Druckschrift 
3 (1863) GK - IML
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690
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690 H V G 0. No. 1642.

illustrissime signorie Vostre si degni per sua dementia concedermiche niuno non possi, ne osi contrafare alcum mio disegno, intaglio,sempre cum ogni reverentia parlando, che non sia contra alle gra-zie per altri tolle: solum per el mio inzegno, il quäl dimostrerdesser necessario et utile, vt chi volesse esser presuntuoso di con-trafare alla mia gratia, et volendo quelli stampar chi, over fuoradi qui non possi venderli nelle luoghi subditi aW Illustrissimo Do-mino Vostro sotto pena di perder le Figure, et per ogni figura du-cati dese divisi in Ire etc.

Hugo da Carpi nimmt also in dieser Eingabe an den Rath inVenedig die Erfindung des Verfahrens in Helldunkel von mehrerenPlatten für sich in Anspruch, und sagt, dass dergleichen noch garnicht gesehen worden sei. Darauf hin erklärten die Italieuer mit Va-sari an der Spitze den Hugo da Carpi für den eigentlichen Erfinderder Kunst des Druckes in Helldunkel. Diese Behauptung ist in ihrerAllgemeinheit jedenfalls irrig, denn wir haben einen deutschen Holz-schnitt von 1509, die Ruhe der heil. Familie in Aegypten von LukasCranach, welche von zwei Platten gedruckt ist. Auch die Helldunkel-blätter von J. Ulrich, dem sogenannten Pilgrim oder Wächtelin, sind älterals jene von Hugo da Carpi. Wenn nun letzter sagt, dass vor ihmkein Versuch in Helldunkel (chiaroscuro, camaieu) gemacht wurde,so hat er entweder das Factum verschwiegen, oder or hat unabhängigvon den Deutschen die gleiche Erfindung gemacht. Bartsch XII. p. 11sucht einen Ausweg, indem er ihn den ersten italienischen Künstlernennt, welcher farbige Holzschnitte (en clair•- obscur) gefertiget hat,und nennt ihn dann noch speziell den Erfinder des Verfahrens, mitdrei oder vier Platten zu drucken. Allerdings sind die alten deutschenHolzschnitte in Helldunkel nur mit zwei Farbenplattcn überdruckt,solche Buntdrucke konnten aber dem Hugo da Carpi leicht zu Gesichtgekommen seyn. Er hatte daher nur die Manipulation zu erforschen,und wenn dieses gelungon, konnte er ebensowohl drei oder vier alszwei Platten anwenden. Die Priorität der Erfindung der Kunst desfarbigen Druckes fällt aber dann bei ihm weg, indem Lukas Cranach1509 vorausging, und kein Holzschnitt dos Hugo da Carpi vor 1518datirt ist.

Die Resolution auf das Bittgesuch des Künstlers von Seite derSignoria in Venedig ist nicht bekannt, er scheint aber nicht abgewiesenworden zu seyn. Doch verliess er Venedig, um in Rom seine Kunstzu üben, wahrscheinlich von der Schule Rafael's angezogen. Das erstedatirte Blatt in Helldunkel von drei Platten stellt den Tod des Ananiasnach Rafael vor, 1518. Aus der Unterschrift des sehr seltenen erstenDruckes ersehen wir, dass Hugo ausser dem römischen auch ein veneti-anisches Privilegium hatte. Man liest im Rande: Quisquis. Has. Ta-bellas. Invito. Aulore. Imprimet. Ex. Divi. Leonis. X. Ac. Hl.Principis. Et. Senatus. Venetiarum. Decretis. Excomunicationis.Sententiarn. Et. Alias. Penas. Incurrel. Rome. Apud. Vgum. üe.Carpi. Impressam. M.D. XVIII.

Dieselbe Unterschrift kommt auch auf dem Blatt mit Aencas,B. 12, vor.

Bartsch zählt 30, Gualandi beinahe 50 Holzschnitte auf, Hugo daCarpi hat aber sicher nicht 30 Blätter geliefert. Authentisch sind jenenach Rafael, obgleich nur zwei den Namen tragen. Der Künstler starbin Rom um 1520. Ein Aktenstück bei Gualandi vom 20. Juli 1523spricht bereits entschieden von seinem Tode. Eines seiner letztenBlätter muss jenes mit Diogenes vor seinem Fasse seyn, B. XI. No. 10.Unten stoht: Franciscus Parmen. Per Vgo Carp. Parmigianino war