Druckschrift 
1 (1890) Die Handschriften in Folio
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36 Histor. Handschriften in Folio Nr. 87.

modernisiert und mit trivialen allegorischen Darstellungen bereichert sind.Die französischen Verse, welche einer Partie dieser Bilder beigeschriebensind, stammen ans Imhoffs d&utsch-franz. Ausgabe des Basler Totentanzes(1744).

Aus Anlass dieser Totentanzbilder haben Grün eisen im Kunstblatt(Beil. des Morgenblatts) 1830 S. 101 f. und Massmann im Serapeum1841 S. 179 Anm. 2 unsere Handschrift berührt. Nicht auf Grunddes edlen Katalogs, welcher vielmehr die Herkunft derselben als unbekanntbezeichnet, aber vielleicht auf Grund mündlicher Mitteilung berichtet Grün-eisen, dass Herzog Carl diese Handschriftaus einem Frauenkloster inOsterreich gewonnen habe", als dessen Namen er wohl aus MissverstandBlock" angiebt. Wenn die auf jedem einzelnen Band beigeschriebenenGeldsummen den Kaufpreis bedeuten, so hat der Herzog dafür über 200Gulden bezahlt. In welchem Lande das Buch gemacht wurde, das verrätsich teils aus dem österreichischen Dialekt (s. oben) des Schreibers, teilsans der sehr reichhaltigen Sammlung österreichisch-ungarischer Soldaten-uniformen etc. Aber auch die Stadt, in welcher es entstand, enthüllt sich,wenn es Bd. 2 Bl. 76 heisst:hier in Wien", wenn Wiener Lokalnamen,tvie Landstrasse, Schotten, Herrnais uns begegnen, wenn endlich der Einzugeines türkischen BotschaftersTschani Bei Alli Bassa" in diese Stadt dar-gestellt wird (5, 36). Was die Zeit der Hervorbringung betrifft, so stehtbei der Darstellung einer Leichenfeierlichkeit auf Bl. 83 des zweiten Bandesan den Draperien wiederholt die Jahreszahl. 1748. Das Kaiserpaar, mitwelchem sich das ganze Werk eröffnet, ist offenbar Franz I. und MariaTheresia, der unter beiden stehende Knabe, alsle prince royal archiducJoseph" bezeichnet, der nachherige Kaiser Joseph II. Letzterer erscheintauf dem zweiten Blatt wieder umgeben von 6 Geschwistern. Dies war imJ 1748 genau der Stand der kaiserlichen Familie; im Tragkissen liegtnoch der spätere Kaiser Leopold IL Grüneisen sagt zwar mit Recht,manche der Trachten gehören eher der Zeit des Kaisers Leopold I. an,der auch einen Sohn Joseph (I.) hatte. Aber das Werk will nicht lauterTrachten der Gegenwart geben; es kommt z. B. einLeiblaquai unter Ca-rola VI." (gest. 1740) vor.

Die ursprüngliche Numerierung der Bände lässt vermuten, dass dieSammlung anfangs 7 Bände befasste und gerade der erste abhanden gekommenist; denn der erste Band trug ursprünglich die Nummer II, der zweite dieNummer III u. s. f.