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2 (1928)
Entstehung
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602
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WERNER 602

Der Zensor Armbruster versicherte mit ruhigem Gewissen, daß „manauch an den Haaren keine Parallele herziehen könne". Da politischeBedenken nicht mehr vorlagen, ästhetische Kritik aber nicht Sachedes Zensors war, drangen sie durch, und im Winter 1809/10 wurde„Attila" auf dem Theater an der Wien mit starkem Erfolg gespielt.Die Verspätung brachte der Direktion sogar Vorteil: unterdes warWerners Stück in der Realschulbuchhandlung in Berlin im Druckerschienen, nun brauchten ihm die Wiener kein Honorar mehr zuzahlen.

Ebenso ging es ihm mit dem nächsten Werk „Wanda", das am16. März 1812 auf derselben Bühne erschien. Werner hatte in Rom1810 dem Direktor des Theaters an der Wien, Georg FriedrichTreitschke, das Manuskript anvertraut, hörte dann aber nichts mehr;schließlich erfuhr er, daß man sein Stück geradezu als Oper mitMusik von Riotte frei bearbeitet hatte, und sein Appell an den GrafenPalffy, ihm doch ein Ehrenhonorar zu schicken, blieb erfolglos.„Wanda, Königin der Sarmaten" war 1810 bei Cotta erschienen; dieTheaterdirektoren konnten daher mit dem Text machen was siewollten, ohne den Dichter auch nur zu fragen. In Weimar hatteGoethe das Stück am 30. Januar 1808 aufführen lassen, denn erinteressierte sich lebhaft für den damals an der Um weilenden Dich-ter, er regte ihn sogar zu dem Einakter „Der 24. Februar" an undbeschwor dadurch das Schicksalsdrama herauf. Der Weimarer Erfolgwar so stark, daß zehn Wiederholungen folgen konnten, was fürWeimar viel bedeutete. Iffland aber lehnte sowohl den „Attila" wiedie „Wanda" ab, letztere mit einer ausführlichen und ziemlich herbenKritik ihrer mystischen Unverständlichkeit. 1815 lag das Stück noch-mals der Wiener Zensur vor und wurde am 21. Januar für Polenverboten, weil „jede Erinnerung an ehemalige Selbständigkeit, Tap-ferkeit und Sieg der Polen bei den Polen im gegenwärtigen Augen-blick nicht vorteilhaft sein dürfte". — Ein Geheimbericht vom

7. Februar dieses Jahres empörte sich darüber, daß Werner derKaiserin Marie Luise seine „Kunigunde die Heilige", die 1809 voll-endet worden war, habe vorlesen dürfen. Er sei ein Heuchler undAventurier unter heiliger Maske; selbst die Dienerschaft mache sichüber den „lateinischen Komödianten" lustig. Und vor der geist-lichen Zensur in Wien fand er, selbst inbrünstiger Katholik undPriester, nicht einmal mit seiner „Mutter der Mahkabäer", Gnade,obgleich sie nur mehr der kirchlichen Propaganda diente. Am

8. Mai 1816 beurteilte der Wiener Erzbischof Graf Hohenwait, sonstWerners Gönner und sein Oberhirte, dieses Werk sehr ungünstig:Die Tragödie sei nicht geistlich, sondern mystisch-romantisch; Hohe-priester und Bundeslade als Typen alttestamentarischen Kultus dürf-ten nicht auf der Bühne erscheinen. Obendrein sei dieser Hohe-