Schlußwort.So viel über die noch in der Gegenwart vorfindlichen Ueber-reste der „outfränkschen Tyt“. Wir haben das Bild des „altenViersen“ vollendet. Aus der kräftigen Wurzel eines auf guteSitte und rege Triebsamkeit gegründeten Familienlebens sahenwir den kräftigen Baum eines in der Verbindung der mannich-fachsten Verhältnisse ganz eigenartigen Gemeindelebens hervor-gehen. Wir haben unsere Altvorderen belauscht in der geräusch-losen Thätigkeit am häuslichen Heerde, wie in ihrer täglichen Be-schäftigung im Handwerk und Handel, hinter Webstuhl und Pflug,wir sind ihnen gefolgt in ihre Lustbarkeiten und Vergnügungen,wie in die ernsten Berathungen deren, die über das Wohl undWehe der Gesammtheit wachten, ihren Neigungen, Anschauungenund Gewohnheiten sind wir nachgegangen und haben uns nichtverhehlt, wo Licht, wo Schatten war. Mag der, welcher fremdin das Gemeindewesen eintritt, glauben, Frohsinn und Gemüth-lichkeit seien in Viersen nicht zu Hause, und der Zeit bedürfen,ehe es ihm gelingt, die äußere Rinde, welche das Herz seiner Ein-wohner umgibt, zu durchbrechen, das alte Viersener Wappen ent-hält ja neben dem Geldernschen Löwen darum nicht mit Unrecht dieMispelblüthe, deren Frucht auch erst unter der Einwirkung der Zeitdie saftige Weichheit erhält. Aber noch eine andere, Viersen's Ent-wicklung ebenso treffend charakterisirende Bedeutung birgt diesSymbol seines alten Wappens in sich. Der Franzose gebrauchtdas Sprichwort „Avec le temps et la paille les nèfles mû-rissent“, um damit anzudeuten, daß, wie die Mispel erst durchdie Dauer der Zeit zur Reife gelangt, so auch dem Menschen es
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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