912 IP. Nr. 2302.
Der Meister / F steht neben Lützelburger jlem Hans Holbein amnächsten, er muss sich daher als etwas älterer Maler in die Kunst-weise desselben gefügt haben, doch nicht ohne sich seiner früherenmageren Manier gänzlich entäussern zu können. Wir wollen daheran dem Maler Hans Frank festhalten, da auch schon andere auf ihnverfallen sind. Der Meister I F erscheint in seinen Blättern nicht alsorigineller Maler, sondern gleichsam als Metallschneider von Profession.Seine Hauptblättcr sind jene, welche unmittelbar nach Holbein's Vor-lagen gearbeitet sind, doch erhielten sie unter seiner Hand ein eigen-thümlich verblasenes Wesen, wodurch sich diese Blätter von anderenseiner Stadtgenossen unterscheiden. Als Metallschneider musste eraber auch Zeichner seyn, um die Vorlagen auf die Platte überzu-tragen, während Lützelburger die Originalzeichnung auf der Holzplatteausschneiden konnte. Desswcgen nun könnte man glauben, dass derMaler Hans Frank sich an Holbein angeschlossen habe, da er alsGraveur und Nachahmer desselben erscheint. Ueber die Anwendungvon Metallstöcken kann kein Zweifel obwalten. Der verstorbene Buch-drucker Wilhelm Haas von Basel besass einige in Kupfer geschnitteneKlötze, und darunter einen Fries mit den Initialen IF, und der Schrift:Unus Dens unus Concilialor etc. Es fällt auch in den meisten Blät-tern dieses Meisters der metallische Glanz auf, sowie die grosse Zart-heit der feineren Schraffirungen und der Punkte, welche augenschein-lich auf Metallarbeit deuten. Auch findet man in den schwächerenAbdrücken nie jene Aussprünge, welche bei Holzplatten so oft vor-kommen. Uebrigens mag der Meister IF auch in Holz geschnittenhaben.
Man könnte auch versucht werden, einen zweiten Meister / F zuunterscheiden, da auch in französischen Druckwerken Blätter mit die-sen Initialen vorkommen, nämlich in solchen aus Offizinen in Parisund Lyon. Allein die Bordüre mit den Brustbildern der alten Ge-lehrten und dem Homer, welcher von der Calliope gekrönt wird, kommtzuerst in den Adagiis Erasmi Rollerodami. Basüeae tö20, und dannerst in Stephani Doleti Commentarii linguae latinae. Lugduni 1536vor. Mehrere Blätter mit / F sind auch in Biblia picturis illustrata.Parisiis, P. Regnault IHM). Der Meister IF könnte später nachFrankreich gegangen seyn, und man möchte auch vermuthen, dass ersich gegen 1548 in England aufgehalten habe. Th. F. Dibdin sprichtin The History of painting in England etc. II. p. 202 von einemHolzschnitte, welcher anscheinlich nach Holbein's Zeichnung den KönigHeinrich VIII. von England auf dem Throne von seinen Käthen um-geben vorstellt. Unten rechts stehen die Initialen IF, und im Car-touche: hing Henry the eyghl, kl. fol. Dieser Holz- oder Metall-schnitt soll sich in Halle's Chronicle von 1K48 befinden. Dibdinschreibt das uns bekannte Blatt einem deutschen Meister zu, undsomit könnte es von dem Basler IF, oder dem Johannes Frank her-rühren.
Einen Theil der Titelverzierungen beschreibt R. Weigel in Baronv. Rumohr's Schrift: Hans Holbein der jüngere etc. S. 108.
1) Heinrich VIII. von England auf dem Throne von den Grossendes Reiches umgeben. Unten rechts / F, kl. fol.
Wir haben auf dieses Blatt oben aufmerksam gemacht.
2) Horlulus anime. Zu Teutsch. Am Ende: Gelruckt zu Baseldurch Thoman Wolff für den ersamen Johan Wattenschnee. Imiar M.D. trnd XXIII., 8.
Dieses Gebetbuch hat I— CCXLIII bezeichnete Blätter nebst Ka-lender und Register. Ein Theil der Holzschnitto ist mit / F versehen.