Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
655
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ES. Nr. 1763. 655

ist allerdings der Stadt Cöln fern, es hat aber auch noch Niemandbewiesen, dass der Meister E S in Cöln wirklich gelebt habe. DieBerufung auf einen Kupferstich mit dem Heilande, welcher eine In-schrift im Cölner Dialekte hat, ist ohne Gewicht, da das Blatt nichtvon diesem alten Künstler, sondern von einem Schüler desselben her-rührt. Alle übrigen Inschriften auf eigenhändigen Blättern sind ober-deutsch. Die Wappen, welche er in Kupfer gestochen hat, sind dievon Bayern und Oesterreich. Frenzel hat in seiner Schrift über diek. Kupferstich-Sammlung in Dresden S. 20 keine umfassende Kcnntnissder Heraldik an den Tag gelegt, wenn er nur von den Wappen vonSalins, Burgund, Belgien und von der französischen Lilie spricht. Diebayerischen Wecken , der pfälzisch - bayerische Löwe , und das habs-burgische Wappen passten nicht zu seiner von Niemanden getheiltenHypothese. dass der Meister E S der von Jan van Eyck gegründetenburgundischen Schule auch örtlich angehöre, und allenfalls in Salinsgelebt habe. Diese genaue Ortsbestimmung scheint Frenzel nur ausR. Weigel's Catalog der Sammlung des Prof. Sprinckmann-Kerkerinck,Leipzig 1853 No. 3, geschöpft zu haben, wo aber nichts weniger alsSalins vermuthet wird. Da wird ein Blatt aus der Schule des MeistersB S beschrieben, welches Christus mit den Wundmalen und der Dornen-krone von vier Engeln mit Leidens - Instrumenten umgeben vorstellt.H- 5 Z. 6 L. Br. 4 Z. 2 L. Heinecke und Bartsch (X. p. 35 No. 67)kennen einen anderen altdeutschen Stich ganz desselben Inhalts inkleinerem Massstabe, und Weigel bemerkt dazu, dass ihm ebenfalls6l n Blatt mit dieser Vorstellung aus der Schule des Meisters E S vor-gekommen sei, auf welchem links unten das Wort salys stehe. Vondieser Notiz hatte Frenzel sicher Kunde, indem er die grössere Vor-stellung No. 49 dem Meister E S zuschreibt. Zwischen Salins und Salysi5r Je< ^ en ^ a ^ a ß i n bedeutender Unterschied, und es ist auch vergebeneMühe, den Meister in Burgund unterzubringen. Auch die Einwendung,öass der Künstler augenfällig in der Schule der v. Eyck gewesen, unduesswegen in den Niederlanden, oder wenigstens in Cöln einheimischae yn müsse, verliert wieder alle Bedeutung, wenn wir erfahren, dassler alte Fritz Herlin in Nördlingcn, Martin Schön in Colrnar, und dera 'te Hans Holbein in Augsburg sich gleichfalls in der Schule derv &n Eyck ausgebildet, aber wieder in ihre oberdeutsche HeimathZurückgekehrt seien. Ueberdrüssig der Nichts beweisenden Einwürfe,"ass des Meisters Heimath nicht in Süddeutschland, am allerwenigstenaber in München zu suchen sei, habe ich in Dr. Naumann's Archiv'ür die zeichnenden Künste I. S. 189 meine im deutschen Kunstblatte1853 aufgestellte Vermuthung fast preisgegeben, da für München dieGründe nicht unantastbar waren, und ich selbst nur die hohe Wahr-scheinlichkeit in Anspruch genommen hatte. Man könnte sogar glauben,Oass ich jetzt die Ansicht der Berliner Kunstfreunde theile, und fürden niederdeutschen Ursprung der Blätter des Meisters E S stimme,*eil ich statt des Malers Erhard Schön aus München, welchen ich fürden Verfertiger der fraglichen Kupferstiche halten wollte, im Archiv•ur die zeichnenden Künste I. S. 190 den traditionellen E. Stern in■T-l rin nerung brachte, und dabei beziehungsweise sogar auf Dirk van StarW- h. Stern) hinwies. Dem ist aber nicht so; ich bin jetzt mehr als jeJjon der Ueberzeugung durchdrungen, dass der Meister ES von ober-deutscher Herkunft sei, und dass er in Bayern oder Ober - Oesterreich*ben so wo j,i g e i eD t haben kann, als in Cöln. Mehrere der schönstenglätter des k. Cabinets in München stammen aus bayerischen Klöstern,•ndem sie in Handschriften eingeklebt waren , besonders in solchenaus Tegernsee. Herr F. Butsch in Augsburg besass eine grosse Anzahl