Druckschrift 
4 (1871) IMM - SH
Entstehung
Seite
54
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84 1 0 H. Nr. 148.

Das erste Hauptwerk, welches er im Auftrage des Ratlis zu fertigenhatte, war ein jüngstes Gericht für den Rathssaal. Im Jahre 1801hegonnen, wurde dasselbe erst 1800 vollendet und mit einem schützen-den Vorhang versehen aufgestellt. Verschiedene verhältnissmässig be-deutende Summen linden sich in den Ruthsrechnungen als für diesesWerk betreffend verzeichnet: so 1902 eine erste Zahlung von 120 Hr.,bald darauf 408 liv. 2 d. um den Grund zu vergolden. Das spätereSchicksal dieses GemiUdes ist nicht bekannt, man kann aber annehmen,dass ein bedeutendes Werk zu Grunde gegangen ist.

Im Jahre 1808 geschieht Beiner in den Rnthsrcchnungen nichtErwähnung ; vermuthlich war er mit Ausschmückung des bischöflichenPalastes zu Sitten in Wallis beschäftigt. In den Ruthsschriften findetsich wenigstens die Copie eines interessanter Empfehlungsschreibens,womit die gnädigen Herren von Freibarg dem Bischof von Sitten,Cardinal Schinner, ihren Landsmann für die Ausschmückung seines„köstlichen Tafclwcrkes" empfahlen. Vom Jahre 1808 ist ein Haupt-werk unseres Meisters vorhanden , welches er für das Franziskaner-Kloster in Freiburg malte, wo es noch aufbewahrt wird. Das Gemäldeenthält in zwei Abtheilungen eine Legende ans dem Leben des hl. An-tonius von Padua: den Tod eines Geizigen , ein Bild von schauer-erregender Phantasie, doch mit der grössten Naturwahrheit im Aus-druck und den Geberden der dargestellten Personen, und von glänzend-stem Colorit.

Im Jahre I 808 wurde Fries auch vom Käthe von Bern berufen,um die Thränen eines Blut weinenden Madonnenbildes in der Domini-kaner-Kirche zu untersuchen, ob nämlich die Thränen acht oderkünstlich hervorgebracht seien. Laut Aussage des Chronisten Anahelmwurde sogar der berühmte Maler Fries durch den Betrug getäuscht;wahrscheinlicher findet man es aber, dass er es mit dem mächtigenOrden nicht verderben wollte. Im folgenden Jahre scheint Fries ausMangel grösserer Bestellungen auch mit geringeren Arbeiten sich bc-fasst zu haben ; er übernahm es, nicht nur die Wappen im Zeughaus,und 17 Fahnen für die Kreiburger Truppen zu malen, für welch' letz-tere Arbeit er 9 liv. empfing, sondern unterzog sich sogar der Not-wendigkeit, Wetterfahnen auf Schlösser und auf Brunnen zu malen.

Im Jahre lull scheinen sich die Verhältnisse für den Künstlergünstiger gestaltet zu haben. Kr verliess das Haus des Stadtschreihersund siedelte sich in der Nähe der Johanniter Comthuroi an, für welcheer in der Folge verschiedene Bestellungen ausführte. Auch stiftete ereinen Jahrtag bei seinen guten Freunden, den Vätern Franziskanern,im Betrag von 20 Livres. Das Jahrzeitcnbuch des Klosters erwähntdieser Stiftung wie folgt: Anniversarium fondat Joannes Fries* uffder Mallen pro 20 [ib. Piclor totius Helvetiae prineeps ccleberri-morum piclorum universae Germaniae collega exlilil.

In den drei folgenden Jahren verlieren wir in Freibarg unsernKünstler aus den Augen, indem er wahrscheinlich in einer anderenStadt der Schweiz beschäftigt war. Seine Rückkehr im Jahre IS 14ist durch die oben erwähnten Gemälde bezeichnet, welche er für dieCapelle der Johanniter Comthurei ausführte, und die jetzt im Museumzu Basel aufbewahrt werden. Im Rathsprotokoll vom 27. Juli 1iil7 findetsich die Notiz, dass dem Meister Hans Fricss bewilligt wurde, ausser-halb des Cantons zu verweilen, um seine Arbeit zu vollenden. Wo erverweilte, wird nicht dabei erwähnt, hierüber belehrt uns aber einNotariatsakt, das Testament seines im Jahre 1818 verstorbenen Vetters,des Rathsherrn Hans Friess, welcher dem Künstler 200 Livres ver-machte : Hern geben ich hansen Friesen, dem Mahler, meines vettert