EH. Nr. 1604. 607
Im Jahre 1839 trat Hasse als selbstständiger Künstler auf, zuerst mitlandschaftlichen Zeichnungen , in welchen er Figuren und Tliiere an-brachte. Diese Zeichnungen, deren er auch in Farben ausführte, sindvon grosser Schönheit, und stehen über seinen Oebnaloreion , welcheüberhaupt nur in geringer Anzahl vorhanden sind. Von 1842— 1843unternahm Hasse eine grössere Reise nach Podolicn bis nach Odessa,und fertigte bei dieser Gelegenheit viele Zeichnungen , welche ihn alsLandschafter von der vortheilhaftesten Seite bekannt machten. Besondersschön sind seine Aquarellen , welche als mannigfaltige Reiscbilder zubetrachten sind. Der Künstler unternahm im Winter 1852 auch eineReise nach Spanien, kehrte aber im Frühjahr 1853 wieder nach Doustch-land zurück, da das dortige Clima seiner Gesundheit nachtheilig war.Seit dieser Zeit lebt der Künstler in Dresden, gegenwärtig sehr leidendund abgeschieden.
Bisher haben wir nur auf seine landschaftlichen Zeichnungen, unddann auf seine Aquarellen mit Thicren und architektonischen Ansichtenaufmerksam gemacht. Hasse steht aber vornehmlich als Geflügelzeichncrunerreicht da, wesshalb er mit vollem Rechte den Namen eines Raphaelsdes Geflügels verdient. Er hat die reizendsten Zeichnungen und Aqua-rellen in diesem Genre gemacht. Sie gingen in verschiedenen Besitzüber, und bilden Glanzpunkte ihrer Art. Eine reiche Sammlung vonStudien, Skizzen , ausgeführten Zeichnungen und Aquarellen , welchealle Perioden seines künstlerischen Schaffens umfasst, besitzt HerrAloys Apell in Dresden, der Landsmann und Freund dieses trefflichenKünstlers. An diese Werke schliessen sich zunächst die Originallitho-graphien desselben, welche meist in Ansichten der sächsischen Schweizbestehen. Acht andere lithographirte und colorirte Blätter, zu welchenTh. von Oer und R. Reinick die Zeichnungen lieferten , sind in fol-gender Schrift: Die Wurzelprinzessin. Ein Kindermärchen von II. Reinick.Leipzig 1(14(1, 4. Eine grosse lithographirte Landschaft ist unter demTitel des Erntesegens bekannt: Aller Augen waren auf dich etc., gr. qu. fol.
Das Monogramm des Künstlers , aber noch öfter der Name des-selben , kommt auf trefflichen Holzschnitten nach seinen Zeichnungenvor. Man findet deren im Jugendkalender, in Wagner's Buch der Natur,und in Werken des Holzschnitt-Verlages des Malers und FormschneidersHugo Bürkner, an welchen auch letzterer Theil hat. Vorher nennenwir noch G. Keil's Neue Märchen für meine Enkel. Leipzig, G. Wigandi049, 8, und Heimische Vögel. Zum Nachzeichnen und Ausmalen.50 Holzschnitte nach E. Hasse von H. Bürkner. Leipzig, G. Wigand(1856), gr. 4. Als Bürkner'schc Vcrlagsartikcl betrachten wir zweimeisterhafte Holzschnitte :
Landschaft mit reicher Staffage. Dresdner Kunstvcreinsblatt 1852.E. Basse del. H. Hilrckner sc. in lign., qu. fol.
Bauernhof am Abend. E. Basse del. II. Hürckner sc. ifl52, qu. fol.
Im Jahre 1855 erschien im Commissions-Verlage der E. Arnold-schen Kunsthandlung zu Dresden ein Heft mit vier Holzschnitten nachHasse's herrlichen Zeichnungen unter dem Titel: Zahmes Geflügel, gr.fol. Auf diesen Blättern kommen die Namen des Zeichners, und derFormschneider Schwertführer, Noack und Reusche vor.
Im Jahre 1859 radirte E. Hasse für Herrn A. Apell, dessen Gütewir die Notizen über diesen , und viele andere Künstler verdanken,eine kleine Platte, welche einen Hahn und drei Hühner in einer Land-schaft mit Gesträuchen und grossen Pflanzen vorstellt. Dieses zarteund meisterhafte Blättchen ist unten gegen rechts, wo die Henne sitzt,