285 v. HOLTEI
ln Nr. 12 vom 15. Januar 1829 darauf hin: „Über den sehr caldero-n »sch katholischen Schluß, welcher dem .Wundertätigen Magus ;lachgebildet ist, hätte die Kritik viel zu sagen, da es aber auf eineErörterung ankommt, ist eine politische Zeitung nicht der Ort dazu."Das würde zweifellos auch der Zensor erklärt haben, wenn sich derKritiker auf eine solche Erörterung eingelassen hätte. —
Ein ähnlich geheimnisvoller Zensurstrich verursachte bald daraufrast einen Theaterskandal. Goethe war am 22. März 1832 gestorben,Und die Königstadt — das Königliche Theater rührte sich nicht —veranstaltete sogleich eine Trauerfeier, zu der Holtei eine allegorischeDichtung fast extemporiert hatte. Dichter und Darsteller in einerPerson, übernahm er die Rolle des Faust, der — so begann die ersteSzene — die Nachricht von dem Tode des Dichters überbringt undmit dem Regisseur berät, ob ein Theater zweiten Ranges wie dasKönigstädtische wohl ein Recht zu solcher Totenfeier besitze.
Zensor des Königstädtischen Theaters war damals der HofratJohn, den zwanzig Jahre zuvor Goethe selbst als Schreiber beschäftigt,aber mit einem schlechten Zeugnis entlassen hatte (vgl. S. 290ff.). DasTheater war im Sommer 1829 in andere Hände übergegangen, einMakler namens Friedrich Cerf (richtig: Hirsch) war sein alleinigerBesitzer geworden, ein Analphabet, aber gerissener Geschäftsmann;Holtei hatte sich mit ihm überworfen, konnte aber anderswo nichtrecht Fuß fassen und kroch schließlich wieder bei seiner geliebtenalten Königstadt unter. Bei einem Privattheater konnte von selb-ständiger Zensur nicht mehr die Rede sein. Zensor John nun emp-fand in jener Unterredung zwischen Faust und Regisseur einenStich auf das in mancher Beziehung begünstigte Hoftheater; wennder Regisseur einwandte, daß Goethe auf der Königstadt mit seinenWerken ja nie zu Wort gekommen sei, so konnte das als eine An-spielung gelten auf das Monopol, das dem Schauspielhaus am Gens-darmenmarkt auf alle klassischen Tragödien verliehen war. Johnstrich also eine größere Stelle aus dem Dialog fort. Holtei warwütend. Sein Werkchen wurde gleichzeitig gedruckt („Göthe'sTodlenfeier auf dem König städtischen Theater. Berlin, am löten April1882. Berlin 1832, hei Cosmar und Krause"; der Name des Verfasserssteht unter der Widmung an Frau Ottilie v. Goethe) ; der Zensor,der den Druck prüfte, hatte nichts an den Versen auszusetzen gehabt.Also müsse die gestrichene Stelle bleiben, erklärte Holtei auf derHauptprobe; er werde sie auf eigene Gefahr sprechen.
Der Abend kam. Der Vorhang ging hoch, und schon sollten dieverfemten Worte beginnen. Da schlägt der Souffleur, den Holteizwar nicht brauchte, aber doch wider Willen hören mußte, vielspäter folgende Worte an und bringt dadurch den Dichter in Ver-wirrung. Dieser pausiert und wirft einen drohenden Blick in den