Druckschrift 
4 (1871) IMM - SH
Entstehung
Seite
568
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568 MG. Nr. 1822.

Diese Angaben sind ohne Grund, und beruhen hinsichtlich des Todes-jahres auf einer Vcrmuthung des J. v. Sandrart. Letzterer sagt abernur: „wo und wann Grünewald gestorben, ist mir unbekannt, haltedoch dafür, dass es um 1510 geschehen". Die Blüthezeit des Künstlerssetzt Sandrart um 1505, worin wieder ein Irrthum liegt. Albert vonBrandenburg wurde 1513 Erzbiscbof von Magdeburg, und im folgendenJahre bestieg er den bischöflichen Stuhl in Mainz. Bald darnach scheintGrünewald Hofmaler des Cardinal-Erzbischofs geworden zu seyn , undjetzt lebte er an dessen Hof in Aschaffenburg. Dieser Cardinal bestrittdie Kosten zur Herausgabe des sogenannten hallischen Heiligthums-buches, unter dem Titel: VOrtzeichnus vnd \ zueigung des Hochlob \wirdigen heiltglhumbs \ der Slifftkirchen der heiligen Sand Moritzfind Mar ien Magdalenen I zu Halle. Am Ende: Gedruckt yn derlöblichen sladt halle, Nach \ Christi Unsers hern geburt Funff-tzehenhundert \ Und Im Zewenlzigestem Jhare. Auf dem Titel istdas von A. Dürer gestochene Bildniss des Cardinal Albert, und aufdem ersten der vielen Holzschnitte des Werkes sind die beiden Stifterder Kirche, die Erzbischöfe Albert und Ernst mit ihren Wappen. Obenin Wolken erscheinen die Heiligen Moriz, Magdalena und Erasmus.Unter der Figur des letzteren malte Grünewald den Cardinal Albertmit der Margaretha Rüdinger als Heiligen. Sie muss 1520 schon amHofe des Cardinais gelebt haben, denn wir finden ihr Bildniss aufeinem Holzschnitte des Buches, auf jenem, welcher die sitzende hl. Jung-frau mit dem Kinde zwischen St. Barbara und St. Catharina vorstellt.Die erstere ist das Bildniss der jugendlichen Rüdinger, welche reichcostümirt in Gemälden von Grünewald vorhanden ist. In Halle, Mainzoder in Aschaffenbuig lebte gegen 1520 kein Künstler, welcher dievielen Heiligthümer mit solcher Meisterschaft hätte zeichnen können,als Grünewald, der Hofmaler des Cardinal Albert von Brandenburg.Die Miniaturbilder dazu befinden sich auf der Bibliothek in Aschaffen-burg, welche grösstenteils von Grünewald herrühren, und dieser Meistermuss auch die Zeichnungen auf Holz übertragen haben, da in den Holz-schnitten der eine und derselbe Strich herrscht. Man wollte indessendie Miniaturen in Aschaffen bürg dem L. Cranach zuschreiben, undauch die Formschnitte sollten nach Zeichnungen dieses Meisters aus-geführt seyn. Selbst A. Dürer wurde bedacht, da in den BlätternAnklänge an die Kunstweise dieser Meister unverkennbar sind. Drey-haupt erklärte sich im Allgemeinen für A. Dürer. Er veranstalteteeine neue Ausgabe des Heiligthumsbuches im ersten Bande der Be-schreibung des Saal-Kreises, und gab die Abbildungen auf 15 Kupfer-tafeln bei. Heller erklärte sich für Lukas Cranach, in der von ihm(2. Aufl. S. 195) beschriebenen späteren Ausgabe des Wolfgang Franzvon 1618 kommt aber kein Originalschnitt vor. Die Platten wurdennach 1520 nicht mehr abgedruckt. Für M. Grünewald spricht sichR. Weigel im Kunstkatalog No. 20,764 zuerst entschieden aus, währendvor ihm noch immer die Ansicht zwischen Dürer und Cranach schwankte.Wir ersehen dieses aus der ausführlichen Beschreibung des Werkesvon Wiechmann-Kadow in Naumann's Archiv 1855 I. S. 196 ff. Dieserinteressanten Abhandlung ist der Holzschnitt mit der hl. Jungfrauzwischen St. Barbara und St. Catharina in Copie beigegeben. In Weigel'sCatalog von 1856 ist derselbe Holzschnitt wieder abgedruckt.

Wenn nun kein Zweifel ist, dass der Cardinal Alhert den MeisterGrünewald mit den Zeichnungen zum Hallischcn Heiligthumsbucbe be-auftragt habe, so stellt sich für sein Wirken die Zeit um 1520 fest,und er kann daher nicht um 1510 gestorben seyn. Das Bildniss desKünstlers mit dem ersten Monogramme ist von 1529, und er erscheint