892 FS. Nr. 2493.
Feiertage mit Sebastian Lindenast und Adam Krafft zusammen , umKunstübungen tu pflegen, als wären sie alle drei Lehrjungen? Keissenund Modelliren musste ein Gicsser wohl können, dass aber ein solchernicht zugleich nothwcndig ein grosser Bildbauer seyn müsse , beweisetauch noch unsere Zeit, in welcher der Erzgiesser zwanzig Mal genanntwird, bis man sich ein Mal des Bildhauers, als des eigentlichen Schöpfersdes Werkes erinnert. Der Gicsser hat Arbeit in Fülle, um das Werkin die Grube zu bringen, und um es in Metallglanz zu erheben, unddaher können wir nicht glauben, dass P. Vischcr zu seinen vielenGusswnrken Zeichnung und Modell über Nacht bewerkstelliget habe,um am Tage ungestört in der Giesshfitte arbeiten zu können. Wirwollen den ehrwürdigen Meister Vischer aber auch nicht seines Ruhmesberauben, wie Herr Döbner zu glauben scheint. Seine Gusswerke sindGlanzpunkte der alten Kunst, wir können aber nicht glauben, dass erzugleich auch die Modelle gofertiget habe, da sie nicht alle den gleichenGuss des Geistes verrathen. Auch die Zeichnung zum Sebaldusgrabevon 1488 kann nach Zeit und Umständen nicht die Arbeit Vischer'sdes Gesellen seyn, und ich muss mich wiederholt der Gefahr aussetzen,von Hrn. Döbner eines Angriffes auf den durch Jahrhunderte bewährtenRuhm des Peter Vischer beschuldiget zu werden. Mein Gegner wagtees aber selbst nicht, den alten Riss mit voller Entschiedenheit dem-selben zuzuschreiben, und wenn die Zeichnung, wie ich glaube, ihmnicht angehöret, so ist er ja nicht der eigentliche Schöpfer des Werkes.Die alte Zeichnung liegt dem gegenwärtigen Monumente unläugbar zuGrunde, und die Kirchenverwaltung muss sie daher dem P. Vischerübergeben haben. Möglicher Weise ist auch das spätere Modell inseiner Werkstätte gefertiget worden, wenn ihm einmal von Seite derAdministration der Auftrag zur Herstellung eines ehernen Denkmalszugekommen war. Der Zeichner ist 1488 sicher nicht in seiner Phan-tasie auf ein neues Denkmal des heil. Sebaldus gekommen, sondern esmuss schon damals ein solches projektirt worden seyn. Ein Geselle,wie Vischcr zu jener Zeit noch war, welcher mit der Herstellung seinesProbestückes beschäftiget ist, macht sich nicht nebenbei an eine sogrosse und reiche Zeichnung, und am wenigsten wird ihm von Seiteder Kirchcnverwaltung der Auftrag dazu geworden seyn, da er nochnicht Meister war Das gänzliche Schweigen der Akten über diesesursprüngliche Projekt, und dann die Aehnlichkeit des Entwurfes mitdem gegenwärtigen Monumente bewog den Herrn Heidoloff, dem Ver-fertiger der grossen Pergamentzeichnung von 1488 einen Namen zugeben. Er verfiel auf Veit Stoss, und dafür, dass ich diese Idee eben-falls aufgenommen hatte , beschuldigte mich Herr Döbner des Hoch-verrathes an Peter Vischer, welcher aber schon durch den Guss alleinein Werk ersten Ranges geliefert hat. Dass aber auch die Zeichnungvon 1488 von P. Vischer herrühre, ja herrühren könne, ist durchausnicht bewiesen, und sie müsste doch von ihm gefertiget seyn, wenn erder selbstständige Schöpfer des Sebaldus-Monnmentes wäre. Wir könnendaher den Veit Stoss noch nicht aufgeben, da nicht urkundlich bewiesenwerden kann , dass die fragliche Zeichnung als erster Entwurf zumSebaldusgrabe von P. Vischer herrühre. Veit Stoss traf 1486 in CrakauAnstalt zur Reise nach Nürnberg, was auch Döbner zugeben muss,wenn er auch ohne Grund die wirkliche Abreise in Zweifel zieht. Son-derbar ist seine Motivirung: dass ein Mann bei der Uebersiedhtng inweite Ferne seine P'orderungen nicht einkassire , und von einem zahl-ungsfähigen Rath einer Stadt auf Jahre hinaus für abgelieferte Ar-beiten sich vertrösten lasse. Diese Arbeiten sind die Chorstühle inPanny Maryi zu Crakau, für welche der Künstler 1495 anderthalb