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2 (1860) CF - GI
Entstehung
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VI Vorrede.

so kann auch ich bei dem bessten Willen nicht jeder individuellenAnsicht genügen, weil ich ebenfalls die meinige habe, aber ohneglauben zu wollen, dass sie immer die richtige sei. Daher trage icheiner anderen um so mehr Rechnung, wenn ich die Ueberzcugung ge-winne , dass sie der Wahrheit näher komme. Da wo ich imIrvthume bin, nehme ich gerne Belehrung an, und es soll nach Mög-lichkeit die Iierichtigung erfolgen.

Die grössten Schwierigkeiten bietet nicht selten die Monogrammen-Entzifferung, indem sie, abgesehen von irgend einer achtbaren altenTradition, von jeher nicht aus Urkunden, sondern aus mehr oder we-niger gewagten Hypothesen geschöpft ist. Man muss daher selbst nachvierjähriger Vorbereitung jedes einzelne /(neben der Critik unterstellen,um den Irrlhum nicht zu perpetuiron. In vielen Fällen bleibt es abernoch immerhin gewagt, aus dem Zeichen oder den Initialen einenKamen zu schöpfen, wenn auch Zeit und Ort der Entstehung einesGemäldes, Kupferstiches, Holzschnittes u. s w. ermittelt werden kann,aber der Vergleich dos Styls, und andere Gründe fehlen. Denn wennauch ein Meister in der Stadt X oder Z gleichzeitig gelebt hat, unddie Initialen oder das Monogramm auf seinen Namen passen , so istes noch eben sowohl möglich, dass der Monogrammist ein anderer sei.Ich werde mich daher hüten, aus den Zeichen und Initialen so vieleNamen als möglich herauszudeuten, und selbst in dem Falle, dass dieAuslegung in mir zur Gewissheit geworden ist, werde ich in Ermang-lung positiver Gründe demjenigen nicht vorgreifen, der einen höherenGrad von Weisheit zu besitzen glaubt. Es wäre zuletzt auch nichtsehr viel gewonnen, wenn der Name irgend eines der alten oder neuerenDunkelmänner ans Licht treten würde, und man wüsste sonst nichtsvon ihm. Von grösserer Wichtigkeit ist es, die Werke irgend einesMeisters X oder X nach Zeit, Ort und Eigeuthiimlichkcit des Charakterszu ordnen, und dann mag er in seinem Dunkel verharren, bis eineAnden Leuchte es durchdringt. Allein auch in dieser Ordnung liegteine grosse Schwierigkeit, da Argusaugen dazu gehören, das ganzeweite Gebiet zu überschauen. Ich will aber damit nicht sagen, dassich jetzt mit der Aufzählung und möglichen Classiu'cirung der ver-schiedenen Kunstprodukto allein zufrieden seyn wolle. Ich werde imGogenthcile viele bisher unbekannte Namen einzeichnen, und vielleichtist der eine oder der andere später bestimmt, eine wichtigere Lückeauszufüllen. Wer sich als Künstler meldet, wird vorläufig zugelassen,er mag aber sehen, wie er im Concurso bestehe.

Unter den Erscheinungen auf dem Gebiete unserer Literatur er-wähne ich vornehmlich des Peinire yraveur par J. !>■ I'assavanl, l.cipsic,It. Weiijel 1(100. Bis jetzt liegen uns zwei Bände vor, und dieses aufvierjähriger Forschung beruhende Werk ist uns von um so grössererWichtigkeit, als auch die Monogramme und Initialen beigefügt sind.