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mit einem Damensattel für sein Pferd. Aus der Theatergarderobewird die Tracht Doktor Luthers, sowie seines Famulus und derKatharina von Bora entlehnt oder gekauft. Desgleichen wird einAnzug angeschafft, der nach dem gewöhnlichen Hauskleide derMadame Etschern gemacht ist, dazu eine Punschkelle und ein BundSchlüssel. Alle Offiziere als Frauen gekleidet, kommen auf ihrenParadepferden, nur derjenige, der Madame Etschern agiert, reitetein kleines Pferd, Langschwanz, mit aufgesteckten Eselsohren. ImSchlitten sitzt Luther mit seinem Famulus, der in der Hand seinesHerrn Flöte hält, die lächerlich lang sein muß. Katharina reitet aufder Pritsche, in der einen Hand eine Fackel, in der andern eineHetzpeitsche haltend. So lautet das Programm, dem getreulich nach-gehandelt ward.
An einem Abend im Monat August sammelten sich sämmtlicheTeilnehmer in meiner Wohnung, die Offiziere als Frauen gekleidet,Graf Herzberg in der Tracht Luthers, Leutnant Ziethen in demKleide der Etschern, ein Junker vom Regiment als Famulus ver-mummt. Ich endlich, der Riesenhafte, stellte die zarte Katharinavon Bora vor. Prachtvoll gekleidete Vorreiter mit Fackeln fehltennicht. Plötzlich, als alles rasch gerichtet, die Fackeln entglommenwaren, brach der Zug in der vorgezeichneten Ordnung, von einemLichtmeer übergössen, aus der Charlottenstraße unter die Lindenhervor und bewegte sich mit gemäßigter Eile durch die zusammen-eilenden Haufen von Zuschauern, die zuerst mit Verwunderungden Glanz des Zuges angafften, dann wenigstens zum Teil die Be-deutung der Gestalten erkennend, die Anspielungen belachten undlaut das helle Schaugepränge bejubelten.
Aber bald sprengten Husaren und Polizeidiener zu Pferd heran,die der Gouverneur von Berlin, Feldmarschall Möllendorf, geschickthatte, um der Posse zu wehren und den Zug aufzuhalten. Indessenwar solches schon zu spät, die Scharwache diente nur dazu, die unshemmenden Haufen der Zuschauer zu lichten, und wir durchzogeneine Stunde lang mit zunehmender Schnelligkeit die Straßen, bisder Zug in sausendem Galopp in eine entlegene Straße sich verlorund die Fackeln verlöschten.
Wir glaubten damit auch den ganzen Schwank verlöscht zu habenund jubelten im stillen über die glückliche Ausführung der Posse,als nach mehreren Tagen, wie schon unter uns keine Rede davonwar, ein königlicher Parolebefehl die strengste Untersuchung gegendie Anstifter und Teilnehmer jenes Skandals anbefahl. Dieses Unge-witter verhängte über uns der einflußreiche KabinettssekretärBeyme, der, heimlich angetrieben von seiner Frau, deren, wie sovieler anderen Mißfallen ich mir durch mein keckes Wesen zuge-zogen hatte, in dem lustigen Streich einen Angriff auf die Heiligkeit