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1 (1924)
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VORWORT

Anderthalb Jahrhunderte deutscher Literatur, gesehen durch das Augedes Gesetzes, entschleiern sich auf den folgenden Blättern. Hundertevon Bücherschicksalen ziehen vorüber, die vielfach schon zur Sage ge-worden, nirgends oder doch nur selten zutreffend aufgezeichnet sind.Bücherverbote sind so alt wie das Buch selbst, sie werden erst mit ihmsterben. Auch unserer Gegenwart sind sie nicht fremd. Wie tief siedie literarische Gesamtentwicklung beeinflußten, wie verhängnisvoll sieoft für die Schöpfer dieser Literatur wurden, das habe ich an einerReihe von Einzelfällen darzulegen versucht. Die Auswahl aus einemschier unermeßlichen Stoff bestimmte der Wunsch, möglichst Mannig-faltiges und Neues zu bringen. Die Art der Behandlung ergab sich ausdem Versuch, auf der Grenze zu bleiben, die Literatur- und Kultur-geschichte untrennbar miteinander verbindet. Ob es mir gelungen ist,Ausblicke nach beiden Seiten hin zu eröffnen, mag der Leser ent-scheiden.

Der Quellen, aus denen mir völlig unbekanntes oder zum erstenmalauthentisches Material zugeflossen ist, sind so viele, daß ich es mirhier versagen muß, sie aufzuzählen. In den einzelnen Abschnitten desBuches sind sie, soweit möglich, namhaft gemacht. In der Angabeschon veröffentlichter Quellen allerdings mußte ich mich auch da aufdie Nennung der Hauptwerke beschränken, sonst hätte ich jedemArtikel eine umfangreiche Bibliographie beigeben müssen. Ich darf esaber nicht unterlassen, des Preußischen Geheimen Staats-archivs hier besonders zu gedenken; in seine Aktenberge habe icheine gewaltige Reihe von Stollen gebohrt, und fast immer fördertendie Papierwagen wertvollstes Rohmaterial zutage. Der Verwaltung desArchivs und Herrn Staatsarchivar Dr. Dehio gebührt mein unein-geschränkter Dank.

Als wesentliche Ergänzung zu diesem Nachschlagewerk dient meinepragmatische Geschichte der Zensur und Preßgesetzgebung, derenerster Teil unter dem Titel „Hier Zensur — wer dort?" in 2. Auflage(Leipzig, H. Haessel) vorliegt. Ihr zweiter Teil, der die Epoche von1815—1830 erschließt, wird im nächsten Jahr erscheinen.

Berlin, im November 1923.

Prof. Dr. H. H. Houben.