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1 (1924)
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GRÜN

einem Aufenthalt in Wien wegen seines Buches „Schutt" vor die Po-lizei befohlen wurde, um eine Reihe „läppischer Fragen" zu beant-worten, wie er am 26. Oktober 1836 an Hammer schrieb (s. Glossy,„Anastasius Grün", im Grillparzer-Jahrbuch 1901, XI, 105 ff.), scheinter sich ebenfalls mit diplomatischer Geschicklichkeit aus der Schlingegezogen zu haben.

So kam das Jahr 1837. Da erschien bei Carl Gerold in Wien ein„Österreichischer Musenalmanach" (Wien, Carl Gerold. Dresden undLeipzig, Arnoldi 1837) von einem dortigen Schriftsteller Ritter Braunv. Braunthal und brachte unter zahlreichen Beiträgen der angesehen-sten österreichischen Poeten auch fünf Gedichte von „A. Grün(Wien)"; der Titel lautete „Fünf Stunden", ein deutlicher Anklangan den Zyklus „Fünf Ostern" im „Schutt". Die Gedichte waren eineunverschämte Fälschung. Braunthal hatte wahrscheinlich den Grafenvergebens um einen Beitrag gebeten, er wollte den gefeierten Namenin seiner Sammlung nicht missen, ein Recht auf den Namen Grünhatte Auersperg nie in Anspruch genommen, im Gegenteil — alsokonnte jeder sich so nennen! Braunthal schrieb also die fünf Gedichtehöchstwahrscheinlich selbst und setzte jenen Namen darüber. Be-zweckte er noch mehr damit? Nach den vorliegenden Akten dürftedie Frage entschieden zu bejahen sein. Auersperg nennt diesen säubernKollegen schon im Februar 1836 einen „Polizeipoeten", er endete auchals Bibliothekar bei der Polizeihofstelle, und die Zeitgenossen warenüber seine Spitzelrolle nicht im Zweifel. Im Falle Grün diente er derPolizei als Dachshund, der endlich den Fuchs Auersperg aus seinemBau treiben sollte. Und das gelang ihm, wenn auch nicht so vollstän-dig, wie er sich dessen anfangs rühmte. Der echte Anastasius Grünerklärte in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung" vom II, Septem-ber 1837 die Unterschrift der fraglichen Gedichte für einen „litera-rischen Gaunerstreich"; Braunthal antwortete am 23. September, dieErklärung sei „dummfrech und widerrechtlich", die Gedichte seien ihmwirklich zugesandt worden, und wenn das eine Mystifikation sei, werdewohl Anastasius Grün sie selbst veranlaßt haben; dann kam die Haupt-sache : Graf Auersperg habe auf Ehrenwort seine Identität mit Grünverneint — er, Braunthal, aber könne sie beweisen ! Darauf ließ derGraf, der selbst nach Wien geeilt war, den Ritter fordern: er lud ihnam 4. Oktober zu diesem Zweck nach Salzburg, um ihn jenseits derGrenze vor die Pistole zu stellen; Reisegeld wolle er ihm vorschießen!Nun liefen die Boten hin und her: Braunthal will kommen, brauchtkein Reisegeld, wartet nur auf seinen Paß — dann „d a r f" er denGrafen nicht sprechen, erklärt ihn aber für einen Ehrenmann — nach-her besinnt er sich, er will doch nach Salzburg gehen und bittet nurum 200 Fl. „gegen Hypothek" — aber als er den Paß hat, erfährt ervon einem Freunde (jedenfalls auf der Polizei!), daß man seine Zu-

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