Druckschrift 
Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen
 

-

246-

fie habe nur auf ihr Büblein gewartet. Als aber derDoktor das Rezept in die Hand nahm und sehen woll-te, wer bei ihr gewesen sey und was für einen Tranfoder Pillelein er ihr verordnet hat, erstaunte er auchnicht wenig, und sagte zu ihr!» Frau, sagte er, ihrsend einem guten Arzt in die Hände gefallen, denner hat euch fünf und zwanzig Dublonen verordnet,beim Zahlamt zu erheben, und unten dran steht: Jo-seph, wenn ihr ihn kennt. Ein solches Magenpflasster und Herzsalbe und Augentrost hátt ich euch nichtverschreiben können." Da that die Frau einen Blickgegen den Himmel und konnte nichts sagen vor Danfbarkeit und Rührung, und das Geld wurde hernachrichtig und ohne Anstand von dem Zahlamt ausbezahlt, und der Doktor verordnete ihr eine Mixturund durch die gute Arzney und durch die gute Pflege,die sie sich jetzt verschaffen konnte, stand sie in wenigTagen wieder auf gesunden Beinen. Also hat derDoktor die kranke Frau furirt, und der Kaiser diearme, und sie lebt noch und hat sich nachgehends wie.der verheirathet.

Vereitelte Rachsucht.

Der Amtmann in Nordheim ließ im Krieg in denneunziger Jahren fünf Jauner henken, und warensin der ersten Viertelstunde so gut gewohnt, daß keinermehr herab verlangte, und je nachdem der Windgieng, exercirten sie miteinander zum Zeitvertreib,rechts um, links um, ohne Flügelmann. Aber eisnem seine Beiläuferin, die einen Buben von ihmhatte, sagte:„ Wart Amtmann, ich will dirs einträns