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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
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Sanitätswesen.35eines Kindes, welches ein verwachsenes Bein und einen „Lidtswam“hatte, zwei Pistolen, und für Heilung einer in einer Schlägereierhaltenen „seer grooten Wonde“ 6 Reichsthaler 48 Stüber aus.Meister Ariaen accordirte die Heilung eines Brustkrebses zu 38Rx., einem Malter Buchweizen und einem halben Sack Kuchen-mehl. Bei zahlungsunsichern Leuten wurden auch vorher Bürgenfür Auszahlung der Curkosten gefordert. Nur in Zeiten der Epi-demie sah man von dem vorherigen Accord ab und wurden dieeinzelnen Visiten in Anrechnung gebracht. So berechnete bei der1794 grassirenden Ruhr Meister Ropoel jede Visite mit 10 bis15, und bei weiter Entfernung mit 20 Stüber. LandphysikusPfeffer in Geldern, dem Ropoels Rechnungen zur Begutachtungvorgelegt wurden, meint dazu, in Fällen, wo mehrere Kranken ineinem Hause wohnten, habe eine Reduction für den Einzelneneinzutreten. Zuweilen besuchten auch Wanderärzte den Ort. Soſtellt das Gericht dem „Medicus, Oculiſt, Stein⸗ und Bruch-ſchneider“ Mr. Joannes Gabriel Lambach ein günſtiges Zeugnißüber geleistete Curen aus.Dem Mangel in den Viersener Sanitätsverhältnissen abzu-helfen, vereinigten sich 1797 die Kaufmannschaft und die Meist-geerbten, um „da bis jetzt noch kein wirklicher Arzt und erfahre-ner Chirurg in Viersen war“, einen erprobten Mediciner nachViersen zu ziehen, und ihre Wahl fiel auf Dr. I. C. Freuden-berg, den Sohn des Wickrather Arztes Phil. Freudenberg, dessenWahl auch von Geldern bestätigt wurde. 1812 finden wir ihnals von den Franzosen bestätigten Stadtphysicus und officier desanté wieder. An ihn schlossen sich Dr. Schneider (1811) undDr. Franz (1823) bald an.Eine Apotheke besaß Viersen in früherer Zeit nicht, Haus-mittel und einfache Mittel konnten aus den hiesigen Winkelladenbezogen werden; zur Anfertigung der Mixturen, zum Einkauf der„geblüthpurificirenden Decocten“, „der Schächtlein tröstender Pil-len“, „tröstender und magenstärckender Latwerge“, „fieberabsor-birender Pulver“ (à 1 ⅛ Stüber), „spanischer Fliegenpflaste(à 3. Stüber), „Magen= und Fieberlatwerge“ oder „wasserab-führender Jalappiniſcher Spezies“, über die noch manche Rech-nungen vorliegen, mußte man sich nach Geldern, Crefeld oderGladbach wenden. Bis 1743 wurden die Mixturen für Armeaus der Gemeindecasse bestritten, von da ab auf GeldrischesMonitum hin aus den Armenfonds.Eine Classe von Medicinalpersonen, welche entweder durchunbefugtes Amtiren oder die verbotene auswärtige Praxis derGemeinde viel zu schaffen machten, waren die Hebammen oder„Wysmoeder (sages femmes). Diese waren verpflichtet ein Exa-men vor dem Pfarrer und einem experten Arzte, später vor dem