938 G. Nr. 2616-2617.
Gherardo Fiorentino, einem von Vasari im Leben des Bartolomeo dellaGatta gerühmten Mosuikarbeitcr und Miniaturmaler. Man schreibt ihmKupferstiche nach Martin Schön zu, worüber Passavant, P. gr. I, p. 239handelt. Andere wollten auch wissen, dass dieser Gherardo in Dürcr'sManier Holzschnitte geliefert habe. Diese Angabe ist wohl ohne Grund,da Gherardo Miniatore 1495 im 63. Jahre starb. Er kann daher dieerwähnte Copie der Madonna auf dem Halbmonde in keinem Falle ge-fertiget haben, da Dürer das Blatt wohl nicht vor 1510 gefertiget hat.Man wollte aber dennoch einen italienischen Meister vermuthen, ohnemit Bestimmtheit einen Namen für ihn zu finden. Wenn dieses sichso verhält, so konnte der Meister G der von Achillini im Viridariofol. 188 erwähnte Gavardino oder Guardino da Bologna seyn. Bumaldi(Mincrvalia p. 244) nennt ihn aeris incisor et sculptor perrarus, dochkennt weder er, noch irgend ein anderer älterer Schriftsteller ein Blattvon seiner Hand. Zani (Ena mct. I.) nennt ihn einen Goldschmied,Stecher und Bildhauer um 1505, hätte aber auch ein späteres Datumgeben können, da er kein Blatt von 1505 kennt. Malvasia, Heller undspätere Schriftsteller machen den Gavardino zum Formschneider, vonwelchem man aber kein Werk kennt. Der Gavardino aeris incisor desAchillini ist nur als Kupferstecher zu nehmen.
2616. Unbekannter Zeichner und Kupferstecher, welcher um
rp^l / ----' 1500—1520 in Holland gelebt haben könnte. Bartsch,
I 1/vQ P- gr. VIII. p. 11, fand das erste Zeichen aut einerCopie nach Lucas van Leyden, welche einen jungen Mann an derSpitze einer Truppe von Soldaten vorstellt. Er steckt die linke Handan der Brust in seinen Mantel, und erfasst mit der rechten einender fliegenden Aermel. Zu seiner rechten Seite steht ein Mann, welchermit der Mütze in der linken Hand zu ihm spricht. Zwischen beidenreicht der Kopf eines rückwärts stehenden Mannes empor. Rechtsund links gegen den Rand zu sind Gruppen von drei Soldaten im Ge-spräche. Das Täfelchon mit dem Buchstaben G, welchen Bartsch fürS nimmt, ist rechts nach unten zu sehen. II. 3 Z. 3 L. Br. 2 Z. 5 L.Das Original beschreibt Bartsch No. 142.
Den zweiten Buchstaben fand Brulliot II. No. 2458 auf Tusch-zeichnungen , darunter anf einer solchen mit den Aposteln in zweiReihen. Er schreibt sie einem holländischen Meister gegen Ende des15. Jahrhunderts zu.
2617. Geoffroy Tory, Maler, Metallschncider und Buchhändler,•— •/ sz?f geb. zu Bourges 1485, machte gegen 1504 seine Studien in\D i v£) d° r Sapienza zu Rom, und hörte noch die Vorträge des be-rühmten Philippus Beroaldus in Bologna, welcher aber 1505 starb.Nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich in Paris mit der Philologie,nahm aber zugleich auch Unterricht im-Zeichnen und in der Miniatur-malerei. Man nennt als seinen Meister den Jean Perreal, welcherschon unter König Carl VIII. sehr angesehen war, und dann vonFranz I. beschäftiget wurde. Im Jahre 1516 besuchte G. Tory zumzweiten Male Rom, erscheint aber schon 1518 als Mitglied der Corpo-ration der Buchhändler in l'aris. Uebrigens war das Verlagsgeschäftnicht seine einzige Aufgabe, er fertigte auch viele Zeichnungen,und schnitt Bilder in Metall, zunächst zur Illustration von Druck-werken , worunter die Gebetbücher fHeures) besonders reich ausge-stattet sind. Die ersten Mctallschnitte dieses Künstlers vermuthetPassavant (Peintre-graveur I. p. 165) in einem solchen Gebetbuche,welches Simon Vostre druckte, aber ohne Beifügung der Jahrzahl. DasBuch erschien gegen 1515. Später arbeitete Tory für die Offizinen