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1 (1890) Die Handschriften in Folio
Entstehung
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Einleitung. v

Je mehr nun die neue Bibliothek an Bändezahl zunahm und inallen Disziplinen sich vervollständigte, desto mehr überzeugte sieh derHerzog, dass sich aus derselben etwas Bedeutendes machen lasse. Er wurdeleidenschaftlicher Bücher Sammler. Man weiss, dass einige von seinenvielen Meisen, zu denen er Männer wie Lebret und Schnurrer als Begleiterbeizog, fast ausschliesslich der Erwerbung von Bibliotheken galten; manerfährt ans den Akten, welch starke Aufträge er für wichtige Bücher-auktionen gab, wie er endlich die Dienste seiner Ministerresidenten anfremden Höfen und anderer im Ausland lebender Württemberger-") zurBeschaffung von Katalogen verkäuflicher Bücher und zu Kaufsverhand-lungen ausgiebig benutzte. Besonders eifrig bedienten ihn die Residentenv. Bühler in Wien und Luigi Gaeterno Marini in Born, letzterer selbstein bedeutender Gelehrter und Kenner des römischen Altertums, welcher invieljähriger Geschäftskorrespondenz wegen BücherUeferungen mit dem Herzogstand. Mehr die Stellung eines Beraters über neu erschienene Littcraturnahm der bekannte Bibliothekar der Laurcnziana in Florenz, der Kano-nikus Angela Maria Bandini ein, welcher gleichfalls zahlreiche Briefemit dem Herzog wechselte und ihm von Zeit zu Zeit Broschüren zur Il-lustrierung der italienischen Zeitgeschichte gesandt zu haben seheint.

Die Bücherliebhaberei des Herzogs wurde bald im In- und Auslandbekannt und wenn dadurch einzelne Büchergeschenke von herzoglichen Be-amten und Unterthanen hervorgerufen wurden, so kamen noch häufigerAngebote, nicht bloss von eigentlichen Buchhändlern, sondern auch von Pri-vaten, welchen irgend ein seltenes Stück feil war. Bestelltes, Geschenktesund zur Ansicht Gesandtes sammelte sich nun bei dem Herzog an, deralles selbst sehen wollte, so dass sein Kabinett nach dem Bericht seinesSekretärs Pfaf (Cod. hist. Q. nr. 305 S. 84 f) dem Bureau einer allgemeinenBuchhandlung glich. Selbst nur ein oberflächlicher Kenner, forderte derHerzog seine Bibliothekare, unter welchen Lebret durch Gelehrsamkeit her-vorragte, zur Begutachtung der eingelaufenen Offerte und zur Auswahlgeeigneter Bücher aus den Mess- und Antiquurskatalogen auf Er folgtein der Regel ihrem Bat, vorzugsweise trachtete er nach Bibeln und In-kunabeln (damals Quattroceulisteu genannt). Im Fache der Bibeln suchteer möglichste Vollständigkeit zu erzielen; nachdem er die umfassendenSammlungen von Lorck in Kopenhagen (1781) und Panzer in Nürnberg(1780) gekauft hatte, war ihm vollends alles willkommen, was zu weitererErgänzung beitragen konnte. Aber auch alte Manuskripte, zumal Bibel-

V Sehr thätig war unter den letzteren der in Holland als Hofmeister angestellteKandidat Joh. Heim: Eberh. Scholl, welcher als Dekan in Heidenheim im Jahr 1813gestorben ist.