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2 (1928)
Entstehung
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12
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ALLGEMEINE DEUTSCHE BIBLIOTHEK 12

literarischen Richtung nicht folgen konnte und ebenso wie ihr Her-ausgeber geistig verkalkte, blieb sie doch immer ein Sammelwerk,an dessen Reichhaltigkeit kein anderes heranreichte.

Unter der Regierung Friedrichs des Großen hatte Nicolais trefflichredigiertes Unternehmen seine beste Zeit, und von den Tücken derZensur blieb es so gut wie unbehelligt. Der Philosoph von Sanssoucinahm sich sogar des Blattes an, als einmal ein Schriftsteller, der sichdurch eine Buchrezension in der Zeitschrift gekränkt fühlte, denHerausgeber Nicolai denunzierte, weil er sein Blatt außerhalb Preu-ßens drucken lasse und auf diese Weise der preußischen Zensur ent-ziehe. Tatsächlich hatte der König in seinem Zensuredikt von 1749bestimmt, daß der Berliner Zensur auch alles vorgelegt werden müsse,was „Unsere Unterthanen außerhalb Landes drucken lassen wollen",und das spätere Zensuredikt von 1772 hatte diesen Paragraphenkeineswegs aufgehoben. Jetzt, im Jahre 1775, schlug aber Friedrichselbst das Gerichtsverfahren gegen Nicolai nieder, weil bei den„ohnedem außerhalb des Landes gedruckten gemeinnützigen Werken"wie der „Allgemeinen Deutschen Bibliothek" die inländische Zensur„wo nicht unmöglich, doch sehr schwer, ja sogar zum Nachtheil desWerkes selbst seyn dürfte", und bestimmte in einer Kabinettsordervom 4. Dezember dieses Jahres, daß alle von preußischen Buchhänd-lern verlegten, aber auswärts gedruckten Werke von der Inlands-zensur zu befreien seien, da sie am Druckort schon zensiert würdenund der Verleger ja doch stets verantwortlich bleibe, falls er etwasdrucken lasse, „was den allgemeinen Grundsätzen der Religion undsowohl moralischer als bürgerlicher Ordnung entgegenläuft". DieDenunziation brachte also der „Allgemeinen Deutschen Bibliothek"die schmeichelhafte königliche Anerkennung ihrer Gemeinnützigkeit,was ihr Ansehen nur heben konnte, und obendrein dem preußischenBuchhandel die Befreiung von einem oft sehr lästig empfundenenZensurknebel. Die Literatur gewann damit einen Ausweg, um sich imNotfall der preußischen Zensur ganz zu entziehen. Solange Friedrichlebte, lag dazu wenig Veranlassung vor; um so mehr aber unterseinem Nachfolger.

Auch in dem weit strengeren Österreich war die Zeitschrift bis dahinimmer gut durchgekommen, und die Wiener Zensurstelle wagte sichnicht an ein Blatt heran, an dem gegen hundert der angesehenstendeutschen Gelehrten mitarbeiteten. Noch am 19. Aug. 1777 gewährteihr Kaiser Joseph als Mitregent seiner Mutter Maria Theresia einPrivileg gegen den Nachdruck. Ende dieses selben Jahres aber wurdesie plötzlich in allen österreichischen Ländern aufs strengste ver-boten, und zwar nicht ein einzelner, gerade anstößiger Band, sonderndie ganze Reihe, deren Verbreitung die Zensurkommission bisher ohneBedenken gestattet hatte, ebenso wie die zukünftigen, über deren