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2 (1928)
Entstehung
Seite
533
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533 SCHÖNHERR

lebhafte Besorgnis beim Oberkommando in den Marken, und derverantwortliche Dezernent im Polizeipräsidium, Oberregierungsratv - Glasenapp, mußte einen ausführlichen Bericht über die Vorgängeaufsetzen (18. November 1915). Er wies mit vielen Belegen nach,daß der „Weibsteufel" allgemein die günstigste Aufnahme gefundenUnd weder die klerikalen noch die rechtsstehenden Blätter (unterletzteren die „Deutsche Tageszeitung") ursprünglich an dem Pro-blem des Dramas Anstoß genommen hatten. Die nachträglicheplanmäßige Opposition müsse ganz rätselhaft erscheinen. GegenStrindberg, Wedekind und ähnliche Autoren protestiere man nicht;aber Schönherr habe es — nicht durch den „Weibsteufel", sonderndurch „Glaube und Heimat" — mit zwei mächtigen Parteien ver-dorben, mit den Klerikalen und den modernen „Ästheten", undgerade das ablehnende Urteil der letzteren erwecke leicht den Ein-druck, als sei es dem Dichter nur darauf angekommen, durch brutaleAusmalung des Geschlechtlichen billige Erfolge zu erreichen. Dieseirreführenden Kritiken hätten offenbar die Generalsynode beeinflußt,ihre Redner hätten das Stück selbst schwerlich geprüft. Die ganzeBewegung werde sich bald im Sande verlaufen; einstweilen habesie nur das Gegenteil dessen erreicht was sie bezweckte: der Besuchdes „Weibsteufels" in den Kammerspielen habe schon begonnenabzuflauen; jetzt seien die Aufführungen täglich wieder ausverkauft.

Das Oberkommando stimmte der Ansicht Glasenapps durchausbei, und wenn von auswärtigen Behörden besorgte Anfragen ein-liefen, wie es denn um den „Weibsteufel" stehe, konnte die BerlinerPolizei beruhigend antworten: Weder die Zensur noch die Militär-behörde der Reichshauptstadt hätten den geringsten Anlaß gefunden,gegen das Stück einzuschreiten. Im März 1916 verpflanzte DirektorReinhardt das Stück vom Deutschen Theater auf seine Volksbühne(Theater am Bülowplatz); dazu bedurfte es einer besondern Ge-nehmigung; auch diese wurde von Polizei und Oberkommando ohneBedenken erteilt.

An dieser konsequenten Haltung der Berliner Behörden brachsich die Brandung der künstlich aufgeregten Volkszensur. Sie ebbtezwar nicht sofort ab, sondern plätscherte im Zeichen des „Burg-friedens" ziemlich ohnmächtig weiter, um schließlich noch einmal,kurz vor Ende des Kriegszustandes, eine kräftigere Welle aufs Landzu werfen.

Der Bonner Sittlichkeitsverein fühlte sich im Dezember 1915 ver-anlaßt, die Leipziger Polizei zu einem Verbot einzuladen. DirektorVieweg vom Leipziger Schauspielhaus unterbrach daher die Proben,um den Erfolg dieses rheinischen Manifestes abzuwarten. Aber dasOberkommando des 19. Armeekorps sah keine Veranlassung zumEinschreiten. — Gegen die Verbote durch mehrere Generalkomman-