7
F. Nr. 1850—1851. 687
1850. Unbekanntes Zeichen, welches auf einem Gemälde im Be-sitze (loa Musik-Direktors Wilhelm Rehfcldt in Danzigvorkommt. Es ist diess das meisterhaft gemalte Bildnisseines Mannes in prachtvoller Tracht mit langem Barte,wie er sinnend vor sich hinhlickt, und mit den Fingern
etwas abzuzählen scheint. Am Daumen seiner linken Hand trägt ereinen King mit der dem Buchstaben F beigefügten Ilandmarke, dessenzweiter Buchstabe auch L seyn könnte. Oben rechts vom Kopfe desMannes ist ein gemalter Zettel mit der Schrift in deutschen Charakteren:An Herrn Gabriel Albrecht \ die bier Rechnung flo. 18 bezahlt \ No. 4/3 F.Anno /53«. Etat intra 4ß et 47.
Dieses Bildniss ist vollkommen in der Weise des Hans Holheinbehandelt, und müsste , wenn es von diesem Meister selbst herrührt,zur Zeit des 1538 stattgefundenen Besuches des Künstlers in Deutsch-land gemalt worden seyn , entweder in Augsburg, oder in Basel. Indiesem Falle ist aber das gegebene Zeichen nicht jenes des Malers,woran wir überhaupt nicht halten kennen, da Kenner für Holbein ent-scheiden. Von Interesse wäre es , die dargestellte Person zu kennen,wenn nicht die Adresse dieselbe nennt. Der reiche Herr ist jedenfallsbürgerlicher Abkunft, und dürfte nach der Ilandmarke durch IS oderL S seinen Namen angedeutet haben, da man annehmen kann , dassder Ring die Anfangsbuchstaben seines Vor- und Zunamens enthalte.In diesem Falle bleibt aber die Adresse an Gabriel Albrecht auffallend,da sie als Beleg zur Tilgung einer Schuld auf dem Bilde des unbe-kannten / S oder l. S keinen Zweck hat, im Gegentheile als unzeitigerSpass mit dem reich geputzten kalculirenden Manne erscheint. Einensolchen Scherz könnte sich indessen ein Maler F mit seinem Wirthcerlaubt haben, indem er die Bicrschuld von 18 Gulden durch dasBildniss desselben tilgt, und zugleich auf dorn Gemälde selbst quittirt.Uebrigens ist nicht anzunehmen, dass die dargestellte Person der allen-fallsige Wirth Gabriel Albreeht sei, da die Marke des Ringes für eineandere Person spricht. Wer nun der vornehme Herr / S oder L S sei,und ob das fragliche Zeichen einen Künstler bedeute, können wirnicht entscheiden. Letzterer müsste mit der dargestellten Person ineinem sehr vertraulichen Verhältnisse gestanden seyn, wenn er eswagen konnte, einen solchen Schuldzettcl aufzumalen. Im anderenFalle hat der reich gekleidete Mann durch sein allenfalls von Holbeingemaltes Bildniss dem unbekannten Gabriel Albrecht eine Schuld ab-getragen. Der Buchstabe F findet aber keine Erklärung. Die sonder-bare Aufschrift ist gleichzeitig, und contrastirt auf dem nicht sehr'"einen Papierstücke in sonderbarer Weise mit dem nobel costümirtenManne.
1851. Simon Pierre Fournier, Formschneider, Schriftstecher undK Buchdrucker, geb. zu Paris den 16. September 1712, gest. den
. ' 8. Oktober 1768. In Theorie und Praxis höchst erfahren, Unter-Üess er Schriften über den Ursprung der Formschneidekunst und desBücherdruckes, und namentlich auch über die von ihm erfundenen undgeschnittenen Typen. Diese Werke haben wir im Künstler-Poxicon IV.S. 427 verzeichnet. Malpe I. p. 256 behauptet aber auch, dass diev on jh m geschnittenen Vignetten und Flcurons mit dem Buchstaben F.Bezeichnet seien. Schnitte dieser Art kommen wohl in seinen Werkenvor, und die Stöcke könnten auch in Clichös verbreitet worden seyn.Wir wissen nämlich von Vignetten, welche mit den obigen Buchstabenversehen sind, sie kommen aber in späteren Druckwerken vor. SolcheSl nd in he Chou-King, un des Livres sacris des Chinois, par De Guigncs.