Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
36
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BRUNET 3 6

Freundin, daß er sie beschwindelt habe, die Briefe würden nicht inder Schweiz gedruckt, sondern „weit, weit von hier" (von Maria-halden am Züricher See) ; die Herstellung werde daher lange dauern,da die Druckerei nur eine Maschine habe. Am 31. kassiert er inZürich seinen Honorarwechsel ein. Am 5. Januar 1833 sind die Bände3 und 4 fertig, aber noch nicht in Frankfurt, der Verleger will siean den Sitz des Bundestags erst später versenden — Campes Praxis!Am 12. versichert er, Campe sei nicht der Verleger, dieser wohne,,100 Meilen" von Hamburg entfernt, er habe mit Campe wegen desHonorars nicht einig werden können, und dieser habe Angst vorder Sache gehabt. Am 2. Februar ärgert Campen der Verzicht aufden Verlag, denn die neuen Bände sind noch nicht verboten —Börne wußte offenbar nicht, daß das preußische Verbot schon am j18. Januar 1833 ergangen war. Am 19. Februar braucht BörneAdressen in Frankfurt, Leipzig und — Hamburg, um eine Korre-spondenz mit dem ungenannten Verleger zu führen. Am 21. meldeter das Verbot der „Mittheilungen" in Bayern: „Wie wird sich meinVerleger freuen." Alle diese Briefe waren offenbar darauf berechnet,daß sie auf der Post geöffnet und den Zensurbehörden mitgeteiltwurden.

In Berlin glaubte man zunächst, die Firma Heideloff und Campein Paris stecke hinter dem Namen Brunet. Aber der Buchhandlungs-gehilfe Paul Gauger, dessen Aussagen in der Untersuchung gegenHeideloff wegen Heines Vorrede zu den „Französischen Zuständen"eine wichtige Rolle spielten (vgl. den Artikel: Heideloff und Campe,unten S. 270ff.), wußte davon nichts, und Heideloff selbst wiesdiesen Verdacht entrüstet von sich: die „Briefe" seien weder in Parisgedruckt noch verlegt, und eine Firma Brunet gebe es dort nicht.Die Untersuchung über die Beziehungen der Firma Heideloff undCampe hatten auch nach Nürnberg geführt, wo das Pariser Hausnach Gaugers Aussage eine „Kommandite" haben sollte, und zwar inder Druckerei von Friedrich Campe, dem Bruder des Hamburgers.Am 4. Februar wurde der Nürnberger Drucker vernommen undmachte dabei dem dortigen Stadtkommissar die „vertrauliche" Mit-teilung: „Es liegt eine große Mystifikation zu Grunde, wenn mandas Haus Heideloff und Campe [dessen Teilhaber Friedrichs SohnNapoleon war] verdächtigt, denn es sind deutsche Buchhändler,welche diese Firma samt einem ersonnenen Brunet in Paris mis-brauchen und Dinge zu Tage fördern, die in Deutschland verboten."Man möge auf diplomatischem Wege veranlassen, daß der LeipzigerBuchhändler Friedrich Volckmar eidlich vernommen werde, das seider Kommissionär der rätselhaften Firma Brunet.

Diesen Wink befolgten die Untersuchungsbehörden sofort, dennzwei Monate zuvor waren Band 5 und 6 der „Briefe aus Paris" er-