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ration erfüllten! Er hatte in der furchtbarsten Not des Vaterlandesringsum die niedrigste Selbst- und Gewinnsucht ihre Orgien feiernsehen — man lese seine Briefe aus Königsberg, dem damaligenSitz der Preußischen Regierung und dem Zentrum der sogenanntennationalen Bewegung! — und diese erschütternde Beobachtunghatte ihn zu der Überzeugung geführt: wenn die Jugend nicht indem gleichen moralischen Morast versinken soll, muß sie demEinfluß der unrettbaren altern Generation mit allen Mitteln ent-zogen werden, damit in ihr ein neues Gemeinschaftsideal lebendigwerde, zu dem sich die verstumpfte Masse der sogenannten Staats-bürger nicht mehr aufschwingen kann. Dazu gibt es nur ein Mittel:eine neue Erziehung, die den Einfluß der Eltern, die in ihrer Mehr-heit jener Masse angehören, auf das schlechterdings Unvermeidlichebegrenzt. Die Prinzipien und die Praxis dieser neuen Erziehunghatte damals bereits der Schweizer Pestalozzi festgelegt; Fichtewurde sein begeisterter Prophet. Und was Fichte damals predigte —die Gegenwart, von einem Zyklon noch grauenhafterer Erlebnissevöllig entwurzelt aus dem Boden der Vergangenheit, versucht diesesPestalozzi-Fichtesche Erziehungsideal aufs neue und mit tatkräftigerEnergie in Leben umzusetzen. In diesem Sinne sind, wie FritzMedicus in seiner meisterhaften Fichtebiographie (2. Aufl. 1922)sagt, die „Reden an die deutsche Nation" der edelste Ausdruck vonFichtes demokratischer Gesinnung. Das empfanden die regierendenKreise schon 1808, und mehr noch 1824, als der „Unfug", denFichtes Reden angerichtet hatten, sich überall drohend bemerkbarmachte. In Fichte spukte eben immer noch der Verfasser des BuchesÜber die Französische Revolution, und was der Präsident des Ober-zensurkollegiums in Berlin 1824 über Fichte votierte, hatte schonzehn Jahre früher, kurz nach Fichtes plötzlichem Tode, der WeimarerMinister Voigt, der im Leben des Philosophen eine so verhängnis-volle Rolle gespielt hat, in die Worte gefaßt: „Von Fichten — genug.Er war doch eigentlich kein in Ordnung gebrachter Kopf. Der revo-lutionäre Geist hatte ihn für das Gewöhnliche und Nützliche ver-stimmt, wiewohl er es immer redlich gemeint haben mag" —■ Wortebedauernden Mitleids, wie ihn „das Gewöhnliche und Nützliche"(heute heißt es „Wirtschaft") nach bureaukratischem Begriff immerdem Idealismus gegenüber in Bereitschaft hat. Wenn aber durcheine kaum begreifliche Tradition über die eigentliche Tendenz der..Reden an die deutsche Nation" eine andere Auffassung landläufiggeworden ist, so liegt das wohl hauptsächlich daran, daß diesesBuch zwar allenthalben gepriesen, aber gerade von denen, die esam häufigsten im Munde führen, am wenigsten gelesen wird.
Wo aber — und damit erscheint das Votum des Herrn v. Raumerin einem ganz eigentümlichen Lichte — hat Fichte sein, die „Be-