Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
355
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355 v. KNEBEL

steller, vorkommen mußte, daß Sie mir zur Entscheidung über dieUntauglichkeit meiner Vorrede das Urtheil des Dr. Kühne ent-gegenhielten, der sie ,bei den Haaren herbeigezogen'nannte. Hr. Kühne ist mein Schüler, ich habe ihn literarisch erzogen,e r ist durch mich in der Literatur bekannt geworden, und es warwahrlich kein Freundschaftsstück von ihm, noch stand es ihm wohla n, hinter meinem Rücken Etwas zu mißbilligen, was er gar nichtzu übersehen vermochte. Um so mehr sind freilich dann Sie bei mirzu entschuldigen, wenn ein solches fremdes Einwirken auf Ihr Ur-theil stattgefunden, aber Sie hätten daran denken sollen, daß Hr.v. Varnhagen und ich zwei sind, die in allen Stücken überein-stimmen, und daß wir beide zusammen doch wenigstens so vielUrtheil haben werden (was uns und Ihnen schaden könnte) als dereine kleine Redacteur der großen eleganten Zeitung. Aber dieschweren Verfolgungen, die mir von den Regierungen widerfahren,hatten Sie glauben machen, es sei aus mit mir, und ich könne unddürfe nichts mehr mit Kraft und Energie durchsetzen. Die völligversöhnlichen Erklärungen, denen ich von Ihnen entgegensehen darf,werden mich bestimmen, den Einfluß, den ich besitze, nur zumNutzen Knebels zu verwenden."

Von dem in diesem Brief hervortretenden vorübergehenden Zwistzwischen Mundt und seinem Jugendfreunde Kühne, der damalsRedakteur der „Zeitung für die elegante Welt" war, sagt übrigensdas Piersonsche Buch über Kühne nichts.

Für Mundt war damit die Knebeische Angelegenheit erledigt;nicht aber für den Verleger. Die Vorsicht des letzteren hatte unglück-licherweise eine falsche Richtung genommen. Er hatte es durch-gesetzt, daß Mundts Vorwort zum dritten Bande fortblieb und in-folgedessen überhaupt nicht gedruckt wurde, er hatte sogar den,,famösen Zettel" mit dem Dank an den preußischen Minister bei-behalten, was selbst Varnhagen nicht mehr hatte verhindern können;in einigen Exemplaren des Buches ist er wirklich zu finden. Aberalle diese Vorsicht hat den dritten Band des Knebeischen Nach-lasses nicht vor einem Schicksal bewahren können, das wohl keinerder Beteiligten ernsthaft noch erwartete, wenn auch Mundt auf dengefährlichen Inhalt gerade dieses Bandes von vornherein hinge-wiesen hatte. Am 8. März legten die Gebrüder Reichenbach denSchlußband der preußischen Zensurbehörde vor; das Gesuch umDebitserlaubnis wurde jedoch am 21. April abgelehnt mit einer aus-führlichen Begründung, die auf das Gutachten des Oberzensur-kollegiums zurückging. Dieses Gutachten hatten vier Mitglieder desKollegiums unterzeichnet: die Professoren Wilken und v. Lanci-zolle, der Bischof Neander und der Geheimrat Tzschoppe im Polizei-ministerium, der auf das „Junge Deutschland" besonders scharf

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