656 ES. Nr. 1763.
von meist kleinen Blättern aus der Schule des Meisters E 8 , fast alleManuscripten aus Oberdeutschland, Tyrol und Oesterreich entnommen.In den Niederlanden findet man deren wohl nur sehr selten. Auf derBibliothek in Lüttich ist eine ganze Reihe von Handschriften aus demKloster S. Trudo , in denen viele und merkwürdige alte Kupfersticheeingeklebt sind, aber kein einziges Blatt vom Meister E S , oder voneinem seiner Schüler, Graf Leo de Laborde durchmusterte alle Hand-schriften des Burgundischen Archives, fand aber wahrscheinlich keinBlatt unaers Künstlers, oder seiner Schule, obgleich er den Meister ESunter den von 1378 — 1482 lebenden burgundischen Künstlern nennt.Auf diesen Schriftsteller beruft sich Frenzel, ohne zu bedenken, dassMr. de Laborde in seinem Werke über die Herzoge von Burgund keinDocument für den Meister E S bringt.
Zur Zeit des J. F. Christ, welcher bekanntlich 1747 sein Buchüber Monogrammen-Kunde herausgab, nannte man den Meister Engel-brecht, worunter der von C. v. Mander erwähnte Cornelia Engel-brechtsen zu verstehen ist. Bartsch hielt diesen Namen ebenfallsfest, macht aber aufmerksam, dass Engelbrechtsen 1468 geboren wurde.Damit fällt die ganze Hypothese um so mehr, als Engelbrechtsen imLiggero van St. Lucas Guide zu Antwerpen erst unter dem Jahre 1492als freier Meister eingetragen ist. Er heisst da Cornelia de Hollandere,worunter Engelbrechtsen zu verstehen ist. Das Geburtsjahr von 1468bot jedoch vom Anfange an keinen Anhaltspunkt, und daher verfiel man aufden Vater des Engelbrechtsen, da dieser Name „Sohn des Engelbrecht"bedeutet. Allein Engelbrecht der Vater war Holzschnitzer, und istübrigens ganz unbekannt. Warum ich den Maler und GoldschmiedErhardus aus München seinem dunklen Schicksale überlasse, istoben, und dann auch in Naumann's Archiv I. S. 189 gesagt. Damitwird nun zwischen dem artistischen Nord- und Süd-Deutschland Einheithergestellt soyn. Dagegen halte ich den 1. c. erwähnten E. Sternso lange fest, bis seine Existenz durch evidente Beweise vernichtetwird. Die Tradition von einem Kupferstecher E. Stern ist alt, undreicht über Sandrart hinauf, konnte aber bisher nicht historisch be-gründet werden. Die Sache wäre leicht abgemacht, wenn Merlo inseinen Nachrichten über kölnische Künstler, und namentlich in seinemUrkundenbuche hiezu, einen Künstler dieses Namens an das Tageslichtgezogen hätte. Cöln soll ja die glückliche Stadt seyn, in welcher derMeister ES zu leben würdig war, aber die undankbaren Schreinsbücherwollen ihn nicht kennen. Uebrigens würde es uns sehr freuen, wennaus einer noch versteckten Urkunde der ehrwürdigen Stadt Cöln dieExistenz eines Kupferstechers K. Stern erwiesen werden könnte. Gegeneinen Künstler dieses Namens wäre aber Frenzel entschieden aufge-treten , da er nicht zu seiner burgundischen Hypothese passt. Erbaute desswegen im Archiv für die zeichnenden Künste I. S. 19 vor,indem er sagt, dass verschiedene Schriftsteller aus den nach Art derbrokatenen Stoffe verzierten Säumen der Gewänder und Kanten , inwelchen auch viele Ornamente mit Sternen vorkommen, die Veranlassungfinden wollten, den Buchstaben S auf Stern zu deuten. Frenzel fügtdrei ? ? ? bei, und ist also in dieser Sache sehr ungläubig. WelcheSchriftsteller durch diese Sterne auf einen E. Stern verfielen , wissenwir nicht; nur einer schloss aus einem Wappenschildchen mit einemSterne, dass der Meister Stern heissen dürfte. Ein solcher Schild istnach unserer Meinung nicht ohne Bedeutung, wir legen darauf fasteben so viel Gewicht, als auf die ziemlich alte Tradition, dass im15. Jahrhundert ein Goldschmied und Kupferstecher E. Stern gelebthabe. Das Schildchcn mit dem Stern ist oben in letzter Reihe mit