Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
340
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v. KNEBEL 340

bunter Schriften' u. die ganze Ablieferung der Großherzogl. Briefegemacht haben, u. wenn wir einst uns mündl. expectoriren, so binich gewiß, daß Sie mir volle Billigung zollen werden für alles, wasich besänftigend gewirkt habe." Offenbar hatte man in Weimar einenTeil der Briefe Karl Augusts ganz zurückhalten wollen, der Verlegeraber auf seinem Vertrag bestanden.

So völlig unbeteiligt, wie Varnhagen in Weimar erscheinen wollte,war er bei der Redaktion des Knebeischen Nachlasses gewiß nicht.Er stand, trotz seines Goethekultus, dem Empfinden der jungenGeneration sehr nahe, mit den meisten Schriftstellern vom „JungenDeutschland" war er befreundet, sie durften ihn wenigstens als ihrenGönner betrachten, und als stiller Frondeur, der in seinem Tagebuchso manches pikante Skandälchen der Nachwelt überlieferte, sah erder Weimarer Angst vor „Indiskretionen" gewiß mit verstohlenemBehagen zu. Am 2. Juli hatte ihm Mundt seine Biographie Knebels,soweit sie im Manuskript fertig war, vorgelegt, und es ist kaum einZweifel, daß er sie, schon aus Rücksicht auf seinen Schützling, überdessen Haupt sich unterdes allerhand Wolken zusammengezogenhatten, die seine ganze vielversprechende Karriere verdunkelten,sorgfältig gelesen hat. In Weimar brauchte man das aber nicht zuwissen, besonders da zwischen dem Kanzler v. Müller und Mundteine sehr gereizte Korrespondenz hin und her ging; Mundt hatte sichoffenbar geweigert, die Stellen, deren Druck im Probeheft den Wei-maranern so auf die Nerven gegangen waren, in der Buchausgabezu unterdrücken; diese Retouche in usum delphini wäre der Kritiknicht verborgen geblieben; den dann zu erwartenden, berechtigtenVorwürfen wollte sich Mundt begreiflicherweise nicht aussetzen;wenn die Kritik solche Fälschungen feststellte, war der ganze Kreditdes Buches gefährdet. Entweder hatte er das dem Kanzler geradeheraus erklärt, oder dieser las die Korrekturbogen der von ihmselbst redigierten Karl-August-Briefe; dabei stieß er nun auf die-selben „pudenda" und verlangte in der kategorischen Art, die seinAuftreten Jüngern oder ihm untergeordneten Persönlichkeiten gegen-über oft genug peinlich machte (vgl. Kapitel 2 im 2. Band meinerEckermannbiographie), daß Mundt sich seinen Anordnungen wider-spruchslos zu fügen habe. Wie Mundt über diese Zumutungen dachte,ergibt sich aus seinem nächsten Brief an Varnhagen;

„Ich erlaube mir, verehrtester Herr Geheimer Rath, Ihnen in derAnlage zwei mir gleichzeitig zugegangene Briefe mitzutheilen, welchedie fatale Knebeische Angelegenheit betreffen. Der Kanzler v. Müllerspannt gelindere Saiten auf, und der befehlende Ton, den er sichsonst gegen mich erlaubte und wodurch er eigentlich zuletzt Allesbei mir verdarb, ist daraus gewichen. Ebenso freue ich mich, daßdie Zuschrift des Herrn Ministers in dieser Weise ausgefallen ist, der,