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1 (1924)
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tionslust aber kam nicht auf ihre Kosten, die Erwartung war über-spannt; man war nach Ungeheuerlichem lüstern und fand jetzt nurdie sorgfältig abgetönte Arbeit eines Dichters, der mit diesem Werksein Bestes zu geben gehofft hatte. Joseph Kainz als Herodes warhalbkrank und kam nicht zur Entfaltung seiner Mittel; Agnes Sormaals Salome und Emanuel Reicher als Herodes wurden bejubelt; LuiseDumont trat als Herodias ihr eben begonnenes Engagement am Deut-schen Theater an, und die neuentdeckte Else Heims —■ kurz vordemnoch Buchhalterin — bot als Mirjam ihre erste Talentprobe. DerAutor konnte, nach dem Zeugnis gewissenhafter Chronisten, zumSchluß gegen zehnmal erscheinen, während die Kainzenthusiastendurch hartnäckigen Hervorruf ihres Lieblings das Hausgesetz desTheaters zu durchbrechen suchten, was ein Teil des Publikums alseine Absage an den Dichter auffaßte. Ein zuverlässiger Barometerfür den Grad eines Theatererfolges ist noch nicht erfunden, und inder Bewertung des gesamten Schaffens Sudermanns gingen die An-sichten schon damals so weit auseinander, daß die Kritik über „Jo-hannes" auf alle Tonarten gestimmt war. Die einen schrieben den Er-folg den Leistungen der Schauspieler zu, die andern den Mißerfolgder Kühle des Publikums gegenüber biblisch-religiösen Stoffen. Aberselbst die „Germania" (nachträglich am 8. Februar 1898) warf nichtmehr die Frage auf, ob solche Stücke überhaupt zu dulden seien. Nurin der „Norddeutschen" (18. Januar) hielt Gustav Zieler daran fest,daß die grundsätzlichen Bedenken durch etliche kurze Streichungen— die den biblischen Stoff aber gar nicht angetastet hatten — nichtbeseitigt seien, obwohl ihm das Stück als ernste Arbeit Achtung ab-nötigte. Im „Berliner Lokalanzeiger" nannte Georg Brandes, der als„Gast" über diesen Theaterabend berichtete, den Erfolg „groß und ver-dient", und wenn er dem Stück eine glänzende Laufbahn prophezeite,so sollte er recht behalten: trotz der uneinheitlichen Stimmung der„Premierentiger" des „Deutschen Theaters" erzielte „Johannes" ebendort eine Aufführungsziffer wie kaum ein anderes Drama Sudermanns.Die Wirkung eines Zensurvorspiels pflegt so lange nicht durchzuhalten,wie sich am besten an Heyses „Maria von Magdala" fünf Jahre späterzeigte. Das Publikum fällte ein anderes Urteil als die Kritik. Beidieser aber bedankte sich der Verleger scherzhaft, indem er den Ber-liner Zeitungen zum Tag der Premiere als Rezensionsexemplar gleichdie 13. Auflage des „Johannes" überreichte.

VARNHAGEN v. ENSE, KARL AUGUST (1785—1858).

Aus dem Nachlaß Varnhagens v. Ense, der als Legationsrat zurDisposition von 1819 bis zu seinem Tode in Berlin lebte, von deneinen nur als der Gatte der berühmten Rahel geduldet, von andern —.und nicht den schlechtesten — als vielseitiger und geschmackvoller

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