Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
19
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i 9 ALLGEMEINE DEUTSCHE BIBLIOTHEK

angepriesen wird, und im Ganzen ein weitläufig-gelährt-periodi-sches Werk ausmachet; als ist meine unmaßgeblichste Meinung,daß ersagte Bibliothek bey der gegenwärtigen CensursEinrichtungnach den Allerhöchst vorgeschriebenen Grundregeln um so vielmehr frey zu lassen seye, da in dieser periodischen Schrift nicht diecatholische und christliche vor sich, sondern die protestantische fastallein angegriffen, und zu Zeiten ins lächerliche gesetzet wird: undwenn auch in ersagter Bibliotek der Socinianismus mit Beyfall auf-geführet wird, dasselbe nicht von jedermann verstanden noch bey-geschaffet werden kann, ist dabey keine Gefahr einer Proseliten-macherey zu befürchten, sondern es erlangen darin die Gelahrte be-sonders unsere Theologen den Vortheil, daß sie alda das neuesteSocinianische Lehrgebäude recensiret finden, welches Sie sonst lautder unter Sr. Maj. der Höchst Seel. Kayserin herausgegebenen An-leitung für die Öffentliche Lehrer der Dogmatik und Polemik invveitläuftigen Schriften mit vieler Mühe und Kosten bishero auf-suchen müssen. Zudem wenn auch in dieser Bibliotek ein und an-derer Ausfall wider die catholische oder auch christliche Religion ins-gemein enthalten wäre, so bleibt doch Selbe immer nur eine Re-cension; folglich kann diese Bibliotek nicht angesprochen werdenals ein Werk, welches Systematisch die Catholische oder auch dieChristliche Religion angreife, und vermög der 2ten Grundregel zuverbieten wäre. Diese und andere dergleichen Gründe, welche in den3 beygelegten gutachtlichen Äußerungen angeführet worden habenmich verleitet, die Freylassung ersagter Bibliotek unmaßgeblichstgehorsamst anzurathen.

Den 20. Juni 781. Bartholotti.

Nach der ehemaligen Verfassung mußte die Sache dahin kommen,wohin sie in Ansehung der berliner Bibliothek gediehen ist; nachdemaber dermal andere Grundregeln vorhanden sind, und dem Vorstandein Absicht auf das gemeine Wohl, und der damit verknüpften Auf-klärung, mehr Freyheit eingeräumt ist, so gewinnt die Frage; obdie berliner Bibliotek zuzulassen sey? einen ganz andern Gesichts-punkt. Da es gewiß ist, daß sie als ein kritisches periodisches großestheures Werk weit mehr nützen als schaden kann, indem die meistenLeser sich nicht soviel um das theologische als andere Materien be-kümmern, dann es zumTheil auch nicht verstehn, die Theologen selbstaber, welche sich auf die Leetüre legen, folglich sich zu unterrichtenguten Willen haben, gar vieles zur eignen Aufklärung lernen können,so scheint mir kein Anstand zu seyn, daß in Erwägung, daß das gute,welches von gedachter Bibliotek sicher zu hoffen ist, den ungewissenkleinen Schaden, den sie auch bey Schwachsinnigen aus Mangel destiefern Nachdenkens nicht einmal macht, weit überwiegt, das auf die