Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
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253 HAMMER

°der deutschen Verlagsorten bezeichnet; im benachbarten Belgien•>eß die strenge spanische Zensur nichts durch. Was ganz orthodoxerscheinen wollte, es aber keineswegs war und sich unter falscherflagge einzuschmuggeln gedachte, wählte dazu die Residenzen derkatholischen Kirchenfürsten. Köln am Rhein war besonders beliebt,dort wurde schon seit Ende des 15. Jahrhunderts eine strenge Zensurseitens der kirchlichen Behörden ausgeübt, und unter seinen Ver-lagsfirmen gewann der Name Pierre Marteau, auf deutsch: PeterHammer, eine gewisse Berühmtheit.

Die Verlagsangabe: „Colin, bey Pierre Marteau" findet sich in derfranzösischen Presse zuerst 1662, um 1685 auch in der deutschen.Der Verlag Cotta brauchte sie noch 1788 für Bernritters „Rand-glosse". Ob ein Setzer oder Drucker dieses Namens wirklich gelebthat, ist ungewiß. 1768 tauchte die Übersetzung „Peter Hammer"auf; seit Anfang der neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts, also seitder Französischen Revolution und Napoleons Aufstieg, wurde sie zupolitischen Tagesschriften immer häufiger benutzt. Zur bessern Be-glaubigung gab man ihr noch einige Varianten: „Hammers Erben",>,P. Hammer der ältere", und in Köln, Mainz und Reutlingen, inAmsterdam und Petersburg schien dieser gewaltig rührige und unter-nehmende Buchhändler seine Filialen zu haben. Berliner Verleger,wie Nicolai und Voß, Leipziger, wie Fleischer und Hartknoch, legtendiese Maske an; seit Beginn des 19. Jahrhunderts begegnet man ihrallenthalben. In den Listen verbotener Bücher, die in den Zensur-akten geführt wurden, ist keine Firma so häufig vertreten wie diese.Rebmanns „Neues graues Ungeheuer" (1795, Band 13—18) undMagister Laukhardts „Schilderung der jetzigen Reichsarmee" (1796)führten diese falsche Flagge; dahinter verbarg sich bei Rebmann derVerlag Vollmer in Erfurt, dann in Hamburg, und bei LaukhardtE. Fleischer in Leipzig. Friedrich Maximilian Klingers „Betrach-tungen und Gedanken" (1802) und Mahlmanns „Herodes und Beth-lehem" (1803) bedienten sich ihrer; in Wirklichkeit bezahlte dieDruckkosten der Verlag Hartknoch in Leipzig. Des Grafen v. Schlab-rendorf „Napoleon und das französische Volk" (1804) erschien zu„Petersburg" bei „P. Hammer dem älteren", verlegt hatte die SchriftAugust Campe in Hamburg. Wilhelm Neumann und Varnhagenv. Ense sandten unter der Kölner Firma ihre „Testimonia auctorumde Merkelio, d. i. Paradiesgärtlein für Garlieb Merkel" (1806) hin-aus, und der junge Joseph Görres legte scherzhafte „Schriftprobenvon Peter Hammer" vor (1808). Berüchtigt wurde die Firma durchdie anonymen „Vertrauten Briefe über die innern Verhältnisse amPreußischen Hofe" (Köln und Amsterdam, 1807—1809) und die„Neuen Feuerbrände" (1807), deren Verfasser, der preußischeKriegsrat Friedrich v. Colin, vom Staatskanzler v. Hardenberg heftig