verbindung mit Prof. Dr. Otto Stählin (Erlangen) neubearb. von Prof. Dr. W. Schund (Tübingen) * I.Teil: Die klassische Periode der griechischen Lltteratur. 6. Aullage. 1912. 50 Bogen Lex. 8 n . Geh. M 14.50, geb. Ml8.50 * II. Teil, 1. Hälfte: Die nachklassische Lltteratur von 320 v. Chr. bis 100n. Chr. 6. Aufl. 1920. 42'/2Bg. Lex. 8'. Geh. M 12.—, geb. M 16.— * II. Teil, 2. Hälfte: Die nachklassische Perlode der griechischen Lltteratur von 100 bis 530 n. Chr. 6. Auflage.. Mit alphabetischem Sachregister. Erscheint im Oktober 1923. VIII. Band: Geschichte der römischen Litteratur von Martin Schanz * I Teil, 1. Hälfte: Von den Anfängen der Lltteratur bis zum Ausgang des Bundesgenossenkrieges. Mit Register. 3. Auflage. 1907. 23 Bogen Lex.8 U . Geh. M 7.—, geb. M 10.— * I. Teil, 2. Hälfte: Bis zum Ende der Republik. Mit Register. 3. Auflage. 1909. 33 7 /8 Bogen Lex. 8". Geh. M 10.—, geb. M 13.50 * II. Teil, 1. Hälfte: Die augustische Zeit. Mit Register. 3. Auflage. 1911. 38>,= Bogen Lex.8°. Geh. Ml 1.50, geb. M 15.- * II. Teil, 2. Hälfte: Vom Tode des Augustus bis zur Regierung Hadrians. Mit Register. S.Auflage. 1913. 38'/j Bogen Lex. 8 U . Geh. M 11.50, geb. M 15.— * III. Teil: Die römische Litteratur von Hadrian bis auf Constantin (324 n. Chr.), 3., neubearbeitete Auflage von Carl Hosius und Gustav Krüger. Mit Register. 1922. 30',2 Bogen Lex.8°. Geh. M 10.—, geb. M 13.50 * IV. Teil: Die römische Litteratur von Constantin bis zum Gesetzgebungswerk Justinians. 1. Hälfte: Die Litteratur des 4. Jahrhunderts, Mit Register. 2., vermehrte Auflage. 36'/.i Bogen Lex. 8». Geh. M 11.—, geb. M 15.— 2. Hälfte: Die Lltteratur des 5. und 6. Jahrhunderts. Von Martin Schanz, Carl Hosius und Gustav Krüger. Mit Register und einem Generalregister des Gesamtwerkes nebst einem Bildnis von Marlin Schanz. 43 3 /i Bogen Lex.8°. Geh. M 13.—, geb. M 17.— IX. Band, l.Abtlg. Das Fortleben der antiken Literatur im Mittelalter von Professor Dr. Paul Lehmann (München). IX. Band, 2. Abtig.: Geschichte der lateinischen Litteratur im Mittelalter von Professor M. Manitius (Radebeul). * I. Teil: Von Justinian bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts. Mit Register. 1911. 49 Bogen Lex. 8". Geh. M 15.—, geb. M 19.- *II. Teil: Von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kamptes zwischen Kirche und Staat. Erschienen im Oktober 1923. X. Band. Byzantinisches Handbuch als Ersatz der vergriffenen 2. Auflage der „Geschichte der byzantinischen Litteratur" von Justinian bis zum Ende des oströmischen Reiches (527—1453) von Professor Dr. Karl Krumbacher (München). 1. Abtlg.: Staat, Kirche, Theologie und Kunst In Byzanz von Prof. Prof. Dr. Dr. Albert Ehr hard (Bonn), Ernst Gerland (Homburg v. d. Höhe), August Heisenberg (München), Alfred Philippson (Bonn), Priv -Doz. Dr. Ernst Stein (Wien). 2. Abtlg.: Die profane byzantinische Litteratur von Prof.Prof. Dr.Dr. Karl Dieterich (Leipzig), August Heisenberg (München), Paul Maas (Berlin). Die mit * versehenen Bände sind erschienen C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung Oskar Becli in München Vorlesungen und Abhandlungen aus dem Nachlaß von LUDWIG TRAUBE weiland o. Piofessor der lateinischen Philologie des Mittelalters Herausgegeben von Dr. FRANZ BOLL o. Professor der klassischen Philologie in Heidelberg Erster Band: Zur Paläographie und Handschriftenkunde. Herausgegeben von PAUL LEHMANN. Mit biographischer Einleitung von FRANZ BOLL. 1909. LXXV, 263 Seiten gr.8°. Geheftet M 15 — Zweiter Band: Einleitung in die lateinische Philologie des Mittelalters. Herausgegeben von PAUL LEHMANN. 1911. IX, 176 Seiten gr.8°. Geheftet M 8.— Dritter Band: Überlieferungsgeschichte der römischen Literatur. Herausgegeben von FRANZ BOLL. 1920. XVI, 344 Seiten gr.8». Geheftet M 18.— Quellen und Untersuchungen zur lateinischen Philologie des Mittelalters Begründet von Ludwig Traube weiland Professor der lateinischen Philologie des Mittelalters an der Universität München Es liegen vor: I. Band, l.Heft: Sedulius Scottus von Dr. S. HELLMANN, a. o. Professor der Geschichte an der Universität München. 1906. XV, 203 Seiten Lex. 8°. Geheftet M 8.50 2. Heft: Johannes Scottus von E. K. RAND, Assistant-Professor of Latin at Harvard- University. 1906. XIV, 106 Seiten Lex. 8°. Geheftet M 6.— 3. Heft: Untersuchungen zur Überlieferungsgeschichte der ältesten lateinischen Mönchsregeln von Dr. HERIBERT PLENKERS. 1906. XI, 100 Seiten Lex.8° und zwei Tafeln in Folio. Geheftet M 7.— II. Band: Nomina sacra. Versuch einer Geschichte der christlichen Kürzung von Dr. LUDWIG TRAUBE, Professor der lateinischen Philologie des Mittelalters an der Universität München. Mit Traubes Porträt. 1907. X, 287 Seiten Lex. 8°. Geheftet M 15 — III. Band, 1. Heft: Franciscus Modius als Handschriftenforscher von Dr. PAUL LEHMANN. 1908. XIII, 151 Seiten Lex.8". Geheftet M 7.— 2. Heft: Die Textgeschichte Liudprands von Cremona von Dr. JOSEPH BECKER. 1908. VII, 46 Seiten Lex.8°. Mit 2 Tafeln. Geheftet M 2.50 3. Heft: Die ältesten Kaiendarien aus Monte Cassino von Dr. E. A. LOEW. 1908. XVI, 84 Seiten Lex. 8°. Mit 3 Tafeln. Geheftet M 6.— 4. Heft: Die Gedichte des Paulus Diaconus. Kritische und erklärende Ausgabe von Dr. KARL NEFF. 1908. XX, 231 Seiten Lex.8°. Mit 1 Tafel. Geheftet M 10.— IV. Band, 1. Heft: Johannes Sichardus und die von ihm benutzten Bibliotheken und Handschriften von Dr. PAUL LEHMANN. 1911. X, 237 Seiten Lex.8». Geheftet M 10.— 2. Heft: Isidor-Studien von CHARLES HENRY BEESON, Associate Professor of Latin in the University of Chicago. 1913. VII, 174 Seiten Lex.8°. Geheftet M7.— V. Band, 1. Heft: Vom Mittelalter und von der lateinischen Philologie des Mittelalters. Von Dr. PAUL LEHMANN. Die Exempla des Jakob von Vitry. Ein Beitrag zur Geschichte der Erzählungsliteratur des Mittelalteis. Von GOSWIN FRENKEN. 1914. V, 154 Seiten Lex. 8°. Geheftet M 8.50 2. Heft: Das Streitgedicht in der lateinischen Literatur des Mittelalters. Von H. WALTHER. 1920. IV, 256 Seiten Lex.8°. Geheftet M 11.— C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck in München Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz Herausgegeben von der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München I. Band Die Bistümer Konstanz und Chur Bearbeitet von PAUL LEHMANN Mit einer Karte. XVIII, 597 Seiten Lex. 8°. Geheftet M 25.— Zentralblatt für Bibliothekwesen: „Selten wird ein Berichterstatter seine bescheidene Tätigkeit mit soviel innerer Befriedigung abschließen, wie er es bei einer Besprechung der von Lehmann bearbeiteten mittelalterlichen Bibliothekskataloge tun muß. Die umfangreiche Kenntnis der mittelalterlichen Literatur, die Ausgeglichenheit und Sorgfalt methodischer Forschung, die Beherrschung der über das bearbeitete Gebiet bereits vorhandenen Literatur, das alles trug im vorliegenden Falle dazu bei, ein Werk entstehen zu lassen, auf das die Wissenschaft stolz sein kann. Mit Fug und Recht darf der Bearbeiter sich an dieser Frucht seiner literarischen Tätigkeit erfreuen. Die deutschen Akademien und gelehrten Gesellschaften aber dürfen überzeugt sein, daß die Mittel, durch die sie das Erscheinen des vorliegenden Werkes ermöglicht haben, nicht zwecklos aufgewendet wurden, sondern daß die Zukunft in dem Werke reiche Ernte halten wird. Die geistige Tätigkeit des Mittelalters auf deutschem Boden ist literarisch zu neuem Leben erweckt worden." — Wodienschrift für klass. Philologie: „Die Ausgabe der einzelnen Stücke enthält am Kopfe nicht nur deren Herkunft sowie die zu ihnen gehörende Bibliographie, sondern sucht auch die Geschichte der einzelnen Bibliotheken und danach auch der Verzeichnisse selbst aufzustellen. Hierdurch hat sich Lehmann ein besonders großes Verdienst erworben, denn der Benutzer des Werkes wird hier über Dinge aufgeklärt und unterrichtet, die mit den überlieferten Stücken in engem Zusammenhange stehen und sich meist aus sehr entlegenen Notizen zusammensetzen; dadurch aber gewinnen die Kataloge oft erst ihre rechte Bedeutung und gerade für diese mühevollen Arbeiten gebührt dem Herausgeber der lebhafteste Dank. Außerdem hat sich Lehmann aber der weiteren Mühe unterzogen, genaue Hinweise auf den heutigen Aufbewahrungsort der weithin verstreuten Handschriften der betreffenden mittelalterlichen Bibliotheken zu geben... . War nun die Ausgabe selbst, die mit der größten Genauigkeit Bestand und Überlieferung wiedergibt, eine gewaltige und so schön gelungene Arbeitsleistung, so hat der Herausgeber in dem beigefügten Schriften- und Schriftstellerverzeichnis eine mindestens gleich große Arbeit geliefert. ... Es ist klar, daß durch diese vorbildliche Ausgabe der deutschen Bibliothekskataloge ein gutes Stück Geschichte der Geisteswissenschaften im Abendlande geleistet wird, und dafür gebührt dem Verfasser der aufrichtigste Dank." — Zeitschrift für Schweizer Kirdien- gesthichte: „Apres Traube et Krumbacher, qui n'ont fait que passer, le choix s'est porte sur le Dr. Paul Lehmann, et l'on aurait fait en vain le tour du monde pour trouver un savant mieux prepare ä mener ä terme l'oeuvre lancee par ces deux maftres incomparables. Ampleur d'information, methode et exaetitude jusque dans les moindres details, tables aussi completes que possible, tout contribue ä faire de ce livre un chef-d'oeuvre du genre, un modele que devront avoir constamment sous les yeux les imitateurs ou continuateurs de l'oeuvre. Pour se faire des le debut une idee de ce qu'il ajoute ä ce qu'on possedait jus- qu'ici sur la mauere, il suffit de considerer ceci: sur les 96 differents catalogues que contient le volume, 37 fönt absolument defaut dans le repertoire de Goltlieb et sur ces 37, il en est 25 qui n'avaient pas encore ete publies, tandis que pour un nombre d'autres cas nous ne possedions que des publications partielles, ou des textes auxquels on ne pouvait se fier." Die angegebenen Preise werden bis auf weiteres mit der Sdilüsselzahl des Börsenvereins vervielfältigt. Dem Auslande gegenüber gelten sie sdwn jetzt als Goldmarkpreise auf der Grundlage 1 M = 1.25 Scliw. Fr. C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck in München C. H. Becksche Buchdruckerei in Nördlingen