56
wenig Wasser hinkommt, da bleiben auch die Pflanzen klein und schlecht, und was kann davor seyn?So ist es mit dem menschlichen Körper ungefähr auch,und je weniger derselbe durch die Kleidung gedrücktoder eingeengt wird, desto freier und reichlicher kannsich auch das Blut durch seine Adern bewegen, destobesser werden auch alle Theile des Körpers mit demWachsthum zu ihrer Kraft und Vollkommenheit geslangen und darin erhalten werden. Wenn ihr abereinen Arm oder ein Bein unterbindet und den Blut-lauf aufhaltet, so wird auch diesem Glied scine Nahsrung entzogen. Das geschieht nun, wenn man vonfrüher Kindheit an, die Beine unter dem Knie miteinem ledernen Riemen durch eine Schnalle so festbindet. Diefeinen und größern Adern werden zusfammengepreßt, cs fann nicht so viel Blut ab undaufsteigen als nöthig ist, die Knochen kommen daherkaum zu ihrer gehörigen Stärke und es setzt sich nichtgenug Fleisch und Fett um dieselben an. Da zichtman nun den Riemen immer fester an, und dashilft ein wenig zum Schein, macht aber eigentlichnur aus Uebel Aerger, wie es immer gebt, wennman nur auf den Schein sieht und zur Abhülfe ei-nes Fehlers oder Gebrechens die rechten Mittel nichtzu wissen verlangt und mit den nächsten besten sichbegnügt. Mein guter Rath wäre also der: Jbrfollt's machen wie andere vernünftige Leute auch.Man binde die Strümpfe mit geschmeidigern Bandern über dem Knie, oder wenn man bei der altenWeise bleiben will; so ziebe man wenigstens dieRiemen nicht fester an als nöthig ist, um die Strümpfe oben zu erhalten. Man muß nie mehr Kraft