} 76 Die portugiesische Thronfolge.
hängigkeitsverhältniss von ihm *), obgleich zur Bezeichnung seinerHerrschaft bereits Ausdrücke gebraucht werden, die eher auf dieStellung eines Souveräns, als eines Statthalters hinweisen. (Prin-ceps und Princeps patriae Portugalensium, Princeps noster, Reg-nante Henrico u. s. w.) Thatsächlich unabhängig gestaltete sichdie Herrschaft Heinrichs sodann mitdem Tode Affonso's VI (1109).Ohne der kastilianischen Königin, seiner Schwägerin Donna Urracamit einem Worte zu gedenken, nannte sich Heinrich »von GottesGnaden Graf und Herr von Portugal«. Nachdem Todeihres Gemahls wusste Theresia die Unabhängigkeitsbestrebungendesselben mit Erfolg fortzusetzen; schon sie wurde von den Portu-giesen »Königin« genannt. »(Mortuo Enrico comite, Portugalensesvocaverunt eam reginam«. Chronicon Alfonsi imper.) Nach kas-tilianischer Sitte wurde die Königstochter allerdings als »Königin«bezeichnet; aber Theresia wusste diesem leeren Höflichkeitstitelbald eine praktische Bedeutung zu geben und nannte sich seit demTode ihres Gemahls geradezu »Königin von Portugal«. So warPortugal zwar damals noch kein Königreich, aber, wie Schäferrichtig bemerkt, bereits das Reich einer Königin. DonnaTheresia nahm nicht nur ihren Unterthanen, sondern auch deinAuslande gegenüber eine viel selbstständigere Stellung ein, als ihrGemahl und schloss mit ihrer Stiefschwester der Königin von Kas-tilien Verträge, wie eine vollkommen souveräne Monarchin.
Der Sohn,Theresia's, AffonsoIIenriques, regierte seit 1128 unterdem Titel » I nf a n t« (»obtinuit ipse infans inclitus Domnus Alfonsusprincipatum et monarchiam regni Portugallensis«. Chron. Lusit. a.11G6); er vertheidigte die Unabhängigkeit Portugals mit aller Kraftgegen Kastilien und erweiterte sein Reich durch einen glorreichenSieg über die Mauren bei Ourique (1139); auf dem Schlachtfeldeselbst oder wenigstens bald nach dem Siege legte er sieh den Königs-titel bei und wird seitdem stets als König bezeichnet.
III. Die Kortes von Lamego.
Affonso I, der Eroberer suchte seine neue Königswürde aufeine doppelte Weise zu befestigen, einerseits indem er sich um die
*) Eine andere Ansicht vertreten viele ältere portugiesische Schriftsteller, auchder portugiesische Rechtshistoriker Mello Freire a. a. 0. § 36 p. 37.