Druckschrift 
4 (1871) IMM - SH
Entstehung
Seite
1036
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1036 RH. Nr. 3649.

Diese Reihenfolge — Priorität, Posteriorität —, welche die Schönheitund häufig auch die Seltenheit der Abdrücke bedingt, ist aber imAllgemeinen an Kennzeichen gebunden, welche, wenn auch nicht durchverschiedenartige Plattenzustände, doch anderweitig die Zeitfolge con-statiren, in der die Abdrücke aus der Presse hervorgegangen sind.Dieser Kennzeichen gibt es vorzüglich drei, nämlich:

a) Die rauhen Känder, als Folge der Feilstriche, die an den Kantender Platte nicht fortpolirt worden sind und sich in den Abdrücken al skleine, dicht nebeneinander in regelmässig gleicher Entfernung stehendeStrichelchen oder längliche Punkte zeigen. Durch das Wischen derPlattenränder beim Drucken wurden aber diese Feilstriche allmählichgeglättet und fortpolirt, so dass dieselben immer schwächer werdenund zuletzt gänzlich verschwinden. Je deutlicher und kräftiger sichdieselben daher in den Abdrücken manifestiren, umsomehr lässt sie»auf die Priorität derselben schliessen. Werden jedoch solche Platten-ränder, bei denen die erwähnten Feilstriche bereits verwischt sind,zufällig oder absichtlich vom Kupferdrucker nicht rein gewischt, s0entstehen beim Abdruck die sogenannten schmutzigen Ränder, welchesich .jedoch von den sogenannten rauhen Rändern dadurch unterscheide»)dass bei ihnen die Spuren der Feilstriche nicht sichtbar sind, sondernder sogenannte Schmutzrat der Ränder mehr einer Tuscharbeit ähnlichsieht. Der letztere ist daher auch kein sicheres Zeichen der Prioritäteines Abdruckes, wenn er nicht dieselbe durch das Vorhandenseyneines der folgenden, von Linck angegebenen Kennzeichen bethätigt.

b) Das zweite Kennzeichen der Priorität eines Abdruckes ist derungereinigte Grund der Platte. Er ist eine Folge dessen, dass, nachdem Schleifen der Platte mit Schieferstein, dieselbe nicht weiter mitdem Polirstahl geglättet, sondern sofort vom Künstler zu seiner Arbeitvollendet wurde, wie Rembrandt diess sehr häufig zu thun pflegte-Da in einem solchen Falle die Platte nicht die erforderliche höchsteGlätte und Reinheit erhielt, sondern vielmehr der Grund derselben(das Planum) in einem Zustande verblieb, der beim Drucken die aller -vollkommenste Beseitigung der Farbe durch Wischen verhinderte, s °zeigt sich in den von solchen Platten erhaltenen Abdrücken der Grundvon mehr oder minder grauem Ton, in welchem man häufig, ja beinaheimmer, die Spuren kleiner Haarstriche oder Risse, die vom Schleife»zurückbleiben, wahrnimmt. Diese letzteren pflegen, wenn auch einzelnoder zerstreut, stets in einer Richtung zu liegen und sind gewöhnlichauch mit den vorerwähnten rauhen Plattenrändern verbunden; den»wenn diese schon fort sind, ist auch der Schleifgrat des Grundes durC"das Wischen beim Drucke schon polirt und verschwunden.

Dieser graue Ton des Grundes ist aber auch zuweilen bei schonstark benutzten Platten dadurch hervorgebracht worden, dass der Drucker,zufällig oder absichtlich, die Platte nicht rein gewischt, wodurch dieAbdrücke ebenfalls einen grauen Grundton erhalten haben. DergleichenExemplare, denen es überdem an Schärfe und Klarheit des Drucke 9fehlt, sind aber gewöhnlich an den glatten Plattenrändern zu erkennen»und wenn diese auch, wie oben erwähnt, im Druck schmutzig gehaltensind, so fehlen ihnen doch die dort beschriebenen Kennzeichen d el 'wirklichen Priorität.

c) Als drittes Zeichen der Frühzeitigkeit der Abdrücke ist nachLinck u. A. der in den Arbeiten Rembrandt's sichtbare Platteng ratzu betrachten. Dieser ist eine Folge des Umstanden, dass der Künstler,nachdem er sein Werk mit dem Stichel oder der Schueidnadel beendet,den dabei entstandenen Grat des Metalls nicht abgeschabt, sonderndenselben vielmehr dazu benutzt hat, die Schattenpartien zu verstärken