Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
548
Einzelbild herunterladen
 

URANIA 548

neten Stelle vorkommenden unschicklichen Äußerungen, mit vollemRechte von der k. k. geh. Hof- und Staats-Kanzley auf desfallsigeAnfrage der H. Obersten Polizey- und Censur-Hofstelle mit demDamnatur belegt worden. Der genannte Brockhaus hat sich bittlichan mich gewendet, um die Rücknahme dieses ihn in großen Verluststürzenden Verbothes von der Gnade Ewr. Durchlaucht zu erlangen.Da die Schuld nicht auf ihn kommen könne, der den fraglichenAufsatz niemals gelesen, sondern auf die k. Sächsische Censur, dieihm das Imprimatur ertheilte; und da er unmittelbar nach erhaltenerNachricht aus Wien, die verurtheilte Stelle habe Umdrucken lassen,wie E. D. aus dem sub II. überreichten anderweiten Exemplar zuentnehmen geruhen dürften, so überlasse er mit vollem Vertrauendie Entscheidung der Gerechtigkeit E. D., nur dürfte er die unter-thänige Bemerkung beifügen, daß der Absatz der Taschenbücher sosehr an Zeit und Stunde gebunden sey, daß er eine beschleunigteEntscheidung für eine Gnade anerkennen würde, der er sich durchsein ganzes künftiges Betragen würdig zu machen bestreben werde.

Ich würde dieser geringfügigen Sache nicht mit dieser Umständ-lichkeit erwähnen, wenn es nicht während meines sechsjährigenAufenthalts in Leipzig der erste Fall wäre, daß sich dieser durchseine Insolenzen bekannte Buchhändler mit Bescheidenheit und insupplizitirender Stellung, auch mit einem höchst demüthigen undkleinlauten Tone an eine k. k. Behörde wendet. Die Verfolgungen,welche der Brockhaus seit 4 Monathen in Preußen erlebt hat, unddie sein Vermögen sehr beeinträchtigt haben, mögen zu einer heil-samen Lection gedient haben; aber die Vereitelung der auf diegriechische Insurrection gegründeten lezten Hoffnungen, und dieseit 4 Tagen bei Gelegenheit der Messe in Umlauf gekommenen be-stimmten Nachrichten über die friedliche Stellung des Cabinets vonPetersburg hatten seine völlige Muthlosigkeit herbeigeführt.

Er äußerte seine Absicht nach Wien zu gehen, und alle Bürg-schaften für sein künftiges Betragen zu stellen. Auf meine warnendeBemerkung, daß keine kk. Behörde ihm einen Paß zu ertheilen wagenwürde, ließ er diesen Plan fallen, und bat mich dringend, wenig-stens seine aufrichtige Absicht, bei allen litterarischen Unterneh-mungen zu vermeiden, was der kk. Censur irgend misfällig seinkönnte, E. D. zur Kenntniß zu bringen. Er schloß damit daß erälter geworden sey, und daß ihm die politischen Ereignisse nunmehrbei ruhiger Überlegung in einem ganz andern Lichte als früherhinerschienen.

Gleichgültig gegen seine politischen Ansichten, konnte ich dochnicht umhin zu bemerken, daß es der Sache wegen zu wünschenwäre, daß, wofern nicht höhere Rücksichten entgegenstehen, dasGesuch in Betreff des Taschenbuchs Urania gewährt werden könnte.