828 IBA. Nr. 1995.
und eine Tochter (Diana), welche gewöhnlich Ghisi genannt werden,diesen Familiennamen aber so wenig führten, als der Vater. Manhält sie irrig für Geschwister des Giorgio Ghisi, wie wir im Artikeldes letzteren bemerkt haben. Den Zunamen Scultore oder de'Scul-tori für Gio. Batt. Mantuano, und somit auch für Adam und Diana,schöpfte schon Zani, er verschob aber den Beweis von Stelle zu Stelle,und blieb ihn zuletzt schuldig. Er sollte wahrscheinlich im WorteSculptor liegen, welches aber in der einfachen Wortbedeutung zunehmen ist.
Christ (Monogr. Erkl. S. 282) kennt nur einen Johannes BaptistaMantuanus, zu seiner Zeit wollten aber schon einige Sammler unterdem obigen Zeichen einen Johannes Maria Brixianus erkennen, jedochdurch Verwechslung mit Joh. Bapt. Britano, einem berühmten Archi-tekten, über welchen wir I. No. 171U gebandelt haben. Malpe (Noti-ces des graveurs. Besancon 1007, I. p. 278) nennt den Künstlerbereits ohne Anstand Jean Baptiste Ghisi, du le Mantouan. Er lasstihn 1491 geboren werden, und will wissen, dass Giulio Romano undMarc. Anton seine Lehrer gewesen seien. Derselben Ansicht ist auchBartsch, welcher aber 1S51S als das Geburtsjahr des Künstlers an-nimmt. Dadurch, dass ihn dieser Schriftsteller als das Haupt derKünstlerfamilie mit dem Beinamen Mantuano erklärt, bezeichnet er ihnebenfalls als einen Ghisi. Diesen Familiennamen behielt er zuletztallgemein, nur dass der eine oder der andere der späteren Schrift-steller auch noch den Beinamen Britano oder im Umlaute Bertanobeifügte, weil auf Kupferstichen des Giorgio Ghisi diese Namen vor-kommen. Auf der Kreuzabnehmung B. No. 69 steht: Jo. BaptisteBritano Man tu a inv., und "auf dem Urtheil des Paris B. No. 60liest man: Baptista Bertanus Mantuanus Inventor.
Bartsch XV. p. 373 ff. beschreibt 20 Blätter von der Hand diesesKünstlers. Sie sind theils mit dem Namen: /. B. MANTUANUS, 10.MANTUANUS, theils mit dem Monogramme versehen. Nach dem WorteMantuanus steht noch: Sculptor, woraus man den FamiliennamenScultore herleiten wollte. Die beigefügten Jahrzahlen 1S36—1S40deuten die Blüthezeit des Meisters an, oder vielmehr die Periode, inwelcher er den Stichel geführt hatte. Giorgio Ghisi stach später nochzwei Blätter nach Zeichnungen desselben, den Verrath des Sinon auden Trojanern B. No. 28, und die Einnahme von Troja B. No. 29.Auf diesen Blättern steht: J. B. Mantuanus In. Wäre sein Fami-lienname Scultore, so hätte er ihn sicher auf den Zeichnungen bei-gefügt. J. B. Mantuanus Sculptor steht aber nur auf seinen eigen-händigen Stichen, und das letzte Wort ist daher synonym mit sculpstt.G. B. Mantuano ahmte im Stiche dem Marc-Anton nach, man kannaber nicht sagen, dass er unmittelbar Schüler desselben gewesen sei.Er erreichte auch sein Vorbild nicht im erwünschten Grade, sondernsteht mehr auf der Basis des Meisters mit dem Würfel. Seine Arbeitist im Allgemeinen trocken und nachlässig in den Halbtinten. AlsZeichner verdient er aber alles Lob, was sich besonders im Nacktenerweiset. Er scheint fast immer nach eigenen Compositionen gestochenzu haben. Wenn man auch für Giulio Romano ausscheiden will, sodürfte es richtiger seyn, eine Composition im Style desselben anzuneh-men. Sein Hauptblatt ist der Ausfall der Trojaner während der Be-lagerung der Stadt durch die Griechen. B. No. 20. Dieses Blatt hatden Namen und die Jahrzahl 1530.
Unter den von Bartsch XV. p. 377 ff. beschriebenen Blättern istder geringste Theil mit dem Monogramme verschen. Im Buchstaben B ist