HH. Nr. 1010. 367
besass Dr. Keller, und 1837 wurden sie im Kunstblatt als in Dr. Jau-mann's Besitz beschrieben. Die weiteren Schicksale des Künstlers sindbekannt. Er begab sich 1520 von Basel nach London, und starb da-selbst 1554 an der Pest. Im Künstler-Lexicon VI. S. 241 ff. ist dasWeitere nachzulesen, da auch die vorzüglichsten Werke des Meistersaufgezählt sind. Nach Hegner findet man das erste Zeichen auf einigenGemälden, und das zweite auf Kupferstichen nach Gemälden und Zeich-nungen des Künstlers. Wir kommen aber auf ihn zurück, indem sichauch Holzschnitte finden, auf welchen ein kleineres // in dem grösserensteht. Unter dem Monogramm H L handeln wir über den Todtentanz,und unter den Initialen //// über andere Werke, welche dem H. Hol-bein zugeschrieben werden. Man findet nämlich auch Holzschnittenach Zeichnungen dieses Künstlers, und solche, welche man ihm selbstbeilegt, lleich an Zeichnungen und Holzschnitten von Holbein ist jetztdas Museum in Basel, wo uns der junge Holbein mit einer Zeichnungvon 1513 begegnet. Sie stellt drei Nachtwächter vor, mit dem Namenund der Jahrzahl 1513. Zeichnungen aus dem Jahre 1K14 sind indem fragmentirten Skizzeubuche der k. Handzeichnungs-Sammlung inBerlin. Es enthält ausser verschiedenen Bildnissen von Mitgliedernder Familie Fugger, von Geistlichen des Stiftes St. Ulrich in Augs-burg &c. auch die Bildnisse vou Holbein Vater und Sohn, und überdem des letzteren steht die Zahl i4, welche entweder die Jahrzahl ifl/4,oder das damalige Alter des jungen Künstlers andeutet. Die gezeich-neten Bildnisse des Bürgermeisters Meyer und seiner Frau sind 1510datirt. In demselben Jahre malte er diese Bildnisse auch iu Oel. Beidesind im Baseler Museum mit dem Monogramme und der Jahrzahl 151 (iversehen. Sie sind iu einem zart bräunlichen Tone ausgeführt, undzeigen bereits das wunderbar treue Naturgefühl, welches dem Künstlereigen ist. Mit dem Monogramme und der Jahrzahl 1517 sind dielebensgrossen Köpfe von Adam und Eva von derb naturalistem Wesen,und als Naturstudien iu Oel auf Papier zu betrachten. Um 1510 oder1517 setzt man auch die berühmte Passion in einem Cyclus von achtBildern, welche in Basel dem jungen Holbein zugeschrieben werden.Auch Dr. Waagen (Kunstwerke und Künstler in Deutschland II. S. 271)glaubte überzeugt zu seyn, dass diese Tafel eines der ersten grösserenWerke sei, welche Holbein jun. nach seiner Uebersicdlung von Augs-burg nach Basel ausgeführt hat. Wir glauben ebenfalls, dass diess einWerk eines Hans Holbein sei, aber von dem Vater Holbein. Waagengesteht selbst eine auffallende Verwandtschaft zu dem Hauptwerke desalten Holbein, der Geschichte des hl. Paulus in der Gallerie zu Augs-burg zu, und es unterliegt auch keinem Zweifel, dass diese Passiondas Hauptwerk des alten Holbein in Basel ist. Ambros Holbein, welcher1517 als Mitglied der Zunft zum Himmel in Basel vorkommt, und HansHolbein der Sohn , mögen dem Vater hülfreiche Hand geleistet haben,und daraus erklärt sich die bekannte Ungleichheit der Bilder. Diestarken Verzeichnungen, welche öfters vorkommen, gehen wohl aufRechnung des alten Holbein. Der kräftig rötbliche Dokalton desFleisches, die dunklen Schatten und der sehr verschmolzene Vortragsind Holbein dem Vater eigen. Der Vater ist höchst wahrscheinlichauch jener Hans Holbein der Maler, welcher 1520 im rothen Bucheder Zunft zum Himmel in Basel erscheint, ohne Angabe, dass er vonAugsburg stamme, während Ambros Holbein als Maler von Augsburgeingetragen ist. Holbein der Vater konnte auf das Bürgerrecht in BaselAnspruch machen, da er zur Zierde der Stadt beigetragen hatte. Er warbereits eine Reihe von Jahren in Basel thätig, musste daher fast alseinheimisch gelten, und daher fand man es 1520 wohl nicht mehr