Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
909
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FV. Nr. 2536. 909

ihn mit vollem Hechte einführen zu dürfen, da der Meister neben Gio-vanni oder Zoan Andrea Vavassore detto Guadagnino, dem Bruder desFlorio, auftritt. Beide übten zu Anfang des 16. Jahrhunderts denMetallschnitt, und standen dem Büeherdruck so nahe, dass sie zuletztselbst einen Verlag literarischer und artistischer Werke gründeten.Von Zoan Andrea Vavassore weiss man es schon lange gewiss, wirwerden aber erst unter IA, ZA und ZAV über ihn handeln. Den FlorioVavassore kannte man aber nicht, und es finden sich vielleicht äusserstwenige Druckwerke mit seinem Namen. Durch Hrn. E. Harzen kennenwir eine Sammlung von Gedichten in Ottavo rime auf 52 Blättern mitdem Colophon auf der Rückseite des Schlussblattes: Per Giouani AndreaVavassore delto Guadagnino et Florio fratello Nel anno del SignoreMDXXXXUII. In diesem Jahre standen aber die Brüder Vavassorebereits im vorgerückten Alter, indem sie schon zu Anfang des Jahr-hunderts den Metallschnitt, oder wie man häufiger sagt, den Form-schnitt geübt hatten. Florio gibt sich als Bruder des Zoan Andreakund, und übte sicher die gleiche Kunst. Beide haben an den Illustra-tionen der Metamorphosen des Ovidius aus dem Verlage des Giorgiode Rusconibus von 1509 Theil. Der Meister F V arbeitete aber schon1505 für die Druckerei des Lucantonio de Giunta, und 1507 für Hie-ronymus Soncinus, welcher damals das Decachordum des Marcus Vi-gerius zum Drucke beförderte. Wir glauben nicht zu irren, wenn wirdie folgenden mit F V bezeichneten Metallschnitte dem Florio Vavas-sore zuschreiben.

1) Der Kampf des hl. Georg mit dem Drachen. Der Heilige, un-hehelmt und ohne Nimbus, galopirt von links her, und durchbohrt mitder Lanze den Hals des Drachen. Im Mittelgrunde kniet rechts dieJungfrau mit geialteten Händen, und im Hintergründe sieht man eineBurg, über deren Mauer das königliche Paar herabsieht. Links untenstehen die zweiten Initialen. H. 4 Z. Br. 2 Z. 8 L. Diess ist höchstwahrscheinlich die erste Schlussvignette der Druckerei des Lucantoniode Giunta in Venedig, da einige Werke aus seiner Druckerei folgendeAdresse haben: Venetiis impressum — per Nobilem virum Lucantoniumde Giunta Florenlinum felicibus divi murlyris Georgii auspieiis etc. Erbediente sich auch einer kleineren Vignette mit derselben Darstellung.Wir finden sie am Schlüsse der Sedezausgabe des Liber II. Dialogorumbeati Gregorii, der Regula beati Benedicli und des Speculum U. Bernardivon 1505.

Dieselbe Vorstellung des Kampfes mit dem Drachen, und mit F Vbezeichnet, ist auch auf dem Titel folgenden Werkes eingedruckt: Ac-cipe Sludiose lector V. Ovidii Mclamorphosin cü luculentissimis RaphaelisRegii enarrationibus: quibus plurima adscripta sunt: que in exemplaribusanlea impressis non inveniuntur etc. Venetiis. G. de Rusconibus 1509 fol.Dieses Werk enthält sechzig Metallschnitte nach Zeichnungen einesMeisters der Lombardisch-Venetianischen Schule, vielleicht des Benc-detto Montagna. Auf diesen Blättern steht die Bezeichnung 10. G. undIß. Darunter ist Johannes Guadagnino und Johannes Andrea zu ver-stehen, d. i. Gio. Andrea Vavassore detto Guadagnino, der Bruder desFlorio Vavassore. Auch die Buchstaben i und tt oder N kommen vor.Dieselben Metallschnittc wurden auch zur Ausgabe von 1517 benützt,es sind aber Blätter eines . L . zeichnenden Meisters beigefügt.

Der mit dem Drachen kämpfende St. Georg, ebenfalls F V signirt,ist ferner auch auf dem Titel folgenden Werkes eingedruckt: MarciValerii Martialis epigrammata —. Venetiis, G. de Rusconibus 1614, fol.Von demselben Meister ist auch der unbezeichnete grosse Metallschnitt