Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
215
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CPP. Nr. 565. 215

Meister auszeichneten. In seinen Blättern ist die Zeichnung oft un-bestimmt, und die Schraffirungen sind verwirrt, indem der Künstlersie nach verschiedenen Richtungen führte. Wenn Bartsch darin nichtPiccini's Hand erkennt, so ist aber auch Possenti's Anthcil nicht zuerweisen. Dieser Künstler wurde 1618 zu Bologna geboren, zu einerZeit, in welcher der Urheber der Blätter sicher nicht mehr am Lebenwar. Possenti zeichnete sich als Schlachtenmaler aus, und malteausserdem nur etliche historische Bilder, da er in der Blüthe desLebens starb. Peruzzini dürfte nicht viel älter seyn, als dieser Meister.Man hält ihn muthmasslich für den Bruder des Malers und RadirersDomenico Peruzzini, dessen Auftreten erst gegen 1640 documentirt ist.Giovanni Peruzzini gehört zu den Nachahmern des Guido Reni unddes Cantarini Pesarese. Er malte für Kirchen und Paläste, und anvielen Orten, so dass er ein unstätes Leben führte. Die radirtenBlätter mit dem obigen Zeichen verrathen aber weder einen Nach-ahmer des Guido, noch des Pesarese, in dessen Weise Dom. Peruzziniradirt -hat. Es bleibt jetzt nur noch Georg Pccham übrig, welcherder Carracci'schen Schule fremd ist, sowie denn auch die fraglichenBlätter von keinem Meister derselben gefertiget sind. Wir stimmenvor allen für G. Pecham, welcher in München thätig war, und daselbst1593 zünftig wurde. Er bezeichnete einige Gemälde mit GP. u. GI'P.Auch auf radirten Blättern stehen die Initialen G. P, und diese stim-men am meisten mit den unten beschriebenen Radirungen, wenigstensNo. 3, 6 u. 7. Das Monogramm scheint zwar aus den Buchstaben CPzu bestehen, es ist aber eben so wohl G P zu lesen, in vollständigerDeutung: Georg Pecham Pictor. Dieser Künstler malte religiöse undmythologische Darstellungen. Bart. Reiter soll nach ihm 1610 denNeptun mit dem Dreizack auf einem Seepferde radirt habon, derKünstler heisst aber auf diesem Blatte G. Beham, so dass der MalerGeorg Beham, der Schüler des Christoph Schwarz, darunter zu ver-stehen wäre. Er selbst nannte sich gewöhnlich l'eham oder Pecham.Im Jahre 1610 war er aber nicht mehr am Leben. Man lässt ihn1604 als churfürstlichen Hofmaler sterben. Seine sicheren, früherebenfalls fälschlich dem Piccini zugeschriebenen Blätter sind mit denJahrzahlen iüU.'i und /.5,94 versehen. Seinen Namen trägt die Ver-mählung der hl. Catharina von 1604. Ein späteres Datum findet manauf keinem Blatte. Bartsch beschreibt folgende Radirungen.

1) Christus am Kreuze zwischen den beiden Mördern. Er neigtdas Haupt auf die Brust, so dass man das Gesicht nicht sieht. Vomrechten Schacher sieht man ebenfalls nur die Schenkel und die rechteHand. Ohne Zeichen. H. 5 Z. 8 L. Br. 4 Z. 5 L.

2) St. Michael im Kampfe mit dem Dämon. Er schlägt ihn mitdem Schwerte zu Boden, der Unhold stemmt sich aber mit dem linkenArme an einen Felsen, um dem Engel Widerstand zu leisten. Untenschlagen Flammen und Rauch über die Felsen empor. Ohne Zeichen.H. 7 Z. 6 L. Br. 6 Z.

Die Nadel weicht in diesem und dem obigen Blatte von jener desfolgenden ab, so dass man einen andern Meister vermuthen möchte.Ein entscheidendes Wort kann aber noch nicht gesprochen werden.

3) Herkules und Antheus. Ersterer, vom Rücken gesehen, um-klammert den Riesen mit den Armen, und hebt ihn empor. Linksliegt ein anderer Riese auf dem Boden. Links unten ist das Zeichen.H. 7 Z. Br. 4 Z. 8 L.

Diess ist wahrscheinlich jenes Blatt, welches Strutt dem GeorgPeham zuschreibt, als mit G P bezeichnet. Auch R. Weigel, Kunst-katalog No. 13,789 stimmt für Peham.