270 L A F. Nr. 908.
Blätter zu hohen Preisen zu erwerben. Bartsch setzt sie in die letztenJahre des HS. Jahrhunderts, sie könnten aber auch nach 1K00 ent-standen! seyn. Von einem originellen Meister ist keine Rede. Er trugZeichnungen von Leonardo da Vinci, Filippino oder von anderenMeistern auf die Platten über, und verunstaltete sie in seiner rohenManier.
Wir müssen aber noch auf Luca Fiörontino zurückkommen, welcherdurch Bartsch das Bürgerrecht erlangt hat, und vielleicht nicht ganzmit Unrecht, wenn wir ihn mit Luca Antonio de Oiunta aus Florenzin Verbindung bringen. Dieser berühmte Buchdrucker ist No. 804- alsFormschneider erwähnt, und er konnte daher in seiner frühen Zeit,allenfalls gegen Ende des [5. Jahrhunderts, in Kupfer gestochen haben,bis er mit dem BQcherdruck bekanni wurde, weichet ihn auf denFormschnitt zur Illustration geführt haben kann. Seine grossen Form-schnitte stehen aber in künstlerischer Hinsicht viel hoher, als dieKupferstiche mit den gegebenen Zeichen, und auch die Metallschnittein seinen Druckwerken sind feiner und regelmässiger behandelt, alsdie unten beschriebenen Ifliitter in Robetta'l Manier. Dem Luca An-tonio de Giunta kommen wir vielleicht unten mit dem aus LANFXo. 923 bestehenden vierten Monogramm etwas näher. Man findet esauf den roh gestochenen Blatte mit der Büste des Kaisers SerginiGalba No. 4. Das Monogramm könnte man ohne Zwang Luca AntonioFiorenlino lesen, und dieser kann gegen Ende des V.i. oder zu Anfangdes 16. Jahrhunderts nur Lucantonio de Oiunta oderZonta seyn. Wenner schlechter in Kupfer gestochen, als in Holz und Metall geschnittenhat, so Hesse sich dieses aus der Zeit seiner Anfänge erklären. Einenpositiven Beweis, dass Lucantonio de Giunta in Kupier gestochen habe,wird man kaum finden, wir glauben aber nicht zu fehlen, wenn wirdas obige Zeichen auf ihn deuten, und die Blatter mit demselben alsseine Erstlinge erklären. »
1) |IS. 1J Die Herodias mit dem Haupte des Johannes in einerSchüssel. Sie steht vom Bücken gesehen und wendet den Kopf nachrechts, um das Haupt des Johannes zu betrachten. Der Boden Istquadrirt. Unten in der Mitte das dritte Zeichen. II. 8 z. Br.4Z.6L,
2) [B. 2] Eine auf der Erde sitzende Frau in reicher Kleidungmit auf den Bücken herabfallenden Haaren gegen rechts gewandt. Siedeutet mit beiden Händen auf zwei sieh umarmende Kinder. In derMitte des Vorgrundes ist ein Hase, und rechts das Schildchen mitdem Monogramm. II. 8 Z. Br. <i Z. !> L.
Za.ui, Enc. P. II. Vol. 7 p. 33, versichert, dass er dieses und dasobige Blatt nur in der k. k. Bibliothek zu Wien vorgefunden habe.
3) Ein Mann mit dem Köcher im kurzen Hocke vom Bücken ge-sehen, wie er mit der linken Hand den Bogen emporhalf, aus welchemer soeben einen Pfeil abgeschossen , da man einen Thci! desselben inder Luft sieht. Rechts steht ein Baum bei Felsen. Oben nach rechtsbemerkt mau das zweite Zeichen. II. (! Z. 9 L Br. 4 Z. (i L.
Dieses Blatt beschreibt Brulliot I. No. 1818.
4) Die Büste des Kaisers Sergius Galba in Profil. Oben sind dieBuchstaben S G I R (Sergius Galba Imptrator Roman ux). RoherStich mit dem vierten Zeichen, welches wir Luca Antonio Fiorenlinodeuten, 12.
Dieses Blatt ist äusserst selten. Im Museum des Louvrc befindetsieh ein Exemplar.
Brulliot 1. c. No. KM schreibt diesem Meister ein sehr schönesBlatt von Francesco Francia zu, welches wir unter DAF II. No. 930erwähnt haben. Dann hält er auch einen Kupferstich mit den Heiligen